Die Frau als „Weg“ — I. Christus, der Weg zum Vater

(Fortsetzung)

Als Gottmensch steht Jesus Christus ganz auf Seiten Gottes und ganz auf Seiten des Menschen. Er ist Gott und Mensch zugleich ohne jeden Abstrich. „Denn wir haben keinen Hohenpriester, der mit unserer Schwachheit nicht mitempfinden könnte, sondern einen, der in allem ebenso versucht worden ist, die Sünde ausgenommen“ (Hebr. 4, 15). Als Gott-Mensch ist Jesus Christus die lebendige Brücke zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde, zwischen Schöpfer und Geschöpf. Er ist der Pontifex schlechthin. In seiner Gottmenschlichkeit gründet der Titel als Mittler. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. „Es gibt nur einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus“ (1. Tim. 2, 5).

Will der Herr seine mittlerische Tätigkeit durch die Sprache der Bilder und Gleichnisse wiedergeben, bezeichnet er sich als den Weg. Er ist der einzige Weg zum Vater, weil er der einzige Mittler ist. Die Exklusivität des Mittlertums Christi betont die Schrift mit aller Deutlichkeit und ist kirchliche Lehre. „Niemand kommt zum Vater als durch mich“, sagt der Herr selbst (Joh. 14, 6). Niemand. Da bleibt kein Zweifel mehr, da gibt es keine Ausnahme. Wie alles vom Vater durch den Sohn ausgeht, so muss auch alles durch den Sohn zum Vater heimfinden. Der Weg der Hinkunft zu Gott ist der gleiche, wie der seiner Herkunft von Gott.

Das christologische Prinzip „niemand kommt zum Vater außer durch mich“ lautet, übertragen auf die Kirche als den in der Geschichte weiterlebenden und weiterwirkenden Christus, „außer der Kirche kein Heil“. Diese Formel „darf … nicht als Antwort auf die Frage <Wer wird gerettet?> betrachtet werden, sondern man muss in ihr die Antwort auf die Frage sehen: <Wer ist beauftragt, den Heilsdienst auszuüben>“.

Maria als Weg zu Christus

Der Offenbarungsweg, den der Vater gegangen ist, heißt: Gott, Christus, Kirche. Gott offenbart sich durch Christus in seiner Kirche. Dieser Weg kennzeichnet das „descendere“, den „Abstieg“ Gottes zu uns. Will der Mensch zu Gott „aufsteigen“, muss er genau den umgekehrten Weg gehen: Kirche, Christus, Gott. Wir gelangen zum Vater durch Christus in seiner Kirche. Wie Christus vor dem Vater steht, steht die Kirche vor Christus. „Ich bin die Straße aller Straßen: auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott“, lässt Le Fort die Kirche sprechen. Nun ist aber Maria Typus der Kirche.

Mariologie und Ekklesiologie interpretieren sich gegenseitig. Das Bild der Kirche erhält das Bild Mariens, aber umgekehrt wird auch die Wirklichkeit der Kirche am konkretesten dargestellt und am schönsten il-lustriert im Bilde Mariens. „Die Kirche ist ja nicht eine Substanz; sie geschieht und ereignet sich immer aufs neue im konkreten Menschen. Man muss also auf diese schauen, will man wissen, was Kirche ist. Nun gibt es aber niemand, der als erlöster Mensch, als Frucht der Erlösung (und in dieser Dimension bewegt sich die Kirche) deutlicher das christliche Dasein repräsentieren könnte, als die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes“.

Das Verhältnis Christus–Maria impliziert auch das Verhältnis Kirche–Maria. Kirche und Maria sind die Möglichkeiten der Christusbegegnung. Maria ist die Frau, die uns das Heil gebracht, den Erlöser geboren, alle seine Worte in ihrem Herzen bewahrt hat und deswegen uns die Gestalt Christi am deutlichsten „zeigen“ kann. Die Bitte des „Salve Regina“, „Zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes“, hat nicht nur einen eschatologischen Sinn.

Weil wir nur durch die Kirche zu Christus gelangen, gilt auch das Wort „per Mariam ad Christum“, durch Maria zu Christus. Maria steht, wie die Kirche, „vor“ Christus. In der praktischen Frömmigkeit finden wir diese marianische „Vorgegebenheit“ immer bestätigt. Die Verehrung Mariens ist für viele die letzte Verbindung mit Christus und seiner Kirche.

Maria und die Kirche stehen „vor“ Christus, insofern sie uns Christus vermitteln. Die Mittlerschaft Mariens ist also in der Mittlerschaft der Kirche begründet. Das gilt auch umgekehrt. Die Mittlerrolle Mariens hat mehrere Aspekte. „Maria vermittelt zunächst dadurch, dass sie unter dem Kreuze im Namen aller das Ja der Zustimmung gesprochen hat und in den Tod Christi als Repräsentantin der Menschheit selbst eingetreten ist. Infolgedessen ist der Glaube, in dem sich ein Mensch dem Herrn zuwendet, Mitvollzug des von Maria vorausgenommenen Ja zum Tode Jesu Christi. Sie ist jedoch noch in einer zweiten, dem einzelnen noch näherkommenden Weise Mittlerin zu Christus.  Denn sie wünscht … jedem einzelnen die Auswirkung des Werkes Christi. Ihre Sehnsucht geht dahin, dass der Herr, ihr Sohn, der am Kreuz starb, in jedem einzelnen Menschen mächtig wird, so dass der Mensch <in Christus Jesus> lebt und darin des Heils teilhaftig wird. Die Zuwendung Christi zu dem einzelnen Menschen und des Menschen zu Christus ist daher getragen und umfangen von der Liebe Marias. Es gibt tatsächlich keine Begegnung mit Jesus Christus, welche nicht von ihrer Liebe zum Herrn begleitet wäre“.

