Möchte Bischof Kräutler eine „amazonisch-katholische“ Sekte?

17 Juli 2019, 12:00

Ein kath.net-Kommentar von Weihbischof Athanasius Schneider zu den Forderungen von Bischof Erwin Kräutler und des Arbeitsdokuments der Amazonassynode

Linz (kath.net)
In seinem Interview mit dem ORF vom 14. Juli 2019 sagte Bischof Erwin Kräutler, es sei „beinahe ein Skandal“, dass in vielen Gemeinden Amazoniens die Eucharistie kaum gefeiert wird. Diese Sprechweise an sich ist schon unklar und eindeutig tendenziös. Niemand hat ein Recht auf die Eucharistie. Das Sakrament der Eucharistie ist die Gabe Gottes schlechthin. Von einem Skandal in den katholischen Gemeinden kann man sprechen, wenn dort der Glaube verleugnet und nicht gelebt wird, wenn dort Gott beleidigt wird durch die Verachtung Seiner Gebote, durch grobe Sünden gegen die Nächstenliebe, durch Götzendienst, Schamanismus und dergleichen. Von einem Skandal in einer katholischen Gemeinde kann man sprechen, wenn dort nicht genügend gebetet wird. Das wäre ein wahrer Skandal.

Man müsste eher von einem Skandal sprechen, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass man in den letzten Jahrzehnten in Amazonien offensichtlich keine intensive Berufungspastoral gemacht hat und zwar gemäß der bewährten zweitausendjährigen Erfahrung der Kirche, nämlich durch inständige Gebete, geistige Opfer, heiligmäßiges Lebensvorbild von Missionaren. Eines der wirksamstes Mittel zur Weckung von soliden Priesterberufungen auch in Amazonien sind Missionare, die ein Leben als wahre Männer des Gebets, als wahre Apostel führen, d.h. durch ein Leben der liebe- und opfervollen Ganzhingabe an Christus und an die Rettung der unsterblichen Seelen.

Das, was Bischof Erwin Kräutler und viele seiner klerikalen Gesinnungsgenossen fördern, sind eher Karikaturpriester in der Gestalt von Entwicklungshelfern, NGO-Mitarbeitern, sozialistischen Syndikalisten und Ökologiespezialisten. Darin aber besteht nicht die Sendung Jesu Christi, des Menschgewordenen Gottes, der gekommen ist, um Sein Leben am Kreuze hinzugeben, damit alle Menschen vom größten Übel erlöst werden, nämlich der Sünde, und damit alle Menschen das Göttliche und übernatürliche Leben haben, und es in Fülle haben (vgl. Joh. 10, 10).

Der Trick mit der Dramatisierung des „eucharistischen Hungers“ oder des Mangels an Eucharistiefeiern hält nicht stand, weil der Empfang der Eucharistie an sich nicht heilsnotwendig ist, jedoch aber der Glaube, das Gebet, ein Leben nach den Geboten Gottes.

Wenn Katholiken lange Zeit aufgrund von Priestermangel keine hl. Kommunion empfangen können, dann soll man sie anleiten, die geistige Kommunion zu pflegen, die eine große geistige Kraft und Wirkung hat. Die Wüstenväter z.B. haben jahrelang ohne Eucharistie gelebt und sind zu einer großen Christusverbundenheit gelangt. Meine Eltern und ich selber konnten in der Sowjetunion jahrelang keine hl. Kommunion empfangen. Wir haben aber immer die geistige Kommunion gepflegt, die uns große geistige Kraft und Trost gab. Wenn dann ein Priester kam, und wir beichten, am Messopfer teilnehmen und sakramental die hl. Kommunion empfangen konnten, dann war es ein wirkliches Fest und wir haben es ganz tief und freudig erlebt, wie kostbar die Gabe des Priestertums und der Eucharistie ist.

Man sollte in Amazonien ein gut organisiertes System aufbauen mit wandernden Priestermissionaren, die an den einzelnen Orten, wenn auch nur mehrmals im Jahr, jeweils ein wahres geistiges Fest mit guten Beichten und würdig gefeierten hl. Messen halten sollten und den Katholiken Jesus im Tabernakel zur Anbetung lassen, und diese anleiten Stunden eucharistischer Anbetung zu halten und den Rosenkranz zu beten, in der Intention um gute einheimische ehelose Priester und gute christliche Familien zu erflehen. Dann wird Gott zweifellos ihnen diese Gnade schenken. Man sollte auch einen weltweiten Aufruf machen, um Priester einzuladen, nach Amazonien zu kommen, um den Menschen dort seelsorglich beizustehen. Man kann ja auch verheiratete Diakone weihen oder in Ausnahmefällen Akolythen beauftragen oder treue katholische Frauen, die das Allerheiligste aussetzen könnten und Gebete leiten.

Einmalig bleibt in der Kirchengeschichte das Beispiel der japanischen Katholiken, die in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren den katholischen Glauben ohne Priester bewahrt haben. Heute hat Japan genügend eigene einheimische Priester, natürlich ehelose. Obwohl die heidnische Kultur Japans ein eheloses Priestertum damals ablehnte, haben die japanischen Katholiken das ehelose Priestertum für so groß gehalten, dass es ein Erkennungszeichen der Katholiken wurde. Nachdem nämlich zu ihnen wieder christliche Missionare im 19. Jahrhundert kamen, unter ihnen auch verheiratete protestantische Prediger, haben sie diese aus diesem Grund abgelehnt. Als aber dann katholischen Priester kamen und die japanischen Katholiken sie gefragt haben ob sie verheiratet sind, und diese es verneint haben, wurde sie als Priester der wahren Kirche Jesu Christi von diesen Gläubigen angenommen. Die Kirche hätte im 19. Jahrhundert z.B. dieselben Argumente vorbringen können, wie es heuer die Amazonasynode tun wird, um einheimische verheiratete Priester zu weihen, weil ja auch damals viele Gemeinden in einigen Missionsgegenden nur ein paar Mal im Jahr den besuch eines Priesters haben konnten.

Die Priesterehe wurde in der Ostkirche im 7. Jahrhundert legalisiert nicht wegen Priestermangel, es gab damals gerade in Konstantinopel einen Überschuss von Priestern, sondern wegen dem Nachgeben der menschlichen Schwäche, wegen dem Abrücken von der apostolischen Regel des geschlechtlich enthaltsamen Lebens derjenigen, die im Bischofs- und Priesteramt Jesus Christus, den Ewigen Hohepriester des Neuen Bundes nachahmen und im Weihesakrament in der Person Christi des Hauptes handeln. Das war damals in der griechischen Kirche eine regionale Lösung einer Ortskirche, die die römischen Päpste aber nicht anerkannten. Es handelte sich dabei um ein Abrücken von und eine Untreue gegenüber der fordernden Nachfolge Christi, die die Apostel in der vollständigen geschlechtlichen Enthaltsamkeit nach ihrer Berufung bis zu ihrem Tod gelebt haben. Der Apostel Peter hat diese Lebensweise nämlich klar bekannt und bestätigt: “Wir haben alles verlassen: auch Frau und Kinder“ (Mt. 19, 27).

Das geschlechtlich enthaltsame Priestertum haben alle Väter der Kirche im Bischofs- und Priesteramt gelebt. Auch wenn einige verheiratet waren (wie z.B. der hl. Hilarius), so haben sie erwiesenermaßen nach dem Empfang der Bischofs- bzw. Priesterweihe geschlechtlich enthaltsam gelebt und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie die apostolische Regel der priesterlichen und bischöflichen Enthaltsamkeit kannten und respektierten.

Die römische Kirche hat diese apostolische Norm treu weitergeben und sie stets verteidigt bis in unsere Tage, mit einer Ausnahme, die sie den Ostkirchen bei den Unionsverhandlungen mit dem Apostolischen Stuhl seit dem Unionskonzil von Lyon und Florenz gewährte durch das Zugeständnis eines verheirateten Priestertum um der Einheit willen.

Die Einführung eines verheirateten Priestertums in Amazonien würde keine wahren Apostel, sondern eher eine neue Priesterkategorie mit einer Art Dynastie hervorbringen, wobei man die Tatsache berücksichtigen sollte, dass die einheimische Kultur der amazonischen Völker noch nicht zur tragenden und bewährten Reife ganzer christlicher Generationen kam, die ganz vom Geist des Evangeliums durchdrungenen wäre.

Die germanischen Völker z.B. haben nach der anfänglichen systematischen Evangelisierung durch den hl. Bonifatius auch noch einige Jahrhunderte gebraucht, bevor sie dazu fähig waren, dass aus ihnen ein zahlreicher bewährter eheloser einheimischer Klerus hervorging.

Ohne Zweifel gab es in Amazonien im 19. und in 20. Jahrhundert heroische und heiligmäßige Missionare: Bischöfe, Priester, Ordensschwestern. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich allerdings einige Missionare in Amazonien vom wahren Geist Jesu Christi, der Apostel und der heiligen Missionare abgewandt und sich dem Geist dieser Welt zugewandt. Sie predigen nicht mehr mit voller Überzeugung den einzigen Erlöser Jesus Christus und bemühen sich nicht genügend, Sein übernatürliches Leben der Gnade an die Menschen in Amazonien zu vermitteln, um sie somit zum ewigen Leben, sie in den Himmel führen, und das unter dem Einsatz des eigenen Lebens. Es geschah oft das Gegenteil. Unter Missbrauch des Namens Jesu, unter Missbrauch des heiligen Bischofs- und Priesteramtes haben Missionare und sogar Bischöfe den Menschen in Amazonien vorwiegend ein Evangelium des irdischen Lebens, ein Evangelium des Bauches und nicht ein Evangelium des Kreuzes, ein Evangelium der Anbetung der Natur, des Waldes, des Wassers, des Sonne, ein Evangelium der Anbetung dieses so kurzen irdischen materiellen Lebens gepredigt, wobei die Menschen auch dort im Grunde nach den Quellen des göttlichen ewigen Lebens dürsten. So eine Missionierung Amazoniens bedeutet einen Verrat des wahren Evangeliums und dieser Verrat wurde in den vergangenen Jahrzehnten in weiten Teilen jener Region betrieben. Man möchte jetzt den Verrat der wahren übernatürlichen Evangelisierung im Geist der Jesu und der Apostel noch durch eine Bischofssynode auf Weltebene legitimieren.

