30.000 Mitglieder der Charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche pilgern nach Rom

Hl. Geist, Kalligraphie, Deir Mar Musa Al-Habashi / Wikimedia Commons – Erik Albers, Public Domain

Goldenes Jubiläum vom 31. Mai bis 4. Juni 2017

In der Ewigen Stadt werden 30.000 Gläubige aus 127 Ländern erwartet, die am Goldenen Jubiläum der Charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche vom 31. Mai bis 4. Juni 2017 teilnehmen. Die Veranstaltung wurde vom „International Catholic Charismatic Renewal Services“ (ICCRS) und der „Catholic Fraternity“ organisiert, um das 50. Gründungsjahrder Charismatischen Erneuerung zu feiern.

Gläubige katholischer und evangelikaler Konfession und Mitglieder der Pfingstbewegung werden gemeinsam mit Papst Franziskus bei der Vigil am Samstag, dem 3. Juni, am Circo Massimo ein ökumenisches Gebet sprechen.

Am 31. Mai nimmt das Programm der Jubiläumsfeierlichkeiten mit der Teilnahme der Gläubigen an der Generalaudienz auf dem Petersplatz seinen Auftakt. Daran schließt in den folgenden Tagen ein reiches Veranstaltungsprogramm aus Vorträgen, kulturellen Unternehmungen und Arbeitskreisen an.

Bereits am Abend des 2. Juni ist ein dreistündiges gemeinsames Gebet mit Gesängen, Betrachtungen und Zeugnissen am Circo Massimo vorgesehen. Am Samstag, dem 3. Juni, versammeln sich die Gläubigen wieder am Circo Massimo zur großen Pfingstvigil. Bei dieser Gelegenheit wird u.a. P. Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, sprechen. Papst Franziskus wird um 18.00 Uhr eintreffen und dann dem ökumenischen Gebet vorsitzen. Am Sonntag, dem 4. Juni, beschließen die Besucher die Jubiläumsfeierlichkeiten mit der Teilnahme an der Pfingstmesse auf dem Petersplatz.

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Pater Raniero Cantalamessa: Die Gottheit Christi verkünden

Pater Raniero Cantalamessa, 17. März 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Zweite Fastenpredigt 2017
von Pater Raniero Cantalamessa OFM

„Was tun wir Christen aus unserem Glauben an Jesus Christus?“ Dies hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, in seiner zweiten Predigt in der Fastenzeit am Freitag gefragt. „Wenn wir noch nie ernsthaft über die Chance nachgedacht haben, die wir durch den Glauben an Jesus Christus haben, kann dies die Gelegenheit sein, es zu tun“, sagte er.

Die zweite Meditation freitags in der Fastenzeit stand unter dem Motto „Der Heilige Geist führt uns in das Geheimnis der Gottheit Christi“. In der Kapelle Redemptoris Mater des Apostolischen Palastes in Anwesenheit von Papst Franziskus und Beamten der römischen Kurie betrachtete der Prediger die Gottheit Christi als „Eckstein, der die beiden großen Geheimnisse des christlichen Glaubens unterstützt: die Trinität und der Menschwerdung.“

„Jeder glaubt, dass Jesus Mensch ist“, stellte er fest. Das, was den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen ausmache, sei zu glauben, dass er Gott ist.

„In jedem Alter und in jeder Kultur muss Christus als Gott verkündet werden, nicht in irgendeinem Sinne sekundär oder als Derivat, sondern im höchsten Sinne, den das Wort ‚Gott’‪‪ in einer solchen Kultur hat.“ Die Rettung des Menschen werde nicht durch eine Vermittlung erreicht, sondern nur durch Gott selbst.

Pater Cantalamessa stellt in der heutigen Gesellschaft eine „Präsenz-Abwesenheit Christi“ auf einer bestimmten Ebene fest: In der Unterhaltung und den Massenmedien im Allgemeinen sei Jesus Christus als eine Art literarische Gattung gegenwärtig. Aber auf dem Gebiet des Glaubens sei eine beunruhigende Abwesenheit, vielleicht sogar eine Ablehnung seiner Person festzustellen. Die meiste Zeit, so fügte er hinzu, würden diejenigen, die sich selbst als „Gläubige“ verstehen, an die Existenz eines höchsten Wesens, eines Schöpfers glauben. „Sie glauben, dass es ein Jenseits gibt.“ Dies sei ein deistischer Glaube, nicht ein christlicher. „Bei dieser Art von Religiosität ist Jesus Christus praktisch nicht vorhanden.“