Jede Mutter zeigt gern ihr Kind. Wir bekunden unseren Glauben an die Mittlerschaft Mariens auf mannigfache Art. Wir bitten sie im Lied „Meestern ich dich grüße“: „Gib ein reines Leben, mach den Weg uns eben, dass in Himmelshöhen froh wir Jesum sehen“. Wir bekennen: „Durch das Kind auf deinen Armen wirkst du Wunder ohne Zahl.“ Wir rufen Sie an als die „Mittlerin“, als die „Fürsprecherin“. Es gibt im Himmel und auf Erden keinen Menschen, der bei Jesus Christus ein geneigteres und bereitwilligeres Ohr für alle Anliegen fände als seine Mutter Maria. Es gibt aber auch keinen Menschen im Himmel und auf Erden, der als Mutter Christi so um das Christusleben der einzelnen Seele besorgt wäre wie Maria. Weil sie Mutter Christi und unsere Mutter ist, ist sie gleichzeitig unsere Mittlerin. Es sind mütterliche Funktionen und Aufgaben, die Maria mit Christus und uns verbinden. Gerade wegen dieser doppelten Mutterschaft ist Maria der „kürzeste und sicherste Weg zu Christus“.

(Fortsetzung folgt!)

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

DIE DREI AVE MARIA

Eine Himmelsleiter für Gerechte und Sünder

Eines der größten Heilmittel, eines der sichersten Zeichen der Auserwählten ist unstreitig die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. Gott hat Maria zum Heile der Menschen eine unermessliche Macht und Güte verliehen, die alle erfahren, die mit Vertrauen und Beharrlichkeit zu ihr fliehen. Gibt es aber eine leichtere, für jedermann fasslichere Andacht, als täglich drei Ave Maria zu beten, zu Ehren der Vorzüge, die der dreieinige Gott der allerseligsten Jungfrau verliehen hat? Diese heilsame Übung ist von der Himmelskönigin der heiligen Mechthild geoffenbart worden, als ein Mittel zur Erlangung der Gnade der Beharrlichkeit und eines guten Todes. Einer der ersten, der sich dieser Andacht bediente, war der große heilige Antonius von Padua. Er wollte durch diese Übung die fleckenlose Jungfräulichkeit Mariens ehren, um mitten in den Gefahren der Welt eine vollkommene Reinheit des Geistes, des Herzens und des Leibes zu bewahren.

Später ließ der heilige Leonhard von Maurizio die drei Ave Maria morgens und abends zu Ehren der unbefleckt Empfangenen beten, um die Gnade zu erlangen, während des Tages oder der Nacht jede Todsünde zu vermeiden. Ja, dieser Heilige versprach mit Sicherheit das Heil denen, die in dieser Übung verharren. Diesen zwei großen Franziskaner folgend, eignete sich der heilige Alfons von Liguori diese fromme Übung an und gab ihr die Stütze seines hohen Ansehens. Er ermahnt besonders die Eltern und Beichtväter, sorgfältig darüber zu wachen, dass die Kinder alle Tage getreulich morgens und abends drei Gegrüßt seist Du, Maria, beten. Nebstdem empfahl er diese Andacht allen, den Frommen wie den Sündern, den Männern wie den Frauen, den Jünglingen wie den Jungfrauen. Selbst Gott geweihte Personen ziehen aus dieser Andacht kostbare Heilsfrüchte. Es steht fest, dass viele Personen durch dieses Mittel ganz außerordentliche Gnaden der Bekehrung, der Beharrlichkeit, oder sogar den Beruf zum Priester- und Ordensstande erhalten haben. Diese Andacht ist eine himmlische Arznei gegen alle Seelenkrankheiten, besonders gegen die Pest der Unkeuschheit, und kann deshalb der Jugend nicht eindringlich genug empfohlen werden.

Die Welt ist gegenwärtig ein wahres System der Versuchungen und die jugendlichen Herzen fallen wie Wachteln ins Netz. Mit der Posaunenstimme der Engel vom Letzten Gerichtstage möchte man allen Eltern und Erziehern zurufen:

„O ihr, denen die kostbarsten Güter des Himmels und der Erde anvertraut sind, die unschuldigen Kinder, wachet über ihre Unschuld, führt die Kinder im Schifflein Mariens durch die Andacht der drei Ave Maria zur Bewahrung ihrer Unschuld; denn das Wohl und das Weh eurer Kinder hängt davon ab. Und ihr alle, denen das Heil der Seelen am Herzen liegt, verbreitet diese Andacht, wo ihr nur immer Gelegenheit habt!“

Grüßen wir Maria aber immer mit Andacht, mit einem Herzen voll inniger Liebe.

