Christentum, Islam und Gewalt

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Von Ludger Schwienhorst-Schönberger

Bischof Dr. Stefan Oster weist zurecht darauf hin, dass die „Ausübung von aggressiver Gewalt im Namen Jesu … nur als dramatisches Missverständnis“ zu beurteilen ist. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Die Verwendung des Begriffs „aggressive Gewalt“ lässt jedoch die Frage aufkommen, ob es auch Formen „nicht-aggressiver Gewalt“ gibt. Wenn das der Fall sein sollte, stellt sich die Frage, wie die Heilige Schrift und die Lehre der Katholischen Kirche dazu stehen.

I. EINGRENZUNG DER GEWALT DURCH GEWALT

Die Bibel und die Lehre der Kirche gehen davon aus, dass es zwei unterschiedlich zu bewertende Formen von Gewalt gibt: eine rechtmäßige Gewalt, die gewöhnlich „potestas“ (Macht) genannt wird, und eine unrechtmäßige Gewalt, die gewöhnlich „violentia“ genannt wird. Der Bischof spricht über den zweiten Typ der Gewalt, die „aggressive Gewalt“. Ich möchte etwas zum ersten Typ, der rechtmäßigen Gewalt sagen, weil auch ihre Beurteilung für das Verständnis des Christentums – gerade in unserer Zeit – wichtig ist.

Im Hintergrund der Unterscheidung steht das Dilemma von Recht und Gewalt. Einerseits soll die Gewalt durch das Recht überwunden werden. Anderseits ist dies aber nur möglich, wenn das Recht mit Gewalt ausgestattet wird. „Denn was könnte gegen Gewalt ohne Gewalt getan werden“, fragt Cicero (Epistolae ad familiares XII,3). Eine Gesellschaft, in der es Freiheit und Gesetz gibt, aber keine Gewalt, die dem Gesetz Anerkennung verschaffen könnte, bezeichnet Immanuel Kant als Anarchie. Innerhalb des Alten Testaments wird uns eine solche Gesellschaft im Buch der Richter vor Augen geführt. Das Volk ist in die Freiheit und in das Land geführt worden, ihm wurde das Gesetz, die Tora, gegeben, aber es fehlte eine Gewalt, die dem Gesetz Geltung verschafft: „In jenen Tagen gab es noch keinen König in Israel; jeder tat, was ihm gefiel“ (Ri 21,25 u.ö.). Es herrscht Anarchie. Ri 17-21 erzählt von eklatanten Verstößen gegen das Gesetz (Massentötungen und Frauenraub usw.) und plädiert damit für das Königtum (modern gesprochen: für den Staat), näherhin für das davidische Königtum, d.h. für eine Instanz, die dem Recht Geltung verschafft. In Ps 72, dem „Testament Davids an seinen Sohn und Nachfolger Salomo“ (in der Überschrift muss es „für Salomo“, nicht „von Salomo“ heißen!), wird uns ein solcher König vor Augen gestellt: Es soll ein König sein, der das Volk in Gerechtigkeit regiert, der den Gebeugten Recht verschafft und der den Gewalttätigen zermalmt. Was hier beschrieben wird ist der Sache nach die Idee des modernen Rechtsstaates: Die Gewalt wird monopolisiert und an das Recht gebunden. Deshalb weist der Berliner Historiker Heinrich August Winkler darauf hin, dass „das normative Projekt des Westens“ nicht ohne den jüdisch-christlichen Monotheismus verstanden werden kann (Geschichte des Westens, Bd. I, München 2009, 25-46). Damit das Recht nicht nur „leere Anpreisung“ (Kant) bleibt, muss es also mit Gewalt ausgestattet sein.

Diese Anwendung rechtmäßiger Gewalt hat die Katholische Kirche nie infrage gestellt. Sie steht damit in bester biblischer Tradition. In der Gestalt der Blutrache, die in Gesellschaften ohne Zentralgewalt eine später vom Staat übernommene Aufgabe übernimmt, wird sie sogar von Gott nach dem urgeschichtlichen Brudermord gestiftet (Gen 4,15). Ihr Kerngedanke lautet: Eingrenzung der Gewalt durch Androhung und Anwendung rechtmäßiger Gewalt.

