Der Bruch mit der Schrift — Sind „die katholischen Bischöfe in Deutschland“ noch normal?

Gerhard Müller – 12. Dezember 2019

Die katholische Theologie muss auch die Ergebnisse und Wertungen der Wissenschaften kritisch auf weltanschauliche Vorurteile hin überprüfen, meint Kardinal Müller. Foto: stock.adobe.com

Das kirchensteuerfinanzierte Portal „katholisch.de“ meldet am Vortag des „Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“: „Bischöfe mit Wissenschaftlern einig: Homosexualität ist etwas Normales.“

„Normal“ – um das Schlüsselwort dieses revolutionären Erkenntnisdurchbruchs aufzugreifen – wäre es allerdings, wenn die Bischöfe ihrem Weiheversprechen treu blieben und „nichts lehren, was nicht überliefert ist, weil das Lehramt das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt, und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft“ (II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution über die Göttliche Offenbarung „Dei verbum“, Art. 10).

Offenbarung in der Schöpfung und Heilsgeschichte

Die Sexualmoral ergibt sich in ihren wesentlichen Prinzipien aus der Offenbarung in der Schöpfung und Heilsgeschichte. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer von uns ausgedachten Theorie über Phänomene des menschlichen Daseins, die das kirchliche Lehramt den Gläubigen zu denken aufzwingt, so wie die Diktatur des Relativismus die Menschen unter den Meinungszwang des Mainstreams zwingt und bei Zuwiderhandeln politisch und juristisch abstraft. Die ganze Kirche und somit auch das Lehramt empfangen die Gewissheit ihrer Glaubens- und Sittenlehre nur aus dem ehrfürchtigen Hören des Wortes Gottes als Grund des zuversichtlichen und treuen Verkündens (vgl. II. Vatikanum „Dei verbum“ 1) und Lehrens im Namen Christi (Matthäus 28,19f).

Die drei Untertitel des Berichtes sind rhetorische Fragen, die nur eine einzige und zwar die zwingende Antwort des sogenannten Synodalen Weges zulassen. Die Fragen wurden so formuliert, dass sie nur ein Ja oder Nein zulassen. Den Synodalen bleibt nur die Akklamation: „Ist das lehramtliche Verbot praktizierter Homosexualität zeitgemäß?“ Antwort: Nein. „Ist die Homosexualität eine normale sexuelle Ausrichtung?“ Antwort: Ja. „Ist eine sexuelle Beziehung nach einer Scheidung ,schwere Sünde‘?“ Antwort: Seit „Amoris laetitia“ nicht mehr.

Schlagzeile mit gezielt manipulativem Charakter

Diese Erkenntnisse verdanken nach dieser Meldung „die katholischen Bischöfe in Deutschland“ ihren Experten aus Medizin und Theologie, von denen sie sich zur Vorbereitung des Synodalen Weges beraten ließen. Die Informationen, die man von dieser „Fachkonsultation“ in diesem Beitrag erhält, sind etwas differenzierter, so dass die Schlagzeile ihren gezielt manipulativen Charakter nicht ganz verbergen kann.

Gebetsmühlenartig weisen „die katholischen Bischöfe in Deutschland jedwede Form einer Diskriminierung von homosexuell veranlagten Menschen zurück“, ohne sich mit der Frage zu befassen, was überhaupt Diskriminierung ist, was die Kriterien des Begehens dieser Untat und ihres Empfundenwerdens sind, und wem näherhin die Definitionshoheit des Gummiparagraphen „Diskriminierung“ bis hin zu juristischen Konsequenzen zukommt. Diese Bischöfe scheinen den Wandel der Zeit noch nicht bemerkt zu haben. Denn tatsächlich werden diejenigen diskriminiert als kriminelle Hass- prediger, Homophobe, Pharisäer und hinter dem Stand der Wissenschaft Zurückgebliebene, die einfach nur die natürliche Wahrheit bekennen, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat und dass Christus die sakramentale Ehe zu einem unauflösbaren Bund gemacht hat, der seine Einheit mit der Kirche im Zeichen darstellt und seine Gnade den Ehegatten wirksam vermittelt.

Glaube setzt die geistig-sittliche Natur des Menschen voraus

In der Tat ist der Dialog der Theologie, insofern sie Auslegung des Wortes Gottes im Glaubensbekenntnis der Kirche ist, mit den Natur-, Geschichts- und Humanwissenschaften – in Verbindung mit der philosophischen Erschießung des menschlichen Selbst- und Weltverständnisses – aus der Natur der Sache heraus unerlässlich. Denn der Glaube setzt die geistig-sittliche Natur des Menschen voraus, reinigt sie von ihrer Kontamination mit der Sünde Adams und den persönlichen Sünden und erhebt sie zu ihrem übernatürlichen und ewigen Ziel in der liebenden Einheit mit Gott in Wahrheit und Leben. Aber die katholische Theologie muss auch die Ergebnisse und Wertungen der Wissenschaften kritisch auf weltanschauliche Vorurteile hin überprüfen. Es gab und gibt den wissenschaftlichen Materialismus und wissenschaftlichen Atheismus und sogar einen wissenschaftlich sich drapierenden Rassismus. Papst Pius XI. hat diese menschenverachtende, doch als „modern“ sich ausgebende Lehre in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ 1937 auf der Basis des natürlichen, das heißt in der Vernunft begründeten, Sittengesetzes und der sich daraus ergebenden allgemeinen Menschenrechte als Pseudowissenschaft entlarvt und zurückgewiesen.

Aber die philosophische Erkenntnis der Existenz Gottes und das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer, Erlöser und Versöhner der Menschheit aufgrund seiner Selbstoffenbarung in Christus hängen nicht vom Weltbild der natürlichen Wissenschaften ab und können schon gar nicht durch ihren ideologischen Missbrauch in Frage gestellt werden. Der übernatürliche Glaube aufgrund der Gabe des Heiligen Geistes kann durch die Wissenschaften weder erwiesen noch widerlegt werden. Denn der Glaube ist ein Akt freier und vernünftiger Zustimmung zu Gott, der sich uns in seinem geoffenbarten Wort zu erkennen gibt, und der in Seinem – in unser Herz ausgegossenen – Geist uns liebt und von uns geliebt wird.

Nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen

Aus der Offenbarung wissen wir sicher, dass Gott uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat und dass darum der Mensch das einzige um seiner selbst willen geschaffene Wesen und damit jeder individuell existierende Mensch eine unmittelbar auf Gott hin bezogene Person ist. Zur Wesensverfassung des Menschen gehört sein leib-geistiges Dasein als Mann oder Frau und ihre ganzheitliche Beziehung zueinander, die in der Ehe eine frei angenommene konkrete Realität wird mit allen wesenseigenen Rechten und Pflichten.

Den Angaben des zitierten Beitrages in „katholisch.de“ zufolge soll es neueste wissenschaftliche Erkenntnis sein, dass eine erotische Anziehung durch einen Menschen des gleichen Geschlechtes sexuelle Akte unter Personen gleichen Geschlechtes ethisch unbedenklich macht und dass sich daraus zwingend ein Recht auf Triebbefriedigung ergibt. Daraus folge, dass sich derjenige am Glück des so Handelnden schuldig macht, der mit Berufung auf das natürliche Sittengesetz und die geoffenbarten Gebote Gottes die homosexuellen Handlungen – und alle anderen außerhalb einer legitimen Ehe – als Widerspruch zum heiligen Willen Gottes, also als Sünde, zu bezeichnen wagt. Hier steht das kirchliche Lehramt unter Anklage, dem man ein Verbot solcher vermeintlich glückschaffender Handlungen vorwirft. Außer Acht bleibt, dass die Gebote Gottes und das Verbot der Sünde von Gott kommen und dass das Lehramt nur die Aufgabe hat, „die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, zu lehren“ (1 Tim 5,3), und dass Papst und Bischöfe über keine Vollmacht verfügen, sie den Wünschen der Menschen anzupassen. Entsprechend dieser Meinung über die Normalität homosexueller Handlungen, die man nicht mit Argumenten belegt, sondern die nur behauptet wird, müsste man den Glauben an das Wort Gottes durch den Glauben an die Wissenschaft und eine blinde Ergebenheit an die Autorität der modernen Wissenschaftler ersetzen.

„Der Mensch ist seinem geistig-leiblichen
Wesen nach Mann oder Frau“

Der Mensch ist seinem geistig-leiblichen Wesen nach Mann oder Frau. Und die sexuelle Vereinigung der beiden anatomisch aufeinander bezogenen Leiber und die nur zwischen Mann und Frau mögliche innigste Freundschaft in Seele und Geist, ermöglicht die leibliche und geistliche Fruchtbarkeit, durch die Gott den Menschen würdigt, an seinem Schöpfertum teilzuhaben.

Eine andere Frage ist es, wie erotische Anziehung durch das gleiche Geschlecht entsteht, die als solche nicht Sünde ist, im Unterschied zu allen geschlechtlichen Handlungen außerhalb der Ehe von Mann und Frau. Auch wird der Staat übergriffig, wenn er eine unter mehreren wissenschaftlichen Erklärungen dieses Phänomens als alleingültig gesetzlich schützt und alle anderen legitimen ethischen Positionen dazu unter Strafe stellt.

Die Alleinherrschaft von politischen, soziologischen und psychologischen Denkmustern ohne ein Hören auf Gottes Wort und ohne die Einheit mit ihm im Gebet und ohne die Treue zum Credo der Kirche würde mit Sicherheit den Synodalen Weg im Desaster einer verheerenden Selbstsäkularisierung verenden lassen. Eine neue Evangelisierung Deutschlands, wie sie Papst Franziskus erbeten hatte, kommt nur im Geiste des heiligen Bonifatius und all der großen Männer und Frauen, die die christliche Kultur unserer Heimat geprägt haben und der überzeugenden Christen des Alltags zustande.

Eigener Wunsch darf nicht Vater der Hermeneutik werden

Die von zwei Bischöfen bei diesem Treffen aufgestellte Behauptung, dass das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ von nun an „die sexuelle Beziehung nach Scheidung und Wiederheirat nicht weiter pauschal als schwere Sünde werte“, ist formal und inhaltlich falsch. Man muss den Text genau lesen und darf den eigenen Wunsch nicht zum Vater seiner Hermeneutik machen. Es geht nur darum, dass in manchen Fällen die Frage nach der Gültigkeit der kirchlich geschlossenen Ehe hinsichtlich der Bewertung ihrer sakramentalen Realität – in der geistigen sittlichen Desorientierung der nachchristlichen Gesellschaften – nicht von vornherein so einfach zu beantworten ist. Manche sehen in der Tatsache, dass Papst Franziskus die Bischöfe, die dies so verstehen, fördert und diejenigen, die diese Deutung als unvereinbar mit dem geoffenbarten Glauben der Kirche zurückweisen, abwertet und ausgrenzt, als Beweis ihrer – objektiv allerdings falschen – Interpretation.

Dass die sakramentale Vereinigung mit Christus in der heiligen Kommunion die Einheit mit ihm im Glaubensbekenntnis und in einer moralischen Lebensführung voraussetzt, ist aus der Natur dieses Sakramentes heraus evident, im Wort Gottes positiv begründet und vom Lehramt der Kirche beständig verkündet. Ehebruch ist objektiv immer schwere Sünde, deren schädliche Wirkung – so wie bei allen anderen schweren Sünden, die vom Reich Gottes ausschließen (1 Korinther 6,10) – nicht durch großzügige Bischöfe, die es mit dem Wort Gottes nicht so genau nehmen, sondern nur durch Reue und Umkehr, Beichte und Absolution Vergebung findet, wodurch die Gnade den Weg zur Versöhnung mit Gott und der Kirche eröffnet. Die Kirche urteilt durch den Priester im Bußsakrament über die äußeren Handlungen – gemäß den Geboten Gottes und der Kirche – aber nie über das Innere der Person, über die allein Gott richtet.

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Kardinal Müller befürchtet in Lateinamerika einen Massenexodus aus der Kirche.

Kardinal Gerhard Müller zur Kirche in AmazonienKardinal Gerhard Müller warnt vor falsch verstandener Inkulturation. Foto: KNA

Kardinal Gerhard Ludwig Müller lehnt Kritik am Pachamama-Wurf in den Tiber ab. Ohne den Urheber der Aktion, Alexander Tschugguel, namentlich zu nennen, erklärte Müller kürzlich gegenüber dieser Zeitung. „Wenn die Hirten schlafen, schlägt die Stunde der Laien.“ Der Skandal bestehe in der Gotteslästerung, wenn in katholischen Kirchen und im Beisein von katholischen Gläubigen und ihren Hirten Geschöpfe oder von Menschenhand geschaffene Bilder aus Stein, Holz, Metall et cetera anstelle des einzigen und wahren Gottes angebetet werden.

Alttestamentliche Propheten waren viel rigoroser

Auf den Tiberwurf Tschugguels angesprochen, sagte der Kardinal, im Kampf gegen die Götzenbilder seien die alttestamentlichen Propheten viel rigoroser vorgegangen. Müller erinnerte auch an das Vorbild des Apostels der Deutschen: Der heilige Bonifatius habe aus dem Holz der gefällten Donareiche eine christliche Kapelle gebaut. Wörtlich stellte der Kardinal fest: „Im Zeitalter der Selbstsäkularisierung des Christentums hätten sicher einige Jünger – in fröhlicher Eintracht mit seinen Feinden, die ihn ans Kreuz brachten – nach der Tempelreinigung Christus wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung öffentlich angeklagt und strafrechtlich verfolgt. Sie hätten Jesus mangelnde Dialogbereitschaft attestiert, weil Er mit heiligem Eifer einschritt, als Geldwechsler und Tierhändler das Haus seines Vaters zu einer Markthalle machten.

Erneut übte der Kardinal scharfe Kritik an der Amazonas-Synode: „Das ganze – mit vielen Euros gesponserte – Treiben kann man nicht als Inkulturation verharmlosen oder als Zeichen des Respekts für andere Kulturen schönreden oder gar in bemalten weiblichen Fruchtbarkeitsfiguren ein Pro-Life-Symbol erkennen wollen.“

Müller grenzt Heiligenverehrung vom Pachamama-Kult ab

Die Bischöfe mahnte der Kardinal, sie sollten sich an das Beispiel des Apostels Paulus erinnern. Die Lykanonier hätten Paulus und Barnabas Opfer darbringen wollen, weil sie diese für die griechischen Götter Zeus und Hermes hielten. Paulus habe jedoch den Heiden geantwortet: „Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel und die Erde geschaffen hat.“ Mit Nachdruck grenzte der Kardinal die katholische Bilder- und Heiligenverehrung vom Kult um die Pachamama ab. Heiligenbilder und -reliquien dienten nur der Erinnerung an die Heiligen, die als Zeugen der Gnade Gottes geehrt, aber nicht wie oder als Gott angebetet und verherrlicht würden, unterstrich der Kardinal. Die Grenzen der Inkulturationsfähigkeit der katholischen Kirche ergeben sich aus Sicht des Kardinals aus der Taufe. Wenn Menschen aus der Amazonasregion durch die Taufe zu Christus gehören, „können sie nicht innerhalb des katholisches Kultes Götzenverehrung betreiben“, stellte er klar. „Und wenn sie nicht katholisch sind, gehören sie nicht zur Kirche als Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes. Sie haben somit kein Recht, im liturgischen Kirchenraum mit ihren heidnischen oder nicht-katholischen Riten aufzutreten.“

Götzendienst gegenüber personifizierten Gewalten der Natur wie mythischen Gottheiten oder verabsolutierten endlichen Werten wie Geld, Macht und Prestige ruiniert aus Sicht des Kardinals jede Kultur. Müller erinnerte an das Pauluswort aus dem Epheserbrief: „Kein Götzendiener erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“

Warnung vor Folgen falsch verstandener Inkulturation

Er warnte vor den Folgen einer falsch verstandenen Inkulturation: „Das ganze Trauerspiel wird viele aggressive antikatholische Sekten in Südamerika und anderswo in ihrer Polemik bestätigen, dass die Katholiken Götzendiener seien und dass der Papst, dem sie gehorchen, der Antichrist sei. Hunderttausende von Katholiken werden nun gerade im Amazonasgebiet und überall, wo die Videos von diesem römischen Spektakel gesehen wurden, die Kirche unter Protest verlassen. Hat man an diese Konsequenz gedacht oder nimmt man sie in Kauf?“

Zweifel äußerte der vormalige Präfekt der Glaubenskongregation, der Lateinamerika von zahlreichen Aufenthalten her kennt, an der Eignung ethnischer Symbole wie der Pachamama für die Neuevangelisierung. „Die Jungen dort interessieren sich sowieso nicht für die Pachamama, sondern vielmehr für Laptop und iPad. Soviel nur zur Zeitgemäßheit der Synodenmacher, deren Ideen sich in den 70er Jahren verfestigten.“ Aus dem im Matthäusevangelium dokumentierten Missionsbefehl Christi habe man „eine Karikatur“ gemacht.

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Nachklang Amazonien-Synode: Pachamama ist keine Götzenanbetung

Die Feier in den Vatikanischen Gärten (ANSA)

Der emeritierte Bischof von San Cristobal de las Casas in Mexiko, Felipe Arizmendi Esquivel, hat die Zeremonie in den Vatikanischen Gärten zur Eröffnung der Amazonien-Synode verteidigt. In einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ geht er auf die Bedeutung der Figuren und Rituale der Indigenen ein.

Wie der emeritierte Bischof zu Beginn seines Beitrags festhielt, sorgte die Zeremonie, an der auch Papst Franziskus teilnahm, „für großes Aufsehen“. Einige hätten die Rituale und die verwendeten Figuren verurteilt und dies als Götzenverehrung angeprangert. Konkret ging es um eine angebliche Anbetung der „Mutter Erde“ und anderer „Gottheiten“, die man unter dem Begriff „Pachamama“ kennt.

Nun wendet Bischof Arzimendi ein, dass „nichts davon“ stimme. Es habe sich nicht um Göttinnen gehandelt und es habe auch kein Götzenkult stattgefunden. „Es waren Symbole der amazonischen Realitäten und Erfahrungen, die nicht nur kulturell, sondern auch religiös zu verstehen sind – aber das hat nichts mit Anbetung zu tun, denn die gebührt allein Gott“, präzisiert der Bischof.

Es sei eine „große Unverschämtheit“, den Papst als Götzendiener zu brandmarken, „denn das war er nicht, und er wird es auch nie sein“. Arzimendi erinnert auch daran, dass der Papst am Ende der Zeremonie in den Vatikanischen Gärten um eine kurze Ansprache gebeten worden sei – „und er sich darauf beschränkte, das Vaterunser zu beten“. „Es gibt keinen anderen Gott als unseren Vater im Himmel“, betont der Bischof in seinem Artikel.

Er habe vor Jahren ein Treffen des lateinamerikanischen Bischofsrats CELAM koordiniert, bei dem es um die verschiedenen Namen ging, die die Indigenen Gott geben, erzählt Arzimendi. Und auf seine Frage, ob die Indigenen Pachamama (Mutter Erde) und Inti (Vater Sonne) als Götter betrachteten, habe man ihm folgende schöne Antwort gegeben: „Das sind sie nur für die Indigenen, die nicht evangelisiert worden sind.“ Wer evangelisiert worden sei, der betrachte sie als „beste Gaben Gottes“, Zeichen der Liebe Gottes, und nicht als Gottheiten.

„Wenn ich in meiner früheren Diözese mit großer Zuneigung und Respekt von ,Mutter Erde´ reden hörte, fühlte ich mich dabei immer etwas unbehaglich, weil ich mir sagte: ,Meine einzigen Mütter sind meine Mutter, die Jungfrau Maria und die Kirche.´ Und wenn ich sah, dass die Indigenen niederknieten, um die Erde zu küssen, fühlte ich noch mehr Unbehagen. Aber je länger ich mit den Indigenen lebte, umso besser verstand ich, dass sie sie nicht als Göttin verehren, sondern dass sie sie schätzen, sie als wahre Mutter und Teil der Schöpfung betrachten. Schließlich ist es die Erde, die uns ernährt, uns Wasser, Luft und alles gibt, was wir zum Leben brauchen: sie betrachten sie also nicht als Göttin, sie beten sie nicht an – sie drücken nur ihren Respekt ihr gegenüber aus, und das tun sie, indem sie Gott im Gebet für sie danken.“

Im Aparecida-Dokument werde die Erde ebenfalls als „Mutter“ bezeichnet und zwar nach dem Beispiel des Heiligen Franz von Assisi, „der bestimmt kein Götzendiener war“, so Arzimendi. Und um jeden Zweifel an der Haltung des Papstes auszuräumen, genüge es, sich an das zu erinnern, was er in „Laudato si“ geschrieben habe. Dort heißt es, dass wenn man das Spiegelbild Gottes in allem, was existiert, wahrnehme, dann hege das Herz den Wunsch, „dem Herrn für alle seine Geschöpfe“ im Gebet zu danken.

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Analyse: Ein „Synodaler Weg“ am Rande des Abgrunds?

Papst Franziskus lauscht den Worten von Kardinal Reinhard Marx (rechts) während des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe. Foto: L’Osservatore Romano

Von AC Wimmer

FULDA , 27 September, 2019 / 11:16 AM (CNA Deutsch).-

Viele Fragen über den „Synodalen Prozess“ stehen noch offen. Eines ist diese Woche sehr klar geworden: Wenn am Ersten Advent offiziell der Startschuss für den „Synodalen Weg“ fällt, dann wird es weiterhin ein steiniger Pfad sein, am Rande des Abgrunds der Frustration, vor der Rudolf Voderholzer deutlich gewarnt hat.

Das Minderheitenvotum von immerhin 12 Bischöfen zeigt zudem, was die Stimmen katholischer Laien in den Sozialen Medien lautstark seit Wochen bekräftigen: Bedenken gibt es nicht nur in der Bischofskongregation und bei Papst Franziskus. Über die Agenda, Foren und Form der Beteiligung des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK) machen sich auch viele Laien im Land Sorgen – und allein der Rückzug der prominenten Theologin Marianne Schlosser spricht Bände darüber, wie nahe auch der „Synodale Weg“ an theologische Abgründe führen kann.

Vor Kardinal Reinhard Marx und Bischof Franz-Josef Bode, die gemeinsam mit Vertretern des ZdK-Präsidiums den Weg vorangehen wollen, steht eine doppelt riskante Aufgabe.

Auf den Punkt gebracht ist das erste Risiko die Frage, wie der in Deutschland bewußt als „Reformprozess“ bezeichnete Höhenweg einerseits den durch jahrzehntelanges Appeasement ausgeuferten Erwartungen auch nur annähernd gerecht werden kann, wie sie zum Beispiel Politiker öffentlich fordern, die im Zentralkomitee der deutschen Katholiken nun auch darüber mitbestimmen wollen.

In Spannung dazu andererseits: Die Bedenken sowohl im Vatikan wie Teilen der Weltkirche, sowie unter vielen einfachen Katholiken.

Abseits von Polemik und Politik stellt sich zwingend daher die Frage, wie sich die Teilnehmer dieses „Prozesses sui generis“ wirklich dem Primat der Evangelisierung stellen werden, gemäß den Erwartungen von Papst Franziskus – zumal es weiterhin kein eigenes Forum zum Thema gibt: Das ist die Herausforderung, der sich die neuen Statuten des Prozesses stellen müssen.

Das Echo auf die von Kardinal Marx geäußerte und begründete Hoffnung, dass am deutschen „Synodalen Weg“ tatsächlich ein Vorbild für die Weltkirche zu finden sein wird, ist – bislang – ausgeblieben. Vereinzelt haben sich allenfalls kritische Stimmen zu Wort gemeldet.

Wie tief Abgründe klaffen können, zeigt ein Blick über den Atlantik. Dramatisch äußerte sich der Erzbischof Samuel J. Aquila von Denver (Colorado, USA): In seiner Kolumne im „Denver Catholic“ am 26. September schrieb der Erzbischof von einem „möglichen deutschen Schisma“.

„Leider laufen die jüngsten Entwicklungen in der Kirche in Deutschland, angeführt von Kardinal Marx und den meisten deutschen Bischöfen, Gefahr, die Einheit der universalen Kirche zu beeinträchtigen. Diese Bischöfe und eine große Gruppe von Laien planen, eine Synode abzuhalten, die verbindliche Abstimmungen darüber trifft, ob Inhalte der Glaubenslehre verändert werden sollen“, schreibt Aquila.

Dies sei nicht nur „enttäuschend“, so der Erzbischof. Eine falsch verstandene Freiheit sei „die Ursache von Schismen im Lauf der gesamten Kirchengeschichte“ und davor bereits im Volke Israels gewesen.

„Doch wie wir aus den Worten Christi wissen, ist es wichtig, dass die Gläubigen geeint bleiben“, bekräftigt der Erzbischof.

Dass davon gar keine Rede sein kann: Das haben mehrere Bischöfe, allen voran Kardinal Marx, wiederholt betont und klargestellt. Die gegenseitige Wahrnehmung bleibt indessen eine offensichtlich große Herausforderung, auch im Interesse der Einheit.

„Warum sind die deutschen Bischöfe in einer solchen Eile?“ – Dieser Frage widmet sich im britischen „Catholic Herald“ Christopher Altieri. Er schreibt, die deutschen Bischöfe würden aus der besonderen Situation ihres Landes heraus agieren. Die Katholische Kirche in Deutschland sei zwar derzeit noch reich, aber wohl nicht mehr lange: Es drohe ein Kollaps an Kirchensteuereinnahmen durch die vielen Austritte und den Geburtenmangel, der auch einen Verlust an Einfluss in Rom wie der Weltkirche bringen werde.

In einer Hinsicht werden sich alle Beobachter einig sein: Es wird ein „heißer“ Advent.

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#Splashamama -„Warum ich diese Figuren in den Tiber werfen musste!“

4. November 2019, 09:32

„Mir ging es ausschließlich darum, diesen sichtbaren Verstoß gegen das erste Gebot unmöglich zu machen“ – KATH.NET-Interview mit dem Österreicher Alexander T., der die #Pachamama-Statuen in den Tiber geworfen hat

Wien (kath.net)
In Rom haben sich während der Amazonas-Synode Katholiken dagegen zur Wehr gesetzt, in der katholischen Kirche Santa Maria in Traspontina im Rahmen einer die Synode begleitenden Veranstaltung mehrfach mit sogenannten Pachamama-Figuren „beglückt“ worden zu sein. Aktivisten haben diese aus der Kirche entnommen und dann in den Tiber geworfen. Hauptinitiator der Aktion war Alexander T. – kath.net-durfte mit dem Österreicher ein Gespräch über diese Aktion führen:

kath.net: Du hast gemeinsam mit anderen diese umstrittenen „Pachamama“-Figuren aus der römischen Kirche Santa Maria in Traspontina entfernt und in den Tiber geworfen. Wie kam es zu der Idee und was war Deine Motivation?

Alexander T.:
Als ich das erste Mal von der Synode hörte, habe ich begonnen, mich tiefgehend mit ihr zu beschäftigen. Zum Beginn der Synode bin ich dann nach Rom geflogen, um an mehreren Konferenzen teilzunehmen, die aus diesem Anlass stattgefunden haben. So hatte ich auch die Möglichkeit, mir die Kirche Santa Maria in Traspontina anzusehen. In der Kirche waren viele Freiwillige, die uns ausführlich über die Anliegen der Organisation „REPAM“ informiert haben, sozusagen die Vertretung einiger Indigener aus dem Amazonasgebiet. Vieles, was ich da gehört habe, fand ich wirklich schrecklich. Beispielsweise, dass es nicht gewollt ist, die Indigenen Menschen zu taufen. Auch Bischof Kräutler hat sich dementsprechend geäußert. Dann kam die Sprache auf die Statuen, die dort standen, und mir wurde erklärt, dass es sich hierbei um Fruchtbarkeitssymbole handelt und um die Darstellung von „Mutter Erde“.

Spätestens hier war mir völlig klar, dass es sich um etwas handelt, das im klaren Widerspruch zur katholischen Lehre steht. Als dann am selben Tag noch diese Rituale in den Gärten des Vatikans stattgefunden haben, reifte in mir der Gedanke, diese Statuen aus der Kirche zu entfernen. Zwei Wochen später habe ich dann den Entschluss gefasst, bin hingeflogen und habe es getan.

kath.net: War es notwendig, die Figuren in den Tiber zu werfen?

Alexander: Ich wollte dafür sorgen, dass diese Götzen nicht mehr in der Kirche und zu kirchlichen Zwecken benutzt werden. Daher schien es mir symbolisch am besten, sie in den Tiber zu werfen.

kath.net: Für diese Aktion gab es viel Lob von Katholiken, aber auch viel Kritik, unter anderem von Papst Franziskus selber. Wie gehst Du mit der Kritik um?

Alexander: Die Kritik galt vor allem meiner vermeintlichen Motivation. Viele sahen dahinter einen Akt gegen die Indigenen oder gegen den Heiligen Vater. Das ist aber nicht der Fall. Mir ging es ausschließlich darum, diesen sichtbaren Verstoß gegen das erste Gebot unmöglich zu machen. Es ist auch gelungen! Bei der Abschlussveranstaltung der Synode waren die Statuen nicht dabei.

kath.net: Bischof Kräutler möchte die nackten ‚Pachamama‘-Figuren auch in der Liturgie integrieren. Was sagst Du dazu?

Alexander: Das ist nicht möglich, wenn wir katholisch bleiben wollen. Entweder wir glauben an den dreifaltigen Schöpfergott, der die Erde geschaffen hat und uns seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden. Gott, der uns über alles liebt und uns daher retten will. Oder wir glauben daran, dass „Mutter Erde“ eine Göttin ist, mit all ihren Fehlern. Wenn die Erde Gott wäre, so wären ja auch alle Krankheiten, Missstände, all das physische Leid auch Gott. Gott hat aber alles perfekt geschaffen. Er hat uns zwar die Freiheit geschenkt, uns auch gegen Ihn entscheiden zu können, dennoch hat Er das Schlechte dieser Welt nicht geschaffen.

Daher ist es nicht möglich, die „Pachamamas“ in der Kirche zu nutzen. Es ist überhaupt nicht möglich, sie generell kirchlich als das anzuerkennen, was sie darstellen, nämlich eben jene „Mutter Erde“.

kath.net: Warum jetzt das „Outing“ und sind eventuell noch andere Protestaktionen geplant?

Alexander: Wären Namen und Gesichter früher bekannt gewesen, hätte sich jeder nur auf die Personen gestürzt, die daran beteiligt waren. Wir wollten, dass die Sache selbst im Mittelpunkt steht. Die Synode dient der Beratung des Heiligen Vaters. Da die Synodenväter den traditionellen Standpunkt der Kirche allerdings kaum berücksichtigt haben, wollten wir durch diese Aktion dem Heiligen Vater zeigen, dass viele Gläubige der traditionellen Lehre der Kirche sehr anhängen und überzeugt sind, dass diese nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat.

Wir planen, für diese Überzeugungen auch in Zukunft einzutreten, sehen es aber nicht als unsere Aufgabe, Aktionismus zu betreiben. Dennoch wollten wir der Aktion ein Gesicht geben, da wir uns nicht verstecken möchten. Wichtig ist, dass die Menschen wieder die Lehre Christi unseres Herrn verstehen. Dann können sie den Problemen dieser Welt souverän entgegentreten. Wenn die Kirche die Lehre zu Gunsten des Zeitgeists verändert, verlieren die Gläubigen den Halt.

kath.net: Danke für das Interview

Alexander: Why we threw the Pachamama idols into the Tiber river



ODER VIMEO:

Why we threw the Pachamama idols into the Tiber river from kath.net on Vimeo.

Wurf der Pachamama-Statuen in den Tiber

Pachamamafiguren bei offizieller Zeremonie/Vatikanische Gärten in Anwesenheit von Papst Franziskus


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DAS IST UNSERE LIEBE FRAU VOM AMAZON

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Meine Übersetzung [POS]:

Hier ist ein Text, den ich eben von einem brasilianischen Freund erhalten habe: „Dies ist Unsere Liebe Frau von Nazareth, wie sie in Pará verehrt wird, woher ich komme. Sie wird auch genannt Unsere Liebe Frau vom Amazon oder Königin des Amazons.

(Man beachte wie „Unsere Liebe Frau vom Amazon“ *nicht* aussieht.)