Während seiner Meditation lud er zur Auseinandersetzung mit der Frage an die Jünger ein: „Und Ihr, was sagt Ihr? Für wen haltet Ihr mich?“ Die Bedingungen für einen Glauben an die Göttlichkeit Christi müssten vorbehaltlos und ohne zu zögern wieder geschaffen werden. „Wir haben dies aufs Neue nötig.“

Unter Berufung auf den Ausruf Christi „Selig sind die Augen, die sehen, was Ihr seht“, erklärte Pater Cantalamessa, warum die Christen glücklich seien:  „Weil sie den Sinn des Lebens und des Todes kennen, warum das Reich Gottes Eures in dem Sinne ist, dass Ihr bereits dazu gehört, die Früchte genießt“. Die schönsten Sätze, die eine Frau ihrem Mann und umgekehrt sagen könne, besage: „Du hast mich glücklich gemacht.“ Jesus verdiene es, dass ihm seine Braut, die Kirche, dies aus der Tiefe ihres Herzens sage, bemerkte er abschließend. (mk)

Der Volltext der Predigt ist hier (auf Englisch) abrufbar.

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Neuer Wein aus dem wahren Weinstock

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Pater Raniero Cantalamessa / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Pater Cantalamessas dritte Adventspredigt

‪„Der materielle Rausch (Alkohol, Drogen, Sex, Erfolg) erschüttert, verringert das Selbstwertgefühl, während die geistige Trunkenheit im Guten festigt“, hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, am Freitag im Vatikan gesagt.

Die dritte Predigt der Freitagsmeditation im Advent befasste sich mit ‪„der nüchternen Trunkenheit des Geistes“. In der Kapelle ‪„Redemptoris Mater“ des Apostolischen Palastes, in Anwesenheit von Papst Franziskus und Vertretern der römischen Kurie, stellte der Prediger fest, dass beide Arten von Trunkenheit Freude hervorriefen, aber der materielle Rausch bleibe unter der Vernunft, während die geistige Trunkenheit darüber hinausgehe.

Er unterstrich auch die Bedeutung, den Weg der Trunkenheit zur Nüchternheit wieder zu entdecken. Das christliche Leben sei nicht nur eine Frage des persönlichen Wachstums in der Heiligkeit; es sei auch Dienst und Verkündigung. Um diese Aufgaben zu bewerkstelligen, benötigten die Gläubigen die ‪„Kraft aus der Höhe“, Charismen, oder kurz gesagt, ‪„eine starke Erfahrung, pfingstlich, des Heiligen Geistes“.

Diejenigen, die zu Pfingsten die Apostel für trunkene Männer hielten, lagen mit ihrer Annahme richtig, habe der heilige Cyril von Jerusalem geschrieben; „Ihr einziger Fehler war, die Trunkenheit gewöhnlichem Wein zuzuschreiben, es war aber ein ‚neuer Wein‘, aus dem ‚wahren Weinstock‘ gepresst, der Christus ist‪“, erinnerte der päpstliche Prediger.

‪„Die Gabe Christi ist nicht auf eine bestimmte Zeit beschränkt, sondern ist für alle Zeiten offen. Im Schatz seiner Erlösung ist genug für alle da“, sagte Pater Cantalamessa, der hinzufügte, dass es gerade die Rolle des Heiligen Geistes sei, die Erlösung Christi universell zu machen, jedem zu erschließen, überall und zu jeder Zeit.

Der Kapuzinerpater betonte besonders die ‪„Taufe im Heiligen Geist“. „Ich spreche hier ohne jegliche Absicht von Proselytismus, aber weil ich eben denke, dass wir eine Realität im Herzen der Kirche kennen, die Millionen von Katholiken betrifft“, sagte er. Der Begriff ‪„Taufe im Geist“ komme von Jesus selbst (Apg 1,5).

‪„Es ist ein Ritual, das nichts Esoterisches hat, sondern durch Gesten großer Einfachheit gekennzeichnet ist, ruhig und froh, begleitet von Reue für die Sünden und Bereitschaft, wieder Kinder zu werden, um in Sein Reich zu gelangen“, so Cantalamessa.

