Vatikan-Konferenz fordert weltweite Ächtung von Organhandel

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Debatte an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

Eine Konferenz im Vatikan ruft die Verantwortlichen weltweit zu schärferen Maßnahmen gegen Organhandel auf. „Die Verwendung der Organe hingerichteter Häftlinge und Geldzahlungen an Organspender oder die Hinterbliebenen verstorbener Organspender sollten als Verbrechen weltweit verurteilt und von der Justiz verfolgt werden.“ Das fordern die Teilnehmer der Konferenz, die von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ausgerichtet wurde, in ihrer Schlusserklärung.Organhandel und „Menschenhandel zum Zweck der Organentnahme“ seien „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so die Erklärung. Vor allem arme und ausgebeutete Menschen würden in diesem Bereich leicht zu Opfern; zahlende „Transplantationstouristen“ dürften nicht die Augen vor den Schattenseiten dieses Geschäfts verschließen, bei dem „skrupellose Zwischenhändler“ und „korrupte Mitarbeiter im Gesundheitswesen“ die Menschenwürde mit Füßen träten.Die Erklärung rügt ungenannte Staaten, die zum Ziel von „Transplantationstouristen“ würden, weil ihre Gesetzgebung „zum Schutz der Armen und Verwundbaren“ nicht ausreiche oder nicht durchgesetzt werde. Vor allem Indien, China und die Philippinen werden in diesen Jahren zum Ziel von Menschen aus reichen Ländern, die auf der Suche nach einem für sie lebenswichtigen Organ alle Bedenken beiseiteschieben. Aus China haben zwei Regierungsvertreter an der Konferenz im Vatikan teilgenommen.

Religions- und Kirchenführer sollen nach den Empfehlungen der Konferenz zur Organspende ermutigen und Regierungen dafür sorgen, dass in ihren Ländern genug Organe bereit sind, damit sich gar nicht erst ein Schwarzmarkt entwickelt.

Bei der Konferenz im Vatikan war es zu teils hitzigen Debatten mit Blick auf die Praxis in China gekommen. Die Tagung zu Organhandel gehört zu einem Reigen von Vatikan-Initiativen gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei. Damit hat Papst Franziskus die Päpstliche Akademie der Wissenschaften betraut.

(rv 09.02.2017 sk)

Frankreich: Papstbotschaft an Teilnehmer des ‪„Marsches für das Leben“

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„Marche Pour La Vie 2015“ / Wikimedia Commons – HazteOir.Org, CC BY-SA 2.0 (Cropped)

Sich unermüdlich für eine Kultur des Lebens einsetzen

Papst Franziskus ermutigt die Teilnehmer des Marsches für das Leben („Marche pour la vie“), der am Sonntag in Paris stattfinden wird, sich ‪„unermüdlich“ für eine Kultur des Lebens einzusetzen.

In seinem Brief an den Präsidenten der Veranstaltung, der vom Apostolischen Nuntius in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, überreicht wurde, grüßt Franziskus die Teilnehmer „von Herzen“.

Der Papst erinnert sie daran, dass die Kirche nie aufhören solle, „Anwalt des Lebens“ zu sein, sowie den Schutz des menschlichen Lebens zu verkünden, „vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“, wie es in dem auf den 18. Januar datierten Schreiben heißt.

‪„Der Heilige Vater ermutigt die Teilnehmer des ‚Marsches für das Leben’‪‪ sich unermüdlich für den Aufbau einer Gesellschaft der Liebe und einer Kultur des Lebens einzusetzen“, erläuterte Ventura das Papstschreiben.

Der ‪„Marsch für das Leben 2017“ ist die elfte Veranstaltung in Folge, die von einem Kollektiv von Lebensrechtsvereinen organisiert wird, mit der Unterstützung des Nationalen Verbandes der katholischen Vereinigungen für die Familie.

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Quelle

Siehe auch:

Menschenrechtstag: Die Schweizer Kirchen erinnern an die Unverfügbarkeit der Menschenwürde

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Bönigen, Schweiz / Wikimedia Commons – Andrew Bossi, CC-BY-SA-2.5

Achtung und Schutz der Menschenwürde sind in vielen Bereichen eine bleibende Aufgabe: in Migration, Globalisierung und Welthandel, Klimawandel und Umweltschutz oder in schwierigen Situationen am Beginn und Ende des Lebens. Die Würde jedes Menschen ist dabei keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine Würde selbst garantieren kann, gilt Würdeschutz immer der und dem Anderen. Würdeschutz betrifft alle, überall auf der Welt. Diese Überzeugung betonen die römisch-katholische, die christkatholische und die reformierten Kirchen der Schweiz zum internationalen Menschenrechtstag am 10. Dezember.

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Zwischen Machen und Lassen

Zur Unverfügbarkeit der menschlichen Würde

«Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt»
2. Korinther 12,9 

Die Globalisierung und die rasanten technologischen Entwicklungen haben uns die Welt verfügbar gemacht. Im «globalen Dorf» gibt es kaum noch Regionen, auf die nicht von jedem beliebigen Standort aus zugegriffen werden kann. Satelliten- und Informationstechnologien machen jeden Winkel der Erde sichtbar, Biotechnologien erlauben tiefe Einblicke in das Leben selbst. Kaum etwas bleibt unbemerkt, fast alles erscheint wissenschaftlich erklärbar. Wir sind dabei, uns und unsere Umwelt restlos zu entzaubern, getrieben von der Idee, nichts mehr dem Zufall zu überlassen.

So jedenfalls stellt sich im Grossen und Ganzen die Welt für die Menschen auf der nördlichen Erdhalbkugel dar. Wir profitieren von den Errungenschaften der wissenschaftlich-technologischen Neugierde. Nicht nur unsere Lebenserwartung ist ständig angestiegen, sondern mit ihr auch unsere Lebensqualität. Problematisch werden diese Entwicklungen, wenn sie auf Kosten anderer gehen, denen dadurch der Zugang zu einer menschenwürdigen, lebensfreundlichen und gedeihlichen Existenz verbaut und unmöglich gemacht wird. Erst im globalen Kontext zeigt sich die prekäre Voraussetzung unserer Lebensweisen, bei der allein der Geburtsort, die Herkunft und das soziale Milieu darüber entscheiden, ob jemandem ein Leben auf der Sonnen- oder Schattenseite bevorsteht. Für die, denen es am Grundlegendsten mangelt, ist diese Vorentscheidung auf grausame Weise unverfügbar, weil sie auf die Rahmenbedingungen ihres Lebens keinen Einfluss haben. Der fortschreitende Klimawandel macht die unverfügbaren äusseren Lebensbedingungen für immer mehr Menschen zur nackten Überlebensfrage. In den Wohlstands- und Technologiegesellschaften der nördlichen Erdhalbkugel, die kaum noch etwas dem Schicksal überlassen, werden Erfahrungen von Unverfügbarkeit zur Ausnahme. Und die ethische Forderung nach Unverfügbarkeit wird zumeist als Störung wissenschaftlich-technologischer und ökonomischer Betriebsamkeit zurückgewiesen. Den Preis für diese Verfügungsmacht zahlen diejenigen, die Unverfügbarkeit in pervertierter Form als politische und ökonomische Ohnmacht erleben müssen: als Opfer himmelschreiender Gewalt und Ungerechtigkeit, gegenüber den Folgen des Klimawandels und als Machtlosigkeit derjenigen, die nicht mitreden und entscheiden dürfen.

Das gilt für Menschen in den ärmsten und von politischem Terror, Gewalt und Korruption verwüsteten Regionen unserer Welt ebenso, wie in anderer Weise für Embryonen und Föten bei uns, denen die fortpflanzungsmedizinische Diagnostik ein Leben mit Behinderung prognostiziert. Denn in beiden Situationen masst sich ein Teil der Menschheit völlig selbstverständlich an, über die Leben eines anderen Teils zu entscheiden: die Satten über die Hungernden, die Mächtigen über die Ohnmächtigen, die Geborenen über die Ungeborenen. Und es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Hochbetagten rechtfertigen müssen, mit der gleichen Selbstverständlichkeit, dem gleichen Respekt und den gleichen Rechten in unserer Gesellschaft leben zu dürfen, wie diejenigen, die ein souveränes und ökonomisch attraktives Leben führen.

Angesichts dieser Bedrohungen reichen wechselseitige Appelle an die Menschenwürde nicht aus. Stattdessen ist ein Umdenken nötig, dem ein anderes Handeln folgt. Das Diktat der Verfügbarkeit bestreitet der Würde ihren Platz in der Welt. Denn Würde verweist gerade darauf, was der menschlichen Verfügbarkeit auf immer entzogen bleiben soll. Die fixe Idee, alles machen zu wollen, lässt den Gedanken nicht zu, etwas zu lassen, weil es, so wie es ist, gut ist. Die Würde der Menschen und der Kreatur kann gerade nicht gemacht, sondern muss gelassen – zugelassen – werden. Die Würde kann nur anerkannt und geschützt werden, wenn der Machbarkeitswahn von einer Lassensbesonnenheit durchbrochen wird.

Es ist ein menschliches Merkmal, sich nicht selbst zu genügen. Der moderne Mensch hat daraus die Strategie abgeleitet, sich selbst auf allen Ebenen verbessern zu wollen. Das Christentum hat aus der gleichen Einsicht die umgekehrte Konsequenz gezogen und lässt sich von Gott mit den Worten an den Apostel Paulus zusprechen: «Meine Gnade genügt dir». Darin steckt bereits ein komplettes Würdekonzept. Meine Gnade genügt dir, bedeutet zugleich: Gottes Gaben sind genug! Die Begabung eines jedes Menschen ist seine je eigene Würde und entzieht sie als Gabe Gottes der menschlichen Verfügung. Gottes Gaben brauchen keine menschliche Perfektionierung. Gerade das in unseren Augen Unperfekte erweist sich aus der Perspektive Gottes als das unverfügbar Gute. Die Würde ist kein Merkmal des Gemachten, sondern ausschliesslich des Gegebenen. Dem Geschöpflichen den Titel der Würde zuzusprechen fordert uns nicht dazu auf, es nach unseren Vorstellungen zuzurichten, sondern vor Verletzung und Missachtung zu schützen. Das Ende der Unverfügbarkeit ist der Anfang der Entwürdigung.

Der Schutz der Würde ist keine Frage von Selbstbestimmung, sondern geht dieser stets voraus. Weil kein Mensch seine Würde selbst garantieren kann, gilt Würdeschutz immer der und dem Anderen. Würdeschutz ist universal oder gar nicht. Geschützt wird die universale Würde dann, wenn nicht nur die Ressourcen der Erde unter allen Mitgliedern der Menschheitsfamilie gerecht verteilt werden, sondern wenn auch die Bedrohungen und Sorgen gemeinsam wahrgenommen und angepackt werden. Darin stimmen Würde und Klima überein: Sie kümmern sich nicht um von Menschen gezogene Grenzen.

Die Bibel bringt diese Einsicht auf den Begriff der und des Nächsten. Es ist die Person, die weder nach ihrem Pass, ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer moralischen Integrität gefragt wird. Natürlich gilt das im Gleichnis vom barmherzigen Samaritaner für Menschen in Not. Aber diese produzieren unsere Machbarkeitslogiken täglich neu.

Bern und Freiburg, im Dezember 2016

(Quelle: Webseite der Schweizer Bischofskonferenz, 08.12.2016)

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Quelle

Schweiz: „Bei Verdacht auf Sterbehilfe kein Sterbesakrament“

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Priester am Sterbebett: Was tun?

Priester des Schweizer Bistums Chur sollen nach dem Willen von Bischof Vitus Huonder bei Verdacht auf Sterbehilfe auf die  Spendung des Sterbesakraments, der Krankensalbung, verzichten. Auch Palliativ-Fürsorge könne unter Umständen dem natürlichen Vorgang des Sterbens und damit Gottes Schöpferwillen widersprechen, schreibt der Bischof zum diesjährigen „Tag der Menschenrechte“ am kommenden 10. Dezember.

„Nicht wir bestimmen über Leben und Tod. Gott verfügt über unser Leben. Gott verfügt über unser Sterben“, schreibt Huonder. In seinem Hirtenbrief mit dem Titel „Humanes Sterben aus der Sicht des Glaubens“ beruft er sich auf den Katechismus der Katholischen Kirche und eine Vatikan-Erklärung zu Sterbehilfe aus dem Jahr 1980.

Angesichts eines „weit verbreiteten Gesinnungswandels bezüglich des humanen Sterbens“ stehe ein Priester heute nicht selten vor einer schwierigen seelsorgerlichen Situation, wenn er ans Sterbebett gerufen werde, so Huonder. Unter humanem Sterben verstehe man heute „die Bestimmung der Todesstunde durch die Vorkehrungen der sogenannten Sterbehilfe-Organisationen“.

Die „Bereitschaft zur Selbsttötung des Patienten und die Beihilfe Umstehender und Verwandter“ versetze einen Priester in eine „geradezu unmögliche Lage“, wenn er zur Spendung der Sakramente gerufen werde, schreibt der Bischof; „denn unter diesen Umständen sind die Voraussetzungen für deren Empfang nicht gegeben“. Oft könne der Seelsorger die Situation gar nicht mehr „genügend durchschauen“, wenn er zu einem späten Zeitpunkt zu einem Sterbenden gerufen werde. Der Priester solle sich dann dem Sterbenden im fürbittenden Gebet zuwenden und ihn Gottes Barmherzigkeit empfehlen.

(kna 03.12.2016 sk)

Siehe dazu:

Neue Statuten für die Päpstliche Akademie für das Leben

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Audienz Päpstliche Akademie Für Das Leben, 3. März 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Papst Franziskus ermuntert zur Zusammenarbeit mit Nicht-Katholiken

Im Rahmen der Reform der Organe der Römischen Kurie ist am Samstag die neue Satzung der Päpstlichen Akademie für das Leben veröffentlicht worden. Papst Franziskus unterzeichnete diese am 18. Oktober, worin zur Zusammenarbeit mit Nicht-Katholiken ermuntert wird. Ein neuer Abschnitt für junge Nachwuchsforscher von höchstens 35 Jahren wurde auch eingefügt.

Die Akademie mit Sitz im Vatikan wurde von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 errichtet und dient der Verteidigung und Förderung des Wertes des menschlichen Lebens und der Menschenwürde.

Die Statuten treten am 1. Januar 2017 in Kraft und geben Aufschluss über die Sendung der Akademie interdisziplinär Fragen zu untersuchen, die im Zusammenhang mit dem menschlichen Leben stehen; eine Kultur des Lebens aufzubauen; sowie klar und zeitnah über die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsaktivitäten zu informieren. Mitglieder werden nun nicht mehr auf Lebenszeit, sondern nur für fünf Jahre berufen.

Im Interview mit Radio Vatikan erklärte Bischof Vincenzo Paglia, Präsident der Akademie, dass der Papst sich von der Akademie wünscht, diese möge nicht auf ihren Bereich beschränkt bleiben, sondern vielmehr in das Herz der menschlichen Gesellschaft vordringen. Sie sollte den Horizont der Forschung ausbauen, hinsichtlich des Schutzes und der Verteidigung der Würde der menschlichen Person in den verschiedenen Lebensaltern und unter unterschiedlichen Lebensbedingungen, um die Lebensqualität zu fördern. Sie würden demnach nicht beim traditionellen Thema der Bioethik Halt machen, sondern sich mit ‪„sozialen, ökonomischen und ökologischen Auswirkungen“ beschäftigen.

Ein Anliegen des Instituts sei es, sagte Paglia, auch nicht-katholische Experten einzubeziehen, etwa Orthodoxe, Anglikaner, Protestanten, aber auch Juden oder Hindus, Buddhisten und Muslime. Die Voraussetzung sei, dass diese Mitarbeiter die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens anzuerkennen, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.

Die Aufgabe des Instituts ist in erster Linie eine ‪„wissenschaftliche“, besagen die neuen Statuten. Die Akademie müsse enge Kontakte zu wissenschaftlichen Instituten, Gesellschaften und Forschungszentren unterhalten, die sich mit lebensbezogenen Themen befassen.

Zusätzlich zu ihrer jährlichen Sitzung muss sie Kongresse und Kurse zu bioethischen Themen organisieren und in wichtigen Initiativen in der Welt im Zusammenhang mit diesen Themen teilnehmen. Sie muss die wichtigsten Strömungen des Denkens studieren, die auf die derzeitige Lebenskultur Einfluss haben.

Die Mitglieder werden ungeachtet ihres Standes, religiösen Bekenntnisses oder ihrer Nationalität berufen; dies sind Experten in Disziplinen mit Bezug zum menschlichen Leben wie Medizin, Biologie, Theologie, Philosophie, Anthropologie, Recht, Soziologie und weitere. Im Falle einer öffentlichen und vorsätzlichen Handlung oder Aussage, die eindeutig im Widerspruch zu deren Grundsätzen steht, können sie wieder abberufen werden. (mk)

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Quelle

Hervorhebungen von mir (POS)

„Kein Profit um den Preis der Würde des Menschen“ – Debatte an der UN

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Erzbischof Ivan Jurkovič in der Rolle des Moderatoren. Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva

Am 26. Oktober diskutierte bei den Vereinten Nationen in Genf eine zeitlich unbegrenzte internationale Arbeitsgruppe die Ausarbeitung eines international rechtsverbindlichen Dokuments über Menschenrechtsfragen, und wie diese internationale Konzerne betreffen.

Beraten wurde über die Einführung von Gesetzen, die es ermöglichen würden, länderübergreifende Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Umwelt, Nachhaltigkeit und Arbeitsrechte verantwortlich zu machen.

Der erste dokumentierte Arbeiterstreik der Welt fand im Jahr 12 v. Chr. in Ägypten statt. In westlichen Ländern wurde das Streikrecht im frühen 20. Jahrhundert eingeführt.

„Heute können sich die Arbeiter auch an die nationale Gerichtsbarkeit in den Ländern wenden. Eine weitere Möglichkeit für einen Arbeiter wäre der Weg über eine nationale oder eine internationale Gewerkschaft. Ein Fall kann auch vor unserer Organisation gebracht werden“, sagte Githa Roelands, Leiterin der Abteilung für multinationale Unternehmen und Unternehmensverpflichtung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization).

Gegenwärtig gibt es auf internationaler Ebene keine Möglichkeit, Unternehmen gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen. In der internationalen Rechtsordnung gibt es Lücken und Unebenheiten in Bezug auf die Handhabe der Menschenrechte seitens der Unternehmen.

Im Rahmen der internationalen Menschenrechte können Unternehmen nur für solche Menschenrechtsverletzungen direkt belangt werden, die internationale Straftaten gemäß des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs darstellen.

Experten fordern auch internationale Gesetze, um betriebliche Führungskräfte verantwortlich machen zu können.

Alfred-Maurice de Zayas, unabhängiger Experte zur Förderung einer demokratischen und gerechten Weltordnung erinnerte daran, dass es nicht nur Unternehmen und Regierungen seien die Menschenrechte verletzen: „Auch Geschäftsleute begehen sie. Wir wissen das von den Nürnberger Prozessen, wo sich Führungskräfte von Krupp und Flick und Tesch verantworten mussten und für schuldig befunden wurden, Straftaten begangen zu haben. Bisher haben wir kein Strafsystem für geschäftliche Führungskräfte. Ich finde, dass sich das ändern muss. Es sollte eine zivilrechtliche Haftung der Unternehmen geben, zivilrechtliche Haftung der Investoren, zivilrechtliche Haftung der Spekulanten, weil sich deren Handlungen durchaus auf Menschenrechte auswirken, und zwar oftmals sehr negativ.“

Die Organisatoren der Arbeitsgruppe hatten den Apostolischen Nuntius, ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Ivan Jurkovič gebeten, die Rolle des Moderators zu übernehmen.  Für ihn geht es nicht nur darum, neue Gesetze einzuführen, sondern ein Umdenken zu fördern ‚…sehr ähnlich der Position des Heiligen Stuhls, der das Allgemeinwohl als höchstes und einziges Gut betrachtet. Das bedeutet, dass das, was dem Wohl jedes Einzelnen dient, auch zum Wohl derer gereicht, die verkaufen, produzieren und Geld machen.'“

Papst Franziskus glaubt, dass das allgemeine Wohlergehen, wenn es nur im Dienst von Profit und Kapital steht, einzig und allein Exklusion hervorbringt.

Nuntius Jurkovič nannte es das Gleichgewicht von Geschäftstätigkeit und Verantwortlichkeit. „Manchmal kann man multinationale Organisationen beschuldigen, manchmal ist es ein viel komplexeres Problem. Letzten Endes finde ich es jedoch höchst interessant, dass es eine Art Prozess des kulturellen Wandels gibt.“

Unabhängig von zukünftigen Gesetzen kann man seine Kaufkraft benutzen, um Fairen Handel zu unterstützen, Unternehmen dazu zu bringen, das Richtige zu tun, und jene zu boykottieren, die Menschenrechte verletzen und die Umwelt schädigen. Der Druck der dadurch auf die Unternehmen ausgeübt wird kann dazu führen, dass sie Menschen und Umwelt über den Profit stellen.

Professor Michael Hopkins vom Finanzinstitut, London, Teilnehmer der Arbeitsgruppe:

„Ich denke, dem Erzbischof wird diese Aussage gefallen, weil sie zufällig aus der Bibel stammt, der Henry James Übersetzung. ‚Behandle andere grundsätzlich so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.'“

Zum ersten Mal kommt man bei den Vereinten Nationen mit einem rechtsverbindlichen Dokument voran, das hilft, Unternehmen für ihre Menschenrechtsverletzungen belangen zu können. Internationale Unternehmen – viele mit größerem Finanzhaushalt, als die Länder, in denen sie arbeiten – konnten sich bisher der Immunität erfreuen, wenn es darum ging, für verursachte Umweltschäden oder geforderte Menschenleben Verantwortung zu übernehmen.

Bei den Vereinten Nationen ist Ecuador an der Spitze des ‚Kampfes‘, um einen internationalen Vertrag und Standards zu schaffen, die diesen Zustand ändern.

In einem Interview mit dem lateinamerikanischen Fernsehsender TeleSur bestätigte letzten Juli die ständige Vertreterin bei den Vereinten Nationen und Leiterin der Arbeitsgruppe für die Erstellung des rechtsverbindlichen Papiers, Maria Fernanda Espinosa, Leiterin der UN Arbeitsgruppe, ständige Vertreterin Ecuadors bei den Vereinten Nationen in Genf, einen ’neuen Ton‘ bei den Vereinten Nationen.

„Man kann einen Willen erkennen, es gibt den Vorsatz, ‚ja‘ zu sagen, ‚wir brauchen Profit, wir müssen Geschäfte machen, aber nicht um den hohen Preis der Würde des Menschen und der Zerstörung der Natur. Wir können so nicht weitermachen.‘ Ich meine, wir brauchen andere Vorgaben, andere Werte, müssen mit einer anderen Betriebsethik vorgehen“ – so Espinosa aus dem TeleSur-Fernsehinterview.

„Ich denke, wir müssen mutig sein, in diesem Prozess dabei sein, sagte Ivan Jurkovic, Apostolischer Nuntius „der so sehr auf einer Linie ist mit der Ausrichtung und den persönlichen Empfindungen von Papst Franziskus. Ich freue mich sehr, dass man mich eingeladen hat und ich diese Arbeitssitzung moderieren durfte.“

Dieser Bericht wurde vom U.N.-Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency in Genf, verfasst. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins ‚Vatikano‘. Weitere Informationen zu Pax Press Agency unter www.paxpressagency.com

Papst beim Welternährungsprogramm: Die Rede

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Hier lesen Sie die Ansprache des Papstes bei der Jahresversammlung des Exekutivrats des Welternährungsprogramms (WFP) an diesem Montag, 13. Juni 2016, beim FAO-Sitz in Rom. (rv)

 

Ich danke der Exekutivdirektorin Frau Ertharin Cousin für die Einladung, die Jahreskonferenz 2016 des Exekutivrats des Welternährungsprogramms zu eröffnen, sowie für die Worte, mit denen sie mich willkommen geheißen hat. Ebenso grüße ich die Botschafterin Stephanie Hochstetter Skinner-Klée, die Vorsitzende dieser bedeutenden Versammlung, welche die Vertreter verschiedener Regierungen vereint, die aufgerufen sind, konkrete Initiativen zum Kampf gegen den Hunger zu ergreifen. Und indem ich Sie alle, die Sie hier zugegen sind, begrüße, danke ich für die vielen Anstrengungen und für das Engagement in einer Sache, die uns nicht unberührt lassen darf: im Kampf gegen den Hunger, unter dem viele unserer Brüder und Schwestern leiden.

Vor einigen Augenblicken habe ich vor der „Gedenkwand“ gebetet, einem Zeugnis für das Opfer, das die Mitglieder dieses Organismus gebracht haben, indem sie ihr Leben hingaben, damit auch in komplexen Situationen den Hungernden das Brot nicht fehlt. Es ist ein Gedenken, das wir bewahren müssen, um mit derselben Kraft für das so ersehnte Ziel des „Null Hunger“ weiterzukämpfen. Jene am Eingang dieses Hauses eingravierten Namen sind ein beredtes Zeichen dafür, dass das Welternährungsprogramm – weit davon entfernt, eine anonyme und formelle Struktur zu sein – ein wertvolles Instrument der internationalen Gemeinschaft ist, um immer kraft- und wirkungsvollere Aktivitäten zu entfalten. Die Glaubwürdigkeit einer Institution gründet sich nicht auf ihre Erklärungen, sondern auf die von ihren Mitgliedern verwirklichten Taten.

In der Welt hochgradiger Vernetzung und überbordender Kommunikation, in der wir leben, scheinen die geographischen Entfernungen zusammenzuschrumpfen. Wir haben die Möglichkeit, fast zeitgleich in Kontakt zu treten mit dem, was auf der anderen Seite des Planeten geschieht. Durch die Kommunikationstechnologien kommen wir vielen schmerzlichen Situationen näher, und diese Mittel können dazu beitragen (und haben es bereits getan), Gesten des Mitgefühls und der Solidarität auszulösen. Dennoch scheint diese durch die Information geschaffene augenscheinliche Nähe paradoxerweise jeden Tag rissiger zu werden. Das Übermaß an Information, über das wir verfügen, erzeugt allmählich eine „Naturalisierung“ des Elends. Das heißt, Schritt für Schritt werden wir immun gegen die Tragödien der anderen und bewerten sie als „natürlich“. Es sind so viele Bilder, die auf uns eindringen, dass wir den Schmerz sehen, ihn aber nicht berühren; dass wir das Weinen hören, ihm aber keinen Trost spenden; dass wir den Durst sehen, ihn aber nicht löschen. Auf diese Weise werden viele Leben zu einem Teil einer Nachricht, die alsbald durch eine andere abgelöst wird. Und während die Nachrichten sich ändern, ändern sich nicht der Schmerz, der Hunger und der Durst, sondern sie bleiben bestehen. Diese Tendenz – oder Versuchung – verlangt von uns einen weiteren Schritt und offenbart ihrerseits die grundlegende Rolle, die Institutionen wie die Ihre auf der Weltbühne spielen. Heute können wir uns nicht damit zufrieden geben, die Situation vieler unserer Brüder und Schwestern nur zu kennen; es reicht nicht, weitläufige Überlegungen zu entwickeln oder uns in endlose Diskussionen darüber zu vertiefen, indem wir ständig Klischees wiederholen, die alle bereits kennen. Es ist notwendig, das Elend zu „entnaturalisieren“ und aufzuhören, es als eine der vielen Gegebenheiten der Realität anzunehmen. Warum? Weil das Elend ein Gesicht hat. Es hat das Gesicht eines Kindes, es hat das Gesicht einer Familie, es hat das Gesicht von Jugendlichen und von alten Menschen. Es nimmt Gestalt an im Mangel an Möglichkeiten und Arbeit für viele Menschen, es nimmt Gestalt an in Zwangsmigrationen, verlassenen oder zerstörten Häusern. Wir dürfen den Hunger so vieler nicht „naturalisieren“; es ist uns nicht erlaubt zu sagen, dass ihre Situation das Ergebnis eines blinden Schicksals ist, angesichts dessen wir nichts tun können. Wenn das Elend aufhört, ein Gesicht zu haben, können wir der Versuchung erliegen, dass wir anfangen, über „den Hunger“, „die Ernährung“, „die Gewalt“ zu sprechen und zu diskutieren und dabei das konkrete, wirkliche Subjekt auszublenden, das weiter an unsere Türen Klopft. Wenn die Gesichter und die Geschichten fehlen, beginnen die Leben, sich in Zahlen zu verwandeln, und so laufen wir allmählich Gefahr, den Schmerz der anderen zu bürokratisieren. Die Bürokratien beschäftigen sich mit Akten; das Mitgefühl hingegen setzt sich persönlich ein für die Menschen. Ich glaube, dass wir in dieser Hinsicht noch viel zu tun haben. Zusammen mit allen Aktivitäten, die bereits entfaltet werden, ist es notwendig, dafür zu arbeiten, das Elend und den Hunger unserer Mitmenschen zu „entnaturalisieren“ und zu entbürokratisieren. Das verlangt von uns ein Eingreifen in Abstufungen und auf verschiedenen Ebenen, wo als Ziel unserer Bemühungen der konkrete Mensch steht, der leidet und Hunger hat, der aber auch einen unermesslichen Reichtum an Energien und Möglichkeiten in sich trägt, denen wir dazu verhelfen müssen, sich herauszukristallisieren.

Das Elend „entnaturalisieren“

Als ich anlässlich der 2. Welternährungskonferenz bei der FAO war, habe ich gesagt, dass eine der eklatanten Ungereimtheiten, die wir bedenken müssen, die Tatsache ist, dass genügend Nahrung für alle vorhanden ist, » aber nicht alle essen können, während die Verschwendung, die Vernichtung, der exzessive Konsum und der Gebrauch von Lebensmitteln zu anderen Zwecken uns allen vor Augen stehen « (Ansprache an die Vollversammlung der Konferenz [20. November 2014], 3).

Eines sei klargestellt: Der Mangel an Lebensmitteln ist nichts Natürliches; er ist weder ein einsichtiges noch ein selbstverständliches Faktum. Dass heute, mitten im einundzwanzigsten Jahrhundert viele Menschen unter dieser Geißel leiden, ist auf eine egoistische und schlechte Verteilung der Ressourcen zurückzuführen, auf eine „Kommerzialisierung“ der Lebensmittel. Die schlecht behandelte und ausgebeutete Erde gibt uns in vielen Teilen der Welt weiter ihre Früchte, bietet uns immer noch ihr Bestes; die hungrigen Gesichter erinnern uns aber daran, dass wir diese Früchte zweckentfremdet haben. Eine Gabe, die eine universale Bestimmung hat, haben wir zu einem Privileg weniger gemacht. Aus den Früchten der Erde – eine Gabe für die Menschheit – haben wir commodities für einige gemacht und auf diese Weise Ausschließung erzeugt. Der Konsumismus, der unsere Gesellschaften durchdringt, hat uns dazu geführt, uns an den Überfluss und die tägliche Verschwendung von Lebensmitteln zu gewöhnen, und manchmal sind wir nicht einmal mehr fähig, ihren eigentlichen Wert zu schätzen, der über ihre bloß wirtschaftlichen Parameter hinausgeht. Dennoch wird es uns gut tun, uns daran zu erinnern, dass die Nahrung, die man verschwendet, gleichsam vom Tisch des Armen, von dem, der Hunger hat, gestohlen ist. Diese Realität verlangt von uns, über den Verlust und die Verschwendung von Lebensmitteln nachzudenken, um Mittel und Wege zu finden, die das Problem ernsthaft in Angriff nehmen und so ein Ausdruck der Solidarität und des Teilens mit den am meisten Bedürftigen sind (vgl. Generalaudienz [5. Juni 2013]: L’Osservatore Romano [dt.] Jg. 43, Nr. 24 [14. Juni 2013], S. 2).

Den Hunger entbürokratisieren

Wir müssen in aller Ehrlichkeit eingestehen: Es gibt Fragen, die bürokratisiert worden sind. Es gibt Handlungen, die gleichsam „in Kisten verpackt“ sind. Die weltweite Instabilität, die wir erleben, ist allen wohlbekannt. In letzter Zeit sind die Kriege und die drohenden Konflikte das, was in unseren Interessen und Debatten den Vorrang hat. Und so scheint es, dass angesichts des breiten Spektrums existierender Konflikte die Waffen ein so ungewöhnliches Übergewicht erhalten haben, dass sie andere Weisen, Fragen über Streitpunkte zu lösen, völlig zurückgedrängt haben. Diese Präferenz ist mittlerweile so verwurzelt und akzeptiert, dass sie die Verteilung von Lebensmitteln in Kriegsgebieten behindert und damit sogar gegen die Prinzipien und die grundlegendsten Richtlinien des internationalen Rechtes verstößt, das seit vielen Jahrhunderten in Kraft ist. So stehen wir einem eigenartigen und widersinnigen Phänomen gegenüber: Während Hilfen und Entwicklungspläne von verwickelten und unverständlichen politischen Entscheidungen, abwegigen ideologischen Ansichten oder unüberwindlichen Zollschranken behindert werden, gilt das nicht für die Waffen. Ihre Herkunft ist gleichgültig; sie kursieren mit einer großspurigen und nahezu absoluten Freiheit in vielen Teilen der Welt. Und auf diese Weise sind es die Kriege, die ernährt werden, und nicht die Menschen. In einigen Fällen wird der Hunger selbst als Kriegswaffe benutzt. Und die Opfer vervielfachen sich, denn die Anzahl der Menschen, die vor Hunger oder Erschöpfung sterben, kommt zu jener der Kämpfer, die auf dem Schlachtfeld ihr Leben lassen, und jener der vielen Zivilisten, die in den Gefechten und Anschlägen umkommen, hinzu. Wir sind uns dessen vollkommen bewusst, lassen aber zu, dass unser Gewissen sich betäubt, und so machen wir es unsensibel. Auf diese Weise wird die Gewalt unsere einzige Handlungsweise und die Macht das endgültige zu erreichende Ziel. Die schwächsten Bevölkerungsschichten leiden nicht nur unter den kriegerischen Konflikten, sondern sehen zugleich jede Art von Hilfe behindert. Darum ist es dringend, alles zu entbürokratisieren, was verhindert, dass die Pläne für humanitäre Hilfen ihre Ziele erreichen. Darin haben Sie eine grundlegende Rolle, denn wir brauchen wirkliche Helden, die fähig sind, Wege zu öffnen, Brücken zu spannen und Prozeduren zu vereinfachen, bei denen es in erster Linie um das Gesicht des Leidenden geht. Auf dieses Ziel müssen ebenso die Initiativen der internationalen Gemeinschaft ausgerichtet werden.

Es geht nicht darum, Interessen in Einklang zu bringen, die in zentripetalen nationalen Ansichten oder in schändlichen Egoismen verankert bleiben. Es geht vielmehr darum, dass die Mitgliedsstaaten ihren wirklichen Willen zur Zusammenarbeit für diese Ziele entscheidend steigern. Wie wichtig wäre es aus diesem Grund, wenn die Politiker aller Mitgliedsländer beim Welternährungsprogramm an einem Strang zögen. Wie wichtig wäre es, wenn sie den effektiven Willen zur Zusammenarbeit entschieden steigerten, damit das Welternährungsprogramm nicht nur den Dringlichkeiten nachkommen, sondern auch gesichert nachhaltige Projekte verwirklichen sowie langfristige Entwicklungsprogramme fördern kann, entsprechend den Anträgen einer jeden Regierung und in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen der Völker.

Das Welternährungsprogramm zeigt mit seinem Weg und seiner Aktivität, dass es möglich ist, wissenschaftliche Kenntnisse, technische Entscheidungen und praktisches Handeln mit den Bemühungen zu koordinieren, Mittel zu sammeln und sie gerecht zu verteilen, das heißt unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Empfänger und des Willens der Geber. Diese Methode kann und muss in den am stärksten unterentwickelten und ärmsten Gegenden die angemessene Entwicklung des örtlichen Potenzials gewährleisten und nach und nach die externe Abhängigkeit beseitigen; zugleich gestattet sie, den Verlust von Lebensmitteln zu reduzieren, so dass nichts verschwendet wird. Kurz gesagt: Das Welternährungsprogramm ist ein wertvolles Beispiel dafür, wie man in der ganzen Welt arbeiten kann, um durch eine bessere Zuteilung der menschlichen und materiellen Ressourcen den Hunger auszurotten und zugleich die örtliche Gemeinschaft zu stärken. In diesem Sinn ermutige ich Sie voranzugehen. Lassen Sie sich nicht von der Ermüdung überwältigen und erlauben Sie nicht, dass die Schwierigkeiten Sie dazu bewegen, aufzugeben. Glauben Sie an das, was Sie tun, und tun Sie es weiterhin mit Begeisterung: Das ist die Art und Weise, wie der Same der Großherzigkeit kraftvoll aufkeimt.

Die katholische Kirche möchte in Treue zu ihrem Auftrag mit allen Initiativen einvernehmlich zusammenarbeiten, die für den Schutz der Menschenwürde – besonders derer, die in ihren Rechten verletzt sind – kämpfen. Damit diese dringende Priorität des „Null Hunger“ Wirklichkeit wird, versichere ich Sie unserer vollen Hilfe und Unterstützung, um alle unternommenen Anstrengungen zu fördern.

„Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben.“ In diesen Worten liegt eine der Maximen des Christentums. Es ist ein Satz, der jenseits der religiösen Bekenntnisse und der Überzeugungen als goldene Regel für unsere Völker angeboten werden könnte. In der Fähigkeit, sich des Hungers und des Durstes der Mitmenschen anzunehmen, bringt ein Volk die eigene Zukunft ins Spiel. An dieser Fähigkeit, dem Hungrigen und dem Durstigen zu helfen, können wir den Puls unserer Menschlichkeit messen. Darum hoffe ich, dass der Kampf gegen den Hunger und den Durst unserer Brüder und Schwestern – und den wollen wir gemeinsam mit ihnen ausfechten – uns weiter Anstoß gibt, damit wir kreativ nach Lösungen der Veränderung und Verwandlung suchen. Möge der allmächtige Gott die Arbeit Ihrer Hände mit seinem Segen unterstützen. Danke.

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