Amazonien braucht dringend wahre heilige Missionare nach dem Geist und dem Lebensbeispiel der großen Missionare der Kirchengeschichte, wie der hl. Bonifatius, der großen lateinamerikanischen Missionsheiligen, wie z.B. des hl. Turibio de Mogrovejo, des hl. Jose Anchieta und vieler anderer mehr.

Bischof Kräutler begründet in seinem Interview die Priesterweihe von Frauen zu Feier der Eucharistie mit deren “Einfühlungsvermögen”. Hier handelt es sich offenkundig um ein anderes Verständnis von Kirche und Eucharistie, ein anderes Verständnis von Priestertum und Diakonenamt.

„Einfühlungsvermögen“ ist kein tragendes theologisches Kriterium, sondern der Wille Gottes. Die Kirche Gottes ist nicht ein Konzern, eine Partei, ein Club, eine menschliche Einrichtung, wo an erster Stelle menschliche Effizienz und Einfühlungsvermögen stehen, wenn auch solche Eigenschaften durchaus nützlich sind. Die Kriterien für das Amt der Apostel und deren Nachfolger im Bischofsamt und untergeordnet im Priesteramt und dann auch im Diakonenamt müssen dieselben sein, die Christus uns vorgab und die dir Kirche immer bewahrt hat: es sind zunächst Männer, und dann müssen sie eine sittliche und charakterliche Eignung haben. Sie müssen Männer des Glaubens sein, voll des Hl. Geistes, bereit in Ehelosigkeit zu leben, Männer, die das Gebet und die Verkündigung der Lehre Christi an die erste Stelle setzen, Männer, die bereit sind wahre Hirten zu sein, und ihr Leben hinzugeben für die Rettung der unsterblichen Seelen, der ihnen anvertrauten Menschen. Männer die wahre Väter aller Gläubigen sind, und nicht einer begrenzten persönlichen Familiendynastie. Männer, die wahre Bräutigame der Braut Christi, der Kirche sind und deshalb als solche Väter und Bräutigame ehelos sind.

Der hl. Irenäus bezeugt die Einheit des Glaubens und der Disziplin der Kirche schon im 2. Jahrhundert bei allen Völkern, auch wenn die bekehrten Katholiken damals aus so unterschiedlichen und teils gegensätzlichen Kulturen kamen: „Die Kirche bewahrt, obwohl sie über die ganze Welt zerstreut ist, sorgfältig den Glauben der Apostel, als ob sie in einem einzigen Haus wohnte; auf dieselbe Weise glaubt sie an diese Wahrheiten, als ob sie nur eine Seele und dasselbe Herz hätte; in voller Übereinstimmung verkündigt, lehrt und überliefert sie diese Wahrheiten, als ob sie nur einen Mund hätte. Es gibt verschiedene Sprachen auf der Welt, aber die Kraft der Überlieferung ist einzig und dieselbe: Die in Germanien gegründeten Kirchen glauben und überliefern nicht anders als die in Spanien oder bei den Kelten, die im Orient oder in Ägypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt“ (Adversus haereses 1,10,1-2).

Viele der ersten neu bekehrten katholischen Gemeinden in den germanischen Völkern in der Zeit der Völkerwanderung (4. – 6. Jahrhundert) hatten vielleicht auch nur ein paar Mal im Jahr die Möglichkeit an der hl. Messe teilzunehmen und die hl. Kommunion zu empfangen. Nach einigen Generationen aber, sind aus diesen germanischen Gemeinden Generationen von ehelosen und im allgemeinen vorbildlichen Priestern hervorgegangen.

Die Verfechter eines verheirateten amazonischen Klerus unter Verwendung des Tricks der elegant formulierten Losung „bewährten Männer“ („viri probati“) halten die amazonischen Völker im Grunde für minderwertig, indem sie ihnen von vornherein die Fähigkeit absprechen, der Kirche aus ihrer Mitte ehelos lebende Priester zu schenken. Im Laufe von zweitausend Jahren waren alle Völker und selbst Barbaren dazu fähig, mit Hilfe der Gnade Christi ihre eigenen Söhne zu einem ehelosen Priestertum nach dem Vorbild Jesu Christi zu erziehen. Die Forderungen nach verheirateten Priester für die amazonischen Völker, die ausgerechnet Kleriker europäischer Abstammung vorbringen, verbirgt in sich einen verkappten Rassismus. Zugespitzt formuliert könnte es so klingen: „Wir Europäer, d.h. wir Weiße, sind zu einem ehelosen Priestertum schon fähig. Für Euch Amazonier ist das aber eine Nummer zu groß!“.

Es geht den Verfechtern eines verheirateten amazonischen Klerus, die eigentlich fast alle europäischer und nicht indigener Abstammung sind, letztlich nicht um das wahre geistige Wohl der amazonischen Gläubigen, sondern um das Durchsetzen ihrer eigenen ideologischen Agenda, die darin besteht, einen verheirateten Klerus auch in Europa und dann in der ganzen lateinischen Kirche zu haben. Denn alle wissen es, dass es nach der Einführung eines zunächst regional begrenzten verheirateten Klerus im Amazonien, durch den Dominoeffekt innerhalb einer relativ kurzen Zeit einen regulären verheirateten Klerus des römischen Ritus auch in anderen Teilen der Welt geben wird. Dadurch wird das apostolische Erbgut eines ehelos lebenden Priestertums nach dem ausdrücklichen Lebensvorbild Jesu Christi und Seiner Apostel in der ganzen Kirche vernichtet.

Einige Katholiken, die sicherlich nicht die Mehrheit der wahren Gläubigen repräsentieren, sondern Funktionäre einer reichen kirchlichen Bürokratie sind und klerikale Machtpositionen in der Kirche errungen haben, wollen weltlich lebende Menschen mit einem verheirateten Priestertum anlocken, mit einem Priestertum ohne Opfer, ohne Selbsthingabe, ohne übernatürliche brennende Gottesliebe.

Was die Kirche tun sollte, damit die Gläubigen Priester haben, hat der Herr selber gesagt: “Bittet den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende” (Mt. 9, 38). Es gibt kein besseres und wirkungsvolleres Mittel als dies. Wenn es eines gäbe, hätte es uns der Herr gesagt.

Um verheiratete Kandidaten zur Priesterweihe zu haben, dazu braucht es keiner besonderen Gebetseinsätze. Es wird immer bis ans Ende der Zeit wenige Arbeiter im Weinberg des Herrn geben. In einer Zeit, in der es viele Priester gab, sprach der heilige Papst Gregor der Große diese bedenkenswerte Worte: “Siehe, die Welt ist voll von Priestern, aber doch findet man in der Ernte des Herrn selten Arbeiter” (In Ev. hom., 34). Gott bewirkt Sein Werk der Gnade und der Rettung der Seelen für das ewige Leben immer durch Opfer und oft durch wenige und nicht durch eine große Menge. In diesem Sinne sagte der hl. Gregor von Nazianz, dass Gott keinen Gefallen an Zahlen habe (vgl. Or. 42, 7).

Bischof Erwin Kräutler fragt dann im Interview: “Was können wir als Kirche tun, damit diese Leute Eucharistie feiern können?“ Das Gemeindeleben funktioniere wunderschön, „aber es fehlt am Zentrum.“ Die Antwort darauf ist diese: Das Zentrum ist Christus, die Wahrheit, die Er lehrte, das Beispiel, das Er gab. Der Tabernakel ist das wahre Zentrum der Kirche hier auf Erde und einer jeden Ortsgemeinde. Hat eine katholische Gemeinde in Amazonien den Tabernakel, und das haben ja fast alle, dann hat sie das Zentrum, dann fehlt ihr letztlich nichts, weil sie Gott selber in ihrer Mitte hat, Gott mit Fleisch und Blut gegenwärtig in ihrer Mitte!.

Damit die Katholiken in Amazonien eigene und nach Möglichkeit zahlreiche Priester haben, muss man sie um die Tabernakel versammeln. Dort sollen die katholischen Mütter und Kinder innige Gebete an Gott, den Spender aller Gaben, richten um gute, ehelose und apostolisch gesinnte einheimische Priester. Man soll eine Kette von eucharistischen Anbetungen in ganz Amazonien starten. Solch eine eucharistische Anbetungskette der einfachen Gläubigen mit ihren Bischöfen und mit wenn auch wenigen Priestern, wird zweifellos in der von Gott bestimmten Zeit den Völkern Amazoniens Priester nach dem Herzen Jesu schenken. Die amazonischen Völker soll man nicht für eigene dekadente, in Europa fabrizierte, Ideologien und theologische Häresien ausnutzen.

Weite Teile des Arbeitsdokuments (Instrumentum laboris) der Amazonassynode und die Forderungen jener Kleriker schmücken mit Losungen wie „bewährte Männer“, „eucharistischer Hunger“, „weibliches Einfühlungsvermögen“ das Bild Christi des Königs, gleichsam wie mit kostbaren Steinen, um so leichter Priesterehe und Frauenordination durchzusetzen. Die wahren Katholiken Amazoniens und anderer Teile der Welt werden aber darin das Bild des Fuchses erkennen und es nicht für das Bild Jesu Christi des Königs halten. Weite Teile des Instrumentum laboris und die revolutionären Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen stellen in der Tat eine Geisteshaltung dar, die sehr an die Gnosis und den Naturalismus erinnert, die schon früh in die Kirche eindringen wollte, wie es der hl. Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert bezeugt: „Das sind nun ihre Lehrmeinungen, die weder die Propheten verkündeten, noch der Herr lehrte, noch die Apostel überlieferten, die sie besser zu verstehen sich rühmen als alle anderen, die niemals gelehrt, nirgends in der Schrift enthalten sind, und die sie doch vorlesen. Indem sie, wie man so sagt, aus Sand Seile flechten, suchen sie ihren Lehren die Parabeln des Herrn, die Aussprüche der Propheten oder die Worte der Apostel anzupassen, damit ihr Hirngespinst nicht ohne Zeugnisse bleibe. Aber die Ordnung und den Zusammenhang der Schriften übertreten sie und lösen nach Kräften die Glieder der Wahrheit auf. Sie versetzen und stellen um, verändern völlig den Sinn und täuschen viele durch ihre trügerische Zusammenstellung der Reden des Herrn. Gleichwie wenn jemand an dem von einem weisen Künstler aus bunten Steinen schön zusammengestellten Bilde eines Königs die zugrunde liegende menschliche Gestalt auflösen, die Steine versetzen und umändern, die Gestalt eines Hundes oder Fuchses machen und dazu noch schlecht ausführen wollte und behaupten, das sei jenes schöne Bild des Königs, das der weise Künstler fertigte, um so durch sein Steingebilde die Unerfahrenen in Irrtum zu führen, die keine Ahnung von der wirklichen Gestalt eines Königs haben, und ihnen einzureden, die stinkende Figur des Fuchses sei das schöne Bild des Königs — auf genau dieselbe Weise flicken auch diese Märchen zusammen, reißen dann Reden, Worte und Parabeln aus ihrem Zusammenhang und wollen diese Worte des Herrn ihren Fabeln anpassen“ (Adversus haereses 1, 8, 1).

