Kardinal Burke spricht die „Dubia“ ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung an – Fortsetzung und Schluss

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Hat der Papst nicht deutlich gemacht, wo er mit seinem Brief an die argentinischen Bischöfe steht, in dem er sagte, es gebe „keine andere Interpretation“ als die Richtlinien, die jene Bischöfe veröffentlicht haben – Richtlinien, die die Möglichkeit offen ließen, dass einige sexuell aktive unverheiratete Paare die Heilige Kommunion empfangen könnten?

(Einschub von mir [POS]:) Siehe hierzu diesen Artikel aus ACIPRENSA

Im Gegensatz zu dem, was einige behauptet haben, können wir den Brief des Papstes an die Bischöfe der Region Buenos Aires, der kurz vor dem Empfang der Dubia geschrieben wurde und die Kommentare zu den pastoralen Richtlinien der Bischöfe enthält, nicht als angemessene Antwort auf die gestellten Fragen betrachten. Einerseits können diese Richtlinien auf unterschiedliche Weise interpretiert werden; andererseits ist nicht klar, ob dieser Brief ein lehramtlicher Text ist, mit dem der Papst zur weltumfassenden Kirche als Nachfolger Petri sprechen wollte. Die Tatsache, dass der Brief zuerst bekannt wurde, weil er der Presse zugespielt worden war – und erst später vom Heiligen Stuhl veröffentlicht wurde – wirft einen berechtigten Zweifel an der Absicht des Heiligen Vaters auf, ihn an die universale Kirche zu richten. Darüber hinaus würde es sich als ziemlich erstaunlich herausstellen – und im Gegensatz zu dem explizit formulierten Wunsch von Papst Franziskus, die konkrete Anwendung von Amoris Laetitia den Bischöfen jedes Landes zu überlassen (Amoris Laetitia, 3) – dass er nun der ganzen universalen Kirche auferlegen wollte, was nur die konkreten Anweisungen für eine bestimmte Region sein können. Und sollten nicht die verschiedenen Dispositionen, die von verschiedenen Bischöfen in ihren Diözesen von Philadelphia bis Malta verkündet wurden, alle als ungültig angesehen werden? Eine Lehre, die hinsichtlich ihrer Autorität und ihres wirksamen Inhalts nicht hinreichend bestimmt ist, kann die Klarheit der ständigen Lehre der Kirche, die ohnehin immer normativ bleibt, nicht in Frage stellen.

Machen Sie sich auch Sorgen darüber, dass einige Bischofskonferenzen es gewissen wiederverheirateten Geschiedenen, die more uxorio (in sexuellen Beziehungen) leben, gestatten, die heilige Kommunion ohne festen Bekehrungswillen zu empfangen, die damit der früheren päpstlichen Lehre widersprechen, insbesondere der apostolischen Exhortation von Papst Johannes Paul II. in  Familiaris Consortio?

Ja, die Dubia oder Fragen bleiben offen. Diejenigen, die behaupten, dass die Disziplin, die von Familiaris Consortio 84 gelehrt wird, sich geändert habe, widersprechen einander, wenn es darum geht, die Gründe und die Konsequenzen zu erklären. Einige gehen sogar so weit zu sagen, dass die in einer neuen Vereinigung Geschiedenen, die weiter more uxorio leben, sich nicht in einem objektiven Zustand der Todsünde befinden (mit Zitat zur Unterstützung aus Amoris Laetitia, 303); andere leugnen diese Interpretation (mit Zitat zur Unterstützung aus Amoris Laetitia, 305), überlassen es aber ganz dem Gewissensurteil, die Kriterien für den Zugang zu den Sakramenten zu bestimmen. Es scheint, dass das Ziel der Dolmetscher darin besteht, in irgendeiner Weise zu einer Änderung der Disziplin zu gelangen, während die Gründe, die sie zu diesem Zweck anführen, keine Rolle spielen, und sie zeigen auch keine Bedenken darüber, wie sehr sie wesentliche Teile des Glaubensgutes in Gefahr bringen.

Welche greifbare Wirkung hat dieses Interpretations-Durcheinander gehabt?

Diese hermeneutische Verwirrung hat bereits zu einem traurigen Ergebnis geführt. In der Tat hat die Zweideutigkeit bezüglich eines konkreten Punktes der Familien-Pastoral einige dazu geführt, einen Paradigmawechsel in Bezug auf die gesamte moralische Praxis der Kirche vorzuschlagen, deren Grundlagen von Johannes Paul II. In seiner Enzyklika Veritatis Splendor autoritativ gelehrt wurden.

In der Tat ist ein Prozess in Gang gesetzt worden, der wesentliche Teile der Tradition umstößt. Was die christliche Moral betrifft, so behaupten einige, dass absolute moralische Normen relativiert werden müssten und dass ein subjektives, auf sich selbst bezogenes Gewissen einen – letztlich zweideutigen – Vorrang in Angelegenheiten haben muss, die die Moral berühren. Was also auf dem Spiel steht, ist nichts Geringeres als das Kerygma oder die grundlegenden Botschaft des Evangeliums. Wir sprechen davon, ob die Begegnung eines Menschen mit Christus durch die Gnade Gottes dem Pfad des christlichen Lebens Gestalt geben kann, damit er mit dem weisen Plan des Schöpfers in Einklang steht. Um zu verstehen, wie weitreichend diese vorgeschlagenen Änderungen sind, genügt es, darüber nachzudenken, was geschehen würde, wenn diese Argumentation auf andere Fälle angewendet würde, wie die eines Arztes, der Abtreibungen durchführt, eines Politikers, der einem Korruptionsring angehört, von einer leidenden Person, die beschließt, einen Antrag auf Beihilfe zum Selbstmord zu stellen …

Einige haben gesagt, die schädlichste Wirkung von all dem sei, dass es einen Angriff auf die Sakramente und die Moral-Lehre der Kirche darstelle. Wie ist das so?

Über die moralische Debatte hinaus erodiert der Sinn der kirchlichen sakramentalen Praxis zunehmend in der Kirche, besonders wenn es um die Sakramente der Buße und der Eucharistie geht. Das entscheidende Kriterium für die Zulassung zu den Sakramenten war immer die Kohärenz der Lebensweise einer Person mit den Lehren Jesu. Wenn stattdessen das entscheidende Kriterium nun das Fehlen einer subjektiven Schuld eines Menschen werden würde – wie einige Ausleger von Amoris Laetitia vorgeschlagen haben – würde dies nicht das Wesen der Sakramente verändern? In der Tat sind die Sakramente keine privaten Begegnungen mit Gott, noch sind sie Mittel der sozialen Integration in eine Gemeinschaft. Vielmehr sind sie sichtbare und wirksame Zeichen unserer Eingliederung in Christus und seine Kirche, in und durch die sich die Kirche öffentlich bekennt und ihren Glauben in die Tat umsetzt. Würde man also die subjektiv verminderte Schuld oder Schuldlosigkeit eines Menschen in das entscheidende Kriterium für die Zulassung der Sakramente verwandeln, so würde man die regula fidei, die Glaubensregel, gefährden, die die Sakramente nicht nur durch Worte verkünden und auslösen, sondern auch durch sichtbare Gesten. Wie könnte die Kirche weiterhin das universale Sakrament des Heils sein, wenn die Bedeutung der Sakramente von ihrem Inhalt entleert werden sollte?

Trotz Ihnen und vielen anderen, einschließlich mehr als 250 Akademikern und Priestern, die eine filial correction unterschrieben haben, haben Sie sehr ernsthafte Bedenken gegenüber den Auswirkungen dieser Passagen in Amoris Laetitia, und weil Sie bisher keine Antwort vom Heiligen Vater erhalten haben, machen Sie hier einen letzten Anpell an ihn?

Ja, aus diesen schwerwiegenden Gründen wende ich mich ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dubia erneut an den Heiligen Vater und an die ganze Kirche und betone, wie dringend es ist, dass der Papst bei der Ausübung des Dienstes, den er vom Herrn erhalten hat, seine Brüder im Glauben bestärken sollte mit einer klaren Formulierung der Lehre sowohl über die christliche Moral als auch über die Bedeutung der sakramentalen Praxis der Kirche.

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Quelle

Kardinal Burke spricht die „Dubia“ ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung an

Cardinal Walter Brandmüller and Cardinal Raymond Burke pictured at a Pontifical High Mass in St. Peter’s basilica to mark the 10th anniversary of Summorum Pontificum, Sept. 16, 2017. (Edward Pentin photo)

In der Absicht, zwei kürzlich verstorbene Kardinäle zu ehren, macht der amerikanische Kardinal einen letzten Appell an den Heiligen Vater, um Klarheit zu schaffen, indem er sagt, dass die „ernste“ Situation „sich ständig verschlechtere“ und dass es „dringend“ sei, seine Brüder im Glauben zu bestärken.“

Von Edward Pentin

(Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

 

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dubia hat Kardinal Raymond Burke dem Heiligen Vater ein letztes Plädoyer für die Klärung wichtiger Aspekte seiner moralischen Lehre gegeben. Er sagte, die Schwere der Situation verschlechtere sich ständig.

In einem Interview vom 14. November mit dem National Catholic Register sagte Kardinal Burke, er wende sich wieder „an den Heiligen Vater und an die ganze Kirche“, um zu betonen, „wie dringlich es ist, den Dienst, den er vom Herrn empfangen hat, auszuüben. Der Papst sollte seine Brüder im Glauben mit einem klaren Ausdruck der Lehre sowohl über die christliche Moral als auch über die Bedeutung der sakramentalen Praxis der Kirche bestärken.“

Am 19. September letzten Jahres unterzeichneten Kardinal Burke zusammen mit den Kardinälen Walter Brandmüller und den kürzlich verstorbenen Kardinälen Joachim Meisner und Carlo Caffarra die Dubia an den Papst. Sie machten die Initiative am 14. November 2016 öffentlich, als klar wurde, dass der Heilige Vater nicht antworten würde.

Auf die Klärung der umstrittenen Passagen aus Kapitel 8 seines nachsynodalen Apostolischen Schreibens Amoris Laetitia gerichtet, versuchte die Fünf-Fragen-Dubia – eine uralte und gebräuchliche Praxis zur Klärung von Glaubensrichtungen – unter anderem zu ermitteln, ob die frühere kirchliche Lehre in Kraft bleibe, die verbietet, dass zivil „Wiederverheiratete“ Geschiedene, die sexuelle Beziehungen haben, die Sakramente empfangen können.

Seitdem Amoris Laetitia im April 2016 veröffentlicht wurde, haben einige Bischofskonferenzen auf der Grundlage der Exhortation (des Nachsynodalen Schreibens) gesagt, dass einige zivil wiederverheiratete Geschiedene jetzt die Sakramente je nach ihren persönlichen Umständen empfangen können, während andere, die ihre Position auf die immerwährende Lehre der Kirche gründen, sagen, dass sie es nicht können.

„Die Sorge war und ist, genau zu bestimmen, was der Papst als Nachfolger von Petrus lehren wollte“, sagte Kardinal Burke.

„Weit davon entfernt, dass die Bedeutung unserer Fragen geringer geworden sind“, macht die gegenwärtige Situation sie „noch dringlicher“, fügte er hinzu.

Er machte es in diesem frischen Interview auch deutlich, dass er beabsichtigt, die beiden verstorbenen Kardinäle zu ehren, indem er die Position der Unterzeichner der Dubia unterstreicht und eine Zusammenfassung der Situation gibt.


Ihre Eminenz, in welchem ​​Stadium sind wir seitdem Sie, Kardinal Walter Brandmüller, und die zwei kürzlich verstorbenen Kardinäle, Carlo Caffarra und Joachim Meisner, die Dubia diese Woche vor einem Jahr veröffentlichten?

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der Dubia zu Amoris Laetitia, die keinerlei Antwort vom Heiligen Vater erhalten haben, beobachten wir eine zunehmende Verwirrung über die Interpretationsweisen des Apostolischen Schreibens. Daher wird unsere Besorgnis wegen der Situation der Kirche und ihrer Sendung in der Welt immer dringender. Ich bleibe natürlich in regelmäßigen Gesprächen mit Kardinal Walter Brandmüller über diese schwerwiegenden Angelegenheiten. Wir beide bleiben in tiefer Verbundenheit mit den beiden verstorbenen Kardinälen Joachim Meisner und Carlo Caffarra, die im Laufe der letzten Monate verstorben sind. Ich stelle damit noch einmal den Ernst der Lage dar, der sich immer weiter verschlimmert.

Es ist viel über die Gefahren des zweideutigen Charakters von Kapitel 8 von Amoris Laetitia gesagt worden, wobei betont wird, dass es offen ist für viel Interpretation. Warum ist Klarheit so wichtig?

Klarheit in der Lehre impliziert keine Starrheit, welche die Menschen davon abhalten würde, auf dem Pfad des Evangeliums zu gehen, sondern im Gegenteil: Klarheit liefert das Licht, das notwendig ist, um Familien auf dem Weg der christlichen Jüngerschaft zu begleiten. Es ist Dunkelheit, die uns davon abhält, den Weg zu sehen, und die die Evangelisierungshandlung der Kirche behindert, wie Jesus sagt: „Die Nacht kommt, da niemand mehr arbeiten kann“ (Joh 9,4).

Könnten Sie mehr über die aktuelle Situation im Zusammenhang mit der Dubia erzählen?

Die gegenwärtige Situation, weit entfernt davon, die Bedeutung der Dubia (Zweifel) oder Fragen zu verringern, macht sie noch dringender. Es ist überhaupt nicht – wie einige behauptet haben – eine Angelegenheit einer „betroffenen Unwissenheit“, die nur deshalb Zweifel aufwirft, weil sie nicht willens ist, eine gegebene Lehre anzunehmen. Vielmehr war und ist das Anliegen genau zu bestimmen, was der Papst als Nachfolger von Petrus lehren wollte. So ergeben sich die Fragen aus der Anerkennung des Petrusamtes, das Papst Franziskus vom Herrn erhalten hat, um seine Brüder im Glauben zu bestärken. Das Lehramt ist Gottes Geschenk an die Kirche, um Klarheit über Fragen zu schaffen, die das Glaubensgut betreffen. Aussagen, denen diese Klarheit fehlt, können ihrem Wesen nach keine qualifizierten Ausdrücke des Lehramtes sein.

Warum ist es Ihrer Meinung nach so gefährlich, dass es unterschiedliche Interpretationen von Amoris Laetitia gibt, besonders über die pastorale Behandlung derjenigen, die in irregulären Beziehungen leben, und insbesondere der zivilrechtlich wiederverheirateten Geschiedenen?

Es ist offensichtlich, dass einige von Amoris Laetitia’s Angaben über wesentliche Aspekte des Glaubens und der Ausübung des christlichen Lebens verschiedene Interpretationen erhalten haben, die voneinander abweichen und manchmal miteinander unvereinbar sind. Diese unbestreitbare Tatsache bestätigt, dass diese Hinweise ambivalent sind und eine Vielzahl von Lesarten zulassen, von denen viele im Gegensatz zur katholischen Lehre stehen. Die Fragen, die wir Kardinäle aufgeworfen haben, richten sich auf das, was genau der Heilige Vater gelehrt hat und wie seine Lehre mit dem Glaubensgut (depositum fidei) harmoniert, da das Lehramt nicht über dem Wort Gottes steht, sondern ihm dient, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft. (2. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 10).

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Fortsetzung folgt!

Vatikan: Welche Aufgaben hat Kardinal Burke bei Gericht?

Die drei Kirchengerichte der Weltkirche sind im Palazzo della Cancelleria untergebracht

Die Berufung von Kardinal Raymond L. Burke an die Apostolische Signatur hat die Frage aufgeworfen, worin die Arbeit der Mitglieder dieses höchsten Kirchengerichts besteht. Der US-amerikanische Kardinal, dem auch Kritiker hohe Kompetenz im Kirchenrecht bescheinigen, hatte bis 2014 als Präfekt der Signatur gewirkt, ehe Papst Franziskus ihn zum Kardinalpatron des Malteserordens bestimmte. Nun holte Franziskus den Kardinal zurück an das Gericht, allerdings nicht als Leiter, sondern als Mitglied. Burke gilt als traditionsverbunden. Zusammen mit drei weiteren Kardinälen hatte er dem Papst in einem Brief seine Zweifel – „dubia“ – über den von Franziskus eingeschlagenen Kurs in moraltheologischen Fragen unterbreitet; Franziskus hat dieses Schreiben der vier Kardinäle nicht beantwortet.

Die Apostolische Signatur steht an der Spitze der Gerichtsbarkeit in der katholischen Weltkirche. Die Mitglieder – etwa 18 an der Zahl – sind zugleich Richter. Franziskus ernannte zusammen mit Burke noch vier weitere neue Mitglieder des Gerichts.

Geleitet wird die Apostolische Signatur vom Präfekten, der jeweils ein Kardinal ist und das ganze Jahr über anwesend sein muss. Anders die Mitglieder: Sie sind Kardinäle oder Bischöfe aus der ganzen Weltkirche, die drei- bis viermal pro Jahr zu Richterkollegien am Sitz des Tribunals in Rom zusammenkommen und dabei gemeinsam Urteile fällen. Außerdem treffen sich alle Angehörigen der Signatur zur Vollversammlung, wenn Grundsatzfragen zur kirchlichen Rechtspflege auf Weltebene zu klären sind. Dies ist nicht oft der Fall: Die letzte Vollversammlung an der Signatur war im Februar 2011 und erörterte die Rolle des Ehebandverteidigers im Ehenichtigkeitsprozess.

Wie arbeiten die Richter der Signatur?

Die Richter der Signatur erhalten die Akten der einzelnen Fälle nach Hause zugestellt, wo sie sie studieren und sich ihre Meinung bilden. Das Urteil fällen die Richter gemeinsam im Kollegium, normalerweise zu fünft. Die verhandelten Streitsachen betreffen beispielsweise Nichtigkeitsbeschwerden gegen Urteile oder endgültige Dekrete der Römischen Rota, des päpstlichen Berufungsgerichts für die gesamte Weltkirche. Darüber hinaus fungiert die Signatur als Verwaltungsgerichtshof, die Richter entscheiden also über Beschwerden gegen Verwaltungsakte im Bereich des Heiligen Stuhls. Ebenfalls zuständig ist die Signatur für die Errichtung und Aufhebung von Kirchengerichten.

Nicht befasst ist die Signatur mit Einzelverfahren zur Ehenichtigkeit. Die Frage nach dem Umgang mit Gläubigen, die nach gescheiterten, aber gültigen katholischen Ehen ein zweites Mal zivil heiraten, berührt einen sensiblen Punkt in der katholischen Kirche. Papst Franziskus hatte in seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ die Möglichkeit eröffnet, solche Menschen im Einzelfall nach einer gewissenhaften Prüfung wieder zum Empfang der Kommunion zuzulassen. Konservative Kräfte, unter ihnen Kardinal Burke, verwerfen eine solche Möglichkeit mit Verweis auf die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe. Unbenommen bleibt aber die Möglichkeit, die Gültigkeit der Ehe zu prüfen.

Verfahren zur Ehenichtigkeit sind Aufgabe der Rota, nicht der Signatur

Wenn eine sakramental geschlossene katholische Ehe scheitert, haben die Partner ein Anrecht darauf, die Gültigkeit ihrer Ehe gerichtlich prüfen zu lassen. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Ehe von Anfang an nicht gültig zustande kam, gilt sie als nichtig, das heißt, sie hat nach katholischer Auffassung vor Gott nie bestanden. In einem solchen Fall können der Mann und die Frau mit anderen Partnern eine neue kirchliche Ehe eingehen und sind in einer regulären Situation.

Anders verhält es sich mit katholischen Gläubigen, deren erste Ehe scheitert und zivil geschieden wird, kirchlich aber gültig ist. Eine zweite Heirat kann dann nur standesamtlich erfolgen und gilt nicht vor der Kirche. Dieser Gruppe von Gläubigen, den sogenannten „wiederverheirateten Geschiedenen“, galt ein beträchtlicher Teil der Arbeit bei den beiden Familien-Bischofssynoden. Die Ergebnisse dieser weltkirchlichen Beratungen flossen in das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ ein.

Ehenichtigkeitsprozesse beginnen am jeweils zuständigen diözesanen oder interdiözesanen Gericht. Gegen das dort gefällte Urteil können die Eheleute Berufung einlegen, und zwar am örtlichen Berufungsgericht oder an der Römischen Rota. Sollte das zweite Urteil nicht gleichlautend mit dem ersten sein, besteht noch die Möglichkeit der Berufung an der Römischen Rota, die dann in dritter Instanz entscheidet.

(rv 05.10.2017 gs)

Kardinal Müller wirbt für Dialog mit konservativen Kardinälen

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat neuerlich für einen Dialog mit konservativen Kirchenvertretern in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen geworben. Im Gespräch mit der italienischen Zeitung „il Foglio“ regte Müller ein Treffen mit den Kardinälen Raymond Leo Burke, Walter Brandmüller und Carlo Caffarra an, bei dem offen über die strittigen Themen gesprochen werden solle. Er habe „bis heute nur Schmähungen und Beleidigungen gegen diese Kardinäle gehört“, sagte Müller. Dies sei „weder die Art noch der Ton, um weiterzukommen“. Die drei Genannten sowie der inzwischen verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner hatten von Papst Franziskus Klarstellungen zu einem möglichen Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene verlangt und Kritik am Papstschreiben „Amoris laetitita“ (2016) geübt.

Müller, bis Anfang Juli Präfekt der Glaubenskongregation, wies eine Kategorisierung in Freund oder Feind des Papstes zurück. „Für einen Kardinal ist es absolut unmöglich, gegen den Papst zu sein“, sagte er. Nichtsdestoweniger hätten Bischöfe „das – ich würde sagen – göttliche Recht, frei zu diskutieren“.

Mit Blick auf die Nichtverlängerung seiner fünfjährigen Amtszeit an der Spitze der Glaubenskongregation sagte Müller, er sei „immer gelassen“ gewesen. Seine Aufgaben habe er über das nötige Maß hinaus erfüllt. Vor allem habe er sich stets loyal gegenüber dem Papst verhalten, „wie es unser Glaube verlangt“. Neben Papsttreue habe er auch theologische Kompetenz eingebracht; darum sei seine Loyalität „nie bloße Lobhudelei“ gewesen.

Papst Franziskus hatte dem 69 Jahre alten deutschen Kardinal kurzfristig bekannt gegeben, dass er seinen Dienstvertrag nicht verlängern werde. Müller will eigenen Angaben zufolge in Rom bleiben und sich der Theologie und der Seelsorge widmen.

(kna 21.07.2017 gs)

Papst Franziskus: Deutschlands Geburtenrate ist ein Grund für Priestermangel

„Es gibt dieses Gebet, das Thomas Morus zugeschrieben wird, das bete ich jeden Tag: ‚Herr, schenke mir Sinn für Humor!‘ Der Herr bewahrt mir meinen Frieden und schenkt mir viel Sinn für Humor. “ – Papst Franziskus im Interview mit der „Zeit“. Foto: CNA/Daniel Ibanez

Von Anian Christoph Wimmer

Lösungen für den Mangel an Berufungen, der Malteserorden und das Verhältnis mit Kardinal Raymond Burke, der Umgang mit dem Teufel und persönliche Glaubenszweifel: Eine Vielzahl von Themen haben Papst Franziskus und der Chefredakteur der „Zeit“ im ersten Interview des Heiligen Vaters mit einer deutschen Zeitung angesprochen.

Schlagzeilen bei deutschen Medien machte bereits vor der Veröffentlichung des Interviews die Aussage, der Papst wolle über Viri Probati nachdenken. Einzelne Journalisten schoben dabei Franziskus erneut Aussagen unter, die er so gar nicht machte.

Lösung durch Gebet

Tatsächlich sagt Franziskus folgendes auf die Frage von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, was denn mit den Viri Probati sei, „die zwar verheiratet sind, aber aufgrund ihres nach katholischen Maßstäben vorbildlich geführten Lebens zu Diakonen geweiht werden können“:

„Wir müssen darüber nachdenken, ob Viri Probati eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

Weiter betont Franziskus: Die Einführung eines „freiwilligen Zölibats“ sei nicht die Lösung für den Mangel an Berufungen. Das sei erst einmal durch Gebet zu lösen, und dann die richtige Arbeit mit jungen Menschen.

„Deutschlands Geburtenrate ist ein Problem“

Als weiteren Grund speziell für den Priestermangel in Deutschland nennt der Papst die niedrige Geburtenrate im Land. Denn, so stellt Franziskus trocken fest: „wo es keine jungen Männer gibt, gibt es auch keine Priester“.

Dies sei ein ernstes Problem, das in der nächsten Synode über junge Menschen angepackt werden müsse.

Mit Blick auf Kritik an seinem Pontifikat betont Franziskus, dass er „seinen Frieden nicht verloren“ habe. Im Gegenteil: Über die Plakat-Aktion in Rom etwa, die ihn als grimmigen Pontifex zeigt und nach seiner Barmherzigkeit fragt, habe er lachen können. Tatsächlich bete er jeden Tag „für einen Sinn für Humor“.

