Dokumentiert: Der Wortlaut des Schreibens von Nuntius Eterovic an die deutschen Bischöfe

Erzbischof Nikola Eterovic Foto: Roberta F / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

BERLIN , 23 September, 2019 / 9:43 PM (CNA Deutsch).-

CNA Deutsch dokumentiert den vollen Wortlaut des Grußworts des Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, an die deutschen Bischöfe.

Grußwort

von Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 23. September 2019 in Fulda

„Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“
(Mt 28,18–20).

Eminenzen, Exzellenzen, liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Mit diesen Worten endet das Matthäusevangelium. Der auferstandene Herr gibt seinen Jüngern vor der Auffahrt in den Himmel und zur Rechten des Vaters den Auftrag, das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden. Es handelt sich hierbei um eine wichtige Entscheidung und ist gleichsam das Testament Jesu Christi, das auch die anderen Evangelisten mit ähnlichen Worten überliefern (vgl. Mk 16,15–17; Lk 24,46–47; Joh 20,19–23). Die christliche Urgemeinde hat die Worte Jesu so verstanden. Die Sendung des auferstandenen Herrn war der Anstoß zur Evangelisierung, die von Jerusalem aus die ganze Erde erfasst hat. Evangelisierung ist daher die für die Kirche durch alle Jahrhunderte hin charakteristische Tätigkeit, die bis zur Parusie dauern wird.

Diese Wahrheit wird in unseren Tagen durch den Heiligen Vater Franziskus von Beginn seines Pontifikates an bekräftigt. Im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium, das am 24. November 2013 veröffentlicht wurde, schreibt er:

„Die Evangelisierung folgt dem Missionsauftrag Jesu: ‚Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe‘ (Mt 28,19–20). In diesen Versen ist der Moment dargestellt, in dem der Auferstandene die Seinen aussendet, das Evangelium zu jeder Zeit und an allen Orten zu verkünden, so dass der Glaube an ihn sich bis an alle Enden der Erde ausbreite“ (EG 19).

Diese Aufgabe der Universalkirche gilt auch für die Teilkirchen: „Jede Teilkirche ist als Teil der katholischen Kirche unter der Leitung ihres Bischofs ebenfalls zur missionarischen Neuausrichtung aufgerufen. Sie ist der wichtigste Träger der Evangelisierung, insofern sie der konkrete Ausdruck der einen Kirche an einem Ort der Welt ist und in ihr die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Christi wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist“ (EG 30).

Schreiben des Heiligen Vaters

Am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, dem 29. Juni 2019, hat Papst Franziskus an diese Wahrheit erinnert und ein Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland gerichtet. In diesem Brief zitiert der oberste Pontifex gut 15 Mal das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium. Dies ist der Schlüssel für das Verständnis des Dokumentes.

Das Schreiben des Heiligen Vaters verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist tatsächlich das erste Mal nach der Enzyklika Pius‘ XI. Mit brennender Sorge, dass der Papst den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widmet. Der Unterschied zwischen den beiden Dokumenten ist groß, denn die Enzyklika vom 14. März 1937 prangert die unzulässigen Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes in die Angelegenheiten der Katholischen Kirche an, während das aktuelle Schreiben innerkirchliche Themen aufgreift. Wir danken Gott dafür, dass die Beziehungen zwischen der Kirche und der Bundesrepublik Deutschland sehr gut sind und daher kein Eingreifen seitens des Heiligen Stuhls nötig ist.

Der Synodale Weg

Als Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland freue ich mich darüber, dass der Inhalt des Päpstlichen Schreibens Gegenstand des Studientags während dieser Vollversammlung sein wird. Ich zweifle nicht, dass der Brief des Papstes den sogenannten Synodalen Weg positiv beeinflussen wird, der einer der Gründe für den Brief des Bischofs von Rom war. So bezieht sich der Papst zu Beginn des Schreibens auf den Synodalen Weg, der nach einer Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) unternommen werden soll. Auch wenn man anerkennen muss, dass noch über die konkrete Bedeutung des Synodalen Weges diskutiert wird und darüber, wie er sich entwickeln wird, so stellt der Papst fest:

„Es handelt sich im Kern um einen synodos, einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. Das aber bedeutet, sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche unter dem Licht des Heiligen Geistes, unter seiner Führung und seinem Aufrütteln, um das Hinhören zu lernen und den immer neuen Horizont zu erkennen, den er uns schenken möchte. Denn die Synodalität setzt die Einwirkung des Heiligen Geistes voraus und bedarf ihrer“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 3).

Beim Empfang der Bischöfe der Synode der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche am 2. September 2019 hat der Heilige Vater Franziskus aus dem Stegreif eine Ansprache gehalten und den wichtigen Zusammenhang zwischen Synode, Synodalität und Heiligem Geist unterstrichen. Mit diesen Worten wird noch klarer sein Denken über die Bedeutung der Synodalität zum Ausdruck gebracht, vor allem, wenn er ausführt:

„Es gibt aber eine Gefahr: zu glauben, heute, einen synodalen Weg zu machen oder eine Haltung von Synodalität zu haben, würde bedeuten, eine Meinungsumfrage zu machen, was denkst du darüber, darüber, darüber, … um dann zusammen zu kommen und einen Beschluss zu fassen. … Nein, die Synode ist kein Parlament! Man muss die Dinge beim Namen nennen und sie diskutieren, wie man es gewöhnlich tut, aber sie ist kein Parlament. Bei einer Synode einigt man sich nicht wie in der Politik: ich gebe dir das, du gibst mir jenes. Nein. Synode ist keine soziologische Erhebung, wie mancher glaubt: Wir schauen mal und lassen eine Gruppe von Laien eine Umfrage machen, ob wir das, das, das ändern müssen… Ihr müsst natürlich wissen, was eure Laien denken, aber das ist keine Befragung, es ist etwas Anderes. Wenn es den Heiligen Geist nicht gibt, gibt es keine Synode. Wenn der Heilige Geist nicht gegenwärtig ist, gibt es keine Synodalität. Mehr noch, es gibt keine Kirche, keine Identität von Kirche. Und was ist die Identität der Kirche? Der Heilige Paul VI. hat klar gesagt: Die Berufung der Kirche ist zu evangelisieren, mehr noch, ihre Identität ist es zu evangelisieren. Geht mit diesem Geist in eure Synode, mit dem Heiligen Geist. Bittet um den Geist. Streitet unter Euch über alles, was ihr wollt. … Denkt an Ephesus und wie sie gestritten haben. Aber sie waren aufrecht. … Und am Ende war es der Heilige Geist, der sie verkünden ließ: ‚Maria, Mutter Gottes‘. Das ist der wahre Weg. Es ist der Heilige Geist. Wir wollen keine kongregationalistische Kirche werden, sondern eine synodale Kirche.“

Mit diesen Worten stellt der Bischof von Rom die Gottesfrage in den Mittelpunkt der synodalen Reflektionen. Es geht um den dreieinen Gott, der uns in seinem eingeborenen Sohn die Wahrheit über Gott und den Menschen geoffenbart hat und alle, Männer und Frauen gleichermaßen, hinführen will zur allgemeinen Berufung zur Heiligkeit in der Kirche, wie das V. Kapitel der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils lehrt.

Der Primat der Evangelisierung

Aus den Worten des obersten Pontifex folgt klar und deutlich, dass die Finalität des Synodalen Weges die Evangelisierung sein muss. Diese Vision wird besonders in den Nummern 6 und 7 des Päpstlichen Schreibens erarbeitet. Mit den Worten des Heiligen Vaters bedeutet das:

„Pastorale Bekehrung ruft uns in Erinnerung, dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft in Gang zu setzen gerufen sind; Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 6).

Für die Wirksamkeit der Evangelisierung ist die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich. Es ist besonders in diesen Zeiten „starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiae auch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt, die wir treffen, und der alle Ebenen nährt und durchdringt. Es geht um das Leben und das Empfinden mit der Kirche und in der Kirche, das uns in nicht wenigen Situationen auch Leiden in der Kirche und an der Kirche verursachen wird. Die Weltkirche lebt in und aus den Teilkirchen, so wie die Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten. Das hilft uns, die Angst zu überwinden, die uns in uns selbst und in unseren Besonderheiten isoliert, damit wir demjenigen in die Augen schauen und zuhören oder damit wir auf Bedürfnisse verzichten können und so denjenigen zu begleiten vermögen, der am Straßenrand liegen geblieben ist“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 9).

Mit dem Päpstlichen Schreiben will der Heilige Vater vor den immer gegenwärtigen Versuchungen einer erstickenden Weltlichkeit (vgl. Nr. 5 Anmerkung 13), eines neuen Pelagianismus (vgl. Nr. 5) und eines neuen Gnostizismus (vgl. Nr. 9) warnen. In den Worten des Heiligen Vaters kann man das Nachdenken über die Ermahnungen des hl. Paulus an die Römer heraushören:

„Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst. Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm 12,1–2).

Die Kirche ist auch in unseren Tagen gerufen, die Radikalität des Evangeliums, der guten Nachricht, dem Menschen von heute zu verkünden und in der Kraft des Heiligen Geistes die Weisung des Herrn Jesus vorzutragen: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34). Der Heilige Vater erinnert uns daran, dass wir uns in Zeiten des Wandels befinden:

„Wir sind uns alle bewusst, dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist“ (Einleitung).

