Papst Franziskus zu Benedikts Amtverzicht: Eine Lektion für alle

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Erstmals hat sich Papst Franziskus in schriftlicher Form zum Pontifikat und zum Rücktritt seines Vorgängers geäußert. Der Rücktritt Benedikts VXI. und sein darauf folgendes, dem Gebet gewidmetes Leben, seien eine Lektion für die Kirche; so bewertet der amtierende Papst die viel diskutierte Entscheidung des deutschen Papstes, auf den Stuhl Petri noch zu Lebzeiten zu verzichten. Er äußerte sich im Vorwort zu einem Buch mit gesammelten Predigten Benedikts zum Priestertum, das an diesem Donnerstag auf Deutsch im Herderverlag erscheint.

Die Lektion Benedikts bestehe gerade darin, dass er mit seinem Verzicht auf das Papstamt nicht auf den Dienst an der Kirche verzichtet habe, betont Papst Franziskus. Im Gegenteil: Vielleicht sei es gerade von dem Kloster Mater Ecclesiae aus, in das er sich zurückgezogen habe, dass Benedikt XVI. auf besonders deutliche Weise eine seiner größten Lektionen der ,Theologie auf Knien´ gebe. Benedikt XVI., so schreibt Franziskus, rücke so allen Klerikern nochmals deutlich ins Bewusstsein, worin ihr eigentlicher Dienst bestehe, nämlich, dass „der erste und wichtigste Dienst nicht die Leitung der ,laufenden Angelegenheiten´ ist, sondern das Gebet für die anderen, ohne Unterlass, mit Leib und Seele.“

Papst Franziskus würdigt ausdrücklich die herausragenden theologischen Fähigkeiten seines Vorgängers, der ein „Lehrmeister des Glaubens“ sei und Heiligkeit verkörpere. Er sei in einer Reihe zu sehen mit „großen Theologen auf dem Petrusstuhl“ wie dem Kirchenlehrer und Heiligen Leo dem Großen. „Bewegend“ sei sein letztes Angelusgebet auf dem Petersplatz am 24. Februar 2013 gewesen, in dem Benedikt seinen Amtsverzicht thematisiert habe, so Franziskus: „Doch dies bedeutet nicht, dass ich die Kirche im Stich lasse, im Gegenteil. Wenn Gott dies von mir fordert, so gerade deshalb, damit ich fortfahren kann, ihr zu dienen, mit derselben Hingabe und mit derselben Liebe, mit der ich es bisher versucht habe“, zitiert er seinen Vorgänger. Diese Heiligkeit sei nicht mit mangelnder Alltagstauglichkeit zu verwechseln, betonte Franziskus: „So zeigt uns seine Heiligkeit Benedikt XVI. mit seinem Zeugnis, was wahres Beten ist: nicht die Beschäftigung mancher Personen, die als besonders fromm und vielleicht wenig dafür geeignet gelten, praktische Probleme zu lösen; dieses „Tun“, das die „Aktiveren“ als das entscheidende Element unseres priesterlichen Dienstes ansehen und das Gebet so auf eine „Freizeitbeschäftigung“ beschränken.“

Und so verkörpere er auf beispielhafte Weise das Wesen des gesamten priesterlichen Wirkens: „Jenes tiefe Verwurzeltsein in Gott, ohne das das ganze Organisationstalent, die ganze vermeintliche intellektuelle Überlegenheit, das ganze Geld und die macht nutzlos sind.“ Ohne die von ihm gelebte ständige Beziehung zum Herrn Jesus sei keine Wahrheit möglich und werde „alles zur Routine“, die Priester zu „Gehaltsempfängern“ und die Bischöfe zu „Bürokraten“ werden lasse. Damit verliere letztlich sogar die Kirche selbst ihre ureigene Beziehung zum Herrn und werde etwas, „das wir geschaffen haben, eine NGO, die letztendlich überflüssig ist.“

Das Buch, dem die Überlegungen von Papst Franziskus entnommen sind, heißt „Die Liebe Gottes lehren und lernen – Priestersein heute“ und versammelt Predigten und Ansprachen von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. von 1954 bis 2009. Der Präfekt der Glaubenskongregation und langjährige Wegbegleiter des ehemaligen Papstes, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat die Einführung verfasst. Der Band erscheint anlässlich des 65. Priesterjubiläums von Benedikt XVI. am 29. Juni 2016. Er wird ihm im Rahmen einer Feierstunde in der vatikanischen Sala Clementina am kommenden Dienstag überreicht werden.

(rv 22.06.2016 cs)