Natürlich habe er aber auch schon viele Male „Basta!“ gesagt.

„Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher“

Auf die Frage, ob er auch schon mal Kardinal Burke „Basta“ gesagt habe, antwortet Papst Franziskus: „Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher“.

Auch mit Blick auf die Machtkämpfe mit dem Malteserorden, betont der Papst: „Das Problem beim Malteserorden war eher, dass Kardinal  Burke mit der Sache nicht umgehen konnte, weil er nicht mehr allein agierte. Ich habe ihm den Titel des Patronus nicht aberkannt“.

Burke sei weiter Patronus – doch gehe es darum, beim Orden „ein wenig aufzuräumen“. Deshalb habe er einen Delegaten dorthin geschickt.

Auf Fragen nach seinem persönlichen Glaubensleben erklärt der Papst – wie viele Würdenträger und auch große Heilige, dass er auch Zweifel und Zeiten der „Leere“ kenne, aber das Geschenk des Glaubens dankbar empfange und jeden Tag neu lebe.

Der Teufel ist nicht nur eine Metapher

Was das wirklich Böse betrifft, betont der Papst, dass der Teufel nicht einfach eine Metapher ist, wie manche Theologen spekulieren. „Dem Glauben nach ist der Teufel ein Engel. Ein gefallener Engel. Und daran glaube ich“. Auf die Frage: „Das glauben Sie wirklich?“, bestätigt Franziskus: „Ja, das ist mein Glaube“.

Viele Versuchungen, mit denen er zu kämpfen habe, so Franziskus, seien nicht dem Teufel, sondern persönlichen Schwächen geschuldet. Aber bei vielen anderen habe Satan „sehr wohl die Finger im Spiel“.

Deutschlandbesuch unwahrscheinlich

Abschliessend erklärt der Papst, dass ein Besuch Deutschlands in diesem Jahr unwahrscheinlich sei – trotz Einladungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen: „Der Terminkalender ist dieses Jahr sehr voll“.

Dieser Mann soll die Malteser spirituell erneuern: Franziskus ernennt Erzbischof Becciu

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Erzbischof Giovanni Angelo Becciu im Gespräch mit Journalisten im päpstlichen Flieger am 12. Januar 2015. Foto: CNA/Alan Holdren

Von Elise Harris und Anian Christoph Wimmer

Eine „geistliche und moralische Reform“ des Souveränen Ordens der Malteser soll er überwachen, besonders der zölibatär lebenden Justiz-Ritter: Papst Franziskus hat Erzbischof Giovanni Becciu zu seinem „besonderen Bevollmächtigten“ ernannt.

Die „geistliche Erneuerung“ hat möglicherweise konkrete rechtliche und politische Konsequenzen, bis hin zu einer Änderung der Verfassung des eigentlich souveränen Völkerrechtssubjekts, wie der Heilige Vater in seinem Schreiben darlegt. Sein Bevollmächtigter sei zudem der „ausschließliche Sprecher“ des Papstes und werde eng mit dem amtierenden Leiter des Ordens, Fra‘ Ludwig Hoffmann von Rumerstein, zusammenarbeiten.

Offiziell ist der Kardinalspatron der Vertreter des Papstes beim Malteser-Orden, und als solcher beauftragt mit der Förderung der spirituellen Ausrichtung des Ordens. Dieses Amt des Cardinalis Patronus bekleidet seit 8. November 2014 Kardinal Raymond Leo Burke.

Im 900 Jahre alten Souveränen Malteser-Orden stellt die kleine Gruppe der Justiz- oder Profess-Ritter, die Gelübde wie Mönche ablegen, eine kleine aber wichtige Rolle. Der Orden, der seine eigene Währung, Pässe und Nummernschilder hat, und diplomatische Beziehungen zu über 100 Nationen pflegt, zählt rund 13.500 Mitglieder; doch nur 55 gehören diesem „ersten Stand“ des Ordens an. Bislang stellen sie auch die Führung.

Bis zur Wahl eines neuen Großmeisters leitet nun, unterstützt vom päpstlichen Bevollmächtigten, der 80-jährige Österreicher Hoffmann von Rumerstein den Orden. Er ist seit 1970 Professritter und seit 2014 Großkomtur.

Auch Erzbischof Beccius Mandat endet mit dem Abschluss der Wahl eines neuen Großmeisters; damit sei vorausichtlich Ende April zu rechnen, teilte Großkanzler von Boeselager bei einer Pressekonferenz diese Woche mit. Dabei betonte von Boeselager auch, dass er mit dem päpstlichen Delegaten zusammenarbeiten werde. Es gehe darum, wieder das Vertrauen in den Orden herzustellen und das Augenmerk auch wichtigere Dinge in der Welt zu lenken, etwa die Migrationskrise.

Hintergrund

Die auf den 2. Februar datierte, aber erst heute veröffentlichte Beauftragung von Erzbischof Becciu ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, bei der es zum Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Orden über die Absetzung des Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, im vergangenen Dezember gekommen war, nachdem der deutsche Ordensmann einen Rücktritt verweigert hatte.

Nach einer mehrfachen Intervention des Papstes sowie des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin und einer zum Teil öffentlichen geführten, robusten Korrespondenz mit dem bisherigen Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, hatte Franziskus am 24. Januar den Großmeister zum Rücktritt aufgefordert. Dieser war daraufhin sofort zurückgetreten, was der Orden per Gremium später bestätigte. Freiherr von Boeselager kehrte wieder in das Amt des Großkanzlers zurück.

Verhandelt wurde in der Auseinandersetzung jedoch nicht allein die eine oder andere Personalie. Es ist Beobachtern zufolge ein Richtungsstreit, den manche sogar als „Kulturkampf“ bezeichnen, und der internationale Wellen schlug.

In der „Zeit“ schrieb der Journalist Julius Müller-Meiningen, es werde „ein Kampf der Kulturen ausgetragen, wie er in vergleichbaren Zügen in der gesamten katholischen Kirche zu beobachten ist. Ein Armdrücken um die Wahrheit, das nun in einer päpstlichen Blutgrätsche im Namen der Barmherzigkeit sein vorläufiges Ende findet. Müssen sich Katholiken in aller Welt auf Verhältnisse wie im Malteserorden gefasst machen nach der Devise: Wer nicht spurt, fliegt raus? Der letztendlich mit dem Recht des Stärkeren ausgetragene Streit im Orden geht ums Ganze, um die richtige Balance und das rechte Verständnis von Katholizität, Tradition, Dogma und Pastoral. Mit besonderer Teilnahme des deutschen Katholizismus“.

Im „National Catholic Register“ sprach der Präsident der deutschen Malteser, Prinz Erich von Lobkowicz,  von einer „Schlacht zwischen all dem, wofür Papst Franziskus steht, und einer kleinen Clique ultrakonservativer, rüschentragender Hardliner in der Kirche, die den Zug in jeder Hinsicht verpasst haben“.

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Quelle

Vier Kardinäle bitten Papst um Klärung zu Wiederverheirateten

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Amoris Laetitia

Vier Kardinäle haben offenbar an Papst Franziskus appelliert, mehr Klarheit über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu schaffen. Nach dem päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ gebe es „eine ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und eine große Verwirrung“, heißt es in einem Brief, den mehrere Online-Medien am Montag im Wortlaut veröffentlichten.

Auch unter Theologen und Bischöfen gebe es einander widersprechende Interpretationen. Die Unterzeichner bitten den Papst, „die Ungewissheiten zu beseitigen und Klarheit zu schaffen“. Sie selbst lassen Zweifel daran erkennen, dass eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen nun möglich sei.

Die angeblich vier Unterzeichner sind der frühere Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller, der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, und US-Kardinal Raymond Leo Burke, der geistliche Patron des Malteserordens. Das im April veröffentlichte päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ bildete den Abschluss der beiden Bischofssynoden über Ehe und Familie.

Die Unterzeichner betonen, dass sie keine „Gegner des Heiligen Vaters“ seien. Ihre Anfrage entspringe vielmehr „der tiefen kollegialen Verbundenheit mit dem Papst und aus der leidenschaftlichen Sorge für das Wohl der Gläubigen“. Sie legen dem Papst insgesamt fünf Punkte mit Bitte um Klärung vor. Hierbei geht es neben dem Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene auch um grundsätzliche Fragen, etwa ob die von Johannes Paul II. (1978-2005) verkündete Lehre von ausnahmslos gültigen absoluten moralischen Normen weiter Bestand hat.

(kna 14.11.2016 sk)

Siehe auch: