Die Taufe ist das Tor zum Licht

Nach der einmonatigen Sommerpause setzte Papst Franziskus die Katechesereihe über das Thema der Hoffnung fort und behandelte das Sakrament der Taufe. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Symbolkraft der nach Osten ausgerichteten Kirchen hin (die Basilika Tre Fontane in Rom).

Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 2. August

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Es gab eine Zeit, in der die Kirchen geostet waren. Man trat in das Gotteshaus ein durch eine Tür, die sich nach Westen hin öffnete, und durch das Schiff ging man nach Osten. Das war ein wichtiges Symbol für den Menschen der Antike, ein Sinnbild, das im Laufe der Geschichte allmählich außer Gebrauch gekommen ist. Wir Menschen der modernen Zeit sind es viel weniger gewohnt, die großen Zeichen des Kosmos zu erkennen, fast nie bemerken wir ein solches Detail. Der Westen ist die Himmelsrichtung des Sonnenuntergangs, wo das Licht verlöscht. Der Osten hingegen ist der Ort, wo die Finsternis vom ersten Morgenlicht überwunden wird, und er verweist uns auf Christus, die aufstrahlende Sonne am Horizont der Welt (vgl. Lk 1,78).

Die antiken Taufriten sahen vor, dass die Katechumenen den ersten Teil ihres Glaubensbekenntnisses mit dem Blick nach Westen gewandt sprachen. Und in dieser Haltung wurden sie gefragt: »Widersagt ihr dem Satan, seinem Dienst und seinen Werken?« – Und die zukünftigen Christen wiederholten im Chor: »Ich widersage!« Dann wandte man sich der Apsis zu, in Richtung Osten, wo das Licht aufstrahlt, und die Taufkandidaten wurden erneut gefragt: »Glaubt ihr an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist?« Und diesmal antworteten sie: »Ich glaube!«

Sprache des Kosmos

In der modernen Zeit ist die Faszination dieses Ritus teilweise verlorengegangen: Wir haben die Empfänglichkeit für die Sprache des Kosmos verloren. Natürlich ist uns das Glaubensbekenntnis in Form der Taufbefragung erhalten geblieben, und es gehört zur Feier einiger Sakramente. Es behält jedoch seine Bedeutung. Was bedeutet es, Christen zu sein? Es bedeutet, auf das Licht zu schauen, weiterhin den Glauben an das Licht zu bekennen, auch wenn die Welt von Nacht und Finsternis umhüllt ist.

Die Christen sind von der Finsternis – der äußeren und auch der inneren – nicht ausgenommen. Sie leben nicht außerhalb der Welt, aber durch die Gnade Christi, die sie in der Taufe empfangen haben, sind sie »geostete« Männer und Frauen: Sie glauben nicht an die Finsternis, sondern an das Tageslicht. Sie unterliegen nicht der Nacht, sondern hoffen auf das Morgenlicht. Sie sind nicht vom Tod besiegt, sondern streben nach der Auferstehung. Sie sind nicht vom Bösen bezwungen, weil sie immer an die unendlichen Möglichkeiten des Guten glauben. Und das ist unsere christliche Hoffnung. Das Licht Jesu, das Heil, das Jesus uns mit seinem Licht bringt, rettet uns vor der Finsternis.

Wegen der Hitze fand die Generalaudienz in der klimatisierten »Aula Paolo VI« statt.

Wir glauben, dass Gott Vater ist: Das ist das Licht! Wir sind keine Waisen, wir haben einen Vater, und unser Vater ist Gott. Wir glauben, dass Jesus zu uns gekommen ist, den Weg unseres Lebens gegangen ist, sich zum Gefährten vor allem der Armen und Schwachen gemacht hat: Das ist das Licht! Wir glauben, dass der Heilige Geist ohne Unterlass für das Wohl der Menschheit und der Welt wirkt und dass sogar die größten Schmerzen der Geschichte überwunden werden: Das ist die Hoffnung, die uns jeden Morgen wieder weckt! Wir glauben, dass jede Zuneigung, jede Freundschaft, jeder gute Wunsch, jede Liebe, selbst die kleinsten und nachlässigsten, eines Tages ihre Erfüllung in Gott finden werden: Das ist die Kraft, die uns drängt, unser tägliches Leben mit Begeisterung anzunehmen! Und das ist unsere Hoffnung: in der Hoffnung zu leben und im Licht zu leben, im Licht Gottes, des Vaters, im Licht Jesu, des Erlösers, im Licht des Heiligen Geistes, der uns drängt, im Leben voranzugehen.

Es gibt noch ein weiteres sehr schönes Zeichen der Taufliturgie, das uns die Bedeutung des Lichts in Erinnerung ruft. Am Ende des Ritus wird den Eltern, wenn es ein Kind ist – oder dem Täufling selbst, wenn er erwachsen ist –, eine Kerze übergeben, deren Flamme an der Osterkerze entzündet wird. Dies ist die große Kerze, die in der Osternacht in die vollkommen dunkle Kirche hineingetragen wird, um das Geheimnis der Auferstehung Jesu zum Ausdruck zu bringen. An jener Kerze entzünden alle die eigene Kerze und geben die Flamme an die Umstehenden weiter: In diesem Zeichen liegt die langsame Verbreitung der Botschaft von der Auferstehung Jesu im Leben aller Christen. Das Leben der Kirche – ich gebrauche jetzt ein etwas kräftiges Wort – ist die Kontamination durch das Licht. Je mehr Licht Jesu wir Christen haben, je mehr Licht Jesu es im Leben der Kirche gibt, desto lebendiger ist sie. Das Leben der Kirche ist Kontamination durch Licht.

Datum der Neugeburt

Die schönste Ermahnung, die wir aneinander richten können, ist die, uns immer an unsere Taufe zu erinnern. Ich möchte euch fragen: Wie viele von euch erinnern sich an das Datum der eigenen Taufe? Antwortet nicht, denn einige werden sich schämen! Denkt nach, und wenn ihr euch nicht daran erinnert, dann habt ihr heute eine Hausaufgabe: Geh zu deiner Mutter, zu deinem Vater, zu deiner Tante, zu deinem Onkel, zu deiner Großmutter, zum Großvater und frag sie: »Was ist das Datum meiner Taufe?« Und vergiss es nicht mehr! Ist das klar? Werdet ihr das tun? Die heutige Aufgabe besteht darin, das Taufdatum zu erfahren oder sich daran zu erinnern: Es ist das Datum der Neugeburt, es ist das Datum des Lichts, es ist das Datum, an dem wir – ich erlaube mir, dieses Wort zu benutzen –, an dem wir vom Licht Christi kontaminiert wurden. Wir sind zweimal geboren: das erste Mal zum natürlichen Leben, das zweite Mal im Taufbecken durch die Begegnung mit Christus. Dort sind wir für den Tod gestorben, um als Kinder Gottes in dieser Welt zu leben. Dort sind wir menschlicher geworden als wir es je gedacht hätten. Daher müssen wir alle den Duft des Chrisams verströmen, mit dem wir am Tag unserer Taufe gesalbt wurden. In uns lebt und wirkt der Geist Jesu, des Erstgeborenen vieler Brüder, all jener, die sich der Unvermeidlichkeit der Finsternis und des Todes widersetzen.

Welch eine Gnade, wenn ein Christ wirklich zum »Christo-Phorus«, also zum »Christusträger«, in der Welt wird! Vor allem für jene, die Situationen der Trauer, der Verzweiflung, der Fins­ternis und des Hasses erleben. Und das erkennt man an vielen kleinen Einzelheiten: an dem Licht, das ein Christ in den Augen bewahrt; an der grundlegenden Zuversicht und Gelassenheit, die nicht einmal an den schwierigsten Tagen beeinträchtigt wird; an dem Willen, wieder zu lieben zu beginnen, auch wenn man viele Enttäuschungen erfahren hat. Wenn man in Zukunft die Geschichte unserer Tage schreiben wird, was wird man dann über uns sagen? Dass wir fähig waren zur Hoffnung oder dass wir unser Licht unter den Scheffel gestellt haben? Wenn wir unserer Taufe treu sind, dann verbreiten wir das Licht der Hoffnung – die Taufe ist der Beginn der Hoffnung, jener göttlichen Hoffnung – und können den kommenden Generationen eine Lebensgrundlage, einen Sinn des Lebens vermitteln.

(Orig. ital. in O.R. 3.8.2017)

„Die Grenze zwischen Gut und Böse verläuft im Herzen eines jeden Menschen“

Angelus, 29. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Angelus am Sonntag, dem 23. Juli 2017

„Das Gute und das Böse können nicht mit bestimmten Gebieten oder Gruppen von Menschen identifiziert werden.“ Dies betonte Papst Franziskus im Laufe seiner Katechese vor dem Angelus am heutigen Sonntag, dem 23. Juli 2017, in der er das Gleichnis vom guten Weizen und vom Unkraut ins Zentrum seiner Betrachtung stellte.

Es gebe nicht die Guten auf der einen Seite und die Bösen auf der anderen, erinnerte Franziskus, sondern man müsse verstehen, dass „die Grenzlinie zwischen dem Guten und dem Bösen im Herzen eines jeden Menschen verläuft“.

„In dieser Welt — so warnte Franziskus —  sind das Gute und das Böse so sehr miteinander verwoben, dass es unmöglich ist, sie zu trennen und das Böse ganz auszureißen.“ Das einzige, was man tun könne, sei „die schwierige Aufgabe der Unterscheidung zwischen dem Bösen und dem Guten“ zu erfüllen.

Jorge Bergoglio forderte die Getauften dazu auf,  „sich vom Bösen und seinen Verführungen zu distanzieren“, und dies im Bewusstsein zu tun, dass „wir alle Sünder“ seien und „immer der Vergebung unserer Sünden brauchen”.

„Immer und nur auf das Böse schauen, das außerhalb von uns liegt, bedeutet, die Sünde nicht anerkennen zu wollen, die auch in uns ist“, so versicherte der Papst.

“Vielmehr als eine Kirche der ,Reinen´, die vor der Zeit beurteilen will, wer im Reich Gottes ist und wer nicht“, bevorzugt Franziskus eine Kirche, “die Sauerteig im Teig” ist und keine Angst hat, „sich die Hände schmutzig zu machen, indem sie die Kleider ihrer Kinder wäscht“.

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Quelle

BENEDIKT XVI. – KATECHESE ZUM HEILIGEN PFARRER VON ARS

BENEDIKT XVI.

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 5. August 2009

Hl. Jean-Marie Vianney, des Pfarrers von Ars

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese möchte ich kurz auf das Leben des heiligen Pfarrers von Ars eingehen und dabei einige Aspekte hervorheben, die auch den Priestern unserer Zeit als Vorbild dienen können. Gewiß unterscheidet sich unsere Zeit von der, in der er lebte, aber sie ist in vielerlei Hinsicht von den gleichen grundlegenden menschlichen und geistlichen Herausforderungen geprägt. Gestern war der 150. Jahrestag seiner Geburt zum Himmel: Am 4. August 1859, um zwei Uhr morgens, ging Johannes Maria Vianney nach Beendigung seines irdischen Lebens dem himmlischen Vater entgegen, um das Reich in Besitz zu nehmen, das seit Erschaffung der Welt für jene bestimmt ist, die treu seiner Lehre folgen (vgl. Mt 25,34). Welch großes Fest muß im Paradies gewesen sein bei der Ankunft eines so eifrigen Hirten! Welch einen Empfang muß ihm die Schar der Kinder bereitet haben, die durch seine Arbeit als Pfarrer und Beichtvater mit dem himmlischen Vater versöhnt wurden! Ich habe diesen Jahrestag zum Anlaß genommen, um das Priester-Jahr auszurufen, das bekanntlich unter dem Thema steht: »Treue Christi, Treue des Priesters«. Von der Heiligkeit hängt die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses und letztlich auch die Wirkkraft der Sendung eines jeden Priesters ab.

Johannes Maria Vianney wurde am 8. Mai 1786 in dem kleinen Dorf Dardilly in einer Bauernfamilie geboren, die arm war an materiellen Gütern, aber reich an Menschlichkeit und Glauben. Wie es in der Zeit guter Brauch war, wurde er noch am Tag seiner Geburt getauft. Die Jahre seiner Kindheit und Jugend verbrachte er mit Feldarbeit und beim Weiden der Tiere, und so war er im Alter von 17 Jahren noch Analphabet. Er wußte jedoch die Gebete auswendig, die seine fromme Mutter ihm beigebracht hatte, und er nährte sich von der religiösen Atmosphäre, die bei ihm zu Hause herrschte. Die Biographen berichten, daß er von frühester Jugend an versuchte, auch bei der Verrichtung der bescheidensten Aufgaben den Willen Gottes zu erfüllen. Im Herzen hegte er den Wunsch, Priester zu werden, aber es fiel ihm nicht leicht, ihn zu verwirklichen. Erst nachdem er nicht wenige Widrigkeiten und viel Unverständnis überwunden hatte, gelangte er zur Priesterweihe, dank der Hilfe weiser Priester, die nicht bei der Betrachtung seiner menschlichen Grenzen stehenblieben, sondern darüber hinausblickten und intuitiv den Horizont der Heiligkeit wahrnahmen, der sich in diesem wirklich einzigartigen jungen Mann abzeichnete. So wurde er am 23. Juni 1815 zum Diakon geweiht und am 13. August desselben Jahres zum Priester. Im Alter von 29 Jahren konnte er endlich nach vielen Ungewißheiten, nicht wenigen Mißerfolgen und vielen Tränen an den Altar des Herrn treten und seinen Lebenstraum verwirklichen.

Der heilige Pfarrer von Ars bewies stets große Hochachtung vor dem Geschenk, das er erhalten hatte. Er sagte: »Wie großartig ist doch das Priestertum! Man wird es erst im Himmel wirklich verstehen … und verstünde man es auf Erden, so würde man sterben, nicht vor Angst, sondern aus Liebe!« (Abbé Monnin, Esprit du Curé d’Ars, S. 113). Als kleiner Junge hatte er sich auch der Mutter anvertraut: »Wenn ich Priester wäre, wollte ich viele Seelen gewinnen« (Abbé Monnin, Procès de l’ordinaire, S. 1064). Und so war es. Im Hirtendienst, der ebenso einfach wie außergewöhnlich fruchtbar war, konnte dieser unbekannte Pfarrer eines abgelegenen Dorfes in Südfrankreich sich so sehr mit seinem Priesteramt identifizieren, daß er – auch sichtbar und allgemein erkenntlich – zum »alter Christus« wurde, zum Bild des guten Hirten, der im Gegensatz zum bezahlten Knecht sein Leben hingibt für die Schafe (vgl. Joh 10,11). Nach dem Vorbild des guten Hirten gab er in den Jahrzehnten seines priesterlichen Dienstes sein Leben hin. Seine ganze Existenz war eine lebendige Katechese, die ganz besondere Wirkkraft bekam, wenn die Menschen sahen, wie er die Messe feierte, in Anbetung vor dem Tabernakel kniete oder viele Stunden im Beichtstuhl verbrachte.

Der Mittelpunkt seines ganzen Lebens war also die Eucharistie, die er mit frommer Hochachtung feierte und anbetete. Ein weiteres Grundmerkmal dieses außergewöhnlichen Priesters war der unermüdliche Dienst im Beichtstuhl. In der Praxis des Bußsakraments erkannte er die logische und natürliche Erfüllung des priesterlichen Apostolats, gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi: »Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert« (Joh 20,23). Der hl. Johannes Maria Vianney zeichnete sich also als hervorragender und unermüdlicher Beichtvater und geistlicher Lehrer aus. »In einer einzigen inneren Bewegung« ging er über »vom Altar zum Beichtstuhl«, wo er einen großen Teil des Tages verbrachte, und »versuchte auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte« (vgl. Schreiben zum Beginn des Priesterjahres).

Die pastoralen Methoden des hl. Johannes Maria Vianney mögen für die gegenwärtigen gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse wenig geeignet erscheinen. Wie soll ein heutiger Priester ihn nachahmen, in einer Welt, die sich so sehr verändert hat? Es ist wahr, daß die Zeiten sich ändern und viele Charismen personengebunden, also unnachahmlich sind. Dennoch gibt es einen Lebensstil und eine tiefe Sehnsucht, die zu pflegen wir alle berufen sind. Genauer betrachtet war das, was den Pfarrer von Ars heiliggemacht hat, seine demütige Treue zu der Sendung, zu der Gott ihn berufen hatte, seine immerwährende vertrauensvolle Hingabe in die Hände der göttlichen Vorsehung. Nicht kraft seiner menschlichen Fähigkeiten und auch nicht ausschließlich durch den Einsatz seines Willenseifers – so lobenswert dieser auch sein mag – gelang es ihm, die Herzen der Menschen zu berühren. Er eroberte die Seelen, auch die widerspenstigsten, indem er ihnen das vermittelte, was er im Innersten lebte: seine Freundschaft mit Christus. Er war in Christus »verliebt«, und das wahre Geheimnis seines pastoralen Erfolgs war seine Liebe zum verkündigten, gefeierten und gelebten eucharistischen Geheimnis. Sie wurde zur Liebe für die Herde Christi, für die Christen und für alle Menschen, die Gott suchen. Sein Zeugnis erinnert uns daran, liebe Brüder und Schwestern, daß für jeden Getauften, und noch mehr für den Priester, die Eucharistie »nie bloß ein Geschehen zu zweien, ein Dialog zwischen Christus und mir [ist]. Die eucharistische Kommunion zielt auf eine totale Umgestaltung des eigenen Lebens ab. Sie bricht das ganze Ich des Menschen auf und schafft ein neues Wir« (Joseph Ratzinger, Weggemeinschaft des Glaubens. Kirche als Communio, S. 69).

Die Gestalt des hl. Johannes Maria Vianney darf also keinesfalls auf ein – wenn auch bewundernswertes – Beispiel für die durch Frömmigkeit geprägte Spiritualität des 19. Jahrhunderts reduziert werden. Im Gegenteil: man muß die prophetische Kraft wahrnehmen, die seine äußerst aktuelle Persönlichkeit als Mensch und Priester auszeichnet. Im nachrevolutionären Frankreich, das eine Art von »Diktatur des Rationalismus« erlebte, die darauf ausgerichtet war, die Anwesenheit der Priester und der Kirche in der Gesellschaft auszulöschen, lebte er zunächst – in seiner Jugendzeit – einen heroischen Glauben im Untergrund und ging in der Nacht kilometerweit, um an der heiligen Messe teilzunehmen. Dann – als Priester – zeichnete er sich durch eine einzigartige und fruchtbare pastorale Schaffenskraft aus, was beweist, daß der damals vorherrschende Rationalismus in Wahrheit weit davon entfernt war, die wahren Bedürfnisse des Menschen zu stillen und daß er daher letztendlich nicht lebbar war.

Liebe Brüder und Schwestern, 150 Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars sind die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft nicht weniger anspruchsvoll; vielleicht sind sie sogar komplexer geworden. Wenn es damals die »Diktatur des Rationalismus« gab, so läßt sich in der heutigen Zeit in vielen Bereichen eine Art »Diktatur des Relativismus« verzeichnen. Beide sind keine geeignete Antwort auf den berechtigten Wunsch des Menschen, seine Vernunft in vollem Maße einzusetzen als charakteristisches und formendes Element seiner eigenen Identität. Der Rationalismus war dafür ungeeignet, weil er die Grenzen des Menschen außer Acht ließ und den Anspruch erhob, nur die Vernunft zum Maß aller Dinge zu erheben, die er so zur Göttin machte; der gegenwärtige Relativismus demütigt die Vernunft, weil er soweit geht zu behaupten, daß der Mensch nichts mit Gewißheit erkennen kann, was über den empirischen wissenschaftlichen Bereich hinausgeht. Ebenso wie damals ist der Mensch, der »nach Sinn und Erfüllung fleht« auch heute ständig auf der Suche nach erschöpfenden Antworten auf die grundlegenden Fragen, die er sich unablässig stellt.

Die Väter des Zweiten Vatikanischen Ökumenischen Konzils hatten diesen »Durst nach Wahrheit«, der im Herzen eines jeden Menschen brennt, präsent, als sie sagten, daß den Priestern als »Erziehern im Glauben« die »Bildung einer echten christlichen Gemeinschaft« obliegt, die »allen Menschen den Weg zu Christus ebnet«, ihnen »eine echte Mütterlichkeit« bezeigt und denen, die nicht glauben, »den Weg zu Christus« und zu seiner Kirche »weist und bahnt« und »auch die Gläubigen anregt, stärkt und zum geistlichen Kampf rüstet« (vgl. Presbyterorum ordinis, 6). Der heilige Pfarrer von Ars lehrt uns in diesem Zusammenhang auch weiterhin, daß der Priester an die Basis eines solchen pastoralen Einsatzes die innige persönliche Vereinigung mit Christus stellen muß, die Tag für Tag gepflegt und vertieft werden muß. Nur wenn er in Christus verliebt ist, kann der Priester allen diese Vereinigung lehren, diese enge Freundschaft mit dem göttlichen Meister, kann er die Herzen der Menschen berühren und sie öffnen für die barmherzige Liebe des Herrn. Nur so kann er folglich in den Gemeinden, die der Herr ihm anvertraut, Begeisterung und geistliche Lebenskraft erwecken. Beten wir darum, daß durch die Fürsprache des hl. Johannes Maria Vianney Gott seiner Kirche heilige Priester schenken möge und daß in den Gläubigen der Wunsch erwachsen möge, ihren Dienst durch ihre Mitarbeit zu unterstützen. Diese Bitte wollen wir Maria anvertrauen, die wir heute als »Muttergottes vom Schnee« verehren.

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Generalaudienz: „Unser Glaube ist ein Anker“

Der Papst bei der Generalaudienz

Der Glaube der Christen ist ein „Anker im Himmel“ und somit die Verbindung zu Gott. Das betonte der Papst in seiner Katechese bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz. Was für die Gläubigen zu tun sei, sei deshalb klar, so Franziskus vor den tausenden Besuchern und Pilgern: „Wir müssen uns an diesem Seil festhalten. Diese Bindung ist immer für uns da. Wir können so vorwärts gehen, weil wir uns sicher fühlen, dass unser Leben ,mit dem Himmel verankert´ ist, wo wir am Schluss gelangen werden.“

Franziskus setzte damit seine Katechesenreihe zur christlichen Hoffnung fort und beschäftigte sich mit dem Thema „Die Verheißung, die Hoffnung schenkt“. Ausgangspunkt seiner Erläuterung war die Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 28,16.18-20), in der es um die Verheißung des Auferstandenen geht. „Gott wird mit uns sein, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. Jesus läuft mit uns, jeden Tag, bis zum Ende der Welt“, so der Papst. Dies sei eine Hinführung zum Geheimnis Gottes. Dieses Geheimnis sei in seinem Name „Jahwe – Gott mit uns“ ersichtlich: „Er ist nicht ein ferner, abwesender Gott, sondern er liebt und begleitet uns Menschen immer, selbst wenn wir ihn vergessen sollten.“

Der Herr wisse, was der Gläubige nötig habe. Diese Gewissheit müsse deshalb im Herzen eines jeden Gläubigen verankert sein, denn auf Gottes Vorsehung könne man immer zählen, fuhr Franziskus fort. „Es wird keinen Tag in unserem Leben geben, an dem wir aufhören, eine Sorge für das Herz Gottes zu sein“, sagte der Papst.

Ihm gefalle der Anker als jenes christliche Symbol für die Hoffnung. Denn darin werde die christliche Hoffnung als etwas Konkretes dargestellt. Der Glaube sei nicht etwas Vages, das sich auf die menschlichen Wünschen stütze. Die Sicherheit komme von Gott und seiner „Garantie“, auf ihn zählen zu können. Bedingung hierzu sei, der Berufung Gottes – dem „Folge mir nach“ – zu folgen. Man müsse hierbei keine Angst haben, versicherte Franziskus. Mit dieser Verheißung könnte jeder Christ überall hingehen, auch in jenen Teilen der Welt, wo es Probleme und Schwierigkeiten gib. „Das heilige und treue Volk Gottes“, so der Papst, seien Menschen, die auf den Füssen stünden und in der Hoffnung gingen. Es gebe keinen Teil der Welt, der „dem Sieg des auferstandenen Christus entgeht: dem Sieg der Liebe“.

(rv 26.04.2017 mg)

„Ein Wasser, das jeden Durst stillt“

Angelus vom Sonntag, dem 19. März 2017

Im Zentrum der Katechese von Papst Franziskus vor dem Angelusgebet am Sonntag, dem 19. März, stand die Perikope aus dem Evangelium des Johannes, mit dem Dialog Jesu mit einer Samariterin am Jakobsbrunnen (4,5-42).

Wie Franziskus erklärte, finde die Begegnung in Samarien, zwischen Judäa und Galiläa, statt, dessen Bevölkerung von den Juden verachtet würde, weil als schismatisch und häretisch angesehen. Genau diese Bevölkerung werde eine der ersten sein, so erinnerte der Papst, die der christlichen Verkündigung der Apostel beigetreten sei.

Während die Jünger in das Dorf gingen, um Essen zu holen, bleibe Jesus bei einem Wasserbrunnen und bitte eine Frau, ihm zu trinken zu geben. Darauf hin entwickle sich ein Dialog. „Wieso lässt ein Jude sich herab, eine Samariterin etwas zu fragen?“

Die Antwort Jesu: „Wenn du wüsstest, wer ich bin und welches Geschenk ich für dich habe, dann würdest du mich bitten und ich würde dir ‚lebendiges Wasser’ geben, ein Wasser, das jeden Durst stillt und eine unerschöpfliche Quelle im Herzen von jenem wird, der es trinkt.“

Zum Brunnen gehen und Wasser schöpfen sei anstrengend und langweilig; es wäre schön, eine sprudelnde Quelle zur Verfügung zu haben, so sagte Franziskus, der aber anmerkte, Jesus spreche von einem anderen Wasser.

Als die Frau merke, dass der Mann, mit dem sie spreche, ein Prophet sei, vertraue sie ihm ihr  eigenes Leben an und stelle ihm religiöse Fragen. „Ihr Durst nach Zuneigung und vollem Leben ist nicht von den fünf Ehemännern gestillt worden, die sie gehabt hatte, im Gegenteil, sie hatte nur Enttäuschungen und Täuschungen erlebt“, so Franziskus.

Als sie daraufhin ahne, dieser Mann könne der Messias sein, bestätige Jesus – „etwas sehr Seltenes“ – dies: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“. Jesus, so merkte der Papst an, erkläre, er sei der Messias, gegenüber einer Frau, „die ein so unordentliches Leben hatte“.

„Liebe Brüder“, erinnerte der Papst,  „das Wasser, das das ewige Leben schenkt, ist in unseren Herzen am Tag unserer Taufe ausgegossen worden; dann hat Gott uns verwandelt und mit seiner Gnade erfüllt.“

„Aber es kann sein, dass wir dieses große Geschenk vergessen oder zu einer rein meldeamtlichen Tatsache reduziert haben; und vielleicht sind wir auf der Suche nach ‚Quellen’‪‪, deren Gewässer uns nicht stillen“, so fuhr Franziskus fort. „Wenn wir das wahre Wasser vergessen, gehen wir auf die Suche nach Quellen, die kein sauberes Wasser haben“, warnte er.

„Dieses Evangelium ist also genau für uns! Nicht nur für die Samariterin, für uns. Jesus spricht zu uns wie zur Samariterin“ , betonte der Papst, der die Gläubigen dazu aufrief, in der Fastenzeit die Gnade der Taufe zu erneuern, sich am Brunnen des Wortes Gottes und seines Heiligen Geistes zu stillen.

„Möge die Jungfrau Maria uns helfen, ständig die Gnade zu schöpfen von diesem Wasser, das aus dem Felsen herausspringt, der Jesus der Erlöser ist, damit wir mit Überzeugung unseren Glauben bekennen können und mit Freude die Wunder der Liebe Gottes barmherzig und Quelle jeder Güte, verkünden“, so schloss Franziskus seine heutige Betrachtung.

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„Die Mühe der Überquerung der Wüste

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Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 1. März 2017, auf dem Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 13. Die Fastenzeit – Weg der Hoffnung

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen Aschermittwoch treten wir in die liturgische Fastenzeit ein. Da unsere Katechesenreihe der christlichen Hoffnung gewidmet ist, möchte ich heute die Fastenzeit als einen Weg der Hoffnung beschreiben.

Tatsächlich tritt diese Perspektive klar hervor, wenn wir bedenken, dass die Fastenzeit in der Kirche als Zeit der Vorbereitung auf Ostern eingerichtet wurde. Daher wird der gesamte Sinn dieser vierzig Tage vom österlichen Geheimnis erleuchtet, auf das sie ausgerichtet sind. Wir können uns den auferstandenen Herrn vorstellen, der uns dazu aufruft, aus unserer Dunkelheit auszutreten, und wir gehen auf ihn, das Licht, zu. Die Fastenzeit ist ein Weg zum auferstandenen Herrn. Sie ist eine Zeit der Buße und auch der Kasteiung, jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr zielt sie auf unsere Auferstehung mit Christus ab, auf die Erneuerung unseres Taufbekenntnisses, d.h. darauf, dass wir wieder neu „von oben“ – von der Liebe Gottes – geboren werden (vgl. Joh 3.3). Insofern ist die Fastenzeit ihrem Wesen nach Zeit der Hoffnung.

Zum besseren Verständnis der Bedeutung des zuvor Gesagten müssen wir auf die grundlegende Erfahrung des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten Bezug nehmen, von der die Bibel im Buch Exodus berichtet. Ausgangspunkt ist die Situation der Knechtschaft in Ägypten, die Unterdrückung, die Zwangsarbeit. Der Herr hat sein Volk und seine Verheißung jedoch nicht vergessen: Er ruft Mose  und lässt das Volk Israel unter der Führung eines starken Armes ausbrechen und führt sie durch die Wüste in das Land der Freiheit. Während dieses Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit gibt der Herr den Israeliten das Gesetz, damit sie ihn, ihren einzigen Herrn, zu lieben lernen und auch untereinander geschwisterliche Liebe üben. Die Heilige Schrift beschreibt den Auszug als lang und beschwerlich: Symbolisch dauert er 40 Tage; dies entspricht der Lebenszeit einer Generation, die angesichts der Prüfungen des Weges stets der Versuchung unterliegt, Ägypten nachzutrauern und zurückzukehren. Auch wir kennen die Versuchung, zurückzukehren, alle. Der Herr bleibt diesen armen von Mose geführten Menschen, die in das verheißene Land kommen, jedoch treu. Der gesamte Weg wird in der Hoffnung zurückgelegt: der Hoffnung, das Land zu erreichen und gerade in diesem Sinne handelt es sich um einen „Auszug“, den Austritt aus der Knechtschaft in die Freiheit. Diese 40 Tage sind auch für uns alle ein Austritt aus der Knechtschaft, aus der Sünde in die Freiheit, in die Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Jeder Schritt, jede Mühe, jede Prüfung, jedes Fallen und jede Wiederaufnahme – alles hat nur im Heilsplan Gottes einen Sinn, der für sein Volk das Leben will und nicht den Tod, die Freude und nicht den Schmerz.

Das Paschaopfer Jesu und sein Exodus haben uns den Weg zum vollen, ewigen und seligen Leben geöffnet. Um diesen Weg zu gehen musste sich Jesus seiner Herrlichkeit entäußern, sich erniedrigen, bis zum Tod und bis zum Tod am Kreuz gehorsam sein. Damit er uns den Weg zum ewigen Leben eröffnen könnte, vergoss er sein gesamtes Blut und dank ihm sind wir von der Knechtschaft der Sünde befreit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er alles getan hat und wir nichts tun müssen, dass er durch das Kreuz ging und wir „mit der Kutsche ins Paradies fahren“ So ist es nicht. Unsere Rettung ist gewiss ein Geschenk von ihm, doch da es sich um eine Liebesgeschichte handelt, sind unser „ja“ und unsere Teilhabe an seiner Liebe erforderlich, wie es uns von seiner Mutter Maria und nach ihr von allen Heiligen gezeigt wird.

Die Fastenzeit lebt von der folgenden Dynamik: Christus geht mit seinem Exodus voraus und wir durchqueren die Wüste dank ihm und hinter ihm. Er wird für uns versucht und hat den Versucher für uns besiegt, aber auch wir müssen mit ihm die Versuchungen bewältigen und überwinden. Er schenkt uns das lebendige Wasser seines Geistes und es ist an uns, aus seiner Quelle zu schöpfen und zu trinken; in den Sakramenten, im Gebet, in der Anbetung: Er ist das Licht, das die Finsternis überwindet und wir werden gebeten, die kleine uns am Tag unserer Taufe anvertraute Flamme zu nähren.

In diesem Sinne ist die Fastenzeit „sakramentales Zeichen unserer Umkehr“ (ital. Quelle: Messale Romano, Oraz. Colletta I Dom. Di Quar.; eigene Übersetzung). Wer den Weg der Fastenzeit geht, ist immer auf dem Weg der Umkehr. Die Fastenzeit ist stets zu erneuerndes sakramentales Zeichen unseres Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit. Dieser Weg ist gewiss anspruchsvoll, wie es auch sein soll, denn die Liebe ist anspruchsvoll, doch dieser Weg ist voller Hoffnung. Ich würde sogar sagen: Der Exodus der Fastenzeit ist der Weg, auf dem die Hoffnung selbst entsteht. Die Mühe der Überquerung der Wüste – alle Herausforderungen, Versuchungen, Illusionen, Trugbilder …-, all dies formt eine starke und feste Hoffnung nach dem Beispiel der Jungfrau Maria, die inmitten der Finsternis der Passion und des Todes ihres Sohnes nicht aufhört an seine Auferstehung, an den Sieg der Liebe Gottes, zu glauben und darauf zu hoffen.

Mit auf diesen Horizont hingeöffnetem Herzen treten wir heute in die Fastenzeit ein. Uns als Teil des heiligen Volkes Gottes empfindend, beginnen wir mit Freude diesen Weg der Hoffnung.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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„Dem Leben ‚Geschmack’‪‪ verleihen“

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Angelus, 22. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Angelus am Sonntag, dem 5. Februar 2017

 In der Katechese vor dem Angelus am Sonntag, dem 5. Februar 2017, ging Papst Franziskus auf das Tagesevangelium ein, und insbesondere auf die Einladung, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein (Matthäus 5,13-16).

Mit den Metaphern des Salzes und des Lichtes wende sich Jesus an die Jünger von jeder Epoche, ‪„damit auch an uns“, so betonte Franziskus zu Beginn seiner Betrachtung.

„Jesus lädt uns ein, durch das Zeugnis der guten Werke ein Widerschein seines Lichtes zu sein“, so der Papst, der an dieser Stelle den Schlussvers der heutigen Perikope zitierte: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).

Dies bedeute, dass Christen als wahre Jünger Jesu, der das Licht ist, nicht durch ihre Worte, sondern durch ihre Werke erkennbar seien.„Tatsächlich, es ist vor allem unser Verhalten, das — im Guten wie im Bösen — ein Zeichen in den anderen zurücklässt“, erläuterte der Papst.

Es sei die Aufgabe und die Verantwortung eines Christen, die empfangene Gabe nicht zu behalten, als sei es sein Eigentum, sondern er sei dazu aufgerufen, das Licht des Glaubens durch die guten Werke den anderen weiterzugeben. ‪„Und wie sehr braucht die Welt das Licht des Evangeliums, das verwandelt, heilt und jenem, der es aufnimmt, das Heil versichert“,  so unterstrich Franziskus.

Christus sollen nicht nur Licht der Welt, sondern auch Salz der Erde sein, erinnerte der Papst, weil das Salz nicht nur würze, sondern zugleich die Lebensmittel vor dem Verderben bewahre. ‪„Zur Zeit Jesu gab es keine Kühlschränke“, so erinnerte Franziskus mit Sinn für Humor.

Deshalb sei es die Aufgabe der Christen in der Gesellschaft, nicht nur mit dem Glauben und der Liebe, die Christus uns gegeben hat, dem Leben „Geschmack“‪‪ zu verleihen, sondern auch die schädlichen Keime des Egoismus, des Neids, der Verleumdung usw. fern zu halten, so der Papst.

‪„Diese Keime verderben das Gewebe unserer Gemeinden, die stattdessen als Orte der Aufnahme, der Solidarität und der Versöhnung leuchten sollen“, sagte der Papst. Um aber diese Sendung erfüllen zu können, sollen Christen zunächst selbst befreit sein vom verderbenden Degenerieren durch die weltlichen Einflüsse, so erinnerte Franziskus, der weiter betonte, dieses sich Reinigen ende niemals, solle ständig fortgesetzt, täglich getan werden.

Maria, „die erste Jüngerin Jesu und Modell der Gläubigen“, könne uns dabei helfen, so sagte der Papst. ‪„Möge unsere Mutter uns helfen, uns immer vom Herrn reinigen und erleuchten zu lassen, damit auch wir ‚Salz der Erde’ und ‪‚Licht der Welt‪’‪‪ werden“, so betete er am Ende seiner Betrachtung.

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