Der heilige Papst Johannes Paul II. über den heiligen Papst Pius V.

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES 500. JAHRESTAGES DER GEBURT
DES HL. PAPSTES PIUS V.

An den verehrten Mitbruder
FERNANDO CHARRIER
Bischof von Alessandria

1. Gerne sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß anläßlich der Jubiläumsfeiern, die zum 500. Jahrestag der Geburt meines Vorgängers, des hl. Pius V., stattfinden. In mein liebevolles Gedenken schließe ich die Gläubigen dieser geliebten Diözese ein, die zu Recht ihres edlen Sohnes voll Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott gedenkt.

Die verschiedenen Veranstaltungen, an denen Ihr teilnehmen werdet, um dieses glücklichen Jahrestages zu gedenken, bieten die Gelegenheit, das Andenken dieses großen Papstes wieder lebendig zu machen und über das reiche von ihm hinterlassene Erbe an Vorbildern und Lehren nachzudenken, die auch für die Christen unserer Zeit mehr denn je gelten.

Der 500. Jahrestag seiner Geburt möge Grund des Segens für die ganze Kirche sein, in besonderer Weise für die geliebte Diözese Alessandria und für die kirchliche Gemeinschaft von Piemont. Die Fürsprache des hl. Pius V. und das Vorbild seiner Tugenden seien für jeden ein Impuls, den Glauben zu stärken, indem dieser unversehrt und in ständiger Verbindung mit den Quellen der Offenbarung bewahrt und in der Gesellschaft verbreitet wird, um eine Menschheit heranzubilden, die für Christus offen ist und die den Aufbau der Zivilisation der Liebe anstrebt.

2. Die Zeit, in der Pius V. lebte, war zwar sehr verschieden von der jetzigen, aber dennoch fehlt es nicht an gewissen Analogien. Beide Geschichtsepochen erlebten die Festigung von konvergierenden religiösen Kräften und hatten zugleich tiefe Krisen in der Gesellschaft zu verzeichnen mit Auseinandersetzungen zwischen Städten und Völkern, die manchmal in schmerzliche bewaffnete Konflikte ausarteten. In beiden Epochen war die Kirche bemüht, neue Wege zu finden, um den Glauben zu beleben und ihn in einer Weise vorzuschlagen, die den veränderten kulturellen und sozialen Bedingungen angemessen war; dies geschah damals durch die Einberufung des Konzils von Trient und im vergangenen Jahrhundert durch das II. Vatikanische Ökumenische Konzil. Auf die jeweiligen Konzilien folgten die oft nicht einfachen Anstrengungen, ihre Lehren getreu anzuwenden, wobei ein wahrer Reformprozeß der Kirche in Gang gesetzt wurde.

In diesen geschichtlichen und religiösen Kontext, der das 16. Jahrhundert gekennzeichnet hat, fügt sich das menschliche und geistliche Leben des hl. Pius V. ein, das am 1. Mai 1572 endete. Von Kindheit an bekam Michele Ghislieri die Härte der Armut zu spüren, denn er mußte durch seine Arbeit zum Unterhalt der Familie beitragen. Er schöpfte aus den bezeichnenden Werten seiner geliebten Heimat Alessandria und blieb ihr immer verbunden. Und dies so sehr, daß er, als er in das Kardinalskollegium berufen wurde, unter dem Namen Kardinal Alessandrino bekannt wurde.

Im Alter von 14 Jahren trat er in den Predigerorden ein und erhielt seine Ausbildung in den Klöstern von Vigevano, Bologna und Genua. Er war stets darauf bedacht, durch Gebet und Studium den Weg der evangeliumsgemäßen Vollkommenheit zu gehen, indem er reichlich aus den Quellen des Wortes Gottes entsprechend dem dominikanischen Charisma schöpfte.

Schon damals bewies er eine besondere Vorliebe für die Heilige Schrift und für die Lehre der Kirchenväter, während er sich auch für das Studium der Werke des hl. Thomas von Aquin begeisterte, den er später, als er Papst geworden war, in den Rang eines Kirchenlehrers erhob. Er wurde in Genua im Jahr 1528 zum Priester geweiht.

Von Papst Paul III. wurde er beauftragt, in den Gebieten von Padua, Pavia und Como über die Reinheit des Glaubens zu wachen. Er inspirierte sich am hl. Dominikus, dem heiligen Märtyrer Petrus von Verona, dem hl. Vincenzo Ferrer und dem hl. Antoninus von Florenz als seinen Vorbildern und Schutzherren. Dabei war seine einzige Sorge, immer die größere Ehre Gottes und das wahre Wohl der Brüder zu suchen, getreu dem Leitspruch »In der Wahrheit voranschreiten«, den er sich zu eigen machen wollte. Mit dem gleichen Eifer arbeitete er weiter, als er in Rom zum Kommissar für die Glaubenslehre ernannt wurde und nacheinander die weiteren Aufgaben übernahm, die ihm von den Päpsten Julius III., Paul IV. und Pius IV. anvertraut wurden. 1556 wurde er zum Bischof von Nepi und Sutri ernannt und im Jahr 1557 zum Kardinal kreiert; 1560 wurde er Bischof von Mondovì.

3. Mit 62 Jahren, im Januar 1556, wurde er zum Nachfolger Petri gewählt. Während seines Pontifikats bemühte er sich, die Glaubenspraxis in jedem einzelnen Glied des Volkes Gottes zu beleben, indem er der Kirche einen providentiellen Anstoß zur Evangelisierung gab. Er war unermüdlich in der Pastoralarbeit tätig und suchte mit allen direkten Kontakt zu knüpfen, ohne auf seinen schwachen Gesundheitszustand zu achten. Er sorgte sich darum, die Beschlüsse des Konzils von Trient getreu umzusetzen: im liturgischen Bereich durch die Veröffentlichung des erneuerten Römischen Meßbuches und des neuen Breviers; im katechetischen Bereich vor allem durch die Übergabe des »Katechismus des Konzils von Trient« an die Pfarrer; in der Theologie durch die Einführung der Summa des hl. Thomas in den Universitäten. Die Bischöfe erinnerte er an die Pflicht, in der Diözese zu residieren zum Zweck einer aufmerksamen Seelsorge an den Gläubigen; die Ordensleute regte er zu einer angemessenen Klausur an, und den Klerus wies er auf die Bedeutsamkeit des Zölibats und die Heiligkeit des Lebens hin.

Im Bewußtsein des von Christus, dem Guten Hirten, empfangenen Sendungsauftrages sorgte er sich hingebungsvoll darum, die ihm anvertraute Herde zu weiden, wobei er zum täglichen Gebet und vor allem zur Marienverehrung einlud. Es gelang ihm, diese beträchtlich zu intensivieren, indem er der Praxis des Rosenkranzgebets einen starken Impuls gab. Er selbst betete jeden Tag den gesamten Rosenkranz, auch wenn er überhäuft war mit schwierigen und vielfältigen Aufgaben.

4. Verehrter Mitbruder, der apostolische Eifer, das ständige Streben nach Heiligkeit, die Liebe zur Jungfrau Maria, die das Leben des hl. Pius V. kennzeichneten, seien für alle ein Ansporn, mit verstärktem Einsatz die eigene christliche Berufung zu leben. Ich möchte insbesondere dazu einladen, ihn in der kindlichen Marienverehrung nachzuahmen durch die Wiederaufnahme des einfachen und tiefen Rosenkranzgebetes, das – wie ich im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae in Erinnerung rufen wollte – uns hilft, das Geheimnis Christi zu betrachten: »In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist … Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen« (Nr. 1).

Durch das eifrige Beten des Rosenkranzes können auf die Fürsprache der himmlischen Mutter des Herrn außerordentliche Gnaden erlangt werden. Davon war der hl. Pius V. fest überzeugt, und er wollte nach dem Sieg von Lepanto ein eigenes Fest, den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, einführen.

Ich habe Maria, der Königin des heiligen Rosenkranzes, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch das Gebet des Rosenkranzes das wertvolle Gut des Friedens und die Förderung der Institution der Familie anvertraut. Ich erneuere diesen Akt des Vertrauens auf die Fürsprache des hl. Pius V., dieses großen Marienverehrers.

5. Ich versichere Ihnen, verehrter Mitbruder, daß ich Ihrer im Gebet gedenken werde, ebenso der Bischöfe, die der Schlußfeier des Jubiläums vorstehen werden, sowie des Nationalen Komitees und des Ehrenkomitees, der Obrigkeiten der Region, der Provinz und der benachbarten Gemeinden von Alessandria, des Klerus, der Ordensleute und der lieben Gläubigen sowie aller, die an der heiligen Messe am 5. Mai zum Abschluß der Jubiläumsfeiern in der Kirche des Klosters »Santa Croce in Boscomarengo« teilnehmen werden.

Allen erteile ich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Mai 2004

JOHANNES PAUL II.

Quelle

Johannes XXIII. – Enzyklika über das Rosenkranzgebet für die Missionen und den Frieden

Der Rosenkranz im bisherigen Leben des Papstes

1 Dankbares Gedenken steigt seit den frühen Jahren Unseres Lebens in Unserer Seele an jene Rundschreiben auf, die Unser Vorgänger Leo XIII. unvergesslichen Andenkens beim Herannahen des Monats Oktober oft an die katholische Welt richtete, um besonders für den Verlauf dieses Monats alle zum frommen Beten des Marianischen Rosenkranzes aufzurufen (1). Es waren Schreiben, geschmückt mit einer Vielfalt von Gedanken, durchdrungen von Weisheit, stets aufs neue begeisternd und überaus förderlich für das christliche Leben. Mit sanftem Nachdruck riefen sie das katholische Volk auf, mit großem Vertrauen zu Gott zu flehen, indem es unter dem überaus mächtigen Schutz der jungfräulichen Gottesmutter Maria den heiligen Rosenkranz betet. Dies ist ja, wie alle wissen, die geeignetste Form von Gebet und Betrachtung, mit der der mystische Kranz aus Engelsgruß, Herrengebet und Lobpreis der Heiligsten Dreifaltigkeit, dem „Ehre sei dem Vater…“, geflochten wird. Damit wird die Betrachtung der wichtigsten Geheimnisse unseres Glaubens verbunden, bei der uns die Menschwerdung Christi und die Erlösung des Menschengeschlechtes der Reihe nach vor Augen geführt werden. Diese liebliche Erinnerung der Jugendjahre ist im Laufe Unseres Lebens keineswegs erloschen, ja nicht einmal verblasst. Sie macht Uns vielmehr – Wir wollen es mit schlichter Aufrichtigkeit gestehen – den Marianischen Rosenkranz, den Wir an keinem Tage des Jahres unterlassen haben und den Wir mit besonderer Andacht während des nächsten Monats beten wollen, überaus teuer.

Während des ersten Jahres Unseres Pontifikats, das zu Ende geht, haben Wir den Klerus und das christliche Volk nicht nur einmal bei gegebenem Anlass zu öffentlichen und privaten Gebeten aufgerufen. Jetzt tun Wir dies aber mit noch größerer Eindringlichkeit und mit bewegtem Herzen aus mehrfachen Gründen, die Wir in diesem Rundschreiben kurz und in geraffter Form darlegen wollen.

Johannes XXIII. im Einklang mit seinem Vorgänger

2 I. Im kommenden Monat Oktober wird es ein Jahr, dass Unser Vorgänger Pius XII. fromm aus diesem irdischen Leben schied, das er mit vielen und hervorragenden Taten geschmückt hatte. Zwanzig Tage später sind Wir, ohne Unser Verdienst, durch Gottes geheimnisvollen Ratschluss auf die hohe Stufe des päpstlichen Amtes gestellt worden. Es schien, als ob ein Papst dem anderen die gesamte Christenheit gleichsam als ein heiliges Erbe von Hand zu Hand übergebe, damit er es weide. Ebenso deutlich zeigte sich die Hirtensorge bei der, durch die sich ihre väterliche Liebe zu allen Völkern kundtut. Machen nicht diese beiden Ereignisse, das eine voller Trauer, das andere voller Freude, vor aller Augen deutlich, dass, während alle menschlichen Dinge nacheinander dem Untergang geweiht sind, das römische Papsttum im Laufe der Jahrhunderte unversehrt überlebt, wenngleich auch jedes sichtbare Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem durch die göttliche Vorsehung festgesetzten Zeitraum aus dieser irdischen Verbannung abberufen wird?

Alle Christgläubigen mögen, wenn sie des verstorbenen Pius XII. und insbesondere seines demütigen Nachfolgers in Liebe gedenken, in denen der heilige Petrus das unvergängliche Amt des Obersten Hirten weiterhin ausübt, folgende Bitte an Gott richten: „Dass Du den Apostolischen Hirten und alle Stände der Kirche in der heiligen Religion erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns!“ (2) Ebenso möchten Wir daran erinnern, dass auch Unser unmittelbarer Vorgänger in der Enzyklika, die mit den Worten „Ingruentium malorum“ (3) beginnt, in gleicher Weise wie Wir alle Christgläubigen aufgerufen hat, den Marianischen Rosenkranz vor allem im Monat Oktober andächtig zu beten. In jenem Rundschreiben steht die Mahnung, die Wir gern wiederholen: „Eilt mit noch größerem Vertrauen zur jungfräulichen Gottesmutter; zu ihr in schwieriger Lage seine Zuflucht zu nehmen, war dem christlichen Volk stets ein besonderer und geheiligter Brauch, da sie ja die ‚Ursache des Heiles für das ganze Menschengeschlecht geworden ist‘ (4)“.

Gebetsbitte des Papstes: Die Glaubensboten

3 II. Am 11. Oktober wollen Wir freudigen Herzens das Kreuz Jesu Christi mit eigener Hand mehreren Glaubensboten reichen, die ihre liebe Heimat verlassen, um ferne Völker mit dem Lichte Christi zu erleuchten, nachdem sie diese schwere Aufgabe auf sich genommen haben. Am Nachmittag des selben Tages wollen wir das Nordamerikanische Seminar auf dem Gianicolo besuchen, um die Hundertjahrfeier seiner Gründung mit den Vorstehern, Lehrern und Studenten der Theologie feierlich und freudigen Herzens zu begehen.

Diese zwei Feiern treffen wie zufällig auf denselben Tag, bedeuten fast dasselbe und bestätigen dasselbe: nämlich dass die katholische Kirche bei allem, was sie tut, stets von einer himmlischen Anregung bewegt und von den Grundsätzen und Lehren der ewigen Wahrheit geleitet wird, und dass all ihre Söhne durch ihre edle und tätige Gesinnung mit aller Kraft zu gegenseitiger Achtung und brüderlicher Verbundenheit der Völker und zu einem sicheren Frieden beitragen sollen. Das bewundernswerte Schauspiel, das diese jungen Menschen bieten, ist in der Tat so gewaltig, dass es größte Hoffnung auf glücklichere Zeiten wecken kann; sie geben sich ja nach Überwindung unzähliger Schwierigkeiten und Hindernisse Gott ganz hin, damit auch die anderen Menschen Christus gewinnen (5), sei es in fernen Ländern, denen das Licht der Wahrheit noch nicht aufleuchtete, oder sei es in jenen riesigen Städten voller Unruhe und Geschäftigkeit, in denen die tägliche Arbeitslast so verwirrend und unüberschaubar geworden ist, dass sie bisweilen das Herz der Menschen verdorren lässt und gleichsam in den Strudel der irdischen Güter hineinreißt. Von den Lippen der Älteren aber, die aus demselben Grunde so schwere Lasten schon getragen haben, dringt das inständige Gebet des Apostelfürsten: „Lass deine Diener mit allem Vertrauen Gottes Wort verkünden“ (6) !

Ihrer aller apostolische Mühen mögen, so wünschen wir immer wieder, der erhabenen Jungfrau Maria im kommenden Oktobermonat durch flehentliches Gebet empfohlen sein.

Gebetsbitte: Die verschiedenen geistigen Nöte

4 III. Noch ein anderer Grund veranlasst Uns dazu, noch inständigere Bitten an Jesus und an seine geliebte Mutter vom Heiligen Kollegium der Kardinäle, von euch, Ehrwürdige Brüder, von den Priestern, von den gottgeweihten Jungfrauen, von allen Kranken und Leidenden, von den unschuldigen Kindern und von der gesamten Christenheit aus tiefstem Herzen zu erflehen: nämlich dass jene, von denen größtenteils das Schicksal der Völker abhängt, deren legitime Rechte und deren reiches geistliches Erbe unversehrt zu erhalten ist, gleichgültig, ob sie klein oder groß sind, die kritische Lage unserer Tage aufmerksam im Auge behalten.

Wir flehen also zu Gott, dass diese die Ursachen der Zwietracht gewissenhaft untersuchen und mit gutem Willen kraftvoll überwinden. Besonders sollen sie bedenken, dass kriegerische Auseinandersetzungen – die Gott verhüten möge – nichts anderes hervorbringen, als ungeheueres Verderben für alle, und sie sollen darauf überhaupt keine Hoffnung setzen. Die Gesetze im bürgerlichen und sozialen Bereich, durch welche die Völker und die bürgerliche Ordnung untereinander zusammengehalten werden, sollen den Bedürfnissen der Menschen unserer Zeit angepasst werden. Sie mögen auch nicht die ewigen Gesetze vergessen, die von Gott stammen und die die Fundamente und gleichsam die Angelpunkte für die Leitung der Völker sind. Auch sollen sie die geistigen Ansprüche der Menschen vor Augen haben; denn wie sie vom allmächtigen Gott geschaffen sind, so sind sie auch dazu bestimmt, ihn zu erreichen und sich seiner zu erfreuen.

Des weiteren muss bemerkt werden, dass solche Formen des Denkens und Philosophierens bestehen und ebenso solche Lebensauffassungen heute verbreitet werden, die mit der christlichen Lehre in keiner Weise übereinstimmen können. Niemals werden wir aufhören, dies mit ruhiger, fester und sicherer Überzeugung zu erklären.

Doch Gott hat die Menschen heilbar gemacht (7)!
Demnach hoffen Wir für die Zukunft, dass die gehaltlosen Forderungen und Pläne hintangesetzt werden, die ihre Ursache in einer bestimmten Denk- und Handlungsweise haben und die fast wie Kristall hart geworden sind und, wie alle wissen von den Irrtümern des Laizismus und Materialismus durchdrungen sind. Mögen dann die rechten Heilmittel in jener gesunden Lehre gesucht und gefunden werden, die Tag für Tag mehr durch die praktische Erfahrung bestätigt wird. Diese Lehre aber bezeugt: Gott ist der Urheber des Lebens und seiner Gesetze; Er ist der Anwalt des Rechtes und der Würde der menschlichen Person. Gott ist also „unser Heil und unsere Erlösung“ (8).

Die Augen unseres Geistes blicken auf alle Länder, in denen alle Völker vom Streben nach besseren Zeiten bewegt zu sein scheinen und in denen sich beobachten lässt, dass eine gewisse geheime Kraft Leben gewinnt; diese berechtigt zu der Hoffnung, dass das rechte Gewissen des Menschen pflichtgemäß angetrieben wird, das wahre Wohl der ganzen Menschheit zu fördern. Damit dies in möglichst glücklicher Weise geschieht, das heißt mit dem Triumph des Reiches der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe, ermahnen Wir alle Söhne in Christus, dass sie „ein Herz und eine Seele seien“ (9) und dass sie im kommenden Monat Oktober zur Königin des Himmels und unserer geliebten Mutter gemeinsam inständige Bitten richten und dabei folgende Worte des Völkerapostels Paulus bedenken: „In allem werden wir bedrängt, doch nicht erdrückt, hilflos sind wir, doch wir verzweifeln nicht. Verfolgt sind wir, doch nicht verlassen, niedergeworfen, doch nicht verloren. Allzeit tragen wir das Hinsterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an Unserem Leibe sichtbar werde.“ (10)

Gebetsbitte: Die römische Synode und das Konzil

5 Bevor Wir aber diese Enzyklika abschließen, äußern Wir noch den Wunsch, Ehrwürdige Mitbrüder, dass ihr den Marianischen Rosenkranz im Monat Oktober mit besonderer Frömmigkeit betet, und zwar auch aus folgendem Grund, der Uns so sehr am Herzen liegt: Möget ihr die jungfräuliche Gottesmutter Maria mit flehentlichen Bitten bestürmen, damit die Römische Synode für diese Stadt fruchtbar und heilbringend werde und damit aus dem kommenden Ökumenischen Konzil, an dem ihr selbst mit eurem Rat teilnehmen werdet, die ganze Kirche ein so wunderbares Wachstum gewinnt, dass auch die von diesem Apostolischen Stuhl getrennten Brüder und Unsere Söhne von dieser aufblühenden Kraft, die Wir erhoffen, Ermunterung und heilsamen Ansporn zur Übung aller christlichen Tugenden gewinnen. Erfüllt von dieser Hoffnung erteilen Wir jedem einzelnen von euch allen, Ehrwürdige Mitbrüder, und auch der ganzen euch anvertrauten Herde, besonders aber jenen, die diesen Unseren Aufforderungen mit frommem und tätigem Sinn nachkommen, in grenzenloser Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 26. September 1959,
im ersten Jahre Unseres Pontifikates

 

Johannes XXIII.

 

Anmerkungen

(1) Vgl. oben Nr. 31-136.

(2) Allerheiligenlitanei

(3) Vgl. oben Nr. 203-208.

(4) Irenäus, Adv. haer. III, 22; MG VII, 959; vgl. Nr. 205. 

(5) Vgl. Phil 3, 8.

(6) Apg 4, 29. 

(7) Vgl. Weish 1, 14.

(8) Aus der Liturgie.

(9) Apg 4, 32.

(10) 2 Kor 4, 8-10.

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Quelle: Graber/Ziegenaus, Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius IX. bis Johannes Paul II., Herausgabe im Auftrag des Institutum Marianum e.V.; Schnell & Steiner Regensburg 1997; 3. erweiterte und überarbeitete Auflage, S. 261-265 (Nn. 260-264).

Entnommen bei: www.kathtube.com

Vatikanische Texte: [ EN – ES – IT – LA – PT ]

Massen-Rosenkranz in den USA zum Schutz gegen Islam-Dschihad, christliche Glaubensverleugnung und Abtreibung

Am kommenden 12. Dezember 2017 wird überall in den Vereinigten Staaten Amerikas eine Massenveranstaltung mit dem Rosenkranz stattfinden. Die Gebetsmeinung dazu wird sein: Die Muttergottes zu bitten, die U.S.A. vom Islamischen Dschihad und von der Verleugnung des Christlichen Glaubens zu bewahren und der Abtreibung ein Ende zu setzen.

 

Die sel. Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin in Pompeji, Italien

PASTORALBESUCH
VON JOHANNES PAUL II.
IM HEILIGTUM DER SEL. JUNGFRAU MARIA
VOM HL. ROSENKRANZ IN POMPEJI

GEBET DES HL. ROSENKRANZES VOR DEM HEILIGTUM VON POMPEJI

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Dienstag, 7. Oktober 2003

  

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die selige Jungfrau hat es mir gewährt, hierhin zurückzukehren, um sie in diesem berühmten Heiligtum zu verehren. Die Vorsehung hatte dem sel. Bartolo Longo eingegeben, daß es zu einem Zentrum der Verbreitung des heiligen Rosenkranzes werden solle.

Der heutige Besuch stellt in gewisser Weise die Krönung des Jahres des Rosenkranzes dar. Ich danke dem Herrn für die Früchte dieses Jahres, das zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung dieses zugleich einfachen und tiefen Gebets geführt hat. Es führt uns zur Herzensmitte des christlichen Glaubens und erscheint angesichts der Herausforderungen des dritten Jahrtausends und der dringenden Aufgabe der Neuevangelisierung von besonderer Aktualität.

2. In Pompeji ist diese Aktualität noch deutlicher erkennbar im Blick auf die antike römische Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs verschüttet wurde. Diese Ruinen geben ein beredtes Zeugnis und werfen die entscheidende Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Als Zeugnis einer Hochkultur enthüllen sie aber neben großartigen Antworten auch beunruhigende Fragen. Die marianische Stadt entsteht inmitten dieser Fragen und stellt uns den auferstandenen Christus als Antwort, als rettendes »Evangelium« vor Augen.

Wie zur Zeit des antiken Pompeji ist es auch heute nötig, Christus einer Gesellschaft zu verkünden, die sich immer mehr von den christlichen Werten entfernt und die Erinnerung an sie verliert. Ich danke den italienischen Autoritäten für ihren Beitrag zur Organisation meiner Pilgerfahrt, die in der antiken Stadt begonnen hat. So konnte ich über die ideelle Brücke eines für das kulturelle und geistige Wachstum sicherlich fruchtbaren Dialogs gehen. Vor dem Hintergrund des antiken Pompeji gewinnt die Förderung des Rosenkranzgebets den symbolischen Wert eines erneuten Impulses für die christliche Verkündigung in unserer Epoche. Denn was ist eigentlich der Rosenkranz? Er ist ein Kompendium des Evangeliums, das uns ständig zu den wichtigsten Ereignissen im Leben Christi zurückführt, um uns sein Geheimnis gleichsam »einatmen« zu lassen. Der Rosenkranz ist ein bevorzugter Weg der Kontemplation. Er ist sozusagen der Weg Marias. Denn wer kennt und liebt Christus mehr als sie?

Der sel. Bartolo Longo, Apostel des Rosenkranzes, der gerade den kontemplativen und christologischen Merkmalen dieses Gebets besondere Aufmerksamkeit widmete, war hiervon überzeugt. Dank dieses Heiligen ist Pompeji zu einem internationalen Zentrum der Spiritualität des Rosenkranzes geworden.

3. Es war mein Wunsch, daß diese Pilgerfahrt den Charakter einer inständigen Bitte um Frieden haben soll. Wir haben die lichtreichen Geheimnisse betrachtet, um gleichsam das Licht Christi auf die Konflikte, Spannungen und Tragödien der fünf Erdteile zu werfen. Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des »Ave Maria« schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade. Der sel. Bartolo Longo hatte eine prophetische Eingebung, als er beschloß, dem Gotteshaus, das der Muttergottes vom Rosenkranz geweiht ist, diese Fassade als Friedensmahnmal zu geben. So wurde die Sache des Friedens zum wesentlichen Bestandteil dieses Gebets. Es ist eine Eingebung, deren Aktualität wir zu Beginn dieses Jahrtausends, das bereits jetzt von Kriegsstimmung geprägt und in vielen Teilen der Welt von Blut befleckt ist, gut erkennen können. Zusammenarbeit mit allen

4. Pompeji ist ein Treffpunkt für Menschen aller Kulturen, die sich sowohl vom Heiligtum als auch von der Ausgrabungsstätte angezogen fühlen. Die Einladung zum Rosenkranz, die von hier ausgeht, erinnert auch an die Verpflichtung der Christen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens zu Erbauern und Zeugen des Friedens zu werden. Die bürgerliche Gesellschaft, hier vertreten durch Autoritäten und Persönlichkeiten, die ich alle herzlich begrüße, möge diese Botschaft immer besser annehmen.

Möge die Kirchengemeinde von Pompeji dieser Herausforderung immer besser entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle ihre verschiedenen Mitglieder begrüßen: die Priester und Diakone, die Ordensleute, insbesondere die Dominikanerschwestern vom heiligen Rosenkranz, deren Gemeinschaft eigens gegründet wurde, um sich der Pflege dieses Heiligtums anzunehmen, sowie die Laien. Mein aufrichtiger Dank gilt Msgr. Domenico Sorrentino für die freundlichen Worte, die er zu Beginn dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Ein herzliches Dankeschön geht an euch alle, die ihr die Königin des Rosenkranzes von Pompeji so tief verehrt. Seid »Bauleute des Friedens« nach dem Vorbild des sel. Bartolo Longo, der Gebet mit Aktion zu verbinden verstand und diese marianische Stadt zu einer »Hochburg der Nächstenliebe« machte. Das im Bau befindliche »Centro per il bambino e la famiglia« [Zentrum für Kind und Familie], das freundlicherweise nach mir benannt wurde, übernimmt das Erbe dieses bedeutenden Werkes.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Muttergottes vom heiligen Rosenkranz segne uns, die wir uns nun darauf vorbereiten, sie im Gebet anzurufen. Ihrem Mutterherz vertrauen wir unsere Sorgen und unsere guten Absichten an.