Denn nur einem solchen Gebet wird die Erhörung zuteil.

Gegrüßt seist Du, Maria, usw.

Maria, durch Deine Unbefleckte Empfängnis bewahre rein meinen Leib, mache heilig meine Seele!

Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu Dir nehmen.

Die Heilige Pönitentiarie verlieh allen jenen, die die drei Ave Maria beten mit der Anrufung:        „Liebe Mutter, bewahre mich vor der Todsünde!“ einen Ablass von 300 Tagen.

DIE STELLUNG MARIÄ IM WERKE UNSERER HEILIGUNG

 

Erstes Kapitel

Notwendigkeit unserer Heiligung

Unsere Heiligung ist der Wille Gottes

3. O Seele, du lebendiges Ebenbild Gottes, erlöst durch das kostbarste Blut Jesu Christi, Gott will und verlangt von dir, dass du in diesem Leben heilig werdest, wie er, und glorreich, wie er, im andern Leben.

Die Heiligkeit Gottes zu erwerben, ist dein sicherer Beruf. Dahin müssen alle deine Gedanken, Worte und Werke, alle deine Leiden und alle Regungen deines Lebens zielen, oder du widerstehst Gott, indem du nicht tust, wozu er dich erschaffen hat und dich jetzt am Leben erhält.

O welch ein staunenswertes Werk! Der Staub soll in Licht, der Unrat in Reinheit, die Sünde in Heiligkeit, das Geschöpf in den Schöpfer, der Mensch in Gott verwandelt werden! O wie wunderbar ist ein solches Werk, ich wiederhole es, aber wie schwer ist dessen Ausführung; es ist sogar unmöglich für die Natur allein. Nur Gott kann es durch seine Gnade, und zwar eine überreiche und außerordentliche Gnade zustande bringen; und die Schöpfung des ganzen Weltalles ist kein so großes Meisterwerk, wie dieses.

Um heilig zu werden, müssen wir die Tugend üben.

4. O Seele, was willst du nun tun? Welche Mittel willst du wählen, um zu jener Höhe emporzusteigen, wohin Gott dich ruft?

Die Mittel unseres Heiles und unserer Heiligung sind allen bekannt: sie sind niedergeschrieben im Evangelium, erklärt und erläutert von den Lehrern des geistlichen Lebens, sie werden von den Heiligen geübt und sind allen notwendig, die ihre Seele retten und zur Vollkommenheit gelangen wollen. Solche Mittel sind: die Demut des Herzens, das beständige Gebet, die allgemeine Abtötung, die Hingabe an die göttliche Vorsehung, die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes.

Um die Tugend zu üben, brauchen wir notwendig die Gnade Gottes

5. Um all diese Mittel des Heiles und der Heiligung anzuwenden, ist die Gnade und Hilfe Gottes durchaus notwendig. Und die Gnade wird in größerem oder kleinerem Maße allen verliehen; darüber besteht kein Zweifel. Ich sage: in größerem oder kleinerem Maße; denn obgleich Gott unendlich gut ist, so verleiht er doch nicht allen eine gleich kräftige Gnade, allen jedoch eine genügende. Eine Seele, die einer großen Gnade treu entspricht, verrichtet eine große Handlung; entspricht sie einer schwachen Gnade, so vollbringt sie eine kleine Handlung. Der Wert und die Vortrefflichkeit der Gnade, die von Gott verliehen und von der Seele angenommen wird, macht den Wert und die Vortrefflicheit unserer Handlungen aus. Diese Grundsätze sind unanfechtbar.

Um die Gnade Gottes zu finden, müssen wir Maria finden.

6. Es kommt also zu guter Letzt alles darauf an, ein leichtes Mittel zu finden, um von Gott die Gnde zu erlangen, deren wir bedürfen, um heilig zu werden. Und dieses Mittel will ich dich lehren und sage deshalb: um die Gnade Gottes zu finden, muss man Maria finden.

 

Zweites Kapitel

Warum Maria uns notwendig ist zum Werke unserer Heiligung.

Weil Maria allein Gnade gefunden hat bei Gott.

7. Maria allein hat Gnade gefunden bei Gott, sowohl für sich selbst, als für jeden Menschen insbesondere. Die Patriarchen und Propheten, ja alle Heiligen des Alten Bundes haben die Gnade nicht finden können.

Weil Maria allein die Mutter der Gnade ist.

8. Maria ist es, die dem Urheber der Gnade Sein und Leben gab; und darum heißt sie die Mutter der Gnade, Mater gratiae.

Weil sie allein, nach Jesus, die Fülle der Gnade besitzt.

9. Gott, der Vater, von dem alle vollkommene Gabe und jede Gnade als aus ihrer wesenhaften Quelle herabkommt, hat ihr alle seine Gnaden übergeben, indem er ihr seinen Sohn schenkte, so dass ihr, wie der heilige Bernhard sagt, der Wille Gottes übergeben wurde in und mit dem Sohne Gottes.

10. Gott hat sie zur Schatzmeisterin, Verwalterin und Ausspenderin aller seiner Gnaden erwählt, so dass alle seine Gnaden und Gaben durch ihre Hände gehen. Und der heilige Bernhardin lehrt, dass Maria gemäß der ihr von Gott verliehenen Gewalt die Gnaden des Ewigen Vaters, die Tugenden Jesu Christi und die Gaben des Heiligen Geistes ausspendet, wem sie will, wie sie will, wann sie will und soviel sie will.

Weil man Gott nicht zum Vater haben kann, ohne Maria zur Mutter zu haben.

11. Wie in der Ordnung der Natur das Kind einen Vater und eine Mutter haben muss, so muss in der Ordnung der Gnade ein wahres Kind der Kirche Gott zum Vater und Maria zur Mutter haben. Und wenn einer sich rühmt Gott zum Vater zu haben und er hegt nicht Maria gegenüber die Zärtlichkeit eines wahren Kindes, so ist er ein Betrüger und hat nur Satan zum Vater.

Weil die Glieder Jesu nur von der Mutter Jesu gebildet werden können.

12. Da Maria das Haupt der Vorherbestimmten, nämlich Jesus Christus, gebildet hat, so ist es auch an ihr, die Glieder dieses Hauptes, nämlich die wahren Christen zu bilden; denn eine Mutter bildet niemals das Haupt ohne die Glieder, noch die Glieder ohne das Haupt. Wer also ein Glied Jesu Christi sein will, der ist „voll der Gnade und Wahrheit“, der muss in Maria gebildet werden vermittelst der Gnade Jesu Christi, welche in Fülle in Maria wohnt, um den wahren Gliedern Jesu Christi und wahren Kindern Mariä in Fülle mitgeteilt zu werden.

Weil der Heilige Geist die Vorherbestimmten nur durch Maria hervorbringt.

13. Der Heilige Geist hat sich mit Maria vermählt und hat in ihr und durch sie und aus ihr das große Meisterwerk, Jesus Christus, das menschgewordene Wort, hervorgebracht; und da er seine Braut niemals verstoßen hat, fährt er fort, täglich in ihr und durch sie auf geheimnisvolle, aber wirkliche Weise die Vorherbestimmten hervorzubringen.

Weil die Kinder Gottes ihre Nahrung und ihr Wachstum aus Maria ziehen.

14. Maria hat von Gott eine besondere Herrschaft und Gewalt über die Seelen empfangen, damit sie dieselben nähre und ihnen Wachstum in Gott verleihe. Der heilige Augustin sagt sogar, dass die Vorherbestimmten auf dieser Erde alle im Mutterschoße Mariä eingeschlossen sind und dass sie erst dann zur Welt kommen, wenn diese gute Mutter sie zum ewigen Leben gebiert. Gleichwie also das Kind seine ganze Nahrung von der Mutter empfängt, welche hinwieder die Nahrung der Schwäche des Kindes anpasst, so ziehen die Vorherbestimmten ihre ganze geistigen Nahrung und alle ihre Kraft aus Maria.

Weil Maria in den Vorherbestimmten ihre Wohnung aufschlagen muss.

15. Zu Maria hat Gott der Vater gesprochen: In Jacob inhabita. Meine Tochter, nimm Wohnung in Jakob, d.h. in meinen Vorherbestimmten, die in Jakob vorgebildet waren.

Zu Maria hat Gott der Sohn gesprochen: In Israel hereditare. Meine liebe Mutter, in Israel sei dein Erbteil, d.h. in den Vorherbestimmten.

Zu Maria endlich hat der Heilige Geist gesprochen: In electi meis mitte radices. Meine getreue Braut, schlage Wurzeln in meinen Auserwählten.

Wer also auserwählt und vorherbestimmt ist, in dem wohnt Maria, d.h. in dessen Seele, und er lässt sie darin Wurzel schlagen, die Wurzeln tiefer Demut, brennender Liebe und aller Tugenden.

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Fortsetzung folgt!
Quelle: Ludwig Maria Grignion von Montfort – Gesammelte Werke – Kleinere Schriften (4. Band)

Benedikt XVI. zum Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria – 2005

EUCHARISTIEFEIER ANLÄSSLICH DES 40. JAHRESTAGES DES
ABSCHLUSSES DES II. ÖKUMENISCHEN VATIKANISCHEN KONZILS

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria
Donnerstag, 8. Dezember 2005

Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!

Vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1965, vollzog Papst Paul VI. auf dem Vorplatz dieser Petersbasilika den feierlichen Abschluß des II. Vatikanischen Konzils. Es war nach dem Wunsch von Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962, damals Fest der Mutterschaft Mariens, eröffnet worden und fand seinen Abschluß am Tag der Unbefleckten Empfängnis. Ein marianischer Rahmen umgibt also das Konzil. Tatsächlich ist es aber viel mehr als ein Rahmen: Es ist eine Orientierung für den ganzen Verlauf des Konzils. Ebenso wie seinerzeit die Konzilsväter verweist es auch uns auf das Bild der Jungfrau, die zuhört, die im Wort Gottes lebt, die die Worte, die von Gott zu ihr gelangen, in ihrem Herzen bewahrt und die sie begreifen lernt, indem sie sie gleichsam zu einem Mosaik zusammenfügt (vgl. Lk 2,19.51); es verweist uns auf die große Glaubende, die sich demütig und vertrauensvoll in die Hände Gottes übergibt, indem sie sich seinem Willen überläßt; es verweist uns auf die demütige Mutter, die, wenn es die Sendung des Sohnes verlangt, in den Hintergrund tritt, und zugleich auf die mutige Frau, die unter dem Kreuz steht, während die Jünger die Flucht ergreifen. In seiner Ansprache anläßlich der Promulgation der Konzilskonstitution über die Kirche hatte Paul VI. Maria als »tutrix huius Concilii« – »Beschützerin dieses Konzils« – bezeichnet (vgl. Oecumenicum Concilium Vaticanum II, Constitutiones Decreta Declarationes, Vatikanstadt 1966, S. 986) und mit unverkennbarer Bezugnahme auf den von Lukas überlieferten Pfingstbericht (Apg 1,12–14) gesagt, die Konzilsväter hätten sich »cum Maria, Matre Iesu« – »mit Maria, der Mutter Jesu« – in der Konzilsaula versammelt und würden nun auch in ihrem Namen aus ihr hinausgehen (ebd., S. 985).

Unauslöschlich bleibt in meinem Gedächtnis der Augenblick, in dem sich die Konzilsväter, als sie seine Worte hörten: »Mariam Sanctissimam declaramus Matrem Ecclesiae« – »Wir erklären die seligste Jungfrau Maria zur Mutter der Kirche« –, spontan von ihren Sitzen erhoben und stehend applaudierten und auf diese Weise der Gottesmutter, unserer Mutter, der Mutter der Kirche huldigten. In der Tat faßte der Papst mit diesem Titel die marianische Lehre des Konzils zusammen und bot den Schlüssel zu deren Verständnis. Maria steht nicht nur in einer einzigartigen Beziehung zu Christus, dem Sohn Gottes, der als Mensch ihr Sohn werden wollte. Indem sie vollkommen mit Christus verbunden ist, gehört sie auch vollkommen zu uns. Ja, wir können sagen, Maria ist uns so nahe wie kein anderer Mensch, weil Christus Mensch für die Menschen ist und sein ganzes Sein ein »Sein für uns« ist. Christus als Haupt ist, wie die Konzilsväter sagen, nicht von seinem Leib, der Kirche, zu trennen; er bildet zusammen mit ihr sozusagen ein einziges lebendiges Subjekt. Die Mutter des Hauptes ist auch die Mutter der ganzen Kirche; sie wird sozusagen sich selbst vollkommen entzogen; sie gibt sich ganz Christus hin und wird mit ihm uns allen geschenkt. Denn je mehr sich die menschliche Person hingibt, um so mehr findet sie sich selbst.

Das Konzil wollte uns sagen: Maria ist so in das große Geheimnis der Kirche eingewoben, daß sie und die Kirche ebenso wenig voneinander zu trennen sind wie sie und Christus. Maria ist Spiegelbild der Kirche, sie nimmt sie in ihrer Person vorweg und bleibt in allen Turbulenzen, die die leidende und sich abmühende Kirche heimsuchen, immer der Stern des Heils. Sie ist ihre wahre Mitte, der wir vertrauen, auch wenn uns ihre Randbereiche so oft schwer auf der Seele lasten. Dies alles hat Papst Paul VI. bei der Verkündigung der Konstitution über die Kirche mittels eines neuen, tief in der Überlieferung verwurzelten Titels in der Absicht herausgestellt, die innere Struktur der auf dem Konzil entwickelten Lehre über die Kirche zu erhellen. Das II. Vaticanum sollte über die institutionellen Glieder der Kirche sprechen: über die Bischöfe und über den Papst, über die Priester, die Laien und die Ordensleute in ihrer Gemeinschaft und in ihren Beziehungen zueinander; es sollte die pilgernde Kirche beschreiben, »die in ihrem eigenen Schoß Sünder umfaßt; die zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig ist…« (Lumen gentium, 8). Aber diese »petrinische« Dimension der Kirche ist in jener »marianischen« Dimension enthalten. In Maria, der unbefleckt Empfangenen, begegnen wir dem unentstellten Wesen der Kirche. Von ihr sollen wir lernen, selber zu »kirchlichen Seelen« zu werden, wie sich die Konzilsväter ausdrückten, damit auch wir, nach dem Wort des hl. Paulus, »schuldlos« vor den Herrn treten können, so wie er uns von Anfang an haben wollte (vgl. Kol 1,22; Eph 1,4).

Aber nun müssen wir uns fragen: Was bedeutet »Maria, die unbefleckt Empfangene«? Hat uns dieser Titel etwas zu sagen? Die Liturgie des heutigen Tages erklärt uns den Inhalt dieses Wortes in zwei großartigen Bildern. Da ist zuerst der wundervolle Bericht von der Ankündigung des Kommens des Messias an Maria, die Jungfrau aus Nazaret. Der Gruß des Engels ist aus Fäden des Alten Testaments, besonders aus dem Buch des Propheten Zefanja, gewoben. Er zeigt, daß Maria, die einfache Frau aus der Provinz, die aus einem priesterlichen Geschlecht stammt und das große priesterliche Erbe Israels in sich trägt, der »heilige Rest« Israels ist, auf den sich die Propheten zu allen Zeiten der Drangsal und Finsternis bezogen haben. In ihr ist das wahre, das reine Zion, die lebendige Wohnstatt Gottes, gegenwärtig. In ihr wohnt der Herr, in ihr findet er seinen Ort der Ruhe. Sie ist das lebendige Haus Gottes, der nicht in steinernen Häusern wohnt, sondern im Herzen des lebendigen Menschen. Sie ist der Sproß, der in der dunklen Winternacht der Geschichte aus dem Baumstumpf Davids hervorsprießt. In ihr erfüllt sich das Psalmwort: »Das Land gab seinen Ertrag« (Ps 67,7). Sie ist der junge Trieb, aus dem der Baum der Erlösung und der Erlösten heranwächst. Gott ist nicht gescheitert, wie es gleich am Anfang der Geschichte mit Adam und Eva oder während des Babylonischen Exils vielleicht scheinen mochte und wie es sich zur Zeit Mariens neuerlich abzuzeichnen schien, als Israel zu einem bedeutungslosen Volk in einem besetzten Land geworden war, wo kaum Zeichen seiner Heiligkeit zu erkennen waren. Gott ist nicht gescheitert. In der Schlichtheit des Hauses von Nazaret lebt das heilige Israel, der lautere Rest. Gott hat sein Volk gerettet und rettet es auch weiterhin. Seine Geschichte beginnt von neuem zu leuchten von dem Baumstumpf aus, der zu einer neuen lebendigen Kraft wird, die Orientierung gibt und die Welt durchdringt. Maria ist das heilige Israel; sie sagt »Ja« zum Herrn, sie stellt sich ihm voll zur Verfügung und wird so zum lebendigen Tempel Gottes.

Das zweite Bild ist viel schwieriger und dunkler. Diese Metapher aus dem Buch Genesis spricht zu uns aus einer großen historischen Distanz und läßt sich nur mühsam erklären; erst im Laufe der Geschichte war es möglich, ein tieferes Erfassen des dort Berichteten zu entwickeln. Es wird vorausgesagt, daß während der ganzen Geschichte der Kampf zwischen dem Menschen und der Schlange, das heißt zwischen dem Menschen und den Mächten des Bösen und des Todes, weitergehen wird. Es wird jedoch auch vorhergesagt, daß »die Nachkommenschaft« der Frau eines Tages siegen und der Schlange, dem Tod, den Kopf zertreten wird; es wird vorhergesagt, daß die Nachkommenschaft der Frau – und in ihr die Frau und Mutter – siegen wird und daß auf diese Weise, nämlich durch den Menschen, Gott siegen wird. Wenn wir zusammen mit der glaubenden und betenden Kirche hörend an diesen Text herangehen, dann können wir beginnen zu verstehen, was die Ursünde, die Erbsünde ist, und auch, was der Schutz vor dieser Erbsünde ist, was die Erlösung ist.

Was für ein Bild wird uns in diesem Abschnitt vor Augen geführt? Der Mensch vertraut nicht auf Gott. Von den Worten der Schlange verführt, hegt er den Verdacht, daß Gott letzten Endes ihm etwas von seinem Leben wegnehme, daß Gott ein Konkurrent sei, der unsere Freiheit einschränke, und daß wir erst dann im Vollsinn Menschen sein würden, wenn wir Gott zurückgesetzt haben; kurz, daß wir nur auf diese Weise unsere Freiheit voll verwirklichen können. Der Mensch lebt in dem Verdacht, die Liebe Gottes erzeuge eine Abhängigkeit und er müsse sich von dieser Abhängigkeit befreien, um vollkommen er selbst zu sein. Der Mensch will seine Existenz und die Fülle seines Lebens nicht von Gott empfangen. Er will selber vom Baum der Erkenntnis die Macht dazu erlangen, die Welt zu formen, Gott zu werden, indem er sich auf eine Stufe mit Ihm erhebt, und den Tod und die Finsternis mit eigener Kraft zu besiegen. Er will nicht auf die Liebe zählen, die ihm nicht zuverlässig erscheint; er zählt einzig und allein auf die Erkenntnis, da sie ihm die Macht verleiht. Anstatt auf die Liebe setzt er auf die Macht, mit der er sein Leben selbständig in die Hand nehmen möchte. Und indem er das tut, vertraut er der Lüge statt der Wahrheit und stürzt so mit seinem Leben ins Leere, in den Tod. Liebe ist nicht Abhängigkeit, sondern Geschenk, das uns leben läßt. Die Freiheit eines Menschen ist die Freiheit eines begrenzten Wesens und ist daher selbst begrenzt. Wir können sie nur als geteilte Freiheit, in der Gemeinschaft der Freiheiten, besitzen: Nur wenn wir in rechter Weise miteinander und füreinander leben, kann sich die Freiheit entfalten. Aber wir leben in rechter Weise, wenn wir gemäß der Wahrheit unseres Seins, das heißt nach dem Willen Gottes leben. Denn der Wille Gottes ist für den Menschen nicht ein ihm von außen auferlegtes Gesetz, das ihn einengt, sondern das seiner Natur wesenseigene Maß, ein Maß, das in ihn eingeschrieben ist und ihn zum Abbild Gottes und somit zum freien Geschöpf macht. Wenn wir gegen die Liebe und gegen die Wahrheit – also gegen Gott – leben, zerstören wir uns gegenseitig und zerstören die Welt. Dann finden wir nicht das Leben, sondern handeln im Interesse des Todes. Das alles wird mit den unvergänglichen Bildern in der Geschichte vom Sündenfall und von der Vertreibung des Menschen aus dem irdischen Paradies erzählt.

