Die 20 Geheimnisse von Fatima

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Die Muttergottes mit dem Rosenkranz: Gemälde des spanischen Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo (Ausschnitt). Foto: Gemeinfrei

Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?

Vom ersten, zweiten und dritten Geheimnis von Fatima hat fast jeder Katholik schon gehört; auch viele Nichtkatholiken. Doch in Wahrheit ging es Maria 1917 nicht um drei Geheimnisse, die sie den Seherkindern enthüllte.

Vielmehr ging es Maria um die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes, denen der heilige Johannes Paul im Jahr 2002 noch fünf weitere hinzufügte. Dazu zeigte die selige Jungfrau im Ersten Weltkrieg im fernen Portugal den Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco die Hölle, kündigte den Zweiten Weltkrieg an und prophezeite das Martyrium des „weißen Papstes“.

Wirksame Waffe gegen all diese Schrecken sei aber der Rosenkranz, denen sie damals noch den Barmherzigkeitszusatz nach jedem Geheimnis höchstpersönlich und selbst hinzugefügt hat: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!“ Diese Worte sollten fortan jedem Geheimnis des Rosenkranzes am Schluss noch hinzugefügt werden; so geschieht es seitdem. Das müssen wir uns also vor Augen halten. Der Rosenkranz ist nicht nur das katholischste aller Gebete und das Lieblingsgebet der Gottesmutter. Es ist auch ein Gebet, das immer wieder um das gesamte Glaubensbekenntnis der Christenheit kreist, und ein Gebet, dass Maria selbst mit ausformuliert hat.

Andere Autoren dieses Wundergebets sind der Erzengel Gabriel in seinem Gruß an Maria, ihre schwangere „Base Elisabeth“ mit ihrem Gruß in Ein Karem, als der „Heilige Geist“ sie berührte, wie Lukas schreibt, oder die Versammlung aller Bischöfe des Konzils von Ephesus, wo die Kirche im Jahr 431 festhielt, dass Maria wahrhaftig die Mutter Gottes sei. Dass Marias Sohn also ganz und gar Mensch, aber auch ganz und gar Gott war. Ein letzter entscheidender Satz des Rosenkranzes stammt schließlich noch von  einem einzelnen heiligen Bischof, von Papst Pius V., der dem Ave Maria  im Jahr 1568 seinen genialen Schluss eingefügt hat: „Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt, und in der Stunde unseres Todes, Amen!“

„Der Ursprung des Rosenkranzes weist mehr auf den Himmel als auf die Erde hin“, schrieb deshalb vor rund hundert Jahren Leo XIII., der ihn ein Gebet der Engel nannte, weil Engel bei der Menschwerdung zugegen waren, bei der Geburt, im Ölgarten, bei der Auferstehung und der Himmelfahrt. „Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?“, fragte der uralte Papst danach. Eigentlich nicht. Aber auch das ist noch nicht alles. Denn im Jahr 2002 hat der Rosenkranzpapst Johannes Paul II. das Gebet ja noch ein letztes Mal verändert, als er den bis dahin fünfzehn Geheimnissen in einem neuen „lichtreichen Rosenkranz“ fünf weitere Geheimnisse hinzufügte, um „mit den Augen der Mutter auf ihren Sohn zu schauen“, wie er es nannte.

Nach dem Totalausfall der christlichen Katechese an der Universität, der Schule und den Elternhäusern der letzten Generation macht der Rosenkranz heute nichts anderes, als das christliche Zentralgeheimnis der unglaublichen Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und seine Heilstaten, seine Passion und Auferstehung von den Toten immer neu zu umkreisen und aus verschiedenen Winkeln neu zu betrachten – wo dieser Glaube innerhalb und außerhalb der Kirche von allen Seiten von der Vernichtung bedroht wird.

Seitdem ist der Rosenkranz Schule und Universität in einem. Papst Franziskus nannte ihn im November 2013 „Medizin für das Herz“ und ermahnte uns wie ein Arzt: „Vergesst nicht, sie zu nehmen. denn sie tut gut. Sie tut dem Herzen, der Seele und dem ganzen Leben gut!“ Im Jahr 1483 zeigte Michelangelo in seinem Jüngsten Gericht in der Cappella Sistina, dass die Perlenschnur imstande ist, sogar verdammte Seelen damit aus der Unterwelt zu befreien.

Am 13. Oktober 1917 aber stellte sich die selige Jungfrau in Fatima als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz vor, gemeinsam mit ihrem Wunsch, dass wir täglich diese Mysterien des Leben und Leidens Christi und seine Auferstehung von den Toten neu betrachten. Jedem, der an fünf aufeinander folgenden ersten Samstagen im Monat beichtet, die heilige Kommunion im Geist der Sühne empfängt, den Rosenkranz betet und seine Geheimnisse betrachtet, um Maria zu trösten, verspricht sie eine selige Sterbestunde. Unsere Mutter schenkt uns für diese süße Andacht den Himmel! Es ist das tiefste Geheimnis von Fatima! Der Rosenkranz ist eine Himmelspforte und gibt uns 2017, in der großen Krise der Kirche,  wo viele nicht mehr recht wissen, was katholisch ist, darauf die allerverlässlichste Antwort.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Paul Badde und Vatican Magazin.)

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Quelle

Meditation mit dem Rosenkranz im Fatima-Jahr: Die lichtreichen Geheimnisse

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„Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben“ (hl. Maximilian Kolbe) Foto: StockSnap via Pixabay

Von Monsignore Florian Kolfhaus

2017 feiern Katholiken in aller Welt den 100. Jahrestag der Erscheinungen Unserer lieben Frau in Fatima. Es ist ein „marianisches Jahr“, das uns an die Bitten der Mutter Gottes erinnert, täglich den Rosenkranz zu beten, damit endlich Frieden werde. In besonderer Weise empfiehlt sie die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens – Sinnbild der vollkommenen Liebe – und verheißt allen, die an fünf ersten Monatssamstagen beichten (auch einige Tage vorher oder nachher), würdig die heilige Kommunion empfangen, den Rosenkranz beten und 15 Minuten über eines seiner Geheimnisse nachdenken, um so Maria zu trösten und Sühne zu leisten, den Himmel. Ein größeres Versprechen – so zu sterben, dass man das Ziel seines Lebens, die ewige Seligkeit, nicht verliert – gibt es nicht.

CNA veröffentlicht aus diesem Anlaß im Fatimajahr mit freundlicher Genehmigung von Msgr. Dr. Florian Kolfhaus seine Betrachtung zu den Rosenkranzgeheimnissen aus: „Der Rosenkranz – Theologie auf Knien“ (Dominus-Verlag, Augsburg). 

Die lichtreichen Geheimnisse

„Jesus, der von Johannes getauft worden ist“

„Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben“ (hl. Maximilian Kolbe)

In Scharen ziehen die Menschen zum Jordan, um von Johannes die Bußtaufe zu empfangen. Zöllner und Ehebrecher, Huren und Diebe, gewalttätige Soldaten und eitle Kaufleute sammeln sich um ihn, um endlich Verzeihung ihrer Sünden zu erlangen. Unter ihnen steht einer, der vollkommen unschuldig ist, sich aber nicht scheut, „Freund der Sünder“ (Mt 11, 19) genannt und „unter die Verbrecher gezählt“ (Mk 15, 28) zu werden. Er, der keine Vergebung für sich zu erbitten braucht, findet sich in ihren Reihen, um für sie das Heil zu erlangen. Er fürchtet nicht um seinen guten Ruf und sein untadeliges Ansehen. So wie er in den Wassern des Jordan eintaucht, geht er jetzt in der Masse der Verlorenen unter. Er, der keine Sünde kannte, ist für uns zur Sünde geworden (2 Kor 5, 21).