Es ist offenkundig, dass der Inhalt weiter Teile des Instrumentum laboris, die Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen eigentlich eine neue christliche Konfession wollen, die dann vielleicht „Amazonisch-katholische Kirche“ heißen wird, die aber letztlich eine Sekte wird im Vergleich zu der wahren einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Diese ging und geht sicher durch alle Zeiten, immer dieselbe bleibend in der unbedingten Treue zur Reinheit des Glaubens und des großen unabänderlichen Erbgutes der Apostel in der Liturgie und der Disziplin der Kirche. Die Katholiken unserer Zeit werden solch einer „Amazonisch-katholischen“ Sekte, die Naturanbetung pflegen und Frauenpriestertum haben wird, die Worte zurufen, die der hl. Augustinus einst den donatistischen Sektanten sagte: „Die Kirche die auf der ganzen Welt ist in ihren Urteilen der Wahrheit sicher!“ (securus iudicat orbis terrarum: Contra epistolam Parmeniani 3, 3).

Der Nachfolger Petri, der Papst, hat eine ihm von Gott streng aufgetragene Pflicht als Inhaber der Kathedra der Wahrheit (cathedra veritatis), die Wahrheit des katholischen Glaubens, der göttlichen Verfassung der Kirche, der von Christus gestifteten Ordnung der Sakramente und des apostolischen Erbgutes priesterlicher Ehelosigkeit in ihrer Reinheit und Unversehrtheit zu bewahren und an seinen Nachfolger und die nächste Generation weiterzugeben. Er darf die offenkundig gnostisch und naturalistisch geprägten Inhalte einiger Teile des Instrumentum laboris sowie die Abschaffung der apostolischen Pflicht der priesterlichen Ehelosigkeit (die zunächst regional ist und dann naturgemäß schrittweise universal wird) durch sein Schweigen oder durch ein zweideutiges Verhalten nicht im geringsten unterstützen. Selbst wenn der Papst das in der kommen Amazonassynode tun würde, dann würde er seine Pflicht als Nachfolger Petri und Stellvertreter Christi schwer verletzen und kurzzeitig eine geistige Sonnenfinsternis in der Kirche verursachen. Aber diese kurze Eklipse wird Christus, die unbesiegbare Sonne der Wahrheit, wieder erhellen, in dem Er Seiner Kirche erneut heilige, mutige und treue Päpste schenken wird, denn die Pforten der Hölle können den Felsen Petri nicht überwältigen (vgl. Mt. 16, 18) und das Gebet Christi für Petrus und seine Nachfolger ist unfehlbar, dass sie nämlich nach ihrer Bekehrung, die Brüder im Glauben wieder stärken werden (vgl. Lk. 22, 32).

Die Wahrheit, die der hl. Irenäus formuliert hat, bleibt auch in der Zeit einer zeitweiligen geistigen Sonnenfinsternis in der Kirche – wie es die unsere Zeit durch die unbegreifliche Zulassung Gottes ist – bestehen: „Denn in der römischen Kirche ist immer die apostolische Tradition bewahrt seitens der Gläubigen, die überall sind“ (Adversus haereses 3, 3, 2).

+ Athanasius Schneider ist Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

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Quelle

Kardinal Müller: „Gott ist nicht einfach überall“

Kurienkardinal Gerhard Müller geht in einem aktuellen Schreiben auf das Offenbarungsverständnis des „Instrumentum laboris“ für die Amazonas-Synode ein. Die „Tagespost“ veröffentlicht das Dokument im Wortlaut.

Anstatt das Christentum durch die Sakralisierung des Kosmos, der biodiversen Natur und der Ökologie zu einer Heilswissenschaft zu machen, ist auf die Mitte und den Ursprung unseres Glaubens zu schauen, meint Kardinal Müller. Foto: Andreas Arnold (dpa)

 

Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist:
Jesus Christus“
(1 Korinther 3,11)

Zur Methode des Instrumentum laboris (IL)

Allen, die bei der Vorbereitung und der Durchführung der Synode für die Kirche in Amazonien mitwirken, wird niemand den guten Willen absprechen, alles Mögliche zu tun, um den katholischen Glauben unter den Bewohnern dieses riesigen Gebietes und in seiner faszinierenden Landschaft zu fördern. Der Amazonas soll für Kirche und Welt „als pars pro toto gelten, als Paradigma, als eine Hoffnung für die ganze Welt.“ (IL 37)

Schon bei dieser Aufgabenstellung zeigt sich die im Instrumentum laboris immer wiederkehrende Idee der „integralen“ Entwicklung aller Menschen in dem einen Haus der Erde, für das die Kirche sich nun zuständig erklärt. Der Text ist in drei Teile aufgebaut: 1. Die Stimme des Amazonas; 2. Integrale Ökologie: Der Schrei der Erde und der Armen; 3. Prophetische Kirche in Amazonien: Herausforderung und Hoffnung. Die drei Teile sind nach dem Schema aufgebaut, dessen sich auch die Theologie der Befreiung bedient: Sehen der Situation – Urteilen im Licht des Evangeliums – Handeln zur Herstellung besserer Lebensbedingungen.

Ambivalenz in der Bestimmung der Begriffe und Ziele

Wie oft bei der Erstellung solcher Art von Werkstatt-Texten arbeiten immer Teams von Gleichgesinnten an den einzelnen Teilen, so dass sich ermüdende Redundanzen ergeben. Nähme man alle Wiederholungen konsequent heraus, ließe sich der Text leicht auf die Hälfte und weniger reduzieren.

Aber  nicht die quantitative Überlänge ist das Hauptproblem, sondern die Tatsache, dass die Schlüsselbegriffe nicht geklärt und inflationär gebraucht werden: Was ist synodaler Weg, was integrale Entwicklung, was soll man unter einer samaritanischen, missionarischen, synodalen offenen Kirche, der Kirche im Aufbruch (chiesa in uscita), der Kirche der Armen, des Amazonas etcetera verstehen? Ist die Kirche etwas anderes als das Volk Gottes oder nur als die Hierarchie von Papst und Bischöfen zu verstehen, oder ist sie ein Teil von ihr oder steht sie dem Volk gegenüber? Ist Volk Gottes ein soziologischer oder theologischer Begriff? Oder ist sie nicht vielmehr die Gemeinschaft der Gläubigen mit ihren Hirten auf der Pilgerschaft zum ewigen Leben? Sind es die Bischöfe, die den Schrei des Volkes hören sollen oder Gott, der wie einst dem Mose in der Sklaverei Israels in Ägypten nun den Nachfolgern der Apostel den Auftrag erteilt, die Gläubigen aus der Sünde und Gottverlorenheit des säkularistischen Naturalismus und Immanentismus zu seinem Heil in Gottes Wort und den Sakramenten der Kirche hinzuführen?

Auf den Kopf gestellte Hermeneutik

Ist die Kirche Christi von ihrem Stifter nur wie ein Rohmaterial in die Hände der Bischöfe und Päpste gegeben worden, die sie nun – unmittelbar erleuchtet vom Heiligen Geist – zu einem zeitgemäßen Instrument auch mit innerweltlichen Zielen umbauen können?

Bei der Anlage dieses Textes fällt die radikale Kehrtwende in der Hermeneutik der katholischen Theologie auf. Das Verhältnis von Heiliger Schrift und Apostolischer Tradition einerseits und des kirchlichen Lehramtes andererseits ist klassisch so bestimmt, dass die Offenbarung in Schrift und Tradition inhaltlich voll enthalten ist, während dem Lehramt – verbunden mit dem Glaubenssinn des ganzen Gottesvolkes – die authentische und unfehlbare Interpretation zukommt. Für das katholische Glaubensbekenntnis und seine theologisch-wissenschaftliche Reflexion sind also Schrift und Tradition konstitutive Erkenntnisprinzipien. Das Lehramt ist dagegen nur interpretativ und regulativ tätig. (Dei verbum 8-10; 24)

„Der ganze Gedankengang bewegt sich
selbstreferentiell und kreisförmig um
die neuesten Dokumente des
Lehramtes von Papst Franziskus“

Im vorliegenden IL ist es genau umgekehrt. Der ganze Gedankengang bewegt sich selbstreferentiell und kreisförmig um die neuesten Dokumente des Lehramtes von Papst Franziskus, versehen mit wenigen Hinweisen auf Johannes Paul II. und Benedikt XVI., während die Schrift wenig und die Kirchenväter fast gar nicht, aber dann nur illustrativ für – die schon aus anderen Gründen feststehenden – Überzeugungen herangezogen werden. Vielleicht will man damit eine besondere Papsttreue bekunden oder glaubt sich die Mühen der theologischen Arbeit sparen zu können, wenn man unentwegt sich auf seine oft wiederholten Schlagworte beruft , die die Autoren –  ziemlich salopp – „sein Mantra“ (IL 25) nennen. Auf die Spitze treibt man diese Schmeichelei nach der Feststellung: „Das aktive Subjekt der Inkulturation sind die indigenen Völker selber“ (IL122) mit der witzigen Formulierung „Wie  Papst Franziskus bestätigte doch: die Gnade setzt die Kultur voraus“, als ob er dieses – freilich grundlegende Axiom der katholischen Kirche – selbst entdeckt hätte.  Im Original ist es die Gnade, die die Natur voraussetzt wie der Glaube die Vernunft (Thomas von Aquin).

Neben dieser Verwirrung der Rollen des Magisteriums auf der einen Seite und der Heiligen Schrift und Tradition auf der anderen geht das IL sogar so weit, als dass es behauptet, es gäbe neue Quellen der Offenbarung. IL 19 behauptet: „Darüber hinaus können wir sagen, dass der Amazonas – oder ein anderes indigenes oder gemeinschaftliches Territorium – nicht nur ein ubi ist, oder ein wo (ein geografischer Ort), sondern auch ein quid oder ein was, ein bedeutungsvoller Ort für den Glauben oder das Erleben Gottes in der Geschichte. So ist ein Territorium ein theologischer Ort, wo Glaube gelebt wird, und daher auch eine spezielle Quelle für die Offenbarung Gottes: epiphanische Orte, wo sich das Reservoir des Lebens und der Weisheit zeigt, eines Lebens und einer Weisheit, die von Gott spricht.“

Wenn hier ein bestimmtes Territorium zu einer „speziellen Quelle für die Offenbarung Gottes“ erklärt wird, dann muss man festhalten, dass dies eine falsche Lehre ist, insofern als die katholische Kirche seit 2000 Jahren unfehlbar gelehrt hat, dass die Heilige Schrift und die Apostolische Tradition die einzigen Quellen der Offenbarung sind und dass keine weitere Offenbarung im Laufe der Geschichte hinzugefügt werden kann. Wie es in Dei verbum heißt: „.. es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten“ (Dei verbum 4). Schrift und Tradition sind die einzigen Quellen der einen Offenbarung. “Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift beider Testamente sind gleichsam ein Spiegel, in dem die Kirche Gott, von dem sie alles empfängt, auf dieser irdischen Pilgerschaft anschaut, bis sie hingeführt wird, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, wie er ist.” (Dei verbum 7) “Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlieferten Schatz des Wortes Gottes.” (Dei verbum 10)

Neben diesen auffallenden Stellungnahmen und Bezugnahmen kann man festhalten: am meisten zitieren sich das mit der Ausarbeitung des IL beauftragte und dafür 2014 gegründete Rete Ecclesiale Panamazzonica  (=REPAM) und die angehörenden Autoren der sogenannte Theologia india selbst.

„Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut
Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den
Namenslisten der Vorbereitungstreffen in
Washington und Rom erkennen lässt.
Gegen ernsthafte Einwände ist man immun“

Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt und die überproportional viele meist deutschsprachige Europäer aufweist. Gegen ernsthafte Einwände ist man immun, weil sie nur auf monolithischem Doktrinalismus und Dogmatismus oder Ritualismus (IL 38; 110; 138), dialogunfähigen Klerikalismus (IL 110), auf dem rigiden Denken der Pharisäer und Vernunftstolz der Schriftgelehrten beruhen kann, mit denen sich auseinanderzusetzen nur verlorene Zeit und vergebliche Liebesmühe wäre.

Nicht alle haben Südamerikaerfahrung und gehören nur dazu, weil sie auf Linie sind und auch bei dem gleichzeitigen synodalen Weg der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken die Themen bestimmen (Abschaffung des Zölibates, Frauen ins Priesteramt und an die Schalthebel der Macht gegen Klerikalismus und Fundamentalismus, Anpassung der geoffenbarten Sexualmoral an Genderideologie und Wertschätzung homosexueller Praxis).

„Ich urteile nicht aus rein eurozentrischer
Perspektive, wie man mir gerne vorwerfen würde“

Ich selbst war in Peru und anderen Ländern fünfzehn Jahre in Folge zwei bis drei Monate in südamerikanischen Pfarreien und Seminarien pastoral und theologisch tätig und urteile darum nicht aus rein eurozentrischer Perspektive, wie man mir gerne vorwerfen würde. Ein wichtiges Anliegen im IL wird jeder Katholik teilen, dass die Völker Amazoniens nicht zum Objekt von Kolonialismus und Neokolonialismus, von Kräften bleiben dürfen, denen es nur um Profit und Macht geht auf Kosten des Glückes und der Würde anderer Menschen. In Kirche, Gesellschaft und Staat ist klar, dass die dort wohnenden Menschen und insbesondere unsere katholischen Brüder und Schwestern, gleichberechtige und freie Subjekte ihres Lebens und Strebens, ihres Glaubens und ihrer Sittlichkeit sind – in unserer gemeinsamen Verantwortung – vor Gott. Aber wie ist dies zu erreichen?

Der Ausgangspunkt ist die Offenbarung Gottes in Jesus Christus

Ohne Zweifel ist die Verkündigung des Evangeliums ein Dialog, der dem Wort (=Logos) Gottes an uns und unserer Antwort in der freien Hingabe des Gehorsams des Glaubens entspricht (Dei verbum 5). Weil die Mission von Christus, dem Gott-Menschen ausgeht und er seine Mission vom Vater an die Apostel überträgt, hat die Alternative eines dogmatischen Ansatzes „von oben“ und eines pädagogisch-pastoralen Ansatzes „von unten“ keinen Sinn, es sei denn man würde „das gott-menschliche Prinzip der Seelsorge“ (Franz Xaver Arnold) ablehnen.

Aber der Adressat des universalen Missionsauftrags Jesu (Mt 28,19), „des universalen und einzigen Mittler des Heils zwischen Gott und allen Menschen“  (Johannes 14,6; Apostelgeschichte 4,12; 1 Timotheus 2,4f) ist der Mensch, der mit seiner Vernunft über den Sinn des Daseins zwischen Geburt und Tod nachdenkt, der von den existenziellen Krisen des Menschseins erschüttert ist und der im Leben und Sterben seine Hoffnung auf Gott setzt, dem Ursprung und Ziel allen Seins. Eine Kosmovision mit ihren Mythen und dem rituellen Zauber der Mutter „Natur“ oder den Opfern an „Götter“ und Geister, die uns in Angst und Schrecken versetzen oder mit falschen Versprechungen locken kann ebenso wenig der adäquate Ansatz für die Ankunft des dreieinigen Gottes in seinem Wort und Heiligen Geist sein, wie die naturwissenschaftlich-positivistische Weltanschauung des liberalen Bürgertums, die vom Christentum einen bequemen Rest von sittlichen Werten und zivilreligiösen Ritualen übrig lässt. Soll allen Ernstes an Stelle der Kenntnis der klassischen und modernen Philosophie, der Kirchenväter, der neueren Theologie, der Konzilien nun  in der Ausbildung der künftigen Seelsorger und Theologen die amazonische Kosmovision, die Weisheit der Vorfahren mit ihren Mythen und Ritualien treten?

Wenn der Ausdruck „Kosmovision“ nur besagen soll, dass alle geschaffenen Dinge untereinander zusammenhängen, wäre das eine Binsenwahrheit. Aufgrund der substantiellen Einheit von Leib und Seele  steht der Mensch im Schnittpunkt des Gefüges von Geist und Materie. Aber der Anblick des Komos ist nur der Anlass zur Verherrlichung Gottes und seines wunderbaren Waltens in der Natur und Geschichte. Aber nicht der Kosmos wird wie Gott verehrt, sondern nur der Schöpfer selbst. Nicht vor der gewaltigen Macht der Natur und „allen Reichen der Welt mit ihrer Pracht“ (Matthäus 4,8) fallen wir auf die Knie, sondern vor Gott allein. „Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ (Matthäus 4,10). So wies Jesus den teuflischen Versucher in der Wüste zurück.

Der Unterschied von Inkarnation des Wortes und Inkulturation als Weg der Evangelisierung

Die „Theologia indigena und die Ökotheologie“ (IL 98) ist eine  Kopfgeburt von Sozialromantikern. Theologie ist das Verstehen (intellectus fidei) der Offenbarung Gottes in seinem Wort im Glaubens-Bekenntnis der Kirche und nicht das immer neue Gewebe von Weltempfindungen und Weltanschauungen oder religiös-moralischen Konstellationen des kosmischen All-eins-Gefühls, des Verschwimmens des Gefühls seiner selbst mit der Welt. Unsere natürliche Welt ist eine Schöpfung des personalen Gottes. Der Glaube im christlichen Sinn ist daher Erkenntnis Gottes in seinem ewigen Wort, das Fleisch geworden ist, ist Erleuchtung im Heiligen Geist, damit wir Gott in Christus erkennen. Mit dem Glauben werden uns als übernatürliche Tugenden Hoffnung und Liebe mitgeteilt. So verstehen wir uns als Kinder Gottes, die durch Christus zu Gott im Heiligen Geist Abba, Vater sagen  (Römer 8,15). Auf ihn setzen wir unser ganzes Vertrauen und er macht uns zu seinen Söhnen, die frei sind von der Angst vor den Elementarmächten der Welt und den dämonischen Gestalten, Göttern und Geistern, die uns in der Unberechenbarkeit der materiellen Kräfte der Welt heimtückisch auflauern.

Die Inkarnation ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte, das Gott in seinem universalen Heilswillen frei beschlossen hat. Sie ist keine Inkulturation und die Inkulturation der Kirche ist keine Inkarnation (IL 7;19; 29;108). Es war nicht Irenäus von Lyon im fünften Buch von Adversus haereses (IL 113), sondern Gregor von Nazianz, der das Prinzip formulierte: „quod non est assumptum non est sanatum – was nicht angenommen ist, das ist auch nicht erlöst“ (Ep. 101, 32). Und gemeint war die Vollständigkeit der menschlichen Natur gegen Apollinaris von Laodicea (315-390), der meinte, der Logos habe in der Fleischwerdung nur den Leib ohne die menschliche Seele angenommen.

„Sekundäre Riten aus der Überlieferung der
Völker können helfen, die Sakramente, die von
Christus gestiftete Heilsmittel sind, in der
Kultur zu verwurzeln. Sie dürfen
sich aber nicht verselbständigen“

Ganz abwegig ist darum der Satz: „Die kulturelle Diversität verlangt nach einer mehr realen Inkarnation, um die verschiedenen Weisen zu leben und die diversen Kulturen aufzunehmen.“ (IL 113). Die Inkarnation ist nicht das Prinzip der sekundären kulturellen Anpassung, sondern konkret und primär auch Prinzip der Heilsvermittlung in der „Kirche als Sakrament des Heils der Welt in Christus“ (Lumen gentium 1; 48) in dem Glaubensbekenntnis der Kirche, in ihren sieben Sakramenten und im Episkopat mit dem Papst an der Spitze in apostolischer Sukzession. Sekundäre Riten aus der Überlieferung der Völker können helfen, die Sakramente, die von Christus gestiftete Heilsmittel sind, in der Kultur zu verwurzeln. Sie dürfen sich aber nicht verselbständigen, so dass zum Beispiel die Hochzeitsbräuche auf einmal wichtiger werden als das für das Ehesakrament allein konstitutive Ja-Wort.

Sakramentale Zeichen können um keinen Preis verändert werden

Die von Christus und den Aposteln gestifteten sakramentalen Zeichen (Wort und materielles Symbol) können um keinen Preis verändert werden. Die Taufe kann nicht anders als im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes mit natürlichem Wasser gültig gespendet werden und bei der Eucharistie kann man das Brot aus Weizenkörnern und Wein vom Weinstock nicht durch ortsübliche Speisen ersetzen. Das wäre keine Inkulturation, sondern ein unzulässiger Eingriff in den historischen Stiftungswillen Jesu und auch eine Zerreißung der Einheit der Kirche in ihrer sakramentalen Mitte. Wenn die Inkulturation sich auf die sekundäre äußere Feier des Gottesdienstes bezieht und nicht auf die Sakramente, die ex opere operato durch die lebendige Gegenwart Christus, des Stifters und eigentlichen Spenders der Gnade in diesen sakramentalen Zeichen ist, dann ist der Satz skandalös oder wenigstens gedankenlos, der sagt: „Ohne diese Inkulturation kann die Liturgie sich reduzieren auf ein Ausstellungsstück im Museum oder ein Besitz weniger.“ (IL 124)

„Gott ist als Schöpfer der Welt im Ganzen
und jedem einzelnen Menschenherzen
präsent Apostelgeschichte“

Gott ist nicht einfach überall und in allen Religionen gleichförmig da, wobei die Inkarnation nur eine typisch mediterrane Erscheinung wäre. Vielmehr ist Gott als Schöpfer der Welt im Ganzen und jedem einzelnen Menschenherzen präsent Apostelgeschichte (17,27f) – auch wenn die Augen der Menschen durch die Sünde oft blind und ihre Ohren taub sind für die Liebe Gottes. Aber er kommt auf dem Weg der Selbstoffenbarung in der Geschichte seines auserwählten Volkes Israel uns selbst ganz nahe in seinem Fleisch gewordenen Wort und dem Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist. Diese Selbstmitteilung Gottes als Gnade und Leben jedes Menschen wird in der Welt auf dem Weg der Verkündigung der Kirche, ihres Lebens und ihres Kultes  ausgebreitet, das heißt der Weltmission nach dem universalen Auftrag Christi. Aber er wirkt auch schon mit seiner helfenden und zuvorkommenden Gnade in den Herzen der Menschen, die ihn noch nicht ausdrücklich und namentlich kennen, damit sie,  wenn sie von ihm hören in der apostolischen Verkündigung, ihn identifizieren können als Jesus, den Herrn – im Heiligen Geist (1 Korinther 12,3).

Das Kriterium der Unterscheidung: die geschichtliche Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus

Was im IL fehlt ist ein klares Bekenntnis zur Selbstmitteilung Gottes im verbum incarnatum, zur Sakramentalität der Kirche, zu den Sakramenten als objektiven Gnadenmitteln statt bloß selbstreferenzieller Symbole, zur Übernatürlichkeit der Gnade, so dass die Integrität des Menschen nicht nur in der Einheit mit der Bio-Natur, sondern in der Gottessohnschaft und der gnadenhaften Gemeinschaft mit der Trinität besteht und dass das ewige Leben der Lohn ist der Bekehrung zu Gott, der Versöhnung mit ihm und nicht nur mit der Umwelt und der Mitwelt. Man kann die integrale Entwicklung nicht nur auf die Bereitstellung der materiellen Ressourcen reduzieren. Denn der Mensch erlangt seine neue Integrität nur durch die Vollendung in der Gnade, jetzt in der Taufe, wodurch wir zu einem neuen Geschöpf und zu Kindern Gottes werden und einst in der Schau Gottes in der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und in der Gemeinschaft Seiner Heiligen (1 Joh 1, 3; 3, 1f).

Anstelle des unklaren Ansatzes bei einer vagen Religiosität und der vergeblichen Anstrengung, das Christentum durch die Sakralisierung des Kosmos und der biodiversen Natur und die Ökologie zu einer Heilswissenschaft zu machen, ist auf die Mitte und den Ursprung unseres Glaubens zu schauen: „Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun: dass alle Menschen durch Christus, das fleischgewordenen Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur.“ (Dei Verbum 2).

DT

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Schweizer Bischof: Amazonas-Synode könnte „ganzen mystischen Leib der Kirche verseuchen … ihn schwer beschädigen“

28. Juni 2019 ( LifeSiteNews ) – Bischof Marian Eleganti, der Weihbischof von Chur in der Schweiz, hat die Kritik von Kardinal Walter Brandmüller am 27. Juni am Arbeitsdokument des Vatikans für die bevorstehende Pan-Amazonas-Synode unterstützt. Solche Ideen werden „den gesamten mystischen Körper der Kirche kontaminieren – und ihn schwer beschädigen.“

Der Prälat erklärte in Kommentaren zu LifeSiteNews (siehe vollständige Kommentare unten), warum er Brandmüllers Kritik an dem Dokument unterstützt, das der Kardinal als „ketzerisch“ und als „Abfall vom Glauben“ aus der göttlichen Offenbarung bezeichnete.

Bischof Eleganti sagte, dass die Kirche das „Antlitz Christi“ haben muss, nicht „ein amazonisches Antlitz“.

Die Amazonas-Synode, fügte Eleganti hinzu, sollte nicht als Instrument verwendet werden, um entweder das Priestertum oder die „sakramental-hierarchische Struktur der Kirche“ zu ändern.

„Ich stimme Kardinal Brandmüller zu“, erklärte er, „wenn er kritisierte, dass wir nicht über die Amazonasregion sprechen sollten, wenn wir in Wirklichkeit die Universalkirche meinen und anvisieren.“ Der Bischof lehnte die Idee ab, für die Amazonasregion eine Art von „Priesterweihe light“ zu etablieren und fügte hinzu, dass es seit dem Konzil von Trient keine Möglichkeit gibt, die verschiedenen Merkmale der Weihemacht zu trennen, dh die heiligen Weihen von der Regierungsmacht in der Kirche zu trennen.

„Das sakramentale Priestertum kann im Amazonasgebiet nicht entschieden oder neu definiert werden. Die letzten Konzile seit Trient haben Jurisdiktion, Regierungs-Autorität und sakramentale Ordination (Weihe) klar miteinander verbunden. Sie dürfen nicht getrennt werden, wenn wir dem Willen dieser Konzile treu bleiben wollen“, sagte er.

„Die Frauenfrage darf nicht als Hebel missbraucht werden, um von ihr abzuweichen und neue Ämter für Frauen zu schaffen. Die hierarchisch-sakramentale Struktur der Kirche steht nicht zur Diskussion. Es ist nicht möglich, dass bereits fünfzig Jahre später die Erklärungen des Konzils nicht mehr normativ sein sollten, um ein Laborexperiment im Amazonasgebiet zu starten, das wiederum den gesamten mystischen Körper der Kirche kontaminiert – und ihn schwer beschädigt “, fügte er hinzu.

Der Schweizer Prälat erklärte, dass die Amazonasregion sich zu Jesus Christus bekehren und somit ihre Riten und Kultur an Ihn anpassen sollte, nicht umgekehrt. Er forderte eine Evangelisierung des Amazonasgebiets. Eleganti verwendete das Bild von Christi „Teig“, der jede Kultur der Welt „durchdringt und verändert“.

Kardinal Walter Brandmüller kritisierte am 27. Juni das kürzlich veröffentlichte Arbeitsdokument für die Amazonas-Synode. Darin distanziert er sich von diesem Text und sagt, dass er darin sogar Häresie und Abfall vom Glauben erkennt. Er lehnte die Idee, verheiratete Männer zum Priester zu ordinieren oder weibliche Diakoninnen zu ordinieren, entschieden ab.

LifeSiteNews hat eine Petition zur Unterstützung der Aussage des deutschen Kardinals gestartet, auch aus Dankbarkeit für seine Stärke im Glauben. Bisher haben mehr als 8.700 Menschen die Petition unterschrieben. Bischof Eleganti teilte LifeSiteNews mit, dass er die Petition unterzeichnet habe. Er ist der erste Prälat der katholischen Kirche, der die Kritik von Kardinal Brandmüller am Arbeitsdokument der Amazonas-Synode öffentlich unterstützt.

LifeSiteNews berichtete heute, dass eine vom Sekretariat der Amazonas-Synode unter Kardinal Lorenzo Baldisseri organisierte Sitzung vor der Synode die Ordination von Diakoninnen forderte.

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Vollständige Erklärung von Bischof Marian Eleganti zu LifeSiteNews

Als Gesicht der Kirche wünsche ich mir, dass wir das Antlitz Christi haben, wie es uns in den Evangelien vorgestellt wird. In diesem Sinne gibt es für mich keine Kirche „mit amazonischem Gesicht“. Und es ist auch nicht wünschenswert, dass eine bestimmte Region der Welt der Universalkirche ein eigenes Gesicht aufdrängt. Das Antlitz Christi sollte vielmehr in allen Kulturen der Welt sichtbar werden. Aber dafür müssen sie sich zuerst zu Ihm bekehren. Das Evangelium ist das Salz der Erde und das Licht der Welt: In diesem Sinne gibt es auch immer Kulturkritik.

Dies gilt auch für die Amazonasregion, die eine solche Kritik auf der Grundlage der Offenbarung dringend benötigt, um das Antlitz Christi widerspiegeln zu können und um es in Wirklichkeit nicht mit Hilfe ihrer eigenen kulturellen Ideen und Riten zu verzerren. Das Evangelium veränderte und humanisierte zu dieser Zeit die Kultur der Antike im Mittelmeerraum. Das war damals so und ist heute nicht viel anders.Dies gilt für alle Kulturen der Welt. Jesus verstand sein Evangelium als Teig, der das Herz des Menschen durchdringt und verändert – und damit auch die Kultur.

Stellen wir daher die Situation und die geistige Ordnung der Wahrheit nicht auf den Kopf, als ob in der Kultur des Amazonasgebiets der Heilige Geist dem Evangelium vorangeht und als ob er (das Evangelium) sich selbst mit Hilfe des (der) befreit indigene Kultur und nicht umgekehrt!

Ich stimme Kardinal Brandmüller zu, wenn er kritisiert, dass wir nicht von der Amazonasregion sprechen sollten, wenn wir in Wirklichkeit die Universalkirche meinen und anvisieren. Das sakramentale Priestertum kann im Amazonasgebiet nicht entschieden oder neu definiert werden. Die letzten Konzile seit Trient haben Gerichtsbarkeit, herrschende Autorität und sakramentale Ordination klar miteinander verbunden. Sie dürfen nicht getrennt werden, wenn wir dem Willen dieser Räte treu bleiben wollen. Die Frauenfrage darf nicht als Hebel missbraucht werden, um davon abzuweichen und neue Ämter für Frauen zu schaffen. Die hierarchisch-sakramentale Struktur der Kirche steht nicht zur Diskussion. Es ist nicht möglich, dass Konzilserklärungen bereits fünfzig Jahre später nicht mehr normativ sein sollten, um ein Laborexperiment im Amazonasgebiet zu starten, das wiederum den gesamten mystischen Körper der Kirche kontaminiert – und schwer beschädigt .

