Papst Franziskus: Motu Proprio „Ihr seid das Licht der Welt“ („Vos estis lux mundi“)

APOSTOLISCHES SCHREIBEN
IN FORM EINES «MOTU PROPRIO»

VON PAPST
FRANZISKUS

VOS ESTIS LUX MUNDI

 

»Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben« (Mt 5,14). Unser Herr Jesus Christus ruft jeden Gläubigen, ein leuchtendes Vorbild an Tugend, Integrität und Heiligkeit zu sein. Wir alle sind nämlich berufen, in unserem Leben und insbesondere in unserer Beziehung zum Nächsten konkretes Zeugnis für den Glauben an Christus zu geben.

Die Verbrechen sexuellen Missbrauchs beleidigen unseren Herrn, verursachen physische, psychische und spirituelle Schäden bei den Opfern und verletzten die Gemeinschaft der Gläubigen. Damit solche Phänomene in all ihren Formen nicht mehr geschehen, braucht es eine ständige und tiefe Umkehr der Herzen, die durch konkrete und wirksame Handlungen bezeugt wird; diese beziehen alle in der Kirche mit ein, sodass die persönliche Heiligkeit und der moralische Einsatz dazu beitragen können, die volle Glaubwürdigkeit der Verkündigung des Evangeliums und die Wirksamkeit der Sendung der Kirche zu fördern. Dies wird nur mit der Gnade des Heiligen Geistes, der in die Herzen ausgegossen ist, möglich, denn wir müssen immer des Wortes Jesu eingedenk sein: »Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen« (Joh 15,5). Auch wenn schon vieles getan wurde, müssen wir weiter aus den bitteren Lektionen der Vergangenheit lernen, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.

Diese Verantwortung fällt in erster Linie auf die Nachfolger der Apostel, denen Gott die pastorale Leitung seine Volkes anvertraut hat, und fordert von ihnen den Einsatz, den Spuren des Göttlichen Meisters nahe zu folgen. Aufgrund ihres Dienstamtes nämlich leiten sie »die ihnen zugewiesenen Teilkirchen als Stellvertreter und Gesandte Christi durch Rat, Zuspruch, Beispiel, aber auch in Autorität und heiliger Vollmacht, die sie indes allein zum Aufbau ihrer Herde in Wahrheit und Heiligkeit gebrauchen, eingedenk, dass der Größere werden soll wie der Geringere und der Vorsteher wie der Diener« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 27). Was die Nachfolger der Apostel dringender betrifft, geht auch alle an, die auf verschiedene Weise Dienste in der Kirche übernehmen, die evangelischen Räte leben oder gerufen sind, dem christlichen Volk zu dienen. Daher ist es gut, auf universalkirchlicher Ebene Verfahrensweisen anzuwenden, um diesen Straftaten, die das Vertrauen der Gläubigen verraten, vorzubeugen und entgegenzuwirken.

Mein Wunsch ist es, dass dieser Einsatz in völlig kirchlicher Weise ausgeführt wird und demnach Ausdruck der Gemeinschaft ist, die uns vereint, im gegenseitigen und offenen Hören auf die Beiträge derer, denen dieser Prozess der Umkehr am Herzen liegt.

Deshalb verfüge ich:

 

TITEL 1
ALLGEMEINE BESTIMMUNGEN

 

Art. 1 – Anwendungsbereich

§ 1. Die vorliegenden Normen finden Anwendung im Fall von Meldungen in Bezug auf Kleriker oder auf Angehörige von Instituten des geweihten Lebens oder Gesellschaften des apostolischen Lebens, die Folgendes betreffen:

a)       Straftaten gegen das sechste Gebot des Dekalogs, nämlich:

I.        unter Gewalt oder Drohung oder durch Amtsmissbrauch erfolgter Zwang, sexuelle Handlungen zu vollziehen oder zu erleiden;

II.       der Vollzug sexueller Handlungen mit einer minderjährigen oder mit einer schutzbedürftigen Person;

III.      die Herstellung, die Darbietung, der Besitz oder die Verbreitung von kinderpornographischem Material auch auf telematischem Weg sowie die Anwerbung oder Verleitung einer minderjährigen oder schutzbedürftigen Person, an pornographischen Darbietungen teilzunehmen.

b)       die Verhaltensweisen, die von den in Artikel 6 genannten Personen verwirklicht werden und in Handlungen oder Unterlassungen bestehen, die darauf gerichtet sind, die zivilen Untersuchungen oder kirchenrechtlichen Untersuchungen verwaltungsmäßiger oder strafrechtlicher Natur gegenüber einem Kleriker oder einer Ordensperson bezüglich der unter dem Buchstaben a) dieses Paragraphen genannten Vergehen zu beeinflussen oder zu umgehen.

§ 2. Bezüglich der vorliegenden Normen versteht man unter:

a)       »minderjährig«: jede Person, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder ihr vom Gesetz gleichgestellt wird;

b)       »schutzbedürftige Person«: jede Person im Zustand von Krankheit, von physischer oder psychischer Beeinträchtigung oder von Freiheitsentzug, wodurch faktisch, auch gelegentlich, ihre Fähigkeit zu verstehen und zu wollen eingeschränkt ist, zumindest aber die Fähigkeit, der Schädigung Widerstand zu leisten.

c)        »kinderpornographisches Material«: jede Darstellung einer minderjährigen Person, die unabhängig vom verwendeten Mittel in explizite sexuelle Handlungen, seien sie real oder simuliert, verwickelt ist, oder jede Darstellung der Geschlechtsorgane von Minderjährigen zu vorwiegend sexuellen Zwecken.

 

Art. 2 – Annahme der Meldungen und Datenschutz

§ 1. Unter Berücksichtigung der Weisungen, die eventuell von den jeweiligen Bischofskonferenzen, Synoden der Bischöfe der Patriarchatskirchen und der großerzbischöflichen Kirchen oder von den Hierarchenräten der Metropolitankirchen sui iuris in Kraft gesetzt wurden, müssen die Diözesen oder Eparchien – einzeln oder gemeinsam – innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten der vorliegenden Normen ein oder mehrere feste Systeme bestimmen, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sind, um Meldungen einzureichen. Dies kann auch durch die Errichtung einer eigenen kirchlichen Behörde geschehen. Die Diözesen und Eparchien informieren den Päpstlichen Vertreter über die Einrichtung der in diesem Paragraphen genannten Systeme.

§ 2. Die Informationen, von denen in diesem Artikel die Rede ist, werden so geschützt und behandelt, dass die Sicherheit, die Unversehrtheit und die Vertraulichkeit gemäß can. 471, 2° CIC und can. 244 § 2, 2° CCEO gewährleistet ist.

§ 3. Vorbehaltlich der Bestimmung in Artikel 3 § 3 leitet der Ordinarius, der die Meldung erhalten hat, diese unverzüglich an den Ordinarius des Ortes, wo die Taten stattgefunden haben sollen, sowie an den eigenen Ordinarius der angezeigten Person weiter. Beide werden nach Maßgabe des Rechts entsprechend dem, was für den spezifischen Fall vorgesehen ist, vorgehen.

§ 4. Im Sinne dieses Titels sind die Eparchien den Diözesen gleichgestellt und der Hierarch dem Ordinarius.

 

Art. 3 – Meldung

§ 1. Vorbehaltlich der in can. 1548 § 2 CIC und can. 1229 § 2 CCEO vorgesehenen Fälle hat ein Kleriker oder ein Angehöriger eines Instituts des geweihten Lebens oder einer Gesellschaft des apostolischen Lebens jedes Mal, wenn er Nachricht darüber hat oder triftige Gründe zur Annahme hat, dass eine der Taten nach Artikel 1 begangen wurde, die Pflicht, die Tatsache beizeiten dem Ordinarius des Ortes, wo die Taten stattgefunden haben sollen, oder einem anderen Ordinarius gemäß can. 134 CIC und can. 984 CCEO zu melden, unter Vorbehalt der Bestimmung des § 3 dieses Artikels.

§ 2. Jeder kann eine Meldung machen im Hinblick auf die Verhaltensweisen nach Artikel 1, indem er von den Bestimmungen nach dem voranstehenden Artikel oder von jeder anderen geeigneten Art und Weise Gebrauch macht.

§ 3. Wenn die Meldung eine der in Artikel 6 genannten Personen betrifft, wird diese der Autorität gemacht, die auf Grundlage der Artikel 8 und 9 festgestellt wurde. Die Meldung kann immer direkt oder über den Päpstlichen Vertreter an den Heiligen Stuhl gerichtet werden.

§ 4. Die Meldung enthält möglichst alle erforderlichen Umstände, wie Angaben zu Zeit und Ort der Taten, der beteiligten oder informierten Personen, sowie jede andere Gegebenheit, die hilfreich sein kann, um eine genaue Beurteilung der Taten zu gewährleisten.

§ 5. Die Nachrichten können auch ex officio erworben worden sein.

 

Art. 4 – Schutz dessen, der die Meldung macht

§ 1. Die Tatsache, eine Meldung gemäß Art. 3 zu erstatten, stellt keine Verletzung des Amtsgeheimnisses dar.

§ 2. Unbeschadet dessen, was in can. 1390 CIC und cann. 1452 und 1454 CCEO vorgesehen ist, sind Beeinträchtigungen, Vergeltung oder Diskriminierungen aufgrund der Tatsache, Meldung gemacht zu haben, verboten und können die Verhaltensweisen nach Artikel 1 § 1, Buchstabe b) ergänzen.

§ 3. Wer eine Meldung erstattet, dem kann kein Schweigegebot hinsichtlich ihres Inhalts auferlegt werden.

 

Art. 5 – Sorge für die Personen

§ 1. Die kirchlichen Autoritäten setzen sich dafür ein, dass diejenigen, die sagen, verletzt worden zu sein, zusammen mit ihren Familien mit Würde und Respekt behandelt werden; sie bieten ihnen im Besonderen:

a)       Annahme, Gehör und Begleitung, auch mittels spezifischer Dienste;

b)       spirituelle Betreuung;

c)        medizinische, therapeutische und psychologische Betreuung entsprechend dem spezifischen Fall;

§ 2. Das Bild und die Privatsphäre der betroffenen Personen sind genauso geschützt wie die Vertraulichkeit der persönlichen Daten.

 

TITEL 2
BESTIMMUNGEN HINSICHTLICH DER BISCHÖFE
UND GLEICHGESTELLTEN

 

Art. 6 – Subjektsbezogener Anwendungsbereich

Die Verfahrensnormen des vorliegenden Titels betreffen die unter Artikel 1 aufgeführten Verhaltensweisen folgender Personen:

a)       Kardinäle, Patriarchen, Bischöfe und Gesandte des Papstes;

b)       Kleriker, die die pastorale Leitung einer Teilkirche oder einer ihr gleichgestellten lateinischen oder ostkirchlichen Struktur, einschließlich der der Personalordinariate, innehaben oder innehatten, für während der Amtszeit (durante munere) begangene Taten;

c)        Kleriker, die die pastorale Leitung einer Personalprälatur innehatten oder innehaben, für während der Amtszeit (durante munere) begangene Taten;

d)       diejenigen, die oberste Leiter (moderator supremus) von Instituten des geweihten Lebens oder Gesellschaften des apostolischen Lebens päpstlichen Rechts wie auch von Klöstern sui iuris sind oder waren, für während der Amtszeit (durante munere) begangene Taten.

 

Art. 7 – Zuständiges Dikasterium

§ 1. Im Sinne des vorliegenden Titels sind unter »zuständiges Dikasterium« die Kongregation für die Glaubenslehre hinsichtlich der ihr von den geltenden Normen reservierten Straftaten zu verstehen. Hinzu kommen in allen anderen Fällen, je nach Zuständigkeit aufgrund des Eigenrechts der Römischen Kurie:

–            die Kongregation für die Ostkirchen;

–            die Kongregation für die Bischöfe;

–            die Kongregation für die Evangelisierung der Völker;

–            die Kongregation für den Klerus;

–            die Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens.

§ 2. Zur Gewährleistung der besseren Abstimmung informiert das zuständige Dikasterium über die Meldung und den Ausgang der Untersuchung das Staatssekretariat und die anderen unmittelbar betroffenen Dikasterien.

§ 3. Die in diesem Titel erwähnten Mitteilungen zwischen Metropoliten und dem Heiligen Stuhl erfolgen über den Päpstlichen Vertreter.

 

Art. 8 – Verfahren, das im Fall einer Meldung über einen Bischof der Lateinischen Kirche anzuwenden ist

§ 1. Die Autorität, die eine Meldung erhält, leitet diese sowohl an den Heiligen Stuhl als auch an den Metropoliten der Kirchenprovinz weiter, in der die gemeldete Person ihren Wohnsitz hat.

§ 2. Wenn die Meldung den Metropoliten betreffen oder der Metropolitansitz vakant sein sollte, wird diese sowohl an den Heiligen Stuhl als auch an den dienstältesten Suffraganbischof weitergeleitet, für den in diesem Fall die folgenden Bestimmungen hinsichtlich des Metropoliten anzuwenden sind.

§ 3. Falls die Meldung einen Päpstlichen Gesandten betrifft, wird diese direkt dem Staatssekretariat übermittelt.

 

Art. 9 – Verfahren, das gegenüber Bischöfen der Ostkirchen anzuwenden ist

§ 1. Im Fall von Meldungen über einen Bischof einer Patriarchatskirche, einer großerzbischöflichen Kirche oder einer Metropolitankirche sui iuris werden diese an den jeweiligen Patriarchen, Großerzbischof oder Metropoliten der Kirche sui iuris weitergeleitet.

§ 2. Falls die Meldung einen Metropoliten einer Patriarchatskirche oder großerzbischöflichen Kirche betrifft, der sein Amt innerhalb des Territoriums dieser Kirchen ausübt, wird diese an den jeweiligen Patriarchen oder Großerzbischof weitergeleitet.

§ 3. In den oben genannten Fällen leitet die Autorität, die die Meldung erhalten hat, diese auch an den Heiligen Stuhl weiter.

§ 4. Falls die gemeldete Person ein Bischof oder Metropolit außerhalb des Territoriums der Patriarchatskirche, der großerzbischöflichen Kirche oder Metropolitankirche sui iuris sein sollte, wird die Meldung an den Heiligen Stuhl weitergeleitet.

§ 5. Falls die Meldung einen Patriarchen, einen Großerzbischof oder einen Metropoliten einer Kirche sui iuris oder einen Bischof der anderen Ostkirchen sui iuris betrifft, wird diese an den Heiligen Stuhl weitergeleitet.

§ 6. Die folgenden Bestimmungen bezüglich des Metropoliten finden Anwendungen auf die kirchliche Autorität, an die die Meldung auf Grundlage des vorliegenden Artikels ergeht.

 

Art. 10 – Anfängliche Pflichten des Metropoliten

§ 1. Ausgenommen den Fall, dass die Meldung offenkundig haltlos ist, bittet der Metropolit das zuständige Dikasterium umgehend um den Auftrag, die Untersuchung einzuleiten. Sofern der Metropolit die Meldung für offenkundig haltlos erachtet, informiert er den Päpstlichen Vertreter darüber.

§ 2. Das Dikasterium trifft unverzüglich Vorkehrungen, jedenfalls innerhalb von dreißig Tagen nach Erhalt der ersten Meldung seitens des Päpstlichen Vertreters oder der Bitte um Beauftragung seitens des Metropoliten, indem es angemessene Anweisungen bezüglich der Vorgehensweise im konkreten Fall gibt.

 

Art. 11 – Übertragung der Untersuchung an eine andere Person als den Metropoliten

§ 1. Sollte das zuständige Dikasterium es für angebracht halten, die Untersuchung einer anderen Person als dem Metropoliten zu übertragen, so wird dieser informiert. Der Metropolit übergibt alle relevanten Informationen und Dokumente an die vom Dikasterium beauftrage Person.

§ 2. In dem im vorhergehenden Paragraphen behandelten Fall sind die folgenden Bestimmungen bezüglich des Metropoliten auf die mit der Durchführung der Untersuchung beauftragten Person anzuwenden.

 

Art. 12 – Durchführung der Untersuchung

§ 1. Nach Erhalt des Auftrags durch das zuständige Dikasterium und unter Beachtung der erhaltenen Anweisungen wird der Metropolit persönlich oder mittels einer oder mehrerer geeigneter Personen:

a)     die bezüglich der Taten relevanten Informationen sammeln;

b)    die für die Untersuchung notwendigen Informationen und Dokumente, die in den Archiven der kirchlichen Behörden aufbewahrt sind, einsehen;

c)     die Mitarbeit anderer Ordinarien oder Hierarchen, wo erforderlich, erhalten;

d)    die Personen und Einrichtungen, auch auf ziviler Seite, die für die Untersuchung nützliche Informationen liefern können, um Auskunft bitten.

§ 2 Wenn es erforderlich sein sollte, eine minderjährige oder schutzbedürftige Person anzuhören, wird der Metropolit dies auf eine angemessene Art und Weise tun, die deren Lage Rechnung trägt.

§ 3. Falls es triftige Gründe zur Annahme gibt, dass die Untersuchung betreffende Informationen oder Dokumente unterschlagen oder vernichtet werden könnten, trifft der Metropolit die für ihre Bewahrung notwendigen Maßnahmen.

§ 4. Auch wenn er auf andere Personen zurückgreift, bleibt der Metropolit dennoch für die Leitung und Durchführung der Untersuchungen wie auch für den genauen Vollzug der im Artikel 10 § 2 enthaltenen Anweisungen verantwortlich.

§ 5. Dem Metropoliten steht ein gemäß can. 483 § 2 CIC und can. 253 § 2 CCEO frei gewählter Notar zur Seite.

§ 6. Der Metropolit ist gehalten, unparteiisch und frei von Interessenskonflikten zu handeln. Falls er meint, sich in einem Interessenskonflikt zu befinden oder nicht imstande zu sein, die notwendige Unparteilichkeit zur Gewährleistung der Integrität der Untersuchung zu bewahren, ist er verpflichtet, sich zu enthalten und den Umstand dem zuständigen Dikasterium zu melden.

§ 7. Für die Person, gegen die ermittelt wird, gilt die Unschuldsvermutung.

§ 8. Sofern es vom zuständigen Dikasterium gefordert wurde, informiert der Metropolit die Person über die Untersuchung zu ihren Lasten, hört sie hinsichtlich der Tatsachen an und lädt sie dazu sein, einen Schriftsatz zur Verteidigung einzureichen. In diesen Fällen kann die Person, gegen die ermittelt wird, von einem Prokurator Gebrauch machen.

§ 9. Alle dreißig Tage übermittelt der Metropolit dem zuständigen Dikasterium ein Informationsschreiben über den Stand der Untersuchungen.

 

Art 13. – Einbeziehung qualifizierter Personen

§ 1. In Übereinstimmung mit den allfälligen Leitlinien der Bischofskonferenz, der Synode der Bischöfe oder des Hierarchenrats über die Art und Weise, dem Metropoliten bei seinen Untersuchungen zu helfen, können die Bischöfe der jeweiligen Provinz einzeln oder gemeinsam Verzeichnisse qualifizierter Personen erstellen, aus denen der Metropolit die geeignetsten auswählen kann, um ihm, den Erfordernissen des Falls entsprechend, in der Untersuchung zu unterstützen, insbesondere unter Beachtung der Mitwirkung, die gemäß can. 228 CIC und can. 408 CCEO von Laien geleistet werden kann.

§ 2. Dem Metropoliten steht es in jedem Fall frei, andere gleichermaßen qualifizierte Personen zu wählen.

§ 3. Jeder, der den Metropoliten in der Untersuchung unterstützt, ist gehalten, unparteiisch und frei von Interessenskonflikten zu handeln. Falls er meint, sich in einem Interessenskonflikt zu befinden oder nicht imstande zu sein, die notwendige Unparteilichkeit zur Gewährleistung der Integrität der Untersuchung zu bewahren, ist er verpflichtet, sich zu enthalten und den Umstand dem Metropoliten zu melden.

§ 4. Die Personen, die den Metropoliten unterstützen, leisten den Eid, den Auftrag angemessen und treu zu erfüllen.

 

Art. 14 – Dauer der Untersuchung

§ 1. Die Untersuchungen müssen innerhalb der Frist von neunzig Tagen oder innerhalb der in den Anweisungen von Artikel 10 § 2 angegebenen Frist abgeschlossen werden.

§ 2. Bei Vorliegen gerechter Gründe kann der Metropolit das zuständige Dikasterium um Fristverlängerung bitten.

 

Art. 15 – Vorbeugende Maßnahmen

Falls die Tatsachen oder die Umstände es erfordern, schlägt der Metropolit dem zuständigen Dikasterium die Anwendung von vorbeugenden Vorkehrungen oder Maßnahmen vor, die gegenüber der Person, gegen die ermittelt wird, angemessen sind.

 

Art. 16 – Einrichtung eines Fonds

§ 1. Die Kirchenprovinzen, die Bischofskonferenzen, die Synoden der Bischöfe und die Hierarchenräte können einen Fond einrichten, der für die Bestreitung der Untersuchungskosten bestimmt ist. Dieser wird nach Vorschrift der cann. 116 und 1303 § 1, 1° CIC und des can. 1047 CCEO eingerichtet und entsprechend den Normen des kanonischen Rechts verwaltet.

§ 2. Auf Antrag des beauftragten Metropoliten werden ihm die für die Untersuchung notwendigen Summen vom Verwalter des Fonds zur Verfügung gestellt, unbeschadet der Verpflichtung, ihm eine Rechnungslegung beim Abschluss der Untersuchung vorzulegen.

 

Art. 17 – Übermittlung der Akten und des Votums

§ 1. Nach Beendigung der Untersuchung übermittelt der Metropolit dem zuständigen Dikasterium die Akten zusammen mit seinem Votum über die Untersuchungsergebnisse und als Antwort auf die allenfalls ergangenen Anweisungen gemäß Art. 10 § 2.

§ 2. Unbeschadet anschließender Anweisungen des zuständigen Dikasteriums erlöschen die Vollmachten des Metropoliten mit der Beendigung der Untersuchung.

§ 3. Unter Beachtung der Anweisungen des zuständigen Dikasteriums informiert der Metropolit die Person, die angibt, geschädigt worden zu sein, oder ihre gesetzlichen Vertreter auf Anfrage über den Ausgang der Untersuchung.

 

Art. 18 – Anschließende Maßnahmen

Das zuständige Dikasterium verfährt nach Maßgabe des Rechts entsprechend dem, was für den spezifischen Fall vorgesehen ist, außer es verfügt eine zusätzliche Untersuchung.

 

Art. 19 – Einhaltung der staatlichen Gesetze

Die vorliegenden Normen finden Anwendung, ohne die jeweils von den staatlichen Gesetzen festgelegten Rechte und Pflichten zu beeinträchtigen, insbesondere diejenigen in Bezug auf allfällige Meldepflichten an die zuständigen zivilen Behörden.

Die vorliegenden Normen sind für drei Jahre ad experimentum approbiert.

Ich lege fest, dass das vorliegende Apostolische Schreiben in Form eines Motu proprio durch Veröffentlichung im L’Osservatore Romano promulgiert wird, am 1. Juni 2019 in Kraft tritt und dann in den Acta Apostolicae Sedis publiziert wird.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 7. Mai 2019, dem siebten des Pontifikats.

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Quelle

„Das sind Leute, die weder glauben noch denken“

Foto Kardinal Müller (c) Paul Badde

13 April 2019, 12:10

Kardinal Müller übt im kath.net-Interview schwere Kritik an den Kritikern des Missbrauchs-Textes von Papst em. Benedikt XVI. und am (offiziell inoffiziellen) DBK-Internetportal

Von Roland Noé

Vatikan (kath.net/rn) „Es ist ein Skandal, dass katholische Bischöfe Plattformen finanzieren und so die Kirchensteuer zweckentfremden, die eindeutig Positionen vertreten, die mit der katholischen Glaubens- und Sittenlehre im Widerspruch stehen.“ Derart grundsätzlich kritisiert Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, das “offiziell inoffizielle DBK-Internetportal und seine Reaktionen auf das Schreiben des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum sexuellen Missbrauch in der Kirche. Das Schreiben Benedikts stuft Müller als „die tiefgründigste Analyse der Genese der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche in Fragen der Sexualmoral und intelligenter als alle Beiträge beim Gipfel der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen“ ein.

kath.net: Eminenz, wie werten Sie den Text des emeritierten Papstes über den sexuellen Missbrauch in der Kirche?

Kardinal Müller: Es ist die tiefgründigste Analyse der Genese der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche in Fragen der Sexualmoral und intelligenter als alle Beiträge beim Gipfel der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen.

Es gibt Missbrauch der geistlichen Autorität, wenn kirchliche Obere ihren autoritären oder manipulierenden Stil pseudoreligiös begründen und als den Willen Gottes ausgeben.

Aber Sünden gegen das 6. Gebot des Dekalogs haben ihre Ursache im Missbrauch der uns von Gott gegebenen männlichen oder weiblichen Sexualität.

Diese beiden Sünden miteinander zu vermischen, nur um sexuellen Fehlverhalten zu vertuschen, wäre ein schweres Versagen der kirchlichen Autorität.

Nicht mit Worthülsen wie Klerikalismus oder Forderung nach einer Sexualmoral nach dem egoistischen Lustprinzip kommen wir aus der Krise, sondern nur wenn das Übel beim Namen genannt wird.

Der Zusammenbruch der schon porös gewordenen bürgerlichen Moral in der „globalen sexuellen Revolution“ (Buchtitel von Gabriele Kuby) und der missglückte Versuch einer katholischen Moralbegründung ohne das Naturrecht und die Offenbarung haben bei vielen zu einer Zerrüttung des sittlichen Gewissens geführt.

Gott sei es geklagt auch bei denen, die von Christus den Auftrag erhielten, die Menschen alles zu lehren, was der Herr selbst den Apostel und damit auch ihren Nachfolgern im Bischofs- und Priesteramt geboten hat. (Mt 28,19).

kath.net: Es vergingen nach der Veröffentlichung nur wenige Stunden, bis die altbekannten innerkirchlichen Ratzinger-/Benedikt-Kritiker wieder lautstark ihre Einschätzungen in die Medien brachten. Was denken Sie dazu?

Kardinal Müller: Von Kritikern kann man nicht sprechen, denn das Wort Kritik heißt, geistig anspruchsvolle Dinge zu unterscheiden, um damit einen Beitrag im Verständnis wichtiger Fragen zu leisten.

Das sind Leute, die weder glauben noch denken. Vor allem fehlt ihnen der geringste Anstand.

Es wiederholt sich immer das gleiche Spiel wie bei Stephanus, der Zeugnis von der Wahrheit Christi ablegte: „Und als sie das hörten, wurden sie in ihren Herzen aufs Äußerste empört und knirschten mit den Zähnen gegen ihn“ (Apg 7, 54).

Man spricht von Erneuerung und Reform der Kirche und meint nur die Anpassung an die eigene Dekadenz.

Wer auch nur einen Funken christlicher Liebe in sich hat, kann sich nicht zu solchen unflätigen Pamphleten hinreißen lassen.

Aber wie kann die Liebe die innere Gestalt des Glaubens sein, wenn man den Glauben an den Gott der Offenbarung in Jesus Christus aufgegeben hat, oder höchstens einige Elemente davon noch als Füllmaterial für seine eigene selbstreferentielle Weltanschauung missbraucht.

Es ist ein Skandal, dass katholische Bischöfe Plattformen finanzieren und so die Kirchensteuer zweckentfremden, die eindeutig Positionen vertreten, die mit der katholischen Glaubens- und Sittenlehre im Widerspruch stehen.

Es ist mir natürlich klar, dass die das anders sehen, weil sie nach eigenem Gutdünken definieren, was katholisch ist. Ihr Weltbild besteht in der primitiven Unterscheidung von progressiv und konservativ.

Den bisher formulierten katholischen Glauben qualifizieren sie als konservativ ab und meinen, nur ihre „progressive“ Sicht wäre die Zukunft der Kirche so wie in den anderen von dieser Ideologie verwüsteten ehemaligen katholischen Ländern.

Also muss man die nach ihrem Maß „konservativen“ Katholiken, die der Heiligen Schrift, der Apostolischen Tradition und dem Lehramt treu sind, entweder kaltstellen oder mundtot machen. Dazu ist ihnen jedes Mittel, auch der Verleumdung und Ehrabschneidung, recht.

Denn sittlich erlaubt ist alles, was dem eigenen Interesse nützt, das ja identisch ist mit dem Gemeinwohl.

Auf der besagten Plattform wurde in gleicher Manier mein Glaubensmanifest“ als eine Sammlung von Halbwahrheiten, der Heiligen Schrift fernen, subjektiven Auswahl, von aus dem Zusammenhang gerissenen Meinungen angeprangert, als ob die Trinität, die Inkarnation, die Sakramentalität der Kirche, die Göttliche Liturgie, die Einheit von Glauben und Moral, das Gericht und das ewige Leben in der „Hierarchie der Wahrheiten“ (II. Vatikanum, Dekret über den Ökumenismus, 11) nicht „das Fundament des Glaubens“ wären.

Die infame Gottlosigkeit, die sich hier aufspreizt, ist nicht zu überbieten, wenn man das Verbrechen und die Todsünde des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen benutzt, um zu ihrer angeblichen Vermeidung homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen zu segnen, den Zölibat der Priester und Gelübde der Ordensleute lächerlich zu machen und die Sünden gegen die von Gott verfügte Unauflöslichkeit der Ehe zu bagatellisieren.

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Quelle

Kardinal Müller bezeichnet Kritiker seines Manifests als „politische Strategen und theologische Ignoranten“.

Cardinal Gerhard Ludwig Muller (Getty)

Der Kardinal sagte auch, das Motiv für sexuellen Missbrauch sei nicht der priesterliche Zölibat, sondern „unbeherrschtes sexuelles Verlangen“.

Kardinal Gerhard Müller hat Kritiker seines „Manifests des Glaubens“ – insbesondere jener, die ihn beschuldigen, als „Anti-Papst“ zu handeln – als „politische Strategen und theologische Ignoranten“ bezeichnet.

In einem Interview für den Catholic World Report sagte Kardinal Müller, die Kritiker hätten seine früheren Arbeiten unter päpstlicher Obergewalt offenbar nicht gelesen. Er fügte hinzu: „Dieselben Leute, die kritisch oder sogar feindlich gegenüber den Päpsten Johannes Paul II. Und Benedikt XVI. waren, die sie als Verräter des Geistes des Zweiten Vatikanischen Konzils angeprangert haben, rufen jetzt Papst Franziskus an.“

Kardinal Müller hat sein Manifest im vergangenen Monat veröffentlicht, weil „viele Christen sich der grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bewusst sind, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum ewigen Leben zu verpassen.“

Das Dokument bekräftigte die traditionelle kirchliche Lehre zu Themen wie der Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete und der Kommunion für Protestanten.

Es gab jedoch scharfe Kritik von Anhängern von Papst Franziskus, darunter Kardinal Walter Kasper, der Müller mit Martin Luther verglich: „Einer, der sich zu Recht für Reformen in der Kirche einsetzt, diese jedoch hinter dem Rücken des Papstes verfolgen und gegen ihn durchsetzen will.”

Kardinal Müller schlug jedoch im Interview mit dem Catholic World Report zurück und beschuldigte Kritiker, Papst Franziskus als „Vehikel für ihre linksliberale Agenda zur Entsakramentalisierung der Kirche“ zu verwenden.

„Wenn es um die sexuellen Verbrechen einiger Priester geht“, fuhr er fort, „halten sie den priesterlichen Zölibat oder die Sakramentalität der bischöflichen und priesterlichen Ämter für verantwortlich, anstatt auf den Zusammenbruch des priesterlichen Ethos und der sexuellen Moral in den achtziger Jahren zu achten, an welchen die intellektuellen Vorgänger dieser Kritiker schuld waren.“

In Bezug auf die Kirchenreform sagte der Kardinal, dass echte Reform „geistige und moralische Erneuerung in Christus bedeutet und nicht die Entchristlichung der Kirche oder ihre Umwandlung in eine NGO, in der die globale Erwärmung wichtiger ist als das Bewusstsein, dass Gott die Quelle und das Ziel des Menschen und der ganzen Schöpfung ist.“

Er sagte auch, warnte davor, das Wort „Klerikalismus“ zu missbrauchen, als er versuchte, die Ursachen der Missbrauchskrise zu finden, und sagte, der Begriff werde als „Schlachtruf gegen das von Gott eingesetzte Amt“ verwendet.

„Worum es beim Begriff „Klerikalismus“ geht, ist der Missbrauch von Autorität, um persönliche Vorteile durch die Unterstützung von Freunden zu erlangen, die trotz ihrer Inkompetenz und Unwürdigkeit Positionen in der Kirche einnehmen.

„Das Motiv des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und kirchlichen Untergebenen ist jedoch nicht der Durst nach Macht über andere, sondern das ungebührliche sexuelle Verlangen, das zur Lustsünde führt und die Opfer entmenschlicht.“

Das beste Mittel gegen die Krise, sagte er, war nicht das Reden um Veränderung von Strukturen, sondern einfach für den Erhalt des traditionellen Unterrichts.

„Die sakramentale Konstitution der Kirche, der Gehorsam gegenüber den Zehn Geboten und die Treue gegenüber dem Ruf eines getauften, ordinierten oder verheirateten / unverheirateten Christen – dies ist der beste Schutz gegen alle Formen des Ungehorsams gegenüber unserem Schöpfer und Erlöser und gegen die Verletzung der Liebe Gottes und des Nächsten, diese Liebe, die alle Gebote umfaßt.“

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Quelle

(Übersetzung ins Deutsche von mir [POS]

Als Rebe im Weinstock bleiben

 

28 Februar 2019, 10:31

Fluctuat nec mergitur… Austritt aus der Kirche? Der eigentliche Ausstieg aus der Kirche geschieht im Abfall vom katholischen Glauben. Ein Gespräch mit Walter Kardinal Brandmüller. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Fünfundzwanzig Prozent mehr Kirchenaustritte: in Bayern verließen im Jahr 2018 rund ein Viertel mehr Katholiken und Protestanten ihre Kirchen, als dies im Vorjahr der Fall war. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wollten sich zu diesen Zahlen, die aus 57 bayerischen Städten mit je mindestens 20.000 Einwohnern vorliegen, nicht äußern.

Fünfundzwanzig Prozent weniger Christen mit „offizieller“ Bindung an ihre Kirchen: trotz des auf der Welt einzigartigen deutschen Kirchensteuersystems und den damit verbundenen Widersprüchen erschreckende Zahlen. Und natürlich beginnt erneut die Suche nach „Gründen“ für ein Phänomen, das in Deutschland in besonderer Weise empirisch messbar ist, denn: gewiss schwindet auch anderswo im Westen die Kirchenbindung, doch dies ist nur in Deutschland (und in Österreich und der Schweiz) mit steuerlich belegbaren Zahlen zu verfolgen. Denn nirgendwo anders kann man aus der Kirche „austreten“.

Besorgte Hirten und Ideologen: beide sind sie schnell bei der Hand, wenn es um die Darstellung von Gründen geht. Alte Themen wie Zölibat, Morallehre und Anspruch auf Wahrheit in einem universalen und absoluten Sinn: gern werden „Ursachen“ in diesen zumeist politisch interessierten Bereichen verortet. Aber die Thematik bedarf einer breiter angelegten Herangehensweise, worüber wir mit dem Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller gesprochen haben.

Eminenz, jenseits der Fragen nach den „Gründen“ für den vor den deutschen Steuerbehörden vollzogenen „Austritt“ aus der Kirche stellt sich in erster Linie eine andere Frage: wer sind die Menschen, die diesen Schritt gehen? Und um dies zu verstehen drängt sich angesichts der neuen „apokalyptischen“ Zahlen eine weitere Frage auf: wer sind die Menschen, die NICHT austreten? 

Brandmüller: Nun, das ist viel auf einmal gefragt! Sehen wir es der Reihe nach an!

Zunächst: Wer sind die „Ausgetretenen“? Da sind nicht wenige, die nie zuvor im Leben eine bewusste Glaubensentscheidung getroffen haben, die sich einfach vom einstmals katholischen Mainstream haben mittragen lassen. Nun vollziehen sie unter dem Eindruck kirchlicher Skandale nur öffentlich, was sie ohnehin längst praktiziert haben, indem sie kaum am Leben der Kirche – Gebet, Sakramente, Sonntagsmesse – teilgenommen haben. Nun, da alle Welt von Skandalen in der Kirche redet, erklären sie vor dem Standesamt ihren Kirchenaustritt.

In manchen Fällen führen Auseinandersetzungen rechtlicher, finanzieller Art, auch persönliche Ressentiments, Konflikte mit „dem Pfarrer“ etc. zu diesem Entschluss.

In den Ländern deutscher Zunge ist es zudem die Kirchensteuer – deren Problematik wir hier aussparen – die, als odios empfunden, als Austrittsmotiv dient. Hinzu kommt religiöse Unkenntnis, geistige Orientierungslosigkeit, die es nicht wenigen unmöglich macht, kirchliche Verhältnisse zutreffend zu beurteilen. Durch den Kirchenaustritt wird nun amtlich festgestellt, was längst Lebenswirklichkeit ist.

Der scharfe Wind, der derzeit durch den Baum „Kirche“ fährt, fegt nur die längst verwelkten dürren Blätter hinweg. Die Äste werden kahl. Wenn nur etwa 5% bis 10% der kirchensteuerzahlenden Katholiken am Sonntag den Weg zur Kirche finden, dann ist klar, wie viele von ihnen wirklich glauben und ihren Glauben leben.

Nun aber gibt es unter den „Ausgetretenen“ gar manche, die ihren Kirchenaustritt aus ganz entgegengesetzten Motiven vollziehen: es ist ihr Protest gegen einen in bürokratischen Strukturen verkrusteten Apparat, für dessen Funktionäre Glaubenswahrheit, sittliche Normen des Evangeliums, Sakramente und Anbetung Gottes, wenn überhaupt, sodann eine Nebenrolle spielen.

Diese „Ausgetretenen“ sind Menschen, die am Sonntag lieber eine Stunde mit dem Auto fahren, um eine würdig gefeierte heilige Messe zu erleben. Damit sind wohl im Wesentlichen die Austrittsmotive genannt.

Was kann man unter „Austritt“ verstehen, das heißt: welche Art von Willenserklärung? Zweifellos: die Gläubigen werden immer weniger, die Kirchen immer reicher mit immer größeren Einnahmen. Ist nicht letztlich auch das ein Grund für eine verkehrte Wahrnehmung der Kirche?

Und dann: Wie würden sie das Kirchenverständnis dessen beschreiben, der sich zu einem „Austritt“ entschließt? Ist es möglich, hier etwas zu verallgemeinern? Woran scheiterte die Kirche in den vergangenen 60 Jahren bei der Vermittlung des Kirche-Seins?

Brandmüller: Im Grunde geht es hier um die Frage „Was ist Kirche?“. Im landläufigen Verständnis eine Art NGO mit religiös-folkloristisch-caritativen Programm?

Keine Frage: Wenn mir an einer solchen NGO etwas nicht passt, dann gehe ich eben.
Aber Kirche ist doch etwas ganz anderes! In eindrucksvoller Weise beschreibt die Konstitution des II. Vatikanischen Konzils „Lumen Gentium“ die Kirche als „Hausgemeinschaft“ Gottes, „Volk Gottes“, „Leib Christi“ – kurzum: nicht ein Gebilde von Menschenhand, sondern Werk und Werkzeug Jesu Christi zur Erlösung der Menschheit, des Universums. Schiff des Fischers Petrus ist sie auch, um den stürmischen See zu überqueren. Natürlich kann einer da aussteigen…

Überdies: Der eigentliche Ausstieg aus der Kirche geschieht im Abfall vom katholischen Glauben. Das aber hat dann nichts mehr mit dem Kirchensteueramt zu tun, sondern mit dem lebendigen Gott.

Natürlich kann einer diesen Schritt tun. Aber mit welchen Konsequenzen! Jesus sagt – so das Johannesevangelium Kapitel 15 – „Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben…“ Nur wenn sie mit dem Weinstock verbunden ist, kann aber die Rebe Frucht bringen. Wenn sie aber vom Weinstock getrennt wird, verdorrt sie und wird verbrannt Und nun meint der heilige Augustinus: „Eines von beiden kommt der Rebe zu, entweder der Weinstock oder das Feuer. Wenn sie nicht im Weinstock ist, muss sie im Feuer sein; damit sie also nicht im Feuer sei, möge sie im Weinstock sein…“

Verstehen Sie jetzt, dass ich gar nichts anderes kann als in der Kirche, als Rebe im Weinstock zu bleiben? Und das allen Skandalen zum Trotz.

Eminenz, vor kurzem konnten Sie Ihren 90. Geburtstag feiern und auf ein reiches und bewegtes Leben als Priester, Professor, Historiker im Dienst des Heiligen Stuhls, als Bischof und Kardinal zurückblicken, dem unerwartet in einem Alter noch besondere Verantwortung zuteil wurde, in dem andere einfach ihr Pension genießen.

Gerade der Historiker jedoch zeichnet sich durch einen breit angelegten Blick aus, der sich von Relativitäten des Moments nicht so leicht beeindrucken lässt. Was sagt uns der Historiker zur aktuellen Wirklichkeit und zu den notwendigen Reinigungsprozessen und Prozessen der Umkehr?

Wenn man nicht nur Kirchengeschichte studiert, sondern auch zwanzig Jahre im Zentrum des Geschehens gelebt und Verantwortung getragen hat, dann hat man nicht nur viel selbstlosen Dienst, Frömmigkeit und Glaubenstreue erlebt, sondern auch viel Schlimmes. Da hat man gelernt, in, an und mit der Kirche zu leiden. Aber „austreten“? Das hieße existentiell ins Nichts zu fallen – und das, im Augenblick des Todes für ewig…

Was mich – nebst nicht wenig anderem – dennoch mit Zuversicht erfüllt, ist die wachsende Schar junger Leute, die in voller Kenntnis der gegenwärtigen Skandale und Probleme entschlossen sind der Kirche, dem Herrn als Priester oder im Ordensstand zu dienen. Sie wissen oft aus Erfahrung, dass der kirchliche Apparat sie mit Misstrauen, ja Abneigung betrachtet. Sie haben erlebt, dass aus dem Priesterseminar entlassen wurde, wer den Rosenkranz betete etc.

So sind in den letzten Jahrzehnten geistliche Gemeinschaften entstanden, besonders in Frankreich, die in entschiedener Treue zum Glauben der Kirche dienen wollen. Der Heilige Geist ist am Werk – auch heute.

Das Wappen der Stadt Paris zeigt ein Schiff auf hochgehenden Wogen der Seine. Dahinter die Devise: Fluctuat nec mergitur – von den Wogen hin und hergeworfen – das Schiff geht nicht unter! Wie viel mehr gilt das von der Kirche!

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Aber zuerst müssen wir dem Willen Gottes gehorsam sein

22 Dezember 2018, 12:30

Es ist klar, dass diese Verbrechen instrumentalisiert werden, um eine andere Agenda zu befördern –

Ein Gastbeitrag von Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Rom (kath.net/LifeSiteNews.com )
Die Gretchenfrage ist heute, ob wir die Kirche als Werk Gottes, also mit der DNA Christi ausgestattet und darum als wesenhaft heilig glauben (vgl. LG 8) oder als ein historisches Gebilde sehen, das die Mächtigen in der kirchlichen Bürokratie nach ihren subjektiven, oft sehr dürftigen Vorstellungen umformen können. Diese meinen, die Kirche upzudaten, in Wirklichkeit liefern sie die Kirche der Bedeutungslosigkeit aus, wie Beispiele in und außerhalb der katholischen Kirche zur Genüge beweisen. Wer hat Bischöfen die Vollmacht gegeben, sich eine Kirche nach ihrem Bild und Gleichnis zu schaffen? Und warum sollte irgend jemand seine Hoffnung im Leben und Sterben auf diese seichten Daseinsdeutungen setzen, die wenig mehr mit dem Evangelium und dem Glaubensbekenntnis zu tun haben, das wir bei unserer Taufe ablegten.

Diese Kirchenführer sollten einmal nachlesen, was sie bei der Bischofsweihe bekannt und versprochen haben. Es ist der geoffenbarte Glaube, der uns rechtfertigt und selig macht und nicht die Privatmeinung der „Diener des Wortes“ (Lk 1,2), die sie eigentlich sein sollten. Über die katholische Lehre in der Sexualethik kann und soll man diskutieren unter der Voraussetzung, dass man ihren Ursprung im heiligen Willen Gottes anerkennt. Aber zuerst müssen wir dem Willen Gottes gehorsam sein.

Was in biblischer Zeit als Sünde qualifiziert wurde, kann heute nicht zu einer Tugend umdefiniert werden. Und was das Handeln des „Neuen Menschen“ betrifft, „der nach Gottes Bild geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 54,24), so kann aus dem Weiß der Gnade nicht das Schwarz der Sünde gemacht werden.

Paulus ermahnt in den Briefen an die künftigen bischöflichen Hirten, im Glauben und im Leben „an der gesunden Lehre“ festzuhalten. Ein Bischof hat nur dann Autorität, wenn er die Lehre der Kirche ganz und unverkürzt vorträgt. „Wenn einer etwas anderes lehrt und sich nicht an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, hält und an die Lehre, die unserer Frömmigkeit entspricht, der ist verblendet.“ (1 Tim 5,3).

Es ist schon erstaunlich, mit welch wütender Leidenschaft Menschen mit einer sittlich ungeordneten Lebenspraxis vor Allgemeinurteilen geschützt werden, während man die vielen Priester, die sich nichts zu schulden kommen lassen, der kollektiven Verachtung preisgibt. Dass sich Ideologen den Tatsachen verschließen, die nicht in ihr Weltbild pasen, ist bekannt. Die Aufarbeitung des Themas sexueller Missbrauch von Jugendlichen unter 18 Jahren und die notwendigen Maßnahmen der Prävention, können nicht an der Tatsache vorbeischauen, dass über 80% der Opfer sexuellen Missbrauchs Jungen und junge Männer sind.

Wenn sich ein Vorgesetzter an den ihm anvertrauten Seminaristen oder Novizen vergeht, dann ist das gegenseitige Einvernehmen keine Minderung, sondern ein perfide Steigerung der Sünde, weil zusätzlich auch das Gewissen eines für seine Taten verantwortlichen Untergebenen korrumpiert worden ist. Man hat ihn zu einem Komplizen der Sünde herabgewürdigt.

Zum Thema Gewaltenteilung: Wo es um menschliche Gewalt über Menschen geht, darf diese nie absolut sein wie beim Sonnenkönig. Sie muss aufgeteilt sein und sich wechselseitig kontrollieren. Die Vollmacht Christi wird den Bischöfen weitergegeben, die in seiner Autorität handeln. Gottes Autorität kann aber nicht aufgeteilt werden. Denn es ist der Apostel und in seiner Nachfolge die Bischöfe und teilhabend daran auch die Presbyter, die in seiner Person als Hirten, Lehrer und Priester handeln (LG 19; PO 2). Die Rede von der Gewaltenteilung in der Kirche verrät eine politisiertes Verständnis von Kirche und apostolischem Amt. Es gibt aber einen Machtmissbrauch, wenn Bischöfe als Arbeitgeber und Chefs der Verwaltung ihre Macht nach ihrem Gusto und ihren persönlichen Interessen (willkürliche Entlassung von Mitarbeitern; Promotion ihrer Schützlinge; unkontrolliertes Finanzgebaren; Kumpanei mit Medienvertretern) ausüben.

Im Generellen: die Homophilen spielen sich als die zu Unrecht Beschuldigten auf („den Homosexuellen wird die Schuld am Kindesmissbrauch in die Schuhe geschoben, wo es doch der Klerikalismus ist“), d.h. man will das sakramentale Priestertum mit der Missbrauchskrise aus den Angeln heben. Es ist klar, dass diese Verbrechen instrumentalisiert werden, um eine andere Agenda zu befördern.

Der Beitrag erschien ursprünglich bei https://www.lifesitenews.com

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Siehe dazu auch:

„Wie geht es der Kirche? Wie immer: Der Teufel stürmt gegen sie an“

Wenn Bischöfe, Priester, Theologen nach dem Wort des Jesaja sich als stumme Hunde erweisen, ist es schlimm um die Kirche bestellt. kath.net-Klartext zum Missbrauchsskandal und Kirchenkrise
Von Bischof Andreas Laun 
ACHTUNG: Ausweitung des Textes

Salzburg (kath.net) Wie geht es der Kirche? Wie immer: Der Teufel stürmt gegen sie an und – das ist der Unterschied zu manch anderer Zeit – er ist erfolgreich auch dort, wo man es kaum je vermutet hätte, und das in einem Umfang, den die Medien wie eine Kriegsberichterstattung breit und manche mit Genuss entfaltet. Wir lesen täglich von Missbrauch und kriminellen Handlungen an und mit Kindern und Jugendlichen. Dabei sind unter den Tätern sogar hochrangige Männer in der Hierarchie der Kirche. Wie konnte es soweit kommen? Sicher nicht plötzlich von heute auf morgen. Ich möchte antworten:

Der Boden für diesen Ausbruch des Bösen wurde schon lange vorher aufbereitet. Das Grollen des Vulkans kündigte schon längere Zeit den Ausbruch an. Was die Kirche betrifft, begann es mit der Verunsicherung des Glaubens in der Verkündigung, die man als Recht auf die eigene Meinung feierte. Ungehorsam in Glaubensfragen und gegen die Ordnung in der Kirche schien ein Zeichen des Mutes zu sein und Zivilcourage.

Dann kam noch die Revolte der 68er, bei der jede Autorität stürzen wollte. Und dieser Geist drang auch in die Kirche ein, als der „Rauch des Satans, wie der jetzt hl. Papst Paul VI. ahnungsvoll und prophetisch das Phänomen nannte. Der katholische Konvertit und Philosoph Dietrich von Hildebrand sprach mit dem Bild der griechischen Sage von einem „Trojanischen Pferd“, das in die Stadt Gottes eingedrungen sei und danach, in einer zweiten Publikation, von der Kirche in einem biblischen Bild als einem „verwüsteten Weinberg“.

Und schließlich tat die sexuelle Revolution ein Übriges: Gebote Gottes, nein, Freiheit vor allem sexuelle Freiheit hieß die Parole, Freiheit von allen Zwängen oder eben allem, was als Zwang gedeutet wurde. Die Lebensform vieler Menschen passte sich an.

Gerade in dieser aufgeregten Zeit veröffentlichte Papst Paul VI. sein Lehrschreiben zur Verhütung und bekräftigte die Lehre der Kirche ohne auch nur ein Jota preiszugeben. Ein Tsunami der Entrüstung brandete gegen Rom und den Papst, der solches wagte!

Innerhalb der Kirche entstanden sogenannte Erklärungen verschiedener Bischofskonferenzen, die beruhigen sollten. Das taten sie in gewissem Sinn auch. Aber sie zahlten dafür einen hohen Preis: Sie sagten den Gläubigen mit schönen Worten: Ihr braucht dem Papst nicht zu gehorchen, höhere Autorität ist euer Gewissen und dieses kann natürlich anders urteilen als der Mann in Rom. Sie merkten dabei nicht, dass sie mit ihren Erklärungen nicht nur diesem Ungehorsam, sondern eigentlich sogar jeder Abweichung von der Lehre der Kirche einen Freibrief ausgestellt hatten.

In dieser gesellschaftlichen und kirchlichen Atmosphäre konnte auch die Homosexuellen-Bewegung ihre Erfolge einfahren, bis zur heutigen, absurden Idee einer Ehe für alle und Theologen, die die ihrerseits den Umsturz der kirchlichen Morallehre betreiben, bezüglich Homosexualität und sogar Abtreibung.

Um die sexuelle Revolution zu ihrem endgültigen Sieg zu führen hat der Staat die Sexualkunde in seine Hand genommen und damit Eltern und Kirche mit Hilfe der Schule entmündigt.

Das Gift der sexuellen Freizügigkeit hat die Gesellschaft verändert und ist auch in die Kirche eingedrungen. Nur so kann man verstehen, wieviel sexuellen Missbrauch es auch in ihr gegeben hat.

Ein schwacher Trost für Katholiken zu hören, dass sie, die Katholiken, nur ein sehr kleines Segment der Täter sind. Aber sie, die Katholiken, sie hätten doch die Lehre der Kirche, besonders durch die Lehren vom hl. Papst Johannes Paul II. und auch die Waffenrüstung Gottes, von der Paulus gesprochen hat, sozusagen zur Hand gehabt zum Führen des geistlichen Kampfes, den jeder Mensch bestehen sollte.

Dann gäbe es heute nicht so viele Scheidungen, „wilde Ehen“, wie man das bloße Zusammenleben früher nannte, abwegige Formen sexuellen Begehrens, geradezu bewunderte Seitensprünge und Partnerwechsel von Promis, Pornographie, lockere TV-Unterhaltungen über Trennungen und Zweit-Ehen oder auch noch weitere Partner. Da alles in Form von Unterhaltung.

Von den Verletzungen der Partner und Kindern redet man kaum, ohne Scham spricht man über all das, mit dem Unterton, dass es intolerant, erzkonservativ und lächerlich wäre solche Verhaltensweisen abzulehnen.

Wenn man all das zusammenhält, warum sollte man sich wundern über den Zustand der Welt und sogar der Kirche?

Während man sich entrüstet über klerikale Täter, ja mit Recht, hat man, offenbar mit einem zweiten Maß messend, einen Mann, der sich offen zur Pädophilie bekennt einen gut bezahlten Sitz im Europaparlament gegeben und niemand protestiert. Ja man hat sogar vergessen, dass es in Europa sogar eine Partei gab, die sich die Entkriminalisierung der Pädophilie zum Ziel gesetzt hatte. Hätten sie die nötige Mehrheit erreicht, wäre in einem ersten Land Europas Pädophilie jetzt genauso „legal“, wie das Ermorden von ungeborenen Kindern.

Bei der Auseinandersetzung über Abtreibung hat man ja das erste Mal so getan als ob eine Mehrheit ein Verbrechen zu einer annehmbaren Handlung machen kann und jetzt redet man sogar über ein „Recht“ auf Abtreibung.

Aber zurück zur Pädophilie: Wo sind alle Anhänger dieser Partei geblieben? Als ob solches Schweigen nicht auch nur eine Variante des Vertuschens wäre!

Übrigens auch, wenn Bischöfe, Priester, Theologen nach dem Wort des Jesaja sich als stumme Hunde erweisen, ein Bild, dessen sich auch Katarina von Siena mehrfach bedient hat, ist es schlimm um die Kirche bestellt: „Die Wächter des Volkes sind blind, sie merken allesamt nichts. Es sind lauter stumme Hunde, sie können nicht bellen“ . und nicht mehr reden wo und was sie reden müssten im Auftrag Jesu, auch wenn sie dann in die Situation der Schafe „mitten unter den Wölfen“ geraten. Woraus man folgern könnte: Ein Bischof, der nie Anstoß erregt, nie einem Wolf begegnet, scheint irgendetwas falsch zu machen. Auch Schweigen kann, vor allem bei den Wächtern, Sünde sein, sagt Papst Gregor der Große.

Niemand weiß genau, wie die Geschichte weiter gehen wird. So sehr man im öffentlichen Bereich angefangen hat, Hass-Bekundungen sogar gerichtlich zu verfolgen: Der Ruf Voltaires Ecrasez l`infame“ „Zertretet die Böse“, und dabei die Kirche und ihre Vertreter meinte, ist heute ein, sich nur notdürftig bedeckt haltendes Programm vieler Medien und Parteien geworden. Es kann sein, dass es sich noch zur gewalttätigen Verfolgung steigert und dann könnten wieder Dinge geschehen wie unter Stalin, und Hitler, Pol Pot und anderen Monstern der Geschichte. Kirchenverfolger ja, aber zunächst nicht unbedingt blutig, vielleicht getarnt als Vertreter des Wohlergehens für alle, wie sich Solowjew den Antichrist dachte.

Aber, ja es gibt ein großes Aber zu diesem Versuch einer Diagnose des Heute: „Sie“ haben viele Autoritäten gestürzt, aber Gott lacht, sagt der Psalm 2, über die, die Ihn stürzen wollen und schon früher wollten, die Menschen, die ihre eigene Welt ohne Gott und gegen Gott bauen wollen wie den Turm von Babel oder nicht einen Turm, wohl aber einen anderen Menschen nicht nach dem Bild Gottes, sondern dem der eigenen Gedanken, Wünschen, Fantasien, die man im Labor vielleicht machen kann. . Gott hat, liebe Kirchenfeinde und liebe „alles Besserwisser“, Seine Methoden. Sie helfen der Sache Gottes sogar manchmal durch Schlachten, Krankheiten, Erdbeben, und Tsunamis. Vor allem aber solltet ihr Euch sozusagen fürchten vor Seinen Heiligen und Propheten. Habt keine Angst, seid froh, wenn ihr den Kampf verliert, denn Gott will auch euch noch retten durch und in Eurer Niederlage.

Aber seid nicht so verrückt zu meinen, ihr könntet siegen über den Allmächtigen. Das haben schon viele geglaubt, aber sie sind gescheitert. Der Teufel lacht auch über euch, weil er weiß aus für ihn bitterer eigenen Erfahrung, dass ihr chancenlos wie er seid. Den Katholiken kann man nur sagen: Eine Reform der Kirche kam immer nur durch große und scheinbar kleine Heilige gekommen. Sie kam noch nie durch Arbeitskreise, Sitzungen und gescheite Bücher, sondern immer nur durch marianische Menschen, die im Dialog mit Gott sagen: Siehe ich bin deine Magd, dein Bischof, dein Mann oder deine Frau in der Ehe, dein Sportler, dein Geschäftsmann, dein Kind oder dein Pensionist, Dein Mensch in der Fülle seiner Kraft, die von Dir kommt, oder Dein Kranker, wie und wer auch immer, mir geschehe nach Deinem Wort!

Wenn diese „alle Heiligen“ irgendwann ihr „es ist vollbracht“ sprechen können, wird Gott sich der Kirche und der Welt erbarmen wie der Leute von Sodom und Gomorrha nach dem Gespräch mit Abraham . Aber man darf nicht vergessen: Eine Bekehrung hat nicht wirklich stattgefunden, und so kommen die Folgen ihrer Sünden später doch noch über die Einwohner der beiden Städte. Anders, aber mit kleiner Ähnlichkeit verhält es sich bei der Sintflut: Einerseits kommt die vernichtende Flut, andererseits aber erbarmt sich Gott des einen Gerechten im Land. Gott rettet Noa und die Tiere, die er mit in die Arche nimmt, vergleichbar mit dem „einen Gerechten“ mit dem Abraham argumentiert und den Aufschub des Unheils erwirkt. Am Ende setzt Gott Seinen Regenbogen der Hoffnung und des Versprechens für die Zukunft in Himmel. Wieder etwas anders in der Geschichte des Propheten Jona: Auch hier die Spannung zwischen der Sünde der Menschen und dem Heilswillen Gottes Auf die Predigt des Jona hin bekehren sich die Menschen. Jona selbst ist verhärtet und will sich noch den angedrohten Untergang der Stadt geradezu genüsslich anschauen, aber Gott erklärt ihm wie ein guter Pfarrer, warum er die Stadt und auch die vielen Tiere nicht vernichten will.

Was ist die Antwort auf die Skandale in unserer Zeit? Dass wir hoffen dürfen, dass Gott auch uns sagt wie den Frauen in dem Volk, die zu Dirnen geworden waren: „Ich selbst gehe einen Bund mit euch ein, damit Ihr erkennt, dass ich der Herr bin“. Aber nicht das Geschehene verdrängend, sondern: „Dann sollt ihr euch erinnern, sollt euch schämen und vor Scham nicht mehr wagen, den Mund zu öffnen, weil ich euch alles vergebe, was ihr getan habt“. Oder nüchterner formuliert: Der Skandal war und ist ein grauenhafter Bruch des Bundes mit Gott, aber Gott macht weiter und löst seinen Bund nicht, sondern erneuert ihn wieder und wieder bis zum Ende der Welt. Das ist unsere Hoffnung, die die Scham nicht wegnimmt, aber den Neuanfang und den Sieg im geistlichen Kampf ermöglicht den Kampf um die reine Lehre des Evangeliums, gegen „Verwirrung und Sünde“.

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BRIEF AN PAPST FRANZISKUS DER VEREINIGUNG KATHOLISCHER MÄNNER

HINWEIS: Dieser Brief spiegelt die persönliche Initiative der einzelnen katholischen Männer wider, die ihn unterzeichnet haben. Berufliche Zugehörigkeiten werden nur zu Identifikationszwecken aufgeführt. Dieser Brief wird von keiner Gruppe oder Organisation gesponsert. Unterzeichner werden ermutigt, traditionelles Fasten mit Essen und / oder Trinken zu betreiben, aber die genaue Art des Fastens jedes Unterzeichners ist eine Frage der individuellen Diskretion. Unterzeichner werden ermutigt, ein schwieriges, aber nicht übermäßig belastendes Fasten zu unternehmen.

5. September 2018

Lieber Heiliger Vater und liebe Bischöfe der Vereinigten Staaten:

Als katholische Laien sind wir treue Ehemänner, Väter, Geschäftsleute, Juristen, Handwerker, Ärzte, Professoren, Lehrer, Künstler und Leiter katholischer Laienapostolate. Aber vor allem sind wir Menschen, die in Christus und seine Kirche verliebt sind, und aus diesem Grund bitten wir Sie, die Korruption zu beseitigen, die das Antlitz der Braut Christi so grotesk entstellt hat. Die gegenwärtigen Skandale haben unsere Frauen, Schwestern, Brüder und Kinder in Gefahr gebracht. Deshalb bitten wir Sie, in Anlehnung an die Worte der hl. Katharina von Siena an Papst Gregor XI, „nicht länger zu schlafen und mutig das Banner [Christi] zu erheben“. Die Kirche braucht Reinigung, und kraft Ihrer Ämter als unsere Hirten ist niemand mehr qualifiziert, diese Reinigung zu bewirken als Sie selbst. Wir bitten Sie, dies ohne Verzögerung zu tun.

Indem wir Mut fassen vom heiligen Paulus und wissend, dass „wo die Sünde zunahm, die Gnade umso größer wurde“ (Rm 5:20), sind wir entsetzt über die jüngsten Missbräuche. Wir haben von den Vorwürfen gegen Erzbischof Theodore McCarrick gelesen, dem Bericht der Grand Jury bezüglich der Kirche in Pennsylvania, von den schrecklichen Misshandlungen in Honduras und Chile; und den überhandnehmenden Berichten über klerikale homosexuelle Aktivitäten, Pädophilie und Ephebophilie im gesamten Presbyterium der Welt. Vor kurzem haben wir die Aussage von Erzbischof Carlo Maria Viganò gelesen, in der behauptet wird, dass Bischöfe in leitenden Führungspositionen sowohl innerhalb des Heiligen Stuhls als auch in den Vereinigten Staaten sexuellen Missbrauch vertuscht haben, was eine weit verbreitete und systemische Korruption in der gesamten kirchlichen Hierarchie belegt.

Heiliger Vater, wir gelangen an Sie, um Antworten zu bekommen. Sie wurden persönlich mit Vorwürfen konfrontiert. Diese Vorwürfe wurden von einem hochrangigen Kirchenvertreter, Erzbischof Viganò, erhoben. Außerdem haben viele Bischöfe in den Vereinigten Staaten öffentlich erklärt, dass sie der Ansicht sind, dass diese Anschuldigungen untersucht werden sollten. Wir bitten Sie, sie anzusprechen. Insbesondere bitten wir Sie, die Fragen unserer Schwestern in ihrem am 30. August 2018 veröffentlichten Schreiben an Sie zu beantworten.

Überdies, unabhängig von der Richtigkeit der Anschuldigungen von Erzbischof Viganò bleiben unsere Bedenken hinsichtlich der Korruption bestehen. Eure Heiligkeit, Ihre Eminenzen und Ihre Exzellenzen: Was tun Sie inmitten weit verbreiteten globalen Missbrauchs, Vertuschungen und hierarchischem Versagen, und was werden Sie tun, um das Volk Gottes zu beschützen? Wir bitten Sie, diese einfache Frage zu beantworten, denn die Kosten der bischöflichen Korruption sind katastrophal. Gegenwärtig zögern viele Familien, ihre Söhne ins Priesterseminar zu schicken. Bemühungen zur Evangelisierung wurden gelähmt. Und das Misstrauen der Spender gefährdet die Fähigkeit der Kirche, den Armen zu dienen, den Umweltschutz zu fördern und Werke der Barmherzigkeit zu verrichten. Eine katholische Mutter hat gesagt, dass diese Krise entweder die Kirche neu beleben oder einen Exodus verursachen wird. Wir bitten Sie, die Wiederbelebung durch radikale Reinigung zu fördern, indem Sie erkennen, dass Sie Gefahr laufen, in den Augen von Millionen von Katholiken an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Heiliger Vater, wir sind persönlich unserer eigenen Reinheit und der Reinigung der Kirche verpflichtet. Wir werden an die Worte unseres Herrn in Johannes 8:7 erinnert: „Derjenige unter euch, der ohne Sünde ist, soll der Erste sein, der einen Stein wirft.“ Alle Sünde, einschließlich unsere eigene, schwächt die Kirche. Als Männer müssen wir alle die Kraft haben, die Heiligung durch unseren Herrn zu suchen. Aus diesem Grund werden wir bei uns selbst beginnen, unser eigenes Gewissen prüfen und unser eigenes Bekenntnis zur Keuschheit erneuern. Wir werden daran arbeiten, unsere eigenen Familien aufzubauen, besonders unsere Söhne und unsere eigenen Gemeinschaften. Des weiteren verpflichten sich die Unterzeichner dieses Schreibens zu ernsthaftem und schwerem Fasten für die nächsten siebzehn Freitage, beginnend diesen Freitag, den 7. September bis zum Ende des Kalenderjahres. Wir werden nicht nachgeben. Wir werden das Leiden als Buße für unsere eigenen Sünden und die Sünden der Kirche annehmen. Wir wollen nichts mehr, als inmitten eines Skandals Heilige zu werden.

Heiliger Vater und Bischöfe der Vereinigten Staaten, wir plädieren für Gerechtigkeit für die Opfer des Missbrauchs. Wir fügen unsere Stimmen denen der Bischöfe hinzu, die eine Untersuchung der kirchlichen Hierarchie sowohl in unserem eigenen Land als auch im Vatikan gefordert haben. Diese Untersuchung sollte von treuen Laien und Frauen durchgeführt werden. Darüber hinaus ermutigen wir andere Gruppen, ihre Stimme zu erheben, indem sie weitere Briefe dieser Art schreiben.

Schließlich loben wir unseren Herrn Jesus Christus, der in seiner reichen Barmherzigkeit die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche gegründet hat. Wir bekräftigen unsere Hoffnung für die Zukunft der Kirche. Wir bitten Sie, mutig und nicht ängstlich zu sein. Wir bekräftigen unsere Zuneigung und Dankbarkeit für die heiligen Priester und Bischöfe, die uns treulich als Verwalter der Geheimnisse Christi gedient haben. Die Geschichte der Kirche hat viele Jahreszeiten gesehen. Dennoch, nach der dunklen Jahreszeit des Winters kommt der Frühling, und wir beten, dass die Schwierigkeiten der Gegenwart durch die kommenden Siege überwunden werden. Im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus sind wir voller Zuversicht, dass das Licht der Heiligen Dreifaltigkeit diese gegenwärtige Dunkelheit durchbricht und die ganze Schönheit unserer geliebten Kirche offenbart.

Wir versprechen unser Leben, unsere Talente und unsere Ressourcen für die Reinigung und Erneuerung der katholischen Kirche einzusetzen. Unter Anrufung der Fürsprache der Gottesmutter werden wir bis zum Ende für diese Sache kämpfen.

Ihre Söhne und Brüder in Christus,

[Rund 11’000 Unterschriften]

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