„Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“

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Kreuz, Gebetswache WJT 2016 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Zusammenfassung des vorbereitenden Dokuments
zur XV. Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober 2018

Im Oktober 2018 wird die XV. Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „ Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ stattfinden. Heute veröffentlichte der Vatikan ein vorbereitendes Dokument, in dem die Beweggründe zu dieser Themenwahl, die Situation der Jugendlichen und die Herausforderungen dargelegt werden.

Während sich die Synode über die neue Evangelisierung und das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium damit beschäftigten, „wie diese Sendung in der Welt von heute verwirklicht werden kann“, die beiden Synoden über die Familie und das nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia mit „der Begleitung der Familien auf diese Freude hin“, soll in der Synode 2018 der Frage nachgegangen werden, „wie die Jugendlichen begleitet werden können, um die Berufung zur Liebe und zum Leben in Fülle zu erkennen und anzunehmen“. Unter Jugendlichen werden Personen im Alter von 16 bis 29 Jahren verstanden.

In dem Dokument wird deutlich gemacht, dass „keine vollständige Analyse der Gesellschaft und der Welt der Jugendlichen vorgelegt werden“ solle, sondern „einige Ergebnisse der Sozialforschung gegenwärtig zu halten“. Die jugendlichen Welten seien vielfältg durch regionale, demographische, historisch und geschlechtsspezifische Unterschiede.

Schnellebigkeit, Flexibilität, Wegwerfkultur, Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Unsicherheit sieht sich die junge Generation gegenüber. Die Jugend von heute zeichne durch die Globalisierung eine zunehmende Homogenisierung aus. Viele lebten in einer multikulturellen Realität, die besondere Anforderungen stelle. Das Dokument nimmt auch die grausame Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen in den Blick, die zu Opfern des Menschenhandelns und der Sklaverei, von Zwangsheiraten werden oder zu Soldaten ausgebildet werden.

Viele Jugendliche möchten sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und austauschen. „Sie suchen nach Menschen, die in der Lage sind, Gleichklang zum Ausdruck zu bringen und Unterstützung, Ermutigung und Hilfe zur Erkenntnis der eigenen Grenzen anzubieten, ohne ihr Urteil aufzudrängen. In dieser Hinsicht bleibt die Rolle der Eltern und der Familien weiterhin entscheidend, wenn auch manchmal problematisch.“ Die Kirche wünschen sie sich näher am Menschen, so das Dokument. Eine besondere Herausforderung der Kirche liegt darin, sich den neuen Kommunikationsmitteln zu stellen, derer sich die Jugendlichen im Alltag bedienen.

Die Jugendlichen müssen sich schwierigen Problemen stellen: „Die Fähigkeit der Jugendlichen, Entscheidungen zu treffen, ist durch Schwierigkeiten behindert, die mit dem Zustand der Unsicherheit in Zusammenhang stehen: die Schwierigkeit, Arbeit zu finden oder ihr dramatischer Mangel; die Hindernisse, wenn es darum geht, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen; die Unmöglichkeit, den eigenen Berufsweg stabil vorauszusehen.“ Viele Jugendliche wandern aus, um sich eine Existenz aufbauen zu können.

„Wenn wir wollen, dass in der Gesellschaft oder in der Gemeinschaft der Christen etwas Neues geschieht, müssen wir Raum schaffen, damit neue Menschen handeln können. Mit anderen Worten: den Wandel nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit zu planen, macht es erforderlich, den neuen Generationen zuzugestehen, ein neues Modell der Entwicklung auszuprobieren. Dies ist vor allem in den Ländern und institutionellen Kontexten problematisch, in denen das Alter derjenigen, die Verantwortung tragen, hoch und der Rhythmus des Generationswechsels verlangsamt ist.“

Die Kirche selbst muss sich zur Diskussion stellen und „ihre Berufung zum Behüten“ neu entdecken. Der Glaube vermag die „universale Brüderlichkeit zwischen den Frauen und Männern aller Zeiten“ zu stärken. Der Kirche stellen sich daher vielgestaltige Fragen: „Wie kann die frohe Botschaft des Evangeliums gelebt und eine Antwort auf den Ruf gegeben werden, den der Herr an all jene richtet, denen er entgegenkommt: durch die Ehe, das Weiheamt oder das Ordensleben? Und in welchem Bereich können die eigenen Talente fruchtbar gemacht werden: im Berufsleben, im Volontariat, im Dienst an den Letzten, im politischen Einsatz?“

Für Jugendliche werde die Situation noch erschwert durch den Umstand, dass sie in der Phase der persönlichen Reifung seien. Das eigene Handeln erkennen und interpretieren und eine Entscheidung treffen, nennt das Dokument als die entscheidenen Phasen. Der Gläubige müsse darauf verzichten wollen, „mit den eigenen Bedürfnissen im Mittelpunkt zu stehen“, dann „öffnet sich der Raum, um das Projekt Gottes anzunehmen, das im Familienleben, im Weiheamt oder im Ordensleben bestehen kann oder darin, gewissenhaft den eigenen Beruf auszuüben und ernsthaft das Gemeinwohl zu suchen“.

Der Geist Gottes handle im Herzen jedes Mannes und jeder Frau durch Gefühle und Wünsche, das menschliche Herz werde durch die eigene Schwäche und durch die Sünde normalerweise geteilt, der Lebensweg lege auf jeden Fall eine Entscheidung auf, so das Dokument zu Berufung und Unterscheidung. Für die Kirche heißt das: „Es geht darum, die Beziehung zwischen dem Menschen und dem Herrn zu fördern und daran mitzuarbeiten, das zu beseitigen, was sie behindert. Hier liegt der Unterschied zwischen der Begleitung zur Unterscheidung und der psychologischen Unterstützung, die sich jedoch, wenn sie zur Transzendenz offen ist, oft von fundamentaler Bedeutung erweist.“

Jugendpastoral und Berufungspastoral setzten die Begleitung der Jugendlichen voraus, d.h. sie ernst zu nehmen, ihre Freiheit anzusprechen, „der Neuheit echten Raum zu geben, ohne sie in dem Versuch, sie in Schubladen zu stecken, zu ersticken“. Hinausgehen, verweilen und zuhören sowie alle Jugendlichen begleiten, ihnen zum Nächsten zu werden, „ist ein besonderes Geschenk des Geistes, das in der Lage ist, den Stil einer Kirche, die aus sich herausgeht, aufleuchten zu lassen“. Die Kirche muss von den Jugendlichen lernen und die ganze Gesellschaft sich an ihrer Erziehung beteiligen. „Schließlich gilt es, die Möglichkeiten der Beteiligung der Jugendlichen in den Organen der diözesanen und pfarrlichen Gemeinschaft, angefangen mit den Pastoralräten, wertzuschätzen. Sie laden die Jugendlichen ein, den Beitrag ihrer Kreativität zu leisten und nehmen ihre Ideen an, auch wenn sie provokativ erscheinen.“

Glaubwürdige Erwachsene, „angesehene Gläubige mit einer klaren menschlichen Identität, einer festen kirchlichen Zugehörigkeit, einer sichtbaren spirituellen Qualität, einer starken erzieherischen Leidenschaft und einer tiefen Fähigkeit zur Unterscheidung“ seien erforderlich. „Innerhalb der Familie sind es in erster Linie die Eltern, die in der Liebe, die sie untereinander und mit ihren Kindern verbindet, jeden Tag die Sorge Gottes für jeden Menschen zum Ausdruck bringen.“

Die Kirche ist aufgefordert, die Jugendlichen auch sprachlich zu erreichen: „Manchmal wird uns bewusst, dass sich zwischen der kirchlichen Sprache und der Sprache der Jugendlichen ein Abstand bildet, der schwierig zu überbrücken ist, auch wenn es viele Erfahrungen einer fruchtbaren Begegnung zwischen den Sensibilitäten der Jugendlichen und den Vorschlägen der Kirche im biblischen, liturgischen, künstlerischen oder im Medienbereich gibt. Wir träumen von einer Kirche, die es versteht, der Welt der Jugendlichen und ihren Sprachen Raum zu geben sowie ihre Kreativität und Talente wertzuschätzen.“

Für die Zukunft gilt: „Gegenüber der Vergangenheit müssen wir uns an Wege der Annäherung an den Glauben gewöhnen, die immer weniger standardisiert und mehr auf die persönlichen Charakteristiken des Einzelnen abgestimmt sind.“

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Quelle

„Habt keine Angst, auf den Geist zu hören“

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Gebetswache WJT 2016 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Papstbrief an die Jugendlichen anlässlich der Vorstellung des „Vorbereitungsdokumentes“ der Bischofssynode 2018 — Volltext

Wir dokumentieren im Wortlaut die offizielle deutsche Übersetzung des Papstbriefes an die Jugendlichen anlässlich der Vorstellung des Vorbereitungsdokumentesder XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 2018 in Rom stattfinden wird.

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Meine lieben Jugendlichen,

mit großer Freude darf ich Euch ankündigen, dass im Oktober 2018 eine Bischofssynode zum Thema «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung» stattfinden wird. Ich wollte, dass Ihr im Zentrum des Interesses steht, da ich Euch im Herzen trage. Heute wird das Vorbereitungsdokument vorgestellt, das ich auch Euch als „Kompass“ auf diesem Weg anvertraue.

Mir kommen die Worte in den Sinn, die Gott an Abraham richtete: «Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde!» (Gen 12,1). Diese Worte sind heute auch an Euch gerichtet: Es sind Worte eines Vaters, der Euch einlädt, „hinauszugehen“, um Euch einer unbekannten Zukunft entgegenzuwerfen, die aber Träger sicherer Verwirklichungen ist und auf die hin Er selbst Euch begleiten wird. Ich lade Euch ein, auf die Stimme Gottes zu hören, die durch das Wehen des Heiligen Geistes in Euren Herzen wiederhallt.

Als Gott zu Abraham sagte «Zieh weg!», was wollte er ihm da sagen? Sicherlich nicht, dass er sich von den Seinen oder von der Welt fliehen sollte. An ihn erging eine gewaltige Einladung, eine Provokation, damit er alles verlasse und sich auf den Weg in ein neues Land mache. Welches ist für uns heute dieses neue Land, wenn nicht eine gerechtere und geschwisterlichere Welt, wie Ihr sie tief ersehnt und wie Ihr sie bis zu den Grenzen der Erde hin aufbauen wollt?

Heute aber nimmt das «Zieh weg!» leider auch eine andere Bedeutung an. Jene des Machtmissbrauchs, der Ungerechtigkeit und des Krieges. Viele von Euch Jugendlichen sind der Erpressung durch Gewalt ausgesetzt und gezwungen, aus ihrem Heimatland zu fliehen. Ihr Schrei steigt zu Gott auf wie jener der Israeliten, die Sklaven der Unterdrückung des Pharao waren (vgl. Ex 2,23).

Ich möchte Euch auch an die Worte erinnern, die Jesus eines Tages den Jüngern sagte, die ihn fragten: «Rabbi […], wo wohnst Du?» Er antwortete: «Kommt und seht» (vgl. Joh 1,38). Auch auf Euch richtet Jesus seinen Blick und lädt Euch ein, zu ihm zu kommen. Liebe Jugendlichen, hat Euch dieser Blick getroffen? Habt Ihr diese Stimme gehört? Habt Ihr diesen Impuls gespürt, Euch auf den Weg zu machen? Ich bin sicher: auch wenn in der Welt der Lärm und die Betäubung zu herrschen scheinen, klingt dieser Ruf noch immer in Eurer Seele, damit Ihr sie der Fülle der Freude öffnet. Dies wird in dem Maße möglich sein, in dem Ihr, auch durch die Begleitung erfahrener Führer, in der Lage seid, einen Weg der Unterscheidung zu gehen, um den Plan Gottes für Euer Leben zu entdecken. Wenn auch Euer Weg von der Vorläufigkeit und vom Fall gezeichnet ist, streckt Gott, der reich an Erbarmen ist, seine Hand aus, um Euch aufzuhelfen.

Bei der Eröffnung des letzten Weltjugendtages in Krakau habe ich Euch mehrfach gefragt: «Können sich die Dinge ändern?» Und Ihr habt gemeinsam ein lautes «Ja!» gerufen. Dieser Schrei entspringt Eurem jugendlichen Herzen, das die Ungerechtigkeit nicht erträgt und sich nicht der Wegwerfkultur beugen will, noch der Globalisierung der Gleichgültigkeit das Feld überlassen will. Hört auf diesen Schrei, der aus Eurem Inneren aufsteigt! Auch dann, wenn Ihr Euch, wie der Prophet Jeremia, der Unerfahrenheit Eures jugendlichen Altes bewusst werdet; Gott ermutigt Euch, dahin zu gehen, wohin Er Euch schickt: «Fürchte Dich nicht […]. Denn ich bin mit Dir, um Dich zu retten» (vgl. Jer 1,8).

Eine bessere Welt wird auch Dank Euch, Dank Eures Willens zur Veränderung und Dank Eurer Großzügigkeit, aufgebaut. Habt keine Angst, auf den Geist zu hören, der Euch zu mutigen Entscheidungen drängt, bleibt nicht stehen, wenn das Gewissen Euch einlädt, ein Risiko einzugehen, um dem Herrn zu folgen. Auch die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik. Lasst Euren Schrei hören, lasst ihn in den Gemeinschaften erschallen und bis zu den Hirten gelangen. Der Hl. Benedikt empfahl den Äbten, vor jeder wichtigen Entscheidung auch die jungen Mönche zu hören, «weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist» (Regel des Hl. Benedikt III, 3).

Auf diese Weise wollen wir, meine Mitbrüder im Bischofsamt und ich, auch durch diesen synodalen Weg noch mehr «Mitarbeiter Eurer Freude» (2 Kor 1,24) werden. Ich vertraue Euch Maria von Nazareth an, einer Jugendlichen wie Ihr, auf die Gott seinen liebevollen Blick gerichtet hat. Er nehme Euch an der Hand und geleite Euch zu einem vollen und großzügigen «Ich bin bereit» (vgl. Lk 1,38).

Mit väterlicher Zuneigung

FRANZISKUS

Aus dem Vatikan, 13. Januar 2017

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Quelle

 

Bischofssynode 2018: Vorbereitungsdokument vorgestellt

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Bischofssynode 2015 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Bischof Genn und Bischof Oster:
„Jeder junge Mensch ist zur Fülle der Freude in Christus berufen!“

Im Vatikan ist heute das Vorbereitungsdokument zur Bischofssynode 2018 vorgestellt worden. Sie steht unter dem Leitwort „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. In einer ersten Stellungnahme erklären der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste, Bischof Dr. Felix Genn (Münster), und der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stefan Oster (Passau): 

„Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11): Das ist der Plan Gottes für die Frauen und Männer jeden Zeitalters und daher auch für alle Jugendlichen des dritten Jahrtausends – ohne Ausnahme. So heißt es in der Einleitung zum Dokument, das der Synode „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ vorangeht. Damit wird der synodale Weg eröffnet, die Freude der Liebe Jesu Christi als Plan für die Jugend im dritten Jahrtausend zu entdecken. Das Dokument geht vielfach von den Jugendlichen selbst aus und beschreibt eine Kirche, die sie auf ihrem Entscheidungs- und Unterscheidungsweg zur Fülle des Lebens begleitet. Mit großer Freude wollen wir uns diesem Weg in der Berufungs- und Jugendpastoral in Deutschland anschließen. Der besondere Blick dieser Synode geht nicht nur auf die Jugend in der Welt von heute, sondern er kommt von den Jugendlichen her. Die Kirche soll durch diesen Blick „die Stimme des Herrn vernehmen, der auch heute noch spricht. Wie früher Samuel und Jeremia, so gibt es auch heute Jugendliche, die in der Lage sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die der Geist uns schenkt“.

Das Dokument beginnt im ersten Teil mit einer knappen Beschreibung der „Jugendlichen in der Welt von heute“. Die Schnelligkeit der Prozesse und des Wandels, die Globalisierung, die von der Technik beherrschte Kultur und die Multireligiosität werden als Herausforderungen der Gegenwart benannt. Junge Menschen sind vielfach kritisch gegenüber Institutionen, dennoch sehnen sie sich nach festen Bezugspersonen und sind bereit, Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen.

Der zweite Teil befasst sich mit dem Prozess der Berufungsfindung junger Menschen. Die Quelle für eine Entscheidung stellt dabei der Dialog mit Gott dar. Dem eigenen Gewissen kommt eine besondere Bedeutung zu. Zur Unterscheidung schlägt das Dokument den Dreischritt Erkennen, Interpretieren und Wählen vor. Die Kirche hat den Auftrag, auf diesem Weg die Jugendlichen mit Gott und zu Gott zu begleiten und an dieser Freude mitzuarbeiten. Erkennbar ist, dass Papst Franziskus diesen Weg der Kirche, wie schon in den Dokumenten Amoris laetitia und Evangelii gaudium, als einen Weg beschreibt, der froh macht und Freude schenken soll.

Der letzte große Abschnitt blickt auf die konkrete Pastoral vor Ort. Zunächst ist es dabei Aufgabe der Kirche, in mutiger Kreativität zu jungen Menschen hinauszugehen, sie zu sehen und sie zu rufen, sodass junge Menschen der Freude des Evangeliums begegnen können. Durch glaubwürdige Bezugspersonen und einladende Räume kann die Kirche Jugendlichen helfen, in der Entscheidungs- und Unterscheidungsfähigkeit im Licht des Evangeliums zu wachsen.

Den Abschluss des Dokumentes bildet ein Fragebogen zur Situation der Jugendpastoral in den einzelnen Ländern. Die große Überraschung aber erwartet einen direkt zu Beginn: Erstmals in der über 50-jährigen Geschichte der Bischofssynode wird sich der Vatikan mit einer Online-Umfrage direkt an junge Menschen wenden.

„Wir rufen – gerade die junge Generation – in unserem Land auf, sich daran zu beteiligen. Papst Franziskus wendet Euch sein Ohr zu. Nutzt diese Chance! Erhebt Eure prophetische Stimme und bringt Euch in die Kirche ein! Erfahrt die Freude, die Christus jedem Menschen im Evangelium schenkt!“

Wir hoffen sehr, dass wir auch für die westliche Kirche neue Wege finden und nicht einfach in plakativen Antworten und Forderungen stecken bleiben. Die Synode soll ein gemeinsamer Weg sein, die Freude der verschiedenen Berufungen und die Freude des Glaubens zu entdecken.

Hinweise:

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz wird sich mit dem Dokument und dem Fragebogen befassen.

Auf der Internetseite des Vatikans sind das Synodendokument und der Fragebogen verfügbar. Jugendliche sind aufgerufen, sich bis Oktober 2017 im Internet direkt an der Umfrage zu beteiligen. Die Seite www.sinodogiovani2018.va soll laut dem Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am 1. März 2017 freigeschaltet werden.

(Quelle: Pressemitteilung der DBK)

„Eine Art Karte“ auf dem Weg zur nächsten Synode

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Ausdruck jugendlicher Spiritualität: Weltjugendtage – RV

Jugend, Glauben, Berufung: Um dieses Thema kreist das Vorbereitungsdokument für die nächste Bischofssynode vom Oktober 2018. Es wurde an diesem Freitag vorgestellt. Der etwa zwanzig Seiten schlanke Text, zu dem auch wieder ein Fragebogen gehört, soll in Bistümern, Pfarreien, Orden und Verbänden weltweit das Nachdenken über eine Neujustierung der kirchlichen Jugendpastoral anstoßen.Erste Neuigkeit auf Seite eins: Auch Jugendliche können sich über eine Internetseite an der neuen Vatikanumfrage zur nächsten Synode beteiligen. Das erhöht die Chancen, dass ihre Vorstellungen in den Grundlagentext der Synode einfließen werden. Was der Vatikan an diesem Freitag präsentierte, war noch nicht dieser Grundlagentext namens „Instrumentum laboris“, sondern nach eigenen Angaben „eine Art Karte, … um eine Suchbewegung zu fördern“.

Ein erster Blick des Textes gilt der Lage von Jugendlichen in der rapide sich ändernden Welt von heute; die Rede ist von einer „hyper-vernetzten Generation“, umgeben von Multireligiosität, „Flüchtigkeit und Vorläufigkeit“. Der zweite, zentrale Textteil denkt darüber nach, wie man jungen Menschen heute helfen kann, Entscheidungen im Bereich von Ehe oder religiöser Berufung zu treffen; er betont die „Wichtigkeit der persönlichen Begleitung“ jedes Einzelnen auf einem solchen Weg, die Rolle des Gewissens und des Gesprächs mit Gott.

Das dritte Kapitel heißt „Die pastorale Tätigkeit“ und bemüht sich um einige konkrete Hinweise für Jugendpastoral – etwa den, dass „die Jugendlichen Subjekt und Objekt der Pastoral“ zugleich sein sollten. Die Gesellschaft behandle Jugendliche „oft wie eine unnütze oder unbequeme Sache“ – diesen Fehler dürfe die Kirche nicht machen.

Ausdrücklich würdigt der Text die Rolle der katholischen Weltjugendtage. Von tiefer Einsicht zeugt die Bemerkung, „dass sich zwischen der kirchlichen Sprache und der Sprache der Jugendlichen ein Abstand bildet, der schwierig zu überbrücken ist“. Im Fragebogen gibt es erstmals eigene Sparten für einzelne Kontinente; das soll den Redakteuren, die später das „Instrumentum laboris“ zusammenstellen, die Arbeit erleichtern. Insgesamt fällt im ganzen Vorbereitungsdokument der spirituelle Grundton auf; wer starke Worte sucht, etwa zum Thema Sexualmoral, wird hier nicht so richtig fündig.

(rv 13.01.2017 sk)

Weltbischofssynode 2018: Jugend-Umfrage geplant

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Vatikanstadt. Zur Vorbereitung auf die Weltbischofssynode 2018 zum Thema Jugend, Glaube und Berufungsfindung plant der Vatikan erneut eine Umfrage. Der Fragenkatalog ist Teil des Vorbereitungsdokuments, das der Synodenrat am 21. und 22. November bei seinem Treffen unter dem Vorsitz von Papst Franziskus verabschiedete. Auch der Repräsentant für Zentral­europa im Synodenrat, Kardinal Christoph Schönborn, nahm an den Beratungen teil.

Das Vorbereitungsdokument wurde vom Generalsekretariat der Bischofssynode zusammen mit Fachleuten erarbeitet. Es soll an Bischofskonferenzen, Diözesen und weitere kirchliche Institutionen versandt werden. Die Umfrage berücksichtigt laut der Mitteilung länderspezifische und kulturelle Unterschiede. Weiteres Thema des zweitägigen Treffens war die Überarbeitung der Geschäftsordnung für Bischofssynoden.

Auch einige der am 19. November vom Papst neu kreierten Kardinäle nahmen daran teil. Dem Rat der Bischofssynode gehören zwei der neuen Purpurträger an: Der Vorsitzende der Brasilianischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Brasilia, Sergio da Rocha, und der Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro Sierra.

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Quelle: Osservatore Romano 48/2016

Siehe auch:

Kardinal Schönborn: Amoris Laetitia ist „ein Akt des kirchlichen Lehramts“

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Kardinal Christoph Schönborn bei der Vorstellung von Amoris Laetitia

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat den lehramtlichen Charakter des Päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ hervorgehoben. In einem Interview mit der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“, das in voller Länge am 23. Juli erscheint, betont der langjährige Dogmatik-Professor Schönborn, die Exhortation im Anschluss an die Bischofssynode sei ein „Akt des kirchlichen Lehramtes“, aktualisiert im Kontext der heutigen Zeit. Alle früheren lehramtlichen Äußerungen zu Ehe und Familie müssten nun im Licht des Dokuments von Papst Franziskus gelesen werden.

Sehr wohl mache der Papst in „Amoris Laetitia“ starke und entschlossene Aussagen, die den lehramtlichen Charakter des Schreiben unterstrichen, so der Kardinal. Jedoch wolle Franziskus weg von einem abstrakten, gar „elitären“ Blick der Doktrin auf das Thema Ehe und Familie hin zum Blick des „Guten Hirten“ kommen, der Verständnis und Mitgefühl mit den Schwächen und Fehlern der Menschen habe. Dieser Blick aufs Konkrete und die Aufmerksamkeit für die Schwächsten sei der Schlüssel zu Franziskus‘ Schreiben.

Wenn Franziskus von Familie spreche, mache er sich nicht etwa eine säkulare Sicht zu eigen, noch ein abstraktes Ideal, sondern vielmehr gehe er das Thema mit einem „biblischen Realismus“ an. Auch die Bibel zeichne kein perfektes Bild von der Familie, sondern zeige, dass es sich auch hierbei um Sünder handle, die auf dem Weg seien.

Schönborn sieht Amoris Laetitia in eine lange kirchliche Tradition gebettet, deren moralische Wurzeln bei Ignatius von Loyola und Thomas von Aquin liegen: Weg vom Rigorismus, hin zu einer Moral, die die ganze Person einschließt. Auch sieht Schönborn den Weg des Schreibens bereits bei Franziskus‘ Vorgängern Johannes Paul II und Benedikt XVI. geebnet. So habe Franziskus einen wichtigen Schritt nach vorn getan, indem er verdeutlicht habe, was in der Exhortation „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II . noch implizit gewesen sei: Es existiert keine kirchliche Norm, die für ausnahmslos alle Fälle gilt. Amoris Laetita sei somit der große moralische Text, auf den die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewartet habe.

Kardinal Christoph Schönborn hatte „Amoris Laetitia“ im Auftrag von Papst Franziskus vergangenen April der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Wiener Erzbischof hatte an beiden Familiensynoden teilgenommen, an der ersten als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, an der zweiten auf päpstliche Ernennung.

(rv/civiltà cattolica 07.07.2016 cz)

KARDINAL SCHÖNBORN ZUR 50-JAHR-FEIER DER BISCHOFSSYNODE

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VORTRAG VON KARDINAL DR. CHRISTOPH SCHÖNBORN,
ERZBISCHOF VON WIEN UND
VORSITZENDER DER ÖSTERREICHISCHEN BISCHOFSKONFERENZ,
ZUR 50-JAHR-FEIER DER BISCHOFSSYNODE

 

Heiliger Vater!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Inzwischen sind zwei Drittel der diesjährigen Sitzung der Synode vorbei. Es fügt sich schön, dass wir heute innehalten können, um Gott zu danken für die Schaffung der Bischofssynode durch den Seligen Papst Paul VI. vor 50 Jahren, zu Beginn der letzten Sitzungsperiode des Konzils, mit dem Apostolischen Schreiben Motu Proprio „Apostolica sollicitudo“ über die Errichtung der Bischofssynode für die ganze Kirche vom 15. September 1965.

Das große, weltweite Interesse, das die laufende Synode ausgelöst hat, zeigt nicht nur, wie intensiv das Thema Ehe und Familie viele Menschen bewegt, weit über den Raum der Katholischen Kirche hinaus. Es zeigt auch, wie lebendig die Institution der Bischofssynode auch nach fünfzig Jahren ist, von der der heilige Papst Johannes Paul II. sagen konnte, sie sei „hervorgesprossen aus dem fruchtbaren Boden des II. Vatikanischen Konzils“.[1]

Bischofssynode und Konzil sind untrennbar verbunden. Fünfzig Jahre nach dem Ende des Konzils kann noch überzeugter gesagt werden, was Papst Johannes Paul II. schon 1983 feststellte: „Die Bischofssynode hat in bemerkenswerter Weise die Einbindung der Lehre und ihre Orientierung an den Glaubenswahrheiten und Pastoralen Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils im Leben der ganzen universalen Kirche beigetragen.“ Diese Aktualisierung ist noch im Gange, wie es meistens nach einem Konzil der Fall ist.

Tatsächlich gab es nach jedem großen Konzil in der langen Geschichte der Kirche die Phase der Rezeption, der Interpretation und der Umsetzung der Lehren und Bestimmungen des Konzils. Denken wir nur daran, wie lange es gedauert hat, bis das erste Ökumenische Konzil, das von Nicea (325), voll im Denken, Lehren und in der Praxis der Kirche umgesetzt war. In gewisser Weise kann man sagen, dass dieser Prozess bis zum Zweiten Konzil von Nicea, also bis 787, bis zum Abschluss des Zyklus der sieben ersten großen ökumenischen Konzilien gedauert hat.[2] Denn erst mit dem Zweiten Konzil von Nicea (über die heiligen Bilder und ihre Berechtigung) war das Christusgeheimnis in seinen wesentlichen Dimensionen ausgeleuchtet. Dazu waren immerhin 450 Jahre notwendig!

Oder denken wir an das Trienter Konzil, das große Reformkonzil in der Krise der Reformation. An manchen Orten hat es bis zu 200 Jahre gedauert, bis die Reformen von Trient wirklich umgesetzt wurden. In der Erzdiözese Wien wurde erst 200 Jahre nach dem Ende des Konzils die Reform der Priesterziehung umgesetzt und ein Priesterseminar gegründet (1758). Wien hatte eben keinen hl. Karl Borromäus, um die vom Konzil gewünschten Reformen gleichumzusetzen!

In den vergangenen fünfzig Jahren war die Bischofssynode sicher eines der privilegierten Instrumente zur Umsetzung des Zweiten Vatikanums. Papst Johannes Paul II. konnte 1983 sagen: „Der synodale Schlüssel für die Lektüre der Konzilstexte wurde gleichsam zu einem Ort der Interpretation, der Anwendung und der Weiterentwicklung des Zweiten Vatikanums. Schon die lange Liste der Themen, die in den verschiedenen Synoden behandelt wurden, zeigt die Bedeutung der Sitzungen für die Kirche und für die Umsetzung der Reformen, die das Konzil wollte“ (ebd.).

Die Bischofssynode als privilegierter Ort der Konzilsinterpretation

Gewiss, die Bischofssynode ist nur einer der Orte der Interpretation und der Umsetzung der vom Konzil gewollten Reformen. Die ganze reiche Vielfalt der Lebensäußerungen der Kirche trägt zu der vom Konzil gewünschten Erneuerung bei. Die Bischofssynode ist ein privilegierter Ort der Konzilsinterpretation.

In den fünfzig Jahren ihres Bestehens hat es auch nie an Kritik gefehlt betreffend die Bischofssynode und ihre Effizienz. Ich brauche hier nicht die diversen Kritikpunkte nennen, die immer wieder vorgebracht wurden. So war und ist ein Thema, das häufig besprochen wurde, die Frage der Autorität der Bischofssynode, ob sie ein beratendes Organ ist, das den Dienst des Petrusamtes unterstützt, oder ob sie auch Entscheidungsvollmacht hat. Ist die Bischofssynode eine Form der Mitregierung der Universalkirche? Oder dient sie vor allem, die Kollegialität zu pflegen, die effektive und die affektive Kollegialität unter den Bischöfen cum et sub Petro? Viel wurde auch über die Methode der Bischofssynode debattiert. Immer wieder wurden Aspekte der Arbeitsmethode kritisiert, und manches auch im Lauf der Jahre aus den Erfahrungen gelernt und verbessert. Dankbar sehen wir die Erneuerungen der Methoden unter Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus.

Was soll die Bischofssynode? Was ist ihr Sinn? Ihr Ziel? Was sind ihre theologischen Grundlagen? Über die kirchenrechtlichen und vor allem die ekklesiologischen Grundlagen der Bischofssynode ist viel Wichtiges und Gültiges geschrieben worden. Ich denke vor allem an die lectio magistralis des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, über „Ziele und Methoden der Bischofssynode“.[3] In seiner gewohnten Klarheit hat er sich hier zur rechtlichen und theologischen Einordnung der Bischofssynode im Ganzen der Kirche geäußert. Seine Ausführungen haben nichts an Gültigkeit eingebüßt. (Ich werde auf zwei wichtige Ergebnisse seiner Darlegungen noch zurückkommen).

Schon damals, als die Institution der Bischofssynode noch keine zwanzig Jahre alt war, bewegten vor allem zwei Fragen, die bis heute aktuell geblieben sind, und die Kardinal Ratzinger in seinem Vortrag wie folgt formuliert hat: „Es steht zur Diskussion, ob die aktuelle rechtliche Gestalt der Synode für deren Zweck perfekt geeignet ist, der im Umfeld einer bestimmten theologischen Wirklichkeit, die sich im Zweiten Vatikanischen Konzil findet, dargestellt ist: … nämlich innerhalb des Verhältnisses der Sendung des Nachfolgers des Heiligen Petrus und der gemeinsamen Verantwortung des gesamten Bischofskollegiums, dem – mit und unter Petrus – die Sorge für die Weltkirche anvertraut ist.“ Die erste Frage also lautet: Dient die Bischofssynode in angemessener Weise der bischöflichen Kollegialität cum Petro et sub Petro in der Verantwortung für die Kirche?

Die 2. Frage formulierte Kardinal Ratzinger wie folgt: „Wir müssen auch prüfen, ob die bisher verwendeten Methoden für den Zweck der Synode wirklich geeignet sind.“[4]

Die Frage der Methode bewegt den Weg der Bischofssynode von Anfang an. So sagte der hl. Papst Johannes Paul II am Schluss der sechsten Generalversammlung der Bischofssynode am 29. Oktober 1983: „Möglicherweise kann dieses Instrument noch verbessert und die kollegiale pastorale Verantwortung in einer Synode noch vollkommener zum Ausdruck gebracht werden.“

Und Papst Franziskus: „Beinahe 50 Jahre sind seit der Einführung der Institution der Bischofssynode vergangen, ich habe selber die Zeichen der Zeit geprüft und ich bin mir bewusst, dass es notwendig ist, um mein Petrusamt ausüben zu können, mehr denn je die direkte Verbindung mit allen Hirten der Kirche noch mehr zu beleben, es drängt mich sehr, dieses wertvolle Erbe des Konzils wieder zu würdigen.“[5]

Synodos heißt „gemeinsamer Weg“. Synodalität heißt „gemeinsam auf dem Weg sein“. Wer gemeinsam auf dem Weg ist, braucht ein klares Ziel. Methode kommt von Methodos: „Weg zu etwas hin“. Soll der Syn-odos gelingen, ist dermeth-odos ganz entscheidend. Die Debatten über die Methode der Synode sind keine nebensächlichen Fragen der Organisation. Sie bestimmen sehr prägend mit, ob der Syn-odos zum Ziel führt.

Dieses untrennbare Miteinander und Ineinander von synodos und methodos steht bereits klar am Anfang der Institution der Bischofssynode, in den Worten, mit denen der selige Papst Paul VI. die Bischofssynode eingesetzt hat: „Die apostolische Sorge, in der Wir, die Zeichen der Zeit aufmerksam durchforschend, die Wege und Methoden des geistlichen Apostolates den wachsenden Notwendigkeiten unserer Tage sowie den veränderten Verhältnissen der Gesellschaft anzupassen suchen, drängt Uns dazu, Unsere Verbindung mit den Bischöfen, ‚die der Heilige Geist dazu bestimmt hat …, die Kirche Gottes zu leiten‘ (Apg 20,28), mit noch engeren Banden zu bestärken.“[6].

Das Apostelkonzil – Modell für die synodale Methode

Um dieses Ineinander von synodos und methodos zu bedenken, schlage ich vor, auf die „Ursynode“, das Urmodell der Synode zu blicken, auf das sogenannte „Apostelkonzil“ von Jerusalem. Mir scheint nämlich gerade die Methode, die damals angewandt wurde, für den weiteren Weg der Bischofssynode wegweisend zu sein. Und wir können durchaus im Rückblick sagen: diese erste Synode war so erfolgreich, dass wir heute noch von ihren Früchten leben.

Alles begann mit einem dramatischen Konflikt: „Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden“ (Apg 15,1). Das war keine harmlose Sache. Es ging um Heil oder Unheil. Es ging ums Ganze des christlichen Weges. Nicht nur um die Lehre, sondern ums Leben. Kein Wunder, dass die Frage großen Streit auslöste: „Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloss man, Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen sollten wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen“ (Apg 15,2). Es ist daher nicht verwunderlich, dass dann auch in Jerusalem „ein heftiger Streit entstand“ (Apg 15,7). Denn als sie alle beisammen waren, „erhoben sich einige aus dem Kreis der Pharisäer, die gläubig geworden waren, und sagten: Man muss sie beschneiden und von ihnen fordern, am Gesetz des Mose festzuhalten“ (Apg 15,5).

Der Konflikt um den Weg der Heidenchristen zeigt etwas ganz Wichtiges: Er wurde ausgesprochen. Er wurde offenbenannt und offen ausgetragen. Diese Parrhesia erinnert mich an zwei Worte von Papst Franziskus, die er am Anfang und am Ende der außerordentlichen Synodensitzung vom vergangenen Oktober den Synodalen sagte: „Eine Grundbedingung dafür ist es, offen zu sprechen. Keiner soll sagen: ‚Das kann man nicht sagen, sonst könnte man ja schlecht über mich denken…‘ Alles, was sich jemand zu sagen gedrängt fühlt, darf mit Parrhesia [Freimut] ausgesprochen werden. Nach dem letzten Konsistorium (Februar 2014), bei dem über die Familie gesprochen wurde, hat mir ein Kardinal geschrieben: ‚Schade, dass einige Kardinäle aus Respekt vor dem Papst nicht den Mut gehabt haben, gewisse Dinge zu sagen, weil sie meinten, dass der Papst vielleicht anders denken könnte.‘ Das ist nicht in Ordnung, das ist keine Synodalität, weil man alles sagen soll, wozu man sich im Herrn zu sprechen gedrängt fühlt: ohne menschliche Rücksichten, ohne Furcht! Und zugleich soll man in Demut zuhören und offenen Herzens annehmen, was die Brüder sagen. Mit diesen beiden Geisteshaltungen üben wir die Synodalität aus.“.

Mit diesen beiden Haltungen kann es auch zu „heftigen Auseinandersetzungen“ kommen. So war es beim „Konzil von Jerusalem“, dem Apostelkonzil. So war es auch bei der Synode im vergangenen Oktober. In seiner Schlussansprache am 18. Oktober 2014 ist Papst Franziskus auch ausdrücklich auf diese durchaus spannungsgeladenen Diskussionen eingegangen:

„Ich persönlich wäre sehr besorgt und betrübt,hätte es diese Versuchungen [der Papst hatte fünf solche Versuchungen genannt] und diese emotionalen Diskussionen nicht gegeben; das sind Bewegungen des Geistes, wie sie der Heilige Ignatius nennt. Wir hätten alle einverstanden oder schweigsam in einem falschen und ruhigen Frieden bleiben können. Stattdessen habe ich mit Dank und Freude Beiträge und Diskussionen gehört, die voller Glauben sind, voller Einsatz für Pastoral und Lehre, voller Weisheit, Offenheit, Mut und Parrhesia (Freiheit des Wortes). Und ich habe wahrgenommen, dass uns das Wohl der Kirche, der Familien und das ‚höchste Gesetz‘ (suprema lex), das ‚Heil der Seelen‘ (salus animarum), vor Augen stand“ (cf. CIC Can. 1752).

Papst Franziskus ermutigt uns, die Auseinandersetzungen nicht zu fürchten, sie als dieses „movimento degli spiriti“ zu leben, als die treibende Kraft, die die Unterscheidung der Geister reifen lässt und die Herzen bereitet, das zu erkennen, was der Herr selber uns sagt, ja was er schon entschieden hat (vgl. Apg 15,7), was wir aber noch durch Gebet und durch die Mühen unserer Auseinandersetzung erkennen müssen.

Damit wende ich mich wieder der „Ursynode“, dem „Jerusalemer Konzil“ zu. Die wichtigste Lehre über den „synodalen Weg“ der Urkirche sehe ich im methodos, in der Art und Weise, wie die junge Kirche diesen dramatischen Konflikt gelöst hat. Sie haben nicht theologische Gutachten geschrieben, gegen die dann theologische Gegengutachten verfasst und vorgelegt würden. Die theologische Debatte ist wichtig und unerlässlich. Es gehört zum synodos, den Papst Franziskus begonnen hat, indem er das Thema „Ehe und Familie“ gewählt hat, dass eine intensive theologische Debatte in der ganzen Kirche ausgelöst wurde. Ich sehe darin einen echten Gewinn für die „organische Entwicklung“ der Lehre der Kirche. So heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche:

„Dank des Beistands des Heiligen Geistes kann das Verständnis der Wirklichkeiten wie auch der Formulierungen des Glaubenserbes  im  Leben der Kirche wachsen:

– aufgrund des Nachsinnens und des Studiums der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (DV 8); insbesondere die theologische Forschung soll sich … um eine tiefe Erkenntnis der geoffenbarten Wahrheiten bemühen (GS 62,7);

– aufgrund der inneren Einsicht in die geistlichen Dinge, die sie erfahren (DV 8); die göttlichen Worte wachsen mit den Lesenden (Gregor d. Gr., hom. Ez. 1,7,8);

– aufgrund der Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt die sichere Gnadengabe der Wahrheit empfangen haben (DV 8)“ (KKK 94).

So ist die theologische Debatte der letzten Monate ein wichtiger Beitrag zum Weg der Synode, wie ja auch das Werk des Zweiten Vatikanums nicht denkbar gewesen wäre, ohne die große Arbeit der Theologen in den Jahrzehnten vor dem Konzil und während des Konzils. Dass diese theologischen Debatten bisweilen auch mit einiger Verbissenheit, ja Verbitterung und nicht immer im Geist des aufeinander-Hörens und des sich-Bemühens, den anderen in seinen Anliegen zu verstehen geführt wurden und auch heute noch werden, gehört zu den klassischen Versuchungen, von denen Papst Franziskus am Schluss der außerordentlichen Sitzung der Synode gesprochen hat.

Die Urkirche hat aber eine andere Methode verwendet, um zu einer Entscheidung zu finden, um den Konflikt zu lösen. Diese Methode ist sicher auch für die theologische Debatte wichtig. Sie ist es noch mehr für das Gelingen des Synodalen Weges. Hören wir den Bericht der Apostelgeschichte:

„Die Apostel und die Ältesten traten zusammen, um die Frage zu prüfen. Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen. Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt. Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene.“ (Apg 15, 6-11)

Kurz gesagt: Petrus berichtet, was Gott selber getan und damit entschieden hat: Die Methode, die Petrus verwendet, ist das Erzählen der Taten Gottes. Wir können auch sagen: er berichtet, was er als Wirken Gottes erfahren hat. Daraus zieht er die Folgerungen. Sie sind nicht das Ergebnis theologischer Reflexionen, sondern aufmerksames Hinschauen und Hinhören auf Gottes Wirken.

Wie reagiert die „Synode“, die Versammlung, auf die Rede des Petrus? „Da schwieg die ganze Versammlung“ (Apg 15,12). Sie tun genau das, was Papst Franziskus uns in der Synode des vergangenen Jahres zu tun gebeten hatte: Petrus sprach mit Parrhesia. Und die Versammlung hörte zu „in Demut“. Das Zeugnis des Petrus wird nicht gleich in einer großen Debatte „zerpflückt“ und kritisiert. Sein Wort wird mit Schweigen aufgenommen, und kann somit „im Herzen erwogen“ werden (vgl. Lk 2,19.51). Wie wichtig ist dieses Schweigen und mit dem Herzen Hören! In dieser Haltung sind sie dann auch bereit, das Zeugnis von Paulus und Barnabas zu empfangen: „Da schwieg die ganze Versammlung. Und sie hörten Paulus und Barnabas zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte“ (Apg 15,12).

Sie erzählten! Sie gaben keine theologische Abhandlung. Sie haben nicht abstrakt theoretisiert über das Heil der Heiden, sondern sie legten dar, was sie „gesehen und gehört“ haben (vgl. Apg 4,20). Was Petrus und Johannes vor dem Hohen Rat sagten, gilt umso mehr für die Versammlung der Kirche in Jerusalem: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20).

Auch das Zeugnis von Paulus und Barnabas lässt die Gemeinde zuerst einmal stehen: Es wird nicht gleich diskutiert, sondern gehört und im Herzen aufgenommen. „Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte: Brüder, hört mich an! Simon hat berichtet, dass Gott selbst zuerst eingegriffen hat, um aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen“ (Apg 15,13f). Jakobus bestätigt, was bereits Petrus gesagt hat: Gott selber hat eingegriffen und die Sache entscheiden.

Als Autorität führt Jakobus Worte aus den Propheten an, die im Voraus bestätigen, was der Herr in diesen Tagen tut, „um aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen“ (Apg 15,14). So stimmen Schrift und Erfahrung überein. Im Hören auf beide, die Schrift und die Erfahrung, erkennt die Versammlung den Weg und den Willen Gottes. So kommt es zum gemeinsamen Beschluss „der Apostel und der Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde“ (Apg 15,22). Im Schreiben heißt es dann: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weiteren Lasten aufzuerlegen als diese notwendigen Ginge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden“ (Apg 15,28f).

Die Apostelgeschichte berichtet nun auch von der Rezeption der Beschlüsse von Jerusalem: „Die Brüder lasen den Brief und freuten sich über die Ermutigung (paraklêsei)“ (Apg 15,31). Schön, wenn das Ergebnis einer Synode die Gläubigen ermutigt! Nicht immer wurde das, was schließlich aus einer Synode hervorging, mit solcher Freude aufgenommen.

 

Die Schlussfolgerungen: Mission, Zeugnis, Unterscheidung

Ich bitte um Nachsicht, dass ich mich länger bei der Jerusalemer „Ursynode“ aufgehalten habe. Ich will versuchen, zum Schluss daraus drei Gedanken über den Weg der Bischofssynode zu formulieren. Die Orientierung an der Heiligen Schrift ist ja wesentlich für unseren „Synodos“, unseren gemeinsamen Weg. Ich fasse sie in drei Stichworte zusammen: Mission, Zeugnis, Unterscheidung.

1. Das innerste Ziel der Synode als Instrument der Umsetzung des II. Vatikanums kann nur die Mission sein. Die „Ursynode“ von Jerusalem hat die missionarische Dynamik der Urkirche ermöglicht, gefördert, ja gewaltig zum Blühen gebracht. Die fundamentale Erkenntnis, dass wir alle, Juden und Heiden, „durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet wurden“ (Apg 15,11), hat den Heiden das Tor zur Kirche geöffnet.

Der Erfolg der Institution „Bischofssynode“ wird vor allem daran zu messen sein, ob sie „das Leben der Kirche und seinen missionarischen Geist“ (EG n.32) fördert. Die Bischofssynode kann einen fruchtbaren Anstoß geben für den anstehenden Übergang von einer „einfach erhaltenden Seelsorge“ zu einer „explizit missionarischen Seelsorge“ auf allen Ebenen der Kirche“ (EG n.15). Gewiss, die Bischofssynode ist kein Konzil. Sie soll dem Papst bei seinem Dienst für die Kirche unterstützen und gemeinsam mit ihm in der „Begeisterung für die Mission“ fördern, betonten sowohl der hl. Papst Johannes Paul II. (Redemptoris missio, 45), als auch Papst Franziskus (EG, 265).

2. Wie aber kann die Bischofssynode den Papst unterstützen in der gemeinsamen missionarischen Dynamik? Auch hier kann uns der Blick auf die „Ursynode“ von Jerusalem helfen. Seit fünfzig Jahren wurde immer wieder die Frage gestellt, ob die Synode nicht nur ein „voto consultativo“ (beratende Stimme) haben sollte, sondern auch ein „voto deliberativo“ (entscheidende Stimme). Papst Franziskus hat immer wieder betont, die Synode sei kein Parlament. Sie sei anderer Natur.

Der selige Papst Paul VI. hat die Bischofssynode als ein neues beratendes Organ auf der Ebene der ganzen Weltkirche eingesetzt. Gewiss, die Bischöfe als Mitglieder der Synode, repräsentieren ihre Ortskirchen, deren Leben, deren Freuden und Sorgen. In den Hirten ist immer auch das ganze Volk Gottes gegenwärtig. Aber die Bischöfe sind nicht Repräsentanten wie die Abgeordneten im Parlament. Diese Vertretung hat eine wesentlich andere Bedeutung in der kirchlichen Struktur und ist nach dem Prinzip der Gemeinschaft und des Glaubens bestimmt. Nun kann aber der Glaube nicht repräsentiert, sondern nur bezeugt werden.

Genau das aber geschah damals in Jerusalem. Die Apostel haben Zeugnis gegeben von dem, was sie gesehen und gehört haben. Wenn ich einen Wunsch an den zukünftigen Weg der Bischofssynode äußern darf: Bitte nehmen wir Maß am Apostelkonzil! Reden wir weniger abstrakt und distanziert. Bezeugen wir einander, was der Herr uns zeigt und wie wir sein Wirken erfahren.

Ich durfte an der Synode über die Neuevangelisierung teilnehmen. Es gab viele interessante Beiträge. Aber kaum jemand hat davon Zeugnis gegeben, wie wir selber Mission und Evangelisierung erfahren. In Jerusalem haben Petrus, Paulus, Barnabas von ihren Zeugnissen und Erfahrungen gesprochen. Wir bleiben allzu oft in der Theorie, im „man sollte“ und „man müsste“, kaum einmal reden wir persönlich von unseren Missionserfahrungen. Darauf aber warten unsere Gläubigen!

3. Und genau das ist der entscheidende Punkt: In Jerusalem ging es nicht um Beratung oder Entscheidung, sondern um das Unterscheidende des Willens und Weges Gottes. Natürlich gehören heftige Diskussionen, ja sogar Streit und intensives Ringen zum synodalen Weg. So war es schon in Jerusalem. Aber Ziel der Debatten, Ziel der Zeugnisse ist das gemeinsame Unterscheiden des Willens Gottes. Auch dort, wo abgestimmt wird (wie am Ende jeder Synode), geht es nicht um Machtkämpfe, Parteibildungen (über die die Medien dann gerne berichten), sondern um diesen gemeinschaftlichen Prozess zur Bildung eines Urteils, wie wir es in Jerusalem gesehen haben. Im Ende kommt, so hoffen wir, nicht ein politischer Kompromiss heraus, auf einem niedrigen gemeinsamen Nenner, sondern dieser „Mehr-Wert“, den der Heilige Geist schenkt, sodass es am Schluss heißen kann: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15,28).

Ich schließe: Papst Franziskus hat von Anfang an gesagt, „die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des „Aufbruchs“ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet. Wie Johannes Paul II. zu den Bischöfen Ozeaniens sagte, muss „jede Erneuerung in der Kirche […] auf Mission abzielen, um nicht in eine Art kirchlicher Introversion zu verfallen.“[7] Die Bischofssynode ist aus diesem Grunde da, um auf diesem Weg die Reifung im Dienste der Nachfolge Petri und ein überaus wertvolles Geschenk wofür wir den Heiligen Geist danken müssen, auf den der selige Papst Paul VI hingewiesen hat. Nun ist es fünfzig Jahre her.

 


[1] Johannes Paul II., Discorso Consiglio della Segretaria Generale del Sinodo dei Vescovi, 30. April 1983.
[2] Vgl. Christoph Schönborn, Die Christusikone. Eine theologische Hinführung, Wien 41998.
[3]Kard. Joseph Ratzinger, Scopi e metodi del Sinodo dei Vescovi. In: Josef Tomko (ed.), Il Sinodo dei Vescovi. Natura – metodo – prospettive, Città del Vaticano 1985, 45-58; gekürzte deutsche Ausgabe: Fragen zu Struktur und Aufgaben der Bischofssynode. In: Gesammelte Schriften 8/1, Freiburg/Br. 2010, 556-572.
[4] Loc. cit,. p. 45.
[5] Papst Franziskus, Lettera al Card. Baldisseri, 1 April 2014
[6]Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben Apostolica sollicitudo, 15. Sept. 1965.
[7] Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Oceania. 22. November 2001, n.19; Papst Franziskus, Evangelii gaudium n.27.
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