Vatikan: Welche Aufgaben hat Kardinal Burke bei Gericht?

Die drei Kirchengerichte der Weltkirche sind im Palazzo della Cancelleria untergebracht

Die Berufung von Kardinal Raymond L. Burke an die Apostolische Signatur hat die Frage aufgeworfen, worin die Arbeit der Mitglieder dieses höchsten Kirchengerichts besteht. Der US-amerikanische Kardinal, dem auch Kritiker hohe Kompetenz im Kirchenrecht bescheinigen, hatte bis 2014 als Präfekt der Signatur gewirkt, ehe Papst Franziskus ihn zum Kardinalpatron des Malteserordens bestimmte. Nun holte Franziskus den Kardinal zurück an das Gericht, allerdings nicht als Leiter, sondern als Mitglied. Burke gilt als traditionsverbunden. Zusammen mit drei weiteren Kardinälen hatte er dem Papst in einem Brief seine Zweifel – „dubia“ – über den von Franziskus eingeschlagenen Kurs in moraltheologischen Fragen unterbreitet; Franziskus hat dieses Schreiben der vier Kardinäle nicht beantwortet.

Die Apostolische Signatur steht an der Spitze der Gerichtsbarkeit in der katholischen Weltkirche. Die Mitglieder – etwa 18 an der Zahl – sind zugleich Richter. Franziskus ernannte zusammen mit Burke noch vier weitere neue Mitglieder des Gerichts.

Geleitet wird die Apostolische Signatur vom Präfekten, der jeweils ein Kardinal ist und das ganze Jahr über anwesend sein muss. Anders die Mitglieder: Sie sind Kardinäle oder Bischöfe aus der ganzen Weltkirche, die drei- bis viermal pro Jahr zu Richterkollegien am Sitz des Tribunals in Rom zusammenkommen und dabei gemeinsam Urteile fällen. Außerdem treffen sich alle Angehörigen der Signatur zur Vollversammlung, wenn Grundsatzfragen zur kirchlichen Rechtspflege auf Weltebene zu klären sind. Dies ist nicht oft der Fall: Die letzte Vollversammlung an der Signatur war im Februar 2011 und erörterte die Rolle des Ehebandverteidigers im Ehenichtigkeitsprozess.

Wie arbeiten die Richter der Signatur?

Die Richter der Signatur erhalten die Akten der einzelnen Fälle nach Hause zugestellt, wo sie sie studieren und sich ihre Meinung bilden. Das Urteil fällen die Richter gemeinsam im Kollegium, normalerweise zu fünft. Die verhandelten Streitsachen betreffen beispielsweise Nichtigkeitsbeschwerden gegen Urteile oder endgültige Dekrete der Römischen Rota, des päpstlichen Berufungsgerichts für die gesamte Weltkirche. Darüber hinaus fungiert die Signatur als Verwaltungsgerichtshof, die Richter entscheiden also über Beschwerden gegen Verwaltungsakte im Bereich des Heiligen Stuhls. Ebenfalls zuständig ist die Signatur für die Errichtung und Aufhebung von Kirchengerichten.

Nicht befasst ist die Signatur mit Einzelverfahren zur Ehenichtigkeit. Die Frage nach dem Umgang mit Gläubigen, die nach gescheiterten, aber gültigen katholischen Ehen ein zweites Mal zivil heiraten, berührt einen sensiblen Punkt in der katholischen Kirche. Papst Franziskus hatte in seinem nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ die Möglichkeit eröffnet, solche Menschen im Einzelfall nach einer gewissenhaften Prüfung wieder zum Empfang der Kommunion zuzulassen. Konservative Kräfte, unter ihnen Kardinal Burke, verwerfen eine solche Möglichkeit mit Verweis auf die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe. Unbenommen bleibt aber die Möglichkeit, die Gültigkeit der Ehe zu prüfen.

Verfahren zur Ehenichtigkeit sind Aufgabe der Rota, nicht der Signatur

Wenn eine sakramental geschlossene katholische Ehe scheitert, haben die Partner ein Anrecht darauf, die Gültigkeit ihrer Ehe gerichtlich prüfen zu lassen. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Ehe von Anfang an nicht gültig zustande kam, gilt sie als nichtig, das heißt, sie hat nach katholischer Auffassung vor Gott nie bestanden. In einem solchen Fall können der Mann und die Frau mit anderen Partnern eine neue kirchliche Ehe eingehen und sind in einer regulären Situation.

Anders verhält es sich mit katholischen Gläubigen, deren erste Ehe scheitert und zivil geschieden wird, kirchlich aber gültig ist. Eine zweite Heirat kann dann nur standesamtlich erfolgen und gilt nicht vor der Kirche. Dieser Gruppe von Gläubigen, den sogenannten „wiederverheirateten Geschiedenen“, galt ein beträchtlicher Teil der Arbeit bei den beiden Familien-Bischofssynoden. Die Ergebnisse dieser weltkirchlichen Beratungen flossen in das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ ein.

Ehenichtigkeitsprozesse beginnen am jeweils zuständigen diözesanen oder interdiözesanen Gericht. Gegen das dort gefällte Urteil können die Eheleute Berufung einlegen, und zwar am örtlichen Berufungsgericht oder an der Römischen Rota. Sollte das zweite Urteil nicht gleichlautend mit dem ersten sein, besteht noch die Möglichkeit der Berufung an der Römischen Rota, die dann in dritter Instanz entscheidet.

(rv 05.10.2017 gs)

Kardinal Müller wirbt für Dialog mit konservativen Kardinälen

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat neuerlich für einen Dialog mit konservativen Kirchenvertretern in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen geworben. Im Gespräch mit der italienischen Zeitung „il Foglio“ regte Müller ein Treffen mit den Kardinälen Raymond Leo Burke, Walter Brandmüller und Carlo Caffarra an, bei dem offen über die strittigen Themen gesprochen werden solle. Er habe „bis heute nur Schmähungen und Beleidigungen gegen diese Kardinäle gehört“, sagte Müller. Dies sei „weder die Art noch der Ton, um weiterzukommen“. Die drei Genannten sowie der inzwischen verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner hatten von Papst Franziskus Klarstellungen zu einem möglichen Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene verlangt und Kritik am Papstschreiben „Amoris laetitita“ (2016) geübt.

Müller, bis Anfang Juli Präfekt der Glaubenskongregation, wies eine Kategorisierung in Freund oder Feind des Papstes zurück. „Für einen Kardinal ist es absolut unmöglich, gegen den Papst zu sein“, sagte er. Nichtsdestoweniger hätten Bischöfe „das – ich würde sagen – göttliche Recht, frei zu diskutieren“.

Mit Blick auf die Nichtverlängerung seiner fünfjährigen Amtszeit an der Spitze der Glaubenskongregation sagte Müller, er sei „immer gelassen“ gewesen. Seine Aufgaben habe er über das nötige Maß hinaus erfüllt. Vor allem habe er sich stets loyal gegenüber dem Papst verhalten, „wie es unser Glaube verlangt“. Neben Papsttreue habe er auch theologische Kompetenz eingebracht; darum sei seine Loyalität „nie bloße Lobhudelei“ gewesen.

Papst Franziskus hatte dem 69 Jahre alten deutschen Kardinal kurzfristig bekannt gegeben, dass er seinen Dienstvertrag nicht verlängern werde. Müller will eigenen Angaben zufolge in Rom bleiben und sich der Theologie und der Seelsorge widmen.

(kna 21.07.2017 gs)

Papst Franziskus: Deutschlands Geburtenrate ist ein Grund für Priestermangel

„Es gibt dieses Gebet, das Thomas Morus zugeschrieben wird, das bete ich jeden Tag: ‚Herr, schenke mir Sinn für Humor!‘ Der Herr bewahrt mir meinen Frieden und schenkt mir viel Sinn für Humor. “ – Papst Franziskus im Interview mit der „Zeit“. Foto: CNA/Daniel Ibanez

Von Anian Christoph Wimmer

Lösungen für den Mangel an Berufungen, der Malteserorden und das Verhältnis mit Kardinal Raymond Burke, der Umgang mit dem Teufel und persönliche Glaubenszweifel: Eine Vielzahl von Themen haben Papst Franziskus und der Chefredakteur der „Zeit“ im ersten Interview des Heiligen Vaters mit einer deutschen Zeitung angesprochen.

Schlagzeilen bei deutschen Medien machte bereits vor der Veröffentlichung des Interviews die Aussage, der Papst wolle über Viri Probati nachdenken. Einzelne Journalisten schoben dabei Franziskus erneut Aussagen unter, die er so gar nicht machte.

Lösung durch Gebet

Tatsächlich sagt Franziskus folgendes auf die Frage von „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, was denn mit den Viri Probati sei, „die zwar verheiratet sind, aber aufgrund ihres nach katholischen Maßstäben vorbildlich geführten Lebens zu Diakonen geweiht werden können“:

„Wir müssen darüber nachdenken, ob Viri Probati eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

Weiter betont Franziskus: Die Einführung eines „freiwilligen Zölibats“ sei nicht die Lösung für den Mangel an Berufungen. Das sei erst einmal durch Gebet zu lösen, und dann die richtige Arbeit mit jungen Menschen.

„Deutschlands Geburtenrate ist ein Problem“

Als weiteren Grund speziell für den Priestermangel in Deutschland nennt der Papst die niedrige Geburtenrate im Land. Denn, so stellt Franziskus trocken fest: „wo es keine jungen Männer gibt, gibt es auch keine Priester“.

Dies sei ein ernstes Problem, das in der nächsten Synode über junge Menschen angepackt werden müsse.

Mit Blick auf Kritik an seinem Pontifikat betont Franziskus, dass er „seinen Frieden nicht verloren“ habe. Im Gegenteil: Über die Plakat-Aktion in Rom etwa, die ihn als grimmigen Pontifex zeigt und nach seiner Barmherzigkeit fragt, habe er lachen können. Tatsächlich bete er jeden Tag „für einen Sinn für Humor“.

Natürlich habe er aber auch schon viele Male „Basta!“ gesagt.

„Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher“

Auf die Frage, ob er auch schon mal Kardinal Burke „Basta“ gesagt habe, antwortet Papst Franziskus: „Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher“.

Auch mit Blick auf die Machtkämpfe mit dem Malteserorden, betont der Papst: „Das Problem beim Malteserorden war eher, dass Kardinal  Burke mit der Sache nicht umgehen konnte, weil er nicht mehr allein agierte. Ich habe ihm den Titel des Patronus nicht aberkannt“.

Burke sei weiter Patronus – doch gehe es darum, beim Orden „ein wenig aufzuräumen“. Deshalb habe er einen Delegaten dorthin geschickt.

Auf Fragen nach seinem persönlichen Glaubensleben erklärt der Papst – wie viele Würdenträger und auch große Heilige, dass er auch Zweifel und Zeiten der „Leere“ kenne, aber das Geschenk des Glaubens dankbar empfange und jeden Tag neu lebe.

Der Teufel ist nicht nur eine Metapher

Was das wirklich Böse betrifft, betont der Papst, dass der Teufel nicht einfach eine Metapher ist, wie manche Theologen spekulieren. „Dem Glauben nach ist der Teufel ein Engel. Ein gefallener Engel. Und daran glaube ich“. Auf die Frage: „Das glauben Sie wirklich?“, bestätigt Franziskus: „Ja, das ist mein Glaube“.

Viele Versuchungen, mit denen er zu kämpfen habe, so Franziskus, seien nicht dem Teufel, sondern persönlichen Schwächen geschuldet. Aber bei vielen anderen habe Satan „sehr wohl die Finger im Spiel“.

Deutschlandbesuch unwahrscheinlich

Abschliessend erklärt der Papst, dass ein Besuch Deutschlands in diesem Jahr unwahrscheinlich sei – trotz Einladungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen: „Der Terminkalender ist dieses Jahr sehr voll“.

Dieser Mann soll die Malteser spirituell erneuern: Franziskus ernennt Erzbischof Becciu

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Erzbischof Giovanni Angelo Becciu im Gespräch mit Journalisten im päpstlichen Flieger am 12. Januar 2015. Foto: CNA/Alan Holdren

Von Elise Harris und Anian Christoph Wimmer

Eine „geistliche und moralische Reform“ des Souveränen Ordens der Malteser soll er überwachen, besonders der zölibatär lebenden Justiz-Ritter: Papst Franziskus hat Erzbischof Giovanni Becciu zu seinem „besonderen Bevollmächtigten“ ernannt.

Die „geistliche Erneuerung“ hat möglicherweise konkrete rechtliche und politische Konsequenzen, bis hin zu einer Änderung der Verfassung des eigentlich souveränen Völkerrechtssubjekts, wie der Heilige Vater in seinem Schreiben darlegt. Sein Bevollmächtigter sei zudem der „ausschließliche Sprecher“ des Papstes und werde eng mit dem amtierenden Leiter des Ordens, Fra‘ Ludwig Hoffmann von Rumerstein, zusammenarbeiten.

Offiziell ist der Kardinalspatron der Vertreter des Papstes beim Malteser-Orden, und als solcher beauftragt mit der Förderung der spirituellen Ausrichtung des Ordens. Dieses Amt des Cardinalis Patronus bekleidet seit 8. November 2014 Kardinal Raymond Leo Burke.

Im 900 Jahre alten Souveränen Malteser-Orden stellt die kleine Gruppe der Justiz- oder Profess-Ritter, die Gelübde wie Mönche ablegen, eine kleine aber wichtige Rolle. Der Orden, der seine eigene Währung, Pässe und Nummernschilder hat, und diplomatische Beziehungen zu über 100 Nationen pflegt, zählt rund 13.500 Mitglieder; doch nur 55 gehören diesem „ersten Stand“ des Ordens an. Bislang stellen sie auch die Führung.

Bis zur Wahl eines neuen Großmeisters leitet nun, unterstützt vom päpstlichen Bevollmächtigten, der 80-jährige Österreicher Hoffmann von Rumerstein den Orden. Er ist seit 1970 Professritter und seit 2014 Großkomtur.

Auch Erzbischof Beccius Mandat endet mit dem Abschluss der Wahl eines neuen Großmeisters; damit sei vorausichtlich Ende April zu rechnen, teilte Großkanzler von Boeselager bei einer Pressekonferenz diese Woche mit. Dabei betonte von Boeselager auch, dass er mit dem päpstlichen Delegaten zusammenarbeiten werde. Es gehe darum, wieder das Vertrauen in den Orden herzustellen und das Augenmerk auch wichtigere Dinge in der Welt zu lenken, etwa die Migrationskrise.

Hintergrund

Die auf den 2. Februar datierte, aber erst heute veröffentlichte Beauftragung von Erzbischof Becciu ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, bei der es zum Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Orden über die Absetzung des Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, im vergangenen Dezember gekommen war, nachdem der deutsche Ordensmann einen Rücktritt verweigert hatte.

Nach einer mehrfachen Intervention des Papstes sowie des Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin und einer zum Teil öffentlichen geführten, robusten Korrespondenz mit dem bisherigen Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, hatte Franziskus am 24. Januar den Großmeister zum Rücktritt aufgefordert. Dieser war daraufhin sofort zurückgetreten, was der Orden per Gremium später bestätigte. Freiherr von Boeselager kehrte wieder in das Amt des Großkanzlers zurück.

Verhandelt wurde in der Auseinandersetzung jedoch nicht allein die eine oder andere Personalie. Es ist Beobachtern zufolge ein Richtungsstreit, den manche sogar als „Kulturkampf“ bezeichnen, und der internationale Wellen schlug.

In der „Zeit“ schrieb der Journalist Julius Müller-Meiningen, es werde „ein Kampf der Kulturen ausgetragen, wie er in vergleichbaren Zügen in der gesamten katholischen Kirche zu beobachten ist. Ein Armdrücken um die Wahrheit, das nun in einer päpstlichen Blutgrätsche im Namen der Barmherzigkeit sein vorläufiges Ende findet. Müssen sich Katholiken in aller Welt auf Verhältnisse wie im Malteserorden gefasst machen nach der Devise: Wer nicht spurt, fliegt raus? Der letztendlich mit dem Recht des Stärkeren ausgetragene Streit im Orden geht ums Ganze, um die richtige Balance und das rechte Verständnis von Katholizität, Tradition, Dogma und Pastoral. Mit besonderer Teilnahme des deutschen Katholizismus“.

Im „National Catholic Register“ sprach der Präsident der deutschen Malteser, Prinz Erich von Lobkowicz,  von einer „Schlacht zwischen all dem, wofür Papst Franziskus steht, und einer kleinen Clique ultrakonservativer, rüschentragender Hardliner in der Kirche, die den Zug in jeder Hinsicht verpasst haben“.

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Quelle

Vier Kardinäle bitten Papst um Klärung zu Wiederverheirateten

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Amoris Laetitia

Vier Kardinäle haben offenbar an Papst Franziskus appelliert, mehr Klarheit über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu schaffen. Nach dem päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ gebe es „eine ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und eine große Verwirrung“, heißt es in einem Brief, den mehrere Online-Medien am Montag im Wortlaut veröffentlichten.

Auch unter Theologen und Bischöfen gebe es einander widersprechende Interpretationen. Die Unterzeichner bitten den Papst, „die Ungewissheiten zu beseitigen und Klarheit zu schaffen“. Sie selbst lassen Zweifel daran erkennen, dass eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen nun möglich sei.

Die angeblich vier Unterzeichner sind der frühere Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller, der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, und US-Kardinal Raymond Leo Burke, der geistliche Patron des Malteserordens. Das im April veröffentlichte päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ bildete den Abschluss der beiden Bischofssynoden über Ehe und Familie.

Die Unterzeichner betonen, dass sie keine „Gegner des Heiligen Vaters“ seien. Ihre Anfrage entspringe vielmehr „der tiefen kollegialen Verbundenheit mit dem Papst und aus der leidenschaftlichen Sorge für das Wohl der Gläubigen“. Sie legen dem Papst insgesamt fünf Punkte mit Bitte um Klärung vor. Hierbei geht es neben dem Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene auch um grundsätzliche Fragen, etwa ob die von Johannes Paul II. (1978-2005) verkündete Lehre von ausnahmslos gültigen absoluten moralischen Normen weiter Bestand hat.

(kna 14.11.2016 sk)

Siehe auch:

Kardinal Sarah: Gender und IS sind die großen Gegenpole zur Familie

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Kardinal Raymond Leo Burke, links, spricht mit Kardinal Robert Sarah bei der Synode (2015)

Sarah bat in seinen Bischofssynodenstatement um mehr „Freiheit, Transparenz und Objektivität“ im Synodengeschehen und schlug dafür auch die Veröffentlichung von Zusammenfassungen sämtlicher Redebeiträge vor.

Vatikan (kath.net) „Ich fühle einen starken Wunsch, den Geist der Wahrheit und der Liebe anzurufen, der die Quelle der parrhesia [Freimut, Offenheit] im Reden und der Demut im Hören ist und der allein dazu fähig ist, wahre Harmonie in Pluralität zu schaffen.“ Mit diesem Satz begann Kurienkardinal Robert Sarah sein Statement in der Bischofssynode, wie Edward Pentin in seinem Blog berichtete. Sarah ist der Präfekt der Gottesdienstkongregation, er stammt aus Guinea/Afrika. Vor kurzem erschien sein vielbeachtetes Buch „Gott oder Nichts“. Mit dem Ausdruck „parrhesia“ knüpfte der Kardinal an mehrfache Aufforderungen von Papst Franziskus zur offenen Rede an.

Sarah äußerte „offen“, dass man in der Synode 2014 eine Tendenz dazu gesehen habe, sich von der Mentalität der säkularisierten Welt und des individualisierten Westens erweichen zu lassen. Eine Anerkennung von sogenannten „Lebenswirklichkeiten“ als einen Locus theologicus würde bedeuten, dass man die Hoffnung auf die verwandelnde Kraft des Evangeliums aufgeben würde. Außerdem machte er auf die Gefahr aufmerksam, dass manche der Gesprächsprozesse, die bei der Synode 2014 benutzt worden waren, vor allem darauf abzielten, „einige Randgruppen aus den reichsten Kirchen zu fördern“. Dies stehe aber im Widerspruch zu „einer armen Kirche“, die „ein freudiges, evangeliumsgemäßes und prophetisches Zeichen des Widerspruchs zur Weltlichkeit“ darstelle. Beispielsweise kritisierte Sarah, dass Themen wie die Gender-Ideologie ignoriert würden. Sarah bat um mehr „Freiheit, Transparenz und Objektivität“ im Synodengeschehen und schlug dafür auch die Veröffentlichung von Zusammenfassungen sämtlicher Redebeiträge vor.

Der Kurienkardinal drückte auch seine Hoffnung aus, dass sich die Bischofssynode nicht nur auf einige Pastoralthemen (etwa eine Möglichkeit des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene) beschränken, sondern dem Heiligen Vater in der weltweiten Verkündigung klarer Wahrheiten helfen werde. Er sehe gegenwärtig „zwei unerwartete Herausforderungen (nahezu schon wie zwei ‚apokalyptische Tiere‘), die zwei Gegenpole darstellen“: der Götzendienst westlicher Freiheit und der islamische Fundamentalismus, „atheistischer Säkularismus kontra religiösem Fanatismus“. „Wir befinden uns, um einen Slogan zu benutzen, zwischen ‚Gender-Ideologie und IS‘“. Aus diesen beiden Polen erwüchsen die beiden Hauptbedrohungen für die Familie, auf der einen Seite „leichte und schnelle Scheidungen, Abtreibung“, Euthanasie, vertreten etwa durch die Gendertheorie, durch „Femen“, die LGBT-Lobby etc. Auf der anderen Seite stünde, so Sarah, die „Pseudofamilie im ideologisierten Islam, welche Polygamie, Abwertung der Frau, sexuelle Sklaverei, Kinderheirat“ etc. legitimiere.

Zwar müsse man alle Menschliche miteinschließen und willkommen heißen, doch was vom Feind komme, dass dürfe nicht assimiliert werden. Man könne nicht gleichzeitig Christus und Belial dienen. „Was im 20. Jahrhundert Nazi-Faschismus und Kommunismus gewesen waren, das sind heute westliche Ideologien über Homosexualität und Abtreibung sowie der Islamistische Fanatismus“.

Um den Gefahren von „Homogamie und Polygamie“ zu begegnen, müsse die Kirche das wahre Familienmodell der Monogamie in ehelicher Liebe, die offen ist für das Leben, furchtlos hervorheben und den Willen des Schöpfers für die Ehe „mit einem klaren und starken Wort des Obersten Lehramtes“ definitiv zu verkünden.

Zum vollen Text von Robert Kardinal Sarah in englischer Übersetzung siehe Edward Pentin – Cardinal Sarah: ISIS and Gender Ideology Are Like ‚Apocalyptic Beasts‘ (Der Wortlaut steht weiter unten).

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Quelle