PAUL VI. AM 25. MÄRZ 1974 ÜBER DIE LAGE DER KIRCHE IM HEILIGEN LAND

ITALY-VATICAN-POPE-PAUL VI-BEATIFICATION-FILES

Pope Paul VI waves beside King Hussein I of Jordan in Amman on January 4, 1964, during a visit to the Holy Land. | AFP-JIJI

Apostolisches Schreiben
Nobis in animo

an den Episkopat, den Klerus und die Gläubigen der ganzen Welt
über die erhöhte Notlage der Kirche im Heiligen Land

Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne,

Gruß und Apostolischen Segen !

Wir möchten Uns an euch wenden, geliebte Söhne und Töchter, um eure Aufmerksamkeit auf die Pflicht hinzuweisen, den christlichen Gemeinden im Heiligen Land die Bedeutung der christlichen Liebe, die uns alle vereint, unsererseits zum Ausdruck zu bringen.

Die Kirche von Jerusalem nimmt nämlich einen privilegierten Platz in der Liebe des Heiligen Stuhles und in der Sorge der gesamten christlichen Welt ein, zumal das Interesse für die Heiligen Stätten und im besonderen für die Stadt Jerusalem, auch bei den höchsten Gremien der Nationen und bei den größeren internationalen Organisationen anzutreffen ist, um ihre Unversehrtheit zu schützen und die freie Ausübung der Religion und der gottesdienstlichen Funktionen zu gewährleisten.[1]

Eine solche Aufmerksamkeit ist heute umso mehr erfordert wegen der schwerwiegenden Probleme religiöser Natur, die dort bestehen. Es handelt sich um die verwickelten und delikaten Probleme der Koexistenz der Völker jenes Landes, ihres Zusammenlebens in Frieden wie auch um die Fragen religiösen, bürgerlichen und menschlichen Charakters, die das Leben der verschiedenen Gemeinschaften betreffen, die im Heiligen Land wohnen.

Immer noch von Sorge erfüllt, wenngleich mit einem Schimmer von Hoffnung bringen Wir Unsere kürzlich Ausführungen in Erinnerung, dass nämlich der sich hinziehende Zustand der Spannung im Vorderen Orient, ohne dass abschließende Schritte zum Frieden getätigt werden, eine schwere und dauernde Gefahr bedeutet, die nicht nur die Ruhe und die Sicherheit jener Bevölkerung – wie auch den Frieden der gesamten Welt – bedroht, sondern auch bestimmte Werte, die aus verschiedenen Gründen einem so großen Teil der Menschheit höchst teuer sind. Ohne darauf einzugehen, dass das ständige Andauern einer Situation, die eines klaren juristischen, international anerkannten und garantierten Fundamentes entbehrt, eine angemessene und annehmbare Beilegung, die der Rechte aller in schuldiger Weise Rechnung trägt, nur noch schwieriger gestaltet anstatt sie zu erleichtern. denken Wir hier im besonderen an Jerusalem, die heilige Stadt und Hauptstadt des Monotheismus, an die in diesen Tagen alle Anhänger Christi besonders innig denken und in der auch sie sich, so wie die Juden und Mohammedaner, voll und ganz als „Bürger“ fühlen sollen.[2]

536a56bb03950_322335bWir könnten nicht umhin, Unsererseits die Wallfahrt in Erinnerung zu bringen, die Wir im Januar 1964 in das Land Jesu machten. Wir wollten Uns dorthin begeben, um persönlich an den Heiligen Stätten, wo Christus geboren wurde, starb und nach seiner Auferstehung in den Himmel auffuhr, die Geheimnisse unserer Erlösung zu verehren.[3] Wir können auch nicht die Begegnung mit den obersten leitenden Persönlichkeiten der christlichen Gemeinschaften vergessen, unter denen der griechische Patriarch und der armenische Patriarch von Jerusalem waren, wie auch die Scharen der Gläubigen, die sich um Uns drängten wie in einer beglückenden Umarmung des Glaubens und der Liebe.

Als wir zu den Konzilsvätern von diesem Unserem Vorhaben sprachen, gaben Wir auch dessen Zweck an. Es war notwendig, „… Gebete und gute Werke mit größerem Eifer zu verrichten“.[4] damit das Konzil zu einem glücklichen Abschluss gelange. Darum beschlossen Wir, ….. selber als Pilger in das Land unseres Herrn Jesus Christus zu gehen“.[5] „in das Land, wo einmal unsere Väter im GIauben lebten; in das Land, wodurch so viele Jahrhunderte die Stimme der Propheten erscholl, die im Namen des Gottes Abrahams, Isaacs und Jakobs gesprochen hatten; in das Land endlich, das vor allem durch die Anwesenheit Christi gesegnet und heilig geworden ist für die Christen und, so darf man sagen, für die gesamte Menschheit“.[6] „Keiner darf es vergessen, dass Gott, als er sich als Mensch eine Heimat, eine Sprache, eine Familie in dieser Welt wählen wollte, diese aus dem Orient nahm“.[7]

„Es scheint Uns, eine geheimnisvolle Beziehung zwischen Petrus, zwischen seiner Nachfolge und Rom zu bestehen“, wie Wir am Abend Unserer Rückkehr nach Rom von Unserer Pilgerfahrt ins Heilige Land in Erinnerung brachten.[8]

Dieses gesegnete Land ist darum in gewisser Hinsicht das geistliche Erbgut der Christen in aller Welt geworden, die sich danach sehnen, wenigstens einmal in ihrem Leben dieses Land in Rahmen einer Pilgerfahrt besuchen zu können, um ihre Andacht zu verrichten und ihrer Liebe zu Gott Ausdruck zu geben, der in Bethlehem ein Kind wurde, zum Jesusknaben und Arbeiter in Nazareth, zum göttlichen Lehrer, der im ganzen Land Wunder wirkte, zum Gekreuzigten auf dem Kalvarienberg und zu dem aus dem Grabe auferstandenen Erlöser, das sich im „Heiligtum der Auferstehung“ (o naos tis anastáseos) befindet, wie diese Kirche in treffender Formulierung von den griechischen christlichen Mitbrüdern genannt wird.

Aber es ist auch das Land, in dem neben den Heiligtümern eine lebensvolle Kirche, eine Gemeinschaft christusgläubiger Menschen besteht und arbeitet. Es ist eine Gemeinde, die im Laufe der Geschichte unzählige Prüfungen bestehen und schmerzliche Geschicke ertragen musste. Die inneren Spaltungen, die Verfolgungen von außen und seit einiger Zeit die Auswanderung haben sie geschwächt; sie kann nicht mehr allein für ihren Unterhalt aufkommen und bedarf daher unseres Verständnisses wie unserer moralischen und materiellen Hilfe.

Diese unsere Brüder, „die dort leben, wo Jesus gelebt hat, und die an den Heiligen Stätten die Nachfolger der Urkirche sind, die der Ausgangspunkt aller Kirchen ist“,[9] haben vor Gott ganz große Verdienste und ihnen gegenüber haben wir alle eine hohe geistliche Verpflichtung. In besonderer Weise nehmen sie Tag für Tag an den Leiden Christi teil, sie stehen ein für ihren Namen als Christen durch die Bekundung eines lebendigen Glaubens, einer aufrichtigen Liebe und einer echten Armut entsprechend dem Geist des Evangeliums. Wenn sie dort nicht mehr anwesend sein sollten, würde die lichtvolle Wärme ihrer lebendigen Zeugniskraft bei den Heiligtümern erlöschen und die heiligen christlichen Stätten von Jerusalem und Palästina würden fast zu Museen. Wir hatten schon früher Gelegenheit, Unserer Besorgnis offen Ausdruck zu geben, dass die Reihen der Christen in den antiken Gebieten. wo die Wiege unseres Glaubens ist, immer lichter werden.[10]

Vom T age seiner Auferstehung an, da die treuesten Jünger des göttlichen Meisters sich auf den Weg machten, das heilige Grab zu besuchen, hat die juden-christliche Urgemeinde das Verdienst, die Erinnerung an die wichtigsten Heiligen Stätten zu bewahren und den Pilgern, die schon sehr bald kamen, deren Spuren und Überreste zu zeigen.

Tief erlebter Glaube und lebendige Frömmigkeit drängten die ersten Christen, die Heiligen Stätten geradezu mit ihren Händen zu berühren und dort ergreifende liturgische Feiern zu gestalten.

Es ist zwar wahr, dass das Christentum eine weltweite Religion ist, an kein Land gebunden, und dass die Christen „den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten“.[11] Aber es gründet auch in einer geschichtlichen Offenbarung. Neben der „Heilsgeschichte“gibt es auch „Orte des Heils“. Die Heiligen Stätten haben deshalb den hohen Vorzug, dem Glauben einen unwiderleglichen Halt zu bieten, und sie geben dem Christen die Möglichkeit, jene Umwelt selbst aufzusuchen, in welcher „das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat“.[12]

Die jüngsten archäologischen Ausgrabungen, die von angesehenen kulturellen Institutionen durchgeführt wurden – unter anderen vom Bibelinstistut der Dominikaner und vom „Studium“ der franziskanischen Kustodie im Heiligen Land -, brachten neue Spuren ans Licht, die bis in die Zeit von Christus und der Apostel zurückreichen.[13]

Seit dem 4. Jahrhundert gibt es auch Zeugnisse, die von Pilgern auf dem Weg in das Heilige Land sprechen und ihnen die Reiseroute angeben, damit sie leichter den Weg finden.[14]

Später beschreibt der bekannte Kodex von Arezzo sowohl die Monumente, die sich im Heiligen Land befinden, wie auch die religiösen Feiern, die dort gehalten wurden, besonders in Jerusalem während der Karwoche.[15]

Der hl. Hieronymus hat durch seinen Aufenthalt in Palästina und durch die Anregungen. die von ihm für das Studium der Heiligen Schrift ausgingen, das Interesse des christlichen Abendlandes und kultureller Kreise für das Land Jesu sehr gefördert. Gerade damals wurden in Bethlehem zwei Konvente und ein Pilgerheim erbaut – ein deutlicher Hinweis auf einen beachtlichen Zustrom von Pilgern.[16]

Auch später zog das Heilige Land zahlreiche Pilger an, trotz der vielen Gefahren auf der Reise und trotz der begrenzten, Iangsamen Verkehrsmittel. Infolgedessen vermehrte sich dank der Hilfe hochherziger Wohltäter die Anzahl der Konvente und Kirchen. Die Städte und sogar die Wüste bevölkerten sich mit Mönchen und Büßern aus den verschiedensten Völkem und Riten, um im Land des Herrn die Ursprünge des christlichen Lebens neu zu entdecken.

Im Laufe der Jahrhunderte war der Zustrom der Pilger von den wechselnden geschichtlichen Ereignissen abhängig: es gab Zeiten der Blüte und andere, die weniger erfreulich waren. Seit dem letzten Jahrhundert kann man ein stetiges Anwachsen der Pilger feststellen, ermöglicht durch die modernen Verkehrsmittel und gefördert durch ein lebendigeres Glaubensbewusstsein.

Weiter ist erwähnenswert, dass während des Zweiten Vatikanischen Konzils zahlreiche Konzilsväter eine Wallfahrt zu den Heiligen Stätten machten, und es ist ermutigend, zu sehen, wie viele Priester und Ordensleute anlässlich ihrer heiligen Weihe oder bei besonderen Anlässen zu Einkehrtagen in Jerusalem weilen. Gern hätten Wir, dass solche Besuche und Aufenthalte im Heilligen Land noch zahlreicher wären. Zu diesem Zweck haben Wir Anweisung gegeben, dass das Pilgerheim „Notre Dame“ in Jerusalem wieder eröffnet werde und auch Gruppen von Priestern aufnehme.

Diese Pilgerfahrten haben die Begegnung mit Völkern verschiedener Glaubensbekenntnisse begünstigt, da nach jenem gesegneten Land, im besonderen nach Jerusalem, nicht nur die christlichen Gemeinschaften, die nichtkatholischen miteingeschlossen, sondern überdies die hebräischen und islamischen als ihrem geistlichen Zentrum blicken und dorthin zusammenströmen.

Es ist Unser lebhafter Wunsch, dass diese Kontakte sich verstärken und beitragen – so denken und wünschen Wir zu gegenseitigem Verstehen, zu wechselseitiger Wertschätzung. zur Annäherung der Mitmenschen, die Kinder des gleichen Vaters sind, und zu einem tieferen Verständnis des elementaren Bedürfnisses nach Frieden unter den Völkern.

Schon der heilige Paulus nahm sich in besonderer Weise der Lage der GIäubigen in Palästina an und setzte sich mit Eifer für eine Kollekte für die Armen unter den Gläubigen von Jerusalem ein. Sein Aufruf wurde von den Kirchen in Mazedonien und Achaia mit Bereitschaft aufgenommen. Da beschlossen die Jünger, den Brüdern in Judäa eine Unterstützung zukommen zu lassen, zu der jeder nach Vermögen beitragen sollte. Die christlichen Gemeinden, die unter den Heiden entstanden waren, fühlten sich als Schuldner gegenüber den Gliedern jener Kirche, von der sie die Schätze der geistigen Güter empfangen hatten, die sie nun mit ihren Liebesgaben erwiderten. Der Apostel brachte die gesammelten Spenden persönlich in die Heilige Stadt und sah in der Kollekte ein Band der Einheit zwischen den neuen christlichen Gemeinden und der Mutterkirche in Jerusalem.[17]

Nicht ohne eine besondere Fügung der göttlichen Vorsehung führten die geschichtlichen Ereignisse des XIII. Jahrhunderts den Franuziskanerorden in das Heilige Land.

Seither sind die Söhne des heiligen Franziskus – für eine ununterbrochene Reihe von Jahren – im Heimatland Jesu geblieben, um der dortigen Kirche zu dienen und die christlichen heiligen Stätten zu hüten, wiederherstellen und zu beschützen. Ihre Treue gegenüber dem Willen ihres Gründers und dem Auftrag des Heiligen Stuhles ist oft durch Taten von außergewöhnlicher Tugend und Hochherzigkeit besiegelt worden.

Die Franziskaner wandten sich direkt an die Mächtigen und die einfachen Leute, um die nötigen Hilfsmittel zu sammeln. Die Patres, die für diese Ausgabe bestimmt waren, wurden offiziell „Prokuratoren“ oder „Kommissare des Heiligen Landes“ genannt.[18] Ihre Tätigkeit erwies sich jedoch im Laufe der Zeit und wegen der Zunahme der Not als unzureichend. Aus diesem Grunde haben die Päpste in väterlicher Sorge mehrmals die Initiative ergriffen und die „Kollekte für die Heiligen Stätten“ angeordnet, indem sie das beabsichtigte Ziel, die genaue Zeit und die Art und Weise ihrer Durchführung angaben, damit die Spenden über die Ordinarien an ihren Bestimmungsort gelangten.[19]

Seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nahm die Zahl der pastoralen, der sozialen, karitativen und kulturellen Werke bedeutend zu, die ohne Unterschiede der dortigen Bevölkerung und den kirchlichen Gemeinschaften im Heiligen Land zugute kamen.

Leider entbehrt die dortige Kirche der materiellen Mittel; darüber hinaus leidet sie an den anhaltenden schweren Folgen des Krieges, der – so kann man sagen – schon Jahrzehnte andauert. Auch ist es nicht möglich, von den Gläubigen dort einen hinreichenden Beitrag zu erbitten, da sie größtenteils selbst kaum das Notwendigste zum Lebensunterhalt haben.

Damit jene christliche Gemeinschaft, die in ihrem Ursprung und in ihrem Fortbestehen in Palästina bald zweitausend Jahre alt ist, überleben kann und die eigene Existenz auch noch zum Nutzen der anderen Gemeinschaften, mit denen sie zusammenleben muss, in tatkräftiger und wirksamer Weise zu festigen vermag, ist es erforderlich, dass die Christen der ganzen Welt sich hochherzig zeigen, indem sie der Kirche von Jerusalem die liebe durch ihre Gebete. ihr mitfühlendes Verstehen und ihre Solidarität auf sinnfällige W.eise wm Ausdruck bringen.

Wir wiederholen überdies bei diesem Anlass Unseren Wunsch und Unsere dringliche Mahnung, sich aufrichtig und bereitwillig um einen gerechten und baldigen Frieden zu bemühen, wobei die Rechte und berechtigten Anliegen aller beteiligten Völker gebührend anerkannt werden.

Es ist sich in der Tat jeder bewusst, dass die verschiedenen Zivilisationen, die sich im Laufe der Jahrhunderte im Heiligen Land herausgebildet hoben, zueinander finden müssen, damit die ihnen angehörenden Volksgruppen, obgleich sie aus vielen Gründen voneinander verschieden sind, eine wirkliche Zusammenarbeit herbeiführen und sich so verhalten wie in einer „syn-odós“, um dem griechischen Ausdruck die tiefe Bedeutung des „Miteinander-Gehens“ zu geben.

In diesem Prozess des Sich-Zusammenfindens kann die Anwesenheit der christlichen Gemeinschaft zusammen mit der hebräischen und islamischen ein Faktor der Eintracht und des Friedens sein; und dies hat vor allem für uns Katholiken eine besondere Bedeutung, die wir stets zuversichtlich sind, dass „das künftige SchicksaI der Menschheit in den Händen jener ruht, die den kommenden Geschlechtern Triebkräfte des Lebens und der Hoffnung vermitteln können“[20]

Diese Unsere Initiative will jedenfalls keinen anderen Sinn haben als den der religiösen und karitativen Hilfeleistung, wenn Wir auch die besondere Bedeutung der Frage von Jerusalem und den Heiligen Stätten nicht unerwähnt lassen können, die in anderen feierlichen päpstlichen Dokumenten bereits behandelt worden ist.

Veranlasst also durch den Hilferuf, der Uns aus jenem Land erreicht, und durch den Auftrag Unseres Hirtenamtes, erneuern und erweitern Wir die von Unseren Vorgängern, insbesondere von Leo XIII. und von Johannes XXIII. erlassenen Richtlinien und bestimmen folgendes:

1. In allen Kirchen und Oratorien, sei es, dass sie dem Diözesanklerus oder dem Ordensklerus gehören, soll einmal im Jahr – am Karfreitag oder einem anderen vom Ortsordinarius festgesetzten Tag – zusammen mit besonderen Gebeten für unsere Glaubensbrüder im Heiligen Land eine Kollekte abgehalten und für sie bestimmt werden. Die Gläubigen sollen rechtzeitig darüber unterrichtet werden, dass die genannte Kollekte für die Erhaltung nicht nur der Heiligen Stätten, sondern vor allem der pastoralen, karitativen, erzieherischen und sozialen Werke Verwendung findet, die die Kirche im Heiligen Land zum Wohl ihrer christlichen Brüder und der dortigen Bevölkerung unterhält.

2. Die Spenden sollen von den Pfarrern und Rektoren der Kirchen und Oratorien rechtzeitig an den eigenen Ordinarius überwiesen werden, der sie seinerseits an den nächsten Kommissar des Heiligen Landes weiterreicht, dessen Tätigkeit, die in der Vergangenheit so verdienstvoll gewesen ist, Uns auch heute noch als a,gemessen und dienlich oder doch als geeigneter Venmittler erscheint.

3. Die Kongregation für die Orientalischen Kirchen wird nach den Richtlinien der von Uns erlassenen Instruktionen dafür Sorge tragen und gewährleisten, dass die Kustodie vom Heiligen Land und die örtliche Hierarchie unter Beachtung der jeweiligen Zuständigkeiten ihre Werke fortsetzen, festigen und sie in voller Harmonie untereinander und in enger Zusammenarbeit mit Jenen anderen Organismen weiterentfalten können, die mit dem Heiligen Land in besonderer Beziehung stehen und sich für die Anliegen der dortigen Kirche einsetzen.

Zusammen mit der Kustodie vom Heiligen Land gibt es nämlich noch andere verdienstvolle Hilfswerke, von denen Wir hier nur die Päpstliche Mission erwähnen.[21] Indem Wir diesen Aufruf erlassen, geben Wir dem Wunsche Ausdruck, dass die Gläubigen der ganzen Welt, während sie ihre Spenden zugunsten der so genannten Kollekte für die Heiligen Stätten vermehren, gleichzeitig auch allen anderen Werken der Kirche im Heimatland des Herrn ihre Beiträge und hochherzige Unterstützung gewähren, damit die dortige Kirche das Zeugnis des Evangeliums lebendig erhält und die Anwesenheit der Jünger Christi an den Heiligtümern immer beständiger wird.

Allen diesen Organismen bringen Wir bei dieser Gelegenheit Unsere aufrichtige Anerkennung zum Ausdruck und ermutigen sie, ihr Zeugnis der Liebe den Glaubensbrüdern gegenüber und zum Wohle jedes Menschen, der sich in Not befindet, noch wirksamer zu gestalten.

Wir bekunden schließlich noch Unser Lob und Unsere Ermutigung allen Hilfsorganisationen und allen Menschen guten Willens, die dazu beitragen, die schweren Leiden jener Völker zu lindern, auf denen noch immer die Angst vor einer ungewissen und leidvollen Zukunft lastet. Möge es Gott geben, dass ihre hilfreiche Tätigkeit mit dem wiedererlangten Frieden, wie wir alle hoffen, für die Bewohner des Heiligen Landes bessere Tage vorbereiten.

Dazu erteilen Wir allen von Herzen Unseren Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 25. März des Jahres 1974,
dem elften Unseres Pontifikates.

Paul VI. PP.

_______

Quelle

Siehe ferner: