Mgr. Lefebvre: Klarstellung bezüglich des Papstes und der neuen Messe

Gelegentlich der Audienz, die Paul VI. ihm am 11. September 1976 gewährt hatte, war Mgr. Lefebvre erstaunt, bis zu welchem Grad er beim Papst verleumdet werden konnte, der behauptete, dass man in Ecône einen Eid gegen den Höchsten Pontifex schwören lasse. Der Gründer der Bruderschaft gab sich Rechenschaft darüber, dass seine Stellungnahmen verdreht werden konnten bei den Autoritäten der Kirche durch jene, die, sowohl außerhalb der traditionalistischen Kreise wie in ihrem Innern, dem Misstrauen Argwohn hinzuzufügen trachten, um [damit] für immer eine Lösung der Krise zu belasten. Die Probleme des Konzils und des Nach-Konzils sind schon ernst genug, als dass es noch nötig wäre, zusätzliche Streitpunkte hinzuzufügen, wie die Nicht-Anerkennung des Hauptes der Kirche oder die Ungültigkeit des neuen Ritus.
Dies [nun] ist, was Mgr. Lefebvre gegenüber Papst Johannes-Paul II. am 8. März 1980 feierlich erklärt hat:

Internationales Seminar Sankt Pius X.,
8. März 1980 

Heiliger Vater,

Um den Zweifeln betreffend meine Haltung und mein Denken in Bezug auf den Papst, das Konzil und die Messe des Novus Ordo, die sich gegenwärtig sowohl in Rom als auch in gewissen traditionalistischen Kreisen Europas und sogar in Amerika ausbreiten, ein Ende zu setzen und, befrüchtend, dass diese Zweifel Ihre Heiligkeit erreichen, erlaube ich mir, von neuem das zu bekräftigen, was ich stets ausgedrückt habe: 

  1. Dass ich bezüglich der Rechtmäßigkeit und Gültigkeit Ihrer Wahl keinerlei Zweifel habe, und dass ich es folglich nicht tolerieren kann, dass man die von der Heiligen Kirche für Ihre Heiligkeit vorgeschriebenen Gebete nicht an Gott richtet. Ich habe bereits streng vorgehen müssen, und tue es weiterhin, gegenüber einigen Seminaristen und einigen Priestern, die sich beeinflussen ließen von einigen Klerikern, die der Bruderschaft fremd sind.
  2. Dass ich absolut einverstanden bin mit dem Urteil, das Ihre Heiligkeit über das II. Vatikanische Konzil  am 6. September 1978 bei der Versammlung des Heiligen Kollegiums abgegeben hat: „dass das Konzil im Lichte der ganzen Heiligen Tradition und auf der Grundlage des immerwährenden Lehramtes der Heiligen Kirche verstanden werden muss “.
  3. Was die Messe des Novus Ordo betrifft, habe ich trotz aller Vorbehalte, die man ihr gegenüber haben muss, nie behauptet, dass sie in sich ungültig oder häretisch sei. 

Ich würde Gott und Ihrer Heiligkeit Dank erweisen, wenn diese klaren Aussagen den freien Gebrauch der traditionellen Liturgie und die Anerkennung durch die Kirche der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. wie auch all jener, die, indem sie diese Erklärungen unterzeichneten, sich bemüht haben, die Kirche zu retten durch eine Weiterführung ihrer Tradition, beschleunigen würden.

Möge Eure Heiligkeit sich würdigen, meine Empfindungen tiefer und kindlicher Hochachtung in Jesus und Maria entgegenzunehmen. 

Marcel Lefebvre
Alt-Erzbischof von Tulle

 

Was Mgr. Lefebvre unter „das Konzil im Lichte der Heiligen Tradition verstehen“ verstand, verweisen wir den Leser auf diese Erklärung, die er selber in einem Interview gab, das „Pacte“ im Jahre 1987 gewährt wurde:

„Was bedeutet ‹das Konzil gemäss  der Tradition annehmen›? Wir haben mehrfach darüber gesprochen, genauerhin mit Kardinal Ratzinger. Für ihn bedeutet dies, dass die Thesen des II. Vatikanums in jene der Tradition integriert werden müssten. Jedoch, ‹integrieren› ist ein noch vages (verschwommenes) Tätigkeitswort. Meiner Ansicht nach muss man unterscheiden. Es gibt gewiss einige Konzils-Texte, die übereinstimmen mit der Tradition, die keinerlei Problem darstellen: ich denke an Lumen Gentium, aber auch an andere Dokumente, wie jenes über die Priester-Ausbildung und über die Seminare. Dann gibt es zweideutige Texte, die indes in einer gewissen Weise korrekt ‹interpretiert› werden können gemäß dem vorausgehenden Lehramt. Aber es gibt auch Texte, die unverblümt im Widerspruch stehen mit der Tradition und die in keinerlei Weise ‹integriert› werden können: die Erklärung über die Religionsfreiheit, das Dekret über den Ökumenismus, jenes auch der Liturgie. Hierin wird eine Übereinstimmung unmöglich…“


 

Quelle: CREDIDIMUS CARITATI, Samstag, 29. März 2014

Aus dem Französischen von mir [POS].

 

 

Der Papstprediger: Ehefrauen sollen Ehemännern nicht gehorchen

Von Marian T. Horvat

Ehemänner, liebt eure Frauen, das ist gut. Ehefrauen, unterzieht euch euren Ehegatten, dies ist unannehmbar. Dies war die revolutionäre Botschaft in einer kürzlichen Predigt des Kapuziner-Paters Raniero Cantalamessa, dem Prediger des Päpstlichen Haushaltes.

Pater Cantalamessa kommentierte die Stellen des heiligen Paulus (Eph. 5:21-32), in dem der Vers enthalten ist, der seit langem Feminist(inn)en aus der Fassung gebracht hat, besonders: „Ehefrauen, seid Euren Männern untertan“ (5:22). Gemäß dem Zenit-Bericht hatte Pater Cantalamessa kein Problem mit den Worten des hl. Paulus, mit welchen er ihnen empfiehlt, ihre Frauen zu lieben: „Dies ist gut.“ Der Haken für den päpstlichen Prediger ist „dass er [der hl. Paulus] den Frauen ebenfalls empfiehlt, untergeben zu sein ihren Gatten, und dies – in einer Gesellschaft, die sich betont (und rechtens) bewusst ist der Ebenbürtigkeit der Geschlechter – scheint unannehmbar (P. Cantalamessa über Eheliche Unterordnung“, Zenit, 25. August 2006).

Er fährt fort und erklärt, dass wir die Stelle nicht wörtlich verstehen müssen, da der hl. Paulus in Bezug auf die Autorität des Ehemanns in der Ehe zum Teil bestimmt ist durch die Mentalität des Zeitalters.“ Cantalamessa löst das Problem, indem er erklärt, dass was Christus und die Apostel wirklich gemeint haben für Ehemänner und -Frauen, bedeutet habe, sich zu lieben und sich gegenseitig unterzuordnen (ibid.).

Nun, diese Interpretation ist frontal gegensätzlich und subversiv zu dem, was die Katholische Kirche konstant und konsistent gelehrt hat seit dem heiligen Paulus und bis zum II. Vatikanum.

Ist ein Aufstand oder Protest gegen Pater Cantalamessa’s Kommentar  bevorstehend? Es sieht nicht darnach aus. In der Tat, diese Schlussfolgerung des päpstlichen Predigers wiederholt in gewisser Hinsicht nur die Lehre Johannes Pauls II. in Seinem Apostolische Brief Mulieris dignitatem (15. August 1988). In ihm erwägte Johanne Paul II, dass der in Frage stehende Vers „Frauen seid euren Männern untertan“ effektiv nichtig gemacht werde durch den vorausgehenden Vers 5:21 „Seid einander untertan aus Verehrung für Christus.“ Dieser sei der vorherrschende Vers der Stelle, bekräftigt Woytyla, so dass die „Unterordnung der Frau unter den Mann in der Ehe im Sinne einer ‚gegenseitigen Unterordnung‘ beider ‚aus Verehrung für Christus‘“ (Nr. 24) verstanden werden müsse. Mit dieser „Bibel-Innovation“ soll die Autorität des Ehemannes über die Frau in der Ehe beseitigt werden.

Dies passt den Feminist(inn)en und der gesamten progressivistischen Agenda sehr gut, die die monarchische Struktur aller traditionellen Institutionen abschaffen möchten. Die Familie, wie die Gesellschaft, würden einen angeblich/vermeintlich gesunden Prozess der Evolution erfahren, weg von der Monarchie und auf die Selbst-Regierung/-Verwaltung hin. Es kann weiter zugegeben werden, dass der Ehemann und die Ehefrau verschiedene komplementäre Rollen haben. Aber unter keinen Umständen soll sich die Frau dem Mann unterziehen, denn dies würde eine Verletzung gegen die Gleichheit der Geschlechter bedeuten, eine moderne Norm, welche die Konzilskirche fördert.

Diese Änderung in der Einstellung jedoch ist ein Aufgeben der Katholischen Tradition und des beständigen Lehrens des Magisteriums.

Die frühere Lehre betonte die Unterordnung der Frau unter ihren Ehemann

Es gibt kaum einen Punkt, auf dem die Kirche mehr beharrte, als dass der Vater das Haupt der Familie ist. Die Autorität des Vaters ist zum Wohle der Familie angeordnet als ein Widerschein der Autorität Gottes. Das Konzil von Trient wiederholte die Lehre der Kirchenväter, indem es unterrichtete, dass der Vater als Haupt der Familie handeln müsse und die Mutter ihm „einen bereitwilligen Gehorsam in allen Dingen erweisen solle, die nicht unvereinbar sind mit der christlichen Frömmigkeit“ („Die Pflichten Verheirateter“, Katechismus des Konzils von Trient).

Vielleicht mit einem Auge auf die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts grollenden feministischen Strömungen, behandelte Papst Leo XIII. die Frage der Autorität in der Ehe gleich in seiner Enzyklika „Arcanum divinae sapientiae“ (10. Februar 1880), indem er die uralte Lehre bestätigte:

„Der Ehemann ist das Oberhaupt der Familie und das Haupt der Ehefrau. Die Ehefrau, weil sie Fleisch von seinem Fleische und Bein von seinem Bein ist, muss ihrem Ehegatten untertänig sein und ihm gehorchen, gewiss nicht als eine Dienstmagd, sondern als eine Gefährtin, so dass ihr Gehorsam weder der Ehre, noch der Würde ermangelt. Da der Ehemann Christus vertritt, und da die Ehefrau die Kirche darstellt, mögen stets in beiden, in ihm, der befielt und ihr, die gehorcht, eine vom Himmel gestütze Liebe vorhanden sein, die beide in ihren jeweiligen Pflichten leitet.“ (Nr. 26)

In seiner Enzyklika „Casti Connubi“ vom 31. Dezember 1930 warnte Papst Pius XI. vor den „falschen Lehrern“, welche im Namen der „menschlichen Würde“ die Ehefrauen überzeugen möchten, den Gehorsam aufzugeben, den sie ihren Ehemännern schuldig sind. „Dies ist nicht Emanzipation, sondern ein Verbrechen“, bekräftigte er betont (Nr. 74). Weiter unterstreicht er, dass die wesentliche Ordnung des Haushaltes sich nicht ändern könne, da sie gegründet ist auf etwas Höherem als menschlichter Autorität und Weisheit, das heißt, der Autorität und der Weisheit Gottes (Nr. 77).

Indem er diese Lehre frontal angreift, verkündet Pater Cantalamessa, dass wir diese Ermahnung zum Gehorsam der Ehefrauen, weil der hl. Paulus „von der Mentalität  seines Zeitalters bestimmt gewesen“ sei, missachten können.

Papst Pius XII. sprach ähnliche Worte der Vorsicht/Warnung, indem katholische Frauen instruierte, „moderne Einflüsse“ zu ignorieren, die ihnen beibringen möchten, sie seien in jeder Hinsicht ebenbürtig ihren Männern. Indem er zu einer Gruppe von Frisch-Verheirateten sprach, sagte er zu ihnen: Ihr seid ebenbürtig in der Würde, doch diese Ebenbürtigkeit schließt nicht eine Hierachie aus, welche den Ehemann als Haupt und die Ehefrau als Untergebene von ihm festsetzt. Diese Hierarchie ist nicht nur nötig, sondern unverzichtbar für die Einheit und das Glück. Katholische Männer und Frauen haben die Pflicht, die sich ändernden gesellschaftlichen Bedingungen, welche die Hierarchie in der Familie unterminieren, zu bekämpfen. („Ansprache an die Neuverheirateten“ vom 10. September 1941 in „Die Frau in der modernen Welt“, herausgegeben von den Mönchen von Solesmes, Boston: St. Paul Editions, 1959, SS 64-6).

Das heißt soviel, dass die immerwährende Lehre der Kirche genau das Gegenteil dessen bekräftigt, was der Kommentar des päpstlichen Predigers aussagt.

Die Hierarchie in der Familie wurde nach dem II. Vatikanum umgestoßen/zerrüttet

Vor Vatikan II sehen wir, dass die Päpste die Wichtigkeit der richtigen Familienordnung behandelten, indem sie die Frauen zu einem gebührenden Gehorsam gegenüber den Ehemännern ermahnten. Sie fürchteten sich nicht, das Wort „Untergebung/Unterordnung“ zu benutzen.

Nach Vatikanum II jedoch haben wir gesehen, wie Johannes Paul II. eine andere, revolutionäre Lehre unterstützte und förderte in „Mulieris dignitatem“. Er und andere Konzilspäpste schwiegen zum Thema Gehorsam der Ehefrauen gegenüber ihren Männern. Ich kenne keinen einzigen Fall von ihnen, dass sie Frauen ermahnt hätten, sich ihren Männern unterzuordnen. Stattdessen beharren sie unveränderlich auf der ebenbürtigen persönlichen Würde der Eheleute. Doch nie ein Wort, das bekräftigen würde, dass die Frau sich ihrem Ehegatten unterordnen sollte.

Vatikan II scheint diese Unterlassung zu legitimieren, weil keines der Dokumente das Thema der Autorität des Ehemannes behandelt. Stattdessen werden Partnerschaft und gleiche persönliche Würde in der Ehe betont. „Gaudium et spes“ beschreibt die Ehe als „ein Abbild und Teilen in der Partnerschaft der Liebe zwischen Christus und der Kirche (Nr. 48) und spricht von der „gleichen persönlichen Würde“ der Eheleute (Nr. 49). So weit ich sehen konnte, gibt es nichts anderes. Es ist eine sehr ernsthafte Unterlassung. Genau zu der Zeit, in der die Revolution versuchte, die traditionelle Hierarchie im Familienleben umzustürzen, scheint Vatikan II diese Haltung unterstützt zu haben.

Was den Katechismus der Katholischen Kirche betrifft, der unter JPII im Jahre 1992 promulgiert wurde, schenkt dieser gleicherweise keine Beachtung der früheren Lehre der Kirche betreffend die Autorität des Vaters in der Familie. Er sagt, dass Männer und Frauen gleich sind als Personen und komplementär als männlich und weiblich. In meiner Sicht ist es eine Sprache, die darauf abzielt, Feminismus und Progressismus zu versöhnen.

All diese post-konziliaren Lehren stehen in völliger Abweichung zum konstanten und gleichförmigen Magisterium der Heiligen Mutter Kirche. In der Tat, sie dienen dazu, die Revolution in der katholischen Gesellschaftslehre zu fördern und bringen das Chaos in die Familie.

Dies ist die Lektion, die wir vom päpstlichen Prediger bekommen.

Marian T. Horvat

Quelle: Papal Preacher: Wives Should Not Obey Husbands

(Aus dem Englischen übersetzt von Paul O. Schenker)