Ganzes Interview: Vatikan fördert Verrat am Evangelium


Bischof Athanasius Schneider über eine vom Vatikan unterstützte Initiative zur Förderung des „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“

Exklusivinterview mit Diane Montagna, LifeSiteNews am 26. August 2019, deutsche Übersetzung von Bischof Schneider autorisiert.

Exzellenz, war aus Ihrer Sicht die Klarstellung zum Abu Dhabi-Dokuments durch Papst Franziskus bei der Mittwoch Generalaudienz vom 3. April 2019 ausreichend? Und was denken Sie über seine Bemerkungen?

Bei der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019 sagte Papst Franziskus: „Warum lässt Gott viele Religionen zu? Gott wollte das zulassen: Scholastische Theologen sprachen von Gottes zulassendem Willen (voluntas permissiva). Er wollte diese Realität zulassen: Es gibt viele Religionen“.

Der Papst bezog sich hier leider nicht auf den objektiv falschen Satz aus dem Abu Dhabi-Dokument, der besagt: „Der Pluralismus und die Vielfalt der Religionen, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Rasse und der Sprache werden von Gott in seiner Weisheit gewollt.“ Dieser Satz ist in sich selbst falsch und widerspricht der Göttlichen Offenbarung, weil Gott uns geoffenbart hat, dass Er keine verschiedenen Religionen will, sondern nur die eine Religion, die er im ersten Gebot des Dekalogs befohlen hat: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Sklaverei. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein geschnitztes Bild oder eine Abbildung von irgendetwas machen, das sich im Himmel oder auf der Erde oder im Wasser oder unter der Erde befindet. Du sollst dich nicht vor ihnen verneigen und ihnen nicht dienen“ (Ex. 20, 2-5).

Unser Herr Jesus Christus bestätigte die beständige Gültigkeit dieses Gebotes und sagte: „Es steht geschrieben:“ Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und Ihm allein dienen“ (Mt. 4,10). Die Worte „Herr“ und „Gott“, ausgedrückt im ersten Gebot, bedeuten die Allerheiligste Dreifaltigkeit, die der eine Herr und der eine Gott ist.

Was Gott also positiv will, ist, dass alle Menschen nur Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, den einen Herrn und Gott, verehren und anbeten sollen. Der Katechismus der katholischen Kirche lehrt: „Weil die zehn Gebote die Grundpflichten des Menschen gegenüber Gott und dem Nächsten zum Ausdruck bringen, sind sie ihrem Wesen nach schwerwiegende Verpflichtungen. Sie sind unveränderlich, sie gelten immer und überall. Niemand kann von ihnen dispensieren“ (Nr. 2072).

Die vorgenannten Äußerungen von Papst Franziskus bei der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019 sind ein kleiner Schritt in Richtung einer Klärung der falschen Formulierung im Dokument von Abu Dhabi. Dennoch bleiben sie unzureichend, weil sie sich nicht direkt auf das Dokument beziehen und weil der Durchschnittskatholik und fast alle Nichtkatholiken die Bedeutung des theologisch technischen Ausdrucks „zulassender Wille Gottes“ weder kennen noch verstehen.

Aus pastoraler Sicht ist es höchst unverantwortlich, die Gläubigen der gesamten Kirche in der Unsicherheit zu lassen in einer so entscheidenden Frage wie der Gültigkeit des ersten Gebotes des Dekalogs und der göttlichen Verpflichtung aller Menschen, aus freiem Willen an Jesus Christus als den einzigen Retter der Menschheit zu glauben und Ihn anzubeten. Als Gott allen Menschen befahl: „Dies ist Mein geliebter Sohn, an Dem Ich Mein Wohlgefallen habe. Hört auf ihn! “(Mt. 17, 5), und wenn Gott infolgedessen in Seinem Gericht „Vergeltung an denen üben wird, die nicht dem Evangelium unseres Herrn Jesus gehorchen “(2 Thess. 1, 8), wie kann Er dann gleichzeitig die Vielfalt der Religionen positiv wollen? Die geoffenbarten eindeutigen Worte Gottes sind mit der Formulierung im Abu Dhabi-Dokument unvereinbar. Das Gegenteil zu behaupten würde der Quadratur des Kreises gleichen oder die Annahme der Denkweise des Gnostizismus oder Hegelianismus bedeuten.

Man kann die Theorie, dass die Verschiedenartigkeit der Religionen von Gott positiv gewollt sei, nicht dadurch rechtfertigen, dass man hierfür die Wahrheit des Glaubensdepositums vom freien Willen als Geschenk Gottes, des Schöpfers, anführt. Gott hat dem Menschen den freien Willen geschenkt, damit er allein Gott, und zwar den Dreieinigen Gott anbetet. Gott hat dem Menschen den freien Willen nicht dazu gegeben, um Götzen anzubeten oder seinen Menschgewordenen Sohn Jesus Christus zu verleugnen oder zu lästern, Der sagte: „Wer nicht glaubt, wird schon verurteilt, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat“ (Joh. 3,18).

Hatten Sie nach Ihrem Austausch mit Papst Franziskus am 1. März während des Ad-limina-Besuchs in Rom weitere Gespräche mit ihm bezüglich Ihrer Bedenken? Wenn ja, war es vor oder nach der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019?

Während der Audienz am 1. März 2019 anlässlich des Ad-limina-Besuchs sprach ich in Anwesenheit der Bischöfe unserer Gruppe mit folgenden Worten zu Papst Franziskus:

„Heiligster Vater, in der Gegenwart Gottes flehe ich Sie im Namen Jesu Christi, der uns richten wird, an, dass Sie jene Aussage des interreligiösen Dokuments von Abu Dhabi zurücknehmen, die die Einzigartigkeit des Glaubens an Jesus Christus relativiert. Andernfalls wird die Kirche in unserer Zeit nicht gemäß der Wahrheit des Evangeliums wandeln, wie der Apostel Paulus es Petrus in Antiochia sagte (vgl. Gal. 2,14)“.

Der Heilige Vater antwortete sofort und sagte, man müsse die Redewendung im Abu Dhabi-Dokument über die Verschiedenartigkeit der Religionen im Sinne des „zulassenden Willens Gottes“ erklären. Darauf wand ich ein: „Da diese Redewendung die Gegenstände des weisen Willens Gottes unterschiedslos aufzählt, indem sie sie logisch alle auf die gleiche Stufe stellt, muss dann die Verschiedenheit des männlichen und weiblichen Geschlechts von Gott ebenfalls mit seinem zulassenden Willen gewollt sein, was aber bedeuten würde, dass Er diese Verschiedenheit tolerieren würde, so wie Er die Verschiedenheit der Religionen tolerieren würde“.

Papst Franziskus gab dann zu, dass der Satz missverstanden werden könnte und sagte: „Aber Sie können den Menschen sagen, dass die Verschiedenheit der Religionen dem zulassenden Willen Gottes entspricht.“ Darauf antwortete ich: „Heiliger Vater, sagen Sie das bitte der ganzen Kirche“. Ich habe meine mündliche Bitte beim Papst auch schriftlich hinterlassen.

Papst Franziskus antwortete mir freundlicherweise mit einem Brief vom 5. März 2019, in dem er seine Worte aus der Audienz vom 1. März 2019 wiederholte. Er sagte, dass man den betreffenden Satz verstehen muss, indem man dabei den Grundsatz des zulassenden Willens Gottes anwendet. Er fügte hinzu, dass das Dokument von Abu Dhabi nicht die Absicht habe, den Willen Gottes bei der Erschaffung der Verschiedenheit von in Farbe und Geschlecht, mit der Verschiedenheit der Religionen gleichzusetzen.

Mit einem Brief vom 25. März 2019 beantwortete ich den Brief von Papst Franziskus vom 5. März 2019, indem ich ihm für seine Freundlichkeit dankte, dabei bat ich ihn mit brüderlichem Freimut, dass er entweder persönlich oder durch ein Dikasterium des Heiligen Stuhls eine erklärenden Note veröffentlichen möge, in welcher er den Inhalt dessen wiederholte möge, was er bei der Audienz vom 1. März 2019 und in seinem Brief vom 5. März 2019 sagte. Ich fügte noch hinzu: „Durch die Veröffentlichung solcher Worte wird Eure Heiligkeit die günstige und gesegnete Gelegenheit haben, in einer schwierigen geschichtlichen Zeit der Menschheit und der Kirche, Christus, den Sohn Gottes, zu bekennen“.