Liebe Brüder und Schwestern! Wenn wir über uns und über unsere Geschichte aufrichtig nachdenken, müssen wir sagen, daß mit diesem Bericht nicht nur die Geschichte des Anfangs, sondern die Geschichte aller Zeiten beschrieben wird und daß wir alle einen Tropfen des Giftes von jener Denkweise in uns tragen, wie sie in den Bildern aus dem Buch Genesis veranschaulicht wird. Diesen Gifttropfen nennen wir Erbsünde. Gerade am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis taucht in uns der Verdacht auf, daß eine Person, die gar nicht sündigt, im Grunde genommen langweilig sei; daß etwas in ihrem Leben fehle, nämlich die dramatische Dimension, autonom zu sein; daß die Freiheit, nein zu sagen, hinabzusteigen in die Dunkelheiten der Sünde und des Selber-machen-Wollens zum wahren Menschsein gehöre; daß man nur dann die ganze Weite und Tiefe unseres Menschseins, des wahren Wir-selbst-Seins bis zum Letzten ausnützen könne; daß wir diese Freiheit auch gegen Gott auf die Probe stellen müssen, um wirklich voll und ganz wir selbst zu werden. Mit einem Wort, wir meinen, daß das Böse im Grunde genommen gut sei, daß wir es, zumindest ein wenig, brauchen, um die Fülle des Seins zu erleben. Wir meinen, daß Mephistopheles – der Versucher – Recht habe, wenn er sagt, daß er die Kraft sei, die »stets das Böse will und stets das Gute schafft« (J. W. von Goethe, Faust I, 3). Wir meinen, ein wenig mit dem Bösen zu paktieren, sich ein wenig Freiheit gegen Gott vorzubehalten, sei im Grunde genommen gut, vielleicht sogar notwendig.

Wenn wir uns allerdings die Welt um uns herum anschauen, können wir sehen, daß es sich eben nicht so verhält; daß vielmehr das Böse den Menschen immer vergiftet, ihn nicht erhöht, sondern ihn erniedrigt und demütigt, ihn nicht größer, reiner und reicher macht, sondern ihm schadet und ihn kleiner werden läßt. Das müssen wir vor allem am Tag der Unbefleckt Empfangenen lernen: Der Mensch, der sich vollkommen in die Hände Gottes übergibt, wird keine Marionette Gottes, keine langweilige, angepaßte Person; er verliert seine Freiheit nicht. Nur der Mensch, der sich ganz Gott anvertraut, findet die wahre Freiheit, die große und schöpferische Weite der Freiheit des Guten. Der Mensch, der sich zu Gott hinwendet, wird nicht kleiner, sondern größer, denn durch Gott und zusammen mit Ihm wird er groß, wird er göttlich, wird er wirklich er selbst. Der Mensch, der sich in die Hände Gottes übergibt, entfernt sich nicht von den anderen, indem er sich in sein privates Heil zurückzieht; im Gegenteil, nur dann erwacht sein Herz wirklich und er wird zu einer einfühlsamen und daher wohlwollenden und offenen Person.

Je näher der Mensch Gott ist, desto näher ist er den Menschen. Das sehen wir an Maria. Der Umstand, daß sie ganz bei Gott ist, ist der Grund dafür, daß sie auch den Menschen so nahe ist. Deshalb kann sie die Mutter jeden Trostes und jeder Hilfe sein: Jeder kann es in seiner Schwachheit und Sünde wagen, sich in jeder Art von Not an diese Mutter zu wenden, denn sie hat Verständnis für alles und ist die für alle offene Kraft der schöpferischen Güte. Ihr hat Gott sein Bild aufgeprägt, das Bild dessen, der dem verlorenen Schaf bis in die Berge und bis in die Stacheln und Dornen der Sünden dieser Welt nachgeht, indem er sich von der Dornenkrone dieser Sünden verwunden läßt, um das Schaf auf seine Schultern zu nehmen und es nach Hause zu tragen. Als Mutter, die mitleidet, ist Maria die vorweggenommene Gestalt und das bleibende Bildnis des Sohnes. Und so sehen wir, daß auch das Bild der Schmerzensmutter, der Mutter, die das Leiden und die Liebe des Sohnes teilt, ein wahres Bild der Immaculata ist. Ihr Herz hat sich durch das Mit-Gott-Leben und Mit-Gott-Fühlen geweitet. In ihr ist uns Gottes Güte sehr nahe gekommen. So steht Maria vor uns als Zeichen des Trostes, der Ermutigung und der Hoffnung. Sie wendet sich an uns und sagt: »Hab’ Mut, es mit Gott zu wagen! Versuche es! Hab’ keine Angst vor Ihm! Hab’ Mut, das Wagnis des Glaubens einzugehen! Hab’ Mut, dich auf das Wagnis der Güte einzulassen! Laß dich für Gott gewinnen, dann wirst du sehen, daß gerade dadurch dein Leben weit und hell wird, nicht langweilig, sondern voll unendlicher Überraschungen, denn Gottes unendliche Güte erschöpft sich niemals!«

Wir wollen an diesem Festtag dem Herrn danken für das große Zeichen seiner Güte, das er uns in Maria, seiner Mutter und der Mutter der Kirche, geschenkt hat. Wir wollen ihn bitten, Maria auf unserem Weg Raum zu geben – als Licht, das uns hilft, unsererseits zum Licht zu werden und dieses Licht in die Nächte der Geschichte hineinzutragen. Amen.

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Quelle

Papst Franziskus: Frühmesse: „Die Kirche ist wie Maria: Frau und Mutter“

Frühmesse mit dem Papst am Pfingstmontag und ersten Tag des neuen liturgischen Festes „Maria, Mutter der Kirche“

Die Kirche ist „weiblich“, sie ist „Mutter und Braut“. Wo dieser Aspekt fehlt, verliert sie ihre Fähigkeit, „zu lieben und fruchtbar zu sein“, wird zu einer „Kirche alter Junggesellen.“ Dies stellte der Papst pünktlich zur Einführung des neuen Marienfestes „Maria, Mutter der Kirche“ in seiner Frühmesse heraus.

Silvia Kritzenberger und Barbara Castelli – Vatikanstadt

Papst Franziskus setzt sich für eine deutlichere weibliche Präsenz in der Kirche ein. Dazu passt, dass auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin künftig am Pfingstmontag immer das neue Marienfest weltweit gefeiert wird. Ein Fest, das – wie Franziskus hofft – „dem Verständnis der Mutterschaft der Kirche und der unverfälschten Marienfrömmigkeit zuträglich sein kann.“

Die Mutterschaft Mariens

Die „Mutterschaft“ Mariens komme in den Evangelien vor allem dadurch zum Ausdruck, dass sie als „Mutter Jesu“ bezeichnet werde, und nicht als „Gemahlin“ oder „Witwe des Josef“, so der Papst bei seiner Frühmesse: ihre Mutterschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Heilige Schrift, von der Verkündigung des Engels bis zum Ende. Dass diese Mutterschaft eine ganz besondere Gabe an die Kirche ist, hätten bereits die Kirchenväter erkannt.

„Die Kirche ist weiblich, weil die Kirche ‚Braut‘ ist: sie ist weiblich! Sie ist Mutter, schenkt Leben. Braut und Mutter!“ betonte der Papst. Und er erinnerte daran, dass die Kirchenväter sogar noch weiter gegangen seien: „‚Auch deine Seele ist Braut Christi und Mutter!‘ haben sie gesagt.“ In dieser Gesinnung, die von Maria kommt, die Mutter der Kirche ist, könnten wir – so Franziskus – diese weibliche Dimension der Kirche verstehen. Eine Dimension, die die Kirche dort, wo sie fehlt, „ihre wahre Identität verlieren lässt, sie auf einen Wohltätigkeitsverein reduziert; auf etwas, das wie ein Fußballverein, wie alles Mögliche ist, nur nicht Kirche!“

„Nein“ zu einer Kirche „alter Junggesellen“

Nur eine weibliche Kirche könne „fruchtbar“ sein nach dem Plan Gottes, dessen Wunsch es war, „von einer Frau geboren zu werden, um uns in den Wegen der Frau zu unterweisen,“ führte der Papst aus.

„Das Wichtige ist, dass die Kirche Frau ist, dass sie die Dimension der Braut und Mutter hat. Wenn wir das vergessen, ohne diese Dimension, ist sie eine männliche Kirche,“ warnte der Papst. Dann werde sie zu einer Kirche „alter Junggesellen: in sich selbst verschlossen; unfähig zu lieben; unfähig, fruchtbar zu sein.“ Weiter führte er aus: „Ohne die Frau kommt die Kirche nicht voran, gerade weil sie Frau ist. Und diese Dimension der Frau wurde ihr von Maria gegeben, weil es Jesus so gewollt hat.“

Die Zärtlichkeit einer Mutter

Wie Franziskus anmerkte, sei die wichtigste Tugend, die eine Frau auszeichnet, die Zärtlichkeit. In der Bibel heißt es von Maria: „Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“ Fürsorglichkeit, in Sanftmut und Demut: das seien die schönsten Eigenschaften einer Mutter, brachte es der Papst auf den Punkt.

„Eine Kirche, die Mutter ist, schlägt den Weg der Zärtlichkeit ein. Sie kennt die Sprache der Weisheit, die in der Zärtlichkeit liegt, in der Stille; in einem Blick voller Barmherzigkeit,“ führte Papst Franziskus aus, und er merkte an: „Und der Mensch, der die Zugehörigkeit zur Kirche lebt und weiß, dass sie auch Mutter ist, muss genau diesen Weg gehen: den des Menschen, der demütig und zärtlich ist, immer ein Lächeln auf den Lippen und voller Liebe.“

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