Neuer Seliger: „Pater Engelmar ist Vorbild für die Liebe“

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Seliger Engelmar Unzeitig – RV

Deutschland hat einen neuen Seligen: Engelmar Unzeitig ist an diesem Samstagnachmittag im Würzburger Kiliansdom seliggesprochen worden. Der neue Selige passe gut zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, denn um das Pflegen der Armen und Kranken lebte Pater Unzeitig (1911 – 1945). Darauf weist auch ein Mitbruder des neuen Seligen, Pater Hubert Wendl, im Gespräch mit Radio Vatikan hin. Der 1939 zum Priester geweihte Glaubensbruder des Missionarsordens Mariannhill wurde am 21. April 1941 wegen „tückischer Äußerungen und Verteidigung von Juden“ in Glöckelburg in der heutigen Tschechischen Republik von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau überstellt. In seinen Predigten hatte Pater Unzeitig gegen die Judenverfolgung durch die Nazis protestiert. Im KZ pflegte er freiwillig Thypuskranke und starb dort 1945 selbst an dieser Krankheit.

Pater Hubert Wendl betont vor allem die seelsorgerliche Tätigkeit des Seligen: „Es zeichnet ihn aus, dass er mit den Menschen gelebt hat, gespürt hat, wo eine Seelsorge nötig war, und ferner wo es nötig war Menschen nachzugehen. Er hat sich zum Beispiel auch um russische Gefangene gekümmert, hat mit anderen Priestern den Katechismus auf Russisch geschrieben, um sie im Glauben zu unterweisen. Er hat sein Essen mit anderen geteilt und er hat das alles aus einem tiefen Glauben gelebt. Mitbrüder bezeugen immer wieder, dass er sehr oft auch in Kapelle war, dass er sehr oft in der Anbetung war, das er seinen Glauben gelebt hat, indem was er getan hat.“

Für den Marianhill-Orden bedeutet die Seligsprechung vor allem die Hervorhebung des missionarischen Einsatzes, fügt Pater Wendl an. „Ich denke für uns als missionarischer Orden bedeutet die Seligsprechung auch ein beispielhaftes Leben vor Augen zu halten: diesen missionarischen Eifer, diese missionarische Pastoralgerade gerade da zu leben, wo ich bin, sei es in Afrika, Papua-Neuguinea, in Amerika oder in Europa. Das ich mit den Menschen zusammen lebe, spüre was für sie notwendig ist, was sie brauchen im Glauben und ihnen das als Pastoral ihnen zu geben. Auf sie zuzugehen da wo es nötig ist und das Beste daraus zu machen. Für unseren Orden ist es denke ich auch wichtig, dass Pater Engelmar doch ein junger Mensch war, er ist im Alter von 34 Jahren gestorben, das wir auch würdigen können, das junge Mitbrüder, junge Priester das tun was nötig ist, dass wir immer wieder uns auch dafür selber bemühen, das wir den Glauben weitergeben.“

Der selige Pater Unzeitig hat auch den heutigen Gläubigen viel zu sagen, so Pater Wendl. „Seine Heiligsprechung für uns heute bedeutet zunächst einmal, die Wertschätzung für das, was Pater Engelmar gemacht hat. Die Wertschätzung eines Lebens aus dem Glauben zu führen, auch da wo es scheinbar nicht möglich ist. Das ist die Wertschätzung eines Lebens in der Nächstenliebe, dort, wo es eigentlich keine Liebe mehr gab. Ich kann das immer wieder aus seinen Briefen heraus spüren, die uns ja überlassen sind, er hat ungefähr 60 Briefe aus dem KZ heraus geschrieben, da geht es ihm immer wieder darum diese Liebe weiterzugeben. Das Liebe die Kräfte verdoppelt, das Gott zunächst verherrlicht werden soll, in allem was wir tun. Geschrieben in einem Umfeld des Hasses, in einem Umfeld der Hölle, aber gelebt hat er die Liebe. Ich glaube das ist für uns heute auch ein wichtiges Beispiel wo Hass in der Welt ist, also auch bei uns im Land um Menschen darauf Aufmerksam zu machen, dass nicht der Hass das verbindende zwischen uns ist, sondern die Liebe. Das der Glaube uns weiter bringt, nicht der Hass.“

Der selige Pater Unzeitig gehört zu einer Gruppe von zehn Männern und Frauen, deren Widerstand gegen die NS-Diktatur derzeit im Würzburger Rathaus mit der Ausstellung „Zeugen für die Menschlichkeit – christlicher sudetendeutscher Widerstand 1938 – 1945“ der Ackermann-Gemeinde gewürdigt wird.

(rv 24.09.2016 ah)