Papst lädt glaubende und nichtglaubende Jugendliche zu Vor-Synode

Der Vatikan wills wissen: Wie denkt ihr über Leben, Welt und Gott?

Papst Franziskus will hören, was junge Leute wirklich über das Leben und den Glauben denken. Im März 2018 lädt er katholische und nicht-katholische Jungen und Mädchen aus aller Welt zu einer Vor-Synode in den Vatikan ein, wie er selbst an diesem Mittwoch bekanntgab. Die Kirche wolle „die Stimme der Jugendlichen“ hören, „ihre Empfindlichkeiten, ihren Glauben und auch ihre Zweifel und Kritikpunkte“, sagte Franziskus auf dem Petersplatz. Die Anregungen der Jugendlichen würden im Vatikan gebündelt und dann den Teilnehmern der Bischofssynode vorgelegt, die sich im Oktober 2018 mit dem Thema „die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ beschäftigen.

Die Vor-Synode findet von 19. bis 24. März statt und steht wie die Synode selbst unter der organisatorischen Verantwortung des Generalsekretariats der Bischofssynode. Eingeladen würden, wie der Papst ausdrücklich sagte, sowohl katholische Jugendliche als auch solche anderer Konfessionen und Religionen sowie nichtglaubende.Die Jugendlichen werden so ausgewählt und eingeladen, dass sie repräsentativ stehen für eine große Bandbreite kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens, wie Synodensekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri in einer Mitteilung am Mittwoch erläuterte. Demzufolge werde man nicht nur mit Bischofskonferenzen, Ordensinstituten, geistlichen Bewegungen und Seminaren bei der Auswahl von Jugendlichen zusammenarbeiten, sondern auch mit der Welt der Schule, der Universität und der Kultur, der Arbeit, des Sports, der Künste, des Freiwilligendienstes „in den extremen Peripherien des Lebens“. Zudem würden Fachleute und Erziehende zum Zug kommen, erklärte Baldisseri. Wie viele Personen an der Vor-Synode teilnehmen werden, ließ seine Mitteilung offen. Das Datum sei so ausgewählt, dass die Teilnehmenden am Palmsonntagsgottesdienst mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz teilnehmen könnten.„Vor-Synoden“ gab es in der gut 50-jährigen Geschichte dieses Instruments kirchlicher Vertiefung bereits, so 1987 vor der Synode über die Sendung von Laien und 1991 vor der Synode zu Europa, so Baldisseri. Noch bis Ende November 2017 sind Jugendliche dazu eingeladen, über einen vatikanischen Fragebogen – auch auf Deutsch – zur Vorbereitung der Synode beizutragen.

(rv 04.10.2017 gs)

„Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“

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Kreuz, Gebetswache WJT 2016 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Zusammenfassung des vorbereitenden Dokuments
zur XV. Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober 2018

Im Oktober 2018 wird die XV. Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „ Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ stattfinden. Heute veröffentlichte der Vatikan ein vorbereitendes Dokument, in dem die Beweggründe zu dieser Themenwahl, die Situation der Jugendlichen und die Herausforderungen dargelegt werden.

Während sich die Synode über die neue Evangelisierung und das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium damit beschäftigten, „wie diese Sendung in der Welt von heute verwirklicht werden kann“, die beiden Synoden über die Familie und das nachsynodale Apostolische Schreiben Amoris laetitia mit „der Begleitung der Familien auf diese Freude hin“, soll in der Synode 2018 der Frage nachgegangen werden, „wie die Jugendlichen begleitet werden können, um die Berufung zur Liebe und zum Leben in Fülle zu erkennen und anzunehmen“. Unter Jugendlichen werden Personen im Alter von 16 bis 29 Jahren verstanden.

In dem Dokument wird deutlich gemacht, dass „keine vollständige Analyse der Gesellschaft und der Welt der Jugendlichen vorgelegt werden“ solle, sondern „einige Ergebnisse der Sozialforschung gegenwärtig zu halten“. Die jugendlichen Welten seien vielfältg durch regionale, demographische, historisch und geschlechtsspezifische Unterschiede.

Schnellebigkeit, Flexibilität, Wegwerfkultur, Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Unsicherheit sieht sich die junge Generation gegenüber. Die Jugend von heute zeichne durch die Globalisierung eine zunehmende Homogenisierung aus. Viele lebten in einer multikulturellen Realität, die besondere Anforderungen stelle. Das Dokument nimmt auch die grausame Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen in den Blick, die zu Opfern des Menschenhandelns und der Sklaverei, von Zwangsheiraten werden oder zu Soldaten ausgebildet werden.

Viele Jugendliche möchten sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und austauschen. „Sie suchen nach Menschen, die in der Lage sind, Gleichklang zum Ausdruck zu bringen und Unterstützung, Ermutigung und Hilfe zur Erkenntnis der eigenen Grenzen anzubieten, ohne ihr Urteil aufzudrängen. In dieser Hinsicht bleibt die Rolle der Eltern und der Familien weiterhin entscheidend, wenn auch manchmal problematisch.“ Die Kirche wünschen sie sich näher am Menschen, so das Dokument. Eine besondere Herausforderung der Kirche liegt darin, sich den neuen Kommunikationsmitteln zu stellen, derer sich die Jugendlichen im Alltag bedienen.

Die Jugendlichen müssen sich schwierigen Problemen stellen: „Die Fähigkeit der Jugendlichen, Entscheidungen zu treffen, ist durch Schwierigkeiten behindert, die mit dem Zustand der Unsicherheit in Zusammenhang stehen: die Schwierigkeit, Arbeit zu finden oder ihr dramatischer Mangel; die Hindernisse, wenn es darum geht, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen; die Unmöglichkeit, den eigenen Berufsweg stabil vorauszusehen.“ Viele Jugendliche wandern aus, um sich eine Existenz aufbauen zu können.

„Wenn wir wollen, dass in der Gesellschaft oder in der Gemeinschaft der Christen etwas Neues geschieht, müssen wir Raum schaffen, damit neue Menschen handeln können. Mit anderen Worten: den Wandel nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit zu planen, macht es erforderlich, den neuen Generationen zuzugestehen, ein neues Modell der Entwicklung auszuprobieren. Dies ist vor allem in den Ländern und institutionellen Kontexten problematisch, in denen das Alter derjenigen, die Verantwortung tragen, hoch und der Rhythmus des Generationswechsels verlangsamt ist.“

Die Kirche selbst muss sich zur Diskussion stellen und „ihre Berufung zum Behüten“ neu entdecken. Der Glaube vermag die „universale Brüderlichkeit zwischen den Frauen und Männern aller Zeiten“ zu stärken. Der Kirche stellen sich daher vielgestaltige Fragen: „Wie kann die frohe Botschaft des Evangeliums gelebt und eine Antwort auf den Ruf gegeben werden, den der Herr an all jene richtet, denen er entgegenkommt: durch die Ehe, das Weiheamt oder das Ordensleben? Und in welchem Bereich können die eigenen Talente fruchtbar gemacht werden: im Berufsleben, im Volontariat, im Dienst an den Letzten, im politischen Einsatz?“

Für Jugendliche werde die Situation noch erschwert durch den Umstand, dass sie in der Phase der persönlichen Reifung seien. Das eigene Handeln erkennen und interpretieren und eine Entscheidung treffen, nennt das Dokument als die entscheidenen Phasen. Der Gläubige müsse darauf verzichten wollen, „mit den eigenen Bedürfnissen im Mittelpunkt zu stehen“, dann „öffnet sich der Raum, um das Projekt Gottes anzunehmen, das im Familienleben, im Weiheamt oder im Ordensleben bestehen kann oder darin, gewissenhaft den eigenen Beruf auszuüben und ernsthaft das Gemeinwohl zu suchen“.

Der Geist Gottes handle im Herzen jedes Mannes und jeder Frau durch Gefühle und Wünsche, das menschliche Herz werde durch die eigene Schwäche und durch die Sünde normalerweise geteilt, der Lebensweg lege auf jeden Fall eine Entscheidung auf, so das Dokument zu Berufung und Unterscheidung. Für die Kirche heißt das: „Es geht darum, die Beziehung zwischen dem Menschen und dem Herrn zu fördern und daran mitzuarbeiten, das zu beseitigen, was sie behindert. Hier liegt der Unterschied zwischen der Begleitung zur Unterscheidung und der psychologischen Unterstützung, die sich jedoch, wenn sie zur Transzendenz offen ist, oft von fundamentaler Bedeutung erweist.“

Jugendpastoral und Berufungspastoral setzten die Begleitung der Jugendlichen voraus, d.h. sie ernst zu nehmen, ihre Freiheit anzusprechen, „der Neuheit echten Raum zu geben, ohne sie in dem Versuch, sie in Schubladen zu stecken, zu ersticken“. Hinausgehen, verweilen und zuhören sowie alle Jugendlichen begleiten, ihnen zum Nächsten zu werden, „ist ein besonderes Geschenk des Geistes, das in der Lage ist, den Stil einer Kirche, die aus sich herausgeht, aufleuchten zu lassen“. Die Kirche muss von den Jugendlichen lernen und die ganze Gesellschaft sich an ihrer Erziehung beteiligen. „Schließlich gilt es, die Möglichkeiten der Beteiligung der Jugendlichen in den Organen der diözesanen und pfarrlichen Gemeinschaft, angefangen mit den Pastoralräten, wertzuschätzen. Sie laden die Jugendlichen ein, den Beitrag ihrer Kreativität zu leisten und nehmen ihre Ideen an, auch wenn sie provokativ erscheinen.“

Glaubwürdige Erwachsene, „angesehene Gläubige mit einer klaren menschlichen Identität, einer festen kirchlichen Zugehörigkeit, einer sichtbaren spirituellen Qualität, einer starken erzieherischen Leidenschaft und einer tiefen Fähigkeit zur Unterscheidung“ seien erforderlich. „Innerhalb der Familie sind es in erster Linie die Eltern, die in der Liebe, die sie untereinander und mit ihren Kindern verbindet, jeden Tag die Sorge Gottes für jeden Menschen zum Ausdruck bringen.“

Die Kirche ist aufgefordert, die Jugendlichen auch sprachlich zu erreichen: „Manchmal wird uns bewusst, dass sich zwischen der kirchlichen Sprache und der Sprache der Jugendlichen ein Abstand bildet, der schwierig zu überbrücken ist, auch wenn es viele Erfahrungen einer fruchtbaren Begegnung zwischen den Sensibilitäten der Jugendlichen und den Vorschlägen der Kirche im biblischen, liturgischen, künstlerischen oder im Medienbereich gibt. Wir träumen von einer Kirche, die es versteht, der Welt der Jugendlichen und ihren Sprachen Raum zu geben sowie ihre Kreativität und Talente wertzuschätzen.“

Für die Zukunft gilt: „Gegenüber der Vergangenheit müssen wir uns an Wege der Annäherung an den Glauben gewöhnen, die immer weniger standardisiert und mehr auf die persönlichen Charakteristiken des Einzelnen abgestimmt sind.“

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Quelle

„Habt keine Angst, auf den Geist zu hören“

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Gebetswache WJT 2016 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Papstbrief an die Jugendlichen anlässlich der Vorstellung des „Vorbereitungsdokumentes“ der Bischofssynode 2018 — Volltext

Wir dokumentieren im Wortlaut die offizielle deutsche Übersetzung des Papstbriefes an die Jugendlichen anlässlich der Vorstellung des Vorbereitungsdokumentesder XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 2018 in Rom stattfinden wird.

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Meine lieben Jugendlichen,

mit großer Freude darf ich Euch ankündigen, dass im Oktober 2018 eine Bischofssynode zum Thema «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung» stattfinden wird. Ich wollte, dass Ihr im Zentrum des Interesses steht, da ich Euch im Herzen trage. Heute wird das Vorbereitungsdokument vorgestellt, das ich auch Euch als „Kompass“ auf diesem Weg anvertraue.

Mir kommen die Worte in den Sinn, die Gott an Abraham richtete: «Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde!» (Gen 12,1). Diese Worte sind heute auch an Euch gerichtet: Es sind Worte eines Vaters, der Euch einlädt, „hinauszugehen“, um Euch einer unbekannten Zukunft entgegenzuwerfen, die aber Träger sicherer Verwirklichungen ist und auf die hin Er selbst Euch begleiten wird. Ich lade Euch ein, auf die Stimme Gottes zu hören, die durch das Wehen des Heiligen Geistes in Euren Herzen wiederhallt.

Als Gott zu Abraham sagte «Zieh weg!», was wollte er ihm da sagen? Sicherlich nicht, dass er sich von den Seinen oder von der Welt fliehen sollte. An ihn erging eine gewaltige Einladung, eine Provokation, damit er alles verlasse und sich auf den Weg in ein neues Land mache. Welches ist für uns heute dieses neue Land, wenn nicht eine gerechtere und geschwisterlichere Welt, wie Ihr sie tief ersehnt und wie Ihr sie bis zu den Grenzen der Erde hin aufbauen wollt?

Heute aber nimmt das «Zieh weg!» leider auch eine andere Bedeutung an. Jene des Machtmissbrauchs, der Ungerechtigkeit und des Krieges. Viele von Euch Jugendlichen sind der Erpressung durch Gewalt ausgesetzt und gezwungen, aus ihrem Heimatland zu fliehen. Ihr Schrei steigt zu Gott auf wie jener der Israeliten, die Sklaven der Unterdrückung des Pharao waren (vgl. Ex 2,23).

Ich möchte Euch auch an die Worte erinnern, die Jesus eines Tages den Jüngern sagte, die ihn fragten: «Rabbi […], wo wohnst Du?» Er antwortete: «Kommt und seht» (vgl. Joh 1,38). Auch auf Euch richtet Jesus seinen Blick und lädt Euch ein, zu ihm zu kommen. Liebe Jugendlichen, hat Euch dieser Blick getroffen? Habt Ihr diese Stimme gehört? Habt Ihr diesen Impuls gespürt, Euch auf den Weg zu machen? Ich bin sicher: auch wenn in der Welt der Lärm und die Betäubung zu herrschen scheinen, klingt dieser Ruf noch immer in Eurer Seele, damit Ihr sie der Fülle der Freude öffnet. Dies wird in dem Maße möglich sein, in dem Ihr, auch durch die Begleitung erfahrener Führer, in der Lage seid, einen Weg der Unterscheidung zu gehen, um den Plan Gottes für Euer Leben zu entdecken. Wenn auch Euer Weg von der Vorläufigkeit und vom Fall gezeichnet ist, streckt Gott, der reich an Erbarmen ist, seine Hand aus, um Euch aufzuhelfen.

Bei der Eröffnung des letzten Weltjugendtages in Krakau habe ich Euch mehrfach gefragt: «Können sich die Dinge ändern?» Und Ihr habt gemeinsam ein lautes «Ja!» gerufen. Dieser Schrei entspringt Eurem jugendlichen Herzen, das die Ungerechtigkeit nicht erträgt und sich nicht der Wegwerfkultur beugen will, noch der Globalisierung der Gleichgültigkeit das Feld überlassen will. Hört auf diesen Schrei, der aus Eurem Inneren aufsteigt! Auch dann, wenn Ihr Euch, wie der Prophet Jeremia, der Unerfahrenheit Eures jugendlichen Altes bewusst werdet; Gott ermutigt Euch, dahin zu gehen, wohin Er Euch schickt: «Fürchte Dich nicht […]. Denn ich bin mit Dir, um Dich zu retten» (vgl. Jer 1,8).

Eine bessere Welt wird auch Dank Euch, Dank Eures Willens zur Veränderung und Dank Eurer Großzügigkeit, aufgebaut. Habt keine Angst, auf den Geist zu hören, der Euch zu mutigen Entscheidungen drängt, bleibt nicht stehen, wenn das Gewissen Euch einlädt, ein Risiko einzugehen, um dem Herrn zu folgen. Auch die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik. Lasst Euren Schrei hören, lasst ihn in den Gemeinschaften erschallen und bis zu den Hirten gelangen. Der Hl. Benedikt empfahl den Äbten, vor jeder wichtigen Entscheidung auch die jungen Mönche zu hören, «weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist» (Regel des Hl. Benedikt III, 3).

Auf diese Weise wollen wir, meine Mitbrüder im Bischofsamt und ich, auch durch diesen synodalen Weg noch mehr «Mitarbeiter Eurer Freude» (2 Kor 1,24) werden. Ich vertraue Euch Maria von Nazareth an, einer Jugendlichen wie Ihr, auf die Gott seinen liebevollen Blick gerichtet hat. Er nehme Euch an der Hand und geleite Euch zu einem vollen und großzügigen «Ich bin bereit» (vgl. Lk 1,38).

Mit väterlicher Zuneigung

FRANZISKUS

Aus dem Vatikan, 13. Januar 2017

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Quelle

 

Bischofssynode 2018: Vorbereitungsdokument vorgestellt

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Bischofssynode 2015 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Bischof Genn und Bischof Oster:
„Jeder junge Mensch ist zur Fülle der Freude in Christus berufen!“

Im Vatikan ist heute das Vorbereitungsdokument zur Bischofssynode 2018 vorgestellt worden. Sie steht unter dem Leitwort „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. In einer ersten Stellungnahme erklären der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste, Bischof Dr. Felix Genn (Münster), und der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stefan Oster (Passau): 

„Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11): Das ist der Plan Gottes für die Frauen und Männer jeden Zeitalters und daher auch für alle Jugendlichen des dritten Jahrtausends – ohne Ausnahme. So heißt es in der Einleitung zum Dokument, das der Synode „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ vorangeht. Damit wird der synodale Weg eröffnet, die Freude der Liebe Jesu Christi als Plan für die Jugend im dritten Jahrtausend zu entdecken. Das Dokument geht vielfach von den Jugendlichen selbst aus und beschreibt eine Kirche, die sie auf ihrem Entscheidungs- und Unterscheidungsweg zur Fülle des Lebens begleitet. Mit großer Freude wollen wir uns diesem Weg in der Berufungs- und Jugendpastoral in Deutschland anschließen. Der besondere Blick dieser Synode geht nicht nur auf die Jugend in der Welt von heute, sondern er kommt von den Jugendlichen her. Die Kirche soll durch diesen Blick „die Stimme des Herrn vernehmen, der auch heute noch spricht. Wie früher Samuel und Jeremia, so gibt es auch heute Jugendliche, die in der Lage sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die der Geist uns schenkt“.

Das Dokument beginnt im ersten Teil mit einer knappen Beschreibung der „Jugendlichen in der Welt von heute“. Die Schnelligkeit der Prozesse und des Wandels, die Globalisierung, die von der Technik beherrschte Kultur und die Multireligiosität werden als Herausforderungen der Gegenwart benannt. Junge Menschen sind vielfach kritisch gegenüber Institutionen, dennoch sehnen sie sich nach festen Bezugspersonen und sind bereit, Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen.

Der zweite Teil befasst sich mit dem Prozess der Berufungsfindung junger Menschen. Die Quelle für eine Entscheidung stellt dabei der Dialog mit Gott dar. Dem eigenen Gewissen kommt eine besondere Bedeutung zu. Zur Unterscheidung schlägt das Dokument den Dreischritt Erkennen, Interpretieren und Wählen vor. Die Kirche hat den Auftrag, auf diesem Weg die Jugendlichen mit Gott und zu Gott zu begleiten und an dieser Freude mitzuarbeiten. Erkennbar ist, dass Papst Franziskus diesen Weg der Kirche, wie schon in den Dokumenten Amoris laetitia und Evangelii gaudium, als einen Weg beschreibt, der froh macht und Freude schenken soll.

Der letzte große Abschnitt blickt auf die konkrete Pastoral vor Ort. Zunächst ist es dabei Aufgabe der Kirche, in mutiger Kreativität zu jungen Menschen hinauszugehen, sie zu sehen und sie zu rufen, sodass junge Menschen der Freude des Evangeliums begegnen können. Durch glaubwürdige Bezugspersonen und einladende Räume kann die Kirche Jugendlichen helfen, in der Entscheidungs- und Unterscheidungsfähigkeit im Licht des Evangeliums zu wachsen.

Den Abschluss des Dokumentes bildet ein Fragebogen zur Situation der Jugendpastoral in den einzelnen Ländern. Die große Überraschung aber erwartet einen direkt zu Beginn: Erstmals in der über 50-jährigen Geschichte der Bischofssynode wird sich der Vatikan mit einer Online-Umfrage direkt an junge Menschen wenden.

„Wir rufen – gerade die junge Generation – in unserem Land auf, sich daran zu beteiligen. Papst Franziskus wendet Euch sein Ohr zu. Nutzt diese Chance! Erhebt Eure prophetische Stimme und bringt Euch in die Kirche ein! Erfahrt die Freude, die Christus jedem Menschen im Evangelium schenkt!“

Wir hoffen sehr, dass wir auch für die westliche Kirche neue Wege finden und nicht einfach in plakativen Antworten und Forderungen stecken bleiben. Die Synode soll ein gemeinsamer Weg sein, die Freude der verschiedenen Berufungen und die Freude des Glaubens zu entdecken.

Hinweise:

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz wird sich mit dem Dokument und dem Fragebogen befassen.

Auf der Internetseite des Vatikans sind das Synodendokument und der Fragebogen verfügbar. Jugendliche sind aufgerufen, sich bis Oktober 2017 im Internet direkt an der Umfrage zu beteiligen. Die Seite www.sinodogiovani2018.va soll laut dem Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am 1. März 2017 freigeschaltet werden.

(Quelle: Pressemitteilung der DBK)

„Eine Art Karte“ auf dem Weg zur nächsten Synode

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Ausdruck jugendlicher Spiritualität: Weltjugendtage – RV

Jugend, Glauben, Berufung: Um dieses Thema kreist das Vorbereitungsdokument für die nächste Bischofssynode vom Oktober 2018. Es wurde an diesem Freitag vorgestellt. Der etwa zwanzig Seiten schlanke Text, zu dem auch wieder ein Fragebogen gehört, soll in Bistümern, Pfarreien, Orden und Verbänden weltweit das Nachdenken über eine Neujustierung der kirchlichen Jugendpastoral anstoßen.Erste Neuigkeit auf Seite eins: Auch Jugendliche können sich über eine Internetseite an der neuen Vatikanumfrage zur nächsten Synode beteiligen. Das erhöht die Chancen, dass ihre Vorstellungen in den Grundlagentext der Synode einfließen werden. Was der Vatikan an diesem Freitag präsentierte, war noch nicht dieser Grundlagentext namens „Instrumentum laboris“, sondern nach eigenen Angaben „eine Art Karte, … um eine Suchbewegung zu fördern“.

Ein erster Blick des Textes gilt der Lage von Jugendlichen in der rapide sich ändernden Welt von heute; die Rede ist von einer „hyper-vernetzten Generation“, umgeben von Multireligiosität, „Flüchtigkeit und Vorläufigkeit“. Der zweite, zentrale Textteil denkt darüber nach, wie man jungen Menschen heute helfen kann, Entscheidungen im Bereich von Ehe oder religiöser Berufung zu treffen; er betont die „Wichtigkeit der persönlichen Begleitung“ jedes Einzelnen auf einem solchen Weg, die Rolle des Gewissens und des Gesprächs mit Gott.

Das dritte Kapitel heißt „Die pastorale Tätigkeit“ und bemüht sich um einige konkrete Hinweise für Jugendpastoral – etwa den, dass „die Jugendlichen Subjekt und Objekt der Pastoral“ zugleich sein sollten. Die Gesellschaft behandle Jugendliche „oft wie eine unnütze oder unbequeme Sache“ – diesen Fehler dürfe die Kirche nicht machen.

Ausdrücklich würdigt der Text die Rolle der katholischen Weltjugendtage. Von tiefer Einsicht zeugt die Bemerkung, „dass sich zwischen der kirchlichen Sprache und der Sprache der Jugendlichen ein Abstand bildet, der schwierig zu überbrücken ist“. Im Fragebogen gibt es erstmals eigene Sparten für einzelne Kontinente; das soll den Redakteuren, die später das „Instrumentum laboris“ zusammenstellen, die Arbeit erleichtern. Insgesamt fällt im ganzen Vorbereitungsdokument der spirituelle Grundton auf; wer starke Worte sucht, etwa zum Thema Sexualmoral, wird hier nicht so richtig fündig.

(rv 13.01.2017 sk)

Weltbischofssynode 2018: Jugend-Umfrage geplant

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Vatikanstadt. Zur Vorbereitung auf die Weltbischofssynode 2018 zum Thema Jugend, Glaube und Berufungsfindung plant der Vatikan erneut eine Umfrage. Der Fragenkatalog ist Teil des Vorbereitungsdokuments, das der Synodenrat am 21. und 22. November bei seinem Treffen unter dem Vorsitz von Papst Franziskus verabschiedete. Auch der Repräsentant für Zentral­europa im Synodenrat, Kardinal Christoph Schönborn, nahm an den Beratungen teil.

Das Vorbereitungsdokument wurde vom Generalsekretariat der Bischofssynode zusammen mit Fachleuten erarbeitet. Es soll an Bischofskonferenzen, Diözesen und weitere kirchliche Institutionen versandt werden. Die Umfrage berücksichtigt laut der Mitteilung länderspezifische und kulturelle Unterschiede. Weiteres Thema des zweitägigen Treffens war die Überarbeitung der Geschäftsordnung für Bischofssynoden.

Auch einige der am 19. November vom Papst neu kreierten Kardinäle nahmen daran teil. Dem Rat der Bischofssynode gehören zwei der neuen Purpurträger an: Der Vorsitzende der Brasilianischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Brasilia, Sergio da Rocha, und der Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro Sierra.

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Quelle: Osservatore Romano 48/2016

Siehe auch:

Kardinal Schönborn: Amoris Laetitia ist „ein Akt des kirchlichen Lehramts“

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Kardinal Christoph Schönborn bei der Vorstellung von Amoris Laetitia

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat den lehramtlichen Charakter des Päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ hervorgehoben. In einem Interview mit der Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica“, das in voller Länge am 23. Juli erscheint, betont der langjährige Dogmatik-Professor Schönborn, die Exhortation im Anschluss an die Bischofssynode sei ein „Akt des kirchlichen Lehramtes“, aktualisiert im Kontext der heutigen Zeit. Alle früheren lehramtlichen Äußerungen zu Ehe und Familie müssten nun im Licht des Dokuments von Papst Franziskus gelesen werden.

Sehr wohl mache der Papst in „Amoris Laetitia“ starke und entschlossene Aussagen, die den lehramtlichen Charakter des Schreiben unterstrichen, so der Kardinal. Jedoch wolle Franziskus weg von einem abstrakten, gar „elitären“ Blick der Doktrin auf das Thema Ehe und Familie hin zum Blick des „Guten Hirten“ kommen, der Verständnis und Mitgefühl mit den Schwächen und Fehlern der Menschen habe. Dieser Blick aufs Konkrete und die Aufmerksamkeit für die Schwächsten sei der Schlüssel zu Franziskus‘ Schreiben.

Wenn Franziskus von Familie spreche, mache er sich nicht etwa eine säkulare Sicht zu eigen, noch ein abstraktes Ideal, sondern vielmehr gehe er das Thema mit einem „biblischen Realismus“ an. Auch die Bibel zeichne kein perfektes Bild von der Familie, sondern zeige, dass es sich auch hierbei um Sünder handle, die auf dem Weg seien.

Schönborn sieht Amoris Laetitia in eine lange kirchliche Tradition gebettet, deren moralische Wurzeln bei Ignatius von Loyola und Thomas von Aquin liegen: Weg vom Rigorismus, hin zu einer Moral, die die ganze Person einschließt. Auch sieht Schönborn den Weg des Schreibens bereits bei Franziskus‘ Vorgängern Johannes Paul II und Benedikt XVI. geebnet. So habe Franziskus einen wichtigen Schritt nach vorn getan, indem er verdeutlicht habe, was in der Exhortation „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II . noch implizit gewesen sei: Es existiert keine kirchliche Norm, die für ausnahmslos alle Fälle gilt. Amoris Laetita sei somit der große moralische Text, auf den die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewartet habe.

Kardinal Christoph Schönborn hatte „Amoris Laetitia“ im Auftrag von Papst Franziskus vergangenen April der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Wiener Erzbischof hatte an beiden Familiensynoden teilgenommen, an der ersten als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, an der zweiten auf päpstliche Ernennung.

(rv/civiltà cattolica 07.07.2016 cz)