Prof. Spaemann über das Sakrament der Ehe und wiederverheiratete Geschiedene

Der renommierte Philosoph Prof. Robert Spaemann spricht im Interview mit Julia Wächter über das Eheideal der Kirche und die Problematik, die sich aus der derzeitigen Debatte um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion ergibt.

Die Ehe ist heute in einigen Kreisen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die kirchliche Vorstellung der Ehe wird immer mehr hinterfragt. Wie gilt es nun zu handeln? Würden Sie sagen, die Kirche gibt ihr Ideal der Ehe auf, wenn sie sich immer mehr an vorliegende Trends anpasst?

Ja. Die Neigung ist groß, sich allen Trends anzupassen, damit die Leute nicht weglaufen. Man muss aber immer in das Evangelium sehen. Die Massen liefen Jesus nach, doch dann sprach er davon, dass er seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken gab. Das hat er keineswegs geschönt, sondern die Leute waren schockiert und sind weggelaufen. Jesus fragte die Apostel: Wollt ihr auch gehen? Aber Petrus antwortete: Nein Herr, wir haben dich zwar auch nicht verstanden, aber du hast Worte des ewigen Lebens und wohin sollen wir denn sonst gehen? Das muss die Reaktion der Menschen sein. Auch in der Frage der Ehescheidung kommt es nicht darauf an, den vielen Menschen und den großen Trends nachzugehen, sondern ein Zeugnis davon zu geben, dass es auch eine andere und schönere Weise des Lebens gibt. Man darf auch nicht erst bei den Ehevorbereitungskursen ansetzen, sondern schon viel früher. Was eine christliche Weise zu leben ist muss schon in der Schule grundgelegt werden. Dann bekommt auch ein solches Verbot der Ehescheidung, das ja von Christus ganz klar und eindeutig ausgesprochen ist, Anziehungskraft.

Haben Sie konkrete Vorschläge der Umsetzung?

Das Wort fällt bei den einen auf guten, bei anderen auf schlechten Grund. Letztens kommt es darauf an, wen der Vater zieht. Sich ziehen lassen vom Vater, das ist die Lebensweise des Christen. Das muss auch gelehrt werden, schon im Zusammenleben der Kinder.

Sind diese Trends auf das vorherrschende Gottesbild zurückzuführen? Der barmherzige Gott steht allzu oft über allem. Bedrohliches wird ausgeblendet, vor allem in der Verkündigung an Kinder.

Ein Drittel der Lehre Jesu besteht aus Drohungen, die man alle eliminieren möchte. Es drohe gar nichts, Gott nehme uns wie wir sind. Das ist Schönrednerei. Vielmehr muss man sagen: Nein, Jesus nimmt dich nicht wie du bist. In seiner Predigt forderte er: Kehrt um, ihr seid auf dem falschen Weg! Natürlich, Jesus akzeptiert den Sünder und wenn der verlorene Sohn heimkommt, macht der Vater ein großes Fest. Aber warum richtet er dieses Fest aus? Doch weil er zurückgekommen ist. Der Vater ist nicht hinaus zu den Schweinetrögen gegangen.

Barmherzigkeit wird auch in der Debatte um wiederverheiratete Geschiedene und deren Zulassung zum Sakrament der Eucharistie gefordert. Dabei ist die Auffassung weitverbreitet, dass die Unauflösbarkeit der Ehe und die Barmherzigkeit konkurrierende Prinzipien seien. Wie kann deutlich gemacht werden, dass sich diese Prinzipien nicht gegenseitig ausspielen?

Barmherzigkeit besteht darin, dass man dem Notleidenden in seiner konkreten Situation beisteht und ihm hilft, das ewige Leben zu erwerben. Das Christentum ist keine Wellnessreligion. Wenn der Arzt mir beispielsweise sagt: Sie dürfen keine Zigarette mehr rauchen, sonst sind Sie in einem halben Jahr tot – und wenn man dann sagt: Aber lieber Doktor, seien Sie doch barmherzig – ist das falsche Barmherzigkeit. Der Arzt kann nur helfen, wenn sich dieser Patient an seine Worte hält. Die Kirche ist in der Situation des Arztes. Wenn ein Zusammenleben in einem zweiten Verhältnis gestattet wird, weil man es damit rechtfertigt, dass mit der Zeit eine neue Beziehung gereift sein kann, stellt sich die problematische Frage, wie oft man mit dem neuen Partner geschlafen haben muss, damit es nicht mehr Sünde, sondern eine gottgefällige Handlung ist, die die Kirche segnen soll. Jeder Akt des Ehebruchs ist schwere Sünde. Das ist die traditionelle Lehre der Kirche.

In dieser Situation wird oft nicht an den Partner gedacht, der verlassen worden ist.

Von ihm ist ohnehin viel zu selten die Rede. Es wird immer von dem armen Täter gesprochen und nicht von dem Opfer. Da gibt es beispielsweise eine Frau, die blieb mit vier Kindern alleine zurück. Plötzlich hat der Mann einen anderen Platz gefunden und dieses Verhältnis würde gestattet werden. Noch weiter gedacht: Was ist, wenn er anschließend wieder zurückkehrt zu seiner vorigen Frau? Hier entstehen Schwierigkeiten, aus denen man nicht herauskommen kann, statt zu sagen: Gott, du hast uns und deiner Kirche die Sakramente gegeben, die uns das Heil vermitteln, aber du selber bleibst frei, du kennst die Herzen. Wir müssen dem Menschen der Barmherzigkeit Gottes überlassen. Einem Menschen, der so darauf herumreitet, dass er nicht zur Kommunion gehen darf, muss man sagen: Dann geh doch einmal in der Woche mehr zur Messe, bete und tu‘ alles was du kannst und Gott ist barmherzig. Aber die Kirche kann sich das nicht erlauben. Gott aber kann auch über große Mauern springen.

Welche Bedeutung haben die Sakramente faktisch?

Heute ist das oft so ein Sakramentalismus, als ob das Heil des Menschen davon abhinge, dass er zur Kommunion geht. Es herrscht die Vorstellung, zu einem richtigen Messbesuch gehöre immer die Kommunion. Bank für Bank, sie gehen alle zur Kommunion. Ich frage mich, sind die Christen plötzlich ganz heilig geworden? Es ist höchst unwahrscheinlich, dass nur noch Leute leben, die nicht von schwerer Sünde belastet sind. Zur Kommunion gibt es Voraussetzungen. Das eine ist, man muss an die wirkliche Gegenwart Jesu unter den Gestalten von Brot und Wein glauben und das zweite, man darf sich keiner schweren Schuld bewusst sein, die man noch nicht bereut und gebeichtet hat. Unter diesen Voraussetzungen kann man zur Kommunion gehen. Ansonsten ist es ein größerer Akt der Ehrfurcht, der Verehrung für Christus und der Solidarität mit den Mitchristen, wenn man fernbleibt. Das drückt eine tiefere Verbindung aus. Ein Mensch, der in schwerer Sünde lebt, bleibt Sünder, das muss er mit Gott bereinigen. Es ist gut, wenn er jeden Sonntag zur Messe geht, obwohl er nicht zur Kommunion gehen kann. Schon im Religionsunterricht heute gibt es allerdings den Begriff der schweren Sünde kaum mehr.

Auf der anderen Seite wird die Beichte immer mehr vernachlässigt.

Ja, die Beichtstühle sind leer, und das ist auch sehr merkwürdig. Da haben die Leute plötzlich gar nicht dieses Verlangen. Wenn ein Mensch unbedingt zur Kommunion gehen will und es ihm derart ernst ist, soll er doch zunächst einmal beichten. Wenn er selbst das nicht tun will, wie kann er dann zur Kommunion gehen wollen?

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Siehe dazu auch:

«Die römische Kurie ist doch kein Mafiaclan»

Kardinal Gerhard Ludwig Müller war vor kurzem noch Glaubenspräfekt und die Nummer zwei im Vatikan. Nun kritisiert der Deutsche den Papst: Franziskus gebe sich zu barmherzig und beziehe theologisch zu wenig Position.

Michael Meier [Tages-Anzeiger – Dienstag, 29. Mai 2018]
Einsiedeln

Seit er nicht mehr als Glaubenspräfekt Papst Franziskus berät, ist Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein gefragter Interviewpartner und wird in alle Welt zu Vorträgen eingeladen. Von Sibirien kommend, hat er am Sonntag in Einsiedeln mit CVP-Präsident Gerhard Pfister und dem Basler Bischof Felix Gmür über die Not verfolgter Christen im Nahen Osten debattiert. Der große, wortgewandte Deutsche lässt sich nicht gern in die Rolle des konservativen Antipoden von Papst Franziskus drängen, weil der ihn im letzten Sommer überraschend als Glaubenshüter entlassen hat. Dennoch lässt der einstige Dogmatikprofessor im Gespräch mit dieser Zeitung durchblicken, dass er Franziskus theologisch für zu unbedarft hält.

So schraubt Müller die Erwartungen an den Papstbesuch am 21. Juni beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf herunter. «Solche Besuche haben oft nur mit dem Klima und mit Freundlichkeit zu tun», sagt er. Ziel der Ökumene sei nicht, gutmenschlich miteinander umzugehen, was ohnehin der Fall sei, vielmehr stünden die Unterschiede in wesentlichen Glaubensfragen, gerade bei den Sakramenten, zur Debatte. «Die Differenzen kann man nicht einfach weglächeln.» Franziskus neige dazu, die Theologie unterzubewerten.

Die Erleuchtung durch den Heiligen Geist ersetze keine vertiefte Reflexion. Was Müller am päpstlichen Umgang mit dem aktuellen ökumenischen Konflikt unter den deutschen Bischöfen verdeutlicht. Diese haben beschlossen, reformierte Ehepartner zur Kommunion zuzulassen. Ohne Stellung zu beziehen, hat der Papst die Frage der in Rom Rat suchenden Bischöfe an diese zurückgegeben. Der Kardinal findet das armselig:

«Es ist doch nicht Aufgabe des Papstes, zwischen zwei Parteien diplomatisch zu vermitteln und zu sagen: Macht das unter euch aus! Der Papst muss die Wahrheit des katholischen Glaubens bezeugen, die in lehramtlichen Dokumenten klar festgelegt ist.»

Mehrheitsbeschlüsse wie in der Politik sind Müller zufolge in Glaubensfragen ohnehin nicht möglich. Unaufgebbar katholisch bleibt für ihn, dass die Abendmahlgemeinschaft ohne Kirchengemeinschaft nicht möglich ist und dass, wer zur Kommunion geht, den ganzen Glauben der katholischen Kirche bejaht.

Keine Gnade für Ehebrecher

Auch und gerade in der Frage, ob Wiederverheiratete zur Kommunion dürfen, hatte Präfekt Müller dem Papst widersprochen. Im Lehrschreiben «Amoris Laetitia» hat Franziskus die Tür für die Wiederverheirateten einen Spalt breit geöffnet. «Ich vertrat die Meinung, die die Kirche bisher hatte und von der man nicht abweichen kann», so Müller, «dass nämlich nur jemand die Sakramente empfangen kann, der nicht in schwerer Sünde wie etwa Ehebruch ist.» Deshalb habe Jesus auch das Bußsakrament eingesetzt. Der Papst jedoch sage, das sei nicht so schlimm, und zeige sich barmherzig. «Von der Barmherzigkeit des Bischofs oder des Papstes habe ich doch gar nichts, allein die Barmherzigkeit Gottes kann mir den Weg zur Erneuerung öffnen.» Manchmal werde von der Barmherzigkeit so geredet, als ob die Christen sich schämen würden, dass der liebe Gott die Hürden mit seinen Geboten so hoch hänge. «Wir müssen im Stabhochsprung die Hürde überspringen, das ist anstrengend. Man kann nicht unten durchlaufen und sagen: Ich bin genauso weit gekommen.»

Müllers Nein zur Kommunion für Wiederverheiratete soll der Hauptgrund gewesen sein, weshalb der Papst sein Mandat als Glaubenspräfekt nicht verlängert hat. «Das kann sein, er hat mir aber nie einen Grund genannt, insofern bleibt alles Spekulation.» Sicher habe sich Franziskus geärgert, dass der Präfekt die willkürliche Entlassung von drei hervorragenden Mitarbeitern der Glaubenskongregation heftig kritisiert hatte. «Da musste ich einfach deren guten Ruf verteidigen.» Es war Benedikt XVI., der kurz vor seinem Rücktritt 2012 den früheren Dogmatikprofessor und damaligen Bischof von Regensburg an die Spitze der Kongregation für die Glaubenslehre berief. Franziskus machte ihn dann zum Kardinal. Als solcher hat Müller heute zwar kein Kurienamt mehr, ist aber nach wie vor in Rom in verschiedenen Kongregationen tätig. Der 70-Jährige kann auch den neuen Papst wählen oder gar selber Papst werden.

Als Kardinal hat er sich nie als Höfling verstanden. Seine Devise: Solidarität und nüchternes Verhältnis zum Papst ja, Papstidolatrie nein. «Ich glaube nicht, dass dem Papst mit Speichelleckern gedient ist, die immer nur jaja sagen.» Vielmehr müssten die Kardinäle ihn kraft ihrer fachlichen Qualifikation beraten. Das hat Müller auch auf den 600 Seiten seines 2017 erschienenen Buchs «Der Papst» dargelegt. «Das Papsttum würde völlig missverstanden, wenn man es für eine Autokratie hielte, es ist das Gegenteil davon. Als Senat des Papstes müssen wir Kardinäle ihn über die volle Wahrheit informieren.»

Für Müller sind jene, die sich öffentlich als beste Freunde des Papstes rühmen, noch lange nicht dessen beste Berater. «Die Kalamität, die wir jetzt in Chile haben, rührt daher,  dass er  sich von Freunden hat beraten lassen – in deren Sinn.» Die jetzt zurückgetretenen chilenischen Bischöfe hätten dem Papst ein falsches Bild von den Missbrauchsfällen und ihrer (fehlenden) Aufarbeitung vermittelt und ihn ein Stück weit ins Messer laufen lassen. Müller, der als Präfekt der Glaubenskongregation für die Missbrauchsfälle weltweit zuständig war, glaubt, dass man die jetzigen Turbulenzen hätte vermeiden können, hätte man auf seine Kongregation gehört. «Ich war selber in Chile und habe mit der Bischofskonferenz gesprochen.»

Die Frage, ob ihm der Reformkurs von Franziskus missfalle, beantwortet er indirekt. «Reform ist eine innere geistige Erneuerung des Glaubens, nicht billige Anpassung. Reform kann nicht heißen, von außen mit einem Klischeebild an die Kurie heranzutreten, als ob sie eine Art Mafiaclan wäre, wo man dann mit eisernem Besen kehren müsste.» In seinen Weihnachtsansprachen sprach der Papst von Verrätern, von Ruhmsucht oder geistlichem Alzheimer. Die abschätzigen Vokabeln hält Müller für völlig unangemessen. Reformieren könne man nur durch Aufmuntern und Aufbauen, indem man selber mit bestem Beispiel vorangehe.

Anerkennung für Franziskus

Der Deutsche findet aber auch sehr anerkennende Worte für Franziskus, für sein schlichtes Auftreten etwa («das Erscheinungsbild der Kirche muss nicht barock sein»). Besonders lobt er dessen Einsatz für die Armen. Franziskus mache die Schlagseite der wenigen reichen und der vielen armen Länder bewusst und halte die katholische Soziallehre, die ihr Zentrum in der Würde des Menschen habe, für die beste Antwort auf Industrialisierung und Globalisierung.

Der Kardinal selber ist ein Freund der Befreiungstheologie. Schon als Dogmatikprofessor in München hatte er die Sommerferien in Südamerika verbracht, Vorträge an dortigen Universitäten gehalten oder als Seelsorger in den Armenvierteln Limas gewirkt. So hat er sich mit Gustavo Gutierrez, dem Vater der Befreiungstheologie, angefreundet. Während Kardinal Ratzinger an der Befreiungstheologie vor allem die marxistische Vorstellung eines irdischen Paradieses missfallen hat, stand für Müller die materielle Not im Zentrum: «Das Elend, das ich sehe, widerspricht der Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Gott ist Mensch geworden, heißt auch, die notwendige materielle Basis für ein menschenwürdiges Leben zu schaffen.» Ihn lässt auch das Schicksal der Christen im Irak, in Syrien oder der Türkei nicht kalt. Darum hat er sich vom Hilfswerk Kirche in Not, das zweijährlich einen Bericht über die weltweite Religionsfreiheit erstellt, nach Einsiedeln einladen lassen. «Der Staat hat keinen totalitären Anspruch auf die Menschen. Der Ansatz des Islam, der einfach theokratisch vom Befehl Gottes ausgeht und ihn durchdekliniert bis zum Letzten, ist falsch.» Zur Religionsfreiheit gehöre aber auch, das Anderssein der anderen

Gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, also von Gott her gutzuheißen, ist für ihn ein Widerspruch in sich.

zu respektieren. «Ich denke nicht, dass die Offenbarung Gottes an Mohammed stattgefunden hat, trotzdem achte ich die Menschenwürde der Muslime und ihre Religionsfreiheit.»

Die Glaubensfreiheit hat Müller auch im Konflikt mit den schismatischen Piusbrüdern verteidigen müssen. Lange hieß es, Franziskus wolle mit seiner spontanen, barmherzigen Art die traditionalistische Priestervereinigung ganz in den Schoß der Kirche zurückholen – unbekümmert darum, ob sie die Konzilsdekrete etwa zur Glaubensfreiheit anerkennen. Sie schränken diese ein, indem sie an einem katholischen Staat festhalten. «Was das Zweite Vatikanische Konzil inhaltlich über die Religionsfreiheit gesagt hat, kann nicht umgestoßen werden. Religionsfreiheit darf nicht vom Staat behindert werden», sagt Müller und erinnert an die mit Füßen getretene Menschenwürde und Religionsfreiheit in kommunistischen und faschistische Diktaturen. Allerdings liegt ihm auch die Freiheit der Kirche am Herzen. So ist für ihn das staatskirchenrechtliche System in der Schweiz mit großen Befugnissen der Kantonalkirchen gegenüber dem Bischof mit der heutigen Trennung von Kirche und Staat unvereinbar.

Der Kardinal bleibt ein Konservativer. Der Vorschlag einiger deutscher Bischöfe, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, ist für ihn ein Widerspruch in sich. «Segnen heißt ja, dass etwas von Gott her gutgeheißen wird. Was aber dem Willen Gottes widerspricht, kann nicht von der Kirche im Namen Gottes gesegnet werden.» Er glaubt auch nicht, dass die von Franziskus für Herbst 2019 geplante Synode den Pflichtzölibat lockern wird – Priestermangel hin oder her. «Die Amazonas-Synode kann so etwas gar nicht festlegen. Die Synode ist ein Beratungsgremium und nicht die Repräsentanz des Bischofskollegiums.»

Auch wenn der Zölibat nicht wesensnotwendig zum Priestertum gehöre, sei er mit der priesterlichen Spiritualität verbunden und gewachsen. Überhaupt hänge der Priestermangel nicht mit dem Zölibat zusammen. «Wenn in der säkularisierten Gesellschaft alle christlichen Grundlagen wegfallen, wie soll auf so unfruchtbarem Boden das zarte Pflänzchen von Priesterberufungen wachsen?» Stoßend ist für Müller, dass sich heute, wer Priester werden will, dauernd rechtfertigen und verspotten lassen muss.

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Quelle

Päpstlicher Rat für die Familie: Ehe, Familie und „Faktische Lebensgemeinschaften“

Alfonso Kardinal López Trujillo

PÄPSTLICHER RAT FÜR DIE FAMILIE

EHE, FAMILIE UND
„FAKTISCHE LEBENSGEMEINSCHAFTEN“

Die steigende Zahl faktischer Lebensgemeinschaften und die daraus folgende Abneigung gegen die Ehe sind ein in der ganzen Gesellschaft weitverbreitetes Phänomen, das die christliche Gemeinschaft eindringlich im Gewissen anspricht. Die Kirche hat die „Zeichen der Zeit“ erkannt und kommt daher nicht umhin, sich mit dieser Frage zu befassen.

Im Bewußtsein der ernsten sozialen und pastoralen Folgen einer solchen Situation hat der Päpstliche Rat für die Familie im Jahr 1999 und in den ersten Monaten des Jahres 2000 eine Reihe von Studientagen veranstaltet. Das vorliegende Dokument ist das Ergebnis dieser Tagungen, an denen große Persönlichkeiten und renommierte Fachleute der ganzen Welt teilgenommen haben, um diese heikle Frage mit großer Tragweite für Kirche und Welt gebührend zu analysieren.

Das Dokument setzt sich mit der schwierigen Situation von heute auseinander, bei der es genau um den zentralen Kern menschlicher Beziehungen, um die heikle Frage der innigen Verbindung zwischen Familie und Leben, um die empfindlichsten Bereiche des menschlichen Herzens geht. Zur gleichen Zeit ist angesichts der unleugbaren öffentlichen Tragweite und der derzeitigen internationalen politischen Konstellation ein richtungsweisendes Wort notwendig und dringlich. Es richtet sich zuallererst an die entsprechenden Verantwortlichen, die durch die Verabschiedung von Gesetzen der Ehe als Institution entweder rechtlichen Bestand verleihen oder das Gemeinwohl, das diese natürliche Institution schützt, schmälern, wenn sie von einer Betrachtung der persönlichen Probleme ausgehen, die nicht der Wirklichkeit entspricht.

Die folgenden Überlegungen richten sich aber auch an die Bischöfe, die heute viele Christen dort abholen müssen, wo sie sind, und zur Aufwertung dieses natürlichen Werts führen müssen, der durch die Ehe als Institution geschützt und durch das christliche Sakrament besiegelt wird. Die in der Ehe begründete Familie entspricht dem Plan des Schöpfers „am Anfang“ (Mt 19,4). Im Reich Gottes kann nur der Same der in das Herz des Menschen eingeschriebenen Wahrheit ausgesät werden, weil nur sie „durch ihre Ausdauer Frucht bringen“ (Lk 8,15) kann; einer Wahrheit, die Erbarmen, Verständnis und Appell ist, in Jesus „das Licht der Welt“ (Joh 8,12) und die Kraft zu erkennen, die uns aus der Macht des Bösen befreit.

Schließlich möchte das vorliegende Dokument ein positiver Beitrag zum Dialog sein, damit die Wahrheit der Dinge und der sich aus der natürlichen Ordnung ergebenden Forderungen klar zutage treten. Es ist somit als Teilnahme am sozio-politischen Diskurs und als Übernahme von Verantwortung für das Gemeinwohl zu verstehen.

Gott gebe es, daß viele Menschen guten Willens diese nüchternen und verantwortungsbewußten Überlegungen teilen und sie dieser für Kirche und Welt notwendigen Lebensgemeinschaft, welche die Familie ist, zum Vorteil gereichen.

Vatikanstadt, 26. Juli 2000
Gedenktag der Heiligen Joachim und Anna, der Eltern der allerseligsten Jungfrau Maria

Alfonso Kardinal López Trujillo
Präsident 

Bischof Francisco Gil Hellin
Sekretär

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Kardinal Müller: „Suizidale Modernisierung“ der Kirche

Früherer Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich zu Amoris laetitia, Reformation und dem Vorschlag zur Segnung von Homopaaren.

Bratislava (kath.net) Kardinal Gerhard Müller bedauerte bei einem Vortrag die Trennung von Dogmatik und Morallehre. Er sprach von einer unterwürfigen „Umwandlung der Kirche in eine NGO“ mit dem Ziel der Verbesserung innerweltlicher Lebensbedingungen. Dabei handle es sich allerdings um eine „suizidale Modernisierung“. Dies betrüge die Menschen um die Wahrheit Gottes. Müller präsentierte demgegenüber das Christentum als einen theozentrischen Humanismus. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Müller äußerte sich anlässlich der Würdigung der Enzyklika Veritatis splendor (VS) von Johannes Paul II. zu ihrem 25. Jahrestag durch die Slowakische Bischofskonferenz und die Comenius-Universität in Bratislava.

Auf Fragen der Hörer zu Amoris laetitia antwortete der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, dass er über die unterschiedlichen Interpretationen durch einige Bischofskonferenzen keineswegs glücklich sei. In dogmatischen Fragen könne es keine Pluralität geben, auch gebe es nur ein Lehramt, Bischofskonferenzen könnten nur pastorale Fragen beantworten, so berichtete die „Tagespost“ weiter. Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ müsse man „orthodox“ verstehen, denn wer in Todsünde lebe, könne die Kommunion nicht empfangen. Der Papst sei dazu da, die Kirche zusammenzuführen. Er selbst habe dem Papst gesagt, wenn Bischofskonferenzen unterschiedliche Interpretationen gäben, käme die Kirche in eine Situation wie vor der Reformation. Übrigens könne man die Spaltung der Kirche in der Reformation nicht feiern.

Außerdem lehnte Kardinal Müller die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare scharf ab, eine solche Segnung durch einen Priester wäre, so Müller nach Angabe der „Tagespost“ wörtlich, „ein Gräuel an heiliger Stätte“.

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Full text of Kazakhstan Catholic Bishops statement on Amoris Laetitia

Abp Tomash Peta, Abp Jan Pawel Lenga, and Bishop Athanasius Schneider

Profession of the immutable truths
about sacramental marriage

After the publication of the Apostolic Exhortation “Amoris laetitia” (2016) various bishops issued at local, regional, and national levels applicable norms regarding the sacramental discipline of those faithful, called “divorced and remarried,” who having still a living spouse to whom they are united with a valid sacramental matrimonial bond, have nevertheless begun a stable cohabitation more uxorio with a person who is not their legitimate spouse.

The aforementioned rules provide inter alia that in individual cases the persons, called “divorced and remarried,” may receive the sacrament of Penance and Holy Communion, while continuing to live habitually and intentionally more uxorio with a person who is not their legitimate spouse. These pastoral norms have received approval from various hierarchical authorities. Some of these norms have received approval even from the supreme authority of the Church.

The spread of these ecclesiastically approved pastoral norms has caused a considerable and ever increasing confusion among the faithful and the clergy, a confusion that touches the central manifestations of the life of the Church, such as sacramental marriage with the family, the domestic church, and the sacrament of the Most Holy Eucharist.

According to the doctrine of the Church, only the sacramental matrimonial bond constitutes a domestic church (see Second Vatican Council, Lumen Gentium, 11). The admission of so-called “divorced and remarried” faithful to Holy Communion, which is the highest expression of the unity of Christ the Spouse with His Church, means in practice a way of approving or legitimizing divorce, and in this meaning a kind of introduction of divorce in the life of the Church.

The mentioned pastoral norms are revealed in practice and in time as a means of spreading the “plague of divorce” (an expression used by the Second Vatican Council, see Gaudium et spes, 47). It is a matter of spreading the “plague of divorce” even in the life of the Church, when the Church, instead, because of her unconditional fidelity to the doctrine of Christ, should be a bulwark and an unmistakable sign of contradiction against the plague of divorce which is every day more rampant in civil society.

Unequivocally and without admitting any exception Our Lord and Redeemer Jesus Christ solemnly reaffirmed God’s will regarding the absolute prohibition of divorce. An approval or legitimation of the violation of the sacredness of the marriage bond, even indirectly through the mentioned new sacramental discipline, seriously contradicts God’s express will and His commandment. This practice therefore represents a substantial alteration of the two thousand-year-old sacramental discipline of the Church. Furthermore, a substantially altered discipline will eventually lead to an alteration in the corresponding doctrine.

The constant Magisterium of the Church, beginning with the teachings of the Apostles and of all the Supreme Pontiffs, has preserved and faithfully transmitted both in the doctrine (in theory) and in the sacramental discipline (in practice) in an unequivocal way, without any shadow of doubt and always in the same sense and in the same meaning (eodem sensu eademque sententia), the crystalline teaching of Christ concerning the indissolubility of marriage.

Because of its Divinely established nature, the discipline of the sacraments must never contradict the revealed word of God and the faith of the Church in the absolute indissolubility of a ratified and consummated marriage. “The sacraments not only presuppose faith, but by words and objects they also nourish, strengthen, and express it; that is why they are called “sacraments of faith.” (Second Vatican Council, Sacrosanctum Concilium, 59). “Even the supreme authority in the Church may not change the liturgy arbitrarily, but only in the obedience of faith and with religious respect for the mystery of the liturgy” (Catechism of the Catholic Church, 1125).

The Catholic faith by its nature excludes a formal contradiction between the faith professed on the one hand and the life and practice of the sacraments on the other. In this sense we can also understand the following affirmation of the Magisterium: “This split between the faith which many profess and their daily lives deserves to be counted among the more serious errors of our age.” (Second Vatican Council, Gaudium et Spes, 43) and “Accordingly, the concrete pedagogy of the Church must always remain linked with her doctrine and never be separated from it” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

In view of the vital importance that the doctrine and discipline of marriage and the Eucharist constitute, the Church is obliged to speak with the same voice. The pastoral norms regarding the indissolubility of marriage must not, therefore, be contradicted between one diocese and another, between one country and another. Since the time of the Apostles, the Church has observed this principle as St. Irenaeus of Lyons testifies: “The Church, though spread throughout the world to the ends of the earth, having received the faith from the Apostles and their disciples, preserves this preaching and this faith with care and, as if she inhabits a single house, believes in the same identical way, as if she had only one soul and only one heart, and preaches the truth of the faith, teaches it and transmits it in a unanimous voice, as if she had only one mouth” (Adversus haereses, I, 10, 2). Saint Thomas Aquinas transmits to us the same perennial principle of the life of the Church: “There is one and the same faith of the ancients and the moderns, otherwise there would not be one and the same Church” (Questiones Disputatae de Veritate, q. 14, a. 12c).

The following warning from Pope John Paul II remains current and valid: “The confusion, created in the conscience of many faithful by the differences of opinions and teachings in theology, in preaching, in catechesis, in spiritual direction, about serious and delicate questions of Christian morals, ends up by diminishing the true sense of sin almost to the point of eliminating it” (Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitenia, 18).

The meaning of the following statements of the Magisterium of the Church is fully applicable to the doctrine and sacramental discipline concerning the indissolubility of a ratified and consummated marriage:

• “For the Church of Christ, watchful guardian that she is, and defender of the dogmas deposited with her, never changes anything, never diminishes anything, never adds anything to them; but with all diligence she treats the ancient doctrines faithfully and wisely, which the faith of the Fathers has transmitted. She strives to investigate and explain them in such a way that the ancient dogmas of heavenly doctrine will be made evident and clear, but will retain their full, integral, and proper nature, and will grow only within their own genus — that is, within the same dogma, in the same sense and the same meaning” (Pius IX, Dogmatic Bull Ineffabilis Deus)

• “With regard to the very substance of truth, the Church has before God and men the sacred duty to announce it, to teach it without any attenuation, as Christ revealed it, and there is no condition of time that can reduce the rigor of this obligation. It binds in conscience every priest who is entrusted with the care of teaching, admonishing, and guiding the faithful” (Pius XII, Discourse to parish priests and Lenten preachers, March 23, 1949).

• “The Church does not historicize, does not relativize to the metamorphoses of profane culture the nature of the Church that is always equal and faithful to itself, as Christ wanted it and authentic tradition perfected it” (Paul VI, Homily from October 28, 1965).

• “Now it is an outstanding manifestation of charity toward souls to omit nothing from the saving doctrine of Christ” (Paul VI, Encyclical Humanae Vitae, 29).

• “Any conjugal difficulties are resolved without ever falsifying and compromising the truth” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The Church is in no way the author or the arbiter of this norm [of the Divine moral law]. In obedience to the truth which is Christ, whose image is reflected in the nature and dignity of the human person, the Church interprets the moral norm and proposes it to all people of good will, without concealing its demands of radicalness and perfection” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The other principle is that of truth and consistency, whereby the church does not agree to call good evil and evil good. Basing herself on these two complementary principles, the church can only invite her children who find themselves in these painful situations to approach the divine mercy by other ways, not however through the sacraments of penance and the eucharist until such time as they have attained the required dispositions” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio etPaenitentia, 34).

• “The Church’s firmness in defending the universal and unchanging moral norms is not demeaning at all. Its only purpose is to serve man’s true freedom. Because there can be no freedom apart from or in opposition to the truth” (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “When it is a matter of the moral norms prohibiting intrinsic evil, there are no privileges or exceptions for anyone. It makes no difference whether one is the master of the world or the ‘poorest of the poor’ on the face of the earth. Before the demands of morality, we are all absolutely equal” (emphasis in original) (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “The obligation of reiterating this impossibility of admission to the Eucharist is required for genuine pastoral care and for an authentic concern for the well-being of these faithful and of the whole Church, as it indicates the conditions necessary for the fullness of that conversion to which all are always invited by the Lord” (Pontifical Council for Legislative Texts, Declaration on the admissibility to the Holy Communion of the divorced and remarried, 24 June 2000, n. 5).

As Catholic bishops, who — according to the teaching of the Second Vatican Council — must defend the unity of faith and the common discipline of the Church, and take care that the light of the full truth should arise for all men (see Lumen Gentium, 23 ) we are forced in conscience to profess in the face of the current rampant confusion the unchanging truth and the equally immutable sacramental discipline regarding the indissolubility of marriage according to the bi-millennial and unaltered teaching of the Magisterium of the Church. In this spirit we reiterate:

• Sexual relationships between people who are not in the bond to one another of a valid marriage — which occurs in the case of the so-called “divorced and remarried” — are always contrary to God’s will and constitute a grave offense against God.

• No circumstance or finality, not even a possible imputability or diminished guilt, can make such sexual relations a positive moral reality and pleasing to God. The same applies to the other negative precepts of the Ten Commandments of God. Since “there exist acts which, per se and in themselves, independently of circumstances, are always seriously wrong by reason of their object” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitentia, 17).

• The Church does not possess the infallible charism of judging the internal state of grace of a member of the faithful (see Council of Trent, session 24, chapter 1). The non-admission to Holy Communion of the so-called “divorced and remarried” does not therefore mean a judgment on their state of grace before God, but a judgment on the visible, public, and objective character of their situation. Because of the visible nature of the sacraments and of the Church herself, the reception of the sacraments necessarily depends on the corresponding visible and objective situation of the faithful.

• It is not morally licit to engage in sexual relations with a person who is not one’s legitimate spouse supposedly to avoid another sin. Since the Word of God teaches us, it is not lawful “to do evil so that good may come” (Romans 3, 8).

• The admission of such persons to Holy Communion may be permitted only when they with the help of God’s grace and a patient and individual pastoral accompaniment make a sincere intention to cease from now on the habit of such sexual relations and to avoid scandal. It is in this way that true discernment and authentic pastoral accompaniment were always expressed in the Church.

• People who have habitual non-marital sexual relations violate their indissoluble sacramental nuptial bond with their life style in relation to their legitimate spouse. For this reason they are not able to participate “in Spirit and in Truth” (see John 4, 23) at the Eucharistic wedding supper of Christ, also taking into account the words of the rite of Holy Communion: “Blessed are the guests at the wedding supper of the Lamb!” (Revelation 19, 9).

• The fulfillment of God’s will, revealed in His Ten Commandments and in His explicit and absolute prohibition of divorce, constitutes the true spiritual good of the people here on earth and will lead them to the true joy of love in the salvation of eternal life.

Being bishops in the pastoral office, who promote the Catholic and Apostolic faith (“cultores catholicae et apostolicae fidei,” see Missale Romanum, Canon Romanus), we are aware of this grave responsibility and our duty before the faithful who await from us a public and unequivocal profession of the truth and the immutable discipline of the Church regarding the indissolubility of marriage. For this reason we are not allowed to be silent.

We affirm therefore in the spirit of St. John the Baptist, of St. John Fisher, of St. Thomas More, of Blessed Laura Vicuña and of numerous known and unknown confessors and martyrs of the indissolubility of marriage:

It is not licit (non licet) to justify, approve, or legitimize either directly or indirectly divorce and a non-conjugal stable sexual relationship through the sacramental discipline of the admission of so-called “divorced and remarried” to Holy Communion, in this case a discipline alien to the entire Tradition of the Catholic and Apostolic faith.

By making this public profession before our conscience and before God who will judge us, we are sincerely convinced that we have provided a service of charity in truth to the Church of our day and to the Supreme Pontiff, Successor of Saint Peter and Vicar of Christ on earth.

31 December 2017, the Feast of the Holy Family, in the year of the centenary of the apparitions of Our Lady at Fatima.

 

+ Tomash Peta, Archbishop Metropolitan of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

+ Jan Pawel Lenga, Archbishop-Bishop of Karaganda

+ Athanasius Schneider, Auxiliary Bishop of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

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Amoris laetitia: Kasachische Bischofsgruppe widerspricht Papst

Papst Franziskus und eine Familie

Drei Bischöfe in Kasachstan haben der von Papst Franziskus gewünschten Einzelfall-Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion offen widersprochen.

Die Regelung verursache eine „erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus“ und verbreite die „’Geißel des Ehebruchs‘ sogar im Leben der Kirche“, heißt es in der Erklärung des russlanddeutschen Weihbischofs Athanasius Schneider in Astana und zweier Erzbischöfe.

Das fünfseitige Schreiben, das als Datum das katholische „Fest der Heiligen Familie“ am 31. Dezember trägt, wendet sich gegen die vom Papst bestätigten Normen der Argentinischen Bischofskonferenz, nach denen zivilrechtlich Wiederverheiratete nach eingehender seelsorglicher Prüfung die Sakramente empfangen dürfen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich Bestand hat und sie daher aus katholischer Sicht in schwerer Sünde leben. Franziskus hatte die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe zu seinem Schreiben „Amoris laetitia“ in das vatikanische Amtsblatt aufgenommen und damit zum Teil der päpstlichen Lehre erklärt.

Weihbischof Schneider begründete seine Initiative mit der von Franziskus geforderten Debattenkultur. „Es kann nicht sein, dass kein Priester und Bischof es wagt, eine vernünftige und begründete Meinung zu äußern“, sagte Schneider auf telefonische Anfrage am Dienstag in Astana. Der Papst müsse „froh sein“ über ein gemeinsames Ringen. In der Kirche sollte eine „Kultur der Freiheit“ herrschen. Schneider, der in offener Nähe zu traditionalistischen Kreisen steht, verwies dafür auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965).

Das Papier mit dem Titel „Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe“ wurde außer von Schneider auch von Astanas Erzbischof Tomash Peta und vom ehemaligen Oberhirten der Erzdiözese Karaganda, Jan Pawel Lenga, unterzeichnet. Laut Scheider wurde es über die Nuntiatur auch dem Vatikan zugeleitet.

In Kasachstan bestehen vier katholische Kirchenbezirke mit insgesamt sieben aktiven oder emeritierten Bischöfen. Die drei Diözesen und eine Apostolische Administration zählen nach Vatikanangaben 106.100 Katholiken unter knapp 17,1 Millionen Einwohnern.

(kap – cs)

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Der Herr ist auch heute im Boot – auch wenn er zu schlafen scheint

Kardinal Walter Brandmüller zelebriert in Rom eine Messe nach dem alten Ritus am 15. Mai 2011.

Kardinal Brandmüller: Luther, Dubia, Wirrnisse und Verwirrungen. Der Mensch auf dem Thron Gottes? Eine groteske, absurde, apokalyptische Vorstellung. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Zum Ende eines „beschleunigten“ Jahres ein „entschleunigendes“ Gespräch mit dem Kirchenhistoriker und Theologen Walter Kardinal Brandmüller. Ich danke Seiner Eminenz für die Zeit, die er uns geschenkt hat, verbunden mit den besten Wünschen für ein sich aufregend ankündigendes Jahr 2018.

Das Jahr 2017 stand auch unter dem Zeichen des 500. Jahrestags der protestantischen Reformation. Luther und Aspekte des Protestantismus beherrschten eine Vielzahl von systematischen und historischen Auseinandersetzungen. Besonders mit Blick auf die katholische Kirche meinte man feststellen zu können/müssen, vor einer radikalen „Neubewertung“ Luthers zu stehen. Papst Franziskus erklärte noch am 7. Dezember 2017, dass der vom Heiligen Geist erweckte ökumenische Weg dazu geführt habe, „die alten Vorurteile wie jene zu Martin Luther und zur Lage der Katholischen Kirche in jener Zeit aufzugeben“.

In der Oktoberausgabe der Jesuiten-Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ (Faszikel 4016, S. 119-130, 2017, Band IV ) war zu lesen, dass die Wittenbergschen Thesen weder eine Herausforderung noch eine Rebellion gegen die Autorität gewesen seien, sondern „der Vorschlag zur Erneuerung der Verkündigung des Evangeliums, im aufrechten Verlangen nach einer ‚Reform’ in der Kirche“. Für die Jesuiten (und die vom Papst persönlich kontrollierte Zeitschrift) besteht das Problem im Anspruch sowohl der Kirche als auch Luthers, die ganze Wahrheit zu inkarnieren. Es dürfe dennoch die Rolle Luthers als „Glaubenszeuge“ nicht geleugnet werden.

Um welche „Vorurteile“ könnte es sich handeln? Ist somit de facto die Exkommunikation Luthers „post mortem“ aufgehoben? Soll Luther nun zum „Kirchenlehrer authentischer Reform“ erhoben werden? War die Reformation ein Augenblick des „Wirkens des Heiligen Geistes“, wie ein Vertreter der italienischen Bischofskonferenz meinte? Haben die Päpste und die Kirche zusammen mit dem Konzil von Trient gefehlt, indem sie das Luthertum zu einer die Wahrheit des Glaubens gefährdenden Häresie, das heißt Irrlehre erklärt haben?

Kardinal Brandmüller: Es hat keineswegs erst des “Lutherjahres 2017” bedurft, um jene auf beiden Seiten übliche konfessionalistisch-polemische Geschichtsschreibung zu überwinden, die etwa bis zum 1. Weltkrieg üblich war. Spätestens seit dem Ende der Nazi-Diktatur, unter welcher Katholiken und Protestanten der „Bekennenden Kirche“ gleichermaßen gelitten hatten, hat man auf beiden Seiten zu einer Luther- bzw. Reformationsgeschichtsschreibung gefunden, die sich zu einer sachlich-nüchternen, auf den historischen Quellen und ihrer kritischen Interpretation beruhenden Darstellung verpflichtet wusste. Von der Notwendigkeit einer Neubewertung Luthers katholischerseits zu reden, zeugt also von schlichter Unkenntnis des tatsächlichen Standes der Wissenschaft bzw. der einschlägigen Literatur.

Was nun die berühmten 95 Thesen anlangt, ist zu sagen, dass sie in der Tat im Großen und Ganzen gut katholisch verstanden werden konnten. Sie waren Ausdruck des Protestes eines engagierten Priesters gegen Missverständnisse und Missbrauch des Ablasses.

Es dauerte indes keine drei Jahre, bis Luther in den bekannten drei sogenannten „Kampfschriften“ des Jahres 1520 seinen radikalen Bruch mit elementaren Inhalten des katholischen Glaubens offenbarte – und dies mit bis dahin ungewohnter Heftigkeit und Schärfe. Wie es in ihm zu diesem Bruch kommen konnte, ist eine Frage, die die Forschung bis heute nicht zufriedenstellend klären konnte. Luther indes als Glaubenszeugen – oder wie auch schon geschehen – als „Vater im Glauben“ zu sehen, ist aus den genannten Gründen schlechthin abwegig.

Von „Vorurteilen“ gegenüber Luther ist die Rede? Sie sprechen auch von der Exkommunikation Luthers? Vorurteile? Nun, über einen Mann, der seit 500 Jahren tot ist, kann es wohl nur „Nachurteile“ geben. Da ist zunächst zu sagen, dass Luthers Exkommunikation ein historisches Faktum ist. Wie wollen Sie ein solches aus der Welt schaffen? Und was den Exkommunizierten selbst betrifft – da gilt der Grundsatz aus dem römischen Recht: mors solvit omnia – der Tod löst alles. Darum ist es geradezu naiv, eine Aufhebung der Exkommunikation Luthers zu fordern. Dass eine solche Forderung des Öfteren weithin medialen Applaus findet, zeugt nur von einem eher naiven, gestörten Verhältnis zu Vergangenheit und Geschichte.

Sie fragen, ob Luther zum „Kirchenlehrer authentischer Reform“ erhoben werden sollte? Nun, da wäre zunächst zu klären, was man denn unter „Reform“ versteht. Eines ist dabei klar: der, die oder das Reformierte muss mit dem zu Reformierenden identisch sein. Wenn nicht, dann war da nicht Reform, sondern Veränderung. Die Kirche Jesu Christi kann und soll zwar immer „anders“, nämlich immer vollkommener werden. Luther aber wollte – so der protestantische Kirchenhistoriker Franz Lau – „radikalen Umsturz“. Er hat – so in seiner Schrift „An den Adel deutscher Nation“ – verkündet, drei Mauern niederzureißen.

Die erste Mauer erblickt er in dem auf heiliger Weihe gründendem Priestertum, die zweite im auf Sendung durch Jesus Christus beruhenden Lehramt der Kirche, die dritte in der Existenz des Papsttums. Dass diese „Mauern“ auf festem biblischen Fundament ruhten, interessiert den zornigen Augustiner nicht. Nun, da er diese drei Mauern niedergerissen hat, sieht Luther den ganzen Bau der Papstkirche zusammengestürzt.

Zu behaupten, dass dieser Totalabbruch ein „Werk des Heiligen Geistes“ gewesen sei, ist eine geradezu abenteuerliche Behauptung, die die nur durch schlichte, für einen Bischof mehr als erstaunlicher Ignoranz von Texten und Tatsachen der Geschichte erklärbar ist. Und dann das Konzil von Trient: Es war und bleibt ein Ökumenisches Konzil, und dieses ist mit und unter dem Papst höchstes Organ des kirchlichen Lehramtes, dessen definitiv verkündeter Lehre Unfehlbarkeit eignet… Seine Lehrdekrete gelten für immer.

Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Diskussion um das Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“, dies nicht zuletzt wegen der fünf von Ihnen zusammen mit den Eminenzen Carlo Caffarra, Raymond Leo Burke und Joachim Meisner vorgebrachten „Dubia“, das heißt Fragen zu klärungsbedürftigen Punkten, bei denen es um das Fundament der universalen und nicht abänderbaren Lehre der Kirche geht. Könnten Sie erklären, worin die Substanz dieser „Dubia“ besteht? 

Kardinal Brandmüller: Die gemäß üblichem Verfahren dem Heiligen Vater und der Glaubenskongregation vorgelegten Fragen (Dubia – Zweifel) haben folgenden Inhalt:
1. Kann eine durch bestehendes Eheband gebundene Person, die mit einem neuen Partner ehelich zusammenlebt (AL Nr. 305, Anm. 351) in gewissen Fällen „Absolution und Kommunion“ empfangen?
2. Gibt es absolute sittliche Gebote bzw. Verbote, die ohne Ausnahme und unter allen Umständen verpflichten? (z. B. Tötung eines Unschuldigen)?
3. Gilt nach wie vor, dass jemand, der dauernd im Ehebruch lebt, sich objektiv im Zustand schwerer Sünde befindet?
4. Gibt es Lebenssituationen, die die moralische Verantwortlichkeit derart vermindern, dass dadurch unsittliches Handeln (hier: Ehebruch) sittlich entschuldigt, gar gerechtfertigt werden kann?
5. Kann eine persönliche Gewissensentscheidung Ausnahmen vom absoluten Verbot in sich unsittlicher Handlungen erlauben?

Wie Sie sehen, betreffen diese Fragen die Grundlagen des Glaubens und der Sittenlehre.
Folgen wir dieser, müssten die Fragen 1, 4, und 5 eindeutig mit Nein, die Fragen 2 und drei mit Ja beantwortet werden.

Die Auseinandersetzung um „Amoris laetitia“ sowie auch die Diskussion um Projekte wie „Ehe für alle“ haben oft deutlich gemacht, dass eine „anthropologische Wende“ eingefordert wird. Kurz: es geht um eine radikale Neuinterpretation dessen, was der Mensch ist und wie er sein kann und soll.

Können Sie mit der Frage etwas anfangen, ob dies nicht vielleicht etwas mit einem defizitären Verständnis von Naturrecht zu tun hat, das sowohl im Bereich der Theologie als auch in den Sphären der Hierarchie festzustellen ist?

Kardinal Brandmüller: Wenn man meint, dass auch gleichgeschlechtliche Personen eine „Ehe“ schließen, dass man mit Hilfe der Chirurgie Geschlechtsumwandlungen und andere Eingriffe in die Natur des Menschen vornehmen dürfe, dann bedeutet dies einen geradezu perversen Aufstand gegen die Schöpfungsordnung, zu der von Gott gewollten und geschaffenen Natur des Menschen. Im Widerspruch zu dieser zu handeln bedeutet Selbstzerstörung des Menschen. Von „Neuinterpretation“ zu reden, wäre verlogene Verharmlosung.

Es ist in der Tat höchst besorgniserregend, dass die ideologische Verwirrung so weit geht, dass man meint, den Subjektivismus auf die Spitze treiben zu können. Das wäre dann das „Nein“ zum eigenen Geschöpf-sein und zum Schöpfer. Der Mensch auf dem Thron Gottes! Eine groteske, absurde, apokalyptische Vorstellung.

Von vielen Seiten wird die in der Kirche herrschende Verwirrung festgestellt oder beklagt. Viele Gläubige, die sich „bisher“ mit geschlossenen Augen „auf Rom verlassen“ konnten, fühlen sich nun in eine Heimatlosigkeit gestoßen und allein gelassen in einer kulturell aufgewühlten Zeit. Dabei geht es nicht so sehr um den Verlust von Sicherheiten als vielmehr um das wahrgenommene Fehlen einer „Stärkung“ auf einem steinigen Weg.

Oft hat man den Eindruck, dass es darum geht, die Fernstehenden darin zu bestärken, dass es gut ist, wo sie stehen, während den Nahestehenden Tadel vorbehalten wird. Was meinen Sie zu dieser historisch doch einzigartigen Lage?

Kardinal Brandmüller: Sie sprechen mit Recht von um sich greifender Verwirrung. In dieser vom heiligen Paulus vorhergesehenen Situation – siehe die Briefe an Titus und Timotheus – gilt es, sich an der vom Heiligen Geist geleiteten Überlieferung der Kirche zu orientieren, die ihren aktuellen Niederschlag im Katechismus der Katholischen Kirche gefunden hat. Was immer diesem widerspricht – gleich, von wem der Widerspruch kommt –, ist nicht katholische Wahrheit.

Wer mit dem Katechismus glaubt und danach lebt, ist auf dem rechten Weg. Der, freilich, führt derzeit durch Dunkel, Nebel und unwegsames Gelände.

Nun also Ihre Frage nach den „Fernstehenden“, Menschen also, die den Glauben der Kirche, den Gottes-Glauben nicht kennen oder überhaupt ablehnen: Natürlich kann ein Katholik, ein Priester oder Bischof zumal, sich mit dem Anwachsen der Zahl dieser Menschen nicht zufriedengeben. Ihm muss daran gelegen sein, auch solchen Zeitgenossen – und die sind längst in der Überzahl – den Weg zum Glauben zu zeigen, ohne den es kein ewiges Heil gibt. Jesus selbst predigte nicht „bleibt stehen, wo ihr seid“, sondern: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“. Dass man sich in innerkatholischen Querelen aufreibt anstatt sich um das ewige Heil der vielen zu sorgen, zeugt von einem erschreckenden Mangel der geistlichen Vitalität der Katholiken unserer Tage.

Sie sprechen alsdann von einer „historisch doch einzigartigen Lage“? Darin möchte ich Ihnen nicht ohne Weiteres zustimmen. Zur Zeit der arianischen Krise – die Arianer glaubten nicht, dass Jesus gleichen Wesens mit Gott Vater sei – war der überwiegende Teil der Bischöfe in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches dem Irrtum verfallen. Erst durch die Konzilien von Nicaea und Chalkedon konnte diese tödliche Bedrohung des Glaubens überwunden werden: Der Herr war und ist auch heute im Boot – auch wenn er zu schlafen scheint.

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