Die Macht der Ordination (Priestertum: munus sanctificandi ; Lehramt: munus docendi ; Regierungsamt: munus regendi ) ist unteilbar und kann nicht auf bestimmte Aufgaben oder sakramentale Handlungen beschränkt werden. Theologisch gesehen kann es keine Art „Priesterweihe“ sui generis für „verheiratete Älteste“ geben, wie einige Leute bereits erwogen haben.

Auch das Zölibat hat ein inneres (Ausschließlichkeit der Bindung zu Gott bzw. zu Christus) und ein äußeres Merkmal (uneingeschränkte Verfügbarkeit für das Reich Gottes), um dessen willen Jesus selbst unverheiratet geblieben ist.

Wie kann man das so sorglos aufs Spiel setzen und von der Lebensweise Jesu, von seinem Vorbild, abweichen? Vor allem der Priester sollte in erster Linie ohne Zögern oder Widerspruch voll und ganz dem Beispiel Jesu folgen und Sein Ebenbild sein.Wer sonst?

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Amazonas-Synode: „Ganz neuer Zugang zu indigenen Völkern erwünscht“

Der österreichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler ist unter den Mit-Organisatoren der Amazonas-Synode in Rom

Die Amazonas-Synode im Oktober soll nach Ansicht von Amazonas-Bischof Erwin Kräutler „einen ganz neuen Zugang speziell zu den indigenen Völkern“ eröffnen. Die besonderen Ausdrucksformen des Glaubens von Indigenen seien viel höher zu schätzen als bisher. Der aus Österreich stammende emeritierte Bischof von Xingu nahm in diesen Tagen an einem vorbereitenden Treffen in Rom teil.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Dabei erstellten die Organisatoren der Synode zusammen mit dem Synodensekretariat den Grundlagentext, das sogenannte Instrumentum Laboris. Im Gespräch mit uns äußerte Bischof Kräutler die Einschätzung, dass das Dokument durchaus spannungsreich sei.

Bischof Kräutler: „Für Unruhe wird sorgen, dass da zwei pastorale Linien aufeinanderprallen. Denn die Europäer sehen viele Dinge ganz anders als wir. Wir [am Amazonas, Anm.] kommen von der Basis her, und das ist ein ganz anderer Zugang zu den Fragen. Ich denke jedes Mal, wenn man mir eine Frage stellt, an meine Leute. In unseren Versammlungen sagen die Leute einfach, was sie sich denken. Darauf muss ich ja Rücksicht nehmen. Ich kann nicht hinkommen mit einem Vorsatz, ich leite das und ich habe die Verantwortung, sondern ich höre dann zu. Der Bischof muss zuerst ein hörender Bischof sein.“

Vatican News: Schält sich in dem Grundlagendokument schon eine große Linie heraus?

“ Frauen? Ich persönlich denke an die Diakonie… ”

Bischof Kräutler: „Man kann schon sagen, dass wir einen ganz neuen Zugang speziell zu den indigenen Völkern wollen. Wir wollen ihre Kultur berücksichtigen. Man hat früher immer gedacht: „Wir kommen zu den Indios und sagen denen, wo es langgeht. Wir bringen praktisch eine religiöse Überzeugung, eine Erfahrung von Europa dorthin.“ Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass wir jetzt zurückgehen ins 19. Jahrhundert, nach dem Ersten Vatikanum und sagen, das war das Richtige. Wir als katholische Kirche sind auch gewachsen, und verschiedene Dinge sieht man heute ganz anders. Aber in Europa geht das viel langsamer. Die Leute fordern das von uns: Die Berücksichtigung ihrer besonderen Art und ihrer besonderen Ausdrucksform ist für uns unbedingt wichtig.“

Vatican News: Eine zentrale Rolle spielen in Ihren Ortskirchen gerade auch die Frauen in der Gemeindearbeit, in der Pastoral. Wie wird sich das spiegeln in der Synode?

“ Wir müssen uns schon „zusammenraufen“, damit wir zu einer Lösung kommen auch für die Frauen in der Kirche ”

Vatican News: Das ist ein großer Streitpunkt derzeit in der katholischen Kirche. In Deutschland ist es auch gerade so, dass Katholikinnen streiken. Wäre so etwas im Amazonas-Gebiet auch vorstellbar?

Bischof Kräutler: „Wenn bei der Synode wirklich nichts herauskommt, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Frauen einfach einmal aufstehen, auf die Barrikaden gehen und sagen: „Also wir hätten uns schon viel mehr erwartet.“ Wir haben eine unendliche Verantwortung! Der Papst hat die Synode einberufen aus Liebe zu Amazonien. Wir können jetzt nicht einfach so tun, als wäre das einfach eine Versammlung, wo ein paar Bischöfe zusammenkommen und sagen, „ich bin dieser Meinung und du bist jener Meinung“. Ich glaube, wir müssen uns schon „zusammenraufen“, damit wir zu einer Lösung kommen auch für die Frauen in der Kirche.“

Vatican News: De facto ist das, was die Frauen in Ihrer Ortskirche am Amazonas machen, das, was eine Diakonin schon macht, oder?

Bischof Kräutler: „Eigentlich ja. In der Diözese, in der ich tätig bin, werden ungefähr 800 Gemeinden, zwei Drittel, von Frauen geleitet. Der Priester kommt zwei oder drei Mal im Jahr dorthin. Das ist eine Herausforderung sondergleichen. Wenn die Frauen das nicht übernähmen…! Man meint übrigens auch immer, es sei eine „machistische“ Gesellschaft, aber es ist nicht so: Die Männer sind eigentlich froh, dass die Frauen das tun, weil sie es besser können. Frauen können besser lesen. Meistens sind sie auch Lehrerinnen und übernehmen diese Verantwortung für die Gemeinden. Sie leiten den Wortgottesdienst mit allem Drum und Dran. Sie machen auch eine Predigt, auf ihre Art. Ich habe so etwas schon gehört und bin ganz begeistert davon. Ich könnte mir nie vorstellen, wenn man jetzt den Frauen sagte, „es ist nicht euer ‚Business‘, ihr müsst jetzt wieder zurück“, das geht einfach nicht. Auch im Altarraum sind die Frauen.“

“ Wenn ein Kind heute auf die Welt kommt, dann frage ich mich immer: Welche Welt hat dieses Kind, das heute auf die Welt kommt, in ein paar Jahren? ”

Vatican News: Das zweite große Anliegen der Amazonassynode ist die ökologische Frage. Es geht um eine ganzheitliche Ökologie, und das ist auch eine Lebens- und Überlebensfrage für die Bevölkerung am Amazonas.

Bischof Kräutler: „Am Amazonas und für die ganze Welt. Amazonien hat eine klimaregulierende Funktion für den ganzen Planeten Erde, und das ist auch eine andere Verantwortung. Da möchten wir auch als Kirche nicht sagen, „das gehört irgendeiner politischen Partei“, das wäre ihr Anliegen. Nein. Wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und wir sind verantwortlich für diese Schöpfung nach dem Genesis-Bericht. Wir tragen Verantwortung für diese Schöpfung, die uns gegeben ist. Wir sind verantwortlich für die nächsten Generationen. Wenn ein Kind heute auf die Welt kommt, dann frage ich mich immer: Welche Welt hat dieses Kind, das heute auf die Welt kommt, in ein paar Jahren?“

Vatican News: Ökologie ist letztlich eine Frage des Lebensschutzes.

Bischof Kräutler: „Des Überlebens, würde ich sogar sagen! Wenn wir so weitermachen wie jetzt, dass jeder meint, es kommt ohnehin nichts Schlimmes, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass wir eine schöne Zukunft vor uns haben.“

“ Bolsonaro kennt Amazonien gar nicht ”

Vatican News: Die Politik in Brasilien ist derzeit auf einem Weg, der der katholischen Kirche sicher große Sorgen machen muss, gerade im ökologischen Bereich. Wie positioniert sich die Bischofskonferenz, die katholische Kirche zu den Entscheidungen, die Präsident Bolsonaro trifft und die gerade den Amazonas anlangen?

Bischof Kräutler: „Ja. Das ist eine schwierige Situation, in der wir leben. Ich weiß nicht, wie das weitergeht. Man weiß eigentlich nicht, was Bolsonaro will. Ich sage auch ganz klar, er kennt Amazonien gar nicht. Er denkt nur vom Export her, von der wirtschaftlichen Dimension her. Amazonien muss geöffnet werden. Für wen? Für die großen internationalen Konzerne. Die Indios existieren für ihn eigentlich nicht. Und als katholische Kirche: Es gibt einen bischöflichen Rat für indigene Völker (CIMI). Ich war 17 Jahre Vorsitzender dieses Rates. Bolsonaro will das beschneiden oder überhaupt rückgängig machen, und das ist eine Katastrophe. Da brauchen wir internationale Hilfe. Es kann nicht sein, dass wir, statt nach vorne, zurückgehen und sagen, die Indios sollen integriert werden – das war früher der Fall – in die so genannte nationale Gesellschaft. Sie sind die Ersten, die dort gelebt haben!“

Vatican News: Wie sehen indigene Menschen gerade in diesem Kontext, den sie da aufgeblättert haben, Jesus Christus? Wer ist der für sie?

Bischof Kräutler: „Es kommt ganz auf die Leute an. Es gibt Völker, die schon seit Jahrhunderten mit dem Christentum zusammengekommen sind. Und es gibt Völker, gerade in unserer Gegend, die erst vor Kurzem davon erfahren haben. Ich bin der Meinung, bin überzeugt davon, dass unser Zugang ein ganz anderer sein muss, als das früher der Fall gewesen ist. Ich komme mit dem Kreuz zu diesen Indios? Nein, ich muss davon ausgehen, was sie bereits haben. Wie sehen sie den lieben Gott? Sie wissen schon, sie sagen sogar zum Gekreuzigten, zum Kruzifix „unser Väterchen“. Wie gesagt: Der liebe Gott war vor uns da. Man muss einmal sehen, welche religiöse Erfahrung sie haben. Sie haben auch ihr Altes Testament, also von uns aus gesehen. Sie erzählen Dinge, die sehr ähnlich sind. Die Sintflut kommt bei ihnen vor, auch Kain und Abel. Das erzählen sie natürlich ganz anders. Aber man sieht sofort: Die Geschichten, die sie erzählen, sind „urreligiöse Erfahrungen“. Statt dass man sagt, „wir haben alles“ – nein, wir gehen von dem aus. Jede Religion ist offen für neue Impulse. Manchmal können wir sehr viel von ihnen lernen. Sie haben immer noch das Wir-Empfinden. Der Natur gegenüber sind sie ganz anders eingestellt als wir.“

“ Jesus Christus ist der Gott, der befreit ”

Vatican News: Sehen Indigene Jesus Christus als jemand, der an ihrer Seite steht und ihre Freiheit möchte?

Bischof Kräutler: Ganz entschieden ja. Wir glauben, dass Jesus Christus mit uns ist, und das heißt, gerade im Exodus-Bericht: „Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne sein Leid. Ich bin herabgestiegen, um es der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen“. Der Befreiende, das sagt den Leuten etwas. Wir sind in einer Situation, in der wir immer geknechtet wurden und werden. Und Jesus Christus, also dieser Gott, den wir verkünden und ihnen zeigen, ist der Gott, der befreit. Das ist für uns wichtig und zwar ganz entschieden im Zusammenhang mit dem Exodus-Bericht. Aber es gibt noch etwas anderes im Neuen Testament: Im 25. Kapitel des Matthäusevangeliums, worin Jesus sich identifiziert. Er sagt nicht: „Tut etwas für die Armen!“, er sagt: „Ich war arm. Ich war durstig. Ich war hungrig. Ich war krank.“

Vatican News: …und ihr habt mir geholfen. Das ist eine Stelle, die auch Papst Franziskus sehr oft nennt.

Bischof Kräutler: „Gott sei Dank, ja! Er ist ganz auf unserer Linie. Er wird sich nicht als Befreiungstheologe outen, aber er hat genau diesen Ansatz: Es geht nicht darum, dass wir darauf warten, dass die Leute zu uns kommen. Sondern er will eine Kirche, die bis zu den äußersten Peripherien geht, und zwar nicht nur zu den geographischen, sondern den existenziellen. Da meine ich, muss die Synode ein paar Schritte weitergehen. Das hoffen wir einfach.“

(vatican news)

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Eine Kritik des ‚Instrumentum Laboris’ für die Amazonas-Synode

Petersdom bei Nacht

27 Juni 2019, 12:00

‚Sofern sogar die Tatsache der Göttlichen Offenbarung in Frage gestellt bzw. missverstanden wird, ist darüber hinaus von Apostasie zu sprechen’.
Von Walter Kardinal Brandmüller

Rom (kath.net/as/wb) Walter Kardinal Brandmüller kritisiert heute nachdrücklich das am 17. Juni 2019 veröffentlichte Arbeitsdokument („Instrumentum Laboris“) der bevorstehenden Pan-Amazonas-Synode vom Oktober 2019. Der Kardinal schrieb dieses Dokument für die amerikanisch-kanadische Internetseite LifeSiteNews sowie für die katholische Internetzeitung kath.net.

Vor allem aber befasst sich der Kirchenhistoriker in vier Abschnitten mit vier Hauptproblemen des Textes, von denen eines in seinen Augen die Gefahr des „Abfalls vom Glauben“ birgt. Zu der Behauptung, dass die Ureinwohner Brasiliens eine besondere Quelle der Offenbarung sind, führt er aus: „Sofern sogar die Tatsache der Göttlichen Offenbarung in Frage gestellt bzw. missverstanden wird, ist darüber hinaus von Apostasie zu sprechen“.

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Eine Kritik des „Instrumentum Laboris“ für die Amazonas-Synode

 

Einführung 

Dass im Gegensatz zu früheren Versammlungen dieses Mal die Bischofssynode sich ausschließlich mit den Problemen einer Gegend der Erde befassen soll, deren Einwohnerzahl gerade die Hälfte jener von Mexico-City, d.h. etwa 4 Millionen beträgt, kann durchaus Verwunderung hervorrufen. Ebenso gibt es Anlass zu Verdacht bezüglich der wahren Absichten, die hiermit klandestin verfolgt werden sollen. Insbesondere aber wird zu fragen sein, welches Verständnis von Religion, von Christentum und Kirche dem Text des nun veröffentlichten „Instrumentum laboris“ zu Grunde liegen. Dies soll an Hand einzelner Elemente des Textes geschehen.

Warum eine Synode über diese Region? 

Ganz grundsätzlich ist zu fragen, warum eine Bischofssynode sich mit Themen befassen soll, die – so drei Viertel des Instrumentum laboris – allenfalls am Rande mit dem Evangelium und der Kirche zu tun haben. Offenbar geschieht hier seitens der Bischofssynode eine übergriffige Einmischung in rein weltliche Angelegenheiten von Staat und Gesellschaft Brasiliens und der anderen im Dokument erwähnten Staaten (Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch Guyana). Was haben – so fragt man – Ökologie, Ökonomie und Politik mit dem Auftrag der Kirche zu tun? Und vor allem: Welche fachliche Kompetenz legitimiert eine kirchliche Bischofssynode, sich zu solchen Sachgebieten zu äußern?

Sollte die Bischofssynode dies wirklich tun, wäre dies in der Tat Grenzüberschreitung und klerikalistische Anmaßung, welche die staatliche Autorität entschieden zurückweisen müsste.

Über natürliche Religionen und Inkulturation 

Ein weiteres Moment kommt hinzu, das das „Instrumentum laboris“ insgesamt durchzieht: die überaus positive Wertung der Naturreligionen einschließlich indigener Heilpraktiken etc., ja selbst mythisch-religiöser Praktiken und Kultformen. Da ist etwa im Zusammenhang mit der Forderung nach Harmonie mit der Natur auch vom Dialog mit den Geistern die Rede (Nr. 75).

Es ist nicht nur das aufklärerische, Rousseau’sche Ideal des „edlen Wilden“, der dem dekadenten Europäer entgegengesetzt wird. Dieser Gedankenfaden setzt sich fort, bis er dann um die Wende zum 20. Jahrhundert in eine pantheistische Naturvergötzung mündet. Hermann Claudius (1913) schuf die Hymne der sozialistischen Arbeiterbewegung „Wenn wir schreiten Seit an Seit‘…“, deren eine Strophe lautet: „Birkengrün und Saatengrün, wie mit bittender Gebärde hält die alte Mutter Erde, dass der Mensch ihr Eigen werde, ihm die vollen Hände hin…“.

Es ist festzustellen, dass dieser Text in das Liederbuch der Hitlerjugend übernommen wurde, vermutlich weil er dem nationalsozialistischen Blut- und Boden-Mythos entsprach. Diese ideologische Nähe ist bemerkenswert. Die in solchen Texten zum Ausdruck kommende antirationale Absage an die vernunftbetonte „westliche“ Kultur ist charakteristisch für das „Instrumentum laboris“, das in Nr. 44 von „Mutter Erde“, bzw. dann auch von dem „Schrei der Erde und der Völker“ (Nr.101) spricht.

Dementsprechend wird auch das Territorium – also die Wälder Amazoniens – sogar zu einem „locus theologicus“, eine besondere Quelle der Göttlichen Offenbarung. Hier sind Orte der Epiphanie, wo sich die Reserven von Leben und Weisheit des Planeten zeigen, die von Gott sprechen (Nr. 19). Die hier zum Ausdruck gekommene antirationale Absage an die vernunftbetonte „westliche“ Kultur ist, wie schon gesagt, charakteristisch für das „Instrumentum laboris“. Der damit verbundene Rückfall vom Logos zum Mythos wird indes zum Kriterium dessen erhoben, was das „Instrumentum laboris“ unter Inkulturation der Kirche versteht. Das Ergebnis ist Naturreligion in christlicher Maskerade.

Der Begriff der Inkulturation wird hier geradezu pervertiert, meint er doch eigentlich das Gegenteil von dem, was das Dokument der Internationalen Theologenkommission von 1988 darlegt, und schon das Missionsdekret „Ad gentes“ des II. Vatikanischen Konzils gelehrt hatte.

Über die Abschaffung des Zölibats und die Einführung eines Frauenpriestertums 

Es konnte nicht verborgen bleiben, dass die „Synode“ vor allem dazu dienen sollte, zwei seit Jahrzehnten gehegte, bislang nie erfüllte „Herzensanliegen“ zu erfüllen: Abschaffung des Zölibats und Einführung des Frauenpriestertums – wozu mit geweihten Diakoninnen zu beginnen sei. Jedenfalls geht es darum, die „Rolle, die „leadership der Frau im Inneren der Kirche zu akzeptieren“ (Nr. 129a3). In ähnlichem Sinne öffnen sich „weitere Räume für die Schaffung neuer Dienstämter, wie sie dieser historische Augenblick erfordert. Es ist Zeit, auf die Stimme Amazoniens zu hören…“ (Nr. 43).

Dabei wird verschwiegen, dass zuletzt auch Johannes Paul II. mit höchster lehramtlicher Autorität festgestellt hat, dass es nicht in der Macht der Kirche liegt, das Weihesakrament Frauen zu spenden. In der Tat hat die Kirche in zweitausend Jahren nie einer Frau das Sakrament der Weihe gespendet. Die diesem Befund entgegen gesetzte Forderung lässt den rein soziologischen Begriff von „Kirche“ die Verfasser des „Instrumentum laboris“ erkennen, die den sakramental-hierarchischen Charakter solchermaßen implizit leugnen.

Über das Leugnen des sakramental-hierarchischen Charakters der Kirche 

Auf ähnliche, eher beiläufige Weise wird in Nr. 127 ein direkter Angriff auf die hierarchisch-sakramentale Verfasstheit der Kirche geführt, wenn gefragt wird, ob es nicht angebracht sei, zu „neu darüber nachzudenken, ob die Ausübung von Jurisdiktion in allen Bereichen (Sakrament, Gerichtswesen, Verwaltung) bleibend an das Sakrament der Weihe gebunden sein müsse“. Aus einer solchen falschen Sicht ergibt sich dann (in Nr. 129) die Forderung, neue Ämter zu schaffen, die den Bedürfnissen der Amazonasvölker entsprechen.

Das Gebiet, auf dem die Ideologie des Indigenismus einer falsch verstandenen Inkulturation in besonders spektakulärer Weise Ausdruck finden soll, ist jedoch die Liturgie, der Kult. Hier sollen durchaus Formen aus den Naturreligionen übernommen werden. Dem „Instrumentum laboris“ steht es nicht an, zu fordern, dass „das arme und einfache Volk seinen (!) Glauben durch Bilder, Symbole, Traditionen, Riten und andere Sakramente“ (!!) zum Ausdruck bringen könne (126e). Dies entspricht keinesfalls den Vorgaben der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ wie auch dem Missionsdekret „Ad gentes“, und zeigt ein rein horizontales Verständnis von Liturgie.

Fazit 

Summa summarum: Das Instrumentum laboris mutet der Bischofssynode und schließlich dem Papst einen schwerwiegenden Bruch mit dem „Depositum fidei“ zu, was in der Konsequenz Selbstzerstörung der Kirche bzw. deren Verwandlung vom „Corpus Christi mysticum“ in eine säkulare NGO mit öko-sozio-psychologischem Auftrag bedeutet.

Nach diesen Beobachtungen stellen sich natürlich Fragen: ist vor allem in Bezug auf die sakramental-hierarchische Struktur der Kirche ein entschiedener Bruch mit der für die Kirche konstitutiven Apostolischen Tradition beabsichtigt, oder gehen die Autoren eher von einem Begriff von Dogmenentwicklung aus, der die genannten Brüche theologisch rechtfertigen soll?

Dies scheint in der Tat der Fall zu sein. Wir erleben eine Neuauflage des klassischen Modernismus des beginnenden 20. Jahrhunderts. Von einem dezidiert evolutionistischen Ansatz aus vertrat man damals die Auffassung, dass im Zuge der beständigen Höherentwicklung des Menschen sich auch Schritte zu einer jeweils höheren Bewusstseins- bzw. Kulturstufe ergeben, wobei es sich herausstellen kann, dass heute wahr ist, was gestern noch falsch war. Dieser evolutiven Dynamik unterliege natürlich auch die Religion bzw. das religiöse Bewusstsein mit seinen Ausformungen in Lehre und Kult – natürlich auch der Moral.

Damit wäre allerdings ein Begriff von Dogmenentwicklung vorausgesetzt, der dem genuin katholischen Verständnis schroff entgegengesetzt ist. Dieser versteht vielmehr Entwicklung von Dogma und Kirche nicht als Veränderung, sondern als organische Entfaltung des mit sich selbst identisch bleibenden Subjekts. So lehren die beiden Vatikanischen Konzilien in den Konstitutionen „Dei filius“, „Lumen gentium“und „Dei verbum“.

Es ist mit Nachdruck festzuhalten, dass das „Instrumentum laboris“ in entscheidenden Punkten der verbindlichen Lehre der Kirche widerspricht, und darum als häretisch zu qualifizieren ist. Sofern sogar die Tatsache der Göttlichen Offenbarung in Frage gestellt bzw. missverstanden wird, ist darüber hinaus von Apostasie zu sprechen.

Dies ist umso mehr begründet, als festzustellen ist, dass das „Instrumentum laboris“ von einem rein immanentistischen Religionsbegriff ausgeht und Religion als Ergebnis und Ausdrucksform spiritueller Selbsterfahrung des Menschen betrachtet. Die Verwendung christlicher Worte und Begriffe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese ungeachtet ihres ursprünglichen Inhalts als bloße Worthülsen dienen.ª

Das „Instrumentum laboris“ für die Amazonien-Synode stellt einen bislang kaum für möglich gehaltenen Angriff auf die Grundlagen des Glaubens dar und muss deshalb mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden.

Petition zur Unterstützung des Anliegens Seiner Eminenz

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Quelle

Vorbereitung auf Synode: Neue Wege suchen, um Amazonas zu retten

Kardinal Claudio Hummes

Für den brasilianischen Kardinal Claudio Hummes wird die kommende Synode ein historisches Ereignis sein, um nicht nur die Rettung der Amazonas-Bevölkerung, sondern des gesamten Planeten anzupacken. Es gilt nun, neue Wege zu schaffen, damit in jener Region – und nicht nur dort – „die Mission der Kirche“ erfüllt werden kann, so der Kardinal im Gespräch mit uns.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Kardinal Claudio Hummes, Generalrelator der nächsten Synode für den Amazonas und Präsident des kirchlichen Pan-Amazonas Netzwerkes, wird kommende Woche im Vatikan sein, um an den Vorbereitungen zur Vorsynode teilzunehmen. Der Kardinal nimmt derzeit an der Vollversammlung der brasilianischen Bischöfe in Aparecida teil, die sich auch unter anderem mit der nächsten Synode über den Amazonas beschäftigt. An unseren Mikrofonen macht er eine Bestandsaufnahme der Situation der synodalen Arbeit:

„Wir befinden uns in einem synodalen Prozess, und in dieser ersten Phase des Prozesses wurden alle Diözesen, die Bevölkerung, die Einheimischen, die Städte und Gemeinden im Amazonasgebiet konsultiert. Das ist auch Teil unserer kirchlichen Geschichte, hier in Brasilien wird die Synode ein grundlegender Moment sein. Ich sage immer, dass diese Synode eine historische Synode sein wird, die dem Amazonasgebiet neue Wege erschließen wird, und das wird sich in der ganzen Welt widerspiegeln. Dies ist Teil des ernsten Kontextes der Klima- und Ökologiekrise des Planeten, und wir werden in genau diesem historischen Moment eingereiht. Die Synode findet in einem ernsten Moment in der Geschichte der Menschheit statt, und deshalb wird uns der Geist Gottes dazu führen, neue Wege zu finden, um den Amazonas, das Volk des Amazonas und auch den Planeten zu retten.“

Bei der Synode wird es vor allem um die Frage gehen, wie man neue Wege der Seelsorge finden kann, so der brasilianische Kardinal. „Ich glaube, dass die Kirche ein großes Bedürfnis hat, neue Wege zu finden, und bei meinen Besuchen in diesem Gebiet habe ich nicht nur viele Teile des brasilianischen Urwaldes aufgesucht, sondern auch andere Länder des Amazonasgebiets. Wir spürten immer ein wenig von dieser Qual der Kirche, der Hirten, der Bischöfe, der Priester, dass es keine guten Bedingungen für die Erfüllung der Mission gibt: Es ist notwendig, neue Wege zu erschließen, damit die Mission in diesem historischen Moment im Amazonas auch wirklich durchgeführt werden kann. Dieses Thema der neuen Wege wird grundlegend sein, denn der Papst hat auch gesagt, dass es bei der Synode nicht um bereits Gesagtes gehen wird: Wir müssen von neuen Dingen sprechen, von neuen Perspektiven, ohne Angst vor dem Neuen zu haben. Das ist etwas, das mich glücklich macht und mir Hoffnung gibt.“

Konkrete Vorschläge macht der Kardinal derzeit keine. Dies wird Aufgabe der Synodenväter sein, wenn sie vom 6. bis zum 27. Oktober im Vatikan tagen werden.

(vatican news)

Zum Nachlesen: Alle Beiträge des Synodenblogs, Tag 1 bis Tag 22

Es war einer der Beiträge zur Jugendsynode, der sowohl innerhalb als auch außerhalb der Synodenaula am meisten Resonanz gefunden hatte: der Blog, den Pater Clemens Blattert S.J. täglich für Vatican News und die Jesuiten in Deutschland verfasst hat. P. Blattert war als Peritus, also als Experte ohne Stimmrecht, bei den Beratungen dabei. Tag für Tag nimmt er Sie mit auf dem Weg der Synode – hier noch einmal im Überblick zum Nachlesen.

Tag 1: Eine Einführung – wer bin ich und worum geht es?

Tag 2: Die Kirche meint es ernst mit dem Thema Jugend – und der Papst an erster Stelle.

Tag 3: Noch will jeder sein Anliegen voranbringen – und das macht das Miteinander hart.

Tag 4: Die Aufwärmphase ist vorbei – und die Arbeit in den Kleingruppen beginnt.

Tag 5: Einblicke in die Arbeitsweise der Kleingruppen

Tag 6: Ein Jugendfest mit Bekehrungsgeschichten, die zu schön sind, um wahr zu sein…

Tag 7: Mit welcher Sprache müssen wir uns an die Jugend wenden? Über Verständigungsprobleme und Wertschätzung durch Sprachnutzung.

Tag 8: Den Heiligen Geist wehen lassen – für die Synodenthemen brennen und Frische in die Kirche bringen.

Tag 9: Man geht und geht gemeinsam voran – doch wohin soll es eigentlich gehen?

Tag 10: Wenn jeder berufen werden kann, hat doch eigentlich auch jeder etwas zu sagen?

Tag 11: Wie gelingt es, dass wir uns alle als eine Kirche verstehen?

Tag 12: Die Trüffelsucher des Heiligen Geistes sind im Redaktionsteam am Werk.

Tag 13: Es gibt sie also doch, die Überraschungsmomente auf der Synode.

Tag 14: Es muss etwas herauskommen bei der Synode, sonst wird sie ein Flop. Oder doch nicht?

Tag 15: Zeigen sich bereits die ersten Früchte der Synode? Von jungen Bischöfen und alten (und neuen) Problemen.

Tag 16: Die eigentliche Reform ist es, dass die Kirchenleitung lernt, was es heißt, eine synodale Kirche zu sein und einen gelingenden Dialog zu führen.

Tag 17: Warum sollten wir uns eigentlich Sorgen um die Zukunft der Kirche machen?

Tag 18: Das Abschlussdokument: Keine vorgefertigten Rezepte, sondern Kriterien, wie es weitergehen kann.

Tag 19: Warum dürfen die Auditoren eigentlich den Entwurf des Abschlussdokumentes nicht lesen?

Tag 20: Eine gemeinsame Wallfahrt – das hat es bei einer Synode noch nie gegeben.

Tag 21: Jesuiten sind wie Unternehmensberater – auch wenn sie „Lebensunternehmensberatung“ bei Menschen machen.

Tag 22: Der Abschlusstext hat an Kraft verloren – doch die Weggemeinschaft macht Mut.

 

P. Clemens Blattert SJ ist Leiter der Zukunftswerkstatt Frankfurt/M. Ein Interview mit ihm zur Synode haben wir selbstverständlich auch geführt. „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen über das Morgen, weil die jungen Leute heute Menschen mit tollen Anlagen sind“, sagte er uns bei der Gelegenheit.

(vatican news)