Pater Raniero Cantalamessa: Die Gottheit Christi verkünden

Pater Raniero Cantalamessa, 17. März 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Zweite Fastenpredigt 2017
von Pater Raniero Cantalamessa OFM

„Was tun wir Christen aus unserem Glauben an Jesus Christus?“ Dies hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, in seiner zweiten Predigt in der Fastenzeit am Freitag gefragt. „Wenn wir noch nie ernsthaft über die Chance nachgedacht haben, die wir durch den Glauben an Jesus Christus haben, kann dies die Gelegenheit sein, es zu tun“, sagte er.

Die zweite Meditation freitags in der Fastenzeit stand unter dem Motto „Der Heilige Geist führt uns in das Geheimnis der Gottheit Christi“. In der Kapelle Redemptoris Mater des Apostolischen Palastes in Anwesenheit von Papst Franziskus und Beamten der römischen Kurie betrachtete der Prediger die Gottheit Christi als „Eckstein, der die beiden großen Geheimnisse des christlichen Glaubens unterstützt: die Trinität und der Menschwerdung.“

„Jeder glaubt, dass Jesus Mensch ist“, stellte er fest. Das, was den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen ausmache, sei zu glauben, dass er Gott ist.

„In jedem Alter und in jeder Kultur muss Christus als Gott verkündet werden, nicht in irgendeinem Sinne sekundär oder als Derivat, sondern im höchsten Sinne, den das Wort ‚Gott’‪‪ in einer solchen Kultur hat.“ Die Rettung des Menschen werde nicht durch eine Vermittlung erreicht, sondern nur durch Gott selbst.

Pater Cantalamessa stellt in der heutigen Gesellschaft eine „Präsenz-Abwesenheit Christi“ auf einer bestimmten Ebene fest: In der Unterhaltung und den Massenmedien im Allgemeinen sei Jesus Christus als eine Art literarische Gattung gegenwärtig. Aber auf dem Gebiet des Glaubens sei eine beunruhigende Abwesenheit, vielleicht sogar eine Ablehnung seiner Person festzustellen. Die meiste Zeit, so fügte er hinzu, würden diejenigen, die sich selbst als „Gläubige“ verstehen, an die Existenz eines höchsten Wesens, eines Schöpfers glauben. „Sie glauben, dass es ein Jenseits gibt.“ Dies sei ein deistischer Glaube, nicht ein christlicher. „Bei dieser Art von Religiosität ist Jesus Christus praktisch nicht vorhanden.“

Während seiner Meditation lud er zur Auseinandersetzung mit der Frage an die Jünger ein: „Und Ihr, was sagt Ihr? Für wen haltet Ihr mich?“ Die Bedingungen für einen Glauben an die Göttlichkeit Christi müssten vorbehaltlos und ohne zu zögern wieder geschaffen werden. „Wir haben dies aufs Neue nötig.“

Unter Berufung auf den Ausruf Christi „Selig sind die Augen, die sehen, was Ihr seht“, erklärte Pater Cantalamessa, warum die Christen glücklich seien:  „Weil sie den Sinn des Lebens und des Todes kennen, warum das Reich Gottes Eures in dem Sinne ist, dass Ihr bereits dazu gehört, die Früchte genießt“. Die schönsten Sätze, die eine Frau ihrem Mann und umgekehrt sagen könne, besage: „Du hast mich glücklich gemacht.“ Jesus verdiene es, dass ihm seine Braut, die Kirche, dies aus der Tiefe ihres Herzens sage, bemerkte er abschließend. (mk)

Der Volltext der Predigt ist hier (auf Englisch) abrufbar.

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Neuer Wein aus dem wahren Weinstock

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Pater Raniero Cantalamessa / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Pater Cantalamessas dritte Adventspredigt

‪„Der materielle Rausch (Alkohol, Drogen, Sex, Erfolg) erschüttert, verringert das Selbstwertgefühl, während die geistige Trunkenheit im Guten festigt“, hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, am Freitag im Vatikan gesagt.

Die dritte Predigt der Freitagsmeditation im Advent befasste sich mit ‪„der nüchternen Trunkenheit des Geistes“. In der Kapelle ‪„Redemptoris Mater“ des Apostolischen Palastes, in Anwesenheit von Papst Franziskus und Vertretern der römischen Kurie, stellte der Prediger fest, dass beide Arten von Trunkenheit Freude hervorriefen, aber der materielle Rausch bleibe unter der Vernunft, während die geistige Trunkenheit darüber hinausgehe.

Er unterstrich auch die Bedeutung, den Weg der Trunkenheit zur Nüchternheit wieder zu entdecken. Das christliche Leben sei nicht nur eine Frage des persönlichen Wachstums in der Heiligkeit; es sei auch Dienst und Verkündigung. Um diese Aufgaben zu bewerkstelligen, benötigten die Gläubigen die ‪„Kraft aus der Höhe“, Charismen, oder kurz gesagt, ‪„eine starke Erfahrung, pfingstlich, des Heiligen Geistes“.

Diejenigen, die zu Pfingsten die Apostel für trunkene Männer hielten, lagen mit ihrer Annahme richtig, habe der heilige Cyril von Jerusalem geschrieben; „Ihr einziger Fehler war, die Trunkenheit gewöhnlichem Wein zuzuschreiben, es war aber ein ‚neuer Wein‘, aus dem ‚wahren Weinstock‘ gepresst, der Christus ist‪“, erinnerte der päpstliche Prediger.

‪„Die Gabe Christi ist nicht auf eine bestimmte Zeit beschränkt, sondern ist für alle Zeiten offen. Im Schatz seiner Erlösung ist genug für alle da“, sagte Pater Cantalamessa, der hinzufügte, dass es gerade die Rolle des Heiligen Geistes sei, die Erlösung Christi universell zu machen, jedem zu erschließen, überall und zu jeder Zeit.

Der Kapuzinerpater betonte besonders die ‪„Taufe im Heiligen Geist“. „Ich spreche hier ohne jegliche Absicht von Proselytismus, aber weil ich eben denke, dass wir eine Realität im Herzen der Kirche kennen, die Millionen von Katholiken betrifft“, sagte er. Der Begriff ‪„Taufe im Geist“ komme von Jesus selbst (Apg 1,5).

‪„Es ist ein Ritual, das nichts Esoterisches hat, sondern durch Gesten großer Einfachheit gekennzeichnet ist, ruhig und froh, begleitet von Reue für die Sünden und Bereitschaft, wieder Kinder zu werden, um in Sein Reich zu gelangen“, so Cantalamessa.

Dies sei eine Erneuerung und Aktualisierung nicht nur der Taufe und Firmung, sondern des ganzen christlichen Lebens, für ein Paar des Sakraments der Ehe, für die Priester ihrer Weihe, für die Ordensleute ihrer Profess. ‪

„Die Taufe im Geist“ erweise sich als eine einfache und wirksame Art und Weise, das Leben von Millionen von Gläubigen in fast allen christlichen Kirchen zu erneuern. Sie sei offen für alle, so betonte der Prediger des Päpstlichen Hauses. (mk)

Der Volltext der Predigt ist hier (auf Englisch) abrufbar.

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Pater Cantalamessa warnt vor der Versuchung, dem Heiligen Geist Ratschläge zu erteilen

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Pater Raniero Cantalamessa / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Zweite Adventspredigt für den Papst und die Kurie

‪„Wir müssen uns von einer Versuchung hüten: dem Heiligen Geist Ratschläge erteilen zu wollen, anstatt welche anzunehmen“, hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, in seiner zweiten Adventspredigt am Freitag im Vatikan gesagt. Er unterstrich, es gebe ‪„eine subtile Art und Weise dem Heiligen Geist zu suggerieren, was er mit uns tun und wie er uns leiten sollte. Aber der Heilige Geist führt, und wird nicht geführt.“

‪„Der Geist führt die Kirche auf zwei Arten: direkt und manchmal charismatisch, durch Offenbarung und prophetische Inspiration; zu anderen Zeiten, kollegial, durch eine geduldige und zähe Konfrontation und sogar durch Kompromiss zwischen den Parteien und unterschiedlichen Standpunkten“, erklärte Pater Cantalamessa.

Das Thema der zweiten Predigt lautete: ‪„Der Heilige Geist und das Charisma der Unterscheidung.“ In der Kapelle Redemptoris Mater des Apostolischen Palastes in Anwesenheit von Papst Franziskus und Vertretern der römischen Kurie reflektierte der Prediger über Unterscheidung im kirchlichen sowie persönlichen Leben. ‪„Der Heilige Geist ist bei aller Unterscheidung der Erstbeweger“, versicherte der Prediger des Papstes.

‪„Der Heilige Geist erleuchtet die Seele in der Regel nicht auf wundersame oder außergewöhnliche Art und Weise, sondern sehr einfach, durch das Wort der Schrift“, erläuterte Pater Cantalamessa: ‪„Auf diese Weise fanden die wichtigsten Unterscheidungen der Geschichte statt.“ Das Wort Gottes erleuchte‪ „besser als aller Menschen Rat.“

Abgesehen vom Wort Gottes sei die Gewissensprüfung, die am weitesten verbreitete Praxis persönlich Einsicht zu üben. Aber diese Bewertung sollte nicht auf die Vorbereitung vor der Beichte beschränkt bleiben, sondern zur konsequenten Fähigkeit werden, sich von Gott unters Licht setzen und die Tiefen unserer Intimsphäre scannen zu lassen, sagte er.

Pater Cantalamessas Predigt berührte auch das Thema der Unterscheidung zwischen Sünde und Sünder. Die ständige Herrschaft Jesu in Fragen der Moral lasse sich in wenigen Worten zusammenfassen: ‪„Nein zur Sünde, ja zum Sünder.“

Es gebe keine schwerere Sünde zu verurteilen, als der ungerechte Reichtum, aber Jesu lud sich bei Zachäus ein und die bloße Tatsache, dass er sich änderte, genügte. ‪„Er verurteilt Ehebruch, einschließlich des Beabsichtigten, aber verzeiht der Ehebrecherin und gibt ihr wieder Hoffnung. Er bekräftigte die Unauflöslichkeit der Ehe, sprach aber mit der Samariterin, die fünf Männer gehabt hatte und lüftete das Geheimnis, dass er niemand anderem so ausdrücklich erzählt hatte: ‚Ich bin (der Messias), der zu Euch spricht’‪‪ (Joh 4, 26).“

‪„Wenn wir fragen, wie eine klare Unterscheidung zwischen der Sünde und dem Sünder theologisch zu rechtfertigen sei, ist die Antwort ganz einfach: der Sünder ist ein Geschöpf Gottes, nach seinem Bild geschaffen, und er behält seine Würde trotz aller Verirrungen: Die Sünde ist nicht Gottes Werk, nicht von ihm, sondern vom Feind“, fuhr er fort.

Am Ende seiner Meditation lud Pater Cantalamessa seine Zuhörer ein, sich auf den Heiligen Geist zu verlassen, wie die Saiten der Harfe sich von den Fingern zupfen ließen, die sie bewegten. ‪„Als gute Schauspieler müssen wir ein Ohr der Stimme des verborgenen Souffleurs leihen, um getreu unsere Rolle auf der Bühne des Lebens zu rezitieren“, sagte er. (mk)

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Adventspredigt im Vatikan: Die Kirche braucht den Heilgen Geist

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Die Kapelle Redemptoris Mater: Ort der Adventspredigten

Der Advent wird im Vatikan mit besonderen liturgischen Feiern begangen, an diesem Freitag begannen die Adventspredigten des Päpstlichen Hauspredigers Pater Raniero Cantalamessa. Der Kapuzinerpater predigte in Anwesenheit des Papstes in der Kapelle Redemptoris Mater über das Zweite Vatikanische Konzil und den Heiligen Geist, der in Kirche und Theologie immer wichtiger werde. Während es direkt nach dem Konzil um die Aufnahme und das Verstehen der Texte gegangen sei, sei man nun in eine Phase der „Vervollständigung und Integration“ der Dokumente eingetreten, und dazu brauche es den Heiligen Geist.

Pater Raniero predigt jeweils freitags im Vatikan, geladen sind alle höheren Kurienmitarbeiter, die Leiter der Ordensgemeinschaften sowie Mitarbeiter des Erzbistums Rom.

(rv 02.12.2016 ord)

Erste Adventpredigt des päpstlichen Hausprediger Cantalamessa

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Erste Adventpredigt des päpstlichen Hausprediger Cantalamessa

Raniero Cantalamessa, der 81-jährige päpstliche Hausprediger, hat an diesem Freitag mit seinen Adventspredigten gestartet. Wie bereits vor Johannes Paul II., Benedikt XVI. so hält er auch diesen Advent vor dem Papst und der Kurie seine Adventpredigten. Er gilt als einer der wohl Dienstältesten geistlichen Mitarbeitern im päpstlichen Umfeld. Er bekleidet sein Amt seit 1980 und ist zuständig für die Predigten an den Freitagen im Advent und der Fastenzeit. Wir halten hier für Sie die erste Adventpredigt vom 04. Dezember 2015 in deutscher Fassung fest:

„DA CHRISTUS DAS LICHT DER VÖLKER IST…“

Eine christologische Betrachtung zur Konstitution Lumen gentium

1. Eine christologische Ekklesiologie

Der freudige Anlass des fünfzigsten Jahrestags seit Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils hat mich auf den Gedanken gebracht, die drei Adventsmeditationen dieses Jahres einer Neubetrachtung des Konzilsereignisses in seinen wichtigsten Inhalten zu widmen. Konkret möchte ich einige Überlegungen zu den vier Konstitutionen äußern, die das Konzil hervorgebracht hat: über die Kirche (Lumen gentium), über die Liturgie (Sacrosanctum Concilium), über die göttliche Offenbarung (Dei Verbum) und über die Kirche in der Welt (Gaudium et spes).

Der Mut, in so kurzer Zeit so weittragende und bereits so oft besprochene Themen zu behandeln, kam mir von einer einfachen Feststellung: Es ist endlos viel über das Konzil geschrieben und gesagt worden, aber dabei ging es fast immer um seine doktrinären und seelsorgerischen Auswirkungen; selten nur um seine spirituellen Inhalte. Genau auf diese will ich mich konzentrieren und dabei den Versuch machen, zu erkennen, was das Konzil uns in seinen Texten noch zu sagen hat, was der Festigung des Glaubens dienen kann.

Wir werden damit beginnen, dass wir die drei Adventsmeditationen der Konstitution Lumen gentium widmen; den Rest bewahren wir für die kommende Fastenzeit auf, so Gott will. Die drei Themen der Konstitution, die ich herausarbeiten will, sind: die Kirche als Leib und Braut Christi; der universale Aufruf zur Heiligkeit und die Lehre über die Heilige Jungfrau.

Der Anstoß zu dieser ersten Meditation kam mir, als ich zufällig die ersten Worte der Konstitution in ihrer lateinischen Fassung wieder gelesen habe. Sie lauten: „Lumen gentium cum sit Christus…“; „Da Christus das Licht der Völker ist…“. Ich muss zu meiner eigenen Verwirrung gestehen, dass ich mir der gewaltigen Implikationen, die in diesem Auftakt enthalten sind, nie wirklich bewusst geworden war. Die Tatsache, dass nur der erste Teil des Satzes zum Titel der Konstitution wurde, hatte mich (und wohl auch viele andere) glauben lassen, dass mit dem „Licht der Völker“ die Kirche gemeint sei; stattdessen ist, wie man sieht, Christus gemeint. Es ist der Titel, mit dem der alte Simeon den kindlichen Messias begrüßte, als Maria und Joseph ihn zum Tempel trugen: „Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lk 2,32).

Dieser erste Satz beinhaltet den Schlüssel zum Verständnis der gesamten Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es handelt sich um eine christologische Ekklesiologie, die daher in erster Linie geistig und mystisch ist, noch bevor sie sozial und institutionell wird. Es ist notwendig, diese christologische Dimension der Konzilsekklesiologie wieder in den Vordergrund zu rücken, auch in Hinblick auf eine wirksamere Evangelisierung. Denn man nimmt nicht Christus aus Liebe zur Kirche an; vielmehr nimmt man die Kirche aus Liebe zu Christus an. Auch eine Kirche, die von der Sünde vieler ihrer Vertreter entstellt ist.

Ich will gleich zu Anfang sagen, dass ich gewiss nicht der erste bin, der diese ihrem Wesen nach christologische Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils hervorhebt. Beim Lesen der zahlreichen Schriften, die der damalige Kardinal Ratzinger über die Kirche verfasste, ist mir aufgefallen, mit welcher Insistenz er versucht hat, diese Dimension der in Lumen gentium enthaltenen Lehre über die Kirche am Leben zu erhalten. Der Bezug auf die doktrinären Implikationen des Anfangssatzes: „Lumen gentium cum sit Christus…“; „Da Christus das Licht der Völker ist…“, findet sich ebenfalls schon in seinen Schriften, gefolgt von der Feststellung: „Wer das Zweite Vatikanische Konzil richtig verstehen will, der muss immer wieder von diesem Anfangssatz ausgehen.“ [1]

Um Missverständnissen vorzubeugen wollen wir auch betonen, dass diese geistige und innerliche Vision der Kirche nie in Frage gestellt worden ist; aber wie es in den menschlichen Dingen nur allzu oft geschieht, stellt das Neue leicht das Alte in den Schatten, das Aktuelle trübt den Blick auf das Ewige, und das Dringliche drängt das Wichtige in den Hintergrund. So kommt es, dass Ideen wie die kirchliche Gemeinschaftlichkeit oder das Gottesvolk manchmal nur in horizontaler Richtung, also soziologisch entwickelt worden sind, d.h. vor dem Hintergrund einer Gegenüberstellung von Koinonia und Hierarchie, indem der Schwerpunkt mehr auf die Kommunion der Kirchenmitglieder untereinander als auf die Kommunion aller Glieder mit Christus gesetzt wurde.

Wahrscheinlich handelt es sich um eine Priorität des Augenblicks und war damals ein Gewinn; so wird dieser Umstand auch vom heiligen Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte aufgefasst und gewertet. [2] Aber fünfzig Jahre nach Abschluss des Konzils ist vielleicht der Versuch nützlich, das Gleichgewicht zwischen dieser von den historisch bedingten Debatten geprägten Kirchenvision und der auf Geist und Mysterium zentrierten Vision des Neuen Testaments und der Kirchenväter wiederherzustellen. Die grundlegende Frage ist dabei nicht: „Was ist die Kirche?“, sondern: „Wer ist die Kirche?“ [3] Von dieser Frage will ich mich in meinen Betrachtungen leiten lassen.

2. Die Kirche als Leib und Braut Christi

Die Seele und christologische Tiefe der Konstitution Lumen gentium (LG) werden vor allem im Kapitel I sichtbar, in welchem die Kirche als Leib Christi und Braut Christi vorgestellt wird. Wir wollen uns einige Aussagen der Konstitution in Erinnerung rufen:

„Die Kirche wird auch bezeichnet als ‚das Jerusalem droben‘ und als ‚unsere Mutter‘ (Gal 4,26; vgl. Offb 12,17); sie wird beschrieben als die makellose Braut des makellosen Lammes (Offb 19,7; 21,2.9; 22,17); Christus hat sie ‚geliebt und sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen‘ (Eph 5,26). In unauflöslichem Bund hat er sie zu sich genommen, immerfort ‚nährt und hegt er‘ sie (Eph 5,29). Nach seinem Willen soll sie als die von ihm Gereinigte ihm zugehören und in Liebe und Treue ihm untertan sein (vgl. Eph 5,24)“ (LG 6).

Soweit zum Titel „Braut Christi“; was den „Leib Christi“ anbelangt, heißt es:

„Gottes Sohn hat in der mit sich geeinten menschlichen Natur durch seinen Tod und seine Auferstehung den Tod besiegt und so den Menschen erlöst und ihn umgestaltet zu einem neuen Geschöpf (vgl. Gal 6,15; 2 Kor 5,17). Indem er nämlich seinen Geist mitteilte, hat er seine Brüder, die er aus allen Völkern zusammenrief, in geheimnisvoller Weise gleichsam zu seinem Leib gemacht […]. Beim Brechen des eucharistischen Brotes erhalten wir wirklich Anteil am Leib des Herrn und werden zur Gemeinschaft mit ihm und untereinander erhoben. ‚Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, alle, die an dem einen Brote teilhaben‘ (1 Kor 10,17)“ (LG 7).

Auch in diesem Fall fällt dem damaligen Kardinal Ratzinger der Verdienst zu, den inneren Zusammenhang zwischen diesen beiden Bildern der Kirche herausgearbeitet zu haben: Die Kirche ist Leib Christi weil sie die Braut Christi ist! In anderen Worten: Der Ursprung des paulinischen Bildes der Kirche als Leib Christi liegt nicht in der von den Stoikern ausgeliehenen Metapher des Einklangs zwischen den Gliedern des menschlichen Körpers begründet (obwohl Paulus manchmal deutlich darauf zurückgreift; so z.B. in Röm 12,4 ff und in 1 Kor 12,12 ff.), sondern in der Vorstellung, dass Mann und Frau in der Ehe ein Fleisch bilden (vgl. Eph 5, 29,32) und mehr noch in der eucharistischen Idee, dass alle, die vom selben Brot essen, ein und denselben Leib bilden: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). [4]

Nur am Rande wollen wir erwähnen, dass dies auch der Kern der Kirchenbetrachtung des hl. Augustinus war, der so weit ging, dass man manchmal meinen könnte, er identifiziere schlicht und einfach den Leib Christi, der die Kirche ist, mit jenem Leib Christi, der die Eucharistie ist. [5] Davon legt auch die Evolution der Bezeichnung „mystischer Leib“ Christi ein Zeugnis ab: Anfangs war damit die Eucharistie gemeint; allmählich jedoch fing man an, damit immer öfter die Kirche zu meinen, wie wir es heute noch tun. [6] Wie bekannt ist, ist das auch der Punkt, an dem die katholische Ekklesiologie und die eucharistische Ekklesiologie der orthodoxen Kirche sich am nächsten kommen. Ohne Kirche und ohne Eucharistie hätte Christus keinen „Leib“ mehr in der Welt.

3. Von der Kirche zur Seele

Ein Prinzip, dass von den Kirchenvätern oft wiederholt und angewendet wurde, lautet: „Ecclesia vel anima“; die Kirche, oder die Seele. [7] Das soll heißen: Was allgemein für die Kirche gilt, gilt im Einzelnen für jede Seele innerhalb der Kirche. Dem heiligen Ambrosius wird die Aussage zugeschrieben: „Die Kirche ist in ihren Seelen schön.“ [8] Um dem erklärten Ziel dieser Meditationen treu zu bleiben und die im engeren Sinn „erbaulichen“ Elemente der Konzilsekklesiologie herauszustreichen, fragen wir uns: Was bedeutet es für das Geistesleben eines Christen, diese Idee der Kirche als Leib und Braut Christi erleben und verwirklichen zu wollen?

Wenn die Kirche in ihrer tiefsten und wahrsten Bedeutung der Leib Christi ist, dann bin ich ein „kirchliches Wesen“ [9], bzw. verwirkliche ich in mir die Kirche in dem Maße, in dem ich Christus gestatte, mich zu seinem Leib zu machen; nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis. Was zählt ist nicht der Platz, den ich in der Kirche einnehme, sondern der Platz, den Christus in meinem Herzen einnimmt!

Objektiv betrachtet verwirklicht sich das in den Sakramenten, vor allem in zweien von ihnen: in der Taufe und in der Eucharistie. Die Taufe haben wir ein einziges Mal empfangen; die Eucharistie hingegen empfangen wir täglich. Deshalb ist es so wichtig, sie zu feiern und zu empfangen, damit sie ihre Aufgabe, uns zu einer Kirche zu formen, wirklich erfüllen kann. Die berühmte, durch de Lubac eingeführte Maxime: „Die Eucharistie macht die Kirche“ findet ihre Anwendung nicht nur auf gemeinschaftlicher Ebene, sondern auch auf der persönlichen Ebene: Die Eucharistie macht jeden von uns zum Leib Christi, zur Kirche. Auch in diesem Zusammenhang will ich mich einiger tiefsinniger Worte des damaligen Kardinals Ratzinger bedienen:

„Kommunion bedeutet, dass die scheinbar unüberwindbare Barriere meines Ichs durchbrochen wird […]; bedeutet Verschmelzung der Existenzen. So wie bei der Ernährung ein Körper eine fremde Substanz aufnehmen und dadurch leben kann, so wird mein Ich von Jesus selbst ‚aufgenommen‘ und ihm angeglichen, in einem Austausch, der die Grenzen immer mehr durchbricht.“ [10]

Zwei Existenzen – die meine und die Christi – werden eins, „ohne Verwirrung und ohne Trennung“; nicht hypostatisch, wie bei der Menschwerdung, sondern auf mystische und reale Weise. Aus zwei „Ichs“ wird ein einziges: nicht mein kleines Ich, sondern jenes Christi. Das geht so weit, dass jeder von uns nach dem Empfang der Eucharistie mit Paulus sagen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). In der Eucharistie, schreibt Kabasilas, „fließt Christus in uns ein und verschmilzt mit uns, wobei er uns in sich verwandelt, wie ein Tropfen Wasser, der in einen grenzenlosen Ozean aus duftendem Öl fällt.“ [11]

Das Bild der Kirche als Leib Christi ist, wie wir gesehen haben, von der Vorstellung der Kirche als Braut Christi nicht zu trennen. Auch das kann uns sehr nützlich sein, um die Eucharistie auf tiefe Weise mystagogisch zu erleben. Der Epheserbrief lehrt uns, die menschliche Ehe als Symbol der Verschmelzung Christi mit seiner Kirche zu betrachten: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5, 31-32). Eine unmittelbare Folge der Ehe ist, nach Paulus, dass der Leib des Mannes fortan der Frau gehört und der Leib der Frau dem Mann (vgl. 1 Kor 7,4).

Auf die Eucharistie angewendet bedeutet das, dass das unverderbliche und lebenspendende Fleisch des menschgewordenen Wortes „mein“ Fleisch wird; aber auch, dass mein Fleisch, meine menschliche Natur, vom Wesen Christi angenommen wird. In der Eucharistie empfangen wir Leib und Blut Christi; aber auch Christus empfängt unseren Leib und unser Blut! Jesus, so schreibt Hilarius von Poitiers, nimmt das Fleisch dessen an, der seinen Leib einnimmt. [12] Er sagt zu uns: „Nimm, das ist mein Leib“; aber auch wir können zu ihm sagen: „Nimm, das ist mein Leib.“

In seiner Sammlung eucharistischer Gedichte nennt der spätere Papst Karol Wojtyla dieses neue Subjekt, dessen Leben Christus sich angeeignet hat, das „eucharistische Ich“:

„Es wird dann das Wunder der Verwandlung stattfinden: Du wirst ich werden, ein eucharistisches Ich“ [13]

Es gibt in meinem Leben nichts, was nicht Christus angehörte. Niemand kann sagen: „Ach, Jesus weiß nicht, was es bedeutet, verheiratet zu sein, Frau zu sein, ein Kind verloren zu haben, krank zu sein, alt zu sein, farbig zu sein!“ Wenn du es weißt, weiß er es auch, durch dich und in dir. Was Christus nicht „dem Fleische nach“ erlebt hat, weil sein irdisches Leben wie das von uns allen auf einen engen Kreis von Erfahrungen beschränkt war, das erlebt und erfährt er als Auferstandener „dem Geiste nach“, dank der ehelichen Kommunion in der heiligen Messe. In der Frau erlebt er, was es bedeutet, Frau zu sein; im Alten was es bedeutet, alt zu sein; im Kranken erlebt er die Krankheit. Alles, was an der vollständigen Menschwerdung des Wortes noch „fehlte“, erfüllt sich in der Eucharistie.

Den tiefen Grund dafür hatte die selige Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit gut verstanden, als sie schrieb: „Die Braut gehört dem Bräutigam. Meiner hat mich ganz eingenommen. Er will, dass ich für ihn zu einer erweiterten Menschlichkeit werde.“ [14] Es ist, als sage uns Jesus: „Ich habe Hunger nach dir, ich will von dir leben; deshalb muss ich in allen Gedanken und allen Gefühlsregungen leben, die du hast; ich muss von deinem Fleisch und deinem Blut leben, von deiner täglichen Mühe; ich muss mich von dir ernähren, wie du dich von mir ernährst!“

Welch unerschöpflicher Grund zur Verwunderung und zum Trost ist dieser Gedanke, dass unsere Menschlichkeit zur Menschlichkeit Christi wird! Aber welch große Verantwortung erwächst uns auch daraus! Wenn meine Augen zu Augen Christi geworden sind, mein Mund zum Mund Christi, welch hohen Grund habe ich dann doch, um meinen Blick nicht auf lasziven Bildern ruhen zu lassen, um meiner Zunge die üble Nachrede über meinen Bruder zu verbieten, um meinen Leib von der Sünde fern zu halten. „Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen?“, fragt der Apostel (1 Kor 6,15). Diese Worte gehen jeden Getauften etwas an. Was soll man dann erst über die Gottgeweihten sagen, über die Diener Gottes, die „Vorbilder für die Herde“ (1 Petr 5,3) sein sollten? Man bekommt das Zittern, wenn man bedenkt, wie sehr der Leib Christi, die Kirche, misshandelt wird.

4. Die persönliche Begegnung mit Jesus

Bisher habe ich vom objektiven, sakramentalen Beitrag zu unserer Umformung zur Kirche, das heißt zum Leib Christi gesprochen. Es gibt aber auch eine subjektive und existenzielle Dimension. Sie besteht in dem, was Papst Franziskus in Evangelii gaudium als „persönliche Begegnung mit Jesus“ bezeichnet. Lasst uns noch einmal seinen Worten lauschen:

„Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm“ (EG, Nr. 3).

Hier müssen wir vielleicht sogar noch einen Schritt weiter gehen, als die Ekklesiologie des Konzils reicht. In der katholischen Alltagssprache ist „die persönliche Begegnung mit Jesus“ nie ein besonders weit verbreiteter Begriff gewesen. Anstelle der „persönlichen“ Begegnung mit Christus bevorzugte man die Idee einer ekklesialen Begegnung, die also durch die Sakramente der Kirche stattfindet. Die „persönliche“ Begegnung hatte für die Ohren von uns Katholiken immer einen leicht protestantischen Beiklang. Aber selbstverständlich ist hier nicht von einer persönlichen Begegnung als Ersatz für die sakramentale Begegnung die Rede; vielmehr soll die sakramentale Begegnung auch eine frei beschlossene und gewollte Begegnung sein, die nicht nur aus Form und Gewohnheit stattfindet. Wenn die Kirche der Leib Christi ist, dann ist die persönliche Annahme Christi der einzige Weg, der uns existenziell in sie einführt.

Wenn wir verstehen wollen, was es bedeutet, Jesus persönlich zu begegnen, dann müssen wir zumindest einen flüchtigen Blick auf die Geschichte der Kirche werfen. Was musste man in den ersten drei Jahrhunderten tun, um Mitglied der Kirche zu werden? Trotz aller Unterschiede von Individuum zu Individuum und von Ort zu Ort war doch allen Christen gemeinsam, dass sie eine lange Vorbereitungszeit – das Katechumenat – zu erfüllen hatten und diese Wahl bewusst und freiwillig trafen; eine Wahl, die obendrein gefährlich war und zum Martyrium führen konnte.

Die Dinge änderten sich, als der christliche Glaube zunächst toleriert wurde und dann kurze Zeit später sogar zur geförderten, manchmal geradezu aufgezwungenen Religion wurde. In dieser Situation verlagerte sich das Interesse von der Begegnung mit dem Glauben weg zu den Anforderungen des Glaubens, zur Läuterung der eigenen Lebensweise; in anderen Worten, zur Ethik.

Trotz allem stand es damals nicht so schlecht um die Religion, wie wir heute meinen könnten, weil trotz aller bekannten Einschränkungen die Familie, die Schule, die Kultur und nach und nach auch die Gesellschaft dabei halfen, den Glauben auf fast unmerkliche Weise zu verinnerlichen. Ganz abgesehen davon, dass es schon seit Anbeginn dieser neuen Situation Lebensformen gab – das Mönchstum und später die religiösen Orden – , in denen die Taufe mit unverminderter Radikalität erlebt wurde und das christliche Leben nach wie vor die Folge einer persönlichen Entscheidung blieb, die nicht selten geradezu heroisch war.

Diese Situation, in denen die gesamte Gesellschaft christlich war, hat sich heute radikal verändert. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung, die der neuen Lage gerecht wird. In der Praxis geht es darum, für die Menschen von heute Gelegenheiten zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, im heutigen Kontext dieselbe freie und reife Entscheidung zu treffen, wie die Christen der Frühzeit sie trafen, wenn sie sich taufen ließen, und die aus ihnen echte Christen machte, die es nicht nur dem Namen nach waren.

Die 1972 erschienene Grundform der „Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche“ schlägt eine Art katechumenalen Weg für die Taufe Erwachsener vor. In Ländern, wo zahlreiche Religionen nebeneinander leben und daher viele Erwachsene um die Taufe bitten, hat sich dieses Instrument als sehr wirksam erwiesen. Doch was tun mit den zahlreichen bereits getauften Christen, die nur dem Namen nach Christen sind und denen die Kirche und das sakramentale Leben völlig fremd bleiben?

Eine Antwort auf dieses Problem sind die zahlreichen kirchlichen Bewegungen, Laienverbände und erneuerte Pfarrgemeinden, die nach dem Konzil entstanden sind. Was trotz der großen Vielfalt ihnen allen gemeinsam ist, ist dass sie ein Umfeld und ein Mittel darstellen, das es zahlreichen erwachsenen Menschen erlaubt, ihre persönliche Entscheidung für Christus zu treffen, ihr Getauftsein wiederzuentdecken und innerhalb der Kirche zu handelnden Subjekten zu werden.

Doch will ich nicht länger bei diesen pastoralen Aspekten des Problems verweilen. Was ich zum Ende dieser Meditation betonen möchte ist noch einmal der spirituelle und existenzielle Aspekt, der uns individuell betrifft. Was bedeutet es, Jesus zu begegnen und sich von ihm persönlich begegnen zu lassen? Es bedeutet, dass wir in der Lage sind, den Satz: „Jesus ist der Herr!“ so auszusprechen, wie es Paulus und die ersten Christen es taten; d.h. auf eine Weise, die unser ganzes Leben bestimmt.

Jesus ist keine abstrakte Gestalt mehr, sondern ein Mensch; nicht jemand, über den man spricht, sondern jemand, mit dem man sprechen kann, weil er auferstanden ist und lebt; nicht mehr nur eine Erinnerung, wenn auch eine liturgisch lebendige und wirksame, sondern eine Gegenwart. Das bedeutet auch, dass wir keine wichtige Entscheidung treffen dürfen, ohne sie ihm zuvor im Gebet vorgelegt zu haben.

Eingehens habe ich gesagt, dass man nicht Christus aus Liebe zur Kirche annimmt, sondern die Kirche aus Liebe zu Christus. Versuchen wir also, Christus zu lieben und ihn lieben zu lassen, und wir werden der Kirche den besten Dienst erwiesen haben. Wenn die Kirche die Braut Christi ist, dann wird auch sie, wie jede Braut, neue Kinder hervorbringen, indem sie sich aus Liebe mit ihrem Bräutigam vereint. Die Fruchtbarkeit der Kirche hängt von ihrer Liebe zu Christus ab.

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[1] J. Ratzinger, L’ecclesiologia del Vaticano II, in Chiesa, ecumenismo e politica, Edizioni Paoline, Cinisello Balsamo, 1987, S. 9-16).

[2] Vgl. hl. Johannes Paul II., „Novo millennio ineunte“, 42. 45.

[3] Vgl. H. U. von Balthasar, Sponsa Verbi, Saggi teologici,II, Morcelliana, Brescia  1972, S. 139 ff. (deutsche Ausgabe: Sponsa Verbi, Johannes Verlag, Einsiedeln 1961).

[4] Joseph Ratzinger, Origine e natura della Chiesa, in La Chiesa. Una comunità sempre in cammino, Ed. Paoline, Cinisello Balsamo, 1991, S. 9-31).

[5] Augustinus, Discorsi, 272 (PL 38, 1247 s.).

[6] Vgl. H. de Lubac, in Corpus Mysticum. L’Eucharistie et l’Eglise au Moyen  Age, Aubier, Paris 1949.

[7] Vgl. Origenes, In cant. cant. III (GCS 33, S. 185; 190); Ambrosius, Exp. Ps. CXVIII, 6,18 (CSEL 62, S. 117).

[8] Ambrosius, De mysteriis, VII, 39, vgl. H. de Lubac, Exégèse mediévale, I,  2, Paris, Aubier, 1959, S. 650.

[9] Vgl. J. Zizioulas, L’être ecclésial, Labor et fides, Genève 1981.

[10] J. Ratzinger, Origine e natura della Chiesa, cit.

[11] Ni. Kabasilas, Leben in Christus, IV,3 (PG 150, 593).

[12] Hilarius von Poitiers, De Trinitate, 8, 16 (PL 10, 248): „Eius tantum in se adsumptam habens carnem, qui suam sumpserit.“

[13] K. Wojtyla, Tutte le opere letterarie, Bompiani. Milano 2000, S. 75.

[14] Sel. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit, Brief 261, an die Mutter (in Opere, Roma 1967,  S. 457).

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(rv 04.12.2015 no)