Papst Franziskus: Besuch des Elendsviertels von Kangemi/Nairobi (Kenia)

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Bewohner des Kangemi-Slums warten auf den Papstbesuch

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
NACH KENIA, UGANDA UND IN DIE ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK

(25.-30. NOVEMBER 2015)

ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS

Nairobi (Kenia)
Freitag, 27. November 2015

[Multimedia]

 

Danke, dass ihr mich in eurem Viertel empfangt. Ich danke auch Erzbischof Kivuva und Pater Pascal für ihre Worte. Tatsächlich fühle ich mich wie zu Hause, da ich diesen Moment mit Brüdern und Schwestern teile, die – ich schäme mich nicht, das zu sagen – in meinem Leben und in meinen Entscheidungen einen bevorzugten Platz haben. Ich bin hier, weil ich möchte, dass ihr wisst, dass mir eure Freuden und Hoffnungen, eure Ängste und Traurigkeiten nicht gleichgültig sind. Ich weiß um die Schwierigkeiten, die ihr Tag für Tag durchmacht! Wie könnte ich die Ungerechtigkeiten, die ihr erleidet, nicht anprangern!

Vor allem aber möchte ich mich bei einem Aspekt aufhalten, den die ausschließenden Reden nicht zu erkennen vermögen oder zu verkennen scheinen. Ich möchte mich auf die Weisheit der Armenviertel beziehen, eine Weisheit, die aus dem »zähen Widerstand des Echten hervorsprießt« (Enzyklika Laudato si [24. Mai 2015], 112), aus den Werten des Evangeliums, welche die durch den zügellosen Konsum eingeschlummerte Wohlstandswelt zu vergessen haben scheint. Ihr seid fähig, »Bande der Zugehörigkeit und des Zusammenlebens zu knüpfen, die das Gedränge in eine Gemeinschaftserfahrung verwandeln, wo die Wände des Ichs durchbrochen und die Schranken des Egoismus überwunden werden« (ebd., 149).

Die Kultur der Armenviertel, die von dieser besonderen Weisheit durchdrungen ist, »besitzt sehr positive Eigenschaften, die ein Beitrag für die Zeit sind, in der wir leben. Sie drückt sich aus in Werten, die darin bestehen, Solidarität zu üben; das Leben für den anderen hinzugeben; die Geburt dem Tod vorzuziehen; den eigenen Verstorbenen ein christliches Begräbnis zu geben; dem Kranken einen Platz im eigenen Haus zu bieten; mit dem Hungrigen zu teilen – „Wo zehn essen, da essen auch zwölf“, sagen sie –; Geduld und Stärke gegenüber großen Widrigkeiten zu zeigen usw.« (Equipo de Sacerdotes para las Villas de Emergencia (Argentinien), Reflexiones sobre la urbanisación y la cultura villera [2010]). Werte, die sich darauf stützen, dass jeder Mensch wichtiger ist als der Götze Geld. Danke, dass ihr uns daran erinnert, dass eine andere Art von Kultur möglich ist!

Ich möchte diese Werte, die ihr praktiziert, an erster Stelle fordern – Werte, die nicht an der Börse gehandelt werden, Werte, mit denen nicht spekuliert wird und die keinen Marktwert besitzen. Ich beglückwünsche euch, ich begleite euch und möchte, dass ihr wisst, dass der Herr euch nie vergisst. Der Weg Jesu begann in den Randgebieten, er geht aus von den Armen und geht mit den Armen zu allen.

Diese Anzeichen für ein gutes Leben, die sich täglich unter euch entwickeln, anzuerkennen bedeutet in keiner Weise, sich keine Vorstellung von der abscheulichen Ungerechtigkeit der städtischen Ausgrenzung zu machen. Es sind die Wunden, die Minderheiten verursachen, welche Macht und Reichtum konzentrieren und egoistisch verschwenden, während wachsende Mehrheiten sich in verwahrloste, verseuchte, ausgesonderte Randzonen flüchten müssen.

Das verschärft sich, wenn wir die ungerechte Verteilung des Bodens sehen (vielleicht nicht in diesem Quartier, in anderen aber sehr wohl), die in vielen Fällen dazu führt, dass ganze Familien überhöhte Mieten zahlen für Behausungen in ungeeignetem baulichen Zustand. Ich weiß auch um das schwerwiegende Problem des Hamsterkaufs von Ländereien durch gesichtslose „private Entwickler“, die sogar versuchen, sich den Pausenhof der Schulen ihrer Kinder anzueignen. Das geschieht, weil man vergisst, dass »Gott […] die Erde dem ganzen Menschengeschlecht geschenkt [hat], ohne jemanden auszuschließen oder zu bevorzugen, auf dass sie alle seine Mitglieder ernähre« (Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus[1. Mai 1991], 31).

In diesem Sinn stellt der mangelnde Zugang zu Infrastrukturen und den wichtigsten Serviceleistungen ein schwerwiegendes Problem dar. Ich meine damit Toiletten, Abwasserkanäle, Abflüsse, Müllabfuhr, Elektrizität, Wege, aber auch Schulen, Krankenhäuser, Erholungs- und Sportzentren und Kunstwerkstätten. Im Besonderen möchte ich mich auf Trinkwasser beziehen. »Der Zugang zu sicherem Trinkwasser [ist] ein grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht, weil es für das Überleben der Menschen ausschlaggebend und daher die Bedingung für die Ausübung der anderen Menschenrechte ist. Diese Welt lädt eine schwere soziale Schuld gegenüber den Armen auf sich, die keinen Zugang zum Trinkwasser haben, denn das bedeutet, ihnen das Recht auf Leben zu verweigern, das in ihrer unveräußerlichen Würde verankert ist« (Enzyklika Laudato si, 30). Einer Familie unter irgendeinem bürokratischen Vorwand das Wasser zu verweigern, ist eine große Ungerechtigkeit, vor allem, wenn aus dieser Not ein Nutzen gezogen wird.

Dieser Kontext von Gleichgültigkeit und Feindseligkeit, unter dem die Armenviertel leiden, verschlimmert sich, wenn sich die Gewalt einbürgert und die kriminellen Organisationen im Dienst von wirtschaftlichen oder politischen Interessen Kinder und Jugendliche als „Kanonenfutter“ für ihre blutigen Machenschaften benutzen. Ich kenne auch die Leiden der Frauen, die heldenhaft kämpfen, um ihre Söhne und Töchter vor diesen Gefahren zu schützen. Ich bitte Gott, dass die Verantwortungsträger zusammen mit euch den Weg der sozialen Inklusion, den Weg der Erziehung, des Sports, des gemeinschaftlichen Handelns und des Schutzes der Familien einschlagen mögen, denn das ist die einzige Garantie für einen gerechten, wirklichen und dauerhaften Frieden.

Diese Wirklichkeiten, die ich aufgezählt habe, sind keine zufällige Kombination von Einzelproblemen. Sie sind vielmehr die Folge neuer Formen von Kolonialismus, der behauptet, die afrikanischen Länder seien »Teile einer gewaltigen Maschinerie« (Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Africa [14. September 1995], 52). Tatsächlich fehlt es nicht an Druck, damit sie politische Maßnahmen der Aussonderung ergreifen wie zum Beispiel die zur Geburtenbeschränkung – eine Art „Wegwerfpolitik“, die danach trachtet, »das gegenwärtige Modell der Verteilung zu legitimieren, in dem eine Minderheit sich für berechtigt hält, in einem Verhältnis zu konsumieren, das unmöglich verallgemeinert werden könnte« (Enzyklika Laudato si, 50).

In diesem Zusammenhang schlage ich vor, die Idee einer respektvollen städtischen Eingliederung wieder aufzugreifen. Weder Ausmerzung, noch Paternalismus, noch Gleichgültigkeit, noch bloße Zügelung. Wir brauchen Städte, die integriert und für alle da sind. Wir müssen die bloße Proklamation von Rechten, die in der Praxis nicht respektiert werden, überwinden, systematische Aktionen konkretisieren, welche den Lebensraum des Volkes verbessern, und neue wertvolle Siedlungen planen, um die kommenden Generationen zu beherbergen. Die soziale Schuld, die Umwelt-Schuld gegenüber den Armen der Städte bezahlt man, indem man das unantastbare Recht auf die „drei T“ (tierra, techo y trabajo – Land, Wohnung und Arbeit) verwirklicht. Das ist keine Philanthropie, es ist eine moralische Verpflichtung aller.

Ich möchte alle Christen, besonders die Hirten, aufrufen, den missionarischen Schwung zu erneuern, gegenüber so vielen Ungerechtigkeiten die Initiative zu ergreifen, in die Probleme der Nächsten einzugreifen, sie in ihrem Ringen zu begleiten, die Früchte ihrer Gemeinschaftsarbeit zu schützen und gemeinsam jeden kleinen und großen Sieg zu feiern. Ich weiß, dass sie schon viel tun, aber ich bitte sie, sich daran zu erinnern, dass es nicht eine zusätzliche Aufgabe, sondern jedes Mal die wichtigste Aufgabe ist, denn »die Armen sind die ersten Adressaten des Evangeliums« (Benedikt XVI., Ansprache anlässlich der Begegnung mit den Bischöfen Brasiliens [São Paulo, 11. Mai 2007], 3).

Liebe Bewohner dieses Viertels, liebe Brüder und Schwestern, beten, arbeiten und engagieren wir uns gemeinsam dafür, dass jede Familie eine würdige Wohnung hat, Zugang zum Trinkwasser hat, ein Bad hat und sichere Elektrizität, um Licht anzuzünden und zu kochen, und dass sie ihre Behausungen verbessern können…dass jedes Viertel Wege, Plätze, Schulen, Krankenhäuser, Sportplätze, Erholungszonen und Raum für Kunst hat; dass die wichtigsten Serviceleistungen jeden von euch erreichen; dass eure Forderungen und euer Ruf nach Chancen Gehör finden; dass alle den Frieden und die Sicherheit genießen können, die sie entsprechend ihrer unendlichen Menschenwürde verdienen.

Mungu awabariki!   (Gott segne euch!)

Und ich bitte euch von Herzen, vergesst nicht, für mich zu beten!

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Quelle

 

Papst Franziskus beendet seine Afrikareise

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Erst angekommen und schon wieder weg: Nach sechs intensiven Tagen und drei afrikansichen Ländern fliegt Franziskus wieder zurück nach Rom

Papst Franziskus hat seine erste Afrikareise beendet. Von Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik aus, brach er an diesem Montagmittag auf in Richtung Rom. Dort wird er am Abend gegen 19 Uhr zurückerwartet. Auf dem Flughafen von Bangui wurde Franziskus von der Übergangspräsidentin der Zentralafrikanischen Republik, Catherine Samba-Panza, verabschiedet; dabei wurden die Hymnen des Landes und des Vatikans gespielt, Reden wurden nicht gehalten. Vor seiner Abreise aus Bangui hatte der Papst im Stadion der Hauptstadt mit Zehntausenden von Menschen eine Messe gefeiert. Dabei rief er sie dazu auf, dem „Lockruf des Satans“ zu widerstehen und für eine „Erneuerung eures Landes“ zu arbeiten.

Es war die elfte Auslandsreise von Franziskus seit seinem Amtsantritt vom März 2013 gewesen. Vom 25. bis 30. November besuchte er Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik. Von Kenias Hauptstadt Nairobi aus rief der Papst im Hauptsitz des UNO-Umweltprogramms den Klimagipfel von Paris zu mutigen Entscheidungen auf. In Bangui öffnete er am Sonntagabend die erste Heilige Pforte des bevorstehenden Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Offiziell startet dieses Heilige Jahr erst am 8. Dezember in Rom.

(rv 30.11.2015 sk)

Papst an Kenias Jugend: Nein zu Tribalismus, Ja zum Gebet

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Der Papst mit Jugendlichen

Kenias Jugend sollte sich vor Spaltungen und Stammesdenken hüten. Das riet der Papst in einer engagierten, improvisierten Rede vor mehreren zehntausend Jugendlichen im Kasarani-Stadion der Hauptstadt Nairobi. Gleichzeitig prangerte der Papst am Freitagmorgen die Korruption als „Weg des Todes“ an.

Das einstündige Treffen begann mit den Berichten und Fragen von zwei jungen Leuten. Sie brachten den Papst dazu, sein vorbereitetes Redemanuskript beiseitezulegen und frei zu sprechen – auf Spanisch. Ein Vatikan-Mitarbeiter übersetzte das dann ins Englische.

Krieg und Spaltungen

Beim Thema „Krieg und Spaltungen“ wies Franziskus darauf hin, dass bereits auf den ersten Seiten der Bibel ein Brudermord beschrieben werde, „gleich nach den wunderbaren Dingen, die Gott erschaffen hat“. Der Geist des Bösen stifte die Menschen zur Zerstörung und zur Zerstrittenheit an, zum Tribalismus, zur Korruption, zur Drogenabhängigkeit. Das Gegenmittel dazu sei, so der Papst, das Gebet. „Das Leben ist voller Schwierigkeiten, aber es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu schauen: als etwas, das dich blockiert und bremst, oder als eine Chance. Ihr habt die Wahl!“

Stammesdenken

Eine große Herausforderung sei der Tribalismus, also das Stammesdenken. Man überwinde ihn nur durch „das Ohr, das Herz und durch die Hand“, also durch das Nachdenken, den Respekt und die Zuwendung. „Wenn ihr keinen Dialog führt und anderen nicht zuhört, dann bleibt ihr im Tribalismus stecken! Das ist wie ein Wurm, der in der Gesellschaft immer fetter wird“, fuhr Franziskus fort. Kenias Jugend solle die vielen Formen von Fanatismus überwinden und durch Dialog zu Einheit gelangen. „Wir sind eine Nation“, wiederholte der Papst in seiner improvisierten Ansprache; und er lud er die Anwesenden ein, sich die Hände zu reichen. Vielleicht eines der stärksten, symbolgeladenen Bilder dieser Afrikareise.

Korruption

Dann kam der Papst auf das Thema Korruption, die sich schlechthin nie rechtfertigen lasse. In der Politik und im täglichen Leben sei sie verbreitet, sogar im Vatikan gebe es Korruptionsfälle, so der Papst. Korruption sei etwas, das sich in den Menschen einniste; „wie Zucker, ganz süß, etwas das schmeckt und einfach ist“. Aber zu viel Zucker führe zu Diabetes, und das könne auch einem ganzen Land passieren. „Bitte: Gewöhnt euch nicht an diesen Zucker namens Korruption! Korruption ist kein Weg des Lebens, sie ist ein Weg des Todes.“

Familie

Ausdrücklich rief der Papst die Jugendlichen auf, die Familie zu schützen, die auch die älteren Menschen einschließen müsse. Überall gebe es verlassene Kinder, bei der Geburt verlassen oder vom Leben verlassen – sie spürten keine Familienliebe um sich herum. Das sei der Grund, warum Familie so wichtig sei. „Fleisch heilt Fleisch: Darum ist Gott Fleisch geworden, um sich uns anzunähern.“

Fanatismus

Franziskus prangerte auch ausdrücklich jede Form von Fanatismus an. Es sei nicht hinnehmbar, dass Jugendliche sich gegenseitig verletzten und vernichteten. Dazu brauche es den Geist der Einheit. „Fanatismus darf uns nicht den Bruder rauben!“ Man dürfe sich von Herausforderungen nicht überrollen lassen, sondern sie als Chance für einen Neuanfang begreifen. Vor allem sollten die Jugendlichen sich für die Armen einsetzen, aber auch für andere Jugendliche auf Abwegen, die etwa von kriminellen Gruppen rekrutiert würden.

Die beste Art und Weise, um die Radikalisierung von jungen Leuten zu verhindern, sei Ausbildung und Arbeit. Es bestehe eine soziale Gefahr, wenn ein Land von einem internationalen System abhänge, welches ungerecht sei. Da stehe nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern der Geld-Gott. „Was kann ich tun, um diesem jungen Menschen zu helfen und ihn zurückzubringen? Als erstes: Beten, aber kräftig! Gott ist stärker als jedwede Rekrutierungskampagne. Und dann: mit ihm voller Liebe und Sympathie sprechen – und mit viel Geduld. Ihn einladen zu einem Fußballmatch, zu einem Spaziergang, in deine Gruppe zu kommen. Lass ihn nicht allein!“

Kommunikation

Sogar zum Umgang mit den Medien sprach der Papst: Um die Botschaft Christi zu verbreiten und gute Initiativen zu fördern, sei vor allem Freundschaft nötig. „Wenn ihr euch einander annähert und euch anlächelt, auch wenn ihr aus verschiedenen Stämmen kommt, und wenn ihr euch den Armen, den Kranken, den Verlassenen, den Alten annähert, dann sind diese Kommunikationsgesten ansteckender als alle Fernsehkanäle!“

Glaube und Hoffnung

Der Papst erzählte auch etwas Persönliches, was vielen noch nicht bekannt war: In seiner Tasche trage er immer zwei Dinge mit sich, und zwar einen Rosenkranz, um zu beten, „und etwas Merkwürdiges: das hier!“ Er zeigte auf einen kleinen Taschen-Kreuzweg. „Mit diesen beiden Dingen in der Tasche tue ich, was ich kann. Dank dieser beiden Dingen verliere ich nie die Hoffnung.“

Nach der Begegnung mit den Jugendlichen traf der Papst in einem Nebenraum des Stadions mit den Bischöfen des Landes zu einer kurzen Begegnung zusammen. Für den Nachmittag steht die Weiterreise nach Uganda, der zweiten Station seiner ersten Afrika-Reise, auf dem Programm. Der rund 500 Kilometer weite Flug von Nairobi nach Entebbe dauert etwas über eine Stunde.

(rv 27.11.2015 mg)

Papst Franziskus bei der UNO in Nairobi (Kenia)

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Papst Franziskus bei den Vereinten Nationen in Nairobi

Papst Franziskus Ansprache bei den Büros der Vereinten Nationen
in Nairobi am 26. November 2015

 

Wir dokumentieren im Wortlaut.

Ich möchte mich bedanken für die freundliche Einladung und für die Worte, mit denen die Generaldirektorin des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi, Frau Sahle-Work Zewde, wie auch der Exekutiv-Direktor des Umwelt-Programms der Vereinten Nationen, Herr Achim Steiner, und der Exekutiv-Direktor des Programms UN-HABITAT, Herr Joan Clos, mich willkommen geheißen haben. Ich nutze die Gelegenheit, um das gesamte Personal zu grüßen sowie alle, die mit den hier gegenwärtigen Institutionen zusammenarbeiten.

Auf dem Weg zu diesem Saal wurde ich eingeladen, im Park des Zentrums der Vereinten Nationen einen Baum zu pflanzen. Ich habe mich gerne auf diese symbolische und einfache Geste eingelassen, die in vielen Kulturen reich an Bedeutung ist.

Einen Baum zu pflanzen, ist an erster Stelle eine Einladung, weiter gegen Phänomene wie die Entwaldung und die Wüstenbildung zu kämpfen. Es erinnert uns an die Wichtigkeit, die »an biologischer Vielfalt überreichen Lungen des Planeten« zu schützen und verantwortlich zu verwalten, wie wir das auf diesem Kontinent anhand des Kongobeckens gut beurteilen können. Es ist ein »für die Gesamtheit des Planeten und für die Zukunft der Menschheit« wesentlicher Ort. Hohe Wertschätzung und Ermutigung gilt deshalb stets der »Aufgabenstellung von internationalen Organisationen und Vereinigungen der Zivilgesellschaft, welche die Bevölkerungen sensibilisieren und kritisch mitwirken – auch unter Einsatz legitimer Druckmittel –, damit jede Regierung ihre eigene und nicht delegierbare Pflicht erfüllt, die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ihres Landes zu bewahren, ohne sich an unehrliche lokale oder internationale Interessen zu verkaufen« (Enzyklika Laudato si’, 38).

Andererseits veranlasst uns das Pflanzen eines Baumes, weiter zu vertrauen, zu hoffen und besonders dazu, uns mit eigenen Händen dafür zu engagieren, all die Situationen von Ungerechtigkeit und Verfall, unter denen wir heute leiden, umzukehren.

In wenigen Tagen wird in Paris ein wichtiges Treffen über den Klimawandel beginnen, wo die internationale Gemeinschaft als solche sich erneut mit dieser Problematik auseinandersetzen wird. Es wäre traurig – und ich wage zu sagen: sogar katastrophal –, wenn die Partikularinteressen über das Gemeinwohl siegen und dazu führen würden, die Information zu manipulieren, um die eigenen Planungen zu schützen.

In diesem internationalen Kontext, wo sich uns die Alternative stellt, die wir nicht ignorieren können, nämlich die Umwelt zu verbessern oder sie zu zerstören, weist jede kleine oder große individuelle oder kollektive Initiative zum Schutz der Schöpfung den sicheren Weg zu jener »großherzigen und würdigen Kreativität, die das Beste des Menschen an den Tag legt« (ebd., 211).

»Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle […] Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; er stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar« (ebd., 23. 25), deren Bewältigung »eine soziale Perspektive einbeziehen [muss], welche die Grundrechte derer berücksichtigt, die am meisten übergangen werden« (ebd., 93). Denn »der Missbrauch und die Zerstörung der Umwelt gehen zugleich mit einem unaufhaltsamen Prozess der Ausschließung einher« (Ansprache an die UN-Generalversammlung [25. September 2015]).

Die COP21 ist ein wichtiger Schritt in dem Prozess der Entwicklung eines neuen Energiesystems, das so wenig wie möglich von den fossilen Kraftstoffen abhängt, Energieeffizienz anstrebt und sich auffächert durch den Gebrauch von Energie mit niedrigem oder gar keinem CO2-Ausstoß. Wir stehen vor der großen politischen und wirtschaftlichen Verpflichtung, das Versagen und die Verzerrungen des aktuellen Entwicklungsmodells neu zu überdenken und zu korrigieren.

Die Vereinbarung von Paris kann ein deutliches Zeichen in dieser Richtung setzen, vorausgesetzt – wie ich bereits vor der Generalversammlung der UNO sagte – dass wir »jede Versuchung meiden […], einem Nominalismus zu verfallen, der sich in Deklarationen erschöpft und einen Beruhigungseffekt auf  das Gewissen ausübt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind« (ebd.). Darum hoffe ich, dass die COP21 zum Abschluss einer globalen und „verwandelnden“ Vereinbarung gelangt, die auf den Grundsätzen von Solidarität, Gerechtigkeit, Fairness und Beteiligung basiert und auf die Verfolgung dreier Ziele ausgerichtet ist, die zugleich vielschichtig und interdependent sind: Linderung der Auswirkung des Klimawandels, Kampf gegen die Armut und Achtung der Menschenwürde.

Trotz vieler Schwierigkeiten setzt sich zur Zeit die »Tendenz« durch, »den Planeten als Heimat zu begreifen und die Menschheit als ein Volk, das ein gemeinsames Haus bewohnt« (Enzyklika Laudato si’, 164). Kein Land kann sich bei seinem Handeln »einer allgemeinen Verantwortung entziehen. Wenn wir wirklich eine positive Veränderung wollen, müssen wir demütig unsere wechselseitige Abhängigkeit akzeptieren« (Ansprache an die Volksbewegungen [9. Juli 2015]). Das Problem entsteht, wenn wir meinen, Interdependenz sei gleichbedeutend mit einem Aufoktroyieren oder mit der Unterwerfung einiger im Hinblick auf die Interessen anderer – Unterwerfung des Schwächeren zugunsten des Stärkeren.

Es bedarf eines ehrlichen und offenen Dialogs in verantwortlichem Zusammenwirken aller: der politischen Verantwortungsträger, der Welt der Wissenschaft, des Unternehmertums und der Zivilgesellschaft. Es fehlt nicht an positiven Beispielen, die uns beweisen, dass eine wirkliche Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft fähig ist, bedeutende Ergebnisse zu erzielen.

Wir wissen andererseits, dass »die Menschen, die fähig sind, sich bis zum Äußersten herabzuwürdigen, […] sich auch beherrschen, sich wieder für das Gute entscheiden und sich bessern [können]« (Enzyklika Laudato si’, 205). Diese tiefe Einsicht lässt uns hoffen: Wenn die Menschheit des post-industriellen Zeitalters vielleicht als eine der verantwortungslosesten der Geschichte in der Erinnerung bleiben könnte, dann möge »die Menschheit vom Anfang des 21. Jahrhunderts in die Erinnerung eingehen […], weil sie großherzig ihre schwerwiegende Verantwortung auf sich genommen hat« (ebd., 165). Dazu ist es notwendig, dass die Wirtschaft und die Politik in den Dienst der Völker gestellt werden, wo »der Mensch im Einklang mit der Natur das gesamte System von Produktion und Distribution so gestaltet, dass die Fähigkeiten und die Bedürfnisse jedes Einzelnen einen angemessenen Rahmen im Gemeinwesen finden« (Ansprache an die Volksbewegungen [9. Juli 2015]). Es handelt sich nicht um eine phantastische Utopie, sondern im Gegenteil um eine realistische Perspektive, die den Menschen und seine Würde als Ausgangspunkt nimmt und als das Ziel, dem alles zufließen muss.

Der Kurswechsel, den wir brauchen, kann nicht verwirklicht werden ohne einen wesentlichen Einsatz für die Erziehung und die Ausbildung. Nichts wird möglich sein, wenn die politischen und technischen Lösungen nicht mit einem Erziehungsprozess einhergehen, der neue Lebensstile fördert. Einen neuen kulturellen Stil. Das verlangt eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, Kindern, Frauen und Männern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Kultur der Achtsamkeit nahezubringen – Achtsamkeit gegenüber sich selbst, gegenüber dem anderen, gegenüber der Umwelt – anstelle der Kultur des Verfalls und des Wegwerfens, in der man sich selbst, den anderen und die Umwelt „wegwirft“. Die Förderung des »Bewusstsein[s] des gemeinsamen Ursprungs, einer wechselseitigen Zugehörigkeit und einer von allen geteilten Zukunft […] würde [uns] die Entwicklung neuer Überzeugungen, Verhaltensweisen und Lebensformen erlauben. [Das ist] eine große kulturelle, spirituelle und erzieherische Herausforderung […], die langwierige Regenerationsprozesse beinhalten wird« (Enzyklika Laudato si’, 202), die wir noch rechtzeitig in Gang setzen können.

Die Verfalls- und Wegwerfkultur hat dazu geführt, den Götzen des Gewinns und des Konsums viele Gesichter, Geschichten und offensichtliche Folgen bei Tausenden von Menschen zu opfern. Wir müssen uns vor einem traurigen Zeichen der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hüten: davor, uns allmählich an das Leiden der anderen zu gewöhnen, als wäre es etwas Normales (Vgl. Botschaft zum Welternährungstag 2013 [16. Oktober 2013], 2) oder – noch schlimmer – uns mit den extremen und skandalösen Formen des „Wegwerfens“ und der sozialen Ausschließung abzufinden, wie sie uns in den neuen Formen der Sklaverei, in Menschenhandel, Zwangsarbeit, Prostitution und dem Handel mit Organen begegnen. »Tragisch ist die Zunahme der Migranten, die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird, und die in den internationalen Abkommen nicht als Flüchtlinge anerkannt werden; sie tragen die Last ihres Lebens in Verlassenheit und ohne jeden gesetzlichen Schutz« (Enzyklika Laudato si’, 25). Es sind viele Leben, viele Geschichten, viele Träume, die in unserer gegenwärtigen Zeit Schiffbruch erleiden. Davor dürfen wir nicht gleichgültig bleiben. Wir haben kein Recht dazu.

Parallel zur Unachtsamkeit gegenüber der Umwelt sind wir seit langem Zeugen einer schnell fortschreitenden Urbanisierung, die bedauerlicherweise häufig »das maßlose und ungeordnete Wachsen vieler Städte [verursacht], die für das Leben ungesund geworden sind« (ebd., 44) und sich als unwirtschaftlich erweisen. Zudem sind es Orte, wo sich besorgniserregende Symptome eines tragischen Zerreißens der Bande von Integration und sozialer Gemeinschaft ausbreiten. Das führt zur »Zunahme der Gewalt und [zum] Aufkommen neuer Formen sozialer Aggressivität, [zu] Rauschgifthandel und steigende[m] Drogenkonsum unter den Jüngsten, [zum] Verlust der Identität« (ebd., 46), zu Entwurzelung und zu sozialer Anonymität (vgl. ebd., 149).

Ich möchte allen Mut zusprechen, die auf lokaler und internationaler Ebene dafür arbeiten sicherzustellen, dass der Prozess der Urbanisierung sich in ein wirksames Mittel für Entwicklung und Integration verwandelt, um allen – und besonders den in den Randvierteln Lebenden – würdige Lebensbedingungen zu gewährleisten, indem man ihnen die Sicherheit der Grundrechte auf Land, Wohnung und Arbeit bietet. Es ist notwendig, Initiativen der Städteplanung und der Pflege der öffentlichen Plätze zu fördern, die in diese Richtung gehen und die Beteiligung der Menschen vor Ort vorsehen. Dabei geht es darum, den vielen Ungleichheiten und den Inseln städtischer Armut entgegenzuwirken, die nicht nur den wirtschaftlichen, sondern auch den gesellschaftlichen und ökologischen Bereich betreffen. Die kommende HABITAT-III-Konferenz, die für Oktober 2016 in Quito vorgesehen ist, könnte ein wichtiger Moment sein, um Wege ausfindig zu machen, wie man diesen Problemkreisen begegnen kann.

In wenigen Tagen wird diese Stadt Nairobi Sitz der 10. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation sein. 1967 stellte mein Vorgänger Paul VI. angesichts einer immer stärker interdependenten Welt – und indem er der aktuellen Wirklichkeit der Globalisierung um Jahre zuvorkam – Überlegungen darüber an, wie die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten ein grundlegendes Element für die Entwicklung der Völker oder aber Ursache von Elend und Ausschließung sein könnten (Vgl. Enzyklika Populorum progressio, 56-62). Auch wenn man anerkennt, dass vieles auf diesem Gebiet bereits getan wurde, scheint doch noch kein internationales Handelssystem erreicht zu sein, das gerecht ist und ganz im Dienst des Kampfes gegen Armut und Ausschließung steht. Die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten, die ein unerlässlicher Teil der Beziehungen zwischen den Völkern sind, können ebenso dazu dienen, die Umwelt zu schädigen, wie dazu, sie zurückzugewinnen und für die kommenden Generationen zu sichern.

Ich äußere meinen Wunsch, dass die Beschlüsse der kommenden Konferenz von Nairobi nicht nur ein bloßer Ausgleich von entgegengesetzten Interessen seien, sondern ein wirklicher Dienst an der Sorge für das gemeinsame Haus und an der ganzheitlichen Entwicklung der Menschen, speziell derer, die am meisten übergangen werden. Im Besonderen möchte ich mich den Sorgen weiter Kreise anschließen, die sich in der Mitarbeit an der Entwicklung und im Gesundheitswesen engagieren – unter ihnen auch die Ordensgemeinschaften, die sich um die Ärmsten und die am meisten Ausgeschlossenen kümmern – den Sorgen in Bezug auf die Vereinbarungen über das geistige Eigentum und den Zugang zu Medikamenten und zur medizinischen Grundversorgung. Die regionalen Freihandelsabkommen über den Schutz des geistigen Eigentums, besonders auf pharmazeutischem und biotechnologischem Gebiet, dürfen nicht nur die den Staaten bereits erteilten Befugnisse für multilaterale Vereinbarungen nicht begrenzen, sondern müssten im Gegenteil ein Mittel sein, um allen ein Minimum an Gesundheitsfürsorge und an Zugang zu den Basisheilmitteln zu gewähren. Die multilateralen Diskussionen müssen ihrerseits den ärmsten Ländern die Zeit, die Flexibilität und die notwendigen  Ausnahmen gewähren für eine geordnete und nicht traumatische Anpassung an die Handelsnormen. Die Interdependenz und die Integration der Ökonomien dürfen nicht die geringste Beeinträchtigung der bestehenden Gesundheitssysteme und der Sozialfürsorge beinhalten; sie müssen, im Gegenteil, ihre Schaffung und ihr Funktionieren begünstigen. Einige Gesundheits-Themen wie die Beseitigung der Malaria und der Tuberkulose, die Pflege der sogenannten „seltenen Krankheiten“ (orphan diseases) und die vernachlässigten Sektoren der Tropenmedizin verlangen eine primäre politische Beachtung, vor jeglichen anderen wirtschaftlichen oder politischen Interessen.

Afrika bietet der Welt eine Schönheit und einen natürlichen Reichtum, der uns veranlasst, den Schöpfer zu loben. Dieses Erbe Afrikas und der gesamten Menschheit ist ständig in Gefahr, aufgrund menschlicher Egoismen aller Art und aufgrund des Missbrauchs von Armut und Ausschließung zerstört zu werden. Im Kontext der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Staaten und den Völkern darf man nicht unterlassen, von Formen illegalen Handels zu sprechen, die in einem Milieu der Armut zunehmen und ihrerseits die Armut und die Ausschließung nähren. Der illegale Handel von Diamanten und Edelsteinen, von seltenen oder strategisch sehr wertvollen Metallen, von Hölzern und biologischem Material und von tierischen Produkten – wie im Fall des Elfenbeinhandels und des damit verbundenen Abschlachtens von Elefanten – fördert die politische Instabilität, das organisierte Verbrechen und den Terrorismus. Diese Situation ist auch ein Schrei der Menschen und der Erde, der von der internationalen Gesellschaft gehört werden muss.

Bei meinem jüngsten Besuch des Sitzes der UNO in New York konnte ich meinen Wunsch und meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass das Werk der Vereinten Nationen und aller multilateralen Entwicklungen »Unterpfand einer sicheren und glücklichen Zukunft für die kommenden Generationen sein [möge]. Und das wird es sein, wenn die Vertreter der Staaten verstehen, sektorale Interessen und Ideologien auszublenden, und aufrichtig nach dem suchen, was dem Gemeinwohl dienlich ist« (Ansprache an die UN-Generalversammlung [25. September 2015]).

Ich bekräftige noch einmal die Unterstützung der katholischen Gemeinschaft und meine eigene durch Gebet und Zusammenarbeit, damit die Früchte des regionalen Zusammenwirkens, die heute in der Afrikanischen Union und in den vielen afrikanischen Vereinbarungen über Handel, Zusammenarbeit und Entwicklung ihren Ausdruck finden, lebendig und kraftvoll sind und immer das Gemeinwohl der Söhne und Töchter dieses Landes im Auge haben.

Der Segen des Allmächtigen sei mit allen und mit jedem bzw. jeder Einzelnen von Ihnen sowie mit Ihren Völkern. Danke.

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Papst Franziskus vor dem Klerus und den Ordensleuten

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Papst Franziskus in Nairobi vor Klerikern, Ordensleuten und Seminaristen

Papst Franziskus Ansprache bei der Begegnung mit dem Klerus, den Ordensleuten und den Seminaristen in der St. Mary´s School in Nairobi am 26. November 2015. Franziskus hat diese Rede nicht gehalten, sondern frei gesprochen. Dennoch dokumentieren wir die vorbereitete Rede hier im Wortlaut.

V. Tumisufu Yesu Kristu!      (Gelobt sei Jesus Christus!)

R. Milele na Milele. Amina   (Von nun an bis in Ewigkeit. Amen)

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

Brüder und Schwestern gottgeweihten Lebens,

liebe Seminaristen,

ich freue mich sehr, bei euch zu sein, die Freude in euern Gesichtern zu sehen und eure Worte und eure glücklichen und hoffnungsvollen Gesänge zu hören. Ich danke Bischof Mukobo, Pater Phiri und Schwester Michael Marie für ihre Worte, mit denen sie mich in eurem Namen willkommen geheißen haben. Ich danke auch den Schwestern des heiligen Felix von Cantalice für ihre Gastfreundschaft.

Zu allererst danke ich euch für den aktiven Beitrag, den viele Gottgeweihte und Priester für die Kirche und für die kenianische Gesellschaft leisten. Ich bitte euch, eure Brüder und Schwestern, die heute nicht hier bei uns sein können, herzlich von mir zu grüßen, besonders die Alten und die Kranken eurer Gemeinschaften.

„[Gott], der bei euch das gute Werk begonnen hat, möge es auch vollenden bis zum Tag Christi Jesu“ (vgl. Phil 1,6). Heute Nachmittag möchte ich mir dieses innige Gebet, das von einem Wort des Apostels Paulus abgeleitet ist, zu Eigen machen, in Dankbarkeit für euren treuen Dienst für den Herrn inmitten seines Volkes.

Jeden Tag, wenn ihr euch in den Krankenhäusern und den Wohnungen unter die Kranken, die Leidenden, die Armen und die Ausgegrenzten begebt, verkündet ihr das liebevolle Erbarmen und Mitgefühl Gottes. In den Pfarreien, Schulen und Bildungsinstituten arbeitet ihr, um die jungen Menschen zu Christen und rechtschaffenen Bürgern zu erziehen. Diese Anstrengungen sind gut eingesetzt. Ihr helft, das geistige und moralische Leben der Gesellschaft auf soliden Fundamenten von Redlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität und auf dem verantwortlichen Gebrauch der Freiheit aufzubauen. Im Besonderen leistet ihr euren Dienst als lebendiges Zeichen der Gemeinschaft der Kirche, die alle Völker und Sprachen umgreift, niemanden ausschließt und das Heil aller sucht.

Ich bitte euch alle, eure Berufung als ein Geschenk Gottes zu bewahren und das Feuer eures Eifers stets neu zu entfachen. Diese Ermutigung gilt speziell den hier anwesenden Ordensleuten und den Personen gottgeweihten Lebens. Eure jungen Herzen sind von der Schönheit eines Lebens auf den Spuren Christi entflammt worden, das Gott und dem Nächsten geweiht ist. Wenn ihr täglich euer „Ja“ zum Ruf des Herrn, ihm gemäß dem Evangelium in Keuschheit, Armut und Gehorsam nachzufolgen, erneuert, gebt ihr ihm alles, was ihr habt und seid. Obwohl wir in der Welt leben und unser Apostolat ausüben, muss unser Herz immer zum Himmel gerichtet sein. Das persönliche, liturgische und gemeinschaftliche Gebet soll das Herzstück eures Tages sein. Und hier möchte ich den in Klausur lebenden gottgeweihten Personen danken für ihr verborgenes Apostolat, das so sehr zur Fruchtbarkeit der Mission der Kirche in diesem Land beiträgt.

Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, eure Berufung selbst fordert euch auf, in der Nachfolge Christi, des guten Hirten, die Armen und die Kranken aufzusuchen sowie alle, die der Barmherzigkeit Gottes bedürfen. Das ist die Quelle unserer Freude, Boten und Diener seines Mitgefühls und seiner Liebe zu sein, die er unterschiedslos für alle hegt. Unter den vielen Verpflichtungen und Tätigkeiten des pastoralen Dienstes müssen das Gebet, die priesterliche Brüderlichkeit, die geistige und herzliche Verbundenheit mit euren Bischöfen und die häufige Inanspruchnahme der Gnade des Bußsakramentes eure Kraftquelle und ein Bollwerk gegen die unterschwelligen Versuchungen der spirituellen Weltlichkeit sein. Der Herr beruft uns, Diener seiner Gnade zu sein trotz unserer Grenzen und Schwachheiten. Als unser ewiger Hoherpriester, der durch Leiden vollendet wurde (Hebr 2,10), wird er euer Zeugnis in der verwandelnden Kraft seines Kreuzes und in der Freude über seinen ewigen Sieg stärken.

Liebe junge Seminaristen, auch ihr seid meinem Herzen ganz nahe! Diese Jahre der Vorbereitung und der Unterscheidung sind eine Zeit voller Gnade, in der ihr euch über den Willen Gottes für euer Leben klar werdet. Von euch verlangt das Ehrlichkeit, Selbsterkenntnis und Lauterkeit der Absichten; außerdem muss es vom persönlichen Gebet getragen werden und von der inneren Freiheit gegenüber der Selbstsucht oder gegenüber negativen Anhänglichkeiten. Vor allem soll es eine Zeit geistlicher Freude sein – einer Freude, deren Quelle in einem für die Stimme Gottes offenen Herzen liegt, das demütig darauf vorbereitet ist, alles für den Dienst an seinem heiligen Volk zu opfern.

Liebe Freunde, das Evangelium, das wir verkünden und zu leben versuchen, ist kein einfacher Weg; es ist ein schmaler Pfad, erfüllt aber das Herz mit unsagbarer Freude. Noch einmal nehme ich die Worte des Apostels auf und versichere euch, dass ich immer mit Freude für euch bete (vgl. Phil 1,4). Ich bitte euch, für mich zu beten, und vertraue euch alle der grenzenlosen Liebe an, die wir in Christus Jesus erfahren haben. Allen erteile ich von ganzem Herzen meinen Segen.

Mungu awabariki!   (Gott segne euch!)

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Papst Franziskus vor Vertretern der kenianischen Regierung

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Papst Franziskus vor der Führungsschicht Kenias

Papst Franziskus Begegnung
mit Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens
sowie mit dem diplomatischen Korps in Nairobi, State House,
am 25. November 2015.

Wir dokumentieren im Wortlaut. 

Herr Präsident,
ehrenwerte Vertreter der Regierung und des öffentlichen Lebens,
sehr geehrte Mitglieder des Diplomatischen Corps,
liebe Mitbrüder im Bischofsamt,
meine Damen und Herren,

ich bin sehr dankbar für Ihren herzlichen Empfang bei diesem meinem ersten Besuch in Afrika. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für Ihre freundlichen Worte im Namen des kenianischen Volkes und ich freue mich auf meinen Aufenthalt bei Ihnen. Kenia ist eine junge und lebenssprühende Nation, eine sehr vielfältige Gesellschaft, die in der Region eine bedeutende Rolle spielt. In vieler Hinsicht ist Ihre Erfahrung der Gestaltung einer Demokratie die gleiche wie in vielen anderen afrikanischen Nationen. Wie Kenia arbeiten auch diese daran, auf den soliden Fundamenten der gegenseitigen Achtung, des Dialogs und des Zusammenwirkens eine multiethnische Gesellschaft aufzubauen, die wirklich harmonisch, gerecht und inklusiv ist.

Ihre Nation ist auch eine Nation junger Menschen. Ich freue mich darauf, in diesen Tagen vielen von ihnen zu begegnen, mit ihnen zu sprechen und sie in ihren Hoffnungen und Bestrebungen für die Zukunft zu ermutigen. Die Jugendlichen sind die wertvollste Ressource jeder Nation. Sie zu schützen, in sie zu investieren und ihnen eine helfende Hand zu reichen, ist die beste Weise, wie wir eine Zukunft sichern können, die der Weisheit und der geistigen Werte ihrer Vorfahren würdig ist – Werte, die das eigentliche Wesen eines Volkes ausmachen.

Kenia ist nicht allein durch eine unermessliche Schönheit in seinen Bergen, Flüssen und Seen, seinen Wäldern, Savannen und Halbwüsten gesegnet, sondern auch durch einen Überfluss an natürlichen Ressourcen. Das kenianische Volk hat einen starken Sinn für diese gottgegebenen Schätze und ist bekannt für eine Kultur des Bewahrens, die Ihnen alle Ehre macht. Die schwere Umweltkrise, mit der unsere Welt konfrontiert ist, verlangt eine immer größere Sensibilität für den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur. Wir tragen eine Verantwortung dafür, die Schönheit der Natur in ihrer Unversehrtheit an die kommenden Generationen weiterzugeben, und sind verpflichtet, die erhaltenen Gaben in rechter Weise zu verwalten. Diese Werte sind tief in der afrikanischen Seele verwurzelt. In einer Welt, die fortfährt, unser gemeinsames Haus eher auszubeuten, als es zu schützen, müssen sie die Bemühungen nationaler Leader um die Förderung verantwortlicher Modelle des Wirtschaftswachstums inspirieren.

Tatsächlich besteht eine deutliche Verbindung zwischen dem Umweltschutz und dem Aufbau einer gerechten und fairen Gesellschaftsordnung. Es kann keine Erneuerung unserer Beziehung zur Natur geben ohne eine Erneuerung der Menschheit selbst (vgl. Laudato si’, 118). In dem Maße, in dem unsere Gesellschaften ethnische, religiöse oder  wirtschaftliche Spaltungen erleben, sind alle Menschen guten Willens aufgefordert, für Versöhnung und Frieden, Vergebung und Heilung zu arbeiten. Bei der Bemühung, eine gesunde demokratische Ordnung zu schaffen und Zusammenhalt und Integration, Toleranz und Achtung gegenüber anderen zu stärken, muss die Verfolgung des Gemeinwohls ein Hauptziel sein. Die Erfahrung zeigt, dass Gewalt, Konflikt und Terrorismus durch Angst, Misstrauen und durch die Verzweiflung genährt werden, die aus Armut und Frustration entspringt. Letztlich muss der Kampf gegen diese Feinde des Friedens und des Wohlstands von Männern und Frauen geführt werden, die unerschrocken an die großen geistigen und politischen Werte, welche die Geburt der Nation inspirierten, glauben und sie ehrlich bezeugen.

Meine Damen und Herren, die Förderung und Bewahrung dieser großen Werte ist in besonderer Weise Ihnen, den Leaders des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens Ihres Landes anvertraut. Das ist eine große Verantwortung, eine wahre Berufung im Dienst des gesamten kenianischen Volkes. Das Evangelium sagt uns, dass von denjenigen, denen viel anvertraut wurde, viel verlangt wird (vgl. Lk 12,48). In diesem Sinn ermuntere ich Sie, mit Rechtschaffenheit und Transparenz für das Gemeinwohl zu arbeiten und in allen Gesellschaftsschichten einen Geist der Solidarität zu fördern. Ich bitte Sie insbesondere, eine aufrichtige Sorge für die Bedürfnisse der Armen und die Bestrebungen der Jugendlichen erkennen zu lassen und für eine gerechte Verteilung der natürlichen und menschlichen Ressourcen zu sorgen, mit denen der Schöpfer Ihr Land gesegnet hat. Ich versichere Sie der ständigen Bemühungen der Gemeinschaft der katholischen Christen, durch ihre  Bildungseinrichtungen und ihre karitativen Werke ihren besonderen Beitrag auf diesen Gebieten zu leisten.

Liebe Freunde, man hat mir gesagt, dass es hier in Kenia bei den kleinen Schulkindern Tradition ist,  Bäume für die Nachwelt zu pflanzen. Möge dieses beredte Zeichen der Hoffnung auf die Zukunft und des Vertrauens auf das von Gott gegebene Wachstum Sie alle in Ihren Bemühungen unterstützen, auf dem Boden dieses Landes und überall auf dem großen afrikanischen Kontinent eine Gesellschaft der Solidarität, der Gerechtigkeit und des Friedens zu fördern. Ich danke Ihnen nochmals für Ihren herzlichen Empfang und rufe auf Sie und Ihre Familien sowie auf das ganze geschätzte kenianische Volk den reichen Segen des Herrn herab.

Mungu abakiri Kenya!    (Gott segne Kenia!)

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Papstpredigt auf dem Campus der Universität Nairobi

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Papstmesse in Nairobi

Papstpredigt während der Eucharistiefeier
auf dem Campus der Universität Nairobi
am 26. November 2015.


Wir dokumentieren im Wortlaut:

Das Wort Gottes spricht zu uns in der Tiefe unseres Herzens. Heute sagt Gott uns, dass wir ihm gehören. Er hat uns gemacht, wir sind seine Familie, und er wird immer für uns da sein. Fürchtet euch nicht, sagt er uns, ich habe euch erwählt und verspreche euch, euch meinen Segen zu geben (vgl. Jes 44,2-3).

Diese Verheißung haben wir in der ersten Lesung von heute gehört. Der Herr sagt uns, dass er in der Wüste, in einem dürstenden Land, Wasser hervorsprudeln lassen wird; er wird bewirken, dass die Kinder seines Volkes wie Schilfgras aufsprossen und wie üppig wachsende Weidenbäume. Wir wissen, dass diese Prophetie sich in der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten verwirklicht hat. Aber wir sehen auch, dass sie sich überall dort erfüllt, wo das Evangelium verkündet wird und neue Völker Glieder der Familie Gottes, der Kirche, werden. Heute freuen wir uns, weil sie sich in diesem Land erfüllt hat. Durch die Verkündigung des Evangeliums seid auch ihr Teil der großen christlichen Familie geworden.

Die Prophetie Jesajas lädt uns ein, auf unsere Familien zu schauen und uns bewusst zu werden, wie wichtig sie im Plan Gottes sind. Die Gesellschaft Kenias ist lange Zeit hindurch mit einem soliden Familienleben, mit einer tiefen Achtung vor der Weisheit der Alten und mit einer Liebe zu den Kindern gesegnet gewesen. Die Gesundheit jeder Gesellschaft hängt von der Gesundheit der Familien ab. Zu ihrem Wohl und zum Wohl der Gesellschaft ruft uns unser Glaube an das Wort Gottes auf, die Familien in ihrer Sendung in der Gesellschaft zu unterstützen, die Kinder als einen Segen für unsere Welt anzunehmen und die Würde jedes Mannes und jeder Frau zu verteidigen, denn wir alle sind Brüder und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie.

Im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes sind wir auch aufgerufen, uns Bräuchen zu widersetzen, die die Arroganz unter den Menschen begünstigen, die die Frauen verletzen oder verachten und das Leben der unschuldigen Ungeborenen bedrohen. Wir sind aufgerufen, uns gegenseitig zu achten und zu ermutigen und alle zu erreichen, die in Not sind. Die christlichen Familien haben diese besondere Aufgabe: die Liebe Gottes auszustrahlen und das lebenspendende Wasser seines Geistes zu verströmen. Das ist heute besonders wichtig, denn wir erleben die Ausbreitung neuer Wüsten, die durch eine Kultur des Materialismus und der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen gebildet werden.

Der Herr macht uns noch eine andere Verheißung in den Lesungen von heute. Als der gute Hirt, der uns auf den Pfaden des Lebens leitet, verspricht er uns, dass er uns für lange Zeit in seinem Hause wohnen lässt (vgl. Ps 23,6). Auch hier sehen wir seine Verheißung im Leben der Kirche erfüllt. In der Taufe führt er uns zum Ruheplatz am Wasser und schenkt unserer Seele neues Leben; in der Firmung salbt er uns mit dem Öl der geistlichen Freude und der Kraft; und in der Eucharistie deckt er uns den Tisch und bereitet uns das Mahl seines Leibes und Blutes für das Heil der Welt.

Wir brauchen diese Gnadengaben! Die Welt braucht diese Gaben! Kenia braucht diese Gaben! Sie stärken uns in der Treue inmitten der Widrigkeiten, wenn es uns scheint, als wanderten wir im »Tal des Todesschattens« (vgl. Ps23,4). Aber sie verwandeln auch unsere Herzen. Sie machen uns zu treueren Jüngern des göttlichen Meisters, zu Gefäßen der Barmherzigkeit und des liebevollen Entgegenkommens in einer Welt, die vom Egoismus, von der Sünde und von der Spaltung verletzt ist. Dies sind die Gaben, mit denen Gott euch in seiner Vorsehung fähig macht, als Männer und Frauen des Glaubens zum Aufbau eures Landes in bürgerlicher Eintracht und in brüderlicher Solidarität beizutragen. Es sind besonders Gaben, die mit den jungen Menschen geteilt werden müssen, die hier wie anderswo auf diesem großen Kontinent die Zukunft der Gesellschaft darstellen.

Hier, im Zentrum dieser Universität, wo der Geist und die Herzen der neuen Generationen geformt werden, appelliere ich besonders an die jungen Menschen der Nation. Mögen die großen Werte der afrikanischen Tradition, die Weisheit und die Wahrheit des Wortes Gottes und der großherzige Idealismus eurer Jugend euch in dem Einsatz leiten, eine Gesellschaft zu bilden, die immer gerechter, immer inklusiver und immer respektvoller gegenüber der Menschenwürde ist. Mögen euch immer die Bedürfnisse der Armen am Herzen liegen, und verwerft alles, was zu Vorurteil und Diskriminierung führt, denn diese Dinge sind – wie wir wissen – nicht von Gott.

Alle kennen wir gut das Gleichnis Jesu von dem Mann, der sein Haus auf Sand baute statt auf den Felsen. Als die Stürme tobten, stürzte es ein und wurde völlig zerstört (vgl. Mt 7,24-27). Gott ist der Fels, auf den wir bauen sollen. Er sagt uns das in der ersten Lesung und fragt uns: »Gibt es einen Gott außer mir?« (Jes 44,8).

Wenn der auferstandene Jesus im heutigen Evangelium bekräftigt: »Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde« (Mt 28,18), sagt er uns, dass er selbst, der Sohn Gottes, der Fels ist. Außer ihm gibt es niemanden. Als einziger Retter der Menschheit möchte er Männer und Frauen aller Zeiten und Orte zu sich ziehen, um sie zum Vater bringen zu können. Er möchte, dass wir alle unser Leben auf dem festen Fundament seines Wortes aufbauen.

Das ist der Grund, warum Jesus nach seiner Auferstehung und im Moment seiner Rückkehr zum Vater seinen Aposteln den großen Missionsauftrag erteilt hat, den wir im heutigen Evangelium gehört haben: »Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Mt 28,19-20).

Und das ist die Aufgabe, die der Herr jedem von uns gibt. Er verlangt von uns, missionarische Jünger zu sein, Männer und Frauen, die die Wahrheit, die Schönheit und die Kraft des Evangeliums ausstrahlen, das das Leben verwandelt. Männer und Frauen, die Kanäle der Gnade Gottes sind, die seiner Barmherzigkeit, seinem Wohlwollen und seiner Wahrheit erlauben, die Bauelemente für ein Haus zu werden, das fest und beständig bleibt. Ein Haus, das ein Heim ist, in dem Brüder und Schwestern endlich in Eintracht und gegenseitiger Achtung leben, im Gehorsam gegenüber dem Willen des wahren Gottes, der uns in Jesus den Weg zu jener Freiheit und jenem Frieden gezeigt hat, nach denen alle Herzen streben.

Jesus, der gute Hirt, der Fels, auf den wir unser Leben bauen, leite euch und eure Familien alle Tage eures Lebens auf dem Weg des Guten und der Barmherzigkeit. Er segne alle Einwohner Kenias mit seinem Frieden.

»Seid stark im Glauben! Habt keine Angst!« Denn ihr gehört dem Herrn.

Mungu awabariki!            (Gott segne euch!)

Mungu abariki Kenya!       (Gott segne Kenia!)

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