EINE HOFFNUNG DER HOFFNUNGSLOSEN

UNSERE LIEBE FRAU VON POMPEI

Alle jene, welche die Zeichen der Zeit verstehen, blicken mit Bangen in die Zukunft und sind übereinstimmend der Ansicht, dass wir schweren Prüfungen entgegengehen. Die heilige Kirche, die von Gott die Bestimmung erhalten hat, alle Völker zu allen Zeiten zu beglücken, hat auch stets das richtige Heilmittel in Bereitschaft, um die Übel einer Zeitepoche zu heilen. Wir brauchen nur die Arznei zu nehmen, die sie uns anbietet, und eine solche Arznei ist in unseren Tagen der Rosenkranz. Unsere Zeit hat in mancher Hinsicht große Ähnlichkeit mit jenen stürmischen Tagen, in denen der heilige Dominikus den Rosenkranz predigte, als letztes Mittel, um der Menschheit den Frieden wieder zu bringen.

Das Rosenkranzgebet war die Rettung der damaligen Zeit. Aber die Aufgabe des heiligen Dominikus war mit seinem Tode noch nicht vollendet. Der heiligen Katharina von Siena wurde einst die Größe und Herrlichkeit des heiligen Dominikus gezeigt und ihr geoffenbart, dass er bis ans Ende der Welt predigen werde.

Im Jahre 1878 gab Gott der Kirche in Leo XIII. einen Papst ganz im Geiste des heiligen Dominikus. Schon bei seiner Wahl wollte es Gott offenbaren. Eine hoch begnadete Nonne sah in einem Gesichte den neugewählten Papst und den heiligen Dominikus neben ihm. Zwanzig Rundschreiben über den Rosenkranz hat Papst Leo XIII an die Bischöfe der Welt gerichtet und die Christenheit zu diesem Gebet aufgefordert. Das ist die Waffe, die der große Papst den Kindern der Kirche gab gegen die Wut der Hölle, die die Kirche Christi vernichten will.

Aber auch die wunderbaren Ereignisse in Valle di Pompei bei Neapel in Italien riefen gleich der Stimme des heiligen Dominikus durch die ganze Welt und haben alle Nationen und Völker der Erde zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Maria hat daselbst ein Heiligtum, einen Gnadenort vom heiligen Rosenkranz gegründet, der die ganze Welt in Staunen setzt. Sie hat dadurch der Welt zu erkennen gegeben, wie sie als Königin des Rosenkranzes verehrt werden will und was für Gnaden jene erlangen, die sie unter diesem Titel anrufen. Das beweisen die vielen Wunder, Bekehrungen, Krankenheilungen und Gebetserhörungen in der ganzen Welt.

Die Novene zur Rosenkranzkönigin in Pompei, in verzweifelten Anliegen, wurde in sechzehn Jahren in 21 Sprachen übersetzt, 184 Auflagen gaben 2 280 000 Exemplare. So sehr ist die Andacht zur Königin des Rosenkranzes in Pompei in der ganzen Welt verbreitet. Maria blickt mit besonderer Huld auf jene, die sie unter ihrem bevorzugten Titel „Königin des heiligen Rosenkranzes im Tale von Pompei“ anrufen, und, sei es auch von Ferne, ihre Werke an diesem Gnadenort unterstützen. In der Erscheinung der Muttergottes von Pompei, die sich im Jahre 1884 in Neapel im Hause des Commentatoren Agrelli ereignete, würdigte sich die himmlische Mutter zu offenbaren, wie sie angerufen werden wolle. Sie sagte zu der leidenden Fortuna Agrelli: „Wer immer Gnaden von mir will, halte drei Novenen mit dem Gebete des Rosenkranzes von fünfzehn Gesetzen, und drei Novenen zur Danksagung.“

Unzählige Gnaden sind schon durch diese Andachten erlangt worden. Es ist aber nicht verlangt, dass man alle Tage drei Rosenkränze bete, sondern zum Beispiel am ersten Tag den freudenreichen, am zweiten den schmerzhaften, am dritten Tag den glorreichen. So betet man in den drei Novenen neunmal alle drei Rosenkränze. Man muss sie aber mit Andacht und mit Betrachtung der 15 Geheimnisse beten, wenn möglich vor einem Bilde unserer Lieben Frau von Pompei. Dieses Bild ist an sehr vielen Orten aufgestellt und bringt viele Gnaden wie die Lourdgrotten, die überall errichtet sind. Damit die Gläubigen immer mehr zum heiligen Rosenkranz entflammt werden und mit Vertrauen zu unserer Lieben Frau von Pompei in ihren Anliegen flüchten, sollen im folgenden die Herrlichkeiten dieses Gnadenortes geschildert werden. Möge die Rosenkranzkönigin dazu ihren Segen geben!

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Fortsetzung (12.1.2020):

Das Heiligtum der Rosenkranzkönigin

Im Rosenkranzmonat des Jahres 1872 ging ein angesehener Rechtsgelehrter, namens Bartolo Longo durch das einsame Tal von Pompei. Trostlosigkeit, fast eine Art Verzweiflung umgab seine Seele. In dieser peinlichen Gemütsstimmung hörte er eine innere Stimme: „Wenn du gerettet werden willst, so tue etwas für die Verbreitung des Rosenkranzes!“ Das ist eine Verheißung, welche die Muttergottes dem heiligen Dominikus gab. Der Gedanke: wenn ich den Rosenkranz verbreite, bin ich gerettet, war wie ein Blitz in finsterer Nacht. In großer Aufregung, Gesicht und Hände zum Himmel erhoben, richtete er an die allerseligste Jungfrau die Worte: „Wenn es wahr ist, was du dem heiligen Dominikus versprochen hast, dass jener, der deinen Rosenkranz verbreitet, so leicht selig wird, so werde ich meine Seele retten, und ich werde diese Gegend nicht verlassen, ohne hier den Rosenkranz eingeführt zu haben.“ Da wurde es ruhig in seiner Seele, er hörte das Ave-Glöcklein, fiel auf seine Knie und betete das Ave Maria. Bald nach diesem Vorfall fing er an, bei den armen Leuten des Tales, es waren ungefähr 300 Bauern, das Rosenkranzgebet zu verbreiten, und schenkte ihnen Rosenkränze und Medaillen. Aber er hatte große Schwierigkeiten, die Leute waren sehr unwissend und viele kannten nicht einmal das Ave Maria. Drei Jahre lang wirkte er so unter ihnen, sah aber wenig Früchte. Im Jahre 1876, am 13. Februar, gelang es ihm, die Bruderschaft des Heiligen Rosenkranzes einzuführen. Darum wollte er in dem armen Parrkirchlein einen Rosenkranzaltar errichten. Der Bischof von Nola, in dessen Sprengel die Pfarrgemeinde lag, bat ihn jedoch, armen Leuten eine neue Kirche zu bauen und versprach ihm 500 Fr. Zu diesem Zwecke fing er an, Beiträge zu sammeln; es gab jedoch berghohe Hindernisse, aber Maria kam ihm zu Hilfe. In Neapel wurde ein krankes Mädchen plötzlich geheilt, nachdem es der Gottesmutter versprochen hatte, einen Beitrag zur neuen Rosenkranzkirche in Valle di Pompei zu geben. Dieses Wunder geschah am Tag, an dem daselbst die Rosenkranzbruderschaft errichtet wurde, und machte in Neapel großes Aufsehen. Ein Wunder für ein Landkirchlein, für Bauern! Bald geschah ein anderes Wunder. An einer Kranken, nachdem sie versprochen hatte, etwas für die neue Kirche zu opfern. Zahlreiche Gebetserhörungen fanden statt, wenn man eine Gabe für diese Kirche versprach. Auf diesem Wege sandte die Himmelskönigin ihrem verehrten Bartolo Longo Millionen. Maria gab durch fortgesetzte Wunder zu erkennen, dass sie an dieser Stelle keine neue Pfarrkirche sondern ein Weltheiligtum wolle, wo sie als Rosenkranzkönigin verehrt und angerufen werde. Fünfzehn Jahre wurde an dem herrlichen Tempel gebaut, der in Gold und Marmor glänzt.

Im Mai 1891 wurde diese Rosenkranzkirche durch Kardinal La Vallette, umgeben von 74 Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen, eingeweiht. Weil diese Basilika aus den Opfern der Gläubigen der ganzen Welt gebaut wurde, hat der Gründer, Bartolo Longo, alles dem Heiligen Vater Leo XIII. geschenkt; es ist Eigentum des Apostolischen Stuhles. Leo XIII. hat dieses Heiligtum wie keine andere Kirche der ganzen Welt mit Ablässen und Privilegien bereichert. In dieser Kirche darf die heilige Messe bis 2:00 Uhr nachmittags gelesen werden. Jeder Priester darf täglich die Messe von Rosenkranz lesen, damit so das Rosenkranzfest wiederholt werde. Leo XIII. hat den Gründer Bartolo Longo mit einem herrlichen Schreiben beehrt und so vor der ganzen Welt seine Billigung ausgesprochen.

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Fortsetzung folgt!

Papst Paul VI. Enzyklika CHRISTI MATRI ROSARII (Wortlaut)

SOSTA DI S.S. PAOLO VI A D ANAGNI «CITTÀ PAPALE» (Giovedì, 1° settembre 1966)

an die Ehrwürdigen Brüder. die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die anderen Oberhirten, die in Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle
über das Gebet zur Mutter Gottes im Oktobermonat für den Frieden 
15. September 1966
(Offizieller lateinischer Text: AAS LVIII [1966] 745-747)

(Quelle: Vatikanische Polyglott Druckerei. Die Abschnittsseinteilung mit Nummerierung folgt der englischen Fassung)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist

Ehrwürdige Brüder,Gruß und Apostolischen Segen

1 Der Mutter Christi im Rosenkranz während des Monats Oktober gleichsam einen mystischen Strauss zu winden, gehört zu den Feiern des christlichen Volkes. Dem Vorbild unserer Vorgänger entsprechend heißen Wir dieses Gebet gut, und Wir rufen dieses Jahr alle Söhne und Töchter der Kirche zu besonderen Bitten zur Mutter Gottes auf: denn es wächst die Gefahr eines noch größeren und weiter um sich greifenden Unheils, das die Menschheit bedroht: noch immer wütet im Fernen Osten ein schwerer Krieg und noch immer wird grausam gekämpft. Das gemahnt Uns, für die Aufrechterhaltung des Friedens, soweit es in Unserer Macht liegt, aufs neue und noch eindringlicher einzutreten. Auch die Geschehnisse in anderen Ländern sind nicht weniger wirrend: das steigende Bemühen Kernwaffen, ein oft maßloses Nationalbewusstsein, ein ungezügeltes Herausstellen der eigenen Abstammung, die Sucht nach Revolutionen, Rassendiskrimination, meuchlerische Umtriebe, Mord an Schuldlosen. Das alles kann Anlass zu schlimmstem Übel werden .

2 Wie Unseren Vorgängern hat auch Uns Gott einen besonderen Auftrag erteilt: Wir sollen Uns geduldig und unverzagt um die Erhaltung und Festigung des Friedens mühen. Das ist unsere Pflicht, weil Uns die Regierung der Kirche anvertraut ist. Sie, «das Zeichen unter den Völkern»[1] treibt keine Politik, sie muss vielmehr die Wahrheit und Gnade Jesu Christi, ihres göttlichen Stifters, den Menschen bringen.

3 Wir haben von Anfang Unseres Apostolischen Amtes an nichts unterlassen, um der Sache des Friedens in der Welt durch Beten und Bitten und Mahnen zu dienen. Wie ihr euch erinnert, haben Wir sogar eine Flugreise nach Nordamerika unternommen, um am Sitz der UNO vor der auserlesenen Versammlung von Vertretern aus fast allen Nationen über den Frieden als das heißersehnte Gut zu sprechen. Dabei wiesen Wir darauf hin, dass die einen die andern nicht im Zustand des Elends lassen sollten, dass man einander nicht bekämpfe, sondern dass sich alle für die Festigung des Friedens gemeinsam einsetzen sollten. Auch später, gedrängt aus apostolischer Sorge, haben Wir nicht aufgehört, diejenigen, auf denen die Last der Verantwortung liegt, zu ermahnen, die drohende unheimliche Katastrophe von den Menschen abzuhalten.

4 In dieser Stunde rufen Wir wiederum «unter Klagen und Tränen»[2] die Lenker der Staaten innig bittend, sich mit aller Kraft zu bemühen, den Brand zu löschen, damit er nicht weiter um sich greife. Wir sind fest davon überzeugt, dass alle Menschen, gleich welcher Nation, Rasse, Religion oder Standes, wenn sie nur recht und ehrenhaft denken, Unserer Ansicht sind.

5 Alle also, denen sichtlich daran liegt, sollen jene Voraussetzungen schaffen, die es ermöglichen, einen Waffenstillstand zu schließen, bevor durch den Druck der Ereignisse diese Möglichkeit vorüber ist. Alle, die für das Wohl der Menschheit verantwortlich sind, sollen wissen, welch schwere Gewissenspflicht auf ihnen liegt. Sie sollen bedenken, dass ihr Name gesegnet sein wird, wenn sie diesen Unseren Anruf in Weisheit befolgt haben.

6 Im Namen Gottes rufen Wir: Haltet ein! Wir müssen zusammenfinden und ohne Vorbehalte zu gegenseitigen Abmachungen kommen. Jetzt muss Friede werden, auch unter Nachteilen und Unannehmlichkeiten; denn später ist der Friede vielleicht nur mit ungeheuren Verlusten und mit einem grauenhaften Zusammenbruch zu erkaufen, wie man es sich heute nicht einmal vorstellen kann. Aber es muss ein Friede zustande kommen, der auf Gerechtigkeit und Freiheit beruht, der Rücksicht nimmt auf Menschen- und Völkerrecht, sonst wird er zerrinnen und zerbrechen.

7 Während Wir dies voll banger Sorge und Bewegung aussprechen, erflehen Wir, durch Unser Hirtenamt dazu berufen, Gottes Hilfe: denn der Friede, der «ein so großes Gut ist, dass sogar In irdischen und vergänglichen Dingen nichts Angenehmeres, nichts Ersehnenswerteres erstrebt, und schließlich nichts Besseres gefunden werden kann»[3] muss von dem erbeten werden, der «der Fürst des Friedens»[4] ist. Da die Kirche in schweren und drangvollen Zeiten ihre Zuflucht stets bei der immer für sie eintretenden Fürsprecherin, ihrer Mutter Maria, sucht, wenden Wir Uns zu Recht mit euch, Ehrwürdige Brüder, und mit dem ganzen christlichen Volke an sie. Denn sie ist nach dem heiligen Irenäus «dem ganzen Menschengeschlechte Ursache des Heils geworden ».[5]

8 Nichts scheint Uns zeitgemäßer, nichts besser, als dass sich die ganze Christenheit im Gebet an die Mutter Gottes wende, an die «Königin des Friedens», damit sie in dieser übergroßen Not und Bedrängnis ihre Gaben gnädig und reich uns schenke. Zu ihr, die Wir während des II. Vatikanischen Konzils mit Zustimmung der Bischöfe und Gläubigen der ganzen Welt und in Übereinstimmung mit der überlieferten Lehre zur Mutter der Kirche erklärt haben, zur geistlichen Mutter der Kirche, zu ihr sollen wir innig und inständig beten. Denn die Mutter des Erlösers ist nach der Lehre des heiligen Augustinus «ganz die Mutter seiner Glieder»[6] Mit ihm stimmt, ohne noch andere zu erwähnen, der heilige Anselm überein: «Was kann wertvoller erachtet werden, als dass du die Mutter derer bist, für die Christus sich herabgelassen hat, Vater und Bruder zu sein».[7] Leo XIII., Unser Vorgänger, hat sie sogar «Mutter der Kirche in wahrstem Sinne» genannt.[8] Wir setzen also nicht vergeblich unsere Hoffnung auf sie, in dieser schrecklichen Verwirrung.

9 Wenn das Übel wächst, muss auch des Volkes Gottes Frömmigkeit wachsen. Darum wünschen Wir sehr, dass unter Eurer Führung, Anleitung und Ermunterung, Ehrwürdige Brüder, die gütige Gottesmutter Maria – wie Wir schon angedeutet haben – im Oktober durch das Rosenkranzgebet noch inniger angerufen werde. Entspricht doch diese Art zu beten dem gläubigen Sinn des Volkes Gottes. Es ist der Mutter Gottes willkommen und es ist wirksam zur Erlangung göttlicher Gnade. Das II. Vatikanische Konzil hat den Rosenkranz zwar nicht ausdrücklich, aber doch ganz klar den Gläubigen der Kirche mit dem Hinweis empfohlen: «die Gebräuche und Übungen der Andacht zu ihr (Maria), die im Laufe der Jahrhunderte vom Lehramt empfohlen wurden, hochzuschätzen».[9]

10 Solch fruchtbringendes Beten vermag Böses abzuwenden und Unglück zu verhindern, wie die Kirchengeschichte zur Genüge zeigt. Darüber hinaus stärkt es das christliche Leben, «vor allem nährt es den katholischen Glauben, der durch die Betrachtung der heiligen Geheimnisse neu belebt wird und den Geist zu den göttlichen Wahrheiten erhebt »[10]

11 Deshalb sollen im Oktober, der der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkranz geweiht ist, die Gebete vermehrt und die Bitten inständiger werden. Dann wird das Licht des wahren Friedens für die Menschheit aufleuchten, auch für die Religion, die leider heute nicht alle in Freiheit bekennen können. Ganz besonders wünschen Wir, dass der 4. Oktober, der Tag, an dem Wir vor einem Jahr, wie schon erwähnt, um des Friedens willen zum Sitz der Vereinten Nationen geflogen sind, in der gesamten Welt als Tag des Friedens gefeiert werde. Eure Sache ist es, Ehrwürdige Brüder, angeregt durch Eure Frömmigkeit und aus Einsicht in die Wichtigkeit der Sache, religiöse Feiern vorzuschreiben, damit die Mutter Gottes und der Kirche von – den Priestern, Ordensleuten, Gläubigen, vor allem von der Jugend, die noch schuldlos ist, von den Kranken und allen, die an irgendeiner Not leiden, zusammen ganz innig an diesem Tag angefleht werde.

12 Wir selbst werden am gleichen Tag im Petersdom am Grab des Apostelfürsten die jungfräuliche Gottesmutter, die Hüterin der Christenheit und die Mittlerin des Friedens, besonders anrufen. So wird in allen Teilen der Welt die eine Stimme der Kirche erklingen und den Himmel bestürmen; denn nach Augustinus ist «in der Verschiedenheit der menschlichen Sprache die Sprache des Herzens eins im Glauben».[11]

13 In deiner mütterlichen Güte, Seligste Jungfrau, schau herab auf all deine Kinder! Siehe die Sorge der Hirten, die fürchten, dass die Herde, die ihnen anvertraut ist, von schrecklichem Unheil heimgesucht werde. Siehe die Angst so vieler Menschen, der Väter und Mütter, die besorgt über ihr und der Ihren Los, von bitterem Kummer gequält werden. Stimme die Kriegführenden um und schenke ihnen «Gedanken des Friedens». Mache, dass Gott, der das Unrecht bestraft, seine Barmherzigkeit zeigt und den Völkern die ersehnte Ruhe wiederherstelle und sie für lange Zeit zu wahrem Wohlergehen führe.

14 Voller Hoffnung, dass die Hohe Frau, Maria, die Gottesmutter, unsere demütige Bitte gütig erhöre, erteilen Wir aus ganzem Herzen Euch, Ehrwürdige Brüder, dem ganzen Volk, dem Klerus und allen, die Euch anvertraut sind, den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 15. September 1966
Paul VI. PP.

Anmerkungen

  1.  Vgl. Jes 11,12 EU
  2.  Hebr 5,7 EU
  3.  S. Aug., De Civ. Dei 19, 11; PL 41,6 37.
  4.  Jes 9,6 EU
  5.  Adv. Haer. 3. 22; PG 7. 959.
  6.  De sanct. virg. 6; PL 40, 399.
  7.  Or. 47; PL 158, 945.
  8.  Epist. Enc. Adiutricem populi christiani, 5 sept. 1895; Acta Leon. 15, 1896, p. 302.
  9.  Const. dogm. De Ecclesia, 67.
  10.  Pii XI, Litt. Enc. Ingravescentibus malis, 29 sept, 1937; AAS 29 (1937) 378.
  11.  Enarr. in Ps 54,11 EU; PL 36, 636.

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Quelle – Englisch / Italienisch

Der heilige Papst Johannes Paul II. über den heiligen Papst Pius V.

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES 500. JAHRESTAGES DER GEBURT
DES HL. PAPSTES PIUS V.

An den verehrten Mitbruder
FERNANDO CHARRIER
Bischof von Alessandria

1. Gerne sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß anläßlich der Jubiläumsfeiern, die zum 500. Jahrestag der Geburt meines Vorgängers, des hl. Pius V., stattfinden. In mein liebevolles Gedenken schließe ich die Gläubigen dieser geliebten Diözese ein, die zu Recht ihres edlen Sohnes voll Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott gedenkt.

Die verschiedenen Veranstaltungen, an denen Ihr teilnehmen werdet, um dieses glücklichen Jahrestages zu gedenken, bieten die Gelegenheit, das Andenken dieses großen Papstes wieder lebendig zu machen und über das reiche von ihm hinterlassene Erbe an Vorbildern und Lehren nachzudenken, die auch für die Christen unserer Zeit mehr denn je gelten.

Der 500. Jahrestag seiner Geburt möge Grund des Segens für die ganze Kirche sein, in besonderer Weise für die geliebte Diözese Alessandria und für die kirchliche Gemeinschaft von Piemont. Die Fürsprache des hl. Pius V. und das Vorbild seiner Tugenden seien für jeden ein Impuls, den Glauben zu stärken, indem dieser unversehrt und in ständiger Verbindung mit den Quellen der Offenbarung bewahrt und in der Gesellschaft verbreitet wird, um eine Menschheit heranzubilden, die für Christus offen ist und die den Aufbau der Zivilisation der Liebe anstrebt.

2. Die Zeit, in der Pius V. lebte, war zwar sehr verschieden von der jetzigen, aber dennoch fehlt es nicht an gewissen Analogien. Beide Geschichtsepochen erlebten die Festigung von konvergierenden religiösen Kräften und hatten zugleich tiefe Krisen in der Gesellschaft zu verzeichnen mit Auseinandersetzungen zwischen Städten und Völkern, die manchmal in schmerzliche bewaffnete Konflikte ausarteten. In beiden Epochen war die Kirche bemüht, neue Wege zu finden, um den Glauben zu beleben und ihn in einer Weise vorzuschlagen, die den veränderten kulturellen und sozialen Bedingungen angemessen war; dies geschah damals durch die Einberufung des Konzils von Trient und im vergangenen Jahrhundert durch das II. Vatikanische Ökumenische Konzil. Auf die jeweiligen Konzilien folgten die oft nicht einfachen Anstrengungen, ihre Lehren getreu anzuwenden, wobei ein wahrer Reformprozeß der Kirche in Gang gesetzt wurde.

In diesen geschichtlichen und religiösen Kontext, der das 16. Jahrhundert gekennzeichnet hat, fügt sich das menschliche und geistliche Leben des hl. Pius V. ein, das am 1. Mai 1572 endete. Von Kindheit an bekam Michele Ghislieri die Härte der Armut zu spüren, denn er mußte durch seine Arbeit zum Unterhalt der Familie beitragen. Er schöpfte aus den bezeichnenden Werten seiner geliebten Heimat Alessandria und blieb ihr immer verbunden. Und dies so sehr, daß er, als er in das Kardinalskollegium berufen wurde, unter dem Namen Kardinal Alessandrino bekannt wurde.

Im Alter von 14 Jahren trat er in den Predigerorden ein und erhielt seine Ausbildung in den Klöstern von Vigevano, Bologna und Genua. Er war stets darauf bedacht, durch Gebet und Studium den Weg der evangeliumsgemäßen Vollkommenheit zu gehen, indem er reichlich aus den Quellen des Wortes Gottes entsprechend dem dominikanischen Charisma schöpfte.

Schon damals bewies er eine besondere Vorliebe für die Heilige Schrift und für die Lehre der Kirchenväter, während er sich auch für das Studium der Werke des hl. Thomas von Aquin begeisterte, den er später, als er Papst geworden war, in den Rang eines Kirchenlehrers erhob. Er wurde in Genua im Jahr 1528 zum Priester geweiht.

Von Papst Paul III. wurde er beauftragt, in den Gebieten von Padua, Pavia und Como über die Reinheit des Glaubens zu wachen. Er inspirierte sich am hl. Dominikus, dem heiligen Märtyrer Petrus von Verona, dem hl. Vincenzo Ferrer und dem hl. Antoninus von Florenz als seinen Vorbildern und Schutzherren. Dabei war seine einzige Sorge, immer die größere Ehre Gottes und das wahre Wohl der Brüder zu suchen, getreu dem Leitspruch »In der Wahrheit voranschreiten«, den er sich zu eigen machen wollte. Mit dem gleichen Eifer arbeitete er weiter, als er in Rom zum Kommissar für die Glaubenslehre ernannt wurde und nacheinander die weiteren Aufgaben übernahm, die ihm von den Päpsten Julius III., Paul IV. und Pius IV. anvertraut wurden. 1556 wurde er zum Bischof von Nepi und Sutri ernannt und im Jahr 1557 zum Kardinal kreiert; 1560 wurde er Bischof von Mondovì.

3. Mit 62 Jahren, im Januar 1556, wurde er zum Nachfolger Petri gewählt. Während seines Pontifikats bemühte er sich, die Glaubenspraxis in jedem einzelnen Glied des Volkes Gottes zu beleben, indem er der Kirche einen providentiellen Anstoß zur Evangelisierung gab. Er war unermüdlich in der Pastoralarbeit tätig und suchte mit allen direkten Kontakt zu knüpfen, ohne auf seinen schwachen Gesundheitszustand zu achten. Er sorgte sich darum, die Beschlüsse des Konzils von Trient getreu umzusetzen: im liturgischen Bereich durch die Veröffentlichung des erneuerten Römischen Meßbuches und des neuen Breviers; im katechetischen Bereich vor allem durch die Übergabe des »Katechismus des Konzils von Trient« an die Pfarrer; in der Theologie durch die Einführung der Summa des hl. Thomas in den Universitäten. Die Bischöfe erinnerte er an die Pflicht, in der Diözese zu residieren zum Zweck einer aufmerksamen Seelsorge an den Gläubigen; die Ordensleute regte er zu einer angemessenen Klausur an, und den Klerus wies er auf die Bedeutsamkeit des Zölibats und die Heiligkeit des Lebens hin.

Im Bewußtsein des von Christus, dem Guten Hirten, empfangenen Sendungsauftrages sorgte er sich hingebungsvoll darum, die ihm anvertraute Herde zu weiden, wobei er zum täglichen Gebet und vor allem zur Marienverehrung einlud. Es gelang ihm, diese beträchtlich zu intensivieren, indem er der Praxis des Rosenkranzgebets einen starken Impuls gab. Er selbst betete jeden Tag den gesamten Rosenkranz, auch wenn er überhäuft war mit schwierigen und vielfältigen Aufgaben.

4. Verehrter Mitbruder, der apostolische Eifer, das ständige Streben nach Heiligkeit, die Liebe zur Jungfrau Maria, die das Leben des hl. Pius V. kennzeichneten, seien für alle ein Ansporn, mit verstärktem Einsatz die eigene christliche Berufung zu leben. Ich möchte insbesondere dazu einladen, ihn in der kindlichen Marienverehrung nachzuahmen durch die Wiederaufnahme des einfachen und tiefen Rosenkranzgebetes, das – wie ich im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae in Erinnerung rufen wollte – uns hilft, das Geheimnis Christi zu betrachten: »In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist … Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen« (Nr. 1).

Durch das eifrige Beten des Rosenkranzes können auf die Fürsprache der himmlischen Mutter des Herrn außerordentliche Gnaden erlangt werden. Davon war der hl. Pius V. fest überzeugt, und er wollte nach dem Sieg von Lepanto ein eigenes Fest, den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, einführen.

Ich habe Maria, der Königin des heiligen Rosenkranzes, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch das Gebet des Rosenkranzes das wertvolle Gut des Friedens und die Förderung der Institution der Familie anvertraut. Ich erneuere diesen Akt des Vertrauens auf die Fürsprache des hl. Pius V., dieses großen Marienverehrers.

5. Ich versichere Ihnen, verehrter Mitbruder, daß ich Ihrer im Gebet gedenken werde, ebenso der Bischöfe, die der Schlußfeier des Jubiläums vorstehen werden, sowie des Nationalen Komitees und des Ehrenkomitees, der Obrigkeiten der Region, der Provinz und der benachbarten Gemeinden von Alessandria, des Klerus, der Ordensleute und der lieben Gläubigen sowie aller, die an der heiligen Messe am 5. Mai zum Abschluß der Jubiläumsfeiern in der Kirche des Klosters »Santa Croce in Boscomarengo« teilnehmen werden.

Allen erteile ich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Mai 2004

JOHANNES PAUL II.

Quelle

Johannes XXIII. – Enzyklika über das Rosenkranzgebet für die Missionen und den Frieden

Der Rosenkranz im bisherigen Leben des Papstes

1 Dankbares Gedenken steigt seit den frühen Jahren Unseres Lebens in Unserer Seele an jene Rundschreiben auf, die Unser Vorgänger Leo XIII. unvergesslichen Andenkens beim Herannahen des Monats Oktober oft an die katholische Welt richtete, um besonders für den Verlauf dieses Monats alle zum frommen Beten des Marianischen Rosenkranzes aufzurufen (1). Es waren Schreiben, geschmückt mit einer Vielfalt von Gedanken, durchdrungen von Weisheit, stets aufs neue begeisternd und überaus förderlich für das christliche Leben. Mit sanftem Nachdruck riefen sie das katholische Volk auf, mit großem Vertrauen zu Gott zu flehen, indem es unter dem überaus mächtigen Schutz der jungfräulichen Gottesmutter Maria den heiligen Rosenkranz betet. Dies ist ja, wie alle wissen, die geeignetste Form von Gebet und Betrachtung, mit der der mystische Kranz aus Engelsgruß, Herrengebet und Lobpreis der Heiligsten Dreifaltigkeit, dem „Ehre sei dem Vater…“, geflochten wird. Damit wird die Betrachtung der wichtigsten Geheimnisse unseres Glaubens verbunden, bei der uns die Menschwerdung Christi und die Erlösung des Menschengeschlechtes der Reihe nach vor Augen geführt werden. Diese liebliche Erinnerung der Jugendjahre ist im Laufe Unseres Lebens keineswegs erloschen, ja nicht einmal verblasst. Sie macht Uns vielmehr – Wir wollen es mit schlichter Aufrichtigkeit gestehen – den Marianischen Rosenkranz, den Wir an keinem Tage des Jahres unterlassen haben und den Wir mit besonderer Andacht während des nächsten Monats beten wollen, überaus teuer.

Während des ersten Jahres Unseres Pontifikats, das zu Ende geht, haben Wir den Klerus und das christliche Volk nicht nur einmal bei gegebenem Anlass zu öffentlichen und privaten Gebeten aufgerufen. Jetzt tun Wir dies aber mit noch größerer Eindringlichkeit und mit bewegtem Herzen aus mehrfachen Gründen, die Wir in diesem Rundschreiben kurz und in geraffter Form darlegen wollen.

Johannes XXIII. im Einklang mit seinem Vorgänger

2 I. Im kommenden Monat Oktober wird es ein Jahr, dass Unser Vorgänger Pius XII. fromm aus diesem irdischen Leben schied, das er mit vielen und hervorragenden Taten geschmückt hatte. Zwanzig Tage später sind Wir, ohne Unser Verdienst, durch Gottes geheimnisvollen Ratschluss auf die hohe Stufe des päpstlichen Amtes gestellt worden. Es schien, als ob ein Papst dem anderen die gesamte Christenheit gleichsam als ein heiliges Erbe von Hand zu Hand übergebe, damit er es weide. Ebenso deutlich zeigte sich die Hirtensorge bei der, durch die sich ihre väterliche Liebe zu allen Völkern kundtut. Machen nicht diese beiden Ereignisse, das eine voller Trauer, das andere voller Freude, vor aller Augen deutlich, dass, während alle menschlichen Dinge nacheinander dem Untergang geweiht sind, das römische Papsttum im Laufe der Jahrhunderte unversehrt überlebt, wenngleich auch jedes sichtbare Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem durch die göttliche Vorsehung festgesetzten Zeitraum aus dieser irdischen Verbannung abberufen wird?

Alle Christgläubigen mögen, wenn sie des verstorbenen Pius XII. und insbesondere seines demütigen Nachfolgers in Liebe gedenken, in denen der heilige Petrus das unvergängliche Amt des Obersten Hirten weiterhin ausübt, folgende Bitte an Gott richten: „Dass Du den Apostolischen Hirten und alle Stände der Kirche in der heiligen Religion erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns!“ (2) Ebenso möchten Wir daran erinnern, dass auch Unser unmittelbarer Vorgänger in der Enzyklika, die mit den Worten „Ingruentium malorum“ (3) beginnt, in gleicher Weise wie Wir alle Christgläubigen aufgerufen hat, den Marianischen Rosenkranz vor allem im Monat Oktober andächtig zu beten. In jenem Rundschreiben steht die Mahnung, die Wir gern wiederholen: „Eilt mit noch größerem Vertrauen zur jungfräulichen Gottesmutter; zu ihr in schwieriger Lage seine Zuflucht zu nehmen, war dem christlichen Volk stets ein besonderer und geheiligter Brauch, da sie ja die ‚Ursache des Heiles für das ganze Menschengeschlecht geworden ist‘ (4)“.

Gebetsbitte des Papstes: Die Glaubensboten

3 II. Am 11. Oktober wollen Wir freudigen Herzens das Kreuz Jesu Christi mit eigener Hand mehreren Glaubensboten reichen, die ihre liebe Heimat verlassen, um ferne Völker mit dem Lichte Christi zu erleuchten, nachdem sie diese schwere Aufgabe auf sich genommen haben. Am Nachmittag des selben Tages wollen wir das Nordamerikanische Seminar auf dem Gianicolo besuchen, um die Hundertjahrfeier seiner Gründung mit den Vorstehern, Lehrern und Studenten der Theologie feierlich und freudigen Herzens zu begehen.

Diese zwei Feiern treffen wie zufällig auf denselben Tag, bedeuten fast dasselbe und bestätigen dasselbe: nämlich dass die katholische Kirche bei allem, was sie tut, stets von einer himmlischen Anregung bewegt und von den Grundsätzen und Lehren der ewigen Wahrheit geleitet wird, und dass all ihre Söhne durch ihre edle und tätige Gesinnung mit aller Kraft zu gegenseitiger Achtung und brüderlicher Verbundenheit der Völker und zu einem sicheren Frieden beitragen sollen. Das bewundernswerte Schauspiel, das diese jungen Menschen bieten, ist in der Tat so gewaltig, dass es größte Hoffnung auf glücklichere Zeiten wecken kann; sie geben sich ja nach Überwindung unzähliger Schwierigkeiten und Hindernisse Gott ganz hin, damit auch die anderen Menschen Christus gewinnen (5), sei es in fernen Ländern, denen das Licht der Wahrheit noch nicht aufleuchtete, oder sei es in jenen riesigen Städten voller Unruhe und Geschäftigkeit, in denen die tägliche Arbeitslast so verwirrend und unüberschaubar geworden ist, dass sie bisweilen das Herz der Menschen verdorren lässt und gleichsam in den Strudel der irdischen Güter hineinreißt. Von den Lippen der Älteren aber, die aus demselben Grunde so schwere Lasten schon getragen haben, dringt das inständige Gebet des Apostelfürsten: „Lass deine Diener mit allem Vertrauen Gottes Wort verkünden“ (6) !

Ihrer aller apostolische Mühen mögen, so wünschen wir immer wieder, der erhabenen Jungfrau Maria im kommenden Oktobermonat durch flehentliches Gebet empfohlen sein.

Gebetsbitte: Die verschiedenen geistigen Nöte

4 III. Noch ein anderer Grund veranlasst Uns dazu, noch inständigere Bitten an Jesus und an seine geliebte Mutter vom Heiligen Kollegium der Kardinäle, von euch, Ehrwürdige Brüder, von den Priestern, von den gottgeweihten Jungfrauen, von allen Kranken und Leidenden, von den unschuldigen Kindern und von der gesamten Christenheit aus tiefstem Herzen zu erflehen: nämlich dass jene, von denen größtenteils das Schicksal der Völker abhängt, deren legitime Rechte und deren reiches geistliches Erbe unversehrt zu erhalten ist, gleichgültig, ob sie klein oder groß sind, die kritische Lage unserer Tage aufmerksam im Auge behalten.

Wir flehen also zu Gott, dass diese die Ursachen der Zwietracht gewissenhaft untersuchen und mit gutem Willen kraftvoll überwinden. Besonders sollen sie bedenken, dass kriegerische Auseinandersetzungen – die Gott verhüten möge – nichts anderes hervorbringen, als ungeheueres Verderben für alle, und sie sollen darauf überhaupt keine Hoffnung setzen. Die Gesetze im bürgerlichen und sozialen Bereich, durch welche die Völker und die bürgerliche Ordnung untereinander zusammengehalten werden, sollen den Bedürfnissen der Menschen unserer Zeit angepasst werden. Sie mögen auch nicht die ewigen Gesetze vergessen, die von Gott stammen und die die Fundamente und gleichsam die Angelpunkte für die Leitung der Völker sind. Auch sollen sie die geistigen Ansprüche der Menschen vor Augen haben; denn wie sie vom allmächtigen Gott geschaffen sind, so sind sie auch dazu bestimmt, ihn zu erreichen und sich seiner zu erfreuen.

Des weiteren muss bemerkt werden, dass solche Formen des Denkens und Philosophierens bestehen und ebenso solche Lebensauffassungen heute verbreitet werden, die mit der christlichen Lehre in keiner Weise übereinstimmen können. Niemals werden wir aufhören, dies mit ruhiger, fester und sicherer Überzeugung zu erklären.

Doch Gott hat die Menschen heilbar gemacht (7)!
Demnach hoffen Wir für die Zukunft, dass die gehaltlosen Forderungen und Pläne hintangesetzt werden, die ihre Ursache in einer bestimmten Denk- und Handlungsweise haben und die fast wie Kristall hart geworden sind und, wie alle wissen von den Irrtümern des Laizismus und Materialismus durchdrungen sind. Mögen dann die rechten Heilmittel in jener gesunden Lehre gesucht und gefunden werden, die Tag für Tag mehr durch die praktische Erfahrung bestätigt wird. Diese Lehre aber bezeugt: Gott ist der Urheber des Lebens und seiner Gesetze; Er ist der Anwalt des Rechtes und der Würde der menschlichen Person. Gott ist also „unser Heil und unsere Erlösung“ (8).

Die Augen unseres Geistes blicken auf alle Länder, in denen alle Völker vom Streben nach besseren Zeiten bewegt zu sein scheinen und in denen sich beobachten lässt, dass eine gewisse geheime Kraft Leben gewinnt; diese berechtigt zu der Hoffnung, dass das rechte Gewissen des Menschen pflichtgemäß angetrieben wird, das wahre Wohl der ganzen Menschheit zu fördern. Damit dies in möglichst glücklicher Weise geschieht, das heißt mit dem Triumph des Reiches der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe, ermahnen Wir alle Söhne in Christus, dass sie „ein Herz und eine Seele seien“ (9) und dass sie im kommenden Monat Oktober zur Königin des Himmels und unserer geliebten Mutter gemeinsam inständige Bitten richten und dabei folgende Worte des Völkerapostels Paulus bedenken: „In allem werden wir bedrängt, doch nicht erdrückt, hilflos sind wir, doch wir verzweifeln nicht. Verfolgt sind wir, doch nicht verlassen, niedergeworfen, doch nicht verloren. Allzeit tragen wir das Hinsterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an Unserem Leibe sichtbar werde.“ (10)

Gebetsbitte: Die römische Synode und das Konzil

5 Bevor Wir aber diese Enzyklika abschließen, äußern Wir noch den Wunsch, Ehrwürdige Mitbrüder, dass ihr den Marianischen Rosenkranz im Monat Oktober mit besonderer Frömmigkeit betet, und zwar auch aus folgendem Grund, der Uns so sehr am Herzen liegt: Möget ihr die jungfräuliche Gottesmutter Maria mit flehentlichen Bitten bestürmen, damit die Römische Synode für diese Stadt fruchtbar und heilbringend werde und damit aus dem kommenden Ökumenischen Konzil, an dem ihr selbst mit eurem Rat teilnehmen werdet, die ganze Kirche ein so wunderbares Wachstum gewinnt, dass auch die von diesem Apostolischen Stuhl getrennten Brüder und Unsere Söhne von dieser aufblühenden Kraft, die Wir erhoffen, Ermunterung und heilsamen Ansporn zur Übung aller christlichen Tugenden gewinnen. Erfüllt von dieser Hoffnung erteilen Wir jedem einzelnen von euch allen, Ehrwürdige Mitbrüder, und auch der ganzen euch anvertrauten Herde, besonders aber jenen, die diesen Unseren Aufforderungen mit frommem und tätigem Sinn nachkommen, in grenzenloser Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 26. September 1959,
im ersten Jahre Unseres Pontifikates

 

Johannes XXIII.

 

Anmerkungen

(1) Vgl. oben Nr. 31-136.

(2) Allerheiligenlitanei

(3) Vgl. oben Nr. 203-208.

(4) Irenäus, Adv. haer. III, 22; MG VII, 959; vgl. Nr. 205. 

(5) Vgl. Phil 3, 8.

(6) Apg 4, 29. 

(7) Vgl. Weish 1, 14.

(8) Aus der Liturgie.

(9) Apg 4, 32.

(10) 2 Kor 4, 8-10.

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Quelle: Graber/Ziegenaus, Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius IX. bis Johannes Paul II., Herausgabe im Auftrag des Institutum Marianum e.V.; Schnell & Steiner Regensburg 1997; 3. erweiterte und überarbeitete Auflage, S. 261-265 (Nn. 260-264).

Entnommen bei: www.kathtube.com

Vatikanische Texte: [ EN – ES – IT – LA – PT ]

Massen-Rosenkranz in den USA zum Schutz gegen Islam-Dschihad, christliche Glaubensverleugnung und Abtreibung

Am kommenden 12. Dezember 2017 wird überall in den Vereinigten Staaten Amerikas eine Massenveranstaltung mit dem Rosenkranz stattfinden. Die Gebetsmeinung dazu wird sein: Die Muttergottes zu bitten, die U.S.A. vom Islamischen Dschihad und von der Verleugnung des Christlichen Glaubens zu bewahren und der Abtreibung ein Ende zu setzen.

 

Die sel. Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin in Pompeji, Italien

PASTORALBESUCH
VON JOHANNES PAUL II.
IM HEILIGTUM DER SEL. JUNGFRAU MARIA
VOM HL. ROSENKRANZ IN POMPEJI

GEBET DES HL. ROSENKRANZES VOR DEM HEILIGTUM VON POMPEJI

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Dienstag, 7. Oktober 2003

  

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die selige Jungfrau hat es mir gewährt, hierhin zurückzukehren, um sie in diesem berühmten Heiligtum zu verehren. Die Vorsehung hatte dem sel. Bartolo Longo eingegeben, daß es zu einem Zentrum der Verbreitung des heiligen Rosenkranzes werden solle.

Der heutige Besuch stellt in gewisser Weise die Krönung des Jahres des Rosenkranzes dar. Ich danke dem Herrn für die Früchte dieses Jahres, das zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung dieses zugleich einfachen und tiefen Gebets geführt hat. Es führt uns zur Herzensmitte des christlichen Glaubens und erscheint angesichts der Herausforderungen des dritten Jahrtausends und der dringenden Aufgabe der Neuevangelisierung von besonderer Aktualität.

2. In Pompeji ist diese Aktualität noch deutlicher erkennbar im Blick auf die antike römische Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs verschüttet wurde. Diese Ruinen geben ein beredtes Zeugnis und werfen die entscheidende Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Als Zeugnis einer Hochkultur enthüllen sie aber neben großartigen Antworten auch beunruhigende Fragen. Die marianische Stadt entsteht inmitten dieser Fragen und stellt uns den auferstandenen Christus als Antwort, als rettendes »Evangelium« vor Augen.

Wie zur Zeit des antiken Pompeji ist es auch heute nötig, Christus einer Gesellschaft zu verkünden, die sich immer mehr von den christlichen Werten entfernt und die Erinnerung an sie verliert. Ich danke den italienischen Autoritäten für ihren Beitrag zur Organisation meiner Pilgerfahrt, die in der antiken Stadt begonnen hat. So konnte ich über die ideelle Brücke eines für das kulturelle und geistige Wachstum sicherlich fruchtbaren Dialogs gehen. Vor dem Hintergrund des antiken Pompeji gewinnt die Förderung des Rosenkranzgebets den symbolischen Wert eines erneuten Impulses für die christliche Verkündigung in unserer Epoche. Denn was ist eigentlich der Rosenkranz? Er ist ein Kompendium des Evangeliums, das uns ständig zu den wichtigsten Ereignissen im Leben Christi zurückführt, um uns sein Geheimnis gleichsam »einatmen« zu lassen. Der Rosenkranz ist ein bevorzugter Weg der Kontemplation. Er ist sozusagen der Weg Marias. Denn wer kennt und liebt Christus mehr als sie?

Der sel. Bartolo Longo, Apostel des Rosenkranzes, der gerade den kontemplativen und christologischen Merkmalen dieses Gebets besondere Aufmerksamkeit widmete, war hiervon überzeugt. Dank dieses Heiligen ist Pompeji zu einem internationalen Zentrum der Spiritualität des Rosenkranzes geworden.

3. Es war mein Wunsch, daß diese Pilgerfahrt den Charakter einer inständigen Bitte um Frieden haben soll. Wir haben die lichtreichen Geheimnisse betrachtet, um gleichsam das Licht Christi auf die Konflikte, Spannungen und Tragödien der fünf Erdteile zu werfen. Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des »Ave Maria« schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade. Der sel. Bartolo Longo hatte eine prophetische Eingebung, als er beschloß, dem Gotteshaus, das der Muttergottes vom Rosenkranz geweiht ist, diese Fassade als Friedensmahnmal zu geben. So wurde die Sache des Friedens zum wesentlichen Bestandteil dieses Gebets. Es ist eine Eingebung, deren Aktualität wir zu Beginn dieses Jahrtausends, das bereits jetzt von Kriegsstimmung geprägt und in vielen Teilen der Welt von Blut befleckt ist, gut erkennen können. Zusammenarbeit mit allen

4. Pompeji ist ein Treffpunkt für Menschen aller Kulturen, die sich sowohl vom Heiligtum als auch von der Ausgrabungsstätte angezogen fühlen. Die Einladung zum Rosenkranz, die von hier ausgeht, erinnert auch an die Verpflichtung der Christen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens zu Erbauern und Zeugen des Friedens zu werden. Die bürgerliche Gesellschaft, hier vertreten durch Autoritäten und Persönlichkeiten, die ich alle herzlich begrüße, möge diese Botschaft immer besser annehmen.

Möge die Kirchengemeinde von Pompeji dieser Herausforderung immer besser entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle ihre verschiedenen Mitglieder begrüßen: die Priester und Diakone, die Ordensleute, insbesondere die Dominikanerschwestern vom heiligen Rosenkranz, deren Gemeinschaft eigens gegründet wurde, um sich der Pflege dieses Heiligtums anzunehmen, sowie die Laien. Mein aufrichtiger Dank gilt Msgr. Domenico Sorrentino für die freundlichen Worte, die er zu Beginn dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Ein herzliches Dankeschön geht an euch alle, die ihr die Königin des Rosenkranzes von Pompeji so tief verehrt. Seid »Bauleute des Friedens« nach dem Vorbild des sel. Bartolo Longo, der Gebet mit Aktion zu verbinden verstand und diese marianische Stadt zu einer »Hochburg der Nächstenliebe« machte. Das im Bau befindliche »Centro per il bambino e la famiglia« [Zentrum für Kind und Familie], das freundlicherweise nach mir benannt wurde, übernimmt das Erbe dieses bedeutenden Werkes.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Muttergottes vom heiligen Rosenkranz segne uns, die wir uns nun darauf vorbereiten, sie im Gebet anzurufen. Ihrem Mutterherz vertrauen wir unsere Sorgen und unsere guten Absichten an.

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Quelle

Siehe auch:

 

DER ROSENKRANZ ALS BETRACHTENDES GEBET

Leo XIII.
Epistula Enzyklika „Jucunda semper“

1894

Der Rosenkranz als betrachtendes Gebet

I. Vertrauen auf das Rosenkranzgebet und Mariens Gnadenvermittlung

Mit großem Vertrauen warten Wir in jedem Jahr auf den Monat Oktober. Seine Wiederkehr belebt Uns in Unserer Hoffnung. Auf Unsere Ermahnung und auf Unser Geheiß ist er der Allerseligsten Jungfrau geweiht, und seit vielen Jahren wetteifern die Katholiken in aller Welt miteinander, so daß die Andacht des Rosenkranzes wirklich in Blüte steht. Was Uns immer wieder veranlaßt, Unsere mahnende Stimme zu erheben, haben Wir mehr als einmal dargelegt. Wir durchleben Zeiten, die für Kirche und Staat verhängnisvoll sind und deshalb eindringlich die Nähe Gottes und seine Hilfe fordern. Diese Hilfe glaubten Wir aber am ehesten durch die Fürbitte seiner Mutter erlangen zu können, und zwar besonders durch jene Gebetsweise, deren Kraft und Segenswirkung die Christenheit zu jeder Zeit in ganz besonderem Maße erfuhr. Bereits bei der Einführung des marianischen Rosenkranzes zeigte sich diese Wirkung. Wir verdanken ihr den Schutz unseres heiligen Glaubens vor bösen Übergriffen der Irrlehrer, aber auch den tugendhaften Lebenswandel, der bei der Sittenverderbnis unserer Zeit wieder ins rechte Licht gerückt und gehoben werden mußte. Das christliche Volk erlebte diese Segenskraft sowohl im privaten wie im öffentlichen Leben in einer fortlaufenden Kette von Gnadenerweisen. Viele davon bestehen weiter in gewissen Einrichtungen und Monumenten und haben so ihre Weihe erhalten. Frohen Herzens stellen Wir fest, daß auch unsere Zeit, in der es um so vieles geht, bereits manche Hilfe und manchen Nutzen aus dem Rosenkranzgebet erlangt hat. Wenn Wir Uns umsehen, ehrwürdige Brüder, dann stellen Wir fest, daß alle Beweggründe, die Uns dieses Gebet nahelegen, auch heute noch in Geltung sind, ja daß sie noch schwerwiegender sind. Aus diesem Grunde solltet Ihr auch in diesem Jahre Euch durch Unsere Ermahnungen bewegen lassen, die Himmelskönigin mit Gebeten zu bestürmen und diese Glut des Betens auch in Euren Gläubigen zu entfachen. Wenn Wir auf das innerste Wesen des Rosenkranzes Unseren Blick richten, und wenn so immer stärker die Vorzüge und Segenswirkungen dieses Gebetes sich Uns offenbaren, dann gewinnt Unsere Hoffnung daraus wieder neue Nahrung. Unser sehnlichster Wunsch ist es, daß auf Grund Unserer dringenden Empfehlung dieses heilige Gebet und diese Andachtsübung in Gedanken immer tiefer erfaßt und immer weiter verbreitet werde und in jeder Hinsicht wachse.

Wir beachsichtigen nicht, auf alles zurückzukommen, was Wir in früheren Jahren unter verschiedenen Gesichtspunkten darüber gesagt haben. Heute wollen Wir vielmehr einige belehrende Gedanken zur Betrachtung vorlegen, wie wunderbar es nämlich die göttliche Weisheit angeordnet hat, daß dank des Rosenkranzgebetes die Macht des Vertrauens von den Herzen der Beter in beglückender Weise Besitz ergriffen hat, daß die Allerseligste Jungfrau in ihrem mütterlichen Erbarmen und in ihrer unsagbaren Güte uns Menschen zu helfen immer gewillt ist.

Der tiefste Grund, weshalb wir Mariens Schutz durch das Gebet gewinnen wollen, liegt ohne Zweifel in ihrem Amt als Vermittlerin der göttlichen Gnade. Immerdar verwaltet sie dieses Amt bei Gott, weil sie wegen ihrer Würde und ihrer Verdienste sein höchstes Wohlgefallen besitzt und an Macht alle Heiligen des Himmels weit übertrifft. In keiner Gebetsform tritt dieses ihr Amt so klar und ausdrücklich hervor wie im Rosenkranzgebet. Dieses Gebet zeigt immer wieder aufs neue den Anteil, den die Allerseligste Jungfrau am Erlösungswerk des Menschengeschlechtes hat, und zwar so, als würde sich das alles tatsächlich vor unseren Augen abspielen. Wenn wir in dieser Weise die heiligen Geheimnisse nacheinander betrachten und damit unsere frommen Gebete verknüpfen, dann kann das unserer ganzen religiösen Einstellung nur nützlich sein.

II. Die freudenreichen Geheimnisse

An der Spitze stehen die freudenreichen Geheimnisse. Als Gottes ewiger Sohn sich zu uns Menschen niederneigte, um selbst Mensch zu werden, gibt Maria ihre Einwilligung und empfängt vom Heiligen Geist. Als Johannes schon im Mutterschoß durch eine außerdordentliche Gnadengabe geheiligt und begnadet auserwählt wird, dem Herrn die Wege zu bereiten, geschieht dies auf den Gruß Mariens hin, die durch Gottes Antrieb ihre Verwandte heimsuchte. Als Christus, der die Erwartung der Völker ist, das Licht der Welt erblickte, geschah es aus Maria. Als die Hirten frommen Sinnes und die Weisen als Erstlinge des Glaubens zur Krippe kamen, fanden sie das Kind mit Maria, seiner Mutter. Als Christus in den Tempel getragen werden soll, um sich nach allgemeinem Brauch als Opfer Gott seinem Vater darzubringen, geschieht es durch die Mutter, durch die er dort dem Herrn dargestellt wird. Als ihr Kind unbegreiflicherweise verlorengegangen war, suchte sie ihr Kind voll Angst und Kummer, bis sie es mit unaussprechlicher Freude findet.

III. Die schmerzhaften Geheimnisse

Gleiches verkünden uns die schmerzhaften Geheimnisse. Als Jesus im Garten Gethsemane zitternd erbebt vor dem Tode, als er im Gerichtsgebäude gegeißelt, mit Dornen gekrönt und zum Tode verurteilt wird, ist die Mutter nicht dabei. Aber um all dies Geschehen wußte sie, und sie hat es im voraus geschaut. Schon damals, als sie sich als Magd des Herrn zum Beruf einer Mutter anbot oder als sie sich mit ihrem Sohn gemeinsam im Tempel zur Opfergabe weihte, wurde ihr wegen dieser zweifachen Handlung das gleiche Los wie ihm selbst zuteil, nämlich Sühne zu leisten für die Menschen in schmerzvollster Weise. Ohne Zweifel hat sie deshalb ihres Sohnes bittere Todesangst und seine qualvolle Marter aufs schmerzlichste miterlebt. Übrigens sollte in ihrer Gegenwart und vor ihren Blicken jenes göttliche Opfer dargebracht werden, zu dem sie in hochherziger und selbstloser Weise das Opferlamm selber an ihrer Brust genährt hatte. Der Höhepunkt dieses Geheimnisses liegt in den ergreifenden Worten: „Es stand aber neben dem Kreuze Jesu Maria, seine Mutter.“ Sie gab freiwillig ihren eigenen Sohn der göttlichen Gerechtigkeit hin und starb geistigerweise mit ihm, vom Schwert der Schmerzen durchbohrt, damit sie, vom Übermaß der Liebe zu uns ergriffen, von neuem Kinder empfinge.

IV. Die glorreichen Geheimnisse

In den folgenden glorreichen Geheimnissen erfährt dieses heilige Amt der Anteilnahme Mariens eine neue Bekräftigung, es erstrahlt in noch hellerem Licht. In verhaltener Freude kostet sie die Verherrlichung ihres Sohnes, der über den Tod triumphiert. Mit mütterlicher Liebe verfolgt sie seine Himmelfahrt. Des Himmels würdig, hält die Erde sie noch fest, damit sie für die werdende Kirche die treffliche Lehrerin und Trösterin werden kann — „ist sie doch tiefer in den Abgrund der göttlichen Weisheit eingedrungen, als man es für möglich halten könnte“. Erst mit der Herabkunft des von Christus verheißenen Heiligen Geistes vollendete sich das Geheimnis der menschlichen Erlösung. Deshalb sehen wir auf Maria in jenem denkwürdigen Abendmahlssaal. In unaussprechlichen Seufzern bittet sie mit den Aposteln vereint für die Kirche und beschleunigt auf diese Weise die Fülle des Trösters, der das höchste und letzte Geschenk Christi an seine Kirche ist, ein Schatz, der ihr nimmer fehlen wird. Nachdem sie aber in das unsterbliche Leben eingegangen ist, verdoppelt sie die Erweise ihrer Gunst und ist ständig bereit, für uns Fürsprache einzulegen. Wir sehen sie in die Heilige Stadt Jerusalem aus dem Tal der Tränen entrückt, von Engelchören umschwebt, wir verehren sie, die über der heiligen Herrlichkeit erhaben ist, die von ihrem göttlichen Sohn mit einem Sternendiadem geschmückt, bei ihm als Königin und Herrscherin des Weltalls thront.

In allem aber, ehrwürdige Brüder, zeigt sich „der Ratschluß Gottes, der Plan seiner Weisheit und Güte“. Aber auch alle überreichen Verdienste, die sich die jungfräuliche Mutter um uns erworben hat, enthüllen sich hier nicht minder. Mit tiefer Freude muß uns das alles erfüllen. Die sichere Hoffnung beseelt uns, daß auch wir mit der Hilfe Mariens der göttlichen Güte und Erbarmung teilhaftig werden.

V. Das mündliche Gebet

Das mündliche Gebet dient der gleichen Aufgabe. Es ist ganz auf die Geheimnisse eingestellt. Wir beginnen ordnungsgemäß mit dem Gebet des Herrn zum himmlischen Vater. Nachdem wir unsere besonderen Bitten vorgetragen haben, wendet sich unser Flehen vom Throne seiner Majestät zu Maria, wobei wir uns von jenem Gesetz der Vermittlung um Fürsprache führen lassen, von dem Wir zuvor gesprochen haben und das der heilige Bernardin von Siena wie folgt ausdrückt: „Alle Gnade, die dieser Welt mitgeteilt wird, wird in drei Stufen verliehen. Durchaus der Ordnung entsprechend, wird sie zuerst von Gott an Christus, von ihm an die Jungfrau und von der Jungfrau an uns übermittelt.“ Das sind die Grade oder Stufen, die unter sich selbstverständlich von verschiedener Beschaffenheit sind. Mit bewußter Vorliebe verharren wir im Rosenkranz länger auf dieser letzten Stufe, weil wir ja zehnmal den Gruß des Engels wiederholen. Wir wollen gleichsam mit größerem Vertrauen dadurch zu den übrigen Stufen, durch Christus zu Gott dem Vater emporsteigen. Wenn wir in dieser Weise Maria so oft mit den gleichen Worten begrüßen, dann geschieht es, damit unser schwaches und mangelndes Gebet von dem so notwendigen Vertrauen erfüllt wird. Wir bestürmen Maria, damit sie sozusagen in unserem Namen bei Gott für uns Fürsprache einlegt. Unser Beten gewinnt vor Gott an großer Kraft und Gnade, wenn die Jungfrau es Gott darbietet. Er selbst hat sie liebevoll eingeladen: „Es töne deine Stimme in meinen Ohren, denn süß ist deine Stimme.“ Darin liegt auch der Grund, warum wir Mariens Ehrenbezeichnungen so oft wiederholen, damit wir Erhörung erlangen. Darum grüßen wir sie als jene, „die Gnade gefunden hat bei Gott“, und bezeichnen sie ganz besonders als jene, die „voll der Gnade Gottes ist“. Da niemand so eng mit Gott verbunden ist wie sie, sollte diese Fülle der Gnade nicht auf alle überströmen? Ferner grüßen wir sie als „die Gebenedeite unter den Weibern“, die „als einzige den Fluch hinwegnahm und Segen brachte“, nämlich die gebenedeite Frucht ihres Leibes, in der „alle Völker der Erde gesegnet werden sollen“. Rufen wir sie schließlich als „Mutter Gottes“ an, was wird sie dann infolge dieser erhabenen Würde nicht alles „für uns Sünder“ sicher erflehen, was dürften wir nicht alles erhoffen in unserem ganzen Leben und im Todeskampf beim letzten Atemzug?

Wer sich die Mühe macht und sich mit gläubigem Herzen in diese Gebete und Gehiemnisse versenkt, der wird notwendig immer wieder von neuer Bewunderung erfüllt über Gottes Absichten, die er in der erhabenen Jungfrau zum allgemeinen Heil der Völker verwirklichte. Von frohem Vertrauen getragen, flüchten wir uns in ihren Schutz und Schoß und rufen zu ihr mit den gleichen Worten wie der heilige Bernhard: „Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, daß es noch nie erhört worden, daß jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief, um deine Fürsprache flehte, von dir sei verlassen worden!“

VI. Der Rosenkranz erwirbt uns Mariens Huld

Im Rosenkranz wohnt nicht nur jene Kraft, die geeignet erscheint, im Beter selbst das Vertrauen auf Erhörung zu stärken, sondern er rührt an Mariens Herz, um es uns gegenüber zur Barmherzigkeit zu bewegen. Die größte Freude bereitet es ihr sichtlich, wenn sie uns sieht und hört, wie wir zu ihrer Ehre und zu ihrem Preise unsere Bitten und Lobgebete gleichsam in Kränze winden. Nachdem wir Gott in dieser Gebetsart die schuldig Ehrerbietung erwiesen, bedacht auf seine Herrlichkeit, wenn wir einzig und allein bestrebt sind, seinen Willen und Wunsch zu erfüllen, wenn wir seine überreiche Güte preisen, indem wir ihn Vater nennen und ihn trotz all unserer Unwürdigkeit dennoch um seine Gnaden und Gaben anflehen, dann ist Maria darüber äußerst erfreut, und sie kann in Wahrheit unserer frommen Einstellung wegen beten: „Hochpreiset meine Seele den Herrn!“ Gerade das geschieht in würdiger Weise, wenn wir im Gebet des Herrn an Gott uns wenden. Alles, was wir hier erbitten, entspricht unseren Bedürfnissen und steht in vollem Einklang mit dem christlichen Glauben, der Hoffnung und der Liebe. Empfehlen wir Maria diese Bitten, so ist es ihr lieb, so erhalten sie besonderen Nachdruck. Mit unserer Stimme vereinigt sich augenscheinlich die Stimme ihres Sohnes Jesus, der als Urheber diese Gebetsform verfaßt und in bestimmte Worte gekleidet und mit den Worten vorgeschrieben hat: „So sollt ihr also beten!“ Beachten wir im Rosenkranzgebet diese Vorschrift, dann wird Maria sich ohne Zweifel noch huldvoller zu uns neigen und ihr Amt, das nur sorgende Liebe ist, uns gegenüber erfüllen. Mit wohlgefälligem Blick wird sie diese geheimnisvollen Gebetskränze entgegennehmen und sie mit reichen Gnadengeschenken belohnen.

VII. Der Rosenkranz lehrt uns gut beten

Ein Hauptgrund, der uns Mariens freigebige Güte um so sicherer erhoffen läßt, liegt in der besonderen Art und Weise des Rosenkranzgebetes. Es ist zum rechten Beten wie geschaffen. So vieles zieht den betenden Menschen, der der Schwachheit verhaftet bleibt, von Gott ab und bringt alle seine guten Vorsätze zu Fall. Aber gerade auch von dieser Seite her offenbart sich die Wirkung des Rosenkranzgebetes. Man überdenke einmal bei sich selbst, wie sehr dabei der Geist in Zucht genommen wird, um die Trägheit unseres Denkens zu überwinden, und wie dabei jener heilsame Schmerz über begangene Fehler entflammt wird, der unser Herz zum Himmel emporhebt. Wir brauchen nicht mehr eigens hervorzuheben, daß der Rosenkranz aus zwei Teilen besteht, die trotz aller Verschiedenheit miteinander verknüpft sind, nämlich aus der Betrachtung der Geheimnisse und aus der Verrichtung des mündlichen Gebetes. Eine Gebertsart dergestalt nimmt besonders wirksam die Aufmerksamkeit des Menschen in Besitz und lenkt den Geist nicht nur irgendwie zu Gott hin, sondern läßt ihn in der Erwägung und Betrachtung der Heilstatsachen ruhen, damit er daraus eine Belehrung und Besserung des Lebens und einen Ansporn zu tieferer Frömmigkeit schöpft. Diese Heilstatsachen stellen ja die Zusammenfassung unseres christlichen Glaubens dar; sie sind daher das größte und bewunderungswürdigste, was es gibt. Das Licht und die Kraft, die sie ausstrahlen, haben Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden hervorgebracht und auf Erden eine völlige Neugestaltung hervorgerufen, die von erfreulichen Erfolgen begleitet war. Noch eine andere Tatsache steht damit in Verbindung: Die so sehr wichtigen Heilstatsachen werden den Betern in einer Weise vor Augen geführt, die auch der geistigen Fassungskraft der Ungebildeten entspricht und angemessen erscheint. Der Rosenkranz ist ja so beschaffen, daß die Hauptwahrheiten unseres Glaubens nicht in Form einer Lehre uns zur Betrachtung dargeboten werden, sondern diese Tatsachen werden uns buchstäblich vor Augen gezeigt und lebendig dargestellt. In dieser Verbindung mit den bestimmten Orten, Personen und zeitlichen Geschehnissen fesseln diese Heilstaten unsere Gedanken in viel stärkerem Maße und führen uns zu einer viel nützlicheren Ausbeute. Weil wir schon von frühester Jugend an darin eingeführt wurden, ist es selbstverständlich, daß der fromme und eifrige Beter schon beim Aussprechen der einzelnen Heilswahrheiten sie geistig mit liebendem Herzen durchdringt. Er braucht nicht unnötig seine Phantasie anzustrengen und wird sich durch Mariens Güte vom Tau der himmlischen Gnade erfüllen lassen.

Noch einen anderen Vorzug weist der Rosenkranz auf, der Maria besonders gnädig stimmt und dem Gebet reiche Belohnung verspricht. Wenn wir andächtig und fromm die dreifache Reihenfolge der Geheimnisse wiederholen, bezeigen wir dadurch um so mehr unsere dankbare und liebende Gesinnung gegen Maria. Wir zeigen dadurch offen, daß wir uns niemals genug an jene Wohltaten erinnern können, wodurch sie selbst mit so unsagbarer Liebe für unser Heil Sorge trägt. Muß durch eine so häufige und liebende Weise in ihr nicht die Erinnerung an die Heilstatsachen ebenfalls wachgerufen werden? Muß ihre in Heiligkeit erstahlende Seele da nicht von unsagbarer neuer Wonne erfüllt werden, muß das Gefühl mütterlicher Sorge und Güte nicht aufs neue in ihr geweckt werden? Aber auch auf uns wird die ständige Wiederholung und die stets wiederkehrende Erinnerung eine Rückwirkung nicht verfehlen, weil dadurch unser Gebet um so stürmischer und entflammter wird und gleichsam eine beschwörende Kraft erhält. Jedes Geheimnis enthält schon an und für sich so viele eindringliche Beweisgründe, denen die Allerseligste Jungfrau sich niemals verschließen kann. Darum fliehen wir zu dir, heilige Gottesgebärerin; verschmähe uns arme Evaskinder nicht! Wir bitten dich, die Vermittlerin unseres Heiles, die ebenso mächtig wie gütig ist. Inständig rufen wir zu dir bei der Süßigkeit all deiner Freuden, die dir aus Jesus, deinem Sohn, zugeflossen sind, durch die Anteilnahme an seinen unsagbaren Schmerzen, durch die Herrlichkeit seiner Glorie, die dich überströmt. Wohlan, höre und erhöre gnädig uns Unwürdige!

VIII. Moderne Angriffe auf die Kirche

Ihr werdet leicht verstehen, ehrwürdige Brüder, warum Wir ohne Unterlaß das Rosenkranzgebet empfehlen und um seine Verbreitung besorgt sind. Wir haben ja seine doppelten Vorzüge rühmend hervorgehoben. Schon zu Beginn haben Wir darauf aufmerksam gemacht, wie sehr heute die Welt täglich mehr die Hilfe des Himmels notwendig hat. Bedenken wir, welchen zahlreichen Bedrängnissen die Kirche heute überall ausgesetzt ist und wie man versucht, ihre Rechte und Freiheiten zu beschneiden! Auch die christlichen Staaten erleben eine Erschütterung, die ihren Wohlstand und ihren inneren Frieden fragwürdig macht. Wir haben Unsere größte Hoffnung auf den Rosenkranz gesetzt, um Hilfe von oben zu erflehen, das bezeugen und bekunden Wir aufs neue. Käme doch diese heilige Andacht wieder so zu Ehren, wie es einmal nach ihrer Bestimmung war, daß sie in Städten und Dörfern, in Familien und Betrieben, bei hoch und niedrig liebend gepflegt würde! Sie ist und bleibt das besondere Erkennungsmerkmal des christlichen Glaubens und ist die beste, schützende Gewähr unserer Versöhnung mit Gott und der göttlichen Barmherzigkeit.

Wir alle müssen uns tagtäglich von solchen Gedanken leiten lassen, nachdem frevelhafte und verbrecherische Mächte am Werke sind, die durch üble Machenschaften Gottes Zorngericht herausfordern und durch gerechte Bestrafung von seiten Gottes auch das Vaterland in den Abgrund ziehen. Es ist überflüssig, auf all die Ursachen einzugehen, die alle Gutgesinnten mit uns beklagen. Aber auch inmitten katholischer Völker gibt es sehr viele, die sich über jede Art von Religionsverspottung freuen, und die es bei der unglaublich zügellosen Presse- und Druckfreiheit anscheinend darauf absehen, die heiligsten Güter und das so sehr bewährte und belohnte Vertrauen auf Mariens Schutz der Verachtung und dem Spott der Masse preiszugeben. In den letzten Monaten hat man nicht einmal vor der heiligsten Person unseres Erlösers Jesus Christus haltgemacht. Man hat sich nicht geschämt, ihn auf schlüpfrige Bühnenbretter zu zerren, die doch ohnedies bereits zum lasterhaften Tummelplatz gemacht wurden und ihn dort darzustellen ohne die ihm gebührende Majestät seiner göttlichen Natur. Vergreift man sich aber daran, dann kann selbstverständlich nichts mehr von der Erlösung der Menschheit übrigbleiben. Man hat es sogar unternommen, den Verräter Christi von seiner ewigen Schmach reinzuwaschen, jenen Unseligen, dessen verabscheuungswürdiges Verbrechen der Treulosigkeit dem Gedächtnis der Menschen nie mehr entschwinden wird. Eine allgemeine Empörung hat sich gezeigt über diese schändlichen Dinge, die in gewissen italienischen Städten sich zutrugen oder wenigstens beachsichtigt waren. Man hat bittere Klage darüber geführt, daß die heiligen Rechte der Religion mit Füßen getreten wurden, dazu noch in jenem Volke so verletzt und unterdrückt wurden, das sich mit Recht seines katholischen Namens an erster Stelle stets rühmte. Diese Geschehnisse riefen auch die Bischöfe in ihrer stets wachen und bekümmerten Hirtensorge auf den Plan. Sie legten gerechte Beschwerde ein bei denen, deren heilige Pflicht es sein muß, für die Würde der angestammten Religion Sorge zu tragen. Ferner machten sie ihre Gläubigen nicht nur auf die schwere Gefahr aufmerksam, sondern ermahnten sie auch, die unerhörte Schmach, die unserem liebevollen Erlöser angetan wurde, durch persönliche religiöse Übungen zu sühnen. Dies Bemühen wurde mit Freuden von vielen Gutgesinnten aufgenommen und fand Unsere volle Zustimmung. Nicht wenig trug es dazu bei, den Kummer Unseres Herzens zu lindern. Jetzt aber, da Wir die Gelegenheit haben, zu Euch zu sprechen, müssen Wir die Stimme Unseres obersten Hirtenamtes erheben, und Wir verbinden mit den Beschwerden der Bischöfe und Gläubigen die Unsrigen auf das nachdrücklichste. In derselben apostolischen Gesinnung, in der Wir den begangenen Religionsfrevel bedauern und aufs schärfste verurteilen, richten Wir Unsere Ermahnung an alle christlichen Völker, vor allem aber an die Italiener, daß sie die angestammte Religion als ihr wertvollstes Erbe unverbrüchlich hüten, daß sie mannhaft dafür eintreten und sie durch ein sittlich reines und frommes Leben ständig vertiefen.

Gott, ehrwürdige Brüder, der „uns in seiner allgütigen Erbarmung eine solche Mittlerin gegeben hat“, „der uns alles durch Maria verleihen wollte“, möge auf ihre Fürbitte und Gnade unsere gemeinsamen Wünsche und Hoffnungen reichlich erfüllen. Damit verbinde sich als Unterpfand der Apostolische Segen, den Wir Euch, Eurem ganzen Klerus und Volk von ganzem Herzen erteilen.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 8. September 1894, im siebzehnten Jahre Unseres Pontifikates.

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Quelle

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