Allerdings kann die in dieser Zeit geforderte Evangelisierung nicht auf das reduziert werden, was Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) „billige Gnade“ nennt, sondern braucht, um in seinen Worten zu bleiben, die er durch sein heroisches Zeugnis beglaubigt hat, die Suche nach der „teuren Gnade“. Im Jahr 1937 zum Beispiel schrieb Bonhoeffer: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade“ (Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, Kapitel 1). Mit Blick auf die Notwendigkeit der christlichen Botschaft stellt Papst Franziskus fest: „Voll Bewunderung steht man vor den Möglichkeiten, die der Herr eingesetzt hat, um mit seinem Volk ins Gespräch zu kommen, um sein Geheimnis allen zu offenbaren, um die Leute mit so erhabenen und so anspruchsvollen Lehren zu faszinieren“ (EG 141).

Die christliche Hoffnung

Wir kehren abschließend noch einmal zum Schreiben des Heiligen Vaters zurück und halten fest, dass der Papst dazu ermuntert, Mut zur christlichen Hoffnung zu haben, weil es notwendig ist, „den Primat der Evangelisierung zurückzugewinnen, um die Zukunft mit Vertrauen und Hoffnung in den Blick zu nehmen, denn die Kirche, Trägerin der Evangelisierung, beginnt damit, sich selbst nach dem Evangelium auszurichten. Als Gemeinschaft von Gläubigen, als Gemeinschaft gelebter und gepredigter Hoffnung, als Gemeinschaft brüderlicher Liebe muss die Kirche unablässig selbst vernehmen, was sie glauben muss, welches die Gründe ihrer Hoffnung sind und was das neue Gebot der Liebe ist“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 7).

Der auferstandene Herr erfüllt die Herzen seiner Gläubigen auch inmitten von Schwierigkeiten und Verfolgungen mit Vertrauen. Er steht uns zur Seite und ist bereit, uns zu helfen, wenn wir ihn rufen: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33). Das sind Worte dessen, der uns zusichert: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).

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Quelle

„Wie hältst Du’s mit dem Islam?“

11 Juli 2019, 09:00

Deutsche Bischofskonferenz muss sich bei ihrer „Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“ Vorwurf der Schönfärberei und Geschichtsklitterung gefallen lassen. Gastkommentar von Michael Hesemann

Bonn (kath.net) „Dem Populismus widerstehen“ lautet der Titel der „Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen“, die am 25. Juni vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben wurde. Auf 74 Seiten werden „Strategien und Inhalte rechtspopulistischer Bewegungen“ ebenso analysiert wie ihre Leitthemen „Flucht und Asyl“, „Islam und Islamfeindlichkeit“, „Familienbilder, Frauenbilder, Geschlechterverhältnisse“ sowie „Identität und Heimat“. Zahlreiche Praxisbeispiele sollen das Engagement der Kirche für eine offene Gesellschaft, Flüchtlingshilfe und Geschlechtergerechtigkeit illustrieren. Verarbeitet werden die Ergebnisse einer 20köpfigen Expertenkommission unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Sie zeichnen mit größtmöglicher political correctness ein geradezu manichäisches Bild von den weltoffenen Gutmenschen (einen Begriff, den zu rehabilitieren sie ausgezogen sind) auf der einen und den bösen, gefährlichen, hinterwäldlerischen Rechtspopulisten auf der anderen Seite. Für Differenzierung bleibt da wenig Raum. Wer täglich nur die rosarote Brille aufsetzt, der sieht auch keine Schattierungen mehr, der fragt nicht nach Ursachen, wenn er dem Gegner pauschal „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (S. 17) vorwirft. Kein Wunder, dass auch der von „rechtspopulistischen Akteuren“ gerne beschworene „gesunde Menschenverstand“ nicht nur angeschwärzt, sondern auch gleich mit entsorgt wird. Wer sich angesichts der „schönen, neuen Welt“ des Globalismus noch Sorgen macht, den können einzig niedere Instinkte dazu treiben, an erster Stelle Verlustängste des Wohlstands-Bürgertums. Historische Parallelen zu den Nazis werden gerne gezogen, auch wenn man eingestehen muss, dass gerade Antisemitismus im modernen Rechtspopulismus „vergleichsweise selten vorkommt“, ja eher bei seinem Feindbild, dem Islam, anzutreffen ist. Und genau hier zeigt sich die ganze Problematik in der Einordnung. Alles, was den Nationalsozialismus ausmachte, fehlt bei jenen, die man so gerne in die rechte Ecke stellen möchte: Der geradezu apokalyptische Glaube an einen „Rassenkampf“ um die Welt, das Bekenntnis zu einem national-sozialistischen „Führerstaat“, der exterminatorische Antisemitismus und der sozialdarwinistische Vernichtungswille gegen alles, was als „minderwertig“ angesehen wurde. Erklärten die Nazis der christlich-jüdischen Mitleidsethik den Krieg, berufen sich moderne „Rechtspopulisten“ auf gerade dieses Erbe, bewunderten Hitler und Himmler den „Heroismus“ des Islam, erschaudern Sarrazin und Gauland vor seiner Gewaltbereitschaft.

Ganze 46 Seiten braucht das Dokument, um sich der Gretchenfrage des „Rechtspopulismus“ zu widmen, der Frage: „Wie hältst Du’s mit dem Islam?“ Faszinierte das Dokument bislang durch seine kompromisslose Blauäugigkeit, verliert es spätestens an dieser Stelle seine Selbstachtung und scheut vor keiner noch so dreisten Schönfärberei zurück. „Aktuell leben schätzungsweise 4,5 Millionen Muslime in Deutschland“, behauptet es und beruft sich dabei auf Zahlen aus dem Jahre 2015, vor dem Zustrom von rund 2 Millionen Flüchtlingen mehrheitlich muslimischen Glaubens. „Islamfeindlichkeit“ wird als „Ressentiment gegen eine gesellschaftliche Minderheit, die mit ethischen, politischen und religiösen Aussagen diskriminiert wird“ definiert. Kein Wort davon, dass die bewusste Bildung von Parallelgesellschaften, verweigerte Integration, Gewaltbereitschaft, Gewalttätigkeit und religiöser Chauvinismus vieler Muslime, die Christen als „Ungläubige“ verachten, auch etwas damit zu tun haben könnten. Angeblich alltägliche „handfeste Gewalt“, „Anschläge auf Moscheengemeinden“, „Angriffe auf kopftuchtragende Mädchen und Frauen“, „Drohungen im Netz“ und „antimuslimische Schmierereien an Hauswänden“ werden nur dem islamkritischen Lager zugeschrieben, gewalttätige Übergriffe auf Juden, Gewalt und Kriminalität von Muslimen oder gar islamistischer Terror dagegen banalisiert. Dass man sogar zur Geschichtsklitterung bereit ist, zeigt sich in der Abhandlung über „Wurzeln und Ursachen von Islamfeindlichkeit“. Das „heutige Feindbild Islam“, so heißt es dort (S. 48), sei das Ergebnis eines großen Missverständnisses, ja der „Unkenntnis“ und christlicher Vorurteile. Die steile These: „Seit dem Aufkommen des Islam im 7. Jahrhundert haben christliche Autoren die konkurrierende neue Religion kritisch betrachtet: sie galt gewissermaßen als Störfaktor der christlichen Heilsgeschichte“. Nur darum sei es zu „einer feindseligen Sicht auf den Koran und den islamischen Propheten Muhammad“ gekommen. Spätestens an dieser Stelle aber muss der Historiker protestieren, ja laut aufschreien, denn das ist schlichtweg Unfug.

Eine theologische Auseinandersetzung mit dem Koran erfolgte erst im frühen 8. Jahrhundert durch den Kirchenlehrer Johannes Damascenus, der im arabisch besetzten Damaskus aufwuchs, also die Sprache Mohammeds perfekt beherrschte. Er stand sogar im Staatsdienst des Kalifen, bevor dieser sich zunehmend christenfeindlich verhielt. Von ihm stammt die Behauptung, die Araber seien Ismaeliten, also Abkömmlinge des Erstgeborenen Abrahams und würden daher auch „Sarazenen“, „Entflohene Saras“ (Sarais kenoi) genannt. In seinem Buch über die Häresien sah er den Islam weder als eigene, konkurrierende Religion noch als „Störfaktor der Heilsgeschichte“, sondern lediglich als Irrlehre, derer es viele gab.

Tatsächlich war die Wahrnehmung damals eine ganz andere, als die „Arbeitshilfe“ es unterstellt. Muhammad hatte nur in zwei Städten missioniert: Zunächst in Mekka, wo man ihn ablehnte, dann in Medina, wo man ihn anerkannte. Als er endlich Krieger hatte, die ihm bedingungslos folgten, änderte er seine Strategie; auch die in Medina „offenbarten“ Suren nahmen plötzlich einen anderen, virulenteren Ton an. Muhammad zog mit seinem Heer gen Mekka und stellte die Stadt vor die Wahl: Islam (wörtlich: „Unterwerfung“) oder Krieg. Erst jetzt erkannte ihn seine Heimatstadt notgedrungen als Prophet an. Die jüdischen Stämme dagegen, die nicht seinen Glauben annehmen wollten, wurden gnadenlos massakriert oder vertrieben. Kaum hatte er seine Herrschaft im Hedschas etabliert, schrieb Muhammad 628 an den byzantinischen Kaiser, die Könige der Perser und Jemeniten, den christlichen Araberkönig von Ghassan, den Negus von Äthiopien und den Statthalter von Ägypten: „Ich lade dich zur Religion des Islam ein: Werde Muslim, dann bist du sicher, und ALLAH gibt dir doppelten Lohn; wenn du dich aber abwendest, so lastet auf dir die Sünde deiner Untergebenen.“ Die Antworten waren, mit Ausnahme der Jemeniten, negativ. Also rief der „Prophet“ 630 den „Heiligen Krieg“ aus, wie in Sure 9 des Koran festgehalten ist: „Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der Hand Tribut entrichten!“ Doch der erste Feldzug gegen die Byzantiner und ihre ghassanidischen Verbündeten scheiterte. Erst den Erben des „Propheten“ sollte es gelingen, innerhalb eines Jahrhunderts ganz Nordafrika und Vorderasien zu unterwerfen und bis nach Poitiers im Herzen des Frankenreiches vorzudringen.

Dieser islamische Blitzkrieg und nicht die theologische Diskussion um den Koran war es, der das Bild des Islam in der christlichen Welt prägte. So kannten die frühesten christlichen Quellen, etwa Thomas der Presbyter (um 640) oder der Verfasser der Chronika Minora, Muhammad nur als Heerführer, während Johannes bar Penkaye (686/7) ihn als Gesetzgeber beschrieb. Als sich endlich Johannes Damascenus (nach 700) der Lehre des Islam annahm, hatte schon der weitaus größte Teil der christlichen Welt Bekanntschaft mit dem Schwert des Propheten gemacht.

Das war ein Jahrtausend vor den Türkenkriegen, auch wenn die „Experten“ der „Arbeitshilfe“ uns weismachen wollen: „Insbesondere während der ‚Türkenkriege‘ wurden die ‚Sarazenen‘ als feindliche Bedrohung der europäischen Mächte wahrgenommen.“ Eben nicht. Die Sarazenen fielen ab dem 7. Jahrhundert über die christlichen Mittelmeerländer her, die Türken folgten ihnen zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Irgendwie haben es beide versäumt, den Europäern das freundliche Gesicht des Islam überzeugend zu vermitteln. Die „ethnische Reinigung“ des Osmanischen Reiches durch den Mord an 2,5 Millionen Christen im frühen 20. Jahrhundert und die Diskriminierung der christlichen Minderheiten in fast allen Ländern der muslimischen Welt sind auch nicht unschuldig am schlechten Image dieser Religion.

Mit Geschichtsfälschung und Schönfärberei ist niemandem gedient, werden echte Probleme nur kurzfristig unter den Teppich gekehrt. Dass ausgerechnet die DBK, die sonst doch jedem Dialogprozess offen gegenübersteht, hier kritische Stimmen marginalisiert, mag bedenklich stimmen. Anders als der Nationalsozialismus ist der moderne „Rechtspopulismus“ weder kirchenfeindlich noch antisemitisch, im Gegenteil: er beruft sich auf die christliche Identität des Abendlandes und ist besorgt um ihren Erhalt. Dass dieser Standpunkt die Sympathie vieler Gläubiger gewinnt, liegt auf der Hand. Soll die Kirche sich tatsächlich als Inquisitorin des politischen Globalismus definieren oder gilt es auch hier, die eigene Stellung zu hinterfragen? Was, wenn der Geschmähte eine Gefahr sieht, für die man, warum auch immer, bislang blind war? Diese Bereitschaft zum Zuhören und aufeinander Zugehen ist die Grundvoraussetzung für einen Dialog. Die Kirche könnte dadurch viele Gläubige zurückgewinnen, die sich, von übergroßer Angepasstheit entfremdet, von ihr abzuwenden drohen. Doch dazu ist, an erster Stelle, Wahrhaftigkeit verlangt.

Michael Hesemann ist Historiker und Autor. In seinem Buch „Hitlers Religion“ (Paulinus-Verlag) setzt er sich dezidiert mit dem Nationalsozialismus, in „Jesus in Ägypten“ und „Völkermord an den Armeniern“ (beide Herbig-Verlag) mit dem Schicksal von Christen unter islamischer Herrschaft auseinander.

kath.net-Buchtipp
Hitlers Religion
Die fatale Heilslehre des Nationalsozialismus
Von Michael Hesemann
Taschenbuch, 464 Seiten; m. Abb.
2012 Paulinus Verlag Gmbh
ISBN 978-3-7902-5766-3
Preis Österreich 22.70 EUR

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Lesen Sie dazu:

„Die Situation ist dramatisch“: Generalvikar Fuchs zum historischen Papstbrief

Generalvikar Michael Fuchs Foto: Bistum Regensburg / Zahlengesichter.de

„Sicher kann es nach diesem Brief des Papstes kein ‚Weiter so‘ für den ‚Synodalen Prozess‘ geben“

Von Generalvikar Michael Fuchs (Bistum Regensburg)

Papst Franziskus schreibt den Katholiken in Deutschland einen Brief. Er, der soviel Wert auf die eigene Kraft der Ortskirche legt und die Subsidiarität und Synodalität betont, sieht sich als Hirte und Vater gezwungen, das Wort zu ergreifen.

Herausgekommen ist ein mahnendes und gleichzeitig ermutigendes Wort, ein Appell mit großem Ernst.

Hintergrund sind die Entwicklungen in der katholischen Kirche in Deutschland in den letzten Jahren und vor allem Monaten, verschiedene Protestaktionen und -schreiben, die aktuellen Planungen für den sogenannten „Synodalen Weg“ (Brief, Abschnitt 3) und die damit einhergehenden Forderungen und Erwartungen. Ihre Richtungen und ihre Heftigkeit dürften den Heiligen Vater zu diesem Wort gedrängt haben.

Dabei hat Franziskus keine Details angegriffen oder Einzelheiten bewertet. Die Kirchenkrise in Deutschland geht viel tiefer, daher musste auch der Brief grundsätzlicher ansetzen. Papst Franziskus knüpft dabei mehrfach an seine Ansprache beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe am 20. November 2015 an (s. z.B. Eingangsworte) und will im Zusammenhang mit jener Ansprache gelesen und verstanden werden.

Hier wie dort sieht der Papst – nachdem er die großen Errungenschaften in Deutschland gelobt hat – die äußeren Merkmale der jetzigen Krise deutlich: Weniger Katholiken besuchen die Sonntagsmesse oder gehen zur Beichte. Die Glaubenssubstanz bei vielen ist vertrocknet und die Priester werden weniger. Er verspricht uns seine Nähe und Unterstützung in unseren Bemühungen, diese Krise zu überwinden und neue Wege zu finden, und will uns Mut machen.

Doch dann benennt er einige Tendenzen in der deutschen Suche nach Lösungen, die ihm große Sorge bereiten.

Die Sorge des Papstes um eine „Zerstückelung“ der Kirche

Da ist zunächst die Sorge, dass sich die Kirche in Deutschland von der Weltkirche loslöst und von der umfassenden („katholischen“) Gemeinschaft des Glaubens trennt – die Sorge um einer „Zerstückelung“ der Kirche.

So fordert Papst Franziskus, „sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche“ (3) und spricht die „communio [Gemeinschaft] unter allen Teilkirchen in der Weltkirche“ an (Anm. 7). Er weist darauf hin, „gerade in diesen Zeiten starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiae auch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt“ und dass die „Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten“ (9), in dem „Wissen, dass wir wesentlich Teil eines größeren Leibes sind“ (ebd.).

Der Papst warnt weiter – mit Verweis auf ein Buch Papst Benedikts XVI. – vor der „Versuchung der Förderer des Gnostizismus“, die „versucht haben, immer etwas Neues und Anderes zu sagen als das, was das Wort Gottes ihnen geschenkt hat. (…) Gemeint ist damit derjenige, der voraus sein will, der Fortgeschrittene, der vorgibt über das ‚kirchliche Wir‘ hinauszugehen“ (ebd.). Die im Text erwähnte Stelle aus dem Zweiten Johannesbrief (2 Joh 9) ist hier aufschlussreich: „Jeder, der darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht.“ Es gebe eine „Versuchung durch den Vater der Lüge (…), der (…) letztendlich den Leib des heiligen und treuen Volkes Gottes zerstückelt“ (10). Dem stellt Papst Franziskus eine ganzheitliche Sicht von Synodalität entgegen und legt diese dar.

Offensichtlich ist dem Heiligen Vater nicht verborgen geblieben, dass einige Forderungen der Initiatoren des „Synodalen Prozesses“ (wie der „Synodale Weg“ oft auch genannt wird) über die katholischen Glaubensgrundlagen, wie sie weltweit verbindlich gelten, hinausgehen oder diese nicht genügend berücksichtigen. Damit würden sie den gemeinsamen Weg und die umfassende Gemeinschaft der Kirche mindestens gefährden. Die Wortwahl des Papstes ist hier ungewöhnlich deutlich.

Die Warnung vor einer „verweltlichten Geisteshaltung“

Ein zweiter Themenkreis in dem päpstlichen Brief betrifft die Versuchung, nur eine „Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung“ anzustreben, „eine Art neuen Pelagianismus“ (5), vor dem Papst Franziskus schon 2015 die Deutschen Bischöfe beim Ad-limina-Besuch gewarnt hatte. Der Pelagianismus, der von der Kirche im fünften Jahrhundert verworfen wurde, behauptete, es brauche keine Erlösung durch Christus von den Sünden, der Mensch sei aus sich heraus stark und gut.

2015 wies der Papst schon in diesem Zusammenhang auf die Versuchung hin, „unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat“. Franziskus warnt in seinem Brief vor einer „Verweltlichung und verweltlichter Geisteshaltung“ (5). „Gott befreie uns von einer weltlichen Kirche unter spirituellen oder pastoralen Drapierungen! Diese erstickende Weltlichkeit erfährt Heilung, wenn man die reine Luft des Heiligen Geistes kostet, der uns davon befreit, um uns selbst zu kreisen, verborgen in einem religiösen Anschein über gottloser Leere.“ (Anm. 13)

Vielmehr brauche es einen „theologalen Blickwinkel“: „Das Evangelium der Gnade (…) sei das Licht und der Führer. (…) Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, (…) endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren“ (6). „Ohne ‚Treue der Kirche gegenüber ihrer eigenen Berufung‘ wird jegliche neue Struktur in kurzer Zeit verderben.“ (ebd.) Daher soll die Kirche nicht einfach auf „äußere Fakten und Notwendigkeiten antworten“, „isoliert vom Geheimnis der Kirche“ (ebd.).

Vieles in Deutschland hat in letzter Zeit beim Papst wohl den Eindruck eines aktivistischen Machens eines politikähnlichen Vereins hinterlassen, einer „frommen Nicht-Regierungs-Organisation“, wie er in anderen Zusammenhängen häufig formulierte. Und einige kirchliche Äußerungen scheinen dieses Machen immer wieder neu zu fordern – ohne Rücksicht auf Voraussetzungen des Glaubens und im Widerspruch zum gläubigen Beschenkt-Werden.

Spannung und Ungleichgewichte statt Anpassung

Papst Franziskus spricht in seinem Brief mehrfach von „Spannung“ und „Anpassung“. Er warnt davor, dass man das kirchliche Leben „der derzeitigen Logik oder jener einer bestimmten Gruppe anpasst“ (5) oder eine „Ordnung findet, die dann die Spannungen beendet, die unserem Mensch-Sein zu eigen sind und die das Evangelium hervorrufen will“ (ebd.). „Wir dürfen nicht vergessen, dass es Spannungen und Ungleichgewichte gibt, die den Geschmack des Evangeliums haben, die beizubehalten sind, weil sie neues Leben verheißen.“ (ebd.) Die Evangelisierung sei „keine ‚Retusche‘, die die Kirche an den Zeitgeist anpasst, sie aber ihre Originalität und ihre prophetische Sendung verlieren lässt“ (7). Es gehe darum, „die Zeichen der Zeit zu erkennen, was nicht gleichbedeutend ist mit einem bloßen Anpassen an den Zeitgeist (vgl. Röm 12,2)“ (8).

Vieles, was im Vorfeld des Synodalen Prozesses geäußert wurde, ist geprägt von der Angst, den Anschluss an die plurale Welt nicht zu verlieren, und der Absicht, die Kluft zwischen Kirche und Lebenswirklichkeit zu schließen. Dieser Argumentation entzieht Papst Franziskus deutlich den Boden.

Primat der Evangelisierung zurückgewinnen

Stattdessen „ist es (…) notwendig, den Primat der Evangelisierung zurückzugewinnen (…), denn die Kirche, Trägerin der Evangelisierung, beginnt damit, sich selbst zu evangelisieren“ (7). Es soll „unser Hauptaugenmerk sein (…), unseren Brüdern und Schwestern zu begegnen, besonders jenen, die an den Schwellen unserer Kirchentüren, auf den Straßen, in den Gefängnissen, in den Krankenhäusern, auf den Plätzen und in den Städten zu finden sind. Der Herr drückte sich klar aus: ‚Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit‘ (Mt 6,33).“ (8). „Die Heiligkeit ‚von nebenan‘ (…) das ist die Heiligkeit, die die Kirche vor jeder ideologischen, pseudo-wissenschaftlichen und manipulativen Reduktion schützt und immer bewahrt hat.“ (ebd.)

Als Grundhaltung verlangt der Papst dazu die „Haltung der Wachsamkeit und Bekehrung“ (12), eine „Haltung der Entäußerung“ (ebd.), und er verweist auf die „wahren geistlichen Heilmittel (Gebet, Buße und Anbetung)“ (ebd.). Prägend sollte dabei die Freude sein: „Die Evangelisierung führt uns dazu, die Freude am Evangelium wiederzugewinnen, die Freude, Christen zu sein.“ (7)

Haben wir also in Deutschland den Primat der Evangelisierung und in Verbissenheit und Protesthaltung die Freude am Glauben verloren? Papst Franziskus legt ausführlich dar, was er unter Evangelisierung und Zugehen auf die Armen versteht, und kritisiert jegliche Verkürzung auf Anpassungen, Verwaltungsreformen und Einigelungs-Tendenzen. Er ruft damit auf, größer zu denken, aus dem eigenen Haus herauszugehen und die Frohbotschaft weiterzutragen in Wort und Tat.

Konflikte nicht mit Abstimmungen niederringen

Der Papst nimmt in seinem Brief nicht zu formal-technischen Details des Synodalen Prozesses (Statut, Abstimmungsregeln, usw.) Stellung, aber folgende Worte stimmen nachdenklich: „Die synodale Sichtweise hebt weder Gegensätze oder Verwirrungen auf, noch werden durch sie Konflikte Beschlüssen eines ‚guten Konsenses‘, die den Glauben kompromittieren, Ergebnissen von Volkszählungen oder Erhebungen, die sich zu diesem oder jenem Thema ergeben, untergeordnet.“ Es gehe vielmehr um die „Zentralität der Evangelisierung und dem Sensus Ecclesiae als bestimmende Elemente unserer kirchlichen DNA“ (11).

Fünfmal gebraucht übrigens Franziskus im Brief den Begriff des „Sensus Ecclesiae“ („Kirchensinn“), den er umfassend versteht, und vermeidet den Begriff des „Sensus fidelium“ („Gläubigensinn“), der zwar theologisch und kirchlich fundiert ist, aber bisweilen als Gruppensinn oder Mehrheitsmeinung missverstanden wird.

Ein synodales Miteinander und der Sensus Ecclesiae bedeutet für Papst Franziskus offensichtlich mehr, als durch Abstimmungen und Beschlüsse oder durch Umfragen Konflikte gleichsam technisch niederzuringen oder sich auf Scheinkompromisse zu verlassen, „die den Glauben kompromittieren“.

Sind die Inhalte des Briefes überraschend?

Nicht für den, der die Äußerungen des Papstes zu den Themen, die im Synodalen Prozess bearbeitet und beschlossen werden sollen, verfolgt hat. Und nicht für den, der dem Papst zu Grundsatzfragen der Erneuerung und Evangelisierung zuhört.

Über die Weihe von Frauen zum Diakonat hat er mehrfach Zurückhaltung angemahnt, auch nach mehreren Studien: „Ich kann kein sakramentales Dekret machen ohne eine theologische, historische Grundlage“, erwiderte er den Forderern.

2016 wurde er auf dem Rückflug von Schweden gefragt, ob er sich die Priesterweihe von Frauen vorstellen könnte. Seine Antwort war klar: Er bezog sich auf seinen Vorgänger Johannes Paul II., der mit seinem Nein das letzte Wort gesprochen habe. „Und das bleibt.“ Auf eine Rückfrage der Journalistin hat Papst Franziskus auf die petrinische und marianische Dimension der Kirche verwiesen und diese kurz dargelegt.

Vielleicht sind manchen noch seine verschiedenen Äußerungen zu den Zulassungsbedingungen für die Priesterweihe im Gedächtnis. So schließt er die Auflösung des allgemeinen Zölibats ausdrücklich aus: „Mir kommt der Satz des heiligen Paul VI. in den Sinn: ‚Ich gebe lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern.‘ Das kam mir in den Sinn, und ich möchte es sagen, denn das ist ein mutiger Satz, in einer schwierigeren Zeit als dieser, die Jahre um 1968/70 herum … Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist. Zweitens bin ich nicht damit einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben, nein. Nur für die entlegensten Orte bliebe manche Möglichkeit…“ (Rückflug von Panama, 27.01.2019). Für das Amazonas-Gebiet wird bekanntlich eine solche Ausnahme diskutiert.

Außerdem hat der Heilige Vater mehrfach homosexuelle Männer in Priesterseminaren problematisiert und eine entsprechende Regelung der zuständigen Kongregation bekräftigt, was in Deutschland zu wochenlangen, heftigen Diskussionen geführt hat.

Das Schreiben „Maschio e femmina li creó“ („Als Mann und Frau schuf er sie“) zur Gender-Problematik, das die Bildungskongregation vor kurzem veröffentlichte, bekam bisher in der deutschen Kirchenöffentlichkeit auch überwiegend Häme und Kritik.

Was bedeutet dies für den „Synodalen Prozess“?

Sicher kann es nach diesem Brief des Papstes kein „Weiter so“ geben, weder in Inhalt noch in Form. Eigentlich drängt der Brief auf eine komplette Neufassung eines solchen Prozesses, der auf Evangelisierung und geistliche Erneuerung ausgerichtet sein soll und auf „die Menschen am Rande“; einen Prozess, der nicht „macht“ oder „anpasst“, sondern auf Gott setzt, der erneuern und bekehren kann und uns die Freude des Evangeliums schenkt; und einen Prozess, der in allen Belangen mit der Gemeinschaft der katholischen Kirche geht, die Zeit und Raum umfasst.

Beim Ad-limina-Besuch schrieb uns Papst Franziskus ins Stammbuch – und damit könnte man vielleicht seinen Brief zusammenfassen: „Das Gebot der Stunde ist die pastorale Neuausrichtung, also ‚dafür zu sorgen, dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des ‚Aufbruchs‘ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet‘ (Evangelii gaudium, 27)“.

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Quelle

WEITER: ZUR BESCHÄMUNG DES PAPSTES (FRANZISKUS)

Kritik an Salvini

Der Jesuitenpater Antonio Spadaro, Herausgeber von La Civiltà Cattolica und enger Vertrauter von Papst Franziskus, gehörte zu den katholischen Persönlichkeiten, die Salvinis Verwendung des Rosenkranzes bei der Kundgebung missbilligten.

Spadaro veröffentlichte mehrere kritische Tweets und verbreitete die Kritik auch auf Facebook. Christen sollten empört sein .

Letztes Jahr lehnte Spadaro ein italienisches Gesetz ab, das die Platzierung von Kruzifixen in allen öffentlichen Gebäuden vorsieht, und beschuldigte die Partei der Salvini-Lega auf Twitter, das Kruzifix als eine „blasphemische“ Aktionsfigur verwenden zu wollen.

Auch der vatikanische Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin hat am Sonntag einen offensichtlichen Vorwurf gegen Salvini ausgesprochen.

„Ich glaube, die Parteipolitik spaltet, aber Gott gehört allen“, sagte Parolin den Reportern in der Lateranbasilika. „Gott für sich selbst anzurufen ist immer sehr gefährlich.“

Kardinal Angelo Bagnasco, Präsident der Europäischen Bischofskonferenz, prangerte Salvini laut The Tablet auch der italienischen Zeitung La Stampa an und sagte, bestimmte Gruppen könnten sich christliche Werte nicht aneignen und „Akzeptanz und Integration seien wesentliche Werte des Evangeliums“ und hätten „keine Farbe.“

Bischof Domenico Mogavero von Mazara del Vallo, einem Hafen im Westen Siziliens, Vorsitzender des Justizausschusses der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), sagte, Salvini könne sich laut ANSA news service nicht mehr als Christ bezeichnen.

„Wir können nicht länger schweigen, wenn wir mit einem immer arroganteren Minister prahlen“, sagte Mogavero.

„Wir können nicht länger zulassen, dass (Menschen) sich die heiligen Zeichen unseres Glaubens aneignen, um ihre unmenschlichen, antigeschichtlichen Ansichten zu verbreiten, die der Botschaft des Evangeliums diametral entgegengesetzt sind“, sagte er. „Diejenigen, die bei ihm sind, können sich nicht als Christ bezeichnen, weil sie das Gebot der Liebe missachtet haben.“

Die italienische katholische Wochenzeitung Famiglia Cristiana bezeichnete Salvinis Küssen des Rosenkranzes und seine Reaktion auf den Papst als Beispiel für „fetischistische Souveränität“.

Enzo Bianchi, Laiengründer der ökumenischen Mönchsgemeinschaft Bose und einflussreiche Persönlichkeit der italienischen Kirche, sagte, er sei von Salvinis Handlungen „zutiefst verstört“.

„Wie ist es möglich, dass ein Politiker heute bei einer Wahlkundgebung den Rosenkranz küssen, die Schutzheiligen Europas anrufen und Italien dem makellosen Herzen Mariens anvertrauen kann, um den Sieg seiner Partei zu erringen?“, twitterte Bianchi. „Katholiken, wenn Ihr das Christentum liebt, schweiget nicht. Protestiert!“

Eindeutige Antwort

Gleichzeitig bot C. C. Pecknold, Kolumnist und außerordentlicher Professor für Theologie an der Katholischen Universität von Amerika, eine begründete Analyse an und wies unter anderem darauf hin, dass Salvini die Aussagen des guineischen Kardinals Robert Sarah zur Einwanderung aufgreift.

Sarah, Präfektin der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin, hat das Recht einer Nation, zwischen Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten zu unterscheiden, bekräftigt und die globalistischen Bemühungen zur Entchristlichung des Westens durch Massenmigration anerkanntEr kritisierte auch die Idee, dass soziale Gerechtigkeitsthemen wie die Einwanderung den primären Zweck der Kirche, Seelen zu retten, verdrängen oder mit diesem in Einklang stehen.

Pecknold bemerkte auch, dass Salvini in seiner Rede Sarah zusammen mit G.K. Chesterton, Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. zitierte.

„Wir brauchen ganze Nationen, die Unserer Lieben Frau geweiht sind“

Pecknold räumte ein, dass Spadaros Politik anders sei als die von Salvini, und war dennoch verblüfft über Spadaros Kommentar, dass Rosenkränze in der Politik Christen verärgern sollten.

„Die Kirche hat keine politischen Vorbilder, die sie empfehlen oder verteidigen könnte“, schrieb Pecknold . „Die Kirche lehrt Vorschriften, die die Standards für jede Ordnung erhöhen. Salvini scheint diese Prinzipien zu kennen, und das sollte von der Kirche gelobt werden, unabhängig von politischen Meinungsverschiedenheiten. “

„In der Politik ist nichts falsch mit Rosenkränzen“, sagte er. „Wir brauchen ganze Nationen, die Unserer Lieben Frau geweiht sind.“

Während Salvini zu den elf führenden Vertretern Europas gehörte, die am Samstag an der Kundgebung teilnahmen, berichtete die Associated Press, dass die meisten Zehntausende von Anhängern, die den Platz vor dem Mailänder Dom füllten, für den italienischen Innenminister da waren und die Flaggen der Liga den Platz füllten unter einem „Splitter“ von Nationalflaggen aus anderen Ländern.

Pecknold hatte auch geschrieben, dass am Ende der Wahlkampfkundgebung, als Salvini sich und sein Land dem Unbefleckten Herzen Mariens empfahl, „die Mailänder Menge mit Beatle-Mania-ähnlicher Kraft jubelte“.

Salvini erwähnte Papst Franziskus während der Mailänder Kundgebung am Samstag und beantwortete Franziskus ‚Äußerungen an eine Gruppe von Journalisten am selben Tag im Vatikan, um nicht zu vergessen, dass das Mittelmeer aufgrund von Ertrinken von Migranten in einen Friedhof verwandelt worden war.

„Zu seiner Heiligkeit, Papst Franziskus“, sagte Salvini, „ich sage, dass die Politik dieser Regierung die Toten im Mittelmeer mit Stolz und christlicher Nächstenliebe verhindert.“

Die Menge raunte sofort bei der Kundgebung, als sie den Namen des Papstes hörte, teilte der Tablet- Bericht mit.

Mehrere italienische Veröffentlichungen berichteten in den letzten Monaten auf der Grundlage von Informationen aus anonymen Quellen, dass sich Papst Franziskus weigert, sich mit Salvini zu treffen, weil Salvini entschieden gegen die illegale Einwanderung vorgeht. Franziskus hat sich wiederholt mit Anhängern von Abtreibungen und anderen Problemen getroffen, die im Widerspruch zur Lehre der Kirche standen .

In jüngerer Zeit sagte auch der päpstliche Allmosenverwalter Kardinal Konrad Krajewski, ein enger Berater von Franziskus, dass der Vatikan Salvini aus dem gleichen Grund einen päpstlichen Segen verweigern würde wie einem Abtreibungsversorger und venezolanischen Diktatoren.

Die Einwanderungspolitik ist eine aufsichtsrechtliche Angelegenheit, über die sich die Katholiken hinsichtlich der Einzelheiten ihres Umgangs nicht einig sein können. Abtreibung ist jedoch eine Todsünde und gemäß der Lehre der Kirche nicht verhandelbar.

Franziskus: Die Rechte von Migranten sollten den nationalen Sicherheitsbedenken übergeordnet sein.

Franziskus signalisiert immer wieder Unterstützung für eine offene Einwanderung und verurteilt Versuche, die Flut der muslimischen Einwanderung nach Europa einzudämmen, auch auf Kosten der nationalen Sicherheit.

Seit 2015 ist Europa einer großen Zuwanderung auf Krisenebene ausgesetzt, hauptsächlich aus Ländern mit muslimischer Mehrheit im Nahen Osten und in Afrika.

Viele Migranten riskieren und verlieren ihr Leben, während sie versuchen, sich zu bewegen, und es gibt heftige Meinungsverschiedenheiten über den Flüchtlingsstatus, die nationale Souveränität und Sicherheitsbedenken, Terrorismus und Kriminalität sowie die Last der Finanzierung der sozialen Unterstützung für Migranten und Flüchtlinge.

Ein mitschuldiges Medienunternehmen hat während der Krise in den meisten Bereichen die Nachteile der Öffnung der Grenzen immer wieder heruntergespielt.

Der Papst hat Mauern im Zusammenhang mit nationalen Grenzen mehr als einmal verurteilt – ein verschleierter Hinweis auf den US-Präsidenten Donald Trump für die nationale Sicherheitspolitik von Trump gegenüber den USA. Auf der gleichen angeblichen Grundlage sagte Francis im Jahr 2016 sogar, dass „Mauern anstatt „Brücken bauen“ „nicht christlich ist.“ Dann sagte er letzten Monat erneut : „Wer eine Mauer baut, wird zum Gefangenen der Mauer, die er gebaut hat.“

Eine „Pflicht im Rahmen des Möglichen“

Salvini sagte am Montag, dass er den Papst gerne treffen würde, und zitierte den Katechismus, um zu sagen, dass die möglichen Grenzen für die Aufnahme von Einwanderern überschritten worden seien.

„Ich möchte vom Papst empfangen werden, aber ich habe nie darum gebeten“, sagte Salvini. „Er ist einer der anregendsten und faszinierendsten Menschen – ich konnte nur von ihm lernen.“

„Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bin ich mehr als bereit, ihn zu treffen“, fügte Salvini laut ANSA hinzu. Salvini sagte, die Aufnahme von Migranten sei „eine Pflicht innerhalb der Grenzen des Möglichen“, nach dem Katechismus der katholischen Kirche (und) dass das Mögliche übertroffen sei. „

Am Montag vor einem ANSA-Forum stellte Salvini die Idee in Frage, dass die Berufung auf die Gottesmutter beleidigend sei.

„Ich höre, ich werde als unmenschlich bezeichnet, weil ich mit einem Kruzifix in der Tasche herumgehe“, sagte er . „Darf ich um Marias Hilfe bitten, oder wird jemand beleidigt sein?“

Salvini gab zu, ein Sünder zu sein, und sagte, es hindere ihn nicht daran, einen Rosenkranz bei sich zu behalten, berichtet der internationale deutsche Sender Deutsche Welle in Qantara.de.

„Ich bin der letzte unter den guten Christen“, sagte Salvini, „aber ich bin stolz darauf, immer einen Rosenkranz in der Tasche zu haben.“

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Manche Bischöfe lassen sich political correctness-Zwangsjacke anlegen

28 November 2018, 07:00

Kardinal Müller: Manche Bischöfe verunsichern die Gläubigen, weil sie in ihren Stellungnahmen nur dem Mainstream folgen. Sie lassen sich die Zwangsjacke der political correctness anlegen,in der sie sich ungelenk bewegen und sich nur lächerlich machen

Passau (kath.net)
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) neuerlich Papst Franziskus kritisiert, weil dieser sich bei Entscheidungen nicht immer an die kurienüblichen Verfahren halte. Ein Beispiel dafür sei die aus Deutschland kommende Initiative für den Kommunionempfang evangelischer Ehepartner, bei der die Glaubenskongregation übergangen wurde. Laut dem früheren Präfekten der Glaubenskongregation habe man sich bei der Initiative aus Deutschland „einen Zettel mit theologisch verwaschenen Thesen“ vom Papst signieren lassen. Dies würden der katholischen Glaubenslehre und der klaren Weisung der Glaubenskongregation widersprechen.

Auch beim Fall des Hochschulrektors Ansgar Wucherpfennig SJ sei ähnlich vorgegangen worden. Müller meinte dazu wörtlich: „Mit faulen Kompromissen untergräbt das Lehramt nur seine von Christus gegebene Autorität.“ Der Beifall von „vermeintlich progressistischer Seite“ mache laut Müller diesen „Verfall der Autorität“ nicht wett. Dieser halte auch nur solange an, wie die Verantwortlichen sich zeitgeistkonform verhalten.

Angesprochen auf die Missbrauchsfälle in der Kirche forderte Müller klar, dass Priester, die eine Straftat begangen haben, zuerst wie alle nach weltlichem Recht die Konsequenzen tragen müssen. Zusätzlich müsse auch ein kirchenrechtlicher Prozess durchgeführt werden. Der Kardinal möchte auch festhalten, dass die meisten Priester sich nicht dieser Taten schuldig gemacht haben. Die „voll berechtigte Empörung“ über die Untaten einzelner Personen dürfe daher nicht in die Ungerechtigkeit einer „kollektiven Beschuldigung“ umschlagen.

Zu Forderungen von manchen Kirchenvertretern aus Deutschland, dass die Kirche jetzt ihre Sexuallehre und den Pflichtzölibat überdenken müsse, stellte Müller klar, dass solche Forderungen die Unterstellungen enthalten, dass die Sexualethik, die Kindesmissbrauch eine Sünde nennt, „die vom Reich Gottes ausschließt“ und die freiwillig angenommene ehelose Lebensform Jesu von sich aus zu Sexualverbrechen disponieren. Einige seiner bischöflichen Mitbrüder (in Deutschland) beurteilt der Kardinal durchaus kritisch: „Manche Bischöfe verunsichern die Gläubigen, weil sie in ihren Stellungnahmen nur dem Mainstream folgen. Sie lassen sich die Zwangsjacke der political correctness anlegen, in der sie sich ungelenk bewegen und nur lächerlich machen.“

Bischöfe dürfen laut Müller „nicht zuerst politisch agieren und denken“, um dann „ihre Machtspiele“ pseudotheologisch einzukleiden. Bischöfe seien Diener des Wortes Gottes und Hirten der Gemeinde.

Archivfoto Kardinal Müller (c) Bistum Regensburg

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LEITLINIEN FÜR DIE BEHANDLUNG VON FÄLLEN SEXUELLEN MISSBRAUCHS

Papst Franziskus betet in Irland in einer Kapelle, die dem Gedenken an von Priestern missbrauchten

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE       

RUNDSCHREIBEN,
UM DEN BISCHOFSKONFERENZEN ZU HELFEN,
LEITLINIEN FÜR DIE BEHANDLUNG VON FÄLLEN SEXUELLEN MISSBRAUCHS VON MINDERJÄHRIGEN DURCH KLERIKER ZU ERSTELLEN

 

Zu den wichtigen Verantwortlichkeiten des Diözesanbischofs im Hinblick auf die Sicherung des Gemeinwohls der Gläubigen und insbesondere auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gehört es, auf eventuelle Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker in seiner Diözese angemessen zu reagieren. Dies beinhaltet sowohl die Festsetzung von geeigneten Verfahren, um den Opfern derartiger Missbräuche beizustehen, als auch die Bewusstseinsbildung der kirchlichen Gemeinschaft im Blick auf den Schutz Minderjähriger. Dabei ist für die rechte Anwendung des einschlägigen kanonischen Rechts zu sorgen; zugleich sind die entsprechenden staatlichen Rechtsvorschriften zu beachten.

I. Allgemeine Aspekte

a. Die Opfer sexuellen Missbrauchs

Die Kirche muss, in der Person des Bischofs oder eines von ihm Beauftragten, die Bereitschaft zeigen, die Opfer und ihre Angehörigen anzuhören und für deren seelsorgerlichen und psychologischen Beistand zu sorgen. Im Verlauf seiner Apostolischen Reisen hat Papst Benedikt XVI. durch seine Bereitschaft, Opfer sexuellen Missbrauchs zu treffen und anzuhören, ein besonders wichtiges Beispiel gegeben. Anlässlich dieser Begegnungen hat sich der Heilige Vater mit einfühlsamen und aufbauenden Worten an die Opfer gewandt, so auch in seinem Hirtenbrief an die Katholiken in Irland (Nr. 6): „Ihr habt schrecklich gelitten, und das tut mir aufrichtig leid. Ich weiß, dass nichts das von Euch Erlittene ungeschehen machen kann. Euer Vertrauen wurde missbraucht und Eure Würde wurde verletzt.“

b. Der Schutz Minderjähriger

In einigen Ländern wurden im kirchlichen Bereich Erziehungsprogramme zur Prävention gestartet, die „geschützte Räume“ für Minderjährige gewährleisten sollen. Diese Programme versuchen sowohl den Eltern als auch den in Pastoral und Schule Tätigen zu helfen, Anzeichen sexuellen Missbrauchs zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Oftmals haben die genannten Programme Anerkennung gefunden als Modelle dafür, wie der sexuelle Missbrauch Minderjähriger in der heutigen Gesellschaft wirkungsvoll eingegrenzt werden kann.

c. Die Ausbildung zukünftiger Priester und Ordensleute

Im Jahr 2002 sagte Papst Johannes Paul II.: „Im Priestertum und Ordensleben ist kein Platz für jemanden, der jungen Menschen Böses tun könnte“1. Diese Worte erinnern an die spezifische Verantwortung der Bischöfe, der höheren Oberen und derer, die für die Ausbildung der zukünftigen Priester und Ordensleute Sorge tragen. Die einschlägigen Hinweise im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Pastores dabo vobis sowie die Instruktionen der zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls lenken in zunehmendem Maß den Blick auf die Wichtigkeit einer korrekten Berufungsklärung und einer gesunden menschlichen und spirituellen Ausbildung der Kandidaten. Dabei geht es insbesondere darum, dass die Kandidaten die Keuschheit und den Zölibat der Kleriker sowie deren Verantwortung in der geistlichen Vaterschaft wertschätzen und ihr Wissen um die diesbezügliche Ordnung der Kirche vertiefen können. Genauere Angaben können in die Ausbildungsprogramme der Seminare und der Ausbildungshäuser in jedem Land, jedem Institut des geweihten Lebens und jeder Gesellschaft des apostolischen Lebens mittels der jeweiligen Ratio institutionis sacerdotalis eingefügt werden.

Darüber hinaus muss besondere Aufmerksamkeit auf den gebotenen Informationsaustausch gerichtet werden, vor allem im Zusammenhang mit Priesteramts- oder Ordenskandidaten, die von einem Seminar zu einem anderen, zwischen verschiedenen Diözesen oder zwischen Ordensgemeinschaften und Diözesen wechseln.

d. Die Begleitung der Priester

1. Der Bischof hat die Pflicht, alle seine Priester wie ein Vater und Bruder zu behandeln. Auch soll der Bischof sich mit besonderer Aufmerksamkeit um die ständige Weiterbildung des Klerus sorgen, vor allem in den ersten Jahren nach der Priesterweihe, und dabei auf die Wichtigkeit des Gebets und der gegenseitigen Unterstützung in der priesterlichen Gemeinschaft hinweisen. Die Priester sollen über den Schaden, den ein Kleriker bei Opfern sexuellen Missbrauchs anrichtet, und über die eigene Verantwortung vor dem kirchlichen und staatlichen Recht informiert werden. Auch sollte ihnen geholfen werden, Anzeichen für einen eventuellen Missbrauch Minderjähriger erkennen zu können, von wem auch immer dieser begangen wurde.

2. Die Bischöfe müssen in der Behandlung von möglichen Fällen sexuellen Missbrauchs, die ihnen gemeldet wurden, jeden erdenklichen Einsatz, unter Beachtung der kanonischen und staatlichen Vorschriften und unter Wahrung der Rechte aller Parteien, zeigen.

3. Bis zum Erweis des Gegenteils steht der angeklagte Kleriker unter Unschuldsvermutung. Als Vorsichtsmaßnahme kann der Bischof aber die Ausübung des Weiheamtes bis zur Klärung der Anschuldigungen einschränken. Für den Fall, dass ein Kleriker zu Unrecht beschuldigt wurde, soll man alles unternehmen, um seinen guten Ruf wieder herzustellen.

e. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden

Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger ist nicht nur eine Straftat nach kanonischem Recht, sondern stellt auch ein Verbrechen dar, das staatlicherseits verfolgt wird. Wenngleich sich die Beziehungen zu staatlichen Behörden in den einzelnen Ländern unterschiedlich gestalten, ist es doch wichtig, mit den zuständigen Stellen unter Beachtung der jeweiligen Kompetenzen zusammenzuarbeiten. Insbesondere sind die staatlichen Rechtsvorschriften bezüglich einer Anzeigepflicht für solche Verbrechen immer zu beachten, freilich ohne das Forum internum des Bußsakraments zu verletzten. Selbstverständlich beschränkt sich diese Zusammenarbeit nicht nur auf die von Klerikern begangenen Missbrauchstaten, sondern erfolgt auch bei Delikten, die Ordensleute oder in kirchlichen Einrichtungen tätige Laien betreffen.

II. Eine kurze Zusammenfassung zur geltenden kirchlichen Gesetzgebung bezüglich der Straftat des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker

Am 30. April 2001 hat Papst Johannes Paul II. das Motu proprio Sacramentorum sanctitatis tutela [SST] promulgiert, durch das der von einem Kleriker begangene sexuelle Missbrauch eines Minderjährigen unter 18 Jahren in die Liste der delicta graviora aufgenommen wurde, die der Kongregation für die Glaubenslehre vorbehalten sind. Die Verjährungsfrist für dieses Delikt wurde auf 10 Jahre festgesetzt, beginnend mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers. Die Bestimmungen des Motu proprio gelten für Kleriker der Lateinischen Kirche wie auch für jene der Orientalischen Kirchen, für den Weltklerus wie auch für den Ordensklerus.

Im Jahr 2003 erteilte Papst Johannes Paul II. dem damalige Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, einige Sondervollmachten, um eine größere Flexibilität in der Durchführung von Strafprozessen bei diesen delicta graviora zu ermöglichen. So wurde etwa die Möglichkeit geschaffen, Verwaltungsstrafverfahren durchzuführen, oder in besonders schweren Fällen um Entlassung aus dem Klerikerstand ex officio zu ersuchen. Diese Vollmachten wurden in die von Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2010 approbierte überarbeitete Fassung des Motu proprio aufgenommen. In den neuen Normen wurde im Fall des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger die Verjährungsfrist, die mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers zu laufen beginnt, auf 20 Jahre festgesetzt. In besonderen Fällen kann die Glaubenskongregation gegebenenfalls von der Verjährung derogieren. In der revidierten Fassung des Motu proprio wurde auch ausdrücklich Kauf, Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials als Straftatbestand des kanonischen Rechts spezifiziert.

Für die Behandlung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger sind an erster Stelle die Bischöfe und höheren Oberen verantwortlich. Sofern eine Anzeige nicht völlig abwegig erscheint, muss der Bischof, der höhere Obere oder ein von ihnen Beauftragter eine kanonische Voruntersuchung gemäß can. 1717 CIC bzw. can. 1468 CCEO sowie Art. 16 SST durchführen.

Wenn sich die Anschuldigung als glaubwürdig erweist, muss der Fall an die Glaubenskongregation übermittelt werden. Nach Studium der Angelegenheit wird die Glaubenskongregation den Bischof oder höheren Oberen anweisen, wie weiter zu verfahren ist. Zugleich wird sie Hilfestellung leisten, um zu gewährleisten, dass geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Dabei wird sowohl für ein gerechtes Verfahren für die beschuldigten Kleriker gesorgt, in dem ihr fundamentales Verteidigungsrecht gewahrt wird, als auch das Wohl der Kirche, einschließlich des Wohls der Opfer, sichergestellt. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Verhängung einer unbefristeten Strafe, wie etwa die Entlassung aus dem Klerikerstand, normalerweise ein gerichtliches Strafverfahren erfordert. Nach kanonischem Recht (vgl. can. 1342 CIC) können die Ordinarien unbefristete Strafen nicht durch außergerichtliches Dekret verhängen. Zu diesem Zweck müssen sie sich an die Glaubenskongregation wenden, der es zukommt, ein endgültiges Urteil über die Schuld und über eine eventuelle Ungeeignetheit des Klerikers für den pastoralen Dienst zu fällen und die entsprechende unbefristete Strafe zu verhängen (SST Art. 21 § 2).

Die kanonischen Maßnahmen, die gegenüber einem Kleriker Anwendung finden, der des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig befunden wurde, sind grundsätzlich zweifacher Art: 1.) Auflagen, die die öffentliche Ausübung des geistlichen Amtes vollständig oder zumindest insoweit einschränken, dass ein Kontakt mit Minderjährigen ausgeschlossen wird. Diese Auflagen können mit einem Strafgebot (praeceptum poenale) versehen werden. 2.) Kirchliche Strafen, unter denen die schwerste die Entlassung aus dem Klerikerstand ist. In einigen Fällen kann auf Antrag des Klerikers selbst die Dispens von den Verpflichtungen des klerikalen Standes, einschließlich der Zölibatspflicht, pro bono Ecclesiae gewährt werden.

Die Voruntersuchung und das gesamte Verfahren müssen so durchgeführt werden, dass die Privatsphäre der beteiligten Personen geschützt und ihrem guten Ruf die gebotene Aufmerksamkeit zuteil wird.

Sofern nicht gewichtige Gründe entgegenstehen, muss ein beschuldigter Kleriker über die gegen ihn erhobene Anklage informiert werden, um ihm die Möglichkeit zu einer Stellungnahme zu geben, ehe der Fall der Glaubenskongregation gemeldet wird. Der Klugheit des Bischofs oder des höheren Oberen obliegt es, zu entscheiden, welche Informationen während der Voruntersuchung an den Beschuldigten weitergegeben werden.

Es kommt dem Bischof oder dem höheren Oberen zu, für das Gemeinwohl zu sorgen und festzulegen, welche der in can. 1722 CIC bzw. can. 1473 CCEO genannten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Nach Art. 19 SST kann dies geschehen, sobald die Voruntersuchung begonnen wurde.

Schließlich ist festzuhalten: Wenn eine Bischofskonferenz beabsichtigt, Spezialnormen zu erlassen, müssen diese Partikularnormen, unbeschadet der notwendigen Approbation durch den Heiligen Stuhl, stets als Ergänzung, nicht jedoch als Ersatz der universalkirchlichen Gesetzgebung verstanden werden. Deshalb müssen Partikularnormen sowohl mit dem CIC bzw. CCEO als auch mit dem Motu proprio Sacramentorum sanctitatis tutela (30. April 2001) in seiner überarbeiteten Fassung vom 21. Mai 2010 übereinstimmen. Im Fall, dass eine Bischofskonferenz sich entscheiden sollte, verbindliche Normen zu erlassen, ist es notwendig, bei den zuständigen Dikasterien der Römischen Kurie um die recognitio anzusuchen.

III. Hinweise für die Ordinarien zum Verfahrensablauf

Die von der Bischofskonferenz erarbeiteten Leitlinien sollten den Diözesanbischöfen und höheren Oberen Orientierungshilfen bieten für den Fall, dass diese von möglichen Taten sexuellen Missbrauchs Minderjähriger Kenntnis erlangen, die von Klerikern auf dem Gebiet ihrer Jurisdiktion begangen wurden. Solche Leitlinien sollten daher folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:

a. Der Gebrauch des Begriffs „sexueller Missbrauch Minderjähriger“ muss mit der Definition in Art. 6 SST („Die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot mit einem Minderjährigen unter achtzehn Jahren“) und mit der Auslegungspraxis und der Rechtsprechung der Kongregation für die Glaubenslehre übereinstimmen und auch die gesetzlichen Regelungen des jeweiligen Landes berücksichtigen.

b. Die Person, die eine Straftat anzeigt, muss mit Respekt behandelt werden. In den Fällen, bei denen sexueller Missbrauch mit einer Straftat gegen die Heiligkeit des Bußsakramentes (Art. 4 SST) verbunden ist, hat diese Person das Recht zu fordern, dass ihr Name nicht dem beschuldigten Priester mitgeteilt wird (Art. 24 SST).

c. Die kirchlichen Autoritäten sollten sich dazu verpflichten, den Opfern seelsorgerliche und psychologische Hilfe anzubieten.

d. Die Ermittlungen zu den Beschuldigungen sind unter gebührender Wahrung des Grundsatzes der Vertraulichkeit und des guten Rufs der beteiligten Personen durchzuführen.

e. Sofern nicht schwerwiegende Gründe dem entgegenstehen, sollte der beschuldigte Kleriker schon in der Phase der Voruntersuchung über die Anschuldigungen informiert werden und ihm dabei auch die Gelegenheit gegeben werden, dazu Stellung zu nehmen.

f. Die mancherorts vorgesehenen Beratungsorgane und -kommissionen zur Überprüfung und Bewertung einzelner Fälle dürfen nicht das Urteil und die potestas regiminis der einzelnen Bischöfe ersetzen.

g. Die Leitlinien müssen die staatliche Gesetzgebung im Konferenzgebiet beachten, insbesondere was eine eventuelle Unterrichtungspflicht staatlicher Behörden anbelangt.

h. In jedem Moment des Disziplinar- oder Strafverfahrens ist für den beschuldigten Kleriker ein gerechter und ausreichender Unterhalt sicher zu stellen.

i. Die Rückkehr eines Klerikers in den öffentlichen Seelsorgsdienst ist auszuschließen, wenn dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige darstellt oder ein Ärgernis in der Gemeinde hervorruft.

Schluss

Die von den Bischofskonferenzen erarbeiteten Leitlinien haben zum Ziel, Minderjährige zu schützen und den Opfern zu helfen, Unterstützung und Versöhnung zu finden. Sie müssen darüber hinaus deutlich machen, dass in erster Linie der zuständige Diözesanbischof bzw. höhere Obere für die Behandlung von Straftaten sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker zuständig ist. Schließlich werden die Leitlinien innerhalb einer Bischofskonferenz zu einem einheitlichen Vorgehen führen, das dazu beiträgt, die Bemühungen der einzelnen Bischöfe zum Schutz Minderjähriger besser aufeinander abzustimmen.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre am 3. Mai 2011.

William Kardinal Levada
Präfekt

+ Luis F. Ladaria, S.I.
Titularerzbischof von Thibica
Sekretär

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1 Ansprache beim interdikasterialen Treffen mit den Kardinälen und führenden Vertretern der Bischofskonferenz der USA, 23. April 2002, Nr. 3.

[00714-05.01] [Originalsprache: Italienisch]

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Quelle

‚Erschütternde Untreue der österreichischen Bischöfe‘

Katholischer Philosoph Josef Seifert übt schwere Kritik an der österreichischen Bischofskonferenz und an Kardinal Schönborn, weil diese zum 50. Jubiläum von Humanae Vitae nur Gegner auf den Websites und via kathpress zu Wort kommen lassen

Wien (kath.net)
Der bekannte österreichische, katholische Philosoph Josef Seifert hat gegenüber dem US-Magazin „OnePeterFive“ schwere Kritik an der österreichischen Bischofskonferenz und an Kardinal Schönborn geübt, weil diese zur 50-Jahresfeier von Humanae vitae via Kathpress nicht weniger als fünf Artikel von Moraltheologen und anderen Katholiken veröffentlichen ließen, die die Enzyklika mehr oder weniger offen angreifen. Seifert kritisierte in dem Zusammenhang vor allem den Wiener Kardinal, weil dieser noch 2008 in einem Hirtenwort die Mariatroster Erklärung mit ihrem „verwaschenen doppelzüngigen Lob“ als Irrtum bezeichnet habe. Wörtlich stellte Seifert fest: „Sie stellen nicht nur die zentrale Aussage und in Humanae Vitae verkündete Wahrheit, dass jeder Akt der Empfangnisverhütung in sich schlecht ist, in Frage, sondern führen zur Unterstützung ihres Irrtums auch noch allgemeinere schwerste und geradezu absurde Irrtümer an, wie etwa den des Moraltheologen Lintner, der behauptet, das moralische Gesetz müsse sich einer Entwicklung unterwerfen, wenn ein Großteil der Menschen ihm nicht folgt und sich nicht nach HV richtet. Wird etwa der Ehebruch gut, weil sehr viele Menschen ihre Ehe brechen? Wird die Abtreibung gut oder zu einer weniger schweren Sünde, ja ist sie nicht mehr ein himmelschreiendes Verbrechen, weil Millionen sie begehen? Wird das Gebot, Gott über alles zu lieben, außer Kraft gesetzt, weil ein Großteil der Menschen es heute bricht? Nichts könnte absurder sein als ein solcher historischer ethischer Relativismus. Und doch finden wir diesen absurden Irrtum sogar auf bischöflichen Webseiten zur 50 Jahresfeier von Humanae Vitae.“

Der bekannte österreichische Philosoph hoffe, dass die österreichischen Bischöfe endlich die Wahrheit der 2008 von Kardinal Schönborn ausgesprochenen Worte begreifen und einstimmig die verkehrte Maria Troster Erklärung widerrufen werden und sich kompromisslos und klar für die Wahrheit der Lehren von Humanae Vitae und Familaris Consortio aussprechen werden. „Empfängnisverhütung ist aus vielen Gründen in sich schlecht (nicht nur, weil die Pille zwei frühabtreibende Wirkungen hat und daher in einem erheblichen Prozentsatz ihrer Anwendung Mord ist und weil Verhütung den prokreativen vom unitiven Sinn des ehelichen Aktes loslöst).“ Wörtlich meint Seifert dann: „Was für eine Schande für die Kirche in Österreich, das 50. Jubiläum von Humanae Vitae in der Kirche Österreichs durch eine Orgie ihrer Gegner auf bischöflichen Webseiten zu begehen!“

Der Philosoph fragt sich, warum die österreichischen Bischöfe nicht Artikel auf ihre Webseite setzen und Redner „zu einer Tagung über Humanae Vitae einladen, die, wie der exzellente österreichische Priester, Pfarrer und Professor in Heiligenkreuz Helmut Prader, Humanae Vitae wunderbar begründen und eine ausgedehnte Pastoral betreiben, die die Wahrheit dieser Enzyklika vielen Ehepaaren und Brautpaaren in beglückender und klarer Form vermittelt? „Auch Weihbischof Andreas Laun, der vielleicht als einziger österreichischer Bischof durchwegs klare Worte über Humanae Vitae gesprochen hat, sowie Bischof Athanasius Schneider, der durch seine schlichte Klarheit unter allen Bischöfen der Welt herausragt und sich oft in wunderbarer Weise zu HV geäußert hat, sollte zu einer solchen Jubiläums-Tagung über Humane Vitae als Redner eingeladen werden und ihre Vorträge oder Aufsätze sollten die bischöflichen österreichischen Webseiten zieren und von der gegenwärtigen Schmach der dort publizierten Aufsätze befreien.“

Vgl. dazu auch: Kardinal Schönborn 2008: ‚Europa hat dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt‘

Archivvideo: KATH.NET-Interview mit Prof. Seifert

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Artikel auf http://www.kath.net/news/64516, 19 Juli 2018, 16:01