Damit Maria Königin des Friedens sein kann, müssen wir ihr helfen

saint_nicholas_catholic_church_zanesville_ohio_-_stained_glass_rose_window_immaculate_conception-740x493

Maria Empfängnis, Zanesville, Ohio (USA) / Wikimedia Commons – Nheyob, CC BY-SA 4.0 (Cropped)

Impuls von Msgr. Peter von Steinitz
zum Fest der Unbefleckten Empfängnis 2016

Wir sind am Ende und Ziel der diesjährigen Novene angekommen und feiern die „ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Die meisten von uns wissen auch, dass dies ein Dogma ist, also ein unverrückbarer Glaubenssatz, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Kirchengeschichte durch das Lehramt der Kirche ein für allemal feierlich proklamiert worden ist. Im Zusammenhang mit der Gottesmutter hat die katholische Kirche bisher vier Dogmen verkündet:

431 die göttliche Mutterschaft (Theotokos)

1555 die immerwährende Jungfräulichkeit

1854 die Unbefleckte Empfängnis und

1950 die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.

Aber, liebe Brüder und Schwestern, das Aufzählen von Glaubenssätzen ist noch nicht das, um was es hier am heutigen Tage eigentlich geht. Es ist gut, dass wir fest daran glauben, dass Maria ohne jede Sünde, sogar ohne die Ursünde, ist. Auf der anderen Seite könnte einen das  trotzdem kalt lassen, man könnte salopp und cool sagen: schön für sie.

Und die unausgesprochene Frage des heutigen Menschen lautet auch hier wie immer: was bringt mir das? Und wenn man es tatsächlich auf das abstrakte Wissen beschränkt, ist die Frage und das, was sie weiterhin beinhaltet, sogar berechtigt. Allerdings könnte es uns dann so gehen wie jenem Mann, von dem der hl. Josemaría Escrivá erzählt, der während des II. Vatikanischen Konzils einmal ganz aufgebracht zu ihm sagte, man habe in der Konzilsaula diesen Satz gehört: wir müssen nun noch das „Thema der Muttergottes“ unterbringen.

„Sprechen so Kinder von ihrer Mutter? Als von einem Thema?“

Bei allem, was mit Maria zu tun hat, haben die Christen unserer Zeit immer wieder gegen zwei mögliche Verirrungen zu kämpfen: den Kitsch und die Sentimentalität. Solange wir nur sachliche, theologische Aussagen über sie machen, ist da keine Gefahr. Aber sobald wir das Herz sprechen lassen, werden wir sehr schnell verunsichert, weil man uns ja für allzu gefühlvoll halten könnte oder aber man an unserem guten Geschmack zweifeln könnte. Sehr viele Andachtsbilder kommen für den gebildeten Christen einfach nicht infrage, weil sie geschmacklos sind – ein Phänomen, das es im Mittelalter oder im Barock nicht gegeben hat.

Hier kommt uns nun  von außerhalb der Kirche jemand zu Hilfe, der uns ein  Bild von Maria entwirft, das von höchster künstlerischer Qualität und zugleich großer menschlicher Wärme ist.

Einer der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter des 20. Jahrhunderts, Franz Werfel, schildert in seinem Buch „Das Lied von  Bernadette“, wie das Mädchen Bernadette die Jungfrau Maria in der Grotte Massabielle in Lourdes sieht. Der Autor, der zu diesem Zeitpunkt nicht katholisch, sondern jüdisch ist, schildert die Jungfrau Maria so großartig, dass man meint, er habe sie soeben selbst gesehen.

„Ihr ganzes Wesen jubelt über die Schönheit der Dame. Es gibt keine Schönheit, die rein körperlich wäre. In jedem Menschengesicht, das wir schön nennen, bricht ein Leuchten durch, das, obwohl an physische Formen gebunden, geistiger Natur ist. Die Schönheit der Dame scheint weniger körperlich zu sein als jede andere Schönheit. Sie ist das geistige Leuchten selbst, das Schönheit heißt.“

Ich lade Sie zu folgendem Gedankenexperiment ein: machen wir den Versuch, einmal über himmlische Dinge nachzudenken nicht unter dem Aspekt der theologischen Wissenschaftlichkeit, sondern unter dem des Lebens. Was Gott uns Menschen bietet ist Leben, nicht abstrakte Wissenschaft. Die Frau, die der Vater als Mutter seines Sohnes erwählt hat, ist nicht nur vollkommen gut, sondern auch vollkommen schön. Auch und gerade ihre Jungfräulichkeit ist von großer Anmut und ansprechendem Reiz. Bernadette ist verliebt in ihre Schönheit – eine Liebe, die über jede Frage, wie man sie heute manchmal stellt, erhaben ist, denn sie führt zu Gott.

Und noch eine weitere Wirkung erkennen wir: die Begegnung mit der „Unbefleckten Empfängnis“ – denn so nennt sich die schöne Dame auf Befragen – löst in Bernadette etwas aus.

Auf eine unmittelbare, intuitive Weise bewirkt die Unbefleckte Empfängnis, dass im Menschen Regungen, Befindlichkeiten ans Tageslicht gefördert werden, über die sich der Mensch zum Teil nie Rechenschaft gegeben hat. Ist es uns nicht auch einmal passiert, dass wir in einer Gnadenstunde – vielleicht während eines feierlichen Gottesdienstes, oder bei Einkehrtagen oder an einem Marienwallfahrtsort – plötzlich Dinge mit großer Klarheit sehen, die bisher in uns verborgen waren?

Man bemerkt beispielsweise, dass man im Grunde immer sehr egoistisch gehandelt hat; man stellt fest, dass  der andere Vorzüge hat, die man immer übersehen hatte, man erkennt mit einem Mal, dass man sein Leben ändern muss. Die Theologie nennt so etwas Gnade.

Können wir ein solches Wirken, können wir die Gnade mit der Begegnung mit Maria, mit der Unbefleckten Empfängnis vergleichen oder gar gleichsetzen?

Gewiss, die Gnade ist aus Gott und nur aus ihm. Aber die Theologie selber und das päpstliche Lehramt sagen: Maria ist die Vermittlerin der Gnaden. Alle Gnaden, die Christus der Herr uns durch sein Leiden und seine Auferstehung erworben hat, und die zunächst etwas Geistiges, ja Abstraktes sind, gehen durch die Hände der Gottesmutter und bekommen durch sie gewissermaßen ein menschliches Gesicht.

Wenn wir uns heute fragen: ist Maria wirklich Königin des Friedens und bedeutet das, dass sie den Frieden so wie die anderen Gnaden vermitteln kann, dann müssten wir uns also die Frage stellen: wenn ich auf Maria schaue, auf die Unbefleckte Empfängnis, geschieht dann in mir oder durch mich etwas, das den Frieden schafft oder mindestens fördert? Unter Wahrung der Freiheit des Menschen, meine ich diese Frage bejahen zu können.

Denn wie ist es konkret mit dem Frieden, den wir ja in der heutigen weltgeschichtliche Konstellation mehr denn je nötig haben? Wie entsteht Frieden, der möglichst mehr ist als nur die Abwesenheit von Kampfhandlungen?

Ich sehe in einem einfachen Wort der Hl.Schrift eine weitaus tiefergehende Begründung für den Frieden. Der Psalmist sagt: „Opus iustitiae pax“. Friede ist ein Werk der Gerechtigkeit.

Armut, Hunger, ungleiche Verteilung der Güter dieser Erde – das alles entsteht ja aus dem Mangel an Gerechtigkeit.

Die Gerechtigkeit ist allerdings eine Tugend, die alle Menschen üben sollten. Täten sie es, so würde in der Tat diese Erde ganz anders aussehen. Wir alle wissen: es triumphieren allenthalben die Habgier und der Egoismus. Es ist daher nicht genug, dass wir den Staat auffordern, etwas zur Förderung des Friedens zu tun. Der Staat ist da überfordert: jeder Staatsbürger muss bei sich selbst anfangen.

Aber dazu bedarf es der Erkenntnis, wo es an der Gerechtigkeit fehlt, und das ist  eben die Gnade, um die wir zuerst beten müssen.. Wir alle sind groß im Erkennen der Fehler der anderen. Bei den eigenen sind wir meist sehr großzügig. Hier gilt es anzusetzen bei unseren Bemühungen für den Frieden.

Danach, aber wirklich erst dann, wenn wir mit der Erkenntnisgnade alles getan haben, was wir konnten, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns den Frieden schenkt, den letztlich nur er geben kann. Gott will uns – weil er ein guter Pädagoge ist – nicht in den Schoß legen, was wir aus eigener Kraft erreichen können. Erst wenn wir an unsere Grenzen gekommen sind, wirkt er die Wunder, die wir brauchen.

Maria ist, wie sie sich in Lourdes selber nennt, die Unbefleckte Empfängnis, und sie hat, wie die Lauretanische Litanei es ausdrückt, in sich die ganze Fülle, die es zur Heilung des Menschen braucht: sie ist Sitz der Weisheit, Ursache unserer Freude, Königin der Familien und Königin der Apostel. Sie ist Heil der Kranken und Bundeslade, Kelch des Geistes und Pforte des Himmels und vieles mehr. Und sie ist wirklich die Königin des Friedens in diesem doppelten Sinne: sie vermittelt den Frieden, „den nur der Herr geben kann“ und sie gibt uns durch den Aufblick zu ihr alles das an die Hand, was wir brauchen, um das Unsere zur Erreichung des Friedens zu tun.

Als „Spiegel der Gerechtigkeit“ weckt sie in unserem Herzen alles das auf, was wir bewußt oder unbewußt vergraben haben. Es gilt das Herz zu öffnen, dann werden wir wie Bernadette erkennen, wo eigentlich der Schuh drückt. Auch wir – alle Menschen, wenn sie denn mal den Stolz beiseite lassen – bedürfen des Trostes. Heißt sie nicht auch Trösterin der Betrübten?

“Überwältigt von diesem Leuchten und ein bisschen auch, um sich über die Wesensart der Dame zu vergewissern, will Bernadette ein Kreuz schlagen. Das Bekreuzigen ist ein sehr probates Mittel gegen die tausend Ängste der Seele, die Bernadette seit ihrer Kindheit verfolgen“.

Aber Bernadette wünscht, dass die Dame zuerst das Zeichen des Kreuzes macht.

„Dabei wird ihr Gesicht sehr ernst, und dieser Ernst ist eine neue Welle jener Lieblichkeit, die atemlos macht. Bernadette hat bisher im Leben wie alle anderen Leute beim Bekreuzigen Stirn und Brust nur ungenau betupft. Jetzt aber fühlt sie von einer milden Gewalt ihre Hand ergriffen. Wie man einem Kinde, das nicht schreiben kann, die Hand führt, so zeichnet jene milde Gewalt dasselbe große und unaussprechlich vornehme Kreuz mit der eiskalten Hand des Mädchens auf dessen Stirn.“

Wir sehen: die Unbefleckte Empfängnis ist also nicht nur etwas, das „schön für sie“ ist, sondern auch für uns. Immer dann, wenn uns die Forderungen unseres Glaubens schwer oder gar unerreichbar erscheinen, sollten wir auf Maria blicken.

Der hl. Josefmaria gab u.a. den Rat, die Marienbilder, die einem begegnen, mit einem Blick zu grüßen, ohne Worte, womöglich sogar ohne Gebet – einfach nur sie kurz anschauen. Vieles wird uns dann sozusagen intuitiv vermittelt an Erkenntnissen und Impulsen zum Handeln. Ohne die Gefahr, ins Sentimentale abzurutschen, aber auch ohne uns an abstrakten Formeln zu reiben, tun wir das Richtige, fördern wir Gerechtigkeit und damit den Frieden.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

_______

Quelle

PAPST BENEDIKT XVI. ZUM IMMACULATA-FEST 8. DEZEMBER 2009

28438304470_fd3fc3dd58_b

HOCHFEST DER UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS
DER SELIGEN JUNGFRAU MARIA

BENEDIKT XVI.

ANGELUS

Petersplatz
Dienstag, 8. Dezember 2009

(Video)

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Am 8. Dezember feiern wir eines der schönsten Feste der seligen Jungfrau Maria: das Hochfest ihrer Unbefleckten Empfängnis. Was aber bedeutet es, daß Maria die »unbefleckt Empfangene« ist? Und welche Bedeutung hat dieser Titel für uns? Wir beziehen uns vor allem auf die Bibeltexte der heutigen Liturgie, insbesondere auf das großartige »Bild« im dritten Kapitel des Buches Genesisund auf den Bericht von der Verkündigung im Evangelium nach Lukas. Nach der Ursünde wendet sich Gott der Schlange zu, die Satan darstellt, er verflucht sie und läßt eine Verheißung folgen: »Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, / zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. / Er trifft dich am Kopf, / und du triffst ihn an der Ferse« (Gen 3,15). Es handelt sich um die Ankündigung eines endgültigen Sieges: Am Anfang der Schöpfung hat es den Anschein, als hätte der Satan gewonnen, doch es wird der von einer Frau geborene Sohn kommen, der ihm den Kopf zertritt. So wird Gott selbst durch die Nachkommenschaft der Frau den Sieg davontragen. Jene Frau ist die Jungfrau Maria, aus der Jesus Christus geboren ist, der durch seinen Opfertod ein für allemal den alten Versucher bezwungen hat. Deshalb wird sie auf vielen Gemälden oder Statuen der »Immaculata« in dem Moment dargestellt, da sie eine Schlange unter ihrem Fuß zertritt.

Der Evangelist Lukas zeigt uns hingegen die Jungfrau Maria, die die Verkündigung durch den himmlischen Boten empfängt (vgl. Lk1,26–38). Sie erscheint als demütige und echte Tochter Israels, das wahre Zion, wo Gott seine Wohnstatt nehmen will. Sie ist der junge Trieb, aus dem der Messias geboren wird, der gerechte und barmherzige König. In der Schlichtheit des Hauses von Nazaret lebt der lautere »Rest« Israels, aus dem Gott sein Volk wie einen Baum neu heranwachsen lassen will, dessen Zweige sich über die ganze Welt erstrecken, um so allen Menschen die guten Früchte des Heils anzubieten. Im Unterschied zu Adam und Eva bleibt Maria gegenüber dem Willen Gottes gehorsam, sie spricht ihr »Ja« mit Leib und Seele und stellt sich ganz für den göttlichen Plan zur Verfügung. Sie ist die neue Eva, die wahre »Mutter aller Lebendigen«, das heißt derer, die durch den Glauben an Christus das ewige Leben empfangen.

Liebe Freunde, welch große Freude ist es doch, Maria, die unbefleckt Empfangene, zur Mutter zu haben! Jedes Mal, wenn wir unsere Gebrechlichkeit und den Einfluß des Bösen erleben, dürfen wir uns an sie wenden, und unser Herz empfängt Licht und Trost. Auch in den Prüfungen des Lebens, in den Stürmen, die den Glauben und die Hoffnung ins Wanken geraten lassen, wollen wir daran denken, daß wir ihre Kinder sind und die Wurzeln unseres Daseins in die unendliche Gnade Gottes eingesenkt sind. Auch wenn die Kirche selbst den negativen Einflüssen der Welt ausgesetzt ist, sieht sie in ihr stets den Stern, um Orientierung zu finden und dem von Christus gewiesenen Kurs zu folgen. Denn Maria ist die Mutter der Kirche, wie dies Papst Paul VI. und das Zweite Vatikanische Konzil feierlich verkündet haben. Während wir also Gott für dieses wunderbare Zeichen seiner Güte danken, empfehlen wir der Unbefleckten Jungfrau einen jeden von uns, unsere Familien und Gemeinden, die gesamte Kirche und die ganze Welt. Auch ich werde dies, wie es Tradition ist, am heutigen Nachmittag zu Füßen der ihr geweihten Säule auf dem Spanischen Platz tun.


Nach dem Angelus

Auch dieses Jahr habe ich am heutigen Festtag die Freude, die »Päpstliche Akademie der Immaculata« zusammen mit ihrem Präsidenten Kardinal Andrea Maria Deskur zu grüßen. Lieber Herr Kardinal, liebe Freunde, voll Zuneigung empfehle ich einen jeden von euch und eure Tätigkeit dem mütterlichen Schutz der Jungfrau Maria.

Einen besonderen Gedanken richte ich an die »Katholische Aktion Italiens«, die heute in vielen Pfarreien ihren Einsatz für die Kirche erneuert. Ich ermutige insbesondere die Erzieher der Jugendsektion der »Katholischen Aktion«, die hier auf dem Petersplatz zum Abschluß ihrer jährlichen Zusammenkunft versammelt sind, die Jugendlichen großherzig und unermüdlich zu einem vom Glauben durchdrungenen Lebenszeugnis zu erziehen.

auf französisch: Am heutigen Fest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria freut es mich, die Pilger aus dem französischen Sprachraum zu begrüßen. Das leuchtende Antlitz der Jungfrau Maria betrachtend sind wir eingeladen, ihren göttlichen Sohn im Alltag unseres Lebens aufzunehmen. Bitten wir die Unbefleckte Jungfrau, Abglanz der göttlichen Schönheit, uns auf unserem Weg der Umkehr und bei unserem Streben nach Heiligkeit zu begleiten. Mit kindlichem Vertrauen bitten wir Maria, unsere Mutter und Königin, daß alle Menschen die barmherzige Liebe Gottes, unseres Vaters, empfangen können.

auf englisch: Es freut mich, alle englischsprachigen Besucher zu begrüßen, die zu diesem Angelusgebet gekommen sind. Heute feiern wir die Unbefleckte Empfängnis Mariens, der Mutter Jesu. Während wir ihr von Heiligkeit erfülltes Leben feiern, das von Anfang ihres Daseins an voll der Gnaden ist, preisen wir Gott und bitten um die Kraft seiner Gaben. Alle Christen mögen voll freudiger Hoffnung und nach dem Beispiel Mariens auf Gottes Gnade vertrauen und nach einem heiligmäßigen Leben streben. Ich wünsche euch allen einen schönen Festtag und einen angenehmen Aufenthalt in Rom!

auf deutsch: Mit Freude grüße ich alle Brüder und Schwestern deutscher Sprache. Das heutige Hochfest führt uns vor Augen, daß Gott die Jungfrau Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins an vor jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt hat. An der Mutter Jesu sehen wir die Schönheit des Menschen, wie Gott ihn gewollt hat und zu der auch wir gerufen sind. Ihre Fürsprache erhalte uns in der Gnade Gottes und stärke uns in unserem täglichen Streben, damit wir mit reinem Herzen zu ihm gelangen. Die Gottesmutter breite ihren schützenden Mantel über euch und eure Familien. Gesegneten Festtag!

auf spanisch: Voll Zuneigung begrüße ich die Pilger aus dem spanischen Sprachraum, die zu diesem Mariengebet zugegen sind, zusammen mit allen, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind. Die Kirche feiert heute das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, die in Spanien und in den lateinamerikanischen Ländern tief verehrt wird. Die Reinste, wie die Jungfrau in der Liturgie des heutigen Tages genannt wird, wurde vor jedem Makel der Sünde bewahrt, um würdige Wohnstatt des unschuldigen Lammes zu sein, Fürsprecherin der Gnade und Vorbild der Heiligkeit. Der Herr gewähre es uns auf die Fürsprache dieser Frau, die »voll der Gnade« ist, uns in der Adventszeit innerlich zu reinigen, um bereitwillig das Kommen Christi in unserem Leben aufzunehmen. Vielen Dank.

auf polnisch: Am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria grüße ich herzlich alle Polen hier in Rom. Während wir im Advent das Kommen des Heilands erwarten, wollen wir von der unbefleckt empfangenen Gottesmutter Maria lernen, »heilig und untadelig zu leben vor Gott« (vgl. Eph 1,4). Die allerseligste Jungfrau geleite uns durch das Leben auf dem Weg der Reinheit, der Demut und des Vertrauens auf Gott in all unseren Angelegenheiten. Gott segne euch.

auf italienisch: Schließlich grüße ich die Pilger italienischer Sprache, besonders die Jugendlichen aus Imola zusammen mit dem Pfarrer und den Katecheten, die sie auf die Firmung vorbereitet haben, wie auch die Gläubigen und Firmlinge aus Calcinate sowie die Gruppe von »Radio Zeta« aus Caravaggio. Allen wünsche ich ein gesegnetes Fest der Unbefleckten Empfängnis.

_______

Quelle

JOHANNES PAUL II. ZUM HOCHFEST DER UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS

totus-tuus

EUCHARISTIEFEIER ANLÄSSLICH DES 150. JAHRESTAGES
DER VERKÜNDIGUNG DES DOGMAS
VON DER UNBEFLECKTEN EMPFÄNGNIS MARIENS

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der Sel. Jungfrau Maria
Mittwoch, 8. Dezember 2004

 

1. »Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir« (Lk 1,28).

Mit diesen Worten des Erzengels Gabriel wenden wir uns mehrmals am Tag an die Jungfrau Maria. Wir wiederholen sie heute am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria mit besonders großer Freude, weil wir des 8. Dezember 1854 gedenken, an dem der selige Pius IX. dieses wunderbare Dogma des katholischen Glaubens in dieser vatikanischen Basilika verkündet hat.

Ich grüße herzlich alle, die heute hier versammelt sind, insbesondere die Vertreter der Nationalen Mariologischen Gesellschaften, die am Internationalen Marianisch-mariologischen Kongreß teilgenommen haben, der von der Päpstlichen Marianischen Akademie veranstaltet wurde.

Ferner grüße ich euch, liebe anwesende Brüder und Schwestern, die ihr gekommen seid, um die Unbefleckte Jungfrau in kindlicher Liebe zu verehren. Allen voran grüße ich Kardinal Camillo Ruini und erneuere meine herzlichsten Glückwünsche zu seinem Priesterjubiläum, wobei ich ihm meinen aufrichtigen Dank für den Dienst ausspreche, den er mit großmütiger Hingabe für die Kirche als mein Generalvikar für die Diözese Rom und als Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz geleistet hat und weiterhin leistet.

2. Wie tief ist das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis, das uns die heutige Liturgie vorstellt! Ein Geheimnis, das die Kontemplation der Gläubigen immer wieder anregt und das Nachdenken der Theologen inspiriert. Das Thema des zuvor erwähnten Kongresses – »Maria von Nazaret nimmt den Sohn Gottes in die Geschichte auf« – ermöglichte eine Vertiefung der Lehre von Marias Unbefleckter Empfängnis als Voraussetzung für die Aufnahme des Wortes Gottes in ihrem jungfräulichen Schoß, des Erlösers des Menschengeschlechtes, der von ihr Fleisch angenommen hat.

»Voll der Gnade«, »κεχαριτωµευη«: Nach dem griechischen Original des Lukasevangeliums wendet sich der Engel mit diesem Beinamen an Maria. Es ist der Name, mit dem Gott die Jungfrau durch seinen Boten bezeichnen wollte. So hat er sie von Ewigkeit her, »ab aeterno«, erdacht und gesehen.

3. In dem soeben verkündeten Hymnus des Briefes an die Epheser preist der Apostel Gott, den Vater, denn er hat »uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel« (1,3). Mit welch außerordentlichem Segen hat Gott am Anfang der Zeit Maria bedacht! Du bist wirklich mehr gesegnet als alle anderen Frauen, Maria (vgl. Lk 1,42)!

Gott, der Vater, hat sie in Christus vor der Erschaffung der Welt erwählt, damit sie heilig und untadelig lebe vor Gott; er hat sie aus Liebe im voraus dazu bestimmt, Erstlingsfrucht der Gotteskindschaft zu werden durch Jesus Christus« (vgl. Eph 1,4–5).

4. Marias Vorausbestimmung wie auch die eines jeden von uns bezieht sich auf die Vorausbestimmung des Sohnes. Christus ist jener »Nachwuchs«, der gemäß dem Buch Genesis die alte Schlange »am Kopf trifft« (vgl. Gen 3,15); er ist das »fehlerfreie« Lamm (vgl. Ex 12,5; 1 Petr 1,19), das geopfert wurde, um die Menschheit von der Sünde zu erlösen.

Im Hinblick auf seinen Erlösungstod wurde seine Mutter Maria vor der Erbsünde und vor jeder anderen Sünde bewahrt. Im Sieg des neuen Adam ist auch der Sieg der neuen Eva, der Mutter der Erlösten, enthalten. So ist die Immaculata Zeichen der Hoffnung für alle Lebenden, die den Satan durch das Blut des Lammes besiegt haben (vgl. Offb 12,11).

5. Wir betrachten heute die demütige junge Frau von Nazaret, die heilig und untadelig vor Gott in der »Liebe« lebte (vgl. Eph 1,4), deren Ursprung der Dreifaltige Gott selbst ist.

Welch erhabenes Werk der Heiligsten Dreifaltigkeit ist die Unbefleckte Empfängnis der Mutter des Erlösers! In der Bulle Ineffabilis Deus weist Pius IX. darauf hin, daß Gott, der Allmächtige, »durch ein und denselben Ratschluß die Herkunft Marias und die Fleischwerdung der göttlichen Weisheit« festgesetzt hat (Pii IX Pontificis Maximi Acta, Pars prima, S. 559).

Das »Ja« der Jungfrau bei der Verkündigung des Engels verbindet sich mit unserem konkreten irdischen Dasein, in demütigem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen, die Menschheit nicht vor der Geschichte, sondern in der Geschichte zu retten. Denn die »neue Eva« hat, von jedem Makel der Erbsünde bewahrt, in einzigartiger Weise das Wirken Christi als vollkommener Mittler und Erlöser erfahren. Als erste von ihrem Sohn Erlöste hat sie in Fülle an seiner Heiligkeit teil; sie ist bereits das, was die ganze Kirche zu sein wünscht und hofft. Sie ist die eschatologische Ikone der Kirche.

6. Die Immaculata, die Anfang der Kirche, der makellosen Braut Christi, ist (vgl. Präfation), geht dem Volk Gottes immer den »Pilgerweg des Glaubens« ins Himmelreich voran (vgl. Lumen gentium, 58; Redemptoris Mater, 2).

In der Unbefleckten Empfängnis Mariens sieht die Kirche, wie sich, vorweggenommen in ihrem hervorragendsten Mitglied, bereits die österliche Gnade der Erlösung abzeichnet.

Im Ereignis der Menschwerdung findet sie den Sohn und die Mutter untrennbar miteinander verbunden: denjenigen, »der ihr Herr und Haupt ist, und diejenige, die durch das erste ›Fiat‹ des Neuen Bundes ein Vorbild für ihre Aufgabe als Braut und Mutter darstellt« (Redemptoris Mater, 1).

7. Dir, Unbefleckte Jungfrau, die du von Gott über alle anderen Geschöpfe hinaus als Fürsprecherin der Gnade und als Vorbild der Heiligkeit für sein Volk vorherbestimmt bist, vertraue ich heute erneut in besonderer Weise die ganze Kirche an.

Führe du ihre Kinder auf dem Pilgerweg des Glaubens, und mache sie dem Wort Gottes immer gehorsamer und treuer.

Begleite du jeden Christen auf dem Weg der Umkehr und der Heiligkeit, im Kampf gegen die Sünde und in der Suche nach der wahren Schönheit, die immer Abglanz und Widerschein der göttlichen Schönheit ist.

Erwirke du allen Völkern Frieden und Heil. Der Ewige Vater, der dich als Unbefleckte Mutter des Erlösers gewollt hat, erneuere auch in unserer Zeit durch dich die Wunder seiner barmherzigen Liebe. Amen.

_______

Quelle

Siehe dazu auch: