Krautwaschl: Bischöfe wegen Haltung zu Flüchtlingen im Visier

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Bischof Krautwaschl / Wikimedia Commons – Gerd Neuhold (Sonntagsblatt), CC BY-SA 3.0 AT

Grazer Bischof:
Nächstenliebe muss auch jenen gelten, „die gestrandet sind“

Österreichs Bischöfe geraten wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage immer wieder ins Visier von Kritikern. Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl erhält etwa Mails mit der Behauptung, der Episkopat sei hier „der linken Presse verfallen“, sagte er in einem Interview für die neue Ausgabe der Wochenzeitung „Die Furche“ (Donnerstag). Er selbst sei erst am Tag des Interviews per Mail gefragt worden: „Was gedenken Sie in der Kirche gegen die Islamisierung zu tun?“

Krautwaschl betonte, er wolle auch auf geharnischte Kritik „nicht mit denselben Waffen zurückschießen“. Denn das „würde nicht dem entsprechen, was Jesus gewollt hat“. Vielmehr sei es sein Anliegen zu vermitteln, „dass es um Beziehung geht“. Wer das, was Jesus von Gottes- und Nächstenliebe sagt, ernst nimmt, müsse fragen: „Was heißt das für die, die gestrandet sind? Was heißt das für jene, die da sind und um Hilfe bitten? Da kann ich nicht zuerst einen Mitgliedsausweis verlangen, ob jemand katholisch ist.“ Als Bischof habe er – wie Krautwaschl unterstrich – dann in Erinnerung zu rufen: „Es geht um Menschen! Und das ist höchst politisch.“

Auch werde er nicht müde, zur Differenzierung einzuladen. Einfache Antworten seien in der Flüchtlingsfrage nicht zu finden. Es gelte vielmehr zu fragen, wo die Weltgemeinschaft, wo die EU, wo Österreich zuständig ist – „und wo sind wir unmittelbar gefragt, unser Christsein zu leben?“ Wie der steirische Bischof wörtlich sagte, biete das Evangelium keine „Wellness-Religion“ an. Es dränge vielmehr dazu, „die Komfortzone zu verlassen“. Kritische Nachfrage Krautwaschls: „Aber leben wir das auch? Wir haben es uns sehr gut eingerichtet. Ich werde da nicht müde, zu sagen: Leute, es geht um die Sendung. Dafür seid ihr da – nicht für euch selber.“

Mit großer Skepsis betrachtet der Grazer Bischof die in der Politik wieder gebräuchliche Rede von der „Festung Europa“. Dass sich die Unmittelbarkeit beim Flüchtlingsthema in den Süden verschiebe, beseitige das Problem nicht. Und: „Grenzen, die so neu definiert werden, haben etwas Gefährliches an sich, denn Festungen fallen zumeist“, warnte Krautwaschl.

Flüchtlingsfrage wirft viele Themen auf

Mit der Flüchtlingssituation komme manches eruptiv an die Oberfläche, das sowieso auf der politischen Agenda stehe. Der Bischof nannte den Generationenvertrag in einer Situation, da in Österreich verhältnismäßig wenige Leute im Arbeitsprozess die nicht Erwerbstätigen erhalten müssen. Am Tapet stehe auch das Thema höhere Lebenserwartung und dadurch gestiegene Pflegeerfordernisse. „Da gibt es genug Fragen, die zu lösen sind.“

Auch in der katholischen Kirche stellen sich nach den Worten Krautwaschls neue Herausforderungen. Über Jahrhunderte hinweg sei Christsein hierzulande „relativ abgesichert“ gelebt worden. Aber mit dem Papst gelte es zu fragen: „Leben wir das Evangelium?“ Manche kirchliche Strukturen sind für Krautwaschl „fraglich“ geworden. Er erinnerte daran, dass zwischen den Jahren 1950 und 2000 am meisten Pfarren gegründet wurden.“ Mit der Zurückführung in Pfarrverbände führt man also die alten Strukturen wieder ein.“ Und wenn auf die Unverzichtbarkeit der Priester für die Eucharistiefeier als Herzstück des Glaubenslebens verwiesen werde, stellt sich für den Bischof – wie er sagte – die Frage: „Was ist der wirkliche Dienst des Priesters, oder haben sich die Gemeinden nach der spirituellen Pfeife des Pfarrers zu richten?“

Krautwaschl sieht „innerhalb des kirchlichen Rahmens viele Möglichkeiten, kreativ zu sein“. Seine Überzeugung: „Eigentlich geht es aber darum, zu entdecken, wo uns Gott hinsendet, und nicht in Fragen der Innenarchitektur der Kirche stecken zu bleiben.“

 

24. MÄRZ 2016  KATHOLISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND SCHWEIZ

(Quelle: Webseite der Österreichischen Bischofskonferenz & Kathpress, 24.03.16)