Ägypten: Christen aus dem Sinai bitten um Hilfe

Auf der Flucht: Kopten vom Sinai bei der Ankunft in Ismailia

Die Christen aus dem Sinai bitten um Hilfe: Unversehens sind sie ins Visier islamistischer Terroristen gerückt. Viele Kopten verlassen deshalb Arish, die Hauptstadt der ägyptischen Halbinsel. Ganze Familien sind auf der Flucht. Erstes Ziel: Kairo oder Alexandrien. Der koptisch-katholische Bischof von Gizeh, Antonios Aziz Mina, spricht von einer gezielten Christenverfolgung durch islamistische Terroristen. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt er aber auch, dass nicht nur Christen das Ziel der Angriffe seien.

„Sie führen diese Attentate gegen alle aus, also nicht nur gegen Christen. Es geht den Terroristen darum, Ägypten ins Chaos zu stürzen und eine Destabilisierung herbeizuführen. Sie wollen die Touristen fernhalten, denn sie wissen genau, dass Ägypten vom Tourismus abhängig ist.“

Im Sinai sei der sogenannte Sinai-IS präsent. Es handele sich um eine Gruppe von Terroristen, die mit dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) in Verbindung steht. Diese Terroristen ziehen durch die Dörfer im Norden des Sinai und brandmarken alle von Christen bewohnten Häusern mit dem arabischen Buchstaben „N“ für Nazarener – also die Umschreibung für Christen.

„Die geflüchteten Christen kommen zu uns und befinden sich im Schock-Zustand“, sagt der armenisch-katholische Bischof von Alexandrien, Krikor Koussa im Gespräch mit Radio Vatikan. „Es gibt unter ihnen viele Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Alle haben Angst, dass aus dem Sinai das wird, was wir im Irak und in Syrien erlebt haben. Sie kommen zu uns und haben nichts mehr, kein Haus und keine Güter. Wir nehmen sie mit Liebe auf, und gerade in diesem Augenblick der Fastenzeit betrachten wir es als Pflicht, ihnen beizustehen, wie uns Christus gelehrt hat.“

Die Gewalt gegenüber Christen sei brutal und „eines Menschen nicht würdig“, pflichtet der koptisch-katholische Bischof Aziz Mina bei. „Mehr denn je ist es wichtig, wie uns Papst Franziskus lehrt, für die verfolgten Christen zu beten. Diese Kultur des Hasses muss ein Ende finden.“ Die ägyptische Regierung bekämpft seit Jahren islamistische Terroristen auf dem Sinai – mit eher mäßigem Erfolg.

(rv 04.03.2017 mg)

Irak: Zehntausende auf der Flucht aus Mossul

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Auf der Flucht aus Mossul

Zehntausende von Menschen sind vor den Kämpfen der irakischen Armee gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) aus Mossul geflohen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) spricht von mehr als 45.700 Personen, darunter vielen Minderjährigen. Die vielen Kinder in den UNO-Auffanglagern seien oft völlig erschöpft und verängstigt, berichtet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef. Der chaldäische Patriarch von Bagdad, Louis Raphael Sako I., beschreibt die Lage der Menschen im Interview mit Radio Vatikan als „tragisch“:

„Denn in den Zelten in der Wüste gibt es kein Licht und keinen Strom, es fehlen auch Wasser und Nahrungsmittel und alle Bedingungen eines würdigen Lebens. Es ist noch Winter, und in der Wüste ist es kalt, vor allem nachts. Die Leute haben Angst, dass sie nicht in ihre Häuser zurückkehren können, haben Angst vor Rache… Das ist eine wirklich schreckliche Situation des Wartens, ohne zu wissen, wann und wie dieser Krieg enden wird.“

Mossul gilt als eine der letzten großen Städte des Irak, in der sich IS-Kämpfer verschanzen. Die Geflohenen berichten von andauernden, schweren Kämpfen im Westteil der zur Hälfte befreiten Metropole: Dort liefern sich irakische Truppen Feuergefechte mit den Terroristen. Auch in Erbil, der nahegelegenen Hauptstadt der autonomen Kurdenprovinz, haben viele Flüchtlinge aus Mossul Aufnahme gefunden. Sie hätten teilweise nicht einmal ihre Dokumente bei sich, berichtet der chaldäische Erzbischof dieser anderen irakischen Stadt, Mashar Warda:

„Diese Familien erzählen von drei Bedingungen, die ihnen der Islamische Staat stellte: Entweder der Übertritt zum Islam, das Bezahlen einer Steuer, der Jizah, oder das Verlassen der Heimat ohne alles. Und viele sind also ohne alles geflohen, nahmen nur ihre Dokumente mit, die ihnen aber dann an den verschiedenen Checkpoints des IS abgenommen wurden, genau wie ihre Autos – sie mussten wirklich alles zurückgelassen.“

Patriarch Sako wie auch Erzbischof Warda hoffen auf einen Neuanfang für die Menschen im Irak nach der Befreiung des Landes vom IS. Sie setzen unbeirrt auf ein Verbleiben der Christen im Irak. Die Regierung vernachlässige diesen Aspekt, findet Erzbischof Warda. Gemeinsamer Neuaufbau, Versöhnung und sozialer Frieden seien in dem zerstörten Land jetzt ebenso wichtig wie Sicherheit, mahnt der Kirchenmann. Hier hätten gerade die Christen eine entscheidende Rolle.

„Wenn wir den Christen nicht die Bedingungen bieten, um bleiben zu können, und uns nur auf Worte beschränken, um sie zu überzeugen, werden noch mehr Menschen das Land verlassen. Das Problem ist, dass die irakische Regierung sich nicht so verhält, dass die Christen zum Bleiben ermutigt werden. Und wir können nicht die Tatsache ignorieren, dass es eine Marginalisierung der Christen und der Jesiden gibt. Alle sind damit beschäftigt, Daesh (den IS) zu bekämpfen; das darf aber nicht bedeuten, alle anderen Bedürfnisse des Volkes zu vergessen! Die Regierung konzentriert sich aber nur darauf.“

Dabei würden die Christen im Irak durchaus auch von Muslimen geschätzt, so der Erzbischof weiter. Er verweist auf christliche Akteure im Mossuler Geschäftsleben und auf die vielen begehrten christlichen Schulen der Stadt. Dass viele Bürger sich daran erinnern, gibt Warda die Hoffnung, dass im Irak eines Tages doch wieder Normalität einkehren kann.

„Wir hoffen, dass nach dieser Phase eine Zeit des Wiederaufbaus all der Dörfer und Städte stattfinden kann und dass der Prozess der Versöhnung, auch der politischen Versöhnung, und ein neues Leben beginnen können.“

(rv 06.03.2017 pr)

Dem Tod entgangen, Ex Muslim warnt: „Wehrt Euch, so lange Ihr noch könnt“

 

