Kölner Weihbischof Schwaderlapp steigt aus Synodalforum aus — „Massiver Dissens in Kernfragen“

Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln © Julia Steinbrecht (KNA)

28.05.2020

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp stellt seine Mitarbeit in der deutschen katholischen Reformdebatte Synodaler Weg teilweise ein. In einem Interview kündigte er seinen Rückzug aus dem Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen“ an.

Die dort mehrheitlich verfolgte Linie ziele auf eine Veränderung der kirchlichen Sexualmoral ab, begründete Schwaderlapp seinen Entschluss im Gespräch mit der katholischen Wochenzeitung „Tagespost“ (Donnerstag) in Würzburg. Dieser Weg sei nicht der seine. In die Synodalversammlung wolle er sich „selbstverständlich“ weiter einbringen.

Nach Auskunft der Veranstalter ist der Kölner Weihbischof bisher der einzige Teilnehmer, der sich aus einem der vier Synodalforen zurückgezogen hat.

„In konstruktiver Atmosphäre“

In dem Interview gibt Schwaderlapp an, die bisherigen Gespräche in dem Forum seien bei allen unterschiedlichen Auffassungen „in einer keineswegs aggressiven, sondern konstruktiven Atmosphäre“ verlaufen. Gleichwohl sei ein „massiver Dissens in Kernfragen“ zutage getreten. Im Unterschied zur geltenden kirchlichen Lehre vertrete die Forumsmehrheit die These, dass Sexualität nicht nur Fruchtbarkeit und Liebe, sondern auch andere Werte wie Lust und Identität integriere.

Es gebe demnach auch keine Rangordnung innerhalb dieser Werte, die überdies nicht gleichzeitig verwirklicht sein müssten, erläuterte Schwaderlapp. Dahinter stehe die Absicht, empfängnisverhütende Maßnahmen, homosexuelle Handlungen, Selbstbefriedigung, künstliche Befruchtung und die Situation wiederverheiratet Geschiedener neu zu bewerten. Auf Basis der genannten Grundthese wolle das Forum weiterarbeiten.

„Auf Treibsand gebaut“

Ihm gehe es nicht um das „formale Halten von Positionen“, sagte der Weihbischof. Er sei überzeugt, dass die Lehre der Kirche „zur Freiheit, Liebe und Glück führt“. Die Position der Forumsmehrheit dagegen sei auf „Treibsand“ gebaut.

Gestartet wurde der zunächst auf zwei Jahre angelegte Synodale Weg durch die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Ein Ziel ist, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

In vier Foren sollen die zentralen Themen der Initiative behandelt werden: Neben der Sexualmoral sind das der Umgang mit Macht, Fragen zum priesterlichen Leben und zur Rolle der Frauen in der Kirche. Die Ergebnisse sollen auf den Synodalversammlungen beraten werden, dem höchsten beschlussfassenden Gremium des Synodalen Wegs.

(KNA)

Bischof Voderholzer kritisiert Veränderungen bei Reformdebatte — „Autoritäre Alleingänge“

Bischof Rudolf Voderholzer bei Synodalversammlung © Harald Oppitz (KNA)

29.05.2020

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat die geplanten Veränderungen bei der Reformdebatte der katholischen Kirche als autoritäre Alleingänge des Präsidiums scharf kritisiert. Seinen Unmut machte er sich mit einem Brief Luft.

Die angekündigten regionalen Konferenzen im Herbst seien weder ein Synodalforum noch eine Synodalversammlung gemäß der Satzung des Synodalen Weges, kritisierte Voderholzer am Freitag in einem Brief an das Präsidium.

Auch die Leitungsstruktur sei nicht geklärt. Ebenso wenig sei das neu angesetzte Thema „kirchliche Erfahrungen mit der Corona-Pandemie“ durch die Satzung gedeckt. Dieses müsse zurückgenommen, die geplanten Konferenzen müssten abgesagt werden, forderte Voderholzer.

Zweite Versammlung könne auch Videokonferenz sein

„Ich bin der Überzeugung, dass es nicht mit dem Wesen einer ’synodalen Kirche‘ vereinbar ist, wenn von der Spitze ausgehend, ohne allgemeine Konsultation, autoritär Alleingänge praktiziert werden, die alle anderen vor vollendete Tatsachen stellen“, bemängelte der Bischof.

Die eigentlich für September geplante zweite Vollversammlung des Synodalen Weges lasse sich problemlos als Videokonferenz durchführen. Dies sei mittlerweile gängige Praxis und gerade die gut organisierte Sitzungsstruktur der Vollversammlung des Synodalen Weges lasse dies leicht zu, erklärte Voderholzer.

Verschiebung angekündigt

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hatten in einem Schreiben an die 230 Teilnehmer angekündigt, die nächste Vollversammlung angesichts der Corona-Krise von Anfang September auf Anfang Februar 2021 zu verschieben. Stattdessen soll es am 4. September fünf regionale Konferenzen in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Ludwigshafen und München mit maximal 50 Teilnehmern geben.

Auf der Agenda steht demnach zum einen eine Zwischenbilanz aus den „kirchlichen Erfahrungen in der Corona-Krise“. Zum anderen strebe man einen „konkreten Austausch über die bisherige Arbeit in den Synodalforen“ an. Bätzing und Sternberg bitten die Synodalen darum „sich auf diese Konferenz an fünf Orten einzulassen“. Und weiter:

„Vielleicht setzen die uns auferlegten Begrenzungen gerade auch neue Möglichkeiten frei – durch eine andere Art von Begegnungen, Einsichten und geistlichen Erfahrungen.“ Das Ende der Reformdebatte verschiebt sich damit von Oktober 2021 auf Februar 2022.

Der von Bischöfen und ZdK gestartete Synodale Weg ist auf Ebene der Weltkirche bislang einmalig. Er soll nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und Möglichkeiten von Reformen in vier zentralen Bereichen ausloten: Macht, Sexualmoral, priesterliches Leben und Rolle der Frauen. Über die Umsetzung von Beschlüssen entscheiden die Ortsbischöfe.

(KNA)

Viele Bischöfe sind im Laufe der Kirchengeschichte häretisch geworden

6. Februar 2020, 19:33

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im „LifeSiteNews“-Interview an seine Kritiker: Unsere „Linken“ in Kirche und Gesellschaft identifizieren sich durch ihre Doppelmoral und ihre glänzende Unfähigkeit, mit Argumenten auf Sacheinwände zu antworten.

Rom (kath.net/LifeSiteNews)

LifeSiteNews: Sie haben vor zwei Tagen kritische Bemerkungen zur ersten Vollversammlung des Synodalen Weges gemacht und dessen Prozess ’suizidal‘ genannt und dann mit der Aufhebung der Weimarer Verfassung durch das Ermaechtigungsgesetz verglichen. Sie bezogen sich hier auf die Tatsache, dass die VV beschlossen hat, auch dann Entscheidungen zu akzeptieren, wenn sie gegen die katholische Glaubenslehre gehen. Koennten Sie uns hier Ihre Gedanken ausfuehrlicher erlaeutern? Und: darf man einen solchen Vergleich machen?

Kardinal Müller: Ständig wird mehr politische Macht für die Laienfunktionäre gefordert im Gegensatz zu der -den Bischöfen von Christus verliehenen- sakramentalen Vollmacht oder nach mehr Macht für die lokalen Bischoskonferenzen (sprich: ihren Apparat) gegen die Zentralmacht „Rom“, als ob die Kirche sich in die Arena medialer und politischer Kampfspiele verirrt hätte. Wo es um irdische Macht geht, ist die Gewaltenteilung unbedingt erforderlich.

Menschen steht keine absolute Macht über Menschen zu. Hier geht es aber um den Heilsdienst an den Mitgläubigen im Namen Gottes. In der Kirche dreht sich nicht alles um die Macht, sondern um den Aufbau des Leibes Christi. Wollen wir dienen oder herrschen? Das ist hier die Frage. In der Kirche geht es um „die Erkenntnis des einen und einzigen Gottes und das Heil aller Menschen durch Christus Jesus als einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen“ ( vgl. 1 Tim 2,5).

Die Kirche ist Sakrament des Heils der Welt und von Christus selbst „hier auf Erden als sichtbares Gefüge verfasst und mit hierarchischen Organen ausgestattet“ (Lumen gentium 8). Das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen aufgrund von Taufe und Firmung und das hierarchische Priestertum aufgrund der Weihe (zum Bischof, Priester und Diakon) dürfen nicht in Klassenkampfattitüde gegeneinander gestellt werden mit dem Ziel einer klassenlosen Gesellschaft, die in Wirklichkeit die Herrschaft der Funktionäre war im Namen eines anonymen „Volkes“. ei Christen (als Laien, Ordenesleute und Priester) sind einander organisch (nicht mechanisch) zugeordnet im ganzen Lebensvollzug des Leibes Christi, insofern sie am Priestertum Christi in je spezifischer Weise teilhaben (Lumen gentium 10).

Der ganze Ansatz des „Synodalen Wegs“ ist ekklesiologisch falsch. Eine falsche Diagnose verdirbt die beste Therapie. Statt emotionale Betroffenheiten zum Besten zu geben, sollten sich die tonangebende und machtbesitzende Mehrheit besser mit dem Kirchenverständnis des II. Vatikanums vertraut machen anstatt sich nur auf seinen „Geist“ zu berufen, sonst wird das ganze zu einer Geistersitzung. Sich in diametralen Gegensatz zur geoffenbarten Lehre des Glaubens zu setzen und dafür dann noch den Heiligen Geist zu bemühen, ist ein grober Klotz, der sich seinen groben Keil wohl verdient hat. Wir sollen „hören, was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 2, 11); aber das ist doch das „Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi“ (Offb 1, 2) und nicht die Vision einer gesellschaftskonformen „Kirche“.

In der „Kirche des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Lumen gentium 4) kann man die christologische und geschichtliche Grundlegung der Kirche und das Wirken des Christus praesens im Heiligen Geist nicht gegeneinander ausspielen.

LifeSiteNews: Sie stellten auch fest, dass der Synodale Weg „weder von Gott noch den Menschen“ autorisiert sei. Koennten Sie uns dies vertieft erklaeren?

Kardinal Müller: Wie gesagt: die „göttliche Konstitution“ der Kirche stammt von Christus (LG 8) und nicht seinen Jüngern. Sie ist im Gewissen von höherer Verbindlichkeit als die Verfassung eines Staates oder Vereins kraft menschlichen Rechtes. Christus selbst baut Seine Kirche auf Petrus und nicht Petrus und die anderen Jünger bauen ihre Kirche auf ein selbstgemachtes Christusbild. Die Apostel und die Bischöfe als ihre Nachfolger haben in ihr nicht die politische Macht ergriffen und sie damit in Menschenwerk umfunktioniert, dann die Macht den Laien weggenommen und diese damit unterdrückt.

Sie sind vielmehr von Christus einst historisch durch unmittelbare Berufung und jetzt sakramental durch die Weihe eingesetzt und bevollmächtigt als Diener Christi, das Volk Gottes mit Seinem Wort zu lehren, mit Seinen Sakramenten zu heiligen und Seine Herde als Hirten zu leiten (Lumen gentium 18- 29). Sobald sie etwas im Gegensatz zur apostolischen Lehre und zur sakramentalen Verfassung der Kirche lehren und entscheiden, haben sie den Anspruch auf den „religiösen Gehorsam der Gläubigen“ verloren (Lumen gentium 25; Dei verbum 10).

Schon viele Bischöfe sind im Laufe der Kirchengeschichte häretisch geworden oder haben ihre Gemeinden ins Schisma geführt, wie z. B. die Donatisten, die in Nordafrika gegenüber den Katholiken mit ihrer Mehrheit auftrumpften.

LifeSiteNews: Eine Ihrer Kritikpunkte der Synodalen Versammlung ist, dass sie Laien viel Macht gibt und dass dies die bischoefliche Autoritaet untergraebt. Worauf beziehen Sie sich hier konkret in bezug auf die erste VV und was sind hier die lehrrechtlichen Grundlagen?

Kardinal Müller: Dem Papst und den Bischöfen in Gemeinschaft wurde auch das Lehramt anvertraut „verbindlich das geschriebene und überlieferte Wort Gottes zu erklären (Dei verbum 10) im Gegenüber zu den anderen Mitgliedern der Kirche, aber keineswegs im Gegensatz zu ihnen, da alle mit-verantwortlich sind für die unverfälschte Weitergabe des Glaubens (LG 12). Ich kritisiere nicht, dass die Laien zu viel Macht beanspruchen oder sie ihnen verleihen wird, sondern dass das Wesen und die Sendung der Kirche, des Leibes Christi und Tempel des heiligen Geistes, mit den Kategorien von Macht und Prestige durch Selbstsäkularisierung verfälscht wird. “ Die Kirche Christi ist keine NGO“ -wiederholt immer wieder Papst Franziskus.

LifeSiteNews: Denken Sie, dass Rom diesen Synodalen Weg stoppen sollte, und wenn ja, warum?

Kardinal Müller: Die Römische Kirche mit dem Papst an der Spitze hat die von Christus mitgeteilte Vollmacht und Verantwortung für die Einheit der Kirche in der Wahrheit der apostolischen Lehre. Am Beginn der Spaltung der Christenheit im 16, Jahrhundert, die die Glaubwürdigkeit unseres christlichen Glaubens vor der Welt bis zum heutigen Tag zutiefst erschütterte, haben die deutschen Bischöfe und die Kurie in Rom furchtbar versagt, wie der Papst Hadrian VI. selbst bekannte (Nürnberger Reichstag 1522/23). Ich hoffe, dass man diesen historischen Fehler nicht wiederholt.

Historisches Wissen kann helfen, zukünftige Gefahren im Licht der geschichtlichen Erfahrungen frühzeitig zu vermeiden, und nicht erst dann nach dem Deckel zu rufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Der mächtige deutsche Kardinal Albrecht von Brandenburg hat seine widerrechtliche und unmoralische Ämterhäufung mit dem von Rom bewilligten Ablasshandel finanziert. Damit sind deutsches Geld, die theologische Unbildung des deutschen Episkopates, der Primat von Geld und Politik in Rom mitschuldig an der abendländischen Kirchenspaltung und ihren tragischen Folgen bis heute. Geld regiert die Welt, aber es ist auch des Teufels bestes Mittel, die Kirche zu verwirren.

Zur Säkularisierung als totales und totalitäres Selbst- und Weltverständnis ohne Gott gibt es nur das eine wirksame Gegenmittel der glaubwürdigen Verkündigung des „Evangeliums von Jesus, dem Christus, dem Sohn Gottes“ (Mk 1,1) und eines Lebens in der Nachfolge Christi.

Das erste Wort des hl. Paulus nach seiner Bekehrung am Beginn seiner „Verkündigung von Jesus“ war -übrigens nicht historisch der Hinweis auf interessante Quisquilien von einer Frau als erster Christin in Europa und getauften Sklavinnen in Rom-, sondern das Bekenntnis: „Dieser ist der Sohn Gottes.“ (Apg 9, 20)

LifeSiteNews: Sie wurden in Deutschland dafür angegriffen, dass Sie den Synodalen Weg mit der Machtübernahme durch Hitler verglichen haben. Die Empörung scheint größer darüber zu sein als darüber, dass deutsche Bischoefe dabei sind, die gesamte Kirchenhierarchie, als auch die Sakramenten- und Morallehre der Kirche aus den Angeln zu heben, mit schweren Folgen fuer viele Seelen. Wie würden Sie dieses Phänomen kommentieren?

Kardinal Müller: Es ist typisch deutsch, dass man aus der Geschichte nichts lernen will. Unsere „Linken“ in Kirche und Gesellschaft identifizieren sich durch ihre Doppelmoral und ihre glänzende Unfähigkeit, mit Argumenten auf Sacheinwände zu antworten. Die unaufhörliche persönliche Anprangerung derer, die nicht zu ihrem ideologischen Lager gehören, als erzkonservativ, fundamentalistisch, rechtslastig, will einzuschüchtern, ist in Wirklichkeit aber nur das Ausspielen ihrer Macht gegen die Vernunft. Auf jeden Fall wird dieses „synodale“ Unternehmen nicht der „Große Sprung nach vorn“. Vielleicht weckt dieser vergleichende Nichtvergleich in chinesischen Metaphern ihren tief schlummernden Sinn für Humor.

LifeSiteNews: Sie haben einen starken Vergleich gemacht. Ist dies geschehen, weil Sie den Ernst der Situation erkannt haben und weil es hier um das Wohl vieler Seelen geht?

Kardinal Müller: Es stimmt, dass sachliche Darlegungen gekonnt in der Schweigespirale versenkt werden. Man muss das Empörungsgefühl nur antippen und schon läuft das Ritual ab. Ich kenne ja die meisten Akteure persönlich und weiß wie das Netzwerk funktioniert.

Mit dem ganzen Irrsinn von Auftragsarbeiten, Zitationskartellen, der Befriedigung der Sensationsgier gegen das Geld wohlbezahlter Artikel, den personalpolitischen Intrigen und üblen Nachreden gegen Kartellfremde macht man die schönen Reden von Mitbrüderlichkeit und Barmherzigkeit, von Synodalität und Dialog bei den Außenstehenden nur lächerlich und entmutigt die ernsthaft gläubigen Christen.

LifeSiteNews: Kardinal Woelki wurde scharf angegriffen, als er sich von der ersten VV distanzierte. Ihnen wird mitgeteilt, dass Sie kein akzeptabler Diskussionspartner mehr sind. Es scheint, dass die Bewahrer des Glaubens an den Rand geschoben werden, so, wie sie auch in der VV in der Minderheit waren. Fuehlen Sie sich hier an andere Momente der Kirchengeschichte erinnert?

Kardinal Müller: Kardinal Woelki ist ein von Christus im Heiligen Geist geweihter Bischof und als Kardinal der römischen Kirche engster Mitarbeiter des Papstes in der Verantwortung für die universale Kirche. Die verbalisierte Gewalt gegen ihn und andere ist doch nur Ausdruck intellektueller Hilfslosigkeit und moralischer Verwirrtheit „von irdisch gesinnten Menschen, die nicht erfassen, was vom Geist Gottes kommt“ (1 Kor 2,13).

Angesichts der exkommuniziernden Machtansprüche solcher Helden, die kaum eine Dogmatikprüfung bestehen könnten, fällt mir nur Dietrich Bonhoeffer ein, der im Jahr 1943 gegen die Dummheit resümierte: „Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen, es ist sinnlos und gefährlich.“ (DBW 8, 26).

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Soll Kurienreform den deutschen ‚synodalen Weg’ legitimieren?

6. Februar 2020, 11:00

In dem Entwurf für die Kurienreform soll eine Passage enthalten sein, welche den nationalen Bischofskonferenzen ‚echte lehramtliche Autorität’ zugestehen will. Der Abschnitt trägt die Handschrift von Kardinal Marx, schreibt Kirchenrechtler Ed Condon
Rom (kath.net/CNA/jg)

Die anstehende Reform der Vatikanischen Kurie könnte den „Synodalen Weg“ der deutschen Bischöfe legitimieren. Das berichtet der Kirchenrechtler Ed Condon unter Berufung auf vatikanische Quellen.

Der Kardinalsrat berate derzeit die Rückmeldungen auf den Entwurf der apostolischen Konstitution „Evangelium praedicate“, welche die Struktur und Funktionsweise der Römischen Kurie neu regeln soll. In dem Entwurf sei im Abschnitt über die Glaubenskongregation eine Passage enthalten, die dem deutschen Vorschlag einer föderalen Kirche entsprechen würde, schreibt Condon.

Nach dem Textentwurf hätten die Bischöfe und nationalen Bischofskonferenzen die primäre Verantwortung für die Kirche in den einzelnen Ländern und Regionen. Der Entwurf schreibe den nationalen Bischofskonferenzen „echte lehramtliche Autorität“ zu, während die Glaubenskongregation ihre Maßnahmen zum Schutz des Glaubens nach dem Subsidiaritätsprinzip setzen soll.

Mehrere Quellen mit Einblick in den Entstehungsprozess der Konstitution hätten gegenüber CNA bestätigt, dass der Vorschlag stark von den Vorstellungen von Reinhard Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, beeinflusst sei. Marx ist einer der Mitglieder des Kardinalsrates. Dieselben Quellen, die in verschiedenen Bereichen der Kurie tätig seien, hätten ihm mitgeteilt, dass dieser Abschnitt Gegenstand anhaltender Kritik von Bischöfen aus aller Welt sei, betont Condon.

Mitarbeiter der Glaubenskongregation und der Bischofskongregation hätten gegenüber CNA festgestellt, dass die genannte Passage den „synodalen Weg“ der Kirche in Deutschland legitimieren würde, falls sie in der endgültigen Fassung der Konstitution enthalten sein sollte. Ein hoher Mitarbeiter habe CNA bestätigt, dass die deutschen Bischöfe deshalb so zuversichtlich und selbstbewusst seien. „Es ist ein Geduldsspiel – sie sagen uns ‚wartet und seht unsere Ergebnisse an, bevor ihr den Prozess beurteilt’, aber dann können sie sagen, sie haben die Autorität dazu und auf der Subsidiarität (für die Glaubenskongregation, Anm.) beharren“, sagte der Mitarbeiter.

Im September 2019 hatte Kardinal Ouellet, der Präfekt der Bischofskongregation, den synodalen Prozess kritisiert und unter anderem gefragt, wie die Versammlung einer Teilkirche Fragen entscheiden könne, welche die Gesamtkirche betreffen. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die deutsche Bischofskonferenz sich einer Versammlung unterwerfen könne, die zum Großteil nicht aus Bischöfen bestehe.

In seiner Antwort schrieb Kardinal Marx, die Kritik des Vatikan habe sich auf einen Entwurf der Statuten für den „synodalen Prozess“ bezogen, der mittlerweile überholt sei. Außerdem habe die Kirche in Deutschland mit dem „synodalen Weg“ eine „Beratung eigener Art“ gewählt, die nicht vom Kirchenrecht erfasst sei. Er sei daher nicht „durch die Brille kirchenrechtlich verfasster Instrumente“ zu sehen.

© Foto: Erzbistum München und Freising

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Synodaler Weg – Ecclesia semper deformanda?

5. Februar 2020, 07:30

Die Gefahren des Synodalen Irrwegs für die Kirche in Deutschland. Gastkommentar von Martin Lohmann

Frankfurt a.M. (kath.net) Der 30. Januar war kein guter Tag. Da begann die erste Versammlung des sogenannten Synodalen Weges. Man behauptet, es gehe um eine Erneuerung der Kirche. Doch es wurde sehr bald offenbar: Es ging und geht nicht um Reform. Denn diese müsste sich an der göttlichen Ur-Form der Kirche, an Jesus Christus, orientieren. Re-Formatio hieße, das zu respektieren und zu wollen, was der menschgewordene Gott sollte und will. Es hieße, sich an Seiner Wahrheit zu orientieren. Es hieße, sich eben nicht an der Welt zur orientieren, für die, aber nicht von der die Kirche Jesu Christi ist.

Doch: Es geht um Transformation. Und es geht um eine andere Einrichtung als um die Kirche Jesu Christi. Ja, sprechen wir es ruhig aus: Es geht um Macht. Die will man kreieren und ergreifen – mit allen Tricks. Auch mit der Vortäuschung von Toleranz und Vielfalt, die aber in Wahrheit nicht gewollt und zugelassen ist. Und bei allem, das ist für jeden erkennbar, lugt die Fratze der reaktionärsten Ideologieverführung hervor, die es seit langem gibt und von deren Machtergreifung die katholische Kirche bisher weitgehend verschont wurde: die 68er Zerstörung, die sich als „Revolution“ tarnt und längst den Marsch durch die Institutionen erfolgreich absolviert hat – bis eben auf die katholische Kirche.

Diese Erfolglosigkeit soll nun beseitigt werden. Mit der Klaviatur des „Katholischen“. Und dabei schreckt man sogar nicht vor eigenen Verbotsmantras zurück. Während man – etwa als Präsident eines Zentralkomitees, das nach wie vor in altbackenen und unreformierten Strukturen verharrt und faktenwidrig meint, die (!) Katholiken in Deutschland zu vertreten – mit entliehener und aufblasbarer Cathedra unfehlbar zu verkünden können glaubt, Nationalismus, worunter man stillschweigend und fakenews-kompatibel auch jeden gesunden Patriotismus subsummiert, und Christentum könnten nicht zusammengehen, stellt man alle Weichen für eine nationale deutsche Kirche. Die freilich kann es nicht geben, jedenfalls theologisch nicht, weil jede wirklich katholische Teilkirche ein Teil der weltweiten katholischen Kirche ist, somit es eigentlich nur die katholische Kirche in Deutschland geben kann.

Doch faktisch gibt es sie längst: die deutsche (!) Kirche. Das macht nun auch der Synodale Weg, von dem manche in Unkenntnis gar als „gemeinsamem synodalen Weg“ reden, was übersetzt dann soviel heißt wie „gemeinsamer gemeinsamer Weg Weg“, deutlich. Neu ist, dass man sich gar nicht mehr richtig tarnt, vielmehr siegessichertrunken alle Masken fallen lässt. Beispiele:

Wer noch glaubte, dass es bei diesem sogenannten SynWeg um echtes Zuhören, Toleranz oder gar Vielfalt und sachgerechte Diskussionen gehen könnte, der musste schon am ersten Tag in Frankfurt seinen diesbezüglichen Glauben erschüttert sehen! Da trat eine sich selbst immer wieder definierende „Systematikerin“ auf, die kursorisch aus den Fragebögen zum SynWeg „berichtete“, diese angeblich auswertete – vor allem aber dann nur wertete. Vornehmlich aber abwertete. Alles, was nicht in das Meinungsbild der Dame zu passen schien, kanzelte sie ab – in ruhigem Ton.

Bei den Antworten, die ihr nicht gefielen, sprach sie mehrfach von „Polemik“ (die Botschaft lautete: Achtung, nicht ernstnehmen!), von „auf der Haltungsebene angesiedelt“ oder von „Stereotypen“. Das alles gibt es wohl nach Ansicht dieser „Systematikerin“ nur auf der einen Seite, also bei den Kritikern des SynWegs.

Kein Wunder also, dass die Dame an solchen Stellen immer wieder sagen musste, dass „die Systematikerin in mir“ spreche – was man schon mit wenig Psychologiekenntnissen als täuschende Legimitation zur Vertuschung der Instrumentalisierung Andersdenkender erkennen konnte. Wenn das (!) der „demokratische“ Stil bei SynWeg sein soll, dann tarnen sich hier vielleicht doch üble Fakenews als Reform der Kirche und verraten Absichten, eine deutsche Nationalkirche zu kreieren. Die mehrfache Betonung der „Systematikerin in mir“ – oder wollte sie sagen: Die Gesinnung in mir? – sollte wohl signalisieren, dass es hier um Neutralität und Objektivität gehe. Das Gegenteil aber war wahr! Ein grandioses Ablenkungsmanöver und eine mentale Blendgranate, um von Diskreditierung und Dialogverweigerung abzulenken! Das ist mieser Missbrauch von Toleranz!

Noch deutlicher, oder sagen wir korrekterweise offenbarer, wurde es, als fünf Bischöfe auf die Lehre der Kirche – also der Universalkirche, deren Teil man doch ist oder war (?) – hinwiesen und beantragten, dass Vorlagen, die der Lehre der Kirche widersprächen, nicht zugelassen werden sollten. Diese Hirten der Kirche wurden krachend abgestraft. Ihr Antrag fiel durch. Die Botschaft: Was Kirche ist, interessiert uns – im Unterschied zu den wenigen mutigen Bischöfen – nicht wirklich; uns geht es um Macht und Machtergreifung und Basisdemokratie; wir wollen etwas anderes als die Kirche Jesu Christi.

Und wenn dann ein Diözesanratsvorsitzender seinem Kardinal „bescheinigt“, auch er habe ja nur eine einzige Stimme, dann wird augenscheinlich, dass es nun wirklich nicht mehr um die wirklich katholische Kirche geht, sondern um ein pseudodemokratisches Parlament. Also um eine Art Selbstermächtigung. Denn selbstverständlich hat ein Kölner Kardinal viel mehr als nur eine Stimme. Er ist – auch wenn das der auf Zeit gewählte und ohne jedes Lehr- und Hirtenamt ausgestattete Vorsitzende des Diözesanrates nicht begreifen will oder kann – in der hierarchisch verfassten Kirche Gottes voll verantwortlicher Hirte und Lehrer, nicht aber Mitglied einer vom Souverän gewählten Volkskammer.

Der Souverän der Kirche ist eben kein Geringerer als Gott selbst. Ihm und allem, was Sein menschgewordener Sohn als der (!) Weg, die (!) Wahrheit und das (!) Leben geoffenbart hat, sind die Amtsträger in unverbrüchlicher Treue besonders verpflichtet. Wer das nicht (mehr) sehen und wahrhaben will, hat den katholischen Identitätsgrund der Kirche letztlich schon verlassen. Zur DNA der Kirche, um das Wort eines anderen Bischofs zu entlehnen, gehört nun einmal die Stiftung von oben her.

Die Wahrheit ist das Fundament, auch wenn sie in manchen Mainstream nicht passt und dort regelrecht stört. Die Wahrheit ist kein Ergebnis demokratischer oder pseudodemokratischer SynWege, wo ja schon allein das Ausgrenzen andersdenkender Katholiken viel über Falschheit und Toleranz verrät. Die Wahrheit, auf der die Kirche Jesu Christi gebaut ist und der sie sich gestern, heute und morgen verpflichtet wusste und wissen muss, die Wahrheit allein macht frei. Veritas liberabit vos (Joh 8,32). Daran wird auch eine erfolglose Parteivorsitzende nichts ändern können, die sich – welch ein Zufall – in innerkirchliche und offensichtlich von ihr nicht verstandenen Fragen genau in diesen Tagen einmischte, nur weil sie möglicherweise dem Irrtum unterliegt, das längst entkernte und hohle „C“ im Parteinamen legitimiere zu dumpfen und vermeintlich passgenauen Zwischenrufen aus dem volksfernen Kabinett.

Kurzum: Der 30. Januar war kein guter Tag für die Kirche in Deutschland. Oder vielleicht doch? Immerhin hat er den Blick frei gemacht auf antikirchliche Bestrebungen, bei denen es ausschließlich um Macht und Zerstörung geht, aber keineswegs um Erneuerung oder Mission oder gar missionarischen Eifer in einer gottlos und menschenfeindlich gewordenen Welt, die den Gnadenstrahl der Hoffnung, des Respekts, der Würde, der Achtsamkeit, des Miteinanders, der Toleranz und der Wahrheit in Liebe dringend bräuchte. Sich ihr hingegen anpassen zu wollen, wäre nichts als ein billiger und fahrlässiger Offenbarungseid der Mehrheit einer Gruppierung, die sich im sogenannten Synodalen Weg wichtig nimmt und selbst zelebriert und wo viele – offenbar auch Bischöfe – nicht mehr wissen, was die katholische Kirche im Kern und im Wesen und damit auch in ihrem Auftrag für die Welt ausmacht.

Wer reformieren will, darf sich nicht blenden lassen. Wer reformieren will, darf Missbrauchsfälle nicht zur eigenen Ideologiebemächtigung missbrauchen. Wer reformieren will, muss sich an der Form Jesu Christi orientieren. In diesem Sinne ist die Kirche immer wieder reformbedürftig und reformfähig. Sie ist und bleibt eine ecclesia semper reformanda. Das aber haben manche – bewusst oder fahrlässig – missverstanden. Auch wenn sie von einer eccelesia reformanda sprechen, wollen sie letztlich offenbar nichts anderes als eine ecclesia semper deformanda. Jedenfalls für Deutschland. Von deutschen Katholiken betrieben.

Die göttliche Zusage, dass die Kirche nicht untergehen werde und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen könnten, ist gültig. Aber sie ist keine Territorialgarantie. Allein ein Blick in den Norden Afrikas, wo es einmal rund 300 blühende Bistümer gab, von denen nur noch Sand übrigblieb, macht das deutlich. Der sogenannte Synodale Weg hat die gefährliche Sprengkraft der Totaldeformation. Segen von oben ist jedenfalls kaum erkennbar. Wer die Kirche nur unter dem Rubrum „Macht“ sehen kann, wer etwa seinem Kardinal die Entzauberung der scheinbaren Macht vorwirft, der weiß nicht, was Kirche Jesu Christi ist. Aber alle, die so reden und nur alles ihrem Schmalspurdenken innerweltlicher Machtstrukturen unterordnen und in diese Schubladen pressen wollen, verraten nichts weiter als perfide Machtträume. So gesehen ist das Fazit der ersten Versammlung verheerend. Die Gefahr einer deutsch-nationalen Totaldeformation ist real.

Martin Lohmann ist katholischer Theologe, Historiker und Publizist. Der Journalist ist unter anderem Buchautor und Fernseh-Moderator. Er ist Geschäftsführer der Akademie für das Leben in Bonn http://www.akademiefuerdasleben.de

Pressefoto Martin Lohmann


Foto oben (c) Lohmann Media

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„Das ist nicht Kirche! Das ist Politik“

4. Februar 2020, 13:33

„Wir, die wir uns für die geistige Erneuerung der Kirche einsetzen, werden klein gehalten, unser Rederecht eingeschränkt und wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. “ – Das Tagebuch von Dorothea Schmidt von „Maria 1.0“ bei „Synodaler Weg“
Regensburg (kath.net/pbr) Dorothea Schmidt vertrat Maria 1.0 beim Synodalen Weg. Was sie dabei alles erlebt und bewegt, hält sie in einem Tagebuch fest.

30.01.2020 – Tag 1

Tag 1 der ersten Versammlung des Synodalen Weges: Ich spüre viel Spannung und Ungewissheit. Dann endlich geht es los, die Mitglieder der Synodalversammlung ziehen in die Kirche ein. Verwundert sehe ich, dass sich rechts und links Frauen der Bewegung Maria 2.0 im Spalier aufstellen und verschiedene Banner mit ihren Forderungen hochhalten. Provokation oder ein Schrei um Verständnis?

Ich beschließe, nichts zu unterstellen, sondern während der Hl. Messe mich ganz auf Jesus zu konzentrieren. Doch die Unruhe kam immer wieder hoch: Bewahrer oder Reformer? Wir sollen (und wollen) einander zuhören, akzeptieren – und das ist für jeden hier eine Herausforderung. „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“, diese Worte Jesu bete ich. Es stehen sich eben doch zwei Lager gegenüber. Und man weiß nicht, ob derjenige, der neben Dir sitzt – und beim Bild zu bleiben – dein Freund oder dein „Feind“ ist.

Den Blick auf ihn, den Gekreuzigten gerichtet, hielt ich ihm in der Messe alle Erwartungen und Meinungen, alle Verletzungen, allen Schmerz, alle Hoffnung hin, die die Menschen mitgebracht haben und die besonders spürbar waren als sechs Mitglieder der Synodalversammlung Zeugnis von Ihrem Leben mit Gott gegeben haben.

Nach der Hl. Messe kam ich mit verschiedenen Frauen ins Gespräch, ohne Vorurteil oder Vorwissen und wir hörten einander zu. Sich kennen zu lernen, in Liebe anzunehmen, ist für mich wichtig. Und es wird nochmals klar: Der Synodale Weg ist eine gewaltige Herausforderung. Wie können Menschen, die zwar alle subjektiv das ihrer Meinung nach Beste wollen, die meinen, sie hätten „Recht“, die so unterschiedlich denken und glauben, auf einen Nenner kommen? Ich denke an die Worte von Petrus, als damals die Jünger schwer verunsichert waren: „Herr zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des Ewigen Lebens“.

Ich bin mir sicher, die Lösung für die Gräben und Verunsicherung kann nur diese sein: Nur ER kann uns einen und führen. Er ist stärker als alle menschliche Schwäche und menschlicher Schmerz. Er sieht und kennt uns. Und er hat uns schon erlöst und wird seine Kirche nie im Stich lassen. Wie wunderbar und hoffnungsvoll!

Und so bete ich: Herr, sieh auf deine Kinder und schenk jedem das, was er am meisten benötigt; sei es Hoffnung, Trost, Glaube oder Heilung. Lass Deine Liebe fließen in die Herzen aller Mitglieder der Syodalversammlung. Eine uns, wachse in uns, scheine durch uns und lass Deine Kirche neu aufblühen!

31.01.2020 – Tag 2

Das ist nicht Kirche! Das ist Politik. Und wie es so ist – in der Politik, – herrscht auch mal ein rauer Ton. Es geht ums Recht haben und Recht behalten. Obwohl am 2. Tag der Synodalversammlung nur die Satzung des Synodalen Weges verabschiedet werden sollte, wuchs in mir der Eindruck, dass vorab schon alles eingefädelt, besprochen und geplant war. Jeder Widerspruch wurde im Keim erstickt und die Einwände der Bewahrer abgelehnt. Sowohl im Applaus als auch in den Wahlergebnissen spiegelte sich die ganze Situation wider: Es gibt viele Reformer und wenige Bewahrer. Die Reformer -, vor allem die Laien, – haben das Sagen. Sie dirigieren auch Priester und Bischöfe. Machtumkehrung nennt man das. Bei der Morgenmesse durften Priester und Bischöfe nicht konzelebrieren. Sie mussten später die Hl. Messe auf dem Hotelzimmer feiern. Für den letzten Tag der Synodalversammlung war nicht einmal eine Hl. Messe angesetzt, obwohl es – personell gesehen – keinen Grund dafür gibt: Bei so vielen Bischöfen und Priestern könnte man aus dem Vollen schöpfen. Stattdessen dieses Armutszeugnis. Den Geistlichen sind die Hände gebunden.Soll das die Kirche sein, die sich die Reformer vorstellen? Denn bei einem so wichtigen Ereignis denkt man doch, dass die Eucharistiefeier, aus der die Kirche lebt und die Quelle und Höhepunkt des ganzen kirchlichen Glaubenslebens und wesentliche Sendung der Kirche ist, auch entsprechend würdig und innig gefeiert wird. Ich habe Kirche schon ganz anders erlebt. Und ehrlich: das hat mir besser gefallen. Hier bei der Synodalversammlung fehlt das verbindende Element, welches Christus ist. Neben des Messdesasters ersetzen meditative Impulse von Laien die Anbetung Gottes. Hier geht es um den Menschen: Was er alles kann, will und fordert. Willkommen in unserer neuen Kirche.

Das ist ernüchternd. Und zugleich weiß ich und glaube, dass Gott seine Kirche nie im Stich lassen wird! Die Kirche – mit Christus im Herzen – wird niemals untergehen. Der Moment scheint gekommen, an dem wir uns die Frage stellen sollten: Wem will ich folgen? Einer Kirche mit Jesus im Zentrum oder einer Kirche, in der es vorrangig um den Willen und das Wollen der Menschen geht. Es ist gut, sich diese Frage mal zu stellen. Es scheint nur noch eine Minderheit zu sein, die Jesus nachfolgt. Aber so kann aus einer Handvoll Christen, die Jesus als Stifter der Kirche anerkennen, die Kirche wieder wachsen und aufblühen. Darum bete ich: Herr, lass uns immer auf dich blicken und voller Hoffnung dem Frühling DEINER Kirche entgegengehen! Sende Deinen heiligen Geist, und erneuere das Antlitz der Erde!

01.02.2020 – Tag 3

Heute Morgen besuchte ich die Hl. Messe in der Liebfrauenkirche in Frankfurt, weil es laut Programm der Synodalversammlung am Samstag nur einen von Laien gestalteten Gottesdienst geben sollte. Mit dem Herrn im Herzen betrete ich den Sitzungssaal, setze ich mich auf meinen Stuhl und verfolge, wie die katholische Kirche auf einem neuen Grund konstruiert werden soll; sie soll es denen rechtmachen, denen die kirchliche Moral zu herausfordernd geworden ist. Ich bete immer wieder während der folgenden Wortbeiträge. Wir brauchen den Heiligen Geist. Wir alle.

Wir, die wir uns für die geistige Erneuerung der Kirche einsetzen, werden klein gehalten, unser Rederecht eingeschränkt und wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Während denen, die Reformen einfordern, zugehört wurde und die Redezeit dann eben verlängert wurde, sollen die Bewahrer bitte sofort das Mikrofon verlassen. Fehlte nur noch, dass sie mir den Hahn zudrehen, sprich das Mikro abstellen, weil ich mich nicht habe abblitzen lassen.

Ich denke an den Vortag, an dem ein Antrag von Herrn Picken, der eine gleichberechtigte und transparente Mitgestaltung für ALLE Mitglieder der Synodalversammlung forderte, regelrecht abgeschmettert wurde. Nach dem Motto: Bewahrer adieu, ihr seid eh in der Minderzahl. Mischt euch bitte nicht ein.

Die gleiche Botschaft vermittelten diejenigen, die die Antworten aus der Online-Umfrage zum Synodalen Weg aus der Kategorie „Bewahrer“ polemisch, ja abfällig vortrugen. Zufall?

Jedenfalls gebe ich Herrn Picken Recht. Denn Gerechtigkeit und demokratisches Vorgehen habe ich auch vermisst: Die 30 bis 35 Teilnehmer der vier Synodalforen wurden bis zur letzten Minute nicht bekanntgegeben. Rund 30 Mitglieder der Vollversammlung wurden nicht als Forums-Teilnehmer auserwählt. Stattdessen wurden 15 der vorbereitenden Foren automatisch in die neue Gruppe mit aufgenommen. In jedes Forum konnten nur noch fünf Personen gewählt werden – alle anderen sind bereits vorab gesetzt gewesen. Sieht so die viel gepriesene Partizipation aus?

Dabei sollte alles ganz neu beginnen, als hätte es die Vorbereitung nicht geben. Und selbst die Texte, die zum Abschluss der vorbereitenden Foren verfasst wurden, haben wir vorab erhalten. Sollen sie nun doch die Basis der weiteren Überlegungen bilden? Ich fürchte, so wird es sein.

Aber trotz allem dürfen wir nicht vergessen, dass Christus immer der Sieger ist. Und das stimmt mich dann doch wieder enorm hoffnungsvoll. Also nach vorne schauen! Das gab es schon in der Geschichte bei Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz auch. Sie haben das alles auch erlebt! Und trotzdem hat Gottes Kirche weitergelebt und ist aufgeblüht. Ich glaube, Schwierigkeiten gehören dazu. Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir die Kirche mit durchopfern und durchtragen müssen. Das ist emotional und geistig schwer, wenn man so mittendrin sitzt, in der Synodalversammlung, und mitbekommt, wie Jesus nur formal irgendwie „dazugehört“. Aber trotzdem: Wir haben einen Grund, auf dem wir bauen, einen Grund, Hoffnung zu haben. Und den werden wir uns definitiv nicht nehmen lassen!

Archivfoto: Vertreterinnen der Gruppe Maria 1.0 bei Bischof Voderholzer zu Besuch

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Quelle

„Wie bei Aufhebung der Weimarer Verfassung durch Ermächtigungsgesetz“

Kardinal Müller übt scharfe Kritik am „Synodalen Weg“: „Im suizidalen Prozess hat die Mehrheit beschlossen, dass ihre Entscheidungen auch dann gelten, wenn sie der katholischen Glaubenslehre widersprechen.“

Rom (kath.net) 4. Februar 2020, 07:00

Der frühere Leiter der Römischen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat am Montag gegenüber „LifesiteNews“ schwere Kritik am ersten Treffen des „Synodalen Wegs“ in Deutschland geübt. Wörtlich erklärt Müller in dem Interview: „Im suizidalen Prozess hat die Mehrheit beschlossen, dass ihre Entscheidungen auch dann gelten, wenn sie der katholischen Glaubenslehre widersprechen. Das ist wie bei der Aufhebung der Weimarer Verfassung durch das Ermächtigungsgesetz. Eine selbsternannte Versammlung, die weder von Gott noch den Menschen, die sie angeblich vertreten, autorisiert ist, setzt die Verfassung der Kirche göttlichen Rechtes, die auf dem Wort Gottes (in Schrift und Tradition) beruht, außer Kraft.“

Der Kurienkardinal kritisiert dann deutlich das System der Kirchensteuer in Deutschland und dass es bei diesem Prozess um eine „politische Bekehrung“ geht, die aber nichts mehr mit der Lehre der Apostel zu tun hat: „Die Basis der bischöflichen Autorität ist nicht mehr die „Lehre der Apostel“ (Apg 2, 42) und die „apostolische Vollmacht, im Namen Christi, die Kirche Gottes zu leiten, zu lehren und zu heiligen“ ( Lumen gentium 18- 27), sondern ihre administrativ-disziplinäre Macht über das Geld und das Personal, die sie großzügig mit Laienfunktionären teilen wollen. Diese politische Bekehrung der Kirche ist die Abkehr von ihrer religiösen Sendung. Also: Vorwärts zurück in die Vergangenheit! Das reaktionäre Prinzip lautet: cuius pecunia eius ecclesia.“

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Quelle

P. Hagenkord: So erlebe ich den Synodalen Weg

Unser früherer Redaktionsleiter, Jesuitenpater Bernd Hagenkord, ist Geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs. Wir fragten ihn nach seinen Eindrücken von der ersten Synodalversammlung, die von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt zusammengetreten ist.

Radio Vatikan: Zum Synodalen Weg gab’s schon im Vorfeld eine heiße Debatte mit so mancher Emotionen – Angst, Sorge, Hoffnung und Gestaltungswillen. Wie hast du die Stimmung jetzt bei diesem ersten großen Treffen erlebt, auch jenseits des offiziellen Programms?

Hagenkord: „Die Stimmung war gut, fand ich! Dafür, dass die Gruppe sich ja nicht kennt, sich auch nur selten trifft und demokratische Verfahren ja nicht unbedingt selbstverständlich sind in kirchlichen Abläufen, war die Stimmung sehr gut. Aber auch angespannt, das schon – weil wir natürlich wissen, um was es geht. Dass es nicht irgendwelche Nebenthemen, sondern Hauptthemen sind, die wir besprechen. Doch bei aller Anspannung (oder Störung, die es auch gab) oder nicht so guten Situationen insgesamt: eine sehr gute Veranstaltung, ein sehr guter Auftakt.“

„Die Arbeit fängt erst an“

Radio Vatikan: Laut Programm wurden ja die vier Themenfelder Gewaltenteilung, Sexualmoral, Priester und Frauen vorgestellt. Was wurde dazu gesagt?

Hagenkord: „Zunächst einmal wenig. Es ging um die Vorstellung der Vor-Papiere. Es gab ja Vorarbeiten, die aber nicht bindend sind, sondern eben Vorarbeiten – die wurden vorgestellt. Dann wurden die ganzen Kommentare vorgelesen, die aus dem Internet kamen; es gibt auf der Seite synodalerweg.de ja die Möglichkeit, sich selbst dazu zu verhalten, und das hat Einfluss, das wurde eingebunden. Außerdem gab es eine kleine Aussprache. Doch die eigentliche Arbeit beginnt zu diesen Themenfeldern erst, da gab es noch nicht so viel Input.“

„Die Themen Missbrauch und Verwaltungsgerichtsbarkeit laufen parallel zum Synodalen Weg“

Radio Vatikan: Auch gab es zwei Berichte zu den Themen Missbrauchsaufarbeitung und Entschädigung und zum Thema Straf- und Verwaltungsgerichtsbarkeit. Was ist dabei herausgekommen?

Hagenkord: „Das waren vor allem Informationsveranstaltungen. Die Themen Missbrauch und Verwaltungsgerichtsbarkeit laufen ja parallel zum Synodalen Weg – das sind Ergebnisse der MHG-Studie zum Thema Missbrauch wie der Synodale Weg auch, aber es sind eigene Prozesse. Damit die aber nicht nebeneinander herlaufen, wurden sie hier vorgestellt und wurde erklärt, was geplant ist. Damit man voneinander weiß, sozusagen. Also, viele Debatten gab’s noch nicht, außer dass wir jetzt genauer wissen, was die anderen machen, was Bischof Ackermann weiterhin plant, was die nächsten Schritte sein werden… und vor allem, was die kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit angeht. Das ist jetzt nicht das wildeste, das interessanteste Thema, aber wahnsinnig wichtig, wenn es darum geht, Rechenschaft einzufordern.“

„Schon die halbe Miete“

Radio Vatikan: Inwieweit wurde bei der ersten Synodalversammlung überhaupt auch schon inhaltlich gearbeitet?

Hagenkord: „Es wurde inhaltlich gearbeitet in dem Sinn, dass die Gruppe sich gefunden hat. Dass der Weg sich gefunden hat. Und die Art und Weise, wie gearbeitet wird, sich gefunden hat. Das ist ja sozusagen schon die halbe Miete. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir inhaltlich sagen könnten: Wir sind für dieses und gegen jenes. Aber wir wissen jetzt, wie wir etwas verhandeln, wie wir darangehen, wie wir Vorlagen machen usw. Das klingt alles fürchterlich, aber ist ganz, ganz wichtig auf dem Weg zu stabilen und belastbaren Ergebnissen.“

„Eine fast natürliche Männerlastigkeit“

Radio Vatikan: Wenn man sich die Zusammensetzung der Synodalversammlung ansieht, fällt auf, dass nur ein Drittel Frauen drinsitzen. Wie bewertest du das? Repräsentiert das tatsächlich die katholische Landschaft?

Hagenkord: „Die Veranstaltung ist nicht repräsentativ in dem Sinn ‚ein Mensch, eine Stimme‘, wie wir das aus der Demokratie kennen, sondern will die ganze Bandbreite der katholischen Kirche abbilden. Und da ist es eben so, dass man sagt: Wir wollen alle Entscheider mit drinhaben! Das sind also alle Bischöfe, zum Beispiel; dazu Priester, Diakone, Generalvikare. Das heißt: Es gibt eine fast natürliche Männerlastigkeit. Wenn es um Entscheidungen in der Kirche geht, dann ist das im Augenblick so. Das kann man ändern wollen, aber wir beginnen bei der Realität, und die sieht im Augenblick so aus.

Es ist aber nicht so, dass man das merken würde. Also, wenn man sich die Wortmeldungen ansieht, ist es eben nicht so, dass das Zweidrittel/Eindrittel ist, sondern die Frauen melden sich sehr klar zu Wort. Man merkt überhaupt nicht, dass sie aus einer zahlenmäßigen Minderheitenposition sprechen. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang – es freut mich sehr, dass das so sein kann: dass man nicht erst auf Bischöfe schielt, bevor man sich meldet.“

„Die haben sich richtig Mühe gegeben“

Radio Vatikan: Eine Aufgabe bei der ersten Synodalversammlung war ja die Besetzung der Synodalforen, die die Themenfelder im Laufe des SW weiter erarbeiten – wie ist die ausgefallen? Welche Anteile Geweihte-Nichtgeweihte, Männer-Frauen, Jugendvertreter etc.? Sind einige Mitglieder der Vor-Foren mit drin, oder gab es große Überraschungen? Wie empfindest du die Verteilung in den einzelnen Foren?

Hagenkord: „Das zu beantworten, ist ein bisschen problematisch für mich, weil ich die meisten ja nicht kenne. Ich war ja zehn Jahre im Vatikan, darum kenne ich viele Menschen hier nicht. Aber die Besetzung ist vorgestellt worden – die Art und Weise, wie besetzt wurde, möglichst paritätisch, Ost und West, jung und alt, Mann und Frau… Die haben sich richtig Mühe gegeben, und im Prinzip sieht das auch ganz gut aus. Das Problem ist nur, dass man sagt: ‚Mehr als 35 Leute in so einem Forum? Dann ist es nicht mehr arbeitsfähig, dann kommt nichts Sinnvolles mehr dabei heraus.‘ Das bedeutet aber, dass nicht alle, die in der Synodalversammlung sind, in ein Forum können! Und das ist natürlich ein Streitpunkt. Es lässt sich nicht lösen, aber es hat natürlich für ein bisschen Unruhe gesorgt. Mal sehen, wie man vielleicht Formen findet, die anderen auch mit einzubinden…“

„Unsere Aufgabe war es, immer wieder mal Stopp zu sagen“

Radio Vatikan: Du bist einer der beiden offiziellen geistlichen Begleiter beim SW. Welche Impulse hast du in dieser Rolle in die erste Synodalversammlung einbringen können?

Hagenkord: „Wir haben es ‚EinHalt‘ genannt. So eine Veranstaltung muss auch mal stoppen; sie muss innehalten und gucken, was passiert – und was das mit Gott zu tun hat, mit Kirche und mit Glauben. Wenn eine Debatte erst einmal galoppiert, dann fallen solche Dinge oft zur Seite weg. Das heißt: Unsere Aufgabe war es, immer wieder mal Stopp zu sagen. Zu sagen: Okay, jetzt erstmal durchatmen, die Schultern schütteln – und auch mal sehen, dass man das Ganze Gott hinhält, jeder persönlich… Dass man auch mal betet…

Die meisten Rückmeldungen waren positiv. Ich nenne das eine Weitung: andere Dinge einmal mit einzubeziehen. Nicht nur auf Argument und Gegenargument zu hören, sondern auch auf Geist, auf Kirche, auf mich selber, auf den Anruf Gottes. Und zu überlegen: In welche Richtung kann das hier gehen, mit uns und mit Gott? Das war, glaube ich, ein guter Bestandteil dieser ersten Vollversammlung. Vielleicht sollten wir noch einmal überdenken, wie wir es genau machen (wir wollen ja auch lernen), aber insgesamt war das für mich persönlich und auch für meine Begleiterin eine sehr, sehr gute Erfahrung.“

„Der Weg ist zwar nicht das Ziel – aber der Anfang ist gemacht“

Radio Vatikan: Was sind weitere Ergebnisse dieses ersten großen Treffens?

Hagenkord: „Dass wir einen guten Anfang gemacht. Der Weg ist zwar nicht das Ziel – aber der Anfang ist gemacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das finde ich schon ganz beachtlich…“

(vatican news – sk)

„Synodaler Weg“: Jetzt geht’s los

Erste Synodalversammlung in Frankfurt startet am Donnerstag, 30. Januar 2020

An diesem Donnerstag beginnt die erste Vollversammlung des sogenannten „Synodalen Wegs“ der katholischen Kirche in Deutschland. In Frankfurt am Main treffen sich in bis Samstag, 1. Februar, mehr als 200 Vertreter verschiedener katholischer Gremien und diskutieren über verschiedene – teils äußerst umstrittene – Themen. Der Münsteraner Bischof Felix Genn glaubt jedoch nicht, dass dieser Dialog- und Debattenprozess die Kirche spalten kann.

Bischof Genn geht mit gemischten Gefühlen in den „Synodalen Weg“. Er fahre gespannt zum ersten Treffen in Frankfurt, sagte der Bischof kurz vor seiner Abreise: „Ich gehe mit einer gewissen Anspannung, denn wir kennen uns ja nicht – außer den einzelnen Gruppen, die sich da begegnen werden. Ich weiß natürlich auch nicht, was dabei herauskommt, wie hoch das Vertrauen ist, wie hoch das Misstrauen ist, wie stark die konfliktiven Situationen sich auswirken, die ja alle da sind. Aber letztlich bin ich von der Zuversicht getragen, dass wir in einem guten Miteinander als Christinnen und Christen einen Weg finden werden.“

Kritiker befürchten, dass der „Synodale Weg“ zu einer Kirchenspaltung führen könnte. Bischof Genn hält ein entscheidendes Argument dagegen:

„Ich kann diese Sorge verstehen, weil manches sich auch aufputscht. Aber ich bin der sicheren Überzeugung – und deshalb habe ich von Zuversicht gesprochen –, dass das ja nicht automatisch so kommen muss. Wenn wir ernsthaft miteinander ringen und uns nicht übervorteilen und überfordern, im Heiligen Geist – und das ist die Realität, mit der wir als Glaubende durchaus rechnen müssen – einen gemeinsamen Weg finden werden, der uns zu einer großen Einmütigkeit bringen wird.“

Der „Synodale Weg“ versteht sich als ein Gesprächsformat für eine strukturierte Debatte innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Dies solle der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben, hieß es bei der Vorstellung der Initiative.

(pm – mg)

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Der Bruch mit der Schrift — Sind „die katholischen Bischöfe in Deutschland“ noch normal?

Gerhard Müller – 12. Dezember 2019

Die katholische Theologie muss auch die Ergebnisse und Wertungen der Wissenschaften kritisch auf weltanschauliche Vorurteile hin überprüfen, meint Kardinal Müller. Foto: stock.adobe.com

Das kirchensteuerfinanzierte Portal „katholisch.de“ meldet am Vortag des „Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“: „Bischöfe mit Wissenschaftlern einig: Homosexualität ist etwas Normales.“

„Normal“ – um das Schlüsselwort dieses revolutionären Erkenntnisdurchbruchs aufzugreifen – wäre es allerdings, wenn die Bischöfe ihrem Weiheversprechen treu blieben und „nichts lehren, was nicht überliefert ist, weil das Lehramt das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt, und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft“ (II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution über die Göttliche Offenbarung „Dei verbum“, Art. 10).

Offenbarung in der Schöpfung und Heilsgeschichte

Die Sexualmoral ergibt sich in ihren wesentlichen Prinzipien aus der Offenbarung in der Schöpfung und Heilsgeschichte. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer von uns ausgedachten Theorie über Phänomene des menschlichen Daseins, die das kirchliche Lehramt den Gläubigen zu denken aufzwingt, so wie die Diktatur des Relativismus die Menschen unter den Meinungszwang des Mainstreams zwingt und bei Zuwiderhandeln politisch und juristisch abstraft. Die ganze Kirche und somit auch das Lehramt empfangen die Gewissheit ihrer Glaubens- und Sittenlehre nur aus dem ehrfürchtigen Hören des Wortes Gottes als Grund des zuversichtlichen und treuen Verkündens (vgl. II. Vatikanum „Dei verbum“ 1) und Lehrens im Namen Christi (Matthäus 28,19f).

Die drei Untertitel des Berichtes sind rhetorische Fragen, die nur eine einzige und zwar die zwingende Antwort des sogenannten Synodalen Weges zulassen. Die Fragen wurden so formuliert, dass sie nur ein Ja oder Nein zulassen. Den Synodalen bleibt nur die Akklamation: „Ist das lehramtliche Verbot praktizierter Homosexualität zeitgemäß?“ Antwort: Nein. „Ist die Homosexualität eine normale sexuelle Ausrichtung?“ Antwort: Ja. „Ist eine sexuelle Beziehung nach einer Scheidung ,schwere Sünde‘?“ Antwort: Seit „Amoris laetitia“ nicht mehr.

Schlagzeile mit gezielt manipulativem Charakter

Diese Erkenntnisse verdanken nach dieser Meldung „die katholischen Bischöfe in Deutschland“ ihren Experten aus Medizin und Theologie, von denen sie sich zur Vorbereitung des Synodalen Weges beraten ließen. Die Informationen, die man von dieser „Fachkonsultation“ in diesem Beitrag erhält, sind etwas differenzierter, so dass die Schlagzeile ihren gezielt manipulativen Charakter nicht ganz verbergen kann.

Gebetsmühlenartig weisen „die katholischen Bischöfe in Deutschland jedwede Form einer Diskriminierung von homosexuell veranlagten Menschen zurück“, ohne sich mit der Frage zu befassen, was überhaupt Diskriminierung ist, was die Kriterien des Begehens dieser Untat und ihres Empfundenwerdens sind, und wem näherhin die Definitionshoheit des Gummiparagraphen „Diskriminierung“ bis hin zu juristischen Konsequenzen zukommt. Diese Bischöfe scheinen den Wandel der Zeit noch nicht bemerkt zu haben. Denn tatsächlich werden diejenigen diskriminiert als kriminelle Hass- prediger, Homophobe, Pharisäer und hinter dem Stand der Wissenschaft Zurückgebliebene, die einfach nur die natürliche Wahrheit bekennen, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat und dass Christus die sakramentale Ehe zu einem unauflösbaren Bund gemacht hat, der seine Einheit mit der Kirche im Zeichen darstellt und seine Gnade den Ehegatten wirksam vermittelt.

Glaube setzt die geistig-sittliche Natur des Menschen voraus

In der Tat ist der Dialog der Theologie, insofern sie Auslegung des Wortes Gottes im Glaubensbekenntnis der Kirche ist, mit den Natur-, Geschichts- und Humanwissenschaften – in Verbindung mit der philosophischen Erschießung des menschlichen Selbst- und Weltverständnisses – aus der Natur der Sache heraus unerlässlich. Denn der Glaube setzt die geistig-sittliche Natur des Menschen voraus, reinigt sie von ihrer Kontamination mit der Sünde Adams und den persönlichen Sünden und erhebt sie zu ihrem übernatürlichen und ewigen Ziel in der liebenden Einheit mit Gott in Wahrheit und Leben. Aber die katholische Theologie muss auch die Ergebnisse und Wertungen der Wissenschaften kritisch auf weltanschauliche Vorurteile hin überprüfen. Es gab und gibt den wissenschaftlichen Materialismus und wissenschaftlichen Atheismus und sogar einen wissenschaftlich sich drapierenden Rassismus. Papst Pius XI. hat diese menschenverachtende, doch als „modern“ sich ausgebende Lehre in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ 1937 auf der Basis des natürlichen, das heißt in der Vernunft begründeten, Sittengesetzes und der sich daraus ergebenden allgemeinen Menschenrechte als Pseudowissenschaft entlarvt und zurückgewiesen.

Aber die philosophische Erkenntnis der Existenz Gottes und das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer, Erlöser und Versöhner der Menschheit aufgrund seiner Selbstoffenbarung in Christus hängen nicht vom Weltbild der natürlichen Wissenschaften ab und können schon gar nicht durch ihren ideologischen Missbrauch in Frage gestellt werden. Der übernatürliche Glaube aufgrund der Gabe des Heiligen Geistes kann durch die Wissenschaften weder erwiesen noch widerlegt werden. Denn der Glaube ist ein Akt freier und vernünftiger Zustimmung zu Gott, der sich uns in seinem geoffenbarten Wort zu erkennen gibt, und der in Seinem – in unser Herz ausgegossenen – Geist uns liebt und von uns geliebt wird.

Nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen

Aus der Offenbarung wissen wir sicher, dass Gott uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat und dass darum der Mensch das einzige um seiner selbst willen geschaffene Wesen und damit jeder individuell existierende Mensch eine unmittelbar auf Gott hin bezogene Person ist. Zur Wesensverfassung des Menschen gehört sein leib-geistiges Dasein als Mann oder Frau und ihre ganzheitliche Beziehung zueinander, die in der Ehe eine frei angenommene konkrete Realität wird mit allen wesenseigenen Rechten und Pflichten.

Den Angaben des zitierten Beitrages in „katholisch.de“ zufolge soll es neueste wissenschaftliche Erkenntnis sein, dass eine erotische Anziehung durch einen Menschen des gleichen Geschlechtes sexuelle Akte unter Personen gleichen Geschlechtes ethisch unbedenklich macht und dass sich daraus zwingend ein Recht auf Triebbefriedigung ergibt. Daraus folge, dass sich derjenige am Glück des so Handelnden schuldig macht, der mit Berufung auf das natürliche Sittengesetz und die geoffenbarten Gebote Gottes die homosexuellen Handlungen – und alle anderen außerhalb einer legitimen Ehe – als Widerspruch zum heiligen Willen Gottes, also als Sünde, zu bezeichnen wagt. Hier steht das kirchliche Lehramt unter Anklage, dem man ein Verbot solcher vermeintlich glückschaffender Handlungen vorwirft. Außer Acht bleibt, dass die Gebote Gottes und das Verbot der Sünde von Gott kommen und dass das Lehramt nur die Aufgabe hat, „die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, zu lehren“ (1 Tim 5,3), und dass Papst und Bischöfe über keine Vollmacht verfügen, sie den Wünschen der Menschen anzupassen. Entsprechend dieser Meinung über die Normalität homosexueller Handlungen, die man nicht mit Argumenten belegt, sondern die nur behauptet wird, müsste man den Glauben an das Wort Gottes durch den Glauben an die Wissenschaft und eine blinde Ergebenheit an die Autorität der modernen Wissenschaftler ersetzen.

„Der Mensch ist seinem geistig-leiblichen
Wesen nach Mann oder Frau“

Der Mensch ist seinem geistig-leiblichen Wesen nach Mann oder Frau. Und die sexuelle Vereinigung der beiden anatomisch aufeinander bezogenen Leiber und die nur zwischen Mann und Frau mögliche innigste Freundschaft in Seele und Geist, ermöglicht die leibliche und geistliche Fruchtbarkeit, durch die Gott den Menschen würdigt, an seinem Schöpfertum teilzuhaben.

Eine andere Frage ist es, wie erotische Anziehung durch das gleiche Geschlecht entsteht, die als solche nicht Sünde ist, im Unterschied zu allen geschlechtlichen Handlungen außerhalb der Ehe von Mann und Frau. Auch wird der Staat übergriffig, wenn er eine unter mehreren wissenschaftlichen Erklärungen dieses Phänomens als alleingültig gesetzlich schützt und alle anderen legitimen ethischen Positionen dazu unter Strafe stellt.

Die Alleinherrschaft von politischen, soziologischen und psychologischen Denkmustern ohne ein Hören auf Gottes Wort und ohne die Einheit mit ihm im Gebet und ohne die Treue zum Credo der Kirche würde mit Sicherheit den Synodalen Weg im Desaster einer verheerenden Selbstsäkularisierung verenden lassen. Eine neue Evangelisierung Deutschlands, wie sie Papst Franziskus erbeten hatte, kommt nur im Geiste des heiligen Bonifatius und all der großen Männer und Frauen, die die christliche Kultur unserer Heimat geprägt haben und der überzeugenden Christen des Alltags zustande.

Eigener Wunsch darf nicht Vater der Hermeneutik werden

Die von zwei Bischöfen bei diesem Treffen aufgestellte Behauptung, dass das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ von nun an „die sexuelle Beziehung nach Scheidung und Wiederheirat nicht weiter pauschal als schwere Sünde werte“, ist formal und inhaltlich falsch. Man muss den Text genau lesen und darf den eigenen Wunsch nicht zum Vater seiner Hermeneutik machen. Es geht nur darum, dass in manchen Fällen die Frage nach der Gültigkeit der kirchlich geschlossenen Ehe hinsichtlich der Bewertung ihrer sakramentalen Realität – in der geistigen sittlichen Desorientierung der nachchristlichen Gesellschaften – nicht von vornherein so einfach zu beantworten ist. Manche sehen in der Tatsache, dass Papst Franziskus die Bischöfe, die dies so verstehen, fördert und diejenigen, die diese Deutung als unvereinbar mit dem geoffenbarten Glauben der Kirche zurückweisen, abwertet und ausgrenzt, als Beweis ihrer – objektiv allerdings falschen – Interpretation.

Dass die sakramentale Vereinigung mit Christus in der heiligen Kommunion die Einheit mit ihm im Glaubensbekenntnis und in einer moralischen Lebensführung voraussetzt, ist aus der Natur dieses Sakramentes heraus evident, im Wort Gottes positiv begründet und vom Lehramt der Kirche beständig verkündet. Ehebruch ist objektiv immer schwere Sünde, deren schädliche Wirkung – so wie bei allen anderen schweren Sünden, die vom Reich Gottes ausschließen (1 Korinther 6,10) – nicht durch großzügige Bischöfe, die es mit dem Wort Gottes nicht so genau nehmen, sondern nur durch Reue und Umkehr, Beichte und Absolution Vergebung findet, wodurch die Gnade den Weg zur Versöhnung mit Gott und der Kirche eröffnet. Die Kirche urteilt durch den Priester im Bußsakrament über die äußeren Handlungen – gemäß den Geboten Gottes und der Kirche – aber nie über das Innere der Person, über die allein Gott richtet.

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