Die Förderung der wahren Religionseinheit

Papst Pius XI. 1922

Enzyklika Papst Pius XI.  – entnommen der Schweizerischen Kirchenzeitung Nr. 3 und 4, 1928

Ehrwürdige Brüder! Gruß und Apostolischen Segen!

Die Menschenherzen sind vielleicht noch nie von einem so lebehaften Verlangen erfüllt gewesen wie in unseren Tagen, zum gemeinsamen Beten der menschlichen Gesellschaft die brüderlichen Bande zu verstärken und zu erweitern, durch die wir untereinander verbunden sind dank unseres gemeinsamen Ursprungs und der gleichen Natur. Denn da die Völker die Gaben des Friedens noch nicht voll genießen und vielmehr da und dort alte und neue Gegensätze in Bürgerkriegen und Aufständen sich Luft machen; da andererseits die vielen Zwistigkeiten, die das Wohlergehen und die Ruhe der Völker bedrohen, in den meisten Fällen nicht ohne die einträchtige und zielbewusste Arbeit der Regierungen beigelegt werden können, denen die Interessen der Staaten anvertraut sind, so ist zu verstehen, dass weite Kreise eine engere Verbindung zwischen den Nationen anstreben, gestützt auf die Brüderlichkeit und die nunmehr allgemein anerkannte Einheit des Menschengeschlechtes.

Manche suchen eine solche Einigung auch bezüglich der von unserem Herrn Jesus Christus eingesetzten neutestamentlichen Gesetzesordnung herbeizuführen. Sie gehen dabei aus von der Überzeugung, dass Menschen ohne Religiosität eine große Seltenheit sind und scheinen hieraus die Hoffnung zu schöpfen, dass die Völker, obwohl in Sachen der Religion verschiedener Meinung, doch ohne Schwierigkeit im Bekenntnis einiger weniger Lehren sich einigen könnten, auf einer gemeinsamen Basis des religiösen Lebens. Zu diesem Behufe veranstalten sie Kongresse, Vereinigungen, Konferenzen und laden dazu wahllos einen weiten Kreis von Personen zur Diskussion ein: Heiden aller Schattierungen, Christen und selbst unglückliche Apostaten und verstockte Leugner der Gottheit Jesu Christi und seiner göttlichen Sendung. Solche Versuche können sicherlich nicht die Apporbation von Katholiken finden, da sie auf der irrigen Lehre beruhen, dass alle Religionen mehr oder minder gleich lobenswürdig und gut seien, da sie in zwar verschiedener Weise, nur der Ausdruck des allen angeborenen Gefühls seien, durch das wir zu Gott emporgehoben und zur ehrfurchtsvollen Anerkennung seiner Oberhoheit bewogen werden. Die Anhänger einer solchen Theorie sind aber nicht nur in Täuschung und Irrtum befangen, sondern weisen die wahre Religion zurück, verfälschen deren Begriff und verfallen unversehens dem Naturalismus und dem Atheismus. Daraus folgt offenbar, dass alle, die solchen Theorien und Versuchen ihre unbedingte Zustimmung geben, sich gänzlich von der von Gott geoffenbarten Religion lossagen.

Bei diesem Unternehmen zur Förderung der Einheit zwischen den Christen lassen sich manche durch gewisse Scheinargumente täuschen. Ist es denn nicht recht — so wiederholt man immer wieder –, ja ist es nicht geradezu eine Pflicht, dass alle, die den Namen Christi tragen, sich gegenseitiger Verketzerung enthalten und endlich einmal unter sich die Bande der Liebe knüpfen? Und wie kann sich der Liebe Christi rühmen, wer nicht aus allen Kräften den Wunsch dessen zu erfüllen trachtet, der den Vater bat, dass seine Jünger „eins“ (Joh. 17, 21) seien? Und wollte nicht auch der selbe Jesus Christus, dass seine Jünger sich vor den anderen Menschen unterschieden und auszeichneten eben durch dasselbe Merkmal gegenseitiger Liebe: „Daran wird man erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebet“ (Joh. 13, 35)? Gäbe doch Gott, sagt man weiter, dass alle Christen „eins“ wären; sie wären dann viel besser imstande, die Pest der Gottlosigkeit zu bezwingen, die alle Tage mehr herumschleicht und sich verbreitet und das Evangelium zu entkräften droht.

Solche und ähnliche Argumente führen die sogenannten Panchristen an. Sie bilden nicht etwa nur einige kleine und seltene Gruppen, sondern sie sind viemehr zu ganzen Heerscharen angewachsen, die in weitverbreiteten Vereinen organisiert sind und zumeist unter der Leitung akatholischer Führer stehen, auch wenn sie in Glaubensfragen verschiedener Meinung sind. Und dieses Unterfangen wird mit einer solchen Geschäftigkeit gefördert, dass es an verschiedenen Orten zahlreiche Anhänger findet und sogar viele Katholiken mit der lockenden Hoffnung gewinnt, es werde gelingen, eine Einigung herbeizuführen, die den Wünschen der heiligen Mutterkirche selbst zu entsprechen scheint, der gewiss nichts so sehr am Herzen liegt als die Rückkehr ihrer irrenden Kinder in ihren Schoß. Aber unter diesen verführerischen Schmeicheleien und gleisnerischen Worten verbirgt sich ein schwerer, die Fundamente des katholischen Glaubens unterminierender Irrtum.

Es ist für Uns eine Amts- und Gewissenspflicht, dafür zu sorgen, dass die Herde Christi nicht durch gefährliche Illusionen verführt werde, und deshalb machen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, auf diese große Gefahr aufmerksam, da Wir der Überzeugung leben, dass durch Euer schriftliches und mündliches Wort die Grundsätze und die Schlüsse, die Wir im folgenden darlegen werden, leichter ins Volk gelangen und von ihm verstanden werden. So werden die Katholiken wissen, wie sie die Frage einer körperlichen Einigung aller Christen zu einem Bunde zu beurteilen und wie sie sich zu ihr zu stellen haben.

Gott, Schöpfer des Universums, erschuf uns, damit wir ihn erkennen und ihm dienen. Daraus folgt, dass er das volle Recht auf unseren Dienst hat. Freilich hätte Gott für die Regierung der Menschen bloß das Naturgesetz, das er mit der Schöpfung selbst eingeschrieben hat in unser Herz, vorschreiben und mit seiner ordentlichen Vorsehung den Fortschritt dieses Gesetzes leiten können. Er hat aber tatsächlich vorgezogen, uns positive Gesetze aufzuerlegen und im Laufe der Jahrhunderte, von der Erschaffnung des Menschengeschlechtes bis zur Ankunft und zur Predigt Jesu Christi, wollte er selbst den Menschen die Pflichten lehren, die die vernünftigen Geschöpfe ihrem Schöpfer schulden: Da Gott vor Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise durch die Propheten zu den Vätern gesprochen, hat er zuletzt in diesen Tagen durch den Sohn zu uns geredet“ (Hebr. 1 1). Es ist deswegen klar, dass es keine wahre Religion geben kann, außer der, welche auf dem geoffenbarten Wort Gottes sich aufbaut. Die Offenbarung, die von Anfang an gegeben und unter dem Alten Bund fortgesetzt wurde, hat Jesus Christus durch den Neuen Bund vollendet. Hat aber Gott gesprochen — und die Geschichte bezeugt, dass er tatsächlich gesprochen hat –, dann ist es klasre Pflicht des Menschen, dem sich offenbarenden Gott bedingungslos zu glauben und seinem Befehl sich zu unterwerfen. Damit wir aber dies tun könnlten, hat der eingeborene Sohn Gottes auf Erden seine Kirche gegründet. Alle, die sich noch als Christen bekennen, müssen doch annehmen dass Christus irgendeine Kirche, und zwar eine einzige Kirche gegründet hat. Fragt man aber dann, wie diese Kirche beschaffen sein müsse, so gehen die Meinungen auseinander. Recht viele beispielsweise leugnen, dass die Kirche Chisti sichtbar sein müsse, insofern nämlich die Körperschaft der Gläubigen als eine erscheinen und alle Gläbigen in derselben Lehre und unter demselben Lehramt und Hirtenamt geeint sein müssten. Sie verstehen unter der Sichtbarkeit der Kirche nichts weiter, als einen, die verschiedenen Gemeinschaften umschließenden Verband, wenn auch diese Gemeinschaften verschiedene, widersprechende Lehren vertreten. Christus der Herr hat aber seine Kirche als eine vollkommene Gesellschaft gegründet, die ihrer Natur nach sinnlich wahrnehmbar ist, damit sie in der Zukunft das Werk der Erlösung des Menschengeschlechts fortsetze, unter der Leitung eines einzigen Oberhauptes (Mt. 16, 18 ff.; Luc. 22, 32; Joh. 21, 15-17) durch das lebendige Lehrwort (Marc, 16, 15), durch die Spendung der hl. Sakramente, diesen Quellen der göttlichen Gnade (Joh. 3, 5, 6, 48-59; 20, 22 ff., cf. Mc. 18, 18 usw.) Deswegen verglicht auch Christus seine Kirche mit einer Herde (Joh. 10, 16), mit einem Hause (Mt. 16, 18), einem Reiche (Mt. 13). Diese Kirche, so wunderbar eingerichtet, konnte nach dem Tode ihres Stifters und der Apostel absolut nicht aufhören zu existieren, denn ihr war die Aufgabe anvertraut, alle Menschen aller Zeiten und der ganzen Welt zur ewigen Seligkeit zu führen: „Gehet hin und lehret alle Völker“ (Mr. 18, 19). Sollte der Kirche die Kraft zur Erfüllung dieser Aufgabe ausgehen, da ihr doch stets Christus selbst zur Seite steht, der ihr feierlich versprach: Siehe, ich bin bei euch bid ans Ende der Zeiten“ (Mt. 28, 20)?

Die Kirche Christi muss also nicht nur heute, morgen und immer existieren, sondern sie muss existieren gerade so wie sie zur apostolischen Zeit existierte, will man nicht die Absurdität aufstellen, dass Christus seinen Willen nicht durchsetzen konnte oder er habe geirrt, als er verkündete, dass die Pforten der Hölle seine Kirche niemals überwältigen werden (Mt. 16, 18). Hier bietet sich Gelegenheit, eine falsche Ansicht zu klären und zurückzuweisen, von der die ganze vorliegende Frage abzuhängen scheint und von der die vielfältige Aktion der Akatholiken zur Einigung der Kirchen ausgeht.

Die Förderer dieser Aktion hören fast nicht auf, die Worte zu zitieren: „Dass alle eins seien.“ „Es wird ein Schafstall und ein Hirt werden.“ (Joh. 17, 21; 10, 16.) Aber sie geben diesen Worten den Sinn eines bloßen Wunsches und einer Bitte des Heilandes, die noch nicht erfüllt seien. Sie behaupten, dass die Einheit des Glaubens und der Leitung, dieses Merkmal der wahren und einzigen Kirche Christi, niemals eigentlich bestanden habe und auch heutzutage nicht vorhanden sei. Sie könne gewünscht werden und könne vielleicht in der Zukunft einmal bei gutem Willen der Gläubigen erreicht werden, aber sie bleibe vorläufig ein reines Ideal. Sie sagen, die Kirche sei an sich und ihrer Natur nach geteilt, sie bestehe aus sehr vielen Kirchen oder einzelnen Kommunitäten, die bisher voneinander geschieden, in einigen Punkten der Doktrin übereinstimmen, in den übrigen sich widersprechen. Jeder dieser Kirchen käme die gleichen Rechte zu. die Kirche sei höchstens einige gewesen in der apostolischen Zeit und bis zu den ersten allgemeinen Konzilien. Deshalb, folgern sie weiter, müssten die alten Kontroversen und Meinungsverschiedenheiten, die bis in unsere Tage die christliche Familie entzweit hätten, ausgeschieden werden, und aus den übriggebleibenden Lehrpunkten müsse eine gemeinsame Glaubensnorm gebildet werden, in welchem Bekenntnis sich dann alle wiederfinden und sich als Brüder fühlen könnten. Nur so, durch einen gemeinsamen Bund geeint, würden die vielen Kirchen und Gemeinschaften imstande sein, kraftvoll und mit Erfolg den Fortschritten des Unglaubens Einhalt zu bieten.

So spricht man sich, verehrte Brüder, gemeiniglich aus. Es gibt zwar auch solche, die zugeben und bejahen, dass der Protestantismus gewisse Glaubenslehren und äußere Kultriten allzu unbedacht preisgegeben habe, die sicher annehmbar und nützlich seien und die die römische Kirche beibehalten habe. Aber sofort fügen sie hinzu, dass diese Kirche auch den alten Christenglauben verderbt habe, indem sie manche Lehren hinzugefügt und zu glauben vorgestellt habe, die dem Christentum nicht nur fremd, sondern entgegengesetzt seien, so vor allem dem Juridiktionsprimat des heiligen Petrus und seiner Nachfolger auf dem römischen Stuhl. Unter ihnen finden sich auch einige wenige, die dem römischen Papste einen Ehrenprimat und eine mäßige Jurisdiktionsgewalt zugestehen, aber nicht kraft göttlichen Rechts, sondern durch eine Art Zustimmung von seiten der Gläubigen. Einige wünschen sogar den römischen Papst zum Vorsitzenden ihrer, sagen wir einmal, bunt zusammengewürfelten Versammlungen zu erheben. Und wenn leicht Akatholiken zu finden sind, die aus vollem Munde die christliche Gemeinschaft predigen, so findet sich auch nicht einer, dem es in den Sinn käme, sich der Autorität des Statthalters Jesu Christi zu unterwerfen und seinem Lehrwort sein Ohr zu leihen. Inzwischen erklären sie sich gern bereit, mit der römischen Kirche zu unterhandeln, aber auf leichem Fuß, mit gleichem Rechte. Aber es ist wohl nicht zweifelhaft, dass, wäre es ihnen vergönnt, so zu unterhandeln, sie es mit der Absicht täten, zu einem Abkommen zu gelangen, das ihnen erlauben würde, die Meinungen beizubehalten, die jetzt noch der Grund sind, warum sie außerhalb der einzigen Hürde Jesu Christi herumirren.

Es ist klar, dass der Hl. Stuhl unter solchen Umständen in keiner Weise an diesen Konferenzen teilnehmen kann. Ebensowenig können die Katholiken einem solchen Unternehmen beitreten oder ihm ihre Beihilfe leihen. Täten sie es, so würden sie eine falsche christliche Religion anerkennen, ganz verschieden von der einen Kirche Jesu Christi. Sollen Wir denn dulden, dass die Wahrheit und zwar die von Gott geoffenbarte Wahrheit, zu einem Verhandlungsgegenstand gemacht wird? Es wäre ein schuldbeladenes Unterfangen. Hier handelt es sich gerade darum, die geoffenbarte Wahrheit zu verteidigen.

Jesus Christus sandte seine Apostel in die ganze Welt, um sein Evangelium allen Völkern zu verkünden, und damit sie sich nie irrten, gab er ihnen den Heiligen Geist zum Lehrer aller Wahrheit (Joh. 16, 13). Ist etwa diese apostolische Lehre versiegt oder kann diese Lehre in der Kirche einmal verdunkelt worden sein, da sie doch von Gott selbst geleitet und bewahrt wird? Und wenn unser Erlöser klar sagte, dass das Evangelium nicht nur für das apostolische Zeitalter, sondern für alle zukünftigen Zeiten bestimmt sei, konnte dann der Glaubensgegenstand im Lauf der Zeit so dunkel und unsicher werden, dass heute alle sich widerstreitenden Meinungen toleriert werden müssten? Wäre das wahr, so müsste man gleicherweise sagen, die Herabkunft des Hl. Geistes auf die Apostel, sein nimmerwhrendes Bleiben bei der Kirche und ebenso die Predigt des Heilandes hätten schon seit vielen Jahrhunderten ihre Kraft und Nützlichkeit verloren. So etwas zu behaupten ist aber eine Blasphemie. Weiter: der eingeborene Sohn Gottes hat seinen Gesandten nicht nur den Auftrag gegeben, alle Nationen zu lehren, sondern er hat auch alle Menschen verpflichtet, der verkündeten Wahrheit zu glauben und „den von Gott vorherbestimmten Zeugen“ (act. 10 41); und er gab seinem Gebote die Sanktion: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird selig werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Marc. 16, 16). Dieses doppelte Gebot Christi, die Wahrheit zu lehren und sie zu glauben, um selig zu werden, wäre durchaus unverständlich, wenn die Kirche die evangelische Lehre nicht klar und unversehrt vorlegen würde und wenn sie nicht von jeder Gefahr des Lehrirrtums bewahrt bliebe. Deshalb entfernt sich jener weit von der Wahrheit, der zwar die Existenz einer Wahrheitshinterlage in dieser Welt annimmt, dann aber wieder der Meinung ist, diese Wahrheit müsse mit so schwerer Arbeit gesucht werden, mit einem so langen Studium und Disputieren, dass kaum ein Menschenleben ausreicht, sie zu finden und zu besitzen. Wie wenn der gütige Gott durch den Mund seiner Propheten und seines eingeborenen Sohnes selbst gesprochen hätte, damit nur wenige und erst im vorgerückten Alter die von ihm geoffenbarte Wahrheit kennenlernten, und nicht vielmehr, um eine Sittenlehre aufzuerlegen, die dem Menschen während seines ganzen Lebens ein Leitstern sein soll.

Die Panchristen mögen bei ihren Bestrebungen zur Vereinigung der Kirchen von der edlen Absicht geleitet sein, die Liebe unter den Christen zu fördern. Aber wie kann es denn eine Liebe auf Kosten des Glaubens geben? Wir wissen doch alle, dass gerade Johannes, der Apostel der Liebe, dessen Evangelium wie eine Offenbarung der Geheimnisse des heiligsten Herzens Jesu erscheint, und der den Seinen ständig das neue Gebot „Liebet einander“ einzuschärfen pflegte, dass gerade er streng verbot, zu denen Beziehungen zu unterhalten, die die Lehre Christi nicht ganz und unversehrt bekannten: „Kommt jemand zu euch und bringt diese Lehre nicht mit, so nehmt ihn nicht in euer Haus auf und bietet ihm keinen Gruß.“ (2. Joh. 11.) Weil also die Liebe auf dem Fundament eines unversehrten und aufrichtigen Glaubens ruht, so müssen die Jünger Christi vor allem durch das Band der Glaubenseinheit untereinander verbunden sein. Wie kann man sich deshalb einen christlichen Bund auch nur denken, dessen Mitglieder, auch wenn es sich um den Glaubensgegenstand handelt, jedes seine eigene Ansicht behalten könnte, selbst wenn sie der Ansicht der anderen widerspricht? Wir fragen: wie können Menschen, die entgegengesetzter Überzeugung sind, ein und demselben Glaubensbund angehören? Wenn die einen beispielsweise die heilige Tradition als eine wahre und echte Glaubensquelle halten, die anderen diese Wahrheit leugnen? Oder die kirchliche Hierarchie der Bischöfe, Priester und Diakone als von Gott eingesetzt erachten und die anderen, die behaupten, diese Hierarchie sei nach den Bedürfnissen der Zeit und des Ortes erst allmählich eingeführt worden? Die im heiligsten Altarssakrament den infolge der wunderbaren Wandlung von Brot und Wein, Transsubstatiation genannt, wirklich gegenwärtigen Christus anbeten, und jene, nach deren Auffassung Christus nur durch den Glauben oder das Zeichen und in der Kraft des Sakramentes zugegen ist? Wie, die in der Eucharistie das Wesen eines Sakramentes und zugleich eines Opfers anerkennen, und wieder jene, welche in ihr bloß eine Erinnerung an das Abendmahl des Herrn und sein Gedächtnis sehen? Wie diejenigen, die für gut und heilsam halten, die mit Christus herrschenden Heiligen und vor allem die Gottesmutter Maria anzurufen und ihre Bilder zu verehren, und jene, die diesen Kult verwerfen, weil der Ehre des „einen Mittlers zwischen Gott und den Menschen“ (vgl. I Tim. 2, 5) Jesus Christus widerstreitend? Es ist Uns unerfindlich, wie in einem solchen Wirrwarr der Meinungen der Weg zur Einheit der Kirche gebahnt werden könnte, da diese Einheit nicht anderes als aus dem Einen Lehramt, der Einen Glaubensregel und dem Einen Christusglauben entstehen kann. Das aber wissen Wir, dass von einer solchen Meinungsverschiedenheit der Schritt gar leicht gemacht wird zur Vernachlässigung der Religion, zum Indifferentismus und zum sogenannten Modernismus, dessen bedauernswerte Opfer die Glaubenswahrheit nicht für absolut, sondern für relativ halten: sie richte sich nach den jeweiligen Bedürfnissen der Zeit und des Ortes und nach den verschiedenen Geistesströmungen, da diese Wahrheit ja nicht in einer unveränderlichen Offenbarung beschlossen sei, sondern sich dem Menschenleben anpasse.

In Glaubensfragen ist ferner eine Unterscheidung zwischen sogenannten „fundamentalen“ und „nicht fundamentalen“ Glaubenspunkten keineswegs angängig, als ob die einen von allen angenommen werden müssten, wührend die Annahme der anderen dem freien Ermessen der Gläubigen anheimgestellt wäre. Die übernatürliche Tugend des Glaubens hat nämlich die Autorität des sich offenbarenden Gottes zur Formalursache, die keine solche Unterscheidung zulässt. Deshalb nehmen die wahren Jünger Christi mit dem gleichen Glauben, den sie dem Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit zollen, auch den Glaubenssatz von der unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter an, und sie bringen der Menschwerdung des Herrn denselben Glauben entgegen wie der Unfehlbarkeit des Papstes, sowie sie vom (1.) Vatikanischen Konzil definiert wurde. Mögen diese Wahrheiten auch zu verschiedenen Zeiten, selbst erst in jüngster Zeit, feierlich festgesetzt und definiert worden sein, so sind sie doch alle gleich fest und gläubig anzunehmen. Denn hat nicht Gott sie alle geoffenbart? Das kirchliche Lehramt, das durch göttlichen Ratschlsus hier auf Erden gegründet wurde, damit die geoffenbarten Wahrheiten stets unverändert bewahrt blieben und leicht und sicher zur Kenntnis der Menschen kommen könnten, wird zwar vom Papste und den mit ihm in Verbindung stehenden Bischöfen tagtäglich ausgeübt. Wenn es aber vonnöten ist, den Irrtümern und Angriffen der Irrgläubigen wirksamer entgegenzutreten oder gewisse Lehrpunkte den Gläubigen klarer und tiefer eingeprägt werden müssen, dann ist es Pflicht des kirchlichen Lehramtes, in feierlicher Form zu einer Definition einer bestimmten Lehre zu schreiten. Durch diese außerordentliche Ausübung des Lehramtes wird nichts Neues erfunden und nichts Neues der Summe von Wahrheiten hinzugefügt, die in dem von Gott der Kirche anvertrauten Offenbarungsschatze wenigstens einschließlich enthalten sind. Dadurch werden vielmehr bloß Wahrheiten klargelegt, die bisher vielleicht vielen noch dunkel erscheinen konnten oder Wahrheiten zu glauben vorgelegt, die vorher von manchen angestritten wurden.

So ist es klar, ehrwürdige Brüder, warum der Apostolische Stuhl niemals den Seinen erlaubte, an den Tagungen von Akatholiken teilzunehmen. Man darf nämlich die Vereinigung der Christen auf keine andere Weise fördern als durch Förderung der Rückkehr der Dissidenten zur Einen, wahren Kirche Christi, von der diese Unglücklichen einst abgefallen sind. Zur Einen, wahren Kirche Christi, sagen Wir, die allen sichtbar dasteht und die nach dem Willen ihres Stifters immer bleiben wird, wie er sie zum allgemeinen Heil gestiftet hat. Christi mystische Braut ist im Lauf der Zeiten nie befleckt worden und kann es nicht werden. Dafür gab schon Cyprian Zeugnis: „Die Braut Christi“, so schreibt er, „kann nicht entehrt werden. Unversehrt ist sie und rein. Sie kennt nur ein Haus, nur eines Gemaches Heiligkeit bewahrt sie in keuscher Zucht.“ (Über die Einheit der katholischen Kirche 6, 11.) Und dieser heilige Blutzeuge wundert sich mit Recht sehr darüber, wie man glauben könne, „diese Einheit, die ihr Fundament in der göttlichen Unveränderlichkeit hat und mit den himmlischen Geheimnissen zusammenhängt, könne in der Kirche selbst zerrissen und durch den Zwist uneiniger Menschen zerschlagen werden“. (1.c.) Denn da der mystische Leib Christi, die Kirche, einer ist (1. Kor. 12, 12), zusammengefügt und zusammengehalten (Eph. 4, 16) wie ein physischer Leib, so ist es eine große Torheit zu sagen, dieser mystische Leib könne aus zerrissenen und voneinander getrennten Gliedern bestehen. Wer also mit diesem mystsichen Leib nicht verbunden ist, ist auch nicht sein Glied und steht mit dem Haupt Christi nicht in Verbindung. In dieser Einen Kirche Christi ist und verbleibt niemand, außer er unterwerfe sich gehorsam der Autorität des Petrus und seiner rechtmäßigen Nachfolger und anerkenne dadurch ihre Gewalt. Haben denn nicht die Vorfahren derer, die in die Irrtümer des Photius und der Reformatoren verstrickt sind, dem römischen Bischofe als dem obersten Hirten der Seelen gehuldigt? Die Söhne haben leider das väterliche Haus verlassen; es ging aber deswegen nicht zugrunde und verfiel nicht, da es ja stets unter Gottes Schutz stand. Die verlorenen Söhne mögen also zurückkehren zum gemeinsamen Vater, und er wird sie, uneingedenk des dem Apostolischen Stuhle einst angetanen Unrechts, voll Liebe umarmen. Wünschen sie, wie sie immer sagen, mit Uns und den Unsrigen sich wieder zu vereinigen, warum kehren sie nicht eilends zur Kirche zurück, „der Mutter und Lehrerin aller Christgläubigen“? (4. Laterankonzil c. 5.) Hören mögen sie, was Lactantius sagt: „Nur … die katholische Kirche“, so ruft er aus, „bewahrt den wahren Kult. Sie ist die Quelle der Wahrheit, sie die Heimstätte des Glaubens, sie der Tempel Gottes. Wer nicht in sie eintritt oder wer sie verlässt, bleibt ferne der Hoffnung auf Leben und Heil. Niemand versuche, halsstarrig sich selbst zu täuschen. Es handelt sich um Leben und Heil: wer es nicht sorgsam und eifrig betreut, der verliert es und dem wird es erlöschen.“ (Divin. Instit. 4, 30, 11-12.)

So mögen denn die getrennten Söhne zu diesem, hier in der Stadt (Rom) erreichteten Apostolischen Stuhle sich wenden, den die Apostelfürsten Petrus und Paulus mit ihrem Blute geheiligt haben, der da ist „die Wurzel und Mutter der katholischen Kirche “ (S. Cypr. Ep. 48 ad Cornelium, 3) Nicht in der Meinung und Hoffnung, die Kirche des lebendigen Gottes, „die Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1. Tim. 3,15) werde die Reinheit des Glaubens preisgeben und ihre Irrtümer dulden, sondern vielmehr, um sich ihrem Lehramt und ihrer Leitung anzuvertrauen. Möchte Uns doch glücken, was so viele Unserer Vorgänger vergeblich angestrebt haben, dass Wir die Söhne, deren unglückselige Trennung Wir betrauern, in väterlicher Liebe umarmen könnten. Möchte unser göttlicher Erlöser, „der da will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim. 2, 4), Unsere inständigen Bitten erhören und alle Irrenden zurückrufen zur Einheit der Kirche. In dieser so wichtigen Angelegenheit nehmen Wir Unsere Zuflucht zur allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter der göttlichen Gnade, der Siegerin über alle Irrlehren, der Hilfe der Christen und fordern zu ihrer Anrufung auf, damit sie Uns bald durch ihre Fürbitte den heißersehnten Tag schenke, an dem alle die Stimme ihres göttlichen Slohnes hören werden, „bewahrend die Einheit des Geistes im Verbande des Friedens“ (Eph. 4, 3).

Ihr wisst, ehrwürdige Brüder, wie sehr Wir Uns darnach sehnen, und ebenso möge es Unseren Söhnen zum Bewusstsein kommen, nicht nur den Katholiken, sondern auch den von uns getrennten Kindern. Erflehen sie in demütigem Gebete himmlische Erleuchtung, so werden sie zweifellos die Eine, wahre Kirche Christi erkennen und in sie eintreten, in vollkommener Liebe mit Uns vereint. In solcher Erwartung erteilen Wir als Unterpfand der göttlichen Gnade und als Beweis Unseres väterlichen Wohlwollens Euch, ehrwürdigen Brüdern, Eurem Klerus und Volk von Herzen den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 6. Januar, dem Feste der Erscheinung Christi, unseres Herrn, im Jahre 1928 und im sechsten Unseres Pontifikats.

Pius XI.

Abschrift aus DZM Nr. 3, Juli 1967, von mir [POS]

Siehe auch:

Vatican: Pius XI Encyclicals: Mortalium Animos

Kardinal Burke: Die Erklärung des Papstes, wonach es „Gottes Wille sei, dass es eine Verschiedenheit von Religionen gebe“, ist nicht korrekt.


Es geht um folgende Passage im „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“:

„Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat.“


 

19. Februar 2019 ( LifeSiteNews ) – Kardinal Raymond Burke hält die umstrittene Erklärung in einer von Papst Franziskus in Abu Dhabi Anfang des Monats unterzeichneten gemeinsamen katholisch-muslimischen Erklärung, die besagt, dass Gott eine Vielfalt von Religionen will, falsch ist und entfernt werden sollte.

Die Aussage „muss aus dieser Vereinbarung entfernt werden, weil sie nicht korrekt ist“, sagte Burke.

Der emeritierte Präfekt der Apostolischen Signatur trat zahlreichen Theologen und Philosophen bei, die die Passage kritisiert haben, wonach die „Vielfalt der Religionen“ „von Gott gewollt“ sei.

Papst Franziskus unterzeichnete am 4. Februar zusammen mit Sheikh Ahmed el-Tayeb, dem großen Imam der ägyptischen al-Azhar-Moschee, das Dokument „Über die menschliche Brüderlichkeit für den Weltfrieden und das Zusammenleben“.

Die Unterzeichnung war Teil eines interreligiösen Treffens während des dreitägigen Besuchs von Francis in den Vereinigten Arabischen Emiraten vom 3. bis 5. Februar, dem ersten Besuch eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel.

Während der Vatikan das Dokument „einen wichtigen Schritt nach vorne“ in den christlich-muslimischen Beziehungen und ein „mächtiges Zeichen für Frieden und Hoffnung für die Zukunft der Menschheit“ genannt hat, sagen einige, dass die Passage dem katholischen Glauben zu widersprechen scheint.

Andere haben die mit der Aussage verbundene Kontroverse heruntergespielt.

Die vollständige Passage lautet:

–    Die Freiheit ist ein Recht jedes Menschen: ein jeder genießt Bekenntnis-, Gedanken-, Meinungs-, und Handlungsfreiheit. Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen göttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese göttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekenntnisfreiheit und auf die Freiheit, anders zu sein, ableitet. Deshalb wird der Umstand verurteilt, Menschen zu zwingen, eine bestimmte Religion oder eine gewisse Kultur anzunehmen wie auch einen kulturellen Lebensstil aufzuerlegen, den die anderen nicht akzeptieren.

In den Kommentaren zum National Catholic Register beobachtete Burke, wie einige versucht haben, die Aussage zu erklären, indem sie sagten, der Papst beziehe sich auf den permissiven = zulassenden Willen Gottes – dass andere Religionen ein „Übel sind, das Gott erlaubt“.

Dem Kardinal zufolge heißt es in dem Dokument von Abu Dhabi jedoch nicht, dass „die Pluralität oder Vielfalt der Religionen gut ist“.

„Das ist eine falsche Vorstellung“, sagte Burke. „Es ist sicherlich verwirrend für die Gläubigen in Bezug auf die Erlösung, die nur durch Christus zu uns gelangt.“

Burke ist nicht alleine damit, dass die Aussage falsch ist und aus dem Dokument entfernt werden muss.

Die Passage widerspricht der Großen Kommission

Der österreichische katholische Philosoph Josef Seifert fragte: „Wie kann Gott, der seine Jünger zur ganzen Welt schickt, um zu predigen und sie taufen lassen will, jedwelche christliche Häresie gewollt haben, geschweige denn Religionen, die den Glauben ablehnen, von dem Jesus zu Nicodemus sagt, dass wer an ihn glaubt, gerettet wird, und wer nicht glaubt, verdammt werden wird (Johannes 3:18)?“

Die Passage widerspricht der Großen Aussendung, sagte Seifert. Dies ist die Anweisung Christi, aus allen Nationen Jünger zu machen, sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen und seine Lehre zu verbreiten. Stattdessen wird aus Gott „ein Relativist“, sagte Seifert, der weder weiß, dass es nur eine Wahrheit gibt, noch sich darum kümmert, ob die Menschen „an die Wahrheit oder an das Falsche glauben“.

Seifert forderte Papst Franziskus auf, den Satz zu „widerrufen“, der „einen totalen Bruch mit der Logik sowie mit der biblischen und kirchlichen Lehre darstellt“.

„Scheint die Lehre des Evangeliums aufzuheben“

Der Historiker der Kirche, Professor Robert de Mattei, sagte, die problematische Aussage über den Pluralismus und die Vielfalt der Religionen, die „von Gott gewollt“ seien, und die damit verbundene Forderung seitens Francis, dass Christen und Muslime in die „Arche der Bruderschaft“ eintreten sollen, ein Hinweis auf die Genesis-Flut-Erzählung von der Arche Noahs, „die Lehre des Evangeliums aufzuheben scheint“.

Die Arche wird von St. Paul in Heb.11: 7 als eine Zuflucht der Erlösung für die Gläubigen und ein Zeichen des Verderbens für die Welt, sagte de Mattei.

„Die katholische Tradition hat daher in der Arche Noah immer das Symbol der Kirche gesehen, außerhalb derer es keine Erlösung gibt“, sagte er.

„Ein grundlegender Unterschied im Glauben an Gott und im Bild des Menschen von dem anderer Religionen“

In seinem Manifest, das vier Tage nach der umstrittenen Erklärung von Abu Dhabi freigegeben worden war, sagte der deutsche Kardinal Gerhard Müller, ehemaliger Leiter der Glaubenskongregation des Vatikans,:

Die Unterscheidung der drei Personen in der göttlichen Einheit (CCC 254) kennzeichnet einen grundlegenden Unterschied im Glauben an Gott und im Bild des Menschen von dem der anderen Religionen. Die Religionen stimmen genau hinsichtlich dieses Glaubens an Jesus, den Christus, nicht überein. … Daher bezieht sich der erste Brief von Johannes auf jemanden, der Seine Göttlichkeit als Antichrist leugnet (1. Johannes 2, 22), da Jesus Christus, der Sohn Gottes, von Ewigkeit her mit Gott, seinem Vater, vereinigt ist (CCC 663).

„Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion“

Bischof Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana, Kasachstan, veröffentlichte nach der Veröffentlichung des Dokuments von Abu Dhabi eine Erklärung, in der er die Über-Betonung des Franziskus-Pontifikats auf Immigration und das umstrittene Konzept des angeblich vom Menschen verursachten Klimawandels hervorhob. Er sagte unter anderem: „Die dringlichste Aufgabe der Kirche in unserer Zeit ist es, sich um die Veränderung des geistigen Klimas und um die spirituelle Migration zu kümmern.“

„Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion“, sagte Schneider. „Deshalb kann es niemals komplementär neben anderen Religionen platziert werden. Diese würden gegen die Wahrheit der göttlichen Offenbarung verstoßen, wie es im Ersten Gebot des Dekalogs unmissverständlich bestätigt wird, der behaupten würde, dass die Vielfalt der Religionen der Wille Gottes ist.“

„Falsch … eigentlich ketzerisch“

Ein dominikanischer Theologe, der anonym bleiben möchte, teilte LifeSiteNews mit, dass die umstrittene Passage in der Erklärung von Abu Dhabi “ in ihrem offensichtlichen Sinn falsch und tatsächlich ketzerisch ist“.

„Die verschiedenen Religionen sagen unvereinbare Dinge darüber, wer Gott ist und wie er angebetet werden möchte. Deshalb können sie nicht alle wahr sein. Deshalb kann Gott, der die Wahrheit ist, nicht alle Religionen wollen“, sagte er.

„Gott lässt zu, dass nicht-katholische Religionen existieren“, fuhr der dominikanische Theologe fort. „Aber etwas zuzulassen ist keine Weise, es zu wollen, es ist eine Weise, es nicht verhindern zu wollen. So erlaubt Gott, dass viele unschuldige Menschen getötet werden, aber er will es nicht. Wir würden nicht über den permissiven Willen Gottes sprechen, zum Beispiel Juden zu vergasen.“

Der Theologe wies LifeSiteNews auf weitere problematische Formulierungen in der Erklärung hin, indem er den Begriff „Glaube an Gott“ verwendete, um die Behauptung zu bestätigen, dass Gott existiert oder an irgendeine Art angeblicher Offenbarung, auch an eine nichtchristliche, glaubt.

„Der Glaube ist die Tugend, durch die Gott uns dazu bewegt, dem zuzustimmen, was Er durch die Propheten des Alten Testaments und die Apostel des Neuen Testaments und vor allem durch Seinen Sohn offenbart hat“, sagte er. „Menschen, die an nichtchristliche Religionen glauben, tun dies also nicht aus Glauben… sondern aus menschlicher Sicht.“

Kontroversen um die gemeinsame katholisch-muslimische Erklärung wurden nicht durch die widersprüchlichen Berichte über die Unterschrift des päpstlichen Theologen gemildert.

Quellen sagten, der dominikanische Pater Wojciech Giertych sei zuvor im Ablauf konsultiert worden, habe den endgültigen Entwurf der Erklärung jedoch nicht gesehen, obwohl Papst Franziskus auf seinem Rückflug aus Abu Dhabi behauptet hatte, der päpstliche Theologe habe ihn „offiziell“ gelesen und „gebilligt“.

The National Catholic Register hatte den päpstlichen Sprecher Alessandro Gisotti gefragt, ob der päpstliche Theologe sich der Passage bewusst war und ob er dies als theologisch akzeptabel interpretieren konnte. Gisotti antwortete am 13. Februar, Giertych habe das Dokument über die „menschliche Fraternität“ im letzten Moment seiner Vorbereitung gesehen und es gebe „keine Grundlage, um die Worte des Papstes über die päpstliche Angelegenheit zu hinterfragen“.

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Berufung zu Offenheit und Begegnung

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Am 2. Oktober traf Papst Franziskus in der „Heydar-Aliyev“-Moschee in Baku (Aserbaidschan) mit dem Scheich und Repräsentanten der anderen Religionsgemeinschaften des Landes zusammen. In seiner Ansprache betont der Heilige Vater die Bedeutung der Religionen als Sinnstifter. Von Papst Franziskus

Hier zusammen zu sein, ist ein Segen. Ich möchte dem Ratspräsidenten der kaukasischen Muslime, der uns mit seiner gewohnten Liebenswürdigkeit Gastfreundschaft gewährt, sowie den örtlichen religiösen Würdenträgern der russisch-orthodoxen Kirche und der jüdischen Gemeinden danken. Es ist ein bedeutendes Zeichen, dass wir uns hier an diesem Ort des Gebetes in brüderlicher Freundschaft begegnen – ein Zeichen, das jene Harmonie zum Ausdruck bringt, die die Religionen gemeinsam aufbauen können, ausgehend von den persönlichen Beziehungen und dem guten Willen der Verantwortlichen. Beweis dafür sind hier zum Beispiel die konkrete Hilfe, die der Ratspräsident der Muslime in mehreren Fällen der katholischen Gemeinschaft gewährt hat, und die weisen Ratschläge, die er ihr in familiärer Gesinnung mitteilt. Hervorzuheben sind auch das gute Verhältnis, das die Katholiken in konkreter Brüderlichkeit und täglicher liebevoller Zuneigung mit der orthodoxen Gemeinschaft verbindet – ein Vorbild für alle –, sowie die herzliche Freundschaft mit der jüdischen Gemeinde.

Von dieser Eintracht profitiert Aserbaidschan, das sich durch seine Aufnahmebereitschaft und Gastfreundschaft auszeichnet – Gaben, die ich an diesem denkwürdigen Tag, für den ich sehr dankbar bin, erfahren konnte. Hier ist man bestrebt, das bedeutende Erbe der Religionen zu bewahren, und zugleich sucht man nach einer größeren und fruchtbaren Öffnung. So findet zum Beispiel auch der katholische Glaube Raum und Harmonie unter den anderen, wesentlich zahlreicher vertretenen Religionen. Das ist ein konkretes Zeichen, das zeigt, wie nicht der Gegensatz, sondern die Zusammenarbeit hilft, bessere und friedliche Gesellschaften aufzubauen. Unser Zusammensein liegt auch in der Kontinuität mit den zahlreichen Begegnungen, die in Baku stattfinden, um den Dialog und die Multikulturalität zu fördern. Wenn man der Aufnahme und der Integrierung die Türen öffnet, dann öffnen sich die Türen der Herzen jedes Einzelnen und die Türen der Hoffnung für alle.

Ich bin zuversichtlich, dass dieses Land als „Tor zwischen Ost und West“ (Johannes Paul II., Ansprache bei der Begrüßungszeremonie [22. Mai 2002]: L?Osservatore Romano [dt.] Jg. 32, Nr. 22 [31. Mai 2002], S. 7) immer seine Berufung zu Offenheit und Begegnung pflegen wird; es sind dies unerlässliche Bedingungen, um haltbare Brücken des Friedens und eine menschenwürdige Zukunft aufzubauen. Die Brüderlichkeit und das Miteinander, die wir mehren möchten, werden bei denen, die Trennungen hervorheben, Spannungen neu entfachen und aus Gegensätzen und Streitigkeiten Gewinn ziehen wollen, keinen Beifall finden; von denen, die das Gemeinwohl anstreben, werden sie jedoch inständig erfleht und erwartet. Und vor allem sind sie dem mitleidigen und barmherzigen Gott wohlgefällig, der will, dass die Söhne und Töchter der einen Menschheitsfamilie enger miteinander verbunden und immer im Dialog sind. Ein großer Dichter, ein Sohn dieses Landes, hat geschrieben: „Wenn du Mensch bist, mische dich unter die Menschen, denn den Menschen geht es gut in gegenseitiger Gesellschaft“ (Nizami Ganjavi, Das Alexanderbuch, I, Über den eigenen Zustand und den Lauf der Zeit). Sich den anderen zu öffnen, macht nicht ärmer, sondern es bereichert, denn es hilft, menschlicher zu sein: sich als aktiven Teil eines größeren Ganzen zu erkennen und das Leben als ein Geschenk für die anderen zu verstehen; als Ziel nicht die eigenen Interessen zu betrachten, sondern das Wohl der Menschheit; ohne Schwärmereien und ohne Formen von Interventionismus zu handeln, ohne schädliche Einmischungen und Zwangsmaßnahmen zu vollziehen, sondern stattdessen immer die geschichtlichen Entwicklungen, die Kulturen und die religiösen Traditionen zu respektieren.

Gerade die Religionen haben eine große Aufgabe, nämlich die Menschen auf ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens zu begleiten und ihnen zu helfen zu begreifen, dass die begrenzten Fähigkeiten des Menschen und die Güter dieser Welt niemals zu absoluten Größen werden dürfen. Wieder ist es Nizami, der schreibt: „Setze nicht endgültig auf deine Kräfte, solange du im Himmel keine Wohnung gefunden hast! Die Früchte der Welt sind nicht ewig, verehre nicht das Vergängliche!“ (Leila und Madschnun, Der Tod Madschnuns auf Leilas Grab). Die Religionen sind berufen, uns begreifen zu lassen, dass die Mitte des Menschen außerhalb seiner selbst liegt, dass wir auf die endlose Höhe hin ausgestreckt sind und zum anderen hin, der unser Nächster ist. Dorthin soll das Leben sich auf den Weg machen: zur erhabensten und zugleich konkretesten Liebe. Sie muss der Gipfel jedes echten religiösen Strebens sein, denn – wie noch einmal der Dichter sagt – „Liebe ist das, was sich nie ändert, Liebe ist das, was kein Ende hat“ (ebd. Die Verzweiflung des Madschnun). Die Religion ist also für den Menschen eine Notwendigkeit, um sein Ziel zu verwirklichen, ein Kompass, um ihn zum Guten hin zu orientieren und ihn vom Bösen abzuhalten, das immer an der Tür seines Herzens lauert (vgl. Gen 4, 7). In diesem Sinn haben die Religionen eine Erziehungsaufgabe, nämlich zu helfen, das Beste des Menschen zum Vorschein zu bringen.

Und wir tragen als Leiter eine große Verantwortung, der Suche des Menschen, der sich heute oft in den schwindelerregenden Paradoxien unserer Zeit verliert, echte Antworten zu bieten. Tatsächlich sehen wir, wie in unseren Tagen einerseits der Nihilismus derer grassiert, die an nichts mehr glauben, außer an die eigenen Interessen, Nutzen und Vorteile, und das Leben wegwerfen, indem sie sich nach dem Spruch richten: „Wenn es Gott nicht gibt, ist alles erlaubt“ (vgl. F. M. Dostojewski, Die Brüder Karamasow, XI, 4.8.9). Andererseits treten immer mehr die starren und fundamentalistischen Reaktionen derer zutage, die mit verbaler und tätlicher Gewalt extreme und radikalisierte Haltungen durchsetzen wollen, die denkbar weit entfernt sind vom lebendigen Gott.

Im Gegensatz dazu sind die Religionen, die ja helfen, das Gute zu erkennen und durch Werke, Gebet und die Mühe der Arbeit an sich selbst praktisch umzusetzen, dazu berufen, die Kultur der Begegnung und des Friedens aufzubauen, die aus Geduld, Verständnis und bescheidenen konkreten Schritten besteht. So wird der menschlichen Gesellschaft gedient. Diese ist ihrerseits stets gehalten, die Versuchung zu überwinden, sich des religiösen Faktors zu bedienen: Die Religionen dürfen niemals instrumentalisiert werden und dürfen nicht dafür herhalten, Konflikte und Gegensätze zu begünstigen.

Fruchtbar ist hingegen eine ehrbare Verbindung zwischen Gesellschaft und Religionen, eine respektvolle Allianz, die aufgebaut und gehütet werden muss und die ich mit einem Bild symbolisieren möchte, das diesem Land viel bedeutet. Ich beziehe mich auf die wertvollen, künstlerisch gestalteten Glasfenster, die es seit Jahrhunderten in dieser Gegend gibt und die nur aus Holz und buntem Glas bestehen (Shebeke). Bei ihrer handwerklichen Fertigung gibt es eine einzigartige Besonderheit: Es werden weder Klebstoff noch Nägel verwendet, sondern Holz und Glas werden zusammengehalten, indem sie in langer, sorgfältiger Arbeit ineinander verschachtelt werden. So hält das Holz das Glas, und das Glas lässt Licht einfallen. Genauso ist es Aufgabe jeder Zivilgesellschaft, die Religion zu unterstützen, die das Einfallen eines zum Leben unerlässlichen Lichtes ermöglicht. Und darum ist es notwendig, der Religion eine wirkliche und echte Freiheit zu garantieren. Es dürfen also nicht die künstlichen „Klebstoffe“ verwendet werden, die den Menschen zwingen zu glauben, indem man ihm ein bestimmtes Credo aufoktroyiert und ihn seiner Entscheidungsfreiheit beraubt, und es dürfen in die Religion auch nicht die äußeren „Nägel“ der weltlichen Interessen und der Macht- und Geldgier eindringen. Denn Gott darf nicht für partielle Interessen und egoistische Zwecke angerufen werden, er kann keine Form von Fundamentalismus, Imperialismus oder Kolonialismus rechtfertigen. Noch einmal erhebt sich von diesem so bedeutungsvollen Ort aus der herzzerreißende Ruf: Niemals mehr Gewalt im Namen Gottes! Sein heiliger Name werde angebetet, nicht geschändet und verschachert von Hass und menschlichen Gegensätzen.

Ehren wir dagegen die umsichtige göttliche Barmherzigkeit uns gegenüber mit dem beharrlichen Gebet und dem konkreten Dialog, der eine „notwendige Bedingung für den Frieden in der Welt und darum eine Pflicht für die Christen wie auch für die anderen Religionsgemeinschaften“ ist (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 250). Gebet und Dialog stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander: Sie führen zur Öffnung des Herzens und streben dem Wohl der anderen zu, bereichern und stärken sich also gegenseitig. Fest überzeugt und in Kontinuität mit den Zweiten Vatikanischen Konzil „mahnt [die katholische Kirche] ihre Söhne [und Töchter], dass sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen [den Bekennern anderer Religionen] finden, anerkennen, wahren und fördern“ (Erkl. Nostra aetate, 2). Kein „versöhnlicher Synkretismus“ und keine „diplomatische Offenheit, die zu allem Ja sagt, um Probleme zu vermeiden“ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 251), sondern mit den anderen sprechen und für alle beten: das sind unsere Mittel, um Lanzen in Winzermesser zu verwandeln (vgl. Jes 2, 4), um Liebe aufkommen zu lassen, wo Hass herrscht, und Vergebung, wo Verletzung schmerzt, damit wir nicht müde werden, Wege des Friedens zu erflehen und zu gehen.

Wege eines wahren Friedens, der auf gegenseitige Achtung, Begegnung und ein Miteinander-Teilen, auf den Willen, über Vorurteile und Schuld der Vergangenheit hinauszukommen, sowie auf die Absage an Heuchelei und parteiliche Interessen gegründet ist; eines dauerhaften Friedens, der beseelt ist von dem Mut, die Barrieren zu überwinden, die Situationen von Armut und Ungerechtigkeit auszurotten, die Verbreitung von Waffen und die ungerechten Profite auf Kosten der anderen anzuzeigen und ihnen Einhalt zu gebieten.

Allzu viel Blut schreit vom Boden der Erde, unseres gemeinsamen Hauses, zu Gott (vgl. Gen 4, 10). Jetzt sind wir aufgefordert, eine Antwort zu geben, die nicht mehr hinausgezögert werden kann, und gemeinsam eine Zukunft des Friedens aufzubauen: Es ist nicht der Moment gewaltsamer und schroffer Lösungen, sondern die drängende Stunde, geduldige Prozesse der Versöhnung einzuleiten. Die wirkliche Frage unserer Zeit ist nicht die, wie wir unsere Interessen verfolgen können – das ist nicht die wirkliche Frage! –, sondern welche Lebensperspektiven wir den kommenden Generationen bieten, wie wir eine Welt hinterlassen können, die besser ist als die, welche wir empfangen haben. Gott und die Geschichte selbst werden uns fragen, ob wir uns heute für den Frieden eingesetzt haben; schon jetzt fragen uns traurig danach die jungen Generationen, die sich eine andere Zukunft erträumen. Mögen die Religionen in der Nacht der Konflikte, die wir durchmachen, Morgenröte des Friedens, Samen der Wiedergeburt unter den Verwüstungen des Todes, unermüdlich tönender Widerhall des Dialogs und Wege der Begegnung und der Versöhnung sein, um dorthin zu gelangen, wo die offiziellen Vermittlungsversuche keinen Erfolg zu erzielen scheinen.

Mögen die Religionen besonders in dieser geschätzten kaukasischen Region, die zu besuchen ich so ersehnt habe und in die ich als Pilger des Friedens gekommen bin, aktive Mittel zur Überwindung der Tragödien der Vergangenheit und der Spannungen von heute sein. Mögen die unschätzbaren Reichtümer dieser Länder erkannt und genutzt werden: Die alten und immer neuen Schätze der Weisheit, Kultur und Religiosität der Kaukasusvölker sind eine reiche Ressource für die Zukunft der Region und insbesondere für die europäische Kultur – kostbare Güter, auf die wir nicht verzichten können. Danke.

Quelle – © Copyright – Libreria Editrice Vaticana

„Durst nach Frieden“ – Gemeinsam für den Frieden

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Assisi / Wikimedia Commons – Berthold Werner, Public Domain

Papst Franziskus reist heute zum Friedensgebet nach Assisi.
Unter den Teilnehmern auch der Erzbischof von Rouen

Papst Franziskus wird heute am Abschlußtag des Treffens der Weltreligionen, das in Assisi vom 18. bis 20. September 2016 unter dem Titel „Durst nach Frieden“ staffindet, am gemeinsamen Friedensgebet teilnehmen. Das offizielle Programm sieht u.a. Begegnungen des Heiligen Vaters mit offiziellen Würdenträgern und Oberhäuptern anderer Religionen vor.

Das offizielle Programm sieht folgenden Tagesablauf vor:

10.30 Uhr – Abreise vom Hubschrauberlandeplatz im Vatikan

11.05 Uhr – Ankunft auf dem Sportplatz „Migaghelli“; Begrüßung des Papstes durch Msgr. Domenico Sorrentino, Erzbischof-Bischof von Assisi–Nocera Umbra–Gualdo Tadino, die Präsidentin der Region Umbrien, Catiuscia Marini, den Präfekten von Perugia, Raffaele Cannizzaro, sowie die Bürgermeisterin von Assisi, Stefania Proietti.

11.30 Uhr – Ankunft im „Sacro Convento“ von Assisi. Der Papst wird von Pater Mauro Gambetti, dem Kustos des Konvents, Bartolomaios I., dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, einem muslimischen Vertreter, dem Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, Efrem II., dem syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, einem jüdischen Vertreter und dem Oberhaupt der Tendai (Japan) empfangen. Alle begeben sich gemeinsam zum „Chiostro“ von Sixtus IV., wo bereits die Vertreter der Weltkirchen- und religionen sowie die Bischöfe Umbriens warten.

12.00 Uhr – Begrüßung der einzelnen Vertreter durch den Papst

13.00 Uhr – Mittagessen im Refektorium des Konvents mit einigen Kriegsopfern. Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft von „Sant’Egidio“, wird an das 25. Jubiläum des Patrairchen Bartlomaios I. erinnern.

15.15 Uhr – Papst Franziskus wird einzeln Bartolomaios I., einen muslimischen Vertreter, Erzbischof Justin Welby, Patriarch Efrem II. und einen jüdischen Vertreter treffen.

16.00 Uhr – Friedensgebet an verschiedenen Orten und Gebetsmoment für den Frieden in der „Basilica Inferiore di San Francesco“ (Unterkirche), ökumenisches Gebet der Christen

17.00 Uhr – Nach dem Friedensgebet verlassen alle Teilnehmer die Basilika und begegnen den Vertretern der anderen Religionen, die an anderen Orten gebetet haben, und nehmen auf dem Vorplatz Platz.

17.15 Uhr – Abschlußzeremonie auf der „Piazza San Francesco“ und Grußworte von Msgr. Domenico Sorrentino, Erzbischof-Bischof von Assisi–Nocera Umbra–Gualdo Tadino, sowie Botschaften eines Kriegsopfers, des Patriarchen Bartolomaios I., eines muslimischen Vertreters, eines jüdischen Vertreters, des buddhistischen japanischen Patriarchen sowie des Gründers der Gemeinschaft von „Sant’Egidio“, Prof. Andrea Riccardi; Ansprache des Heiligen Vaters; Verlesung eines Friedensappells, der von Kindern unterschiedlicher Nationalität überreicht wird; Schweigemoment für die Kriegsopfer; Unterzeichnung des Friedensaufrufs und Anzünden zweier Kandelaber; Friedensgruß.

18.30 Uhr – Fahrt zum Sportplatz

19.00 Uhr – Abflug

19.35 Uhr – Landung im Vatikan

An dem Treffen der Weltreligionen in Assisi nimmt auch Msgr. Dominique Lebrun, Erzbischof von Rouen, teil, nur wenige Wochen nach der grausamen Ermordung von P. Jacques Hamel. Das Martyrium von P. Jacques Hamel solle nicht wie eine Flagge erhoben werden, um zu kämpfen und zu verurteilen, sondern um Dank zu sagen, für einen Priester, der sein Leben wie Christus geschenkt habe. Msgr. Lebrun ist überzeugt, dass in der Gesellschaft und in den Familien ein Zusammenleben der Religionen möglich sei. Er erinnerte an den Besuch vieler Muslime beim Sonntagsgottesdienst am 31. Juli. Die Familie der Muslime habe die trauernde Familie der Christen besucht; wir gehörten alle derselben Menschenfamilie an, bekräftigt der Erzbischof von Rouen.

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„Spiritueller Wegweiser für die ganze Menschheit“

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Assisi, Staatspräsident Sergio Mattarella / Quelle: Sanfrancescopatronoditalia.It

Assisi: Eröffnungsveranstaltung
des Treffens der Weltreligionen

Dreißig Jahre nach dem ersten weltweiten Gebetstreffen 1986 ist die Gemeinschaft Sant’Egidio zu den Ursprüngen zurückgekehrt. Papst Franziskus hat bereits ein Grußwort nach Assisi vorausgeschickt, das er am Dienstag besuchen wird: „Dem Beispiel des Heiligen Franziskus folgend, einem Mann des Glaubens und der Milde, sind wir alle gerufen, der Welt ein starkes Zeugnis unseres Einsatzes für den Frieden und die Versöhnung unter den Völkern anzubieten.“ UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon ließ per Grußbotschaft den Teilnehmern mitteilen, dass Sant’Egidio „mit ihrem interreligiösen und interkulturellen Charakter aufs Neue bestätigt, dass nur durch Dialog und Verhandlung nachhaltige Lösungen angesichts von Gewalt gefunden werden können.“

Der Geist von Assisi, so sagte der Gründer der Gemeinschaft Andrea Riccardi, habe einen Weg zurückgelegt, Geschwisterlichkeit geschaffen, Friedensinitiativen hervorgerufen, das Bewusstsein von der Verbundenheit der verschiedenen Religionsgemeinschaften aufkommen lassen und sich der Benutzung der Religionen für Krieg und Terrorismus entgegengestellt.

Bei der Eröffnungsfeier sprach auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella: „Der Dialog zwischen den Religionen, den Gläubigen und Humanisten, der kulturelle Dialog kann sehr viel, mehr als es scheint, denn die Auseinandersetzung mit der extremistischen Gewalt ist auch eine kulturelle Auseinandersetzung. Deswegen kann die Kultur den Extremismus besiegen.“

Der polnische Philosoph Zygmunt Baumann riet in diesem Sinne zu einer Kultur des Dialogs, die es ins Zentrum der Bildung zu stellen gelte. Dies sei ein überaus langfristiger Prozess, den man mit Geduld, Beständigkeit und Planung durchlaufen müsse: „eine kulturelle Revolution angesichts einer Welt, in der man schneller alt wird und stirbt, noch bevor man wächst.“

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik Faustin Archange Touadéra, bezeugte, wie in seinem Land der Frieden möglich wurde. Gläubige Männer und Frauen hätten dort nicht die Logik einer religiösen Auseinandersetzung akzeptiert. Er zeigte sich dankbar für das Engagement der Gemeinschaft Sant’Egidio, die während der schwierigsten Jahre der Krise nie aufgehört habe, mit den religiösen Gemeinschaften, den bewaffneten Gruppen und den politischen Parteien zu sprechen. So hätte sie alle Menschen in Zentralafrika daran erinnert, dass ihre Geschichte im friedlichen Zusammenleben zwischen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Kulturen besteht.

„Papst Franziskus hat gezeigt, dass er ein spiritueller Wegweiser für die ganze Menschheit ist, als er erklärt hat, dass es keine kriminelle Religion gibt, sondern dass es in allen Religionen Kriminelle gibt“, ist Mohammad Sammak überzeugt, der politischer Berater des Großmufti im Libanon ist. Er sagte, dass „die Auseinandersetzung mit dem Thema des religiösen Extremismus vorwiegend eine Pflicht der Muslime“ sei, und dass sie ihre Religion befreien müssen aus der „Entführung“, derer die Extremisten den Islam unterworfen haben, indem sie ihn benutzen als „Rachinstrument, als totalitäre Bewegung im Namen der Religion“. Der Islam jedoch glaubt an den „Pluralismus und betrachtet die Unterschiedlichkeit der Menschen als Ausdruck göttlichen Willens“.

Schließlich betonte er mit einer deutlichen Bezugnahme auf sein Land, den Libanon, dass „die Beziehungen unter den Menschen unterschiedlicher Religionen nicht auf die Beseitigung des anderen gegründet werden dürfen – wie es der IS möchte – und auch nicht auf Toleranz. „Die Angehörigkeit zu einem Staat“, sagte er abschließend, „kann nicht auf Toleranz basieren, sondern auf Rechten“. (mk)

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Christlich-islamisches Jugendtreffen in Kairo

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Die Al-Azhar-Universität in Kairo

In Kairo hat am Donnerstag ein gemeinsames Jugendseminar des Weltkirchenrats und der Al-Azhar-Universität zum Thema „Jugendengagement, Religion und Gewalt“ begonnen. Es ist das erste Mal, dass der Weltkirchenrat bei einem Jugendseminar mit Al Azhar zusammenarbeitet, wie der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) berichtet. An dem bis 22. August anberaumten Seminar nehmen 40 junge Leute aus 14 Ländern teil, je zur Hälfte Christen und Muslime. Im Verlauf des Seminars treffen die jungen Leute auch mit dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II., mit dem Großimam der Al Azhar, Ahmad Mohammad al-Tayyeb, und mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abu al-Ghayt, zusammen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars setzen sich u.a. mit der Frage der Wirkung religiöser Botschaften auseinander und zwar unter dem Gesichtspunkt, ob diese Botschaften Beiträge zum Aufbau des Friedens sind oder zur Gewalt drängende Spannungen auslösen. Auch soll die Rolle religiöser Institutionen wie jene des Ökumenischen Instituts in Bossey oder der Al Azhar-Universität im Hinblick auf die Förderung des Friedens untersucht werden.

„Religion und Jugend stehen heute oft im Zentrum von Ereignissen, die mit Gewalt und Radikalisierung verbunden sind“, sagte Carla Khijoyan, die Jugendreferentin des Weltkirchenrats: „Unsere Antwort ist nicht Angst und Isolation, sondern die Einladung, miteinander zu arbeiten und miteinander auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens zu gehen.“

 

(kap 19.08.2016 cz)

BRIEF DES HEILIGEN VATERS FRANZISKUS AN DIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN

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Liebe Brüder und Schwestern,

»Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden« (2 Kor 1,3-4)

Diese Worte des Apostels Paulus sind mir in den Sinn gekommen, als ich daran dachte, an Euch, liebe christliche Brüder und Schwestern im Nahen Osten, zu schreiben. Ich tue es anlässlich des nahen Weihnachtsfestes, weil ich weiß, dass für viele von Euch die Klänge der Weihnachtslieder sich mit Tränen und Seufzern mischen werden. Und doch ist die Geburt des Sohnes Gottes in unserem menschlichen Fleisch ein unsagbares Geheimnis des Trostes: » Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten « (Tit 2,11).

Leider fehlte es auch in der jüngsten Vergangenheit nicht an Trübsal und Bedrängnis im Nahen Osten. Diese haben sich in den letzten Monaten verschärft aufgrund der Konflikte, die die Region peinigen, vor allem aber durch das Wirken einer ganz neuen und besorgniserregenden terroristischen Organisation von bisher unvorstellbaren Ausmaßen, die alle Art von Gesetzwidrigkeiten begeht und menschenunwürdige Praktiken anwendet. Ganz besonders hat sie einige von Euch heimgesucht: Auf brutale Weise wurden sie aus ihrem Land vertrieben, in dem die Christen seit apostolischer Zeit heimisch sind.

Indem ich mich an Euch wende, kann ich nicht die anderen religiösen und ethnischen Gruppen außer Acht lassen, die ebenfalls unter der Verfolgung und den Konsequenzen dieser Konflikte leiden. Täglich verfolge ich die Nachrichten über das enorme Leiden vieler Menschen im Nahen Osten. Ich denke besonders an die Kinder, die Mütter, die alten Menschen, an die Vertriebenen und die Flüchtlinge, an alle, die Hunger leiden, an die, welche die Härte des Winters auf sich nehmen müssen ohne ein schützendes Dach über dem Kopf. Dieses Leiden schreit zu Gott und ruft uns alle zum Einsatz auf, im Gebet und in jeder Art von Initiative. Allen möchte ich meine Nähe und Solidarität wie auch die der ganzen Kirche bekunden und ihnen ein Wort des Trostes und der Hoffnung zusprechen.

Liebe Brüder und Schwestern, die Ihr in eurem vom Herrn gesegneten Land mutig Zeugnis für Jesus gebt, unser Trost und unsere Hoffnung ist Christus selber. Darum ermutige ich Euch, fest mit ihm verbunden zu bleiben wie die Rebzweige am Weinstock, in der Gewissheit, dass weder Bedrängnis, noch Not, noch Verfolgung Euch von ihm trennen können (vgl. Röm 8,35). Möge die Prüfung, die Ihr durchmacht, Euer aller Glauben und Treue stärken!

Ich bete, dass Ihr die brüderliche Gemeinschaft nach dem Vorbild der ersten Jerusalemer Gemeinde leben könnt. Die von unserem Herrn gewollte Einheit ist in diesen schwierigen Momenten nötiger denn je; sie ist ein Geschenk Gottes, das an unsere Freiheit appelliert und unsere Antwort erwartet. Mögen das Wort Gottes, die Sakramente, das Gebet und die Brüderlichkeit Eure Gemeinschaften ständig nähren und erneuern.

Die Situation, in der Ihr lebt, ist ein starker Aufruf zur Heiligkeit des Lebens, wie Heilige und Märtyrer aller kirchlichen Zugehörigkeiten beweisen. In Liebe und Verehrung denke ich an die Hirten und die Gläubigen, denen in letzter Zeit das Opfer des Lebens abverlangt wurde, oft nur aufgrund der Tatsache, dass sie Christen waren. Ich denke auch an die Entführten, unter denen einige orthodoxe Bischöfe und Priester verschiedener Riten sind. Mögen sie bald wohlbehalten in ihre Häuser und Gemeinschaften zurückkehren! Ich bitte Gott, dass so viel mit dem Kreuz des Herrn vereintes Leid Frucht zum Wohl der Kirche und der Völker des Nahen Ostens bringen möge.

Inmitten der Feindschaften und der Konflikte ist die unter Euch in Brüderlichkeit und Einfachheit gelebte Gemeinschaft ein Zeichen für das Reich Gottes. Ich freue mich über die guten Beziehungen und über die Zusammenarbeit zwischen den orthodoxen Patriarchen und denen der katholischen Ostkirchen wie auch zwischen den Gläubigen der verschiedenen Kirchen. Die von den Christen ertragenen Leiden leisten einen unschätzbaren Beitrag für das Anliegen der Einheit. Es ist die Ökumene des Blutes, die eine vertrauensvolle Hingabe an das Wirken des Heiligen Geistes erfordert.

Mögen die Schwierigkeiten Euch immer Anlass sein, Zeugnis für Jesus zu geben! Eure Gegenwart selbst ist für den Nahen Osten kostbar. Ihr seid eine kleine Herde, doch mit einer großen Verantwortung in dem Land, wo das Christentum entstanden ist und sich ausgebreitet hat. Ihr seid wie der Sauerteig in der Masse. An erster Stelle noch vor vielen, von allen gewürdigten Werken der Kirche im Bereich des Erziehungs- und Gesundheitswesens oder in den Hilfswerken sind die Christen, seid Ihr der größte Schatz für die Region. Danke für Eure Standhaftigkeit!

Euer Bemühen, mit Menschen anderer Religionen – Juden und Muslimen – zusammenzuarbeiten, ist ein weiteres Zeichen für das Reich Gottes. Je schwieriger die Situation ist, umso notwendiger ist der interreligiöse Dialog. Es gibt keinen anderen Weg. Der auf eine Haltung der Offenheit gegründete Dialog in Wahrheit und Liebe ist auch das beste Mittel gegen die Versuchung des religiösen Fundamentalismus, der eine Bedrohung für die Gläubigen aller Religionen darstellt. Zugleich ist der Dialog ein Dienst an der Gerechtigkeit und eine notwendige Voraussetzung für den so ersehnten Frieden.

Der größte Teil von Euch lebt in einem Umfeld mit muslimischer Mehrheit. Ihr könnt Euren muslimischen Mitbürgern helfen, mit Unterscheidungsvermögen ein authentischeres Bild des Islam zu zeigen, wie viele von ihnen es möchten, die immer wieder sagen, dass der Islam eine Religion des Friedens ist, dass er sich mit der Achtung der Menschenrechte vereinbaren lässt und das Zusammenleben aller fördern kann. Das wird ihnen und der ganzen Gesellschaft von Nutzen sein. Die dramatische Situation, die unsere christlichen Brüder und Schwestern im Irak, aber auch die Jesiden und die Anhänger anderer religiöser und ethnischer Gemeinschaften erleben, erfordert eine klare und mutige Stellungnahme aller religiösen Verantwortungsträger, um einstimmig und unzweideutig solche Verbrechen zu verurteilen und öffentlich die Praxis anzuklagen, sich zu deren Rechtfertigung auf die Religion zu berufen.

Meine Lieben, Ihr seid fast alle einheimische Bürger eurer Länder und habt somit die Pflicht und das Recht, vollgültig am Leben und am Wachstum eurer Nation teilzunehmen. In der Region seid Ihr berufen, Urheber von Frieden, Versöhnung und Entwicklung zu sein, den Dialog zu fördern, Brücken zu bauen gemäß dem Geist der Seligpreisungen (vgl. Mt 5,3-12), das Evangelium des Friedens zu verkünden und offen zu sein für die Zusammenarbeit mit allen nationalen und internationalen Entscheidungsträgern.

In besonderer Weise möchte ich meine Wertschätzung und meinen Dank Euch bekunden, liebe Mitbrüder im patriarchalen, bischöflichen und priesterlichen Dienst sowie Euch Brüdern und Schwestern im Ordensleben, die Ihr den Weg Eurer Gemeinschaften fürsorglich begleitet. Wie kostbar ist die Gegenwart und die Tätigkeit derer, die sich gänzlich dem Herrn geweiht haben und ihm in ihren Mitmenschen – vor allem in den am meisten Bedürftigen – dienen und so seine Größe und seine grenzenlose Liebe bezeugen! Wie wichtig ist die Gegenwart der Hirten bei ihrer Herde, vor allem in schwierigen Zeiten!

Euch, liebe Jugendliche, sende ich eine väterliche Umarmung. Ich bete für Euren Glauben, für Euer Wachstum als Menschen und als Christen und dass Eure besten Pläne sich verwirklichen mögen. Und ich wiederhole Euch: » Fürchtet oder schämt Euch nicht, Christen zu sein. Die Beziehung zu Jesus wird Euch die innere Bereitschaft zu einer vorbehaltlosen Zusammenarbeit mit Euren Mitbürgern schenken, welcher Religion sie auch angehören « (Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Medio Oriente, 63).

Euch, liebe ältere Menschen, drücke ich meine Wertschätzung aus. Ihr seid das Gedächtnis Eurer Völker; ich hoffe, dass dieses Gedächtnis ein Anstoß zum Wachsen für die jungen Generationen sei.

Ich möchte diejenigen unter Euch ermutigen, die in den sehr wichtigen Bereichen der Nächstenliebe und des Erziehungswesens wirken. Ich bewundere die Arbeit, die Ihr besonders durch die Caritas und mit Hilfe der katholischen karitativen Organisationen verschiedener Länder leistet, indem Ihr allen ohne jede Bevorzugung helft. Durch das Zeugnis der Liebe bietet Ihr dem gesellschaftlichen Leben den wirksamsten Halt und tragt auch zum Frieden bei, nach dem die Region hungert wie nach Brot. Doch auch im Bereich des Erziehungswesens geht es um die Zukunft der Gesellschaft. Wie wichtig ist die Erziehung zur Kultur der Begegnung sowie zur Achtung der Menschenwürde und des unumschränkten Wertes eines jeden Menschen!

Meine Lieben, obwohl gering an Zahl, seid Ihr Protagonisten des Lebens der Kirche und der Länder, in denen Ihr lebt. Die ganze Kirche ist Euch nahe und unterstützt Euch, mit großer Liebe und Wertschätzung für Eure Gemeinschaften und eure Mission. Wir werden fortfahren, Euch zu helfen mit dem Gebet und mit den anderen verfügbaren Mitteln.

Zugleich rufe ich weiterhin die internationale Gemeinschaft auf, Euren Bedürfnissen und denen der anderen leidenden Minderheiten entgegenzukommen – an erster Stelle durch die Förderung des Friedens auf dem Weg über Verhandlungen und mit Hilfe diplomatischer Aktivitäten, in dem Bemühen, möglichst bald die Gewalt, die schon zu viel Schaden angerichtet hat, einzudämmen und zu stoppen. Ich bekräftige meine ganz entschiedene Missbilligung des Waffenhandels. Wir brauchen vielmehr Friedenspläne und -initiativen, um eine globale Lösung der Probleme der Region zu fördern. Wie lange soll der Nahe Osten noch unter der Friedlosigkeit leiden? Wir dürfen uns nicht mit den Konflikten abfinden, als sei ein Wechsel nicht möglich! Auf der Linie meiner Pilgerreise ins Heilige Land und des nachfolgenden Gebetstreffens im Vatikan mit dem israelischen und dem palästinensischen Präsidenten lade ich Euch ein, weiter für den Frieden im Nahen Osten zu beten. Dass diejenigen, die gezwungen waren, ihr Land zu verlassen, dorthin zurückkehren und in Frieden und Sicherheit leben können. Möge die humanitäre Hilfe gesteigert und dabei immer das Wohl des Menschen und jedes Landes in den Mittelpunkt gestellt werden, unter Achtung der jeweiligen Identität, ohne andere Interessen voranzustellen. Möge die gesamte Kirche und die internationale Gemeinschaft sich der Bedeutung Eurer Präsenz in der Region immer deutlicher bewusst werden.

Liebe christliche Schwestern und Brüder im Nahen Osten, Ihr habt eine große Verantwortung und seid nicht allein bei ihrer Bewältigung. Darum wollte ich an Euch schreiben, um Euch zu ermutigen und um Euch zu sagen, wie wertvoll Eure Gegenwart und Eure Mission in diesem vom Herrn gesegneten Land sind. Euer Zeugnis tut mir so gut. Danke! Jeden Tag bete ich für Euch und Eure Anliegen. Ich danke Euch, weil ich weiß, dass Ihr in Euren Leiden für mich und meinen Dienst für die Kirche betet. Ich hoffe sehr, dass mir die Gnade zuteil wird, persönlich zu kommen, um Euch zu besuchen und Euch zu trösten und zu stärken. Die Jungfrau Maria, die allheilige Mutter Gottes, die auch unsere Mutter ist, begleite und schütze Euch stets mit ihrer zärtlichen Liebe. Euch allen und Euren Familien sende ich den Apostolischen Segen und wünsche Euch, dass Ihr die heilige Weihnacht in der Liebe und im Frieden Christi, des Retters, lebt.

Aus dem Vatikan, am 21. Dezember 2014, dem vierten Adventssonntag

Franciscus

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