Kardinal Woelki rät von Anpassung des Glaubens an Zeitgeist ab

Bild: (c) katholisch.de Archivbild

„Vielstimmiger Chor“ versuche Offenbarung Gottes zu relativieren

Nur der Glaube, wie er von den Aposteln grundgelegt und durch die Zeiten hindurch bewahrt worden sei, garantiere, „dass wir nicht Irrlichtern aufsitzen und von ihnen in die Irre geführt werden“, mahnt Kardinal Rainer Maria Woelki.

Köln – 06.01.2020

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki rät von einer Anpassung des christlichen Glaubens an den Zeitgeist ab. In der Vielfalt von Heilsangeboten heutzutage scheine selbst in der Kirche eine Orientierung auf das wahre Heil schwer geworden zu sein, sagte er laut Redemanuskript anlässlich des Fests der Heiligen Drei Könige am Montag im Kölner Dom. Ein „vielstimmiger Chor von Meinungen, persönlichen Anschauungen und Interessen“ versuche dort derzeit die Offenbarung Gottes und den Glauben der Kirche zu relativieren und an die Zeit anzupassen.

„Wer keine Ausrichtung mehr hat, verliert die Richtung“

Ein solcher Glaube aber stelle keine überzeugende Alternative zu den anderen Angeboten mehr dar, so der Kardinal. „Wer keine Ausrichtung mehr hat, verliert die Richtung. Und wer die Richtung verliert, verliert das Leben; der verliert seine Relevanz als eine echte, ernstzunehmende Alternative im Konzert säkularer Stimmenvielfalt.“ Nur der Glaube, wie er von den Aposteln grundgelegt und durch die Zeiten hindurch bewahrt worden sei, garantiere, „dass wir nicht Irrlichtern aufsitzen und von ihnen in die Irre geführt werden“, sagte Woelki.

Wie die Heiligen Drei Könige sollten Christen auch heute allein und ausschließlich Christus als das Licht der Welt suchen, verkünden und preisen. Dieses Licht, in dem sich die Wahrheit und das Leben Gottes offenbare, drohe heute in den Herzen vieler Menschen mehr und mehr zu verlöschen, so der Kardinal.

Am 6. Januar feiert die katholische Kirche traditionell das Fest Epiphanie (Erscheinung des Herrn). Im Volksmund wird es auch Heilige Drei Könige genannt. Nach einer Legende wurden deren Gebeine zunächst in Konstantinopel aufbewahrt. Später sollen die sterblichen Überreste nach Mailand gelangt sein. Der Kölner Erzbischof und Reichskanzler von Kaiser Barbarossa, Rainald von Dassel, überführte die Gebeine 1164 nach Köln, wo sie verehrt und im sogenannten Dreikönigenschrein aufbewahrt werden. (KNA)

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Quelle

Papst: Reife im Glauben überzeugt

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Papst spricht vor dem römischen Klerus

Was es heißt, im Glauben zu wachsen – um diese Frage kreiste eine Meditation des Papstes an diesem Donnerstag vor Priestern in Rom. Die traditionelle Begegnung mit dem römischen Klerus zum Beginn der Fastenzeit fand in der Lateranbasilika statt. Der Papst las einzelne Passagen des vorbereiteten Redetextes vor und wandte sich zwischendurch in freier Rede an seine Zuhörer. Der Redetext wurde jedoch im Volltext an die versammelten Kleriker ausgeteilt. Der Papst begann seine Ansprache etwas später als vorgesehen, weil er zuvor spontan noch einigen Priestern die Beichte abnahm. Die Papstrede fassen wir im Folgenden zusammen.

Erinnern, hoffen, unterscheiden

Ohne Reife im Glauben können Priester auch keinen Glauben vermitteln – schrieb der Papst seinen Zuhörern gleich zu Beginn seiner langen Meditation ins Stammbuch. Basis für ein solides Wachstum im Glauben seien Erinnern, Hoffen und Unterscheiden: Erinnern verstanden als Bewahren der kirchlichen Geschichte und Lehre, Hoffen im Sinne einer Orientierung am Beispiel Jesu und Unterscheiden als eine Art „Kompass“ des christlichen Wirkens.

Zur Reife im Glauben gehöre nicht nur das Vorwärtsgehen, sondern auch der Blick zurück, hebt Franziskus die Bedeutung der Erinnerung hervor. In der Vergangenheit gilt es „Schätze“ zu heben, im Rückgriff auf die „Wurzeln des Glaubens“ lägen „Schlüssel, um die Gegenwart zu verstehen“: „Je deutlicher die Erinnerung der Vergangenheit ist, umso klarer öffnet sich die Zukunft, denn so lässt sich der wirklich neue Weg erkennen und von anderen bereits gegangen Sackgassen unterscheiden. Der Glaube wächst mit der Erinnerung, indem man die Dinge mit der wirklich erlebten Geschichte unserer Väter und des ganzen Gottesvolkes, der ganzen Kirche verbindet.“ In der Feier der Eucharistie werde diese Erinnerung bewahrt, hält der Papst fest.

Aus der Hoffnung stützt sich der Glaube, fährt der Papst fort, sie gebe dem Glauben „Frische“ und einen „Horizont“. Mit Imagination oder Wunschdenken habe das allerdings nichts zu tun, vielmehr mit der Fähigkeit, stets Jesu Auftrag im Leben zu erkennen: „Hoffnung bedeutet, im Angesicht der Armen, denen ich heute begegne, denselben Herrn erkennen zu können, der eines Tages kommen wird, um uns zu richten – laut dem Protokoll, von dem Matthäus berichtet: ,Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Abstraktion ja, aber nur als ein Mittel

Der Unterscheidung, einem Grundbegriff bei Ignatius von Loyola, räumt der Jesuit Franziskus viel Platz in seinen Ausführungen ein. „Der Fortschritt des Glaubens in der Erinnerung und in der Hoffnung ist am meisten entwickelt. Der Fixpunkt der Unterscheidung hingegen vielleicht nicht allzu sehr“, so Franziskus, der hier Nachholbedarf für die Kirche sieht: „Es mag selbst scheinen, dass es keine Unterscheidung brauche, wo es Glauben gibt: man Glaubt und das ist alles. Das aber ist gefährlich.“

Franziskus übt an dieser Stelle Kritik an einer „rein intellektuellen“ Glaubenspraktik, die in „Reflexionen und abstrakten Formulierungen“ erstarrt. Abstraktion sei ein Moment des Denkens, ein Mittel, erinnert er, Glaube aber öffne sich dem Tun, sei aktiv und „wirksam“, auch „kreativ“ und ziele auf ein „größeres Gemeinwohl“, eine „größere Hoffnung“. Zielpunkt der Unterscheidung sei schließlich das Werk am Nächsten: „Das gemeinschaftliche Flehen der Jünger ,Stärke uns den Glauben!‘ (Lk 17,6) beinhaltet das Bewusstsein darum, dass der Glaube ein gemeinschaftliches Gut ist“, so der Papst. Und weiter: „Das Gute für den Anderen zu suchen lässt uns riskieren.“

Keine Fixierung allein auf Lehre 

Ebenso könne es nicht darum gehen, sich allein auf die kirchliche Lehre zu fixieren, so Papst Franziskus weiter, der erneut aus Evangelii gaudium zitiert. Glaubensstärkung und -bildung dürfe nicht allein auf doktrinelle Schulung zielen, Priester bräuchten immer wieder glaubensnährende Momente der „Begegnung mit dem Herrn“, die durch eine Erfahrung der „unerfüllten Fülle“ gekennzeichnet seien: Unerfüllt, weil der Weg der persönlichen Reifung noch nicht beendet sei, Fülle, weil in diesen Momenten „alles enthalten“ sei. Dieser Prozess der Reifung gelte für Seminaristen wie Priester, für Missionare wie Bischöfe, so der Papst. Franziskus zieht an dieser Stelle den Begriff der „missionarischen Jünger“ aus dem Dokument der historischen Bischofsversammlung von Aparecida heran.

Für eine dynamische, freudige Kirche

Prüfstein für ein solchermaßen auf den Nächsten und aufs Leben gerichtetes Zeugnis sei die Unterscheidung, so der Papst. Und grundsätzlicher hält er fest: „Die Unterscheidung sieht zuerst das an, was unserem Vater gefällt, ,der auch das Verborgene sieht‘ (Mt 6,4.6), sie folgt nicht den perfektionistischen Modellen der kulturellen Paradigmen.“ Hierbei gehe es nicht allein darum, der „Verführung des ersten Impulses, etwas sofort lösen zu wollen“ zu widerstehen. Unterscheiden meine eine grundsätzliche Haltung, die für den Papst mit Freude und Dynamik zu tun hat. So grenzt Franziskus in seiner Meditation den Begriff auch von all dem ab, was lähmt: Pessimismus, mangelndes Vertrauen, der Fixierung auf die eigenen Schwächen, dem vorschnellen Sich-Geschlagen-Geben. Und er sieht im „Hinausgehen“ mit „Freude“ die „Gnaden“ einer Kirche, „um die ich heute am meisten bitte und bitten lasse“.

Simon Petrus als Beispiel 

Am konkreten Beispiel des Simon Petrus veranschaulicht der Papst im zweiten Teil seiner Beitrags, was Wachstum des Glaubens bedeute. Der Glaube des Apostels, der Jesus zunächst verleugnete, war am Ende ein gereifter, geprüfter Glaube – zahlreich waren die Versuchungen, denen er ausgesetzt war. Petrus könne so aufzeigen, dass „auch die Sünde selbst in den Fortschritt des Glaubens“ eingehen kann, so Franziskus. Und daraus leitet er ab: „Es ist wichtig für einen Priester, dass er die eigenen Versuchungen und eigenen Verfehlungen in das Gebet Jesu einzugliedern versteht, dass unser Glaube nicht schwinde, sondern reife und dazu diene, seinerseits den Glauben derjenigen zu stärken, die ihm anvertraut sind.“

Dies bedeute auch, dass die eigene Fehlbarkeit einen Dienst am Nächsten nicht ausschließe, erinnert der Papst. Ein Priester sei ein Mann Gottes und ein fehlbarer Mensch zugleich: „Ein Priester oder ein Bischof, der sich nicht als Sünder fühlt und nicht beichtet, schließt sich in sich selbst ab und wächst nicht im Glauben.“ Und weiter: „Wenn wir den Glauben der anderen stärken, tun wir das als Sünder. Und wenn wir sündigen, beichten wir als das, was wir sind: Priester, und unterstreichen, dass wir eine Verantwortung gegenüber den Menschen haben, wir sind nicht wie alle.“

(rv 02.03.2017 pr)

Sich die Vergangenheit erinnern, um voranzugehen

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Papst Franziskus, Geburtstagsmesse, 17. Dezember 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Papstpredigt in der „Paulinischen Kapelle“ am Samstag

Sich der Vergangenheit erinnern, um vorwärts zu gehen. Dies empfahl Papst Franziskus in der an seinem Geburtstag in der „Paulinischen Kapelle“ im Vatikan mit den in Rom wohnenden Kardinälen gefeierten Messe.

Während Weihnachten immer nähe komme, lade die Liturgie vom Samstag ein zum Innehalten, so der Papst. Das Tagesevangelium, in dem Matthäus die Genealogie Jesu darstellt (1,1-17), möge vielleicht „ein wenig langweilig“ klingen, aber es erzähle die Geschichte von Gott, „der mit uns gehen will“, so erklärte der Papst.

„Die Auserwählung, das Versprechen und das Bündnis sind wie die Säulen der christlichen Erinnerung, dieses Zurückblicken, um voranzugehen“, so richtete sich der Papst an die Kardinäle.

„Woher kommen wir, unsere Väter, unsere Vorväter, der Glaubensweg…“, darum gehe es: das erinnern, was der Herr „für uns getan hat, für die Kirche, in der Heilsgeschichte“, das „so große Gut, das wir erhalten haben.“

Deswegen lud er die in der Heiligen Stadt residierenden Purpurträger dazu ein, um die ‪„Gnade der Erinnerung“ zu bitten. Im Leben gebe es sowohl Momente „der großen Treue zu Gott, der Freude am Dienen“ sowie einige „schlimme Momente der Untreue, der Sünde, die uns spüren lässt, dass wir Rettung brauchen“, erläuterte der Papst an seinem 80. Geburtstag.

Am Ende der Feier dankte Franziskus den anwesenden Kardinälen, insbesondere dem Kardinaldekan und ehemaligen Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano für die Glückwünsche.

Er erzählte den Kardinälen, ihm komme seit einigen Tag ein Wort in Erinnerung, das hässlich scheine: das Alter. „Macht Angst, mindestens, macht Angst“, so sagte er mit Sinn für Humor, während er noch hinzufügte, er habe das Buch „De senectute“ („Über das Alter“) von Marcus Tullius Cicero geschenkt bekommen.

„Aber wenn man (das Alter)  als jene Lebensphase betrachte, die dazu dient, um Freude, Weisheit, Hoffnung zu geben, dann beginnt einer, erneut zu leben“, so sagte er, während er die Kardinäle bat, dafür zu beten, dass sein Alter mit den Worten Hölderlins „ruhig, religiös und fruchtbar“ sein möge. „Und auch freudig“, fügte er noch dazu.

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