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Quelle

Siehe auch:

 

DER ROSENKRANZ ALS BETRACHTENDES GEBET

Leo XIII.
Epistula Enzyklika „Jucunda semper“

1894

Der Rosenkranz als betrachtendes Gebet

I. Vertrauen auf das Rosenkranzgebet und Mariens Gnadenvermittlung

Mit großem Vertrauen warten Wir in jedem Jahr auf den Monat Oktober. Seine Wiederkehr belebt Uns in Unserer Hoffnung. Auf Unsere Ermahnung und auf Unser Geheiß ist er der Allerseligsten Jungfrau geweiht, und seit vielen Jahren wetteifern die Katholiken in aller Welt miteinander, so daß die Andacht des Rosenkranzes wirklich in Blüte steht. Was Uns immer wieder veranlaßt, Unsere mahnende Stimme zu erheben, haben Wir mehr als einmal dargelegt. Wir durchleben Zeiten, die für Kirche und Staat verhängnisvoll sind und deshalb eindringlich die Nähe Gottes und seine Hilfe fordern. Diese Hilfe glaubten Wir aber am ehesten durch die Fürbitte seiner Mutter erlangen zu können, und zwar besonders durch jene Gebetsweise, deren Kraft und Segenswirkung die Christenheit zu jeder Zeit in ganz besonderem Maße erfuhr. Bereits bei der Einführung des marianischen Rosenkranzes zeigte sich diese Wirkung. Wir verdanken ihr den Schutz unseres heiligen Glaubens vor bösen Übergriffen der Irrlehrer, aber auch den tugendhaften Lebenswandel, der bei der Sittenverderbnis unserer Zeit wieder ins rechte Licht gerückt und gehoben werden mußte. Das christliche Volk erlebte diese Segenskraft sowohl im privaten wie im öffentlichen Leben in einer fortlaufenden Kette von Gnadenerweisen. Viele davon bestehen weiter in gewissen Einrichtungen und Monumenten und haben so ihre Weihe erhalten. Frohen Herzens stellen Wir fest, daß auch unsere Zeit, in der es um so vieles geht, bereits manche Hilfe und manchen Nutzen aus dem Rosenkranzgebet erlangt hat. Wenn Wir Uns umsehen, ehrwürdige Brüder, dann stellen Wir fest, daß alle Beweggründe, die Uns dieses Gebet nahelegen, auch heute noch in Geltung sind, ja daß sie noch schwerwiegender sind. Aus diesem Grunde solltet Ihr auch in diesem Jahre Euch durch Unsere Ermahnungen bewegen lassen, die Himmelskönigin mit Gebeten zu bestürmen und diese Glut des Betens auch in Euren Gläubigen zu entfachen. Wenn Wir auf das innerste Wesen des Rosenkranzes Unseren Blick richten, und wenn so immer stärker die Vorzüge und Segenswirkungen dieses Gebetes sich Uns offenbaren, dann gewinnt Unsere Hoffnung daraus wieder neue Nahrung. Unser sehnlichster Wunsch ist es, daß auf Grund Unserer dringenden Empfehlung dieses heilige Gebet und diese Andachtsübung in Gedanken immer tiefer erfaßt und immer weiter verbreitet werde und in jeder Hinsicht wachse.

Wir beachsichtigen nicht, auf alles zurückzukommen, was Wir in früheren Jahren unter verschiedenen Gesichtspunkten darüber gesagt haben. Heute wollen Wir vielmehr einige belehrende Gedanken zur Betrachtung vorlegen, wie wunderbar es nämlich die göttliche Weisheit angeordnet hat, daß dank des Rosenkranzgebetes die Macht des Vertrauens von den Herzen der Beter in beglückender Weise Besitz ergriffen hat, daß die Allerseligste Jungfrau in ihrem mütterlichen Erbarmen und in ihrer unsagbaren Güte uns Menschen zu helfen immer gewillt ist.

Der tiefste Grund, weshalb wir Mariens Schutz durch das Gebet gewinnen wollen, liegt ohne Zweifel in ihrem Amt als Vermittlerin der göttlichen Gnade. Immerdar verwaltet sie dieses Amt bei Gott, weil sie wegen ihrer Würde und ihrer Verdienste sein höchstes Wohlgefallen besitzt und an Macht alle Heiligen des Himmels weit übertrifft. In keiner Gebetsform tritt dieses ihr Amt so klar und ausdrücklich hervor wie im Rosenkranzgebet. Dieses Gebet zeigt immer wieder aufs neue den Anteil, den die Allerseligste Jungfrau am Erlösungswerk des Menschengeschlechtes hat, und zwar so, als würde sich das alles tatsächlich vor unseren Augen abspielen. Wenn wir in dieser Weise die heiligen Geheimnisse nacheinander betrachten und damit unsere frommen Gebete verknüpfen, dann kann das unserer ganzen religiösen Einstellung nur nützlich sein.

II. Die freudenreichen Geheimnisse

An der Spitze stehen die freudenreichen Geheimnisse. Als Gottes ewiger Sohn sich zu uns Menschen niederneigte, um selbst Mensch zu werden, gibt Maria ihre Einwilligung und empfängt vom Heiligen Geist. Als Johannes schon im Mutterschoß durch eine außerdordentliche Gnadengabe geheiligt und begnadet auserwählt wird, dem Herrn die Wege zu bereiten, geschieht dies auf den Gruß Mariens hin, die durch Gottes Antrieb ihre Verwandte heimsuchte. Als Christus, der die Erwartung der Völker ist, das Licht der Welt erblickte, geschah es aus Maria. Als die Hirten frommen Sinnes und die Weisen als Erstlinge des Glaubens zur Krippe kamen, fanden sie das Kind mit Maria, seiner Mutter. Als Christus in den Tempel getragen werden soll, um sich nach allgemeinem Brauch als Opfer Gott seinem Vater darzubringen, geschieht es durch die Mutter, durch die er dort dem Herrn dargestellt wird. Als ihr Kind unbegreiflicherweise verlorengegangen war, suchte sie ihr Kind voll Angst und Kummer, bis sie es mit unaussprechlicher Freude findet.

III. Die schmerzhaften Geheimnisse

Gleiches verkünden uns die schmerzhaften Geheimnisse. Als Jesus im Garten Gethsemane zitternd erbebt vor dem Tode, als er im Gerichtsgebäude gegeißelt, mit Dornen gekrönt und zum Tode verurteilt wird, ist die Mutter nicht dabei. Aber um all dies Geschehen wußte sie, und sie hat es im voraus geschaut. Schon damals, als sie sich als Magd des Herrn zum Beruf einer Mutter anbot oder als sie sich mit ihrem Sohn gemeinsam im Tempel zur Opfergabe weihte, wurde ihr wegen dieser zweifachen Handlung das gleiche Los wie ihm selbst zuteil, nämlich Sühne zu leisten für die Menschen in schmerzvollster Weise. Ohne Zweifel hat sie deshalb ihres Sohnes bittere Todesangst und seine qualvolle Marter aufs schmerzlichste miterlebt. Übrigens sollte in ihrer Gegenwart und vor ihren Blicken jenes göttliche Opfer dargebracht werden, zu dem sie in hochherziger und selbstloser Weise das Opferlamm selber an ihrer Brust genährt hatte. Der Höhepunkt dieses Geheimnisses liegt in den ergreifenden Worten: „Es stand aber neben dem Kreuze Jesu Maria, seine Mutter.“ Sie gab freiwillig ihren eigenen Sohn der göttlichen Gerechtigkeit hin und starb geistigerweise mit ihm, vom Schwert der Schmerzen durchbohrt, damit sie, vom Übermaß der Liebe zu uns ergriffen, von neuem Kinder empfinge.

IV. Die glorreichen Geheimnisse

In den folgenden glorreichen Geheimnissen erfährt dieses heilige Amt der Anteilnahme Mariens eine neue Bekräftigung, es erstrahlt in noch hellerem Licht. In verhaltener Freude kostet sie die Verherrlichung ihres Sohnes, der über den Tod triumphiert. Mit mütterlicher Liebe verfolgt sie seine Himmelfahrt. Des Himmels würdig, hält die Erde sie noch fest, damit sie für die werdende Kirche die treffliche Lehrerin und Trösterin werden kann — „ist sie doch tiefer in den Abgrund der göttlichen Weisheit eingedrungen, als man es für möglich halten könnte“. Erst mit der Herabkunft des von Christus verheißenen Heiligen Geistes vollendete sich das Geheimnis der menschlichen Erlösung. Deshalb sehen wir auf Maria in jenem denkwürdigen Abendmahlssaal. In unaussprechlichen Seufzern bittet sie mit den Aposteln vereint für die Kirche und beschleunigt auf diese Weise die Fülle des Trösters, der das höchste und letzte Geschenk Christi an seine Kirche ist, ein Schatz, der ihr nimmer fehlen wird. Nachdem sie aber in das unsterbliche Leben eingegangen ist, verdoppelt sie die Erweise ihrer Gunst und ist ständig bereit, für uns Fürsprache einzulegen. Wir sehen sie in die Heilige Stadt Jerusalem aus dem Tal der Tränen entrückt, von Engelchören umschwebt, wir verehren sie, die über der heiligen Herrlichkeit erhaben ist, die von ihrem göttlichen Sohn mit einem Sternendiadem geschmückt, bei ihm als Königin und Herrscherin des Weltalls thront.

In allem aber, ehrwürdige Brüder, zeigt sich „der Ratschluß Gottes, der Plan seiner Weisheit und Güte“. Aber auch alle überreichen Verdienste, die sich die jungfräuliche Mutter um uns erworben hat, enthüllen sich hier nicht minder. Mit tiefer Freude muß uns das alles erfüllen. Die sichere Hoffnung beseelt uns, daß auch wir mit der Hilfe Mariens der göttlichen Güte und Erbarmung teilhaftig werden.

V. Das mündliche Gebet

Das mündliche Gebet dient der gleichen Aufgabe. Es ist ganz auf die Geheimnisse eingestellt. Wir beginnen ordnungsgemäß mit dem Gebet des Herrn zum himmlischen Vater. Nachdem wir unsere besonderen Bitten vorgetragen haben, wendet sich unser Flehen vom Throne seiner Majestät zu Maria, wobei wir uns von jenem Gesetz der Vermittlung um Fürsprache führen lassen, von dem Wir zuvor gesprochen haben und das der heilige Bernardin von Siena wie folgt ausdrückt: „Alle Gnade, die dieser Welt mitgeteilt wird, wird in drei Stufen verliehen. Durchaus der Ordnung entsprechend, wird sie zuerst von Gott an Christus, von ihm an die Jungfrau und von der Jungfrau an uns übermittelt.“ Das sind die Grade oder Stufen, die unter sich selbstverständlich von verschiedener Beschaffenheit sind. Mit bewußter Vorliebe verharren wir im Rosenkranz länger auf dieser letzten Stufe, weil wir ja zehnmal den Gruß des Engels wiederholen. Wir wollen gleichsam mit größerem Vertrauen dadurch zu den übrigen Stufen, durch Christus zu Gott dem Vater emporsteigen. Wenn wir in dieser Weise Maria so oft mit den gleichen Worten begrüßen, dann geschieht es, damit unser schwaches und mangelndes Gebet von dem so notwendigen Vertrauen erfüllt wird. Wir bestürmen Maria, damit sie sozusagen in unserem Namen bei Gott für uns Fürsprache einlegt. Unser Beten gewinnt vor Gott an großer Kraft und Gnade, wenn die Jungfrau es Gott darbietet. Er selbst hat sie liebevoll eingeladen: „Es töne deine Stimme in meinen Ohren, denn süß ist deine Stimme.“ Darin liegt auch der Grund, warum wir Mariens Ehrenbezeichnungen so oft wiederholen, damit wir Erhörung erlangen. Darum grüßen wir sie als jene, „die Gnade gefunden hat bei Gott“, und bezeichnen sie ganz besonders als jene, die „voll der Gnade Gottes ist“. Da niemand so eng mit Gott verbunden ist wie sie, sollte diese Fülle der Gnade nicht auf alle überströmen? Ferner grüßen wir sie als „die Gebenedeite unter den Weibern“, die „als einzige den Fluch hinwegnahm und Segen brachte“, nämlich die gebenedeite Frucht ihres Leibes, in der „alle Völker der Erde gesegnet werden sollen“. Rufen wir sie schließlich als „Mutter Gottes“ an, was wird sie dann infolge dieser erhabenen Würde nicht alles „für uns Sünder“ sicher erflehen, was dürften wir nicht alles erhoffen in unserem ganzen Leben und im Todeskampf beim letzten Atemzug?

Wer sich die Mühe macht und sich mit gläubigem Herzen in diese Gebete und Gehiemnisse versenkt, der wird notwendig immer wieder von neuer Bewunderung erfüllt über Gottes Absichten, die er in der erhabenen Jungfrau zum allgemeinen Heil der Völker verwirklichte. Von frohem Vertrauen getragen, flüchten wir uns in ihren Schutz und Schoß und rufen zu ihr mit den gleichen Worten wie der heilige Bernhard: „Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es noch nie erhört worden, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief, um deine Fürsprache flehte, von dir sei verlassen worden!“

VI. Der Rosenkranz erwirbt uns Mariens Huld

Im Rosenkranz wohnt nicht nur jene Kraft, die geeignet erscheint, im Beter selbst das Vertrauen auf Erhörung zu stärken, sondern er rührt an Mariens Herz, um es uns gegenüber zur Barmherzigkeit zu bewegen. Die größte Freude bereitet es ihr sichtlich, wenn sie uns sieht und hört, wie wir zu ihrer Ehre und zu ihrem Preise unsere Bitten und Lobgebete gleichsam in Kränze winden. Nachdem wir Gott in dieser Gebetsart die schuldig Ehrerbietung erwiesen, bedacht auf seine Herrlichkeit, wenn wir einzig und allein bestrebt sind, seinen Willen und Wunsch zu erfüllen, wenn wir seine überreiche Güte preisen, indem wir ihn Vater nennen und ihn trotz all unserer Unwürdigkeit dennoch um seine Gnaden und Gaben anflehen, dann ist Maria darüber äußerst erfreut, und sie kann in Wahrheit unserer frommen Einstellung wegen beten: „Hochpreiset meine Seele den Herrn!“ Gerade das geschieht in würdiger Weise, wenn wir im Gebet des Herrn an Gott uns wenden. Alles, was wir hier erbitten, entspricht unseren Bedürfnissen und steht in vollem Einklang mit dem christlichen Glauben, der Hoffnung und der Liebe. Empfehlen wir Maria diese Bitten, so ist es ihr lieb, so erhalten sie besonderen Nachdruck. Mit unserer Stimme vereinigt sich augenscheinlich die Stimme ihres Sohnes Jesus, der als Urheber diese Gebetsform verfaßt und in bestimmte Worte gekleidet und mit den Worten vorgeschrieben hat: „So sollt ihr also beten!“ Beachten wir im Rosenkranzgebet diese Vorschrift, dann wird Maria sich ohne Zweifel noch huldvoller zu uns neigen und ihr Amt, das nur sorgende Liebe ist, uns gegenüber erfüllen. Mit wohlgefälligem Blick wird sie diese geheimnisvollen Gebetskränze entgegennehmen und sie mit reichen Gnadengeschenken belohnen.

