Papst Franziskus: 6. Gebot: „Du sollst nicht die Ehe brechen“.

PAPST FRANZISKUS

GENERALAUDIENZ

Petersplatz
Mittwoch, 24. Oktober 2018

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Sprecher:

Liebe Brüder und Schwestern, in der heutigen Katechese befassen wir uns mit dem sechsten Gebot: „Du sollst nicht die Ehe brechen“. Dies ist ein konkreter Aufruf zur Treue, ohne die es keine echte menschliche Beziehung geben kann. Liebe will endgültig sein. Sie kann nicht nur „bis auf weiteres“ gelten (vgl. KKK 1646). Der Mensch hat das Verlangen, dass er ohne Vorbehalt angenommen wird. Wer diese Annahme seitens seiner Mitmenschen nicht erfährt, trägt in sich eine gewisse Unerfülltheit. Diese wird leicht durch Ersatzbefriedigungen kompensiert, die aber nur ein blasser Abglanz der Liebe sind. So kommt es auch zur Überbewertung der körperlichen Anziehung, die an sich ein Geschenk Gottes ist, aber nur der Weg zu einer echten und treuen Beziehung sein kann. Der heilige Johannes Paul II. hat einmal von der Notwendigkeit einer reifen „Spontaneität“ der Beziehung gesprochen (vgl. Generalaudienz 12.11.1980). Er meint damit die inneren Antriebe auf die geliebte Person hin, die nicht nur sinnliche Begierde sind, sondern auf einem Erkennen und Entscheiden (discernimento) beruhen. Um in der Liebe und Treue durchzuhalten, ist es erforderlich, dass Gott in unser Leben tritt. Das sechste Gebot ruft uns auf, den Blick auf Christus zu richten, der uns mit seiner Treue ein verlässliches Herz geben kann. Aus der Gemeinschaft mit ihm, mit dem Vater und dem Heiligen Geist erwächst eine wahre Gemeinschaft unter uns, in der wir auch die Treue zu leben wissen.

Heiliger Vater:

Saluto con affetto i pellegrini di lingua tedesca, in particolare i tanti giovani. Dove c’è la carità tra di noi, cresce anche l’accordo e il perdono. Il Signore benedica voi e i vostri cari.

Sprecher:

Von Herzen grüße ich die Pilger deutscher Sprache, besonders die vielen Jugendlichen. Wo es Liebe unter uns gibt, wächst auch das Verständnis und die Vergebung. Der Herr segne euch und eure Lieben.

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Quelle

Generalaudienz: Ehevorbereitung? Es braucht ein Katechumenat

Der Papst bei seiner Generalaudienz (Vatican Media)

Das ganze Leben spielt sich in der Liebe ab, aber mit der Liebe spielt man nicht: Das betonte der Papst an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz. Bei deutlich abgekühlten Temperaturen und strahlendem Sonnenschein fuhr der Papst mit seiner Katechesenreihe zu den Zehn Geboten fort. „Du sollst nicht ehebrechen“, das sechste Gebot, war diesmal an der Reihe.

Christine Seuss – Vatikanstadt

„Die unmittelbare Mahnung”, so der Papst zu den Gläubigen, „ist die zur Treue, und in der Tat ist keine menschliche Beziehung authentisch ohne Treue!“ Man könne nicht nur so lange lieben, wie es einem „gerade in den Kram passt“, so der Papst, der mit Blick auf den Katechismus der katholischen Kirche betonte: „Liebe will endgültig sein“. Sie könne nicht nur „bis auf weiteres“ gelten (vgl. KKK 1646).

„Der Mensch hat das Verlangen, ohne Vorbehalt angenommen zu werden, und wer diese Annahme nicht erfährt, trägt in seinem Inneren eine gewisse Unvollständigkeit, oftmals, ohne es zu wissen.“ Dies führe dazu, dass der Mensch nach Ersatzbefriedigungen suche und schale Kompromisse eingehe, die bestenfalls nur ein Abglanz der wahren Liebe seien, so Franziskus.

“ Körperliche Anziehung soll nur den Weg zu einer authentischen und treuen Liebe ebnen ”

„So geschieht es, dass die körperliche Anziehung überbewertet wird, die in sich zwar ein Geschenk Gottes ist, aber nur dazu dienen soll, den Weg zu einer authentischen und treuen Beziehung zu bereiten.“ Der heilige Johannes Paul II. habe in einer Generalaudienz von der Notwendigkeit einer reifen „Spontaneität“ der Beziehung gesprochen, erinnerte Franziskus (vgl. Generalaudienz, 12.11.1980). Diese beruhe auf einem „Erkennen und Unterscheiden der Impulse des eigenen Herzens“, das über die körperliche Anziehungskraft hinausführe, erläuterte er die Worte seines Vorvorgängers im Papstamt.

“ Ehe ist kein formaler Akt: Sie ist ein Sakrament ”

Dazu sei es jedoch nötig, dass die jungen Verlobten ihre Beziehung auf der „treuen Liebe Gottes“ gründeten, formulierte Franziskus sein Anliegen: „Und dafür braucht es, bevor man das Sakrament der Ehe empfängt, eine angemessene Vorbereitung, ich würde sogar sagen, ein Katechumenat, denn das ganze Leben spielt sich in der Liebe ab, und mit der Liebe spielt man nicht. Man kann drei oder vier Konferenzen in der Pfarrei nicht als ,Vorbereitung‘ bezeichnen, nein, das ist eine angebliche Vorbereitung.“ Und die Verantwortung für diese mangelnde Vorbereitung, unterstrich der Papst, liege bei dem Ortsbischof und den Pfarrern: „Die Vorbereitung muss reif sein, und dafür braucht es Zeit. Es ist kein formaler Akt: es ist ein Sakrament. Aber das muss man mit einem wahren Katechumenat vorbereiten.“

“ Treue ist ein Lebensstil ”

Das sechste Gebot könne einen vor vielen „Treuebrüchen“ bewahren, fuhr der Papst fort. Den die Treue stelle, mehr noch als allein körperliche Treue, „einen Lebensstil“ dar: „Man arbeitet mit Loyalität, man spricht mit Ehrlichkeit, man bleibt der Wahrheit in den eigenen Gedanken und Handlungen treu. Ein Leben, das mit Treue durchwoben ist, findet seinen Ausdruck in allen Dimensionen und führt dazu, treue und verlässliche Männer und Frauen zu sein, in jeder Lebenslage.“

Es sei jedoch ein Trugschluss zu meinen, dass die menschliche Natur ausreiche, um zu diesem Leben zu gelangen. Vielmehr sei es nötig, dass Gott in unser Leben trete. Das sechste Gebot fordere dazu auf, „den Blick auf Christus zu lenken“, der unser treubrüchiges Herz mit einem treuen Herz ersetzen könne: „In Ihm, und nur in Ihm, ist Liebe ohne Vorbehalt und Meinungsumschwünge, die vollständige Hinhabe und die Hartnäckigkeit einer rückhaltlosen Aufnahme.“

(vatican news)

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Quelle

Papst Franziskus an die Teilnehmer des Internationalen Symposiums über die Katechese

Pope Francis Tour of Buenos Aires

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DES INTERNATIONALEN SYMPOSIUMS
ÜBER DIE KATECHESE

[BUENOS AIRES, 11.-14. JULI 2017]

An Seine Exzellenz Ramón Alfredo Dus
Erzbischof von Resistencia
Präsident der Bischöflichen Kommission
für Katechese und biblische Pastoral


Lieber Bruder!

Einen herzlichen Gruß an Sie und an alle, die an den verschiedenen Bildungstreffen teilnehmen werden, die die Bischöfliche Kommission für Katechese und biblische Pastoral organisiert hat. Als der heilige Franz von Assisi von einem seiner Anhänger inständig gebeten wurde, dass er ihn predigen lehre, antwortete er folgendermaßen: »Bruder, [wenn wir die Kranken besuchen, den Kindern helfen und die Armen speisen], dann predigen wir schon.« In dieser schönen Lektion ist die Berufung und die Aufgabe des Katecheten enthalten.

Zunächst einmal ist die Katechese keine »Arbeit « oder Aufgabe, die außerhalb der Person des Katecheten liegt, sondern man »ist« Katechet, und das ganze Leben dreht sich um diese Sendung. Katechet zu »sein« ist in der Tat eine Berufung zum Dienst in der Kirche: Was man vom Herrn als Geschenk erhalten hat, muss man seinerseits weitergeben. Darum muss der Katechet ständig zu jener ersten Verkündigung oder dem »Kerygma« zurückkehren, die das Geschenk ist, das sein Leben verändert hat. Es ist die grundlegende Verkündigung, die immer wieder im Leben des Christen widerhallen muss, und noch mehr in jenem, der berufen ist, den Glauben zu verkündigen und zu lehren. »Es gibt nichts Solideres, nichts Tieferes, nichts Sichereres, nichts Dichteres und nichts Weiseres als diese Verkündigung « (Evangelii gaudium, 165). Diese Verkündigung muss den Glauben begleiten, der in der Frömmigkeit unseres Volkes bereits vorhanden ist. Es ist notwendig, Sorge zu tragen für das ganze Potential der Frömmigkeit und der Liebe, das in der Volksfrömmigkeit enthalten ist, damit nicht nur die Glaubensinhalte vermittelt, sondern auch eine wahre Schule für das Bildungsgeschehen geschaffen wird, in der man das Geschenk des Glaubens, das man empfangen hat, pflegt, um in Taten und Worten die Gnade widerzuspiegeln, Jünger Jesu zu sein.

Der Katechet ist von Christus her und mit Christus auf dem Weg. Er ist kein Mensch, der von seinen eigenen Ideen und seinen eigenen Vorlieben ausgeht, sondern sich von ihm anblicken lässt, mit jenem Blick, der das Herz brennen lässt. Je mehr Jesus den Mittelpunkt in unserem Leben einnimmt, desto mehr lässt er uns aus uns selbst hinausgehen, nimmt uns selbst aus dem Mittelpunkt und macht uns zum Nächsten der anderen. Diese Dynamik der Liebe ist wie die Bewegung des Herzens: »Systole und Diastole«.

Sie zieht sich zusammen, um dem Herrn zu begegnen und öffnet sich sofort wieder, um Zeugnis zu geben von Jesus und von Jesus zu sprechen, Jesus zu verkündigen. Er selbst gibt uns das Beispiel dafür: Er zog sich zurück, um zum Vater zu beten, und gleich darauf ging er hinaus zur Begegnung mit denen, die hungerten und dürsteten nach Gott, um sie zu heilen und zu retten. Hier entsteht die Bedeutung der »mystagogischen« Katechese: Sie ist die ständige Begegnung mit dem Wort Gottes und mit den Sakramenten und nicht nur eine Angelegenheit, die vor der Feier der Sakramente der christlichen Initiation erledigt werden muss. Das christliche Leben ist ein Prozess des Wachstums und der Integration aller Dimensionen des Menschen auf einem gemeinschaftlichen Weg des Hörens und der Antwort (vgl. Evangelii gaudium, 166).

Der Katechet ist außerdem kreativ; er sucht verschiedene Mittel und Formen, um Christus zu verkündigen. Es ist schön, an Jesus zu glauben, denn er ist »der Weg und die Wahrheit und das Leben« (Joh 14,6) und erfüllt unser Dasein mit Freude und Frohsinn. Das Streben danach, Jesus als die höchste Schönheit zu vermitteln, bringt uns dazu, neue Zeichen und Formen für die Weitergabe des Glaubens zu finden. Die Mittel können verschieden sein, aber wichtig ist, sich den Stil Jesu vor Augen zu halten, der sich den Menschen anpasste, die ihm gegenüberstanden, um ihnen die Liebe Gottes nahezubringen. Man muss sich »ändern«, sich anpassen können, um die Botschaft näherzubringen, auch wenn sie immer dieselbe ist, denn Gott ändert sich nicht, sondern macht alle Dinge in sich neu. Beim kreativen Streben danach, Jesus den anderen zu vermitteln, dürfen wir keine Angst haben, denn er geht uns bei dieser Aufgabe voraus. Und er ist bereits im heutigen Menschen und wartet dort auf uns.

Liebe Katecheten, ich danke euch für das, was ihr tut, vor allem aber dafür, dass ihr mit dem Gottesvolk unterwegs seid. Ich ermutige euch, frohe Botschafter zu sein, Hüter des Guten und der Schönheit, die im treuen Leben des missionarischen Jüngers erstrahlen. Jesus segne euch, und die allerseligste Jungfrau, wahre »Erzieherin im Glauben«, beschütze euch. Und bitte, vergesst nicht, für mich zu beten.

Aus dem Vatikan, am 5. Juli 2017

Franziskus

Predigt von Kardinal Joachim Meisner im Abschlussgottesdienst zum Eucharistischen Kongress 2013 in Köln

Kardinal Joachim Meisner im Jahr 2013 in Köln vor seinem Wappen.

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Nirgendwo erhält der Mensch und unsere Welt einen so unwahrscheinlichen Wertzuwachs wie in der heiligen Eucharistie. Bei der Zurüstung der eucharistischen Gaben für die heilige Wandlung betet die Kirche: „Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, dass es uns das Brot des Lebens werde“. Und dann entsprechend weiter: „Wir danken dir für den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, dass er uns der Kelch des Heiles werde“. Christus solidarisiert sich mit unserer Welt und mit den Menschen. Dieses Brot, die Frucht dieser Erde, wird zu seinem Leib. „Das ist mein Leib“, sagt der Priester im Auftrag des Herrn über jenes Brot, dieses Stückchen Materie von unserer deutschen Erde. Christus nimmt unser Land gleichsam in seine eigene Leibhaftigkeit auf. Von dieser Handvoll Brot, verwandelt in den Leib Christi, wird das ganze Land mitgeheiligt, von Görlitz bis Köln, von München bis Flensburg und jede Stadt und jedes einzelne Dorf dazwischen. Unser ganzes Land erhält eine andere, eine heilige Qualität. Darum tragen wir die Eucharistie, den Leib des Herrn, genommen aus dieser Erde, am Fronleichnamsfest über die Straßen unseres Landes. Denn beides gehört zusammen.

Christus bekennt sich zu uns und zu unserem Land. Deutschland ist trotz allem – von Gott her gesehen – nicht gottverlassen. Deutschland ist durch die heilige Eucharistie ein gottverbundenes Land. Dafür steht die Eucharistie in den Tabernakeln unserer Kirchen. Und die Erde Deutschlands ist darum keine wertfreie Materie, mit der man machen könnte, was man möchte. Diese Erde ist bestimmt und gesegnet, Leben zu spenden, Brot zu bringen, um den Hunger der Menschen zu stillen, aber auch den Hunger der Menschen nach Gott. Gott hat ein Recht auf unser Land. Und wo man ihm das Recht nimmt, dort verliert auch immer der Mensch sein Recht. Gott ist keine Privatsache. Er ist die öffentlichste Sache, die es überhaupt gibt. Er ist nicht ein kirchlicher Grundstücksverwalter, er ist der Herr der Welt und damit auch Herr unseres Landes.

2. Die heilige Eucharistie zeigt es uns deutlich: Es gibt keinen leiblosen Christus und folglich keinen weltlosen Gott und darum keine gottlose Welt. Wer im privaten und im gesellschaftlichen Leben Gott theoretisch oder praktisch ausklammert, der führt sich und die Menschen am Sinn des Lebens vorbei. Dieses Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit, wird zum Leib Christi. Die Büros, Fabriken und Arbeitsstätten und unsere Kirchen haben darum etwas miteinander zu tun. Die Montagehallen und die Kirchengewölbe gehören zusammen. Eure tägliche Arbeit und unsere tägliche Feier der hl. Eucharistie bilden eine Einheit. Indem der auferstandene Christus sich in die Frucht menschlicher Arbeit, in das eucharistische Brot hinein vergegenwärtigt, fällt von diesem Glaubensgeheimnis aus Glanz und Würde auf die Arbeitswelt des Menschen. Gott braucht Menschen. Gott braucht Arbeiter, Ingenieure, Ärzte, um sich in die Frucht ihrer Arbeit hinein vergegenwärtigen zu können. Indem Gottes Gebote normierend für die Welt der Arbeit sind, garantiert er uns, dass die Arbeit nicht zum Götzen deformiert, und schützt die Arbeiter vor Ausnutzung und Ausbeutung. Auch deswegen feiern wir den eucharistischen Herrn heute im Eucharistischen Kongress in aller Öffentlichkeit. Wir tragen ihn hinaus aus unseren Kirchen in die Welt der menschlichen Arbeitsstätten, um zu bekennen: Du bist auch der Herr unseres Lebens und unserer Arbeitswelt.

3. Eucharistie ist auch immer das Fest des Menschen. Der Schöpfungsbericht lässt den von Gott ins Paradies gesetzten ersten Menschen, Adam, nach einer Partnerin auf die Suche gehen, nach einer Partnerin, zu der er „Du“ sagen und der er sich schenken kann. Und er findet immer nur Tiere. Und es kommt ihm nicht das menschliche „Du“ über die Lippen, sondern immer nur die Namen für die Tiere, bis ihm plötzlich Eva gegenübertritt und er in den Ruf der Freude ausbricht: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ (Gen 2,23). Und er schenkt ihr sein „Du“. Der Herr sagt uns im Hinblick auf die heilige Eucharistie: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm“ (Joh 6,56). Durch die Eucharistie werden wir Fleisch von seinem Fleisch, Bein von seinem Bein. Der Herr identifiziert sich mit uns, sodass wir für Gott wirkliche Partner werden, ähnlich wie sein Sohn, sodass er auch uns sein Du-Wort schenkt, wie er zu seinem Sohn sagt: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Gefallen gefunden“ (Mk 1,11).

Der Herr identifiziert sich mit uns, und darum werden wir zu seinem Leib, zum Leibe Christi, zur Kirche des Herrn. Unsere Kirche ist kein frommer Zweckverband zur Durchsetzung religiöser Interessen, sondern die Kirche ist der Leib Christi in unserem Land. Und die Herzmitte dieser Kirche ist der eucharistische Herr, real gegenwärtig in den Gestalten von Brot und Wein. Die Gegenwart Christi im Altarsakrament zu suchen und in seiner Gegenwart zu verweilen, das ist weit mehr als eine bloße Gebetsgeste. Es heißt, sich der göttlichen Strahlungskraft der heilenden Liebe Gottes auszusetzen, die Jesus erfüllt. „Denn in ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes“ (Kol 2,9), wie der Apostel Paulus ausdrücklich sagt. Seinem Bild sollen wir gleichgestaltet werden. Seine Herrlichkeit sollen wir widerspiegeln, (vgl. 2 Kor 3,18) wie Paulus bezeugt. Wir treten in diese Gegenwart ein, wenn wir vor der heiligen Eucharistie niederknien, jetzt bei der hl. Messe oder vor dem Tabernakel in der heimatlichen Pfarrkirche.

Liebe Freunde, es ist kein gutes Zeichen, wenn unsere Kirchen außerhalb der Eucharistiefeiern leer oder gar verschlossen bleiben. Ich frage mich oft: „Wie kommt das nur, dass die Kirchenbänke leer bleiben, obwohl die Tabernakel voll gefüllt sind?“, und ich frage mich selbst: „Reden wir Priester zu wenig davon?“. Dieses Schweigen unsererseits wäre ohrenbetäubend für das Volk Gottes. Es wüsste dann nicht mehr, dass es ein eingeladenes Volk, ein vom lebendigen Gott erwartetes Volk ist.  „Herr,  zu  wem  sollen  wir  gehen?“ (Joh 6,68), stand und steht über unserem Eucharistischen Kongress. Und wir machen das weitere Wort des hl. Petrus zu unserem eigenen Bekenntnis: „Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6,68-69). In diesem apostolischen Bekenntnis ist uns Wegweisung, Wegzehrung und Weggeleit gegeben.

Wir gehen heute wieder in unsere Pfarreien und Gemeinden zurück, und dort wartet schon der eucharistische Herr in den Kirchen und Kapellen auf uns. Das wäre auch eine gute Frucht unseres Eucharistischen Kongresses, dass wir in unseren Pfarrgemeinden vielleicht als Familiengemeinschaften, als kleine Gruppen oder als Einzelne einmal in der Woche zu einer viertelstündigen Anbetung unsere Kirchen aufsuchen. Vergessen wir nicht: Christus identifiziert sich in der heiligen Eucharistie mit uns selbst und mit unserem Land!

Nun sind wir auch eingeladen, uns mit diesem Land, das unsere Heimat ist, zu identifizieren. Diese Einladung an unsere Mitbewohner auszurichten, ist unsere Berufung und ist unsere Sendung. Amen.

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Generalaudienz: In der Einheit mit Christus leben

Die Taufe ist ein einzigartiges „spirituelles Siegel“, das jeden Menschen rettet. Daran erinnerte der Papst in seiner Katechese an diesem Mittwoch anlässlich der Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Wir verdanken unser irdisches Leben unseren Eltern, doch der Kirche verdanken wir das ewige Leben, so Franziskus vor tausenden Pilgern und Besuchern, die unter Regenschirmen dem Papst zuhörten. Nicht der römische Regen, sondern das Wasser war auch der rote Faden in seinen Erläuterungen. Er ging auch an diesem Mittwoch auf die Bedeutung der Taufe ein. Es handelte sich um die fünfte Katechese zu dieser Reihe, das Thema der „Neuschöpfung“ stand diesmal im Mittelpunkt der Überlegungen.

„Auch ein jeder von uns ist durch das Wasser und den Heiligen Geist wiedergeboren. Der himmlische Vater lässt in uns mit unendlicher Liebe seine Stimme wiederhallen: ,Du bist mein geliebter Sohn.´ Diese väterliche Stimme ist zwar mit unserem Ohren nicht hörbar, wohl aber in den Herzen all jener, die glauben. Diese Stimme begleitet uns das ganze Leben“, so der Papst. Niemals verlasse sie uns. Einmal als „Kinder Gottes wiedergeboren“, sei man dies für immer, fügte Franziskus an. Selbst die Sünden könnten dieses „spirituelle Siegel“ nicht zerstören.

Gott verleugnet seine Kinder nicht

Dazu gab der Papst noch ein konkretes Beispiel: „Da sagt vielleicht einer: ,aber Pater, wenn eine Person kriminell wird und zwar schlimmer als die bekannten Kriminellen, wenn er Menschen umbringt und Ungerechtigkeiten verübt, geht da dieses Siegel nicht verloren?´ Nein, denn dieses Kind Gottes tut diese Dinge zur eigenen Scham, aber das Siegel geht nicht verloren.“ Man bleibe weiterhin „Kind Gottes“, denn Gott verleugnet niemals seine Kinder, betonte Franziskus, der die Pilger einlud, dies gemeinsam mit ihm laut zu wiederholen.

Die Berufung eines jeden Gläubigen sei es, in der Kirche in Einheit mit Christus zu leben und dieselbe Mission zu verfolgen. Der Papst ging auch auf den wesentlichen Teil des Ritus des Sakraments der Taufe ein, der im dreimaligen Eintauchen in das Wasser unter der Anrufung der heiligsten Dreifaltigkeit bestehe. So tauche der Täufling in das „österliche Geheimnis“ Christi ein, getauft „in seinem Tod“, wie der Apostel Paulus im Römerbrief erläuterte. Daraus folge jedoch ein „neues Leben“: „Die Taufe“, unterstrich der Papst, „öffnet uns die Tür zu einem Leben der Erlösung, nicht zu einem weltlichen Leben. Ein Leben nach Jesus.“

Grab für die Sünde und Mutterschoß für das neue Leben

Eine weitere Besonderheit der Taufe sei der Ort dieses Rituals. Am Taufbrunnen zeige sich die Bedeutung von Ostern, denn der Taufbrunnen sei „sozusagen das Grab für die Sünde und der Mutterschoß für das neue Leben“, so der Papst, den heiligen Kyrill von Jerusalem zitierend.

Franziskus betonte, dass die Taufe einmalig und nicht wiederholbar sei, weil die Taufe ein unauslöschliches spirituelles Siegel hinterlasse, das selbst die Sünde nicht auslöschen könne. Diese Zugehörigkeit zu Gott werde durch die Salbung mit dem heiligen Chrisam deutlich. Auf diese Weise forme der Heilige Geist „die vielen zu dem einen Leib Christi, der Kirche“.

Den Besuchern aus dem deutschen Sprachraum sagte der Papst:

„Mit Freude heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. Insbesondere grüße ich die Grabesritter der Komturei St. Hildegard und die Schwestern vom Göttlichen Erlöser, die ihr 25-jähriges Professjubiläum feiern. Als Getaufte sind wir wiedergeboren zu einem neuen Leben in Christus und berufen, seine Sendung weiterzuführen, indem wir seine Liebe und sein Evangelium zu unseren Mitmenschen bringen. Von Herzen segne ich euch alle.“

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Generalaudienz: „Zur Messe gehen ist keine Pflichtübung“

Unterwegs im Papamobil: Ein Schnappschuss von der Generalaudienz (Vatican Media)

Christen sollten sich durch den sonntäglichen Besuch der Messe umformen lassen, um Christus immer ähnlicher zu werden. Das sagte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz in Rom. Er schloss mit dieser Ansprache seine Katechesenreihe zur Heiligen Messe ab.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Die Christen gehen nicht in die Messe, um sich einer allwöchentlichen Pflicht zu entledigen, und dann vergessen sie das Ganze – nein! Die Christen gehen zur Messe, um am Leiden und an der Auferstehung des Herrn teilzunehmen und dann noch mehr als Christen zu leben. Hier geht es um die Pflicht zum christlichen Zeugnis! Wir verlassen die Kirche „in Frieden“, um den Segen Gottes in den Alltag zu tragen, in unsere Häuser, an unseren Arbeitsplatz. Um den Herrn mit unserem Leben zu verherrlichen.“

Wie die Messe beginne, so ende sie auch: mit dem Zeichen des Kreuzes. „Aber wenn wir aus der Kirche rauskommen und sofort anfangen zu schwätzen: Guck mal, der da… – dann ist die Messe nicht in mein Herz gedrungen. Warum? Weil ich nicht imstande bin, das christliche Zeugnis zu leben. Jedes Mal, wenn ich aus der Messe herauskomme, muss ich besser sein als in dem Moment, in dem ich eingetreten bin, mit mehr Leben, mehr Kraft, mit mehr Bereitschaft zum christlichen Zeugnis.“

Mit unserem Leben sollten wir das Sakrament ausdrücken, das wir in der Messe empfangen hätten, so Papst Franziskus. „Von der Feier ins Leben, also… Die Messe wird vollendet durch die konkreten Entscheidungen dessen, der sich in die Geheimnisse Christi hineinnehmen lässt. Vergessen wir nicht, dass wir die Eucharistie feiern, um zu lernen, eucharistische Menschen zu werden. Was das bedeutet? Es bedeutet, in unseren Handlungen Christus handeln zu lassen: dass seine Gedanken unsere Gedanken seien, seine Gefühle die unsrigen, seine Entscheidungen die unsrigen. Und das ist Heiligkeit: Handeln wie Christus ist christliche Heiligkeit.“

Zum Thema Heiligkeit will Papst Franziskus schon bald einen Grundlagentext veröffentlichen; diese Worte bei der Generalaudienz waren also schon mal ein kleiner Vorgeschmack darauf.

“ Nicht so enge, verschlossene Seelen ”

„Je mehr wir unseren Egoismus abschütteln und alles abtöten, was sich dem Evangelium und der Liebe Jesu entgegenstellt, umso mehr Platz schaffen wir in uns für das Wirken seines Geistes. Die Christen sind Männer und Frauen, die sich durch die Kraft des Heiligen Geistes – nachdem sie Leib und Blut Christi empfangen haben – die Seele weitmachen lassen! Lasst euch die Seele weitmachen! Nicht so enge, verschlossene Seelen, klein und egoistisch – nein! Weite, große Seelen, mit großen Horizonten… Lasst euch die Seele weitmachen in der Kraft des Geistes, nach dem Empfang von Leib und Blut Christi.“

So wie die Realpräsenz Christi im geweihten Brot nicht mit dem Ende der Messe ende, so sollten auch die „Früchte der Messe“ im Alltagsleben eines jeden Christen spürbar sein. „Auch wenn der Vergleich ein bisschen hinkt, können wir doch sagen: Die Messe ist wie das Weizenkorn, das im Alltag wächst. Es wächst und reift in den guten Werken, in den Haltungen, die uns Jesus ähnlich machen. Die Früchte der Messe sollen im Alltag reifen.“

Die regelmäßige Teilnahme an der Messe stärke auch unsere Zugehörigkeit zu der christlichen Gemeinschaft um uns herum, fuhr Papst Franziskus fort. „Und schließlich bedeutet unsere Teilnahme an der Eucharistie auch eine Verpflichtung den anderen, vor allem den Armen gegenüber. Wir sollen vom Fleisch Christi übergehen zum Fleisch unserer Schwestern und Brüder, in denen er von uns erkannt, geehrt, geliebt werden will.“

Damit schloss der Papst den Zyklus seiner Katechesen zur Heiligen Messe ab. Er danke dem Herrn für diesen „Weg des Wiederentdeckens“ der Messe. „Lassen wir uns mit erneuertem Glauben anziehen von dieser wirklichen Begegnung mit Jesus! Er ist für uns gestorben und auferstanden –unser Zeitgenosse. Möge unser Leben blühen mit den Blumen der Hoffnung, des Glaubens, der guten Werke! Mögen wir immer die Kraft dazu in der Eucharistie finden, in der Verbindung mit Jesus!“

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Die Taufe ist das Tor zum Licht

Nach der einmonatigen Sommerpause setzte Papst Franziskus die Katechesereihe über das Thema der Hoffnung fort und behandelte das Sakrament der Taufe. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Symbolkraft der nach Osten ausgerichteten Kirchen hin (die Basilika Tre Fontane in Rom).

Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 2. August

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Es gab eine Zeit, in der die Kirchen geostet waren. Man trat in das Gotteshaus ein durch eine Tür, die sich nach Westen hin öffnete, und durch das Schiff ging man nach Osten. Das war ein wichtiges Symbol für den Menschen der Antike, ein Sinnbild, das im Laufe der Geschichte allmählich außer Gebrauch gekommen ist. Wir Menschen der modernen Zeit sind es viel weniger gewohnt, die großen Zeichen des Kosmos zu erkennen, fast nie bemerken wir ein solches Detail. Der Westen ist die Himmelsrichtung des Sonnenuntergangs, wo das Licht verlöscht. Der Osten hingegen ist der Ort, wo die Finsternis vom ersten Morgenlicht überwunden wird, und er verweist uns auf Christus, die aufstrahlende Sonne am Horizont der Welt (vgl. Lk 1,78).

Die antiken Taufriten sahen vor, dass die Katechumenen den ersten Teil ihres Glaubensbekenntnisses mit dem Blick nach Westen gewandt sprachen. Und in dieser Haltung wurden sie gefragt: »Widersagt ihr dem Satan, seinem Dienst und seinen Werken?« – Und die zukünftigen Christen wiederholten im Chor: »Ich widersage!« Dann wandte man sich der Apsis zu, in Richtung Osten, wo das Licht aufstrahlt, und die Taufkandidaten wurden erneut gefragt: »Glaubt ihr an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist?« Und diesmal antworteten sie: »Ich glaube!«

Sprache des Kosmos

In der modernen Zeit ist die Faszination dieses Ritus teilweise verlorengegangen: Wir haben die Empfänglichkeit für die Sprache des Kosmos verloren. Natürlich ist uns das Glaubensbekenntnis in Form der Taufbefragung erhalten geblieben, und es gehört zur Feier einiger Sakramente. Es behält jedoch seine Bedeutung. Was bedeutet es, Christen zu sein? Es bedeutet, auf das Licht zu schauen, weiterhin den Glauben an das Licht zu bekennen, auch wenn die Welt von Nacht und Finsternis umhüllt ist.

Die Christen sind von der Finsternis – der äußeren und auch der inneren – nicht ausgenommen. Sie leben nicht außerhalb der Welt, aber durch die Gnade Christi, die sie in der Taufe empfangen haben, sind sie »geostete« Männer und Frauen: Sie glauben nicht an die Finsternis, sondern an das Tageslicht. Sie unterliegen nicht der Nacht, sondern hoffen auf das Morgenlicht. Sie sind nicht vom Tod besiegt, sondern streben nach der Auferstehung. Sie sind nicht vom Bösen bezwungen, weil sie immer an die unendlichen Möglichkeiten des Guten glauben. Und das ist unsere christliche Hoffnung. Das Licht Jesu, das Heil, das Jesus uns mit seinem Licht bringt, rettet uns vor der Finsternis.

Wegen der Hitze fand die Generalaudienz in der klimatisierten »Aula Paolo VI« statt.

Wir glauben, dass Gott Vater ist: Das ist das Licht! Wir sind keine Waisen, wir haben einen Vater, und unser Vater ist Gott. Wir glauben, dass Jesus zu uns gekommen ist, den Weg unseres Lebens gegangen ist, sich zum Gefährten vor allem der Armen und Schwachen gemacht hat: Das ist das Licht! Wir glauben, dass der Heilige Geist ohne Unterlass für das Wohl der Menschheit und der Welt wirkt und dass sogar die größten Schmerzen der Geschichte überwunden werden: Das ist die Hoffnung, die uns jeden Morgen wieder weckt! Wir glauben, dass jede Zuneigung, jede Freundschaft, jeder gute Wunsch, jede Liebe, selbst die kleinsten und nachlässigsten, eines Tages ihre Erfüllung in Gott finden werden: Das ist die Kraft, die uns drängt, unser tägliches Leben mit Begeisterung anzunehmen! Und das ist unsere Hoffnung: in der Hoffnung zu leben und im Licht zu leben, im Licht Gottes, des Vaters, im Licht Jesu, des Erlösers, im Licht des Heiligen Geistes, der uns drängt, im Leben voranzugehen.

Es gibt noch ein weiteres sehr schönes Zeichen der Taufliturgie, das uns die Bedeutung des Lichts in Erinnerung ruft. Am Ende des Ritus wird den Eltern, wenn es ein Kind ist – oder dem Täufling selbst, wenn er erwachsen ist –, eine Kerze übergeben, deren Flamme an der Osterkerze entzündet wird. Dies ist die große Kerze, die in der Osternacht in die vollkommen dunkle Kirche hineingetragen wird, um das Geheimnis der Auferstehung Jesu zum Ausdruck zu bringen. An jener Kerze entzünden alle die eigene Kerze und geben die Flamme an die Umstehenden weiter: In diesem Zeichen liegt die langsame Verbreitung der Botschaft von der Auferstehung Jesu im Leben aller Christen. Das Leben der Kirche – ich gebrauche jetzt ein etwas kräftiges Wort – ist die Kontamination durch das Licht. Je mehr Licht Jesu wir Christen haben, je mehr Licht Jesu es im Leben der Kirche gibt, desto lebendiger ist sie. Das Leben der Kirche ist Kontamination durch Licht.

Datum der Neugeburt

Die schönste Ermahnung, die wir aneinander richten können, ist die, uns immer an unsere Taufe zu erinnern. Ich möchte euch fragen: Wie viele von euch erinnern sich an das Datum der eigenen Taufe? Antwortet nicht, denn einige werden sich schämen! Denkt nach, und wenn ihr euch nicht daran erinnert, dann habt ihr heute eine Hausaufgabe: Geh zu deiner Mutter, zu deinem Vater, zu deiner Tante, zu deinem Onkel, zu deiner Großmutter, zum Großvater und frag sie: »Was ist das Datum meiner Taufe?« Und vergiss es nicht mehr! Ist das klar? Werdet ihr das tun? Die heutige Aufgabe besteht darin, das Taufdatum zu erfahren oder sich daran zu erinnern: Es ist das Datum der Neugeburt, es ist das Datum des Lichts, es ist das Datum, an dem wir – ich erlaube mir, dieses Wort zu benutzen –, an dem wir vom Licht Christi kontaminiert wurden. Wir sind zweimal geboren: das erste Mal zum natürlichen Leben, das zweite Mal im Taufbecken durch die Begegnung mit Christus. Dort sind wir für den Tod gestorben, um als Kinder Gottes in dieser Welt zu leben. Dort sind wir menschlicher geworden als wir es je gedacht hätten. Daher müssen wir alle den Duft des Chrisams verströmen, mit dem wir am Tag unserer Taufe gesalbt wurden. In uns lebt und wirkt der Geist Jesu, des Erstgeborenen vieler Brüder, all jener, die sich der Unvermeidlichkeit der Finsternis und des Todes widersetzen.

Welch eine Gnade, wenn ein Christ wirklich zum »Christo-Phorus«, also zum »Christusträger«, in der Welt wird! Vor allem für jene, die Situationen der Trauer, der Verzweiflung, der Fins­ternis und des Hasses erleben. Und das erkennt man an vielen kleinen Einzelheiten: an dem Licht, das ein Christ in den Augen bewahrt; an der grundlegenden Zuversicht und Gelassenheit, die nicht einmal an den schwierigsten Tagen beeinträchtigt wird; an dem Willen, wieder zu lieben zu beginnen, auch wenn man viele Enttäuschungen erfahren hat. Wenn man in Zukunft die Geschichte unserer Tage schreiben wird, was wird man dann über uns sagen? Dass wir fähig waren zur Hoffnung oder dass wir unser Licht unter den Scheffel gestellt haben? Wenn wir unserer Taufe treu sind, dann verbreiten wir das Licht der Hoffnung – die Taufe ist der Beginn der Hoffnung, jener göttlichen Hoffnung – und können den kommenden Generationen eine Lebensgrundlage, einen Sinn des Lebens vermitteln.

(Orig. ital. in O.R. 3.8.2017)