KOMM, GEIST DER LIEBE UND DES FRIENDENS!

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Gebet des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II
zum zweiten Jahr der Vorbereitung
auf das Große Jubiläum des Jahres 2000

Heiliger Geist, du Gast, der die Herzen erfreut,
laß uns den tiefen Sinn des Großen Jubiläums erkennen
mach uns innerlich bereit, es im Glauben zu feiern,
in der Hoffnung, die nicht trügt,
in der Liebe, die keinen Lohn erwartet.

Geist der Wahrheit, Gedächtnis und Prophetie der Kirche,
der du die Tiefen Gottes ergründest,
führe die Menschheit dahin, daß sie in Jesus von Nazaret
den Herrn der Herrlichkeit, den Retter der Welt,
die höchste Vollendung der Geschichte erkennt.

Komm, Geist der Liebe und des Friedens!

Schöpfergeist, verborgener Urheber des Reiches Gottes,
lehre die Kirche kraft deiner heiligen Gaben,
mutig die Schwelle des neuen Jahrtausends zu überschreiten,
um den kommenden Generationen
das Licht des rettenden Wortes zu bringen.

Geist der Heiligkeit, göttlicher Atem, der das Weltall bewegt,
komm und mach das Antlitz der Erde neu.
Wecke in den Christen den Wunsch nach der vollen Einheit,
damit sie in der Welt wirksames Zeichen und Instrument
der engen Verbundenheit mit Gott
und der Einheit des ganzen Menschengeschlechtes sind.

Komm, Geist der Liebe und des Friedens!

Geist der Gemeinschaft, Antrieb und Stütze die Kirche,
mach, daß die Reichtümer der Charismen und Dienste
zur Einheit des Leibes Christi beitragen;
mach, daß die Laien, die Ordensleute und Priester
gemeinsam an dem einen Reich Gottes mitbauen.

Geist des Trostes, unversiegbare Quelle der Freude und des Friedens,
wecke Solidarität mit den Notleidenden,
schenke den Kranken den notwendigen Beistand,
erfülle die Bedrückten mit Zuversicht und Hoffnung,
stärke alle in ihrem Streben nach einer besseren Zukunft.

Komm, Geist der Liebe und des Friedens!

Geist der Weisheit, der du die Herzen und Sinne rührst,
führe die Wissenschaft und Technik auf den Weg
des Dienstes am Leben, an der Gerechtigkeit und am Frieden.
Befruchte den Dialog mit den Anhängern anderer Religionen,
mach, daß die vielfältigen Kulturen sich den Werten des Evangeliums öffnen.

Geist des Lebens, durch den das Wort im Schoß der Jungfrau,
der Frau des Schweigens und des Zuhörens, Fleisch geworden ist,
mach uns den Eingebungen deiner Liebe gegenüber fügsam
und bereit, immer die Zeichen der Zeit zu erkennen,
die Du auf dem Weg der Geschichte setzt.

Komm, Geist der Liebe und des Friedens!

Dir, Geist der Liebe,
dem allmächtigen Vater und dem eingeborenen Sohn
sei Lob, Ehre und Herrlichkeit
jetzt und in Ewigkeit. Amen.

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Quelle

„Das ganze Heilswerk ist ein Werk der Wieder-Geburt“

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Predigt von Papst Franziskus am Pfingstsonntag — Volltext

Am heutigen Sonntag [15.5.] hat Papst Franziskus um 10 Uhr im Petersdom die Pfingstmesse gefeiert. Ausgangspunkt seiner Predigt war folgender Satz aus dem Johannesevangelium: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen“ (Joh 14,18).

Das ganze Heilswerk – so unterstrich der Heilige Vater in seiner Betrachtung – sei ein Werk der Wieder-Geburt. Durch die Gabe des Sohnes und des Heiligen Geistes befreit die Vaterschaft Gottes die Menschheit vom Waisensein, in das sie geraten sei, so erklärte der Papst.

Die Gotteskindschaft sei unsere ursprüngliche Berufung, „unsere innerste DNA, die jedoch zerstört wurde und zu deren Wiederherstellung das Opfer des eingeborenen Sohnes erforderlich war“,  fuhr der Papst fort.

Im Heilswerk und im Mysterium der Kirche hat auch Maria eine Stellung inne. Sie ist in der Mitte der im Gebet versammelten Gemeinschaft der Jünger und bildet „das lebendige Gedächtnis des Sohnes und die lebendige Anrufung des Heiligen Geistes. Sie ist die Mutter der Kirche.“

Wir dokumentieren im Folgenden die offizielle Übersetzung der Predigt.

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„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen“ (Joh 14,18).

Die Sendung Jesu, die in der Gabe des Heiligen Geistes gipfelte, hatte dieses wesentliche Ziel: unsere Beziehung zum Vater, die durch die Sünde zerstört worden war, wieder herzustellen; uns von der Situation als Waisen zu befreien und uns die Gotteskindschaft zurückzugeben.

Der Apostel Paulus schreibt an die Christen von Rom und sagt: „Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14-15). Hier ist die wiedergeknüpfte Beziehung: Die Vaterschaft Gottes wird dank des Erlösungswerkes Christi und der Gabe des Heiligen Geistes in uns wieder wirksam.

Der Heilige Geist wird vom Vater gegeben und führt uns zum Vater. Das ganze Heilswerk ist ein Werk der Wieder-Geburt. Dabei befreit uns die Vaterschaft Gottes durch die Gabe des Sohnes und des Heiligen Geistes von unserem Waisensein, in das wir geraten sind. Auch in unserer Zeit bemerkt man verschiedene Zeichen unserer Situation als Waisen: die innere Einsamkeit, die wir auch mitten in der Menge von Menschen verspüren und die bisweilen zu einer existenziellen Traurigkeit werden kann; die vermeintliche Unabhängigkeit von Gott, die mit einer gewissen Sehnsucht nach seiner Nähe einhergeht; der verbreitete geistliche Analphabetismus, weswegen wir unfähig sind zu beten; die Schwierigkeit, das ewige Leben als Fülle der Gemeinschaft, die schon hier aufkeimt und nach dem Tod erblüht, als wahr und wirklich zu empfinden; die Mühe, den anderen als Bruder zu erkennen, insofern er ja Kind desselben Vaters ist; und andere ähnliche Zeichen.

All dem widersetzt sich die Gotteskindschaft, die unsere ursprüngliche Berufung ist. Dafür sind wir geschaffen; es ist unsere innerste DNA, die jedoch zerstört wurde und zu deren Wiederherstellung das Opfer des eingeborenen Sohnes erforderlich war. Von der unermesslichen Gabe der Liebe, die der Tod Jesu am Kreuz darstellt, ging für die ganze Menschheit die Ausgießung des Heiligen Geistes wie ein unendlicher Gnadenstrom hervor. Wer in dieses Geheimnis der Wiedergeburt gläubig eintaucht, wird zur Fülle des Lebens als Kind Gottes wiedergeboren.

„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen.“ Heute, am Pfingstfest, lassen uns diese Worte Jesu auch an die mütterliche Gegenwart Mariens im Obergemach denken. Die Mutter Jesu ist in der Mitte der Gemeinschaft der Jünger, die im Gebet versammelt ist: Maria ist das lebendige Gedächtnis des Sohnes und die lebendige Anrufung des Heiligen Geistes. Sie ist die Mutter der Kirche. Ihrer Fürbitte vertrauen wir in besonderer Weise die Christen, die Familien und die Gemeinschaften an, die in diesem Augenblick die Kraft des Geistes, des Beistands, Fürsprechers und Trösters, des Geistes der Wahrheit, der Freiheit und des Friedens am meisten brauchen.

Wie wiederum der heilige Paulus sagt, macht der Heilige Geist, dass wir zu Christus gehören: „Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm“ (Röm 8,9). Und indem er unsere Beziehung der Zugehörigkeit zum Herrn Jesus Christus festigt, lässt der Geist uns in eine neue Dynamik der Geschwisterlichkeit eintreten. Durch den Bruder aller, nämlich Jesus, können wir auf neue Weise in Beziehung zu den anderen treten, nicht mehr als Waisen, sondern als Kinder desselben gütigen und barmherzigen Vaters. Und das ändert alles! Wir können uns als Brüder und Schwestern sehen, und unsere Unterschiede vermehren nur die Freude und das Staunen darüber, dass wir zu dieser einen Vaterschaft und Geschwisterlichkeit gehören.

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Pfingstmesse 2016 / © CTV – OSSERVATORE ROMANO

Der Weg der Kirche geht durch das Herz des Menschen

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Der Weg der Kirche geht durch das Herz des Menschen; denn hier ist der verborgene Ort der heilbringenden Begegnung mit dem Heiligen Geist, mit dem verborgenen Gott. Genau hier wird der Heilige Geist zur »sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt«289. Hierher kommt er als Geist der Wahrheit, als Paraklet, wie er von Christus verheißen worden ist. Von hieraus wirkt er als Tröster, Fürsprecher, Beistand – besonders, wenn der Mensch und die Menschheit vor dem Verdammungsurteil jenes »Anklägers« stehen, von dem die Offenbarung des Johannes sagt, daß er die Brüder »bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagt«290. Der Heilige Geist hört nicht auf, Hüter der Hoffnung im Herzen des Menschen zu sein: der Hoffnung aller menschlichen Geschöpfe und besonders derjenigen, die »als Erstlingsgabe den Geist haben« und »auf die Erlösung ihres Leibes warten«291.

Der Heilige Geist setzt in seiner geheimnisvollen göttlichen Gemeinschaft mit dem Erlöser des Menschen dessen Werk kontinuierlich fort: Er nimmt von Christus und vermittelt es allen, indem er durch das Herz des Menschen fortwährend in die Geschichte der Welt eintritt. Hier wird er – wie die Sequenz der Pfingstliturgie sagt – wahrhaft zum »Vater der Armen, Spender der Gaben, Licht der Herzen«; er wird zum »süßen Seelengast«, den die Kirche an der Schwelle zum Herzen eines jeden Menschen beständig grüßt. Er bringt inmitten der Mühen, der Arbeit der Arme und des Verstandes des Menschen »Ruh und Geborgenheit«; er bringt »Ruhe« und »Erquickung« inmitten der Hitze des Tages, inmitten der Unruhen, der Auseinandersetzungen und Gefahren jeder Epoche; er bringt schließlich »Trost«, wenn das menschliche Herz weint und zu verzweifeln versucht ist. Deshalb ruft dieselbe Sequenz aus: »Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund«. Nur der Heilige Geist »überführt der Sünde«, des Bösen, mit dem Ziel, im Menschen und in der menschlichen Welt das Gute wiederherzustellen: um »das Angesicht der Erde zu erneuern«. Deswegen wirkt er die Reinigung von allem, was den Menschen »verunstaltet«, von »dem, was ihn befleckt«; er heilt auch die tiefsten Wunden der menschlichen Existenz; er verwandelt die innere Dürre der Seelen in fruchtbare Felder der Gnade und Heiligkeit. Was »verhärtet« ist, »beugt er«; was »erkaltet« ist, »wärmt er«; was »irre geht«, »lenkt er« auf die Wege des Heils zurück292.

Indem die Kirche so betet, bekennt sie ununterbrochen ihren Glauben: Es gibt in unserer geschaffenen Welt einen Geist, der ein ungeschaffenes Geschenk ist. Es ist der Geist des Vaters und des Sohnes: Wie der Vater und der Sohn ist er nicht geschaffen, unermeßlich, ewig, allmächtig, Gott und Herr293. Dieser Geist Gottes »erfüllt das Universum«, und alles, was geschaffen ist, erkennt in ihm die Quelle seiner Identität, findet in ihm seinen transzendenten Ausdruck, wendet sich an ihn und erwartet ihn, ruft ihn an mit seinem eigenen Sein. Zu ihm als Beistand, als Geist der Wahrheit und der Liebe wendet sich der Mensch, der von Wahrheit und Liebe lebt und der ohne die Quelle der Wahrheit und der Liebe nicht leben kann. Zu ihm wendet sich die Kirche, die das Herz der Menschheit ist, um für alle jene Gaben der Liebe, die durch ihn »in unsere Herzen ausgegossen ist«294, zu erbitten und sie an alle auszuteilen. An ihn wendet sich die Kirche auf den mühsamen Wegen der Pilgerschaft des Menschen auf Erden: Sie bittet und bittet ununterbrochen, daß die Taten der Menschen rechtschaffen seien aufgrund seines Wirkens; sie bittet um die Freude und den Trost, den nur er, der wahre Tröster, spenden kann, indem er in die Tiefe des menschlichen Herzens hinabsteigt295; sie bittet um die Gnade der Tugenden, die die himmlische Herrlichkeit verdienen; sie bittet um das ewige Heil in der vollen Gemeinschaft des göttlichen Lebens, zu dem der Vater die Menschen, die aus Liebe als Bild und Gleichnis der Heiligsten Dreifaltigkeit erschaffen worden sind, von Ewigkeit »vorherbestimmt« hat.

Die Kirche bittet mit ihrem Herzen, das alle menschlichen Herzen in sich faßt, den Heiligen Geist um das Glück, das allein in Gott seine volle Verwirklichung findet: die Freude, »die niemand nehmen kann«296, die Freude, die Frucht der Liebe und somit die Frucht Gottes ist, der die Liebe ist; sie bittet um »Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist«, worin nach dem heiligen Paulus das Reich Gottes besteht297.

Auch der Friede ist Frucht der Liebe: jener innere Friede, den der gehetzte Mensch in der Tiefe seines Wesens sucht; jener Friede, der von der Menschheit, von der Menschheitsfamilie, von den Völkern, von den Nationen, von den Kontinenten gefordert wird mit der bangen Hoffnung, ihn im Blick auf den Übergang vom zweiten zum dritten christlichen Jahrtausend wirklich zu erlangen. Da der Weg zum Frieden letztlich über die Liebe führt und darauf abzielt, eine Zivilisation der Liebe zu schaffen, heftet die Kirche ihren Blick auf den, der die Liebe des Vaters und des Sohnes ist; sie hört trotz der wachsenden Bedrohungen nicht auf zu vertrauen, sie hört nicht auf, den Frieden für den Menschen auf Erden zu fordern und ihm zu dienen. Ihr Vertrauen gründet sich auf denjenigen, der als Geist der Liebe auch der Geist des Friedens ist und nicht aufhört, in der menschlichen Welt, am Horizont der menschlichen Gewissen und Herzen gegenwärtig zu sein, um mit Liebe und Frieden »den Erdkreis zu erfüllen«.

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289 Vgl. Joh 4,14; Dogmatische Konstitution über die Kirche »Lumen gentium«, 4.

290 Vgl. Offb 12, 10.

291 Vgl. Röm 8, 23.

292 Vgl. Pfingstsequenz »Veni, Sancte Spiritus«.

293 Vgl. Glaubensbekenntnis »Quicumque«: DS 75.

294 Vgl. Röm 5, 5.

295 Man kann hier an das wichtige Apostolische Schreiben »Gaudete in Domino« erinnern, das Papst Paul VI. am 9. Mai des Heiligen Jahres 1975 veröffentlicht hat. Denn die dort zum Ausdruck gebrachte Einladung, vom Heiligen Geist »dieses Geschenk der Freude zu erflehen«, bleibt ja immer gültig, so wie auch die Aufforderung, »die wahrhaft geistliche Freude (zu) verkosten, die eine Frucht des Heiligen Geistes ist«: AAS 67 (1975) 289. 302.

296 Vgl. Joh 16, 22.

297 Vgl. Röm 14,17; Gal 5, 22.

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Quelle

DIE SÜNDE GEGEN DEN HEILIGEN GEIST

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Aus der Enzyklika von Johannes Paul II.
„DOMINUM ET VIVIFICANTEM“
vom 18. Mai, dem Pfingstfest des Jahres 1986

6. Die Sünde gegen den Heiligen Geist

 

46. Auf dem Hintergrund dessen, was wir bisher ausgeführt haben, werden einige beeindruckende und bestürzende Worte Jesu verständlicher. Wir könnten sie als Worte der »Nicht-Vergebung« bezeichnen. Sie sind uns von den Synoptikern überliefert und beziehen sich auf eine besondere Sünde, die »Lästerung wider den Heiligen Geist« genannt wird. Hier die Texte in ihrer dreifachen Fassung:

Matthäus: »Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden, wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt«180.

Markus: »Alle Vergehen und Lästerungen werden dem Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften«181.

Lukas: »Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben«182.

Warum ist die Lästerung gegen den Heiligen Geist nicht zu vergeben? Was ist unter dieser Lästerung zu verstehen? Der heilige Thomas von Aquin antwortet, daß es sich hier um eine Sünde handelt, »die ihrer Natur nach unvergebbar ist, weil sie jene Elemente ausschließt, derentwegen die Vergebung der Sünden geschieht«183.

Nach dieser Deutung besteht die Lästerung nicht eigentlich in verletzenden Worten gegen den Heiligen Geist, sondern in der Weigerung, das Heil anzunehmen, welches Gott dem Menschen durch den Heiligen Geist anbietet, der in der Kraft des Kreuzesopfers wirkt. Wenn der Mensch jenes »Offenlegen der Sünde«, das vom Heiligen Geist ausgeht und heilswirksamen Charakter hat, zurückweist, weist er damit zugleich das »Kommen« des Trösters zurück, jenes »Kommen«, das sich im Ostergeheimnis vollzieht, in der Einheit mit der erlösenden Kraft des Blutes Christi, das »unser Gewissen von toten Werken reinigt«.

Wir wissen, daß die Frucht einer solchen Reinigung die Vergebung der Sünden ist. Wer den Geist und das Blut zurückweist, verbleibt deshalb in »toten Werken«, in der Sünde. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist besteht gerade in der radikalen Verweigerung der Annahme jener Vergebung, deren innerster Vermittler er ist und die eine echte Bekehrung voraussetzt, die von ihm im Gewissen gewirkt wird. Wenn Jesus sagt, daß die Lästerung gegen den Heiligen Geist weder in diesem noch im zukünftigen Leben vergeben wird, dann liegt der Grund darin, daß diese »Nicht-Vergebung« ursächlich mit der Unbußfertigkeit verbunden ist, das heißt mit der radikalen Weigerung, sich zu bekehren. Dies bedeutet eine Weigerung, sich den Quellen der Erlösung zu nähern, die jedoch in der Heilsordnung, in der sich die Sendung des Heiligen Geistes vollzieht, »immer« geöffnet bleiben. Der Tröster-Geist hat die unbegrenzte Macht, aus diesen Quellen zu schöpfen: »Er wird von dem, was mein ist, nehmen«, hat Jesus gesagt. Auf diese Weise vollendet er in den Seelen der Menschen die von Christus gewirkte Erlösung, indem er deren Früchte austeilt. Nun ist aber die Lästerung gegen den Heiligen Geist die Sünde jenes Menschen, der sich auf sein vermeintliches »Recht« zum Verharren im Bösen – in jeglicher Sünde – beruft und dadurch die Erlösung verwirft. Ein solcher Mensch bleibt in der Sünde gefangen, indem er von seiner Seite her seine Bekehrung und damit die Sündenvergebung unmöglich macht, die er als unwesentlich und unbedeutsam für sein Leben erachtet. Dies ist eine Situation des geistlichen Ruins; denn die Lästerung gegen den Heiligen Geist erlaubt es dem Menschen nicht, sich aus seiner selbstverhängten Gefangenschaft zu befreien und sich den göttlichen Quellen der Reinigung der Gewissen und der Verzeihung der Sünden zu öffnen.

47. Das Wirken des Heiligen Geistes, das auf das heilbringende »Offenlegen der Sünde« gerichtet ist, trifft im Menschen, der sich in einer solchen Situation befindet, auf einen inneren Widerstand, gleichsam auf eine undurchdringliche Wand seines Gewissens, auf eine seelische Verfassung, die sich sozusagen aufgrund einer freien Wahl verfestigt hat: Die Heilige Schrift nennt das gewöhnlich »Verhärtung des Herzens«184. In unserer Zeit entspricht dieser Verfassung des Geistes und des Herzens in etwa der Verlust des Gespürs für die Sünde, dem das Apostolische Schreiben über »Versöhnung und Buße« viele Seiten widmet185. Schon Papst Pius XII. hat gesagt, daß »die Sünde des Jahrhunderts der Verlust des Gespürs für die Sünde ist«186; dieser Verlust aber geht einher mit dem »Verlust des Gespürs für Gott«. Im erwähnten Schreiben lesen wir: »Gott ist tatsächlich der Ursprung und das höchste Ziel des Menschen, und dieser trägt in sich einen göttlichen Keim. Deshalb ist es die Wirklichkeit Gottes, die das Geheimnis des Menschen enthüllt und beleuchtet. Es ist also vergeblich, zu hoffen, daß ein Sündenbewußtsein gegenüber den Menschen und den menschlichen Werten Bestand haben könnte, wenn das Gespür für die gegen Gott begangene Beleidigung, das heißt das wahre Sündenbewußtsein, fehlt«187.

Darum erbittet die Kirche beständig von Gott die Gnade, daß der Mensch das rechte Gewissen nicht verliere und sich sein gesundes Gespür für das Gute und Böse nicht abstumpfe. Beides, Gewissenhaftigkeit und Empfindsamkeit, sind zutiefst mit dem inneren Wirken des Geistes der Wahrheit verbunden. Von daher erhalten die Mahnungen des Apostels eine besondere Bedeutung: »Löscht den Geist nicht aus«; »beleidigt nicht den Heiligen Geist«188. Vor allem aber hört die Kirche nicht auf, mit größtem Eifer dafür zu beten, daß jene Sünde, die das Evangelium »Lästerung gegen den Heiligen Geist« nennt, in der Welt nicht zunehme, sondern vielmehr in den Seelen der Menschen – und folglich in den Lebensräumen selbst und in den verschiedenen Bereichen der menschlichen Gesellschaft – zurückgehe und sich stattdessen die Gewissen öffnen, was für das heilbringende Wirken des Heiligen Geistes unerläßlich ist. Die Kirche bittet darum, daß die gefährliche Sünde gegen den Geist einer heiligen Bereitschaft weiche, seine Sendung als Beistand anzunehmen, wenn er kommt, um »die Welt zu überführen (und aufzudecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist«.

48. Jesus hat in seiner Abschiedsrede diese drei Teilbereiche des »Überführens« in der Sendung des Beistandes zusammengefaßt: die Sünde, die Gerechtigkeit und das Gericht. Diese bezeichnen den Raum jenes Geheimnisses des Glaubens, das sich in der Geschichte des Menschen der Sünde, dem Geheimnis der Bosheit, entgegenstellt189. Nach einem Wort des heiligen Augustinus geht es hier auf der einen Seite um die »Selbstliebe bis zur Verachtung Gottes« und auf der anderen Seite um die »Liebe Gottes bis zur Verachtung seiner selbst«190. Beständig betet und bemüht sich die Kirche in ihrem Dienst darum, daß die Geschichte des Gewissens und der Gesellschaft in der großen Menschheitsfamilie nicht zum Pol der Sünde abgleitet, mit der Verwerfung der göttlichen Gebote »bis zur Verachtung Gottes«, sondern sich vielmehr zu jener Liebe erhebt, in der sich der Geist offenbart, »der lebendig macht«. Wer sich vom Heiligen Geist »der Sünde überführen« läßt, läßt sich auch »die Gerechtigkeit« und »das Gericht« offenlegen. Der Geist der Wahrheit, der den Menschen und ihrem Gewissen hilft, die Wahrheit der Sünde zu erkennen, läßt sie zugleich die Wahrheit jener Gerechtigkeit erkennen, die mit Jesus Christus in die Geschichte des Menschen eingetreten ist. Auf diese Weise werden diejenigen, die, »der Sünde überführt«, sich durch das Wirken des Trösters bekehren gewissermaßen aus dem Bereich des »Gerichts« herausgeführt, jenes »Gerichts«, durch welches »der Herrscher dieser Welt bereits gerichtet ist«191. Die Bekehrung bedeutet in der Tiefe ihres göttlich-menschlichen Geheimnisses das Zerreißen jeglicher Fessel, durch welche die Sünde den Menschen an das gesamte Geheimnis der Bosheit bindet.

Wer sich bekehrt, wird also vom Heiligen Geist aus dem Bereich des »Gerichts« befreit und zu jener Gerechtigkeit geführt, die in Jesus Christus gegeben ist und die er besitzt, weil er sie »vom Vater empfängt«192 als Abglanz der dreifaltigen Heiligkeit. Dies ist die Gerechtigkeit des Evangeliums und der Erlösung, die Gerechtigkeit der Bergpredigt und des Kreuzes, welche die Reinigung des Gewissens bewirkt durch das Blut des Lammes. Es ist die Gerechtigkeit, die der Vater dem Sohn und allen zuteil werden läßt, die mit ihm in Wahrheit und Liebe verbunden sind. In dieser Gerechtigkeit offenbart sich der Heilige Geist, der Geist des Vaters und des Sohnes, welcher »die Welt der Sünde überführt«, und wird im Menschen gegenwärtig als Geist ewigen Lebens.

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180 Mt 12, 31 f.

181 Mk 3, 28 f.

182 Lk 12, 10.

183 THOMAS VON AQUIN, Summa Theol. II (a)-II (ae), q. 14, a. 3; Vgl. AUGUSTINUS, »Epist.« 185, 11, 48-49: PL 814 f.; BONAVENTURA, »Comment. in Evang.« »S. Luc.« Kap. XIV, 15-16: Ad Claras Aquas, VII, S. 314 f.

184 Vgl. PS 81, 13; Jer 7, 24; Mk 3, 5.

185 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 18: AAS 77 (1985) 224-228.

186 Pius XII., Radiobotschaft an den Nationalen Katechetischen Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika in Boston (26. Oktober 1946): »Discorsi e Radiomessaggi«, VIII (1946) 288.

187 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 18: AAS 77 (1985), 255 f.

188 1 Thess 5, 19; Eph 4, 30.

189 JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode »Reconciliatio et paenitentia« (2. Dezember 1984), 14-22: AAS 77 (1985) 211-233.

190 Vgl. AUGUSTINUS, »De Civitate Dei«, XIV, 28: CCL 48, 451.

191 Vgl. Joh 16, 11.

192 Vgl. Joh 16, 15.

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Quelle