„Ich danke dem Herrn“ – Generalaudienz von Mittwoch, dem 5. Oktober 2016 — Volltext

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Wir dokumentieren im Folgenden in einer eigenen Übersetzung
die vollständige Ansprache von Papst Franziskus
bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz.

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Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am vergangenen Wochenende habe ich eine apostolische Reise nach Georgien und Aserbaidschan unternommen. Ich danke dem Herrn, mir dies ermöglicht zu haben und erneuere den zivilen und religiösen Obrigkeiten dieser beiden Länder ein Zeichen meiner Dankbarkeit, insbesondere dem Patriarchen von ganz Georgien Ilia II. – dessen Zeugnis meinem Herzen und meiner Seele sehr gut getan hat – und dem Scheich der kaukasischen Muslime. Ein brüderlicher Dank gilt den Bischöfen, den Priestern und Ordensleute sowie allen Gläubigen, die mir ihre warme Zuneigung spüren ließen.

Diese Reise bildete die Fortsetzung und Vervollkommnung jener, die mich im Juni nach Armenien führte. Auf diese Weise konnte ich – Gott sei Dank – den Plan verwirklichen, alle drei kaukasischen Länder zu besuchen, um die in ihnen lebende katholische Kirche zu bestärken und den Weg in Richtung Frieden und Brüderlichkeit jener Bevölkerungen zu ermutigen. Dies verdeutlichten auch die beiden Mottos dieser letzten Reise: für Georgien lautete es: „Pax vobis“ und für Aserbaidschan „Wir sind alle Brüder“.

Beide Länder verfügen über sehr alte geschichtliche, kulturelle und religiöse Wurzeln. Zugleich durchleben sie jedoch eine neue Phase: So feiern beide in diesem Jahr ihre 25-jährige Unabhängigkeit, nachdem sie einen beträchtlichen Teil des 20. Jahrhunderts unter der sowjetischen Hegemonie gestanden waren. In dieser Phase sind sie in den verschiedenen Bereichen des sozialen Lebens mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert. Die katholische Kirche ist dazu aufgerufen, insbesondere im Zeichen der Nächstenliebe und der Förderung der Menschlichkeit gegenwärtig, nahe zu sein. In der Gewissheit, dass Gott der Vater aller ist und wir Brüder und Schwestern sind, versucht sie dies in Gemeinschaft mit den anderen Kirchen und christlichen Gemeinden und im Dialog mit den anderen Religionsgemeinschaften zu tun.

In Georgien verläuft diese Mission selbstverständlich über die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Brüdern, die die große Mehrheit der Bevölkerung bilden. Der Umstand, dass mich bei meiner Ankunft am Flughafen von Tbilisi neben dem Präsidenten der Republik auch der verehrte Patriarch Ilia II. erwartete, war ein sehr wichtiges Zeichen. Die Begegnung mit ihm an jenem Nachmittag war bewegend ebenso wie der Besuch der Patriarchenkathedrale am Tag danach, in der die Reliquie der Tunika Christi als Symbol der Einheit der Kirche verehrt wird. Diese Einheit wird bestärkt vom Blut vieler Märtyrer der verschiedenen christlichen Konfessionen. Zu den am meisten geprüften Gemeinden zählt die assyro-chaldäische, mit der ich in Tbilisi einen innigen Gebetsmoment für den Frieden in Syrien, in Irak und im gesamten Mittleren Osten erlebte.

Die Messe mit den katholischen Gläubigen Georgiens – lateinischen, armenischen und assyro-chaldäischen – wurde im Gedenken an die hl. Therese vom Jesuskind, der Schutzpatronin der Missionen – gefeiert: Sie erinnert uns daran, dass wahre Mission nie Proselytismus ist, sondern die Anziehungskraft Christi ausgehend von der tiefen Einheit mit ihm im Gebet, in der Anbetung und der konkreten Nächstenliebe, die Dienst am im kleinsten der Brüder gegenwärtigen Jesus ist. Dies tun die Ordensleute, denen ich in Tbilisi und dann auch in Baku begegnet bin: Sie tun es mit dem Gebet und den karitativen und fördernden Werken. Ich ermutigte sie dazu, mit Gedächtnis, Mut und Hoffnung standhaft im Glauben zu sein. Und dann gibt es christliche Familien: Wie kostbar sind ihre empfangende Gegenwart, ihre Begleitung, ihr Urteilsvermögen und ihre Integration in die Gemeinschaft!

Dieser Stil evangelischer Gegenwart als Samen des Reiches Gottes ist, sofern möglich, noch notwendiger in Aserbaidschan, wo der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist und sich die Zahl der Katholiken auf wenige Hunderte beschränkt. Gott sei Dank sind die Beziehungen zu allen jedoch gut. Insbesondere werden brüderliche Bindungen mit den orthodoxen Christen aufrechterhalten. Aus diesem Grund erlebten wir in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, zwei Momente erlebt, die der Glaube im rechten Verhältnis zu halten vermag: die Eucharistie und die interreligiöse Begegnung. Die Eucharistie mit der kleinen katholischen Gemeinde, in der der hl. Geist die verschiedenen Sprachen in Einklang bringt und die Kraft des Zeugnisses spendet; und diese Gemeinschaft in Christi – anstatt hinderlich zu sein – drängt zur Suche nach der Begegnung und dem Dialog mit all jenen, die an Gott glauben, um gemeinsam eine gerechtere und brüderliche Welt zu bauen. In diesem Sinne äußerte ich den Obrigkeiten Aserbaidschans gegenüber die Hoffnung, dass man gute Lösungen für die offenen Fragen finden möge und alle kaukasischen Bevölkerungen im Frieden und in gegenseitiger Achtung leben.

Gott segne Armenien, Georgien und Aserbaidschan und begleite den Weg seines heiligen pilgernden Volkes in jenen Ländern.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Generalaudienz, 5. Oktober 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

SIND WIR ALLE „KINDER GOTTES“?

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SIND WIR WIRKLICH ALLE KINDER GOTTES?

Ja und Nein. Es kommt ganz darauf an, was wir darunter verstehen.

Wir ALLE sind in dem Sinne „KINDER GOTTES“, als wir ALLE „GESCHÖPFE GOTTES“ sind. Wir sind alle hervorgegangen aus Gottes Schöpferhand. Wir sind alle BERUFEN, Kinder Gottes zu sein, d.h. unseren Schöpfer, unseren VATER zu erkennen, anzuerkennen, Ihn zu lieben und zu bekennen.

Wer ist unser Schöpfer, unser VATER?

GOTT ist unser aller Schöpfer und Vater.

WER aber ist GOTT?

NIEMAND in der ganzen Geschichte hat uns Menschen unseren SCHÖPFER und GOTT  und VATER so einmalig, so klar, SO EINSICHTIG WAHR, so glaubwürdig, so treffend und umfassend GEOFFENBART wie JESUS VON NAZARETH vor rund 2000 Jahren.

Und dieser JESUS VON NAZARETH hat Sein Zeugnis unanfechtbar gemacht durch Seine unerhörten, nie dagewesenen und von NIEMANDEM in eigenem Namen wiederholbaren WUNDERTATEN.

Und mit diesen unnachahmbaren und unüberbietbaren WUNDERWERKEN hat Er VOR ALLEN MENSCHEN bewiesen, dass Er mehr ist als ein Mensch wie wir. Er hat von Sich bezeugt, dass Er der SOHN GOTTES ist und dass ER GOTT IST WIE SEI VATER. Und dieses sein Zeugnis ist BEI GUTEM WILLEN UNANFECHTBAR.

Wer immer darum von diesem über ALLE hinausragenden ZEUGEN GOTTES alles WESENTLICHE erfahren und erkannt hat und SEINE LEHRE annimmt und befolgt, wird und ist EIN WAHRES, LEBENDIGES KIND GOTTES.

Wer hingegen trotz ausreichendem Wissen und Erkennen JESUS CHRISTUS nicht als GOTTES SOHN, als MENSCH UND GOTT, als RETTER und ERLÖSER anerkennt, kann sich (bis zu seiner Bekehrung) nicht LEBENDIGES KIND GOTTES nennen und kann von den WAHREN KINDERN GOTTES nicht als solches gesehen und anerkannt werden.

P. O. Schenker

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Siehe auch:

DAS EWIGE SCHICKSAL DER ABGETRIEBENEN KINDER (Folge 03)

Fortsetzung der Begründungen meiner These:

KKK:
404 Wieso ist die Sünde Adams zur Sünde aller seiner Nachkommen geworden? Das ganze Menschengeschlecht ist in Adam ,,wie der eine Leib eines einzelnen Menschen“ (Thomas v. A., mal. 4,1). Wegen dieser ,,Einheit des Menschengeschlechtes“ sind alle Menschen in die Sünde Adams verstrickt, so wie alle in die Gerechtigkeit Christi einbezogen sind. Die Weitergabe der Erbsünde ist jedoch ein Geheimnis, das wir nicht völlig verstehen können. Durch die Offenbarung wissen wir aber, daß Adam die ursprüngliche Heiligkeit und Gerechtigkeit nicht für sich allein erhalten hatte, sondern für die ganze Menschennatur. Indem Adam und Eva dem Versucher nachgeben, begehen sie eine persönliche Sünde, aber diese Sünde trifft die Menschennatur, die sie in der Folge im gefallenen Zustand weitergeben [Vgl. K. v. Trient: DS 1511-1512.]. Sie ist eine Sünde, die durch Fortpflanzung an die ganze Menschheit weitergegeben wird, nämlich durch die Weitergabe einer menschlichen Natur, die der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit ermangelt. Deswegen ist die Erbsünde ,,Sünde“ in einem übertragenen Sinn: Sie ist eine Sünde, die man ,,miterhalten“, nicht aber begangen hat, ein Zustand, keine Tat.

Eine sehr gute Erklärung der Auswirkung der Erbsünde stammt von Johannes Paul II. in seiner Ansprache bei der Generalaudienz am 8. Oktober 1986, in: Der Apostolische Stuhl 1986, S. 246-248. Diese bejahe ich uneingeschränkt.

Das Credo des Gottesvolkes lehrt, dass die Menschennatur nach der Ursünde nicht mehr “in dem Zustand ist, in dem sie sich am Beginn in unseren Stammeltern befand”. Sie ist “gefallen” (lapsa), da sie ohne das Geschenk der heiligmachenden Gnade und auch ohne andere Gaben ist, welche im Zustand der Urgerechtigkeit die Vollkommenheit (integritas) dieser Natur ausmachten. Hier handelt es sich nicht nur um die Unsterblichkeit und das Freisein von vielen Leiden, Gaben, die durch die Sünde verlorengegangen sind, sondern auch um die inneren Dispositionen der Vernunft und des Willens, d. h. um die habituellen Kräfte der Vernunft und des Willens. Als Folge der Erbsünde ist der ganze Mensch, Seele und Leib, erschüttert worden: “secundum animan et corpus” (nach Seele und Leib), formuliert die Synode von Orange im Jahr 529, auf die sich das tridentinischen Dekret bezieht, wenn es anmerkt, dass der ganze Mensch sich verschlechtert hat: “in deterius commutatum fuisse.”
Was die geistigen Fähigkeiten des Menschen betrifft, so besteht diese Verschlechterung in der Trübung der Fähigkeiten des Verstandes, die Wahrheit zu erkennen, und in der Schwächung des freien Willens, der gegenüber der Anziehungskraft der sinnlichen Güter schwach geworden ist und vermehrt den falschen Vorstellungen vom Guten, die vom Verstand unter dem Einfluß der Leidenschaften erzeugt werden, ausgesetzt ist. Aber nach der Lehre der Kirche handelt es sich um eine relative, nicht um eine absolute, d. h. den menschlichen Fähigkeiten nicht innerliche Verschlechterung. Der Mensch kann also nach der Erbsünde mit dem Verstand die grundlegenden natürlichen, auch die religiösen Wahrheiten und die moralischen Prinzipien erkennen. Er kann auch gute Werke vollbringen. Man muss daher eher von einer Trübung des Verstandes und von einer Schwächung des Willens, von “Verletzungen” der geistigen und sinnlichen Fähigkeiten sprechen und nicht von einem Verlust ihres wesentlichen Vermögens, auch in bezug auf die Erkenntnis und Liebe Gottes.

Das tridentinische Dekret hebt diese Wahrheit von dem fundamentalen Heilsein der Natur hervor im Widerspruch zur von Luther vertretenen entgegengesetzten These, die später von den Jansenisten wieder aufgegriffen wurde. Es lehrt, dass der Mensch infolge der Sünde Adams den freien Willen nicht verloren hat (Can. 5: “liberum arbitrium … non amissum et extinctum”). Er kann daher Handlungen vollbringen, die einen echten moralischen Wert besitzen – gut oder schlecht. Das ist nur aufgrund der Freiheit des menschlichen Willens möglich. Der gefallene Mensch ist jedoch ohne die Hilfe Christi nicht imstande, sich nach den übernatürlichen Gütern auszurichten, die seine volle Verwirklichung und sein Heil darstellen.
In dem Zustand, in dem sich die Natur nach dem Sündenfall und besonders durch die Neigung des Menschen eher zum Bösen als zum Guten befindet, spricht man von einem “Anreiz zur Sünde” (fomes peccati), von dem die Menschennatur im Zustand der Urvollkommenheit (integritas) frei war. Dieser “Anreiz zur Sünde” wird vom Konzil von Trient auch “Begierde” (concupiscentia) genannt, wobei es hinzufügt, dass sie auch in dem von Christus gerechtfertigten Menschen, also auch nach der heiligen Taufe, fortdauert. Das tridentinische Dekret sagt mit aller Klarheit, dass die Begierde (Konkupiszenz) an sich noch nicht Sünde ist, sondern: “ex peccato est et ad peccatum inclinat” (vgl. DS 1515) (“aus der Sünde kommt und zur Sünde hinneigt”). Die Begierde als Folge der Erbsünde ist die Quelle der Neigung zu den verschiedenen persönlichen Sünden, die die Menschen durch Mißbrauch ihrer Fähigkeiten begehen (man spricht von peccata actualia, um sie von der Erbsünde zu unterscheiden). Diese Neigung bleibt im Menschen auch nach der heiligen Taufe bestehen. In diesem Sinne trägt jeder in sich den “Anreiz” zur Sünde.
Die katholische Lehre präzisiert und charakterisiert den Zustand der gefallenen Menschennatur (natura lapsa) in den Begriffen, die wir auf der Grundlage der Aussagen der Heiligen Schrift und der Überlieferung dargelegt haben. Sie wird im Konzil von Trient und im “Glaubensbekenntnis” Pauls VI. klar vorgelegt. Aber noch einmal stellen wir fest, dass nach dieser Lehre, die sich auf die Offenbarung gründet, die Menschennatur nicht nur “gefallen”, sondern auch in Jesus Christus “erlöst” ist, so dass, “wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß geworden ist” (Röm 5,20). Das ist der wahre Zusammenhang, in dem man die Erbsünde und ihre Folgen sehen muss.

(Vgl. http://www.kath-info.de/erbsuende.html)

Die ganze Betroffenheit der menschlichen Natur durch die Erbsünde ist zwar von der Empfängnis an im Menschen vorhanden, also er ist ohne die heiligmachende Gnade und auch ohne andere damit verbundene Gaben, aber dieser Mangel der Kräfte der Vernunft und des Willens wird im Ungeborenen und im Kleinkind noch gar nicht bestimmend; dies geschieht nur in dem auf dieser unserer Erde und in dieser Erdenzeit LEBENDEN, sich entwickelnden Menschen, mit zunehmendem Erwachen zur Vernunft und Willensfreiheit.

Das heißt: Die habituelle Schuld kann in Adams Nachkommen nur wirksam sein nach dem Grad ihrer Erkenntnis und Entscheidungs-/Aktsetzungs-Fähigkeit.

Und damit gilt: das Gebot der Wassertaufe kann nur für jene Menschen eine Sine-qua-non-Bedingung sein, die es erfüllen können, die imstande sind, „dieses Geschenk durch einen persönlichen Akt anzunehmen“. Für alle anderen gilt: ihr ewiges Heil wird ihnen von Gott auf dem außerordentlichen Weg geschenkt. Es ist wegen des Erlösertodes Jesu Christi, der so vollkommen und universal ist, dass er für alle Menschen zu allen Zeiten reicht, undenkbar, dass Gott sie aus Seinem ewigen Reich nur wegen der Erbschuld ausschließt; denn Er hat sie nach Seinem Bild und Gleichnis auf Ihn hin erschaffen. Dieser „außerordentliche Weg“ zur Tilgung der Erbschuld ist zwar nicht ausdrücklich offenbart und deshalb dogmatisch nicht gelehrt, aber er ist begründet im universalen Heilswillen Gottes und erfolgten Heilswirken und vollbrachten Heilswerk und überreichen Heilsverdienst Jesu Christi.

WER IST EIN CHRIST? – WER IST ES NICHT?

Christ ist, wer Jesus CHRISTUS so annimmt und in seinem und durch sein Leben bekennt, wie Sich dieser Christus Selber bezeugt hat. Christ ist, wer vorbehaltlos und unein­geschränkt an Jesus Christus, an Sein Wort, an Seine Lehre glaubt und diesen Glauben durch seine Taten (als echt) beweist.

Jesus Christus ist also die Basis, der Boden, das Fundament des christlichen Glaubens und des Christseins, das ist klar. Und zwar (natürlich nur) der wirkliche Jesus Christus, der tatsächlich gelebt hat, nicht irgendein Phantasieprodukt, einzig der geschichtliche, der von seinen (unvoreingenommenen, ge­rech­ten) Zeitgenossen, von Seinen Jüngern, Seinen Aposteln und den Apostelschülern in historischen Urkunden, – deren einwandfreie Überlieferung bis heute nachgewiesen und jederzeit nachweisbar ist -, in jeder Hinsicht glaubwürdig geschil­derte Jesus von Nazareth. Was von Anfang an war, was wir gehört und mit unsern Augen gesehen haben, was wir geschaut und mit unsern Händen betastet haben, berichten wir vom WORT des Lebens. Das Leben ist ja erschienen, und wir haben es gesehen und bezeugen und ver­künden euch das Leben, das Ewige, das beim Vater war und sich uns geoffenbart hat.“ (I. Jo 1,1 f.) Christ ist somit, wer die vier (kanonischen) Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes), die Apostelgeschichte, die Briefe des heiligen Apostels Paulus, die „Katho­lischen Briefe“ (den Brief des Apostels Jakobus, die Briefe des Apostelfürsten Petrus, die Briefe des Apostels Johannes, den Brief des Apostels Judas Thaddäus), die Offenbarung des Apostels Johannes, d.h. die Bibel, die Heilige Schrift des Neuen Testamentes (nebst der­jenigen des Alten Bundes) vor allem mit 100%iger Zustimmung annimmt.

Und nun, diese Ausgangsbasis einmal gesetzt, ergibt sich alles Weitere wie von selbst:

Christ ist nur, wer an die Gottheit Christi glaubt, wer bekennt, daß Christus wahrer GOTT, wesensgleich mit Gott dem Schöpfer aller Dinge, dem Ewigen VATER oder mit GOTT schlichthin ist. Laut dem Apostel Johannes offenbarte Christus: „Ich und der Vater sind eins.“ (Jo 10,30), das heißt: Christus und GOTT sind (Ihrer Wesenheit nach) eins, sind ein und dasselbe, sind identisch. „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, ehe Abraham ward, bin Ich.“ (Jo 8,58) „… so glaubt, daß der Vater in Mir ist und Ich im Vater.“ (Jo 10,37 f.) „Im Anfang war das WORT, und das WORT war bei Gott, und Gott war das WORT.“ (Jo 1,1f.) „Das WORT ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Jo 1,14)

Kein Christ ist demnach, wer (auch nur schon) zweifelt an der Gottheit Christi (geschweige denn sie leugnet), wer Jesus Christus (auch nur schon ansatzweise) als einen bloßen (wenn auch höchstbegnadeten) Menschen betrachtet (vgl. den Arianismus und den heutigen Neo-Arianismus!) „Wir wollen denen keinen, Glauben schen­ken, die da behaupten, Christus sei nichts anderes als ein Mensch, allerdings ein so gerechter, daß Er würdig sei, Sohn Gottes genannt zu werden. Die solches lehren, duldet die katholische Kirche nicht in ihrer Mitte.(Augustinus, de ag. christ. 19 (40:300)) „Wer von Christus redet, ohne Seine Gottheit und Weseneinheit mit dem Vater zu bekennen, hat um Christus herum­geredet.“ (Kardinal Faulhaber, Zeitrufe 26) Wer also Christus zwar als „Sohn Gottes“ bekennt, nicht aber aus­drücklich sagt, daß er diese Sohnschaft nicht in dem Sinne versteht, daß er ein Mensch wie wir alle gewesen sei, nur viel vollkom­mener, der hat den wahren Glauben nicht und ist kein Christ. Denn „in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit wesenhaft.“ (Kol 2,8) „In Ihm ist alles erschaffen, was im Himmel und auf Erden ist…“ (Kol. 1,16 f.)

Diese eine Wesensaussage über den geschichtlichen Jesus von Nazareth ist so zentral und so alles ent-scheidend, daß sich keiner an ihr vorbeischleichen kann. Keiner kann ein Christ sein, der nicht ein absolutes Ja sagt zu dieser einen „Initial“- („Einführungs“-)Lehre, zu diesem Fundamental-Dogma: „Jesus Christus und der eine und einzige GOTT sind wesenhaft identisch“! „Seht da, euer Gott! … Er selbst kommt und wird euch retten!“ (Is 35,4) „Alles, was der Vater hat, ist Mein.“ (Jo 16,15) „Wer Mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen.“ (Jo 14,9) Jeder, der Christ sein will, muß also überzeugt bekennen: Christus ist mein GOTT, und muß von Herzen beten: „Jesus, mein HERR und mein GOTT!“ Dieser Glaube ist konstituierend, ist so unabdingbar für das Erreichen des ewigen Ziels, für das eigene Heil, daß wer an dieser ersten Weg-Gabelung die falsche Seite wählt, auf seiner ganzen weiteren Erkenntnis- und Bekenntnisstrecke nicht mehr auf den rettenden „Ast“ einmünden kann. Er ist gezwungen, an diesen Ausgangs­punkt, an diesen über Wahrheit und Irrtum, über Licht und Finsternis, über Leben und Tod entscheidenden Knotenpunkt zurückzukehren und hier den (grundlegendsten) Entscheid einsichtig richtig zu fällen.

Wer aber mit ganzer Überzeugung Ja gesagt hat, befindet sich fortan auf dem Ast des Lebens. Er kann auch hier durch allerlei Abweichen auf Verästelungen noch Irrwege und Umwege gehen, aber bei Rückkehr aus ihnen gelangt er immer wieder auf die Lebensader. „Gott hat uns das Ewige Leben gegeben, und dieses Leben ist in Seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat auch das Leben nicht.(I Jo 5,11 f.) „Gott hat Zeugnis abgelegt für Seinen Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, erklärt Ihn für einen Lügner; denn er glaubt nicht an das Zeugnis, das Gott für Seinen Sohn abgelegt hat.“ (I Jo 5,10) Wer Jesus Christus wahrhaft als GOTT sieht, erfüllt wie von alleine die weiteren Bedingungen. Er wird nicht nur dem geschicht­lichen, getreu überlieferten persön­lichen Wort Christi (absoluten) Glau­ben schenken, sondern (mindestens relativen, also auf Christus rück­bezogenen, an Ihm gemessenen) auch demjenigen Seiner (echten) Jünger und Apostel, demjenigen all Seiner (echten) Boten, Gesandten, Beauf­tragten aller Zeiten. Er wird An­schluß suchen bei den Gleich­gesinnten, seinen Glaubensbrüdern und so Glied der Kirche sein wollen und sich nur in ihr beheimatet fühlen. Er wird ihre Ordnung respektieren und sich einfügen. Er wird ihren (wahren) Vorstehern (gerechten) Gehorsam leisten, ihre Gottesdienste mitfeiern, ihre Sakra­mente empfangen, etc. etc.

Was aber, wenn Einzelne und ganze Teile dieser Christengemeinschaft im Laufe der Zeit von der Lehre Christi abweichen? Wer kann sich wie lange noch (mit Recht) Christ nennen?

Jedes klare Abweichen (auch nur in einem einzigen Punkt) von dem, was Christus eindeutig bezeugt und gelehrt hat, ist so schwerwiegend, daß ein Christ, der solches tut, gleich welche Stellung er in der Kirche einnimmt, sei er selbst Papst, d.h. Stellvertreter Christi, auch wenn er 99% des Glaubensgutes behält, das Recht auf seinen Christennamen verwirkt.

Die Häresie des Arianismus war ein solches offensichtliches (wenn auch z.T. subtiles) Abweichen. In den Grundzügen lehrte der Priester Arius das Folgende: 1) Der Vater allein ist der ungezeugte Urgrund von allem, der Sohn ist gezeugt, eben deshalb aber nicht gleich ewig mit dem Vater; es hat vielmehr eine Zeit gegeben, wo der Sohn nicht war. 2) Als in der Zeit entstanden, ist der Sohn auch nicht aus dem Wesen des Vaters sondern geworden durch seinen Willen, aus Nichts und deshalb nur ein Geschöpf, nicht etwa Gott von Natur aus. 3) Der Zweck, warum der Sohn vom Vater hervorgebracht ward, ist die Weltschöpfung. Weil der höchste Gott ohne Mittelwesen nicht schaffen konnte, brachte er zuerst den Logos hervor. 4) Gleich bei der Schöpfung erhielt dieser die Herrlichkeit des Vaters und die Schöpferkraft, ja er erscheint als unwandelbar, als voller Gott, letzteres jedoch nur insofern, als er durch die Gnade des Vaters als Sohn angenommen wurde.

Da Arius und seine Anhänger auch nach ihrer Verurteilung durch die von Bischof Alexander von Alexandria einberufene Synode von Alexandria (Aegypten) die weitesten Volks­schichten aufregten und immer größeren Anhang in den breiten Massen des Volkes (und des Klerus) fanden, so wurde zur Vermittlung des Friedens eine allgemeine Synode nach Nicäa berufen, die zugleich den sog. Osterfeststreit schlichten sollte. Nach langen Verhandlungen, in denen besonders der junge Athanasius den durchaus unchristlichen Charakter der arianischen Lehre nachwies und zugleich die Winkelzüge der Partei des Eusebius von Nikomedien, des bedeutendsten Anhängers des Arius, durchkreuzte, belegte das Konzil des letztern Lehre mit dem Anathem und stellte das bekannte Glaubens­bekenntnis zusammen: („… Und (ich glaube) an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als Eingeborener aus dem Vater gezeugt ist, d.h. aus des Vaters Wesenheit; Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt und nicht geschaffen, dem Vater wesens­eins, durch den alles im Himmel und auf Erden geschaffen ist. …“)

Man sieht leicht, wie das (echte) Konzil die Tendenz verfolgte, alles Ausweichen der Häresie unmöglich zu machen. Die Schriften des Arius wurden (mit Recht) zum Feuer verurteilt, er selbst zunächst mit 2 Bischöfen verbannt. Arius und seine überzeugten Anhänger waren also keine Christen mehr! Und auch die heute seuchenartig zahlenmäßig massiv zunehmenden Neu-Arianer, die Jesus Christus auch (spitzfindig) als „Sohn Gottes“ „ehren“, aber Ihn nicht als GOTT, wesensgleich dem Schöpfer aller Dinge, bekennen, die sich aber dennoch „Christen“ und auch „Katholiken“ nennen (und oft in hohen Positionen der Hierarchie angesiedelt sind), sind in Wirklichkeit selbstverständlich keine Christen mehr!

Christ ist, wer Jesus Christus ins Zentrum, in die Herzmitte seines Lebens stellt, für den Christus das A und O, der Anfang und das Ende, der Eingang und der Ausgang, das Beginnen und das Abschließen, d.h. das ganze Leben ist, sowohl das zeitliche wie das ewige. Christ ist, wer neben Jesus Christus nicht noch andere „Götter“ hat, wer den Begründer des Christentums für GOTT, den all­einigen und einzigen GOTT hält und darum über alles ehrt und achtet und darum Seine Gebote und Weisungen und Lehren über alles beachtet und befolgt.

Kein Christ ist, wer andere Menschen auf die gleiche Stufe stellt wie Christus, wer z.B.andere „Religions“-Vorsteher und „geistliche“ Führer (irgendwie auch) für Heilsstifter hält. Nur in Christus ist Heil, das Heil. Nur Jesus konnte von sich sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Er hat nicht gesagt: „Ich bin ein Weg… es gibt noch andere…“ Nur Er ist der Retter, der Erlöser. Kein Christ ist, wer andere (angebotene) „Wege“ für wert hält, gleich- oder ähnlichwertig beachtet oder gar befolgt zu werden. Es gibt keine Gnosis (Wissen um Gott und göttliche Geheimnisse), es gibt keine Gottes­erkenntnis gegen Christus. Als „Weg“ und „Wahrheit“ und „Leben“ Etikettiertes und Proklamiertes, das auch nur in Teil­bereichen gegen das von Jesus Christus Verkündete steht, kann für einen Christen nur als „Abweg“ und „Unwahrheit“ und „Unleben (Tod)“ gelten.

Christ ist, wer Jesus Christus für den Wegweiser, den Wahrheits­verkünder, den Lebensspender hält, außer dem es nur Boten, Vermittler, Diener dieses Seines Weges, dieser Seiner Wahrheit, dieses Seines Lebens geben kann. Kein Christ ist, wer auch nur irgendeinen anderen Menschen als mit gleicher/ähnlicher Macht und Herrlichkeit, mit irgendwelcher eigener Machtvollkommenheit ausge­stattet hält. Christus ist das Licht der Welt. Er ist der Lehrer aller Lehrer, der Meister aller Meister, der Herrscher aller Herr­scher. Von Seinem Denken und Wollen hängt alles, hängen alle ab. Sein Gericht ist das höchste. Sein Wort das absolute, das alles und alle bindende. Niemand kann sich herausnehmen, über Sein Wort zu bestimmen, zu verfügen. Was Jesus Christus bezeugt und gelehrt hat, hat ewigen Bestand und ewige Gültigkeit. Keine Autorität der Erde (auch die des Papstes nicht!) und des Himmels (auch die der Engel und Heiligen nicht), kann dagegen auftreten. Ein Papst, auch wenn er als Nachfolger des Apostels Petrus höchster „Stellvertreter Christi“ und damit „Schlüsselträger“ und damit Inhaber der Binde- und Lösegewalt ist, hat keine eigene Macht­vollkommenheit, so daß er irgend etwas von Christus Bezeugtes, Bewertetes, Gelehrtes, Entschiedenes neu und anders bezeugen, bewerten, lehren oder entscheiden könnte. So können Päpste und Konzilien nichts von dem aufheben oder uminterpretieren, was in der (als echt und vollständig erkannten und anerkannten) Heiligen Schrift festgeschrieben und von Anfang an zuverlässig überliefert ist. Die Apostel und Jünger Christi und ihre Nachfolger sind nichts mehr als Diener und Ausspender der Besitz- und Reichtümer Christi. Sie sind nicht als Herren über das Erbe Christi gesetzt, sondern als Verwalter. Das Erbe aber sind vorzüglich die Seelen, die von Ihm erlösten, losgekauften Seelen. Christus ist die Tür zu den Schafen. Er ist der gute Hirt. Er ist das Brot des Lebens. Er ist die Auferstehung und das (ewige)Leben. Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Er steht an der Spitze von allem, und alles hat in Ihm seinen Bestand. In Ihm ist alles erschaffen, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten, alles ist durch Ihn und für Ihn geschaffen. (KoI 1,15-17) In Ihm wohnt wirklich die ganze Fülle der Gottheit.(Kol 2,9) Er ist der Anfang, der Erstgeborene unter den Toten. (Kol. 1,18) Alles hat Er (Gott Vater) Ihm zu Füßen gelegt und Ihn zum alles überragenden Haupte der Kirche gemacht, die Sein Leib ist, erfüllt von Ihm, der das Ganze mit allem erfüllt (Eph 1,22.23)

Wie tief und eindrucksvoll ist die schlichte Symbolik alter Mosaiken, Gemälde, Buchmalereien: Christus groß, alle andern Personen, z.B. Apostel usw., klein dargestellt (vor Ihm wird alles klein).

Christus ist gesetzt… zu einem Zeichen des Widerspruchs, an Ihm vollzieht sich das große Entweder-Oder. „Glaubt nicht, Ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert (der Geisterscheidung).“ (Mt 10,34)

„Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber auf den Sohn nicht hören will, wird das Leben nicht sehen, sondern dem Zorne Gottes verfallen.“ (Jo 3,36) „Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.“ (Jo 3,18) „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer aber den Sohn bekennt, hat auch den Vater.“ (1 Jo2,23)

„Das ist Sein (des Vaters) Gebot, daß wir an den Namen Seines Sohnes Jesus Christus glauben.“ (I Jo 3,23) „Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und wer im Glauben an Mich lebt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ (Jo 11,26) „Niemand erkennt den Sohn als der Vater, und niemand erkennt den Vater als der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will.“ (Mt 11,25-27) „Wer Mich verachtet und Meine Worte nicht annimmt, der hat seinen Richter; das Wort, das Ich verkündet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.“ (Jo 12,47.48) „Wenn ihr nicht glaubt, daß Ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben.“ (Jo 8,24) „Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen aber der Stein fällt, den wird er zermalmen.“ (Lk 20,18) „Ist unsere frohe Botschaft verhüllt, so ist sie nur für jene verhüllt, die verloren gehen, für die Ungläubigen, deren Verstand der Gott dieser Welt verblendet hat, daß ihnen nicht erstrahle das Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, der das Ebenbild Gottes ist.“ (2 Kor 4,3f.) „Sie verleugnen den Herrn, der sie losgekauft hat, und ziehen sich jähes Verderben zu.“ (2 Petr 2,1)

Darum: „Geliebte, traut nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn es sind viele falsche Propheten in die Welt hinausgegangen. Daran erkennt den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott; der Geist aber, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott.“ (I Jo 4,1) „Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus im Fleische erschienen ist. Aus ihnen spricht der Verführer, der Antichrist. Seht euch vor, daß ihr nicht verliert, was ihr erarbeitet habt, sondern daß ihr den vollen Lohn empfangt. Wer über die rechte Grenze hinausgeht und nicht bei der Lehre Christi bleibt, besitzt Gott nicht; wer aber bei der Lehre bleibt, besitzt den Vater und den Sohn.“

Christ ist, wer glaubt, daß Christus die Wahrheit ist. Daß Er die absolute, alles umfassende Wahrheit ist. Wir nennen etwas wahr, was in Wirklich­keit so ist, wie es ausgesagt wird. Wahrheit ist, was mit dem Sein übereinstimmt. Die Wahrheit ist, was mit dem Sein kongruent, deckungs­gleich ist. Jesus ist die Wahrheit, weil Er das Sein ist. Er ist der Seiende, das Leben schlechthin. „Wie der Vater das Leben in Sich selbst hat, so hat Er auch dem Sohn verliehen, das Leben in Sich selbst zu haben.“ (Jo 5,26). Vor Ihm und über Ihm gibt es nichts In-Sich-Seiendes. Alles Leben strömt aus Ihm. Wäre Jesus nicht GOTT, dann könnte Er niemals von sich sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Wäre Jesus nur ein Mensch wie wir, und wenn auch ein viel vollkomme­nerer (wie die heiligste Jungfrau Maria), dann wäre Jesus nicht die Wahrheit, sondern dann wäre er höchstens höchster Künder und Ver­mittler der Wahrheit, des Seins, des Lebens.

Christ ist, wer glaubt, daß Christus der Allwissende ist. Jesus ist auch als kleines Kind, ja schon als Un­geborener im Mutterschoß, der All­wissende und Allmächtige. (Vgl. dazu z.B. das mystische Werk „Das Innenleben Jesu“ der Äbtissin Cäcilia Baij) In Seiner Person vereinigt er die göttliche mit der menschlichen Natur. „Ein und derselbe Christus existiert in 2 Naturen, unvermischt, unveränder­lich, ungeteilt und untrennbar, wobei die Verschiedenheit der Naturen wegen der Einigung nicht aufhört, vielmehr die Eigentümlichkeit jeder Natur bewahrt wird und mit der andern zu einer Person und Subsi­stenz zusammenkommt; er (Christus) ist nicht in 2 Personen geteilt, sondern ein und der nämliche ist eingeborener Sohn, Gott, Logos, Herr, Jesus Christus“ (Denzinger 148). Gott aber nahm in Christus die Menschennatur an und nicht umgekehrt. Nicht der Mensch, der in Maria empfangen wurde, nahm die Gottesnatur an. Die Vereinigung der beiden Naturen geht also von der göttlichen aus und wird von dieser bestimmt. Gott hat aber nicht eine Menschennatur angenom­men, um sie nach Belieben wieder „abzustreifen“, sondern für immer, für ewig, „unveränderlich“, unwiderruflich! Die Zweite Person Gottes kann sich nie mehr von ihrer Menschennatur trennen. Doch trotz dieser untrenn­baren Einigung wird die Eigentüm­lichkeit auch der menschlichen Natur bewahrt. Jesus Christus ist wahrer, wahrster Mensch. Nichts geht ihm ab an seinem Menschsein, was das Menschsein ausmacht. „In ALLEM wurde Er uns gleich, außer (in) der Sünde.“ Jesus mußte darum als Mensch auch lernen, Erfahrungen sammeln, zunehmen an Weisheit und Macht (Können). Christus war Mensch unter Menschen. Er bewegte sich unter ihnen, sprach mit ihnen, aß und trank, hungerte und dürstete, war müde vom Wandern, schlief müde im Schiff, vergoß blutigen Schweiß, litt, starb und wurde begraben; Er trauerte, weinte, wurde erschüttert, frohlockte, zürnte und liebte mensch­lich stark und innig. Jesus konnte darum als Mensch von sich auch sagen: „Nicht einmal der Menschen­sohn kennt den Tag und die Stunde …“ und konnte echt beten: „Vater, … dieser Kelch möge an mir vorübergehen.“ Und: „Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“

Christ ist demnach nur, wer nicht nur glaubt, daß Christus der wahre und einzige GOTT ist, sondern auch das für absolut unabdingbar hält, daß Jesus Christus in jeder Beziehung ech­ter, wahrer MENSCH und damit un­ser BRUDER und damit unser ERLÖSER ist. Nicht als Gott hat Chri­stus uns erlöst, sondern als Mensch. „Wäre Gottes Sohn nur Got­tes Sohn geblieben, ohne Menschen­sohn zu werden, so hätte Er die Menschen­kinder nicht er­löst.“ (Augustinus s. 127,6,9; 38:710) „Hätte Er irgend etwas von der menschlichen Natur nicht ange­nommen, so hätte Er uns auch nicht erlösen können.“ (Hierony­mus, hom. in nat. Dom (Kös 15:217). „Der Logos schuldet dem Vater keinen Gehor­sam, sondern ist ein Herr und Gott mit ihm. Wenn er nun in einer Menschennatur ein Leben des freiwil­ligen Gehorsams vom ersten Eintritt in die Welt (Hebr. 10,5) an bis zum Kreuzestode (Phil 2,8) führt und als Sühne für uns (Mk 10,45) aufopfert, so wird aus unserer Mitte heraus überfließend mehr und Wert­volleres Gott dargeboten, als wir alle ihm an geschuldetem Gehorsam verweigert haben. Das Geheimnis der hyposta­tischen Union ist also, worauf schon seine frühesten patristischen Verteidi­ger hinweisen, das eigentliche Funda­ment für die Möglichkeit der vollkommenen und überfließenden Sühneleistung im Erlösungswerk Chri­sti.“ (Lex. f. Theol. u. Kirche, Her­der, 1933)

Das letzte, das entscheidende Verständnis Seiner Person kann uns nur Jesus Selbst aufschließen. Es hat nie Menschenworte gegeben, die es an Würde und Machtgefühl aufneh­men könnten mit den Worten und Gesten, in denen das göttliche Selbst­bewußtsein Jesu aufblitzte. Nie hat ein Mensch mit solchem Bewußtsein vor der Welt gestanden. Keine natürlichen Entwicklungen können einen Menschen auf jene Höhe führen, auf der Jesus steht. Die Natur baut keine Jakobsleiter zu dem Thron hin, auf dem der Messias thront. Man versuche es einmal und streiche alle Worte aus Christi Mund, aus denen ein Schimmer übermenschlicher Größe und Macht leuchtet, alle Aussprüche, welche von Seiner eigenen Erhabenheit und Gottheit handeln, alle Taten, die als Wunder und Erfüllung der Weissagungen bezeichnet werden: was bleibt dann von Seinen Worten überhaupt noch übrig?

Und so bestimmt, so selbst­verständlich, so natürlich, wie Er von Gott als Seinem Vater sprach, konnte nur der reden, der Gott in dem Lichte Seiner eigenen Seele schaute, der nicht uns andern gleich nur durch äußere Vermittlung zu einem tieferen Gottesbewußtsein eingeführt wurde. Es gibt nichts Hohes und Heiliges im Alten Bund, nicht einmal seinen Tempel, nicht einmal seinen Sabbat, ja nicht einmal sein Gesetz, was nicht Seinem Willen und Seiner Vollmacht unterstünde. In dem einen kleinen Wort vom Menschensohn, in dem Schlichtesten, was Er von Sich aussagen konnte, in dem Namen „Mensch“ verbargen Sich Ihm die ungeheuersten Spannungen Seines Selbstbewußtseins. Bis zum Himmel weiß Sich Jesus erhöht, und in den Staub der Erde sieht Er Sich hinabgestoßen. Er ist gekommen zu herrschen. Er ist gekommen zu dienen, zu sterben. König des Himmels ist Er und Mensch, ja Sklave der Menschen zugleich.

Wer hier erschrickt, wer nicht mehr weiter kann und an dem Paradox zusammenbricht: Gott, der Allvoll­kommene, Allheilige, der Unendliche ist ein Mensch, ein Jude, ein Zimmermann, ein Verurteilter, ein Gekreuzigter: solch ein Schiffbrüchi­ger mag doch wohl noch gläubiger und frömmer sein als einer, der all das gelassen zur Kenntnis nimmt und teilnahmslos sein Credo spricht, oder gar als einer, der sich erfrecht, Jesu Selbstaussagen als unschuldige Floskeln, als harmlose Übersteige­rungen eines exzentrisch frommen Gemüts auszugeben und vor der edlen Menschlichkeit Jesu seine Verbeugung zu machen.

Jesus starb, Jesus mußte sterben, weil die Menschen zu klein und zu eng, zu stumpf und zu niedrig waren, um Sein Hohes, Himmlisches zu erfassen.

„Entweder ist Jesus Christus wirklich wahrer Gott oder die christliche Religion ist in ihrem innersten Kerne gotteslästerlicher Trug, und ihr Stifter selbst war ein Bösewicht oder Wahnwitziger; das ist aber für alle, die denken können und wollen, ein vollgültiger Beweis sowohl für die Gottheit Christi als auch für die Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums.“ (Kleutgen, Theol. d. Vorzeit 3,17)

Da Christus also, wie hinreichend nachgewiesen, identisch mit GOTT ist, eines Wesens mit der höchsten unerschaffenen und allschöpferischen Ewigen Wesenheit, ist jeder Mensch ein (mindestens anonymer) Christ, der den Willen GOTTES (wenigstens im­pli­zit) (nach Maßgabe seines Erken­nens und seiner Willenskraft) erfüllt oder (grundsätzlich) zu erfüllen trachtet. Um Christ zu sein, ist also weder das konkrete Wissen um Christus, noch das explizite Bekennt­nis zu Ihm, noch die materielle Taufe etc. unabdingbare Voraussetzung. Das alles gab es einmal nicht. In den Zeiten vor Christus. Im Alten Bund. Und doch waren – schon vor Christi Geburt – ALLE „Gerechten“ jener frühen Epochen eigentlich auch CHRISTEN, d.h. in Christus (Vor-)Erlöste, nämlich Menschen, die an den GOTT glaubten, der dann „in der Fülle der Zeit“ in Jesus Christus Mensch und damit sichtbarer, „greif­barer“ Retter, Erlöser geworden ist, an den Gott, der schon damals Seinen Willen, Seine Gesetze (durch die Propheten) den Menschen zur Er­füllung und damit zu ihrem Heil auftrug, und schon damals ALLES auf CHRISTUS hin schuf und ordnete. Adam und Eva, Noah, Abraham, Moses, Esther und Judith, Anna und Joachim, etc. sie alle waren und sind also Erlöste, Gerettete, Heilige und darum auch CHRISTEN! Sie ohnehin. Aber nicht nur sie, sondern auch ALLE HEIDEN, die ohne eigene Schuld nichts (oder nicht Hin­reichendes) von der wahren Gottes­offenbarung, nichts (oder nicht genü­gend Überzeugendes) von Jesus Chri­stus als dem Gott-Menschen und Erlöser, nichts (oder nur Bruchstück­haftes) von seinem Evangelium (oder schon von seinem Protoevangelium), nichts (oder mehr Negatives) von seiner Kirche erfahren haben und erfahren, und die nach bestem Wissen und Gewissen ihr Leben an ihrem entsprechend dunklen, wenigstens aber aufrichtigen Glauben ausrichten. Alle, die „in unüberwindlicher Un­wissen­heit“ hinsichtlich der göttlichen (Voll-)Wahrheit „in Finsternis und Todesschatten“ sitzen, die unschuldi­gerweise falschen Philosophien und Religionen und Welt­anschauungen anhangen und so ihr kümmerliches, aber ehrliches, „gutartiges“, „gerech­tes“ Seelenleben fristen.

Christ ist also nicht nur, wer sich bewußt zu Christus bekennt und seine Lehre annimmt und erfüllt, sondern auch, wer sich unbewußt, eben implizit, d.h. einschlußweise, zu all dem bekennt und all das annimmt, und all das erfüllt, was GOTT direkt und indirekt in jedes Menschen Herz „verkündet“. So ist denn tatsächlich JEDER Mensch, sind ALLE Men­schen ohne Ausnahme erlöst oder vorerlöst.

Es gibt also eine wahre „All­erlö­sungs­lehre“. Aber sie darf nicht miß­verstanden und miß­deutet wer­den.

Wären wir alle unschuldig wie Kinder, wie (noch) unwissende und unvermögende Kleinkinder, dann bräuchten wir um unser ewiges Seelenheil keine Bedenken zu haben. Wir kämen alle (schließlich) in den Himmel. Und effektiv: ALLE Menschen, ALLE, auch die Ungetauften, also auch alle Heidenkinder, die gezeugt und emp­fangen werden, die nicht geboren oder geboren werden, die sterben oder getötet werden, ohne zum Vernunftalter (und damit zur Fähigkeit des [persönlichen] Sündigens, zur Auflehnung wider Gott) gelangt zu sein, sie ALLE sind notwendigerweise in Christus Erlöste und wie die Unschuldigen Kindlein von Bethlehem in Christus Geheiligte und Heilige. Und sie genießen ALLE die ewige Glückseligkeit. Um ihr Heil müssen wir also nicht fürchten. Das Kapitalverbrechen der Abtreibung (z.B.) ist nicht deshalb so entsetzlich und verabscheuungswürdig, weil die Dahin­geschlachteten ewig verloren­gingen, sondern weil sich die sie Ab­schlachtenden mit höchster Wahr­scheinlichkeit zur Hölle verdammen. Und wohlverstanden: die Unschuldi­gen Kindlein von Bethle­hem sind nicht deshalb Selige, weil sie etwa Judenkinder (also Kinder des „auser­wählten Volkes“) waren, und auch nicht, weil sie wegen Christus (um Christi willen) getötet wurden. Sie wären es auch, wenn sie völlig ohne Zusammenhang mit Jesus Christus irgendwo auf dieser Welt von einem Rohling oder einer ganzen Horde von Schlächtern gemordet oder von Krankheit oder Naturkatastrophen oder Unfällen aus dem Leben gerissen worden wären. Sie sind ganz einfach Selige, weil sie unschuldige Kindlein waren und als beseelte Geschöpfe Gottes in Christus Erlöste sind, solange sie sich nicht bewußt gegen Gott richten!

Noch einmal mit anderen Worten und ganz kurz gesagt: Gotteskind und damit in Christus Erlöster und damit Christ ist JEDER ins Dasein gerufene MENSCH, der nicht wissentlich und willentlich gegen seine Natur, gegen sein Gewissen, gegen Gott und damit gegen Christus steht.

Daraus folgt, daß ALLE jene keine Christen sind, die sich wider bessere Erkenntnis, d.h. schuldhaft, d.h. sündhaft gegen Christi Lehre und damit gegen GOTTES GESETZ oder gegen Gottes Gesetz und damit gegen CHRISTI LEHRE auflehnen. Und so wie ein Mensch, der ganz einfach die in allem grundgelegten Gesetze Gottes erfüllt, ein Christ ist, auch wenn er nicht getauft ist und vom christlichen Glaubensbekenntnis über­haupt nichts, oder nichts Ausdrück­liches, oder nur Unzureichendes weiß, so ist kein Christ derjenige Mensch, der in irgendeiner Form wesentlich wider diese Gesetze handelt, auch wenn er getauft ist, auch wenn er ein höchster Kirchenfürst ist. Kein Christ ist, wer „aus seinem Herzen eine Mördergrube macht“, wer also die Gnade(n) Gottes verschmäht, mit Füßen tritt, wer das Licht, das in ihn einfließt, mutwillig auslöscht, wer die Flamme erstickt, wer die Finsternis mehr liebt als das Licht. Kein Christ ist, wer, wenn er über Gott, über Christus Wahres erfährt, dieses Wahre dauernd abweist, wer sich auf jeden spürbaren Gnaden-Anruf hin ver­schließt, wer im Seelischen fortgesetzt wider seine Natur handelt.

Und noch einmal anders ausge­drückt: Christ ist, wer nach dem Maße seiner Einsicht und seiner Fähigkeiten und seiner Mittel und seines Handlungsspielraums sich als Ge­schöpf und Kind GOTTES fühlt und benimmt und deshalb alles Gute anstrebt und alles Böse meidet und flieht und bekämpft.

Man kann es auf einen noch kürze­ren Nenner bringen: Christ ist, wer guten Willens ist. Der gute Wille ist das Ausschlaggebende. Wer guten Willen hat, kann (objektiv, materiell) noch so sehr auf Dunkel- und Irrwe­gen gehen, er strebt unweigerlich Christus, dem Lichte, dem Himmel zu. Wer bösen Willen hat hingegen, kann (physisch) noch so sehr in Christi Nähe weilen, er driftet ab, gleitet weg von Ihm, vom Heil. Darum sangen die Engel, „die große himmlische Heer­schar“ in ihrem Weihnachts-Gotteslob vor den staunenden Hirten: „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!“ „Et in terra pax hominibus bonae voluntatis„. ALLE Menschen, die guten Willens sind, werden also von den Himmelsboten mit dem Friedensgruß seitens GOT­TES beehrt. Das heißt nichts anderes, als daß GOTT diese Menschen als seine „aktuellen“ Kinder betrachtet, ob sie nun zum „Auserwählten Volk“ gehören oder nicht, ob sie Heiden sind oder Juden, ob sie einem „götzendienerischen Volk“ angehören oder nicht, ob sie eine richtige Gottesvorstellung haben oder nicht, ob sie unwissend und voller Vorurteile sind oder nicht, usw. Wichtig und wesentlich ist, daß sie guten Willen haben. Nicht der „Ausgangsort“ und „flüchtige Standort“ ist also maß­geblich, sondern die (Aus-)Richtung, die jemand hat. Guter Wille ist Aufbruch zu dem, wozu und wofür wir geschaffen sind, ist Aufstieg, ist Streben nach oben, ist Fortschreiten zum Besseren, ist Annäherung an den Bestimmungsort. Böser Wille ist Abstieg zu den Tiefen, ist Drang nach unten, ist Hang und Gang zum Schlechteren, ist Entfernung vom Ziel. „Selig, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit…; selig, die ein reines Herz haben…“ Guter Wille ist immer Verlangen nach der Ge­rechtig­keit, d.h. nach der Ordnung GOTTES. Und diese Ordnung ist Klarheit, ist Reinheit von allem „Unstimmigen“.

„Der Mensch sieht aufs Äußere, der Herr aber schaut ins Herz.“ (I Sm 16,7) „Die Gesinnung gibt den Aus­schlag, ob eine Gabe reich ist oder dürftig, sie gibt den Dingen ihren Wert.“ (Ambrosius) „Auf der Waage der göttlichen Gerechtigkeit werden die Gaben nicht nach ihrer Menge, sondern nach dem Maße der dabei gezeigten Gesinnung gewogen.“ (Leo d. Gr.) „Was du (tun) willst und nicht (tun) kannst, das rechnet dir Gott als geleistet an.“ (Augustinus) In diesem Sinne können wir sogar noch weiter gehen und sagen: „Was du sein und tun würdest, wenn du erführest, erkänntest und dann wolltest, das rechnet dir Gott als erreicht und geleistet an.“ „Gott fragt nach der Wurzel, nicht nach der Blu­me.“ (Augustinus) „Gott wägt die Handlung mehr nach der Meinung ab, in der sie geschieht, als nach der Größe des verrichteten Wer­kes.“ (Nachfolge Christi) Gott veran­schlagt auch die allgemeine, grundsätzliche, dauernde Disponiert­heit mehr als die ausdrücklich gefaßte Partikular-Meinung. „Willst du wissen, ob dein Tun, sei es inneres oder äußeres, göttlich ist oder nicht und ob Gott es wirkt in dir: sieh zu, ob Gott das Ziel in deinem Denken ist; wenn ja, so ist dein Wirken gut. (Eckehart) „Alles, was zum Ziel bezogen ist oder der Richtung auf das Ziel entspricht, ist eben dadurch gut. Alles, sage ich, ist gut durch die Ordnung auf Gott als das letzte Ziel.“ (Derselbe)

Was aber ist konkret „guter Wille“? Guter Wille ist das aufrichtige Wollen (Anstreben) des als (sittlich) gut, als ein (sittlich) Gutes, als das Gute Erkannten. Guter Wille ist die ständi­ge Bereitschaft und Entschlossenheit, das eigene Verhalten und Handeln am eigenen Gewissen auszurichten, mit dem Gewissen in (völlige) Übereinstimmung zu halten und zu bringen. Böser Wille ist logischer­weise das Gegenteil davon. Böser Wille ist das mutwillige, vorsätzliche Nicht Wollen des als moralisch Gesollten Erkannten. „Wenn der Wille das höhere Gut darangibt und sich einem niederen zuwendet, wird er böse; nicht weil der Gegenstand, zu dem er sich wendet, schlecht ist, sondern weil die Hinwendung selbst­verkehrt ist.“ (Augustinus) „Nie ist etwas nützlich, wenn es nicht gleichzeitig sittlich gut ist. Und nicht, weil es nützlich ist, ist etwas sittlich gut, sondern weil es sittlich gut ist, ist es auch nützlich.“ (Cicero)

Wenn die Heiden, die das Gesetz nicht haben, aus natürlichem Antrieb die Forderungen des Gesetzes erfül­len, so sind sie, weil sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie beweisen, daß der Kern des Geset­zes in ihr Herz geschrieben ist. Ihr Gewissen bezeugt es ihnen durch die Gedanken, die sie teils anklagen, teils verteidigen, am Tage, da Gott das verborgene Tun der Menschen nach meinem Evangelium durch Jesus Christus richten wird.“ (Röm 2,14-16) „Zwei Lehrer sind uns von Anfang an mitgegeben, die beide, auch ohne Worte, die Menschen unterweisen: die geschaffene Welt und das eigene Gewissen.“ (Chrysostomus) „Wie wir unsere erste Kenntnis der äußern Welt durch die Sinne haben, so beginnt unser Lernen von Gott dem Herrn durch das Gewissen … Hier sind es die sich immer wieder­holenden Erfahrungen des Gewis­sens, die uns ganz unaufdringlich den Willen eines Überlegenen nahe­bringen und uns zur immer deut­licheren Überzeugung von dem Da­sein eines höchsten Gesetzgebers führen, von dem die einzelnen Mahnungen und Befehle ausge­hen.“ (Newman)

Ein Missionar fragte einen alten Heiden in Indien: „Wenn euch jemand euer Geld stiehlt, begeht der eine Sünde?“ „Natürlich!“ „Und wenn je­mand einen andern umbringt, ist das eine Sünde?“ „Gewiß!“ So ging der Pater die meisten Gebote durch und sagte dann: „Ihr habt alle die Gebote Gottes gewußt, wer hat euch denn die gelehrt?“ „Gott.“ „Gott hat aber doch noch nie zu euch gesprochen.“ Da wies der Mann auf seine Brust: „Da drin, da drin!“ Es war ein verachteter Paria, der nicht lesen und schreiben konnte!

Christ ist also jeder, der natürlich gut ist. Auch wenn er von Christus nichts weiß. Weil das Natur-Gesetz vollends übereinstimmt mit Christi offenbartem Gesetz. Weil er nur dann „natürlich gut“ ist, wenn er die Botschaft von Christus sofort annehmen würde, wenn er sie (richtig) erführe. Denn: „Die heilige Mutter Kirche hält fest an der Lehre: Der Mensch kann Gott, den Ursprung und das Endziel aller Dinge, durch das natürliche Licht seiner Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewißheit erkennen. «Denn das Unsichtbare an ihm erschaut der denkende Verstand seit Erschaffung der Welt in seinen Werken.» (Röm 1,20) Indes hat es der Weisheit und Güte Gottes gefallen, Sich selbst und die ewigen Ratschlüsse Seines Willens dem Menschengeschlecht auch auf einem andern, dem übernatürlichen Weg zu offenbaren.“ (I Vaticanum, de fid. cath. 2,12 (D 1785) Aber eben: „Viele, die draußen (außerhalb der heils­notwendigen Kirche) zu sein schei­nen, sind drinnen; viele, die drinnen zu sein scheinen, sind drau­ßen.“ (Augustinus) „Der vielberufene Satz («Außer der Kirche kein Heil») bedeutet, daß in der gegenwärtigen Heilsordnung alle Erlösungsgnaden nur mit Hinblick auf Christus und Seine wahre Kirche gespendet werden, daß somit alle, die gerettet werden, wenigstens innerlich (voto, d.h. durch ihre Bereitschaft, alles zu tun, was Gott verordnet hat) zur Kirche Christi gehören müssen. Von der äußern Zugehörigkeit zur katholischen Kirche gilt der Satz nur relativ, d.h. für alle diejenigen, die zur Erkenntnis der Wahrheit und Heils­notwendigkeit dieser Kirche gelangt sind.“ (Pribilla)

Und nochmals anders kann man den Christen vom Nicht­christen unter­schei­den:

Gott ist die Liebe. Und all sein Sein und Wirken ist nichts als LIEBE. Und ALLES, was aus Ihm hervorgeht, ist LIEBE. Wer also die(se) Liebe hat und in der (in dieser) Liebe bleibt, der ist aus Gott und bleibt in Gott, ist also Geschöpf und Kind Gottes und damit kern- und wesenhaft CHRIST.

Der hl. Kirchenvater Augustinus hat in der Osterwoche des Jahres 416, also „auf dem Höhepunkt seiner bischöf­lichen Wirksamkeit und seines geistigen Lebens“, in der Kathedrale zu Hippo (Nordafrika) eine Reihe von Predigten über den ersten Johannesbrief gehalten, die zum Schön­sten gehören, was wir vom diesem großen lateinischen Kirchenlehrer besitzen. Sie behandeln sein Lieblingsthema, den Zen­tral­gegen­stand seiner ganzen Theologie: die Liebe, die Caritas.

Vielleicht die wertvollste dieser Pre­digten ist die fünfte, der die folgende Auswahl entnommen ist. Ich entlehne sie der Übersetzung von Dr. Fritz Hofmann, der vor Jahrzehnten die Predigten des hl. Augustinus über den ersten Johannesbrief unter dem Titel „Gott ist die Liebe“ als Band der Samm­lung „Zeugen des Wortes“ herausge­geben hat. Da es sich dabei um einen Kommentar des Textes der johannei­schen Epistel handelt, schicke ich die in Betracht kommenden Abschnitte nach der Übersetzung von Rösch voraus:

«Wer aus Gott geboren ist, tut keine Sünde. Sein Lebenskeim bleibt in ihm. Er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Daran erkennt man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels: Wer das Rechte nicht tut, ist nicht aus Gott. Ebensowenig, wer seinen Bruder nicht liebt. Das ist ja die Botschaft, die ihr von Anfang an gehört habt: Wir sollen einander lieben. Nicht wie Kain, der vom Bösen herkam und seinen Bruder erschlug. Und warum erschlug er ihn? Weil sein Tun böse war, das seines Bruders aber gerecht. Wundert euch nicht, Brüder, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tode zum Leben gekommen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer keine Liebe hat, bleibt im Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder. Und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben in sich trägt. – Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß er sein Leben für uns hingegeben hat. So müssen auch wir das Leben für unsere Brüder hingeben. Wer die Güter der Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht, und doch sein Herz vor ihm verschließt: wie kann in dem die Liebe Gottes wohnen? Kinder, laßt uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (1 Jo. 3,9-19) 

Dazu nun der Kommentar, die Aus­­legung des hl. Augustinus:

Dieser (Johannes-) Brief, der allen köstlich ist, deren Herz einen gesunden Geschmack hat, Gottes Brot zu schme­cken, und der in der heiligen Kirche Gottes in hohem Ansehen steht, legt besonders die Liebe ans Herz. Von nichts anderem fast spricht er ja als von der Liebe. Wer ein inneres Organ zum Hören hat, wird mit Freude darauf horchen müssen. So wird diese Lesung ihm sein wie Öl ins Feuer. Wenn da etwas ist, das genährt werden kann, dann erhält es Nahrung und wächst und bleibt. Desgleichen soll es für manche so sein wie Feuer auf den Zunder, so daß er, wenn er vorher nicht brannte, durch die Predigt entzündet wird. Denn bei den einen findet Nahrung, was bereits da ist, bei den andern wird entflammt, was noch fehlt, so daß wir alle in einer einzigen Liebe unsere Freude finden. Wo aber die Liebe ist, da ist der Friede; und wo die Demut ist, da ist die Liebe. So wollen wir ihn jetzt hören und auch zu euch über seine Worte reden, was der Herr eingibt, auf daß ihr sie recht versteht.

Die Liebe also empfehlen wir; die Liebe empfiehlt dieser Brief. Nur um das eine fragt der Herr nach der Auferstehung den Petrus: „Liebst du mich?“ Und es war ihm nicht genug, einmal zu fragen; ein zweites und ein drittes Mal stellt er keine andere Frage. Obgleich Petrus die dritte Frage als Kränkung empfand, als wollte er ihm nicht glauben, als wüßte er nicht, was in ihm vorging, fragte er ihn dennoch ein erstes, zweites, drittes Mal. Dreimal verleugnete die Furcht, dreimal bekann­te die Liebe. Siehe, Petrus liebt den Herrn. Was wird er ihm geben? Beunruhigt nicht auch ihn jenes Psalmwort: „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was er mir getan hat?“ Der Sänger des Psalmes dachte nämlich daran, wieviel Gott ihm gegeben hatte; und er fragte, wie er es Gott vergelten sollte, und fand keine Antwort. Alles, womit du ihm vergelten willst, hast du ja von ihm empfangen, um es ihm zu geben. Und was fand er zur Vergeltung? Wir sagten es schon, Brüder, was er von ihm empfangen hatte, das fand er als Gegengabe. „Den Kelch des Heiles will ich ergreifen, und den Namen des Herrn will ich an­rufen“ (Ps.115,12f). Denn wer sonst hatte ihm den Kelch des Heils gegeben als der, dem er vergelten wollte? Den Kelch des Heils ergreifen und den Namen des Herrn anrufen, das heißt aber an der Liebe sich sättigen und sich in einem solchen Maße sättigen, daß du den Bruder nicht nur nicht hassest, sondern bereit bist, für den Bruder zu sterben. Das ist die vollkommene Liebe, daß du bereit bist, für den Bruder zu sterben. Diese Liebe hat der Herr für seine eigene Person getätigt, da er für alle starb und für seine Kreuziger betend die Worte sprach: „Vater, verzeihe ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Luk 23,34). Aber er war nicht der Meister, wenn er allein dies tat, wenn er keine Schüler hatte. Es folgten ihm die Schüler und handelten ebenso. Gesteinigt wurde Stephanus und betete gebeugten Knies: „Herr, rechne es ihnen nicht zur Sünde an!“ (Apg. 7,59). Er liebte die, von denen er getötet wurde, weil er ja sogar für sie starb. Höre auch den Apostel Paulus: „Ich selbst will mich hingeben für euere Seelen“ (2 Kor. 12,15). Er war ja unter denen, für die Stephanus Fürbitte eingelegt hatte, als er durch ihre Hand starb. Das also ist die vollkommene Liebe. Wenn einer so große Liebe hat, daß er bereit ist, für den Bruder sogar zu sterben, dann ist die Liebe in ihm vollkommen. Ist sie aber, sobald sie entsteht, auch schon ganz vollkommen? Nein! Damit sie vollkommen werde, wird sie geboren; ist sie geboren, wird sie genährt; durch die Nahrung wird sie gekräftigt; wenn sie gestärkt ist, dann wird sie vollendet. Wie aber spricht sie, wenn sie vollkommen geworden ist? „Leben ist für mich Christus und Sterben Gewinn. Ich wünschte aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein; denn das ist bei weitem das Bessere. Das Verbleiben aber im Fleisch ist notwendig um euretwillen“ (Phil. 1,21,23f). Um derentwillen, für die er bereit war zu sterben, wollte er leben.

(Ist die Deutung des Wortes, daß „jeder der aus Gott geboren ist, keine Sünde tut“, auf die Liebe, bzw. die Sünde gegen die Liebe auch nicht willkürlich, sondern sachlich begründet?) Möge also Johannes uns belehren, welche Sünde er meint, damit nicht etwa nur ich aufs Geratewohl erkläre, daß diese Sünde in der Verletzung der Liebe liege, weil er vorher sagte: „Wer seinen Bruder haßt, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat“ (2,11). Vielleicht weist Johannes im Folgenden ausdrücklich auf die Liebe hin. Seht, daß jener zusammengehörige Textabschnitt dieses Ende hat, diesen Ausgang nimmt: «Jeder, der aus Gott geboren ist, sündigt nicht; denn sein Same bleibt in ihm.» Der Same Gottes ist das Wort Gottes, weshalb der Apostel sagt: «Durch das Evangelium habe ich euch gezeugt» (1 Kor. 4,15). «Ja, er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.» Sage er also und sehen wir, worin er nicht sündigen kann! «Darin sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder, der nicht gerecht ist und der seinen Bruder nicht liebt, ist nicht von Gott» (3,9f). Jetzt ist es offenbar, weshalb er sagt: «Wer seinen Bruder nicht liebt.» Die Liebe allein scheidet die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Mögen alle mit dem Zeichen des Kreuzes sich bezeichnen; mögen alle antworten Amen; mögen alle Alleluja singen; mögen alle getauft werden, in die Kirche eintreten – der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig in der Liebe. Die die Liebe haben, sind aus Gott geboren; die sie nicht haben, sind nicht aus Gott geboren. Ein großes Zeichen, eine große Unter­schei­dung! Habe, was immer du willst. Hast du dies eine nicht, nützt es dir nichts; wenn du anderes nicht hast. so habe nur dies, und du hast das Gesetz erfüllt. «Denn wer den Nächsten liebt, der hat das Gesetz erfüllt», sagt der Apostel und: «Die Fülle des Gesetzes ist die Liebe» (Röm.13,8.10). Ich glaube, daß das die Perle ist, die der Kaufmann nach der Schilderung des Evangeliums gesucht hat, jene Perle, die er fand und für die er alles verkaufte, was er hatte, und die er erwarb (vgl. Matth.13,46). Das ist die kostbare Perle, die Liebe, ohne die dir nichts nützt, soviel du auch hast; und die dir genügt, wenn du sie und sonst nichts besitzest. Jetzt siehst du im Glauben, dereinst wirst du in der Schau sehen. Denn wenn wir lieben, wo wir nicht sehen, wie werden wir erst umfangen, wo wir sehen?

Aber wie müssen wir uns darauf üben? Durch die Bruderliebe. Du kannst mir sagen: Ich habe Gott nicht gesehen! Kannst du mir etwa auch sagen: Ich habe den Menschen nicht gesehen? Liebe den Bruder! Denn wenn du den Bruder, den du siehst, liebst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe schauen, und in ihrem Innersten wohnt Gott.

«Wer nicht gerecht ist und wer seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott. Denn das ist die Kunde» – höre, wie er es bekräftigt: «Denn das ist die Kunde, die wir von Anfang an vernommen haben, daß wir einander lieben sollen» (3,10f). Er macht es uns vollkommen klar, daß er mit Bezug darauf sagt: Wer gegen dieses Gebot handelt, der ist in jener verwerflichen Sünde, in die solche nicht fallen, die aus Gott geboren werden.

«Wundert euch nicht, Brüder, wenn euch die Welt haßt» (3,13). Wie oft muß ich es euch noch sagen, was die Welt ist? Die Welt in schlechtem Sinn sind jene, die die Welt lieben; die Welt in gutem Sinn sind Himmel und Erde und was an Werken Gottes darin ist. Darum heißt es: «Und die Welt ist durch ihn gemacht wor­den» (Joh. 1,10). Ebenso ist die Welt die ganze Erde, wie Johannes sagt: «Der Versöhner ist er nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt» (2,2). „Welt“ meint hier alle Gläubigen, die über den Erdkreis hin verstreut sind. Die Welt in schlechtem Sinn aber sind die, welche die Welt lieben. Die die Welt lieben, können den Bruder nicht lieben.

«Wenn uns die Welt haßt, so wissen wir» -was wissen wir?: «Daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind.» Woher wissen wir es? «Weil wir die Brüder lieben.» Niemand frage einen andern Menschen, jeder halte Einkehr in sein Herz! Wenn er dort die Bruderliebe findet, so sei er ohne Sorge; denn er ist vom Tod zum Leben übergegangen. Schon ist er auf der rechten Seite; nicht achte er darauf, daß seine Herrlichkeit jetzt verborgen ist; wenn der Herr kommt, dann wird das Leben in Herrlichkeit erscheinen. Schon jetzt besitzt er das Leben, aber noch wie im Winter. Die Wurzel ist voll Lebenskraft, aber die Zweige sind gleichsam noch dürr; innen ist das Mark, in dem der Saft quillt, innen sind die Blätter der Bäume, innen die Frucht; sie warten nur auf den Sommer. Also «wissen wir, daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, der bleibt im Tode» (3,14). Glaubt nicht, Brüder, daß es nicht darauf ankomme, zu hassen oder nicht zu lieben; hört noch, was folgt: «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmörder.» Wird also einer, der seinen Bruder nicht achtet, auch den Menschenmord in seinem Herzen schon gering achten? Er rührt die Hand nicht, um einen Menschen zu töten, und schon wird er vom Herrn für einen Mörder gehalten; jener lebt, und dieser wird bereits als Mörder verurteilt. «Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschen­mörder; und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben hat, das in ihm bleibt» (3,15).

«Daran erkennen wir die Liebe», die Vollkommenheit der Liebe meint er, jene vollkommene Liebe, die wir euch ans Herz gelegt haben; «Darum erkennen wir die Liebe, daß jener für uns sein Leben eingesetzt hat; und so müssen auch wir das Leben für unsere Brüder einset­zen» (3,16). Nun sieh den Sinn des «Petrus, liebst du mich? Weide meine Schafe!» Damit ihr wißt, daß er nach seinem Willen seine Schafe so leiten sollte, daß er sein Leben für sie einsetzte, fügte er sogleich hinzu: «Da du ein Jüngling warst, gürte­test du dich selbst und gingest, wohin du wolltest; wenn du aber älter geworden bist, wird ein anderer dich gürten und wird dich bringen, wohin du nicht willst. Das aber sagte er – bemerkt der Evangelist –, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde“ (Joh. 21,156), um den zu lehren, daß er sein Leben für seine Schafe einsetzen müsse, zu dem er gesagt hatte: «Weide meine Schafe».

Wo aber nimmt die Liebe ihren Anfang, Brüder? Worin sie vollendet wird, das habt ihr gehört. Ihr Ziel und Maß hat der Herr selbst im Evangelium nahegelegt: «Eine größere Liebe hat niemand, sagt er, als daß er sein Leben hingibt für seine Freunde» (Joh. 15,13). Ihre Vollendung also zeigt er im Evangelium. Doch ihr fragt euch: Können wir je diese Liebe haben? Verzweifle nicht vorschnell! Vielleicht ist sie schon geboren, aber nur noch nicht vollendet; nähre sie, damit sie nicht ersticke! Doch du wirst mir sagen: Woher kann ich das wissen, daß sie in mir schon geboren ist? Von der Vollendung der Liebe haben wir gehört; vernehmen wir nun ihren Anfang! Johannes fährt fort mit den Worten: «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder hungern sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie wird die Liebe Gottes in ihm bleiben kön­nen?» (3,17) Siehe da, wo die Liebe ihren Anfang nimmt! Wenn du noch nicht bereit bist, für den Bruder zu sterben, so solltest du doch schon bereit sein, dem Bruder von deinen Gütern mitzu­teilen. Möge die Liebe dein Herz bewegen, daß du nicht aus Ruhmsucht, sondern aus lauterster Barmherzigkeit handelst, daß du ihn rein in seiner Bedürftigkeit siehst. Denn wenn du dem Bruder nicht einmal von deinem Überfluß geben kannst, kannst du dann für ihn dein Leben einsetzten? An deinem Busen birgst du das Gold, das dir Diebe stehlen können; und wenn es nicht Diebe wegnehmen, wirst du es im Tode lassen müssen, auch wenn es dich bei Lebzeiten nicht verläßt. Was wirst du also tun? Es hungert dein Bruder, er befindet sich in einer Notlage; viel­leicht ist er in großer Verlegenheit, von einem Gläubiger bedrängt; er besitzt selbst nichts, du hast etwas: Dein Bruder ist er; zumal seid ihr erkauft um den nämlichen Preis, beide seid ihr durch das Blut Christi erlöst; sieh, daß du dich seiner erbarmst, weil du weltliche Güter hast! Was geht das mich an?, sagst du vielleicht. Soll ich mein Geld hingeben, damit jener vor einer Unan­nehmlichkeit bewahrt bleibt? Wenn dir dein Herz so antwortet, dann bleibt die Liebe des Vaters nicht in dir. Wenn die Liebe des Vaters nicht in dir bleibt, bist du nicht aus Gott geboren. Wie kannst du dich da rühmen, ein Christ zu sein? Den Namen hast du wohl, die Taten hast du nicht. Wenn du aber mit dem Namen die Tat verbindest, dann mag einer dich einen Heiden schelten, du erweisest dich durch die Tat als Christ! Denn wenn du dich nicht im Werk als Christ erweisest, mögen alle dich einen Christen nennen, was nützt dir der Name, wo dir die Wirk­lichkeit fehlt? «Wer aber die Güter der Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt, wie kann die Liebe Gottes in einem solchen blei­ben?» Und Johannes fährt fort: «Kindlein, nicht nur im Worte und nicht bloß mit der Zunge laßt uns lieben, sondern in der Tat und in der Wahrheit!» (3,18)

Paul O. Schenker