In Maria das Geheimnis der Hoffnung entdecken

Botschaft von Papst Franziskus an die Teilnehmer des
Jugendtreffens im Nationalheiligtum von Aparecida

Liebe Jugendliche!

Sehr herzlich grüße ich euch, die Jugendlichen aus Brasilien, die ihr in Aparecida versammelt seid, um das Projekt »Rota 300« abzuschließen, in diesem Marianischen Jahr zum Gedenken an den 300. Jahrestag der Auffindung des Bildes Unserer Lieben Frau im Wasser des Rio Paraíba do Sul.

Aus diesem Anlass möchte ich einen Aspekt der Botschaft herausheben, die ich euch in diesem Jahr zum 32. Weltjugendtag geschrieben habe: Die Jungfrau Maria ist ein kostbares Vorbild für die Jugend und eine Hilfe auf dem Weg des Lebens. Damit ihr diese Wahrheit begreifen könnt, sind keine großen Reflexionen notwendig. Es reicht, auf der Pilgerfahrt zu ihrem Nationalheiligtum, die ihr unternehmen werdet, das Bild der Mutter von Aparecida zu betrachten. Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht, als ich 2007 aus Anlass der Konferenz der Bischöfe Lateinamerikas und dann 2013 im Rahmen des Weltjugendtages von Rio de Janeiro dort war. Ich konnte dort im zärtlichen, mütterlichen Blick der »Virgen Morena« und in den Augen der einfachen Menschen, die sie betrachteten, das Geheimnis der Hoffnung entdecken, die das brasilianische Volk veranlasst, die Herausforderungen eines jeden Tages mit Glauben und Mut anzunehmen. Ich konnte auch die revolutionäre Kraft einer liebevollen Mutter sehen, die das Herz ihrer Kinder dazu bewegt, mit großem missionarischem Elan aus sich selbst herauszugehen, wie auch ihr es in dieser missionarischen Woche getan habt, die soeben in der Valle di Paraíba zu Ende gegangen ist. Ich beglückwünsche euch zu diesem Zeugnis!

Liebe Freunde, in der Ungewiss­heit und Unsicherheit des Alltags, in der von ungerechten Situationen in eurem Umfeld verursachten Prekarität, sollt ihr eine Gewissheit haben: Maria ist ein Zeichen der Hoffnung. Sie wird euch Mut schenken, verbunden mit einem großen missionarischen Impuls. Sie kennt die Herausforderungen, in denen ihr lebt. Mit ihrer Aufmerksamkeit und ihrem mütterlichen Geleit wird sie euch spüren lassen, dass ihr nicht allein seid. In dieser Hinsicht ist es lohnend, sich an die Geschichte jener armen Fischer zu erinnern, die nach einem ergebnislosen Fischfang im Fluss Paraíba do Sul nochmals ihre Netze ausgeworfen haben und überrascht wurden von der zerbrochenen, schlammbedeckten Statue Unserer Lieben Frau. Zuerst fanden sie den Körper, dann den Kopf. Wie ich dazu den brasilianischen Bischöfen 2013 gesagt habe, enthält diese Tatsache ein bedeutungsvolles Symbol: was geteilt war, wird wieder eine Einheit, wie das Herz jener Fischer, wie das von der Sklaverei geteilte Brasilien der Kolonialzeit, das seine Einheit im Glauben findet, der von jenem schwarzen Bild Unserer Lieben Frau angeregt wurde (vgl. Ansprache an die Bischöfe von Brasilien, 27. Juli 2013). Daher möchte ich auch euch einladen, eure Herzen von der Begegnung mit Unserer Mutter von Aparecida verwandeln zu lassen. Möge sie eure »Netze« des Lebens – Netze der Freundschaft, soziale Netze, materielle und virtuelle Netze, Wirklichkeiten, die so oft geteilt sind – verwandeln in etwas Bedeutsameres: Mögen sie sich in eine Gemeinschaft verwandeln können! In missionarische Gemeinschaften, »die hinausgehen«! Gemeinschaften, die Licht und Sauerteig einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft sind.

So in eure Gemeinschaften eingefügt, sollt ihr keine Angst haben, etwas zu riskieren und euch für den Aufbau einer neuen Gesellschaft zu engagieren, indem ihr das soziale, politische, ökonomische und universitäre Umfeld mit der Kraft des Evangeliums durchdringt! Habt keine Angst, gegen Korruption zu kämpfen und lasst euch von ihr nicht verführen! Im Vertrauen auf den Herrn, dessen Gegenwart Quelle des Lebens in Fülle ist, und unter dem Schutzmantel Mariens könnt ihr die Kreativität und Kraft finden, um Protagonisten einer Kultur der Bündnisse zu sein, und so neue Paradigmata schaffen, die dem Leben Brasiliens Orientierung geben können (vgl. Botschaft an die Versammlung des CELAM, 8. Mai 2017).

Pope Francis kisses the statue of the Virgin of Aparecida, Brazil’s patron saint, during Mass in Aparecida Basilica, in Aparecida, Brazil, Wednesday, July 24, 2013. Reverence for the figure of the Virgin Mary runs particularly deep in Latin America. The Vatican says that Pope Francis personally insisted that a trip to the Aparecida Basilica be added to his Brazilian visit agenda. (AP Photo/Felipe Dana)

Möge der Herr auf die Fürsprache der Jungfrau von Aparecida in einem jeden von euch die Hoffnung und den missionarischen Geist erneuern. Ihr seid die Hoffnung Brasiliens und der Welt. Und das Neue, deren Träger ihr seid, beginnt sich bereits heute aufzubauen. Möge Unsere Liebe Frau, die in ihrer Jugend den Ruf Gottes mutig anzunehmen und auf die Bedürftigen zuzugehen wusste, vor euch sein und euch auf allen euren Wegen leiten! Und dafür sende ich einem jeden von euch einen Apostolischen Segen, in den ich auch eure Familienangehörigen und Freunde einschließe. Und ich bitte euch, auch für mich zu beten.

Aus dem Vatikan, 3. Juli 2017 (Orig. portugies.; ital. in O.R. 2.8.2017)

Dokument von Aparecida: Die „Dynamik des Samariters“

Kardinal Bergoglio bei der Versammlung 2007

Unter allen Grundlagentexten der Kirche auf allen Kontinenten haben die Texte der Generalversammlungen der lateinamerikanischen Bischöfe immer herausgeragt, Puebla und Medellin waren zwei der auch die übrige Kirche prägenden Versammlungen, die unter anderem die Option für die Armen formuliert haben.

Im Mai 2007 hatten sich die Bischöfe und Berater versammelt, dieses Mal im brasilianischen Aparecida. Benedikt XVI. hatte die Versammlung eröffnet, danach wurde zwei Wochen getagt. Herausgekommen ist ein Dokument von knapp 300 Seiten, das bis heute die Pastoral in Lateinamerika prägt. Vor genau zehn Jahren wurde der Text vom Vatikan approbiert.

Aparecida ist aber viel mehr als nur ein Text, der eine Debatte zusammen fasst. Es ist ein Dokument der Reflexion und der Grundlagen. Ohne das Rad neu erfinden zu wollen sollte ein Weg für die Kirche für alle verstehbar und nachvollziebar formuliert werden. Und das ist geglückt. Man wollte „den Weg fortsetzen, den die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (..) zurückgelegt hat“, wie es im Dokument heißt.

Was beim Lesen vor allem auffällt ist die Dynamik, die sich durch den Text zieht. Es ist keine bloße Rhetorik, die Kirche versteht sich als gegründet und gesandt, man fordert die „Dynamik des Samariters“ für das eigene Tun. Jüngerschaft und Mission seien zwei Seiten derselben Medaille, so das Dokument. Man sieht die Kirche in dieser Dynamik des Rufes Jesu, der Folgen haben muss für das eigene Leben.

Wider die Vereinfachung

Sehr deutlich fällt immer wieder die Ablehnung aller Formen der Vereinfachung der Realität aus, man wehrt sich gegen zu schnelle Lösungen und zu einfache Analysen. Ebenso wehrt man sich deutlich gegen die Fluchtbewegungen in „tröstliche Vorstellungen, in Echtzeit, live“; tröstende Phantasien könnten die Realität nicht ersetzen. Hier käme eine internationale und standardisierte Kultur zum Tragen, die lokale Traditionen missachte und indifferent gegenüber Unterschieden sei. Es sei eine „kulturelle Kolonisierung“, die von statten gehe. Deutlicher kann man in Lateinamerika nicht werden: Konsumkultur ist Kolonisierung.

Auffällig ist weiterhin, dass einige Passagen in Gebetssprache verfasst sind. Es bleibt nicht bei der abstrakten Analyse. Der Dank spielt eine wichtige Rolle, aber ebenso die Klage über fehlenden Enthusiasmus, über die eigenen Mängel und Schattenseiten.

Herausgekommen ist etwas, womit Christen nicht nur in Lateinamerika etwas anfangen können. Sehr klarsichtige Analysen über die Zersetzungskräfte der Gesellschaft, aber auch Hoffnung für das eigene Beten und Tun. Perspektiven nicht nur für die Kirche als Ganzes, sondern ganz konkret für die einzelnen Gemeinschaften und Pfarreien, in denen Kirche lebt.

Für den ganzen Kontinent

Die entscheidende Formulierung steht in Nr. 263. „Wir verpflichten uns, eine große Mission im ganzen Kontinent durchzuführen. Sie wird uns abverlangen, alles, was wir denken und was uns bewegt, tiefer zu erfassen und einfallsreicher darzulegen, damit jeder Gläubige ein missionarischer Jünger werden kann“. Aus dem Papier wird so ein Prozess, der bis heute durch die Bistümer und Pfarreien geht, immer unterschiedlich, je nach Bedürfnissen oder Fragestellungen.

In Lateinamerika gibt es die lebendige Umsetzung eines Papiers zum Anfassen. Es soll die Kirche im Sinn des Konzils umformen, man setzt auf nichts weniger als „ein neues Pfingsten“.

Kultur des Lebens

In seiner Eröffnungsansprache hatte Benedikt XVI. von der „Kultur des Lebens“ gesprochen, die auf der Förderung des ganzen Menschen beruhen müsse, was die Priorität des Glaubens genauso umfasst wie das Beseitigen sozialer Ungerechtigkeiten. Das Dokument aus Aparecida will genau das umsetzen. Bei Papst Franziskus, in seinem Schreiben Evangelii Gaudium aber nicht nur da, kann man das ausbuchstabiert lesen.

Aparecida 2007. Schlussdokument der 5. Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik. Übersetzt und herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz, Stimmen der Weltkirche Nr. 41.

(rv 17.08.2017 ord)

Aparecida: Was Kardinal Bergoglio mit nach Rom brachte

Kardinal Bergoglio 2007 in Aparecida – RV

Es war keine einfache Geburt: Das genau heute vor zehn Jahren vom Vatikan approbierte Schlussdokument der Bischofsversammlung Lateinamerikas war in langen und nicht einfachen Debatten und Auseinandersetzungen entstanden. Nicht zuletzt waren die Beziehungen zwischen der Leitung der Konferenz und dem Vatikan nicht immer einfach.

Verantwortlich für die Schulussredaktion auf Seiten der Bischöfe war 2007 der Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, heute Papst Franziskus. Sein Assistent von damals, Guzman Carriquiry, ist heute Vize-Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika und erinnert sich: „Am Anfang waren die Gespräche sehr chaotisch. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich selber deshalb sehr aufgeregt war. Kardinal Bergoglio sagte uns aber immer: wir müssen alles sammeln, was die Bischöfe sagen und immer vor Augen halten, wie uns der Heilige Geist führen will. Und am Schluss haben ja die Bischöfe in dem Dokument festgehalten: Der Heilige Geist hat uns langsam aber mit Bestimmtheit zum Ziel geführt.“

Das Dokument – das nach dem Tagungsort in Marienheiligtum Aparecida einfach nur ‚Aparecida’ genannt wird – prägt das kirchliche Leben vor Ort bis heute. Und nicht nur in Lateinamerika, findet Carriquiry: „Aparecida war jene Zeit der Güte, die uns dann der Heilige Geist Kardinal Bergoglio auf den Stuhl Petri führte“. Und mit ihm die Gedanken von Aparecida, zum Papst gewählt ließ er viele Gedanken des Dokumentes in seine Programm-Schrift Evangelii Gaudium zu Beginn seines Pontifikates 2013 einfließen.

Dass Papst Franziskus sich dem Ort immer noch sehr verbunden fühlt, zeigte auch seine erste Auslandsreise. Auf dem Weg zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro machte er in Aparecida halt. Damals kündigte er an, zur 300-Jahr-Feier des Marienwallfahrtsortes zurück kommen zu wollen, das wäre im Oktober diesen Jahres. Dazu wird es aber nicht kommen, wie der Papst bei einer seiner fliegenden Pressekonferenzen bekannt gab, stattdessen ernannte er den italienischen emeritierten Kurienkardinal Giovanni Battista Re zu seinem Gesandten für die Feierlichkeiten vom 10.-12. Oktober. Als Präfekt der Bischofskongregation war Re gleichzeitig auch Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, als die Versammlung 2007 tagte.

(rv 17.08.2017 mg)

Bronzestatue der ​Jungfrau von Aparecida​ in den Vatikanischen Gärten aufgestellt

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Aparecida, Neue Basilika / Wikimedia Commons – Valter Campanato/ABr, CC BY 3.0 BR

Papst Franziskus betet für das krisengeschüttelte Brasilien

Am Samstagmorgen, um 9.30 Uhr, ist in Anwesenheit von Papst Franziskus eine kleine Bronzestatue der Jungfrau von Aparecida in den Vatikanischen Gärten aufgestellt worden.

Der argentinische Papst hatte in den ersten Monaten nach seiner Wahl sein Pontifikat unter den Schutz von „Nossa Senhora Aparecida“, „Königin und Patronin von Brasilien“, gestellt.

„Ich bin froh, dass die Jungfrau von Aparecida in den Gärten ist“, so sagte der Papst am Samstag im Laufe der kurzen Zeremonie. „Im Jahr 2013 hatte ich versprochen, dass ich nächstes Jahr wiederkommen werde. Ich weiß nicht, ob dies möglich sein wird“, so sagte er weiter. „Aber ich werde sie hier wenigstens näher bei mir haben“, so fuhr er fort.

Papst Franziskus lud alle ein, zur Jungfrau von Aparecida wegen der schweren Krise, in der sich Brasilien befindet, zu beten, „damit sie ihr Volk durch die soziale Gerechtigkeit und durch die Liebe Jesu Christi rette“, so sagte er.

Die Statue sei damals von armen Arbeitern aufgefunden worden, so erinnerte der Papst weiter. „Möge sie heute von allen gefunden werden, vor allem von denjenigen, die Arbeit, Erziehung brauchen, von denjenigen, die ihrer Würde beraubt worden sind“, so betonte er.

Das größte und mächtigste Land Südamerikas wird zurzeit von einer schweren Staatskrise erschüttert. Letzte Woche setzte der Senat von Brasilia die 2010 gewählte und 2014 wiedergewählte Staatspräsidentin Dilma Roussef mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit ab.

Das Gnadenbild in den Vatikanischen Gärten ist eine Initiative der brasilianischen Botschaft beim Heiligen Stuhl sowie der Erzdiözese von Aparicida, dessen Erzbischof, Kardinal Raymundo Damasceno Assis, an der kurzen Zeremonie teilnahm.

Nächstes Jahr feiert die Kirche Brasiliens den 300. Jahrestag der Auffindung der kleinen Marienstatue. Am 12. Oktober 1717 fanden drei Fischer – Domingos Garcia, Filipe Pedroso und João Alves – beim Fischen in den Gewässern des Flusses Paraíba die kleine, zerbrochene und verwitterte Terrakottafigur der Jungfrau in ihren Netzen.

Die ab 1955 von den Redemptoristen gebaute „neue Basilika“ von Aparecida ist heute das größte Marienheiligtum der Welt und empfängt jährlich mehr als 7 Millionen Besucher.

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Quelle