IVAN POJAVNIK [Priester]: DAS MYSTERIUM DES KONZILS – 1. Band

archiv - eroeffnungsgottesdienst des zweiten vatikanischen konzils im petersdom. im hintergrund auf dem thron mit dem baldachin von bernini, papst johannes xxiii (archivfoto vom 11. oktober 1962). das vaticanum ii leitete eine reihe von reformen ein. was ist von diesem neuaufbruch 50 jahre danach geblieben? nicht mehr viel, meinen viele kritiker. foto: gerhard rauchwetter (zu dpa «50 jahre nach dem konzil: viele traeume platzten» vom 02.10.2012) +++(c) dpa - bildfunk+++

Eröffnungsgottesdienst des Zweiten Vatikanischen Konzils im Petersdom. Im Hintergrund auf dem Thron mit dem Baldachin von Bernini, Papst Johannes XXXIII. (Archivfoto vom 11. Oktober 1962).

Allgemeine Vorbemerkungen

Das Werk von Prof. Dr. Ivan Pojavnik wurde aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt, wobei sich die Übersetzer bemühten, möglichst nahe an die Urtexte heranzukommen, und zugleich der deutschen Sprache gerecht zu werden. Dies war auch deshalb notwendig, weil viele der Begriffe exakt gefaßt werden mußten, damit sie den genauen Inhalt wiedergeben konnten. Eine große Schwierigkeit bestand darin, daß die Sprache der Päpste oft sehr lange Satzperioden enthält, die wörtlich nicht wiederzugeben sind. Die Übersetzer bemühten sich darum, diese Perioden so aufzugliedern, daß der genaue Sinn dessen ausgesprochen wurde, den es zu über­mitteln galt.

Eine weitere Schwierigkeit boten die Fußnoten. Ein Teil der Fußnoten wurde durch frühere Übersetzungen aus verschiedenen Dokumenten und Quellen wie­dergegeben. Diese kann man sehr häufig am Sprachstil erkennen. Ein anderer Teil der Fußnoten wurde zum ersten Mal oder auch neu übersetzt. Auf diese Art und Weise wurde den Fußnoten die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet wie dem ge­samten Buchtext.

Die Texte der vielen päpstlichen Zitate sollten es ermöglichen, daß der Leser einen tiefen Einblick in das Lehramt der Katholischen Kirche bekommt. Er sollte dadurch die Lehre der Katholischen Kirche besser und tiefer kennen lernen und seinen Glauben festigen, um in den kommenden Stürmen treu sein zu können. ­Außerdem ist eine wahre kirchliche Erneuerung des christlich-katholischen Lebens nur durch den Glauben und seine Kenntnis möglich.

Durch die vielen Zitate im Text und in den Fußnoten werden die Aussagen des Buches durchsichtig gemacht und sauber belegt. Sie stellen dem Leser außerdem neue Quellen hervorragender Aussprüche der Päpste zur Verfügung, die in den jetzigen historischen außerkirchlichen und innerkirchlichen Auseinandersetzungen große Hilfen anbieten können.

Dank gebührt dem Übersetzer Herrn Thomas Lutzi, den Bearbeitern Herrn Kaplan Michael Kühn und Pater Otto Maier und den Korrekturlesern Frater Domi­nik Höfer und Frater Manfred Hiener.

Wir versenden das Buch allen unseren Freunden gratis, um ihm eine große Verbreitung besonders unter den Priestern zu ermöglichen. Zugleich bitten wir unsere Freunde, uns durch eine Spende zu helfen, damit die Kosten und das Porto bezahlt werden können, die durch diesen Versand auf uns lasten.

Man kann das Buch auch im Buchhandel erwerben. Die Nummer für das Buch lautet: ISBN „3-924413-13-4“. Jeder Buchhändler nimmt die Bestellung entgegen.

 

Zum Autor

Ivan Pojavnik wurde 1943 in Sempeter pri Gorici in Slowenien geboren. Er studierte an der theologischen Fakultät in Ljubljana (Laibach) (1962/63 und 1964/65) und an der Universität Gregoriana in Rom (1965-1971), wo er das Lizen­ziat in Philosophie und Theologie erwarb. 1970 zum Priester geweiht, kehrte er im folgenden Jahr in seine Heimat zurück. Er war in der Pastoral tätig und gleichzeitig Assistent am Lehrstuhl für christliche Literatur an der theologischen Fakultät in Laibach.

In seinen Studien konzentrierte sich der Autor auf die Kirchenväter, insbesonde­re auf die drei Kappadozier „Basilius der Große, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa“ und Origenes. Mit seiner Dissertation „Clovek na meji dveh vesolij. Nekateri vidiki iz teoloske antropologije sv. Gregorja iz Nise“ (Ljubljana 1975) 1 promovierte er zum Doktor der Theologie. 1978 wurde der Verfasser zum Dozent für Patristik und Dogmengeschichte an der theologischen Fakultät in Laibach ernannt; diesen Lehrstuhl hatte er bis September 1992 inne.

Nach seiner Promotion hat der Autor neben dem Studium der Kirchenväter die ersten Ökumenischen Konzilien und die Entwicklung der Theologie im Mittelalter und Neuzeit untersucht. Nach dem Abschluß dieses Studiums hat er sich dem Zweiten Vatikanischen Konzil zugewandt, indem er das Konzil im Lichte des fast zweitausendjährigen Lehramtes der Kirche betrachtete. Insbesondere berücksichtigte er dabei die Aussagen der letzten Nachfolger des heiligen Petrus, die sich persönlich in den geistigen Höhen der großen Kirchenväter bewegt haben und bewegen und in bewundernswerter Weise die apostolische Überlieferung aktualisieren. Indem er aus diesem umfangreichen Schatz des Lehramtes schöpfte, hat sich der Verfasser über mehrere Jahre hinweg bemüht, sich durch Gebet und vertieftes Studium dem Geheimnis des Konzils zu nähern, das ohne Zweifel das größte Ökumenische Konzil in der Kirchengeschichte ist.

Der Autor steht am Anfang seiner literarischen Tätigkeit, und er hofft, daß dieses Buch eine Hilfe sein kann für alle, die sich dem Geheimnis des letzten Konzils nähern. Ebenso versucht er einen Beitrag zur Verwirklichung des Konzils „in der Kirche des zweiten Pfingsten“ zu leisten.

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1 „Der Mensch an der Grenze zweier Welten. Einige Aspekte der theologischen Anthropologie des heiligen Gregor von Nyssa“ (Laibach 1975).

 

Einleitung

„Das Konzil, das nun seinen Anfang nimmt, geht wie ein strahlender Tag in der Kirche auf. Schon leuchtet die Morgenröte, aber bereits die erste Ankündigung dieses Tages, der in großer Lieblichkeit emporsteigt, erfüllt unser Herz!“, so sprach Johannes XXIII. bei der Eröffnung des Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils.2

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ist ein außerordentliches Geschenk des Herrn an die Katholische Kirche, an die Christenheit und an die Menschheit am Ende des zweiten christlichen Jahrtausends.

Das Konzil hat eine neue Ära in der Geschichte der Kirche und durch die Kirche in der Geschichte der Menschheit eingeleitet. Es ist der Anfang der großen Erneuerung (aggiornamento) der Kirche, der Anfang ihres zweiten Pfingsten und ihres neuen herrlichen Frühlings.

Das Licht des großen Konzils erleuchtet die Glieder der Katholischen Kirche und verbreitet sich bei den Gliedern der ganzen christlichen Fami­lie. Ja, es erreicht sogar die Glieder der Menschheitsfamilie, die nach der Wahrheit und dem Heil und ebenso nach einer vollkommenen Befreiung in der Fülle der Wahrheit und der Liebe suchen. Der aufsteigende Tag des Ökumenischen Konzils bereitet den Weg zur vollen Einheit der Familie der Christenheit und des Menschengeschlechts vor und festigt ihn.

Wir freuen uns, denn im hellen Licht des Konzils wandern wir auf dem Weg zum strahlenden Mittag einer vollkommenen und umfassenden Ein­heit der Familie der Christenheit und der Menschheit. Die Schatten der Nacht konnten das Vorrücken des Tages des Konzils bis zu seinem vollen Glanz nicht aufhalten: sie können es auch heute nicht und werden es auch in Zukunft nicht können. Im Triumph des lichtvollen Glanzes des Konzils wird der Herr von der Familie der Christenheit und der Menschheit voll­kommen verherrlicht. Die neue Ära, die mit dem Konzil beginnt, wird eine große Blütezeit im „neuen Himmel und auf der neuen Erde“ erfah­ren.

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2 Johannes XXIII., Ansprache vom 11.10.1962, in: Discorsi, messaggi, colloqui del Santo Padre Giovanni XXIII., IV, 589.

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Das Zweite Vatikanische Konzil „ist gewiß ein Schlüssel-Ereignis unserer Epoche, beziehungsweise unseres Jahrhunderts. Dank der göttlichen Vorsehung wurde dieser große Akt des Nachdenkens und diese gewalti­ge Anstrengung des kirchlichen Lehramtes möglich, in dem die Erfah­rung und die Überlieferung von fast zweitausend Jahren zusammenge­faßt und ein Plan für die Zukunft entworfen wurde. Das Zweite Vatika­nische Konzil ist als ein umfassendes Dokument, das aus zahlreichen Ein­zeldokumenten verschiedenen Charakters besteht, ein großer Entwurf in Lehre und Pastoral für die Kirche der Zukunft.“3 „Wir müssen in Dank­barkeit gegenüber Gott und mit Vertrauen auf die Zukunft der Kirche auf das Konzil blicken; es wird der große Katechismus der neuen Zeiten sein.“4

Die Kirche verspürte im 20. Jahrhundert die Dringlichkeit einer tiefgrei­fenden Erneuerung, damit auf ihrem Antlitz immer deutlicher das Licht Jesu Christi erstrahle. In der Kraft des Evangeliums verjüngt der Heilige Geist die Kirche (vgl. LG 4). Der Geist der Wahrheit, „der zu der Kirche spricht“ (vgl. Off 2,7), hat zu uns durch das Zweite Vatikanische Konzil gesprochen. Er hat gesprochen und die Kirche für den Eintritt in das dritte Jahrtausend nach Christus vorbereitet. Auf der Grundlage der fast zweit­ausendjährigen, heiligen Überlieferung ist das letzte Konzil eine neue Ak­tualisierung der Botschaft des Evangeliums. Das Konzil ist das unerschüt­terliche Fundament der sogenannten „zweiten Evangelisierung“ und der „zweiten Inkulturation des Evangeliums“ (der zweiten Verchristlichung der menschlichen Kultur).

Die Konzilsdokumente wurden unter Führung des Heiligen Geistes geschrieben, um das Leben der Kirche zu werden. Nach dem Konzil be­findet sich die Kirche in der sogenannten Phase der „Annahme des Kon­zils“, in der sie dieses in ihr Leben integriert. In der Mühe um den Fort­schritt bringt die Aktualisierung des großen Konzils die positiven Früchte einer wahren Erneuerung der Kirche. Die Kirche breitet mit neuem Eifer und neuer Begeisterung das umfassende Netz des Evangeliums auf allen geographischen und geschichtlichen Längen- und Breitengraden der heu­tigen Welt aus.

„Die positiv-wissenschaftliche Einstellung gibt der Kultur und dem Den­ken der Menschen ein neues Gepräge gegenüber früheren Zeiten. Die Tech­nik ist so weit fortgeschritten, daß sie das Antlitz der Erde umformt und sich an die Eroberung des planetarischen Raumes macht“ (GS 5).

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3 Johannes Paul II., Ansprache vom 14.2. 1991, in: OR (dt) 10 (1991) 7.

4 Paul VI., Ansprache vom 26. 6. 1966, in: Insegnamenti di Paolo VI, 1966, 304.

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„Unsere Erde erscheint, vom Weltraum aus gesehen, wie eine herrliche Erdkugel, eine azurblaue Insel des Friedens. Aber durch die Sünde des Menschen ist sie leider ein Land der Bedrängnis.

Die Versuchung dieses Jahrhunderts, das – besonders in den technolo­gisch und wissenschaftlich hoch entwickelten Ländern – am Ende einer vielschichtigen und säkularen Entwicklung der Kultur steht, ist das Ver­gessen des Geheimnisses.“5

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnten Astronauten, also einige Männer, mit Hilfe spezieller technischer Mittel in den Weltraum (in den Himmel) fliegen und in die Erdumlaufbahn eintreten. Aus der Erd­umlaufbahn, vom Himmel her, eröffnete sich ihnen ein Gesamtanblick der Erde: Sie konnten mit einem einzigen Blick den ganzen Planeten er­fassen. – Bevor sie sich zur Erdumlaufbahn emporhoben und sich noch auf der Erdoberfläche befanden, sahen sie immer nur kleine Teile der Er­de, denn ihre Sicht von der Erde war sehr begrenzt. Die letzten Generatio­nen haben gelernt, die ganze Erde mit einem einzigen, umfassenden Blick zu erfassen.

Trotz aller Errungenschaften der Vernunft und der Wissenschaft im Laufe der Geschichte hatten die Menschen bis dahin nie eine globale Sicht der Welt – aller Wirklichkeiten – erreicht. Sie waren in ihren begrenzten und gegensätzlichen Sichtweisen verhaftet, die von Irrtümern gekenn­zeichnet waren. Und die Nationen waren untereinander getrennt geblie­ben.

Die Kirche Christi ist Hüterin der göttlichen Offenbarung. In der Kirche erforschen die Christen „die ganze im Geheimnis Christi beschlossene Wahrheit im Lichte des Glaubens“ (DV 24). Der Heilige Geist erhebt sie in Christus und in Gott innerlich in die überirdische Sphäre – in das Reich des Himmels. Die Christen sind irdische und himmlische Menschen, sie sind neue Menschen. Der Geist der Weisheit führt die neuen Menschen in die ganze Wahrheit der göttlichen Offenbarung ein (vgl. Joh 16,13-15) und eröffnet ihnen eine neue Sicht der Welt: eine globale Sicht der Welt. Im Lichte des Geistes erschließt der katholische, das heißt umfassende Glaube eine globale Sicht der Welt.

Die Katholische, das heißt allumfassende Kirche hat das Evangelium (die göttliche Offenbarung) in der antiken Welt inkulturiert. Im Kontext

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5 Johannes Paul II., Ansprache vom 25. 1. 1987, 197.

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der antiken Kultur hat die patristische Theologie eine vollkommen globa­le Sicht der Welt eröffnet. Die Gesamtkirche hat das Evangelium in die Welt des Mittelalters inkulturiert. Im Kontext der mittelalterlichen Kultur hat die scholastische Theologie die patristische Sicht der Welt überarbei­tet und erneuert. Durch das Zweite Vatikanische Konzil hat die Gesamt­kirche das Evangelium in der modernen Welt inkulturiert. Im Kontext der Kultur des modernen Zeitalters hat das Konzil die patristisch-scholasti­sche Sicht der Welt vertieft und erneuert.

Man muß „die gesamte Lehre des Konzils insgesamt – verstanden im Lichte der vollständigen heiligen Überlieferung und auf der Grundlage des ordentlichen Lehramtes der Kirche – aufnehmen. Die Aufforderung, das Konzil zu verwirklichen, stellt uns vor eine große und vielfältige Aufgabe!“6

Der Umfang und die Tiefe der Lehren des Zweiten Vatikanischen Kon­zils verlangen ein erneutes Bemühen um eine theologische Vertiefung, damit sich diese Lehren kontinuierlich zum geschriebenen oder überlie­ferten Wort Gottes organisch entfalten. Dafür muß man natürlich den „Buchstaben“ der Konzilsdokumente, den „Buchstaben“ der Heiligen Schrift, der heiligen Überlieferung und des ordentlichen Lehramtes der Kirche kennen. Diese Kenntnis allein genügt aber nicht.

Gerade in den wissenschaftlich und technologisch hoch entwickelten Ländern bestand und besteht in der katholischen Theologie die starke Versuchung, den Schwerpunkt vom Glauben auf die Vernunft zu verla­gern, die Versuchung, die Theologie in eine spezifische „Technologie“ (in eine spezifische logische Technik) zu verwandeln und das letzte Konzil dem „Buchstaben“ nach zu verstehen: ein recht oberflächliches Verständ­nis. Denn aus den „dem Buchstaben gemäßen“ Lesarten gingen verkürz­te, oberflächliche und partielle Auslegungen des Konzils hervor und dar­aus entwickelten sich Progressismus und Integralismus. Diese Lesarten haben den „Geist“ des Konzils und damit sein Mysterium verfehlt und damit verloren.

Der Progressismus und der Integralismus „überraschen keineswegs, wenn man an analoge Phänomene in der Geschichte der Kirche denkt. Doch es ist um so notwendiger, daß man sich mit allen Kräften um ein richtiges Verständnis bemüht, das heißt um ein authentisches Verständnis

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6 Johannes Paul II., Ansprache vom 6. 11. 1979, 2,1064.

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des Lehramtes des Konzils als unabdingbares Fundament der weiteren Selbstverwirklichung der Kirche, für die dieses Lehramt die Quelle der richtigen Inspirationen und Ausrichtungen ist.“7

Nur ein authentisches Verständnis des Konzils bietet die notwendige Inspiration und Erleuchtung für jene Erneuerung der Kirche, welche der Hauptgrund für die Einberufung des Konzils war. Es geht also um ein richtiges Verständnis nach dem „Buchstaben“ und dem „Geist“. Dies ver­langt eine besondere Erhebung von der Oberfläche des „Buchstabens“ des Konzils in das Reich des Himmels. Der Heilige Geist eröffnet den Christen, die innerlich in den hohen Umlaufbahnen des Geheimnisses Christi leben, eine vollkommene Gesamtschau des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Lehramt der Kirche erfreut sich, wegen des besonderen Bei­standes des Heiligen Geistes, einer inneren Erhebung in die erhabenen Umlaufbahnen des Geheimnisses Christi. „Die Aufgabe aber, das ge­schriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Na­men Jesu Christi ausgeübt wird“ (DV 10).

Der Nachfolger Petri personifiziert das kirchliche Lehramt. Das Lehr­amt der letzten Nachfolger Petri war ein entscheidender Faktor für die Vorbereitung und die Durchführung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die gesamte Lehre der letzten Nachfolger Petri stellt die maßgebliche und authentische Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils dar. Für das pilgernde katholische Volk ist sie der unmittelbare, sichere und un­abdingbare Anhaltspunkt auf dem Weg zu Christus.

Die letzten obersten Hirten der Universalkirche sind Protagonisten bei der Durchführung der Konzilserneuerung. Sie schreiten an der Spitze des pilgernden Gottesvolkes. Die letzten Päpste sind die höchsten „Mystago­gen“ des „Heiligen Zweiten Vatikanischen Konzils“ („Sacrosanctum Con­cilium Vaticanum II“). Durch die Vorhalle des „Buchstabens“ seiner Do­kumente führen sie uns vollkommen in seinen „Geist“, in seine inneren Räume, in sein Geheimnis ein. Sie führen uns in das „Heilige“, in das „Allerheiligste“ des Tempels des Vatikanums II ein.

„Der Theologe darf sich nicht darauf beschränken, den ererbten Lehr­schatz zu bewahren, sondern muß nach einem Verständnis und Ausdruck des Glaubens suchen, die diesen der Denk- und Sprechweise unserer Zeit

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7 Johannes Paul II., Ansprache vom 1. 6. 1980, 1, 1596.

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näherbringen können. Das Kriterium, das die theologische Überlegung leiten muß, ist die Suche nach einem neuen Verständnis der christlichen Botschaft in der Dialektik von Erneuerung und Kontinuität und umge­kehrt.“8

Die Konzilserneuerung der katholischen Theologie verlangt sowohl eine treue Weitergabe des Glaubensgutes als auch sein neues Verständnis und seinen neuen Ausdruck, die auch dem neuen Denken der neuen Zeit Rechnung tragen. Ich möchte der Lehre der Heiligen Väter: Pius XI., Pius XII., Johannes XXIII., Johannes Paul I. und Johannes Paul II. (vom Beginn seines Pontifikats bis zum 10. November 1994) folgen und versuchen, das Zweite Vatikanische Konzil dem „Buchstaben“ und dem „Geist“ nach zu verstehen. Und mit der theologischen Überlegung versuche ich einige kleine Schritte auf dem Weg der Entwicklung der christlichen Lehre und der Inkulturation des Evangeliums zu gehen.

Die Mutter Gottes und zugleich die Mutter der Kirche ist der Stern der Neu-Evangelisierung und der Neu-Inkulturation des gesamten Glaubens. Beim Schreiben dieses Buches suchte ich mit den Augen des Glaubens einen Lichtstrahl zu erfassen, der aus dem Unbefleckten Herzen meiner himmlischen Mutter ausgeht. Ich lege es nun in kindlicher Liebe und Dankbarkeit in ihre Hände, damit sie es dem Herrn – der Sonne der Ge­rechtigkeit – darbringe. Denn von ihm kommt jedes Licht, jede Wahrheit und jedes Gut.

Dieses Buch kann möglicherweise auch Verkürzungen und Fehler ent­halten. Sie können von kompetenteren Lehrern der Kirche verbessert wer­den. Ich unterwerfe mich in dieser Schrift in allem der ständigen Lehre des Lehramtes der Kirche.

 

Dem Unbefleckten Herzen der Muttergottes und Mutter der Kirche zum Zeichen der kindlichen Liebe

Ivan Pojavnik, Priester

 

 

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – ERSTER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – ZWEITER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – DRITTER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – VIERTER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – FÜNFTER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – SECHSTER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – SIEBTER TEIL

DAS MYSTERIUM DES KONZILS – ACHTER TEIL

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Der italienische Titel lautet: „IL MISTERO DEL CONCILIO“,  Roncade (TN) 1995

MAXIMILIAN-KOLBE-VERLAG, ISBN 3-924413-13-4

Hauptstraße 124,  D-67149 Meckenheim