Ich muss auch sagen, dass Papst Franziskus mir dann noch eine vom 7. April 2019 datierte Karte geschickt hat. Dieser fügte er eine Kopie seiner Ansprache von der Mittwoch-Generalaudienz vom 3. April 2019 bei und unterstrich dabei den Abschnitt über den zulassenden Willen Gottes. Natürlich danke ich dem Heiligen Vater für diese freundliche Aufmerksamkeit.

Das „Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ wurde weder offiziell verbessert noch berichtigt, und dennoch wurde ein «Hohes Komitee» zur Verwirklichung der im Dokument enthaltenen Ziele eingesetzt. Am Montag, dem 26. August 2019, veröffentlichte das Presseamt des Heiligen Stuhls eine Erklärung, in der berichtet wurde, dass Papst Franziskus erfreut war, von der Bildung eines „Hohen Komitees“ zur Erreichung der in dem Dokument enthaltenen Ziele zu erfahren. In seiner Erklärung sagte Papst Franziskus: „Obwohl es traurig und schlecht ist, dass in den Nachrichten oft von Hass und Spaltung berichtet wird, wächst dennoch ein verborgenes Meer von Güte, das uns auf Dialog, gegenseitiges Wissen und die Möglichkeit des Aufbaus einer Welt der Brüderlichkeit und des Friedens zusammen mit den Anhängern anderer Religionen und allen Männern und Frauen guten Willens hoffen lässt“. Exzellenz, wie ernst ist dieses Problem?

Das Problem ist von äußerster Ernsthaftigkeit, denn unter der rhetorisch schönen und intellektuell verführerischen Formulierung „Menschliche Brüderlichkeit“ fördern heute Kirchenmänner tatsächlich die Vernachlässigung des ersten Gebotes des Dekalogs und den Verrat am Kern des Evangeliums. So edel solche Ziele wie „menschliche Brüderlichkeit“ und „Weltfrieden“ auch sein mögen, sie können nicht auf Kosten der Relativierung der Wahrheit der Einzigartigkeit Jesu Christi und seiner Kirche und der Untergrabung des ersten Gebotes des Dekalogs gefördert werden.

Das Abu Dhabi-Dokument über „die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ und das mit seiner Umsetzung beauftragte „Hohe Komitee“ ähneln einer schön dekorierten Torte, die einen Schadstoff enthält. Fast unbemerkt wird das dann früher oder später das körpereigene Immunsystem schwächen.

Die Einrichtung des oben genannten „Hohen Komitees “, das unter anderem die Umsetzung des angeblich göttlich gewollten Grundsatzes der „Verschiedenheit der Religionen“ auf allen Ebenen zum Auftrag hat, lähmt die kirchliche Mission ad gentes. Es erstickt ihren brennenden Eifer, alle Menschen zu evangelisieren – natürlich mit Liebe und Respekt. Es hinterlässt den Eindruck, als ob die Kirche von heute sagen würde: „Ich schäme mich des Evangeliums“; „Ich schäme mich zu evangelisieren“; „Ich schäme mich, allen, die noch nicht an Christus glauben, das Licht des Evangeliums zu bringen.“ Dies ist das Gegenteil von dem, was der Apostel Paulus zu den Heiden sagte. Stattdessen erklärte er: „Ich schäme mich nicht des Evangeliums“ (Röm. 1,16) und „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predige!“ (1 Kor. 9,16).

Das Abu Dhabi-Dokument und die Ziele des „Hohen Komitees“ schwächen auch erheblich eine der wesentlichen Eigenschaften und Aufgaben der Kirche, d. h. missionarisch zu sein und sich in erster Linie um die ewige Errettung der Menschen zu kümmern. Es reduziert die Hauptbestrebungen der Menschheit auf die zeitlichen und immanenten Werte von Brüderlichkeit, Frieden und Zusammenleben. In der Tat sind Friedensversuche zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht im Namen Jesu Christi vorgeschlagen werden. Diese Wahrheit erinnert prophetisch an Papst Pius XI., der sagte, dass die Hauptursachen für die Schwierigkeiten, unter denen die Menschheit heute leidet, „in der Tatsache liegen, dass die Mehrheit der Menschen Jesus Christus und sein heiliges Gesetz aus ihrem Leben verbannt hatte; dass Jesus Christus weder in privaten Angelegenheiten noch in der Politik einen Platz hat“. Pius XI. fuhr fort:„ Solange sich Einzelpersonen und Staaten weigern, sich der Herrschaft unseres Erlösers zu unterwerfen, wird es keine wirklich hoffnungsvolle Aussicht auf einen dauerhaften Frieden unter Völkern geben“ (Enzyklika Quas Primas, 1). Derselbe Papst lehrte, dass Katholiken „ein großer Faktor für die Herbeiführung des Weltfriedens werden, weil sie für die Wiederherstellung und Verbreitung des Reiches Christi eintreten“ (Enzyklika Ubi arcano, 58).

Ein Friede, der eine innerweltliche und rein menschliche Realität ist, wird scheitern. Denn nach Pius XI. „nährt sich der Friede Christi nicht von den Dingen der Erde, sondern von denen des Himmels. Es kann auch nicht anders sein, denn Jesus Christus hat der Welt die Existenz geistiger Werte offenbart und für sie die gebührende Wertschätzung erlangt. Er hat gesagt: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und dabei seiner eigenen Seele schadet?“ (Mt. 16,26). Er gab uns auch eine göttliche Lehre über den Mut und die Beständigkeit: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper töten, die Seele aber nicht töten können; sondern fürchtet euch vor Dem, Der sowohl die Seele als auch den Körper in die Hölle stürzen kann“ (Mt. 10,28; Luk. 12,14)“ (Enzyklika Ubi arcano, 36).

Gott schuf die Menschen für den Himmel. Gott schuf alle Menschen, um Jesus Christus zu erkennen, übernatürliches Leben in Ihm zu haben und das ewige Leben zu erlangen. Alle Menschen zu Jesus Christus und zum ewigen Leben zu führen, ist daher die wichtigste Sendung der Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns eine treffende und schöne Erklärung dieser Mission gegeben: „Der Grund dieser missionarischen Tätigkeit ergibt sich aus dem Plan Gottes, der “will, dass alle Menschen heil werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat” (1 Tim. 2,4-6), “und in keinem andern ist Heil” (Apg. 4,12). So ist es nötig, dass sich alle zu ihm, der durch die Verkündigung der Kirche erkannt wird, bekehren sowie ihm und seinem Leib, der Kirche, durch die Taufe eingegliedert werden. Christus selbst hat nämlich “mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont und damit zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten” (Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, 14). Wenngleich Gott Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die er weiß, zum Glauben führen kann, ohne den es unmöglich ist, ihm zu gefallen (vgl. Hebr. 11,6), so liegt also doch auf der Kirche die Notwendigkeit (vgl. 1 Kor 9,16) und zugleich das heilige Recht der Evangeliumsverkündigung. Deshalb behält heute und immer die missionarische Tätigkeit ihre ungeschmälerte Bedeutung und Notwendigkeit“ (Ad Gentes, 7).

Ich möchte diese letzten Worte betonen: „Die missionarische Tätigkeit der Kirche von heute behält ihre Notwendigkeit!“

Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

In seiner Mittwoch-Generalaudienz vom dem 3. April 2019 sagte Papst Franziskus noch Folgendes zur Vielfalt der Religionen: „Es gibt viele Religionen. Einige sind aus der Kultur geboren, aber sie schauen immer in den Himmel; Sie sehen zu Gott. “

Diese Worte widersprechen in gewisser Weise der folgenden lichtvollen und klaren Aussage von Papst Paul VI.: „Unsere christliche Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken“ (Enzyklika Evangelii Nuntiandi, 52). Wie aktuell sind auch die Worte von Papst Leo XIII.: “Die Auffassung, dass alle Religionen gleich sind, hat den Ruin aller Religionsformen und insbesondere der katholischen Religion zur Folge, die, da sie die einzige wahre ist, nicht ohne große Ungerechtigkeit als bloß gleichwertig mit anderen Religionen angesehen werden kann” (Enzyklika Humanum genus, 16).

Treffend sind auch die folgenden Worte von Papst Paul VI.: „Am Ende der großen Versammlung im Oktober hörten Wir zu Unserer Freude und Unserem Trost das klare Wort: „Wir wollen erneut bekräftigen, dass die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, die wesentliche Sendung der Kirche ist“, eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren, d.h. um zu predigen und zu unterweisen, Mittlerin des Geschenkes der Gnade zu sein, die Sünder mit Gott zu versöhnen, das Opfer Christi in der heiligen Messe immer gegenwärtig zu setzen, welche die Gedächtnisfeier seines Todes und seiner glorreichen Auferstehung ist“ (Enzyklika Evangelii Nuntiandi, 14).

Deshalb lehrt auch der Katechismus der katholischen Kirche: “Das letzte Ziel der Mission ist es, die Menschen an der Gemeinschaft teilhaben zu lassen, die zwischen dem Vater und dem Sohn im Geist der Liebe besteht” (Nr. 850).

Durch eine direkte oder indirekte Anerkennung der Gleichheit aller Religionen mittels der Verbreitung und Umsetzung des Dokuments von Abu Dhabi (vom 4. Februar 2019) ohne seine falsche Behauptung über die Vielfalt der Religionen zu korrigieren, verraten heute Kirchenmänner nicht nur Jesus Christus als den einzigen Retter der Menschheit und die Notwendigkeit seiner Kirche für das ewige Heil, sondern begehen auch eine große Ungerechtigkeit und eine Sünde gegen die Nächstenliebe. Im Jahre 1542 schrieb der heilige Franz Xaver aus Indien an seinen geistlichen Vater, den heiligen Ignatius von Loyola: „Viele Menschen an diesen Orten sind keine Christen, nur weil es niemanden gibt, der sie so macht. Oft habe ich den Wunsch, zu den Universitäten Europas zu reisen, besonders nach Paris, und von überall her wie ein Verrückter zu rufen, um diejenigen, die mehr Wissen als Nächstenliebe haben, mit diesen Worten anzutreiben: „Wie viele Seelen sind aufgrund eurer Trägheit des Himmels beraubt und enden in der Hölle!“.

Mögen diese flammenden Worte des himmlischen Patrons der Missionen und des ersten großen Jesuitenmissionars den Verstand und das Herz aller Katholiken und insbesondere des ersten Jesuitenpapstes berühren, damit er mit evangelischem und apostolischem Mut die m Abu Dhabi-Dokument enthaltene falsche Aussage über die Vielfalt der Religionen widerrufe. Durch eine solche Tat könnte er die Freundschaft und die Wertschätzung der Mächtigen dieser Welt verlieren, aber sicherlich nicht die Freundschaft und die Wertschätzung Jesu Christi, eingedenk Seiner Worten: „Jeden, der mich vor den Menschen bekennen wird, werde Ich auch vor meinem himmlischen Vater bekennen“(Mt. 10,32).

26. August 2019

+ Athanasius Schneider

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Papst: Das Evangelium in der Sprache von heute verkünden

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Papst traf Ordensleute

Das Evangelium muss den Menschen von heute „in einer Sprache und auf eine Weise verkündet werden, die sie verstehen können“. Das sagte Papst Franziskus an diesem Samstag zu Ordensleuten. Die Menschen seien heute umgeben von „Prozessen rascher sozialer und kultureller Veränderung“. Das sei eine Herausforderung zur Kreativität für alle, die das Evangelium wirklich in unserer Zeit einheimisch machen wollten.

„Den Menschen nahe sein, die wie wir sind, den einfachen Menschen… Mir gefällt dieser Abschnitt aus dem Brief des Paulus an Timotheus, in dem er ihn an den Glauben erinnert, den er von seiner Mamma und seiner Oma empfangen hat. Die Einfachheit der Mamma, der Oma… Das ist das Fundament, nicht wahr? Wir sind keine Prinzen, Söhne von Prinzen oder Grafen oder Baronen, wir sind einfache Leute, Volk. Und darum gehen wir mit dieser Einfachheit zu den Einfachen und den Leidenden, den Kranken, den Kindern, den alleingelassenen Alten, den Armen, zu allen. Und diese Armut ist im Zentrum des Evangeliums, weil sie die Armut Jesu ist. Keine soziologische Armut – die Armut Jesu.“

Auch die Mittel der Evangelisierer seien „ganz kleine, einfache“, fuhr der Papst fort. Wir seien doch alle nur „klein“ und „unwürdig“: „Aber wir haben einen großen Horizont, das ist unser Glaube an die Macht des Herrn.“ Mit unserem Kleinsein verhalte es sich wie mit dem Samen aus dem biblischen Gleichnis, der immer größer werde und den der Herr wachsen lasse.

„Die Horizonte der Evangelisierung und die dringende Notwendigkeit, die Botschaft des Evangeliums allen ohne Ausnahme zu bringen, sind ein weites Feld für das Apostolat. So viele Menschen warten heute noch darauf, Jesus kennenzulernen, den einzigen Erlöser des Menschen, und viele ungerechte oder prekäre Situationen können glaubende Menschen nicht ruhig lassen!“

Die Evangelisierung sei heute eine „sehr dringende Mission“, und Voraussetzung für sie sei „die eigene Umkehr und die Umkehr der Gemeinschaft“. „Nur Herzen, die völlig offen sind für die Gnade, können die Zeichen unserer Zeit deuten und den Schrei der Menschheit nach Hoffnung und Frieden aufnehmen!“ Mut und Risikobereitschaft brauche es heute, „um auf die neuen Herausforderungen zu antworten und die Mission neu anzupacken“.

(rv 18.02.2017 sk)

PAPST FRANZISKUS: ZUM ANGELUS AM 31. AUGUST 2014

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Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!

Auf dem sonntäglichen Weg mit dem Matthäusevangelium gelangen wir heute zu einem entscheidenden Punkt: Nachdem Jesus sich vergewissert hatte, dass Petrus und die anderen Elf an ihn als den Messias und Sohn Gottes glaubten, »begann er, [ihnen] zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und […] vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen« (16,21). Es ist ein kritischer Augenblick, in dem der Gegensatz zwischen der Denkweise Jesu und der seiner Jünger hervortritt.

Petrus fühlt sich sogar verpflichtet, den Meister zu tadeln, da er dem Messias kein derart unwürdiges Ende zuschreiben kann. Daraufhin tadelt Jesus seinerseits Petrus sehr heftig, er »weist ihn zurecht«, weil er »nicht das im Sinn [hat], was Gott will, sondern was die Menschen wollen« (V. 23) und – ohne es zu bemerken – die Rolle Satans, des Versuchers, spielt. Diesen Punkt unterstreicht in der Liturgie des heutigen Sonntags auch der Apostel Paulus, der in seinem Brief an die Christen von Rom schreibt: »Gleicht euch nicht dieser Welt an« – nicht die Denkmuster dieser Welt übernehmen –, »sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist« (Röm 12,2).

Tatsächlich leben wir Christen in der Welt, ganz eingefügt in die gesellschaftliche und kulturelle Wirklichkeit unserer Zeit, und das ist richtig so; doch dies bringt die Gefahr mit sich, dass wir »weltlich« werden, die Gefahr, dass »das Salz seinen Geschmack verliert«, wie Jesus sagen würde (vgl. Mt 5,13), also dass der Christ »verwässert« wird, die Kraft der Neuheit verliert, die vom Herrn und vom Heiligen Geist kommt. Das Gegenteil müsste der Fall sein: Wenn in den Christen die Kraft des Evangeliums lebendig bleibt, dann kann sie »die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenpunkte, die Denkgewohnheiten, die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle« umwandeln (Paul VI., Evangelii nuntiandi, 19). Es ist traurig, »verwässerte« Christen zu finden, die wie gestreckter Wein zu sein scheinen, und man weiß nicht, ob sie Christen oder weltlich sind, wie man beim gestreckten Wein nicht weiß, ob das nun Wein oder Wasser ist! Das ist traurig. Es ist traurig, dass es Christen gibt, die nicht mehr das Salz der Erde sind, und wir wissen, dass das Salz zu nichts mehr dient, wenn es seinen Geschmack verloren hat. Ihr Salz hat den Geschmack verloren, weil sie sich dem Geist der Welt ergeben haben, das heißt weil sie weltlich geworden sind.

Deshalb ist es notwendig, sich beständig zu erneuern und dabei aus der Lebenskraft des Evangeliums zu schöpfen. Und wie kann man das praktisch bewerkstelligen? Vor allem gerade durch das tägliche Lesen und Betrachten des Evangeliums, so dass das Wort Jesu in unserem Leben immer gegenwärtig ist. Denkt daran: Das Evangelium immer bei euch zu haben, wird euch dabei eine Hilfe sein – ein kleines Evangelium in der Jackentasche, in der Handtasche, und während des Tages einen Abschnitt daraus lesen. Immer aber mit dem Evangelium, denn das heißt, das Wort Jesu bei sich zu haben und es lesen zu können. Außerdem hören wir durch die Teilnahme an der Sonntagsmesse, wo wir dem Herrn in der Gemeinschaft begegnen, sein Wort und empfangen die Eucharistie, die uns mit ihm und untereinander vereint; und für die geistliche Erneuerung sind die Einkehrtage und die Exerzitien sehr wichtig. Evangelium, Eucharistie und Gebet.

Nicht vergessen: Evangelium, Eucharistie, Gebet. Dank dieser Gaben des Herrn ist es uns möglich, uns nicht an die Welt anzugleichen, sondern an Christus und ihm auf seinem Weg nachzufolgen, dem Weg des »Verlierens des eigenen Lebens«, um es dann neu zu gewinnen (vgl. V. 25). »Es verlieren « im Sinne, es zu verschenken, es aus Liebe und in Liebe hinzugeben – und das bringt das Opfer mit sich, auch das Kreuz –, um es wieder zurückzuerhalten: gereinigt, befreit vom Egoismus und von der Hypothek des Todes, ganz erfüllt von der Ewigkeit. Die Jungfrau Maria geht uns auf diesem Weg immer voran; wir wollen uns von ihr führen und begleiten lassen.

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PAPST BENEDIKT XVI. beim Angelus zum 14. August 2011

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Liebe Brüder und Schwestern!

Der Abschnitt aus dem Evangelium des heutigen Sonntags beginnt mit der Angabe des Gebiets, in das sich Jesus begab: Tyrus und Sidon, im Nordwesten Galiläas, Land der Heiden. Und dort begegnet er einer kanaanäischen Frau, die sich an ihn wendet und ihn bittet, ihre von einem Dämon gequälte Tochter zu retten (vgl. Mt 15,22). Bereits in dieser Bitte können wir den Beginn eines Glaubenswegs erkennen, der im Gespräch mit dem göttlichen Meister wächst und sich verstärkt. Die Frau scheut sich nicht, Jesus zuzurufen: »Hab Erbarmen mit mir«, ein Ausdruck, der oft in den Psalmen vorkommt (vgl. 51,1), sie nennt ihn »Herr« und »Sohn Davids« (vgl. Mt 15,22) und legt so eine feste Hoffnung auf Erhörung an den Tag. Welche Haltung nimmt der Herr angesichts jenes Schmerzensschreis einer heidnischen Frau ein? Das Schweigen Jesu mag beunruhigend erscheinen, so daß es das Eingreifen der Jünger hervorruft, doch es handelt sich nicht um Gefühllosigkeit gegenüber dem Schmerz jener Frau.

Der hl. Augustinus merkt in seinem Kommentar zu Recht an: »Christus zeigte sich ihr gegenüber nicht gleichgültig, um ihr das Erbarmen zu verweigern, sondern um das Verlangen danach zu entflammen« (Sermo 77,1: PL 38,483). Die scheinbare Teilnahmslosigkeit Jesu, der sagt: »Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt« (V. 24), entmutigt die Kanaaniterin nicht, die weiter drängt: »Herr, hilf mir!« (V. 25). Und selbst, als sie eine Antwort erhält, die jeder Hoffnung die Tür zu verschließen scheint – »Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen« (V. 26) –, läßt sie nicht ab. Sie will niemandem etwas wegnehmen: in ihrer Einfachheit und Demut reicht ihr wenig, genügen ihr die Brotreste, es genügen ihr nur ein Blick, ein gutes Wort des Sohnes Gottes. Und Jesus bewundert eine aus einem derart großen Glauben kommende Antwort und sagt zu ihr: »Was du willst, soll geschehen« (V. 28).

Liebe Freunde, auch wir sind aufgerufen, im Glauben zu wachsen, uns zu öffnen und in Freiheit das Geschenk Gottes anzunehmen, Vertrauen zu haben, auch zu Jesus zu rufen: »Schenke uns den Glauben! Hilf uns, den Weg zu finden!« Das ist der Weg, den Jesus seine Jünger, die kanaanäische Frau und die Menschen aller Zeiten und Völker, einen jeden von uns hat zurücklegen lassen. Der Glaube macht uns offen, damit wir die wirkliche Identität Jesu, seine Neuheit und Einzigartigkeit, sein Wort als Quelle des Lebens erkennen und annehmen, um in einer persönlichen Beziehung zu ihm zu leben. Die Erkenntnis aus dem Glauben wächst, sie wächst zusammen mit dem Verlangen, den Weg zu finden, sie ist letztendlich ein Geschenk Gottes, der sich uns nicht als etwas Abstraktes ohne Gesicht und Namen offenbart, sondern der Glaube antwortet einer Person, die mit uns in eine Beziehung tiefer Liebe treten und unser ganzes Leben erfassen will. Daher muß unser Herz jeden Tag die Erfahrung der Umkehr machen; an jedem Tag muß sichtbar werden, wie wir von einem in sich selbst verschlossenen Menschen zu einem Menschen werden, der für das Wirken Gottes offen ist, zum »geisterfüllten Menschen« (vgl. 1 Kor 2,13–14), der sich vom Wort des Herrn ansprechen läßt und sein Leben für dessen Liebe öffnet.

Liebe Brüder und Schwestern, jeden Tag also wollen wir unseren Glauben nähren mit dem tiefgehenden Hören des Wortes Gottes, mit der Feier der Sakramente, mit dem persönlichen Gebet als ein »Rufen« zu ihm und mit der Liebe zum Nächsten. Bitten wir um die Fürsprache der Jungfrau Maria, die wir morgen in ihrer glorreichen Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele betrachten werden, damit sie uns helfe, mit dem Leben die Freude zu verkünden und zu bezeugen, den Herrn gefunden zu haben und ihm begegnet zu sein.

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„Eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes, des Friedens und der Nächstenliebe“

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Angelus / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

‪Die Worte von Papst Franziskus
beim Angelus am Sonntag, dem 3. Juli 2016‬

‪„Eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes, des Friedens und der Nächstenliebe.“ Diese Heilsbotschaft sollten die Jünger und Arbeiter Jesu der ganzen Welt und allen Menschen verkünden, so sagte Papst Franziskus ausgehend vom Tagesevangelium in seiner Katechese vor dem heutigen Angelusgebet.

‪Wer aber das Evangelium verkünden möchte, sollte sich einiger Sachen klar bewußt sein: erstens, dass das Reich Gottes Tag für Tag aufgebaut werde und bereits jetzt auf dieser Erde Früchte der Umkehr, der Purifikation, der Liebe und des Trostes bringe.‬

‪Weiter sollten die Arbeiter Gottes sich der schwierigen und manchmal feindlichen Wirklichkeit gut bewusst sein, so unterstrich der Papst. „Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“, so laute es ja ganz klar im Evangelium. Und tatsächlich stehe die Feindseligkeit immer am Anfang der Verfolgung der Christen, erinnerte der Papst.‬

‪Genau deswegen sollten die Missionare des Reich Gottes freie Männer und Frauen sein, d.h. „frei von menschlichen Konditionierungen jeder Art“. Und deshalb gebe es auch keinen Platz für persönlichen Ruhm, Karrierismus oder Machthunger. Der Jünger Jesu solle sich dagegen demütig zu einem Instrument des Heils machen.‬

‪Die Sendung der Christen in der Welt sei „wunderbar“, so sagte Papst Franziskus. Und sie gelte allen ohne Ausnahme. Sie verlange viel Großzügigkeit und vor allem einen nach oben gewandten Blick und Herz. Und Freude. Die Kirche – so unterstrich der Papst – brauche Christen, die „mit Freude” die Frohe Botschaft im Alltag bezeugen.‬

‪Nach dem Angelus betete der Papst gemeinsam mit den Pilgern auf dem Petersplatz für die Opfer des Terroranschlags in Dhaka, Bangladesh, und bat den Herrn, die vom Hass verblendeten Herzen der Gewalttätigen zu heilen.‬

Zum Schluss erinnerte er die Gläubigen daran, dass am Mittwoch, dem 6. Juli, der Gedenktag der heiligen Maria Goretti (1890-1902) begangen wird. Vor ihrem Tod verzieh die nur elf Jahre alte Märtyrerin aus Nettuno (Latium) ihrem Mörder. „Dieses tapfere Mädchen verdient den Applaus des ganzen Platzes“, sagte der Papst. (pdm)

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