Weltweites Rosenkranzgebet mit Papst Franziskus am Samstag

Papst Franziskus an der Lourdes-Grotte in den vatikanischen Gärten (Archivbild)

Global im Gebet vereint um ein Ende der Pandemie: In diesem Anliegen findet am Vorabend des kommenden Pfingstsonntag in den Vatikanischen Gärten ein Rosenkranzgebet mit Papst Franziskus statt. Live – und auch auf Deutsch – übertragen wir die Marienandacht an der Lourdes-Grotte ab 17.30 Uhr in Wallfahrtsstätten der ganzen Welt, darunter Lourdes und Fatima.

Organisiert hat das Ereignis der Päpstliche Rat für Neuevangelisierung, es steht unter dem Titel „eifrig und einmütig im Gebet, zusammen mit Maria“ in Anlehnung an das Gebet der Urgemeinde, von dem die Apostelgeschichte erzählt (vgl. Apg 1,14).

Gebet für alle Leidenden an der Pandemie

Es handele sich um einen „Moment des weltweiten Gebets“ am Vorabend des Pfingstfestes mit dem Papst, an dem vor allem Familien beteiligt seien, heißt es in einer Erklärung des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung von diesem Dienstag. Franziskus wolle „die Schmerzen und Wehen der Menschheit, die durch die Ausbreitung des Covid-19-Virus weiter verschärft worden seien“, zur Gottesmutter tragen und diese um Fürsprache bitten.

Wallfahrtorte weltweit beten mit

Zugeschaltet seien „die größten Wallfahrtsorte auf allen fünf Kontinenten“, informiert die Note. In Europa sind dies zum Beispiel die Heiligtümer von Lourdes in Frankreich, Fátima in Portugal und Tschenstochau in Polen, in den USA Immaculate Conception in Washington, in Afrika der nigerianische Wallfahrtsort Elele und Notre-Dame de la Paix in Elfenbeinküste. In Lateinamerika sind unter anderem das Nationalheiligtum von Mexiko mit der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Guadalupe und der Pilgerort von Luján in der Heimat des Papstes, Argentinien, mit dabei.

Betroffene der Corona-Krise und Helfer beten mit dem Papst

Einzelne Teile des Rosenkranzes am Samstag würden von Vertretern verschiedener Gruppen gebetet, die in besonderer Weise von der Coronavirus-Pandemie getroffen wurden oder einen besonderen Einsatz leisten, informiert der Päpstliche Rat weiter. Papst Franziskus hatte für diese Menschen bei seinen Frühmessen in den letzten Wochen jeweils zum Gebet aufgerufen und ihr Wirken gewürdigt. Beim Rosenkranz mit dem Papst dabei sind ein Arzt und eine Krankenschwester, eine vom Virus geheilte Person, eine Trauernde, die ein Corona-Opfer in der eigenen Familie zu beklagen hat, ein Priester und eine Ordensschwester, die beide im Krankenhaus wirken, eine Apothekerin, eine Journalistin, ein Freiwilliger des Zivilschutzes mit Familie und eine junge Familie, die inmitten der Corona-Krise Nachwuchs bekommen hat.

Zu Sicherheits- und Hygieneregeln im Rahmen der Veranstaltung oder dem detaillierten Ablauf machte der Vatikan in der Erklärung keine Angaben. Es ist die erste größere Zusammenkunft des Papstes mit Gläubigen seit Beginn des Lockdown im Vatikan.

Unsere Live-Übertragung

Radio Vatikan überträgt das Gebet ab 17.30 Uhr mit deutschem Kommentar auf der Webseite vaticannews.de.

(vatican news – pr)

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Polizei stürmt Gottesdienst in Paris — Erzbischof Aupetit außer sich

Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit ballt eine Faust © Corinne Simon (KNA)

Wie jetzt bekannt wurde, haben bewaffnete Polizisten am vergangenen Sonntag einen Gottesdienst in Paris gestürmt. Wegen der Corona-Pandemie gelten in Frankreich strenge Regeln. Der Vorfall beschäftigt auch den Pariser Erzbischof.

„Wir waren zu siebt: ich, ein Messdiener, ein Sänger, ein Organist und drei Gemeindemitglieder, die die Fürbitten und die Lesungen vorlasen“, zitiert die Zeitung „Le Figaro“ den Priester. Die Messe in der Kirche Saint-Andre-de-l’Europe im achten Arrondissement wurde am Sonntag für die Gemeinde über die Sozialen Medien übertragen.

„Mitten in der Messe drangen drei bewaffnete Polizisten in die Kirche ein“, so der Geistliche. Er erinnerte an die Gesetzeslage, nach der außer der Feuerwehr Amtspersonen erst nach Aufforderung durch den Pfarrer eintreten dürften.

Die Polizisten forderten den Priester demnach auf, die Messe zu beenden; seine Weigerung nahmen sie zu Protokoll und verhängten eine Strafe. Die Beamten verlangten zudem, dass drei Gemeindemitglieder die Kirche verlassen.

„Sonst werden wir laut“

Der Vorfall beschäftigt auch den Pariser Erzbischof Michel Aupetit.

Er erinnerte am Mittwoch im Sender „Radio Notre-Dame“ an das „formelle Verbot für die Polizei, eine Kirche mit Waffen zu betreten“. Es gelte, auch während der Corona-Krise einen „kühlen Kopf“ zu bewahren und die Trennung von Kirche und Staat zu respektieren. „Sonst werden wir laut, (…) sehr laut“, so Aupetit.

Private Gottesdienste sind erlaubt

Auf Anfrage der Zeitung „Le Figaro“ stellte die Erzdiözese klar, dass private Gottesdienste erlaubt seien. Sie müssten nicht öffentlich hinter verschlossenen Türen gefeiert werden. Die Anwesenheit einiger Helfer für die Übertragung in Sozialen Medien sei nicht mit einer Versammlung oder einem Treffen gleichzusetzen.

Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, hatte Mitte März angeordnet, dass während der Corona-Krise keine Messen mit „großen Gemeinden“ gefeiert werden dürfen. Die Regeln zur Ausgangssperre in Frankreich erlauben Gläubigen, sich allein für das Gebet in eine Kirche zu begeben. Auch Beisetzungen mit bis zu 20 Personen sind gestattet.

(KNA)

Siehe auch den Bericht der Zeitschrift PRO – Christliches Medienmagazin

 

Vatikan öffnet Petersdom nach 68 Tagen wieder für Gläubige

Die Petersbasilika im Vatikan: Kirche des Papstes

Der Petersdom in Rom steht ab diesem Montag wieder für Gläubige offen. Das geht aus einem Beitrag der italienischen Ausgabe von Vatican News hervor. 68 Tage, fast zehn Wochen, waren Petersplatz und Petersdom geschlossen gewesen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu unterbinden.

„Alles ist bereit, um die Gläubigen zu empfangen, die ab Montag zum Gebet am Grab des heiligen Petrus zurückkehren können, unter Einhaltung der geltenden Vorschriften, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken”, heißt es in dem Bericht.

Demzufolge ist die Petersbasilika am Montagvormittag wieder zugänglich, allerdings nicht wie gewohnt um 7 Uhr. Um diese Zeit feiert Papst Franziskus in der Kirche die Gedenkmesse zum 100. Geburtstag des heiligen Papstes Johannes Paul II. Der Gottesdienst findet am Altar über dem Grab Johannes Pauls statt, das im rechten Seitenschiff in der zweiten Kapelle, neben der Pietà von Michelangelo, liegt.

Papst mahnt zur Befolgung von Sicherheitsmaßnahmen

Über das Feiern Heiliger Messen durch andere Priester und eventuelle Sicherheitsmaßnahmen dazu macht der Text auf dem italienischen Portal von Vatican News keine Angaben. Vor einigen Tagen hatte der Vatikan offiziell bekanntgegeben, er werde in Zukunft vor Papstmessen Thermoscanner einsetzen, um den teilnehmenden Gläubigen zu ihrem eigenen Schutz die Temperatur zu messen. Papst Franziskus selbst hatte beim Mittagsgebet an diesem Sonntag Gläubige, die in ihren Ländern wie etwa Italien nun wieder zu öffentlichen Messen gehen könne, zur skrupelhaften Befolgung von Sicherheitsauflagen gemahnt. Den Vatikan erwähnte er dabei nicht.

In den vergangenen Tagen war der Petersdom einer gründlichen Desinfektion in mehreren Phasen unterzogen worden. Auch Sankt Paul vor den Mauern und die Bischofskirche des Papstes, Sankt Johann im Lateran, stehen am Montag nach einer Grundreinigung wieder offen.

Der Vatikan hatte sich am Vormittag des 10. März dazu entschlossen, Petersdom und Petersplatz zu sperren, um niemanden zu gefährden. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie stand der Petersdom ausnahmslos an allen Tagen im Jahr offen.

(vatican news – gs)

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Pro & Contra: Alles nur Verschwörungstheorie?

24.04.2020, Spanien, Barcelona: Ein Krankenwagen fährt an einer fast menschenleeren Straße an der «Sagrada Familia» von Gaudi vorbei. Die sonst von Touristen überflutete Stadt ist im Zuge der Corona-Pandemie leer geworden. Die Übernachtungen in spanischen Hotels und Pensionen sind im März 2020 wegen der Corona-Krise um 61,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Der Einbruch dürfte im April noch wesentlich heftiger ausfallen, weil die Schließung der Hotels im März erst am 19. März mit einer Übergangsfrist von sieben Tagen angeordnet worden war. Spanien, das von der Covid-19-Pandemie besonders schwer getroffen ist, hängt stark vom Tourismus ab. Foto: Matthias Oesterle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

CHUR/ASTANA

Am Viganò-Aufruf „Veritas liberabit vos!“ scheiden sich die Geister. Ist es lediglich ein nicht ernst zu nehmendes Machwerk?

Covid19 verändert die Welt: Wo sonst Touristen vor Barcelonas Wahrzeichen Sagrada Familia lange Warteschlangen bilden, fährt ein Rettungswagen über den menschenleeren Platz. Foto: Matthias Oesterle (dpa)

Pro: Aus der Zeit gefallene Argumente

Von Martin Grichting

Zweifellos darf man staatliche Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona kritisieren, gerade auch wenn sie die Kirche betreffen. Denn Staaten haben Fehler gemacht. So wurde meist zu spät reagiert, was umso drastischere Eingriffe in die Freiheitsrechte zur Folge hatte, unter denen auch die Kirche schwer zu leiden hat. Peinliches staatliches Versagen spricht freilich dagegen, dass heimlich eine Verschwörung zur Etablierung einer Weltregierung im Gang sei oder eine „verabscheuenswürdige technokratische Tyrannei“ aufgerichtet werden solle, wie es im Aufruf „Veritas liberabit vos“ martialisch heißt.

Im Übrigen gehört es zur westlichen Rechtstradition, dass der Anklagende die Beweise vorlegt. Sie sind diesbezüglich nicht zu erkennen. Hier sind eher staatliche Überforderung und Improvisation als planmäßiges Vorgehen am Werk. Sogar das Prinzip der offenen Grenzen, eine heilige Kuh des EU-Binnenmarktes, musste Corona geopfert werden. Und wenn König Fußball weggesperrt wurde, zusammen mit der feingeistigen Musik- und Theaterkultur der so genannten Eliten, spricht auch dies nicht für eine finstere Verschwörung.

„Mit dem Willen Gottes politisch zu fechten,
war jedoch im 20. Jahrhundert nicht mehr praktikabel“

Dennoch ist es lobenswert, die Rechte der Kirche und der Gläubigen zu verteidigen. Es stellt sich allerdings die Frage, wie die Kirche dies unter den heutigen Rahmenbedingungen bewerkstelligen soll. „Veritas liberavit vos“ tut es in problematischer Weise. Der Aufruf beruft sich gegenüber dem demokratischen Rechtsstaat auf die „Souveränität der Kirche“ und „die Rechte Gottes“. Und er verneint rundheraus, dass Zivilbehörden ermächtigt seien, „ganz gleich in welcher Form Verbote oder Einschränkungen des öffentlichen Gottesdienstes und der Seelsorge zu verhängen“. Diese Rede atmet den Geist des „Ius Publicum Ecclesiasticum“ (IPE), einer argumentativen Verteidigungsstrategie der Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Diese Theorie ging davon aus, dass es nach Gottes Willen nebeneinander zwei souveräne höchste Gewalten gebe: den Staat und die Kirche. Jede bewege sich in ihrem Rechtskreis. Aus diesem Grund sei es dem Staat nicht erlaubt, sich in die Angelegenheiten des anderen Souveräns, der Kirche, einzumischen.

Mit dem Willen Gottes politisch zu fechten, war jedoch im 20. Jahrhundert nicht mehr praktikabel. Die Kirche hat sich deshalb durch das II. Vatikanische Konzil vom IPE verabschiedet und den gemeinsamen Bezugspunkt von Staat und Kirche in den Grundrechten, insbesondere in der Religionsfreiheit, gefunden. Diese liegen Staat und Kirche gleichermaßen voraus und stellen ihren „gemeinsamen Rechtsboden“ (Böckenförde) dar.

Dem entsprechend heißt es in der Erklärung „Dignitatis Humanae“ (DH), das Recht auf Freiheit in religiösen Dingen werde innerhalb der menschlichen Gesellschaft verwirklicht. Deshalb sei deren Ausübung umgrenzenden Normen unterworfen. Einschränkungen seien im Interesse der öffentlichen Ordnung möglich (DH 7). Gleichwohl reklamiert die Kirche für sich auch weiterhin ihre Freiheit und stellt fest: Werde das Grundrecht der Religionsfreiheit nicht nur mit Worten proklamiert, sondern sei es in der Praxis ernsthaft in Geltung, stehe dieses Grundrecht mit dem Recht der Kirche auf Freiheit in Einklang (DH 13).
Man sollte deshalb die Kultusfreiheit nicht mit Argumentationsmustern verteidigen, die aus der Zeit gefallen sind. Vielmehr muss dies auf dem gemeinsamen Rechtsboden der Grundrechte erfolgen. Man kann die Frage aufwerfen, ob im Zuge der Corona-Krise seitens der Kirche genügend eindringlich auf die Respektierung der Religionsfreiheit gepocht wurde. Denn der Kerngehalt auch dieses Grundrechts ist in einem Rechtstaat niemals einschränkbar. Es ist Aufgabe der Diplomatie und der Bischöfe, dies auf informellem oder offiziellem Weg an Regierungen, Parlamente und allenfalls an Gerichte heranzutragen. Zudem stehen allen Gläubigen politische und rechtliche Mittel zu Gebot, auch Petitionen. Nur sollte man dabei argumentativ auf der Höhe der Zeit sein und dem Ansehen der Kirche in einer säkularen Öffentlichkeit nicht durch Verschwörungstheorien Schaden zufügen.

 

 

Contra: Katalysator für ehrliche Debatte

Von Athanasius Schneider

Am 8. Mai 2020 wurde ein Text mit dem Titel „Ein Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens“ publiziert. Erstunterzeichner waren unter anderen drei Kardinäle, neun Bischöfe, elf Ärzte, zweiundzwanzig Journalisten und dreizehn Juristen. Es erstaunt, wie Vertreter sowohl des kirchlichen wie des politischen und medialen Establishments das Anliegen des „Aufrufs“ unisono gemäß dem herrschenden Einheitsdenken mit dem Totschlagargument der „Verschwörungstheorie“ diskreditierten, um somit jede weitere Diskussion im Keim zu ersticken.

Ich erinnere mich an ähnliche Reaktions- und Sprechweisen aus der Zeit der Sowjetdiktatur, wo Andersdenkende und Kritiker der herrschenden Ideologie und Politik der Komplizenschaft an der „Verschwörungstheorie“ des kapitalistischen Westens bezichtigt wurden. Die Kritiker des „Aufrufs“ weigern sich, die evidente Faktenlage zur Kenntnis zu nehmen, wie zum Beispiel den Vergleich zwischen der offiziell bestätigten Sterblichkeitsrate des gleichen Zeitraums bei der Influenza Saison 2017/18 und der aktuellen Covid-19 Epidemie in Deutschland, wobei die Sterblichkeitsrate der letzteren wesentlich geringer ist.