VII. Der Rosenkranz lehrt uns gut beten

Ein Hauptgrund, der uns Mariens freigebige Güte um so sicherer erhoffen läßt, liegt in der besonderen Art und Weise des Rosenkranzgebetes. Es ist zum rechten Beten wie geschaffen. So vieles zieht den betenden Menschen, der der Schwachheit verhaftet bleibt, von Gott ab und bringt alle seine guten Vorsätze zu Fall. Aber gerade auch von dieser Seite her offenbart sich die Wirkung des Rosenkranzgebetes. Man überdenke einmal bei sich selbst, wie sehr dabei der Geist in Zucht genommen wird, um die Trägheit unseres Denkens zu überwinden, und wie dabei jener heilsame Schmerz über begangene Fehler entflammt wird, der unser Herz zum Himmel emporhebt. Wir brauchen nicht mehr eigens hervorzuheben, daß der Rosenkranz aus zwei Teilen besteht, die trotz aller Verschiedenheit miteinander verknüpft sind, nämlich aus der Betrachtung der Geheimnisse und aus der Verrichtung des mündlichen Gebetes. Eine Gebertsart dergestalt nimmt besonders wirksam die Aufmerksamkeit des Menschen in Besitz und lenkt den Geist nicht nur irgendwie zu Gott hin, sondern läßt ihn in der Erwägung und Betrachtung der Heilstatsachen ruhen, damit er daraus eine Belehrung und Besserung des Lebens und einen Ansporn zu tieferer Frömmigkeit schöpft. Diese Heilstatsachen stellen ja die Zusammenfassung unseres christlichen Glaubens dar; sie sind daher das größte und bewunderungswürdigste, was es gibt. Das Licht und die Kraft, die sie ausstrahlen, haben Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden hervorgebracht und auf Erden eine völlige Neugestaltung hervorgerufen, die von erfreulichen Erfolgen begleitet war. Noch eine andere Tatsache steht damit in Verbindung: Die so sehr wichtigen Heilstatsachen werden den Betern in einer Weise vor Augen geführt, die auch der geistigen Fassungskraft der Ungebildeten entspricht und angemessen erscheint. Der Rosenkranz ist ja so beschaffen, daß die Hauptwahrheiten unseres Glaubens nicht in Form einer Lehre uns zur Betrachtung dargeboten werden, sondern diese Tatsachen werden uns buchstäblich vor Augen gezeigt und lebendig dargestellt. In dieser Verbindung mit den bestimmten Orten, Personen und zeitlichen Geschehnissen fesseln diese Heilstaten unsere Gedanken in viel stärkerem Maße und führen uns zu einer viel nützlicheren Ausbeute. Weil wir schon von frühester Jugend an darin eingeführt wurden, ist es selbstverständlich, daß der fromme und eifrige Beter schon beim Aussprechen der einzelnen Heilswahrheiten sie geistig mit liebendem Herzen durchdringt. Er braucht nicht unnötig seine Phantasie anzustrengen und wird sich durch Mariens Güte vom Tau der himmlischen Gnade erfüllen lassen.

Noch einen anderen Vorzug weist der Rosenkranz auf, der Maria besonders gnädig stimmt und dem Gebet reiche Belohnung verspricht. Wenn wir andächtig und fromm die dreifache Reihenfolge der Geheimnisse wiederholen, bezeigen wir dadurch um so mehr unsere dankbare und liebende Gesinnung gegen Maria. Wir zeigen dadurch offen, daß wir uns niemals genug an jene Wohltaten erinnern können, wodurch sie selbst mit so unsagbarer Liebe für unser Heil Sorge trägt. Muß durch eine so häufige und liebende Weise in ihr nicht die Erinnerung an die Heilstatsachen ebenfalls wachgerufen werden? Muß ihre in Heiligkeit erstahlende Seele da nicht von unsagbarer neuer Wonne erfüllt werden, muß das Gefühl mütterlicher Sorge und Güte nicht aufs neue in ihr geweckt werden? Aber auch auf uns wird die ständige Wiederholung und die stets wiederkehrende Erinnerung eine Rückwirkung nicht verfehlen, weil dadurch unser Gebet um so stürmischer und entflammter wird und gleichsam eine beschwörende Kraft erhält. Jedes Geheimnis enthält schon an und für sich so viele eindringliche Beweisgründe, denen die Allerseligste Jungfrau sich niemals verschließen kann. Darum fliehen wir zu dir, heilige Gottesgebärerin; verschmähe uns arme Evaskinder nicht! Wir bitten dich, die Vermittlerin unseres Heiles, die ebenso mächtig wie gütig ist. Inständig rufen wir zu dir bei der Süßigkeit all deiner Freuden, die dir aus Jesus, deinem Sohn, zugeflossen sind, durch die Anteilnahme an seinen unsagbaren Schmerzen, durch die Herrlichkeit seiner Glorie, die dich überströmt. Wohlan, höre und erhöre gnädig uns Unwürdige!

VIII. Moderne Angriffe auf die Kirche

Ihr werdet leicht verstehen, ehrwürdige Brüder, warum Wir ohne Unterlaß das Rosenkranzgebet empfehlen und um seine Verbreitung besorgt sind. Wir haben ja seine doppelten Vorzüge rühmend hervorgehoben. Schon zu Beginn haben Wir darauf aufmerksam gemacht, wie sehr heute die Welt täglich mehr die Hilfe des Himmels notwendig hat. Bedenken wir, welchen zahlreichen Bedrängnissen die Kirche heute überall ausgesetzt ist und wie man versucht, ihre Rechte und Freiheiten zu beschneiden! Auch die christlichen Staaten erleben eine Erschütterung, die ihren Wohlstand und ihren inneren Frieden fragwürdig macht. Wir haben Unsere größte Hoffnung auf den Rosenkranz gesetzt, um Hilfe von oben zu erflehen, das bezeugen und bekunden Wir aufs neue. Käme doch diese heilige Andacht wieder so zu Ehren, wie es einmal nach ihrer Bestimmung war, daß sie in Städten und Dörfern, in Familien und Betrieben, bei hoch und niedrig liebend gepflegt würde! Sie ist und bleibt das besondere Erkennungsmerkmal des christlichen Glaubens und ist die beste, schützende Gewähr unserer Versöhnung mit Gott und der göttlichen Barmherzigkeit.

Wir alle müssen uns tagtäglich von solchen Gedanken leiten lassen, nachdem frevelhafte und verbrecherische Mächte am Werke sind, die durch üble Machenschaften Gottes Zorngericht herausfordern und durch gerechte Bestrafung von seiten Gottes auch das Vaterland in den Abgrund ziehen. Es ist überflüssig, auf all die Ursachen einzugehen, die alle Gutgesinnten mit uns beklagen. Aber auch inmitten katholischer Völker gibt es sehr viele, die sich über jede Art von Religionsverspottung freuen, und die es bei der unglaublich zügellosen Presse- und Druckfreiheit anscheinend darauf absehen, die heiligsten Güter und das so sehr bewährte und belohnte Vertrauen auf Mariens Schutz der Verachtung und dem Spott der Masse preiszugeben. In den letzten Monaten hat man nicht einmal vor der heiligsten Person unseres Erlösers Jesus Christus haltgemacht. Man hat sich nicht geschämt, ihn auf schlüpfrige Bühnenbretter zu zerren, die doch ohnedies bereits zum lasterhaften Tummelplatz gemacht wurden und ihn dort darzustellen ohne die ihm gebührende Majestät seiner göttlichen Natur. Vergreift man sich aber daran, dann kann selbstverständlich nichts mehr von der Erlösung der Menschheit übrigbleiben. Man hat es sogar unternommen, den Verräter Christi von seiner ewigen Schmach reinzuwaschen, jenen Unseligen, dessen verabscheuungswürdiges Verbrechen der Treulosigkeit dem Gedächtnis der Menschen nie mehr entschwinden wird. Eine allgemeine Empörung hat sich gezeigt über diese schändlichen Dinge, die in gewissen italienischen Städten sich zutrugen oder wenigstens beachsichtigt waren. Man hat bittere Klage darüber geführt, daß die heiligen Rechte der Religion mit Füßen getreten wurden, dazu noch in jenem Volke so verletzt und unterdrückt wurden, das sich mit Recht seines katholischen Namens an erster Stelle stets rühmte. Diese Geschehnisse riefen auch die Bischöfe in ihrer stets wachen und bekümmerten Hirtensorge auf den Plan. Sie legten gerechte Beschwerde ein bei denen, deren heilige Pflicht es sein muß, für die Würde der angestammten Religion Sorge zu tragen. Ferner machten sie ihre Gläubigen nicht nur auf die schwere Gefahr aufmerksam, sondern ermahnten sie auch, die unerhörte Schmach, die unserem liebevollen Erlöser angetan wurde, durch persönliche religiöse Übungen zu sühnen. Dies Bemühen wurde mit Freuden von vielen Gutgesinnten aufgenommen und fand Unsere volle Zustimmung. Nicht wenig trug es dazu bei, den Kummer Unseres Herzens zu lindern. Jetzt aber, da Wir die Gelegenheit haben, zu Euch zu sprechen, müssen Wir die Stimme Unseres obersten Hirtenamtes erheben, und Wir verbinden mit den Beschwerden der Bischöfe und Gläubigen die Unsrigen auf das nachdrücklichste. In derselben apostolischen Gesinnung, in der Wir den begangenen Religionsfrevel bedauern und aufs schärfste verurteilen, richten Wir Unsere Ermahnung an alle christlichen Völker, vor allem aber an die Italiener, daß sie die angestammte Religion als ihr wertvollstes Erbe unverbrüchlich hüten, daß sie mannhaft dafür eintreten und sie durch ein sittlich reines und frommes Leben ständig vertiefen.

Gott, ehrwürdige Brüder, der „uns in seiner allgütigen Erbarmung eine solche Mittlerin gegeben hat“, „der uns alles durch Maria verleihen wollte“, möge auf ihre Fürbitte und Gnade unsere gemeinsamen Wünsche und Hoffnungen reichlich erfüllen. Damit verbinde sich als Unterpfand der Apostolische Segen, den Wir Euch, Eurem ganzen Klerus und Volk von ganzem Herzen erteilen.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 8. September 1894, im siebzehnten Jahre Unseres Pontifikates.

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Quelle

Englisch – Lateinisch – Italienisch – Portugiesisch

Die Königin des hl. Rosenkranzes in Valle di Pompei

Eine Hoffnung der Hoffnungslosen

Nihil obstat: J. Dévaud, libr. censor.; Imprimatur: Friburgi Helv., 30 Septembris 1928 L. Ems, vic.gen.


Drei Novenen zu Ehren der Rosenkranzkönigin
Danksagungs-Novene


Alle diejenigen, welche die Zeichen der Zeit verstehen, blicken mit Bangen in die Zukunft und sind übereinstimmend der Ansicht, daß wir schweren Prüfungen entgegengehen. Die heilige Kirche, welche von Gott die Bestimmung erhalten hat, alle Völker zu allen Zeiten zu beglücken, hat auch stets das richtige Heilmittel in Bereitschaft, um die Übel einer Zeitepoche zu heilen. Wir brauchen nur die Arznei zu nehmen, welche sie uns anbietet, und eine solche Arznei ist in unseren Tagen der Rosenkranz. Unsere Zeit hat in mancher Hinsicht große Ähnlichkeit mit jenen stürmischen Tagen, in denen der heilige Dominikus den Rosenkranz predigte, als letztes Mittel, um der Menschheit den Frieden wieder zu bringen. Das Rosenkranzgebet war die Rettung der damaligen Zeit. Aber die Aufgabe des heiligen Dominikus war mit seinem Tode noch nicht vollendet. Der heiligen Katharina von Siena wurde einst die Größe und Herrlichkeit des heiligen Dominikus gezeigt und ihr geoffenbart, daß derselbe bis ans Ende der Welt predigen werde. Seit mehr als 20 Jahren ist sozusagen die Stimme des heiligen Dominikus durch alle Welt gedrungen und hat zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Im Jahre 1878 gab Gott der Kirche in Leo XIII. einen Papst, ganz im Geiste des heiligen Dominikus. Schon bei seiner Wahl wollte es Gott offenbaren. Eine hochbegnadigte Nonne sah den neugewählten Papst in einem Gesichte, wie der heilige Dominikus neben ihm stand. Zwanzig Rundschreiben über den Rosenkranz hat Papst Leo XIII. an die Bischöfe der Welt gerichtet und die Christenheit zu diesem Gebete aufgefordert. Das ist die Waffe, welche der große Papst in unseren Tagen den Kindern der Kirche gab gegen die Wut der Hölle, welche die Kirche Christi vernichten will. Aber auch die wunderbaren Ereignisse in Valle di Pompei bei Neapel in Italien sind wie eine Stimme des heiligen Dominikus durch die ganze Welt gedrungen und haben alle Nationen und Völker der Erde zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Maria hat daselbst ein Heiligtum, einen Gnadenort vom heiligen Rosenkranz gegründet, der die ganze Welt in Staunen setzt. Sie hat dadurch der Welt zu erkennen gegeben, wie sie als Königin des Rosenkranzes verehrt werden will und was für Gnaden jene erlangen, welche sie unter diesem Titel anrufen. Das beweisen die vielen Wunder, Bekehrungen, Krankenheilungen und Gebetserhörungen in der ganzen Welt. Die Novene zur Rosenkranzkönigin in Pompeji, in verzweifelten Anliegen, wurde in 16 Jahren in 21 Sprachen übersetzt, 184 Auflagen gaben 2.280.000 Exemplare. So sehr ist die Andacht zur Königin des Rosenkranzes in Pompeji in der ganzen Welt verbreitet. Maria blickt mit besonderer Huld auf jene, welche sie unter ihrem bevorzugten Titel „Königin des heiligen Rosenkranzes im Tale von Pompeji“ anrufen, und, sei es auch von Ferne, ihre Werke in diesem Gnadenort unterstützen. In der Erscheinung der Muttergottes von Pompeji, die sich im Jahre 1884 in Neapel im Hause des Commendatoren Agrelli ereignete, würdigte sich die himmlische Mutter zu offenbaren, wie sie angerufen werden wolle. Sie sagte zu der leidenden Fortuna Agrelli: „Wer immer Gnaden von mir will, halte drei Novenen mit dem Gebete des Rosenkranzes von 15 Gesetzen und 3 Novenen zur Danksagung.“ Unzählige Gnaden sind schon durch diese Andachten erlangt worden. Es ist aber nicht verlangt, daß man alle Tage 3 Rosenkränze bete, sondern z.B. am ersten Tage den freudenreichen, am zweiten den schmerzhaften, am dritten Tag den glorreichen; so betet man in den 3 Novenen 9mal alle 3 Rosenkränze. Man muß sie aber mit Andacht und mit Betrachtung der 15 Geheimnisse beten, wenn möglich vor einem Bilde Unserer Lieben Frau von Pompeji. Dieses Bild ist an sehr vielen Orten aufgestellt und bringt viele Gnaden wie die Lourdesgrotten, die überall errichtet sind. Damit die Gläubigen immer mehr zum hl. Rosenkranzgebet entflammt werden und mit Vertrauen zu Unserer Lieben Frau von Pompeji in ihren Anliegen flüchten, sollen im folgenden die Herrlichkeiten dieses Gnadenortes geschildert werden. Möge die Rosenkranzkönigin dazu ihren Segen geben!

 

Das Heiligtum der Rosenkranzkönigin

Im Rosenkranzmonat des Jahres 1872 ging ein angesehener Rechtsgelehrter, namens Bartolo Longo, durch das einsame Tal von Pompeji. Trostlosigkeit, fast eine Art Verzweiflung, umgab seine Seele. In dieser peinlichen Gemütsstimmung hörte er eine innere Stimme: „Wenn du gerettet werden willst, so tue etwas für die Verbreitung des Rosenkranzes.“ Das ist eine Verheißung, welche die Muttergottes dem heiligen Dominikus gab. Der Gedanke: wenn ich den Rosenkranz verbreite, bin ich gerettet, war wie ein Blitz in finsterer Nacht. In großer Aufregung, Gesicht und Hände zum Himmel erhoben, richtete er an die allerseligste Jungfrau die Worte: „Wenn es wahr ist, was du dem heiligen Dominikus versprochen hast, daß derjenige, welcher deinen Rosenkranz verbreitet, so leicht selig wird, so werde ich meine Seele retten, und ich werde diese Gegend nicht verlassen, ohne hier den Rosenkranz eingeführt zu haben.“ Da wurde es ruhig in seiner Seele, er hörte das Ave-Glöcklein, fiel auf seine Knie und betete das Ave-Maria. Bald nach diesem Vorfall fing er an, bei den armen Leuten des Tales, es sind ungefähr 300 Bauern, das Rosenkranzgebet zu verbreiten und schenkte ihnen Rosenkränze und Medaillen. Aber er hatte große Schwierigkeiten, die Leute waren sehr unwissend und viele kannten nicht einmal das Ave-Maria. Drei Jahre lang wirkte er so unter ihnen, sah aber wenig Früchte. Im Jahre 1876, am 13. Februar, gelang es ihm, die Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes einzuführen; darum wollte er in dem armen Pfarrkirchlein einen Rosenkranzaltar errichten. Der Bischof von Nola, in dessen Sprengel die Pfarrgemeinde lag, bat ihn jedoch, den armen Leuten eine neue Kirche zu bauen und versprach ihm 500 Fr. Zu diesem Zwecke fing er an, Beiträge zu sammeln; es gab jedoch berghohe Hindernisse; aber Maria kam ihm zu Hilfe. In Neapel wurde ein krankes Mädchen plötzlich geheilt, nachdem es der Gottesmutter versprochen hatte, einen Beitrag zur neuen Rosenkranzkirche in Valle di Pompei zu geben. Dieses Wunder geschah am Tage, wo daselbst die Rosenkranzbruderschaft errichtet wurde, und machte in Neapel großes Aufsehen. Ein Wunder für ein Landkirchlein, für Bauern! Bald geschah ein anderes Wunder an einer Kranken, nachdem sie versprochen hatte, etwas für die neue Kirche zu opfern. Zahlreiche Gebetserhörungen fanden statt, wenn man eine Gabe für diese Kirche versprach. Auf diesem Wege sandte die Himmelskönigin dem Bartolo Longo Millionen. Maria gab durch fortgesetzte Wunder zu erkennen, daß sie an dieser Stelle keine neue Pfarrkirche, sondern ein Weltheiligtum wolle, wo sie als Rosenkranzkönigin verehrt und angerufen werde. Fünfzehn Jahre wurde an dem herrlichen Tempel gebaut, der in Gold und Marmor glänzt. Im Mai 1891 wurde dann diese Rosenkranzkirche durch Kardinal La Vallette eingeweiht, umgeben von 74 Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen. Weil diese Basilika aus den Opfern der Gläubigen der ganzen Welt gebaut wurde, hat der Gründer, Bartolo Longo, alles dem Heiligen Vater Leo XIII. geschenkt, es ist jetzt Eigentum des Apostolischen Stuhles. Leo XIII. hat dieses Heiligtum mit Ablässen und Privilegien bereichert, wie sie keine andere Kirche der ganzen Welt hat. In dieser Kirche darf die heilige Messe bis 2 Uhr nachmittags gelesen werden; und jeder Priester, der dahin wallfahrtet, darf täglich die Messe vom Rosenkranze lesen, damit so täglich das Rosenkranzfest wiederholt werde. Leo XIII. hat den Gründer Bartolo Longo mit dem herrlichsten Schreiben beehrt und in Audienz empfangen, um so vor der ganzen Welt seine Billigung auszusprechen.

 

Das Gnadenbild der Rosenkranzkönigin

Bei der Errichtung der Rosenkranzbruderschaft in Valle di Pompei im Jahre 1876 schien es Bartolo Longo notwendig, ein Bild der Rosenkranzkönigin anzuschaffen, um es in der Kirche aufzustellen. Er ging in dieser Absicht nach Neapel, eines zu kaufen. Als man ihm aber für ein solches 400 Franken verlangte, sagte ein Priester zu ihm: „Ich habe vor einigen Jahren der Ordensschwester Maria Coreta im Rosenkranzkloster bei der Porta Medina, ein altes Rosenkranzbild geschenkt, welches ich bei einem Trödler für 3.40 Fr. gekauft habe. Gehe hin und siehe es dir an; wenn es dir gefällt und du es trotz seines abgenutzten Zustandes für passend findest, so bitte sie darum. Für das Landvolk von Pompeji wird es schon genügen.“ Er nahm diesen Rat an und ging ins Kloster. Als ihm aber die Schwester das Bild brachte, erschrak er; denn es war ein altes, verdorbenes Gemälde und unschön gemalt; er war unschlüssig, ob er es mitnehmen sollte. Aber die Schwester drang sehr in ihn, mit dem sanften Vorwurf: „Nehmen Sie das Bild nur mit, so wie es ist, zum Beten eines Ave-Maria genügt es doch.“ Er nahm das Bild, welches 1.40 Meter hoch und 1 Meter breit war und ließ es auf einem Wagen nach Pompeji bringen. Nachdem es besser gemalt war, wurde es in der Pfarrkirche zur Verehrung ausgestellt und von dieser Zeit an knüpfte Gott und die allerseligste Jungfrau viele Gnaden und Wunder daran. Am 8. Juni des Jahres 1876 erschien Maria zum erstenmal einer kranken Mutter, in der nämlichen Gestalt wie sie auf dem Bilde ist, mit den Worten: „Die Jungfrau des Rosenkranzes von Pompeji hat dich geheilt.“ Das Bild stellt die Rosenkranzkönigin auf einem Throne dar, vor dem der heilige Dominikus und die heilige Katharina von Siena knien, welche den Rosenkranz empfangen. Später ließ es Bartolo Longo durch einen berühmten Maler in Neapel nochmals restaurieren. Das völlig neue Bild wurde in einen Rahmen von vergoldeter Bronze gefaßt, der allein 800 Mk. kostete. Fünfzehn bronzene Medaillons, die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes darstellend, umgeben den Rahmen. Das Gemälde ist schon ganz mit Brillanten bedeckt, die auf Leinwand befestigt sind und die von Personen aller Nationen aus eigenem Antrieb geopfert wurden, zum Zeichen der Dankbarkeit für Erlangung irgendeiner Gnade. Der Rosenkranz, den Maria der heiligen Katharina gibt und das Jesuskind, das sie dem heiligen Dominikus reicht, sind aus feinen Perlen. Maria trägt ein Halsband aus Brillanten, welche das Wort „Rosario“ bilden. Ihre Sandale ist ganz aus Gold und Diamanten, kostbare Perlen funkeln auf ihrem Mantel; andere bilden am Fuße des Thrones die Inschrift: „Ave Maria“. Der ganze Schmuck hat einen Wert von 400.000 Franken. Vier herrliche Smaragde sind Opfergaben von zwei Juden. Am 8. Mai 1887 wurde das Gnadenbild von Kardinal La Vallette mit einer Krone von Brillanten gekrönt, die aus allen Ländern als Beweise ebenso vieler Gnaden, die Unsere Liebe Frau von Pompeji gewährt hat, zusammenkamen. Papst Leo XIII. wollte eigenhändig die Krone segnen, welche bestimmt war, die Stirne der unbefleckten Gottesmutter zu schmücken. Bei der feierlichen Umhertragung des gekrönten Gnadenbildes waren 15.000 Pilger anwesend; es war ein triumphartiger Einzug der Rosenkranzkönigin in den herrlichen Tempel und auf den Thron. Was den Beschauer am meisten fesselt, ist der große, aus Marmor und Bronze verfertigte königliche Thron, auf welchem das Gnadenbild sich befindet; er hat mehr als 10.000 Pfund Sterling gekostet. 15 goldene Lampen brennen Tag und Nacht vor dem Gnadenbilde, als eine beständige Erinnerung an die 15 Geheimnisse. Viele Verehrer unterhalten beständig eine Lampe. So heilig und zur Andacht stimmend ist die Gnadenstätte, daß viele Pilger schon in der Vorhalle der Kirche die Schuhe und Strümpfe ausziehen, und barfuß bis in die Nähe kommen, wo sie sich vor dem Gnadenaltare niederwerfen, den Boden küssen und dann auf den Knien dem Throne der Rosenkranzkönigin nahen; andere weinen laut, wenn sie das wunderbare, prächtige, liebliche Bild sehen. Es ist etwas Geheimnisvolles darin. Allen, die das Heiligtum besuchen, fällt der himmlische Ausdruck des Bildes auf, der ihnen Vertrauen, Liebe und Andacht einflößt. Ein Strahl von Schönheit, Milde und Majestät leuchtet aus den Wimpern der Jungfrau für jene hervor, die gläubig vor dasselbe treten. Von dem Tage an, wo das Bild übertragen wurde, leuchtet aus dem Angesichte der Himmelskönigin eine Schönheit und eine Vertrauen erweckende Milde, die man früher nie gesehen. Bartolo Longo sagte: „Ich bin überzeugt, daß Maria selbst wunderbarerweise ihr Anlitz verklärt hat.“ Vor diesem Bilde empfindet die Seele im Gebete die feste Hoffnung auf Erhörung und jene unsagbare Süßgikeit, die nur denen verständlich ist, denen sie verliehen wird. Hören wir noch, was Papst Leo XIII. über dieses Bild an Bartolo Longo geschrieben hat: „Gott hat sich dieses heiligen Bildes, das in der Wallfahrtskirche zu Pompeji verehrt wird, bedient, um Hunderttausende von Gläubigen zu der überaus heilsamen Übung des heiligen Rosenkranzes zurückzuführen.“ Ferner: „Dieses heiligen Bildes hat sich Gott ebenfalls bedient, um jene vielen und großen Gnaden zu spenden, die in der ganzen Welt Aufsehen erregt haben.“

 

Eine Erscheinung der Rosenkranzkönigin

Eine der größten und wunderbarsten Heilungen der Rosenkranzkönigin in Pompeji ist die der Fortuna Agrelli, Tochter des Commendatoren von Neapel. Ihre Leiden waren so groß, daß man 13 Monate lang die schmerzlichen Rufe der Kranken in der Nachbarschaft hörte, welche ihr die lang anhaltenden und qualvollen Krämpfe auspreßten. Bei ihrem Anblick hätte man glauben können, sie sei aus dem Grabe gestiegen; auf ihrem Antlitz sah man die Spuren furchtbarer Leiden. Der Körper war ganz gekrümmt; die berühmtesten Ärzte gaben sie auf. Am 16. Februar 1884 gab ihr ein Förderer der damals im Bau begriffenen Rosenkranzkirche in Pompeji eine Medaille und ein Novenenbüchlein zur Rosenkranzkönigin. Sogleich wurde von der Kranken und ihren Angehörigen die Novene begonnen. Es war am 3. März, als sie wieder wie gewöhnlich von Krämpfen befallen worden war; sie kam gegen 3 Uhr nachmittags auf wenige Augenblicke wieder zu sich. Während dieser Zeit sah sie die allerseligste Jungfrau, die Rosenkranzkönigin von Pompeji. Bei deren Erscheinen machte sie das Kreuzzeichen. Maria hatte auf ihrem Schoße das göttliche Kind und in ihrer Hand den Rosenkranz und saß auf einem hohen Throne, rings von Lichtgestalten umgeben; beide waren mit einem goldgestickten Kleide angetan. Maria war vom heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena begleitet und trug auf ihrem Haupte eine Krone, die von kostbaren Edelsteinen schimmerte. Der Thron war mit Blumen reich geschmückt. Die Schönheit Marias war wundervoll. Sie blickte die Kranke mit mütterlicher Zärtlichkeit an, und diese begrüßte sie mit den Worten: Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, sei mir gewogen, mache mich gesund, ich habe mich schon an dich gewendet mit einer Novene, aber ich habe deine Hilfe noch nicht erfahren. O Maria! ich möchte so gerne gesund werden. Da sprach Maria zu ihr: „Kind, du hast mich unter verschiedenen Titeln angerufen und von mir immer Gnaden erlangt; jetzt, da du mich unter dem mir so angenehmen Titel der Königin des heiligen Rosenkranzes angerufen hast, kann ich dir die erflehte Gnade nicht länger versagen, weil mir ja dieser Name vor allen andern lieb und teuer ist; halte drei neuntägige Andachten und du wirst alles erhalten.“ Noch einmal erschien ihr die Rosenkranzkönigin und sprach zu ihr: „Wer immer neue Gnaden von mir erhalten will, halte 3 Novenen mit dem Gebet des Rosenkranzes und 3 Novenen zur Danksagung.“ Endlich, am 8. Mai sagte die Kranke zu ihrer Schwester: „Heute erlangt mir die Muttergottes gewiß eine Gnade; denn ich habe gelesen, daß die Rosenkranzkönigin von Pompeji an diesem Tage viele Gnaden spendet.“ An diesem Tage wurde sie auch wirklich vollständig gesund, und am 18. Juni kam die Geheilte nach Valle di Pompei, um der Rosenkranzkönigin zu danken.

 

Fortgesetzte Wunder der Rosenkranzkönigin

Die menschliche Gesellschaft schwebt heute in großer Gefahr, den Glauben gänzlich zu verlieren; da eilt die siegreiche Königin den Gefährdeten mitleidsvoll zu Hilfe. Mit der Macht, die sie von ihrem göttlichen Sohne erhält, errichtet sie einen Leuchtturm des Glaubens; damit alle, die fern vom rechten Wege sind, in diesem Heiligtum ihre Blicke zu ihr wenden. Obwohl jetzt die Wallfahrtskirche fertig ist, für die Maria zahllose Wunder gewirkt hat, hat die allerseligste Jungfrau nicht aufgehört, denen reichliche Gnaden zu spenden, die sie als Königin des Rosenkranzes von Pompeji anrufen; besonders huldvoll zeigte sich Maria dem Gründer gegenüber. Bartolo Longo hatte von dem Gelde, das ihm Maria aus der ganzen Welt gesandt, noch Wohltätigkeitsanstalten gegründet bei dem Heiligtume, wo sich fast eine kleine Stadt erhebt. Anfangs gab Bartolo Longo für die Grundlegung der Kirche wöchentlich 100 Fr. aus, die er am Samstag immer hatte; um den Bau weiter zu führen, brauchte er wöchentlich 500-1000 Fr.; am Samstag, zur Zeit der Arbeitersauszahlung waren sie da. Später brauchte er nicht mehr 1000 Fr. per Woche, sondern 1000 Fr. per Tag, um die Waisenkinder zu ernähren, die anderen Anstalten zu erhalten, die Arbeiter zu bezahlen, die Kosten des in- und ausländischen Baumaterials, die Spesen für die Eisenbahnstationen, für die Kaserne der Karabinieri und für das Post- und Telegraphenamt zu bestreiten; denn alle diese Einrichtungen hatte er ins Dasein gerufen, und das nötige Geld dazu kam jeden Tag. Nachher unterhielt Bartolo Longo ganze Kollegien von Knaben und Mädchen mit ihren Präfekten, Erziehern, Musikern und Mechanikerlehrern; er bestritt den reichen, prunkvollen Gottesdienst, der einem Weltheiligtum gebührt; später brauchte er wöchentlich 15.000, oft auch 20.000 Fr., und Maria sandte sie ihm. Als im Jahre 1899 der Präfekt von Neapel alles mit Staunen besichtigte und den Gründer fragte, wo er diese Summen hernehme, antwortete dieser: „Ich weiß es nicht, die Königin des heiligen Rosenkranzes weiß es; wenn ich größerer Hilfe bedarf, wirkt sie ein auffallenderes Wunder und die Gaben fließen reichlicher; wenn ich dagegen darauf sinne, weniger auszugeben und die Wohltätigkeitsanstalten einzuschränken, geht weniger Geld ein. Habe ich neue Verpflichtungen, kommen zur Zeit der Auszahlung auch neue Geldmittel, allerdings bleibe ich nach dem Auszahlungstag oft ohne Heller; doch immer auf den Glauben an die Vorsehung und auf den Schutz der Wunder der Rosenkranzkönigin gestützt, schlafe ich sorglos und erhebe mich ruhig in der Sicherheit, daß ich am Ende der Woche oder des Monats so und so viele Arbeiterfamilien auszahlen kann.“ Auch als das Heiligtum fertig war, fuhr Bartolo Longo dennoch fort, den Rosenkranz zu verbreiten, und das ist sein großes Apostolat, das unermeßliche Segnungen nach sich zieht. Im Jahre 1899 verteilte er 1.780.000 Bilder der Jungfrau von Pompeji, er versandte im gleichen Jahre 34 Zentner Rosenkränze und ließ 1.500.000 Medaillen der Rosenkranzkönigin prägen, und ausländische und einheimische Firmen haben ihm 30.000 Gemälde der heiligen Jungfrau geliefert. Die Auslagen für die Missionen kosteten ihn jährlich 589.000 Fr.

Bartolo Longo war auch Redaktor von Büchern und Zeitschriften, die den Rosenkranz verbreiten. Seine Zeitschrift „Rosario“ geht gratis in Hunderttausenden von Exemplaren durch die Welt. – Außerdem verschenkte er jährlich 100.000 Kalender, welche die Jahresgeschichte der pompejianischen Einrichtungen brachten. Und die ganze Welt erwiederte ihm darauf mit ihren Almosen, die ihm verantwortungs- und rechnungsfrei zugeschickt wurden. Hören wir noch einmal Bartolo Longo, wenn er sagt: „Ich überschwemme die Welt mit Mitteilungen, welche die Ausbreitung des Rosenkranzes und die Verherrlichung der Jungfrau vom Rosenkranze in ihren Gnaden und in den um des Rosenkranzes willen verliehenen Wundern zum Zwecke haben, und die Welt ist mir dankbar für die Stärkung des Glaubens, die sie aus diesem Tale empfängt und für die Gnaden, die ihnen die Jungfrau von Pompeji durch die Gebete der Waisenkinder spendet.“

 

Die 15 Verheißungen der Rosenkranzkönigin

Die allerseligste Jungfrau hat dem heiligen Dominikus fünfzehn Verheißungen gemacht für das Rosenkranzgebet; und diese sind bei Bartolo Longo in Erfüllung gegangen; schon bei seiner Berufung im Jahre 1870 wird er innerlich auf diese Verheißungen hingewiesen. Hören wir, was er zum Präfekten von Neapel sagte: „An dieser Küste von Valle die Pompei, die noch vor 24 Jahren öde und verlassen dalag, wollte ich in Erfahrung bringen, ob die Versprechungen der Himmelskönigin, die sie im 13. Jahrhundert dem heiligen Dominikus gemacht, wahr seien, als sie ihn für die Kirche eine neue Andacht lehrte, durch welche die Bekehrung der Völker und der Familien zu erwirken wäre, nämlich die Andacht des heiligen Rosenkranzes; und in 24 Jahren, während ich hier arbeite, und mit allen Mitteln die Rosenkranzandacht über die Welt zu verbreiten suchte, haben mir die täglich gesteigerten und vermehrten Wunder an Individuen und ganzen Genossenschaften diese Versprechen als wahr bewiesen.“ Diese Verheißungen sind folgende:

  1. Diejenigen, welche meinen Rosenkranz beharrlich beten, erlangen eine besondere Gnade.
  2. Ich verspreche jenen, die andächtig den Psalter meines Rosenkranzes beten, große Gnaden und meinen besonderen Schutz.
  3. Der Rosenkranz ist ein mächtiger Schild gegen den höllischen Feind; er vernichtet das Laster, verhindert die Sünde und rottet die Irrlehre aus.
  4. Der Rosenkranz bewirkt das Wiederaufblühen der Tugend und Werke der Gottseligkeit. Durch ihn wird den Seelen die Fülle der göttlichen Erbarmungen zuteil; indem sie sich von der eitlen Anhänglichkeit an die Güter dieser Welt losschälen, werden sie erfüllt von dem Verlangen nach den ewigen Gütern: viele Seelen werden durch den heiligen Rosenkranz gerettet.
  5. Die Seele, welche in rechter Weise durch meinen Rosenkranz ihre Zuflucht zu mir nimmt, geht nicht verloren.
  6. Alle diejenigen, welche andächtig den Rosenkranz beten, und dabei die Geheimnisse betrachten, werden vom Unglücke nicht niedergebeugt und vor dem unvorhergesehenen Tode bewahrt bleiben. Sind sie in Sünden, so werden sie die Gnade der Bekehrung erlangen; die Gnade der Beharrlichkeit aber, wenn sie gerecht sind, und sie werden würdig befunden werden des ewigen Lebens.
  7. Die Gläubigen, welche eine wahre Andacht zu meinem Rosenkranze haben, werden nicht ohne Empfang der heiligen Sakramente sterben.
  8. Ich will, daß jene, die meinen Rosenkranz andächtig beten, während ihres Lebens und im Augenblicke ihres Todes der Fülle göttlicher Erleuchtungen und Gnaden teilhaftig werden, sowie der Verdienste der Heiligen Gottes.
  9. Jeden Tag befreie ich aus dem Fegfeuer die Seelen, welche in ihrem Leben die Andacht des heiligen Rosenkranzes beharrlich gepflegt haben.
  10. Denen, die wahrhaft andächtig meinen Rosenkranz beten, wird im Himmel eine besondere Glorie zuteil werden.
  11. Alles, was man mich vermittelst des hl. Rosenkranzes bittet, wird man erhalten.
  12. Diejenigen, welche an der Verbreitung meines Rosenkranzes arbeiten, werden in all‘ ihren Nöten meine Hilfe erfahren.
  13. Ich habe von meinem göttlichen Sohne die Gnade erlangt, daß alle, welche der Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze einverleibt sind, die glückseligen Bewohner des Himmels zu ihren Brüdern und Schwestern haben, während ihres Lebens und in der Stunde des Todes.
  14. Diejenigen, welche meinen Rosenkranz beten, sind meine bevorzugten Kinder und Brüder Jesu Christi, meines eingeborenen Sohnes.
  15. Die Andacht zum hl. Rosenkranz ist ein besonderes Merkmal der Auserwählung.

Diese Verheißungen gelten für die Rosenkranzandacht von den 15 Geheimnissen, die man betrachten muß. Auch ist es ein großer Fehler, wenn man alle Andacht zu Maria nur in die Nachahmung ihrer Tugenden setzt; die Nachahmung ihrer Tugenden ist nur eine Frucht dieser Andacht. Das Wesen der Andacht zu Maria besteht nach Pater Gallifet in der Hochachtung, in der Liebe und in dem Vertrauen zu ihr, und dises kann oft beim Sünder größer sein als beim Gerechten. Wieviele Sünder, oft tief gefallene Seelen, sind zur Bekehrung gekommen oder im Tode noch gerettet worden, weil sie noch eine Andacht zu Maria festhielten, oft nur ein Ave-Maria täglich beteten; unzählige Seelen gehen verloren, weil sie nicht zu Maria geführt werden.

 

Einladung der Rosenkranzkönigin

Im Jahre 1876 wurde in Valle di Pompei die Rosenkranzbruderschaft feierlich errichtet und zählt mehr als 3 Millionen Mitglieder in ganz Italien, ja auf der ganzen Welt, darunter Bischöfe, Kardinäle, Fürsten, Königinnen und den größten Mann der neueren Zeit, Papst Leo XIII. sel. Andenkens. Schon der heilige Dominikus hat die erste Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze gegründet und die allerseligste Jungfrau hat ihm 30 Vorzüge geoffenbart und ihm gesagt, daß diese Bruderschaft die vortrefflichste sei. 200 Jahre später sandte Gott zur Weckung dieser Bruderschaft den seligen Dominikaner Alanus, dem viele himmlische Offenbarungen über dieses Gebet zuteil wurden; die allerseligste Jungfrau legte ihm in einer Erscheinung eine Kette um den Hals, in welcher 150 Edelsteine und 15 Rubinen gefaßt waren und sprach zu ihm: Dieses will ich allen gestiger Weise tun, welche meinen Psalter andächtig beten, und im Himmel werden sie besondere Freuden haben. Maria offenbarte ihm auch, ein einziges Ave-Maria sei kostbarer als alles Zeitliche unter der Sonne, als alle Güter des Leibes und des Geistes. Auch der göttliche Heiland sprach zu ihm: „Mein Sohn, du weißt nicht, was für ein köstliches Ding du meiner Mutter opferst, wenn du zu ihr ein andächtiges Ave-Maria sprichst; darum erscheine ich dir sichtbar, um es dich zu lehren.“ Dann zählte er ihm 72 Vorzüge auf, so in dem Ave-Maria einbegriffen sind. Auch schrieb der sel. Alanus, daß einmal ein Diener Gottes in den Himmel verzückt gewesen sei, dort habe er ein großes glänzendes Buch gesehen, worin alle Namen der Brüder und Schwestern der Rosenkranzbruderschaft ganz zierlich geschrieben standen, und es wurden immer mehr vom heiligen Dominikus und vom heiligen Franziskus geschrieben; welch ein Trost! Der selige Alanus hat 65 Jahre lang diese Bruderschaft mit so großem Erfolge verbreitet, daß in einem Verzeichnis im Dominikanerkloster zu Köln 1475, mehr als 100.000 Mitglieder aufgezeichnet waren. Papst Leo XIII. hat in seinem Rundschreiben vom 12. September 1897 ganz von dieser Bruderschaft gehandelt, und mit sehr rührenden Worten zum Eintritt ermahnt. Der Heilige Vater bat die Priester, das Volk über die hohen Vorzüge dieser Bruderschaft zu unterrichten; er ist dem Beispiele seiner Vorgänger gefolgt. Nicht weniger als 28 Päpste haben die Rosenkranzbruderschaft durch ihre Konstitutionen, Bullen, Breven usw. gutgeheißen und mit Ablässen bereichert. In die Gesellschaft Jesu wurde früher keiner aufgenommen, der sich nicht vorher in die Rosenkranzbruderschaft hatte einschreiben lassen. Die Mitglieder haben Anteil an allem Guten, das im Dominikanerorden geschieht, an den Verdiensten aller Heiligen und Seligen dieses Ordens, welcher bereits 265 heilig- und seliggesprochene Mitglieder und mehr als 26.000 Märtyrer besitzt, dann der vielen Mitglieder; durch den Beitritt in diese Bruderschaft werden wir Erben ihrer Verdienste. Nach dem Tode werden viele heilige Messen für sie aufgeopfert und viele Millionen Rosenkränze von Brüdern und Schwestern für sie gebetet. Der selige Alanus schreibt: Viele Brüder und Schwestern im Herrn haben mir eidlich bezeugt, daß ihnen während des Rosenkranzgebetes viele Seelen erschienen seien und ihnen dankend versichert hätten, es gäbe nach dem heiligen Meßopfer kein kräftigeres Hilfsmittel für die Armen Seelen im Fegfeuer als den heiligen Rosenkanz, und es würden dadurch alltäglich viele Seelen erlöst, welche sonst noch viele Jahre darin hätten verbleiben sollen. Wer sollte noch zögern, in diese Bruderschaft einzutreten, da man nur jede Woche alle drei Rosenkränze zu gelegener Zeit zu beten hat? Zur gültigen Aufnahme ist erfordert, daß man seinen Namen in ein Bruderschaftsbuch einschreiben läßt. Maria ladet alle dazu ein; die Bruderschaft ist ein Wagen zum Himmel.

 

Die Kinder der Rosenkranzkönigin

Maria wollte schon im vorigen Jahrhundert, wo sie bei ihren Erscheinungen in La Salette und in Lourdes Kinder erwählte, der Welt unter anderm die Lehre geben, wie man die Kinder zu ihr führen und retten soll; denn die Welt ist angefüllt mit Herodes, welche die Kinder geistig morden. O, möchten wir doch den hohen Adel eines Kindes kennen! Pater Hubi schrieb: „Ein Kind, das durch die heilige Taufe der Gnade Gottes teilhafig geworden ist, trägt ein Kleinod in sich, das wertvoller ist, als alles Gold und alle Edelsteine, glänzender als die Sonne und reizender als alle natürliche Schönheit der Engel und Menschen auf Erden.“ Ja, er hat recht; denn durch die Taufe ist es ein Kind des Königs von Himmel und Erde geworden; ein Tabernakel Gottes; denn Gott selbst wohnt im Herzen des Kindes. Die heiligen Engel umgeben, beschützen, führen und leiten es. Der göttliche Heiland hat die Kinder auf seinen Schoß genommen und ein furchtbares Wehe über jene ausgesprochen, die ihrer Seele schaden. Auch bei der wunderbaren Gründung des Heiligtums in Pompeji hat Maria die Welt auf die Kinder hingewiesen. Sie hat keine Ordensfrau erwählt, keinen hohen Würdenträger der Kirche, sondern einen Vater, einen Gatten. Ihre erste Erscheinung als Rosenkranzkönigin galt einer Gattin, einer Mutter in Neapel. Bartolo Longo hat die Königin des Himmels verstanden und ihrer Stimme Folge geleistet. Am 9. Mai 1887, an dem die wundertätige Jungfrau vom heiligen Rosenkranz gekrönt in ihren Tempel einzog, um von dem Hause ihrer Erwählung Besitz zu nehmen, beschloß der Gründer, neben dem Denkmal des Glaubens ein Denkmal der Liebe zu stiften, welches ihm Maria gegeben hatte. Er wollte den Thron der Rosenkranzkönigin mit einem lebendigen Rosen- und Lilienkranz umgeben, bestehend aus einer Schar unschuldiger Waisenmädchen, die unter dem Mantel der Jungfrau von Pompeji ihren Schutz fanden. Diese Kinder sollten den Hofstaat der Königin bilden und sie jeden Morgen und Abend mit dem Gruße des Engels begrüßen und zu ihren Füßen den Rosenkranz für ihre Wohltäter beten. Zur Linken des Rosenkranzheiligtums in Valle di Pompei erhebt sich ein Mädchenwaisenhaus, das von Bartolo Longo und seiner Gemahlin, Gräfin Marianne de Fosco, gegründet ist. Am Rosenkranzfeste 1887 wurden die ersten 15 Waisen, die in den Straßen gefunden wurden, aufgenommen. So entstand der erste lebendige Rosenkranz. Ein Jahr später kam ein zweiter dazu und im Oktober 1890 waren es schon 5 Rosenkränze oder 75 Waisen. Jedes Jahr steigerte sich die Zahl. Alle diese Waisen werden unentgeltlich aufgenommen und allein von den Gaben der Gläubigen auf der ganzen Welt unterstützt und erzogen. Es ist ein rührender Anblick, die elternlosen Kinder blühend und frisch ihr Mahl einnehmen zu sehen, das sie allein der christlichen Liebe aller Weltteile verdanken. Ein tägliches Wunder der Liebe. Viele reiche christliche Familien gehen in das Waisenhaus und nehmen solche an Kindes Statt an. Im Jahre 1894 fanden 20 Waisen der Jungfrau ein Asyl in Privathäusern.

Die Rosenkranzkönigin hat den Gründer aber noch zur Rettung anderer Kinder bestimmt, es sind die Söhne der Gefangenen, der Verbrecher. Mit den Waisenkindern hat man noch eher Mitleid; aber die Kinder der Sträflinge sind der Abweisung und Verachtung ausgesetzt. Das Mal der Schande, das sie, obgleich sie unschuldig sind, auf der Stirne tragen, verschließt ihnen alle Türen und verbietet ihnen jeden Zutritt in die Gesellschaft. Am 29. Mai wurde feierlichst der Grundstein gelegt zu dem neuen Institut. Noch war kein Jahr verflossen, als dasselbe schon 25 Kinder zählte. Briefe, Telegramme und Zeitungen munterten Bartolo Longo auf, für diese Unglücklichen etwas zu tun; denn für diese Klasse von Kindern war noch nie eine Anstalt gegründet worden. Im Jahre 1897 waren es schon 100 Zöglinge, von denen keiner müßig ist; jeder hat sein Handwerk, seinen Beruf. Wie es im Mädchenwaisenhaus gehalten wird, so geschieht es auch in dem Hospiz der Sträflingssöhne, es wird ihnen eine gute Erziehung gegeben.

 

Eine Bitte der Rosenkranzkönigin

Wenn Maria bei der Gründung des Gnadenortes die christlichen Eheleute so hoch geehrt hat und ihren königlichen Thron in Pompeji mit einem Hofstaat von unschuldigen Kindern umgab und so wunderbar für sie sorgte, wollte sie der Welt und den christlichen Eltern die Lehre geben, wie man die Kinder zu ihr führen soll. O, daß doch christliche Mütter ihre Kinder der Gottesmutter weihen würden! Eine solche Weihe ist von unglaublicher Wirkung; ein solches Kind geht, wage ich zu sagen, nicht verloren, und sollte es später vom rechten Wege abirren, Maria wird ihr verirrtes Kind wieder suchen. Das beweisen unzählige Bekehrungen, welche auf die Weihe der Mutter zurückzuführen sind, auch wenn die Mutter jahrelang im Grabe ruhte. Die gottselige Anna Katharina Emmerich erzählte von einem großen Sünder, dem die Mutter Gottes drei Jahre vor seinem Tode erschien und ihm offenbarte, seine Mutter habe ihn ihr bei seiner Geburt geweiht, er solle sich jetzt bekehren. Er führte noch drei Jahr ein frommes Einsiedlerleben und starb selig, nachdem ihm Maria im Tode noch einmal erschienen war. Die heilige Mechtildis sah ein Kind im Himmel unter die Klosterfrauen versetzt, weil seine Mutter es für den Ordensstand bestimmt hatte. Solche Wirkung hat das Gebet einer frommen Mutter. Wie schön wäre es, wenn man alljährlich an einem Marienfeste die Kinder der himmlischen Mutter weihte, und ihnen als Andenken eine Medaille, ein Bild, ein Buch oder ein Skapulier gäbe. Das wäre die beste Vorbereitung auf den Weißen Sonntag. Man lasse Maria die Kinder vorbereiten, und halte sie an, recht viel zur Mutter Gottes um eine würdige heilige Kommunion zu beten. Unzählige Kinder würden dem zeitlichen und ewigen Verderben entrissen, wenn man das Samenkorn der Andacht zu Maria ihnen ins Herz pflanzen würde.


Drei Novenen
zu Ehren der Rosenkranzkönigin

Gebet zur Königin des heiligen Rosenkranzes in Pompeji

Wenn man die drei Novenen macht, so versetzt man sich im Geiste in das Heiligtum von Pompeji und verrichtet mit Andacht und Vertrauen vor jedem Rosenkranz folgendes Gebet. Die gottselige Katharina Emmerich sagt: „Das Wunderwirkende beim Gebet ist das Vertrauen.“

O heiligste und unbefleckte Jungfrau, Königin des heiligen Rosenkranzes, du hast in diesen Zeiten des toten Glaubens deinen Sitz in Pompeji aufgeschlagen und deine Kinder in der ganzen Welt aufgefordert, dir an dieser Stätte ein Heiligtum zu errichten. Unzähligen auf der ganzen Welt bist du zu Hilfe gekommen, welche dich in diesem Gnadenbilde verehren. Siehe, gute Mutter, auch ich verehre dich im Geiste an dieser Gnadenstätte und rufe zu dir, o glorreiche Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, komme mir zu Hilfe. Du hast denen, die dich mit dem heiligen Rosenkranz verehren, so große Gnaden verheißen. Siehe, mit dem Rosenkranz in der Hand rufe ich zu dir. Du bist die Trösterin der Betrübten, das Heil der Kranken, die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Verzweifelten, du bist die Ausspenderin der Gnaden und Erbarmungen Gottes. O segne mich von deinem Throne aus in Pompeji! (Dreimal) Du Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, bitte für uns!

Lasset uns beten!

O Gott, dessen eingeborner Sohn durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung uns die Belohnung des ewigen Lebens verdient hat, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, die wir die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau ehren, was sie enthalten, nachahmen und dadurch erlangen, was uns in denselben verheißen ist, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

 

Novene zu Unserer Lieben Frau vom heiligen Rosenkranze in Neu-Pompeji,
um in großer Bedrängnis, sowie in Leibes- und Seelennot Gnade und Hilfe zu erlangen.

V. O Herr, merke auf meine Hilfe!
R. Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater, usw.

O heilige Katharina von Siena, du meine Beschützerin und Lehrerin, die du vom Himmel aus deinen Verehrern beistehst, wenn sie den Rosenkranz Mariä beten, stehe mir in dem gegenwärtigen Augenblicke bei und würdige dich, mit mir zusammen die Novene zur Königin des Rosenkranzes zu beten, die im Tale von Pompeji ihren Gnadenthron aufgeschlagen hat, damit ich durch deine Fürbitte die erwünschte Gnade erlange. Amen.

1. Gebet

O unbefleckte Jungfrau, Königin des heiligen Rosenkranzes! Du hast in diesen Zeiten des Unglaubens und der triumphierenden Bosheit deinen Sitz als Königin und Mutter aufgeschlagen über den Ruinen des alten heidnischen Pompeji. Von jener Stätte, wo ehemals Satan und die Götzen angebetet wurden, gießest du heute als Mutter der göttlichen Gnade die Schätze deiner Barmherzigkeit überallhin aus. Ach, von jenem Throne, wo du barmherzig dich erweisest, wende, o Maria, deine gütigen Blicke auch mir zu und habe Erbarmen mit mir, denn ich bedarf Deiner Hilfe gar sehr. Zeige dich auch mir, wie du dich schon so vielen gezeigt, als Mutter der Barmherzigkeit, während ich von ganzem Herzen dich grüße und dich anrufe als meine Gebieterin und Königin vom heiligen Rosenkranze.

Salve Regina

Sei gegrüßt, o Königin! Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit, unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen! O wende, unsere Fürsprecherin, deine mitleidigen Augen uns zu und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

2. Gebet

Niedergeworfen zu den Füßen deines Thrones, o erhabene und glorreiche Herrin, verehre ich dich mit Herz und Mund. In den Ängsten und Nöten, in welchen ich mich befinde, erhebe ich vertrauensvoll meine Augen zu dir. Du hast dich gewürdigt, zur Wohnung die Gegend eines armen, verlassenen Hirtenvolkes zu wählen. Von dort aus, gegenüber der alten Heidenstadt und dem Amphitheater, dem Orte der einstigen heidnischen Vergnügungen und Lustbarkeiten, dem Tale des Todes und des ewigen Schweigens, hast du als Königin vom Siege deine mächtige Stimme erhoben und von allen Seiten Italiens und der katholischen Welt deine Kinder herbeigerufen, um dir alldort einen Tempel zu erbauen.

O, habe endlich Erbarmen mit meiner Seele, die von schweren Leiden niedergedrückt, im Staube liegt. Erbarme dich meiner, o meine Gebieterin, erbarme dich meiner; denn ich bin arm und verlassen und mit Schmach überhäuft.

Du hast dem Satan den Kopf zertreten. Verteidige und beschütze mich gegen seine Nachstellungen! Du Helferin der Christen, befreie mich von den Leiden und Kümmernissen, in welchen ich schmachte; siege über den Tod, der in gegenwärtiger Gefahr meine Seele bedroht. Gib mir wieder Ruhe und Frieden, Liebe zu Gott und dem Nächsten und heile meine Seele und meinen Leib. Amen. – Sei gegrüßt, o Königin, usw.

3. Gebet

Schon viele sind von dir geheilt und getröstet worden, weil sie mit Glauben und Vertrauen dich um Hilfe angefleht haben. Das erfüllt mein Herz mit neuer Kraft und neuem Mute, um von dir Trost und Beistand zu erbitten. Du hast schon dem heiligen Dominikus versprochen, daß, wer immer eine Gnade wünscht, vermittelst des heiligen Rosenkranzes solche erlangen könne. Deshalb erinnere ich dich, o Mutter, mit dem heiligen Rosenkranz in der Hand, an die Erfüllung deines mütterlichen Versprechens.

Noch mehr – in unseren Tagen wirkest du beständig Wunder und hast deine Kinder angetrieben, dir einen Tempel in Pompeji zu errichten. Du willst also unsere Tränen trocknen, unsere Schmerzen lindern! – So rufe ich denn mit lebendigem Glauben zu dir, liebste Mutter, süßeste Mutter! hilf mir! Mutter und Königin des heiligen Rosenkranzes, zögere nicht länger, mir deine mächtige Hand zu reichen und mich aus meiner Drangsal zu retten!

Wenn du mich verlassest, werde ich dem Verderben anheimfallen. Amen. – Sei gegrüßt, o Königin, usw.

4. Gebet

Zu wem sollte ich mich wenden, wenn nicht zu dir, du Zuflucht der Unglücklichen und Verlassenen, du Stärke der Schwachen, du Trösterin der Betrübten! Ich bekenne es dir, meine Seele ist elend und arm, mit vielen und großen Sünden behaftet; sie ist nicht würdig, Gnaden zu empfangen; sie verdiente ewig in der Hölle zu brennen. Doch du bist die Hoffnung derjenigen, die keine Hoffnung mehr haben, du bist die große Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, unsere Fürsprecherin am Throne Gottes, die Zuflucht der Sünder. Nur ein fürbittendes Wort bei Jesus, deinem Sohne, und er wird dich erhören. O erlange mir denn von deinem göttlichen Sohne die Gnade, um welche ich dich so innig anflehe und deren ich so sehr bedarf (man nennt die Gnade, die man zu erhalten wünscht); du allein kannst sie mir erhalten, du meine einzige Hoffnung, mein Trost, meine Freude, mein Leben! Also hoffe ich, also sei es! Amen. – Sei gegrüßt, o Königin, usw.

5. Gebet

O Jungfrau, o Königin vom heiligen Rosenkranze, Tochter des himmlischen Vaters, Mutter des Sohnes Gottes und Braut des Heiligen Geistes! Du mächtige Fürsprecherin am Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit, du mußt mir die Gnade erbitten, deren ich so notwendig bedarf, insofern die Erlangung derselben nicht ein Hindernis meines ewigen Heiles ist. (Man nennt die Gnade, welche man erhalten möchte.)

Ich bitte dich darum bei deiner unbefleckten Empfängnis, bei deiner göttlichen Mutterschaft, um deiner Freuden, Schmerzen und Glorie willen. Ich verlange diese Gnade um des Herzens Jesu, deines Sohnes willen, um jener neun Monate willen, während welchen du das fleischgewordene Wort in deinem mütterlichen Schoße getragen, um der Armut und Mühen seines Lebens, um seines schmerzlichen Leidens und seines Todes am Kreuze willen, bei seinem heiligsten Namen und um seines kostbaren Blutes willen. Endlich bitte ich dich, versage mir deine Hilfe nicht, um deines süßesten Namens willen, o Maria, Stern des Meeres, mächtige Herrscherin, Pforte des Himmels und Mutter der Gnaden! Auf dich setze ich mein ganzes Vertrauen, von dir hoffe ich alles. Du mußt mich retten. Amen. – Sei gegrüßt, usw.

V. Würdige mich, dich zu loben, o heilige Jungfrau!
R. Gib mir Kraft und Stärke widerdeine Feinde!

Gebet

O Gott, dessen eingeborner Sohn durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung uns die Belohnung des ewigen Lebens verdient hat, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, indem wir die Geheimisse des heiligen Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau ehren, was sie enthalten nachahmen und dadurch erlangen, was uns in denselben verheißen ist. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen.

Danksagungs-Novene
zur allerseligsten Jungfrau von Pompeji, für erhaltene Gnaden

V. O Gott, merke auf meine Hilfe!
R. Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater, usw.

1. Gebet

Niedergeworfen zu deinen Füßen, erhebe ich meine Augen zu dir, o unbefleckte Mutter unseres Herrn Jesu Christi! Du freuest dich, als Königin vom heiligen Rosenkranze im Tale von Pompeji angerufen zu werden.

Mit frohem, dankerfülltem Herzen komme ich zu Dir, meine hocherhabene Wohltäterin, meine gütige Frau und Gebieterin meines Herzens; du hast dich mir als Mutter erwiesen, die mich wahrhaft liebt; ich war betrübt, und du hast mich getröstet. Angst und Kummer beugten mich darnieder, und du hast mir den Frieden wiedergegeben; Schmerz und Todesqual umgaben mich von allen Seiten, und du, liebste Mutter, hast von deinem Throne in Pompeji mit einem Blick voll Güte und Erbamen alles Leid von mir gewendet.

Wer hat je vertrauensvoll seine Zuflucht zu dir genommen, ohne erhört worden zu sein! – O, daß die ganze Welt es wüßte, wie du gütig und barmherzig bist gegen alle, die da leiden! Alle Geschöpfe würden zu dir kommen, um bei dir Hilfe und Rettung zu suchen.

O Jungfrau und Königin vom heiligen Rosenkranze, sei allezeit gelobt, gepriesen und verherrlicht von mir und allen Menschen und den heiligen Engeln, von Himmel und Erde! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, usw.

2. Gebet

Dem Herrn sei Dank und dir, o göttliche Mutter, für die neuen Beweise der Güte, welche durch deine Barmherzigkeit mir zugeflossen sind! Was wäre aus mir geworden, wenn du mein Seufzen und meine Tränen nicht erhört hättest.

Es mögen statt meiner dir danken und dich loben alle Scharen der heiligen Engel, die Chöre der Apostel, der Martyrer, der Jungfrauen und der Bekenner. In meinem Namen sollen dir danksagen so viele sündige Seelen, welche du vom Verderben errettet hast, und welche nun im Himmel den Anblick deiner unsterblichen Schönheit genießen. – O, daß mit mir alle Geschöpfe dich liebten und daß die ganze Erde widerhallen möchte von dem Echo meiner Dankesworte!

Was kann ich dir geben, o Königin voll Barmherzigkeit und Herrlichkeit? Mein ganzes übriges Leben sei dir geweiht; nach Kräften werde ich deine Ehre, o Jungfrau vom heiligen Rosenkranze von Pompeji, zu verbreiten suchen; denn da ich zu dir rief, hat die Gnade des Herrn mich heimgesucht. Überall werde ich von der Barmherzigkeit erzählen, die du mir erwiesen hast, und die Andacht des heiligen Rosenkranzes nach Möglichkeit zu fördern trachten; allen werde ich sagen, wie gütig du an mir gehandelt hast, damit auch die Unwürdigen, gleich wie ich, und die Sünder vertrauensvoll sich zu dir wenden. Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

3. Gebet

Welchen Namen, makellose Friedenstaube, werde ich dir geben, mit welchen Ehrentiteln dich anrufen! Dich nennen die heiligen Kirchenlehrer Königin der Schöpfung, Pforte des Lebens, Tempel Gottes, Wohnung des Lichtes, Glorie des Himmels, Heilige unter den Heiligen, Wunder der Wunder Gottes, Wonne des Allerhöchsten. Du bist die Schatzmeisterin der Gnaden, die alles vermögende Fürbitterin, die Barmherzigkeit Gottes selbst, welche den Unglücklichen zu Hilfe eilt. Ich weiß, daß du Wohlgefallen daran hast, als Königin vom heiligen Rosenkranze angerufen zu werden; indem ich diesen geheimnisvollen Namen anrufe, empfinde ich die Lieblichkeit desselben, o Himmelsrose, verpflanzt in dieses Tal der Tränen, um die Leiden zu versüßen, die uns verwiesene Kinder Evas allenthalben umgeben. Herrlich blühende Rose der Liebe, wohlriechender als alle Wohlgerüche des Libanon! Mit himmlischer Anmut führst du in deinem von dir bevorzugten Tale die Seelen der Sünder zum Herzen Gottes zurück. Unvergleichlich, ewig blühende Rose, begossen von den Strömen der Himmelsgnade hast du deine Wurzeln in einer vom Feuerregen ausgedorrten Gegend befestigt; Rose von fleckenloser Schönheit, hast du im Tale des Todes dem Herrn einen Garten der Wonne und der Freude gepflanzt.

Erhöht und gebenedeit sei der Herr, unser Gott, der deinen Namen, o Jungfrau, so wunderbar gemacht! Lobet alle Völker den Namen der Königin vom heiligen Rosenkranze von Pompeji; denn die ganze Welt ist voll von ihrer Barmherzigkeit! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

4. Gebet

In den Stürmen, in denen mein Lebensschifflein zu versinken drohte, erhob ich meine Augen zu dir, neuer Hoffnungsstern, erschienen in unsern Tagen über den Ruinen des Tales von Pompeji.

In meiner Bitterkeit erhob ich aus tiefer Seele meine Stimme zu dir, o Königin vom heiligen Rosenkranze in Pompeji, und ich erfuhr die Macht dieses so teuren Namens. Wer wird den neuen Ruhm deines heiligen Rosenkranzes, wer die Siege deiner Krone würdig besingen?

Du hast der Welt, welche daran ist, sich den Armen Christi zu entwinden und Satan anheimzufallen, das Heil eröffnet in eben jenem Tale, wo einst unzählige Seelen dem ewigen Verderben anheimgefallen sind. Siegreich hast du den heidnischen Tempel zertreten und über den Ruinen des Heidentums den Sitz deiner Herrlichkeit aufgeschlagen. Den Ort der Verwüstung hast du zu neuem Leben erweckt, und wo der höllische Feind das Zepter führte, errichtetest du eine Zufluchtsstätte, von wo aus du die Völker dem göttlichen Erlöser zuführest. Aus allen Teilen der Welt haben deine Kinder dir daselbst einen Thron errichtet, als Denkmal deiner Wunder und als Zeichen deiner Barmherzigkeit.

In Ewigkeit seien deine Werke gepriesen, o meine Gebieterin und Mutter, und gesegnet seien die Wunder, die im Tale der Verwüstung auf deine Fürbitte geschehen! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

5. Gebet

Deinen Ruhm, o Königin sollen verkünden alle Zungen, und der Abend trage auf den Morgen über die Harmonie unserer Lobpreisungen. Alle Nationen preisen dich selig; selig rufen dich aus alle Teile der Erde samt den glücklichen Scharen der Himmelsbewohner. Dreimal selig preise auch ich dich mit den Engeln, Ezengeln und Fürstentümern; dreimal selig rufe auch ich mit den himmlischen Mächten, den Kräften und Herrschaften; stetig bekenne ich dich mit den Thronen, den Cherubim und Seraphim! O du meine hocherhabene Rettung, wende deine barmherzigen Augen auf diese Familie, auf dieses Volk, auf diese Nation, auf die ganze Kirche! Insbesondere versage mir nicht die größte deiner Gnaden, daß nämlich in meiner Schwachheit ich mich niemals von dir abwende. Gib, daß ich bis zu meinem letzten Atemzuge in dem Glauben und der Liebe verharre, von denen meine Seele in diesem Augenblicke entzündet ist. Laß alle, die zur Zierde deines Hauses beitragen, durch deine mächtige Fürbitte zur Zahl deiner Auserwählten gehören.

O Rosenkranz der heiligen Jungfrau! Mit der größten Verehrung halte ich dich in meinen Händen und küsse dich mit Ehrfurcht. Du bist das große Mittel, du der Weg, auf dem der Christ in den Besitz aller Tugenden gelangt, ein reicher Schatz von Verdiensten für den Himmel, das Unterpfand meines ewigen Heiles, die starke Kette, die den Feind meiner Seele bindet, die Quelle des Friedens für alle, die während ihres Lebens dich ehren, Siegeszeichen denen, die im Tode dich festhalten. In meiner Sterbestunde hoffe ich auf deinen Beistand, o Mutter; dein Erscheinen ist mir das Zeichen meiner Rettung. Dein heiliger Rosenkranz öffne mir die Pforten des Himmels. Amen. Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

V. Bitte für uns, o Königin vom heiligsten Rosenkranze.
R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten!

O Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi! Du hast uns gelehrt, vertrauensvoll zu dir unsere Zuflucht zu nehmen und dich mit dem süßen Namen Vater zu nennen: Vater unser, der du bist in dem Himmel. Gütigster Herr und Vater, welchem es eigen ist, Barmherzigkeit zu erweisen und zu verzeihen, auf die Fürbitte der unbefleckten Jungfrau Maria, erhöre uns, die wir uns rühmen, Kinder des hochheiligen Rosenkranzes genannt zu werden. Verleihe unseren Dankgebeten für die erhaltenen Gnaden ein geneigtes Ohr. Den Thron aber, den du zu ihrer Ehre in Pompeji errichtet hast, laß auch in Zukunft täglich glorreicher werden, durch die Verdienste Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

In Anliegen kann man der Mutter Gottes versprechen, eine Anzahl dieser Schriften zu verbreiten; denn dadurch werden auch andere zu dieser Andacht geführt, was der lieben Mutter Gottes sehr wohlgefällig ist.


Transkription von P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

Bild: Quelle

Siehe ferner:

 

Die 20 Geheimnisse von Fatima

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Die Muttergottes mit dem Rosenkranz: Gemälde des spanischen Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo (Ausschnitt). Foto: Gemeinfrei

Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?

Vom ersten, zweiten und dritten Geheimnis von Fatima hat fast jeder Katholik schon gehört; auch viele Nichtkatholiken. Doch in Wahrheit ging es Maria 1917 nicht um drei Geheimnisse, die sie den Seherkindern enthüllte.

Vielmehr ging es Maria um die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes, denen der heilige Johannes Paul im Jahr 2002 noch fünf weitere hinzufügte. Dazu zeigte die selige Jungfrau im Ersten Weltkrieg im fernen Portugal den Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco die Hölle, kündigte den Zweiten Weltkrieg an und prophezeite das Martyrium des „weißen Papstes“.

Wirksame Waffe gegen all diese Schrecken sei aber der Rosenkranz, denen sie damals noch den Barmherzigkeitszusatz nach jedem Geheimnis höchstpersönlich und selbst hinzugefügt hat: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!“ Diese Worte sollten fortan jedem Geheimnis des Rosenkranzes am Schluss noch hinzugefügt werden; so geschieht es seitdem. Das müssen wir uns also vor Augen halten. Der Rosenkranz ist nicht nur das katholischste aller Gebete und das Lieblingsgebet der Gottesmutter. Es ist auch ein Gebet, das immer wieder um das gesamte Glaubensbekenntnis der Christenheit kreist, und ein Gebet, dass Maria selbst mit ausformuliert hat.

Andere Autoren dieses Wundergebets sind der Erzengel Gabriel in seinem Gruß an Maria, ihre schwangere „Base Elisabeth“ mit ihrem Gruß in Ein Karem, als der „Heilige Geist“ sie berührte, wie Lukas schreibt, oder die Versammlung aller Bischöfe des Konzils von Ephesus, wo die Kirche im Jahr 431 festhielt, dass Maria wahrhaftig die Mutter Gottes sei. Dass Marias Sohn also ganz und gar Mensch, aber auch ganz und gar Gott war. Ein letzter entscheidender Satz des Rosenkranzes stammt schließlich noch von  einem einzelnen heiligen Bischof, von Papst Pius V., der dem Ave Maria  im Jahr 1568 seinen genialen Schluss eingefügt hat: „Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt, und in der Stunde unseres Todes, Amen!“

„Der Ursprung des Rosenkranzes weist mehr auf den Himmel als auf die Erde hin“, schrieb deshalb vor rund hundert Jahren Leo XIII., der ihn ein Gebet der Engel nannte, weil Engel bei der Menschwerdung zugegen waren, bei der Geburt, im Ölgarten, bei der Auferstehung und der Himmelfahrt. „Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?“, fragte der uralte Papst danach. Eigentlich nicht. Aber auch das ist noch nicht alles. Denn im Jahr 2002 hat der Rosenkranzpapst Johannes Paul II. das Gebet ja noch ein letztes Mal verändert, als er den bis dahin fünfzehn Geheimnissen in einem neuen „lichtreichen Rosenkranz“ fünf weitere Geheimnisse hinzufügte, um „mit den Augen der Mutter auf ihren Sohn zu schauen“, wie er es nannte.

Nach dem Totalausfall der christlichen Katechese an der Universität, der Schule und den Elternhäusern der letzten Generation macht der Rosenkranz heute nichts anderes, als das christliche Zentralgeheimnis der unglaublichen Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und seine Heilstaten, seine Passion und Auferstehung von den Toten immer neu zu umkreisen und aus verschiedenen Winkeln neu zu betrachten – wo dieser Glaube innerhalb und außerhalb der Kirche von allen Seiten von der Vernichtung bedroht wird.

Seitdem ist der Rosenkranz Schule und Universität in einem. Papst Franziskus nannte ihn im November 2013 „Medizin für das Herz“ und ermahnte uns wie ein Arzt: „Vergesst nicht, sie zu nehmen. denn sie tut gut. Sie tut dem Herzen, der Seele und dem ganzen Leben gut!“ Im Jahr 1483 zeigte Michelangelo in seinem Jüngsten Gericht in der Cappella Sistina, dass die Perlenschnur imstande ist, sogar verdammte Seelen damit aus der Unterwelt zu befreien.

Am 13. Oktober 1917 aber stellte sich die selige Jungfrau in Fatima als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz vor, gemeinsam mit ihrem Wunsch, dass wir täglich diese Mysterien des Leben und Leidens Christi und seine Auferstehung von den Toten neu betrachten. Jedem, der an fünf aufeinander folgenden ersten Samstagen im Monat beichtet, die heilige Kommunion im Geist der Sühne empfängt, den Rosenkranz betet und seine Geheimnisse betrachtet, um Maria zu trösten, verspricht sie eine selige Sterbestunde. Unsere Mutter schenkt uns für diese süße Andacht den Himmel! Es ist das tiefste Geheimnis von Fatima! Der Rosenkranz ist eine Himmelspforte und gibt uns 2017, in der großen Krise der Kirche,  wo viele nicht mehr recht wissen, was katholisch ist, darauf die allerverlässlichste Antwort.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Paul Badde und Vatican Magazin.)

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