Der letzte Prophet des alten Bundes erkennt als Einziger in der Reihe der Sünder, das Lamm, das eines Tages die Gerechten anführen wird (Offb 14, 13). Johannes sieht den, der seine Sandalen löst, um in den Fluss zu steigen, obwohl doch er sich beugen müsste, um dem Meister, der über den See schreitet, die Schuhe auszuziehen (vgl. Mt 3, 11). Der Herr kniet vor seinem Knecht. Nur weil Christus diese Taufe empfängt, wird jene, die er selbst in der Kirche spenden wird, die Kraft haben, Sünden zu vergeben. Nur weil er hinabsteigt, wird er uns hinaufführen können. Sein Untergang in den Wassern des Jordans ist Vorausbild jener blutigen Taufe, die er am Kreuz empfangen wird (vgl. Mk 10, 38). Das Lamm, das der Täufer mit zitternder Hand in den Fluss taucht, wird mit brutaler Gewalt in seinem eigenen Blut ertränkt werden. Doch da erhebt sich der Herr aus den Fluten und der Himmel öffnet sich. Er wird auferstehen, um alles Leid abzuschütteln wie die Wassertropfen des Jordan. „Das ist mein geliebter Sohn!“ Diese Stimme aus der Höhe, die die Antwort des Vater auf die Demut des Menschensohnes ist, wird jeder hören, der durch die Taufe Kind Gottes wird. „Das ist mein geliebter Sohn“ (Mt 3, 17) wie oft hat dieses Wort auch Maria gesagt? Als sie davon erfährt, dass sich ihr Kind mit Räubern und Taugenichtsen von Johannes hat taufen lassen, weiß sie, dass er schon bald beginnen wird, wozu er in diese Welt gekommen ist. Sie versteht, dass er aus dem Jordan gestiegen ist, um eine einer anderen Taufe entgegenzugehen. Noch kann sie ihn nicht begleiten. Dann aber, wenn Johannes längst ermordet ist, wird sie an seiner Seite stehen. Wenn er am Kreuz stirbt und keine Stimme vom Himmel erschallt, wird die Mutter bezeugen, das das Wort des Hauptmanns wahr ist: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mt 27, 54). Der Vater hat sein Wohlgefallen gefunden an der Bereitschaft Jesu, in das Leiden einzutauchen und sein Leben hinzugeben. Auch Maria wird diesem Opfer zustimmen, selbst wenn es ihr das Herz zerreißt. Während Christus sich unter der Hand des Täufers beugt, neigt auch sie ihr Haupt und sagt noch einmal „fiat“.

Jesus und Maria sind die beiden einzigen Menschen, die der Taufe nicht bedürfen. Das Lamm und die Taube kennen keine Sünde, von der sie gereinigt werden müssten, aber gerade deshalb sind sie es, die das Heil der Welt bringen und Sündern zu Heiligen machen. Beide sind in den brausenden Fluten Golgothas untergegangen, damit ich auferstehe und lebe. Den Kelch, den die Apostel nicht trinken konnten (vgl. Mk 10, 38), hat Maria aus der Hand ihres Sohnes entgegengenommen, und die Taufe, vor der die Jünger geflohen sind, hat sie unter dem Kreuz empfangen, als Blut und Wasser aus der Seite Jesu geflossen sind. Das alles für mich. Das alles, damit sie mich heilig macht.

„Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat“

„Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott aber Gott will dadurch seine Mutter ehren.“ (Hl. Alfons Maria von Liguori)

Jesus wirkt sein erstes Wunder. Er verwandelt Wasser in Wein. Drei Jahre später wird sein letztes Wunder auf Erden geschehen, wenn er Wein zu Blut wandelt. Beide Male geschieht es auf einer Hochzeit. In Kana ist er Gast, im Abendmahlssaal lädt er selbst an seinen Tisch. Jetzt feiert er den Ehebund eines Freundes, dann aber schließt er ihn mit seiner Kirche. Er ist das Lamm, das Hochzeit hält, und sich mit seiner Braut vereint, wenn sie aus dem Kelch trinkt, den der Herr ihr reicht. Es ist der Neue und Ewige Bund, den der göttliche Bräutigam schließen will, mit dem Trank seines eigenen Blutes. Das ist der wahrhaft köstliche Wein den der Herr bis zum Ende seines Lebens zurückhält (vgl. Joh 2, 10), bevor er ihn an seine Jünger austeilt.

Maria ist bei Jesus. Sie weist ihn auf die Not der Brautleute hin, die keinen Wein mehr haben. Sie muss nicht einmal eine Bitte aussprechen, um Hilfe zu bringen. In diesem Moment wird die Mutter zur Braut, Christi Gebärerin zu seiner Gefährtin. Jesus nennt Maria „Frau“. Damit gibt er ihr den alten Titel aus der Urzeit der Schöpfung, mit dem Gott die Feindin der Schlange vorhergesagt hat (vgl. Gen 3, 15). Noch ehe sich Christus als der Messias und Herr durch das Wunder von Kana zeigt, offenbart er, wer seine Mutter ist. Diese Frau ist die neue Eva, die den Erlöser begleitet. Jesus weiß, dass das verborgene und glückliche Leben in Nazareth endgültig vorbei ist, wenn er tut, worum Maria ihn stumm bittet. Er weiß, dass das erste Zeichen des Messias ihn einen Weg betreten lässt, der erst auf Golgotha enden wird. Dort wird er Maria wieder „Frau“ nennen. Fast will er diesen Moment hinauszögern, wenn er nicht mehr zur Mutter, sondern zu der Frau sagt: „Was habe ich mit dir zu schaffen?“ (Joh 2, 4). In diesem Augenblick sieht Jesus das Kreuz, vor dem er als Mensch zurückschreckt, als würde er ausrufen wollen: „Mutter, was habe ich mit diesem Leid zu schaffen?“. Er will noch nicht gehen: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ (Joh 2, 4) Und doch: Jesus verwandelt ihretwegen Wasser in Wein. Er erhört sie, weil er so seine Mutter ehren will. Christi erstes Wunder rettet die Hochzeit. Sein letztes wird die Seelen derer retten, die zum Hochzeitssmahl des Lammes geladen sind (vgl. Offb 19, 9). Mariens Bitten, die diese selige und doch so schreckliche Stunde eher anbrechen lassen, lösen nicht nur die materielle Not der Brautleute, sondern heilen das geistliche Leid der Sünder. Für sie drängt die Mutter ohne Worte den Sohn, sich endlich als Bräutigam zu zeigen. Sie, die Verlorenen die am Straßenrand und an den Hausecken stehen, sollen von ihm eingeladen werden zu jener Hochzeitsfeier, die kein Ende kennt. Sechs gewaltige Wasserkrüge verwandelt der Herr in brausenden Wein, damit die irdische Feier noch Tage dauern kann. Nach jüdischer Sitte müssten es jedoch sieben sein. Das letzte Gefäß wird sein Leib sein, aus dem sich der wahre Trank des Lebens ergießt, der niemals zur Neige geht und ein himmlisches  Fest schenkt, das nicht enden wird.

„Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2, 5). Das ist das letzte Wort, das uns die Heilige Schrift von Maria berichtet. Sie sagt es, um Jesu erstes Wunder vorzubereiten. Wenn sein letztes geschieht, wird er dieses Wort wiederholen, um seinen Aposteln aufzutragen, immer wieder Wein in sein Blut zu verwandeln: „Tut dies!“ (Lk 22, 19).  Mariens Auftrag reicht weit über die Hochzeit von Kana hinaus. Er, der Wasser in Wein und Brot in sein Fleisch wandelt, der kann auch mein Leben verwandeln und seinem ähnlich machen. Hilf mir, „bittende Allmacht“, dass ich tue, was er sagt, damit dies Wunder an mir geschehe.

„Jesus, der uns das Reich Gottes verkündigt hat“

„Ich weiss, wen ich nach Gott lieben muss: es ist meine Mutter, es ist Eure Mutter, es ist die Mutter aller Menschen. Wenn Ihr wüsstet, wie lieblich und schön die Madonna ist. Sie ist es, durch die wir Jesus haben. Sie ist es, durch die wir Gnaden empfangen. Was würde nur ohne diese gute Mutter aus uns Armen werden?“ (hl. Josef Benedikt Cottolengo)

Jesus ist König. Er ist in diese Welt gekommen, um seine Herrschaft zu errichten. Er hat die Kirche gegründet, damit sich sein unsichtbares Reich der Gnade, das in den Herzen der Menschen wächst, sichtbar darstelle und ausbreite. Wo immer die eine Kirche ist, die Christus auf Petrus gründen wollte, da findet sich die göttliche Wahrheit, die der Herr den Aposteln anvertraute, damit sie das Heil verkündigen; da sind all die Mittel, die Heiligkeit schenken und so das Reich Gottes in den Seelen erschaffen und festigen. Jesus ist der neue Moses, der das Gesetz der Gnade nicht mehr auf steinerne Tafeln schreibt, sondern in Herzen aus Fleisch und Blut. Er schafft ein neues Volk, das er durch die Wüste dieser Erde, in das Gelobte Land führt. Seine Jünger sollen den Himmel erobern und das Reich in Besitz nehmen, das jetzt schon angebrochen ist, aber noch auf seine Vollendung wartet.

Jesus ist der Herr. Seine Krone glänzt jedoch nicht in Gold und Edelsteinen, sondern ist aus Dornen geflochten. Er trägt nicht den Purpur der Cäsaren, sondern das Spottkleid heidnischer Soldaten. Sein Thron ist das Kreuz. Dort wird er seiner verstreute Gefolgschaft nur noch sieben Worte hinterlassen können, ehe sein Herz bricht. Vor seinem Tod auf Golgotha bezeugt er aber mit sieben Zeichen, dass er der Messias ist, mit dessen Kommen, das neue Reich Davids anbricht. Er ist Gottes Sohnes, der Wunder wirkt und Sünden vergibt. Er ist gekommen, den Verlorenen Verzeihung zu bringen. Was er auf machtvolle Weise an den leidenden Leibern einiger Kranken tut, das wirkt er als göttlicher Arzt in den Seelen aller, die ihn um Erbarmen bitten. Sünder, Besessene und Kranke bilden den Hofstaat dieses Königs, der ihnen Heilung schenkt, um mit ihnen seinen Reich zu bevölkern. Die Thronrede, die der ans Holz genagelte Herr auf jenem Felsen vor der Stadt nicht mehr halten kann, richtet er auf einem anderen Berg an sein erwähltes Volk, das das Erbe der Stämme Israels antreten soll. Umgeben von den Jüngern, aus denen er Zwölf erwählen wird, preist Jesus die selig, die ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen (vgl. Mt 5, 1). Was seine Worte sagen, zeigen drei Jahre später die blutigen Spuren an seinem Leib (vgl. Mt 5, 3-10):

Selig, die Armen, sagt der nackte König am Kreuz!

Selig die Trauernden, spricht der vor Schmerzen weinende Herr!

Selig, die keine Gewalt anwenden, lehrt der Allmächtige, der ohnmächtig am Pfahl hängt.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, stottert mit ausgebrannter Kehle der unschuldig Verurteilte.

Selig die Barmherzigen, bekennt der, der seinen Henkern vergibt, weil sie nicht wissen, was sie tun.

Selig, die ein reines Herz haben, verkündet der Erlöser, aus dessen Seite Blut und Wasser strömen, um damit jede Sünde abzuwaschen.

Selig, die Frieden stiften, bezeugt der Heiland der Welt, dessen Tod Himmel und Erde versöhnt hat (vgl. Kol 1, 20).

Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, belehrt der Meister seine Schüler, denen das gleiche Los beschieden ist, wie ihrem Herrn auf Golgotha.

Das ist die Verfassung des Reiches, das Christus mit seinem Kreuz gestiftet hat. Das ist das Gesetz des Neuen Bundes.

Maria ist Königin im Reiche Gottes; nicht nur, weil sie den geboren hat, „der herrschen muss“ (vgl. 1 Kor 15, 25), sondern weil sie die wahrhaft Selige ist, die wie kein anderer erfüllt hat, was der Herr von seinen Jüngern erwartet. Sie musste als Einzige nicht die Bergpredigt ihres Sohnes hören, doch auf der Schädelhöhe durfte sie nicht fehlen. Als der Dornenkönig im Purpur seines Blutes die alte Schlange niederringt und seine Herrschaft antritt, steht sie an seiner Seite. In dieser Stunde wird sie unser aller Mutter. So hat sie Anteil am Sieg des Königs. Wenn wir ihn bitten „Dein Reich komme“ (Mt 6,10), so wollen wir in gleicher Weise, das das ihre anbricht.

„Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist“

„Noch bevor er von ihr geboren wurde, hat er sie gekannt und vorherbestimmt, noch bevor er sie als Gott erschaffen hat, kannte er die Mutter, aus der er als Mensch Geschöpf wurde“ (Hl. Augustinus)

Petrus, Johannes und Jakobus, die drei Apostel, die am Ölberg die Angst Jesu sehen werden, sollen jetzt die Herrlichkeit des Sohnes schauen. Der „Fels“ (vgl. Mt 16, 18) darf mit einigen Augen erblicken, was er wenige Tage zuvor in der Kraft des Geistes bekannt hat: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16, 16) Und die „Donnersöhne“ (Mk 3, 17), die zur Rechten und zur Linken des Meister sitzen wollen (Mt 20, 21), stehen nun an seiner Seite, da er seine Herrlichkeit offenbart. Auf dem Tabor werden Glaube und Sehnsucht, Hoffnung und Erwartung der Jünger für einen Moment im Schauen erfüllt, um in der jungen Kirche zum felsenfesten Grund des Bekenntnisses und zum donnernden Zeugnis der Wahrheit zu werden. Auf jenem Berg, von dem aus man in der Ferne das Dorf Nazareth sieht, offenbart sich das Kind Mariens als Sohn des ewigen Vaters.

Moses und Elija erscheinen, um zu bezeugen, dass Jesus der verheissene Messias ist, von dem das Gesetz und die Propheten sprechen. Er ist das Manna in der Wüste, der Fels, aus dem Wasser sprudelt, das Feuer des Dornbusches, der nicht verbrennt. Alles, was die Schriften des Moses erzählen, spricht von ihm, um das erwählte Volk auf seine Ankunft vorzubereiten. Moses hat, gestützt von zwei Männern, den ganzen Tag die Arme zum Gebet erhoben (Ex 17, 8 – 16) ,um den Sieg zu erflehen. Christus wird, ans Kreuz genagelt, als Hoherpriester beten, um über den Feind zu triumphieren und wie Elija, brennendes Feuer vom Himmel schicken (1 Kön 17 – 47), um das Land von allen Götzen zu reinigen. Jesus ist der Herr, der die Macht hat zu vollenden, was seine Diener im Alten Bund begonnen haben. Auf dem Tabor fallen die Jünger des Neuen Bundes vor ihm nieder, wie sie es tun werden, wenn er als der siegreiche und auferstandene König sich den Seinen zeigt. Petrus – ohne recht zu wissen, was er in diesem glorreichen Moment sagen soll – will drei Hütten bauen. Doch der, der auf dem einen Berg bleiben will, wird vor dem anderen fliehen, auf dem eben dieser Sieg errungen werden muss. Er, der vor genau sechs Tagen, die Botschaft Jesu vom leidenden Gottesknecht ablehnte, will nun für immer die Herrlichkeit genießen. Aber dieser siebte Tag, an dem Gott ruhte und seinem Volk nach der Mühe des Kampfes Erholung schenkt, kann erst anbrechen, wenn jener Freitag vorbei ist, an dem der neue Moses die blutige Schlacht gegen die Feinde schlägt und der wahre Elija sich den Dienern der Dämonen stellt. Christus wird nicht, wie die Pharisäer meinen, den Propheten um Hilfe rufen (vgl. Mt 27, 47), sondern selbst das Werk erfüllen und die Macht des Bösen brechen. Es gibt kein Bleiben auf dem Tabor, wenn vorher nicht Golgotha bestiegen wurde. Es sollen keine Hütten errichtet werden, so lange der Eckstein, den die Bauleute verwarfen (Mt 21, 42), nicht zum Grundstein des Hauses Gottes geworden ist.

Wahrscheinlich hat Maria vom Fenster ihres Hauses in Nazareth das Leuchten auf dem Tabor nicht gesehen. Sie musste nicht dabeisein, als ihr Sohn den drei Aposteln offenbart, Gottes Sohn zu sein, der in diese Welt gekommen ist, um die Menschheit zu erlösen. Die Jungfrau kennt den Vater ihres Kindes. Sie weiß, dass der, der neun Monate in ihrem Schoß geborgen war, der Eingeborene des Allmächtigen ist, der in ewiger Liebe, die weder Anfang noch Ende kennt, bei ihm ruht. Der, den die Stimme aus der Wolke als den „geliebten Sohn“ (Mt 17, 5) bekennt, ist der ihre. Sie braucht dieses Wort nicht aus der Höhe zu hören, weil sie es unablässig in ihrem herzen vernimmt.

„Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat“

„Der anbetungswürdige Erlöser hat sich nur einmal dem Vater auf dem Altar des Kreuzes geopfert, aber seine heilige Mutter hat ihn zehntausendmal dargebracht auf dem Altar ihres Herzens. Dieses Herz war wie ein Priester, der ihn geopfert und sich selbst mit ihm dargebracht hat. Und so kann man sagen, dass dieses wunderbare Herz in diesem Opfer das Amt des Priesters ausgeübt hat und zugleich Opfergabe und Altar war. Oh! Wie viel Ehre schuldet man diesem heiligen Priester, wie viel Ehrfurcht diesem kostbaren Opfer, wie viel Verehrung diesem heiligen Altar“ (hl. Johannes Eudes).

Jesus schickt die Jünger voraus, um das letzte Mahl vorzubereiten. In geheimnisvoller Weise deutet er ihnen den Ort an, um ihn vor Judas, der ihn verraten sollte, zu verbergen. Niemand darf das, was da geschehen soll stören. Die Stunde des Gottessohnes, auf die sein ganzes Leben zulief, bricht endlich an. Die Apostel sollen einem Mann mit einem Wasserkrug nachgehen (vgl. Lk 22, 10), bevor sie dem zum Festsaal folgen, der ihnen dort den Trank des Lebens gibt.  Mit Bedacht wählt Jesus einen großen Raum aus, der mit Polstern ausgestattet ist (vgl. 22, 12). An diesem Abend, an dem er den kostbaren Kelch des Paschageschirrs benutzen wird, duldet der Reichtum, den Jesus austeilen wird, weder Bescheidenheit noch Sparsamkeit, weder herbe Kargheit noch nüchternes Gehabe. Für dieses letzte Fest, das doch ewig dauern wird, leert der Herr die Kasse der Jünger. Das Opfer von Kalvaria, das in der Herrlichkeit des Himmels gefeiert werden wird, darf in seiner geheimnisvollen Vorwegnahme am Gründonnerstag nicht die Gestalt eines Mahls armer Leute tragen.

Viele Male war Jesus zu Gast in den Häusern der Sünder, die ihn, der ihnen solche Liebe zeigte, überreich bewirteten, ihm die Füße wuschen und sein Haupt mit Öl salbten. Jetzt aber hält der Herr kein Mahl der Sünder, sondern gewährt als Gastgeber nur denen Einlaß, die ein festliches Gewand haben (vgl. Mt 22, 12). Bis auf einen sind sie alle, die vom Bade der Gnade kommen, schon rein und brauchen sich nur noch die Füße waschen zu lassen (vgl. Joh 13, 9), ehe sie zu dem Tisch hintreten, der der durch den Vorsitz Jesu zum Altar geworden ist. Hier werden die Freunde des Galliläers zu Priestern des Neuen Bundes geweiht. Hier werden die Männer, die ihm drei Jahre gefolgt sind, zu wahren Aposteln, die gesandt sind, ihn in die Welt zu tragen. Ab heute werden sie ihn in Händen halten, wann immer sie das wiederholen, was er ihnen an diesem Abend aufträgt. Das wahre Paschalamm, das am folgenden Tag blutig geschlachtet wird, gibt sich auf geheimnisvolle Weise den Seinen zur Speise. Die Rebe, aus der morgen der letzte Tropfen gepresst wird, vergießt heute schon ihr Blut. Der Hohepriester, der in wenigen Stunden seinen entstellten Leib als Opfergabe darbringen wird, feiert diese eine wahre Liturgie am Vorabend seines Leidens unter heilbringenden Zeichen und befähigt seine Jünger, dies bis zum Ende der Zeiten zu tun. Jesus schenkt sich selbst – zugleich dem Vater, der mit Wohlgefallen auf dieses neue, von den Propheten verheißene Speiseopfer (Mal 1, 11) schaut, und seinen Freunden, die ihn nicht nur mit dem Mund, sondern mit dem Herz empfangen. Dank der Eucharistie sind wir mit den Aposteln im Abendmahlssaal, stehen wir mit Maria unter dem Kreuz, feiern wir schon heute das Fest der Engel, die das geschlachtete Lamm anbeten. Im Opfer Christi verschwinden die Grenzen von Raum und Zeit, Himmel und Erde, um alle zu dem einem Leib zu vereinen, der ihnen als Speise gereicht wird. Die heilige Messe ist Jesus – das Kind im Schoß der Mutter, der Neugeborene in Bethlehem, der Hohepriester im Abendmahlssaal, der Erlöser am Kreuz, der auferstandene Sieger über den Tod, das Lamm, das Hochzeit hält.

Maria ist nicht im Abendmahlssaal. Sie empfängt nicht mit den Aposteln die Priesterweihe, denn kraft ihrer Gottesmutterschaft darf sie sagen, was der Priester nur in den heiligsten Momenten seines Dienstes aussprechen kann: „Das ist mein Leib“. Jesus ist ihr Fleisch und Blut. Und weil sie als Mutter und Mittlerin nicht aufhört, der Welt Christus zu schenken, ist sie immer dabei, wenn  jene Worte des Abendmahlssaals ihn wahrhaft gegenwärtig werden lassen. Durch sie kommt er auf unsere Erde, durch sie finden wir zu ihm. Das große Sakrament des Leibes und Blutes Christi schenkt uns daher auch die geistliche Nähe der Mutter, die immer bei ihrem Sohne ist.

Die bereits veröffentlichten Betrachtungen der freudenreichen Geheimnisse lesen Sie hier.

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Bischof Küng: Österreich braucht Gebetsbewegung wie vor 70 Jahren

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Der Gottesdienst in der Wiener Franziskanerkirche bildete den Auftakt zu einem umfangreichen Festprogramm, durch das der Rosenkranz-Sühnekreuzzug auf die bleibende Aktualität seines Anliegens hinweisen möchte. Der Wiener Stephansdom und die Franziskanerkirche werden dabei in den kommenden zwölf Monaten zentrale Anlaufpunkte sein.

 

„Christlich geprägtes Österreich erlebt geistliche Krise und braucht Umkehr, Gebet und Evangelisierung.

Der gefährdete Friede und die großen Nöte in Gesellschaft und Kirche brauchen heute so wie vor 70 Jahren eine große Gebetsbewegung von Jung und Alt. Das betonte Bischof Klaus Küng bei einem Festgottesdienst am Mittwochabend, 14. Dezember 2016 in der Wiener Franziskanerkirche. Die Feier eröffnete zugleich das Jubiläumsjahr im Gedenken an die Gründung des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs (RSK) vor 70 Jahren und an die Marienerscheinungen vor 100 Jahren im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima.

Österreich ist chistlich geprägtes Land

Österreich sei ein seit der Römerzeit vom Christentum zutiefst geprägtes Land, erinnerte der St. Pöltner Bischof in seiner Predigt. Das Christentum hierzulande sei „wie ein alter Baum, der viele Stürme überstanden hat“. Es bestehe aber die Gefahr, dass bald nur mehr Steine von dieser christlichen Prägung sprächen, so der Bischof, der eine Krise konstatierte, die „bis an die Wurzel“ gehe. Sie zeige sich in einem rapid fortschreitenden Werteverfall im Blick auf die Heiligkeit des Lebens und die Familie sowie im „Ausblenden Gottes“ aus der Lebensgestaltung. Indikatoren dafür seien die vielen Kirchenaustritte und der noch stärkere Rückgang beim Gottesdienstbesuch. Vor diesem Hintergrund brauche es Umkehr, Gebet und eine Sammelbewegung zu Gott und Christus hin.

Die Menschen zu Gott führen

Einen ähnlichen Ansatz habe der RSK-Gründer P. Petrus Pavlicek (1902-1982) vor 70 Jahren gehabt. Und im Blick auf Fatima sagte Bischof Küng: „Maria ist nicht erschienen, damit es eine Sensation gibt, sondern um die Menschen zu Gott zu führen.“ Niemand dürfe einfach zuschauen, wenn der Glauben in der Familie und im persönlichen Umfeld einfach abnehme. Unter Bezugnahme auf Pavlicek, der in der Zwischenkriegszeit von der Kirche ausgetreten war und später wieder zurück fand, sagte der Bischof: „Ausgetretene sind potenziell Heilige, es ist nur nötig, auf sie zuzugehen und sie anzusprechen.“ In diesem Sinn sollten Gläubige gerade im RSK-Jubiläumsjahr mehr als bisher an einer neuen Gebets- und Evangelisierungsbewegung mitwirken und auf die Mitmenschen zugehen.

Der Gottesdienst, der bewusst am 34. Todestag und 75. Priesterweihetag von Petrus Pavlicek stattfand, wurde mit einem Gebet bei seinem Grab unter der Kanzel der Franziskanerkirche beendet. Unter den zahlreichen Mitfeiernden war auch der emeritierte Linzer Bischof Ludwig Schwarz, der bald nach der Gründung des RSK noch als Kind gemeinsam mit der Familie ein Mitglied dieser Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt wurde.

Umfangreiches Festprogramm

Der Gottesdienst bildete den Auftakt zu einem umfangreichen Festprogramm, durch das der Rosenkranz-Sühnekreuzzug auf die bleibende Aktualität seines Anliegens hinweisen möchte. Der Wiener Stephansdom und die Franziskanerkirche werden dabei in den kommenden zwölf Monaten zentrale Anlaufpunkte sein. In speziellen Feiern der österreichischen Diözesanbischöfe in den großen Wallfahrtskirchen werden außerdem auch die Diözesen in das Jubiläum eingebunden sowie die Ordensgemeinschaften Österreichs.

Inhaltlich sieht das Festjahr Gottesdienste, ein umfangreiches Kultur- und ein eigenes Kinderprogramm (u.a. ein City-Kirchen-Entdeckungsfest) vor. Weitere Programmhöhepunkte sind u.a. eine Donau-Schiffswallfahrt mit Feuerwerk, Festkonzerte, Klosterpfade, ökumenische Diskussionen und politisch-historische Vorträge, eine Mariazell-Wallfahrt, ein Radio-Gottesdienst am Weltfriedenstag, eine Flugreise nach Fatima, das „Sommerkino“ in der Franziskanerkirche, einen ORF/ZDF-Fernsehgottesdienst sowie ein Festmahl für die Armen von Wien.

Ein weiterer Höhepunkt im Festjahr wird die „Mariä Namen-Feier“ am 9. und 10. September 2017 im Wiener Stephansdom. Erwartet werden zu diesem spirituellen Großereignis erneut tausende Gläubige. Neben Kardinal Christoph Schönborn und Erzbischof Franz Lackner wird der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler daran teilnehmen.

Zum Abschluss des Festjahrs am 14. Dezember 2017 ist ein Gottesdienst in der Wiener Franziskanerkirche geplant, dem der emeritierte Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, vorstehen wird. Das detaillierte Programm des Jubiläumsjahrs ist auf der Website des „Rosenkranz-Sühnekreuzzugs“ unter www.rsk-ma.at abrufbar.

Erstellt von: red/ka

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Diese Wallfahrt ist nur für Mutige: Pilgern zum Heiligtum der Jungfrau von Las Peñas

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Pilger am Ende ihrer extremen Wallfahrt. Foto: ACI Prensa

Es ist eine der extremsten Wallfahrten überhaupt: Sie führt über steinige Wege, durch einen Fluss, über schmale Brücken aus Holz, durch enge Schluchten und durch eine weite, trockene Ebene. Am Ende wartet auf den Pilger das Heiligtum unserer Lieben Frau vom Rosenkranz von Las Peñas – was so viel bedeutet wie „die Felsen – in Arica im Norden Chiles.

Die Gläubigen begeben sich jedes Jahr am ersten Sonntag im Oktober, dem sogenannten „großen Fest“, und am 8. Dezember, dem Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariens, dorthin. Auf einem unebenen Weg, der sich über 20 Kilometer erstreckt und für den man circa 4 Stunden braucht, je nach dem Wandertempo der jeweiligen Person.

Nach ungefähr zwei Stunden kommt man nach Humagata, einem alten Bauerndorf aus der Kolonialzeit, zu dem auch eine kleine Kirche zählt, in der ein Bild des heiligen Jakobus aufbewahrt wird. In diesem Bereich ist der Weg sehr holprig und zeichnet sich durch das Zick-Zack der Strecke aus.

Kurz bevor man das Heiligtum erreicht, kommt man zum Paso Caracol – dem „Schneckenpass“. Warum er so genannt wird, erschließt sich jedem, der einen Blick darauf geworfen hat: Enge Kurven schrauben sich zu einer Spirale sehr steiler und schmaler Pfade. Einige gehen den Weg des Nachts, um die Hitze zu vermeiden und in Gruppen, da man sich leicht verirren kann.

Zwischen Freitag, dem 30. September und Sonntag, dem 2. Oktober kamen mehr als 50.000 Menschen zum Heiligtum, dazu noch 25 Bruderschaften aus Chile und Peru, die Tänze aufführen, um das Bildnis der allerseligsten Jungfrau zu verehren, das sich in einer Felsnische befindet.

Die Pilger tanzen und singen unentwegt, begleitet von Musikgruppen, die Tag und Nacht vor der Kirche stehen.

Gleichzeitig formt sich eine lange Schlange von Gläubigen in der Ortschaft, die stundenlang warten, um das Bild der Jungfrau der Felsen auf dem Hauptaltar zu grüßen, zu berühren, um ihr zu danken und Gnaden und Hilfe zu erbitten.

Während der Festtage wurde die Vorabendmesse im Heiligtum gefeiert, der mehrere Prozessionen folgten, die mit der traditionellen Eucharistiefeier endeten, der Monsignore Moisés Arisha, der Bischof von Arica, vorstand.

In seiner Predigt ermutigte der Bischof die Anwesenden zu „einem Glauben, der stark wie ein Fels ist, wie der Fels, auf den unsere ´Mutter zwischen den Felsen´ sich niedergelassen hat und von hier aus unseren Glauben zu bezeugen und zu feiern.“

Nach der Messfeier wurde das Bild der heiligen Jungfrau unter Freudengesängen und Tänzen gekrönt.

Das Fest der Jungfrau von Las Peñas findet hauptsächlich in diesem Heiligtum in der Ebene von Livílcar statt, das sich landeinwärts in 95 Kilometer Entfernung von Arica und auf einer Höhe von ungefähr 1.300 Metern befindet.

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Imagen de la Virgen de las Peñas

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Papst-Predigt bei Marienfeier auf dem Petersplatz

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Marienverehrer: Papst Franziskus (Archivfoto)

Liebe Brüder und Schwestern,

bei dieser Gebetsvigil sind wir die wesentlichen Momente des Lebens Jesu mit Maria noch einmal gegangen. Im Geist und im Herzen haben wir uns in die Zeit zurückversetzt, als die Sendung Christi sich in der Welt vollendet hat: die Auferstehung als Zeichen der äußersten Liebe des Vaters, die alles ins Leben zurückführt, und als Vorwegnahme unseres zukünftigen Seins; die Himmelfahrt als Teilnahme an der Herrlichkeit des Vaters, wo auch unsere Menschheit einen bevorzugten Platz findet; Pfingsten als Ausdruck der Sendung der Kirche in der Geschichte bis zum Ende der Zeiten unter der Leitung des Heiligen Geistes. In den beiden letzten Geheimnissen haben wir darüber hinaus die Jungfrau Maria, die seit den ersten Jahrhunderten als Mutter der Barmherzigkeit angerufen wurde, in der Herrlichkeit des Himmels betrachtet.

Das Rosenkranzgebet ist in vieler Hinsicht die Zusammenfassung der Geschichte der Barmherzigkeit Gottes, die für all jene, die sich von der Gnade formen lassen, zur Heilsgeschichte wird. Die Geheimnisse, die an uns vorbeiziehen, sind konkrete Gesten, in denen sich das Handeln Gottes uns gegenüber entfaltet. Durch das betende Betrachten des Lebens Jesu Christi sehen wir wieder sein barmherziges Antlitz, das allen in den verschiedenen Nöten des Lebens entgegenkommt. Maria begleitet uns auf diesem Weg und zeigt uns dabei den Sohn, der die Barmherzigkeit Gottes selbst ausstrahlt. Sie ist wirklich die Hodigitria, die Mutter, die den Weg weist, den wir gehen sollen, um echte Jünger Jesu zu sein. In jedem Geheimnis des Rosenkranzes fühlen wir, wie sie uns nahe ist, und betrachten wir sie als die erste Jüngerin ihres Sohnes, die den Willen des Vaters tut (vgl. Lk 8,19-21).

Das Rosenkranzgebet führt uns nicht von den Sorgen des Lebens weg; im Gegenteil, es verlangt von uns, uns in die Geschichte aller Tage hineinzubegeben, um die Zeichen der Gegenwart Christi in unserer Mitte erkennen zu können. Sooft wir einen Moment, ein Geheimnis des Lebens Christi betrachten, sind wir eingeladen zu erfassen, auf welche Weise Gott in unser Leben eintritt, um ihn dann aufzunehmen und ihm zu folgen. Wenn wir einige wesentliche Ereignisse des Lebens Jesu in uns aufnehmen und uns aneignen, nehmen wir an seinem Werk der Evangelisierung teil, auf dass in der Welt das Reich Gottes wachse und sich verbreite. Wir sind Jünger, aber auch Missionare und Überbringer Christi dort, wo er uns bittet, präsent zu sein. Daher dürfen wir das Geschenk seiner Gegenwart nicht in uns einschließen. Wir sind vielmehr gerufen, allen seine Liebe, seine Zärtlichkeit, seine Güte, seine Barmherzigkeit mitzuteilen. Die Freude des Teilens macht vor nichts Halt, denn sie bringt eine Botschaft der Befreiung und des Heils.

Maria erlaubt uns zu verstehen, was es bedeutet, Jünger Christi zu sein. Obschon von jeher auserwählt, seine Mutter zu sein, hat sie gelernt, seine Jüngerin zu werden. Ihre erste Handlung bestand darin, auf Gott zu hören. Sie hat der Botschaft des Engels gehorcht und ihr Herz geöffnet, um das Geheimnis der göttlichen Mutterschaft aufzunehmen. Sie ist Jesus gefolgt und hörte jedes Wort, das aus seinem Mund kam (vgl. Mk 3,31-35); sie bewahrte alles in ihrem Herzen (vgl. Lk 2,19) und wurde zum lebendigen Gedächtnis der vom Sohn Gottes vollbrachten Zeichen, um unseren Glauben zu wecken. Doch es genügt nicht, nur zu hören. Dies ist gewiss der erste Schritt, aber dann ist es notwendig, dass das Hören sich in konkretes Handeln verwandelt. Der Jünger stellt nämlich sein ganzes Leben in den Dienst des Evangeliums.

Daher begab sich Maria sofort zu Elisabeth, um ihr in ihrer Schwangerschaft zu helfen (vgl. Lk 1,39-56); in Bethlehem brachte sie den Sohn Gottes zur Welt (vgl. Lk 2,1-7); in Kana sorgte sie sich für die jungen Brautleute (vgl. Joh 2,1-11); auf Golgota wich sie nicht vor dem Schmerz zurück, sondern blieb unter dem Kreuz Jesu und wurde nach seinem Willen zur Mutter der Kirche (vgl. Joh 19,25-27); nach der Auferstehung ermutigte sie die im Abendmahlssaal versammelten Apostel in Erwartung des Heiligen Geistes, der sie zu mutigen Boten des Evangeliums machte (vgl. Apg 1,14). In ihrem ganzen Leben hat Maria das verwirklicht, was von der Kirche verlangt wird, dass sie es zum ewigen Gedächtnis Christi tue. Am Glauben Marias sehen wir, wie wir die Tür unseres Herzens öffnen sollen, um Gott zu gehorchen; an ihrer Selbstlosigkeit entdecken wir, wie sehr wir gegenüber den Nöten der anderen aufmerksam sein sollen; in ihren Tränen finden wir die Kraft, um die zu trösten, die ein Leid tragen. In jedem dieser Momente bringt Maria den Reichtum der göttlichen Barmherzigkeit zum Ausdruck, die jedem in den täglichen Nöten entgegenkommt.

Wir wollen heute Abend unsere liebevolle Mutter im Himmel mit dem ältesten Gebet anrufen, mit dem sich die Christen besonders in schwierigen Momenten und im Martyrium an sie gewandt haben. Wir wollen zu ihr rufen in der Gewissheit, dass wir von ihrer mütterlichen Barmherzigkeit Hilfe erfahren, da sie als „glorwürdige und gebenedeite Jungfrau“ uns alle Tage unseres Lebens Schutz, Hilfe und Segen sein kann:

„Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter; verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern errette uns jederzeit aus allen Gefahren, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau.“

(rv 08.10.2016 sk)

Papst bei Gebetsvigil: Beten und zuhören – aber dann handeln!

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Franziskus mit dem Gnadenbild von Guadalupe

„Der Rosenkranz ist das Gebet, das mein Leben begleitet… das Gebet meines Herzens.“ Das hat der Papst an diesem Freitag in einer Twitter-Botschaft geschrieben. An diesem Samstagabend nun betete Franziskus mit mehreren tausend Menschen auf dem Petersplatz die glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes – und brachte das alte Gebet mit seinem derzeitigen Lieblingsthema, der göttlichen Barmherzigkeit, in Zusammenhang. Der Anlass dazu war eine Gebetvigil vor dem Marien-Jubiläum des Heiligen Jahres, das am Sonntag auf dem Petersplatz gefeiert wird.

„Das Rosenkranzgebet ist in vieler Hinsicht die Zusammenfassung der Geschichte der Barmherzigkeit Gottes“, so der Papst am Samstagabend. „Die Geheimnisse, die an uns vorbeiziehen, sind konkrete Gesten, in denen sich das Handeln Gottes uns gegenüber entfaltet. Durch das betende Betrachten des Lebens Jesu Christi sehen wir wieder sein barmherziges Antlitz, das allen in den verschiedenen Nöten des Lebens entgegenkommt. Maria begleitet uns auf diesem Weg und zeigt uns dabei den Sohn, der die Barmherzigkeit Gottes selbst ausstrahlt.“

Allerdings war der Papst weit davon entfernt, dem passiven Betrachten alter Heilsgeheimnisse das Wort zu reden. Für ihn lenkt das Beten direkt hin zum Handeln: „Das Rosenkranzgebet führt uns nicht von den Sorgen des Lebens weg; im Gegenteil, es verlangt von uns, uns in die Geschichte aller Tage hineinzubegeben, um die Zeichen der Gegenwart Christi in unserer Mitte erkennen zu können. Sooft wir einen Moment ein Geheimnis des Lebens Christi betrachten, sind wir eingeladen zu erfassen, auf welche Weise Gott in unser Leben eintritt, um ihn dann aufzunehmen und ihm zu folgen.“ Christen dürfen, so Franziskus, „das Geschenk seiner Gegenwart nicht in uns einschließen“: „Wir sind Jünger, aber auch Missionare und Überbringer Christi dort, wo er uns bittet, präsent zu sein!“

Maria lehre uns zu verstehen, „was es bedeutet, Jünger Christi zu sein“. Sie habe zunächst einmal auf Gottes Botschaft, die ihr der Engel brachte, gehört. Doch dann sei sie in Aktion getreten, und das belege das Evangelium: „Daher begab sich Maria sofort zu Elisabeth, um ihr in ihrer Schwangerschaft zu helfen (vgl. Lk 1,39-56); in Bethlehem brachte sie den Sohn Gottes zur Welt (vgl. Lk 2,1-7); in Kana sorgte sie sich für die jungen Brautleute (vgl. Joh 2,1-11); auf Golgota wich sie nicht vor dem Schmerz zurück, sondern blieb unter dem Kreuz Jesu und wurde nach seinem Willen zur Mutter der Kirche (vgl. Joh 19,25-27)… In jedem dieser Momente bringt Maria den Reichtum der göttlichen Barmherzigkeit zum Ausdruck, die jedem in den täglichen Nöten entgegenkommt.“

(rv 08.10.2016 sk)

Perle für Perle, Schritt für Schritt durch Maria zu Jesus: 12 Tipps zum Rosenkranzmonat

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Ein Pilger betet den Rosenkranz auf dem Petersplatz vor der Generalaudienz mit Papst Franziskus am 29. Oktober 2014. Foto: CNA/Daniel Ibanez

Von Monsignore Florian Kolfhaus

In der Neuzeit war es immer wieder das Rosenkranzgebet so vieler Christen, das ihnen Frieden und Freiheit gebracht hat.

Denken wir nur an die Schlachten von Lepanto und Wien oder an den friedlichen Abzug der russischen Besatzung in Österreich. Papst Leo der XIII. hat in mehreren Enzykliken, die dieses Gebet in der Kirche fördern sollten, den Oktober zum Rosenkranzmonat erklärt. Durch die Erscheinungen der Muttergottes in Fatima, die sich im kommenden Jahr zum hundertsten Mal jähren, hat die kleine Perlenschnur neue, noch größere Bedeutung bekommen. Die Mutter Jesu bittet um das tägliche Gebet des Rosenkranzes, der in der Hand selbst kleiner Kinder oder kranker und alter Menschen zur Schleuder Davids wird – zu einer Waffe, mit der, wie die hl. Theresa von Kalkutta zu sagen pflegte, alle Probleme dieser Welt bezwungen werden können.

Ein Gebet für alle

Die Wirksamkeit des Rosenkranzes liegt in seiner Schlichtheit. In dieser Einfachheit der 50 Ave Maria, in denen sich die Geheimnisse des Lebens Jesu und seiner Mutter spiegeln, liegt freilich auch die große Gefahr, den Rosenkranz als monotones und oberflächliches Hersagen von Gebetsformeln zu sehen. In Wahrheit aber ist der Rosenkranz eine hervorragende Schule des Gebets, in der der Christ an der Hand Mariens lernt, Perle für Perle, Schritt für Schritt, auf Jesus zuzugehen, mit ihm zu sprechen, auf ihn zu hören und ihn liebevoll zu betrachten. Der Rosenkranz umfasst die drei großen Gebetsformen, die wie Stufen zur Begegnung mit dem Herrn führen: Mündliches Gebet, Meditation und Kontemplation. Oder mit anderen Worten gesagt: Wer den Rosenkranz betet, betet mit Mund, Verstand und Herz.

Der Rosenkranz – ganz praktisch!

Der Monat Oktober ist eine Gelegenheit, das Rosenkranzgebet neu zu entdecken oder zu vertiefen. Grundsätzlich gilt: Übung macht den Beter. Hier sind 12 ganz einfache und sehr konkrete Tipps, wie es jedermann gelingen kann, ein bisschen besser und öfter zu beten.

  1. Rosenkranz in der Tasche

Jeder Katholik sollte immer einen Rosenkranz in der Hosen- oder Rocktasche haben. Es gibt den kleinen Fingerrosenkranz mit nur zehn Perlen, den man ganz leicht bei sich tragen kann. Wann immer man nach Taschentuch oder Schlüssel greift, erinnert die Gebetsschnur an Jesus und Maria. Und vielleicht ist das dann der Moment, ein kurzes Stoßgebet zu sagen oder ein Gesätzchen (10 Ave Maria) des Rosenkranzes zu beten.

  1. Leerzeiten füllen

Im Alltag gibt es immer wieder „Leerzeiten“, in denen wir warten müssen: Beim Arzt, an der Bushaltestelle, auf einen wichtigen Anruf… Das sind Minuten, in denen man den Rosenkranz aus der Tasche ziehen und beten kann. Und wer im Wartezimmer sich nicht als praktizierender Katholik „outen“ möchte, der kann das unbemerkt mit seinen Händen tun: wir haben zehn Finger, um damit die Ave Maria eines Gesätzchens zählen zu können.

  1. Arbeit und Sport mit dem Rosenkranz heiligen

Viele Tätigkeiten verlangen von uns kein Nachdenken, sondern gehen uns mittlerweile mechanisch von der Hand. Beim Wäsche Aufhängen, Zwiebel Schneiden oder Auto Waschen kann man den Rosenkranz beten. Es ist nicht schlimm, wenn man sich verzählt oder diesem Gebet nicht die volle Aufmerksamkeit schenken kann. So wie verliebte Menschen immer aneinander denken, egal, was sie tun, hilft der Rosenkranz, im Herzen bei Jesus und Maria zu sein. Das gilt auch für viele Sportarten: Gerade beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen kann man wunderbar den Rosenkranz beten, indem man zum Beispiel die Ave Maria im Rhythmus des eigenen Atems (innerlich oder, wenn man allein auf freiem Feld ist, auch laut) ausspricht.

  1. Beten mit Bildern und Musik

Der Rosenkranz ist ein betrachtendes Gebet. Wichtiger als die Worte, die wir sprechen, sind die Blicke des Herzens auf die Geheimnisse. Dazu kann es hilfreich sein, vor dem Gebet fünf passende Bilder (ganz leicht im Internet zu finden) auszusuchen, die man dann einfach anschaut – nicht analytisch auf der Suche nach Details, sondern „kontemplativ“, das heißt ruhig anblickend. Wiederum lernt man hier von Verliebten, die ohne Worte einander angucken und innerlich still sind. Beim privaten Beten kann auch Musik hilfreich sein, die im Hintergrund läuft, um zur Ruhe zu finden.

  1. Zerstreuungen willkommen heißen

Es gibt kaum ein Gebet ohne Zerstreuungen. Immer wieder kommen uns andere Gedanken in den Sinn: die Einkaufsliste, der morgige Geburtstag eines Freundes, eine Krankheit oder Sorge. Wenn wir beim Gebet dagegen ankämpfen, wird es oft noch schlimmer. Es ist besser, diese „Zerstreuungen“ einzubinden und ein Ave Maria dafür zu beten: für die Menschen im Supermarkt, für Freunde und Familie, für mich in meinen Problemen. So wird das Gebet ehrlicher und persönlicher.

  1. Betend durch die Welt gehen

Auf dem Schul- und Arbeitsweg, sei es im Auto oder im Bus, sei es im Zug oder vielleicht zu Fuß, kann man sehr gut den Rosenkranz beten, ohne den Kopf zu senken und die Augen zu schließen. Am Steuer könnte diese fromme Haltung verheerende Folgen haben! Betend durch die Welt zu gehen oder zu fahren, bedeutet, die Ave Maria den Menschen zu widmen, an denen ich vorüber laufe oder für die Geschäfte und Institutionen zu beten, die auf meinem Weg liegen. Gott wird dabei für Überraschungen sorgen. So kann ich z. B. eine Arztpraxis auf meinem Weg in neuem Licht sehen, wenn ich im Gebet an die Menschen denke, die dort in ihren schweren Krankheiten Hilfe erhoffen.

  1. Auf Knien und mit den Füßen beten

Der Rosenkranz kann immer und überall gebetet werden. Manchmal sollte man ihn aber ganz bewusst kniend beten, um dann auch irgendwann die körperliche „Herausforderung“ zu spüren. Es geht hier nicht darum, sich zu quälen und möglichst lange durchzuhalten – gerne darf man sich hinsetzen – sondern um die Wirklichkeit, dass wir Leib und Seele haben, und dass unser Körper mitbetet. Deshalb ist der Rosenkranz auch ein so passendes Wallfahrtsgebet. Blasen an den Füssen und schmerzende Knie – bitte keine falschen Quälereien, die eher Stolz auf vermeintliche Leistungen als Vertrauen in Gottes Gnade erzeugen! – sind Opfer, die den Rosenkranz „vergolden“ können. Wer eine Wallfahrt (oder eine Bergbesteigung) „geschafft“ hat, kennt auch die körperliche Freude dieser Anstrengung.

  1. Jedem Gesätzchen eine Intention geben

Man muss nicht immer den Rosenkranz an einem Stück beten. Oft kann es nützlich sein, in den oben genannten Leerzeiten einfach anzufangen. Oder man betet bewusst – vielleicht nach dem Mittagessen – nur ein Gesätzchen. Immer kann es hilfreich sein, mit jedem Geheimnis ein bestimmtes Anliegen zu verbinden: für meine Mutter, für meine Freundin Katrin, für den Papst, für die verfolgten Christen, … Je konkreter, umso besser. Diese Intention kann man dann auch mit dem Inhalt des „Zehners“ verbinden: Geburt Jesu – Maria, hilf meiner Mutter! Kreuzigung – Jesus, hilf mir in meiner Krankheit. Auch so wird das Gebet inniger und persönlicher. Lob und Dank sollten freilich nicht völlig fehlen. Warum nicht einmal ein Gesätzchen aufopfern, nur um dem Himmel „Dankeschön“ zu sagen?

  1. Mit der Heiligen Schrift beten

Der Rosenkranz ist das  „Evangelium an der Perlenschnur“. Es ist gut – und hierfür gibt es viele hilfreiche Bücher und Hefte – mit jedem Geheimnis ein Schriftwort zu verbinden. Innerlich kann man es beim „äußeren“ Beten der Ave Maria wiederholen. Das Wort Gottes hat Kraft. Im Vertrauen darauf wird es in meinem Herzen nachklingen und, wie ein Stein, der ins Wasser fällt, ohne mein weiteres Zutun Kreise ziehen. Und ganz nebenbei lerne ich so auch Zitate aus der Bibel auswendig – auf Englisch heißt das passender Weise „to learn by heart“.

  1. Verschiedene Rosenkränze benutzen

Die meisten Katholiken haben nicht nur einen einzigen Rosenkranz, sondern eine ganze Kollektion, die bei manchen sogar größer sein mag als die Briefmarkensammlung des Patenonkels. Wir Menschen haben einen Leib, der mitbetet, und jede Perlenschnur macht durch Farbe und Gewicht einen anderen Eindruck auf mich. An manchen Rosenkränzen kann (und darf man!) beim Beten richtig fest ziehen, um sein Gebet auch irgendwie zu spüren. Andere, filigrane Gebetsschnüre muss man vorsichtig und fast zärtlich durch die Hände gleiten lassen. Besonders „kraftvoll“ sind alte, abgegriffene Rosenkränze, mit denen wir das geistliche Erbe der Großeltern antreten. So wird die Perlenkette zur Gebetskette mit den vorausgehenden Generationen. Oft haben Rosenkränze auch eine eigene, kleine Geschichte, wenn sie z. B. von einem Wallfahrtsort stammen oder zu einem besonderen Anlass geschenkt wurden. Auch daran darf man sich beim Beten erinnern.

  1. Beten, wenn man nicht beten kann

Vor Gott können wir nichts leisten. Wir Christen sind keine disziplinierten Yogis, die asketische Höchstleistungen vollbringen müssen. Es gibt Zeiten der Trockenheit und Trauer, in denen man nicht beten kann. In diesen schwierigen Momenten darf man zum Rosenkranz greifen, um die Gebete einfach nur „aufzusagen“. Das ist kein heidnisches Plappern, sondern der winzige Funke guten Willens, den wir Gott anbieten, und den er, wann und wie er will, mit dem Hauch seines Geistes zu einem Feuer anfachen kann. In diesen schwierigen Zeiten mag es sogar genügen, einfach den Rosenkranz festzuhalten, ohne ein Wort zu beten. Dieses armselige Dasein vor Gott und seiner Mutter ist dann schon gutes Gebet, das sicher nicht ohne Antwort bleibt.

  1. Mit dem Rosenkranz einschlafen

Nicht nur in der Hosen- oder Rocktasche, sondern auf jedem Nachtkästchen, sollte ein Rosenkranz liegen. Beim Einschlafen oder beim Aufwachen mitten in der der Nacht kann man sehr gut die vielen Ave Maria beten. Das ist besser als Schäfchen zählen… Gerade alte und kranke Menschen „klammern“ sich nachts an den Rosenkranz, weil er in ihrer schwachen Hand Sicherheit, Stärke und Trost verspricht. Auch in guten Zeiten dürfen wir zur Perlenschnur greifen und uns an ihr fethalten, um dann gerade für die zu beten, die in den dunklen Stunden wachen und leiden.

Das Buch „Der Rosenkranz – Theologie auf Knien“ von Msgr. Dr. Kolfhaus ist erschienen im Dominus Verlag und hat 128 Seiten.

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