„Nur Diktaturen fürchten sachliche
Debatten bei Meinungsverschiedenheiten“

Es gibt Länder mit moderaten Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen zum Coronavirus, die deswegen keine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen. Wenn schon die Kenntnisnahme offensichtlicher Fakten und deren Diskussion als „Verschwörungstheorie“ abgestempelt wird, dann besteht für jeden noch selbstständig denkenden Menschen die begründete Besorgnis über das Vorhandensein subtiler Formen der Diktatur in unserer Gesellschaft. Die Eliminierung oder Diskreditierung von gesellschaftlichen Debatten und der Stimmen von Dissidenten ist bekanntlich ein Hauptmerkmal totalitärer Regime, deren Hauptwaffe gegen Dissidenten keine Sachargumente sind, sondern demagogische und publikumswirksame Rhetorik. Nur Diktaturen fürchten sachliche Debatten bei Meinungsverschiedenheiten. Der „Aufruf“ leugnet nicht die Existenz einer Epidemie und der Notwendigkeit, sie zu bekämpfen. Allerdings weisen manche der Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen ein Aufzwingen von Formen totaler Überwachung der Menschen auf, die unter dem Vorwand einer Epidemie gegen grundrechtliche Freiheiten und die staatliche Freiheitsordnung verstoßen.

Äußerst gefährlich ist dabei auch der angekündigte Impfzwang, der keine Alternativen zulässt, mit den vorauszusehenden Folgen der persönlichen Freiheitsbeschränkung. Die Bürger werden dadurch an Formen einer technokratischen und zentral dirigierten Tyrannei gewöhnt, wobei Bürgercourage, selbstständiges Denken und vor allem jede Widerstandskraft stark gelähmt werden. Ein in fast allen Ländern ähnlich gehandhabter Aspekt der Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen besteht im drastischen Verbot öffentlicher Gottesdienste, welcher in solch einer Unerbittlichkeit nur in Zeiten systematischer Christenverfolgungen vorhanden war.

Das absolut Neue dabei ist der Umstand, dass die Staatsgewalt der Kirche mancherorts sogar liturgische Vorschriften macht, was zum Beispiel den Ritus der Kommunionausteilung anbelangt, eine Einmischung in Angelegenheiten, die in die unmittelbare Zuständigkeit der Kirche fallen. Die Geschichte wird einmal mit Bedauern über Regime-Kleriker unserer Zeit berichten, die sogar solch eine Einmischung der Staatsgewalt untertänig akzeptiert haben. Die Geschichte hat es immer bedauert, dass in großen Krisenzeiten die Mehrheit geschwiegen hat und die Stimmen Andersdenkender erstickt wurden. Deshalb sollte man dem „Aufruf“ fairerweise wenigstens die Chance einräumen, ohne Furcht vor sozialen und moralischen Repressalien eine ehrliche Debatte anzustoßen, wie es in einer demokratischen Gesellschaft erforderlich ist.

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Frühmesse: Möge der Herr uns gnädig sein und diese Pandemie stoppen

Papst Franziskus bei der Frühmesse

Papst Franziskus hat an diesem Donnerstagmorgen erneut zum gemeinsamen Gebet aufgerufen, das vom Hohen Ausschuss für menschliche Brüderlichkeit lanciert wurde. Es handelt sich um eine Initiative, die die Überwindung der Corona-Krise fördern will. In seiner Predigt ging der Papst genauer darauf ein.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Frühmessen in dieser schwierigen Zeit des Coronavirus sind jeweils einer bestimmten Personengruppe gewidmet, die von der Pandemie betroffen ist. Die Morgenmesse an diesem Donnerstag, an dem die Kirche in Italien des heiligen Matthias gedenkt, war dem Aufruf zu Gebet, Fasten und Werken der Nächstenliebe gewidmet, der vom Hohen Ausschuss für menschliche Brüderlichkeit ausgesprochen wurde. Das Komitee wurde in der Folge des Treffens zwischen dem Papst und dem Großimam von Al Azhar in Abu Dhabi im vergangenen Jahr, bei dem sie ihr gemeinsames „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen“ vorgestellt hatten, gegründet. So erläuterte der Papst in seinen einleitenden Worten bei der Frühmesse in Santa Marta:

„Wir sind alle Geschwister. […] Und deshalb vereinen wir uns, Menschen aller Religionen und Konfessionen, im Gebet und in der Buße, im Fasten, um die Gnade der Heilung von dieser Pandemie zu erbitten.“

Heute feiert die Kirche in Italien den heiligen Matthias, darum die liturgische Farbe rot.
Heute feiert die Kirche in Italien den heiligen Matthias, darum die liturgische Farbe rot.

Niemand hat diese Pandemie erwartet

Als Lesung hatte der Papst diesmal nicht die Tagesliturgie ausgewählt, sondern die Stelle aus dem Buch Jona, in der der Prophet die Bürger von Ninive dazu einlädt, sich zu bekehren, um die Zerstörung ihrer Stadt zu verhindern. In seiner Predigt ging der Papst dann noch genauer auf den Gebets- und Fastentag ein, der an diesem Donnerstag weltweit begangen wird:

„Heute beten wir alle, Brüder und Schwestern jeder religiösen Tradition: ein ,Tag des Gebets und der Buße, der Reue, der vom Hohen Komitee für menschliche Brüderlichkeit einberufen wurde. Jeder von uns betet, die Gemeinschaften beten, die verschiedenen Konfessionen beten: sie beten zu Gott, vereint in der Geschwisterlichkeit, die uns in diesem Moment des Schmerzes und der Tragödie verbindet.“

Die Menschheit habe diese Pandemie nicht erwartet, aber „jetzt ist sie da“, betonte Franziskus:

„Und viele Menschen sterben, und viele Menschen sterben allein, viele Menschen sterben, ohne etwas dagegen tun zu können. Oft mag der Gedanke in den Sinn kommen: Aber mich betrifft das doch gar nicht, Gott sei Dank habe ich mich gerettet. Doch denken wir an die anderen, denken wir an die Tragödie und auch an die Folgen, die wirtschaftlichen Folgen, die Folgen für die Bildung, die Folgen dessen, was als nächstes passieren wird, und deshalb beten wir heute alle, Brüder und Schwestern jeder religiösen Konfession und Gemeinschaft, zu Gott.“

„Wir alle sind menschlich vereint wie Brüder, die zu Gott beten, entsprechend unserer Kultur.“

Der Papst ging auch auf Kritiker ein, die diese Initiative als religiösen Relativismus brandmarken und behaupten könnten, dass ein gemeinsames Beten der Religionen gar nicht gehe. Doch wie solle es nicht möglich sein, zum Vater aller zu beten, so die schlichte Antwort des Papstes darauf. „Wir alle sind als menschliche Wesen vereint, wie Geschwister, die zu Gott beten, entsprechend unserer Kultur, entsprechend unserer Tradition, entsprechend unserem Glauben“, so der Papst.

„Wir tun dies aber als Geschwister, die zu Gott beten, und das ist das Wichtigste: Geschwister, die fasten, die Gott um Vergebung unserer Sünden bitten, damit der Herr sich unser erbarmt, damit der Herr uns vergibt, damit der Herr diese Pandemie stoppt.“

Die Corona-Pandemie ist wie eine Flut gekommen

An diesem „Tag der Geschwisterlichkeit“ sei ersichtlich, dass man Pandemien nicht vorhersehen kann. Niemand hätte im vergangenen Herbst daran gedacht, dass ein kleiner Virus die ganze Welt stilllegen würde. Die Corona-Pandemie sei „wie eine Flut“ gekommen.

„Wichtig ist, dass wir heute gemeinsam, dank des Mutes derjenigen, die dieses hohe Komitee der menschlichen Brüderlichkeit gehabt haben, eingeladen wurden, alle gemäß unserer eigenen Tradition zu beten.“

„Und jetzt wachen wir ein wenig auf, aber es gibt viele andere Pandemien, die Menschen sterben lassen, und wir merken es nicht, wir schauen woanders hin.“

In diesem Zusammenhang zitierte der Papst eine offizielle Statistik, die jedoch nicht von der Coronavirus-Pandemie spricht, sondern von einer anderen:

„In den ersten vier Monaten dieses Jahres starben 3,7 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Das ist die Pandemie des Hungers. Denken wir auch an die anderen Pandemien in der Welt, an Kriege, an Hunger, viele andere: Wichtig ist, dass wir heute gemeinsam, und dank des Mutes dieses hohen Komitees der menschlichen Geschwisterlichkeit, eingeladen sind, alle gemäß unserer eigenen Tradition zu beten und einen Tag der Buße und des Fastens, aber auch der Nächstenliebe, der Hilfe für andere zu begehen.“

Der Papst schloss seine Predigt mit der Bitte an Gott, er möge diese und andere Pandemien stoppen. „Das erbitten wir als Brüder und Schwestern, alle zusammen. Möge Gott uns alle segnen und sich unser erbarmen.”

(vatican news)

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Kardinal Müller lehnt Gottesdienstverbote in Corona-Krise ab –„Verbannung der Liturgie“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch (Archiv) © Paul Haring (KNA)

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich gegen Gottesdienstverbote in der Corona-Pandemie ausgesprochen. „Das ist inakzeptabel“ und die Kirche sei „keine dem Staat untergeordnete Behörde“, betonte der Geistliche.

Das sagte er im Interview des italienischen Portals „Daily Compass„.

Gerade weil die Pandemie eine so große Tragödie für viele Menschen sei, habe sie die Pflicht, im Angesicht des Leids eine „Perspektive des ewigen Lebens, im Lichte des Glaubens“ anzubieten.

Mit einem Messverbot werde man dieser Aufgabe nicht gerecht und reduziere die Kirche zu einer bloßen Abhängigen des Staates, kritisierte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation.

„Verbannung der Liturgie“

Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus seien das eine. Die „Verbannung der Liturgie“ werte er hingegen als Beleg für „säkularistisches Denken“, das nun auch inmitten der Kirche angekommen sei. Das sei „etwas sehr Ernstes“, so der Kardinal. Denn kein Bischof habe das Recht, die Eucharistie derart einzuschränken.

Einige Bischöfe hätten Priester gar für Messfeiern mit wenigen Teilnehmern bestraft. „Das bedeutet, dass sie sich als Staatsbeamte wahrnehmen“, sagte Müller. „Aber unser oberster Hirte ist Jesus Christus, nicht Giuseppe Conte oder irgendein anderer Staatschef.“

Österreich: „Vorherrschend war Eindruck des Bravseins“

Ist schon wieder Geschichte: Ein menschenleeres Wien am 15. März (ANSA)

War das kirchliche Agieren seit Ausbruch der Corona-Pandemie allzu „brav“?

Der Leiter der Wiener Theologischen Kurse, Erhard Lesacher, hat zu dieser Frage auf den Eindruck vieler Gläubiger verwiesen, „dass hier relativ schmerzfrei Wesentliches wie z. B. der Gemeindebezug des Gottesdienstes aufgegeben wurde, dass staatliche Vorgaben vorauseilend übererfüllt wurden, dass sich die Kirche hinter ihre sicheren Mauern zurückgezogen habe“.

Kirche sei plötzlich zur „Kleruskirche“ geworden. Dass es in der Kirchenleitung ein Ringen um diese theologisch problematischen Entscheidungen gab, sei anzunehmen, aber nach außen nicht wirklich deutlich geworden, so Lesacher in einem Beitrag für „theocare.network“, den Corona-Blog der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät. „Vorherrschend war der Eindruck der Schmerzfreiheit und des Bravseins. Für letzteres wurde die Kirche von der Regierung ja auch ausdrücklich gelobt.“

Entscheidungen mit „teilweise eminenten theologischen Implikationen“

Der Theologe, der in der Erzdiözese Wien seit fast 30 Jahren für theologische Erwachsenenbildung verantwortlich ist, bezeichnete es als „zweifellos absolut zu begrüßen“, dass die Kirche Richtlinien auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse beschließt. Da Virologen, Juristen usw. in ihrer Beratung tendenziell auf „Nummer sicher“ setzen, seien manche Entscheidungen eher vorsichtig ausgefallen.

Auch die Kirche habe unter Zeitdruck rasch Maßnahmen treffen müssen, anerkannte Lesacher. Er teile die Ansicht Kardinal Christoph Schönborns, der gegenüber „Strafe-Gottes-Theorien“ festhielt, dass Seuchen einen natürlichen Ursprung haben und mit medizinischem Sachverstand bekämpft werden müssen. Der Fortsetzung des Erzbischofs: „Da kann die Theologie nicht mitreden …“ könne er aber nicht zustimmen, so Lesacher. Auf der Basis von z. B. virologischen Erkenntnissen treffe die Kirchenleitung notwendige Entscheidungen, die „teilweise eminente theologische Implikationen“ hätten. Virologen könnten im Kontext der Kirche somit keine exklusive Deutungshoheit haben, merkte der Wiener Theologe an.

„Leibloser Glaube“ ist unchristlich

Lesacher hielt fest: „Social distancing steht diametral gegen die christliche Grundüberzeugung, dass Gott Communio (Gemeinschaft, Anm.) ist.“ Ein „leibloser Glaube“ sei fragwürdig, die Kirche – auch „Leib Christi“ genannt – als ganze sowie all ihre Sakramente hätten eine physische, leiblich erfahrbare Komponente. Es sei somit ein erhebliches Problem für eine Glaubensgemeinschaft, wenn auf längere Zeit gerade diese physische Komponente nicht gelebt werden kann. Lesacher berief sich auf Papst Franziskus, demzufolge eine Gottesbeziehung ohne Kirche, ohne Gemeinschaft der Gläubigen und ohne Sakramente „gefährlich“ sei.

Skeptische Frage des Theologen: „Werden die Gläubigen wieder in die Kirche strömen, oder werden sie das eingeübte Social distancing gegenüber der Kirche aufrechterhalten?“ Wenn die gegenwärtige Neuausrichtung der Kultur als irreversibler Schritt hin zur künftigen „Digital-Tele-Ferngesellschaft“ gedeutet wird, könne das für die Kirche „sicher kein Zukunftsmodell“ sein. Jenen, die sich zuletzt von gestreamten Gottesdiensten begeistern ließen, stehen laut Lesacher jene gegenüber, die auf Hauskirche setzen „und sich nicht digital abspeisen lassen wollen“. Nachbemerkung: „Allerdings setzt Hauskirche ein gewisses Maß an Kenntnis von (biblischen) Texten und liturgischen Abläufen voraus, das aber nicht allgemein verbreitet ist.“

Krise verschärft Ungleichheit

Für den Leiter der Theologischen Kurse stellen sich im Zusammenhang mit der Corona-Krise auch Fragen jenseits gelebter Religiosität, die theologische Reflexion erforderten. So die Tatsache, dass die Pandemie Ärmere härter treffe als Reiche: Arbeitslos etwa würden weniger jene, die ins Home-Office ausweichen können, sondern überwiegend weniger Qualifizierte. Anfängliche Rufe nach Grundeinkommen, Schuldenerlass und weltweites Ende aller Kriege seien rasch verhallt. „Werden die Heldinnen und Helden des Corona-Alltags wirklich nachhaltige, auch finanzielle Anerkennung erhalten, wie zuletzt von Bundeskanzler Kurz angedeutet?“, fragte Lesacher.

Das Ende der Globalisierung?

Manche sähen mit der Corona-Krise das Ende der Globalisierung, der Massenmobilität und des „Mythos (Wirtschafts-)Wachstum“ gekommen, demgegenüber Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel und neue Chancen für den vom Neoliberalismus zerrütteten Sozialstaat. Lesacher bleibt demgegenüber skeptisch: Vielleicht werde ja der Finanzmarkt als erster gerettet, und vielleicht setze der Staat mehr auf digitale Kontrolle als auf Stärkung von Eigenverantwortung und Zivilgesellschaft? Der Theologe sieht durchaus die Gefahr, „dass das Klima und die globale Gerechtigkeit auf der Strecke bleiben“.

Der bald 80-jährige Kursbetrieb der Theologischen Kurse war nur in den letzten Kriegstagen 1945 für ein paar Wochen unterbrochen, erinnerte deren Leiter. Die jetzige Pause werde vermutlich länger dauern als die damalige. Auch wenn die Anfang Oktober geplante 80-Jahr-Feier coronabedingt beeinträchtigt sein sollte, werden die Theologischen Kurse unbeirrt zur Reflexion über die großen Fragen des Lebens und des Glaubens einladen, kündigte Lesacher an: „Ich bin davon überzeugt, dass Bildung, Nachfragen, Infragestellen und Lernen auch nach Corona stark gefragt sein wird.“

(kap – sk)

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