Dies sei eine Erneuerung und Aktualisierung nicht nur der Taufe und Firmung, sondern des ganzen christlichen Lebens, für ein Paar des Sakraments der Ehe, für die Priester ihrer Weihe, für die Ordensleute ihrer Profess. ‪

„Die Taufe im Geist“ erweise sich als eine einfache und wirksame Art und Weise, das Leben von Millionen von Gläubigen in fast allen christlichen Kirchen zu erneuern. Sie sei offen für alle, so betonte der Prediger des Päpstlichen Hauses. (mk)

Der Volltext der Predigt ist hier (auf Englisch) abrufbar.

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Pater Cantalamessa warnt vor der Versuchung, dem Heiligen Geist Ratschläge zu erteilen

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Pater Raniero Cantalamessa / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Zweite Adventspredigt für den Papst und die Kurie

‪„Wir müssen uns von einer Versuchung hüten: dem Heiligen Geist Ratschläge erteilen zu wollen, anstatt welche anzunehmen“, hat Pater Raniero Cantalamessa, Prediger des Päpstlichen Hauses, in seiner zweiten Adventspredigt am Freitag im Vatikan gesagt. Er unterstrich, es gebe ‪„eine subtile Art und Weise dem Heiligen Geist zu suggerieren, was er mit uns tun und wie er uns leiten sollte. Aber der Heilige Geist führt, und wird nicht geführt.“

‪„Der Geist führt die Kirche auf zwei Arten: direkt und manchmal charismatisch, durch Offenbarung und prophetische Inspiration; zu anderen Zeiten, kollegial, durch eine geduldige und zähe Konfrontation und sogar durch Kompromiss zwischen den Parteien und unterschiedlichen Standpunkten“, erklärte Pater Cantalamessa.

Das Thema der zweiten Predigt lautete: ‪„Der Heilige Geist und das Charisma der Unterscheidung.“ In der Kapelle Redemptoris Mater des Apostolischen Palastes in Anwesenheit von Papst Franziskus und Vertretern der römischen Kurie reflektierte der Prediger über Unterscheidung im kirchlichen sowie persönlichen Leben. ‪„Der Heilige Geist ist bei aller Unterscheidung der Erstbeweger“, versicherte der Prediger des Papstes.

‪„Der Heilige Geist erleuchtet die Seele in der Regel nicht auf wundersame oder außergewöhnliche Art und Weise, sondern sehr einfach, durch das Wort der Schrift“, erläuterte Pater Cantalamessa: ‪„Auf diese Weise fanden die wichtigsten Unterscheidungen der Geschichte statt.“ Das Wort Gottes erleuchte‪ „besser als aller Menschen Rat.“

Abgesehen vom Wort Gottes sei die Gewissensprüfung, die am weitesten verbreitete Praxis persönlich Einsicht zu üben. Aber diese Bewertung sollte nicht auf die Vorbereitung vor der Beichte beschränkt bleiben, sondern zur konsequenten Fähigkeit werden, sich von Gott unters Licht setzen und die Tiefen unserer Intimsphäre scannen zu lassen, sagte er.

Pater Cantalamessas Predigt berührte auch das Thema der Unterscheidung zwischen Sünde und Sünder. Die ständige Herrschaft Jesu in Fragen der Moral lasse sich in wenigen Worten zusammenfassen: ‪„Nein zur Sünde, ja zum Sünder.“

Es gebe keine schwerere Sünde zu verurteilen, als der ungerechte Reichtum, aber Jesu lud sich bei Zachäus ein und die bloße Tatsache, dass er sich änderte, genügte. ‪„Er verurteilt Ehebruch, einschließlich des Beabsichtigten, aber verzeiht der Ehebrecherin und gibt ihr wieder Hoffnung. Er bekräftigte die Unauflöslichkeit der Ehe, sprach aber mit der Samariterin, die fünf Männer gehabt hatte und lüftete das Geheimnis, dass er niemand anderem so ausdrücklich erzählt hatte: ‚Ich bin (der Messias), der zu Euch spricht’‪‪ (Joh 4, 26).“

‪„Wenn wir fragen, wie eine klare Unterscheidung zwischen der Sünde und dem Sünder theologisch zu rechtfertigen sei, ist die Antwort ganz einfach: der Sünder ist ein Geschöpf Gottes, nach seinem Bild geschaffen, und er behält seine Würde trotz aller Verirrungen: Die Sünde ist nicht Gottes Werk, nicht von ihm, sondern vom Feind“, fuhr er fort.

Am Ende seiner Meditation lud Pater Cantalamessa seine Zuhörer ein, sich auf den Heiligen Geist zu verlassen, wie die Saiten der Harfe sich von den Fingern zupfen ließen, die sie bewegten. ‪„Als gute Schauspieler müssen wir ein Ohr der Stimme des verborgenen Souffleurs leihen, um getreu unsere Rolle auf der Bühne des Lebens zu rezitieren“, sagte er. (mk)

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Adventspredigt im Vatikan: Die Kirche braucht den Heilgen Geist

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Die Kapelle Redemptoris Mater: Ort der Adventspredigten

Der Advent wird im Vatikan mit besonderen liturgischen Feiern begangen, an diesem Freitag begannen die Adventspredigten des Päpstlichen Hauspredigers Pater Raniero Cantalamessa. Der Kapuzinerpater predigte in Anwesenheit des Papstes in der Kapelle Redemptoris Mater über das Zweite Vatikanische Konzil und den Heiligen Geist, der in Kirche und Theologie immer wichtiger werde. Während es direkt nach dem Konzil um die Aufnahme und das Verstehen der Texte gegangen sei, sei man nun in eine Phase der „Vervollständigung und Integration“ der Dokumente eingetreten, und dazu brauche es den Heiligen Geist.

Pater Raniero predigt jeweils freitags im Vatikan, geladen sind alle höheren Kurienmitarbeiter, die Leiter der Ordensgemeinschaften sowie Mitarbeiter des Erzbistums Rom.

(rv 02.12.2016 ord)

Brief der Glaubenskongretation an Pater Edward Schillebeeckx OP vom 20.11.1980

Schillebeeckx Edward

HL. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

Brief an
Pater Edward Schillebeeckx op*

20. November 1980

Hochwürdiger Herr Pater!

Seit einiger Zeit ist unsere Kongregation mit Ihnen in Kontakt, um die von Ihnen in Ihrem Buch „Jezus. Her verhaal van een levende“ („Jesus. Die Geschichte eines Lebenden“) dargelegten Auffassungen zur Christologie zu klären.

Die Kongregation hat nach Feststellung, daß das Buch manche mehrdeutige Aussagen enthält, die für Ihre Leser gefährlich sein könnten, Ihnen bereits am 20. Oktober 1976 – durch Vermittlung von Kardinal Willebrands, der Sie von der im Gang befindlichen Untersuchung in Kenntnis setzte – eine Reihe von Fragen zum Inhalt des Werkes und der angewandten Methode zugehen lassen.

Am 13. April 1977 haben Sie auf diese Fragen in einem Brief, der verschiedenes erläuterte, geantwortet; doch diese Antworten haben nicht alle Schwierigkeiten beseitigt, wie Ihnen in einer „Beurteilung der Antwort“, die Ihnen unser Amt am 6. Juli 1978 zusandte, erklärt wurde.

In der Zwischenzeit hatten Sie „Gerechtigheid en liefde. Genade en, bevrijding“ („Gerechtigkeit und Liebe. Gnade und Erlösung“) veröffentlicht, den zweiten Band der von Ihnen angekündigten Trilogie über die Christologie. Einige Monate später ließen Sie der Kongregation Ihr kleines Werk „Tussentijds verhaal over twee Jezus boeken“ („Zwischenbericht über zwei Jesusbücher“) zugehen mit einem Brief, in dem es hieß: „In diesem Büchlein habe ich einige dunkle oder umstrittene Abschnitte meiner Bücher über Jesus Christus naher geklärt…“.

Eine aufmerksame Prüfung dieser letzten Publikation ergab, daß sie zwar interessante Verdeutlichungen enthielt, daß aber Ihre Auffassung hinsichtlich fundamentaler Punkte des katholischen Glaubens weiterhin unklar blieb. Wegen der Bedeutung der untersuchten Fragen beschloß daher die Kongregation für die Glaubenslehre, entsprechend den Artikeln 13-15 ihrer Ratio agendi, Sie zu einem klärenden Gespräch einzuladen. Durch Vermittlung von Kardinal Willebrands erging am 6. Juli 1978 an Sie die Bitte, nach Rom zu kommen, um in einem Gespräch mit Vertretern unseres Amtes Ihren christologischen Standpunkt klarzustellen. In demselben Schreiben wurden Ihnen auch die wichtigsten Punkte mitgeteilt, um die es bei dem betreffenden Gespräch gehen würde.

