Patrick Henry Omlor: DIE HÄRESIE DES ÖKUMENISMUS

(Aus dem Englischen übersetzt von Günther Mevec, Gröbenzell)

I.
Zum Erkennen eines zentralen Irrtums

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt [1970] haben wir es nicht nur mit einem isolierten Mißbrauch, noch mit einer isolierten Häresie oder einem Irrtum, noch bloß mit einer Reihe von Mißbräuchen und Irrtü­mern zu tun; es dürfte wohl auch nie­mand leugnen, daß sowohl die Irrtümer, wie auch die Mißbräuche jetzt zahlreicher sind als jemals zuvor. Daher ist unser Kampf in der Tat viel schwieriger und komplexer, als es der einfache Feldzug gegen Mißbrauch und Irrtum wäre; denn es ist ein Krieg gegen eine umfassende Geisteshaltung.

Es ist nichts weniger als wahr, daß die zahlreichen Mißbräuche, Irrtümer und Neuerungen — kurz der gegenwärtige Auf­ruhr, dessen Zeugen wir sind —, wenig­stens zum Teil das Resultat des Gesamt­planes sind, der die Untergrabung und Zerstörung der Kirche vorsieht. Dieser Plan, so sagte Pius XI. in seiner Beschrei­bung des teuflischen kommunistischen Programms gegen „alles was Gott heißt“, ist „bis in die letzten Einzelheiten ausge­arbeitet“. Das modernistische Programm des totalen Krieges gegen die Mutter Kirche, das von verräterischen Undankba­ren am Busen der Kirche entworfen und genährt wurde, ist vom heiligen Papst Pius X. schon in seinen Anfängen erkannt worden. Er war es, der ständig vor diesem satanischen Plan warnte, der endlich zur vollen Blüte gelangt ist. Sein kommendes Reifen ist — wenn auch nicht ausschließ­lich —, so doch hauptsächlich auf die geduldige Arbeit bewußter Feinde inner­halb und ausserhalb der Kirche zurückzu­führen.

Es ist gewiß wahr, daß die überwiegen­de Mehrzahl der Katholiken, Geistliche wie Laien nicht bewußt und vorsätzlich ­Gott bewahre! — bei diesem Anschlag auf die Kirche mitwirken. Dennoch kommen viele dem Feind durch ihre stillschweigen­de Mitarbeit oder ihre Trägheit zu Hilfe. Eine Hilfestellung für die Sache des Fein­des liegt insbesondere in der gewissen Geisteshaltung, die von vielen eingenom­men wurde. Es nimmt daher nicht wun­der, daß die, welche versuchen, den Miß­bräuchen und Irrtümern zu begegnen, kaum vorwärts kommen, denn diese weit­verbreitete Geisteshaltung, die ein unüber­windliches Hindernis darstellt, kann die Mißbräuche und Irrtümer als solche gar nicht mehr erkennen!

Fragen wir nun, was diese Geisteshal­tung ist? Sie läßt sich zwar nicht scharf definieren, aber einige ihrer Charakteristi­ka kann man untersuchen. Hierzu wollen wir in diesem Artikel unsere Aufmerk­samkeit auf eines der Merkmale richten, denn es ist möglicherweise der Schlüssel zum Verständnis der gesamten Geisteshal­tung. In ihr ist, wenn auch nur unbewußt, tief eingewurzelt der Glaube oder die „Hoffnung“, daß alle Menschen gerettet werden. UNIVERSALISMUS ist die Be­zeichnung, welche man dieser Häresie gegeben hat.

Es ist dies ein alter Fehler. In der Geschichte der Theologie heißt er Apoka­tastasis, d.i. die Doktrin, welche lehrt, daß eine Zeit kommen wird, da alle freien Geschöpfe der Erlösung teilhaftig werden und zwar bei der endgültigen Wiederher­stellung. Origenes (b. 185 A.D.) verfiel diesem und anderen Irrtümern, wofür ihn das 2. Konzil von Konstantinopel verur­teilte.

„Die Apokatastasis war — so sagt die kath. Enzyklopädie —, dazu bestimmt, in den Werken der kirchlichen Schriftsteller wieder aufzuleben… In der Zeit der Re­formation erschien sie in den Schriften Denks (1527) wieder und Harnach hat nicht gezögert zu behaupten, daß beinahe alle Reformer im Herzen Apokatastasi­sten waren, woraus ihre Abneigung gegen­über der traditionellen kirchlichen Sakra­mentenlehre zu erklären sei… Die Lehre der Apokatastasis, betrachtet als der Glaube an eine universelle Erlösung, fin­det sich bei den Anabaptisten, den Mora­vianischen Brüdern, den Christadelphen, unter den rationalistischen Protestanten und zuletzt bei den ausgesprochenen Uni­versalisten.“ (Kath. Enzyklopädie V.I, p. 600, 1907) Die Sekte der Universalisten wurde 1750 in London gegründet. Ihre Lehrmeinung war die endgültige Rettung aller Seelen.

Die heutigen Neuerer sind, davon bin ich überzeugt, im Herzen gleichfalls Apo­katastasisten. Auf diesen zentralen Irrtum stützt sich ein Großteil des Denkens, das für den gegenwärtigen Aufruhr verant­wortlich ist. Die ganze Kette von Neue­rungen, die nach einem Schema erfolgt, scheint dazu ausersehen zu sein, die Gei­steshaltung des: „Alle Menschen werden gerettet“ unter den Katholiken zu ver­breiten.

Sie werden vielleicht fragen, wo dieser Irrtum schon erfolgreich Fuß gefasst hat und wer den Gedanken, daß alle Men­schen gerettet werden, vorträgt? Ob­schon es vielleicht gegenwärtig nur wenige Katholiken gibt, die den Gedanken öf­fentlich vertreten, so keimen doch im Geiste vieler die Gedanken dieser Lehre, und dieser gefährliche Gedanke erklärt viele ihrer Handlungen. Ein Grund, wes­halb diese Geisteshaltung undurchdring­bar ist, liegt darin: nachdem einmal ge­glaubt wird, daß alle Menschen gerettet werden, lohnt sich eine Diskussion theo­logischer Fragen darüber nicht mehr. Dies ist nebenbei auch ein Grund, weshalb die katholische soziale Aktion gegenwärtig kein höheres Ziel mehr verfolgt als die (angebliche) Verbesserung der materiellen Lage des Menschen.

Wenn wir den Trend zum Universalis­mus analysieren, so werden wir — die Annahme, daß alle Menschen gerettet werden vorausgesetzt —, sehen, daß sich in der Masse endloser Neuerungen ein Schema abzeichnet.

II.
Übersicht über das in Interdum Nr. 1 Dargelegte

Um den Anknüpfungspunkt wieder aufzunehmen, müssen wir einige der allge­meinen Prinzipien der Häresie, die in INTERDUM Nr. 1 dargelegt wurden, wie­derholen. Eine Häresie umschließt immer zwei Wahrheiten, die, obschon sie vonein­ander unterschieden sind, dennoch einen gemeinsamen Berührungspunkt haben. Der Häretiker beginnt immer damit, daß er die eine der beiden Wahrheiten so kraftvoll und emphatisch bejaht, daß die bejahten Aspekte dieser Wahrheit nach und nach übertrieben werden, während zugleich die andere Wahrheit unterbetont, und zuletzt zugunsten der bejahten sogar verneint wird. Häresien entstehen also durch die Störung des harmonischen Gleichgewichts, das zwischen den beiden aufeinander bezogenen Wahrheiten be­steht, und indem, wie bemerkt, die eine Wahrheit zuerst bejaht, dann auf Kosten der anderen übertrieben wird. Zwei sol­cher Wahrheiten, die innig aufeinander bezogen sind und sich daher für dieses Schema (des Über- und Unterbetonens) gut eignen sind:

  • Jesus Christus starb für alle Men­schen;
  • Nicht alle Menschen werden gerettet, sondern nur viele.

Wahrheit (A):
Christus starb für alle Menschen

„Christus starb für alle“ heißt, daß Er die Menschheit durch Seinen Tod auf Kalvaria erlöst hat. Mit dieser ersten Wahrheit (A) ist das Schlüsselwort ERLÖ­SUNG verbunden, das wörtlich besagt: ein Lösegeld, ein Zurückkaufen, oder das Zahlen eines Preises. Die Sünde Adams war die Sünde der Gattung im Sinne der Ur-Sünde, die auf die Menschheit überge­gangen ist, und von deren Auswirkungen sie insgesamt betroffen ist. Gleicherma­ßen war der Lösepreis Christi — i.e. die Erlösung —, so wie die Sünde Adams, von absolut universellem Wesen. Beides wa­ren, was die Gattung betrifft, umfassende Akte, die sich auf das Kollektiv der Menschheit auswirkten: einmal zerstö­rend, das andere Mal heilend.

Der Tod Christi war das hinreichende Heilmittel und der Lösepreis für alle. Der Sühneakt des Gott-Menschen genügte, um das unendlich Schimpfliche der Sünde wiedergutzumachen. Den ersten unserer Eltern versprach Gott den Erlöser der Menschheit. Dieses Versprechen und seine Erfüllung durch Gottes einzig gezeugten Sohn waren Ausdruck Seiner unendlichen Barmherzigkeit. Da Gott uns in dieser Hinsicht nichts schuldete, deshalb war nicht Seine Gerechtigkeit, sondern nur seine Barmherzigkeit betroffen. Zusam­menfassend läßt sich sagen, daß diese erste Wahrheit, daß Christus für alle ge­storben ist, die folgenden aufeinander bezogenen Unterbegriffe hat: Erlösung ­Menschheit — (im) Kollektiv — universell — (unendliche) Barmherzigkeit (und) hin­reichend.

Wahrheit (B):
Nur viele werden gerettet

Untersucht man die zweite Wahrheit (B), daß nur viele gerettet werden, so findet man eine von der ersten verschiede­ne Reihe von Begriffen, als ersten den der Rettung. Er besagt: nicht alle Menschen werden der ewigen Glückseligkeit im Him­mel, der Rettung teilhaftig, sondern nur viele Seelen werden gerettet werden. Ret­tung bezieht sich also in Wirklichkeit nicht auf die Menschheit in universeller und kollektiver Hinsicht, sondern auf viele individuelle Seelen in besonderer Hinsicht. Obgleich Unser Göttlicher Erlö­ser den Preis für alle Menschen bezahlt hat, so gibt es dennoch Menschen, die durch verderbliches Versäumnis, an der Gnadenwirkung Gottes mitzuwirken, den Nutzen des Loskaufes für sich zunichts gemacht haben.

Das besagt, daß der Tod Christi zwar für alle hinreicht, aber nur dann und nur für jene wirksam wird, die willens sind, für ihr Seelenheil von den entsprechenden Gnaden, die Gott ihnen gibt, Gebrauch zu machen.

Das tridentinische Konzil führt hier­über aus: „Obgleich Er für alle gestorben ist, erlangen doch nicht alle den Nutzen Seines Todes, sondern nur diejenigen, welchen der Wert Seines Leidens mitge­teilt wird.“ (VI. Sitzung, Kap. 3)

Ein unendlich gerechter Gott mißt jedem ewiges Heil oder ewige Strafe aus. Gottes Attribut, das mit dieser 2. Wahr­heit am engsten verbunden ist, ist seine unendliche Gerechtigkeit. Insgesamt ge­sehen, gehören zur Wahrheit, daß nur viele gerettet werden, diese Unterbegriffe: Rettung — viele Seelen — individuell ­– besonders — (unendliche) Gerechtigkeit (und) Wirksamkeit (des Sühnetodes Jesu).

In der nachfolgenden Aufstellung sind die Hauptpunkte der Betrachtung zusam­mengefasst:


 Spalte A

CHRISTUS STARB FÜR ALLE

ERLÖSUNG der Menschheit, insgesamt, universell,

was Gottes unendliche Barmherzigkeit beweist

und bezogen auf den Aspekt der HINLÄNGLICHKEIT des Todes Christi


Spalte B

NUR VIELE WERDEN GERETTET

RETTUNG (Heil) vieler Seelen, individuell, in besonderer Weise,

was Gottes unendliche Gerechtigkeit beweist

und bezogen auf den Aspekt der WIRKSAMKEIT des Todes Christi


 

Calvinismus und Jansenismus

In der ersten Ausgabe von Interdum betrachteten wir eine Wurzel der Häresie, die den Calvinisten und Jansenisten ge­meinsam war, die beide die Wahrheit (A) leugneten, indem sie behaupteten, daß Christus nicht für alle Menschen gestor­ben sei. Wir untersuchten, wie dieses schrittweise Leugnen zustande kam und fanden, daß es geschieht durch anfängli­ches Bejahen der bezogenen und ergän­zenden Wahrheit (B), d.h. daß „nur viele gerettet werden“.

Dieses Prinzip des anfänglichen Beja­hens, des folgenden Überbejahens einer Wahrheit, auf welches ein Unterbewerten und schließliches Leugnen der ergänzen­den Wahrheit folgt, haben Calvinisten und Jansenisten in der Tat gut demonstriert. Sie überbetonten alle Gedanken der Spal­te B: Nur viele werden gerettet, das Heil, die individuelle Seele, ihr besonderes Ver­hältnis zu Gott, die Wirksamkeit Kalva­riens und der Gnade. Während aber jeder dieser Gedanken über das rechte Maß hinaus betont wurde, sind die entspre­chenden Momente der Spalte A, d.i. die ausgleichenden Wahrheiten in ihrer Be­deutung unterspielt und verkleinert wor­den. Indem sie (die Calvinisten) Gottes Gerechtigkeit überbetonten, verloren sie seine Barmherzigkeit aus dem Blick. Bei der Überprüfung der Spalte A zeigte es sich, daß das Gleichgewicht des subtilen Zusammenhangs der Wahrheiten gestört war, so als ob es von einer Schockwelle erschüttert worden wäre, denn jeder Ge­danke der Spalte A wurde in seiner Bedeutung bis zum Verschwinden verrin­gert, so daß zuletzt auch die zentrale und höchste Wahrheit, daß Christus für alle gestorben ist, in ihrem Grunde erschüttert wurde!

Will man sich die Geisteshaltung der Calvinisten/Jansenisten verdeutlichen, so muß man nur eine Mentalität ausloten, in der die Hauptwahrheit, daß nur viele gerettet werden, der Leitgedanke ist, und in welcher allen Unterbegriffen der Spalte B eine überhöhte und übertriebene Bedeu­tung beigemessen wird, die an Besessen­heit grenzt, während zugleich die Bedeu­tung der Gedanken in Spalte A entspre­chend verringert wird.

III.
Die „universalistische“ Mentalität

Um sich ein genaues Bild von der „Geisteshaltung“ zu machen, die heutzu­tage weitverbreitet ist, muß man sich das bestimmte Gegenteil der Jansenistischen „Geisteshaltung“ vorstellen. Gegenwärtig werden die Gedanken der Spalte A über­betont: die Menschheit insgesamt, die Kollektivität, die Universalität und die Barmherzigkeit Gottes. Die zentrale auf alle diese Begriffe bezogene Wahrheit, die, daß „Christus für alle gestorben ist“, wird übertrieben und ihr wahrer Sinn verzerrt. Wie eine Werbe- oder Wahlparole wird sie wiederholt, obwohl nur wenige den ei­gentlichen Sinn dieser Wahrheit zu verste­hen scheinen. Es versteht sich daher von selbst, daß das natürliche Resultat dieser Verzerrung die entsprechende Bedeu­tungsverringerung der zentralen Wahrheit in Spalte B ist, d.h., daß nur viele gerettet werden. Und dem bekannten Schema gemäß vollzieht sich dabei das unvermeid­liche Herunterspielen der verwandten Un­terbegriffe der Spalte B: die Rettung des Einzelnen, Gottes Gerechtigkeit und die Wirklichkeit der Hölle, usw.

Es ist also richtig zu sagen, daß die gegenwärtige Geisteshaltung in gewisser Hinsicht anti-jansenistisch ist, wenn auch nicht in einem gesunden Sinn. Während nämlich der Jansenismus durch seinen Exzess in eine Richtung geht, geht der gegenwärtige Trend — wiederum bis zum Exzess — in die andere Richtung. Fragen wir, was das Endresultat sein muß, wenn die Wahrheit A übertrieben betont wird? Diese Geisteshaltung muß unbedingt und unwiderruflich in der Verleugnung der Wahrheit B enden, so wie der Jansenismus zuletzt unbedingt Wahrheit A verneinte, indem er vertrat, daß Christus nicht für alle gestorben ist. Aber woraus entsteht denn genau genommen diese Verleugnung der Wahrheit B? Durch die Aussage, daß NICHT nur viele gerettet werden, sondern — bejahend ausgedrückt —, daß alle Men­schen gerettet werden. Letzteres aber ist die Häresie des Universalismus.

Die Überbetonung des „Kollektiv“-Aspektes

Lassen Sie uns nur einen Geanken aus der Spalte A herausgreifen, der gegenwär­tig besonders hervorgehoben wird. Wäh­rend die Jansenisten die harmonische Ausgeglichenheit zwischen Wahrheit A und Wahrheit B durch Übertreiben der Bedeutung der einzelnen Seele und ihrer Beziehung zu Gott störten, verkleinert die heute vorherrschende Geisteshaltung die Bedeutung des Einzelnen, überbetont je­doch sein Gegenteil, die Allgemeinheit. Es erfordert gar wenig Mühe festzustellen, daß diese Weise des Betonens der jetzt gängige Trend ist. Betrachten wir dazu einige Beispiele.

In der (sogenannten) Liturgie wird die Teilnahme (der Gemeinde) betont. Dies macht persönliches Gebet und Andacht fast unmöglich. Das persönliche und indi­viduelle Bekenntnis des Nizänischen Glau­bensbekenntnisses (Ich glaube an den einen Gott…) wurde in ein kollektives „WIR glauben“ umgeformt. Zudem will uns das gefälschte „Confiteor“ zu einem Sündenbekenntnis gegenüber der „Ver­sammlung“ bewegen: „Euch, Brüdern und Schwestern, bekenne ich.“

In dem berühmten Kommentar „Römischer Theologen“ zum Neuen Or­do Missae findet sich die scharfsinnige Bemerkung: „Hier ist die Konzelebra­tionsmanie, die mit der Zerstörung der eucharistischen Frömmigkeit im Priester enden wird, indem die zentrale Person Christi, alleiniger Priester und alleiniges Opfer, durch das Kollektiv der versam­melten Konzelebranten überdeckt wird.“

In gleicher Weise spiegelt die „Defini­tion“ der Messe, die in Kap. II, § 7 der allgemeinen Anweisung, die dem neuen Ordo Missae beigefügt ist, vorgelegt wird, den Geist „des Zusammenseins“, d.i. die kollektivistische Mentalität: „Das Mahl des Herrn, oder die Messe, ist eine heilige Versammlung des Volkes Gottes, das sich unter dem Vorsitz des Priesters zusam­menfindet, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern. So ist die Verheissung Jesu, „wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“, ganz besonders im Hinblick auf die örtliche Kirchgemeinde wahr.“ Dieser Satz enthält jedoch die falsche Implika­tion, daß die Wirksamkeit der Messe irgendwie von der Gegenwart der „Ge­meinde“ abhängt oder von der versam­melten „Gesellschaft“. Das angeführte Bi­belzitat, das sich in einer Hinsicht auf die Gegenwart Gottes bezieht, gibt in anderer Hinsicht ein falsches Bild vom Wesen der einzigartigen eucharistischen Präsenz im Altarssakrament, da doch das Messopfer gültig vollzogen ist und Christus gegen­wärtig gesetzt wird, gleichgültig ob „zwei oder drei beisammen sind“, oder ob ausser dem Priester niemand zugegen ist. Aber wer sollte dem kollektivistischen Geist das einsichtig machen? ?

Der Ausdruck „Herrenmahl“, die Be­tonung auf „Mahl“, oder „Festmahl christ­licher Liebe“ hebt die Notwendigkeit „der Gemeinde“ hervor. In ihrer (der Kollektivisten) Ordnung der Dinge wird eine gewiße Gemeinschaftlichkeit und Ge­selligkeit erfordert, ohne die keine Messe stattfindet.

„Volksmessen“, „Gruppen-Dynamik“, „Entfaltung des Feingefühls“ all diese wunderlichen Einfälle des Zusammenseins hätte niemand ernst genommen, noch hätten sie irgendwelchen Erfolg gehabt, wäre die kollektivistische Mentalität nicht bereits vorher im Denken vieler einge­pflanzt gewesen.

Vergangenen Dezember wurde der Konsensus zur Eucharistie bekanntgege­ben, i.e. die Punkte derr ‚grundsätzlichen Übereinstimmung‘ zwischen der katholi­schen Kirche und den orthodoxen (schis­matischen) Kirchen. Punkt 3 beginnt fol­gendermaßen:

„Das eucharistische Opfer schliesst die aktive Gegenwart Christi, des Hoheprie­sters, mit ein, der durch die christliche Gemeinde handelt, indem er sie in seine erlösende Anbetung einbezieht. Punkt 5, der sich wie eine Seite aus Teilhard de Chardin liest, spricht von der ‚Transfigu­ration des gesamten Kosmos‘, die durch die Eucharistie ‚vorweggenommen‘ sei.

Teilhard de Chardin glaubte an die Evolution der Menschheit in den Zu­stand eines ‚Überbewußtseins‘, das durch den Verlust alles individuell einzelnen Bewußtseins zustandekommt und alle Menschen in einem ‚weltumfassenden Be­wußtsein‘ vereint. Diese „Theorie der PIanetisierung“ passt zu Teilhards ande­rer Lehre von der Errettung des Individu­ums durch die Gemeinschaft. Durch unse­re Zugehörigkeit zur Kollektivität der Menschheit insegesamt werden wir geret­tet.

Zu welchem Schlagwort ist „die Erlö­sung durch die Gemeinschaft“ geworden. Nach Harvey Cox ist „das Heil etwas, das wir entweder gemeinsam erlangen, oder überhaupt nicht.“ Dieser Professor der „Theologie“ an der Harvard Universität sieht die Rolle der Kirche im Wenigerbe­tonen der Erlösung des Einzelnen und im Hervorheben der Erlösung in der Gruppe. Er beklagt „die individualistische Häre­sie“ der Religion, die „Meine individuelle Seele betont…“ Harvey bemerkt aber, daß er durch gemeinsame Experimente zur kommunalen Lebensweise, bei der man nicht einmal die Kinder als zu Individuen gehörig, sondern als Gruppen­verantwortlichkeit, d.i. als Art kommuna­ler Kinderkrippe betrachtet worden seien, sehr ermutigt wurden. (Die hier zitierte Bemerkung ist einer Rede Cox‘ entnom­men, die er im März 1969 bei einem Symposion an der Wake Forest Universi­tät gehalten hat. Dies berichtet die ‚Re­view of the News‘ v. 12.11.1969.)

Die Sexualität ist nunmehr keine priva­te Familienangelegenheit mehr, sondern eine Sache der Gemeinschaft. Der Ver­such, den Eltern die Verantwortung der sexuellen Erziehung zu nehmen, um diese Aufgabe den Schulen zu überantworten, ist als eine weitere Äusserung der durch­dringenden kollektivistischen Geisteshal­tung anzusehen. Die jungen Menschen ­so sagt man —, sollen das, was sie über Sexualität lernen, in einer Atmosphäre des Zusammenseins lernen. Es erübrigt sich, eigens auszuführen, daß der Druck hinter der „sexuallen Erziehung“ ande­ren, teuflischen Absichten dient. Zu be­achten ist nur, daß man die „Entfaltung des Feingefühls“, ebenso wie auch die „sexuelle Erziehung“ durch die Schulen glatt von der Hand gewiesen hätte, wären nicht bereits so viele der Eltern auf die kollektivistische „Geisteshaltung“ einge­stellt gewesen.

Die Ohrenbeichte hat, da sie etwas individuelles, persönliches ist, in der jetzigen Ordnung der Dinge keinen Platz. Dafür muß die kollektivistische, die „ge­meinschaftliche Bußübung“ oder die all­gemeine Absolution praktiziert werden. Die Zeitschrift ‚Catholic Currents‘ vom 15.5.70 teilt mit, daß Fr. Robert L. Faircy S.J., der vor kurzem von der katholischen Universität entlassen wurde, behauptete, daß er sich beim gegenwärti­gen Klima der katholischen Universität deswegen unbeliebt gemacht habe, weil er — unter anderem — vertreten habe, „daß das persönliche Gebet wertvoll sei.“

Der Egalitarianismus, der auch als „Ni­vellierungsprozess“ bekannt ist, ist ein integrales Moment der kollektivistischen Mentalität. Die Zurückführung aller auf das gleiche Niveau, vollkommene Gleich­heit in jeder Hinsicht, ist ein utopisches Ziel. Trotzdem muß dazu religiöses Brauchtum zu Gunsten eines weltlicheren Aussehens (von Religion und Kirche) ver­worfen werden. Priester und Religiose, die sich verpflichtet fühlen, auf das ge­wöhnliche Niveau — sogar in der Kleidung — hinabzusteigen, zeigen, bis zu welchem Grad sie von der kollektivistischen Nivel­lierungsmanie ergriffen sind.

„Nennen Sie mich nur beim Vorna­men.“ „Hallo, ich heiße Pat McCor­mack.“ Der unterbewußte Wunsch, in jeder Hinsicht in den Laienstand abzusin­ken, erklärt, warum so viele Priester nicht mehr wünschen, als Pater, Hochwürden usw. angesprochen zu werden. Ihren lächerlichsten Ausdruck bietet die Nivel­lierungsmanie durch das absurde Gehabe des (Reform-) Priesters, der bei der Aus­führung des Friedensgrußes, der kürzlich in der ‚Liturgie‘ eingeführt wurde, den Ministranten die Hände schüttelt.

Es muß in der Kirche absolute Gleich­heit herrschen. Demokratisierung. „Kolle­gialität“ der Bischöfe, Priester, der Aus­schüsse, der Versammlung des Gottesvol­kes, des Rates der Kirchengemeinde. In der Diskussion um den Zölibat wird geltend gemacht, daß Priester immerhin Menschen seien wie alle anderen! Ja, wie alle anderen. Gleichheit! Da die Männer in der Kirche ihr Haupt nicht bedecken, deshalb erfordern die „Rechte der Frau“ die Abschaffung der herkömmlichen Kopfbedeckung.

Aber man fordert nicht nur Gleichheit in der Kirche, sondern die Gleichheit der Kirchen untereinander, was für die hier besprochene Geisteshaltung eine logische Folge darstellt. Daher auch die „interkon­fessionellen Versammlungen“, die unbe­dingte Notwendigkeit nach „Interkom­munion“, Ökumenismus, Nationaler Kir­chenrat, Weltkirchenrat. Denn eine Reli­gion ist so gut wie die andere. Der Satz „keine Rettung außerhalb der Kirche“ wurde zu „keine Verdammnis außerhalb der Kirche“. Aber auch innerhalb der Kirche gibt es keine Verdammnis, denn es gibt sie überhaupt nicht — Punktum!

In der vorangehenden Betrachtung untersuchten wir einige Zeugnisse, aus welchen hervorgeht, daß die kollektivisti­sche Geisteshaltung der Neuerer, die den gegenwärtigen Aufruhr in der Kirche lei­ten, auch die Reihen der katholischen Geistlichen und Laien ansteckt. Wir möchten in der Untersuchung der umfas­senden Geisteshaltung innehalten, um zu bemerken, daß die kollektivistische Ein­stellung nur einen Aspekt darstellt. Er ist daran zu erkennen, daß er einen der von uns in Spalte A angeführten Unterbegrif­fe, nämlich den des „Kollektiven“ über­treibt, während er den Gegenbegriff in Spalte B, den des „Individuellen“ in seiner Bedeutung entsprechend schmälert.

Der Interdum-Leser muß wohl nicht daran erinnert werden, bis zu welchem Ausmaß das kollektivistische Denken der allgemeinen Bürgerschaft auf politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ebene einge­pflanzt wurde, daß die vielen, seit langem eingesetzten Propagandawerkzeuge diese Mentalität überall popularisiert haben und daß diesem Programm wohldurchdachte und von subversiven Händen vorbereitete Pläne zu Grunde liegen. Eine gelegentli­che Hilfestellung erwächst dieser totalen (kollektivistischen) Bemühung durch die­jenigen, die mit horoskopischem Gewäsch schachern. Aquarius: „Du bist der Men­schenfreund, der sich eher mit der Grup­pe als mit dem Individuum befasst.“ Wird unsere Kirche gegenwärtig ins „Zeitalter des Aquarius“ hineingeführt? ?

Die Überbetonung der Worte „universell“ und „Menschheit“

In unserer Analyse der universalisti­schen „Geisteshaltung“ wollen wir aus der Spalte B zwei weitere, heutzutage überbetonte Gedanken herausgreifen: die Menschheit insgesamt und universell. Während die Jansenisten — um hier unse­ren Vergleich fortzusetzen —, in der Entfaltung ihrer Geisteshaltung „den Aus­erwählten“ überbetonten und sich ganz und gar auf den Gedanken der begrenzten Zahl einzelner Seelen, die gerettet wer­den, richteten, legen die Universalisten die Betonung auf das extreme Gegenteil, auf die Gesamtheit, auf „alle Menschen“.

Es ist dies nur eine logische Erweiterung der kollektivistischen Mentalität mit dem zusätzlichen Gedanken, daß die Kollekti­vität in keiner Weise beschränkt werden darf, sondern all-umfassend sein muß.

Heutzutage ist das Wort universell in aller Munde: „universeller Friede“ (Welt­friede), „universelle Gemeinschaft“, „uni­verselle Brüderschaft“, usw. Und alles was heute geplant wird, muß zum Wohl der „Menschheit“ geplant werden. Dabei hat es den Anschein, daß man selten jeman­den findet, der daran interessiert ist, einer einzelnen Person zu helfen, ganz zu schweigen, daß jemandem geholfen wer­den sollte, seine Seele zu retten.

Man führt einen „Krieg gegen die Verseuchung“, viel wird über Okologie geredet und vor kurzem begingen wir den nationalen „Tag der Erde“, (nebenbei der 100. Geburtstag Lenins). All diese und andere Veranstaltungen sind — wohlge­merkt — für das Wohl der Menschheit, um alle auf die Gefahren, die uns umgeben, aufmerksam zu machen.

Eine der Gefahren, die der „Mensch­heit“ drohen, ist vermutlich die „Überbe­völkerung“; deswegen müßen um des Wohles der „Menschheit“ willen mehrere ernsthafte Maßnahmen ergriffen werden. Nachdem das Wohlergehen der Mensch­heit gefährdet ist, ist es dennoch bedeu­tungslos, daß die vorgeschlagene Abhilfe, wie z.B. die Geburtenkontrolle und legali­sierte Abtreibung auf schweren morali­schen Verfehlungen gegenüber den einzel­nen Individuen beruht, wodurch zum Zustand der gewohnheitsmäßigen Todsün­de ermutigt wird und das Heil der betrof­fenen Individuen ernsthaft in Gefahr ge­bracht wird. Gewiß, das Wohl der Mensch­heit fordert viele Opfer. Gelegentlich verbrennt sich einer der Menschenfreunde bei lebendigem Leib, um gegen einen „unmenschlichen“ Krieg zu protestieren. Tragisch ist nur, daß bei solchen „Helden­taten“ im Namen der „gesamten Mensch­heit“ die einzelne Seele dieser Menschen­freunde Schiffbruch erleidet.

Auch kann die von der universellen und der Menschenauffassung besessene Person nicht verstehen, wieso das Denken Unseres Herrn so „beschränkt“ gewesen sein sollte, daß er sich zur Konsekration Seines Kostbaren Blutes der Worte „PRO MULTIS“ bediente. Was immer Er gesagt haben mag, Er muß damit „alle Men­schen“ gemeint haben.

Die von dieser globalen Auffassung besessene Person beginnt zudem bald zu fragen, ob die katholische, die institutio­nelle Kirche wirklich eine ausreichend große Arche des Heils sei. Denn obschon das Wort katholisch — vom griechischen katholikos — wörtlich übersetzt „univer­sell“ heißt, scheint es, daß die Kirche nicht „katholisch“ ist, da sie nicht alle Menschen befasst. Wahr ist, daß noch vor kurzem eine Vielzahl von Konvertiten in die Kirche eingetreten ist. Das geschah jedoch auf der individuellen Basis, d.h. jeder ist für sich eingetreten. Solch ein Prozess ist aber viel zu langsam und langwierig. Weil aber alle Menschen Mit­glieder der Kirche sein sollen und die Kirche nur so der Definition „katholisch“ wirklich gerecht wird, daher muß man an eine gemeinsame Wiedervereinigung den­ken. Der römisch-katholische Plan (der Wiedervereinigung) gilt daher dem Denken des Universalisten — wie Kardinal Manning erklärt —, als klar veraltet:

„Sogar im großen griechischen Schis­ma… sind alle Bedingungen der Wahr­heit und der Gnade erhalten… Die Kirche dort hat eine gültige Ordina­tion, die Gegenwart Jesu sowie die vollständige Ordnung der göttlichen Tatsachen und Wahrheiten, wenngleich infolge des Schismas und der Irrtümer weniger davon. Aber sie ist wiederher­stellbar und vermag sich eines Tages wie von den Toten zu erheben. Das trifft nicht zu für die Glieder (des mystischen Leibes), welche die ständi­ge Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Sakrament verloren und die Ordnung der göttlichen Tatsachen und den Auf­bau des mystischen Leibes entstellt haben: ihnen ist die gemeinsame Wie­dervereinigung unmöglich. Sie sind in der Auflösung begriffen und müssen daher durch die gleiche göttliche Kraft wiederhergestellt werden. Ihre Mitglie­der können einzeln gerettet werden, wie Schiffbrüchige, die man von einem Floß oder Riff aufnimmt; denn ihr Schiff ist verloren. Aus der zerstörten Struktur des Wracks kann der Leib nicht wiederhergestellt werden.“ (Hen­ry Kardinal Manning, „The Blessed Sacrament: the Centre of Immutable Truth“).

Nein, denn der römisch-katholische Plan der individuellen Rettung und der Einzelkonversion ist für die pluralistische Gesellschaft von heute einfach nicht angelegt: „In Amerika werden derzeit drei Pläne verwirklicht, wovon jeder ein anderes Ziel verfolgt. Der erste Plan, ein kon­fessionsunabhängiger, ist der Gottes; der zweite ist ein konfessionsgebunde­ner, d.i. der römisch-katholische und der dritte ist ein antikapitalistischer, d.i. der kommunistische Plan.“

„Gottes Plan ist der Vereinigung aller Rassen, Religionen und Glaubensbe­kenntnisse gewidmet. Dieser Plan, der der neuen Ordnung der Dinge gewid­met ist, soll alle Dinge erneuern — soll eine neue Nation, eine neue Gattung, eine Kultur und eine neue, konfes­sionsunabhängige Religion herbeifüh­ren, die bereits als die Religion „des herrlichen Lichtes“ erkannt und be­nannt wurde.“

(C.W. Smith, „God’s Plan in America“, erschienen im Sept. 1950 in der Zeit­schrift ‚The New Age, dem offiziellen Organ des ‚Supreme Council 33‘ Scot­tisch Rite Freemasonry.)

Ebenfalls aus dem Griechischen, und wie das Wort „katholisch“, „universell“ be­deutend, stammt das Wort ökumenisch. Wörtlich genommen ist das Wort ökume­nisch mit dem Wort katholisch sinnver­wandt. Unter Katholiken wurde das Wort bis vor kurzem nur in Bezug auf eine allgemeine oder ökumenische Versamm­lung gebraucht, wogegen das Wort öku­menisch, sowie die Bezeichnung „ökume­nische Bewegung“ unter Protestanten und den Orthodoxen Kirchen schon seit länge­rer Zeit andere, spezielle Bedeutungen hatte.

Mit dem 2. Vatikanischen Konzil kam das Wort „Ökumenismus“ in Mode. In dem von Vatikan II herausgegebenen Ökumenismusdekret ist das Wort Ökume­nismus nirgendwo präzise definiert. Die folgenden Auszüge aus dem Dekret sollen eine allgemeine Vorstellung von dem ver­mitteln, was unter Ökumenismus zu ver­stehen ist: „Geist der brüderlichen Liebe und Einheit“, „die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen“, „der Wunsch nach Einheit“, diese Bewegung auf die Einheit hin heißt „ökumenisch“, „Gemeinschaft in der Einheit“, „die Förderung der christlichen Einheit“, „die Pflichten für das allgemeine Wohl der Menschheit“, „das Band der Brüderlich­keit zwischen allen Christen“, „das Erlan­gen der Vereinigung“, usw.

„Ökumenismus“, so kann man sagen, ist in gewisser Hinsicht mit der Idee der „Einheit“ gleichgesetzt, wiewohl das De­kret insgesamt zu vage ist, um sich für eine solche Sinnfestlegung herzugeben. Wird aber das Wort ‚Ökumenismus‘ in dieser Bedeutung gebraucht, so liegt eine Fehlbenennung vor, wie sie denn auch in der Verwendung der ‚ökumenischen Be­wegung‘ durch die früheren Protestanten vorlag; denn die Lehre von der Worther­kunft über ‚Ökumenismus‘, von Griech. oikoumenikos = universell, zeigt, daß es wörtlich verstanden Universalismus heißt, womit aber ein vom Begriff der ‚Einheit‘ vollständig verschiedener Sinn vorliegt. Unter den vier Merkmalen der Kirche finden sich zwei, die — das wird jeder anerkennen —, von einander ver­schieden sind: EINE (bezogen auf Ein­heit) und KATHOLISCH (bezogen auf Universalität). Mit dem Begriff Einheit und dem Begriff Ökumenismus liegen daher verschiedene Gedanken vor, die nicht gleichgesetzt werden können.

Die falsche Bezeichnung ‚Ökumenis­mus‘ ist aber in jedem Fall zum Ge­brauchswort geworden. Betrachtet man den Ökumenismus in Aktion in den ver­schiedenen Gemeinden und Diözesen, so zeigt es sich deutlich, daß man selten zwei Pfarrer oder zwei Bischöfe findet, die unter ‚Ökumenismus‘ das gleiche verste­hen. Ist das nicht eine merkwürdige Art der „Einheit“?

Insofern dieses Wort `Ökumenismus‘ wörtlich Universalismus bedeutet, und die Häresie wiederum, daß alle Menschen gerettet werden, unter der gleichen Be­zeichnung (Universalismus) bekannt ist, wollen wir denselben von jetzt an als die „Häresie des Ökumenismus“ bezeichnen.

Mancher wird nun sagen, ich hätte hier einen Kunstgriff erdacht, um den „Öku­menismus“ falsch darzustellen, denn das Wort sei von mir in einer Bedeutung gebraucht, die von der durch das II. Vaticanum beabsichtigten abweiche. Hier­auf antworte ich, daß ich mich keiner Fehldarstellung schuldig gemacht habe, denn ich habe vorhin klar und präzise definiert, was ich unter „Ökumenismus“ verstehe, und wie ich das Wort im Schlußteil des Artikels zu gebrauchen gedenke. Dieses Vorgehen ist nebenbei gesagt ehrli­cher als das der Neuerer, die den Ökume­nismus falsch darstellen, indem sie Hand­lungsweisen einführen, die der Tradition der Kirche und ihrem Lehramt entgegen­stehen und von denen sie noch dazu behaupten, dies sei im „Geiste des II. Vaticanums“.

Beurteilt man die „Früchte“ des II. Vaticanums, oder des „Ökumenismus“ in Aktion, so wird man sehen, daß es immer offenkundiger wird, daß der angewandte Ökumenismus, den wir mit eigenen Au­gen beobachten können, vielmehr die von mir aufgestellte Definition wahr macht, als das durch das II. Vaticanum vermut­lich Beabsichtigte. Daher wollen wir ohne weitere Erklärung oder Entschuldigung mit der Untersuchung der ökumenischen Häresie, „alle Menschen werden gerettet“, fortfahren.

Neben der wahren katholischen Kirche wird die Gegenkirche mit ihrem „Lehr­amt der Finsternis“ erbaut. Die katholi­sche Kirche ist der mystische Leib Christi. Die ökumenische Kirche ist das „Volk Gottes“. In der katholischen Kirche wird das Heilige Messopfer gefeiert, in der ökumenischen Kirche gibt es die Zelebra­tion des Gedächtnismahles, bekannt als das „Herrenmahl“. In der katholischen Kirche haben wir das Allerheiligste Altars­sakrament, das Sakrament der vielen, das Zeichen der Einheit im mystischen Leib Christi. Die ökumenische Kirche hat in ihrer Liturgie als Symbol der Einheit aller Menschen die Worte „für alle“ eingeführt. Diese Veränderung passt in den ganzen häretischen Rahmen wie ein Wort in ein Kreuzworträtsel. Wie lange wird es noch dauern, bis alle Menschen eingeladen werden, an der „Interkommu­nion“ der ökumenischen Kirche teilzu­nehmen?

Latein, eine der drei Sprachen der Inschrift des Kreuzes Unseres Herrn, war von der göttlichen Vorsehung dazu be­stimmt, die Sprache der Einheit Seiner wahren katholischen Kirche zu sein. Die universelle Sprache der wahren Kirche wird immer Latein bleiben. Die Führer der ökumenischen Kirche sind sich jedoch ebenfalls bewußt, daß eine universelle Bewegung eine universelle (Kult-) Sprache braucht. Die Umstellung auf die Landes­sprache ist nur ein vorübergehender Pro­zess, dessen eigentlicher Zweck die Ab­schaffung der einheitlichen Sprache der wahren Kirche ist. Die einheitliche Spra­che der ökumenischen Kirche wird das Esperanto sein. Tatsächlich ist die „Litur­gie“ der ökumenischen Kirche bereits ins Esperanto übersetzt worden und von Papst Paul VI. als liturgische Sprache anerkannt (vgl. die Sept./Okt. Ausgabe von 1968 der Zeitschrift ‚Notitiae‘, offizi­elles Organ der ökumenischen Kirche). Aber wozu benötigt man eine Esperanto-Version der Liturgie? Wieviele verstehen oder sprechen heute Esperanto? Gibt es ein Land oder eine Gemeinde, in der jetzt eine in Esperanto zelebrierte Messe (Li­turgie) verstanden würde? Und wenn nicht, warum ließ die ökumenische Kir­che die Liturgie ins Esperanto übertra­gen? Die ökumenische Kirche verschwen­det gewiß keine Zeit an Spielereien.

Anna Katharina Emmerick (1776-1824), die heilige deutsche Mysti­kerin, sah in ihren Visionen und mysti­schen Erlebnissen die Geburt dessen, was sie als die „Kirche der Finsternis“ und als die „schwarze, nachgeahmte Kirche“ be­zeichnete. Das Wort Nachahmung (Fälschung) bedeutet mehr als nur „falsch“ (falsche Kirche und Formen der Anbetung hat es immer gegeben); Nach­ahmung (Konterfei) aber impliziert die Absicht, etwas als wahr hinzustellen, das Wahre zu imitieren. Wir beanspruchen nicht, die Gabe zu besitzen, Prophezeiungen vollkommen und genau zu interpre­tieren, noch haben wir die Argumente unserer Darstellung je auf Prophezeiungen gestützt. Ebensowenig wollen wir aus den Visionen der Kath. Emmerick einen Be­weis ableiten, denn der Versuch, Prophe­zeiungen zu interpretieren, schließt im­mer das Risiko ein, daß die wahre Bedeu­tung gänzlich verfehlt wird. Dennoch ist es uns erlaubt, darüber zu reflektieren, ob Schwester Emmerick die ökumenische Kirche der gegenwärtigen Zeit vorausgese­hen hat. Die folgenden Ausschnitte sind dem 2. Band des Buches „Das Leben der Anna Katharina Emmerick“ von Pater C. E. Schmöger, CSsR, herausgegeben 1867 (neue Gesamtausgabe der Visionen der Anna Katharina Emmerick beim IMMA­CULATA-Verlag, CH-6015 Reußbühl/Lu­zern, in 4 Taschenbänden), entnommen.

Ich sah, daß eine fantastisch und unge­wöhnlich aussehende Kirche erbaut wur­de. (…) Bei der Errichtung halfen keine Engel, sondern Scharen der wildesten planetarischen Geister, die alle möglichen Dinge in das Gewölbe schleppten, wo diese von Personen in kleinen kirchlichen Gewändern empfangen und an verschiede­nen Orten abgestellt wurden. Nichts da­von wurde von Oben gebracht; alles kam von der Erde und den dunklen Regionen, und alles wurde von den planetarischen Geistern erbaut. (…) Ich erkannte, daß viele der Instrumente der neuen Kirche, die Speere und Pfeile dazu bestimmt waren, gegen die lebende Kirche ange­wandt zu werden. (…) In der Höhle darunter (Sakristei) kneteten mehrere Personen Brot, jedoch ohne Erfolg, denn der Teig wollte sich nicht erheben. (…) Alles in dieser Kirche gehörte der Erde an und kehrte in sie zurück; alles war leblos, die Arbeit menschlichen Könnens, eine Kirche des letzten Stils, eine Kirche menschlicher Erfindung, gleich wie die neue heterodoxe Kirche in Rom.“ (S. 283-3).

„Ich fürchte, der Heilige Vater wird vor seinem Tode viel Drangsal erleiden, denn ich sehe die dunkle Kirche der Nachahmung sich ausbreiten und verhee­renden Einfluß auf die Öffentlichkeit gewinnen.“ (S. 292) „Sie erbauten eine große, besonders extravagante Kirche, die alle Glaubensbekenntnisse als gleichbe­rechtigt umfassen sollte: evangelische, ka­tholische und alle Denominationen, in der wahren Gemeinschaft des Unheiligen, mit einem Hirten und einer Herde. Sie sollten einen bezahlten Papst haben, der anson­sten ohne Besitztümer ist. Alles wurde vorbereitet und viele Dinge vollendet. Aber anstatt eines Altars gab es nur Greuel und Trostlosigkeit. Solcher Art war die neue kommende Kirche, und ihretwegen hat er die alte in Brand gesteckt. Doch Gott fügte es anders. Er starb im Glauben und nach Beicht und Buße — und er erwachte zu neuem Leben.“ (S. 353)

„Nachdem ich das Gesicht bis in die letzte Einzelheit geschaut hatte, sah ich den gegenwärtigen Papst wieder, sowie die Kirche der Finsternis seiner Zeit in Rom“. (S. 279) „Ich sah die erschrecken­den Folgen dieser imitierten Kirche; ich sah sie wachsen; ich sah, wie alle Arten von Häretikern nach Rom strömten; ich sah die ständig zunehmende Lauheit der Geistlichkeit und den sich fortwährend erweiternden Kreis der Finsternis. (…) Wiederum sah ich im Gesicht, wie St. Peter nach einem dafür zurechtgelegten Plan von einer geheimen Sekte untergra­ben wurde, während es gleichzeitig durch Stürme beschäftigt wurde; im Augenblick der größten Gefahr aber wurde es geret­tet. Ich sah wie die Allerheiligste Jungfrau ihren Mantel darüber breitete. In dieser letzten Szene sah ich den herrschenden Papst nicht mehr, sondern seinen Nach­folger, einen milden, jedoch sehr ent­schlossenen Mann, der es verstand, sich seine Priester verbunden zu machen, und der die Bösen von sich stieß.“ (S. 281)

Unter den weltweisen Geistlichen Deutschlands und den aufgeklärten Prote­stanten sah ich die Pläne zur Vermischung der Religionen und zur Unterdrückung der päpstlichen Autorität…“ (s. 346).

„Ich sah die geheime Gesellschaft die große Kirche (St. Peter) untergraben, und in ihrer Nähe sich eine schreckliche Bestie aus der See erheben.“ (S. 290) „Ich sah, daß sich während der letzten Tage wun­derbare Dinge mit der Kirch zutrugen. St. Peter war von der Sekte beinahe ganz zerstört, aber deren Mühen wurden dafür zunichte gemacht und alles was ihr gehör­te, ihre Kleider und Werkzeuge, wurden von den Richtern auf dem öffentlichen Platz der Schande verbrannt… In diesem Gesicht sah ich die Mutter Gottes so schwer für die Kirche leiden, daß meine Verehrung für sie bedeutend vertieft wur­de.“ (S. 292)

„Sie wollen böse Bischöfe einsetzen. An einem Ort wollen sie eine katholische Kirche in ein lutherisches Versammlungs­gebäude umwandeln.“ (S. 299) „Als ich St. Peter in diesem Zustand des Verfalls sah und wie so viele Geistliche — wenn auch heimlich —, sich um die Zerstörung mühten, war ich so überwältigt, daß ich von Herzen zu Jesus um seine Barmher­zigkeit flehte.“ (S. 300)

„Ich sah den kleinen schwarzen Mann, der im eigenen Land Diebstähle beging und die Dinge verfälschte. Dort ist die Religion so gekonnt untergraben und eingeschnürt, daß kaum noch hundert treue Priester übrig sind. Ich kann nicht sagen, wie es zugeht, aber ich sehe Nebel und Dunkelheit zunehmen (…). Bald muß alles für alle neu errichtet werden, denn auch die Geistlichen arbeiten an der Zerstörung — und Verfall ist allerorts.“ (S. 298)

„(…) Nochmals sah ich die große, ungewöhnlich aussehende Kirche, die nichts Heiliges an sich hatte (…). Alle Schritte, die zu ihrer Errichtung und Erhaltung als notwendig oder tunlich erachtet worden waren, wurden in den entferntesten Ländern getroffen. Ebenso war es mit den Menschen und Dingen, den Lehren und Meinungen, die dazu beigesteuert wurden.“ (S. 283 —4)

„Bei diesen Gesichten von der Kirche insgesamt, sehe ich im Nordwesten immer einen dunklen Abgrund in den kein Licht­strahl fällt, und ich fühle, daß dies die Hölle ist (…). Sie waren nicht in der ordentlich gegründeten lebenden Kirche, eins mit der kämpfenden, der leidenden und siegreichen Kirche, noch empfingen sie den Leib des Herrn, sondern nur das bloße Brot. Die sich aber ohne eigenes Verschulden im Irrtum befanden und fromm und sehnsüchtig nach dem Leib des Herrn verlangten, wurden nicht durch ihre Kommunion, sondern geistlicherwei­se getröstet. Diejenigen, welche gewohn­heitsmässig, aber ohne die sehnsüchtige Liebe kommunizierten, empfingen nichts; indes empfängt ein Kind der Kirche eine unermessliche Vermehrung der Kräfte.“ (S. 85) „Ich sah unerhörte Greuel sich über das Land ausbreiten und mein Füh­rer sagte mir: ‚Dies ist Babel!‘ Im ganzen Land sah ich eine Kette geheimer Gesell­schaften, deren Einfluß dem Babels glich (…). Ich sah, wie alles in Verfall überging, daß heilige Dinge zerstört wurden, und daß Gottlosigkeit und Häresie eindran­gen.“ (S. 132)

Die Verzerrung von „Christus starb für alle“

Bis jetzt haben wir die Tendenz der ökumenistischen Mentalität untersucht, aus der hervorgeht, daß sie mehrere Unter­begriffe aus der Spalte A, z.B. „insge­samt“, „Menschheit“, „universell“, be­tont. Diese Tendenz ist ein Teil der Konstitution der gesamten Geisteshal­tung, die letztlich zur Verleugnung der Wahrheit B führt, d.i., zur ökumenischen Häresie, daß alle Menschen gerettet wer­den. Es versteht sich von selbst, daß zusätzlich zur Übertreibung der bezoge­nen Unterbegriffe der Spalte A, auch die Hauptwahrheit der Spalte A, „Christus starb für alle Menschen“, übertrieben wird. Dies entspricht einerseits der janse­nistisch-kalvinistischen Tendenz, die Hauptwahrheit B, „nur wenige werden gerettet“, zu übertreiben, und ist ihr doch zugleich gänzlich entgegengesetzt.

Die wahre Bedeutung des Satzes, daß „Christus für alle Menschen gestorben“ ist, daß er die Menschheit erlöste, daß er alle Menschen in seiner Kirche haben will, daß er alle gerettet sehen will, diese wahre Bedeutung wird von den Ökumenisten zur falschen und gefährlichen Lehre der universellen Rettung verzerrt.

Um diese Häresie zu befördern, zögern die Neuerer auch nicht, Hand an die Heilige Schrift zu legen. Man betrachte die Epistel der Mitternachtsmesse von Weihnachten. Der Passus aus Titus 2,11: „Denn die Gnade Gottes, Unseres Erlö­sers, ist allen Menschen erschienen“, heißt in der neuen Lesung: „Gottes Wohlwollen ist erschienen, es bringt allen Menschen Rettung“. Im griechischen Text, der ziemlich kurz ist, findet sich der Aus­druck „Gott Unser Erlöser“ nicht weniger als vier Mal, weshalb es keine linguistische Rechtfertigung dafür gibt, diesen Aus­druck als „Rettung bringend“ wiederzu­geben. Aber nach der ökumenistischen Ordnung der Dinge ist es notwendig, die Häresie der universellen Rettung unauffäl­lig einzupflanzen. Die falsche Überset­zung dieses speziellen Absatzes wird vom Ökumenisten zweifelsohne als das Beja­hen des Satzes „Christus starb für alle“ erklärt.

„Christus starb für alle“ ist die ge­wöhnliche Antwort, die gegeben wird auf die Frage hin, warum die Worte des Konsekrationstextes „PRO MULTIS“ durch die Worte „für alle Menschen“ er­setzt wurden.

Das Mißverständnis „Christus starb für alle Menschen“, das universelle Rettung bedeuten soll, muß zum religiösen Indifferentismus führen. Denn wenn Chri­stus für alle gestorben ist, warum sollten wir dann noch um die Rettung jener besorgt sein, die außerhalb der Kirche stehen. Aus dieser ökumenistischen Men­talität erklärt sich wohl der Rückgang der wahren katholischen Missionstätigkeit. Frühere Epochen erlebten große Missiona­re, unter ihnen viele kanonisierte Heilige, die alles riskierten, nur um in fremde und ferne Länder zu gehen und dort den Heiden zu taufen, und um ihn zum Katholiken zu machen. Im ökumenisti­schen Zeitalter jedoch, würden die mei­sten Priester nicht einmal eine Fahrt zum anderen Stadtende unternehmen, um ei­nen Nichtkatholiken zu bekehren. Hinge­gen geben sie sich alle Mühe, um mit ihm zu „dialogisieren“ und herauszufinden, was der Nichtkatholik zu sagen hat.

Warum sollten wir im ökumenistischen Zeitalter wie dem unseren wegen der Konversion anderer bekümmert sein? Denn Christus ist immerhin für alle Men­schen gestorben. Daher sehen wir nun­mehr einen radikalen Rückgang der Kon­versionen zum wahren Glauben. Warum werden so viele katholische Schulen ge­schlossen? Zugegeben, das erklärt sich zum Teil aus der Abneigung unter den traditionalistischen Katholiken für diese Schulen. Doch es gibt gar nicht so viele, wirklich informierte, traditionalistische Katholiken. Die Wahrheit ist, daß die Mentalität des: „Christus starb immerhin für alle Menschen“ die Notwendigkeit für katholische Schulen einfach nicht mehr sieht. Und wenn „Christus für alle Men­schen gestorben ist“, was universelle Ret­tung bedeutet, wozu dann noch Heiligen­verehrung? Als Vorbilder, die man nach­ahmt und als Beschützer, die uns beiste­hen, sind sie nicht mehr nötig. Worin sollten sie uns beistehen? Wir alle sind ja Heilige. Wir sind alle gleich! Auf solche Weise ziehen die Heiligen aus dem römi­schen Kalender aus. Hans Küng hat der ökumenistischen Absicht gemäß erklärt, daß „alle Kanonisierungen einzustellen sind.“ (In der Zeitschrift ‚Catholic Cur­rents‘, v. 15.5.1970)

Die Verzerrung von „Gottes Barmherzigkeit“

Die jansenistische Überbetonung Got­tes unendlicher Gerechtigkeit führte zu einer Besessenheit bezüglich der Lehre von der Hölle, zu einer minimalen Wert­schätzung von Gottes Barmherzigkeit, so­wie zu fremdartigen Auffassungen hin­sichtlich der Vorherbestimmung. Der Ökumenist von heute denkt an nichts anderes mehr denn an Gottes Barmherzig­keit (oder „Liebe“), vergisst jedoch Got­tes unendliche Gerechtigkeit, und glaubt daher gar nicht mehr an die Hölle.

In meinem Artikel „Die Infragestel­lung der Gültigkeit der Messen, die den gänzlich englischen Kanon gebrauchen“ (Questioning the Validity of the Masses using the All-Englisch Canon), schrieb ich den folgenden Satz: „Christi Leiden kommt nicht allen Menschen zugute, denn wir wissen de fide daß nicht alle Menschen das ewige Heil erlangen.“ Als ich diese Abhandlung schrieb, war ich mir bewußt, daß ich meine Position in Bezug auf viele der darin enthaltenen Punkte zu verteidigen haben würde. Nie habe ich aber daran gedacht, daß gerade der obige Satz in Frage gestellt würde. Aber er wurde es! Fr. Theodore Mackin wandte ein, daß ich an anderer Stelle der Abhand­lung sage: „daß die Kirche lehre, daß einige Menschen verdammt seien.“ Und er fährt fort: „Herr Omlor ist — meines Wissens — der erste Theologe, der diese Lehre vorgetragen hat.“ — (!) Es sei bemerkt, daß Pater Mackin Rektor der Theologischen Fakultät an der Universität von Santa Clara ist.

Am 29.5.1970 erschien in der Zeit­schrift ‚National Catholic Reporter‘ ein von Sidney Callahan verfasster Artikel mit dem Titel „Die Hölle un der Teufel, sind sie wirklich? “ Frau Callahan schreibt darin: „Ich habe endlich verstan­den, daß viele Christen im Glauben an die Hölle erzogen wurden. (…) Ich weiß nicht, warum ich so lange brauchte, um zu verstehen, daß andere wirklich an die Hölle und den Teufel glauben. Ich vermu­te, daß dies meinem Erbe der Aufklärung, das von der Konversion nicht wirklich berührt wurde, zuzuschreiben ist. (…) Denn Güte, Schönheit und Freude auf Erden machten Gott und den Himmel für mich immer zu einem angemessenen Ge­rücht. (…) Aber die Hölle? (…) Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß die tätige Liebe in Wirklichkeit zurückgewie­sen werden könnte, oder daß göttliche Liebe nicht doch auch die hoffnungslose­ste Verunstaltung heilen könnte. (…) Manche Begriffe, wie z.B. der des Fege­feuers oder der Läuterung (Purgatorium) sind mir verständlich, aber endgültige Verdammnis ist mir unbegreiflich. (…) Was die Frage des Bösen, der Hölle und des Teufels angeht, bin ich letztlich agno­stisch. Ich behaupte nicht, daß es derarti­ges nicht geben könne, (mögen die Inqui­sitoren dies bemerken) denn wenn ich mit der Folter konfrontiert werde, so sind mir die obigen Begriffe wenigstens von der Vorstellung her zugänglich.“

Der Prozess der Verleugnung der Hölle ist ein gradueller. Die erste hierin entste­hende Frage betrifft den Aspekt der Ewigkeit der Hölle. Wie könnte ein un­endlich barmherziger Gott jemanden für alle Ewigkeit in die Hölle stürzen? Dies ist der Fuß in der Tür. Aber das genügt bereits. Nimmt man das Ewige vom Be­griff der Hölle, so verschwindet dieser Begriff; denn eine Hölle, die nicht ewig ist, ist im schlimmsten Falle eine Art Fegefeuer.

In der neuen „Liturgie“ der ökumeni­schen Kirche ist das Gebet für die im Glauben verstorbenen durch das folgende ersetzt: „Gedenke jener, die im Frieden Christi geschieden und aller Toten, deren Glaube nur Du allein kennst.“ (Euchari­stisches Gebet IV) Was impliziert das Beten für „alle Toten“? Sät es nicht wenigstens den Samen, daß alle Toten immer noch die Möglichkeit der Rettung haben? Und vielleicht ist die Hölle trotz allem nicht ewig! Die einleitenden Worte „Gedenke jener, die im Frieden Christi verstorben sind“ kann man gewiß als auf die Seelen im Fegefeuer bezogen verste­hen, (nicht auf die Heiligen, die der Gebete nicht bedürfen). Aber den einlei­tenden Worten folgt das Wort u n d, das eine andere Gruppe meint, die von der ersten verschieden ist, welcher aber eben­so gedacht werden soll: “ u n d aller Toten…“.

Mit der Verleugnung der Hölle ist der Gipfelpunkt der Häresie erreicht. Denn wenn es keine Hölle gibt, so folgt damit automatisch, daß niemand je verdammt werden kann. „Alle Menschen sind geret­tet.“

ZUSAMMENFASSUNG

Wir haben die ökumenistische, oder die universalistische „Geisteshaltung“ un­tersucht. Sie befasst sich besonders mit der Vorstellung der Kollektivität, der Universalität, der Menschheit, mit Gottes Barmherzigkeit und der verzerrten Wahr­heit, daß „Christus für alle gestorben ist“. Sie spielt die individuelle Rettung herun­ter, die besondere Beziehung der Seele zu Gott, Gottes Gerechtigkeit, sowie die Wahrheit, daß „nur viele gerettet wer­den“. In dieser Ordnung der Dinge hat die Hölle keinen Platz. Für den Ökumenisten ist die Lehre von der Hölle unvereinbar mit seiner verdrehten Auffassung von Gottes „Barmherzigkeit“; denn das aus­gleichende Prädikat von Gottes Gerechtig­keit wurde verdeckt. Der Höhepunkt, daß alle Menschen gerettet werden, folgt für den Ökumenisten aus seiner Geisteshal­tung, wie die Nacht dem Tag folgt.

Die Antwort des treuen Katholiken auf den Ökumenismus mit seinem Pomp und seinen Werken muß das klassi­sche Wort von W.C. Field sein: „I refuse to be participated.“ (Ich weigere mich, einbezogen zu werden.“)

Patrick Henry Omlor

Für die Übersetzung: Günther Mevec

Hinweis der Redaktion:

INTERDUM ist eine ausgezeichnete, gele­gentlich erscheinende amerikanische Zeit­schrift, die jedem Englisch verstehenden Leser des DZM nur wärmstens empfohlen werden kann. Schreiben Sie um Abonne­mente an: Patrick Henry Omlor, Box R, Menlo Park, California 94025, U.S.A.

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Quelle: DZM Oktober 1970, Seiten 1024-1030

Patrick Henry Omlor: DIE RÄUBERKIRCHE (2. Teil)

DAS GESETZ DER KLEINEN SCHRITTE

Die veteranen Revolutionäre und Verschwörer wissen, daß das Gesetz des Lebens das Gesetz des Nachundnach ist. Plötzliche, unerwartete und radikale Veränderungen werden vom „Volk“ nie bereitwillig angenommen. Die einzige verlässliche Technik, psychologischer Natur, — d.h. ohne physische Gewaltanwendung — ist diejenige der „kleinen Schritte“, beginnend mit dem Fuß auf der Schwelle. Fast immer gehen der Durch­führung irgendeiner drastischen Veränderung eini­ge geringfügige und damit verbundene Änderun­gen voraus, die zu ihr hinführen. Vielfach dienen einige öffentlich gegebene Hinweise und Winke, betreffend die Möglichkeit der beabsichtigten Änderung, als Schallboden, und diese sind be­kannt als „Versuchsballone“. Der Zweck davon ist, „sie aufzulassen“ und zu schauen, ob jemand sich rührt, um auf sie zu schiessen oder nicht. Das bestimmt den Puls des „Volkes“ oder den „Trend der Volksmeinung“, und wenn niemand auf den Versuchsballon schießt, dann fühlt man sich sicher, mit der Neuerung voranzuschreiten. Nach­dem alles vollendet ist und eine angemessene Wartefrist beobachtet wurde, können offene Bemerkungen gemacht werden, so wie jene des Kardinals Heenan: „Wenn alle Änderungen mit­einander durchgeführt worden wären, würden wir schockiert gewesen sein.“ (The Tablet, London, 11. Okt. 1969, 5. 1010).

Eine wertvolle Besonderheit dieser Technik des stufenweisen Vorgehens ist die, daß bei jedem neuen Schritt ein Musterfall gesetzt wird, einer, auf den man sich später beziehen kann als auf eine Stütze für fortgeschrittenere Änderungen. So war es zwecklos, nachdem die schwerwiegenden und ungültigmachenden Verstümmelungen der Messe bereits vollbracht waren, die „neuen Räuber“ auf das Dekret Quo Primum hinzuwei­sen oder die unveränderliche Natur des Kanons der Messe zu betonen; denn sie konnten prompt auf Papst Johannes den Guten verweisen, welcher dadurch, daß er persönlich den Namen des heiligen Josef in den Kanon einfügte, die allerer­ste Person war, die ihn je verändert hatte. Dieses Argument wird freilich für „unwiderleglich“ gehalten.

Geplante Verwirrung ist ein Teil des Pro­gramms der Räuber-Kirche. Heutzutage, wahr­lich, weiß niemand aus dem beschwindelten „Gottesvolk“, was er als Nächstes zu gewärtigen hat. Die Geneigtheit des Volkes zugunsten von Änderungen wurde so sehr gefördert, daß es alles annehmen wird. Ein Haupterfolg der Räuber-Kir­che, einer, den sie ganz am Beginn des Spieles erzielte, war der, das „Gottesvolk“ an die Idee des „Mysteriums“ der Kirche, einer Kirche im Fluß, einer Kirche, die sich verändert, um sich den Bedürfnissen der „modernen Welt“ anzuglei­chen, einer Kirche in Bewegung, zu gewöhnen. Warum glauben Sie, hören wir so oft den Ausdruck „Pilgernde Kirche“? Welches ist denn überhaupt die Definition von Pilger? Das ständi­ge Unterwegssein nach Neuigkeiten ist das Merk­mal eines leichtsinnigen Geistes; doch zum jetzigen Zeitpunkt hat sich der Kitzel nach Änderungen selbst unter den vormals solideren und treueren Gliedern des „Gottesvolkes“ wie eine ansteckende Infektion verbreitet. Die Räu­ber-Kirche setzte auf dieses Geschehen, so daß mit dem Verstreichen der Zeit die kraftvolle Opposition auf ein Minimum beschränkt bleiben würde. Das Programm als Ganzes betrachtet ist so geartet, die gesamte Kirche, vom höchstrangigen Prälaten bis zur niedrigsten Laienperson dahin zu bringen, die funkelnagelneue Kirche ohne Fragen zu stellen zu akzeptieren. Nennen wir sie wie wir wollen: Räuber-Kirche, Ökumenische Kirche, Weltkirchenrat, Universalkirche, „Operation 76″, usf. Gleich welchen Namen wir ihr geben, es ist die apostatische Kirche des Antichristen. Das ist es, wovor der hl. Papst Pius X. gewarnt hat und was er vorausgesagt hat: „Ihre wahren Ziele, ihre Intrigen, die Linie, der sie folgen, sind euch allen bestens bekannt, … Was sie beabsichtigen, ist eine WELTWEITE APOSTASIE, schlimmer noch als jene, die das Jahrhundert eines Karl Borromäus bedrohte, schlimmer deshalb, weil sie hinterhältig und versteckt in die Venen selbst der Kirche eindringt… Beider Revolten Wege sind versteckt und dunkel… Wahrhaftig ein Schauspiel erfüllt von Traurigkeit für die Gegenwart und von Drohung für die Zukunft.“ (Enzyklika Editae Saepe, 1910).

Wenn man täglich in dieser chaotischen Irgendetwaslos“-Atmosphäre lebt, erschlaffen die Kräfte der Wahrnehmungssinne, so daß schließlich das getrübte Bewußtsein legitime Änderungen von unstatthaften Änderungen ein­fach nicht unterscheiden kann. (Natürlich ist auch höchst wahrscheinlich ein Mangel an Mitar­beit mit der Gnade vorhanden.) Zugegeben, manche der Änderungen der Räuber waren, genau genommen, statthaft; das heißt, die wahre Kirche würde die Macht und das Recht gehabt haben, sie durchzuführen. Jedoch würde die wahre Kirche, geführt und erleuchtet vom Heili­gen Geist, niemals tatsächlich einen solchen Selbstmord versucht haben. Wenige unter der Hierarchie und dem Klerus können heute unter­scheiden — oder wenigstens ist es daran gelegen zu unterscheiden; denn es wäre „akademisch“ ­zwischen jenen Dingen, welche zu verändern die Kirche die Macht hat und jenen Dingen, welche selbst die Kirche und der Papst nicht antasten dürfen, zum Beispiel die Substanz der Sakramen­te (siehe Hat die Kirche das Recht? , von P.H. Omlor, Athanasius Press, 311 N. 4th Ave., Brainerd, Minn. 56401, 25c). Weiter in der Zukunft — das wird so kommen; denn die Vorzeichen sind unmißverständlich klar — wird die „Katholische Kirche“ dem Weltkirchenrat beitreten. Es war einmal eine Zeit, und das ist noch nicht so lange her, da würde jeder Katholik verstanden haben, daß so etwas unmöglich ist und gleichviel bedeutet wie Glaubensabfall. Alle jene des „Gottesvolkes“, welche, wenn die Zeit kommt, noch nicht das Vorhandensein und die wahre Natur der Räuberkirche erkannt haben, werden, wissentlich oder nicht, auf den Weg der weltweiten Apostasie geführt werden, welche vom heiligen Papst Pius X. vorausgesagt wurde. Denn es wird nicht und kann nicht die wahre Katholische Kirche sein, die dem Weltkirchenrat beitreten oder mit ihm „zusammenarbeiten“ wird.

Es ist in den Plänen der Räuberkirche wichtig, den Anschein zu geben, als ob die Katholische Kirche sich widersprochen hätte, und dann dies für geringfügig auszugeben, als ob solche Wider­sprüche normal wären, zur Routine gehörten und zu erwarten seien. Daß die wahre Katholische Kirche sich nicht widersprechen kann, kann nicht oft genug wiederholt werden. In diesen Fällen von „Widerspruch“ ist, was wirklich geschieht, dies, daß die Räuberkirche wieder daran ist, die Katholische Kirche zu verwüsten; natürlich, da­rum dreht sich das ganze Spiel. In alledem ist vielleicht die größte Gefahr für manche Katholi­ken ihr Versäumnis oder Versagen zu erkennen, daß es die Räuberkirche ist, welche der wahren Kirche widerspricht, und es sich keineswegs um einen Fall von Selbstwiderspruch handelt. Doch, wenn es ihnen scheint, daß die Kirche sich selbst ständig umdreht, so genügt dies allein schon, um ihren Glauben schwerwiegend zu erschüttern und zu unterminieren.

DIE OFFIZIELLE POLITIK IST:  WAHNSINN

Pater John Courtney Murray, S.J. (nun gestor­ben) war ein bemerkenswerter Experte beim II. Vatikanischen Konzil, und insbesondere war es das Dekret über die Religionsfreiheit, auf welches er seine Talente und seinen Einfluß aufs vollste ausübte. Als Peritus und Eingeweihter beim II. Vatikanum, besonders insofern als dieses Dekret betroffen ist, ist P. Murray am fähigsten, uns einige wertvolle Einblicke zu gewähren. In seinem Kommentar zu diesem Dekret (5. 672-4 of The Documents of Vatican II, Gen. Editor W.M. Abbott, S.J.), gibt Pater Murray zu, implizite wenigstens, daß dieses Dekret mit der bestehen­den Lehre der Katholischen Kirche in Konflikt gerät. Er beansprucht vorerst einmal, daß der Inhalt dieses Dekrets „eigentlich lehramtlich“ ist, und dann entschuldigt er die Sache so: „In aller Aufrichtigkeit muß zugegeben werden, daß die Kirche spät ist mit der Anerkennung des Prinzips (der Religionsfreiheit).“ Die Kirche „ist spät“, einfach weil erst seit sehr kurzem die subversiven Elemente genügend Macht gewannen, damit zu beginnen, die Startzeichen zu geben. „Wie dem auch sei“, fährt er fort, das Dokument ist ein bedeutsames Ereignis in der Kirchengeschichte. Es war natürlich das umstrittenste Dokument des gesamten Konzils, größtenteils, weil es mit scharfem Nachdruck die Streitfrage erhob, wel­che dauernd unter der Oberfläche aller konzilia­ren Debatten lag — die Streitfrage nach der Entwicklung der Lehre.“ Bedarf es des Hinweises, daß in der Ganovensprache der Räuber „Entwicklung“ der Lehre deren Zerstörung heißt? „Der Begriff der Entwicklung“, bemerkt P. Murray, „nicht der Begriff der Religionsfreiheit, war der wahre Auseinandersetzungspunkt für viele von jenen, die die Erklärung bis zum Ende bekämpf­ten.“

Wahrhaftig ein Auseinandersetzungspunkt! So offen und flagrant in Gegnerschaft zu den von seiner Heiligkeit Papst Pius IX. promulgierten Lehren ist dieses Dekret, daß es in „progressiven“ Kreisen bekannt wurde als „die De-Stalinisierung von Pius IX.“ Obwohl typisch ehrfurchtslos, ist diese Kennzeichnung absolut zutreffend, weil es unmöglich ist, die Lehre in diesem Dokument mit dem Syllabus der Irrtümer von Papst Pius IX. oder mit seiner Enzyklika Quanta Cura zu versöhnen. Die „Entwicklung“ der Lehre läuft hier auf einen Kurswechsel von vollen 180 Grad hinaus. Pater John Courtney Murray, der Peritus, der Eingeweihte dieses besonderen Dekrets, gibt nun zu (S. 673), daß: „Der Lauf der Entwicklung zwischen dem Syllabus der Irrtümer (1864) und Dignitatis Humanae Personae (d.h. dem Dekret über die Religionsfreiheit) NOCH DER ERKLÄ­RUNG DURCH DIE THEOLOGEN HARRT (Auszeichnung durch d. Verf.).“ „Theologen“ werden es erst fertigbringen, eine 180-Grad-Wen­de als eine „Entwicklung“ zu erklären, und so mit ihr fertig zu werden, wenn die ganze Welt wahnsinnig geworden sein wird.

Lasst uns nur einen dieser „wahren Auseinan­dersetzungspunkte“ untersuchen. In Quanta Cura (8. Dez. 1864) erklärte der Höchste Lehrer Pius IX.: „Und, aus dieser gänzlich falschen Idee der sozialen Organisation scheuen sie nicht davor zurück, diese irrige Meinung zu fördern, die besonders schädlich ist für die Katholische Kirche und das Heil der Seelen, welche von Unserem Vorgänger jüngsten Angedenkens, Gregor XVI., Wahnsinn genannt wird; nämlich, daß „Gewis­sensfreiheit und Kultfreiheit das Urrecht jeder­manns sei und in jeder rechtmässig etablierten Gesellschaft durch das Gesetz proklamiert und festgesetzt werden sollte…‘ „. „Die Synode erklärt des weiteren“, — und nun zitieren wir das Dekret über die Religionsfreiheit von Vatikan II —, „daß das Recht auf Religionsfreiheit seinen Grund in der Würde selbst der menschlichen Person hat… Dieses Recht der menschlichen Person auf Religionsfreiheit muß vom Verfas­sungs-Gesetz anerkannt sein, durch welches die Gesellschaft regiert wird. So wird es ein Zivil­recht.“

Und somit lehrt die Räuberkirche formell durch Vatikan II, daß das Recht auf Religions­freiheit „anerkannt werden müsse vom Verfas­sungsgesetz, wodurch die Gesellschaft regiert wird.“ Diametral entgegengesetzt ist die Katholi­sche Kirche, welche, durch Ihren Obersten Pontifex Pius IX. (der seinen Vorgänger Gregor XVI. zitiert), erklärt, daß es Wahnsinn sei, zu behaupten, daß Kultfreiheit „proklamiert und festgesetzt werden sollte durch das Gesetz“! Diese Meinung ist überdies „besonders fatal für die Katholische Kirche und das Seelenheil“. Infolgedessen ist die offiziell geäusserte Politik der Räuberkirche offensichtlich wahnsinnig. „Wir unterbreiten nun diesen Text Ihrer Beurteilung“, sagte Bischof Emile De Smedt, als er dieses Dekret einführte. „Es ist evident, daß gewisse Zitate von den Päpsten, wegen einer Differenz der Worte, in Gegnerschaft zu unserem Schema gebracht werden können. … Die ganze Welt wartet auf dieses Dekret… diese erlösende Lehre über die Religionsfreiheit!“ (Ansprache 19. Nov. 1963).

NEWSPEAK (etwa: Neurede) – DIE OFFIZIELLE SPRACHE

Reden und Schreiben mit ausstudierter Doppel­sinnigkeit und mit absichtlicher Verschwommen­heit ist eine Handelsmarke der freimaurerischen Publikationen und Äusserungen. Die „Universale Erklärung der Menschenrechte“, entworfen von den Vereinten Nationen und angenommen im Jahre 1948, hatte als ihren Prototyp und ihr Modell die „Menschenrechtserklärung“ von 1789, welche für Frankreich ihre freimaurerische, natu­ralistische (und schließlich atheistische) Philoso­phie und Gesellschaftsprinzipien niederlegte. (Es ist nicht unser gegenwärtiger Zweck, in den Alpdruck von blutigen Schrecken, Blasphemien, Unsittlichkeit und äußerste Gottlosigkeit — was alles die Französische Revolution war — einzu­gehen; — alle stammen von solchen Prinzipien her. Indem er sich auf dieses zuletztgenannte Dokument bezieht, bemerkt P. Denis Fahey: „Natürlich besteht eine gewisse Verschwommen­heit in einigen der Formeln. Dies ist ein wohlbekannter freimaurerischer Trick, um die Unbedachtsamen zu täuschen.“ — (The Mystical Body of Christ in the Modern World, S. 44) Wenn solche doppeldeutige und unpräzise Sprache systematisch angewandt wird, wie es bei den Freimaurern und auch in den offiziellen Dekreten und Äußerungen der Räuberkirche der Fall ist, kann das Resultat passenderweise Newspeak (um einen Ausdruck vom Novellisten George Orwell zu borgen) genannt werden. Ebenso wie Latein die Universalsprache der Katholischen Kirche ist, ist Newspeak die universale Sprache der Räuber­kirche.

Ein einzigartiger Vorteil von Newspeak ist der, daß es überall bereitwillig gesprochen wird in Englisch, Französisch, Spanisch oder Deutsch, usf., (d.h. in jeder der gängigen Sprachen), und so wird es treffenderweise eine Universalsprache genannt. Vielfach wird der Hörer von Newspeak dazu verleitet zu denken, er verstehe tatsächlich, was gesagt wird, aber niemand versteht wirklich Newspeak. Oder, vielleicht ist es richtiger zu sagen, daß jedermann in einer Weise es „ver­steht“; denn Newspeak sagt allen alle „guten Dinge“. So meisterhaft doppeldeutig ist es, daß Menschen der unterschiedlichsten, ja diametral entgegengesetzten Meinungen, genau dasselbe in Newspeak lesen und hören und alle komplett zufrieden sein können. Dies ist der Grund, weshalb nicht nur Katholiken, sondern auch Protestanten, Freimaurer, Unitarier, Juden (und vermutlich selbst die heidnischen Pygmäen Afri­kas ebenso) alle fähig sind, sogleich die Dekrete von Vatikan II zum Beispiel vollkommen, wun­derbar und bedeutungsvoll und gewichtig zu finden. Solcherart ist die ehrfurchtgebietende Natur von Newspeak. Es ist ein Durchbruch in „Ökumenismus“. Wahrscheinlich kann jeder­mann, der dies liest, an einen Freund oder Bekannten denken, der, zumeist, „solid“ und rechtgläubig ist, der jedoch, irgendwo unterwegs, zusammengestoßen ist mit Newspeak und es „verstanden“ hat und deshalb nunmehr ganz durcheinander ist von gewissen Dingen. Das ist die gefährliche Natur von Newspeak.

Wir definieren „Newspeak in Aktion“ als das Sagen einer Sache, gefolgt — sobald als möglich ­von dem Tun seines geraden Gegenteils. Papst Johannes XXIII. sprach in seiner Eröffnungsrede zum II. Vatikanischen Konzil über die Ehrung des Konzils von Trient und darüber, daß nichts geändert werde: „ … das erneuerte, frohsinnige und ruhige Festhalten an allen Lehren der Kirche in ihrer Ganzheit und Genauigkeit; wie sie immer noch hervorscheinen aus den Akten des Konzils von Trient und des Ersten Vatikanischen Kon­zils.“ Wir waren alle Zeugen, wie die „Lehre der Kirche in ihrer Unversehrtheit“ so tapfer empor-gehalten wurde in den Entschlüssen von Vatikan II, und in welch hohem Ansehen das Konzil von Trient stand und noch steht in den Augen der Räuberkirche. Ihre Liturgiekonstitution hatte tatsächlich die Stirn, von der „Erhaltung des Latein“ zu sprechen, während die Räuber sehr wohl wußten, daß der Entscheid bereits unter­zeichnet, versiegelt und abgeliefert war, dafür zu sorgen, daß es erhalten bleibe, bestensfalls einzig in Freimaurer-Töpfen. Wenn man die Dekrete von Vatikan II sorgfältig studiert, wird man der leichtfertigen Weise gewahr, mit welcher zwei prinzipielle Techniken von Newspeak gebraucht werden. Diese sind die „suppressio veri“ und die „suggestio falsi“. (Pater George Duggan, S.M. erklärt diese Tricks in seinem Buch Hans Kling und die Wiedervereinigung.) Suppressio veri, die Unterdrückung der Wahrheit, schließt die Aussage von etwas ein, das, wenn genau buchstäblich genommen, in sich wahr ist (und darin nicht herausgefordert werden kann), jedoch zu gleicher Zeit einen wichtigen und wesentlichen Aspekt oder Teil des Bildes unterdrückt. In der gewöhn­lichen Alltagssprache ist dies bekannt unter die „halbe Wahrheit“.

In der suggestio falsi wird etwas, was nicht wahr ist (d.h. eine tatsächliche Falschheit) sugge­riert oder eingeschlossen, aber die Falschheit wird nicht wirklich ausgesprochen. Das Dekret über den Ökumenismus ist voll von der suggestio falsi. Die folgenden Stellen dieses Dekretes werden genügen, um die suggestio falsi zu illustrieren: „Christus ruft seine Kirche, während sie pilgernd ihren Weg geht, zu jener fortdauernden Reform, deren sie stets bedarf, insofern als sie eine Institution von Menschen hier auf Erden ist. Deshalb, wenn der Einfluß von Begebenheiten oder der Zeiten zu Mängeln im Betragen geführt hat, in der kirchlichen Disziplin oder selbst in den Formulierungen der Lehre (welche vorsichtig zu unterscheiden ist von der Glaubenshinterlage selbst), sollten diese zur gegebenen Zeit angemes­sen berichtigt werden.“ Dies will nicht heißen, daß solche Mängel vorhanden waren; es suggeriert aber, fälschlicherweise, daß solche hätten vorhan­den sein können. „ Wenn“, sagt es, wenn solche Mängel vorgekommen sein sollten, „sollten diese angemessen behoben werden.“ Selbst der „libera­le“ Pater Walter Abbott reibt sich die Augen in Verwunderung, wenn er diesen Satz kommentiert (op. cit., S. 350): „Es ist in der Tat bemerkens­wert für ein Ökumenisches Konzil, die mögliche Unzulänglichkeit früherer lehramtlicher Formu­lierungen zuzugeben.“ Würde ein echtes Konzil, geführt vom Heiligen Geist, je irgendetwas ähnli­ches sagen, nämlich, daß die heilige Mutter Kirche unzulänglich gewesen sein könnte in der Formulierung der Lehre?

„ETWAS TUN“ FÜR DEN HL. JOSEF

Am 8. Dezember 1962, durch den Einfluß der dannzumal aufkommenden Räuber-Kirche, wur­de der Kanon der Messe, der alte römische Kanon, offiziell zerstört. Mit der Einfügung des Namens des hI. Josef in ihn, eine Änderung, welche an jenem Tage in Kraft trat, hörte der „Kanon“ der Messe auf, ein Kanon zu sein. Abgeleitet vom griechischen Wort, welches einen starren Stab oder eine feste Regel bedeutet, kanon, ist es ein unbeugsames und unveränderli­ches Ding. Kraft der Definition ist der Kanon der Messe unabänderlich.

Wegen dem Nachdruck, den viele von uns kürzlich dem Dekret Quo Primum (1570) von Papst Pius V. gegeben haben, welches Dekret unter Androhung „des Zornes des Allmächtigen Gottes und der Seligen Apostel Petrus und Paulus“ auf ewige Zeiten jegliche Zusätze oder Änderungen welcher Art auch immer im Römi­schen Missale untersagten, gibt es nun einige, die die falsche Ansicht hegen, daß der Römische Kanon erst vom Jahre von Quo Primum, 1570, her datiere. In Wirklichkeit ist dieser Kanon, für welchen der hl. Pius V. die furchtbaren Maßnah­men von Quo Primum ergriff, um ihn vor Veränderungen zu schützen, in Wahrheit substan­tiell der gleiche wie jener, den die Römische (oder Westliche) Kirche seit dem Urbeginn gebrauchte; d.h. er datiert höchst wahrscheinlich aus apostolischer Zeit. Es wird angenommen, daß der hI. Gregor der Große (gestorben A.D. 604) vielleicht gewisse Gebete im Kanon neu ordnete; und soviel ist absolute Gewißheit: „Seit dem siebten Jahrhundert blieb unser Kanon unverän­dert.“ (Cath. Encyc., v. III, p. 256). In The Question of Anglican Ordinations Discussed (London, Burns & Oates, 1873), gibt der ge­schätzte Autor E.E. Estcourt, damals Kanonikus der St. Chad’s Cathedral, Birmingham, den folgenden Bericht:

„Welches nun ist der Kanon der Messe? Und welche Ansprüche stellt er an uns? Hören wir Sir William Palmer, als ein Schriftsteller, dessen Zeugnis unverdächtig ist. Nachdem er verschiede­ne Tatsachen und Argumente diesbezüglich fest­gehalten hat, sagt er: ,Wenn wir diese Umstände alle in Erwägung ziehen, scheint nichts unver­nünftig an dem Gedanken, daß die Römische Liturgie, wie sie zu Zeiten Gregors des Großen in Gebrauch war, schon von einer Periode entfernte­sten Altertums her existiert haben mag; und vielleicht gibt es ebenso gute Gründe, ihre ursprüngliche Verfassung in das Apostolische Zeitalter zu versetzen, wie es solche gibt im Falle der großen Orientalischen Liturgie.‘

Die Sorgfalt, die angewandt wurde, um den Kanon in seiner authentischen ursprünglichen Form zu erhalten, erfahren wir von anderen Schriftstellern. ,In alten Zeiten‘, sagt Muratori, ,obwohl die Liturgie der Römischen Messe generell in den Kirchen Italiens, Frankreichs, Deutschlands, Britanniens und anderer Länder eingehalten wurde, gab es doch nicht geringe Unterschiede in ihren Missalen; dies aber berührte nicht die Substanz des Mysteriums, oder die hauptsächlichen und wesentlichen Riten der Messe. Die Unterschiede lagen in den hinzugefüg­ten Kollekten, Sequenzen und besonderen Fe­sten, welche jeder Bischof in sein eigenes Missale einfügen konnte. Jedoch war es ein Verbrechen, die heiligen Worte des Kanon zu verändern.‘ Durch das Gesetz von Karl dem Großen (Charle­magne) wurde befohlen, daß lediglich reife Männer angestellt werden sollten, ihn abzuschrei­ben; und die Konzile von York und Oxford im zwölften Jahrhundert dekretierten, daß der Erz­diakon in jeder Kirche prüfen solle, ob Irrtümer oder Mängel im Kanon vorhanden seien, entwe­der durch die Fehler von Abschreibern oder durch das Alter der Bücher. Ebenso wurde stets der Kanon in andersartigen und größeren Buch­staben geschrieben als das Übrige und manchmal durchwegs in goldenen Lettern, als ein Opfer der Ehrfurcht.“ (Ende des Zitates von Estcourt, pp. 279-280, Auszeichng. v. Verf.)

Nachdem der apostolische Ursprung des Römischen Kanons keine bewiesene Tatsache ist, wollen wir einzig jene Periode der Geschichte betrachten, während welcher wir absolut gewiss sind, daß er keinerlei Änderung erfuhr, nicht einmal eine Neuordnung der Gebete, nämlich vom Jahre 604 bis zum Jahr 1962. Seit der Zeit des hl. Papstes Gregor I. bis zur Zeit von Johannes XX I I I. waren einhundertsiebenundneun­zig (197) gültig gewählte souveräne Pontifices. Unter Vernachlässigung der möglichen Ausnah­men von einigen sehr spärlichen dieser 197 Päpste, die möglicherweise ein bisschen weniger fromm gewesen sein mochten, können wir mit Sicherheit behaupten, daß sie alle eine wahre Verehrung zum hl. Josef hegten, dem keuschen Bräutigam der Mutter Gottes. Einige dieser Päpste verliehen dem hl. Josef bemerkenswerte Auszeichnungen. Zum Beispiel: Papst Gregor XV. dehnte sein Fest auf die ganze Kirche aus; Pius IX. proklamierte ihn 1870 zum Patron der Weltkirche; im Jahre 1937 wurde die Enzyklika Divini Redemptoris, den den Kommunismus darlegt und verurteilt, von Papst Pius Xl. am 19. März, dem Festtag des hl. Josef, erlassen und in ihren abschließenden Paragraphen sagt der Ponti­fex: „Wir stellen die umfangreiche Kampagne der Kirche gegen den Weltkommunismus unter die Standarte des hl. Josef, ihres mächtigen Schirm­herrn.“ Als ein geistiger Gegenzug gegen den durch die Kommunisten „geheiligten“ 1. Mai, ein „Festtag“, welchen sie direkt von den verschwö­rerischen Illuminati (siehe Enzyklika Britannica, vol. xiv, p. 320, 11th ed.) erbten, errichtete Papst Pius XII. am 1. Mai das Fest des hl. Josef, des Arbeiters. So große Verehrer des hl. Josef wie diese 197 Päpste dieser Periode auch waren, welche immerhin 1358 Jahre umspannt (ganze 70% der gesamten bisherigen Lebensdauer der Kirche!), so hat doch nicht einer von ihnen je auch nur davon geträumt, ihn dadurch zu „ehren“, indem Hand angelegt würde an den geheiligten, unveränderlichen Kanon der Messe. Tatsächlich — und das ist Geschichte — war im Jahre 1815 wirklich eine kurzlebige Bewegung auf den Beinen, welche versuchte, den Namen des hl. Josef in den Kanon eingefügt zu erhalten. Dieser Versuch (der erste Vorfahre der nämlichen Bewegung um 1962, welcher erfolglos ausging), ­braucht darauf hingewiesen zu werden? — war unter dem wachsamen Auge von Papst Pius VII. zum Scheitern verurteilt. In einem ,Urbis et Orbis‘-Dekret der Heiligen Riten-Kongregation, datiert vom 16. September 1815, wurde das Ersuchen bündig und offiziell abgewiesen: „Nega­tive quoad additionem nominis S. Josephi Sponsi B.M.V. in Canone.“ (Siehe p. 66, V.III, of Gardellini’s compilation, 1857, 4520.) Am Vor­abend des (I.) Vatikanischen Konzils (1870) wurde die gleiche Kampagne noch einmal erneu­ert, und einmal mehr wies der wachsame Hirte Roms (diesmal war es Pius IX.) mit dem Daumen nach unten. Anscheinend verstanden diese frühe­ren Päpste nicht nur die Bedeutung des Wortes Kanon, sondern auch die schreckliche Warnung von Quo Primum. Und sie waren ebenfalls zweifellos nicht darüber im unklaren, wie die geschworenen Feinde der Kirche oftmals schein­bar „gute“ Anliegen als Keilspitzen benutzen, um schließlich ruchlose Ziele zu erreichen.

Was sehr früh während dem II. Vatikanum geschah, ist nur zu gut bekannt. In Kürze: Was keiner dieser 197 unmittelbaren Vorgänger getan hatte, und was zwei sehr scharfsinnige von ihnen geradezu verworfen haben, führte Johannes XXIII. durch. Ein Bericht darüber wird gegeben auf S. 44-6 von The Rhine Flows Into the Tiber, von hochw. Ralph M. Wiltgen, S.V.D., Hawthorn Books, 1967. Mitte März 1962 erhielt Papst Johannes sechs Bände unterzeichneter Petitionen, einschließlich Unterschriften von Kardinälen, Patriarchen, Bischöfen und Erzbischöfen, die um die Einfügung des Namens des hl. Josef in den Messkanon baten. „Während er diese Unterschrif­ten prüfte, sagte Papst Johannes: „Etwas wird für den hl. Josef getan werden.“ (p. 46) Am 30. Oktober ließ der Hilfsbischof Ildefonso Sansierra von San Juan de Cuyo, Argentinien, den ersten Versuchsballon starten, als er von der Tribüne des Konzils der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Einschluß des Namens des hl. Josef im Kanon der Messe „nicht vergessen gehen werde.“ (p. 45) Es war nicht das geringste Bisschen Widerstand diesem ersten Versuchsballon gegenüber feststell­bar. Und so wurde am 5. November „das gleiche Verlangen in großer Länge vorgebracht durch Bischof Albert Cousineau von Cap Haitien, Haiti, … welcher verlangte, daß ,der Name des hochseli­gen Josef, des Bräutigams der heiligsten Jungfrau Maria, eingefügt werde in die Messe, wo immer der Name der Seligsten Jungfrau Maria erwähnt wird.‘ “ (pp. 44-5) Immer noch keine Opposi­tion. Acht Tage später, am 13. November, machte der Kardinal-Staatssekretär eine besonde­re Ankündigung, daß der Heilige Vater die Entscheidung getroffen habe, den Namen des hl. Josef in den Kanon der Messe einzufügen, unmittelbar nach dem Namen der seligsten Jungfrau Maria, und daß die Änderung fast sogleich, d.h. am 8. Dezember, in Kraft treten würde. „Kardinal Montini beschrieb später diesen unerwarteten (? ? !) Zug als ,eine Überraschung für das Konzil von seiten des Papstes‘.“ (p.45)

Wie früher bemerkt, wurde der Römische Kanon am 8. Dezember 1962 zerstört; jedoch nur „offiziell“; denn es wird immer einige treue Priester geben, die an seiner Integrität festhalten. Was die Räuberkirche hat, ist überhaupt kein ,Kanon‘. Tatsächlich vermeidet sie gerade das Wort Kanon; seit 1968 hat sie vier sogenannte „Eucharistische Hochgebete“ gehabt, von wel­chen keines ein wahrer Kanon ist. Als einmal die unbeugsame, unveränderliche starre Regel, der Römische Kanon, verändert war — in der Räuberkirche-Version —, hörte er auf, kraft Definition, für sie ein Kanon zu sein. Und der Fuß war auf der Schwelle. Aber wenig Zeit verstrich, bis die lawinenartigen Veränderungen in den „Kanon“ einbrachen, einschließlich einer aggiornierten“ und unechten „Konsekrations-Formel“ in den meisten der verschiedenen vulgär­sprachlichen Versionen davon.

Man kann die Motive all jener Personen nicht anfechten, die für diese Neuerung stimmten; denn viele von ihnen handelten ohne Zweifel aus Gründen einer aufrichtigen Verehrung für den hl. Josef. Noch kann man die Absichten von Papst Johannes beurteilen, besonders, da seinem greisen Haupt vermutlich dann manche vorprogrammier­te Idee eingeflösst wurde, welche von seinen anvertrauten Ratgebern herstammte. Jedoch, alle diese Verehrer des hl. Josef waren jämmerlich unwissend über die Geschichte und über die wahren Absichten jener, die hinter den Kulissen arbeiteten. Wo, nebenbei, sind diese frommen Verehrer des hl. Josef heute? Warum hören wir keinen Aufschrei von ihnen? Der einzige Zweck der dunklen Parteien, die Einfluß haben, die geheim dieses Projekt zum Erfolg steuerten, war es, die Zerstörung der Messe in Gang zu bringen. Was sie brauchten, war die dünne Seite des Keiles, um zu dem heiligen und unabänderlichen Kanon zu gelangen, eine Leistung, die nie zuvor voll­bracht wurde. Sie hatten kein Interesse an dem hl. Josef dannzumal, und sie haben auch keines heute! Nun, wie kann so eine unkultivierte Anschuldigung bewiesen werden? Ganz einfach; und hier ist die verräterische Evidenz: Wenn ihre Verehrung des hl. Josef so hervorragend ist, warum kommt es dann, daß in drei von vier — 75% — ihrer neuen Eucharistischen Gebete der Name des hl. Josef auffällig abwesend ist? ? Habt ihr irgendwelche Aufschreie gehört deswegen von diesen „Verehrern“ des hl. Josef? ? Nein in der Tat; eine Verehrung des hl. Josef war es nicht gerade! Und es gibt welche, die in der Ewigkeit mehr als wahrscheinlich teuer bezahlen werden dafür, daß sie sich lustig machten über ihn.

DIE SABOTAGE IST ALLGEMEINWISSEN

So weit in dieser Serie über die Räuber-Kirche wurden gewisse Stellen aus den Dekreten des II. Vatikanischen Konzils angeführt, um zu zeigen, daß dieses Konzil die vormalige traditionelle Lehre der Katholischen Kirche über den Haufen geworfen hat. Kein ehrlicher Beobachter der gegenwärtigen Szenerie wird die Wirklichkeit des Vorhandenseins der Räuberkirche leugnen; aber einige würden es vielleicht ablehnen, so weit zu gehen, wie das II. Vatikanum zu verwerfen und seine Errungenschaften den Räubern zuzuspre­chen, anstatt dem Heiligen Geist. Tatsächlich, dann reduziert sich die Frage hierauf: Wessen Eigentum ist Vatikan II? Der Katholischen Kirche oder der Räuberkirche?

In Interdum Nr.6 wurden zwei eigentümliche Lehren von Vatikan II zitiert, welche, wie wir aufzuzeigen behaupteten und versuchten, mit den Lehren der wahren Kirche im Widerspruch stehen; nämlich: indem nichtkatholischen Sekten in theologischen Diskussionen eine „gleiche Ba­sis“ mit der wahren Kirche zugestanden wird, und die neue Lehre, in Verletzung des Kirchen­rechts und des Naturrechts, welche die Gemein­schaft im Gottesdienst (communicatio in sacris) erlaubt und ermutigt. In dieser gegenwärtigen Ausgabe wurde die „wahnsinnige“ Lehre unter­sucht, die im Dekret über die Religionsfreiheit enthalten ist, und es hat sich herausgestellt, daß sie in offenem Widerspruch zum wahren Magi­sterium steht. Dieses sind nicht bloß „isolierte“ Fälle, noch sind es „außer Zusammenhang“ angeführte Auszüge. Derganze Geist des Dekretes über den Ökumenismus (bloß als Beispiel) ist verderblich. In Mortalium Animos, sagte Seine Heiligkeit Pius XI., indem er auf eben die Dinge Bezug nahm, die in diesem Dekret gelehrt werden: „Sie setzen die irrige Ansicht voraus, daß alle Religionen mehr oder weniger gleich gut und lobenswert seien… Jene, die eine solche Ansicht hegen, sind nicht nur im Irrtum; sie verzerren die wahre Idee der Religion und weisen sie so von sich und fallen nach und nach in den Naturalis­mus und Atheismus. Diese Meinung zu begünsti­gen und solche Unternehmungen zu ermutigen, ist deshalb gleichbedeutend mit dem Aufgeben der von Gott geoffenbarten Religion.“ Alles in diesem Dekret über den Ökumenismus begünstigt diese fatalen und irrigen Ansichten. Der Leser ist eingeladen, den ersten ganzen Abschnitt auf Seite 3 von Interdum Nr. 6 nochmals zu lesen, wo einige eigentümliche Beispiele gegeben sind, und, natürlich, das Dekret selbst zu konsultieren, welches manche weitere ähnliche Fälle anführt, die erkenntlich machen, wie die Lehren dieses Konzils nichtkatholische Sekten als wenigstens „mehr oder weniger gut und lobenswert“ be­trachten. Wenn sie angenommen „fähig sind, der Gemeinschaft des Heils Zutritt zu gewähren“, und tatsächlich, wie an einer Stelle erwähnt, „ein Mittel sind der Heilswirkung“, wer kann dann leugnen, daß sie wenigstens mehr oder weniger gut und lobenswert sind? Ähnlich haben wir gesehen, wie bereitwillig die hervorragende Auto­rität P. John Courtney Murray die Schwierigkeit zugab, die sogenannte „Entwicklung“ der Lehre zu erklären, die im Dekret über die Religionsfrei­heit enthalten ist.

Unter den „Progressisten“ (deren Führer dies so planten) ist die Tatsache Allgemeinwissen, daß das Dekret über den Ökumenismus eine durchge­führte Lehre enthält, die kopfvoran mit Mortali-um Animos zusammenprallt. Hören wir zuerst von Werner Becker, einer europäischen Autorität, der auserlesen wurde, den Bericht der „Geschich­te des Dekrets über den Ökumenismus“ für die umfassende 4-bändige Studie mit dem Titel Commentary an the Documents of Vatican II zu schreiben (ursprünglich in Deutschland veröffent­licht, und nun in Englisch erhältlich bei Burns & Oates, Londen). Indem er seine Geschichte beginnt, hält Becker fest: „Jedoch Rückschläge (für den Ökumenismus) folgten, sowohl in Form der Enzyklika Mortalium Animos (1928), wie auch im Jahre 1948 und wieder 1954, als katholischen Beobachtern untersagt wurde, an den Versammlungen des Weltkirchenrates in Amsterdam und Evanston teilzunehmen.“ (Vol. II, pp. 1-2). „Auf diese Weise sah die Enzyklika Mortalium Animos die ökumenische Situation, und der neue Titel (d.h. des Ökumenismusdek­rets) ist eine klare Verwerfung dieses Standpunk­tes.“ (Becker, op. cit., p. 38) Mortalium Animos ist damit nichts weiteres als ein anderer „Stand­punkt“.

Johannes Feiner, auserwählt, den aktuellen Kommentar zu diesem Dekret für das gleiche Werk zu schreiben, sagt gleicherweise: „Der Inhalt und der Ton dieser Auswertung (im Dekret über den Ökumenismus) sind in merklichem Kontrast zur Enzyklika Mortalium Animos von Pius XI. (6. Januar 1928).“ (op. cit., p. 60) Pater Walter Abbott, ein Amerikaner, im gleichen Sinne: „Das Dekret über den Ökumenismus verdrängt verschiedene vorkonziliare Weisungen (z.B. das Monitum vom 5. Juni 1948 und die Instruktion des Heiligen Offiziums vom 20. Dezember 1949) und einige Sektionen des Kir­chengesetzbuches.“ (Documents of Vatican //, p. 342)

Um unsere Diskussion abzurunden und sie mit einem bisschen „Ökumenismus“ zu würzen, lasset uns nun zwei nichtkatholische Autoritäten anhö­ren. Dr. Samuel McCrea Cavert sagt: „Die Bedeutung des Dekretes (über den Ökumenismus) tritt deutlich hervor, wenn es Seite an Seite mit der Enzyklika Mortalium Animos von 1928 und dem Monitum des Heiligen, Offiziums von 1948 gelesen wird. Diese repräsentieren ein so isoliertes Abstehen, daß die Tür gegen irgendwelchen wirksamen Dialog zwischen den Römischen schlossen zu sein schien. Heute ist die Türe sperrangelweit offen.“ (Documents, p. 367) Dr. Cavert ist ein ehemaliger Generalsekretär des Nationalkirchenrates, und er „hatte einen führen­den Teil sowohl an der Bildung des Nationalkir­chenrates wie des Weltkirchenrates.“ (Docu­ments, p. 744) Besorgte treue Katholiken, neben­bei bemerkt, würden unermesslich davon profitie­ren, dasselbe zu tun, nämlich, das Dekret über den Ökumenismus „Seite an Seite mit der Enzyklika Mortalium Animos zu lesen“ und dabei sehen, wie „deutlich“ der Verrat ist. Letztlich belobigte Dr. Oskar Cullmann, ein protestantischer Beobachter beim Konzil, das Ökumenismusdekret in diesen Worten: „Dies ist mehr als das Öffnen einer Türe; neuer Boden wurde umbrochen. Kein Katholisches Dokument hat je von Nichtkatholiken in dieser Weise gesprochen.“ (Documents, p. 338) Wenn Inter­dum spezifische konkrete Beispiele von diesen Verkehrtheiten und Widersprüchen zitiert, so geschieht damit nichts, als daß bewiesen wird, daß diese „progressiven“ Experten recht haben. Aus guten Gründen werden die „Progressisten“ selber nicht ganz so deutlich, damit „das Gottes­volk“ nicht aufwache und erkenne, was wirklich beim II. Vatikanum vor sich ging. Stellen wir uns zum Beispiel Pater John Courtney Murray vor, wie er am Rundfunk die Tatsache erwähnt ­Kapitel und Vers zitierend —, daß die im Dekret über die Religionsfreiheit vorgetragene Lehre die genau gleiche Lehre ist, welche das Lehramt früher mit „Wahnsinn“ etiquettierte. Warum dann weisen diese „progressiven“ Experten über­haupt auf die Widersprüche von Vatikan II zum authentischen Lehramt hin? Aus mehreren Gründen:

1. Um den Eindruck zu erwecken, daß wir trotz des „Selbst-Widerspruchs“ uns nicht zu ängstigen brauchen, weil es absolut normal sei für die Kirche, in lehramtlichen Belangen selbst kehrt zu machen. Dies ist natürlich in Wirklichkeit eine Unmöglichkeit. Aber die scheinbare Kehrtwen­dung dient dazu, den Glauben des durchschnittli­chen, nicht zu gut informierten Katholiken, zu unterminieren. 2. Um dafür zu sorgen, daß die meisten Personen davon abgelenkt werden, sich Mühe zu geben, (zu) tief in die vormalige (wahre) Lehre der Kirche hineinzuschauen. Wenn Pater X. Pert bereits brillanterweise auf die Tatsache hingewiesen hat, daß Unstimmigkeiten wirklich existieren — aber nicht die wirklichen Unstimmig­keiten selber (sie sind viel zu wirkungsvoll!) ­und uns beruhigt hat, daß alles beim besten und „normal“ sei, wer kümmert sich dann darum, welches die „alte überholte“ Lehre sei, jetzt, da wir die „neue“ haben? 3. Um in der Lage zu sein, sich darauf zu berufen — im Falle, daß irgendwann in der Zukunft einer die Aufmerk­samkeit auf diese Verkehrtheiten lenken sollte, ­daß … „Klar, wir wissen alle, daß Vatikan II es getan hat, und, in der Tat, wir erwähnten es sogar damals. Keiner der wirklich bekannten Theologen war darüber beunruhigt; so warum seid ihr jetzt beunruhigt? “

EIN BISSCHEN WAHRHEIT RIECHT NICHT NACH LEHRMACHE

In unserer kurzen Studie über Häresie in Inter­dum 1 („Einblicke in die Häresie“, 6. Januar 1970) sahen wir, daß Häresie immer in der Tracht der Rechtgläubigkeit gewandet einherkommt. Häretische Abhandlungen, Traktate, Dissertatio­nen, Predigten, usw. sind stets Mischungen aus gesunder Lehre und giftigem Irrtum, und die Gründe hinter diesem modus operandi wurden diskutiert. Infolgedessen werden wir gewiss nicht feststellen, daß die Dekrete von Vatikan II von Häresie qualmen. Weit davon entfernt! Anderer­seits besteht die Gefahr, daß man verführt werden könnte durch alle die „guten“ Dinge, die in diesen Dekreten enthalten sind. Wahrhaftig, Vati­kan II lehrte nicht eine einzige These, welche wir zu glauben gezwungen sind, an die zu glauben wir nicht bereits vorher verpflichtet waren wegen vorherigen Erklärungen des authentischen Lehr­amtes. Und überdies wurde in einem jeden dieser Fälle die Lehre des wahren Magisteriums weit klarer und zwingender festgesetzt.

Man sollte nicht in der Lage sein, eine einzige Aussage, — nein, einen einzigen Satz — in irgendeinem Dekret eines echten Konzils zu finden, welche(s) nicht selbständig auf seinen zwei Füssen stehen kann und zitiert oder ange­führt werden könne (ohne Rücksicht auf den sogenannten „Kontext“) und welche(s) nichts weiteres vermittelt als eine wahre und rechtgläu­bige Lehre. Solcherart ist die Sorgfalt und die Präzision mit welcher die wahre Kirche stets ihre Erklärungen verfasste. Konsequenterweise kön­nen die doppeldeutigen oder fragwürdigen, oder sogar häretischen Lehren von Vatikan II nicht vermeintlich als nicht häretisch gelten, nur weil irgendwo anders im gleichen Dekret, oder in einem anderen Dekret, ziemlich orthodoxklingen­de Versionen gefunden werden können. Betrach­ten wir das folgende Beispiel: Auf Seite 196 des Kleinen Katechismus von Dr. Martin Luther (Dr. Martin Luther’s Small Catechism) (Concordia Publishers, 1943) finden wir diese Frage: „301. Sind Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt? “ Die Antwort, die gegeben wird, ist: „Brot und Wein sind nicht verwandelt in den Leib und das Blut Christi; denn die Bibel erklärt ausdrücklich, daß Brot und Wein immer noch gegenwärtig sind im Sakrament.“ Das ist Häresie; es ist die Lehre Dr. Luther’s von der „Konsubstantiation“. Jedoch, untersuchen wir „den Zusammenhang“ dieser Frage im Katechis­mus von Dr. Luther. Die zwei Fragen und ihre Antworten, die diese eine einfassen, die eine gerade vorher und die andere darnach, sind in perfekter Übereinstimmung mit der orthodoxen Katholischen Lehre. So ist die Antwort auf 302 folgende: „Christus gibt uns Christen Seinen Leib und Sein Blut zu essen und zu trinken.“ Dies scheint, beinahe, dem zu widersprechen, was in 301 gesagt wird, nämlich, daß das Brot und der Wein nicht in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden. Und die Antwort auf 300 schließt dies ein: „D. Weil niemand das Recht hat, die Bedeutung einer göttlichen Einsetzung und eines Testamentes zu ändern.“ (Es ist unnötig, die gesamte etwas lange 4-teilige Ant­wort auf Nr. 300 wiederzugeben) Nun, lediglich weil 300 und 302 richtig sind, soll das besagen, daß 301 (welches die Konsubstantiation lehrt) als vermutlich rechtgläubig betrachtet werden muß und „im Zusammenhang“ mit den andern zwei Antworten in Betracht gezogen werden muß, bevor man sich ein Urteil bildet, ob es Häresie sei oder nicht?

Wenn man Luthers Auffassung von der Eucha­ristie kennt, dann erkennt man, daß der ganze Animus seiner Lehre pervertiert ist, trotz Teilen, die „gut“ klingen mögen. Ähnlich ist die Her­kunft des Geistes von Vatikan II — so offensicht­lich aus seinen eigenen Früchten! — feststellbar: „alle Rechte vorbehalten — Räuber-Kirche“.

DER WILLE DES „VOLKES“

Um zu versuchen, einen jeden ihrer subversiven Anschläge zu rechtfertigen, konsultieren die Räuber ihren Katalog von Schein-Vorwänden, Clichés und trügerischen „Gründen“: Rückkehr zu den „ursprünglichen Praktiken“, Wiederher­stellung der „Einfachheit“ der Liturgie, Einfü­gung ihrer „neuen Einblicke“ in die Bedeutung gewisser Schriftstellen, Anpassen der pilgernden Kirche an die moderne Zeit. Obwohl alle erfüllt sind von Doppeldeutigkeit, ist derjenige darüber, wie „das Volk die Veränderungen wollte“ eine nackte, bloße Lüge. Angenommen, daß an einem Durchschnittstag bei Vatikan II ebensoviel Täu­schung, Intrigen, Subversion und Betrug vorkäme wie dies an einem Durchschnittstag bei der UNO der Fall ist, so würde nichtsdestoweniger bei Gelegenheit ein „Progressist“ herausrücken mit der unmaskierten Wahrheit. Nehmen wir, bei­spielshalber, die äußerst offenen Bemerkungen von Bischof William Duschak von den Philippi­nen, die er an einer Pressekonferenz am 5. November 1962 machte. Der folgende Bericht ist entnommen aus pp. 38-9 von Wiltgen, op. cit. (Auszeichng. durch d. Verf.):

„Meine Idee“, sagte (Duschak), „ist es, eine ökumenische Messe einzuführen, die entkleidet ist von allem geschichtlichen Zuwachs…, unter Verwendung einer Sprache und von Gesten, die verständlich sind.“ … Bischof Duschak akzep­tierte die konventionellen Gründe für das Intakt-halten des Kanons der Messe nicht. „Wenn Menschen aus vergangenen Jahrhunderten“, sagte er, „in der Lage waren, Meßriten zu wählen und zu schaffen, warum sollte das größte aller ökumenischen Konzile nicht fähig sein, dies zu tun? Warum sollte es nicht möglich sein, ein neues Meßformular anzuordnen mit aller erfor­derlichen Umsicht, eines, welches passend ist, gewünscht und verstanden wird vom modernen Menschen…? … Der Ritus, die Form, die Sprache und die Gesten würden so angepasst sein unserem modernen Zeitalter. … Die ganze Messe sollte überdies laut gesprochen, in der Vulgärsprache und gegen das Volk gelesen werden. Ich glaube auch, daß es wahrscheinlich ist, daß die Welt eine solche ökumenische Form der eucharistischen Zelebration annimmt… usw….“ Gefragt, ob sein Vorschlag vom Volke herstamme, welchem er doch diene, antwortete er, „Nein, ich denke, es würde dagegen Opposition machen, wie auch viele Bischöfe dagegen sind. Aber wenn er in die Praxis gesetzt werden könnte, denke ich, würden sie alles dies annehmen.“…

Noch bevor das Konzil beendet war, hatte die Kommission für die Durchführung der Beschlüsse der Liturgiekonstitution bereits drei verschiedene Meßformulare für eine beschränkte experimen­telle Basis gutgeheißen, in welchen die gesamte Messe, einschließlich Kanon, mit lauter Stimme, in der Vulgärsprache und gegen das Volk zeleb­riert werden konnte. Ein Teil des Vorschlages von Bischof Duschak war bereits in die Tat umgesetzt worden.“

Alles, wohlverstanden, weil „das Volk“ es so wünschte!

Patrick Henry Omlor

(Aus dem Englischen übersetzt von Paul O. Schenker aus INTERDUM Nr. 7, 31. Mai 1971)

Nachruf: Patrick Henry Omlor: ein Tribut von Patricius Anthony

Es ist passend, dass einer der größten katholischen Apologeten am Festtag des heiligen Athanasius [2. Mai 2013] aus diesem Leben scheiden sollte. Denn gleich wie der unbezwingbare Verteidiger der wahren Natur Christi des  4. Jahrhunderts bekämpfte Patrick Omlor die heutigen Arianer, welche ebenso boshaft sind in ihren Absichten, wenn nicht noch mehr, wie es ihre häretischen Vorgänger waren.

Während die meisten katholischen „Intellektuellen“, sowohl Laien wie Kleriker, zur Zeit des jämmerlichen Zweiten Vatikanischen Konzils  (wenn auch widerwillig) mit den abscheulichen Änderungen mitmachten, welche stattfanden und jenen, die auf sie folgten, erhob Patrick Omlor unter andern wie die hochw. Gommar De Pauw, James Wathen und Erzbischof Marcel Lefebvre die Stimme, schrieb und ergriff Maßnahmen gegen den neo-modernistischen Moloch, welcher fast die Gesamtheit der zweitausend Jahre heiliger Tradition verschlingen wollte. Während ihr Widerstand gegen die Apostasie, Häresie und Irrtümer der Konzilskirche mit Hohn und Spott und in einigen Fällen mit Gewaltanwendungen durch Familien, Freunde und das Novus-Ordo-Establishment behandelt wurde, werden diese Männer, wie der hl. Athanasius und jene, welche jedes Verderbnis in der Kirche in der Vergangenheit bekämpf haben, ewigen Lohn erhalten für ihre Treue zur Wahrheit.

Als begabter Schreiber und Analytiker wäre es bedeutend einfacher gewesen für Patrick Omlor, wenn er innerhalb der Novus-Ordo Struktur geblieben wäre und zu ihrem Preise und zur Rechtfertigung ihrer Gültigkeit geschrieben hätte, wo er bestimmt finanziellen Gewinn und Auszeichnungen vom Establishment erhalten hätte, das so verzweifelt erstklassiger Apologeten ermangelt. Oder er hätte ein neokonsevativer „Kritiker“ des Neuen Ordos werden können wie so viele zeitgenössische Blogger, die kritisieren, jedoch die Konzilskirche als legitim akzeptieren, trotz des Berges von Beweisen für das Gegenteil. Omlor’s Ablehnung, seine Ansichten mit jenen der Konzilskirche in Übereinstimmung zu bringen, erklärt gewiss, warum es fast keine Erwähnung seines Hinschiedes in diesen Publikationen und auf diesen Blogger-Seiten gegeben hat.

Patrick Omlor, wie so viele seiner traditionellen Mit-Katholiken, wählte den schwierigeren und weniger populären Weg, geebnet vom Göttlichen Erlöser und befolgt von den Heiligen und Martyrern. Denn Omlor konnte die Wahrheit nicht verraten und ihr Verderbnis und ihre Aufgabe durch die Höhle der Räuber, Apostaten und Vergewaltiger, welche die Novus-Ordo-Sekte bevölkern. Anders als die halb-traditionellen Publikationen, Blogger und Bernie Fellay‘s Neo-SSPX, die zweideutig reden über die Gültigkeit der Novus-Ordo-Sakramente, hielt Omlor von allem Anfang an fest an ihrer Unrechtmäßigkeit, wie man klar sehen kann an seiner feurigen Passage aus seiner unbedingt besitzens- und lesenswerten Zusammenstellung von Aufsätzen mit dem Titel: The Robber Church, Die Räuber-Kirche:

Es möge sich niemand mehr täuschen lassen. These ökumenische Organisation dort draußen mit ihren verlogenen Propaganda-Organen überall in der Welt, beschönigend genannt die „diözesane Presse“ oder „katholische Presse“ oder „Vatikanische Richtlinien“ für dies und das, jene neue Kirche mit ihren Kardinälen und Bischöfen, die sich den „interreligiösen Gesprächen“ widmen und mit ihren glaubenslosen Priestern, die von sich selbst als nichts mehr als „Vorsitzende der Gemeinde“ oder „Minister des Wortes“ denken, und mit ihrem feigen und verwirrten „Volk Gottes“ beraubt seines Geburtsrechtes. All dies ist einfach nicht die wahre katholische Kirche. Nein, dieses ökumenische Schreckgespenst, verstrickt im Chaos, ist Satans eigene Arche des Verderbens. Gerade wie der heilige Papst Leo I. sich zurecht bezogen hat auf ein gewisses „ökumenisches Schein-Konzil“  als das Räuber-Konzil, Latrocinium, so ist gleicherweise, was uns jetzt konfrontiert, nichts mehr oder weniger als eine Räuber-Kirche (S. 164).

Omlor wird stets in Erinnerung bleiben für seine äußerst wichtige und immer noch hoch-relevante Monographie: „Questioning the Validity of the MASSES Using the New, All-English Canon (die Infragestellung der Gültigkeit der Messen, welche den neuen, nur-englischen Kanon verwenden). Sie erschien im Jahre 1968, bevor Pauls VI./Montini’s Neue Messe offiziell promulgiert wurde im Jahre 1970. Wie der hochw. De Pauw, der häretische Schriften „an der Wand“ sah vor dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils, erkannte Omlor und bewies Omlor im voraus die Ungültigkeit der „Englischen Messe“, ehe ihre abschließende häretische Version auf die katholische Laienschaft geworfen wurde.

In kurzer, präziser und unwiderlegbarer Argumentation basierend auf der scholastischen Philosophie, insbesonders jener des Engelgleichen Lehrers, bewies Omlor klar die Ungültigkeit des Kanons der Englischen Messe.  Die Monographie steht immer noch als eine unwiderlegbare Zerlegung der Neuen Messe, welche keine Autorität der Konzilskirche zu beantworten versucht hat. Überdies machte ihre Kürze es umso verheerender und berücksichtigte eine breitere Leserschaft (wenn doch spätere Kritiken von Autoren der Neuen Messe Omlor’s prägnanten Stil übernommen hätten, hätten sie auch breitere Leserschaften gefunden).

Noch hat die neokonservitive katholische Masse die These Omlor’s begriffen. Die meisten akzeptieren immer noch die Gültigkeit der Neuen Messe, aber weichen persönlich aus, indem sie die „Indult“-Messe oder Motu-Messen besuchen. Jedoch, selbst da gibt es keine Gewissheit, denn die meisten der Zelebranten dieser Pseudo-Messen sind nicht wirklich Priester, sondern Presbyter, die ordiniert wurden im ungültigen neuen Weiheritus.

Nicht überraschend ist Bernhard Fellay unklar in der Streitfrage der Neuen Messe. Wenn „ehrfürchtig“ und mit der „richtigen Intention“ zelebriert, kann sie gültig sein, ist die gewöhnliche Antwort Seiner Exzellenz Bernhard. Es ist erstaunlich wie dieser Autokrat nicht nur „verhandeln“ konnte, sondern im gleichen Raum mit den Monstern sein konnte, die verantwortlich gewesen sind dafür, dass diesem Gräuel erlaubt wurde, fortzudauern. Es sieht aus wie im Falle Bernie’s: „Stolz verblendet gewiss.“

Patrick Omlor’s Leben war ein inspirierendes Beispiel für jene, die der Sache der katholischen Tradition verpflichtet sind. Es kann keine Anpassung geben, noch Anerkennung des Novus Ordo, einzig das Ziel seiner vollständigen Vernichtung und die folgende Verurteilung seiner Urheber, Praktizierer und jener, die versucht haben, zu kompromittieren und „verhandeln“ mit ihm. Indem sie dem heroischen Leben, das Patrick Omlor führte und seinen unkompromittierenden Schriften folgen, werden die traditionellen Katholiken, mit dem Beistand des Allmächtigen Gottes, ihre heilige Mission erfüllen.

(Aus dem Englischen übersetzt von Paul O. Schenker)

Außerdem beachtenswert: