Predigt von Bischof Vitus anlässlich der Priesterweihe vom Samstag, 29. April 2017 in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn, lieber Diakon Dominik

In der Seminarkapelle von Wigratzbad werden im Chorfenster die Stufen zum Weihesakrament dargestellt: auf den Empfänger der Tonsur – was keine Weihe ist – folgen der Ostiarier, der Lektor, der Exorzist, der Akolyth, der Subdiakon, der Diakon, der Priester: sieben Stufen. Es fehlt nur die Stufe des Bischofs.

Diese Darstellung in Stufen vermittelt den Eindruck eines Aufstieges. Der Weg zum Priestertum ist ein Aufstieg. Ja, dieser Weg ist tatsächlich ein Aufstieg. Dieser Aufstieg ist pädagogisch zu deuten. Der Berufene, der Kandidat, soll in das Priestertum nach und nach hineinwachsen. Das Priestertum braucht eine lange Vorbereitung. Denn die Kirche weiß, dass das Priestertum etwas so Wertvolles, Bedeutendes und Heiliges ist, dass der Weg zum Priestertum ein langer Weg sein muss, ein Weg der Bewährung, ein Weg der Prüfung, ein Weg nach oben. So ist dieser Aufstieg zu deuten.

Es ist auch ein Aufstieg im Leben der Gnade. Er macht bewusst, mit welcher Gnade das Priestertum verbunden ist und verbunden sein muss. Das Priestertum ist eine große Gnade Gottes. Deshalb müssen wir mit dieser Gnade gewissenhaft umgehen. Der Priester darf kein Ärgernis geben. Dessen muss er sich bewusst sein. Dominik muss sich dieser Gnade bewusst sein und der Folgen, welche diese Gnade für sein Leben haben muss. Er muss sich bewusst sein, dass er mit dieser Gnade sorgfältig umgehen muss. Durch ein glaubwürdiges Leben muss er diese Gnade zum Leuchten bringen. Betet doch der Bischof im Weihegebet, welches in diesem Punkt in beiden Formularen gleich lautet – im Ordo Antiquior und im Novus Ordo: Da quaesumus, omnipotens Pater, in hunc famulum tuum presbyterii dignitatem: innova in visceribus eius spiritum sanctitatis; ut acceptum a Te Deus, secundi meriti munus obtineat, censuramque morum exemplo suae conversationis insinuet. – Allmächtiger Vater, wir bitten dich, gib diesem deinem Diener die Würde des Priestertums; erneuere in seinem Innersten den Geist der Heiligkeit, damit er das von dir erhaltene Amt des zweiten Ranges auf sich nehme und durch seinen vorbildlichen Wandel eindringlich christliche Zucht und Sitte nahelege. Es fällt auf, mit welchem Nachdruck die bestimmenden sakramentalen Worte der Priesterweihe (verba essentialia oder verba formae sacramentalis) auf das heilige Leben eines Priesters legen. Die Weihegnade soll ihnen nicht nur priesterliche Vollmacht geben, sondern eine Hilfe sein, für die Heiligkeit des Lebens. Warum? Weil die priesterliche Vollmacht nur dann zum Leuchten kommt, wenn der Träger dieser Vollmacht ein heiliges Leben führt und für die ihm anvertrauten Seelen ein Beispiel für ein heiliges Leben ist. Deshalb darf man diesen Aufstieg zum Priestertum nicht mit einer Karriere vergleichen. Es ist keine Auszeichnung mit dem Anspruch, höher zu stehen und mehr Ehrerbietung zu verdienen. Die Priesterweihe ist kein Adelstitel und keine Beförderung in einen höheren Stand. Oder, wenn wir bei der Karriere bleiben wollen: Der Weg zur Priesterweihe ist eine Karriere der Demut, ein Weg der Demut. Ein Priester, der nicht demütig ist, hat wohl die Vollmacht des Priestertums. Es fehlt ihm aber der Geist des Priestertums, jene innere Haltung, welche Jesus die Armut im Geiste nennt (Mt 5,3) . Wenn dieser Geist der Armut fehlt, fehlt das Feuer, welches die Herzen der Menschen entzündet und zur Liebe Gottes bewegt.

Ich komme zurück auf die Darstellung des Aufstiegs zum Priestertum in der Seminarkapelle von Wigratzbad. Diese Darstellung muss durch eine anderen Darstellung ergänzt werden – wenigstens im Geiste, wenn dies bildhaft nicht zu erbringen ist, nämlich durch die Darstellung des Abstieges. Ich möchte dies mit einem Wort aus der Heiligen Schrift verdeutlichen, aus dem Brief an die Philipper: Jesus Christus war in Gottes Gestalt, hielt aber nicht (eifersüchtig) wie eine Beute fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich, nahm die Gestalt eines Sklaven an, wurde den Menschen gleich und dem Äußern nach ganz als Mensch wahrgenommen. Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuz (Phil 2,6-8). Der Weg unseres Herrn war nicht ein Aufstieg. Er war ein Abstieg zu uns Menschen, eine Erniedrigung, eine Entäußerung, ein Weg der Demut; ein Weg auf dem unser Herr Kränkung, Erniedrigung, Beleidigung, Entmenschlichung, Gewaltanwendung erfahren musste. Das alles hat der Herr auf sich genommen. Er hat nie gesagt: Du musst mich ehren, denn ich bin Gottes Sohn. Wie sprichst du mit mir, ich bin doch Gottes Sohn. Du musst mich anständig behandeln, denn ich bin Gottes Sohn. Ja, er hat dem Teufel widerstanden, der wollte, dass er sich als Gottes Sohn profiliere und bestätige (Mt 4,1-11). Nur wer diesen Weg des Abstieges mit dem Herrn beschreitet, kann wirklich aufsteigen zur Gnade des Priestertums und als Priester so wirken, wie der Herr selber gewirkt hat. Nur auf diese Weise kann er seinen Auftrag echt in persona Christi erfüllen und sich vor allem des Dienstes am Altar würdig erweisen. Deshalb wird auch die Übergabe des Messgewandes mit der Liebe, mit der caritas, in Verbindung gebracht: Accipe vestem Sacerdotalem, per quam caritas intelligitur; potens est enim Deus, ut augeat tibi caritatem et opus perfectum. – Empfange das priesterliche Gewand, das die Liebe darstellt; denn Gott ist mächtig, die Liebe in dir zu vermehren und zur Vollkommenheit zu führen. Diese Liebe ist die Frucht der Demut, der vollkommenen Verleugnung seiner selbst, des Abstieges mit unserem Herrn, um dem verlorenen Menschen den Aufstieg zu Gott, zum Himmel zu erbitten und zu ermöglichen. Um diese Liebe und um diese Demut sollen Sie, mein lieber Weihekandidat Dominik, immer wieder bitten mit dem Gebet jenes Heiligen, dessen 600 Jahre-Jubiläum seit seiner Geburt wir in unserem Lande feiern, des heiligen Bruder Klaus: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gibt alles mir, was mich führet zur dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. Als Priester fügen Sie diesem Gebet noch hinzu: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich daran hindert, ein guter, heiliger Priester zu sein. Amen.

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Papst Franziskus verlängert Amtszeit von Bischof Vitus Huonder

Papst Franziskus hat das Rücktrittsgesuch geprüft, das ihm der Bischof von Chur am 21. April 2017 übermittelt hat. Nach Abwägung aller Umstände hat der Papst entschieden, die Amtszeit des Bischofs um zwei Jahre zu verlängern, bis Ostern 2019.

Dies bedeutet, dass Bischof Vitus Huonder als Diözesanbischof mit allen Rechten und Pflichten zwei weitere Jahre im Amt bleibt. Erst danach wird die Neubesetzung des Bischofssitzes stattfinden.

Der Bischof freut sich über das Vertrauen des Papstes, das in dieser Entscheidung zum Ausdruck kommt.

Brief des Bischofs an die Mitarbeitenden

Vom scheinbaren Glück der Esoterik zum wahren Glück des Glaubens

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Priesterweihe in Heiligenkreuz: Die Weihekandidaten (Konrad Ludwig, Moses Hamm, Malachias Hirning) und Diakon Riccabona beim feierlichen Einzug

„Endlich konnte ich diese riesige Last, die ich in all den Jahren mit mir schleppte, die immer erdrückender wurde, auf IHN werfen. Ja, ich habe es erfahren: Durch seine Wunden bin ich geheilt.“ Gastbeitrag von Diakon Markus Michael Riccabona

St. Pölten (kath.net) Ich bin in eine Familie hineingeboren worden, in der bereits seit meiner Urgroßmutter an esoterische Lehren geglaubt wurde. Wiedergeburt, „aufgestiegene Meister“, Channelling und Co. waren für mich von Kindesbeinen an selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich wurde ich jedoch auch getauft, ging zur Erstkommunion und erhielt die Firmung. Denn in das synkretistische Weltbild der Esoterik ist vieles integrierbar. Jesus ja, aber er ist nur einer von vielen „Meistern“, die in eine höhere Dimension, in einen höheren Bewusstseinszustand aufgestiegen sind. Er wird jedoch nicht als der eingeborene Sohn Gottes, nicht als persönlicher Heiland, Retter und Erlöser gesehen.

Nach der Pubertät begann ich selbst esoterische Literatur zu lesen, später auch Okkultes, beschäftigte mich mit spiritistischem Pendeln, Sanskrit-Mantras und Runenmagie. In der Mitte meiner Zwanziger traf ich dann eine „spirituelle Lehrerin“, in deren Gruppe ich die so genannte „Metaphysik“, die sich als „esoterisches Christentum“ ausgab, kennen und anwenden lernte. Kern dieser Lehre ist die so genannte Meisterschaft über die Materie, das heißt, dass man sich durch Bewusstseinserhöhung von allen Zwängen und Einschränkungen der materiellen Welt befreit, und sich schließlich in eine höhere Dimension des Daseins erhebt, bis man schließlich selbst zu einem „aufgestiegenen Meister“ wird.

Die von der Esoterik propagierte Selbstvergöttlichung des Menschen wirft ihn aber letztlich auf ihn selbst zurück. Die oberflächliche „Liebes-Aura“ der Esoterik entpuppt sich als tief gehende Täuschung eines kalten, beziehungsunfähigen und daher lieblosen „Gottes“. Die gepriesene Möglichkeit der Selbsterlösung durch Erkenntnis wird zur furchtbaren Verdammung, ohne Gnade und göttliches Erbarmen alles aus eigener Kraft vollbringen zu müssen. Bis zur letzten Konsequenz. Das führt oft zu quälenden seelischen Bedrängnissen bis zu ernsten psychischen Erkrankungen.

Auch ich selbst erlebte einen zunehmenden Erfolgsdruck, zumal sich trotz intensiver Praxis die vorgegebene Beherrschung der Materie nicht einstellen wollte. Die Treffen in der Gruppe wurden immer mehr zu einer Belastung, da ich ja schließlich entsprechen musste. Je nachdem, welchen Fortschritt man in den Augen der Gruppenleiterin erreicht hatte, bekam man besondere Gunsterweise – die den Druck letztlich nur noch weiter verstärkten. Als meine zukünftige Ehefrau in mein Leben trat, wurde es noch enger: Eine Konkurrenz wurde von der Gruppenleiterin nicht geduldet. Meine Partnerin wurde zum Feind erklärt, der einen schlechten Einfluss auf mich ausübe und mich energetisch „hinunterziehe“.

Der Wendepunkt kam bei einer so genannten Visionssuche, einer geführten Auszeit in der Wildnis – alleine, ohne Schutz (Zelt) und ohne Nahrung vier Tage und vier Nächte in der Gebirgswüste des Hoch-Sinai. In einer durch einen brennenden Dornbusch (!) geschwärzten Steinformation fand ich einen vertrockneten Granatapfel – durchbohrt von einem Dorn. Spontan assoziierte ich damit das durchbohrte Herz Jesu Christi. Ich war erschüttert. Als ich in der Feedbackrunde den anderen Teilnehmern und den Leitern meinen Fund präsentierte, meinten diese, dass Granatapfel und Dorn eindeutig Symbole für die Genitalien von Mann und Frau seien. Ich konnte diesen Unsinn nicht fassen. Doch damit begann meine Umkehr.

Nach einer Nacht mit Sandsturm und einer weiteren mit Schneesturm sah ich in der letzten Nacht der Auszeit, der so genannten Visionsnacht, vom Hoch-Sinai auf mein gesamtes bisheriges „Esoterik-Leben“ – und da war nur noch ein großes Fragezeichen: „Was mache ich da überhaupt?“ Mit einem Mal waren alle scheinbaren Sicherheiten, das ganze Weltbild, auf dem mein bisheriges Leben beruht hatte, in Frage gestellt. Doch es war noch ein weiter Weg.

Ein Jahr später wurde ich auf einer Mexiko-Reise von der Vorsehung zu einer Erweckungs-Veranstaltung einer evangelikalen Gruppe geführt. Dort durfte ich – durch reine Gnade – Jesus Christus als den Sohn Gottes, als meinen Heiland und Retter, der mich durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz erlöst hat, erkennen. Ich schaute auf den, den ich durch meine Sünden durchbohrt hatte. Ich schaute auf den lebendigen Granatapfel, das für mich geöffnete Herz Jesu. Trotz dieses Bekehrungserlebnisses war für mich sofort klar, dass die Evangelikalen nicht die Endstation meiner Reise waren. Bei all dem mitreißenden Enthusiasmus war doch zu wenig Tiefe spürbar.

Zurück in Wien, zog mich eine große innere Sehnsucht nach der Eucharistie zu den Sonntagsmessen in die Pfarrkirche Altottakring. Dort wurde an einem Sonntag in der vorösterlichen Bußzeit ein ständiger Diakon in sein Amt eingeführt. Als er am Ambo stand und sich vorstellte, hörte ich eine Stimme in meinem Inneren zu mir sagen: „Das ist deine Aufgabe!“ (Heute weiß ich: Gott schenkt nicht die Gnade der Bekehrung ohne eine Berufung, und keine Berufung ohne konkrete Sendung. Er will, dass wir Menschen – in all unserer Erbärmlichkeit – an seinem Erlösungswerk mitarbeiten.) Damals hatte ich keine Ahnung vom Ständigen Diakonat – Jahre später wurde ich von Kardinal Christoph Schönborn im Dom zu St. Stephan geweiht. Dazwischen lagen aber vor allem: Umkehr, Beichten, intensive geistliche Begleitung und zahlreiche Befreiungsgebete.

Die erste Beichte seit meiner Firmung war dabei der sicher wichtigste Schritt und ein Schlüsselerlebnis. In Altottakring wurde bekannt gegeben, dass ein gewisser Pater Bernhard vom Stift Heiligenkreuz in der Karwoche Beichte hören würde. Ich wusste sofort: Da muss ich hin! Von einem P. Bernhard Vošicky hatte hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört, aber Heiligenkreuz war mir schon früher als „sehr katholisch“ bekannt gewesen. Ich dachte mir: Also wenn schon katholisch, dann aber gleich richtig …

Bei der Beichte war wirklich Jesus vor mir. Der HERR. Aus P. Bernhard strahlte eine so überwältigende Liebe, dass ich nur noch weinen und schluchzen konnte. Er nahm meine Hand, und ich war von diesem Strom der Liebe Gottes dermaßen überwältigt, dass ich wusste: Jetzt bin ich zu Hause angekommen. Ich bin da. Endlich, endlich konnte ich diese riesige Last, die ich in all den Jahren mit mir schleppte, die immer größer und erdrückender, ja aussichtslos wurde, auf IHN werfen. Im Bewusstsein, dass ER sie für mich bereits getragen hat. Hinauf auf das Kreuz. Ja, ich habe es erfahren und bezeuge es: Durch seine Wunden bin ich geheilt.

55553Markus Michael Riccabona (Foto) ist ständiger Diakon, verheiratet und Leiter des Referats für Kommunikation der Diözese St. Pölten.

Foto links (c) Elisabeth Fürst
Dieser Beitrag erschien zuerst in „Feuer und Licht“, Nr. 243 Mai 2016.

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Papstpredigt an Diakone: Volltext

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Grün: Bischöfe und Priester. Weiß: die Diakone

Hier finden Sie den Volltext der Papstpredigt bei der Heilig-Jahr-Feier mit Diakonen auf dem Petersplatz an diesem Sonntag. In den offiziellen Text haben wir die spontanen Hinzufügungen des Papstes eingearbeitet.

»Knecht Christi« (Gal 1,10). Wir haben diesen Ausdruck gehört, mit dem der Apostel Paulus sich in seinem Schreiben an die Galater bezeichnet. Zu Beginn des Briefes hatte er sich als »Apostel« nach dem Willen des Herrn Jesus vorgestellt (vgl. Gal 1,1). Die beiden Begriffe – Apostel und Knecht – stehen beisammen, sie können nicht getrennt werden; sie sind die beiden Seiten ein und derselben Medaille: Wer Jesus verkündet, ist berufen zu dienen, und wer dient, verkündet Jesus.

Der Herr hat es uns als Erster gezeigt: Er, das Wort des Vaters, er, der uns die frohe Botschaft gebracht hat (vgl. Jes 61,1), der selbst die frohe Botschaft ist (vgl. Lk 4,1) – er wurde unser Diener (vgl. Phil 2,7), er »ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen« (Mk 10,45). »Er ist der Diener aller geworden«, schrieb ein Kirchenvater (hl. Polykarp, Brief an die Philipper V,2). Wie er es getan hat, so sind seine Verkünder berufen, es zu tun. Der Jünger Jesu kann keinen anderen Weg gehen als den des Meisters, sondern wenn er ihn verkünden will, muss er ihn nachahmen, wie Paulus es getan hat: danach streben, Diener zu werden. Anders gesagt, wenn das Evangelisieren die Sendung ist, die jedem Christen in der Taufe übergeben wurde, dann ist das Dienen der Stil, mit dem diese Sendung gelebt werden muss, die einzige Art und Weise, ein Jünger Jesu zu sein. Sein Zeuge ist, wer es ihm gleichtut: wer den Brüdern und Schwestern dient, ohne des demütigen Christus müde zu werden, ohne des christlichen Lebens müde zu werden, das ein Leben des Dienens ist.

Wo soll man anfangen, um »tüchtige und treue Diener« (vgl. Mt 25,21) zu werden? Als ersten Schritt sind wir aufgefordert, die Verfügbarkeit zu leben. Der Knecht lernt jeden Tag, sich davon zu lösen, alles für sich selbst zu verfügen und über sich selbst zu verfügen, wie er will. Er trainiert sich jeden Morgen darin, das Leben hinzugeben, zu denken, dass jeder Tag nicht ihm gehört, sondern als Selbsthingabe zu leben ist. Denn wer dient, wacht nicht eifersüchtig über seine eigene Zeit, er verzichtet sogar darauf, der Herr seines Tagesablaufs zu sein. Er weiß, dass die Zeit, die er lebt, nicht ihm gehört, sondern ein Geschenk ist, das er von Gott erhält, um es seinerseits zu schenken: nur so wird sie wirklich fruchtbar werden. Wer dient, ist nicht Sklave des Terminkalenders, den er festlegt, sondern willig stellt er sich dem nicht Geplanten zur Verfügung: bereit für den Bruder oder die Schwester und offen für das Unvorhergesehene, an dem es nie fehlt und das oft die tägliche Überraschung Gottes ist. Der Knecht ist offen für die Überraschung, die täglichen Überraschungen Gottes. Der Knecht versteht, die Fenster seiner Zeit und seiner Räume für den neben ihm zu öffnen und auch für den, der zur Unzeit anklopft – auf die Gefahr hin, die verdiente Ruhe zu unterbrechen oder etwas liegen zu lassen, das ihm gefällt. Der Knecht vernachlässigt die Arbeitszeiten. Mir tut es im Herzen weh, wenn ich in den Pfarreien Dienstzeiten sehe: von soundsoviel bis soundsoviel Uhr. Danach? Keine offene Tür, kein Priester, kein Diakon, kein Laie, um die Leute zu empfangen. Das tut weh. Die Dienstzeiten vernachlässigen: den Mut dazu haben, die Dienstzeiten zu vernachlässigen! Wenn ihr, liebe Diakone, die Verfügbarkeit auf diese Weise lebt, dann wird euer Dienst von jedem Vorteilsdenken frei sein und fruchtbar sein im Sinne des Evangeliums.

Auch das heutige Evangelium spricht uns vom Dienen, da es uns zwei Diener zeigt, woraus wir wertvolle Lehren ziehen können: den Diener des Hauptmanns, der von Jesus geheilt wird, und den Hauptmann selbst, der im Dienst des Kaisers steht. Die Worte, die der Hauptmann Jesus überbringen lässt, damit er nicht bis in sein Haus kommt, sind überraschend und oft das Gegenteil unserer Gebete: »Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst« (Lk 7,6). »Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen« (V. 7). »Auch ich muss Befehlen gehorchen« (V. 8). Über diese Worte ist Jesus erstaunt. Ihn berührt die große Demut des Hauptmanns, seine Milde. Und die Milde ist eine der Tugenden des Diakons, nicht wahr? Wenn der Diakon milde ist, ist er ein Knecht und äfft nicht etwa den Priester nach, nein, nein – er ist milde. Angesichts der Schwierigkeit, die ihn betrübte, hätte er sich erregen und sich anmaßen können, erhört zu werden, indem er seine Autorität geltend machte. Er hätte Jesus eindringlich überzeugen, sogar zwingen können, in sein Haus zu kommen. Stattdessen macht er sich klein, zurückhaltend, er erhebt nicht die Stimme und will nicht stören. Er verhält sich – vielleicht ohne es zu wissen – nach dem Stil Gottes, der »gütig und von Herzen demütig« ist (Mt 11,29). Denn Gott, der die Liebe ist, geht aus Liebe sogar so weit, uns zu dienen: er ist mit uns geduldig, gütig, immer bereit und wohlgesonnen, er leidet wegen unserer Fehler und sucht den Weg, uns zu helfen und uns besser zu machen. Dies sind auch die gütigen und demütigen Züge des christlichen Dienens, das darin besteht, Gott nachzuahmen im Dienst an den anderen: indem wir sie mit geduldiger Liebe annehmen; indem wir sie verstehen, ohne es müde zu werden; sie spüren lassen, dass sie zu Hause, in der kirchlichen Gemeinschaft angenommen sind, wo nicht der groß ist, der befehligt, sondern der dient (vgl. Lk 22,26). Und niemals herumschreien: niemals! Auf diese Weise, liebe Diakone, in der Güte wird eure Berufung als Diener der Liebe reifen.

Nach dem Apostel Paulus und dem Hauptmann gibt es in den heutigen Lesungen einen dritten Diener, nämlich den, der von Jesus geheilt wird. In der Erzählung heißt es, dass sein Herr ihn sehr schätzte und dass er krank war, aber man weiß nicht, welche schwere Krankheit er hatte (vgl. Lk 7,2). In gewisser Weise können auch wir uns in diesem Diener erkennen. Jeder von uns wird von Gott sehr geschätzt, geliebt und erwählt; jeder von uns ist gerufen zu dienen, doch muss er zuallererst innerlich geheilt werden. Um fähig zu sein für den Dienst, brauchen wir die Gesundheit des Herzens: ein von Gott geheiltes Herz, das spürt, dass ihm vergeben wurde, und das weder verschlossen noch hart ist. Es wird uns gut tun, jeden Tag vertrauensvoll dafür zu beten, darum zu bitten, von Jesus geheilt zu werden, ihm ähnlich zu werden, der „uns nicht mehr Knechte nennt, sondern Freunde“ (vgl. Joh 15,15). Liebe Diakone, jeden Tag könnt ihr im Gebet um diese Gnade bitten – in einem Gebet, wo die Mühen, das Unvorhergesehene, die Müdigkeit und die Hoffnungen vorgetragen werden: ein echtes Gebet, das das Leben vor den Herrn trägt und den Herrn in das Leben. Und wenn ihr am Tisch der Eucharistie dient, werdet ihr dort die Gegenwart Jesu finden, der sich euch schenkt, damit ihr ihn den anderen schenkt.

Auf diese Weise – verfügbar im Leben, gütig von Herzen und im beständigen Dialog mit Jesus – werdet ihr keine Angst haben, Knechte Christi zu sein, dem Fleisch des Herrn in den Armen von heute zu begegnen und es zu liebevoll zu berühren.

(rv 29.05.2016 sk)

Diakone aus aller Welt zu Gast beim Jubiläum der Diakone

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Heilige Pforte, Petersdom / PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO, Copyright

Vom 27. bis zum 29. Mai 2016 Jubiläum der Diakone in Rom

Morgen wird im Rahmen des Jubiläums der Barmherzigkeit das Jubiläum der Diakone beginnen. Bis zum 29. Mai 2016 werden sich Diakone aus aller Welt mit ihren Familien zu einer mehrtägigen Begegnung versammeln, die am Sonntag mit der Messe mit Papst Franziskus ihren Schlußpunkt finden wird.

Mit dem Jubiläum der Diakone soll zum Nachdenken über die wichtige Rolle des Diakons als Bild der Barmherzigkeit angeregt und ein Schritt zur Neuevangelisierung getan werden. Den Diakonen wird Gelegenheit zum Austausch, zur Diskussion und zum gemeinsamen Gebet gegeben.

Die Diakone werden außerdem gemeinsam zu den Kirchen Roms pilgern, die dem ersten Diakon und Märtyrer, Laurentius, geweiht sind, und die Heilige Pforte am Petersdom durchschreiten.

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Dokument: Frauendiakonat, theologisch gesehen

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Die Internationale Theologische Kommission hat sich 2002 im Vatikan ausführlich mit dem Diakonat beschäftigt; dabei streifte das Gremium, das der Glaubenskongregation zugeordnet ist, immer wieder auch das Thema Frauendiakonat. Hier dokumentieren wir einige Auszüge aus dem Text, der 2003 veröffentlicht wurde.

„In apostolischer Zeit haben verschiedene Formen diakonischen Beistands für die Apostel und die Gemeinden, die von Frauen ausgeübt wurden, anscheinend institutionellen Charakter gehabt… (Der) historische Überblick zeigt, dass es tatsächlich ein Dienstamt der Diakonissen gegeben hat, das sich in den verschiedenen Regionen der Kirche unterschiedlich entwickelt hat. Es scheint klar, dass dieses Dienstamt nicht als das einfache weibliche Äquivalent des männlichen Diakonats aufgefasst wurde. Es handelt sich zumindest um eine kirchliche Aufgabe, die von Frauen ausgeübt und manchmal in der Liste der Dienstämter der Kirche vor dem Dienst des Subdiakons genannt wird. Wurde dieses Dienstamt durch eine Handauflegung übertragen, die vergleichbar ist mit der Handauflegung, mit der der Episkopat, der Presbyterat und der männliche Diakonat übertragen wurden? … Muss die Auflegung der Hände auf die Diakonissen mit der Handauflegung für die Diakone verglichen werden, oder gehört sie in die Reihe der Handauflegung auf den Subdiakon und den Lektor? Die Frage ist allein von den historischen Gegebenheiten her kaum zu entscheiden.“

„Im Mittelalter haben Nonnen in Krankenhäusern und als Lehrerinnen faktisch die Aufgaben der Diakonie erfüllt, ohne allerdings zu diesem Dienst geweiht zu werden. Der Titel, dem kein Dienst mehr entspricht, wird Frauen gegeben, die zu Witwen oder Äbtissinnen eingesetzt werden. Bis zum 13. Jahrhundert werden Äbtissinnen manchmal Diakonissen genannt.“

„Das II. Vatikanum zeigt in der Beschreibung des ständigen Diakonats, den es wiederherstellt, ein Zögern… Es ist … beachtenswert, dass das Konzil in keiner Weise vorgibt, die Form des ständigen Diakonats, den es vorschlägt, wäre eine Restauration einer früheren Form. Das erklärt auch, warum manche Theologen den Ausdruck ,Restauration´ vermeiden, weil er leicht zur Vermutung führt, eine Gegebenheit solle auf ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Aber das II. Vatikanum beabsichtigt dies keinesfalls. Was es wiederherstellt, ist das Prinzip der Ausübung des ständigen Diakonats, und nicht eine besondere Form, die er in der Vergangenheit gehabt hat. Nachdem es die Möglichkeit geschaffen hat, den ständigen Diakonat wieder einzuführen, scheint das Konzil für Formen, die er in der Zukunft, bedingt durch pastorale Notwendigkeiten und kirchliche Praxis, haben wird, offen zu sein, so lange die Treue gegenüber der Tradition gewahrt bleibt.“

„Was die Ordination von Frauen zum Diakonat betrifft, sei angemerkt, dass sich aus dem bisher Dargelegten zwei wichtige Hinweise ergeben: 1. Die Diakonissen, die in der Überlieferung der frühen Kirche erwähnt werden, sind – entsprechend dem, was der Ritus der Einsetzung und die ausgeübten Funktionen nahe legen – nicht schlicht und einfach mit den Diakonen gleich zu setzen; 2. die Einheit des Weihesakraments, in der klaren Unterscheidung zwischen den Dienstämtern des Bischofs und der Presbyter auf der einen und dem diakonalen Dienstamt auf der anderen Seite, wird durch die kirchliche Tradition stark betont, vor allem durch die Lehre des II. Vatikanum und die nachkonziliare Lehre des Lehramts. Im Licht dieser Momente, die in der vorliegenden historisch-theologischen Untersuchung herausgestellt wurden, kommt es dem Amt der Unterscheidung, das der Herr in seiner Kirche eingerichtet hat, zu, sich mit Autorität zu dieser Frage zu äußern.“

Den vollständigen Text des Dokuments finden Sie hier

(rv 12.05.2016 sk)

Die Diskussion um den Diakonat der Frau: Zusammenfassung

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Papst Franziskus will mehr Klarheit über den Diakonat der Frau, wie die frühe Kirche ihn kannte. Im freien Austausch mit Ordensoberinnen aus allen Erdteilen sprach der Papst davon, eine Kommission einzurichten, die die Aufgaben der Diakoninnen der frühen Kirche klärt, um daraus etwaige Schlussfolgerungen für eine zukünftige kirchliche Praxis zu ziehen. Radio Vatikan stellt die wichtigsten Informationen zu diesem Thema für sie zusammen. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Audienz.

Im Gespräch mit Radio Vatikan bestätigte die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Schwester Katharina Ganz, die an der Audienz teilnahm, dass es die Oberinnen selbst gewesen seien, die die Frage nach dem Zugang zum Ständigen Diakonat an den Papst herangetragen hätten. Franziskus selbst habe darauf die Idee einer Studienkommission entwickelt. Hier finden Sie den Volltext der Audienz.

Eine Kommission, die sich eingehend mit dem Thema Diakonat beschäftigt hat, ist bereits im Jahr 2003 zusammengetreten. Es handelte sich hierbei um die Internationale Theologische Kommission, die der Glaubenskongregation zugeordnet ist. Bei seinen Beratungen streifte das Gremium auch immer wieder auch das Thema Frauendiakonat. Hier lesen Sie mehr.

Der Ständige Diakonat, der verheirateten Männern offen steht, wurde durch das II. Vatikanische Konzil wiederbelebt und ist heute die einzige Form der Berufung in der katholischen Kirche, die in Europa Zuwächse verzeichnet. Diakone dürfen bestimmte Sakramente spenden, etwa die Taufe, nicht aber die Eucharistie oder die Beichte. Die Diakonenweihe ist die unterste der drei Weihstufen in der Kirche, danach können die Priester- und die Bischofsweihe folgen. Hier finden Sie einen historischen Überblick über das Amt.

In der Frage der Priesterweihe für Frauen gibt es eine klare lehramtliche Entscheidung, die auch Papst Franziskus bestätigt hat: die Priesterweihe ist Männern vorbehalten, die Kirche hat keine Vollmacht, sie Frauen zu spenden. Dies betonte auch Vatikansprecher Pater Federico Lombardi als Reaktion auf die teils überschäumende Berichterstattung zu dem Thema.

Eine „heftige Debatte“ sieht Kurienkardinal Kaspar zu dem Thema voraus. Die Kirche sei in dieser diffizilien Frage zweigeteilt, so der emeritierte Kurienkardinal.

(rv 13.05.2016 gs/cs)

DER KATHOLISCHE DIAKON UND SEIN DIAKONAT

Anlässlich des Festes des heiligen Erzmärtyers und Erzdiakons (Protodiakons) Stephanus:

DER STÄNDIGE DIAKON:

IDENTITÄT, FUNKTION UND PERSPEKTIVEN

Ausgearbeitet und gehalten von

Msgr. Roberto O. González Nieves, O.F.M.,

Metropolitanerzbischof von San Juan de Puerto Rico

19. Februar 2000

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Der Ständige Diakon: Identität, Funktion und Perspektiven

Begrüßung: Pax et bonum.

Liebe Brüder im Diakonat, „lasset uns einander lieben, damit wir eines Herzens unseren Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist bekennen, die wesenseine und unzerteilte Dreifaltigkeit“ (Friedensgruß aus der Byzantinischen Liturgie).

Der Friede sei mit euch.

„Ich freute mich, als man mir sagte: „Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.“ (Ps 122 [121],1).

Wir sind hier her gepilgert, um das Große Jubiläum des Jahres 2000 zu feiern. Es sind also 2000 Jahre seit der Menschwerdung des Gottessohnes vergangen. Er ist die Pforte, die sich zum dritten Jahrtausend hin öffnet. Die Pforte, durch welche die Kirche hindurch geht, auf das zukünftige Reich zu: Heute ist der Tag des Heils. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns jubeln und fröhlich sein in ihm“ (Ps 118 [117],24).

Das Jubiläum ist das „Jahr der Gnade“, in dem unser Herz gereinigt und erneuert wird. Ihr Diakone, laßt uns alle hinzutreten! Wir wollen uns in den Wassern reinigen, die im Übermaß aus dem Tempel hervor strömen. Möge der Herr unser Antlitz erleuchten, auf daß wir mit Jubel verkünden, daß Jesus der Christus ist, ja, daß er der Herr ist. Lasset uns ihn bitten, daß er uns den Heiligen Geist eingieße, auf daß wir, wenn wir diesen heiligen Ort verlassen, das Evangelium verkünden. Christus gestern! Christus heute! Christus in Ewigkeit! Seine Liebe währet ewig! Es lebe Christus!

Er, der uns persönlich zum Amt des Diakons berufen hat, er lädt uns heute ein, an der Erneuerung der Zeit und der Geschichte teilzunehmen: dies ist die Zeit der Versöhnung, und dies ist auch die Geschichte des Heils. Die alles heilende Liebe muß unter uns den ersten Rang einnehmen. Von diesem Geist beseelt, wollen wir nun zum eigentlichen Thema übergehen. Daher fragen wir uns: Woher kommen wir? Wer sind wir? Und wohin gehen wir?

Theologischer Rahmen

Woher kommen wir? Mir scheint, um die Besonderheit des Diakonenamtes in der Kirche besser zu verstehen, wäre es vielleicht angebracht, zuerst kurz einige Punkte hinsichtlich des Mysteriums der Sakramentalität des apostolischen Amtes noch einmal zu erörtern, da wir ja den Diakonat innerhalb dieses Mysteriums vorfinden. Mit anderen Worten: meine Erörterung hinsichtlich des Themas Der Ständige Diakon: seine Identität, Funktion und Perspektiven gründen in der apostolischen Natur des Diakonates. Das Amt des Diakons ist, wenn auch wesentlich verschieden vom Priester- und Bischofsamt, zusammen mit diesen beiden ein Ausdruck der Apostolizität der Kirche.

Der Ständige Diakon: Identität

Der Laienstand und der Diakonat

Wer sind wir? In der Konstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es unter Nummer 33: „Die im Volk Gottes versammelten und dem einen Leibe Christi unter dem einen Haupt eingefügten Laien sind, wer auch immer sie sein mögen, berufen, als lebendige Glieder alle ihre Kräfte, die sie durch das Geschenk des Schöpfers und die Gnade des Erlösers empfangen haben, zum Wachstum und zur ständigen Heiligung der Kirche beizutragen“ (Lumen gentium, 33). In den letzten Jahrzehnten hat der Laienstand innerhalb der Kirche einen großen Aufschwung erfahren. Nach den Definitionen hinsichtlich des Papsttums im Ersten Vatikanischen Konzil und hinsichtlich des Bischofsamtes im Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgte gerade im letztgenannten Konzil der Ruf an den Laienstand nicht nur als ein Objekt theologischer Spekulation und Teilhaber an der apostolischen Hierarchie der Kirche (SS Pius XI.), sondern als Glied der Kirche, dem die Mission zur Evangelisierung in der Welt obliegt. Am Ende des ersten Jahrtausends war der Diakonat im Westen bereits abhanden gekommen und existierte vielerorts nur mehr als ein Durchgangsstadium zum Priesteramt. Das Zweite Vatikanische Konzil ermahnt, wie wir sehen, die Gläubigen, zum Wachstum der Kirche beizutragen.

Heutzutage verwalten auf der ganzen Welt verteilt Laien beider Geschlechter als außerordentliche Helfer die Kommunionausteilung innerhalb und außerhalb der Kirchen; sie tragen die Lesungen vom Ambo vor, singen und übernehmen Leitungsfunktionen im musikalischen Bereich, tragen die Fürbitten des universalen Bittgebetes der Kirche vor und übernehmen allerlei Aufgaben während der Liturgie. Ja, es gibt sogar Laien und Ordensleute, die als diözesane Kanzler fungieren, die Pfarreien verwalten und denen karitative Ämter innerhalb der Diözese übertragen wurden. In manchen Missionsgebieten gibt es Ordensleute, die in feierlicher Form Taufen vornehmen und andere Laien und Ordensleute, die als offizielle Zeugen bei der Spendung des Ehesakramentes fungieren. Mit einem Wort: dies und vieles mehr weist darauf hin, daß die Stunde gekommen ist, in der die Laien noch mehr an der Neuevangelisierung teilhaben.

Die Wiederbelebung des Diakonates im Westen

Die pastoralen Bedürfnisse der Kirche haben den Papst und die Bischöfe bewegt, immer mehr auf die Laien und Ordensleute als außerordentliche Helfer in ihrer Eigenschaft des Lehrens und des Heiligens zu zählen. Aber genau in diesem Punkt stellt das Zweite Vatikanische Konzil in einem sehr interessanten Augenblick und ohne diesen Laienhelfern das Verdienst abzusprechen den Diakonat als ein ständig ausgeübtes Amt in der Kirche wieder her. Nun kommt aber die Frage auf: Warum soll der Diakonat überhaupt wieder belebt werden, wenn all das, was ein Diakon macht, ebenfalls ein Laie machen kann? Der englische Franziskaner Wilhelm von Ockham hat den berühmten und allseits bekannten Ausspruch getan, den man die „Messerklinge von Ockham“ nennt (Quodlibeta Nr. 5.9.1, art. 2, ca. 1324), in dem er zur Besonnenheit und zur Verwerfung der Extravaganz aufruft. Es heißt dort auf Latein: „entia non sunt multiplicanda sine necessitate“; mit anderen Worten: Wozu kompliziert, wenn es auch einfach geht? Aus diesem Blickwinkel scheint die Wiederbelebung des Diakonates in der lateinischen Kirche eine wahre Verdoppelung jener Ämter zu sein, die bereits in Funktion sind und gute Resultate zeitigen.

Die Scholastiker sagen uns, daß „dem Werden das Sein vorausgeht“. Niemand vollbringt das, was er nicht kann und gibt nichts, was er nicht hat. In diesem Sinne scheint es, daß das „Sein“ des Laienstandes an sich potentiell die Möglichkeit in sich birgt, all das eben Erwähnte (und vieles mehr) zu vollziehen. Daher fragen wir uns: Was fügt die Diakonatsweihe dem Laien hinzu? Weshalb sollte man eine Weihe erteilen, die dem Laien ein unauslöschliches sakramentales Merkmal einprägt für ein Amt, das offensichtlich weder der Weihe noch dieses Merkmals bedarf? Diese Argumentationsweise befolgt die Logik der Geschäftswelt, welche vom Pragmatismus bestimmt ist.

Es handelt sich um ein Amt

Der Herr sagt: „Die Söhne dieser Welt sind schlauer als die Söhne des Lichts“ (Lc 16,8). Er lobt aber die Vorsicht der Geschäftsleute, nicht ihre Methoden. Jedoch hier handelt es sich um ein Mysteriumund nicht um ein Geschäft. Es handelt sich um ein Mysterium und um ein Sakrament. Daher scheint es, daß das, was der Diakon macht, nicht mit dem identisch ist mit dem, was der Laie macht, natürlich nicht innerhalb der Gnadenordnung.

Diakonat, Priesteramt und Laienstand

Heute finden wir den Diakonat nicht als einen Ersatz für das Priesteramt und auch nicht als eine Bedrohung des Laienstandes vor, sondern es handelt sich beim Diakon um einen Herold im Sinne des Wortes „ajvggeloò“, nämlich als einer, der eine Botschaft überbringt. Ein anderer Gabriel, der die frohe Kunde vom Heil bringt! „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1,35). Die Handauflegung macht aus dem Diakon einen geweihten Diener, der, ohne Priester zu sein, kein Laie mehr ist, sondern ein Kleriker, und der, ohne Laie zu sein, jedoch kein Priester ist. Aber er ist geweiht und ist auch kein Bischof. Der Diakon hat am apostolischen Amt der Kirche teil, welches in der Begegnung mit dem Herrn besteht. Durch die Diakonatsweihe tritt man in den Klerikerstand ein (vgl. CIC, Kanon 266).

Als der Engel Gabriel Maria die Botschaft brachte, antwortete die Muttergottes: „Wie mag das geschehen?“. Dies sagte sie nicht, weil sie nicht glaubte, sondern weil sie nicht verstand. Als der Engel ihr antwortete, erging er sich nicht in langen Erklärungen, und hielt auch keinen Vortrag. Auch Maria reagierte, ohne auf einen Vortrag zu warten, sie sagte lediglich: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast“ (Lk 1,35). Als die Konzilsväter den Diakonat im Westen wieder herstellten, waren sie vom Glauben beseelt, daß die Kirche dieses durch ein – wie wir soeben gesehen haben – unauslöschliches Merkmal bezeichneten apostolischen Amtes bedarf, welches zwischen Laienstand und Priesteramt einzuordnen ist und gleichsam ein Arm ist, der dem Bischof fehlte. Doch ist der Diakonat keine Armprothese und kein künstlich angefügtes Gliedmaß, sondern ein lebendiger apostolischer Arm, durch dessen Venen das Blut Christi, des Dieners, ja, des Dieners der Magd Gottes, fließt.

Auf das Konzilsdekret antwortet der Diakon: „Hier bin ich, sende mich!“ (Jes 6,8). Er antwortet, weil er glaubt, daß sich das erfüllt, was das Konzil bestimmt hat. Wenn nun auch eine definitive Theologie des Diakonates fehlt, so fehlt dennoch nicht der Glaube an seine geoffenbarte Realität. Der Diakonat setzt die Mission mit Christus durch die wunderbare Begegnung zwischen Gott und dem Menschen im Sakrament fort.

Wie wir gesehen haben, geht die Einsetzung des Diakonates auf das Neue Testament zurück. Wir alle kennen den ersten Märtyrer und Protodiakon Stephanus. Der hl. Lukas berichtet uns in der Apostelgeschichte, daß man „sieben Männern, die in gutem Ruf standen und vom Heiligen Geist und mit Weisheit erfüllt waren“ die Hände auflegte, damit sie den Bedürfnissen der Witwen griechischer Zunge nachkamen. Auch sie waren griechischer Zunge und befreiten die Apostel von jenen weltlichen Sorgen, damit diese sich mehr dem Gebet und der Verkündigung widmen konnten (vgl. Apg 6,3).

Das Wort Diakon kommt vom griechischen diakonæa, das in zwei Formen ungefähr hundert mal im Neuen Testamen vorkommt und mal Amt/Amtsträger, mal Dienst/Diener bedeutet (vgl. John Collins, Diakonia, Oxford University Press, 1990, Seite 3).

In den ersten Jahren der Kirche sehen wir, wie der Diakonat allmählich entsteht. Der hl. Paulus erwähnt in seinem um das Jahr 57 verfaßten Brief an die Philipper die Diakone als einen Stand der Kirche (vgl. Phil 1,11). Auch spricht er eingehend über die Diakone in seinem ersten Brief an Timotheus (1 Tim 3,8-10, 12-13)..

Eine einzigartige sakramentale Hilfe

Wie bereits der hl. Stephanus, der Protomärtyrer, welcher vor dem Sanhedrin predigte, und der hl. Philippus, der den äthiopischen Eunuchen bekehrte, so widmeten sich auch alle anderen Diakone von Anfang nicht nur dem liturgischen Dienst. Der geweihte Stand konsekriert den Diakon für das Amt der Begegnung mit Christus, dem Diener, innerhalb eines gewissen Rahmens. „Der Diakon empfängt das Weihesakrament, um als minister bei der Heiligung der christlichen Gemeinde in hierarchischer Gemeinschaft mit dem Bischof und den Priestern zu dienen. In der Hierarchie dem Bischof und dem Priester untergeordnet leistet der Diakon sakramentale Hilfe, die dem Weihesakrament von seinem Wesen her auf organische und unverwechselbare Weise entspricht. Es ist daher eindeutig, daß seine Diakonie am Altar, da sie ihren Ursprung vom Weihesakrament erhält, sich wesentlich von jeglichem liturgischen Amt, das die Hirten den nicht geweihten Gläubigen übertragen können, unterscheidet. Das liturgische Amt des Diakons unterscheidet sich aber auch vom eigentlichen priesterlichen Weiheamt“ (Directorium, Nr. 28; vgl. Lumen gentium, Nr. 29). Der Diakon ist kein Priester, seine Aufgabe ist es, zu dienen.

Der hl. Ignatios von Antiochien schreibt (ungefähr im Jahre 105 nach Christus): „Ihr seid Diakone der Mysterien Jesu Christi […] und nicht Helfer bei Speis und Trank, sondern Diener der Kirche Gottes“ (Ad Trall. III,1).

Der Diakonat: Funktionen

Das Diakonenamt ist ein dreifaches. Der Diakon wird zum Dienst des Wortes, der Liturgie und der Nächstenliebe geweiht. Es ist ein dreifaches Amt, weil bei seiner Ausübung der Diakon als Person diese drei Aufgaben übernimmt, welche in sich konzentrisch sind. Damit möchte ich sagen, daß sie sich um Christus als Diener bewegen, wobei Christus ihr Zentrum und Mittelpunkt ist, nach dem sie ihren Kompaß ausrichten. Das Zentrum bestimmt die Umgebung, und so bestimmt auch Christus als Diener das dreifache Amt des Diakons.

DIENST DES WORTES

Das Bischofsamt und der Diakonat

Das Zweite Vatikanische Konzil hat bei der Abhandlung des Bischofsamtes als der obersten Stufe der heiligen Weihen (und zwar nicht nur als seine Fülle) den Bischof als Mittelpunkt des Lebens der Ortskirche definiert. Die Priester und Diakone sind gleichsam seine beiden Arme, wobei ein jeder eine unterschiedliche Funktion ausübt.

Während des Weihegebetes bei der Bischofsweihe halten zwei Diakone das geöffnete Evangelienbuch über dem Haupt des Weihekandidaten. Ist dieses zu Ende, nimmt der Hauptzelebrant des Weiheritus, nachdem er das Haupt des neuen Bischofs mit dem heiligen Öl gesalbt hat, das Evangelienbuch und überreicht es dem neuen Bischof mit den Worten: „Empfange das Evangelium und verkünde das Wort Gottes mit der Absicht, in aller Geduld zu lehren“ (Weihegebet, während der Bischofsweihe, Spanien).

Der Heilige Geist, dessen Zeichen das heilige Öl ist, ist auch die Lebenskraft, welche die Dynamik des Wortes des Evangeliums bestimmt, das der neue Bischof verkünden wird, denn so, wie der Vater sich der Welt im Sohn offenbart, so tut es auch die Kraft des göttlichen Lebens, welche der Heilige Geist ist. Der neue Bischof, den Christus mit seinem Namen gerufen hat, tritt, erfüllt vom Heiligen Geist wie einst die heiligen Apostel am Pfingsttag, in die Spuren Christi und zieht aus, um die Frohbotschaft einer vom Tod gezeichneten Welt zu verkünden, die auf das lebensspendende Wort wartet.

Nach dem Weiheritus der Diakonatsweihe ist der erste Aspekt des Diakonenamtes der Dienst des Wortes. Nachdem der Bischof auf die Weihekandidaten den „Heiligen Geist“ herabgerufen hat, fährt er mit dem Gebet fort: „auf daß sie gestärkt durch deine Gnade der sieben Gaben in Treue ihr Amt ausüben“ (Weihegebet während der Diakonatsweihe, Spanien). Wenn sie dann mit der Stola und der Dalmatik bekleidet sind, empfangen sie, einer nach dem anderen aus der Hand des Bischofs das Evangelium mit den Worten: „Empfange das Evangelium Christi, von dem du zum Herold eingesetzt wurdest; verwandle das, was du darin liest, in lebendigen Glauben und das, was du zum lebendigen Glauben gemacht hast, gib als Lehre weiter und erfülle du selbst, was du gelehrt hast“ (Weiheritus,Spanien).

Die Parallelen in den Riten der Bischofs- und der Diakonatsweihe sind bemerkenswert im Hinblick auf die Übergabe des Evangeliums. In beiden Riten wird der Heilige Geist verliehen, auf daß er die Verkündigung des Evangeliums entzünde. Das ist nicht nur ein Zufall, sondern darin beweist sich die Einheit des apostolischen Sakramentes. Im Byzantinischen Ritus werden bei der Bischofs-, Priester- und Diakonatsweihe dieselben (identischen) Weiheworte für alle drei Weihestufen benutzt, wobei lediglich bei den jeweiligen Weihen die Worte „Bischof“, „Priester“ oder „Diakon“ eingefügt werden. Wir hatten bereits Bezug genommen auf das Mysterium der Sakramentalität des apostolischen Amtes, dessen Ausgangspunkt die Fortsetzung der Mission Christi ist. Der Bischof hat als Nachfolger der Apostel die Aufgabe, das Evangelium zu verkünden. Die Priester teilen mit dem Bischof diese Aufgabe. Aber den Diakonen, die ja nicht die Priesterweihe empfangen, wird in ihrer Weihe zu Dienern des Dieners Christus die Aufgabe übertragen, das Evangelium zu predigen und in der gottesdienstlichen Versammlung zu verkünden. Ja, mehr noch, der Diakon muß es in lebendigen Glauben verwandeln, es als Lehre weitergeben und es erfüllen.

So, wie das Bischofsamt die Fülle der Priestertums darstellt, stellt es auch die Fülle des Diakonates dar. An bestimmten Tagen trägt der Bischof während der Liturgie unter dem Meßgewand die Dalmatik und während des Abendmahlamtes nimmt er die Fußwaschung vor, wobei er mit der Dalmatik bekleidet ist, wie Christus, der Diakon.

Das Wort Gottes im Munde des Diakons

Der Mensch, muß, um zu wachsen und sich biologisch zu entwickeln, bei der Geburt zuallererst atmen, um weiterleben zu können. Später dann muß er lebendig sein, wenn er denkt. Aber um seine Gedanken weiterzugeben, muß er sprechen und um zu sprechen müssen wir leben und atmen. Wir sehen also, daß es ohne Atem nicht nur kein Leben gibt, sondern auch keine Sprache: man kann nicht die Luft anhalten und gleichzeitig sprechen. Entweder artikuliert sich das Wort durch den Atem oder es wird einfach nicht ausgesprochen.

In sakramentaler Hinsicht wird das Wort Mensch im Heiligen Geist. Wir sagen, daß die Gottesmutter „durch die Gnade“ des Heiligen Geistes empfangen hat. Sie sprach ihr Fiat, ihr „mir geschehe nach deinem Wort“ aus. Jenes Fiat, das erfüllt vom Heiligen Geist die neue Schöpfung ankündigt. Maria empfing sowohl im Geist und im Herzen als auch in ihrem mütterlichen Schoß, denn der Heilige Geist ist das Leben selbst, der heilige unsterbliche Gott, der göttliche Odem, ohne den keine Kreatur ins Dasein gelangen kann und noch viel weniger das Wort Gottes im Geiste empfangen und es zum Munde führen kann, um es wirkungsvoll zu verkünden. Mit den Flügeln des Geistes breitet das Wort das Reich Gottes aus, bis es alles neu macht (vgl. Offb 21,5).

Wenn der weihende Bischof zur Übergabe der Weihematerie des Diakons übergeht, erklingen, wie wir gehört haben, die Worte: „du bist zum Herold eingesetzt“, nämlich zum Herold des Evangeliums Christi. Im lateinischen Text heißt es: Accipe Evangelium Christi, cuius praeco effectus es […]. Hierbei lenkt das Wort praeco alle Aufmerksamkeit auf sich (wir kennen ja das Amt des Herolds); Der Diakon wird kraft der Weihe zum praeco, zum Herold des Evangeliums. Im Spanischen wird dieses Wort mit „mensajero“ wiedergegeben, und im Englischen wird es mit „herald“ übersetzt. Die englische Übersetzung ist dabei glücklicher geraten, da durch das Wort „herald“ das offizielle Amt der Verkündigung zum Ausdruck kommt. Die Apostel wurden von Christus ausgesandt, er ist derjenige, der aussendet und wird durch den Herold repräsentiert: Shaliah bedeutet im Neuen Testament, daß der Ausgesandte denjenigen „re“-präsentiert, der ihn ausgesandt hat. Und der Diakon hat an diesem Amt Anteil.

Der Diakon empfängt bereits ab dem Augenblick seiner Weihe vom Bischof als Nachfolger der Apostel den Auftrag, das Evangelium zu verkünden, und dies bringt einen tiefen Wandel in seiner Seinsweise mit sich. In der Person des Diakons vereint sich nun das Wehen des Heiligen Geistes mit seinem leiblichen Atem, damit das, was er predigt und lehrt, nicht nur der bloße menschliche Atem ist. Von nun an hat die Predigt und die Lehre des Diakons die Stimme Christi zu sein, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist.

Die Eigenart der Aktivität des Diakons entspricht kraft des Weihesakramentes nicht mehr der Eigenart eines Laien, aber auch nicht der eines Priesters, deswegen hört er aber nicht auf, dem geweihten Stand anzugehören. Er ist nun Diakon: ein Diener im Diener Christus. Die Worte aus seinem Munde verkünden das Evangelium und sie sind in die sakramentale Gnade eingeflößt. Sein Atem ist nicht mehr nur der leibliche Atem, sondern er ist auch der geistige Odem, der das Antlitz der Erde auf unterschiedliche und besondere Weise durch den Diakon erneuert (Vgl. Ps 50 [51], 12-14;Ps 104 [103], 30).

Ausbildung

Von lediglich menschlicher Warte aus gesehen ist es, damit der Diakon das Instrument ist, durch welches das Wort Gottes erklingt, notwendig, das er sowohl eine spirituelle als auch eine theologische und fachspezifische Ausbildung erhält: er muß die Kunst, in der Öffentlichkeit zu sprechen, zu predigen und zu lehren, erlernen. Als Katechet muß er auch die Bibel kennen und zwar nicht unbedingt als Lehrer, aber doch so, daß er nach ihr leben und ihre Worte im Leben anwenden und im täglichen Leben der Gläubigen in die Tat umsetzen kann. Natürlich bringt auch der Dienst des Wortes die ihm innewohnende Verpflichtung mit sich, das Evangelium zu kennen, es zu verkünden, zu predigen, zu leben und zu verbreiten.

Der Geist der sieben Gaben, der bei der Weihe mitgeteilt wird, ist der Geist der Weisheit und Klugheit, der Geist des Rates und der Tapferkeit, der Geist der Wissenschaft, der Frömmigkeit und der Ehrfurcht vor Gott (vgl. Jes 11,2-4). Der Geist wirkt auf die menschliche Natur ein. Daher ist auch die Ausbildung so wichtig, damit nämlich die Gaben des Geistes im Diakon auf fruchtbaren Boden fallen.

Es ist bemerkenswert, daß viele Diakone in der Tauf- und Ehekatechese tätig sind. Doch dort hört die Tätigkeit des Diakons nicht auf, der Diakon inkarniert das Wort als Diener des Wortes in seinen Diensten der Liturgie und der Nächstenliebe.

Der liturgische Dienst

Der Diakon offenbart vor der Kirche seine diakonæa schlechthin, wenn er sie auf sakramentale Weise in der Liturgie rekapituliert. Sein Handeln und seine Aufgaben in der Liturgie sind wesentliche Bestandteile derselben und nicht nur schmückendes Beiwerk. In der Liturgie hat jeder Christ das Recht und die Pflicht, auf verschiedene Weise seine Teilnahme zu bekunden. „Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt“ (Sacrosanctum Concilium, Nr. 28). Erinnern wir uns daran, daß Kirche und Liturgie keine getrennten Wirklichkeiten sind; die Kirche ist sowohl in lokaler als auch in universaler Hinsicht in der Liturgie präsent, die ihr Sakrament ist. Es gibt keine Liturgie ohne Kirche und keine Kirche ohne Liturgie. Die Universalkirche ist in der Liturgie subsistent und man hat an der Kirche durch die Liturgie Anteil. Wenn wir Katholiken und lebendige Glieder der Universalkirche sind, so sind wir dies insofern wir deren volle Wirklichkeit feiern und in sie eintreten.

Es ist sehr wichtig, daß der Diakon seinen Dienst in der Liturgie gut kennt, daß er die Rubriken mit Intelligenz behandelt und flexibel genug ist, um sich an verschiedene Situationen und Umstände anzupassen wie zum Beispiel an die unterschiedliche Interpretation der Rubriken, die mitunter von Pfarrei zu Pfarrei variieren kann. Der Diakon ist vor der Kirche verantwortlich, wenn er in der gottesdienstlichen Versammlung anwesend ist, er muß somit in richtiger Weise dienen, indem er all das und nur das macht, was ihm zukommt. Am Altar muß er der Sprecher sein, der die Gebete und Nöte der Gläubigen vorträgt. Vom Altar aus verkündet er dem Volk das Evangelium und er wendet sich an das Volk aufgrund der seinem Amte innewohnenden Pflicht.

Dienen ohne vorzustehen: Nachahmer Jesu, der „nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45)

Einige neigen dazu, die liturgische Funktion des Diakons mit dem Tauf- und Ehesakrament sowie anderen Dingen zu umschreiben, die der Diakon zwar ausüben „kann“, wobei sie aber den Dienst vergessen, der den Diakonat definiert, nämlich das Dienen, dienen ohne vorzustehen, Erleichterung zu schaffen und nicht den Schatten der übrigen Amtsträger zu bilden. Der Diakon soll der Versammlung, dem Zelebranten und den übrigen ministri dienen, indem er seine Sache souverän beherrscht, ohne das andere ihn darauf aufmerksam machen müssen.

Der Diakon ist einer, der sowohl in der Liturgie als auch außerhalb der Liturgie Erleichterung schafft. Während der Zeremonien „assistiert er den Priestern und steht ihnen ständig zur Seite; am Altar hilft er dem Priester bei der Elevation des Kelches und beim Umblättern des Messbuches; wenn kein anderer minister anwesend ist, übernimmt er die Aufgaben der anderen je nach Notwendigkeit“ (OGMR 127). Was für die hl. Messe gilt, das gilt auch allgemein für alle Riten der Kirche.

Daher muß der Diakon, wenn er dem Zelebranten am Altar assistiert, sehr wohl präsent haben, „wann“ der Zelebrant „wie“ und „warum“ in jedem Augenblick agiert und spricht. Der Diakon muß „der rechte Arm“ des Zelebranten sein und würdig, demütig und wirkungsvoll zum Einsatz gelangen. Wenn er nicht mit Intelligenz bei seinem Amt verfährt, dann kann man sagen, daß er den Fluß der Zeremonien stört oder gar unterbricht.

In der Einführung der spanischen Ausgabe der Ordenación General del Misal Romano España(Andrés Pardo, OSB. Consorcio de Editores, 1978) heißt es, daß „der wahre Zeremonienmeister einminister sein muß, dem eine Funktion innerhalb der Zeremonie selbst obliegt, und das ist der Diakon, der weder nur eine Dekorationsfigur noch ein bloßer Begleiter des Hauptzelebranten sein darf“ (Einführungsteil, Nr. 3, Orden General del Misal Romano España).

Vier Situationen

Wenn das, was ich gerade zitiert habe, korrekt ist, muß man sich fragen, warum der Einsatz bei der Mehrheit der Diakone innerhalb der römischen Liturgie heutzutage so beschränkt ist. Daher ist es wohl angebracht, nun einige der Gründe und Umstände zu erörtern, die zu einer solchen Teilnahmslosigkeit der Diakone beigetragen haben. Wir werden dies möglichst in chronologischer Reihenfolge darlegen.

In erster Linie die immer lebendige Idee

In erster Linie hat doch die lateinische Liturgie, wenn auch der Diakonat in seiner Form als ständig ausgeübter in der Westkirche fast ein ganzes Jahrtausend lang gänzlich verschwunden war, das Amt des Diakons in allen Zeremonien der Kirche am Leben erhalten. Selbstverständlich hat der Diakonat innerhalb der Liturgie nie aufgehört zu existieren. Nun gab es aber meistenteils keine Diakone, und der Diakonendienst wurde deshalb von Priestern übernommen, die als Diakone gekleidet waren, das heißt, sie trugen eine Dalmatik. Die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils haben es den Priestern untersagt, sich mit den Gewändern zu kleiden, die dem Diakonat vorbehalten sind, jedoch wurde die Möglichkeit beibehalten, daß in Abwesenheit eines Diakons die Priester die Funktionen des Diakons übernehmen können, wobei sie jedoch mit den Gewändern bekleidet sein müssen, die dem Priesterstand vorbehalten sind, dies gilt besonders dann, wenn ein Bischof zelebriert.

„Die Priester, die an bischöflichen Gottesdiensten teilnehmen, sollen lediglich das tun, was ihrem Stande als Priester eigen ist; wenn kein Diakon anwesend ist, können einige ministri diesen ersetzen, wobei sie jedoch niemals die dem Diakon vorbehaltenen Gewänder tragen sollen“ (Caeremoniale Episcoporum, erneuert gemäß den Dekreten des Zweiten Vatikanischen Konzils und promulgiert durch die Autorität seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., Bischöflicher Rat Lateinamerikas, 1991, Nrr. 21,22).

Einige Jahrzehnte sind vergangen, seitdem die alte Form der feierlichen Messe mit Diakon und Subdiakon nicht mehr praktiziert wird, bis zur Wiederherstellung des Diakonenstandes. Und es scheint, daß dieses zeitliche Intervall ausreichend war, damit die kirchliche Gemeinschaft wohl gänzlich die alte Form des „levitierten Hochamtes“ in Vergessenheit geraten ließ, bei dem der Diakonendienst auf so intensive Weise vertreten war. Als dann plötzlich die Diakone wieder zum Vorschein kamen, war ihre Funktion innerhalb der Liturgie vielen unbekannt geworden oder man hatte sie größtenteils auf ein Minimum reduziert. Das also, was in einem Jahrtausend nicht passiert war, das passierte nun innerhalb von zehn Jahren. Und natürlich waren auch die Rubriken der erneuerten Riten sehr karg in diesem Punkt. Erst durch die Veröffentlichung des neuen Caeremoniale Episcoporum von 1991 wurden viele dunkle Punkte geklärt, die mitunter sogar bei der Erneuerung der liturgischen Riten des Rituale Romanum schlecht interpretiert worden waren. Deshalb müssen wir auch das Caeremoniale Episcoporum konsultieren.

Zweitens: ein durch andere Wege kanalisiertes Amt

Zweitens hat man in der nachkonziliaren Reform formell die Teilnahme der Laien an vielen liturgischen Funktionen festgesetzt (vgl. Directorium Nr. 41), die bereits auf die so genannte „Messe in Dialogform“, die unter dem Pontifikat von Papst Johannes XXIII. entstand (in der das Volk auf lateinisch all das antwortete, was eigentlich vorher dem Akolythen zugekommen war, der das Ordinarium auf lateinisch zusammen mit dem Zelebranten rezitierte) sowie auf die „Gemeinschaftsmesse“ (in der das Volk Gemeindelieder sang, die inhaltlich dem Ordinarium der Messe entsprachen) zurückgehen. All das war durch die liturgische Bewegung in Gang gebracht worden. So hat man zum Beispiel die Fürbitten der Gläubigen wieder eingeführt. Da aber nun kein Diakon mehr vorhanden war und auch kein Priester in Dalmatik, der dessen Funktion übernahm, wurden diese Fürbitten einem Laien übertragen. Diese Praxis ist heute allgemein verbreitet, obwohl eigentlich der dazu vorgesehene minister in erster Linie der Diakon ist, und so setzen es auch die Rubriken (C. E. 25) und die Tradition der Ost- und Westkirche fest.

Das, was mit der Bittektenie geschah, das geschah auch mit vielen anderen Funktionen, die in Wirklichkeit dem Diakon vorbehalten sind. Zum Beispiel wäre es seine Aufgabe, die Verlautbarungen an das Volk zu richten (Caeremoniale Episcoporum, Nr. 26) oder dem Zelebranten beim Umblättern des Meßbuches und bei der Kelchelevation zu helfen (Caeremoniale Episcoporum, Nr. 25).

Drittens: seit wann überhaupt ein Diakon?

Drittens sind die Auswirkungen von dem, was ich zuvor gesagt habe, daß der Diakonat in einer Welt wieder hergestellt wird, die gar keine Kenntnis mehr von ihm besitzt. Ja, mehr noch: kommt ein Diakon in eine Pfarrei, die zuvor noch nie einen solchen liturgischen Dienst kennengelernt hat, scheint der neue Amtsträger vielen ihre Dienste regelrecht „wegzunehmen“ oder sie derer gar zu „berauben“. Gemeint sind hier zum Beispiel der Zelebrant selbst, diejenigen, die sich an der „Gestaltung“ beteiligen oder der Thurifer, die Akolythen, die außerordentlichen Kommunionhelfer und viele andere, um hier nur die Meßfeier zu erwähnen. Man kann dann mitunter sagen hören: „das hat bisher immer ein Lektor getan; warum macht das jetzt ein Diakon?“.

Es ist an dieser Stelle zu erwähnen, daß früher der Zelebrant beim feierlichen Hochamt mit leiser Stimme Introitus, Kyrie, Gloria, Lesung, Graduale, Allelujah, Evangelium, Credo, Offertorium, Sanctus, Agnus Dei und die Communio rezitierte, um nur einige Teile der Messe zu nennen. Dies tat er, während Chor und Volk auf Latein die ihnen jeweils zukommenden Teile sangen und der Subdiakon die Lesung vortrug. Das Evangelium las zuerst der Zelebrant mit leiser Stimme und der Diakon (ein mit der Dalmatik des Diakons bekleideter Priester) verkündete daraufhin dasselbe Evangelium noch einmal in feierlicher Form. Ma ging sogar so weit, daß man dachte, die Handlungen des Zelebranten sei die einzig notwendigen und die Funktionen der ministri und des Volkes seien so zu sagen überflüssig. Wichtig war lediglich, daß der Priester alles betete und alle Funktionen ausübte. Aufgrund dieses Zustandes hat die Konstitution über die heilige Liturgie ein uraltes Prinzip wieder aufgenommen, das offensichtlich in Vergessenheit geraten war. Es heißt dort: „Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt“ (Sacrosanctum Concilium, Nr. 28).

Der Diakon muß also, wenn er den ihm zukommenden Platz in der erneuerten Liturgie einnimmt sein vollständiges Amt und nur dieses Amt ausüben. Um dieser Aufgabe nachzukommen, muß der Diakon allerdings sein Amt sehr gut kennen. Es nützt nichts, zu reklamieren, wenn man nicht weiß was man reklamiert. Natürlich ist das, was für den Diakon verbindlich ist, auch für den Zelebranten und die anderen Liturgen verbindlich. Dennoch gibt es einige Zelebranten, welche die liturgische Präsenz des Diakons immer noch nicht zu verstehen scheinen, der einen Dienst ausübt, ohne der Liturgie vorzustehen. Leider kann man immer noch den Ausdruck „glorifizierter Ministrant“ hören.

Viertens: das verwunderliche Überleben des Zeremonienmeisters

Viertens hat in der Praxis ein minister die nachkonziliare Erneuerung des Zweiten Vatikanums überlebt, der in keiner einzigen Rubrik, Instruktion und Anleitung der aktuellen Riten erscheint: es ist dies der Zeremonienmeister. Heutzutage nimmt der Zeremoniär oftmals einen solchen Rang ein, daß er durch sein Amt dazu neigt, die anderen Liturgen zu hemmen und zwar ganz besonders den Diakon.

Das Caeremoniale Episcoporum schlägt vor, daß ein Zeremonienmeister dann notwendig sein kann, wenn es gilt, zu koordinieren, zu organisieren, zu unterweisen und die Zeremonien als Vorbereitung auf dieselben anzuleiten. Aber es heißt dort eindeutig in Nr. 35, daß der Zeremoniär „all das zusammen mit den Kantoren, mit der Altarassistenz, mit den Liturgen und mit den Zelebranten koordinieren soll, was diese auszuführen oder vorzutragen haben. Während der Zelebration selbst soll er mit größter Diskretion vorgehen; er soll nichts überflüssiges sagen und soll auch nicht den Platz der Diakone und der Altarassistenz an der Seite des Zelebranten einnehmen“. Bemerkenswerterweise erwähnt das Caeremoniale den Zeremoniär in den Nrr. 34-37, während es ihn in dann in all den 1210 Nummern nicht mehr erwähnt.

Bemerkungen eines Bischofs

Ich kann Ihnen als Bischof ganz ehrlich sagen, daß es für einen Bischof wirklich sehr praktisch ist, einen Zeremoniär zu haben, der genau weiß, „wann“ und „warum“ der Bischof sowohl während des Zeremoniells in der Kathedrale als auch, wenn er andere Kirchen besucht, in Aktion tritt. So jemand erleichtert alles und flößt jene Zuversicht ein, daß all das, was die Person und das Amt des Bischofs betrifft, seine Richtigkeit besitzt. Dennoch glaube ich, daß nicht nur ein Diakon (so deutet es das Caeremoniale Episcoporum in Nr. 36 an) als Zeremoniär fungieren kann, sondern daß der Bischof auch durchaus eine bestimmte Anzahl von Diakonen dazu erwählen kann, seine „Angehörigen“ zu sein, die stets den Diakonendienst als „Assistenten“ versehen (früher wurden diese Diakone „Ehrendiakone“ genannt) und dem Bischof zur Rechten und zur Linken dienen. Diese Diakone kümmern sich als „Assistenten“ um die Person des Bischofs (Nr. 26). Wenn der Bischof eine Kirche besucht, nimmt er seine „Assistenten“ mit, die genau wissen, was sie zu tun haben, was zum Beispiel Mitra, Hirtenstab, Meßbuch, Weihrauch, Weihwasser usw. anbelangt, während jene Diakone (oder jener Diakon), der normalerweise als „Ministrant“ fungiert, diejenigen sind, denen all das obliegt, was in jeder Meßfeier stattfindet, wie zum Beispiel die Verkündigung des Evangeliums und der Dienst am Altar hinsichtlich des Kelches und des Meßbuches. Auch sind es die „Ministranten“, die sich zum Ambo begeben und die Fürbitten der Gläubigen beten oder Verlautbarungen vortragen (Nrr. 25 und 26). Wie ich bereits vorhin sagte, gibt es auch unter den Diakonen verschiedene Charismen: einige eignen sich eher zum „Assistentendienst“ an der Seite des Bischofs, andere wiederum sind eher als „Ministranten“ für jene Funktionen geeignet, die sie am besten kennen, weil es die Funktionen sind, die für gewöhnlich während der Meßfeier ausgeübt werden.

Wir müssen zum Herrn beten, daß er sozusagen einen Waffenstillstand gewähren möge, das heißt:den sprichwörtlichen Frieden Gottes, in dem sich die Zeremonienmeister und Diakone eine Umarmung des Friedens, der Eintracht, der Liebe und der gegenseitigen Achtung gewähren.

Es gibt aber auch noch andere Gründe und Umstände, die dazu beitragen, daß sich der Diakon in seiner Amtsausübung eingeschränkt sieht und zu einer passiven Gestalt innerhalb der Liturgie degradiert wird. Es ist notwendig, daß dem Volk und den übrigen Klerikern – und dazu gehören auch einige Diakone – eine Katechese hinsichtlich der Identität und der Aufgaben des Diakons erteilt wird. In den Köpfen vieler Leute findet ein direkter Übergang vom Laienstand zum Priesterstand statt, man spricht sehr viel von kirchlichen Laiendiensten. Wo aber bleiben da die Diakone? Man sollte bei den Fürbitten der Gläubigen auch vielmehr die Bitte „um Berufung zum Priestertum, zum Diakonat, und zum geweihten Leben“ vernehmen können. Denn auch der Diakon ist von Gott „berufen“.

Die Nächstenliebe, Reduktionismus und Realität

Zuerst und vor allem sei an dieser Stelle eine notwendige Klärung angebracht: Es gibt Leute, die in einen gewissen Reduktionismus verfallen und dabei den Diakonat auf den Dienst der Nächstenliebe reduzieren, wobei sie unter diesem Dienst aber lediglich eine soziale Tätigkeit verstehen. Das ist eine Gefahr, der wir uns bewußt sein müssen, um nicht einem sehr eingeschränkten Begriff vom Diakonat zu verfallen. Es gibt natürlich Diakone, die ein besonderes Charisma für den Dienst der Nächstenliebe haben, aber deshalb darf man den Diakonat doch nicht auf eine bloße soziale Tätigkeit reduzieren. Auch gibt es Diakone, die eigens für diesen Sozialdienst ausgebildet wurden, ja, man hat ihnen sogar eingetrichtert, daß alles andere zweit- und drittrangig ist, und man ist sogar soweit gegangen, zu behaupten, daß der Diakon überhaupt keinen Altardienst zu verrichten braucht. Der Diakonat kann und darf nicht auf einen Sozialdienst reduziert werden.

Die andere Seite der Münze

Wenn von der Nächstenliebe die Rede ist, kommt uns sogleich die Liebe an sich in den Sinn. „Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,16). Es ist ein befriedigendes Gefühl zu wissen, daß der Diakon ein Diener der Liebe ist, da ja die Liebe der Mittelpunkt des christlichen Lebens überhaupt ist: ubi caritas est vera, Deus ibi est, was bedeutet: „wo wahre Liebe waltet, da ist Gott zugegen“. Außer dem Dienst des Wortes und dem liturgischen Dienst obliegt dem Diakon auch die Verantwortung des „Liebesdienstes“. Vor allem auf diesen Dienst bezog sich die von den Aposteln vorgenommene Wahl der „ersten Diakone“, unter denen sich auch der hl. Stephanus befand. Aus der in der Apostelgeschichte 6 berichteten Situation geht hervor, daß der Diakon zu diesem Dienst berufen ist: nämlich zur Administration der Nächstenliebe, zur Sorge um die Notleidenden, welche seit jeher zu den Aufgaben des Diakons gehörten, solange dieses Amt im Westen existierte. Der hl. Laurentius, der Erzdiakon von Rom ist der Märtyrer der Nächstenliebe und Patron der Diakone, die sich in besonderer Weise diesem Dienst der Liebe zu den Armen widmen, die der Heilige als den größten Schatz der Kirche betrachtete.

Die Kirche wird stets einen vorrangigen Platz für die Armen und Notleidenden in ihrem Herzen haben. Die diakonæa der Nächstenliebe obliegt übrigens der Verantwortung der ganzen Kirche. Dennoch beweist die Tatsache, daß in der Person des Diakons dieser Dienst in sakramentaler Weise an die Verkündigung des Wortes und an die Feier der Liturgie gebunden ist, daß die Nächstenliebe, zu der wir alle als Christen berufen sind, ihren Ursprung in Christus, im Mysterium der Menschwerdung, des Todes und der Auferstehung hat. Dieses Amt, das der Bischof dem Diakon in besonderer Weise überträgt, entspricht dem Recht und der Pflicht des Diakons (Vgl. DekretApostolicam actuositatem, Nr. 8). Es ist dies ein Schatz, von dem der Diakonat nicht zu trennen ist, ein Schatz, der durch die Apostel eingesetzt wurde. Auch wenn die moderne Gesellschaft die Armut total übergeht, wird es doch immer einen Platz für die Nächstenliebe geben, und dort ist auch der Diakonat anzusiedeln.

Man sagt, daß die Nächstenliebe zu Hause ihren Anfang nimmt. Und so soll auch der Diakon ein Beispiel geben und durch sein Heim und seine Familie eine Hauskirche errichten. Er soll Beispiel geben durch sein tägliches Leben. Auch soll seine Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat stattfinden. Er soll Beispiel geben durch sein an Liebe so reiches liturgisches Amt. Er soll sich durch persönliches und inniges Gebet nähren.

Die Begegnung mit Gott, der die Liebe ist, führt auch zur Begegnung der Liebe mit dem Nächsten. Deshalb muß der Diakon die Nöte des gläubigen Volkes kennen, um sie in das Fürbittgebet während der Liturgie der Eucharistie, des Stundengebetes und in das persönliche Gebet einzuschließen. In diese Gebete soll er auch die Nöte seiner Brüder im Diakonat und des übrigen Klerus einschließen. Er soll die Bedürfnisse des Nächsten bei der Hierarchie vortragen und sich bewußt sein, daß es sich dabei um materielle, geistige und kulturelle Bedürfnisse handelt, um Bedürfnisse hinsichtlich der Frömmigkeit und der Traditionen des Volkes, mit einem Wort: um menschliche Bedürfnisse.

Er soll vor allem bei den Priestern Nächstenliebe walten lassen. Er soll moralischen und geistigen Halt geben, genau so, wie es der Bischof tut. Und dies soll er auch dann tun, wenn er von den anderen Klerikern nicht den Rückhalt bekommt, den er braucht. Er soll sich daran erinnern, daß auf ihn die Worte des Meisters zutreffen: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45). Die Großzügigkeit zwischen ihm und dem Bischof und den Priestern muß auf Gegenseitigkeit beruhen, sie muß grenzenlos sein, wie es auch die Großzügigkeit des Diakons Jesus Christus ist.

Meine Brüder im Bischofsamt bitte ich, daß sie sich dafür einsetzen, den Diakonen den Zugang zu Einrichtungen zu erleichtern, die ihre von der Liebe geprägte Anwesenheit verlangen. Dabei denke ich an Einrichtungen wie Krankenhäuser und Gefängnisse, zu denen viele Regierungen den Zugang fast unmöglich machen.

Der Diakon soll sich über öffentliche und private Einrichtungen sowie über religiöse Orden informieren, wo verschiedene menschliche Nöte der Hilfe bedürfen. Auf diese Weise kann der Diakon den besagten Einrichtungen über solche Fälle berichten oder sogar mit ihnen zusammenarbeiten.

Er soll Vereinigungen oder Laiengruppen besonders für die Jugendlichen ins Leben rufen, damit sie, von der Liebe Christi entzündet, die Bedürftigen besuchen, ihnen helfen und für die Armen arbeiten.

Und schließlich ist der Diakon auch einer, der Gerechtigkeit übt und sich für den Frieden einsetzt, da er kraft seines Amtes der Nächstenliebe dafür verantwortlich ist, das Reich Gottes und dessen Gerechtigkeit zu fördern und stets zu suchen. Der Diakon wurde geweiht und konsekriert, um Sakrament zu sein, das heißt, ein lebendiges und wirksames Zeichen des Amtes oder Dienstes Christi in seiner Kirche. Er soll stets daran denken, daß er das sichtbare Zeichen Christi, des Dieners in dieser Welt ist.

Es fällt bei einem raschen Blick in die früheren Zeremonienbücher auf, daß damals die Zeremonienmeister allgegenwärtig waren. Generell waren immer zwei, in einigen Fällen sogar drei Zeremonienmeister üblich. Sie haben sämtliche Zeremonien erleichtert, und daher ist auch ihre Existenz bis auf den heutigen Tag verständlich. Aber ihr Auftreten war so selbstverständlich, daß es den Zelebranten und die übrigen Liturgen zu einem hohen Grad einzuschränken schien, ja, daß diese sogar in gewisser Weise unfähig zu sein schienen. Heutzutage werden die Zeremoniäre in den erneuerten Riten nicht mehr erwähnt, weil man davon ausgeht, daß jeder Liturge sein Amt so gutkennt, daß er es auch ausüben kann, ohne daß ein anderer ihn so zu sagen an der Hand führen muß, wie das früher üblich war.

Die bevorzugte Hinwendung zu den Armen

Aufgrund dieser Haltung angesichts der Nöte der Opfer von Ungerechtigkeit versucht die Kirche Zeugnis abzulegen von der Solidarität, und dies sind die Früchte der Begegnung mit Jesus. Dabei besteht sie darauf, daß diese Solidarität nicht irgend etwas zum Glaubensleben „Hinzugefügtes“ ist, sondern daß sie im Bereich der Geschichte der Umkehr und Gemeinschaft die Konsequenz jener Begegnung ist. Das heißt im Klartext: die Diakonie der Nächstenliebe ist nicht von der Diakonie des Wortes und der Liturgie zu trennen, da sie wie diese den selben Ursprung im Ostergeheimnis hat.

Nach meinem Dafürhalten ist der Diakon als Liturge am Altar die privilegierte Vergegenwärtigung dieser Beziehung zwischen der Eucharistie (Umkehr und Gemeinschaft) und dem Kampf für soziale Gerechtigkeit.

Jahrhunderte lang waren die Diakone Verwalter der weltlichen Güter der christlichen Gemeinschaften, und sie kümmerten sich um die Werke der Nächstenliebe. Der Patron der Diakone, der hl. Stephanus, ist dafür ein Beispiel. Nun möchte ich Sie daran erinnern, daß zwar der hl. Stephan ein erhabenes Beispiel der diakonæa ist, daß aber der für die Verwaltung des Geldes und die Nächstenliebe unter den Aposteln des Herrn Zuständige Judas Iskarioth war… Daher muß das höchste Beispiel für einen Diakon Christus und nur Christus sein: Christus ist der Diener des Vaters, er ist der Erlöser der Menschheit. Der Diakon muß sich also bei seiner „Verwaltung“ sehr wohl bewußt sein, wer sein Vorbild ist und wer diejenigen sind, denen er zu dienen hat: Christus ist das Haupt und die Kirche sein Leib. Nicht mehr der Diakon, sondern Christus soll es sein, der in ihm lebt und in ihm handelt, denn „für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: doch am größten unter ihnen ist die Liebe“ (1 Kor 13,13)

Dreifaches Amt: Schlußfolgerung

Nachdem wir die aufgaben des dreifachen Amtes des Diakonates einzeln untersucht haben, bleibt nur noch zu klären und erneut einzuschärfen, daß es besondere Charismen gibt und daß einige Diakone sich mehr in dem einem Charisma wiederfinden als in dem anderen, das entspricht durchaus der menschlichen Natur. Deswegen darf man aber nicht meinen, die Kirche müsse also einige Diakone nur für den Predigtdienst, andere nur für den liturgischen Dienst und wieder andere nur für denWohltätigkeitsdienst weihen. Diese Dienste schließen sich nicht gegenseitig aus. Es handelt sich dabei vielmehr um drei konzentrische Dienste, und der Diakon muß sich darum bemühen, sie alle drei im Einklang mit seiner Berufung und in richtiger Abwägung, vor allem aber in persona Christi, des Dieners auszuüben.

IV. Perspektiven: (im Hinblick auf die Zukunft) UNIGENITUS FILIUS IPSE ENARRAVIT: der eingeborene Sohn selbst hat Kunde gebracht (vgl. Joh 1,17).

Bisher haben wir versucht, das zu untersuchen, was die Identität des Ständigen Diakons ausmacht. Auch haben wir einige dem Diakon zukommende Funktionen aufgezählt. Diese Dienste wurden aus der Perspektive des Wortes, aus der Perspektive der Liturgie und der Perspektive der Nächstenliebe dargestellt, und wir haben die Funktionen in all ihren Aspekten entziffert.

Nun werden wir uns einigen Perspektiven zuwenden, die meiner Meinung nach unsere heilige Mutter Kirche dem Diakonat vorbehält. Es war nach einer fast tausendjährigen Abwesenheit des ständigen Diakonates innerhalb der Westkirche zu erwarten, daß sein Wiederaufleben nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von vielen nicht verstanden und nicht von allen akzeptiert würde.

Wir sind hier her gekommen, um den „alten Menschen“ hinter uns zu lassen. Hier an den heiligen Gräbern der Apostel Petrus und Paulus kommen wir zusammen, um erneut in die Ursprungstiefe unserer Identität hinabzusteigen. Verlassen wir nun unsere Vergangenheit, um unser Dasein neu zu organisieren. Wir wollen in unserem Amt, sei es das des Bischofs, des Priester oder des Diakons, wiedergeboren werden.

Hier im mütterlichen Schoß unserer Kirche, die das Amt des Diakons zur Welt bringt, hat der Diakonat an der Sakramentalität des apostolischen Amtes Anteil. Deshalb können wir heute versuchen, die Möglichkeiten des Diakonates für die Zukunft zu entdecken. Wir haben bereits die Erfahrungen der Vergangenheit und die Probleme der Gegenwart gesehen. Welche Möglichkeiten gibt es aber nun für die Zukunft? Auf was deutet die persönliche Begegnung mit Christus als den menschgewordenen Diener hin, wenn wir ihm heute begegnen?

Diese Begegnung offenbart uns, daß es sich um ein Amt handelt, welches so alt wie die Kirche selbst ist. Auch weist sie uns darauf hin, daß wir nach einem tausendjährigen Winterschlaf einen Prozeß der Auferstehung durchmachen. Wäre es daher nicht angebracht, das wieder „zurückzugewinnen“ oder zu „erheischen“, was andere Jahrhunderte lang an unserer Stelle getan haben? Nein, das ist keine gute Idee. Heute machen andere das, was die Diakone früher machten, denn das apostolische Amt bemühte sich, seine Lücke zu füllen. Doch es geht hier auch nicht darum, neue Bereiche für das „neue“ Amt des Diakons zu erfinden oder zu entwerfen, sonder es geht vielmehr um eine allgemeine Umkehr: wie müssen uns versöhnen, um uns gemeinsam zu bemühen. Arbeit gibt es mehr als genug und sie kann unter allen, die berufen sind, aufgeteilt werden: die einen kamen zur ersten, andere zur letzten Stunde (vgl. Mt 20,1). Wir verstehen alle, daß Gottes Gedanken nicht unsere Gedanken sind. Jetzt ruft er, jetzt, in dieser Stunde der Gnade ruft er uns, früher oder später, zu welcher Stunde auch immer. Von ihm stammt alles; von uns ist nichts. Die Stunde ist gekommen, umzukehren, nicht sich durchzusetzen.

Unser dreifaches Amt ist immer noch dasselbe: es geht jetzt nur darum, es zu entfalten und nicht darum, ein anderes neues oder verschiedenes Amt zu suchen. Und daher:

Soll der Diakon Diener des Wortes sein, sowohl in der Liturgie als auch in den Massenmedien. Er soll Katechet in den Pfarreien, Gefängnissen und im öffentlichen Leben sein.

Der Diakon soll Diener der Liturgie in ihrer ganzen Dimension sein, und zwar in den Bereichen, denen er vorsteht, aber auch in jenen, denen er nicht vorsteht. Er soll seinen Dienst entfalten, ohne dabei einen Vorsitz einzunehmen, dies gehört zu seinem Wesen.

Er soll die Zelebration allen erleichtern, um so die Gemeinschaft mit Christus und seiner Kirche auszubreiten. Sein liturgisches Amt soll zur Schönheit und Flüssigkeit der Zeremonien beitragen, denn dort ereignet sich in bester Weise die Begegnung zwischen Gott und der Menschheit. Er soll diese Begegnung nach Kräften im liturgischen Glanz der Schönheit, der Heiligkeit und der Wahrheit fördern.

Seine Nächstenliebe soll aufrichtige Liebe sein; denn es ist die Nächstenliebe, die er in der Verkündigung des Evangeliums und in seinem liturgischen Amt ausübt. Die Nächstenliebe ist es, die sich zu den Notleidenden ergießt und die er auch dann noch ausübt, wenn dies in aller Heimlichkeit zu sein hat, dann, wenn wirklich nur noch Gott versteht. Denn im Armen, der keine öffentliche Persönlichkeit besitzt, leidet Christus persönlich. In der Stille unseres Nichts tritt das Wort hervor: es ist Christus, der einen jeden einzelnen von uns mit Namen anspricht und zu uns sagt: „folge mir nach“.

Das Weihegebet beim Ritus der Diakonatsweihe beginnt mit folgenden Worten: „Erhöre uns, allmächtiger Gott, der du die Verantwortung erteilst, die Ämter vergibst und einem jeden von uns den ihm zukommenden Dienst zuweist; du, der du in dir selbst unveränderlich bist, erneuerst und ordnest alles und in deiner ewigen Vorsehung siehst du alles voraus und gewährst jeden Augenblick das, was angemessen ist durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der dein Wort ist und deine Weisheit und deine Kraft“. Und nun sage ich Ihnen hier in diesem historischen Augenblick des Jubiläums, daß Gott, unser Vater und Schöpfer, der weise ist in seinem Walten, euch zu Diakonen berufen hat, damit ihr am Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahrtausends die Pioniere und Fahnenträger dieses Klerikerstandes seid. Die Augen der Kirche sind auf euch gerichtet, und wenn die Vorsehung in eurem Amt mit euch ist, dann wird das Amt des ständigen Diakons von der Kirche reich gesegnet werden. Am heutigen Tage wurde euch aufgetragen, den Dienst des Diakons in der Kirche auszuüben, die sich anschickt, Gott in der Neuevangelisierung zu offenbaren. Deshalb liegt auch zum Teil in Ihren Händen der Heilsplan Gottes. Sie sind die Diakone des neuen Jahrtausends, die Diakone der Neuevangelisierung.

Sie sind den Laien sehr nahe, wenn man bedenkt, daß eine große Anzahl von Ihnen in Gesellschaften, Firmen, Fabriken und leitenden Agenturen arbeiten, daß einige als Betriebsräte oder im katholischen oder weltlichen Bildungswesen tätig sind oder ein eigenes Unternehmen bzw. ein Familienunternehmen leiten, dann kann man sagen, daß Sie dadurch auf besondere Weise den Laien nahestehen. Aus diesem Grund hofft die Kirche, daß sie jene Tugenden pflegen, welche die Apostel in den ersten sieben Diakonen suchten und fanden. Hoffen wir, daß Sie Männer von gutem Ruf sind, die sich dem Dienst an jenen widmen, die am meisten Not leiden, die ihre Familie gut führen, damit sie so zum Licht der Erde und zum Salz der Welt werden und die Mission fortsetzen, Christus in die ganze Welt hinauszutragen.

Sie sind dazu berufen, ihre Identität als Diakone zu kennen, zu schützen und aufzuwerten. Die Kirche drängt Sie, daß Sie Sich durch die Integrität ihres Amtes unterscheiden. Dieses Amt muß sich durch ein gesundes Gleichgewicht zwischen dem Dienst des Wortes, der Liturgie und der Nächstenliebe auszeichnen.

In dieser Zeit, in der die durch einen unmäßigen Konsumismus bedingte Materialisierung der Gesellschaft und der Werteverlust in vielen Bereichen ein Wachstum der Kultur des Todes begünstigt hat, macht Sie Ihre Berufung zum Diakonat zum unschätzbaren Arm des Bischofs. Heutzutage ist Ihr Dienst als Diakon zusammen mit dem priesterlichen Dienst äußerst notwendig für den Umkehrprozeß, den wir so dringend brauchen.

Da viele von Ihnen das Ehesakrament empfangen haben und Gott einige von Ihnen mit dem Geschenk der Kinder gesegnet hat, verlangt ihr Diakonenamt von Ihnen, ein lebendiges Zeugnis davon abzulegen, was eine echt christliche Familie mitten unter uns darstellt. Sie müssen Sich mit noch größerem Eifer dafür einsetzen, Ihre Familie in eine Hauskirche zu verwandeln und gute Ehemänner zu sein, wie auch Christus ein guter Bräutigam der Kirche ist. Sie müssen zuallererst in Ihrer Familie den Dienst des Wortes, der Liturgie und der Nächstenliebe ausüben.

Das Dokument Ad gentes divinitus des Zweiten Vatikanischen Konzils spricht in Nr. 16 von der Notwendigkeit, daß der Diakon im Namen des Pfarrers oder des Bischofs dazu abbestellt wird, weit entlegene christliche Gemeinschaften zu leiten. Diese Notwendigkeit sieht auch die Möglichkeit vor, – ob nun aus Gründen der Entfernung oder des Priestermangels – daß der Bischof von Ihnen verlangen kann, daß Sie ihm als beauftragter minister bei der Administration dieser Pfarrgemeinde assistieren, indem Sie Ihr Amt ausüben, die Mission Christi zu fördern.

„Wer redet, der rede mit den Worten, die Gott ihm gibt; wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht. So wird in allem Gott verherrlicht durch Jesus Christus. Sein ist die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen“ (1 Petr 4,11).