Das Alte Testament befasst sich über weite Strecken mit diesem Thema. Davon wird durch das Neue Testament nichts zurückgenommen. Im 13. Kapitel des Römerbriefes gibt Paulus zu erkennen, dass er selbstverständlich in dieser Tradition steht, wenn schreibt: „Denn es gibt keine Gewalt (potestas), die nicht von Gott stammt … Denn nicht ohne Grund trägt sie das Schwert. Sie steht im Dienste Gottes und vollstreckt das Urteil an dem, der Böses tut.“ Aus dem letzten Satz geht eindeutig hervor, dass die ganze Argumentation nur dann dem christlichen Glauben entspricht, wenn die staatliche Gewalt an das Recht gebunden bleibt: „Vor den Trägern der Macht hat sich nicht die gute, sondern die böse Tat zu fürchten“ (Röm 13,3). Offen bleibt die Frage nach der Berechtigung des Tyrannenmordes, die später Thomas von Aquin ausführlich und differenziert behandelt. Paulus war also nicht der Ansicht, dass die Ausübung rechtmäßiger, staatlicher Gewalt der Botschaft Jesu widerspreche.

Weshalb ich so ausführlich darauf eingegangen bin: Nach Lehre der Katholischen Kirche widerspricht diese Form der Gewaltanwendung nicht der Botschaft Jesu. Die Kirche geht sogar soweit, dass sie das Recht auf Todesstrafe in extremen Fällen dem Staat nicht abspricht. Zumindest sagt das der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), approbiert von Papst Johannes Paul II. vom 25. Juni 1992, unter Nr. 2266: „Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, dass der Angreifer außerstande gesetzt wird zu schaden. Aus diesem Grunde hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit des Rechtes und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen.“ Hier ist allerdings zu ergänzen, dass Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika „Evangelium vitae“ zwar an der Todesstrafe als letztes Mittel zum sozialen Selbstschutz der Gesellschaft festhält, dann aber fortfährt: „Solche Fälle sind jedoch heutzutage infolge der immer angepassteren Organisation des Strafwesens schon sehr selten oder praktisch überhaupt nicht mehr gegeben.“ Im Jahre 1999 ging der Papst noch einen Schritt weiter und richtete einen Appell an alle Staatsführer, eine internationale Übereinkunft zur Abschaffung der Todesstrafe zu erreichen.“ (N.B.: Kardinal Schönborn sagte mir allerdings, bei der leichten Revision des KKK habe es an genau dieser Stelle eine Korrektur gegeben – auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Johannes Paul II., so dass die Todesstrafe jetzt auch nicht mehr als ultima ratio einer staatlichen Notwehr gebilligt würde – aber nicht aus prinzipiellen, sondern aus historisch-kontingenten Gründen. Leider bin ich nur im Besitz der Fassung des KKK von 1992 und auf der Homepage des Vatikans konnte ich im deutschen Text der Ausgabe von 1997 keine Änderung feststellen).

Das Thema wird im KKK unter der Überschrift „Notwehr“ abgehandelt, und darum geht es mir (und nicht um die Todesstrafe). Der entscheidende Punkt ist, dass jemand, der einen anderen Menschen im Falle der Notwehr tötet, weder gegen das 5. Gebot noch gegen die Bergpredigt verstößt. In gewissen Situationen kann er sogar dazu verpflichtet sein, etwa wenn er Verantwortung für andere trägt. Um ein aktuelles Beispiel zu bringen: Der Polizist, der den Amokfahrer von Nizza erschossen hat, hat nicht gegen das 5. Gebot verstoßen. Wenn er Katholik war, muss er die Tat also nicht beichten. Der KKK sagt das sehr klar unter den Nr. 2263 – 2265: „Die Notwehr kann für den, der für das Leben anderer oder für das Wohl seiner Familie oder des Gemeinwesens verantwortlich ist, nicht nur ein Recht, sondern eine schwerwiegende Verpflichtung sein“ (2265). Die Argumentation beruft sich auf den heiligen Thomas von Aquin, den „allgemeinen Lehrer der Katholischen Kirche“. Die Argumentationsfigur lautet „Handlung mit Doppelwirkung“: „Aus der Handlung dessen, der sich selbst verteidigt, kann eine doppelte Wirkung folgen: die eine ist die Rettung des eigenen Lebens, die andere ist die Tötung des Angreifers“ (s. th. II-II, q. 64, a. 7 i.c.a.: „Ex actu igitur alicuius seipsum defendentis duplex effectus sequi potest, unus quidem conservatio propriae vitae; alius autem occisio invadentis“).

II. ÜBERWINDUNG DER GEWALT DURCH GEWALTLOSIGKEIT

Dem Alten Testament geht es vor allem um die Eingrenzung der Gewalt durch Gewalt. Jesus hebt dieses Modell nicht auf (vgl. Mt 5,17-20), sondern geht einen wesentlichen Schritt darüber hinaus: Ihm geht es um die Überwindung der Gewalt durch Gewaltlosigkeit. Dabei konnte das Neue Testament Modelle aufgreifen und weiterführen und mit der Person Jesu verbinden, die bereits im Alten Testament entwickelt wurden, wie das Leiden und die Rettung des Gerechten (Psalmen; Weish 1,16-3,12) und das Motiv vom Gottesknecht (Jes 52,13-53,12). Mit diesem Thema hat sich Bischof Dr. Stefan Oster ausführlich befasst und ich habe dem eigentlich nichts hinzuzufügen. Wichtig ist mir der Hinweis, dass das Modell „Eingrenzung der Gewalt durch rechtmäßige Gewalt“ damit nicht aufgehoben, sondern weitergeführt wird. Beim Modell „Überwindung der Gewalt durch Gewaltlosigkeit“ geht es um Heilung und Erlösung, um die „Arbeit“ an den Tiefenstrukturen einer aus der Gottlosigkeit hervorgehenden Gewalt. Wenn wir in Theologie und Verkündigung aber ausschließlich dieses zweite Modell thematisieren und das erste überhaupt nicht mehr erwähnen und implizit vielleicht sogar den Eindruck erwecken, Jesus habe das erste Modell (und mit ihm das Alte Testament) mehr oder weniger verworfen und allein das Modell „Überwindung der Gewalt durch Gewaltlosigkeit“ sei adäquater Ausdruck des christlichen Glaubens, entsteht in der Öffentlichkeit leicht der Eindruck, das Christentum sei eine Religion für Weltfremde. Konsequent durchdacht würde das bedeuten, dass Christen keine Polizisten werden und keine Verantwortung im Staat übernehmen dürften. Wir würden damit Politikern, die sich aus christlicher Verantwortung um staatliche Angelegenheiten bemühen, den Boden unter den Füßen wegziehen. Heidnische Philosophen der Antike haben den Christen den Vorwurf gemacht, mit ihrer Lehre würden sie die staatliche Ordnung unterminieren, mit ihnen könne man „keinen Staat machen“. Von jüdischer Seite war der Vorwurf zu hören, Jesus zerstöre mit seinen sabbat- und familienkritischen Worten das Leben der Familien. Das sind sehr ernst zu nehmende Vorwürfe, mit denen sich beispielsweise Papst Benedikt XVI. in seinem Jesus-Buch redlich auseinandersetzt. Die christliche Theologie hat sich im intensiven Gespräch mit der antiken Philosophie um ein angemessenes und letztlich vertieftes Verständnis des Evangeliums bemüht und die heidnischen Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen (vgl. u.a. Origenes, Contra Celsum). So konnte das Christentum bereits ab dem 2. Jh., vor allem dann aber im 3. und 4. Jh. in intellektuellen Kreisen der römischen Gesellschaft argumentativ überzeugen. Marius Victorinus und Augustinus dürften die bekanntesten Beispiele dafür sein. Vor allem unter dem Einfluss der Bischöfe gelang es, Extrempositionen wie Gnostizismus und Montanismus als unangemessene Deutungen Jesu und seiner Botschaft zu verwerfen. Damit fand eine wichtige Weichenstellung statt, die auf eine Kompatibilität von Vernunft (Philosophie) und Bibel (Christentum) hinauslief. Jesu Botschaft ist, richtig verstanden, zutiefst vernünftig. Jesus war kein Spinner. Die Symbiose von Bibel und Vernunft hat in der Theologie und Spiritualität Meister Eckharts eine nach wie vor faszinierende Gestalt gefunden. Eckhart will zeigen, „dass das, was die Wahrheit der Heiligen Schrift in Bildreden (parabolice) gleichsam verborgen andeutet, mit dem, was wir über Gott, das sittliche Handeln und die Natur beweisen und ausführen, übereinstimmt“ (Liber parabolarum Genesis, prologus 4). So gesehen war die „Konstantinische Wende“ kein prinzipieller Sündenfall in der Geschichte des Christentums, wie häufig dargestellt.

III. CHRISTENTUM, ISLAM UND GEWALT

Dass der Islam von seiner Ursprungsgeschichte her in der Gestalt des Propheten Mohammed eine stärkere Affinität zur Gewalt aufweist als andere Religionen, dürfte nicht zu bestreiten sein. Mohammed hat erfolgreich Kriege geführt, was von keinem Muslim bestritten wird. Die Geschichte des Islams ist – zumindest in ihren Anfängen – eine Siegergeschichte. Nachdem Mohammed mit seiner Botschaft überwiegend auf Ablehnung gestoßen war, erschien sein Sieg über die Mekkaner bei Badr im Jahr 624 den Zeitgenossen als das eigentliche Beglaubigungswunder. Als Sieger in der Schlacht fand Mohammed über den engeren Kreis seiner Anhänger hinaus Anerkennung als ein von Gott erwählter Prophet. Dieses Modell hat Mohammed erfolgreich durchgezogen. Immer wenn es zum Stillstand der Expansion kam, fand er neue Möglichkeiten, sie an anderer Stelle fortzusetzen. So konnten in kurzer Zeit große Teile der arabischen Halbinsel bis nach Syrien eingenommen werden. Zur Ursprungsgeschichte des Islams gehört also der militärische Erfolg. In der Forschung wird darauf hingewiesen, dass dieses Motiv für den Übertritt vieler Stammesführer zum Islam ausschlaggebend gewesen sein dürfte.

Die Ursprungsgeschichte des Christentums ist anders verlaufen. Die Argumentationsfigur „Legitimation der religiösen Botschaft durch militärischen Sieg“ trat erst relativ spät in die Geschichte des Christentums ein (im Westen erst ab dem 4. Jahrhundert; Konstantin: „In diesem Zeichen wirst du siegen“ – so zumindest in einer späteren Deutung; Chlodwig usw.). Sie gehört nicht zu seiner Ursprungsgeschichte und somit nicht zu seinem Selbstverständnis. Im Gegenteil, am Beginn des Christentums stand eine Niederlage, der Tod, das Kreuz. Und diese Niederlage wurde nicht durch einen militärischen Sieg wettgemacht, sondern sie wurde angenommen und durchlitten. Es gab keinen Rachefeldzug. Das Kreuz impliziert eine prinzipielle Umwertung der Begriffe von „Ehre“ und „Schande“. Das Leid wird damit zu einem Ort, an dem Gott gegenwärtig ist.

Somit gehört die Gewalt als eine erlittene und nicht als eine siegreich ausgeübte zur Ursprungsgeschichte des Christentums. Es gibt im Neuen Testament keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es Jesus und seinen Anhängern um eine gewaltsame Durchsetzung ihres „Projektes“ ging. Vielmehr ist die Überwindung der Gewalt durch Gewaltlosigkeit das Modell ihrer Mission. Diese verlief in den ersten drei Jahrhunderten gewaltlos. Und auch in den Jahrhunderten danach bildeten – entgegen einem verbreitete Klischee – „Ausbreitung des Christentums durch blanke Gewalt, Zwangsmission bei gleichzeitiger politischer Unterwerfung … eher die Ausnahme“ (Ernst-Dieter Hehl, WBG Weltgeschichte. Bd. III. Weltreligionen und Weltdeutungen 600 bis 1500, hg. von J. Fried / E.-D. Hehl, Darmstadt 2010, 10).

Dem widerspricht nicht das Alte Testament (vgl. meinen Beitrag: „Christentum ohne Altes Testament?, in: Herder Korrespondenz 8/2016, 26-30). Oft wird in diesem Zusammenhang auf alttestamentliche Texte verwiesen, die das Projekt einer gewaltsamen Durchsetzung religiöser Ansprüche, verbunden mit einer Ausrottung ganzer Völker, zu rechtfertigen scheinen. Gewöhnlich wird in diesem Zusammenhang das Buch Josua genannt. Doch sowohl die innerbiblische Exegese als auch die frühe Auslegungsgeschichte haben Sicherungsmechanismen eingebaut, um ein wörtliches Verständnis dieser und anderer ähnlich lautender Texte zu unterbinden. So endet die Tora, der erste und grundlegende Teil des Alten Testaments, nicht mit der gewaltsamen Eroberung des Landes, sondern mit einem Ausblick auf das Land. Wenn man also in der synagogalen Lesung am Ende des Buches Deuteronomium angelangt ist, geht es nicht mit Josua weiter, sondern es geht wieder von vorne los mit der Erschaffung der Welt im Buch Genesis. Das Land rückt damit in einen eschatologischen Horizont. Hier konnte das Neue Testament nahtlos anknüpfen: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land in Besitz nehmen“ (Mt 5,5). Die eigentliche Landnahme steht also noch aus.

Der christliche Theologe Origenes (185 – 253 n. Chr.) verstand die im Buch Josua erzählten Kämpfe als „innere Kämpfe“. Josua war für ihn eine figura Christi (im Griechischen heißt Josua Jesus – also wie der Jesus des NT). Würden wir die Texte wörtlich verstehen, so Origenes, dann müssten wir täglich Blut vergießen. Das aber kann nicht gemeint sein. In der 5. Predigt zum Buch Josua schreibt Origenes: „Außer dir selbst sollst du außen kein Schlachtfeld suchen. In dir ist der Kampf, den du führen, im Inneren ist das morsche Gebäude, das du abreißen musst; dein Feind kommt aus deinem Herzen.“ In diesen und vielen anderen Texten zeigt sich das Selbstverständnis des Christentums als einer geistigen Religion.

Von daher ist es problematisch, wenn Christentum und Islam als in gleicher Weise gewaltanfällig hingestellt werden. Hier werden Unterschiede, die in der Genese und im Selbstverständnis der beiden Religionen begründet liegen, verwischt. Deshalb halte ich die in diesem Zusammenhang gestellten kritischen Anfragen von Bischof Oster für berechtigt. Sie können helfen, im respektvoll geführten Dialog Grundfragen des eigenen Selbstverständnisses zu klären und möglicherweise auch zu modifizieren. Auf diese Weise wird das friedliche Zusammenleben der Religionen gefördert und zugleich die gemeinsame Suche nach der Wahrheit stimuliert.

 

Univ. Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger hat den Lehrstuhl am Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft der Universität Wien inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind Alttestamentliche Rechts- und Weisheitsliteratur, Biblische Theologie und Hermeneutik, Geschichte der Schriftauslegung, Exegese und Spiritualität sowie Exegese und Philosophie.

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Quelle

Siehe ferner: