Papst in Malmö: „Heilige sind wirklich glücklich“

ap3723719_articolo

Papstmesse in Malmö: Viele katholische Pilger sind angereist, hier eine Ordensschwester aus Dänemark

An Allerheiligen erinnerte der Papst in Schweden daran, was Heilige eigentlich sind: Jene, die „wirklich glücklich sind“. Das sagte er in seiner Predigt bei der Heiligen Messe am Dienstag im Swedbank Stadion von Malmö. Der zweite Reisetag in dem skandinavischen Land hat pastoralen Charakter: Er war der katholischen Minderheit Schwedens gewidmet.Tausende Gläubige waren in das Stadion gekommen, das dennoch lange nicht ganz gefüllt war: Katholiken sind in Schweden eine Minderheit – wie im Übrigen in ganz Skandinavien. Dennoch wächst die katholische Gemeinschaft – vor allem dank der vielen Gastarbeiter, die aus katholischen Ländern des Südens in den Norden gehen. Das bemerkte man an diesem Dienstag auch im Stadion von Malmö, wo etliche Gläubige Fähnchen ihrer Ursprungsländer schwenkten. Der Gast aus Rom, der auf einem Papamobil in das Stadion einfuhr und die Gläubigen am Rande des Spielfelds grüßte, wurde so also herzlich empfangen.

In seiner Predigt ging der Papst auf das Hochfest Allerheiligen ein. Er sprach nicht über die „offiziellen“ Heiligen, die von der Kirche schon zur Ehre der Altäre erhoben worden waren, sondern über jene, die ein „einfaches und verborgenes Dasein“ geführt hätten. Diese stillen Zeugen hätten „aus Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen“ ein heiliges Leben geführt. Grundelement dieser Heiligkeit sei ihre „Selbstvergessenheit“ und die „völlige Hingabe“ an den Nächsten. Franziskus nannte hier Mütter und Väter, „die sich für ihre Familien aufopfern und bereitwillig auf viele Dinge, viele Vorhaben oder persönliche Pläne verzichten“. Ihm sei bewusst, dass dies nicht immer leicht sei.

Was die Heiligen kennzeichne, sei, „dass sie wirklich glücklich sind“, so der Papst weiter. „Sie haben das Geheimnis dieses echten Glücks entdeckt, das auf dem Grund der Seele wohnt und dessen Quelle die Gottesliebe ist. Darum werden die Heiligen seliggepriesen.“ Bei den Seligpreisungen handele sich um den „Weg des Lebens, den der Herr uns lehrt, damit wir seinen Spuren folgen“, erläuterte Franziskus.

Ausgehend vom Tagesevangelium aus dem Matthäusevangelium, in dem es um Jesus auf dem Berg am See von Galiläa geht, wo er vor einer großen Menschenmenge die Seligpreisungen verkündete, erläuterte der Papst: „Die Seligpreisungen sind das Profil Jesu, und darum sind sie das Profil des Christen.“ Insbesondere die Sanftmut sei eine Seins- und Lebensweise, „die uns Jesus näher bringt und uns miteinander vereint sein lässt“, so der Papst. Er erinnerte an das Beispiel der vor Kurzem heiliggesprochenen Maria Elisabeth Hesselblad und an die heilige Birgitta von Schweden, die Mitpatronin Europas. „Sie beteten und arbeiteten, um Bande der Einheit und Gemeinschaft unter den Christen zu knüpfen“, so der Papst – dies könne auch heute Vorbild sein, fuhr er mit Blick auf das Reformationsgedenken fort. Die Seligpreisungen seien „in gewisser Weise der Personalausweis des Christen“ , der den Gläubigen als Anhänger Jesu ausweise. Dazu gehörten die Werke der Barmherzigkeit, wie etwa die Nähe zu ausgegrenzten und an den Rand gedrängten Menschen.

(rv 01.11.2016 mg)

Ökumenische Erklärug: „So dass die Welt glaube“

ap3723022_articolo

Ökumenische Feier in Malmö

Katholiken und Lutheraner wollen gemeinsam die Barmherzigkeit Gottes bezeugen, und zwar durch den Dienst für die Welt: Das ist der Kern der Absichtserklärung, welche der World Service des Lutherischen Weltbundes und Caritas Internationalis an diesem Montag in Malmö im Beisein von Papst Franziskus unterzeichnet haben.

Caritas Internationalis ist die Konföderation aller nationalen Caritas-Verbände, gleichzeitig agiert der Dachverband für die Weltkirche. Der World Service ist der diakonale Arm des Weltbundes und auch direkt vor Ort engagiert, vor allem in der Hilfe für Flüchtlinge.

Die Absichtserklärung betont, dass „Ökumenisches Engagement für die Einheit der Kirche nicht nur der Kirche dient, sondern der gesamten Welt, so dass die Welt glaube“, zitiert sie das Ökumene-Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“.

Aus religiösen Motivationen entstandene und handelnde Organisationen (FBOs, Faith Based Organisations) seien besonders geeignet, sich etwa für den Kampf gegen Armut einzusetzen, die internationale Gemeinschaft erwarte das sogar von den FBOs, heißt es in dem Text. Das Zeugnis für den Glauben, die Nöte der Welt und die Erwartungen der internationalen Gemeinschaft fallen also zusammen. „Unser Glaube treibt uns an, und in einer säkularisierten Welt macht das einen großen Unterschied“, so die Präambel des Textes. Und sie nennt besondere Eigenschaften: „Mut, Einsatz, Durchhaltefähigkeit, die Bereitschaft zum Risiko, der Glaube, dass Gott mit uns ist, um dem Bösen zu begegnen.“ Die beiden Organisationen wollten sich dazu die Hände reichen, ohne aber exklusiv zu sein.

Absicht, Zusammenarbeit, Konkretes

Die Erklärung nennt dann einige Punkte, in denen diese vertiefte Zusammenarbeit erreicht werden soll. So wolle man gemeinsam strategisch planen, Erkenntnisse austauschen und diese Erklärung in konkrete Zusammenarbeit vor Ort münden lassen.

Als Gebiete, die dabei besonders ins Blickfeld geraten, werden Flüchtlinge und Migranten genannt, außerdem der gemeinsame Einsatz für Friedensprozesse.

Die Absichtserklärung trägt die Unterschriften des Generalsekretärs von Caritas Internationalis, Michel Roy, und der Direktorin des World Service des Lutherischen Weltbundes, Maria Immonen.

 

(rv 31.10.2016 ord)

Die Papstansprache in der Arena von Malmö

ansa1098377_articolo

Der Papst in Malmö – ANSA

Wir dokumentieren hier die Papstansprache in der Sport- und Konzertarena von Malmö in der offiziellen deutschen Übersetzung, gehalten am 31. Oktober 2016 anlässlich einer ökumenischen Begegung.

*

Liebe Brüder und Schwestern,

ich danke Gott für dieses gemeinsame Gedenken des fünfhundertsten Jahrestags der Reformation, das wir mit einer erneuerten Mentalität und in dem Bewusstsein erleben, dass die Einheit unter den Christen eine Priorität ist. Denn wir erkennen, dass unter uns das, was uns eint, viel mehr ist, als das, was uns trennt. Der Weg, den wir unternommen haben, um zur Einheit zu gelangen, ist bereits ein großes Geschenk, das Gott uns macht, und dank seiner Hilfe sind wir heute hier versammelt – Lutheraner und Katholiken – in einem Geist der Gemeinschaft, um unseren Blick auf den einen Herrn Jesus Christus zu richten.

Der Dialog zwischen uns hat ermöglicht, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen, wechselseitiges Vertrauen zu schaffen und den Wunsch zu bekräftigen, auf die volle Gemeinschaft zuzugehen. Eine der Früchte, die dieser Dialog hervorgebracht hat, ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen des Lutherischen Weltbunds und der Katholischen Kirche. Dank diesem neuen Klima des Verständnisses werden die Caritas Internationalis und die Lutheran World Federation – World Service eine gemeinsame Erklärung über Vereinbarungen unterzeichnen, deren Ziel es ist, eine Kultur der Zusammenarbeit zur Förderung der Menschenwürde und der sozialen Gerechtigkeit zu entwickeln und zu festigen. Herzlich begrüße ich die Mitglieder beider Organisationen, die in einer durch Kriege und Konflikte zersplitterten Welt ein leuchtendes Beispiel der Hingabe und des Dienstes für den Nächsten waren und sind. Ich ermuntere sie, auf dem Weg der Zusammenarbeit weiterzugehen.

Aufmerksam habe ich die Zeugnisse angehört, wie ihr inmitten vieler Herausforderungen Tag für Tag hingebungsvoll euer Leben dem Aufbau einer Welt widmet, die immer mehr den Plänen Gottes entsprechen soll. Pranita hat von der Schöpfung gesprochen. Es stimmt, dass die ganze Schöpfung eine Manifestation der unermesslichen Liebe Gottes zu uns ist; darum können wir auch auf dem Weg über die Gaben der Natur Gott betrachten. Ich teile deine Bestürzung über die Missbräuche, die unserem Planeten, unserem gemeinsamen Haus, schaden und auch ernste Folgen für das Klima hervorrufen. Wie du richtig erwähnt hast, fallen die stärksten Beeinträchtigungen oft auf die Menschen zurück, die am verletzlichsten sind und über weniger Mittel verfügen und daher gezwungen sind auszuwandern, um sich vor den Auswirkungen des Klimawandels zu retten. Alle sind wir verantwortlich für die Bewahrung der Schöpfung, und in besonderer Weise wir Christen. Unser Lebensstil und unser Verhalten müssen mit unserem Glauben übereinstimmen. Wir sind berufen, für eine Harmonie mit uns selbst und mit den anderen, aber auch mit Gott und dem Werk seiner Hände zu sorgen. Pranita, ich ermutige dich, mit deinem Engagement für unser gemeinsames Haus fortzufahren.

Prälat Héctor Fabio Henao hat uns über die gemeinsame Arbeit informiert, die Katholiken und Lutheraner in Kolumbien vollbringen. Es ist eine gute Nachricht, zu erfahren, dass die Christen sich zusammentun, um gemeinnützige kommunale und soziale Prozesse ins Leben zu rufen. Ich bitte euch um ein besonderes Gebet für dieses wunderbare Land, damit unter Mitwirkung aller endlich der so ersehnte und für ein würdiges menschliches Zusammenleben so notwendige Friede erreicht werden kann. Möge es ein Gebet sein, das auch all die Länder mit einschließt, in denen schwere Konfliktsituationen fortdauern.

Marguerite hat uns auf die Arbeit für Kinder aufmerksam gemacht, die Opfer vieler Grausamkeiten sind, und auf den Einsatz für den Frieden. Es ist etwas Bewundernswertes und zugleich ein Aufruf, zahllose Situationen der Verletzlichkeit ernst zu nehmen, unter denen viele wehrlose Menschen – jene, die keine Stimme haben – leiden. Was du als eine Sendung betrachtest, ist ein Same gewesen, der reichlich Frucht gebracht hat, und dank diesem Samen können heute Tausende Kinder lernen, heranwachsen und die Gesundheit wiedererlangen. Ich danke dir dafür, dass du jetzt sogar im Exil weiter eine Friedensbotschaft vermittelst. Du hast gesagt, dass alle, die dich kennen, meinen, dass das, was du tust, ein Irrsinn ist. Freilich, es ist der Irrsinn der Gottes- und der Nächstenliebe. Könnte man doch nur diesen vom Glauben und vom Vertrauen auf die göttliche Vorsehung erleuchteten Irrsinn verbreiten! Mach weiter, und möge diese Stimme der Hoffnung, die du zu Beginn deines Abenteuers gehört hast, weiter dein Herz und das Herz vieler junger Menschen ermutigen!

Rose, die Jüngste, hat ein wirklich bewegendes Zeugnis gegeben. Sie hat es verstanden, aus dem Talent, das Gott ihr geschenkt hat, durch den Sport einen Nutzen zu ziehen. Anstatt ihre Kräfte in widrigen Situationen zu vergeuden, hat sie sie für ein gehaltvolles Leben eingesetzt. Während ich deine Geschichte anhörte, kam mir das Leben vieler Jugendlicher in den Sinn, die Zeugnisse wie das deine brauchen. Ich würde gerne daran erinnern, dass alle diesen wunderbaren Umstand, Kinder Gottes zu sein, und das Privileg, von ihm gewollt und geliebt zu sein, entdecken können. Rose, ich danke dir von Herzen für deine Bemühungen und deine Fürsorge, um andere Mädchen zu ermutigen, in die Schule zurückzukehren, und auch dafür, dass du alle Tage für den Frieden in dem jungen Staat Süd Sudan betest, der dieses Friedens so sehr bedarf.

Nachdem ich diese mutigen Zeugnisse gehört habe, die uns an unser eigenes Leben denken lassen und daran, wie ich auf Notsituationen reagiere, die es in unserer Nähe gibt, möchte ich allen Regierungen danken, die den Flüchtlingen, den Vertriebenen und den Asylsuchenden helfen, denn alle Taten zugunsten dieser Schutzbedürftigen sind eine wichtige Geste der Solidarität und der Anerkennung ihrer Würde. Für uns Christen ist es eine Priorität, den Ausgeschlossenen und an den Rand Gedrängten unserer Welt entgegenzugehen und die Zärtlichkeit und die barmherzige Liebe Gottes, der niemanden ausschließt, sondern alle aufnimmt, spürbar zu machen.

Gleich werden wir das Zeugnis von Bischof Antoine hören, der in Aleppo lebt, der vom Krieg ausgezehrten Stadt, wo sogar die grundlegendsten Rechte missachtet und mit Füßen getreten werden. Die Nachrichten sprechen uns täglich von dem unbeschreiblichen Leiden, das durch den syrischen Konflikt verursacht wird, der schon über fünf Jahre andauert. Inmitten von so viel Zerstörung ist es wirklich heldenhaft, dass dort Männer und Frauen ausharren, um Notleidenden materiellen und geistlichen Beistand zu bieten. Es ist auch bewundernswert, dass du, lieber Bruder, inmitten so vieler Gefahren weiterarbeitest, um uns von der dramatischen Situation der Syrer zu berichten. Jeder Einzelne von ihnen hat einen Platz in unserem Herzen und in unserem Gebet. Lasst uns die Gnade der Bekehrung der Herzen derer erflehen, die für die Belange jener Region die Verantwortung tragen!

Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns von den Widrigkeiten nicht niederdrücken! Mögen diese Geschichten uns motivieren und uns neuen Antrieb geben, immer mehr vereint zu arbeiten. Wenn wir nach Hause zurückkehren, lasst uns das Engagement mitnehmen, jeden Tag eine Geste des Friedens und der Versöhnung zu vollbringen, um mutige und ehrliche Zeugen der christlichen Hoffnung zu sein!

(rv)

Historisch: Ökumenischer Gottesdienst in Lund

rv20786_articolo

Ökumene in Lund: Papst Franziskus und Martin Junge, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, umarmen sich – RV

Vor genau 499 Jahren hat der Mönch Martin Luther in Wittenberg 95 Thesen veröffentlicht, die den Stein der Reformation ins Rollen brachten. Das Gedenkjahr zu 500 Jahren Reformation startete an diesem Montag mit einem ökumenischen Gottesdienst im schwedischen Lund – da, wo der Lutherische Weltbund seit 1947 seinen Sitz hat. Historische Premiere: Der Papst war dabei. Motto seiner Reise ins Innere der Ökumene: „Vom Konflikt zur Gemeinschaft – Gemeinsam in der Hoffnung“. Dieses Motto ist auch der Titel eines gemeinsamen Textes von Katholiken und Lutheranern, der eine einheitliche Perspektive auf die Reformation bietet.

„Laudate Dominum“, „Lobet den Herrn, alle Völker“: Mit einem Psalmgesang begann der außergewöhnliche Gottesdienst in der mittelalterlichen Kathedrale. Franziskus zog zusammen mit der lutherischen Erzbischöfin Antje Jackelén, dem katholischen Stockholmer Bischof Anders Arborelius und den Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbunds in das Gotteshaus ein. Das Event wurde live auf der Homepage des Weltbundes übertragen.

„Mehr als fünfzig Jahre lang waren Lutheraner und Katholiken auf einem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft“, sagte eingangs der lutherische Bischof Munib Younan, ein Palästinenser; er steht seit sechs Jahren an der Spitze des Weltbundes mit seinen 145 Mitgliedskirchen und –gemeinschaften. „Mit Freude können wir heute feststellen, dass das, was uns eint, viel mehr ist als das, was uns trennt. Unser gegenseitiges Verständnis und Vertrauen sind gewachsen.“

„Jesus, heile unsere Erinnerungen!“

„Wir kommen aus verschiedenen Denkrichtungen und mit den unterschiedlichsten Gefühlen“, nahm Kardinal Kurt Koch den Ball auf. Der Schweizer leitet den Ökumenerat des Vatikans. „Dank und Klage, Freude und Reue“, all das spiele beim Rückblick auf die letzten 500 Jahre eine Rolle.

„Wenn ein Glied leidet, dann leiden alle anderen mit“, zitierte schließlich Martin Junge, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, den heiligen Paulus. Lutherische Christen wollten sich an die Geschehnisse vor 500 Jahren „nicht ohne die Beteiligung ihrer katholischen Geschwister erinnern“.

„Jesus Christus, Herr der Kirche, heile unsere Erinnerungen!“, betete schließlich der Papst. „Hilf uns, die Gaben anzuerkennen, die die Reformation der Kirche gebracht hat, aber auch Reue zu fühlen über die Mauern, die wir gegeneinander hochgezogen haben, und führe uns zu gemeinsamem Zeugnis und Dienst für die Welt!“

Das Papstgebet gab den Ton für den Gottesdienst vor. Er hatte drei Teile: Dank, Reue, Verpflichtung zum gemeinsamen Engagement. Dank wurde laut für die „vielen theologischen und spirituellen Einsichten, die uns die Reformation geschenkt hat“ – eine Formulierung von Bischof Younan. Die gemeinsame Reue wiederum bezog sich darauf, dass „sich Lutheraner und Katholiken oft mehr auf das Trennende als auf das ihnen Gemeinsame konzentriert haben“ – eine Formulierung von Kardinal Koch. Und genau an diesem Punkt setzten auch die fünf Punkte ein, auf die sich Katholiken und Lutheraner künftig verpflichten wollen. „Wir wollen künftig alles aus der Perspektive der Einheit und nicht der Spaltung betrachten“, so lautet das erste der Versprechen, die in der Kathedrale verlesen wurden.

„Das ist ein Tag großer Verheißung“

„Nehmen wir uns mal einen Moment Zeit, um uns umzusehen“, sagte die lutherische Erzbischöfin Jackelén in einer kurzen Ansprache. „Sehen wir uns an und grüßen unsere Nachbarn – das ist ein Tag großer Verheißung… Wir feiern die großen Verheißungen des christlichen Glaubens: Reue befreit, das Destruktive kann überwunden werden, Heilung ist möglich, Gerechtigkeit geschieht, Friede wächst und Hoffnung überwiegt!“ In freier Rede sprach die Erzbischöfin, als einzige in Lund, auch das heikle Thema Interkommunion an. Die volle eucharistische Gemeinschaft sei das Ziel der ökumenischen Bemühungen, sagte sie. Doch auch ein gemeinsames Dokument, das Younan und der Papst unterzeichneten, sprach sich für verstärktes Nachdenken über Wege zur gemeinsamen Kommunion aus.

Die Teilnehmer am historischen Gottesdienst von Lund beteten zusammen das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Gesungen wurde immer wieder mal auf spanisch – nicht nur, um dem Papst aus Lateinamerika eine Freude zu machen. Sondern auch, weil Martin Junge, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, aus Chile kommt. Junge zitierte einen lateinamerikanischen Denker mit den Worten: „Die Geschichte ist eine Prophetin, die zurückschaut; wegen und trotz des Vergangenen kündigt sie das Kommende an.“ Die Christen sollten sich auf ihrem weiteren Weg stärker an ihre gemeinsame Taufe erinnern; deren „befreiende Kraft“ führe die Christen zusammen.

(rv 31.10.2016 sk)

Ökumene: Gruß von Augsburg nach Lund

rv19130_articolo

Die Kathedrale von Lund, wo der Papst und die Lutheraner zum Gebet einladen – RV

Mit einer Botschaft an die Festgemeinschaft, die mit Papst Franziskus und Munib Younan vom Lutherischen Weltbund in wenigen Tagen im schwedischen Lund zum Gedenken an 500 Jahre Reformation zusammenkommt, erklärten heute 25 Bischöfe verschiedener Kirchen von Augsburg aus ihre Solidarität und ihre Freude über die weiteren Schritte hin zu einer größeren Gemeinschaft und Einheit unter den Christen. Die Vertreter aus 14 der katholischen, evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen sind aus vier Kontinenten bis Freitag auf Einladung der Fokolar-Bewegung im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring zusammen und haben heute in der evangelischen St. Anna-Kirche an die historisch wichtige „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ erinnert, die 1999 am gleichen Ort von Vertretern der Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes unterzeichnet worden war.

Seit 1977 treffen sich auf Anregung des verstorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle Bischöfe, die der Fokolar-Bewegung nahe stehen. Ziel dieser Tagungen ist der geistliche Austausch und die brüderliche Begegnung unter Bischöfen. Geistliche Impulse kommen dabei aus der Spiritualität der Fokolar-Bewegung. Wichtiges Anliegen ist den Bischöfen, die „Spiritualität der Gemeinschaft“, die Papst Johannes Paul II. mehrfach als Basis für das Leben des Volkes Gottes in den Mittelpunkt gestellt hatte, fruchtbar werden zu lassen und einander im Austausch über die persönlichen Erfahrungen zu ermutigen.

(pm 27.10.2016 ah)

„In Schweden wächst die katholische Gemeinschaft jedes Jahr“

bishop_anders_arborelius_in_2015-2-740x493

Bischof Anders Arborelius / WIkimedia Commons – Frankie Fouganthin, CC BY-SA 4.0 (Cropped)

ZENIT-Interview mit Bischof Anders Arborelius von Stockholm

In früheren Zeiten führte in Schweden das Bekenntnis, zur katholischen Kirche zu gehören, zum Verlust der Bürgerrechte. Inzwischen schreitet dort die gesellschaftliche Säkularisierung erheblich voran; zugleich nimmt die Zahl der Katholiken deutlich zu. Einer der Schweden, die zum Katholizismus übergetreten sind, ist Anders Arborelius, der jetzige katholische Bischof von Stockholm, und auf diesem Stuhl der Erste schwedischer Abstammung seit der Reformation. Federico Cenci sprach mit ihm über den bevorstehenden Besuch Papst Franziskus‘.

***

Exzellenz, gibt es große Erwartungen in Schweden an den Besuch Papst Franziskus‘?

Bischof Arborelius: Viele Menschen, seien sie katholisch oder nicht, freuen sich auf den Besuch. Natürlich ist er etwas sehr Wichtiges für die Katholiken, die hier leben, von denen viele aus verschiedenen Teilen der Welt kommen. Der Papst ist das Symbol für unsere Einheit im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Aber viele weitere Menschen, die nicht katholisch sind, schauen auf ihn als moralische und geistliche Autorität, die für den Frieden und die Solidarität auf Weltebene wirkt.

In der Vergangenheit wurden Katholiken in Schweden diskriminiert. Ist diese Feindseligkeit endgültig vorüber?

Bischof Arborelius: Während der Jahrhunderte der Verfolgung war die Situation für Katholiken sehr schwierig. Heutzutage haben wir gleiche Rechte. Es gibt sehr heute viel weniger Feindseligkeit, aber man muss feststellen, dass es immer noch einige anti-katholische Vorurteile unter bestimmten Leuten gibt.

Wie ist die Situation der katholischen Kirche in Schweden heute? Wächst sie?

Bischof Arborelius: Aufgrund der Migration wächst die katholische Kirche um einige Tausend Mitglieder jedes Jahr. Schweden hat viele Flüchtlinge aufgenommen und viele, die aus Eritrea und Syrien kommen, sind katholisch. Es gibt auch eine dauernde Einwanderung aus Polen und so weiter. Es gibt immer noch Katholiken, die nicht als solche registriert sind, so dass es unmöglich ist, die genau Anzahl der Gläubigen zu kennen. Rund 115.000 sind in unseren Pfarreien registriert.

In Ihrer Gemeinschaft gibt es auch viele Konvertiten. Was denken sie, sind die Gründe, die viele Schweden dazu bewegen, von der Kirche von Schweden zum Katholizismus überzutreten?

Bischof Arborelius: Es gibt jedes Jahr ein paar Konvertiten von der Kirche von Schweden, einige von ihnen stehen im kirchlichen Dienst, Männer wie Frauen. In jüngster Zeit aber, kommt eine beachtliche Zahl von Konvertiten von den Freikirchen. Die Konvertiten haben unterschiedliche Gründe für ihren Übertritt. Einige werden durch die katholische Spiritualität angezogen, durch die Treue zur ursprünglichen Tradition, durch die Soziallehre, durch den universalen Charakter der Kirche. Es gibt nur rund einhundert Übertritte jedes Jahr.

Was ist das „kyrkoavgift“? Ist das eine Steuer für schwedische Katholiken?

Bischof Arborelius: Bis zum Jahr 2000 zahlten Katholiken die sogenannte Abweichlersteuer an die Kirche von Schweden, wie alle, die dort nicht Mitglied waren. Im Jahr 2000 wurde alle religiösen Einheiten in Schweden gleiche Rechte und Möglichkeiten gewährt. Das schloss die Möglichkeit für Mitglieder der katholischen Kirche mit ein, die Gebühr, die kyrkoavgift genannt wird, an ihre eigene Kirche zu zahlen, ein Prozent ihres Einkommens durch das offizielle Steuersystem. Katholiken können davon freigestellt werden, wenn sie einen Antrag an den Bischof ohne Angabe von Gründen senden. Das war für Bedürftige gedacht, aber manchmal haben wir das Gefühl, dass die Wohlhabenden noch eiliger um eine Dispens ersuchen als die Menschen in Not.

In seinem Dokumentarfilm „Eine schwedische Theorie über Liebe“ hat der italienisch-schwedische Filmemacher Erik Gandini die schwedische Gesellschaft als sehr individualistisch beschrieben. Kennen Sie diesen Film? Trägt die Säkularisierung dazu bei, dass Schweden so wird?

Bischof Arborelius: Ich habe über diesen Film gelesen und er wurde in den Medien diskutiert. Es stimmt, dass der Individualismus in Schweden deutlich zutage tritt. Gleichzeitig gibt es ein tiefes Verlangen nach Gemeinschaft und tiefen menschlichen Beziehungen. Unglücklicherweise haben viele Menschen nicht die psychische Stabilität für lebenslange und treue Beziehungen. Viele Ehen zerbrechen, viele alte Menschen fühlen sich verlassen und einsam. Auf der anderen Seite gibt es auch ein starkes Verlangen nach Gerechtigkeit und Solidarität mit denen in Not, in der Heimat sowie auf weltweiter Ebene.

Ursprünglich war nicht geplant, dass der Papst während seines Aufenthaltes eine Heilige Messe feiert. Nun wissen wir, dass er dies tun wird. Gibt es viel Vorfreude auf dieses liturgische Ereignis?

Bischof Arborelius: Es trifft zu, dass der Hauptgrund des Besuchs des Heiligen Vaters die Teilnahme an den Gedenkfeiern der Reformation war. Aber schon bald teilte uns der Papst mit, dass er eine Messe mit den Gläubigen feiern möchte. Diese Tatsache wurde natürlich mit Dankbarkeit und Freude aufgenommen. Als kleine Minderheit in einem post-protestantischen und säkularisierten Land sehen wir die Papstmesse als prophetisches Zeichen und ein Symbol der Einheit aller Gläubigen, die ihre Wurzeln in verschiedenen Teilen der Welt haben.

(Übersetzung aus dem Englischen: Michaela Koller)

_______

Quelle

Näheres zum Programm der Schwedenreise

1024px-Lunds_domkyrka_2004g-740x493

Dom zu Lund, Schweden / Wikimedia Commons – Väsk, CC BY-SA 3.0

Papst Franziskus bleibt nun zwei Tage

Der bevorstehende Papstbesuch in Schweden wird nun voraussichtlich zwei Tage dauern. Am 31. Oktober ist in Lund, wie bereits bekannt wurde, eine gemeinsame lutherisch-katholische  Gedenkfeier aus Anlass des 500. Jahrestags der Reformation geplant. Nach der Liturgie in der Kathedrale wird eine öffentliche Veranstaltung im Stadion von Malmö stattfinden, das derzeit restauriert wird. Am Allerheiligenfest wird Franziskus die katholische Gemeinschaft treffen und mit ihr die Eucharistie feiern. Dies kündigte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an. Das ausführliche Programm werde noch vorbereitet. Eine gemeinsame Erklärung des Lutherischen Weltbundes (LWB) und des Vatikans liste einige Details der Ereignisse auf.

In der Kathedrale von Lund wird ein gemeinsames Gebet stattfinden, das wiederum auf dem Dokument mit dem Titel „Vom Konflikt zu Gemeinschaft“ basiert. Im Malmö-Stadion wird es um das gemeinsame Zeugnis und den gemeinsamen Dienst von Katholiken und Lutheranern in der Welt gehen. Bei dieser Gelegenheit werden sie die wichtigsten Aspekte der gemeinsamen Arbeit von LWB (Lutherischen Weltbund) und Caritas Internationalis betrachten, wie die Betreuung der Flüchtlinge, den Friedensdienst und die Verteidigung der Klimagerechtigkeit. Franziskus wird mit dem Präsidenten des Weltbundes, Bischof Munib A. Younan, sowie Pfarrer Martin Junge, dem Generalsekretär, die Zeremonie des gemeinsamen Gebetes begehen. Mit dabei sind auch die Leiter der Kirche von Schweden und der katholischen Diözese von Stockholm.

Die beiden Veranstaltungen sollen den seit 50 Jahren laufenden ökumenischen Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern aufzeigen sowie die Gaben, die aus dieser Zusammenarbeit erwachsen sind, betonen. Es soll dabei auch wegen der Trennung der Christen um Vergebung gebeten werden. Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, unterstrich, dass sich beide Seiten im Christus-zentrierten Ansatz treffen. Die Begegnung finde nicht aus rein pragmatischen Gründen statt, jedoch im tiefen Sinn des Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus.

„Wir freuen uns auf diese Veranstaltung, an der 10.000 Menschen teilnehmen werden“, antwortete die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche Antje Jackelen. „Die Idee hinter der Veranstaltung Malmö Arena ist, die Entwicklung vom Konflikt zur Gemeinschaft in der Hoffnung auf die Zukunft und konzentriert auf den gemeinsamen Dienst in der Welt zu beschreiben.“ Und Bischof Anders Arborelius der katholischen Diözese von Stockholm fügte hinzu: „Es wird wirklich eine neue  in der Geschichte geschrieben, wenn Papst Franziskus und die Führer des Lutherischen Weltbundes  Lund und Malmö besuchen und uns alle dazu ermutigen, den Weg zur Einheit der Christen fortzusetzen.“ (mk)

_______

Quelle