Besuch von Papst Franziskus in Bari — Angelus

BESUCH VON PAPST FRANZISKUS IN BARI
AUS ANLASS DER KONFERENZ
“FRIEDENSGRENZE MITTELMEER”

ANGELUS

Corso Vittorio Emanuele II (Bari)
Sonntag, 23. Februar 2020

[Multimedia]


Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Während wir hier versammelt sind, um zu beten und über den Frieden und das Schicksal der Anrainervölker des Mittelmeers nachzudenken, spielt sich auf der gegenüberliegenden Seite dieses Meeres, insbesondere im Nordwesten Syriens, eine große Tragödie ab. Aus unseren Hirtenherzen ergeht ein starker Appell an die beteiligten Akteure und an die internationale Gemeinschaft, den Lärm der Waffen zum Schweigen zu bringen und dem Weinen der Kleinen und Wehrlosen Gehör zu schenken; auf dass auf das Kalkulieren und die Interessen verzichtet werde, um das Leben der Zivilisten und der vielen unschuldigen Kinder, die den Preis dafür zahlen, zu schützen.

Lasst uns zum Herrn beten, dass er die Herzen bewege und dass alle die Logik der Konfrontation, des Hasses und der Rache überwinden mögen, um sich selbst als Brüder und Schwestern wiederzuentdecken, als Kinder eines einzigen Vaters, der die Sonne über Guten und Bösen aufgehen lässt (vgl. Mt 5,45). Lasst uns den Heiligen Geist anrufen, damit jeder von uns, ausgehend von unseren alltäglichen Gesten der Liebe, dazu beitrage, neue Beziehungen aufzubauen, die von Verständnis, Aufnahme und Geduld inspiriert sind und so die Voraussetzungen dafür schafft, die Freude des Evangeliums zu erfahren und sie in jedem Bereich des Lebens zu verbreiten. Möge die Jungfrau Maria, der »Stern des Meeres« [Heilige Mutter Gottes], zu der wir als höchstes Vorbild der Treue zu Jesus und seinem Wort aufblicken, uns helfen, diesen Weg zu gehen.

Bevor wir gemeinsam den Angelus beten, danke ich herzlich allen Bischöfen und all jenen, die an diesem Treffen über die Friedensgrenze Mittelmeer teilgenommen haben; sowie jenen – und das sind viele! –, die sich auf unterschiedliche Art und Weise für dessen Erfolg eingesetzt haben. Ich danke euch allen! Ihr habt dazu beigetragen, die Kultur der Begegnung und des Dialogs in dieser für den Weltfrieden so wichtigen Region zu stärken.

_______

Quelle

Die Botschaft von Papst Franziskus zum 53. Weltfriedenstag

Papst Franziskus am Mittwoch, 18. November bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Foto: CNA/Daniel Ibanez

VATIKANSTADT , 12 December, 2019 / 12:46 AM (CNA Deutsch).-

Am 1. Januar 2020 wird der 53. Weltfriedenstag begangen. CNA Deutsch dokumentiert den vollen Wortlaut der Botschaft des Pontifex in der offiziellen Übersetzung.

Der Frieden als Weg der Hoffnung:
Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr

1. Der Frieden als Weg der Hoffnung angesichts der Hindernisse und der Prüfungen

Der Frieden ist ein kostbares Gut, er ist Gegenstand unserer Hoffnung, nach dem die ganze Menschheit strebt. Auf den Frieden zu hoffen ist eine menschliche Haltung, die eine existentielle Spannung beinhaltet, weshalb auch eine zuweilen mühsame Gegenwart »gelebt und angenommen werden [kann], wenn sie auf ein Ziel zuführt und wenn wir dieses Ziels gewiss sein können; wenn dies Ziel so groß ist, dass es die Anstrengung des Weges rechtfertigt« . Auf diese Weise ist die Hoffnung die Tugend, die uns aufbrechen lässt, die uns die Flügel verleiht, um weiterzugehen, selbst dann, wenn die Hindernisse unüberwindlich scheinen.

Unsere menschliche Gemeinschaft trägt im Gedächtnis und am eigenen Fleisch die Zeichen der Kriege und Konflikte, die mit wachsender Zerstörungskraft aufeinander gefolgt sind und die nicht aufhören, vor allem die Ärmsten und die Schwächsten zu treffen. Selbst ganze Nationen haben Mühe, sich von den Fesseln der Ausbeutung und der Korruption zu befreien, welche Hass und Gewalt schüren. Auch heute noch bleiben vielen Männern und Frauen, Kindern und alten Menschen die Würde, die physische Unversehrtheit, die Freiheit einschließlich der Religionsfreiheit, die gemeinschaftliche Solidarität und die Hoffnung auf Zukunft versagt. Viele unschuldige Opfer müssen die Qual der Demütigung und des Ausgeschlossenseins, der Trauer und der Ungerechtigkeit ertragen, wenn nicht sogar Traumata, die von der systematischen Feindseligkeit gegen ihr Volk und ihre Angehörigen herrühren.

Die schrecklichen Prüfungen nationaler und internationaler Konflikte, die oftmals durch erbarmungslose Gewalt verschlimmert werden, zeichnen Leib und Seele der Menschheit auf lange Zeit. Denn jeder Krieg entpuppt sich in Wirklichkeit als Brudermord, der das Projekt der Brüderlichkeit selbst zerstört, das der Berufung der Menschheitsfamilie eingeschrieben ist.

Der Krieg beginnt, wie wir wissen, häufig mit einer Unduldsamkeit gegen die Verschiedenartigkeit des anderen, die das Verlangen nach Besitz und den Willen zur Vorherrschaft schürt. Sie entsteht im Herzen des Menschen aus Egoismus und Stolz sowie aus dem Hass, der dazu verleitet, zu zerstören, den anderen allein negativ zu sehen, ihn auszuschließen oder auszulöschen. Der Krieg speist sich aus einer Verkehrung der Beziehungen, aus hegemonialen Ambitionen, aus Machtmissbrauch, aus der Angst vor dem anderen und vor der Verschiedenartigkeit, die für ein Hindernis gehalten wird; und zugleich nährt der Krieg dies alles.

Während meiner jüngsten Reise nach Japan hatte ich Gelegenheit, auf den offenbaren Widerspruch hinzuweisen, dass »unsere Welt in der abartigen Dichotomie [lebt], Stabilität und Frieden auf der Basis einer falschen, von einer Logik der Angst und des Misstrauens gestützten Sicherheit verteidigen und sichern zu wollen. Am Ende vergiftet sie die Beziehungen zwischen den Völkern und verhindert jeden möglichen Dialog. Der Frieden und die internationale Stabilität sind unvereinbar mit jedwedem Versuch, sie auf der Angst gegenseitiger Zerstörung oder auf der Bedrohung einer gänzlichen Auslöschung aufzubauen; sie sind nur möglich im Anschluss an eine globale Ethik der Solidarität und Zusammenarbeit im Dienst an einer Zukunft, die von der Interdependenz und Mitverantwortlichkeit innerhalb der ganzen Menschheitsfamilie von heute und morgen gestaltet wird.«

Jede Bedrohung nährt das Misstrauen und fördert den Rückzug auf die eigene Position. Misstrauen und Angst erhöhen die Brüchigkeit der Beziehungen und das Risiko der Gewalt; es handelt sich um einen Teufelskreis, der niemals zu einem Verhältnis des Friedens wird führen können. In diesem Sinne kann auch die nukleare Abschreckung nur eine trügerische Sicherheit schaffen.

Daher dürfen wir uns nicht einbilden, dass wir die Stabilität in der Welt durch die Angst vor der Vernichtung aufrechterhalten können; ein solches höchst instabiles Gleichgewicht steht am Rande des nuklearen Abgrunds und ist in den Mauern der Gleichgültigkeit eingeschlossen, wo man sozioökonomische Entscheidungen trifft, die dazu führen, dass Mensch und Schöpfung dramatisch herabgewürdigt werden, anstatt dass man einander behütet. Wie also kann man einen Weg des Friedens und der gegenseitigen Anerkennung aufbauen? Wie die krankhafte Logik von Drohung und Angst durchbrechen? Wie die derzeit vorherrschende Dynamik des Misstrauens unterbinden?

Wir müssen eine echte Brüderlichkeit anstreben, die auf unserem gemeinsamen Ursprung in Gott gründet und im Dialog und im gegenseitigen Vertrauen gelebt wird. Der Wunsch nach Frieden ist tief in das Herz des Menschen eingeschrieben, und wir dürfen uns mit nichts Geringerem als diesem abfinden.

2. Der Frieden als Weg des Zuhörens auf der Grundlage der Erinnerung, der Solidarität und der Brüderlichkeit

Die Hibakusha, die Überlebenden der Atombombenangriffe von Hiroshima und Nagasaki, zählen zu denen, die das kollektive Bewusstsein lebendig erhalten. Sie bezeugen nämlich den nachfolgenden Generationen das schreckliche Geschehen vom August 1945 und die unsäglichen Leiden, die bis heute daraus erwachsen sind. Auf diese Weise ruft ihr Zeugnis das Gedächtnis an die Opfer wach und bewahrt es, damit das menschliche Gewissen immer stärker werde gegenüber jedem Willen zur Vorherrschaft und zur Zerstörung: »Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass die gegenwärtigen und künftigen Generationen die Erinnerung an das Geschehene verlieren; jene Erinnerung, die Garantie und Ansporn ist, um eine gerechtere und brüderlichere Welt zu erbauen.«

Wie sie erbringen viele Menschen in allen Teilen der Welt den künftigen Generationen den unabdingbaren Dienst des Gedächtnisses. Dieses muss nicht nur deswegen bewahrt werden, damit die gleichen Fehler nicht wieder begangen werden oder die trügerischen Denkweisen der Vergangenheit erneut salonfähig werden, sondern auch deshalb, damit es als Frucht der Erfahrung für die gegenwärtigen und zukünftigen Friedensentscheidungen den Grund bilden und die Richtung vorgeben möge.

Darüber hinaus ist das Gedächtnis der Horizont der Hoffnung: Oftmals kann im Dunkel der Kriege und der Konflikte die Erinnerung auch an eine kleine Geste der Solidarität, die man empfangen hat, zu mutigen und sogar heroischen Entscheidungen anregen, sie kann neue Energien in Bewegung setzen und neue Hoffnung in den Einzelnen und den Gemeinschaften entzünden.

Einen Weg des Friedens zu eröffnen und festzulegen ist eine Herausforderung, die umso komplexer ist, je zahlreicher und widersprüchlicher die Interessen sind, die bei Beziehungen zwischen Personen, Gemeinschaften und Nationen im Spiel sind. Es tut vor allem not, an das moralische Gewissen und an den persönlichen und politischen Willen zu appellieren. Den Frieden erlangt man nämlich in der Tiefe des menschlichen Herzens und der politische Wille muss immer wieder gestärkt werden, um neue Prozesse zu eröffnen, die Personen und Gemeinschaften versöhnen und vereinen.

Die Welt braucht keine leeren Worte, sondern glaubwürdige Zeugen, „Handwerker des Friedens“, die offen für den Dialog sind, ohne dabei jemanden auszuschließen oder zu manipulieren. In der Tat kann man nicht wirklich zum Frieden gelangen, wenn es keinen überzeugten Dialog von Männern und Frauen gibt, die über die verschiedenen Ideologien und Meinungen hinaus nach der Wahrheit suchen. Der Frieden ist eine »immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe« , ein Weg, den wir gemeinsam gehen, indem wir auf das Gemeinwohl bedacht sind und uns dafür einsetzen, das gegebene Wort zu halten und das Recht zu achten. Im gegenseitigen Zuhören können auch die Kenntnis und die Wertschätzung des anderen so sehr wachsen, dass man im Feind das Antlitz eines Bruders erkennt.

Der Friedensprozess ist also eine Aufgabe, die Zeit braucht. Er ist eine geduldige Arbeit der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit, die das Gedächtnis an die Opfer ehrt und schrittweise eine gemeinsame Hoffnung eröffnet, die stärker ist als die Rache. In einem Rechtsstaat kann die Demokratie ein bedeutendes Paradigma dieses Prozesses sein, wenn sie auf Gerechtigkeit und auf dem Einsatz für den Schutz der Rechte aller in der beständigen Suche nach Wahrheit gründet, insbesondere, wenn sie schwach oder ausgegrenzt sind. Es geht um den sozialen Aufbau und um eine wachsende Ausgestaltung, in der jeder verantwortlich seinen Beitrag auf allen Ebenen der lokalen, nationalen und weltweiten Gemeinschaft beisteuert.

So hob der heilige Paul VI. hervor: »Das zweifache Bestreben nach Erlangung der Gleichheit und Mitverantwortung hängt aber mit der Förderung eines demokratischen Gesellschaftsstils zusammen. […] Damit ist die Bedeutung jener Institution für das gesellschaftliche Leben genannt, durch die nicht nur die Kenntnis der persönlichen Rechte weitergegeben, sondern auch das ins Gedächtnis zurückgerufen wird, was mit ihnen notwendig zusammenhängt: die Anerkennung der Pflichten, zu denen der eine dem anderen gegenüber gehalten ist. Bewusstsein und Wahrnehmung der damit verbundenen Aufgabe aber hängen vor allem wieder von der persönlichen Einstellung, von der geistigen Selbstzucht, von der Übernahme von Verantwortung und von der Einwilligung in Reglements ab, durch die sowohl für den Einzelnen als auch für einzelne Gruppen bestimmte Freiheitsgrenzen festgelegt werden.«

Im Gegenteil, der Bruch zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft, die Zunahme sozialer Ungleichheit und die Ablehnung, die Mittel für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu gebrauchen, gefährden die Verwirklichung des Gemeinwohls. Die geduldige Arbeit hingegen, die auf der Kraft des Wortes und der Wahrheit gründet, kann in den Personen die Fähigkeit zu Mitleid und kreativer Solidarität wiedererwecken.

In unserer christlichen Erfahrung haben wir stets Christus vor Augen, der sein Leben zu unserer Versöhnung hingegeben hat (vgl. Röm 5,6-11). Die Kirche nimmt an der Suche nach einer gerechten Ordnung auf umfassende Weise teil, indem sie dem Gemeinwohl dient und durch die Weitergabe der christlichen Werte, durch moralische Unterweisung und ihr soziales und erzieherisches Wirken die Hoffnung auf Frieden nährt.

3. Der Frieden als Weg der Versöhnung in geschwisterlicher Gemeinschaft

Die Bibel ruft – besonders durch das Wort der Propheten – die Gewissen und die Völker zum Bund Gottes mit den Menschen. Es geht darum, den Wunsch aufzugeben, über die anderen zu herrschen, und zu lernen, einander als Menschen, als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern anzusehen. Der andere darf niemals auf das reduziert werden, was er sagen oder machen konnte, sondern muss im Hinblick auf die Verheißung, die er in sich trägt, geachtet werden. Nur wenn der Weg der Achtung gewählt wird, kann man die Spirale der Rache aufbrechen und den Weg der Hoffnung beschreiten.

Hier leitet uns der Abschnitt aus dem Evangelium, der das folgende Gespräch zwischen Petrus und Jesus wiedergibt: » „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“ Jesus sagte zu ihm: „Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal“ « (Mt 18,21-22). Dieser Weg der Versöhnung ruft uns auf, tief in unserem Herzen die Kraft zur Vergebung zu finden sowie die Fähigkeit, uns als Brüder und Schwestern zu erkennen. Wenn wir in der Vergebung zu leben lernen, dann wächst unsere Fähigkeit, Frauen und Männer des Friedens zu werden.

Was für den Frieden im sozialen Bereich zutrifft, das stimmt auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich, weil die Frage des Friedens alle Dimensionen des gemeinschaftlichen Lebens durchdringt: Es wird nie einen wahren Frieden geben, wenn wir nicht in der Lage sind, ein gerechteres Wirtschaftssystem aufzubauen. So schrieb vor zehn Jahren Benedikt XVI. in der Enzyklika Caritas in veritate: »Die Überwindung der Unterentwicklung erfordert ein Eingreifen nicht nur zur Verbesserung der auf Gütertausch beruhenden Transaktionen, nicht nur im Bereich der Leistungen der öffentlichen Hilfseinrichtungen, sondern vor allem eine fortschreitende Offenheit auf weltweiter Ebene für wirtschaftliche Tätigkeiten, die sich durch einen Anteil von Unentgeltlichkeit und Gemeinschaft auszeichnen« (Nr. 39).

4. Der Frieden als Weg der ökologischen Umkehr

»Wenn ein falsches Verständnis unserer eigenen Grundsätze uns auch manchmal dazu geführt hat, die schlechte Behandlung der Natur oder die despotische Herrschaft des Menschen über die Schöpfung oder die Kriege, die Ungerechtigkeit und die Gewalt zu rechtfertigen, können wir Glaubenden erkennen, dass wir auf diese Weise dem Schatz an Weisheit, den wir hätten hüten müssen, untreu gewesen sind.«

Angesichts der Folgen unserer Feindseligkeit den anderen gegenüber und der Auswirkungen der fehlenden Achtung für das gemeinsame Haus und der missbräuchlichen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen – einzig als Mittel für schnellen Profit heute gesehen, ohne auf die Gemeinschaften vor Ort, das Gemeinwohl und die Natur zu achten – brauchen wir eine ökologische Umkehr.

Die kürzlich stattgefundene Amazonien-Synode drängt uns, wieder neu zu einer friedlichen Beziehung zwischen den Gemeinschaften und der Erde, zwischen der Gegenwart und dem Gedächtnis, zwischen Erfahrungen und Hoffnungen aufzurufen.

Dieser Weg der Versöhnung bedeutet auch, die Welt zu hören und zu betrachten, die uns von Gott geschenkt wurde, damit wir sie zu unserem gemeinsamen Haus machen. Die natürlichen Ressourcen, die vielen Formen des Lebens und die Erde selbst wurden uns nämlich anvertraut, damit sie unter verantwortlicher und tätiger Mitwirkung eines jeden auch für die künftigen Generationen „bearbeitet und gehütet“ würden (vgl. Gen 2,15). Ferner brauchen wir einen Wandel der Überzeugungen und des Blicks, der uns offener macht für die Begegnung mit dem anderen und für die Annahme des Geschenks der Schöpfung, die die Schönheit und Weisheit ihres Schöpfers widerspiegelt.

Daraus entspringen insbesondere solide Beweggründe und eine neue Art und Weise, wie wir das gemeinsame Haus bewohnen und in unserer Verschiedenheit füreinander da sein sollen, wie wir das empfangene und gemeinsame Leben führen und achten sollen, wie wir uns um die Voraussetzungen und Modelle einer Gesellschaft, welche die Blüte und den Verbleib des Lebens in der Zukunft sichern, kümmern sollen und wie wir das Gemeinwohl der ganzen Menschheitsfamilie fördern sollen.

Die ökologische Umkehr, zu der wir aufrufen, führt uns also zu einem neuen Blick auf das Leben. Dabei betrachten wir die Freigebigkeit des Schöpfers, der uns die Erde geschenkt hat und zur frohen Genügsamkeit des Teilens mahnt. Eine solche Umkehr ist ganzheitlich zu verstehen, als eine Veränderung unserer Beziehungen zu unseren Schwestern und Brüdern, zu den anderen Lebewesen, zur Schöpfung in ihrer so reichen Vielfalt und zum Schöpfer, dem Urgrund allen Lebens. Für Christen heißt dies, dass sie verlangt, »alles, was ihnen aus ihrer Begegnung mit Jesus Christus erwachsen ist, in ihren Beziehungen zu der Welt, die sie umgibt, zur Blüte zu bringen« .

5. Man erlangt so viel, wie man erhofft

Der Weg der Versöhnung erfordert Geduld und Vertrauen. Man erhält keinen Frieden, wenn man ihn nicht erhofft.

Es geht vor allem darum, an die Möglichkeit des Friedens zu glauben, zu glauben, dass der andere ebenso wie wir Frieden braucht. Darin kann uns die Liebe Gottes zu einem jeden von uns inspirieren, die eine befreiende, uneingeschränkte, unentgeltliche und unermüdliche Liebe ist.

Die Angst ist oft Quelle von Konflikten. Es ist daher wichtig, dass wir unsere menschliche Furcht überwinden und uns zugleich vor dem als bedürftige Kinder erkennen, der uns wie der Vater des verlorenen Sohns liebt und erwartet (vgl. Lk 15,11-24). Die Kultur der Begegnung zwischen Brüdern und Schwestern bricht mit der Kultur der Bedrohung. Sie macht aus jeder Begegnung eine Möglichkeit und eine Gabe der freigebigen Liebe Gottes. Sie leitet uns, die Grenzen unserer engen Horizonte zu überschreiten, um immer bestrebt zu sein, die Brüderlichkeit aller Menschen als Söhne und Töchter des einen himmlischen Vaters zu leben.

Für die Jünger Christi wird dieser Weg auch vom Sakrament der Versöhnung getragen, das der Herr zur Vergebung der Sünden der Getauften geschenkt hat. Dieses Sakrament der Kirche, das die Menschen und Gemeinschaften erneuert, ruft dazu auf, den Blick auf Jesus gerichtet zu halten, der »alles im Himmel und auf Erden« versöhnt hat und »der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut« (Kol 1,20). Dieses Sakrament verlangt zudem, jede Gewalt in Gedanken, Worten und Werken sowohl gegen den Nächsten als auch gegen die Schöpfung abzulegen.

Die Gnade Gottes des Vaters wird als bedingungslose Liebe geschenkt. Wenn wir in Christus seine Vergebung empfangen haben, können wir uns auf den Weg machen, um diese Vergebung den Männern und Frauen unserer Zeit anzubieten. Tag für Tag gibt uns der Heilige Geist Haltungen und Worte ein, damit wir zu „Handwerkern“ der Gerechtigkeit und des Friedens werden.

Möge der Gott des Friedens uns segnen und uns zu Hilfe kommen.

Möge Maria, die Mutter des Friedensfürsten und die Mutter aller Völker der Erde, uns Schritt für Schritt auf dem Weg der Versöhnung begleiten und unterstützen.

Möge jeder Mensch in dieser Welt ein friedliches Dasein finden und die Verheißung von Liebe und Leben, die er in sich trägt, vollkommen entfalten.

Aus dem Vatikan, am 8. Dezember 2019

Franziskus

_______

Quelle

Papst Franziskus an Religionstreffen: „Frieden kennt keine Grenzen“

Teilnehmerinnen am Madrider Friedenstreffen (ANSA)

„Zeugnis geben für die Kraft des ‚Geistes von Assisi‘, der Gebet zu Gott und Förderung des Friedens unter den Völkern bedeutet“: So beschreibt Papst Franziskus das Anliegen des Friedenstreffens der Religionen und Kulturen, das in die 33. Runde geht. Das von der SantʼEgidio-Gemeinschaft organisierte Treffen, das noch bis Dienstag in der spanischen Hauptstadt Madrid tagt, will Krieg, Gewalt und Rassismus eine klare Absage erteilen.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Seit nunmehr 33 Jahren greift SantʼEgidio den „Geist von Assisi“ auf und verbreitet mit dem Friedenstreffen der Religionen die Botschaft des ersten großen Friedensgebets, das Johannes Paul II. im Oktober 1986 einberufen hatte. Die diesjährige Auflage, die vom 15. bis 17. September in Madrid stattfindet, steht unter dem Motto „Frieden ohne Grenzen“. Aus ganz Europa werden Tausende von Teilnehmern erwartet, die Krieg und das wachsende Klima von Gewalt und Rassismus nicht länger hinnehmen wollen.

Pilgerweg des Friedens

„Es ist eine Quelle der Freude zu sehen, dass dieser Pilgerweg des Friedens nie unterbrochen wurde, ja sogar weiterwächst“, beginnt die Botschaft, die Papst Franziskus zum Auftakt des Treffens an Kardinal Carlos Osoro Sierra, Erzbischof von Madrid, und die Teilnehmer geschickt hat.

Die Kraft des Gebets

Mit Verweis auf den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren erinnert Franziskus an den Moment, als die „schmerzliche Spaltung des europäischen Kontinents, die so viel Leid verursacht hatte, beendet wurde“. An diesem Tag seien der Welt „neuer Frieden und Hoffnung“ gebracht worden. „Wir sind überzeugt davon, dass die Friedensgebete so vieler Söhne und Töchter Gottes zu diesem Fall beigetragen haben“, betont Franziskus.

Schon die biblische Geschichte von Jericho zeige, dass Mauern fallen, wenn man sie „mit Gebet und nicht mit Waffen belagert, mit Sehnsucht nach Frieden und nicht Eroberung, wenn die Menschen von einer guten Zukunft für alle träumen“. Dazu sei es notwendig, unaufhörlich in der Perspektive des Friedens zu beten und den Dialog voranzutreiben, so der Rat des Papstes: „Der Herr erhört das Gebet seines gläubigen Volkes.“

Das Geschenk Gottes nicht vergeuden

In den ersten zwei Jahrzehnten unseres Jahrhunderts hätten wir gesehen, wie Gottes Geschenk, das der Frieden ist, mit Kriegen und dem Bau neuer Mauern und Barrieren „vergeudet“ worden sei, beklagt Papst Franziskus in seiner Botschaft. Es sei töricht, „Räume zu schließen und Völker zu trennen, die einen gegen die anderen auszuspielen“. Vielmehr benötige unsere Welt – unser gemeinsames Haus – Liebe, Fürsorge, Respekt, die Menschheit Frieden und Brüderlichkeit. Statt Mauern, die trennen, brauche das gemeinsame Haus offene Türen, die helfen zu kommunizieren, einander zu treffen und zusammenzuarbeiten. Nur so könnten wir friedlich zusammenleben, die Vielfalt respektieren und unsere gemeinsame Verantwortung übernehmen. „Der Friede kennt keine Grenzen“, brachte es Franziskus auf den Punkt.

Die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden

Als Gläubige seien wir uns bewusst, dass das Gebet die Wurzel des Friedens ist, hob Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Vertreter der christlichen Kirchen und Gemeinschaften sowie der großen Weltreligionen hervor. Das Gebet, das zu Gott emporsteige, verbinde uns, lasse uns einander nah fühlen, ohne Verwirrung zu stiften. Schließlich würde uns in der Vielfalt unserer Erfahrungen und religiösen Traditionen doch die gemeinsame Sehnsucht nach Frieden verbinden.

Die Geschwisterlichkeit unter den Menschen fördern

Papst Franziskus erinnert in seiner Botschaft auch daran, dass er erst im Februar dieses Jahres in Abu Dhabi mit dem Großscheich von al-Azhar das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet hat. Ein Dokument, das die gemeinsame Verpflichtung enthalte, „das Vergießen von unschuldigem Blut zu stoppen und Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung und dem kulturellen und moralischen Niedergang, den die Welt derzeit erlebt, ein Ende zu setzen.“ Den Teilnehmern vertraute er die Aufgabe an, sich die Ziele dieses Dokuments zu eigen zu machen. Schließlich habe der Geist von Assisi, 800 Jahre nach dem Treffen des hl. Franz mit dem Sultan, auch die Arbeit inspiriert, die zum Dokument von Abu Dhabi geführt hat, betonte Franziskus.

(vatican news)

LESEN SIE AUCH:

DER DEKALOG VON ASSISI FÜR DEN FRIEDEN

Der Dekalog von Assisi für den Frieden

1. Wir verpflichten uns, unsere feste Überzeugung kundzutun, daß Gewalt und Terrorismus dem authentischen Geist der Religion widersprechen. Indem wir jede Gewaltanwendung und den Krieg im Namen Gottes oder der Religion verurteilen, verpflichten wir uns, alles Mögliche zu tun, um die Ursachen des Terrorismus zu beseitigen.

2. Wir verpflichten uns, die Menschen zu gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Hochachtung zu erziehen, damit sich ein friedliches und solidarisches Zusammenleben zwischen den Angehörigen unterschiedlicher ethnischer Gruppen, Kulturen und Religionen verwirklichen läßt.

3. Wir verpflichten uns, die Kultur des Dialogs zu fördern, damit gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zwischen den einzelnen und den Völkern wachsen, die Voraussetzung für einen wahren Frieden sind.

4. Wir verpflichten uns, das Recht jeder menschlichen Person auf ein würdiges Leben gemäß seiner kulturellen Identität und auf die freie Gründung einer eigenen Familie zu verteidigen.

5. Wir verpflichten uns zum aufrichtigen und geduldigen Dialog, indem wir nicht darauf achten, was uns wie eine unüberwindbare Mauer trennt, sondern im Gegenteil erkennen, daß die Begegnung mit dem, was uns von anderen Menschen unterscheidet, zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beitragen kann.

6. Wir verpflichten uns, einander die Irrtümer und Vorurteile in Vergangenheit und Gegenwart zu verzeihen und uns im gemeinsamen Bemühen zu unterstützen, Egoismus und Übergriffe, Haß und Gewalt zu besiegen und aus der Vergangenheit zu lernen, daß Friede ohne Gerechtigkeit kein wahrer Friede ist.

7. Wir verpflichten uns, an der Seite derer zu stehen, die unter Not und Verlassenheit leiden, und uns zur Stimme derer zu machen, die selber keine Stimme haben. Wir müssen konkret an der Überwindung solcher Situationen mitwirken, von der Überzeugung getragen, daß niemand allein glücklich sein kann.

8. Wir verpflichten uns, uns den Ruf all jener zu eigen zu machen, die nicht vor der Gewalt und dem Bösen resignieren. Wir wollen mit all unseren Kräften dazu beitragen, der Menschheit unserer Zeit eine wirkliche Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden zu geben.

9. Wir verpflichten uns, jede Initiative zu ermutigen, die die Freundschaft zwischen den Völkern fördert, in der Überzeugung, daß der technologische Fortschritt eine zunehmende Gefahr von Zerstörung und Tod für die Welt mit sich bringt, wenn ein solidarisches Einverständnis zwischen den Völkern fehlt.

10. Wir verpflichten uns, die Verantwortlichen der Nationen dazu aufzufordern, auf nationaler wie internationaler Ebene alle Anstrengungen zu unternehmen, damit auf der Grundlage der Gerechtigkeit eine Welt der Solidarität und des Friedens erbaut und gefestigt wird.

24. Januar 2002


Mein Kommentar:

Vorspann: Schon die missbräuchliche Verwendung des ehrfurchtgebietenden biblischen Begriffes „Dekalog“ (10 Gebote Gottes) für ein so törichtes Dokument, eine so unerleuchtete Beschlussfassung, eine so miserable Zusammenstellung von realitätsfremden Selbstverpflichtungen, die in Vielem bis Zentralem dem widersprechen, was GOTT im Alten Bund und JESUS CHRISTUS und Seine Apostel und Jünger und Nachfolger im Neuen Bund gelehrt und vorgelebt haben, ist unerhört, eigentlich unfassbar, ja schändlich.

Ad 1Gewalt und Terrorismus ist ist nicht dasselbe. Nicht „jede Gewaltanwendung im Namen Gottes oder der Religion“ ist verurteilenswürdig. Sonst wäre eine wirksame Verteidigung gegenüber einem ungerechten Gewaltanwender von vornherein nicht möglich. Sonst wäre David wegen seiner tödlichen Steinschleuder zu verurteilen. Sonst wäre Jahwe, der Sein Bundesvolk bei vielen Konfrontation mit seinen Feinden durch Gewaltanwendung siegreich machte, zu verurteilen. Sonst wäre Jesus Christus zu verurteilen, der die Geißel schwang und die Händlertische umstieß. Sonst wäre Kaiser Konstantin zu verurteilen, der „im Zeichen des Kreuzes Christi“ gewaltanwendend siegte. Sonst wären alle Kreuzzüge zu verurteilen. Sonst wäre jeder christliche, auch heiliggesprochene, Wehrmann zu verurteilen. Terrorismus aber, wie er von Islamisten ausgeübt wird, ist absolut verwerflich, abscheulich, hässlich und hassenswert. Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Aber er geschieht „im Namen Allah’s“ und „im Namen des Islam“. Und damit ist bezeugt: Allah ist nicht der wahre Gott. Und der Islam ist nicht die wahre Religion.

Ad 2: Zwischen den Anhängern unterschiedlicher Religionen wie dem Christentum und dem Islam ist ein friedliches und solidarisches Zusammenleben prinzipiell nicht möglich. Christentum und Islam sind wesentlich unversöhnlich. Wer die Christen auffordert, die Muslime „mit Respekt und Hochachtung“ zu behandeln, fordert implizit dazu auf, Christus zu verleugnen. Wir Christen sind verpflichtet, „Respekt und Hochachtung“ zu haben vor jedem Menschen als Mensch und damit als möglichem Konvertiten zum allein rettenden christlichen Glauben. Wer aber Hochachtung bekundet gegenüber Muslimen als Anhängern des Islam, zollt auch dem antichristlichen Aberglaubenssystem Islam Hochachtung und damit dem GOTT-geoffenbarten christlichen Glauben ipso facto Verachtung.

Ad 5: Wenn wir (als Christen) nicht mehr achten auf das, was uns (von den Muslimen) trennt, dann heißt das, dass wir unsere Augen mutwillig vor der Realität verschließen, dass wir das Falsche, Gefährliche, Verführerische, Gott-Widrige, Teuflische absichtlich ausblenden, ja dieses am Ende (nach der intensiven Begegnung mit dem, was uns Christen anfänglich noch von den Muslimen unterscheidet) ins Gegenteil verdrehen; um des gegenseitigen Verständnisses willen, werden die dialogbeflissenen Christen an all das Täuschende und Betörende des Islam immer bereitwilliger glauben. Am Ende werden die beiden „Religionen“ vermeintlich mindestens gleichwertig, gleich gültig, gleich heilsam, beziehungsweise gleich unheilvoll sein.

Ad 6: Friede ohne Gerechtigkeit ist tatsächlich nie wahrer Friede. Deshalb wird auch ein Zusammenleben von Christen mit Muslimen in Frieden nie möglich sein; denn der Islam ist nicht Gerechtigkeit, nicht Friede, sondern Krieg, Krieg gegen alles Anti-Islamische, ja Nicht-Islamische. „Irrtümer und Vorurteile der Vergangenheit und Gegenwart“ müssten hier konkret benannt werden. Sonst kann darunter jeder verstehen, was er will. Was wird z.B. als Irrtum und/oder Vorurteil von Christen gegenüber den Muslimen angesehen?

Ad 10: Auf der Grundlage der Gerechtigkeit könnte in der Tat eine Welt der Solidarität und des Friedens aufgebaut werden. Aber welche „Gerechtigkeit“ ist hier gemeint? Wohl nicht die einzig richtige und wahre: die CHRISTLICHE Gerechtigkeit. Eine andere gibt es nicht; denn nur CHRISTUS ist GOTT, und nur GOTT ist gerecht und schafft Gerechtigkeit. „Ohne Mich könnt ihr nichts tun.“ „Wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut.“

Paul Otto Schenker

KANN ES ECHTEN „FRIEDEN UNTER DEN RELIGIONEN“ GEBEN?

Auf Erden kann immer wieder über kürzere oder längere Zeit „Friede“ herrschen, sicher aber kein paradiesischer Friede. Mit der Ausweisung des Stammelternpaares Adam und Eva haben die Menschen, haben wir ALLE seit damals vor vielen Tausend Jahren das Paradies verloren. Und wir werden es (hier auf Erden) nicht zurückerobern können. Und wir werden auch keinen Ersatz dafür herstellen können. Schon gar nicht durch einen „Frieden unter den Religionen“. Wenn auch (namhafte) Repräsentanten der Religionen noch so oft zusammenkommen und „Frieden“ beschließen und „Frieden“ zelebrieren, es wird (auch – und besonders) unter ihnen kein Friede möglich sein. Denn es gibt nur EINE Religion, die die WAHRE, GÖTTLICHE ist. So wie es nur EINEN wahren GOTT gibt. Diese eine Religion muss sich auf Geheiß dieses einen Gottes per Predigt und Mission auf alle Menschen, alle Völker, alle Nationen ausbreiten, und sie muss die anderen „Religionen“, die sämtliche GEGEN diese eine, wahre, sind und sich (mehr oder weniger exklusiv) GEGEN sie behaupten, sie verdrängen und eliminieren wollen, geistig bekämpfen.

Solange es nicht EINIGKEIT in der Religion gibt, herrscht UN-EINIGKEIT, AUSEINANDER-SETZUNG, ZWIE-TRACHT, FEINDSCHAFT, KRIEG. Es kann keine „Freundschaft und Brüderlichkeit“ geben unter sich widerstreitenden Religionen, vor allem nicht unter denjenigen Religionen, die je für sich den Absolutheitsanspruch stellen: Christentum, Judentum, Islam. Denn Freundschaft und Brüderlichkeit fördern und pflegen unter sich (im Wesentlichen) gegenseitig Ausschließenden, heißt, den eigenen Absolutheitsanspruch aufgeben, die GEGNER und ihre GEGNERSCHAFT nicht mehr als solche betrachten und nicht mehr als solche behandeln und die eigene Position, das eigene Bekenntnis, den eigenen Glauben nicht mehr ohne Schwächung, ohne Relativierung, ohne Verfälschung und Verrat vertreten und leben (wollen). „Religionen“, die CHRISTUS und Sein Zeugnis und Seine Lehre und Sein Wirken und Sein Werk ausdrücklich bekämpfen, die Seinen GOTTHEITS-ANSPRUCH und damit das Wesentliche, das Entscheidende an Ihm verurteilen, sind FEINDE, ja ERZFEINDE GOTTES. Und mit solchen kann ein GOTTGLÄUBIGER nicht „Freundschaft und Brüderlichkeit“ unterhalten. Die gott-feindlichen Religionen führen KRIEG gegen GOTT. Und Gott kann deshalb auch „die große Gabe des Friedens“ der Welt nicht „durch das Gebet ALLER ‚Gläubigen‘ schenken“, sind doch die „Gläubigen“ der gottfeindlichen Religionen in Wirklichkeit und Wahrheit UN-Gläubige. Es ist deshalb eine Utopie zu meinen, die Menschen „der Religionen“ könnten zusammen/miteinander „eine menschlichere Welt aufbauen“. Denn „eine Welt ohne (HEILIGEN) Geist ist niemals menschlich“ und kann niemals menschlich werden. So ist es denn absolut nicht „absurd und eine Gotteslästerung“, „wenn man im Namen Gottes vom Krieg spricht“. Seit dem Engelssturz herrscht Krieg auf dieser Erde. Zwischen den guten und den bösen Geistern, den unsichtbaren und den sichtbaren. Der Krieg der guten Geister ist immer heilig. Der Krieg der bösen Geister ist immer unheilig. Und gar unheilig wäre der Friede zwischen den guten und den bösen Geistern.

Immer wieder sind es notorischerweise ausgerechnet „christliche“ Politiker und „christliche“ Kirchenmänner, die den Islam fördern statt, wie es ihre heiligste Pflicht vor Gott wäre, ihn mit allen legitimen Mitteln zu bekämpfen. Der „christlich-islamische Dialog“, so wie er seit rund 50 Jahren namentlich von der katholischen Kirche (und deswegen auch von den christlichen Politikern) betrieben wird, ist, allem oberflächlichen Anschein zum Trotz, für das Christentum nicht nur unfruchtbar, sondern geradezu kontraproduktiv, also schädlich. Es ist völlig, ja unfassbar naiv zu glauben, man könne den Islam nach säkularen Maßstäben (durch Dialog) reformieren. Sogenannt „gemäßigte“, „anpassungswillige“, „friedfertige“, „grundgesetz“- und „verfassungs“-kompatible Muslime wird man immer finden, vor allem in den Reihen der Imame. Solange der Islam in unseren (vormals christlichen) Staaten in der Minderheit (oder einfach noch zu wenig einflussreich) ist, verhält er sich in aller Regel wie ein Chamäleon. Er passt sich weitestgehend der Umgebung an. Aber aufmerksame Beobachter und Kenner der „Szene“, erkennen und wissen, was da gespielt, vorgetäuscht wird. Gerade auf höchster (Vatikan) und hoher Ebene (z. B. Universitäten) werden diese wie Pilze aus dem Boden sprießenden „Zentren“ des dialogischen Austausches von islamischer Seite missbraucht, um die christlichen Dialogpartner letztlich von der Ungefährlichkeit, Toleranz, ja gar Vorzüglichkeit des Islams gegenüber dem Christentum zu überzeugen. Jedenfalls wird in solchen Gremien und Foren und Organisationen von seiten der Muslime nie das wahre Bild des Islams vermittelt, sondern ein taktisch heuchlerisch geschöntes! Diejenigen, die dann bei solchen Veranstaltungen, Vorträgen und Tagungen das Christentum vertreten, sind zumeist auch nicht die Geeigneten, um den ganzen, ungeschmälerten christlichen Glauben gegen die Irrlehre(n) des Islams effektiv zu verteidigen und die Muslime von ihrem Unheilsweg abzubringen. Dazu fehlt ihnen schon die Grund-Intention. Sie wollen die Muslime ja nicht missionieren, nicht zu Christus bekehren!

Nicht Un-Glaube und nicht Gleichgültigkeit dem Glauben gegenüber und nicht Säkularismus (also Trennung von Religion und Staat) bilden die größte Gefahr für das Christentum, sondern der Islam als Welt-Religion, der sich an die Stelle der einzig wahren Religion, das Christentum, setzen will und weitgehend schon setzt. Der Islam versteht sich (angemaßterweise) als die allein wahre Gottes-Religion. Das Christentum ist für ihn, den Islam, eine von Menschen total gefälschte, korrumpierte, nicht von Gott „herabgesandte“ Religion, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen und auszurotten gilt. Menschen, die nicht glauben und nicht beten, beeinflussen die Christen zwar immer auch negativ, zugegeben, aber eine wirkliche, echte, große Gefahr für sie sind sie nicht. Irrgläubige aber wie die Muslime haben Kohärenz, bilden eine weltumspannende Gemeinschaft, und zwar eine militante, jederzeit fanatisierbare. Eine ähnlich große Gefahr für das Christentum ging immer auch schon vom nachchristlichen Judentum aus, aber auf andere Weise. Sowohl der Islam wie auch das Judentum sind äußerst gefährliche Gegen-„Religionen“ zum Christentum. Islam und Judentum schließen sich ebenfalls gegenseitig aus. Aber sie können sich durchaus vereinigen, bzw. zusammenwirken, mit dem Ziel der Zerstörung des Christentums. Muslime und Juden wollen selbstverständlich auch „Glaubende an Gott“ und „betende Menschen“ sein. Das haben sie mit den Christen gemein. Die Herausforderung an alle ist also nicht, dass man an Gott glaubt und betet, sondern dass man an den einzig wahren Gott glaubt und zum einzig wahren Gott betet! Und dieser ist der christliche, der DREIFALIGE, der DREIPERSÖNLICHE, VATER – SOHN – HEILIGER GEIST, und ER ALLEIN!

Wer WAS glaubt, ist wichtig. Des einen Glaube ist des andern Unglaube. Des Christen Glaube ist des Muslims verdammenswürdiger Irrglaube – und umgekehrt! Echter, tiefer, treuer Glaube kann nicht einhergehen mit „Respekt“, mit „Hochachtung“ für den Gegen-Glauben oder Un-Glauben. (Wenn schon, dann nur mit Respekt und Hochachtung für die Würde des irrenden Menschen.) Ist aber auch nicht vereinbar mit dem Begriff „Religionsfreiheit“, wie er seit dem 2. Vatikanum verstanden wird. Wahrer, gelebter christlicher Glaube erfordert Predigt, Mission und nicht Dialog. Der interreligiöse Dialog, wie er heute weltweit praktiziert wird, führt zu nichts anderem als zur Nivellierung der Wahrheit mit der Unwahrheit, zum Relativismus, Irenismus, Synkretismus, zur „Schmelztiegel-Religion“! Auch unter den „Christen“ gibt es gravierende Glaubensunterschiede, die es verunmöglichen, „gemeinsam ihren Glauben zu verkünden“! Und wenn man es dann eben trotzdem tut, dann nur unter Verschweigung, Abschwächung, Ausblendung und damit Leugnung und Verleugnung des wesentlich Katholischen. Was wäre wohl aus der katholischen Kirche geworden, wenn unsere heiligen Glaubensverkünder wie die Apostel und ihre Jünger, wie Franz Xaver, Antonius von Padua, Petrus Kanisius, Ludwig Maria Grignion von Montfort und Tausende mehr, auf Dialog-Weise missioniert hätten?!

Paul Otto Schenker

Papst Franziskus zu südsudanesischen Politikern: Werdet zu Vätern der Nation

Wie ernst es ihm mit seinem Friedensappell ist, hat Franziskus am Ende der Begegnung durch eine berührende spontane Geste gezeigt: nach einem eindringlichen Plädoyer für den Frieden küsste er den Anführern der streitenden Parteien die Füße.

Stefan von Kempis und Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Es war eine ungewöhnliche Initiative: Die Anführer der streitenden Parteien im Südsudan, darunter Präsident Salva Kiir und sein designierter Vizepräsident Riek Machar, haben sich am Mittwoch und Donnerstag zu einem Einkehrtag im Vatikan getroffen. Der südsudanesische Staatschef ist Katholik, Machar Presbyterianer. Von einer „geistlichen, ökumenischen und diplomatischen“ Initiative sprach der anglikanische Primas Justin Welby, der die Exerzitien mitorganisiert hatte.

Flammendes Plädoyer für den Frieden

Und diese ungewöhnliche Initiative fand am heutigen Donnerstag einen ungewöhnlichen Abschluss: Am Ende seiner offiziellen Ansprache richtete der Papst aus dem Stegreif ein flammendes Plädoyer an die Unterzeichner des Friedensvertrages. „Als Bruder“ und „von ganzem Herzen“ bat er sie, trotz aller Probleme nicht vom Weg des Friedens abzuweichen, sondern den eingeleiteten Prozess auch zu Ende zu führen. Nur wenn sie untereinander geeint seien, könnten sie von einfachen Bürgern zu Vätern der Nation werden, so sein Appell. Nach diesen eindringlichen Worten, die von den Anwesenden mit Staunen vernommen wurden, ging der Papst auf die politischen Führer zu und küsste jedem einzelnen die Füße.

Dass die Konflikte hier bei weitem noch nicht ausgeräumt sind, ließ schon das Szenario vermuten: die beiden Hauptkontrahenten, Präsident Salva Kiir, und sein Rivale, Rebellenführer Riek Machar, saßen zwar auf einem Sofa, aber so weit wie möglich voneinander entfernt.

“ Gott wird uns zur Rechenschaft ziehen ”

„Welch eine Freude wäre es, wenn alle Südsudanesen einstimmig singen könnten: O Gott, wir danken dir für deine Gnade, die du dem Südsudan geschenkt hast – erhalte uns in Einheit und Harmonie!“ Mit diesen Worten zitierte der Papst die erste Strophe der südsudanesischen Nationalhymne, zu der bei den Exerzitien eine Betrachtung gehalten worden war. Franziskus unterstrich, „Friede“ sei nach Auskunft der Evangelien der erste Wunsch des auferstandenen Christus gewesen.

„Liebe Brüder und Schwestern, vergessen wir nicht, dass Gott uns politischen und religiösen Führern die Aufgabe anvertraut hat, sein Volk zu leiten: Er hat uns sehr viel anvertraut, und umso mehr wird er deswegen von uns verlangen! Er wird uns zur Rechenschaft ziehen über unseren Dienst und unsere Verwaltung, über unseren Einsatz für den Frieden…“

Ab Mai soll Machtteilung in Juba für Frieden sorgen

Der Südsudan, der erst 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg vom Sudan unabhängig wurde, ist eines der ärmsten Länder der Welt. Seit 2013 ist er in einen mörderischen Konflikt verstrickt. Dabei kamen bisher mindestens 400.000 Menschen ums Leben, Zehntausende verloren ihr Obdach. Mehrere Friedensabkommen sorgten bisher nicht für einen wirklichen Frieden. Der jüngste Anlauf war ein Abkommen, das im vergangenen September in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba unterzeichnet wurde. Es sieht eine Regierung der nationalen Einheit vor, die am 12. Mai ihr Amt antreten wird. Ihre führenden Mitglieder nahmen an den Einkehrtagen im Vatikan teil.

“ Volk wartet auf Ergebnis dieses historischen Tages ”

Franziskus erinnerte seine Zuhörer in der „Casa Santa Marta“ des Vatikans an den „Hunger und Durst der Armen nach Gerechtigkeit“. „Sie sind gering in den Augen der Welt, aber wertvoll in den Augen Gottes.“ Der Blick Jesu ruhe jetzt „auf jedem von uns“. Jeder solle sich daher fragen: „Wozu ruft er mich? Was will er mir vergeben, worin erwartet er von mir eine andere Haltung? Was ist sein Auftrag an mich zum Wohle seines Volkes? Denn das Volk gehört ihm und nicht uns…“

Doch nicht nur der Blick Gottes, sondern auch „der Blick des Volkes“ ruhe auf den politischen Führern des Südsudan. „Das ist ein Blick, der einen brennenden Wunsch nach Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden ausdrückt. Ich will all euren Landsleuten meine geistliche Nähe versichern, vor allem den Flüchtlingen und den Kranken, die mit angehaltenem Atem auf das Ergebnis dieses historischen Tages warten.“

„Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

Franziskus erinnerte seine Zuhörer an die Toten, Vertriebenen, Verschollenen des Bürgerkriegs, „an die Kinder und Alten, die Frauen und Männer, die furchtbar leiden unter der Gewalt“. Dieser „Schrei der Armen und Bedürftigen“ steige zu Gott auf. „Möge das Feuer des Kriegs ein für alle Mal verlöschen!“

„Liebe Brüder und Schwestern, der Frieden ist möglich. Ich werde nie müde werden, zu betonen, dass der Frieden möglich ist! Aber dieses große Geschenk Gottes ist zugleich ein starker Appell an die Menschen, die Verantwortung für das Volk tragen… Ich hoffe, dass wir alle die hohe Berufung anzunehmen wissen, Handwerker des Friedens zu sein.“

Franziskus zitiert historischen Friedensappell von Pius XII.

„Die Leute sind müde und erschöpft von den Kriegen: Denkt daran, dass man mit dem Krieg alles verliert!“ Das war ein Zitat aus der berühmten Radiobotschaft, mit der einst Pius XII. im Jahr 1939 vergeblich vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Frieden mahnte.

Franziskus würdigte das Friedensabkommen für den Südsudan vom September. „Ich hoffe von Herzen, dass die Feindseligkeiten definitiv enden, dass der Waffenstillstand respektiert wird, dass die politischen und ethnischen Spaltungen überwunden werden und der Friede ein dauerhafter wird.“

Papst hofft weiter auf einen Besuch im Südsudan

Von religiösen Trennlinien sprach der Papst wohlweislich nicht. Stattdessen lobte er den ökumenischen Einsatz der Kirchen im Südsudan für einen Friedensschluss. Und er bekräftigte seinen schon mehrfach geäußerten Wunsch, eines Tages zusammen mit dem anglikanischen Primas Welby das Land besuchen zu können.

Franziskus schloss seine offizielle Ansprache mit einem Gebet um Frieden und Versöhnung. „Wir bitten dich: Verändere mit der Kraft des Heiligen Geistes die Herzen, damit Feinde sich dem Dialog öffnen, Gegner sich die Hand reichen und Völker sich in Eintracht begegnen… Möge die Liebe den Hass besiegen und die Rache von der Vergebung entwaffnet werden!“

(vatican news)

LESEN SIE AUCH:

Stellungnahmen der Vertreter der Religionen beim Gebetstreffen in Assisi 2002

CHRISTUS: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen …“

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I.

»Der wahre Friede kommt von Gott« (vgl. hl. Johannes Chrysostomus, PG 61, 14).

Der Friede Gottes und der Friede auf Erden stehen in einem Mutter-Tochter-Verhältnis zueinander.

Unser Herr Jesus Christus, den der Prophet Jesaja als »Fürst des Friedens« bezeichnet (vgl. Jes 9, 6),  machte zwar einen Unterschied zwischen dem Frieden Gottes und dem Frieden auf Erden (vgl. Joh 14, 27), aber er nannte auch all jene selig, die Frieden stiften, und versprach ihnen, daß sie »Söhne Gottes genannt werden« (Mt 5, 9).

Der Friede Gottes wird all denen angeboten, die durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind und durch Liebe, Tugend, vollkommenen Glauben und Vertrauen zu ihm ihre Gemeinschaft mit ihm auch tatsächlich unter Beweis stellen.

Der Friede Gottes ist der vollkommenste Segen und stellt die zuverlässige Führung des Menschen dar (vgl. Basilius d. Gr., PG 30, 305). Als solcher übersteigt er alles Verstehen (vgl. Phil 4, 7) und hat kein Ende (vgl. Jes 9, 7). »Er erstreckt sich auf jedes Jahrhundert, denn er ist unbegrenzt und unendlich« (vgl. Basilius d. Gr., PG 30, 513). Einen solchen Frieden kann es nicht geben, »wenn man nicht zuerst die Tugend erreicht hat« (vgl. hl. Johannes Chrysostomus, PG 62, 73), denn er ist eine Frucht der Gnade. Diese wirkt in jenen, die von bösen Absichten und innerem Zwist frei sind. Die bösen Leidenschaften verursachen innere Unruhe, und wenn sie den Willen dazu veranlassen, sie in die Tat umzusetzen, führen sie zum äußeren Krieg (vgl. Jak 4, 1).

Um also Frieden in der Welt zu haben, muß man im Frieden mit Gott und demzufolge mit sich selbst und untereinander sein. Das Wort Christi an die Stadt Jerusalem: »Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt« (Lk 19, 42), ist heute gleichermaßen an die ganze Welt gerichtet. Wir haben die Pflicht, vor allem jetzt, nach der Ermordung so vieler Opfer und nach furchtbaren Massakern, uns in erster Linie die spirituellen, aber auch die wirtschaftlichen und die anderen Voraussetzungen des Friedens auf Erden bewußt zu machen. Diese Voraussetzungen sind: Gerechtigkeit; Achtung des heiligen Charakters der menschlichen Person unseres Nächsten, seiner Freiheit und Würde; Versöhnung;wohlwollende und selbstlose Einstellung gegenüber den Mitmenschen und gegenüber dem von Gott gewollten tugendhaften Leben, in dem auch die Gerechtigkeit enthalten ist;eine gerechte Beteiligung aller Menschen an den Gütern der Erde, an Wissenschaft und Technologie. Damit sich die von Christus vorhergesehene und in damaliger Zeit geschehene Zerstörung einer einzigen Stadt nicht in weltumspannenden Ausmaßen für unsere Generationen wiederholt, müssen wir Reue zeigen, zu Gott zurückkehren und seinen heiligen Willen erkennen und erfüllen. Dann wird Gott, der nicht ein Gott des Krieges und Kampfes, sondern ein Gott des Friedens ist, unser Gebet erhören und uns selbst sowie der ganzen Welt auch den Frieden auf Erden geben. Wenn wir hingegen in den sündigen und bösen Leidenschaften, in habgierigen, eigennützigen und selbstsüchtigen persönlichen Bestrebungen beharren, werden die Stimmen des Krieges lauter werden, und Unheil wird die Erde und die Menschheit treffen.

Der Herr des Friedens gewähre uns seinen Frieden. Amen.

Erzbischof von Canterbury, George Carey

(Vorgelesen von Bischof Richard Garrard.)

Mit großer Freude begrüße ich die führenden Repräsentanten der Glaubensgemeinschaften, die sich auf Einladung Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. in Assisi versammelt haben. Es tut mir sehr leid, daß ich nicht persönlich bei euch sein kann, besonders weil die Verantwortlichen der Religionen in unserer zunehmend unsicheren und gefährlichen Welt einen wichtigen Beitrag zum Frieden und zur Versöhnung leisten können.

In den vergangenen Monaten haben wir aufs neue erkannt, wie sehr wir einander brauchen. Wir haben Gewalt, Krieg und Haß erlebt und haben gesehen, wie die Fehler einer Generation von den Kindern und Kindeskindern wiederholt werden können. Wir benötigen die Gnade Gottes, um unsere Hände in übermenschlicher Großherzigkeit auszustrecken und um uns selbst sowie unsere Nächsten von den Fesseln der Vergangenheit zu befreien.

Das ist weder ein rascher noch ein schmerzloser Weg. Wo Menschen Feindschaft und Mißtrauen gelernt haben, braucht es lange, um Freundschaft und Vertrauen aufzubauen. Jesus Christus, der inspirierende Führer aller Christen, hat uns gelehrt, daß die Trauernden selig sind, weil sie getröstet werden. Er lehrte, daß die Barmherzigen selig sind, weil sie Erbarmen finden werden, und daß die Friedensstifter selig sind, weil sie Söhne Gottes genannt werden. Wir sind aufgerufen, voller Hoffnung zu bleiben und nicht den Mut zu verlieren.

Die religiösen Organisationen und wir als religiöse Verantwortungsträger sind mit einem sehr heiklen und schwierigen Auftrag betraut. Trotz unserer Unvollkommenheit sind wir Zeugen der Güte Gottes. Wir versuchen, Worte der Wahrheit, der Liebe und der Vergebung zu sprechen und dabei am Guten festzuhalten. Wir sind uns dessen bewußt, daß unsere Traditionen mißbraucht werden können, um die Menschen zu entzweien, anstatt sie zu vereinen. Manchmal haben wir uns eher über die trennenden als über die gemeinsamen Elemente festgelegt.

Wir geben zu, daß wir einander mißverstanden und verletzt haben; deshalb müssen wir den Frieden auf unserem inneren Bedürfnis aufbauen, die Vergebung anzunehmen und anzubieten.

Unsere Bemühungen müssen allerdings realistisch, im Gebet verwurzelt und prophetisch sein. Wir können nicht den Gefangenen die Freiheit verkünden, ohne auch diejenigen freizulassen, die durch erdrückende Schulden in Armutssituationen geraten. Wenn wir einträchtig mit unseren Nächsten zusammenleben wollen, bedeutet dies, daß wir den Hungrigen zu essen geben und die Kranken medizinisch betreuen müssen. Wenn wir uns als Mitglieder einer einzigen Menschenfamilie betrachten, müssen wir die guten Dinge, die manche von uns besitzen, mit den vielen Menschen, die all dies nicht besitzen, teilen.

Wir müssen dies auf eine Art und Weise tun, die für alle Menschen ehrenhaft ist, ihre Menschenwürde achtet und sie in die Lage versetzt, sich am wirtschaftlichen und politischen Leben der Welt zu beteiligen.

Brüder und Schwestern, auch wenn ich nicht persönlich bei euch bin, wird euer Treffen sehr stark in meinen Gedanken und Gebeten präsent sein. Dieser Tag ist eine neue Etappe unserer Reise, ein Zeichen unserer Verpflichtung untereinander und gegenüber Gott, der uns gemeinsam nach vorn führt.

Dr. Ishmael Noko (Lutherischer Weltbund)

Heute ist ein Tag, an dem wir uns mit unseren Bitten für die Zukunft der Welt an Gott, unseren mächtigen göttlichen Lebensquell mit vielen Namen, wenden. Er bietet die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was religiöser Glaube in einer Welt der Gewalt bedeutet. Folgende Frage stellt sich uns: Wem gilt unsere letztendliche Treue? Wie können wir zuerst und vor allem Zeugnis geben für einen Gott, der die ganze Welt liebt, und nicht für einen, der an bestimmte nationale, kulturelle oder politische Treueversprechen gebunden ist?

Der interreligiöse Dialog und die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens sind schon an sich Ausdruck eines wahren Glaubens an Gott. Sie bauen Brücken des gegenseitigen Vertrauens und der Achtung und reißen die Mauern der Feindseligkeit nieder. Die interreligiösen Beziehungen können nicht von ihren möglichen sozialen und politischen Auswirkungen getrennt werden. Durch Dialog, Selbsterforschung, Gebet und Betrachtung können wir die Situationen der Verzweiflung in vielen Teilen der Welt, die zur Anfachung von Haß und Gewalt beitragen, besser verstehen und fähig werden, eine Antwort auf sie zu geben. Ich bete dafür, daß wir durch diese Mittel die richtigen Wege finden zur Bekämpfung der Armut, der wirtschaftlichen Ungleichheiten, der Verletzungen der Menschenrechte, der Strukturen des Machtmißbrauchs und anderer schwerwiegender Ungerechtigkeiten, die eine solche Verzweiflung noch verstärken.

In einer Welt, die erschüttert wurde von der Schärfe der von religiösem Fundamentalismus angefachten Haßgefühle, wurde dem Dialog zwischen den Religionen neue Aufmerksamkeit und Priorität eingeräumt. Das höchste Ziel dieses Dialogs – sowie des Gebets und der Überlegungen, die wir nun anstrengen werden – besteht im Hören auf das, was Gott uns durch unsere verschiedenen Traditionen sagen möchte. Auf diese Weise können wir die Gnade und den Willen Gottes erkennen und jenen Einstellungen eine Absage erteilen, die religiös motivierte Konflikte legitimieren.

Die Vereinten Nationen, denen verdientermaßen im vergangenen Jahr der Friedensnobelpreis zuerkannt worden ist, müssen sich in Zukunft noch weiter in die schon zu Beginn anvisierte Struktur hineinentwickeln, damit sie die Freundschaft unter allen Nationen immer besser fördern können. Sie sollen sich dazu verpflichten und mit Entschlossenheit dafür einsetzen, Maßnahmen im Hinblick auf die internationale Gerechtigkeit, den Frieden und die Unversehrtheit der Schöpfung Gottes zu ergreifen. Die Rolle der Diplomatie muß gestärkt werden, um die dem Terrorismus und der Gewalt zugrundeliegenden Ursachen direkt angehen zu können. Die Zielsetzung diplomatischer Beziehungen ist in der gegenwärtigen Situation von größerer Bedeutung als die Schaffung eines Bündnisses für militärische Aktionen. Die Diplomatie muß wesentlich zur Berichtigung und Heilung vergangener Ungerechtigkeit sowie zum Aufbau gemeinsamer Visionen für eine bessere Zukunft beitragen.

Auf den Politikern der ganzen Welt lastet derzeit eine schwere Verantwortung. Gleiches gilt für die Religionsgemeinschaften, die Finanzwelt, die Bereiche von Wissenschaft und Erziehung, die Einrichtungen und Organisationen des Informationssektors und die Unterhaltungsbranche. Die globalisierte Welt darf nicht ein Schauplatz brutaler Auseinandersetzungen sein, sondern sie muß ein Ort der Suche nach einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit werden.

Zu diesem kritischen Zeitpunkt werden die Kirchen des Lutherischen Weltbundes versuchen, ihre Aufgabe als Partner für die Brüderlichkeit unter den Menschen und Gerechtigkeit in den verschiedenen Bereichen zu erfüllen; besonders durch Dialog und gemeinsame Initiativen mit den Mitgliedern anderer Glaubensgemeinschaften.

Mögen wir alle – durch unseren Gottesdienst und unser Gebet –Werkzeuge sein, durch die Gott für die Heilung der Welt wirken kann.  

Dr. Setri Nyomi (Weltbund der Reformierten Kirchen)

Der barmherzige Samariter. 
Und wer ist mein Nächster?

Als Kirchen der reformierten Tradition können wir nicht umhin, eine solche Stunde des Zeugnisses mit dem Wort Gottes zu beginnen. Bei der vertrauten Geschichte des barmherzigen Samariters wurde immer die Betonung auf den unerwarteten Helfer gelegt, der sich als Nächster verhielt – oft ohne eine tiefere Erforschung der religiösen und kulturellen Unterschiede, die zwischen demjenigen, der hilft, und demjenigen, dem geholfen wird, bestehen. Es ist interessant, daß unser Herr Jesus diese Geschichte zur Antwort gab, als man ihm eine Frage über die Voraussetzungen für das Heil stellte; in ihr finden sich Worte der Liebe, Achtung, Sorge und Anteilnahme gegenüber den Menschen, die vielleicht einer ganz anderen Kultur oder Religion angehören – anstatt achtlos an ihnen vorüberzugehen, sie zu ignorieren oder gar als Feinde zu behandeln.

Solche Erzählungen zeigen uns die Grundlage für unseren Auftrag zum Aufbau einer Kultur des Friedens in unserer heutigen Welt auf. Leider haben wir gegenwärtig eine Welt geerbt, in der Menschen mit andersartigen (oftmals politischen oder wirtschaftlichen) Intentionen die Religionen als Werkzeuge zu ihren eigenen Kriegen verwenden und auf diese Weise die Welt in einen Zustand der Friedlosigkeit stürzen. Wenn wir die Geschichte des barmherzigen Samariters nur noch einmal hören könnten!

In dieser Stunde des Zeugnisgebens sind wir nicht hier, um zu klagen. Wir sind vor allem hier, um die positiven Beispiele der Nächstenliebe zu preisen. Dankbar erinnern wir uns an die Erfahrung des Christlichen Rates von Liberia und des Obersten Islamischen Rates in Liberia, die sich zusammengetan haben, um das Interreligiöse Komitee zu bilden. Dies war der Ausgangspunkt des Weges zum Frieden in Liberia. Ja, der Friede ist in Liberia noch nicht vollständig zur Wirklichkeit geworden, aber der Beschluß dieser beiden Gemeinschaften zur Zusammenarbeit war ein wichtiger Meilenstein, und diese Entscheidung führt Liberia weiter auf einen beständigeren Frieden zu. Ähnliches kann von Sierra Leone gesagt werden. Aus Indonesien erreichen uns Nachrichten über Gemeinschaften, in denen Christen und Muslims über Jahre friedlich zusammengelebt haben – bis in die jüngste Vergangenheit, als teilweise von außen gesteuerte Kräfte auf manchen Inseln damit begannen, Christen und Muslims gegeneinander aufzubringen. In den vergangenen Monaten wurden wir jedoch auch darüber unterrichtet, daß es auf beiden Seiten dieser Gemeinschaften Menschen gibt, die sich zum Dialog zusammenfinden und sich gegen alle zerstörerischen Kräfte stellen wollen. Dies sind Zeichen der Hoffnung, die wir ermutigen und für die wir beten müssen.

Unsere Aufgabe ist, dafür zu beten, daß diese Saat des Friedens weiter aufkeimt. Wir brauchen mehr Samariter, die sich von ihrem Glauben anregen lassen und die nicht durch Religionsunterschiede dazu verleitet werden, die anderen zu ignorieren oder gar zu hassen. Wir sind Mitglieder derselben Gemeinschaften auf derselben Erde. Wenn wir uns für den Aufbau des Friedens in unseren eigenen Gemeinschaften einsetzen, so ist dies keine Unredlichkeit gegenüber unseren Religionen und kein Widerspruch zum Geist unserer Religion. Dieser Einsatz ist Teil unserer Berufung.

Laßt uns alle daher immer mehr zur Einheit finden und für den Frieden beten.

Geshe Tashi Tsering (Buddhismus)

Möge ich doch in jedem Augenblick, jetzt und allezeit, zu einem Beschützer der Schutzlosen werden, zu einem Führer für diejenigen, die vom Weg abgekommen sind, zu einem Schiff für alle, die Ozeane überqueren müssen, zu einer Brücke für diejenigen, die Flüsse durchqueren möchten, zu einem Schutzraum für die Menschen in Gefahr, zu einer Lampe für die, die Licht brauchen, zu einer Zuflucht für die Menschen, die eine Herberge suchen, und zu einem Diener aller Bedürftigen.

So lange der Weltraum besteht, so lange es empfindungsfähige Wesen gibt, so lange möge auch ich bleiben und das Elend der Welt vertreiben. (Ein Leitfaden zur Lebensform des Bodhisattva, Shantideva).

Chef Amadou Gasseto (Afrikanische Naturreligionen)

Die Initiative von Papst Johannes Paul II. zugunsten des Friedens hat in mir große Freude und Hoffnung für die Zukunft unserer oft von Gewalt und Kriegen zerrissenen Welt geweckt. Die an mich ergangene Einladung zur Teilnahme am Friedensgebet in Assisi ehrt mich sehr, und sie ehrt auch alle gläubigen Anhänger des Vodun Avélélékété, dessen Hoherpriester ich bin. Durch die Annahme der Einladung zu diesem Gebet verpflichte ich mich, bei meinen Gläubigen einen Geist und ein Verhalten des Friedens zu fördern, die sich positiv auf die Gesellschaft in Benin auswirken können.

Zunächst erkenne ich aber, daß der Friede ein Geschenk ist, das Gott den Menschen macht. Dennoch ist dieses Geschenk der Verantwortung des Menschen anheimgestellt, der von seinem Schöpfer dazu aufgerufen ist, den Frieden in dieser Welt aufzubauen. Es handelt sich dabei um eine universale Verantwortung, die die gesamte Schöpfung betrifft.

Für mich als Verantwortlichen der Naturreligion Vodun ist der Friede nicht möglich, solange Risse, Spaltungen und Feindschaften zwischen den Menschen bestehen. Wir müssen damit beginnen, uns selbst zu beherrschen, um nicht Worte zu gebrauchen, die Gefühle der Gegensätzlichkeit, Ausgrenzung und Gewalt hervorrufen. Wir müssen die Verantwortung übernehmen für den Geist, der unsere Worte prägt. Es sollte ein Geist sein, der Eintracht, Gemeinsamkeit und Brüderlichkeit schafft. Dann wird der Friede einen guten Nährboden finden, um sich unter den Menschen auszubreiten.

Von einer Sache bin ich überzeugt: Der Friede in der Welt hängt vom Frieden zwischen den einzelnen Menschen ab. Die Verantwortlichkeit des Menschen in der Welt hat einen Einfluß nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auf die ganze Schöpfung. Wenn es keinen Frieden zwischen den Menschen gibt, gibt es auch keinen Frieden zwischen der übrigen Schöpfung und dem Menschen. Die Jahreszeiten werden durcheinandergebracht, und der Boden bringt keine Früchte mehr hervor, die die Menschen ernähren können. Wenn aber in einer Nation die Menschen auf den Frieden hinarbeiten, wird ihre Erde fruchtbar, und die Herden vervielfachen sich zum größeren Wohl des Menschen. Dies ist ein vom Schöpfer gegebenes Naturgesetz, denn er hat das Schicksal der Schöpfung an das Verantwortungsgefühl des Menschen gebunden.

Deshalb ist es gut, die Menschen jedes Jahr aufzufordern, ihr Herz zu bekehren und Haß, Gewalt und Ungerechtigkeit zurückzuweisen. Die Verantwortlichen der Religionen in der Welt dürfen diese Praxis weder vergessen noch vernachlässigen. Es handelt sich darum, das Böse wiedergutzumachen, das durch die Verantwortungslosigkeit des Menschen der Schöpfung zugefügt wurde, die Schutzgeister der Gegenden, die von menschlicher Gewalt und Bösem getroffen wurden, um Vergebung zu bitten, Opfer zur Wiedergutmachung und Läuterung zu bringen und auf diese Weise den Frieden wiederherzustellen. Ich erkläre, daß diese Läuterung der Natur von grundlegender Wichtigkeit ist, um den Frieden zwischen den Menschen und der übrigen Schöpfung wiederherzustellen. Vormals, zur Zeit der Könige, hielt sich Benin ganz streng an diese Praxis, und das Land erfreute sich einer Zeit des Friedens und der Wohltaten der Natur. Die heutigen Verantwortlichen müssen sich darum kümmern. Und wir wollen sie nach unserer Rückkehr aus Assisi daran erinnern; hierdurch soll all das, was wir gemeinsam auf Weltebene in Italien erlebt haben, auch auf nationaler Ebene in Benin verwirklicht werden.

Auch möchte ich auf einen weiteren wesentlichen Aspekt hinweisen: die Achtung der »Manen« unserer Vorfahren. Wir müssen daran denken, daß die Vorfahren, die uns in dieser Welt vorangegangen sind, in einer Beziehung des Respekts gegenüber Gott und der Natur lebten, um uns eine noch bewohnbare und dem Menschen wohltuende Welt zu hinterlassen. Die Welt, wie sie damals von ihnen gestaltet worden war, war nicht in all ihren Bestandteilen vollkommen, aber sie hatte den Vorteil, einen starken Zusammenhalt zwischen den Menschen und der Natur zu gewährleisten. Verbote schützten die Quellen, Wälder und Landschaften zur Erneuerung von Flora und Fauna. Verbote bestimmten die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Familie und der Gesellschaft. Der Schutz des Ökosystems und eines allgemeinen Gleichgewichts in der Gesellschaft trug wirksam zur Wahrung dieses Zusammenhalts zwischen Natur und Menschen bei. Ohne ausreichende Achtung vor dieser von unseren Vorfahren ererbten Welt und ohne das ständige Bemühen, sie für die Menschen unserer Zeit zu verbessern, kann man nicht von Frieden sprechen.

Zu den sozialen Praktiken, die uns unsere Vorfahren im afrikanischen Land Benin hinterlassen haben, gehört auch die Kunst der mündlichen Verhandlungen, des »Palavers«, zur Lösung von zwischenmenschlichen und sozialen Konflikten. Dort lernt man die Kunst, den Gegner zu respektieren, seine Verschiedenheit zu tolerieren und die Überzeugungen der anderen zu verstehen. Diese Praxis sollte auch die verschiedenen Verantwortungsträger für den Frieden in der Welt anspornen, daß sie die Gegner wieder zum Dialog zurückführen, denn nur der Dialog kann es ermöglichen, den Frieden in den Herzen und Nationen wiederherzustellen. Nichts ist so wertvoll wie ein Dialog, der es ermöglicht, in gegenseitigem Einvernehmen auseinanderzugehen. Dann geht man von Haß zu beiderseitiger Achtung über. Diese wichtige Rolle des »Palavers« muß auch in den internationalen Einrichtungen, die über den Frieden zwischen den Nationen und – innerhalb der Nationen – zwischen den Einzelpersonen entscheiden, bewahrt werden. Das »Palaver« muß heute dazu beitragen, daß wir in die Lage versetzt werden, unsere gegenwärtige Welt zu verwalten mit all ihren Schwierigkeiten, die immer im Verantwortungsbereich der Menschen liegen.

In dem, was ihr gerade vorgelesen habt, habe ich meine religiösen Überzeugungen über das Engagement zugunsten des Friedens in meinem Land und in der Welt dargelegt. Ich kann hier nicht schließen, ohne nachdrücklich zu betonen, daß Gerechtigkeit und brüderliche Liebe die beiden unumstößlichen Stützpfeiler des echten Friedens unter den Menschen sind. Italien, wohin ich mich für dieses spirituelle Treffen von Assisi begeben habe, ist ein Land bedeutender religiöser Traditionen. Wir, die Verantwortlichen der Religionen, müssen in unseren Ländern auf die Achtung der anderen Nationen und auf die Solidarität zwischen den Völkern hinarbeiten. Das Problem der Entwicklung der armen Länder, darunter auch des meinigen, stellt ohne Zweifel die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt dar. Die Solidarität zwischen den Völkern muß zu einem gerechteren Teilen der Reichtümer der Erde führen. Die hochentwickelten Länder müssen die weniger entwickelten Länder in ihren Bemühungen um den Fortschritt unterstützen. Der internationale Handel darf nicht nur diejenigen begünstigen, die über eine starke Wirtschaft verfügen, sondern muß auch die tatsächlichen Anstrengungen jedes Volkes hinsichtlich Arbeit und Produktion respektieren. Das 21. Jahrhundert, in das wir nun eingetreten sind, muß ein Jahrhundert des Aufbaus einer gerechteren und brüderlicheren Welt werden. Die Werte, die wir als religiöse Leiter fördern müssen, sind die der Liebe und des Miteinanders – in einer Welt, in der wir in Wirklichkeit alle Geschwister sind. Wenn wir uns dafür einsetzen, werden wir den Frieden in unserer Welt schaffen. Gott segne das Treffen von Assisi, und gewähre unserer Welt den Frieden.

 Didi Talwalkar (Hinduismus)

Zunächst möchte ich dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog danken für seine Einladung, meine Überlegungen über den Weltfrieden den hier Anwesenden mitzuteilen. Durch die Gegenwart Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. fühle ich mich wirklich geehrt und gesegnet.

Der Hinduismus ist für mich ein tiefer Quell der Inspiration. Ich kann aber lediglich von mir behaupten, nichts als die Schülerin einer Tradition zu sein, die schon mehrere Jahrtausende zurückreicht. Ich hoffe daher auf die Nachsicht Seiner Heiligkeit und der anderen verehrten Brüder und Schwestern, die hier versammelt sind.

Die mit dem Begriff Frieden verbundenen Vorstellungen sind vielfältiger Natur. Für die meisten weltlichen Denker ist Friede das Fehlen von Gewalt und die gewaltlose Lösung von Konflikten. Dies scheint jedoch eine sehr eingeschränkte Auffassung vom Frieden zu sein. Natürlich ist das Nichtvorhandensein von Gewalt durchaus willkommen und wünschenswert. Verschiedene Institutionen auf allen Ebenen – politische Organisationen, vielfältige Gruppierungen im Bereich der Religion und der bürgerlichen Gesellschaft usw. – leisteten und leisten lobenswerte Arbeit zur friedlichen Konfliktbeilegung innerhalb und zwischen verschiedenen Gemeinschaften. Immer wieder jedoch gerät dieser Friede aus dem Gefüge, und bisher war es nicht möglich, eine dauerhafte Grundlage für den Frieden zu finden. Für mich ist der Friede die Aufrechterhaltung von Gleichgewicht und Harmonie nach innen und nach außen. In dem Maße, wie es uns nicht gelingt, diese Art des Einvernehmens zu erreichen, werden wir weiterhin Intoleranz, Elend, Ausbeutung, Zwietracht und Ungerechtigkeit erleben.

Richtig verstanden ist die Religion die treibende Kraft, die Eintracht und Holismus zwischen der inneren und äußeren Welt wiederherstellen kann. Obwohl die Religionen für sich in Anspruch nehmen – was auch von ihnen erwartet wird –, die verbindende Kraft zu sein, gab es in der Geschichte wiederholte Fälle, wo selbsternannte Retter der Religion die Religion selbst in den Dienst der Macht und entzweiender Kräfte gestellt haben.

Wir haben gesehen, wie oft man versucht, die religiöse Orientierung der Menschen zu verdrehen. Die wahre Botschaft der Religion ist nicht Bigotterie; sie darf dies nicht sein.

Ich komme aus einer Kultur, in der die »Religion« am ehesten unserem »dharma« entspricht. Es handelt sich um eine universale Tradition, die Bezug nimmt auf eine sittliche Ordnung zur Bestimmung der Beziehung zwischen dem »Ich« und dem »anderen« sowie der göttlichen Energie. Dieses gegenseitige Verhältnis beeinhaltet eine »Ordnung«, die es ermöglicht, das persönliche Bewußtsein von einer in sich selbst verschlossenen Existenz zu einer Beziehung mit dem Göttlichen zu erweitern.

Eine solche Vergöttlichung der Menschenwesen gibt uns eine Vorstellung vom Wert des Lebens. Nicht nur bin ich dem Wesen nach göttlich, sondern auch jeder andere Mensch ist in seinem Wesen genauso göttlich, und dies verbindet uns miteinander in der Vaterschaft Gottes (»vasudhaiva kutumbhakam«). Wenn wir das erkennen, werden unterschiedliche Zugehörigkeiten nicht mehr Ursache von Konflikten sein. Was der Päpstliche Rat heute vorschlägt, hat modellhaften Charakter für interreligiöse Beziehungen. Es ist eine Verpflichtung, die einen Dialog zwischen verschiedenen religiösen Traditionen im Hinblick auf die Entwicklung des Verständnisses eines spirituellen Humanismus eröffnen kann.

Für mich als Mitglied der Swadhyaya »parivar« (Familie), die inspiriert ist vom verehrten Pandurang Shastri Athawale, ist diese universale Brüderlichkeit etwas ganz Natürliches, weil er uns die Idee der Akzeptanz aller religiösen Traditionen gelehrt hat (»sarva dharma sweekaar«). Sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Der Swadhyaya liegt die Auffassung zugrunde, daß Gott allen Menschen innewohnt und wir alle Kinder desselben Gottes sind. Durch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem klassischen Erbe Indiens hat er versucht, die Barrieren zwischen den Menschen zu entfernen und die Idee der Religion von Dogmatismus, Engstirnigkeit und Zwängen zu befreien.

Für uns ist das Engagement im sozialen Bereich zur Wiederherstellung und Heilung der Gesellschaft nicht ein Akt sozialer Reformen, sondern eine Möglichkeit, dem Höchsten Wesen unsere Dankbarkeit zu zeigen. Wir nennen dies »bhakti«, also Hingabe an Gott. Wir bezeichnen dies als soziale Kraft, denn es erlaubt dem einzelnen, Kleinlichkeit, Zorn und Habgier (»kshudrata«, »krodh« und »lobha«)zu überwinden. Diese Entwicklung des Menschen hilft ihm, seine alltäglichen Verrichtungen in Kräfte der Befreiung von allen Arten der Unterjochung zu verwandeln und über Schwierigkeiten, Komplexe und Gefühle der Isolation, Unsicherheit und Wertlosigkeit hinwegzukommen. Es ermöglicht uns den Übergang von einer einfachen Gewährleistung der Menschenrechte zur höheren Ebene einer Sicherung der Würde und Pflicht des Menschen.

Meine verehrten Brüder und Schwestern! Von einer höheren Perspektive aus als meiner eigenen Stellung im Leben wage ich – aus dieser erlauchten Versammlung und in der segensreichen Gegenwart Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. – an die Menschheit zu appellieren, sich über ihre Isolierung zu erheben, eine absolute, selbstlose und bedingungslose Liebe zu Gott und seiner Schöpfung zu entwickeln, um ständige Krisensituationen zu überwinden. Dies ist kein theoretisches Konstrukt. Wir haben im Kleinen gezeigt, daß die Erreichung einer sozialen Ordnung möglich ist. Lassen wir unsere innerlichen Ressourcen für die Sache des Friedens nicht ungenutzt. Unser Dialog, der die Einheit unterschiedlicher religiöser Tradition herausstellt, ist nicht einen Tag zu früh gekommen. Von hier können wir uns auf eine Koalition der Religionen der Welt zubewegen, zum Schutz einer gemeinsamen und von Gott gesegneten Zukunft.

Scheich Al-Azhar Mohammed Tantawi (Islam)

(vorgelesen von Dr. Ali Elsamman)  

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

Zunächst möchte ich Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. danken, der heute die Vertreter der verschiedenen Religionen zusammengerufen hat, die alle erfüllt sind von dem gleichen innigen Wunsch, eine bessere Welt aufzubauen. Zu unserer Erleuchtung auf dem Weg zum Frieden bietet uns der muslimische Glaube einige Anhaltspunkte, die ich hier kurz erläutern möchte:

Erstens:

Allah erschuf die Menschheit, von einem Vater und einer Mutter ausgehend. In der Heiligen Schrift erklärt Allah: »O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch erschaffen aus einem Wesen und aus ihm erschuf seine Gattin und aus ihnen viele Männer und Weiber entstehen ließ. Und fürchtet Allah, in dessen Namen ihr einander bittet, und eurer Mutter Schoß. Siehe, Allah wacht über euch« (Sure 4, Weiber, 1).

Zweitens:

Alle monotheistischen Religionen, die Gott seinen ehrwürdigen Propheten offenbarte, stimmen in zwei wesentlichen Punkten überein:

– in der hingebungsvollen Verehrung des Einen und Einzigen, wie Allah sagt: »Er hat euch den Glauben verordnet, den Er Noah vorschrieb, und was Wir (Mohammed) dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus vorschrieben: ›Haltet den Glauben und trennet euch nicht in ihm.‹ Groß ist für die Götzendiener das, wozu du sie einladest. Allah erwählt dazu, wen Er will, und leitet dazu, wer sich reuig bekehrt« (Sure 42, Die Beratung, 13);

– in der Achtung der Werte: Allah offenbarte die monotheistische Religion für die Glückseligkeit der Menschheit. Die Religionen verkündigen alle ethischen Werte wie Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit, Frieden, Wohlstand, den Austausch aller von Allah gebilligten guten Taten sowie die Zusammenarbeit aller Völker zur Förderung von Güte und Barmherzigkeit, nicht aber von Beleidigung und Aggression.

Drittens:

Allah hat uns für dieses Leben erschaffen, damit wir uns gegenseitig kennenlernen, denn er sagt: »O ihr Menschen, siehe, Wir erschufen euch von einem Mann und einem Weib und machten euch zu Völkern und Stämmen, auf daß ihr einander kennet. Siehe, der am meisten Gelehrte von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch; siehe, Allah ist wissend und kundig« (Sure 49, Die Gemächer, 13).

Viertens:

Alle monotheistischen Religionen verkünden, daß der Mensch für Gesetz und Gerechtigkeit eintreten und den rechtmäßigen Anspruch des Eigentümers verteidigen muß. Gerne nimmt Al-Azhar al Sharif diese Gelegenheit wahr, um dem Vatikan seine Anerkennung auszudrücken und ihm für die lobenswerte Unterstützung des palästinensischen Volkes zu danken.

Fünftens:

In Ägypten haben Moslems und Christen vierzehn Jahrhunderte lang in brüderlicher Gemeinschaft unter dem gleichen Himmel, auf dem gleichen Boden, als Gleichberechtigte vor dem Gesetz und mit gleichen Verantwortungen gelebt. Wie der Heilige Koran sagt, möge jeder seine eigene Religion leben: »Es sei kein Zwang im Glauben. Klar ist nunmehr unterschieden das Rechte vom Irrtum; und wer den Tagut verleugnet und an Allah glaubt, der hält sich an der stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend« (Sure 2, Die Kuh, 256).

* * *

An diesem Tag des gemeinsamen Gebets teilen Al-Azhar und seine Ulema [islamische Rechts- und Religionsgelehrte, Anm. d. Red.] in tiefer Überzeugung den Aufruf für den unmittelbar und untrennbar mit der Gerechtigkeit verbundenen Frieden.

Rabbi Israel Singer (Judentum)

Nur Sie konnten etwas derartiges ermöglichen. Johannes Paul II., nur Sie konnten dieses Ereignis verwirklichen; wir müssen Sie dabei unterstützen.

»Groß ist der Friede,
denn Friede lautet der Name Gottes.«

Die Geschichte beweist, daß, während die Verantwortlichen der Religionen in aller Welt vom Frieden sprechen und in unzähligen Predigten vom Frieden als dem eigentlichen Ziel der Religionen die Rede war, diese in Wirklichkeit dazu dienten, Tausende von entsetzlichen und blutigen Kriegen zu schüren. Alle, die sich mit Geschichte und Religion befassen, kennen die zahllosen Kriege, die die großen Religionen Europas und Asiens gegeneinander geführt haben, und die im Lauf der Geschichte zwischen den verschiedenen Sekten dieser Religionen ausgetragenen Kämpfe. Bis heute bekämpfen die Menschen einander in Nordirland, in Kaschmir und Pakistan sowie im Nahen Osten.

Wir alle erinnern uns deutlich an den 11. September des vergangenen Jahres, als Wahnsinnige im Namen der Religion mit drei Flugzeugen in beide Türme des World Trade Centers und in das Pentagon rasten. In wenigen Minuten töteten sie Tausende von Menschen und lösten den ersten internationalen Militärkonflikt des 21. Jahrhunderts aus.

Wir Juden betonen, daß das Konzept des Religionskriegs in unserer religiösen Tradition keine zentrale Rolle einnimmt. Dennoch machen wir uns nichts vor – in unserer zutiefst blutigen und tragischen Vergangenheit haben wir uns notwendigerweise gelegentlich verteidigen und unsere Feinde bekämpfen müssen. Doch im Kampf sahen wir unsere Heiligen Schriften nicht als Rechtfertigung für den Krieg, sondern als die religiöse Grundlage unserer Handlungen. An zahlreichen Stellen in der Bibel befiehlt Gott den Juden, den Feind im Notfall zu bekämpfen. Unsere Religion richtet sich nach dem Konzept »lo’ tehayyun kol neshamah«, demzufolge bestimmte Gruppen unerbittlich und erbarmungslos bekämpft werden müssen. Auch in dem immerwährenden Gebot »mah eni meheh et zakar ‘amalek« kommt dieses Thema deutlich zum Ausdruck, in jenem Befehl zum vernichtenden Krieg gegen das von Amalek verkörperte größte Übel – ein Kampf, in dem es keine Gefangenen geben darf, sondern alle getötet werden müssen.

Dennoch ist der militärische Kampf kein wesentlicher Aspekt des Judentums. Die jüdische Bibel, unser mündliches Gesetz, unser Talmud, unsere Midraschim und unser rabbinisches Schrifttum, sie alle betonen die hohe Bedeutung des Friedens – sowohl untereinander wie mit unseren Nachbarn. Wir Juden sind an eine Ideologie, eine Religion und Philosophie gebunden, die auf Konzepten wie Friede, Güte und Brüderlichkeit gründen, Auffassungen, die auch andere Weltreligionen teilen, insbesondere das Christentum, das zahlreiche Aspekte der jüdischen Religion übernommen und angepaßt hat. Ebenso wie das Neue Testament der Christen lehren auch unsere jüdischen Schriften, keinen Groll gegen diejenigen zu hegen, die uns verletzt haben, und stets nach Wegen der Versöhnung und brüderlicher Liebe zu suchen. Auch wenn wir ausgesandt werden, unsere Feinde zu bekämpfen, verlangt Gott von uns, sie zunächst zu unblutiger, friedlicher Übergabe zu bewegen. Erst dann, wenn dieses Angebot ausgeschlagen wird, dürfen wir unsere Waffen gegen sie erheben. Ferner haben uns die Propheten wiederholt mit einer Vision vom Ende der Zeiten konfrontiert, in der Schwerter in Pflugscharen verwandelt und alle Nationen in Frieden leben werden.

Krieg entspricht somit weder unserer Kultur noch unserer Aufgabe, weder unserer Sendung noch unserem Ziel als Juden, und letzten Endes ist er auch nicht die Aufgabe anderer Religionen in der Welt. Die im Namen der Religion geführten Friedensgespräche dürfen nicht eingestellt werden, denn sie gründen auf der Wirklichkeit all unserer religiösen Ideale und sind das von uns allen angestrebte höchste Ziel. Wir müssen jene Verzerrungen religiöser Lehren zurückweisen, von denen in der Vergangenheit Gebrauch gemacht worden ist, und wir dürfen nicht die Annahme unterstützen, Gewalttätigkeit gegenüber Mitgliedern anderer Religionen oder religiöser Gruppen sei religiös begründet.

Wir sollten daran erinnern, daß keine Religion zu wahllosem Töten auffordert, und diejenigen, die das Gegenteil lehrten, haben die Religionen, in deren Namen sie sprachen, mißbraucht und verfälscht. Papst Johannes Paul II. verurteilte den im Lauf der Geschichte so häufigen Mißbrauch zur Rechtfertigung von Gewalttätigkeit gegenüber Nichtchristen.

Nur durch einen ernsthaften Dialog und die aufrichtige Bereitschaft der Verantwortlichen der großen Religionen, sich konkret für den Frieden einzusetzen, nicht allein durch Erklärungen, sondern durch konkrete Opfer für den Frieden, können wir versuchen, die augenblickliche Situation der Menschheit zu verändern. Eine solche innere Haltung bewies auch Papst Johannes Paul II. in seinen Bemühungen um die Wiederversöhnung mit dem Judentum, durch die er der jüdisch-christlichen Geschichte eine Wende gab. Der Weg der Pilger auf der Suche nach Frieden könnte zweifellos ein Beispiel sein, dem wir alle folgen sollten.

»Im Hinblick auf das Gebet sagt der Midrasch: kein Segen ist vollkommen ohne das Wort FRIEDE« (Bamidbar Raba).

Seine Seligkeit Teoctist (Rumänisch-Orthodoxe Kirche)

Der Patriarch der rumänisch-orthodoxen Kirche sandte die von Seiner Exzellenz Ioan Salagean, Bischof von Harghita und Covasna, verlesene Botschaft mit dem folgenden Text:

Heiligkeit,
Seligkeiten,
Eminenzen und Exzellenzen,
verehrte Vertreter anderer Religionen,
liebe Zuhörer! 

Der Herr wird seinem Volk Kraft geben und es mit Frieden segnen. Die christlichen Kirchen haben ebenso wie andere Religionen die Pflicht, gemeinsam die Stimme zu erheben, um auf die Verletzung jener moralischen und spirituellen Grundsätze hinzuweisen, die alle Religionen bekräftigen und alle Gläubigen täglich leben. Unter diesen spirituellen Werten nimmt der Friede eine vorrangige Stellung ein, denn der Glaube kommt nur in einem von Frieden geprägten Klima zum Ausdruck. Für die Christen ist die Menschwerdung Gottes in der Person Christi, der Mensch und Gott zugleich ist, ein Moment des Friedens und universaler Versöhnung, verkündet von den Engeln, die diese Geburt vom Himmel aus verkünden: »Ehre sei Gott hoch im Himmel und Frieden auf Erden den Menschen, die er liebt.« (Lk 2, 14)

Mit der Hoffnung auf Erlösung durch den Frieden des Himmels begrüßen wir diesen Tag des Gebets für den Frieden, zu dem Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II. in dieser Zeit weltweiter Unruhen und Besorgnis aufgerufen hat, einer Zeit, in der die Religionen uns zeigen müssen, daß sie die komplexen Phänomene verstehen und jeweils auf ihre spezielle Art und Weise zur Erhaltung der Schöpfung Gottes beitragen und den Menschen zu jener Würde erheben, die Gott ihm anvertraut hat. (Ital. in O. R. 25. 1. 2002)

Quelle