Gebetsmeinung März: Hilfe für die verfolgten Christen

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Franziskus am Aschermittwoch in der Kirche Santa Sabina

Der Papst ruft zum Gebet für verfolgte Christen auf – die Gebetsmeinung des Heiligen Vaters für den Monat März veröffentlichte der Vatikan an diesem Donnerstag. Eingeschlossen darin sind Katholiken, Orthodoxe und Protestanten.„Wie viele Menschen werden aufgrund ihres Glaubens verfolgt! Sie werden gezwungen, ihr Zuhause, ihre Kirchen, ihr Land und alles, was ihnen teuer und lieb ist, zu verlassen. Sie werden verfolgt und hingerichtet, weil sie Christen sind. Ihre Verfolger machen keinen Unterschied, welcher Konfession sie angehören. Ich möchte Ihnen eine Frage stellen: Wie viele von Ihnen beten für die verfolgten Christen? Lassen Sie sich dazu ermutigen, es mit mir zu tun: Damit unsere Brüder und Schwestern die Hilfe aller Kirchen und Gemeinschaften erfahren, durch Gebet und materielle Hilfe!“

(rv 02.03.2017)

Der Westen muss die verfolgten Christen retten

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Zerstörte Kirche / © KiN – KIRCHE IN NOT

Der weltliche, egalitäre Westen
leugnet seine christliche Vergangenheit und sein Erbe

Christen sind seit den Anfängen ihres Glaubens verfolgt worden und dies wird sich wohl so fortsetzen. Aber so paradox dies auch klingen mag: Das Christentum hat sich auch durch das Zeugnis der Märtyrer verbreitet. Obgleich sie in diesen Tagen nicht mehr den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden, erfahren einige harte Strafen für den Besitz einer Bibel, etwa in Saudi-Arabien; in Nordkorea werden sie deswegen sogar hingerichtet. Oder sie werden durch den Islamischen Staat in Syrien und im Irak gekreuzigt. Ihre Geschichten verdienen es, erzählt zu werden.

Es ist schwer zu schätzen, wie viele Christen in den früheren Jahrhunderten für ihren Glauben gestorben sind, aber die absoluten Zahlen sind in unserer Zeit gewiss höher. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. erklärte im Jahr 2010 zu Recht, dass die Christen aktuell die am meisten verfolgte Glaubensgruppe sind, und auch Papst Franziskus erwähnt diese Tatsache häufig.

Dies ist kein neues Phänomen. Im Jahre 1860 griffen Muslime Christen in Damaskus an und töteten Zehntausende von Zivilisten und zerstörten Hunderte von christlichen Dörfern und Kirchen. Der Kirchenstaat und westlichen Konsulate begannen sofort mit Maßnahmen zur Rettung des Christentums in der Levante. Allmählich intervenierten vor allem die westlichen Mächte Frankreich und Großbritannien, aber auch Russland, und drohten dem osmanischen Sultan mit Sanktionen, wenn er nicht sofort die Massaker aufhöre. Kriegsschiffe schossen im östlichen Mittelmeer und die Massaker stoppten innerhalb einer Woche.

Im Gegensatz dazu, als 21 koptische Christen in Libyen voriges Jahr enthauptet wurden, war die Reaktion des Westens beschämend, was jedoch nicht überraschte. Das Weiße Haus und der Élyséepalast verurteilten die Gewalt und die Verbrechen gegen Unschuldige. Aber in den Erklärungen wurde weder explizit erwähnt, dass die Mörder islamistische Extremisten waren, noch dass die Opfer, einfache Arbeiter, schlicht nur getötet wurden, weil sie Christen waren. Die Islamisten haben selbst ein Video herausgegeben, in dem sie unverblümt ihre Gefangenen als koptisch-orthodox identifizierten.

Nach dem Massaker verhängte die ägyptische Regierung drei Tage Staatstrauer und bombardierte die Positionen der Terrorgruppe in Libyen. Ägyptens Präsident versprach, dass eine Kirche in Erinnerung an die Märtyrer im Gouvernement Minya, der Heimat der Opfer, gebaut werden würde.

In Frankreich marschierten 3,5 Millionen Menschen, darunter rund 50 Staatsoberhäupter, aus Solidarität mit den Opfern von Charlie Hebdo, währenddessen kein Massenlauf wegen der libyschen Märtyrer organisiert wurde. Sogar nur wenige politische oder religiöse Führer drückten ihre Solidarität mit den verfolgten Christen aus.

Der weltliche, egalitäre Westen leugnet seine christliche Vergangenheit und sein Erbe und spielt sich selbst vor, dass Freiheit die Freiheit von christlichen Elementen bedeute. Die Zeichen der Entchristlichung sind im Alltag offensichtlich, indem christliche Stimmen aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen und – im Namen der Toleranz – sogar als Hassreden bezeichnet werden. Das kann nicht so weitergehen, wenn der Westen keinen Selbstmord begehen will.Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte Wohlstand in Westeuropa, was zu einem Rückgang der Geburtenraten und einem wachsenden Bedarf an billigen Arbeitskräften führte. Die konsequente Liberalisierung der Einwanderungspolitik und die Bemühungen um die Wiedervereinigung der Familien führten zu einem starken Anstieg der Zahl der muslimischen Zuwanderer in Westeuropa – weit mehr als in Nordamerika. Die aktuelle demographische Entwicklung zeigt, dass Muslime in vielen europäischen Städten innerhalb einiger Jahrzehnte zur Mehrheit der Jugendlichen werden können.

Ölreiche arabische Monarchien liefern die Mittel, um den Einfluss islamischer Interessengruppen in der Bildung und in der Innen- und Außenpolitik der EU-Mitgliedstaaten zu erhöhen. Die Identitätskrise und die Säkularisierung der Christen machen das Thema noch schwieriger.

Europäische Christen reagieren nicht, auch wenn die Wahrheit auf ihrer Seite ist. Wann haben Sie etwa das letzte Mal von den vielen historischen Angriffen der Muslime gegen den Westen gehört?

Dies sind nur einige der vielen Gründe, warum einige der Muslime mit Migrationsgeschichte in der zweiten Generation durch extremistische muslimische Prediger radikalisiert wurden, die – Gegensatz zu Christen – wirklich Hass predigen. Der Westen sollte mehr über die Opfer christenfeindlicher Diktaturen (Nationalsozialismus, Kommunismus) reden, um dem säkularen Narrativ zu begegnen. Gerade christliche Medien sollten beständig die zahlreichen Menschen rund um den Erdkreis in den Fokus rücken, die mit alltäglichen Schwierigkeiten konfrontiert oder mit dem Tode bedroht sind, weil sie Christen bleiben wollen.

Vom Westen, post-christlich wie er hofft zu sein, kann aktuell nicht wirklich gesagt werden, dass er Menschenrechte schütze, wenn er nicht sicherstellt, dass Menschen ihren Glauben frei ausüben können. Wir, die wir in Europa leben, versagen in dieser Hinsicht und auch Staaten in den USA erweisen sich als unfähig, das Recht auf Gewissensfreiheit zu verteidigen. Die Alte und die Neue Welt, beide sollten aufwachen, da Islamisten Enthauptungen wie die in Libyen in den Strassen von London und Paris oder sogar in Nordamerika wiederholen könnten. Wer wird dann übrig sein, um zu den verfolgten Christen im Westen zu stehen?

Youssef Fakhouri (29) ist Ungar, dessen Großeltern aus dem Libanon nach Europa kamen. ZENIT hat den Beitrag, erstmals erschienen in „The Catholic Thing“, aus dem Englischen übersetzt und gekürzt.

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Quelle

2016 wurden etwa 90.000 Christen getötet

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Helfen Sie Christen! Gebäude-Beleuchtung in Norditalien

Das ist eine Zeit der Märtyrer – Papst Franziskus hat an diesem Montag erst wieder daran erinnert. 90.000 Christen sind im Jahr 2016 um ihres Glaubens willen ermordet worden, sagt der italienische Forscher Massimo Introvigne, der ein internationales Netzwerk namens „Studienzentrum Neue Religionen“ leitet.

„Nächsten Monat erscheint eine neue Statistik. Aus ihr ergibt sich, dass alle sechs Minuten ein Christ um seines Glaubens willen umgebracht wird. Diese Zahl ist etwas zurückgegangen im Vergleich zu den 105.000 Getöteten vor zwei Jahren. Die meisten Morde an Christen, siebzig Prozent bzw. 63.000 Menschen, geschehen bei Stammeskonflikten in Afrika. Das US-„Center for Study of Global Christianity“ nimmt sie mit auf in seine Statistik, weil man bei den meisten Christen davon ausgeht, dass sie sich aus Gewissensgründen geweigert haben, zu den Waffen zu greifen. Die übrigen dreißig Prozent, also 27.000 Menschen, rühren aus Terroranschlägen her, aus der Zerstörung christlicher Dörfer oder Verfolgungen durch eine Regierung wie etwa die nordkoreanische.“

Hauptgrund: Stammeskonflikte

Und was sagen die Schätzungen zur Zahl der weltweit verfolgten Christen? Auch darauf hat Introvigne eine Antwort: „Wenn man die Statistiken von mindestens drei US-Forschungszentren und meinem eigenen Netzwerk zusammensieht, kommt man auf etwa 500 bis 600 Millionen Christen, die ihren Glauben nicht völlig frei leben können. Ohne die Leiden von Mitgliedern anderer Religionen in irgendeiner Weise herunterzuspielen, sind doch die Christen die bei weitem am stärksten verfolgte religiöse Gruppe in der Welt.“

Zurück zur Zahl der um ihres Glaubens willen ermordeten Christen im Jahr 2016: „Man kann sich über die Statistiken wundern; das „Center for Study of Global Christianity“ spricht nämlich von 90.000 Christen, andere hingegen von nur einigen Tausend, wieder andere nur von einigen Hundert. Wenn die Diskrepanzen so groß sind, ist klar, dass da verschiedene Dinge gezählt werden. Wer die Menschen zählt, die bewußt vor die tragische Wahl gestellt werden: Verleugne deinen Glauben oder stirb!, der kommt jedes Jahr auf einige Hundert. Andere sehen die Sache weniger eng: Da werden nicht nur Kandidaten für eine Seligsprechung gezählt, sondern auch die Christen, die wegen bestimmter Glaubensgesten oder –praktiken getötet werden, das sind dann einige Tausend. Spricht man hingegen in weiterem Sinn von Menschen, die umgebracht werden, weil sie Christen sind, dann kommt man auf 90.000 Menschen – das heißt, ein Toter alle sechs Minuten.“

Statistiken und Schicksale

Hinter den blanken Zahlen sind natürlich einzelne Schicksale besonders anrührend. Wie etwa die der Christen im Herrschaftsbereich der Terrorgruppe „Islamischer Staat“.

„Ja, auf dem Gebiet des sogenannten Islamischen Staats gibt es verschiedene Fälle, die die Kirche auch schon mit Blick auf eine mögliche Seligsprechung untersucht. Es gibt Christen, die bewußt in diesen Gebieten geblieben sind, um dort so gut wie möglich ihren Glauben zu bezeugen. Allerdings tötet der IS auch viele Muslime; für 2016 liegt die Zahl der Christen und die der Muslime, die um ihres jeweiligen Glaubens willen umgebracht wurden, in etwa gleichauf – wenn wir Afrika ausnehmen. Muslime werden in der Regel von anderen Muslimen getötet: die Schiiten durch Sunniten, das ist der häufigste Fall. In einigen Fällen werden Muslime, die mit einer bestimmten Ausrichtung des Islams nicht einverstanden sind, von extremistischen Muslimen umgebracht. So verhält sich das auch beim IS.“

(rv 27.12.2016 sk)

Papst: Das Martyrium ist die Geschichte der Kirche

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Der Papst beim Angelus

Am Zweiten Feiertag, dem Stephanstag, gedenkt die Kirche ihres ersten Märtyrers und aller, die ihm gefolgt sind. So auch Papst Franziskus während seinem Angelusgebet auf dem Petersplatz. Der heilige Stephanus wurde um die 40 nach Christus wegen seines Glaubens umgebracht. Sein Opfer lade dazu ein, das Zeugnis, das er durch sein Opfer gegeben habe, zu bewahren, formulierte der Papst. „Es ist das große Zeugnis eines christlichen Märtyrers, der gelitten hat für die Liebe Jesu Christi, das Martyrium, das in der Geschichte der Kirche von Stephanus bis heute fortdauert.“

Von diesem Zeugnis spreche auch das Tagesevangelium (Mt 10, 17-22), in dem Jesus seine Jünger auf Ablehnung und Verfolgung um seinetwillen vorbereitet. Der Papst erklärte, warum Christen so „verhasst“ sind: „Die Welt hasst die Christen aus dem gleichen Grund, aus dem sie Jesus gehasst hat, weil er das Licht Gottes gebracht hat, und die Welt bevorzugt die Dunkelheit, um die schlechten Werke zu verbergen. Deshalb gibt es da einen Widerspruch zwischen der Mentalität des Evangeliums und der weltlichen. Jesus nachfolgen bedeutet, seinem Licht nachzufolgen, das die Nacht von Betlehem erleuchtet hat, und die Dunkelheit der Welt abzustreifen.“

Doch Jesus lädt jeden Menschen auf der Welt ein, das Licht und das Leben zu wählen, erklärt Franziskus. Genau das sei die tiefe Bedeutung seiner Ankunft als Kind in der Krippe. So wie Stephanus Christus, das Leben und das Licht gewählt habe. Er wurde zwar das Opfer des Bösen, doch am Ende habe Christus gesiegt, erklärte Franziskus. „Auch heute erlebt die Kirche an verschiedenen Orten Verfolgung, weil sie das Zeugnis von Licht und Wahrheit abgibt, bis hin zur höchsten Prüfung des Martyriums. Wieviele unserer Schwestern und Brüder im Glauben leiden unter Missbrauch, Gewalt und werden gehasst wegen Jesus! Ich sage ihnen eines: Die heutigen Märtyrer sind zahlreicher als die frühen der ersten Jahrhunderte! Wenn wir die Geschichte der ersten Jahrhunderte hier in Rom anschauen, lesen wir von viel Grausamkeit gegenüber den Christen. Ich sage aber, die gleiche Grausamkeit und gegenüber einer noch viel größerer Zahl gibt es auch heute gegenüber Christen. Heute wollen wir an sie denken und ihnen mit unserer Zuneigung, unserem Gebet und unseren Tränen nahe sein. Gestern, am Weihnachtstag, haben die verfolgten Christen im Irak in ihrer zerstörten Kathedrale Weihnachten gefeiert. Das ist ein Beispiel für die Treue zum Evangelium!“ Die irakischen Christen trotzten mit ihrem Weihnachten allen Gefahren; das zeuge von dem Mut, Christus zu folgen und dem Evangelium treu zu sein, würdigte Franziskus die verfolgten Christen von heute.

Nach seinem Angelus-Gebet bedankte sich der Papst für die Weihnachtswünsche, die er aus aller Welt erhalten habe. Da er nicht allen einzeln antworten könne, wolle er auf diesem Weg Danke sagen.

(rv 26.12.2016 pdy)

„Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ am 26. Dezember 2016

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KATHOLISCHE KIRCHE RUFT ZUR SOLIDARITÄT MIT CHRISTEN WELTWEIT AUF

Am 26. Dezember begehen die Katholiken in Deutschland den „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“. In den Gottesdiensten am zweiten Weihnachtstag soll besonders der Glaubensgeschwister gedacht werden, die vielerorts in der Welt Opfer von Ausgrenzung und Unterdrückung sind. Als Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz den zweiten Weihnachtstag ausgewählt, da die Kirche an diesem Tag das Fest des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers des Christentums, feiert.

In den Gottesdiensten dieses Tages soll der Verbundenheit mit den notleidenden Mitchristen vor allem in den Fürbitten Ausdruck verliehen werden. Auch sind die Gläubigen zum persönlichen Gebet für dieses Anliegen aufgerufen. 2016 stehen besonders die Christen in Saudi-Arabien im Fokus, die ihren Glauben nur heimlich leben können.

Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz stellt für diese Aktion ein Plakat (DIN A3) zur Verfügung, das vor allem zum Aushang in den Schaukästen der Pfarrgemeinden bestimmt ist. Außerdem ist ein von den deutschen Bischöfen empfohlener Gebetszettel erhältlich, der in das Gesang- und Gebetbuch eingelegt werden kann.

Der Gebetstag am 26. Dezember ist Teil der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, mit der die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen wollen. Zu der Initiative gehören eine Arbeitshilfe, die jeweils eine Schwerpunktregion in den Blick nimmt, Solidaritätsreisen, Gespräche mit politisch Verantwortlichen, Besuche von Bischöfen aus bedrängten Ortskirchen, ein Fürbittformular sowie die Bereitstellung von vierteljährlich wechselnden Gebetsmeinungen.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Schick (Bamberg), hat am 1. Dezember 2016 zusammen mit Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar des Vikariats Südliches Arabien, aus Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) ein Informationsheft zur Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel vorgestellt.

Hinweise:
Die Fürbitten finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen. Das Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen können in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden.

Weitere Informationen sind auf der Initiativseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ verfügbar.

Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Arabische Halbinsel“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

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Quelle

Vatikan-Diplomat: Zunehmend antichristliche Stimmung

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Vatikan-Diplomat Antoine Camilleri – RV

Vatikan-Diplomat Antoine Camilleri ortet eine zunehmend „antichristlichen Stimmung“ auch in Europa: „Unter der Maske von ‚political correctnes‘ werden der christliche Glaube und die christliche Moral als feindlich angesehen“, sagte er bei einer OSZE-Konferenz zur „Bekämpfung von Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Christen“ am Mittwoch in Wien. Der Vatikan hatte Camilleris Statement erst am Donnerstag veröffentlicht. Demnach warnte der Vatikan-Vertreter vor einer zunehmend „antichristlichen Stimmung“ auch in Europa. Der Fokus der Sorge um die Zukunft der Christen liege derzeit stark auf dem Nahen Osten, zugleich dürfe man jedoch auch vor beunruhigenden Entwicklungen in Europa nicht die Augen verschließen.

Nicht nur im Nahen Osten, auch im Raum der OSZE-Staaten verschärfe sich die Situation für Christen, so Camilleri: „Vorsätzliche Zerstörung von Kirchen, Vandalismus gegen religiöse Symbole – Kreuze, Statuen-, sakraler Diebstahl und Missbrauch von dem, was Christen heilig ist“. Noch beunruhigender sei aber, dass es eine „antichristliche Stimmung“ gebe. Unter dem Vorwand der Toleranz und Nichtdiskriminierung werde Religionsfreiheit eingeschränkt. Dies sei – wie es Papst Franziskus definiert habe, eine „gebildete Form der Verfolgung von Christen, eine mit weißen Handschuhen“. Sie konkretisiere sich in der Form von Antidiskriminierungsgesetzen, die das Prinzip der Religionsfreiheit abstreiten würden.

Nichtreligiöser öffentlicher Diskurs angestrebt

„Unter der Maske von ‚political correctnes‘ werden der christliche Glaube und die christliche Moral als feindlich und beleidigend angesehen. Sie sollten demzufolge aus dem öffentlichen Diskurs entfernt werden“, so der aus Malta stammende Prälat. Für den Heiligen Stuhl sei die Förderung der Religionsfreiheit eine „zentrale und grundlegende Priorität“. Dabei gehe es nicht darum, eigene Interessen zu verteidigen, sondern um die Freiheit an sich – „weil diese Freiheit ist ein Lackmus-Test für die Achtung aller anderen Menschenrechte und Grundfreiheiten ist“.

„Die Verteidigung der Religionsfreiheit für Christen ist daher ein wirksames Instrument, um die Menschenrechte von anderen Gläubigen zu verteidigen“, sagte Camilleri. Denn Religion und Glauben – und damit auch das Christentum – hätte eine „unbegrenzte Kapazität“, in der Gesellschaft das Gute zu festigen und zu praktizieren, betonte der Diplomat unter Verweis auf die religiöse motivierten NGOs und Hilfswerke.

Bei der Konferenz, die in der Wiener Hofburg stattfand, wurde in drei „Sessions“ von den internationalen Teilnehmern über „Best practise“-Beispiele in der Bekämpfung der Intoleranz sowie über Präventivmaßnahmen beraten. Unter den OSZE-Mitgliedsstaaten gebe es einen breiten Konsens darüber, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus sowie Diskriminierung und Intoleranz u.a. gegen Muslime, Christen und Juden verhindert und so genannte „hate crimes“ bekämpft werden müssten, heißt es in einem Konferenz-Papier. „Vermehrte Attacken auf Christen und Gemeinden in den letzten Jahren“ in der OSZE-Region hätten die Notwendigkeit deutlich werden lassen, sich dieser Thematik verstärkt zu widmen.

Ziel müsse zum einen eine bessere Dokumentation von Akten der Intoleranz Gewalt speziell gegenüber Christen sein, zum anderen die Entwicklung von Bildungs- und Schulungsprogrammen, die dieses Thema etwa in den Schulen zur Sprache bringen. Auch wurden spezielle Trainings für Politiker, gesellschaftliche Entscheidungsträger und Journalisten, um diese dafür zu sensibilisieren, angeregt.

In einem Forderungskatalog ruft die Direktorin des in Wien ansässigen „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians“, Ellen Kryger Fantini, die OSZE-Staaten und das Büro des deutschen Diplomaten Michael Link (Leiter der OSZE-Menschenrechtssektion ODIHR) dazu auf, speziell einen Fokus auf das Problem der Intoleranz gegenüber christlichen Flüchtlingen etwa in Flüchtlingsunterkünften zu legen. Es brauche gerade im Blick auf die Flüchtlingskrise spezielle Programme zum Schutz der christlichen Minderheit unter den mehrheitlich sunnitischen Flüchtlingen in den Flüchtlingsunterkünften, so Kryger Fantini. Christen, die bereits Opfer von religiöser Gewalt geworden sind, müssten in eigenen Unterkünften untergebracht werden.

Es brauche außerdem spezielle Trainings und Schulungen für politische Entscheidungsträger und religiöse Führer, um das Problem religiöser Diskriminierung speziell gegenüber Christen dauerhaft zu bekämpfen. Kryger Fantini war am Vortag der Konferenz mit zwölf Vertretern zivilgesellschaftlicher Organisationen zusammengekommen. Dabei wurde ein umfangreicher Empfehlungskatalog an die OSZE/ODIHR erarbeitet, den Kryger Fantini bei der Konferenz präsentierte.

(rv/kap 16.12.2016 pr)

Wort des Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki: Verrückte Welt

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Eklatante Gegensätze: In reichen Ländern wird aus dem Weihnachtsfest ein riesiges Spektakel. In vielen armen Ländern hingegen herrschen Krieg und Hunger. Uns Christen bleibt da nur die Hoffnung auf ein Licht.

Was für eine verrückte Welt: Nicht nur in Aleppo sterben Tag für Tag Menschen in einem grausamen Krieg – und hier bei uns öffnen jeden Tag die Weihnachtsmärkte, steigt jeden Tag eine neue feuchtfröhliche Weihnachtsfeier. Nicht nur in den Elendslagern rund um Nigeria sterben tausende von Kindern vor Hunger – und hier bei uns wissen viele Eltern noch nicht, mit welchem Geschenk sie ihren Kindern eine Freude zum Fest machen können. Nicht nur in Europa werden fast täglich Flüchtlinge und Flüchtlingsheime angegriffen – und gleichzeitig aber gibt es unzählige gute Adventsaktionen, wo Armen und Bedürftigen geholfen wird.

Manchmal drohe ich kirre zu werden an dieser Welt, die sich so zerrissen, so unfriedlich präsentiert. Aber immer wieder bin ich auch überrascht über die unbeschreiblich große Hilfe für Arme und Notleidende, die überall von Menschen geleistet wird.

Gerade jetzt aber im Advent darf ich hoffen. Hoffen auf einen Heiland, der unsere unheilvolle Welt heil macht. Hoffen auf einen Friedensfürst, der unsere kriegerische und terrorbedrohte Welt befriedet. Hoffen auf ein Licht, dass unsere dunkle Welt hell macht.

Ich freue mich auf Weihnachten. Ich freue mich auf den Engel des Herrn, der unsere Ängste und Sorgen kennt und spricht: „Fürchtet Euch nicht. Siehe, ich verkünde Euch eine große Freude …“

Ich wünsche auch Ihnen diese adventliche Hoffnung und Freude.

Ihr

Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

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