Das Geschenk des Zölibats – das endgültige ‚Ja’

Newly elected Pope Joseph Ratzinger of Germany waves to the crowd from the central balcony of St. Peter’s Basilica, at the Vatican, Tuesday, April 19, 2005. (AP Photo/ Andrew Medichini)

6. Februar 2020, 13:00

Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: ein in sich geschlossener Kreis: Es ist wichtig, sich immer von neuem von der Identifikation des ‚Ichs’ Christi mit uns durchdringen lassen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) 2010: das Jahr des ersten Missbrauchskandals in Deutschland, das Jahr nach dem schweren Missbrauchskandal in Irland. Aber auch: das Jahr, das einige deutsche Politiker, „ZDK“-Mitglieder und Rampenlicht-Theologen mit einer künstlich induzierten Diskussion um den Zölibat enden lassen hatten (wie man sieht: „nihil novi sub sole“), die sich dann im darauffolgenden Jahr fortsetzen sollte.

Der Zölibat – ein Reizthema schlechthin. In einem „offenen Brief“ hatten es die Politiker für notwendig erachtet, „die deutschen Bischöfe im Lichte der besorgniserregenden Zunahme des Priestermangels zu bitten, die Zulassung von ‚viri probati‘ zur Priesterweihe zu ihrem eigenen Anliegen zu machen“. Dazu gesellte sich ein Thesenpapier oder „Memorandum – Kirche 2011“ mit theologischen Ansprüchen.

2010 – es war auch das von Benedikt XVI. ausgerufene „Priesterjahr“, während dessen sich der Papst konstant mit dem Wesen des katholischen Priesters, des Priesterseins und des Priestertums auseinandersetzte, als Bischof den Priestern zu Seite stand und die Laien verstehen ließ, welche Schätze das sakramentale Priestertum birgt.

Im Juni 2010 endete jenes Jahr mit zwei Höhepunkten: dem internationalen Priestertreffen sowie der abschließenden Messe am Herz-Jesu Freitag und mit der Vigil auf dem Petersplatz mit Zehntausenden von Gläubigen und Priestern. An jenem lauen Vorsommerabend hatte sich eine besondere Atmosphäre auf dem Platz gebildet, eine Atmosphäre des Guten, des Sakralen, des heiligen Atmens, eine Atmosphäre, die heute nur eine ferne Erinnerung darstellt. Benedikt XVI. trat mit den nach Kontinenten eingeteilten Priestern, die ihre Anliegen und Fragen vortrugen, in einen intensiven Dialog. Die auf dem Platz eingekehrte tiefe Stille machte die Worte des Papstes umso eindringlicher, Worte, die den Zuhörenden einfach mitnahmen, erfassten, um dann als Geschenk zu bleiben.

Ein Priester stellte auch eine Frage zum Zölibat. Er betonte zum einen die Schönheit des gelebten Zölibats, zum anderen die von der Welt provozierten Verwirrungen mit Kritiken, die einer rein weltlichen Dimension entstammen. Und mit hellem und frohem Gesicht antwortete ihm der Papst.

„Der Zölibat ist ist ein endgültiges »Ja«, ein sich von den Händen Gottes Ergreifenlassen, ein sich in die Hände Gottes, in sein »Ich« Hineinlegen, das heißt es ist ein Akt der Treue und des Vertrauens, ein Akt, der auch Voraussetzung ist für die Treue in der Ehe. Es ist genau das Gegenteil dieses »Nein«, dieser Autonomie, die sich nicht verpflichten will, die keine Bindung eingehen will. Es ist das endgültige »Ja«, das das endgültige »Ja« der Ehe voraussetzt und bestätigt“.

Benedikt XVI., Gebetswache anlässlich des internationalen Priestertreffens – Abschluss des Priesterjahres, Gespräch mit den Priestern auf dem Petersplatz:

Heiliger Vater, ich heiße Don Karol Miklosko und komme aus Europa, das heißt aus der Slowakei, und ich bin Missionar in Rußland. Wenn ich die heilige Messe feiere, finde ich mich selbst und verstehe, daß ich dort meine Identität finde und die Wurzel und Energie für meinen Dienst. Das Kreuzesopfer offenbart mir den Guten Hirten, der alles für seine Herde, für jedes einzelne Schaf hingibt. Und wenn ich sage: »Das ist mein Leib … das ist mein Blut«, das für euch hingegeben und vergossen worden ist, dann verstehe ich die Schönheit des Zölibats und des Gehorsams, die ich im Augenblick der Weihe aus freiem Willen versprochen habe.

Auch mit den natürlichen Schwierigkeiten scheint mir der Zölibat einleuchtend zu sein, wenn ich auf Christus schaue, aber ich fühle mich ganz verwirrt, wenn ich die vielen weltlichen Kritiken an dieser Gabe lese. Ich bitte Sie demütig, Heiliger Vater, uns die Tiefe und den echten Sinn des Zölibats des Klerus zu erhellen.

Benedikt XVI.: Danke für die beiden Teile Ihrer Frage. Den ersten, wo Sie die beständige und vitale Grundlage unseres Zölibats aufzeigen; den zweiten, der alle Schwierigkeiten sichtbar werden läßt, in denen wir uns in unserer Zeit befinden. Wichtig ist der erste Teil, das heißt: das Zentrum unseres Lebens muß wirklich die tägliche Eucharistiefeier sein; und hier sind die Wandlungsworte zentral: »Das ist mein Leib, das ist mein Blut«, das heißt wir sprechen »in persona Christi«. Christus erlaubt es uns, sein »Ich« zu benutzen, wir sprechen im »Ich« Christi, Christus zieht uns in sich hinein und erlaubt uns die Vereinigung mit ihm, er vereint uns mit seinem »Ich«.

Und so, durch sein Handeln, durch diese Tatsache, daß er uns in sich »hineinzieht«, so daß unser »Ich« mit seinem »Ich« vereint wird, verwirklicht er das Andauern, die Einzigartigkeit seines Priestertums; so ist er wahrhaft immer der einzige Priester, und dennoch sehr gegenwärtig in der Welt, weil er uns in sich hineinzieht und so seine priesterliche Sendung gegenwärtig macht. Das bedeutet, daß wir in den Gott Jesu Christi »hineingezogen« werden: Es ist diese Einheit mit seinem »Ich«, die in den Worten der Wandlung Wirklichkeit wird. Auch im »Ich spreche dich los« – denn keiner von uns könnte von Sünden lossprechen – ist es das »Ich« Christi, Gottes, das allein die Lossprechung erteilen kann. Diese Vereinigung seines »Ichs« mit dem unseren beinhaltet, daß wir auch in seine Wirklichkeit als Auferstandener »hineingezogen« werden, daß wir vorangehen auf das volle Leben der Auferstehung zu, von dem Jesus im 22. Kapitel des Matthäusevangeliums zu den Sadduzäern spricht: es ist ein »neues« Leben, in dem es keine Ehe mehr gibt (vgl. Mt 22,23–23).

Es ist wichtig, daß wir uns immer von neuem von dieser Identifikation des »Ichs« Christi mit uns durchdringen lassen, von diesem »Hinausgezogen werden« in die Welt der Auferstehung. In dieser Hinsicht ist der Zölibat eine Vorwegnahme. Wir übersteigen diese Zeit und gehen weiter, und so »ziehen« wir uns selbst und unsere Zeit auf die Welt der Auferstehung hin, auf die Neuheit Christi, das neue und wahre Leben zu. Das heißt, der Zölibat ist eine Vorwegnahme, die möglich wird durch die Gnade des Herrn, der uns zu sich »zieht«, zur Welt der Auferstehung hin; er lädt uns immer von neuem ein, uns selbst zu übersteigen, diese Gegenwart, hin auf die wahre Gegenwart der Zukunft, die heute Gegenwart wird. Und hier sind wir an einem sehr wichtigen Punkt angelangt. Ein großes Problem des Christentums der heutigen Welt ist, daß man nicht mehr an die Zukunft Gottes denkt: die bloße Gegenwart dieser Welt scheint ausreichend zu sein. Wir wollen nur diese Welt haben, nur in dieser Welt leben. So schließen wir die Tür für die wahre Größe unseres Lebens.

Der Sinn des Zölibats als Vorwegnahme der Zukunft ist gerade das Öffnen dieser Türen, die Welt größer werden zu lassen, die Wirklichkeit der Zukunft zu zeigen, die von uns schon jetzt als Gegenwart gelebt werden muß. So leben wir im Zeugnis des Glaubens: Wir glauben wirklich, daß es Gott gibt, daß Gott in meinem Leben eine Rolle spielt, daß ich mein Leben auf Christus bauen kann, auf das zukünftige Leben.

Und jetzt erkennen wir die weltliche Kritik, von der Sie gesprochen haben. Es ist wahr, daß für die agnostische Welt, die Welt, in der Gott keine Rolle spielt, der Zölibat etwas ist, das großen Anstoß erregt, weil gerade er zeigt, daß Gott als Wirklichkeit betrachtet und erlebt wird. Mit dem eschatologischen Leben des Zölibats tritt die zukünftige Welt Gottes in die Wirklichkeiten unserer Zeit. Und das soll beseitigt werden! In gewisser Hinsicht mag diese beständige Kritik am Zölibat überraschen, in einer Zeit, in der es immer mehr Mode wird, nicht zu heiraten.

Aber dieses Nicht-Heiraten ist etwas vollständig und grundlegend anderes als der Zölibat, denn das Nicht-Heiraten ist auf den Willen gegründet, nur für sich selbst zu leben, keine endgültige Bindung zu akzeptieren, das Leben zu jedem Zeitpunkt in vollkommener Autonomie zu leben, jeden Augenblick zu entscheiden, was zu tun ist, was man vom Leben nimmt; es ist daher ein »Nein« zur Bindung, ein »Nein« zur Endgültigkeit, es bedeutet, das Leben nur für sich allein zu haben.

Der Zölibat dagegen ist genau das Gegenteil: er ist ein endgültiges »Ja«, ein sich von den Händen Gottes Ergreifenlassen, ein sich in die Hände Gottes, in sein »Ich« Hineinlegen, das heißt es ist ein Akt der Treue und des Vertrauens, ein Akt, der auch Voraussetzung ist für die Treue in der Ehe. Es ist genau das Gegenteil dieses »Nein«, dieser Autonomie, die sich nicht verpflichten will, die keine Bindung eingehen will. Es ist das endgültige »Ja«, das das endgültige »Ja« der Ehe voraussetzt und bestätigt. Und diese Ehe ist die biblische Form, die natürliche Form des Mann- und Frau-Seins, die Grundlage der großen christlichen Kultur und großer Kulturen der Welt. Und wenn das verschwindet, wird die Wurzel unserer Kultur zerstört.

Deshalb bestätigt der Zölibat das »Ja« der Ehe mit seinem »Ja« zur zukünftigen Welt, und so wollen wir weitergehen und diesen Anstoß eines Glaubens gegenwärtig machen, der sein ganzes Leben auf Gott setzt. Wir wissen, daß es neben diesem großen Ärgernis, das die Welt nicht sehen will, auch die zweitrangigen Skandale unserer Unzulänglichkeiten, unserer Sünden gibt, die das große Ärgernis verdunkeln und denken lassen: »Aber sie gründen ihr Leben nicht wirklich auf Gott!« Aber es gibt sehr viel Treue! Der Zölibat, das zeigt gerade die Kritik, ist ein großes Zeichen des Glaubens, der Gegenwart Gottes in der Welt. Bitten wir den Herrn, daß er uns hilft, uns von den zweitrangigen Skandalen zu befreien, daß er das große »Ärgernis« unseres Glaubens gegenwärtig macht: das Vertrauen, die Kraft unseres Lebens, das auf Gott und Jesus Christus gegründet ist!

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Quelle

 

Kardinal Müller: „Es gibt nur einen Papst, Franziskus“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Der frühere Leiter der Römischen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat den Sonderstatus Benedikt XVI. als emeritierter Papst bestritten. „Wir haben keine zwei Päpste, es gibt nur einen Papst, Franziskus“, sagte Müller der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ in der Dienstagsausgabe.

Die Anrede als Papst emeritus sei eine Höflichkeitsform. „In Wirklichkeit ist Benedikt XVI. ein emeritierter Bischof“, so der Kardinal. Müller, von 2012 bis 2017 Präfekt der Glaubenskongregation, widersprach Deutungen, Benedikt XVI. mische sich durch Briefe und Aufsätze in die Amtsführung von Franziskus ein. Alle Bischöfe, auch emeritierte, hätten teil am Lehramt der Kirche und besäßen gemeinsam die Verantwortung für das katholische Glaubensgut, betonte er.

In der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“ bezeichnete Kardinal Müller die Gegenüberstellung von Benedikt XVI. und Franziskus als „antikirchliches Spiel“. Es sei „absolut klar“, dass alle Kardinäle, Bischöfe und Katholiken an der Seite von Papst Franziskus stünden, so der frühere Glaubenspräfekt, dessen fünfjähriges Mandat von Franziskus 2017 nicht verlängert worden war und der sich wiederholt kritisch über Positionen des amtierenden Papstes geäußert hatte.

Zur Debatte um verheiratete Priester sagte Müller, innerhalb der katholischen Kirche des lateinischen Ritus seien Ausnahmen aus seiner Sicht nicht möglich, weil eine kirchenferne Öffentlichkeit dies als Abschaffung des Zölibats an sich interpretieren würde.

(kap – mg)

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Emeritierter Papst im Interview

Begegnung des amtierenden Papstes Franziskus (re) und des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (li) im Oktober 2019 im Vatikan (Vatican Media)

Der frühere Papst Benedikt XVI. hat in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunks (BR) und der Zeitung „Münchner Merkur“ über sein fortschreitendes Alter und seine Heimat Bayern gesprochen.

Mit Heimat verbunden

„Ich bin ein alter Mann am Ende meines Lebens“, wird Benedikt XVI. (2005-2013) zitiert. In seinem Rückzugsort im Vatikan, dem Kloster „Mater Ecclesiae“ (Lat. für: „Mutter der Kirche“), meinte der 92-Jährige, dass er sich nach seiner Heimat Bayern sehne. „Ich bin im Herzen stets mit Bayern verbunden und empfehle unser Land am Abend immer dem Herrn“, so der „Papa emeritus“ wörtlich.

Rücktritt nie bedauert

2013 war Benedikt XVI. als erster Papst seit mehr als 700 Jahren freiwillig zurückgetreten. Papst Franziskus übernahm nach seiner Wahl am 13. März 2013 sein Amt. Benedikt XVI. und nunmehriger „Papa emeritus“ habe seinen Rücktritt nie bedauert, wird sein Privatsekretär Georg Gänswein zitiert. „Der Rücktritt war eine lange, reichlich durchbetete und durchlittene Entscheidung, die er nie bereut hat“, so Erzbischof Gänswein, der eine Doppelfunktion als „Präfekt des Päpstlichen Hauses“ von Papst Franziskus und Privatsekretär von Benedikt XVI. innehat.

Benedikt lebt seit seinem Rücktritt zurückgezogen mit seinem Privatsekretär in einem umgebauten früheren Kloster in den vatikanischen Gärten. Zwar sei er zu schwach zum Reisen, aber: „Er sagt oft: Aber ich bin ja trotzdem in Bayern, im Herzen wandere ich einfach die Heimat ab“, so Gänswein. „Eine Wanderung, die unabhängig ist von seinen physischen Kräften und Einschränkungen.“

Historischer Schritt

Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn geboren. 2005 wurde er zum Nachfolger von Johannes Paul II. (1978-2005) gewählt. Am 11. Februar 2013 hatte Benedikt XVI. während eines Konsistoriums bekannt gegeben, mit 28. Februar 2013, 20 Uhr, „auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, zu verzichten“. Er begründete die Entscheidung mit seinen nachlassenden körperlichen und geistigen Kräften. Zum ersten Mal, seit Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. durch das Konzil von Konstanz 1414-1418 ihre Ämter verloren, schied damit ein Papst nicht durch Tod aus dem Amt. Aus eigener Entscheidung hatte dies zuletzt 1294 Coelestin V. getan, dessen Reliquien Benedikt XVI. im April 2009 in L’Aquila verehrte.

Leben im Kloster

Nach einer Generalaudienz auf dem Petersplatz am 27. Februar 2013 und weiteren Audienzen am 28. Februar zog Benedikt XVI. sich am Nachmittag nach Castel Gandolfo zurück, wo er sich am frühen Abend ein letztes Mal als Papst den Gläubigen zeigte. Nachdem ein Bereich des Klosters Mater Ecclesiae für ihn als Wohnsitz umgebaut worden war, kehrte Benedikt am 2. Mai 2013 in den Vatikan zurück, wo er von seinem sieben Wochen vorher gewählten Nachfolger, Papst Franziskus, begrüßt wurde.

(kap – pr)

Papst Benedikt XVI. zur Gender-Philosophie

Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, daß der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht. Hatten wir bisher ein Mißverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, daß dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiele ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu“. („On ne naît pas femme, on le devient“). In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muß, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe. Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, daß er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, daß sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern daß er selber sie macht. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, daß er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim zeigt, daß es nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann. Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, daß dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.

Quelle

Papst Benedikt XVI. [2009]: Das Miteinander der Religionen

Gemäß Papst Benedikt XVI. [ZG09051213 – 12.05.2009] „hören die Gläubigen der großen monotheistischen Traditionen (also die Juden und die Christen und die Muslime) – wie Abraham – auf Gottes Stimme, sie antworten auf seinen Ruf und ziehen aus; sie suchen nach der Erfüllung seiner Verheißungen, streben danach, seinem Willen zu gehorchen…“

Er, der Papst, will nicht zu jenen gehören, die „schnell damit zur Hand sind, auf die offensichtlichen Unterschiede zwischen den Religionen hinzuweisen“, „die uns glauben machen, dass unsere Unterschiede zwangsläufig Anlass zur Uneinigkeit geben und sie daher höchstens toleriert werden können“, sondern er will vielmehr „deutlich deren Gemeinsamkeiten verkünden“.

Er glaubt, „dass eine Einheit möglich ist, die nicht von der Gleichförmigkeit abhängt“, dass „unsere Verschiedenheiten niemals fälschlich als unvermeidlicher Grund für Reibereien oder Spannungen hingestellt werden dürfen, weder unter uns selbst noch in der Gesellschaft im ganzen“, dass „ein Leben in Treue zur Religion (gleich welcher) ein Widerhall von Gottes Gegenwart ist, die in unsere Welt hineinbricht“, dass (alle) „gemeinsam verkünden können, dass Gott existiert, dass man ihn erkennen kann, dass die Erde seine Schöpfung ist und dass wir seine Geschöpfe sind und dass er jeden Menschen aufruft, so zu leben, dass er seinen Plan für die Welt achtet“, dass „die Verschiedenheiten den Menschen unterschiedlicher Religion eine wunderbare Gelegenheit geben, in tiefer gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und Anerkennung zusammenzuleben und einander auf Gottes Wegen zu ermutigen“.

Für Benedikt XVI. „ist die Wahrheit weit davon entfernt, die Toleranz gegenüber Unterschieden [der Religion] zu gefährden“; „vielmehr ermögliche sie einen Konsens“.

Nun müssen wir uns folgende Fragen stellen: Hören die Muslime, die Juden auf Gottes Stimme? Antworten sie auf Seinen Ruf? Suchen sie nach der Erfüllung Seiner Verheißungen, streben sie danach, Seinem Willen zu gehorchen? Auf alle diese Fragen muss ein gläubiger Christ doch in aller Deutlichkeit mit einem dreifachen NEIN! antworten. Gottes Stimme ist doch das WORT GOTTES, der LOGOS, JESUS CHRISTUS, der MENSCH gewordene GOTTES-SOHN, der GOTT-MENSCH. Gottes Ruf ist doch DAS EVANGELIUM CHRISTI; die Erfüllung Seiner Verheißungen ist doch Seine MENSCH-WERDUNG, Sein Leben und Wirken und Lehren unter uns Menschen, Sein uns erlösender Opfertod am Kreuz, Seine Auferstehung, Seine Sendung des Heiligen Geistes, die Gründung Seines Reiches, der KIRCHE! Das ALLES bestreiten, leugnen und verurteilen doch sowohl die Muslime wie die Juden. Und das gibt zwangsläufig Anlass zur Uneinigkeit, und von uns Christen kann diese Widersetzlichkeit gegen Gott niemals gutgeheißen, auch nicht verharmlost und entschuldigt, sondern höchstens toleriert werden.

Es gibt für uns Christen keine Gemeinsamkeiten zu verkünden zwischen uns und den Anti-Christen. Auch das scheinbar Gemeinsame ist nicht das Gleiche, bedeutet nicht Dasselbe, dient nicht Demselben. Unsere Verschiedenheiten sind in der Tat „unvermeidlicher Grund für Reibereien und Spannungen“, Dissens, Ablehnungen und Verurteilungen; denn ein Leben in Treue zu einer falschen Religion ist niemals ein Widerhall von Gottes Gegenwart, die in unsere Welt hineinbricht, sondern ein Widerhall Seines Widersachers, der die Gegenreligion(en) inspiriert und konstruiert.

Wir Christen können mit unseren erklärten Gegnern nicht „gemeinsam verkünden, dass Gott existiert, dass man Ihn erkennen kann…, dass Er jeden Menschen aufruft, so zu leben, dass er Seinen Plan für die Welt achtet“; denn der Gott der Muslime und der Juden ist nicht der Gott der Christen; unser Gott ist drei-persönlich: Vater, Sohn und Heiliger Geist, und unser Gott ist in JESUS CHRISTUS MENSCH GEWORDEN und hat unter uns gewohnt, gewirkt, gelehrt, gelitten, gestorben, ist glorreich auferstanden, in den Himmel aufgefahren, wo Er zur Rechten des ewigen Vaters thront und von wo Er kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten.

Denn die Muslime und die Juden leben nicht so, dass sie Gottes Plan für die Welt achten. Sie bestreiten ihn ja, diesen ausgeführten Plan, und verachten ihn und werden – jetzt sogar mit dem Segen Benedikt XVI. auf ihren Irrwegen voranschreiten, indem sie all das achten, was sie von uns unterscheidet.

Paul Otto Schenker

AUCH PAPST BENEDIKT XVI. SIEHT/SAH DEN ISLAM FALSCH

ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI.
AN DIE TEILNEHMER AM ERSTEN SEMINAR DES
KATHOLISCH-MUSLIMISCHEN FORUMS

 

Lesen Sie zuerst diese päpstliche Ansprache,

dann nachfolgend diesen meinen Kommentar dazu!

Es ist kaum zu fassen: wenn man diese Ansprache des Papstes liest, hat man den Eindruck, sie richte sich an irgendwelche (von der römisch-katholischen Kirche) (in Unwesentlichem, in Nebensächlichem) „getrennte Christen“. Nun handelt es sich aber um Muslime, also „Gläubige“ der islamischen, mohammedanischen, koranischen „Religion“ und damit um (UNGETAUFTE) fundamentale IRR-GLÄUBIGE, um Praktizierende, Anhänger, Bekenner, Lehrer, Verfechter der irreformablen, UNMISSIONIERBAREN GEGEN-RELIGION zur CHRISTLICHEN, zur GÖTTLICHEN RELIGION. Und der Papst, der Stellvertreter CHRISTI, der oberste HIRTE der HERDE CHRISTI, tituliert sie mit „LIEBE FREUNDE“. Er bekundet ihnen seine ACHTUNG und glaubt, sie hätten mit den Christen „gemeinsame Werte“; denn die Gottes- und Nächstenliebe sei doch auch DAS HERZSTÜCK, eine zentrale Lehre des Islams; ihr „Zugang zu den Dingen, die GOTT betreffen“ sei nur ein anderer, eine andere „Tradition“; die Botschaft (auch der islamischen Religion) sei doch „unversiegbar eine Botschaft der Harmonie und des gegenseitigen Verständnisses“, „das Geschenk Gottes – das Leben – sei doch auch für Moslems HEILIG“, und er möchte nicht, dass „die Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit“ (sowohl) der islamischen (wie der christichen) Religion „geschwächt werden“. Er betrachtet sie (die Muslime mit den Christen) als „Glieder der einen FAMILIE, die Gott von der Schöpfung der Welt bis zum Ende der menschlichen Geschichte geliebt und um sich gesammelt hat“ und er will mit ihnen „solidarisch“ sein. Gottes Name kann für ihn, den Papst, „nur ein Name des Friedens und der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und der Liebe sein“ und er schließt offensichtlich daraus, dass dies dann auch heißen müsse: Frieden und Brüderlichkeit mit den Feinden CHRISTI, mit den Feinden GOTTES! Er will MIT IHNEN ZUSAMMEN „den Weg zu einer immer volleren Erkenntnis der Wahrheit einschlagen“, indem er die „von gutem Willen beseelten Anstrengungen (der Christen und Muslime) VEREINEN will, um alle Missverständnisse und MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN zu überwinden, um Vorurteile aus der Vergangenheit auszuräumen und die oft verzerrten Bilder vom anderen zu korrigieren, die noch heute Schwierigkeiten in den Beziehungen hervorrufen können“. Er will mit den Muslimen „eine GEMEINSAME ZUKUNFT aufbauen“ und er betet zu Gott, er möge (auch) den Muslimen beistehen, sie schützen und SEGNEN. Er glaubt, dass ihr Glaube auch VOLLKOMMEN sein könne, wenn sie nur das tun, was sie für sich selber wünschen. Kein Wort von heilsnotwendiger Bekehrung zum einzigen Retter und Erlöser JESUS CHRISTUS, auch wenn er immerhin vor ihnen zutreffend bekundet: „Die Liebe Gottes wurde sichtbar, sie offenbarte sich vollkommen und endgültig in Jesus Christus. So kam er herab, um dem Menschen zu begegnen, und während er Gott blieb, nahm er unsere Natur an. Er gab sich selbst hin, um jedem Menschen die volle Würde zurückzugeben und uns DAS HEIL ZU BRINGEN.“ Kein Wort darüber, dass der Islam das Heil, das Er, GOTT, in JESUS CHRISTUS gebracht hat, von sich weist und dass darum seine Anhänger im UN-HEIL verharren. Keine Erkenntnis und Anerkenntnis, dass die „theologischen und spirituellen Grundlagen“ des Islams solcherart sind, dass auch die „moralischen Werte“ kein Teil eines „gemeinsamen Erbes“ sind und sein können und keine gemeinsame Basis für den Aufbau einer brüderlichen Welt bilden, und dass der Islam von Grund auf nicht eine Religion, sondern eine „Ideologie von vernichtender Macht“ ist.

Paul Otto Schenker