Veröffentlicht am 20.09.2016

Wir möchten hier die Stimme eines ehemaligen Muslims zu Wort kommen lassen. Die Bestrafung für das Verlassen dieser Religion/Ideologie ist oft der Tod. Selbstlos geht er dem Tod von der Schippe gesprungen seinen Weg, um Menschen in aller Welt über seine Erfahrungen zu informieren. Seine Warnungen sind eindrucksvoll auf aufrüttelnd. Damals vor dem Dritten Reich, der Wahl Hitlers, hatten die Menschen nur die Propaganda-Medien. Alle folgten den Massen, bis auf ein paar Aufständische. Derzeit gibt es durch das Internet noch Möglichkeiten, unabhängige Informationen zu erlangen. Derzeit bedeutet hier, dass wir absolut nicht wissen, wann die einsetzende Zensur diese Möglichkeit gänzlich verhindern wird. Viele Plattformen werden bereits stark zensiert. Ein Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen. Werden genug Menschen des europäischen Volkes die Wahrheit erkennen, bevor wir alle Sklaven unserer eigenen falschen Entscheidungen geworden sind? Wir müssen aufpassen, uns nicht auf diesem Pfad zu verirren. Schauen wir uns doch einmal die derzeitigen Wahlergebnisse an. Zu sehr haben wir alle dem normalen öffentlichen Leben vertraut, als dass wir glauben können, dass hier etwas so falsch laufen kann. Viele wählen weiterhin die etablierten Parteien wie CDU, SPD, CSU, FDP, die Grünen, die Linke, weil man wohl einfach davon ausgeht, alles wäre wie immer. Informieren Sie sich selbst und im Anschluss informieren Sie Freunde, Bekannte und Ihre Familie. Viele Menschen in Deutschland haben nicht die Möglichkeit, insbesondere ältere Mitmenschen. Derzeit scheint die einzige wirklich demokratische Partei die AfD zu sein. Die Verleumdungen gegen die Partei zeigen auf, dass da etwas dran sein muss und wer vermutlich eher kein Demokrat in der Parteienlandschaft ist. Siehe Altparteien und die Verweigerung, Volksabstimmungen einzuführen. Dieses ist unsres Erachtens überhaupt der grundlegende Aspekt, an dem man eine Partei, die wirklich Demokratisches im Sinn hat, erkennen kann. Diese Änderung der Gesetzeslage ist dringend erforderlich. Nur die AfD geht diesen Schritt. Eine tolle Partei aus der Mitte, mit großen Chancen für einen echten Aufschwung.

Quelle: The united WEST


Von Youtube wurde dieses Video inzwischen gelöscht – mit folgender Begründung:


Siehe auch:

Der Westen muss die verfolgten Christen retten

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Zerstörte Kirche / © KiN – KIRCHE IN NOT

Der weltliche, egalitäre Westen
leugnet seine christliche Vergangenheit und sein Erbe

Christen sind seit den Anfängen ihres Glaubens verfolgt worden und dies wird sich wohl so fortsetzen. Aber so paradox dies auch klingen mag: Das Christentum hat sich auch durch das Zeugnis der Märtyrer verbreitet. Obgleich sie in diesen Tagen nicht mehr den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden, erfahren einige harte Strafen für den Besitz einer Bibel, etwa in Saudi-Arabien; in Nordkorea werden sie deswegen sogar hingerichtet. Oder sie werden durch den Islamischen Staat in Syrien und im Irak gekreuzigt. Ihre Geschichten verdienen es, erzählt zu werden.

Es ist schwer zu schätzen, wie viele Christen in den früheren Jahrhunderten für ihren Glauben gestorben sind, aber die absoluten Zahlen sind in unserer Zeit gewiss höher. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. erklärte im Jahr 2010 zu Recht, dass die Christen aktuell die am meisten verfolgte Glaubensgruppe sind, und auch Papst Franziskus erwähnt diese Tatsache häufig.

Dies ist kein neues Phänomen. Im Jahre 1860 griffen Muslime Christen in Damaskus an und töteten Zehntausende von Zivilisten und zerstörten Hunderte von christlichen Dörfern und Kirchen. Der Kirchenstaat und westlichen Konsulate begannen sofort mit Maßnahmen zur Rettung des Christentums in der Levante. Allmählich intervenierten vor allem die westlichen Mächte Frankreich und Großbritannien, aber auch Russland, und drohten dem osmanischen Sultan mit Sanktionen, wenn er nicht sofort die Massaker aufhöre. Kriegsschiffe schossen im östlichen Mittelmeer und die Massaker stoppten innerhalb einer Woche.

Im Gegensatz dazu, als 21 koptische Christen in Libyen voriges Jahr enthauptet wurden, war die Reaktion des Westens beschämend, was jedoch nicht überraschte. Das Weiße Haus und der Élyséepalast verurteilten die Gewalt und die Verbrechen gegen Unschuldige. Aber in den Erklärungen wurde weder explizit erwähnt, dass die Mörder islamistische Extremisten waren, noch dass die Opfer, einfache Arbeiter, schlicht nur getötet wurden, weil sie Christen waren. Die Islamisten haben selbst ein Video herausgegeben, in dem sie unverblümt ihre Gefangenen als koptisch-orthodox identifizierten.

Nach dem Massaker verhängte die ägyptische Regierung drei Tage Staatstrauer und bombardierte die Positionen der Terrorgruppe in Libyen. Ägyptens Präsident versprach, dass eine Kirche in Erinnerung an die Märtyrer im Gouvernement Minya, der Heimat der Opfer, gebaut werden würde.

In Frankreich marschierten 3,5 Millionen Menschen, darunter rund 50 Staatsoberhäupter, aus Solidarität mit den Opfern von Charlie Hebdo, währenddessen kein Massenlauf wegen der libyschen Märtyrer organisiert wurde. Sogar nur wenige politische oder religiöse Führer drückten ihre Solidarität mit den verfolgten Christen aus.

Der weltliche, egalitäre Westen leugnet seine christliche Vergangenheit und sein Erbe und spielt sich selbst vor, dass Freiheit die Freiheit von christlichen Elementen bedeute. Die Zeichen der Entchristlichung sind im Alltag offensichtlich, indem christliche Stimmen aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen und – im Namen der Toleranz – sogar als Hassreden bezeichnet werden. Das kann nicht so weitergehen, wenn der Westen keinen Selbstmord begehen will.Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Wohlstand in Westeuropa, was zu einem Rückgang der Geburtenraten und einem wachsenden Bedarf an billigen Arbeitskräften führte. Die konsequente Liberalisierung der Einwanderungspolitik und die Bemühungen um die Wiedervereinigung der Familien führten zu einem starken Anstieg der Zahl der muslimischen Zuwanderer in Westeuropa – weit mehr als in Nordamerika. Die aktuelle demographische Entwicklung zeigt, dass Muslime in vielen europäischen Städten innerhalb einiger Jahrzehnte zur Mehrheit der Jugendlichen werden können.

Ölreiche arabische Monarchien liefern die Mittel, um den Einfluss islamischer Interessengruppen in der Bildung und in der Innen- und Außenpolitik der EU-Mitgliedstaaten zu erhöhen. Die Identitätskrise und die Säkularisierung der Christen machen das Thema noch schwieriger.

Europäische Christen reagieren nicht, auch wenn die Wahrheit auf ihrer Seite ist. Wann haben Sie etwa das letzte Mal von den vielen historischen Angriffen der Muslime gegen den Westen gehört?

Dies sind nur einige der vielen Gründe, warum einige der Muslime mit Migrationsgeschichte in der zweiten Generation durch extremistische muslimische Prediger radikalisiert wurden, die – Gegensatz zu Christen – wirklich Hass predigen. Der Westen sollte mehr über die Opfer christenfeindlicher Diktaturen (Nationalsozialismus, Kommunismus) reden, um dem säkularen Narrativ zu begegnen. Gerade christliche Medien sollten beständig die zahlreichen Menschen rund um den Erdkreis in den Fokus rücken, die mit alltäglichen Schwierigkeiten konfrontiert oder mit dem Tode bedroht sind, weil sie Christen bleiben wollen.

Vom Westen, post-christlich wie er hofft zu sein, kann aktuell nicht wirklich gesagt werden, dass er Menschenrechte schütze, wenn er nicht sicherstellt, dass Menschen ihren Glauben frei ausüben können. Wir, die wir in Europa leben, versagen in dieser Hinsicht und auch Staaten in den USA erweisen sich als unfähig, das Recht auf Gewissensfreiheit zu verteidigen. Die Alte und die Neue Welt, beide sollten aufwachen, da Islamisten Enthauptungen wie die in Libyen in den Strassen von London und Paris oder sogar in Nordamerika wiederholen könnten. Wer wird dann übrig sein, um zu den verfolgten Christen im Westen zu stehen?

Youssef Fakhouri (29) ist Ungar, dessen Großeltern aus dem Libanon nach Europa kamen. ZENIT hat den Beitrag, erstmals erschienen in „The Catholic Thing“, aus dem Englischen übersetzt und gekürzt.

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Quelle

Ägypten: Christen zwischen Angst und Gottvertrauen Koptischer Bischof zur aktuellen Lage nach Anschlag in Kairo

Coptic Orthodox Pope Tawadros II led the funeral for the victims of the bomb that exploded on 11.12.2016 during Sunday Mass in a chapel at Cairo's main Coptic Cathedral. Please always watermark these pictures when using them online.

Coptic Orthodox Pope Tawadros II led the funeral for the victims of the bomb that exploded on 11.12.2016 during Sunday Mass in a chapel at Cairo’s main Coptic Cathedral.
Please always watermark these pictures when using them online.

Pressemitteilung von KIRCHE IN NOT vom 30. Dezember 2016

Der jüngste Anschlag auf die Gottesdienstbesucher in der Kirche St. Peter und Paul in Kairo hat nach Einschätzung des koptisch-katholischen Bischofs Kyrillos William Samaan die Angst vor weiteren Terroranschlägen unter den Christen des Landes entfacht. Am dritten Adventssonntag war in dem Gotteshaus in der ägyptischen Hauptstadt eine Bombe detoniert. Sie riss 26 Menschen in den Tod, 35 wurden schwer verletzt. Wenig später bekannte sich die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu dem Anschlag. Obwohl seine Bischofsstadt Assiut gut fünf Autostunden von Kairo entfernt liegt, seien die Auswirkungen des Attentats auch dort zu spüren, berichtet Samaan. Mit Andrea Krogmann sprach er über die Folgen und die politische Aufarbeitung des Anschlags.

Andrea Krogmann: Bischof Kyrillos, wie bewerten Sie die gegenwärtige Lage in Ägypten?
Bischof Kyrillos William Samaan: Der brutale Anschlag auf Gläubige in Kairo hat bei allen Christen große Trauer ausgelöst. Wir sind sehr betroffen. Am Dienstag vor Weihnachten hat die koptische Kirche den 26. Märtyrer des jüngsten Anschlags erhalten: Ein zehnjähriges Mädchen ist seinen Verletzungen erlegen. Trauer und Angst sind groß. Gleichzeitig erleben wir viel Gottvertrauen und Stärke. Wie schon bei vorhergehenden Anschlägen ist es auch diesmal so: Wenn Terror verübt wird, um Menschen vom Gottesdienst abzuhalten, kommen noch mehr als sonst.

Wie haben die Muslime und die Regierung auf den Anschlag reagiert?
Wir erfahren viel Solidarität und Mitgefühl! Viele haben angerufen oder sind vorbeigekommen, um uns ihr Mitgefühl auszusprechen. Der Staat hat sofort reagiert und Untersuchungen aufgenommen. Das ist sehr bedeutsam. Denn viele Menschen denken, dass die Polizei und der Staat christenfeindliche Anschläge billigen. Das ist diesmal anders. Ein Präsident, der selbst zur Trauerfeier kommt und jedem Angehörigen der getöteten Christen und allen Kirchenvertretern die Hand schüttelt, das ist ein starkes Zeichen!

Hat der Anschlag in Kairo die Angst vor weiteren Anschlägen geschürt?
Ja, die Angst wächst. Der „Islamische Staat“ hat weitere Anschläge angekündigt. Wir Kopten feiern Weihnachten – nach westlichem Kalender – ja erst am 7. Januar. Was dann passieren wird, wissen wir nicht.

Gibt es besondere Sicherheitsmaßnahmen?
Die verantwortlichen Kräfte sind zu uns gekommen und haben uns um Zusammenarbeit gebeten. Zusätzlich zum äußeren Schutz, der in ihrer Hand liegt, wollen sie unsere Leute trainieren und ihnen zeigen, auf was sie achten müssen. Unter anderem sollen unsere Pfadfinder, die an den kirchlichen Hochfesten die Ordnungsdienste in der Kirche übernehmen, ein ziviles Sicherheitstraining von den Behörden erhalten. Vor unserer Kathedrale wurden Metalldetektoren aufgestellt. Das ist teuer, aber wichtig. Zwar kennen wir unsere Gemeindemitglieder, aber gerade zu Festen kommen viele Fremde.

Fühlen sich die Christen damit ausreichend geschützt?
Vor vielen Kirchen sind schon seit Jahren Soldaten postiert. Das Problem ist aber, dass sie nicht sehr gut ausgerüstet sind. Das muss jetzt besser werden. Aber an den großen Festtagen gibt es natürlich auch außergewöhnliche Maßnahmen wie Straßensperren und erhöhtes Sicherheitsaufgebot. Das erhöht das Sicherheitsgefühl. Aber einen vollkommenen Schutz gibt es nicht.

Welchen Weihnachtswunsch haben Sie für Ihr Land und Ihre Gläubigen?
Natürlich wünsche ich mir Frieden für unser Land. Wir sehen die Anstrengungen unseres Präsidenten, der eine gute, sichere Zukunft für Ägypten will. Diese Bemühungen werden untergraben durch die Terrorakte. Das Land braucht Ruhe, auch wegen des Tourismus, der eine unserer wichtigsten Einnahmequellen ist. Ohne diese Ruhe kommen keine Touristen. Ohne ausländische Gäste und Wirtschaftspartner steigt die Armut. Und Armut erzeugt immer mehr Extremismus.

Rund zehn Prozent der Einwohner Ägyptens sind Christen, die meisten von ihnen sind koptisch-orthodox. Gut eine Viertelmillion Katholiken leben im Land, sie gehören mehrheitlich der koptisch-katholischen Kirche an. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt die christliche Minderheit Ägyptens seit vielen Jahren. Neben dem Bau und dem Unterhalt von Kirchen fördert das Hilfswerk auch Jugendprojekte und setzt sich für benachteiligte Frauen ein. Um weiter helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.deoder an:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Ägypten

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Quelle

Syrien: Assad zeigt sich als Christenbeschützer

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Präsident Assad besucht Christen

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat sich nach der Wiedererlangung der vollen Kontrolle über Aleppo an Weihnachten als Beschützer der Minderheiten dargestellt. Das Regime in Damaskus veröffentlichte am Sonntag Bilder Assads mit Frau Asma beim Besuch eines Klosters.

Im Zentrum Aleppos fand in der teilweise schwer zerstörten Sankt-Elias-Kathedrale an Heiligabend die laut Beobachtern erste Messe seit Jahren statt. St. Elias liegt im Westen Aleppos, der auch schon vor der Evakuierung der Rebellengebiete vom Regime kontrolliert wurde.

Die Gewalt ging aber zumindest in den von Rebellen gehaltenen Gebieten am westlichen Stadtrand Aleppos weiter. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden an Heiligabend bei Luftangriffen mindestens sechs Zivilisten getötet. Bereits am Vortag seien bei einem Bombardement drei Rebellen gestorben, hieß es.

Nach einem heftigen Bombenkrieg mit den laut UNO schwersten Luftangriffen im gesamten Bürgerkrieg hatte die syrische Armee, unterstützt von ihren Verbündeten Russland und dem Iran, die Rebellen-Enklave Mitte Dezember zu großen Teilen erobert. Die Evakuierung der verbliebenen Gebiete war am Donnerstag beendet.

(afp/ap 27.12.2016 mg)

2016 wurden etwa 90.000 Christen getötet

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Helfen Sie Christen! Gebäude-Beleuchtung in Norditalien

Das ist eine Zeit der Märtyrer – Papst Franziskus hat an diesem Montag erst wieder daran erinnert. 90.000 Christen sind im Jahr 2016 um ihres Glaubens willen ermordet worden, sagt der italienische Forscher Massimo Introvigne, der ein internationales Netzwerk namens „Studienzentrum Neue Religionen“ leitet.

„Nächsten Monat erscheint eine neue Statistik. Aus ihr ergibt sich, dass alle sechs Minuten ein Christ um seines Glaubens willen umgebracht wird. Diese Zahl ist etwas zurückgegangen im Vergleich zu den 105.000 Getöteten vor zwei Jahren. Die meisten Morde an Christen, siebzig Prozent bzw. 63.000 Menschen, geschehen bei Stammeskonflikten in Afrika. Das US-„Center for Study of Global Christianity“ nimmt sie mit auf in seine Statistik, weil man bei den meisten Christen davon ausgeht, dass sie sich aus Gewissensgründen geweigert haben, zu den Waffen zu greifen. Die übrigen dreißig Prozent, also 27.000 Menschen, rühren aus Terroranschlägen her, aus der Zerstörung christlicher Dörfer oder Verfolgungen durch eine Regierung wie etwa die nordkoreanische.“

Hauptgrund: Stammeskonflikte

Und was sagen die Schätzungen zur Zahl der weltweit verfolgten Christen? Auch darauf hat Introvigne eine Antwort: „Wenn man die Statistiken von mindestens drei US-Forschungszentren und meinem eigenen Netzwerk zusammensieht, kommt man auf etwa 500 bis 600 Millionen Christen, die ihren Glauben nicht völlig frei leben können. Ohne die Leiden von Mitgliedern anderer Religionen in irgendeiner Weise herunterzuspielen, sind doch die Christen die bei weitem am stärksten verfolgte religiöse Gruppe in der Welt.“

Zurück zur Zahl der um ihres Glaubens willen ermordeten Christen im Jahr 2016: „Man kann sich über die Statistiken wundern; das „Center for Study of Global Christianity“ spricht nämlich von 90.000 Christen, andere hingegen von nur einigen Tausend, wieder andere nur von einigen Hundert. Wenn die Diskrepanzen so groß sind, ist klar, dass da verschiedene Dinge gezählt werden. Wer die Menschen zählt, die bewußt vor die tragische Wahl gestellt werden: Verleugne deinen Glauben oder stirb!, der kommt jedes Jahr auf einige Hundert. Andere sehen die Sache weniger eng: Da werden nicht nur Kandidaten für eine Seligsprechung gezählt, sondern auch die Christen, die wegen bestimmter Glaubensgesten oder –praktiken getötet werden, das sind dann einige Tausend. Spricht man hingegen in weiterem Sinn von Menschen, die umgebracht werden, weil sie Christen sind, dann kommt man auf 90.000 Menschen – das heißt, ein Toter alle sechs Minuten.“

Statistiken und Schicksale

Hinter den blanken Zahlen sind natürlich einzelne Schicksale besonders anrührend. Wie etwa die der Christen im Herrschaftsbereich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“.

„Ja, auf dem Gebiet des sogenannten Islamischen Staats gibt es verschiedene Fälle, die die Kirche auch schon mit Blick auf eine mögliche Seligsprechung untersucht. Es gibt Christen, die bewußt in diesen Gebieten geblieben sind, um dort so gut wie möglich ihren Glauben zu bezeugen. Allerdings tötet der IS auch viele Muslime; für 2016 liegt die Zahl der Christen und die der Muslime, die um ihres jeweiligen Glaubens willen umgebracht wurden, in etwa gleichauf – wenn wir Afrika ausnehmen. Muslime werden in der Regel von anderen Muslimen getötet: die Schiiten durch Sunniten, das ist der häufigste Fall. In einigen Fällen werden Muslime, die mit einer bestimmten Ausrichtung des Islams nicht einverstanden sind, von extremistischen Muslimen umgebracht. So verhält sich das auch beim IS.“

(rv 27.12.2016 sk)