„Ein Wasser, das jeden Durst stillt“

Angelus vom Sonntag, dem 19. März 2017

Im Zentrum der Katechese von Papst Franziskus vor dem Angelusgebet am Sonntag, dem 19. März, stand die Perikope aus dem Evangelium des Johannes, mit dem Dialog Jesu mit einer Samariterin am Jakobsbrunnen (4,5-42).

Wie Franziskus erklärte, finde die Begegnung in Samarien, zwischen Judäa und Galiläa, statt, dessen Bevölkerung von den Juden verachtet würde, weil als schismatisch und häretisch angesehen. Genau diese Bevölkerung werde eine der ersten sein, so erinnerte der Papst, die der christlichen Verkündigung der Apostel beigetreten sei.

Während die Jünger in das Dorf gingen, um Essen zu holen, bleibe Jesus bei einem Wasserbrunnen und bitte eine Frau, ihm zu trinken zu geben. Darauf hin entwickle sich ein Dialog. „Wieso lässt ein Jude sich herab, eine Samariterin etwas zu fragen?“

Die Antwort Jesu: „Wenn du wüsstest, wer ich bin und welches Geschenk ich für dich habe, dann würdest du mich bitten und ich würde dir ‚lebendiges Wasser’ geben, ein Wasser, das jeden Durst stillt und eine unerschöpfliche Quelle im Herzen von jenem wird, der es trinkt.“

Zum Brunnen gehen und Wasser schöpfen sei anstrengend und langweilig; es wäre schön, eine sprudelnde Quelle zur Verfügung zu haben, so sagte Franziskus, der aber anmerkte, Jesus spreche von einem anderen Wasser.

Als die Frau merke, dass der Mann, mit dem sie spreche, ein Prophet sei, vertraue sie ihm ihr  eigenes Leben an und stelle ihm religiöse Fragen. „Ihr Durst nach Zuneigung und vollem Leben ist nicht von den fünf Ehemännern gestillt worden, die sie gehabt hatte, im Gegenteil, sie hatte nur Enttäuschungen und Täuschungen erlebt“, so Franziskus.

Als sie daraufhin ahne, dieser Mann könne der Messias sein, bestätige Jesus – „etwas sehr Seltenes“ – dies: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“. Jesus, so merkte der Papst an, erkläre, er sei der Messias, gegenüber einer Frau, „die ein so unordentliches Leben hatte“.

„Liebe Brüder“, erinnerte der Papst,  „das Wasser, das das ewige Leben schenkt, ist in unseren Herzen am Tag unserer Taufe ausgegossen worden; dann hat Gott uns verwandelt und mit seiner Gnade erfüllt.“

„Aber es kann sein, dass wir dieses große Geschenk vergessen oder zu einer rein meldeamtlichen Tatsache reduziert haben; und vielleicht sind wir auf der Suche nach ‚Quellen’‪‪, deren Gewässer uns nicht stillen“, so fuhr Franziskus fort. „Wenn wir das wahre Wasser vergessen, gehen wir auf die Suche nach Quellen, die kein sauberes Wasser haben“, warnte er.

„Dieses Evangelium ist also genau für uns! Nicht nur für die Samariterin, für uns. Jesus spricht zu uns wie zur Samariterin“ , betonte der Papst, der die Gläubigen dazu aufrief, in der Fastenzeit die Gnade der Taufe zu erneuern, sich am Brunnen des Wortes Gottes und seines Heiligen Geistes zu stillen.

„Möge die Jungfrau Maria uns helfen, ständig die Gnade zu schöpfen von diesem Wasser, das aus dem Felsen herausspringt, der Jesus der Erlöser ist, damit wir mit Überzeugung unseren Glauben bekennen können und mit Freude die Wunder der Liebe Gottes barmherzig und Quelle jeder Güte, verkünden“, so schloss Franziskus seine heutige Betrachtung.

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„Die Mühe der Überquerung der Wüste

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Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 1. März 2017, auf dem Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 13. Die Fastenzeit – Weg der Hoffnung

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen Aschermittwoch treten wir in die liturgische Fastenzeit ein. Da unsere Katechesenreihe der christlichen Hoffnung gewidmet ist, möchte ich heute die Fastenzeit als einen Weg der Hoffnung beschreiben.

Tatsächlich tritt diese Perspektive klar hervor, wenn wir bedenken, dass die Fastenzeit in der Kirche als Zeit der Vorbereitung auf Ostern eingerichtet wurde. Daher wird der gesamte Sinn dieser vierzig Tage vom österlichen Geheimnis erleuchtet, auf das sie ausgerichtet sind. Wir können uns den auferstandenen Herrn vorstellen, der uns dazu aufruft, aus unserer Dunkelheit auszutreten, und wir gehen auf ihn, das Licht, zu. Die Fastenzeit ist ein Weg zum auferstandenen Herrn. Sie ist eine Zeit der Buße und auch der Kasteiung, jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr zielt sie auf unsere Auferstehung mit Christus ab, auf die Erneuerung unseres Taufbekenntnisses, d.h. darauf, dass wir wieder neu „von oben“ – von der Liebe Gottes – geboren werden (vgl. Joh 3.3). Insofern ist die Fastenzeit ihrem Wesen nach Zeit der Hoffnung.

Zum besseren Verständnis der Bedeutung des zuvor Gesagten müssen wir auf die grundlegende Erfahrung des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten Bezug nehmen, von der die Bibel im Buch Exodus berichtet. Ausgangspunkt ist die Situation der Knechtschaft in Ägypten, die Unterdrückung, die Zwangsarbeit. Der Herr hat sein Volk und seine Verheißung jedoch nicht vergessen: Er ruft Mose  und lässt das Volk Israel unter der Führung eines starken Armes ausbrechen und führt sie durch die Wüste in das Land der Freiheit. Während dieses Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit gibt der Herr den Israeliten das Gesetz, damit sie ihn, ihren einzigen Herrn, zu lieben lernen und auch untereinander geschwisterliche Liebe üben. Die Heilige Schrift beschreibt den Auszug als lang und beschwerlich: Symbolisch dauert er 40 Tage; dies entspricht der Lebenszeit einer Generation, die angesichts der Prüfungen des Weges stets der Versuchung unterliegt, Ägypten nachzutrauern und zurückzukehren. Auch wir kennen die Versuchung, zurückzukehren, alle. Der Herr bleibt diesen armen von Mose geführten Menschen, die in das verheißene Land kommen, jedoch treu. Der gesamte Weg wird in der Hoffnung zurückgelegt: der Hoffnung, das Land zu erreichen und gerade in diesem Sinne handelt es sich um einen „Auszug“, den Austritt aus der Knechtschaft in die Freiheit. Diese 40 Tage sind auch für uns alle ein Austritt aus der Knechtschaft, aus der Sünde in die Freiheit, in die Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Jeder Schritt, jede Mühe, jede Prüfung, jedes Fallen und jede Wiederaufnahme – alles hat nur im Heilsplan Gottes einen Sinn, der für sein Volk das Leben will und nicht den Tod, die Freude und nicht den Schmerz.

Das Paschaopfer Jesu und sein Exodus haben uns den Weg zum vollen, ewigen und seligen Leben geöffnet. Um diesen Weg zu gehen musste sich Jesus seiner Herrlichkeit entäußern, sich erniedrigen, bis zum Tod und bis zum Tod am Kreuz gehorsam sein. Damit er uns den Weg zum ewigen Leben eröffnen könnte, vergoss er sein gesamtes Blut und dank ihm sind wir von der Knechtschaft der Sünde befreit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er alles getan hat und wir nichts tun müssen, dass er durch das Kreuz ging und wir „mit der Kutsche ins Paradies fahren“ So ist es nicht. Unsere Rettung ist gewiss ein Geschenk von ihm, doch da es sich um eine Liebesgeschichte handelt, sind unser „ja“ und unsere Teilhabe an seiner Liebe erforderlich, wie es uns von seiner Mutter Maria und nach ihr von allen Heiligen gezeigt wird.

Die Fastenzeit lebt von der folgenden Dynamik: Christus geht mit seinem Exodus voraus und wir durchqueren die Wüste dank ihm und hinter ihm. Er wird für uns versucht und hat den Versucher für uns besiegt, aber auch wir müssen mit ihm die Versuchungen bewältigen und überwinden. Er schenkt uns das lebendige Wasser seines Geistes und es ist an uns, aus seiner Quelle zu schöpfen und zu trinken; in den Sakramenten, im Gebet, in der Anbetung: Er ist das Licht, das die Finsternis überwindet und wir werden gebeten, die kleine uns am Tag unserer Taufe anvertraute Flamme zu nähren.

In diesem Sinne ist die Fastenzeit „sakramentales Zeichen unserer Umkehr“ (ital. Quelle: Messale Romano, Oraz. Colletta I Dom. Di Quar.; eigene Übersetzung). Wer den Weg der Fastenzeit geht, ist immer auf dem Weg der Umkehr. Die Fastenzeit ist stets zu erneuerndes sakramentales Zeichen unseres Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit. Dieser Weg ist gewiss anspruchsvoll, wie es auch sein soll, denn die Liebe ist anspruchsvoll, doch dieser Weg ist voller Hoffnung. Ich würde sogar sagen: Der Exodus der Fastenzeit ist der Weg, auf dem die Hoffnung selbst entsteht. Die Mühe der Überquerung der Wüste – alle Herausforderungen, Versuchungen, Illusionen, Trugbilder …-, all dies formt eine starke und feste Hoffnung nach dem Beispiel der Jungfrau Maria, die inmitten der Finsternis der Passion und des Todes ihres Sohnes nicht aufhört an seine Auferstehung, an den Sieg der Liebe Gottes, zu glauben und darauf zu hoffen.

Mit auf diesen Horizont hingeöffnetem Herzen treten wir heute in die Fastenzeit ein. Uns als Teil des heiligen Volkes Gottes empfindend, beginnen wir mit Freude diesen Weg der Hoffnung.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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„Dem Leben ‚Geschmack’‪‪ verleihen“

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Angelus, 22. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Angelus am Sonntag, dem 5. Februar 2017

 In der Katechese vor dem Angelus am Sonntag, dem 5. Februar 2017, ging Papst Franziskus auf das Tagesevangelium ein, und insbesondere auf die Einladung, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein (Matthäus 5,13-16).

Mit den Metaphern des Salzes und des Lichtes wende sich Jesus an die Jünger von jeder Epoche, ‪„damit auch an uns“, so betonte Franziskus zu Beginn seiner Betrachtung.

„Jesus lädt uns ein, durch das Zeugnis der guten Werke ein Widerschein seines Lichtes zu sein“, so der Papst, der an dieser Stelle den Schlussvers der heutigen Perikope zitierte: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).

Dies bedeute, dass Christen als wahre Jünger Jesu, der das Licht ist, nicht durch ihre Worte, sondern durch ihre Werke erkennbar seien.„Tatsächlich, es ist vor allem unser Verhalten, das — im Guten wie im Bösen — ein Zeichen in den anderen zurücklässt“, erläuterte der Papst.

Es sei die Aufgabe und die Verantwortung eines Christen, die empfangene Gabe nicht zu behalten, als sei es sein Eigentum, sondern er sei dazu aufgerufen, das Licht des Glaubens durch die guten Werke den anderen weiterzugeben. ‪„Und wie sehr braucht die Welt das Licht des Evangeliums, das verwandelt, heilt und jenem, der es aufnimmt, das Heil versichert“,  so unterstrich Franziskus.

Christus sollen nicht nur Licht der Welt, sondern auch Salz der Erde sein, erinnerte der Papst, weil das Salz nicht nur würze, sondern zugleich die Lebensmittel vor dem Verderben bewahre. ‪„Zur Zeit Jesu gab es keine Kühlschränke“, so erinnerte Franziskus mit Sinn für Humor.

Deshalb sei es die Aufgabe der Christen in der Gesellschaft, nicht nur mit dem Glauben und der Liebe, die Christus uns gegeben hat, dem Leben „Geschmack“‪‪ zu verleihen, sondern auch die schädlichen Keime des Egoismus, des Neids, der Verleumdung usw. fern zu halten, so der Papst.

‪„Diese Keime verderben das Gewebe unserer Gemeinden, die stattdessen als Orte der Aufnahme, der Solidarität und der Versöhnung leuchten sollen“, sagte der Papst. Um aber diese Sendung erfüllen zu können, sollen Christen zunächst selbst befreit sein vom verderbenden Degenerieren durch die weltlichen Einflüsse, so erinnerte Franziskus, der weiter betonte, dieses sich Reinigen ende niemals, solle ständig fortgesetzt, täglich getan werden.

Maria, „die erste Jüngerin Jesu und Modell der Gläubigen“, könne uns dabei helfen, so sagte der Papst. ‪„Möge unsere Mutter uns helfen, uns immer vom Herrn reinigen und erleuchten zu lassen, damit auch wir ‚Salz der Erde’ und ‪‚Licht der Welt‪’‪‪ werden“, so betete er am Ende seiner Betrachtung.

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Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia

Papst Franziskus gibt eine Generalaudienz für die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich ihres Besuchs "ad Limina Apostolorum" am 19. November 2015 im Vatikan.

Papst Franziskus gibt eine Generalaudienz für die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich ihres Besuchs „ad Limina Apostolorum“ am 19. November 2015 im Vatikan.

„Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird,
ist auch die Freude der Kirche“

Wort der deutschen Bischöfe

 

Wir freuen uns sehr über das große Geschenk, das Papst Franziskus mit seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris laetitia der Kirche und allen Menschen guten Willens gemacht hat, die sich für ein gelingendes Leben in Ehe und Familie einsetzen. Er hat darin die Erträge des synodalen Weges zusammengefasst und weitergeführt, den die Kirche in den Jahren 2014 und 2015 mit ihm beschreiten konnte. Zugleich hat er die Gedanken und Überlegungen mit der Botschaft der Bibel, der Tradition der Kirche und mit seiner eigenen seelsorgerlichen Erfahrung zu einer überzeugenden Einheit verwoben. Gerade die alltagsnahe und lebensbejahende Sprache, in der Papst Franziskus von Ehe, Partnerschaft, Sexualität, Elternschaft, Familie und vor allem von der Liebe spricht, macht Amoris laetitia zu einer inspirierenden Quelle für das Leben von Ehe und Familie. Wir laden alle herzlich dazu ein, das Schreiben des Papstes zu lesen und zu studieren. Dabei kann es, wie Papst Franziskus selbst betont, „sowohl für die Familien als auch für die in der Familienpastoral Tätigen nutzbringender sein, wenn sie es Abschnitt für Abschnitt geduldig vertiefen oder wenn sie darin nach dem suchen, was sie in der jeweiligen konkreten Situation brauchen“ (AL Nr. 7). In besonderer Weise empfehlen wir die Lektüre des 4. Kapitels über „Die Liebe in der Ehe“. In der Betrachtung über 1 Kor 13 legt der Heilige Vater ein gutes Fundament, die verschiedenen pastoralen Herausforderungen im Licht der Heiligen Schrift zu lesen und zu konkreten Handlungen zu führen. Denn „das Sakrament der Ehe ist nicht eine gesellschaftliche Konvention, ein leerer Ritus oder das bloße äußere Zeichen einer Verpflichtung. Das Sakrament ist eine Gabe für die Heiligung und Erlösung der Eheleute, denn ihr gegenseitiges Sichgehören macht die Beziehung Christi zur Kirche sakramental gegenwärtig“ (AL Nr. 72). So ist die christliche Ehe ein sichtbares Zeichen für die Liebe Gottes und deren wirksame Kraft: ein Stück gelebte Kirche. Darum spricht die Kirche von Ehe und Familie als von einer Kirche im Kleinen, einer „Hauskirche“.

Als Erstes sagen wir Dank, nicht nur dem Heiligen Vater für seine Impulse, sondern auch all jenen, die sich in der Vorbereitung und Begleitung des synodalen Weges eingesetzt haben, bei den Befragungen im Vorfeld und in der fachlichen Aufbereitung. Danke auch für alles Gebet, das die Synodenteilnehmer und ihre Beratungen begleitet hat. Alle haben auf ihre je eigene Weise dazu beigetragen, dass dieser synodale Weg ein Weg der ganzen Kirche war.

Auf diesem Weg wurden uns auch die vielfältigen Lebenssituationen der Ehepaare und Familien von heute deutlich. Wir sehen mit großem Respekt, welche Anstrengungen in Gesellschaft, Beruf und Erziehung Menschen heute zu bewältigen haben. Alle, die tagtäglich partnerschaftliche Treue, elterliche Liebe, Fürsorge und Erziehung, Solidarität zwischen den Generationen und aufrechte Beziehungen in ihrem familiären Umfeld leben, leisten einen unendlich wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, vor allem aber füreinander. Der unermüdliche Einsatz der Eltern, die ihre Kinder ins Leben begleiten und zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten heranbilden, ist unersetzbar. Deshalb danken wir besonders den Eheleuten und den Familien für ihr Lebens- und Glaubenszeugnis. Soweit es uns möglich ist, wollen wir Menschen auf diesem Weg unterstützen.

Welche Konsequenzen ergeben sich nun aus Amoris laetitia für die Ehe- und Familienseelsorge in Deutschland? Vieles davon wird in den konkreten pastoralen Situationen entwickelt werden müssen. Wir nennen daher nur einige wichtige Leitpunkte. Dies sind erste Schwerpunkte, denen wir uns in der folgenden Zeit besonders widmen wollen. Damit ist der Reichtum von Amoris laetitia nicht annähernd ausgeschöpft. Wir wollen uns mit dem Evangelium von der Familie, wie es in Amoris laetitia entfaltet wurde, auch weiterhin befassen und weitere Schwerpunkte entfalten. An dieser Stelle thematisieren wir zunächst:

  • die Ehevorbereitung;
  • die Ehebegleitung;
  • die Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens;
  • den Umgang mit Zerbrechlichkeit: begleiten – unterscheiden –

 

Ehevorbereitung

Am Anfang der pastoralen Begleitung von Paaren, Eheleuten und Familien steht die Ehevorbereitung. „Die komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit und die Herausforderungen, mit denen sich die Familien heute auseinandersetzen müssen, erfordern einen größeren Einsatz der ganzen christlichen Gemeinde im Hinblick auf die Vorbereitung der Brautleute  auf die Ehe“ (AL Nr. 206). Wir möchten, dass Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, erfahren, dass wir uns über ihren Entschluss freuen, denn „die Freude der Liebe … ist auch die Freude der Kirche“ (AL Nr. 1). Wir laden sie herzlich ein, mit uns zusammen ihre  konkrete Lebenssituation in den Blick zu nehmen und die spirituelle und auch sakramentale Dimension ihrer Partnerschaft zu erschließen. Hier bedarf es weiterer Anstrengungen zur Entwicklung  eines  Ehekatechumenats,  der  den  Weg zur  Ehe  als  bewussten  Glaubensweg begleitet. In den deutschen Diözesen verfügen wir bereits über zahlreiche Modelle, Initiativen und Projekte für eine Vorbereitung auf die Ehe, angefangen von der Förderung junger Menschen in ihrer Beziehungsfähigkeit, etwa in Jugendarbeit, Religionsunterricht und Familienpastoral, über Paar- und Eheseminare bis hin zur unmittelbaren Vorbereitung des Trauungsgottesdienstes. Viele dieser Angebote finden aber zu punktuell statt und erreichen zu wenige Paare. Das hohe Gut, das das Ehesakrament aus dem Glauben heraus bedeutet, wird jungen Paaren oft zu wenig vermittelt.

Unsere Ehevorbereitungspastoral bedarf daher einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters. Vor Ort wie auch im Austausch auf diözesaner und überdiözesaner Ebene gilt es, diese seelsorgerlichen Angebote weiterzuentwickeln und auszuweiten.

 

Ehebegleitung

Wir sehen uns auch in der Pflicht, die Bemühungen um die Ehebegleitung zu verstärken. Dabei soll vor allem das Gelingende mit allen Mühen und Früchten wertgeschätzt werden. Es soll in Gottesdiensten an besonderen Festen und zu Ehejubiläen gefeiert werden. Wichtig ist auch, auf das Sakrament der Ehe und seine Sinnhaftigkeit stärker in der Verkündigung, in der Predigt und in der Erwachsenenbildung einzugehen. Andererseits aber genügt es nicht, sich auf die Verkündigung von Prinzipien zurückzuziehen. „Uns kommt ein verantwortungsvollerer und großherzigerer Einsatz zu, der darin besteht, die Gründe und die Motivationen aufzuzeigen, sich für die Ehe und die Familie zu entscheiden“ (AL Nr. 35). Ausdrücklich fördern wir alle Bemühungen von Ehe- und Familienkreisen in Pfarreien, Verbänden und geistlichen Gemeinschaften. In all dem liegt uns die Entfaltung einer Ehe- und Familienspiritualität besonders am Herzen. Von hervorgehobener Bedeutung sind auch die in unserem Land sehr zahlreichen konfessionsverbindenden Ehen. Ihre Situation bedeutet eine besondere Herausforderung, aber ebenso auch eine Chance im ökumenischen Dialog. Wir wissen, dass in einer solchen Ehe der Schmerz der Trennung zwischen den Kirchen besonders stark wahrgenommen wird. Dies wird sicherlich besonders bei der Frage der Taufe und der Erziehung der gemeinsamen Kinder oder bei der Feier der Erstkommunion bzw.  Konfirmation erfahren.

Vor allem die noch nicht mögliche volle Gemeinschaft im Herrenmahl lässt den Schmerz der Spaltung der Christenheit in solchen Ehen und Familien deutlich werden. Wir sind uns bewusst, dass es nicht leicht ist, die katholische Position in unserer Zeit zu vermitteln und zugleich in pastoraler Verantwortung mit dieser Frage umzugehen.

Neben der Wertschätzung des Gelingens ist in der Begleitung von Ehepaaren und Familien auch die Hilfe bei Problemen und Schwierigkeiten unverzichtbar. Familien stehen fast täglich in Situationen, die ihnen das Leben schwer machen. Das Spektrum reicht von ökonomischen Herausforderungen   über   Krankheiten,   körperliche   Beeinträchtigungen,   Erziehungs- und Beziehungsprobleme, Wohnungsnot, Arbeitsplatzverlust, Sorge und Pflege für altgewordene Eltern bis hin zum Tod von Familienangehörigen. Entsprechend vielfältig muss das Hilfeangebot ausgestaltet sein. Die Dienste der Caritas, die Angebote der Ehe- und Familienpastoral und der kirchlichen Beratungsstellen sowie auch die unmittelbare Ansprechbarkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pfarrseelsorge und in den kirchlichen Einrichtungen wie etwa den Kindertagesstätten leisten hier bereits jetzt sehr viel. Allen, die hier engagiert arbeiten, sagen wir an dieser Stelle unseren herzlichen Dank. Nur so kann Kirche menschenfreundlich und hilfsbereit im Alltag der Menschen erlebt werden. Uns allen gilt der Appell aus Amoris laetitia: „In den schwierigen Situationen, welche die am meisten Bedürftigen erleben, muss die Kirche besonders achtsam sein, um zu verstehen, zu trösten, einzubeziehen“ (AL Nr. 49).

 

Familie als Lernort des Glaubens stärken

Mit Amoris laetitia weisen wir auf die besondere Bedeutung der Familie als Lernort des Glaubens hin: „Die Erziehung der Kinder muss von einem Weg der Glaubensweitergabe geprägt sein“ (AL Nr. 287). Familien sind der Ort der ersten personalen Beziehungen und bilden einen intimen Erfahrungsraum. Kinder haben ein besonders feines Gespür für die großen Fragen des Lebens und Eltern können ihre Kinder für diese Fragen sensibilisieren. Hilfreich sind tägliche Rituale wie das gemeinsame Gebet oder das Segenskreuz, das sie  ihnen auf die Stirn zeichnen. Auch die bewusste Gestaltung des Sonntags sowie kirchlicher Feste in der Familie eröffnet einen Zugang zur religiösen Erziehung und zur Weitergabe des Glaubens. Eltern wollen ihren Kindern Orientierung für den Lebensweg geben. Dazu gehört auch, über den eigenen Glauben zu sprechen: „Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das in der Taufe empfangen wird, und nicht das Ergebnis eines menschlichen Tuns, doch die Eltern sind Werkzeuge Gottes für seine Reifung und Entfaltung“ (AL Nr. 287). Dafür suchen Familien nach gemeinsamen und tragfähigen Ausdrucksformen. Die Gestaltung religiöser Elemente  und Rituale im Familienleben braucht nicht das Außergewöhnliche, sondern die Nähe zum Alltag. Wir möchten Eltern und Großeltern darin unterstützen, immer wieder neu geeignete Formen zu suchen und zu finden. Kinder brauchen Erwachsene, die sie in ihren Fragen und ihrem Suchen begleiten. Kinder fordern Erwachsene mit ihren Fragen aber auch heraus. Das kann dazu beitragen, dass Erwachsene ihren Glauben und ihre religiöse Praxis überdenken  und in ihrem Glauben wachsen. So kann das Miteinander von Kindern und Erwachsenen eine echte Schule des Glaubens sein. Diese Prozesse wollen wir verstärkt seelsorglich begleiten, zumal das Religiöse im Familienleben seine Selbstverständlichkeit weithin verloren hat.

 

Umgang mit Zerbrechlichkeit:
begleiten – unterscheiden – eingliedern

Trotz allen guten Willens der Eheleute und trotz aller Vorbereitung auf die Ehe geschieht es, dass Beziehungen zerbrechen. Menschen sehen sich vor dem Scherbenhaufen ihres auf eine Partnerschaft gegründeten Lebensentwurfs. Sie leiden daran, dass sie scheitern und ihrem Ideal einer lebenslangen Liebe und Partnerschaft nicht gerecht werden können. Zu ihren Selbstzweifeln kommen oft genug wirtschaftliche Sorgen. Besonders betroffen sind die  Kinder einer zerbrechenden Beziehung. In dieser Notlage ist es Aufgabe der Kirche, Menschen zu begleiten und zu stützen. Diesen Dienst nehmen in vielen Fällen die kirchlichen Beratungsstellen und die Alleinerziehendenseelsorge wahr. Doch in der alltäglichen Pastoral ist es notwendig, hier noch viel mehr ein offenes Ohr und ein weites Herz zu haben, damit es gelingt, „dazu anzuregen, sich der Gnade zu öffnen“ (AL Nr. 37).

So möchten wir auch auf die Frage des kirchlichen Umgangs mit den Personen eingehen, die nach einer Scheidung zivilrechtlich wieder geheiratet haben und sich nach dem Empfang des Bußsakraments und der Eucharistie sehnen. Die Unauflöslichkeit der Ehe gehört zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche. Amoris laetitia lässt daran ebenso wenig Zweifel wie an der Notwendigkeit eines differenzierenden Blickes auf die jeweiligen Lebenssituationen der Menschen. „Daher sind Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und  Weise zu achten, in der Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden.“ (AL Nr. 296) Amoris laetitia stellt die drei Aspekte Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern als zentrale Leitbegriffe heraus, ausgehend von der Grundfeststellung: „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“ (AL Nr. 297) In Lebenssituationen, die oft genug als aufreibend und belastend erlebt werden, sollen die Betroffenen erfahren können, dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt. Im Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen muss deutlich werden, dass sie zur Kirche gehören, Gott ihnen seine Liebe  nicht entzieht und sie gerufen sind, die Gottes- und Nächstenliebe zu praktizieren und echte Zeugen Jesu Christi zu sein. Der Heilige Vater unterstreicht den Aspekt der Begleitung deutlich, indem er sagt: „Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.“ (AL Nr. 299)

Was der Papst in diesem Zusammenhang mit Unterscheiden meint, wird deutlich, wenn er in Amoris laetitia festhält: „Die Kirche ist im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände. Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten ,irregulären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben“ (AL Nr. 301). Amoris laetitia bietet in dieser Frage keine allgemeine Regelung und kennt keinen Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung aller zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten. Amoris laetitia übersieht weder die schwere Schuld, die viele Menschen in solchen Situationen des Zerbrechens und Scheiterns ehelicher Beziehungen auf sich laden, noch die Problematik, dass eine zivilrechtliche Wiederheirat dem sichtbaren Zeichen des Ehesakraments widerspricht, selbst wenn die betroffene Person schuldlos verlassen wurde. Amoris laetitia bleibt aber dennoch nicht beim kategorischen und irreversiblen Ausschluss  von den Sakramenten stehen. Die Anmerkung 336 (zu AL Nr. 300) macht deutlich, dass die Unterscheidung, die „erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt“, zu differenzierten Konsequenzen auch auf dem Gebiet der Sakramentenordnung führen müsste. Anmerkung 351 (zu AL Nr. 305) weist zudem darauf hin, dass man auch in einer Situation, die objektiv irregulär, subjektiv, aber nicht oder zumindest nicht völlig schuldhaft ist, „in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann“ (AL Nr. 305), wenn man die Hilfe der Kirche und in gewissen Fällen auch die Hilfe der Sakramente bekommt. Auch dies spricht für die Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen.

Nicht alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, können ohne Unterscheidung die Sakramente empfangen. Erforderlich sind vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann. Wir ermutigen in diesem Zusammenhang alle, die begründete Zweifel daran haben, dass ihre Ehe gültig zustande gekommen ist, den Dienst der kirchlichen Ehegerichte in Anspruch zu nehmen, damit ihnen ggf. eine neue kirchliche Heirat ermöglicht wird. Allen, die an den kirchlichen Gerichten arbeiten, danken wir an dieser Stelle für ihren diskreten und seelsorgerischen Einsatz.

Amoris laetitia geht von einem Prozess der Entscheidungsfindung aus, der von einem Seelsorger begleitet wird. Unter der Voraussetzung dieses Entscheidungsprozesses, in  dem das Gewissen aller Beteiligten in höchstem Maß gefordert ist, eröffnet Amoris laetitia die Möglichkeit, die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu empfangen. In Amoris laetitia unterstreicht Papst Franziskus die Bedeutung der Gewissensentscheidung, indem er sagt: „Wir tun uns schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben, die oftmals inmitten ihrer Begrenzungen, so gut es ihnen möglich ist, dem Evangelium entsprechen und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen angesichts von Situationen entwickeln, in denen alle Schemata auseinanderbrechen. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen“ (AL Nr. 37). Am Ende eines solchen geistlichen Prozesses, dem es immer um das Eingliedern geht, steht nicht in jedem Fall der Empfang der Sakramente von Buße und Eucharistie. Die individuelle Entscheidung, unter den jeweiligen Gegebenheiten nicht oder noch nicht in der Lage zu sein, die Sakramente zu empfangen, verdient Respekt und Achtung. Aber auch eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren. Zu vermeiden sind sowohl die Haltung eines Laxismus ohne intensives Hinsehen im Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern als auch eine rigoristische Haltung, die beim schnellen Urteil über Menschen in sogenannten irregulären Situationen stehenbleibt. An die Stelle solcher extremer Haltungen soll die Unterscheidung (lat. „discretio“) im persönlichen Gespräch treten. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Weg der Gewissensbildung der Gläubigen zu vertiefen. Dazu ist es nötig, unsere Seelsorger zu befähigen und ihnen Kriterien an die Hand zu geben. Solche Kriterien  einer Gewissensbildung gibt der Heilige Vater in Amoris laetitia in ausführlicher und hervorragender Weise an (s. AL Nr. 298–300).

Sowohl für die Seelsorger als auch für die Gläubigen bedeutet diese Leitvorstellung von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern einen hohen Anspruch und eine große Herausforderung. Gerade in der Situation des Scheiterns, aber auch darüber hinaus sollen die Menschen erfahren können, dass die Kirche sie begleitet und einlädt, mit ihr unterwegs zu sein. „Die Hirten, die ihren Gläubigen das volle Ideal des Evangeliums und der Lehre der Kirche nahelegen, müssen ihnen auch helfen, die Logik des Mitgefühls mit den Schwachen anzunehmen und Verfolgung oder  allzu  harte  und  ungeduldige  Urteile  zu  vermeiden.“  (AL Nr. 308) Papst Franziskus hat in seinem Schreiben viele Situationen angesprochen: Seien es die Alleinerziehenden, die Migranten und Familien auf der Flucht, die interkonfessionellen, interreligiösen oder interkulturellen Paare, die Paare, bei denen ein Partner gläubig ist und der andere viel weniger oder gar nicht glaubt, die Familien, die in Armut leben, die sich um alte, kranke und besonderer Zuwendung bedürftige Familienmitglieder kümmern, und nicht zuletzt auch die Paare, die sich noch nicht zu einer Heirat entschließen können, und die Ehepaare nach Scheidung und nach zivilrechtlicher Wiederheirat. Mit manchen werden wir nur eine kleine Wegstrecke gemeinsam gehen oder nur einen fernen Kontakt halten können, andere werden wir intensiver begleiten können und manche werden dauerhaft mit  uns  unterwegs sein. Dabei dürfen wir das Evangelium von der Familie nicht verleugnen. „Wir würden der Welt Werte vorenthalten, die wir beisteuern können und müssen“ (AL Nr. 35). Paare in Krise, Scheidung und zivilrechtlicher Wiederverheiratung zu begleiten, bedeutet auch eine große Herausforderung und Chance, die Kirche und ihr Eheverständnis zur Sprache zu bringen.

Wir ermutigen alle, die den Weg von Ehe und Familie mit der Kirche gehen wollen, den wegweisenden Text Amoris laetitia persönlich zu bedenken und so den Reichtum des Evangeliums der Familie für das eigene Leben zu entdecken. Alle Eheleute und alle Familien wollen wir auf diesem Weg unterstützen, fördern und begleiten. Der Heilige Vater selbst gibt uns dies mit auf den Weg: „Alle sind wir aufgerufen, das Streben nach etwas, das über uns selbst und unsere Grenzen hinausgeht, lebendig zu erhalten, und jede Familie muss in diesem ständigen Anreiz leben. Gehen wir voran als Familien, bleiben wir unterwegs! Was uns verheißen ist, ist immer noch mehr. Verzweifeln wir nicht an unseren Begrenztheiten, doch verzichten wir ebenso wenig darauf, nach der Fülle der Liebe und der Communio zu streben, die uns verheißen ist.“ (AL Nr. 325)

 

Das Wort der deutschen Bischöfe „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“ wurde vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz am 23. Januar 2017 in Würzburg verabschiedet.

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„Immer das Herz und die Hände offen haben“

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Angelus, 29. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Angelus am Sonntag, dem 29. Januar 2017

Das Herz der Katechese von Papst Franziskus vor dem Angelusgebet am Sonntag, dem 29. Januar 2017, war die Perikope aus dem Matthäus-Evangelium über die Bergpredigt und die Seligpreisungen (5,1-12a), die Papst Franziskus als die ‪„Magna Charta“ des Neuen Testamentes bezeichnete. Es sei die Offenbarung des Willens Gottes, die Menschen zum Glück zu führen, so der Papst.

Diese Botschaft sei schon von den Propheten verkündet worden, betonte er: Gott sei den Armen und Unterdrückten nahe und befreie sie von ihren Peinigern. In der Bergpredigt verfolge Jesus aber einen Sonderweg, so Franziskus. Er beginne mit dem Begriff „selig“, d.h. „glücklich“, erkläre danach die Voraussetzung, um glücklich zu sein, und ende mit einer Verheißung.

Wie Franziskus betonte, handele es sich nicht um einen automatischen Mechanismus, sondern um einen Lebensweg in der Nachfolge des Herrn. Dieser verlange aber eine Bekehrung. „Man ist nicht selig, wenn man keine Bekehrung gemacht hat, fähig die Gaben Gottes zu schätzen und zu leben“, erklärte der Papst, der sich in der heutigen Katechese mit der ersten Seligpreisung befasste: ‪„Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich“.

Arm vor Gott sein, bedeute die Gefühle und die Haltung jener Armen anzunehmen, die in ihrer Lage nicht rebellisch seien, sondern demütig, gehorsam und bereit für die Gnade Gottes, erklärte Franziskus.

Das Glück der ‪„Armen vor Gott“ habe eine zweifache Dimension. Er sei einerseits „mäßig“ gegenüber den Gütern der Welt. Dies bedeute nicht notwendig Verzicht, erläuterte Franziskus, sondern die Fähigkeit, das Wesentliche zu kosten, des Teilens, die Fähigkeit, jeden Tag das Staunen über die Güte der Dinge zu erneuern.

Gegenüber Gott bedeute dies andererseits Lobpreis und die Anerkennung, dass die Welt ein Segen sei und dass ihr Ursprung die schöpfende Liebe des Vaters sei.

Er sei auch offen gegenüber Gott und seiner Herrschaft. ‪„Er ist es, der Herr, er ist der Große, nicht ich bin groß, weil ich so viele Dinge habe!“, betonte der Papst.

Der Arme vor Gott sei der Christ, der nicht auf sich selbst vertraue, auf materielle Reichtümer, der nicht auf seiner eigenen Meinung beharre, sondern respektvoll zuhöre und sich bereitwillig den Entscheidungen anderer füge. „Wenn es in unseren Gemeinden mehr Arme vor Gott gäbe, dann würde es weniger Spaltungen, Kontraste und Auseinandersetzungen geben‪“, so Franziskus.‪

„Die Demut, wie die Nächstenliebe, ist eine wesentliche Tugend für das Zusammenleben in den christlichen Gemeinden“, so erklärte der Papst, der die Gläubige dazu einlud, das Teilen dem Besitz vorzuziehen. ‪„Immer das Herz und die Hände offen haben, nicht geschlossen“, so sagte er, während er seine Worte mit den entsprechenden Gesten unterstrich.

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„Nicht die Kleider wechseln, sondern die Gewohnheiten“

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Angelus von Sonntag, dem 22. Januar 2017

Im Zentrum der Katechese von Papst Franziskus vor dem sonntäglichen Angelusgebet hat das Evangelium des dritten Sonntags im Jahreskreis A gestanden, in dem Matthäus den Beginn der Verkündigung Jesu und die Berufung der ersten Jünger beschreibt.

Wie Franziskus erklärte, habe Jesus das Bergdorf Nazareth verlassen um sich in Kafarnaum am Ufer des Sees Genezareth niederzulassen. Diese Wahl sei vielsagend, denn der vor allem von Heiden bewohnte Ort sei ein Knotenpunkt zwischen dem Mittelmeer und dem mesopotamischen Hinterland gewesen.

Die unmittelbaren Empfänger der Verkündigung Jesu waren also nicht nur seine eigenen Landsleute, sondern auch alle, die sich im kosmopolitischen ‪„Galiläa der Völker“ angesiedelt hatten. Aus Jerusalemer Sicht sei dieser Landstrich geografisch an der Peripherie und religiös unrein gewesen, weil er voller Heiden war, erläuterte der Papst.

„Von Galiläa erwartete man sicher keine großen Dinge für die Heilsgeschichte“, erklärte Franziskus weiter, aber gerade von dort verbreitete sich das Licht, das Licht Christi. „Es verbreitet sich gerade von der Peripherie aus“, betonte der Papst.

Die Botschaft Jesus spiegele die des Täufers wider: die Verkündigung des Himmelreichs. Es handele sich dabei nicht um die Erschaffung einer neuen politischen Macht, sondern um die Erfüllung des Bündnisses zwischen Gott und seinem Volk, ‪„die eine Zeit des Friedens und der Gerechtigkeit einläuten wird“.

Es gibt aber eine Bedingung, um dieses Bündnis mit Gott zu schließen. Der Papst erinnerte daran, dass jeder dazu aufgerufen sei, sich zu bekehren und die eigene Denk- und Lebensweise zu ändern. Dies sei wichtig. Sich zu bekehren, bedeute nicht bloß die Lebensweise zu ändern, sondern auch die Denkweise. „Es ist eine Umwandlung des Denkens. Es handelt nicht davon, die Kleider zu wechseln, sondern die Gewohnheiten!“

Wie der Papst bemerkte, waren es der Stil und die Methode, die Jesus von Johannes dem Täufer unterschieden. Jesus habe es vorgezogen, ein Wanderprediger zu sein. Er warte nicht auf die Menschen, sondern gehe auf sie zu, sagte der Papst: ‪„Jesus ist immer unterwegs!“

Und so habe er auch die ersten Jünger berufen, „inmitten ihrer alltäglichen Arbeit“, als er am See von Galiläa entlangging, denn sie waren Fischer. Der Herr offenbare sich nicht auf außergewöhnliche oder eklatante Weise, sondern im Alltag unseres Lebens, erklärte der Papst. ‪„Dort müssen wir den Herrn finden.“

Und die Reaktion der Fischer sei unmittelbar und bereitwillig erfolgt. „Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm“, heißt es im Evangelium.

An dieser Stelle richtete der Papst sich an die Gläubigen. ‪„Wir, die Christen von heute, haben die Freude, den Glauben zu verkündigen und zu bezeugen“, betonte er, „weil es diese erste Verkündigung gegeben hat, weil es diese schlichten und mutigen Männer gegeben hat, die großzügig den Ruf Jesu beantwortet haben.“ „Am Ufer des Sees, in einem unwahrscheinlichen Landstrich, ist die erste Gemeinschaft von Jüngern Jesu entstanden“, sagte der Papst.

‪„Möge das Bewusstsein dieser Anfänge in uns den Wunsch erwecken, das Wort, die Liebe und die Zärtlichkeit Jesu in jeden Kontext zu tragen, auch in den unzugänglichsten und widerständigsten. Das Wort in alle Peripherien tragen!“, sagte er am Schluss seiner Betrachtung. ‪„Alle Bereiche des menschlichen Lebens sind Böden, auf dem das Saatgut des Evangeliums auszusäen ist, damit es Früchte des Heils bringe.“

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