Nach weiterem Meinungsaustausch, der sich unter anderem durch den Tod der Päpste Paul VI. und Johannes Paul I. verzögerte, teilte Kardinal Willebrands der Kongregation mit (Schreiben vom 30. Juni 1979), daß Sie die Teilnahme an dem Gespräch annehmen. Nach dem für die Festsetzung des Termins und der Modalitäten des Gesprächs unerläßlichen Briefwechsel konnte dieses dann am 13., 14. und 15. Dezember 1979 am Sitz der Kongregation unter Teilnahme von Msgr. A. Bovone, dem Moderator des Gesprächs, Bischof A. Descamps und der Patres A. Patfoort OP und J. Galot SJ stattfinden.

Während einer Begegnung mit den Persönlichkeiten der Kongregation, die dem Gespräch unmittelbar vorausging, wurden Sie daran erinnert, daß es weder Ziel dieses Gespräches sei, ein Urteil zu fällen noch Entscheidungen zu treffen, sondern die Informationen über Ihre christologischen Standpunkte zu vervollständigen. Man fügte schließlich hinzu, daß nach Abschluß des Gespräches ein Bericht verfaßt würde, der, sobald er beiderseits akzeptiert sei, den Kardinälen, die Mitglieder der Glaubenskongregation sind, zur Prüfung unterbreitet werden sollte.

Die Kardinäle haben bei der Ordentlichen Versammlung der Kongregation diese Prüfung im Lichte der von Ihnen in Ihrer schriftlichen Antwort vom 13. April 1977 und dem Gespräch vom 13. bis 15. Dezember 1979 abgegebenen Erklärungen vorgenommen.

Sie stellten fest, daß sich diese Art des Vorgehens als nützlich erwiesen hat, weil es Ihnen die Möglichkeit gab, sich über Zweck, Methode und literarische Gattung Ihrer Schriften auszusprechen und eine Reihe von Unklarheiten zu beseitigen.

Bei der Formulierung ihrer Schlußfolgerungen, die vom Heiligen Vater approbiert worden sind, haben die Kardinäle betont, daß diese nur für die drei zu Beginn dieses Briefes genannten Werke gelten.

In ihrem Namen möchte ich in meiner Eigenschaft als Präfekt dieser Kongregation Ihnen daher folgendes mitteilen:

1. Die Kongregation nimmt die Klarstellungen, Präzisierungen und Richtigstellungen, die Sie bei dem Gespräch und in Ihrem Brief bezüglich Ihrer veröffentlichten Werke eingebracht haben (vgl. Anlage, S. 1-4), zur Kenntnis.

2. Sie glaubt jedoch, daß zu einigen Punkten die erbrachten Klärungen nicht ausreichen, um die Doppeldeutigkeiten zu beheben (vgl. Anlage, S. 4-5).

Aus diesem Grund ersuche ich Sie:

1) der Öffentlichkeit, die Zugang zu Ihren Werken hat, die Klarstellungen, Präzisierungen und Richtigstellungen bekannt zu machen, die sich aus den jüngsten, von Ihnen der Kongregation gegebenen Erklärungen ergeben. Es gilt nämlich zu beachten, daß das Buch „Jezus…“ eine sehr große Leserschaft gefunden hat. Desgleichen sind Ihre Erklärungen zu maßgebenden Punkten, die weiter gehen als die Darstellung in den veröffentlichten Büchern, nicht nur für das kirchliche Lehramt von Bedeutung, sondern ebenso für Ihre Leser, die ein Recht darauf haben, über Aussagen von derartiger Tragweite informiert zu werden.

2) im Licht der katholischen Lehre die Punkte zu überprüfen, die noch immer von einer gewissen Doppeldeutigkeit belastet sind, und öffentlich Ihren Willen zu bekunden, daß Sie diesem Ersuchen nachkommen werden.

Außerdem muß man zugeben, daß das Gespräch trotz des Umfangs seines Programms die Klarstellungen nicht so weit vorantreiben konnte, wie es einerseits Ihre Betrachtungsweise der Beziehung zwischen Offenbarung und Erfahrung und andererseits die Rolle, die Sie in der Theologie einer „Handreichung“ apologetischen Typs zuschrieben, bedurft hätten. Deshalb und wegen der Zweifel, die noch immer bestehen, kann die Glaubenskongregation, die sich im gegenwärtigen Augenblick eines Urteils in dieser Sache enthält, nicht umhin, auf die Notwendigkeit einer vollkommenen Übereinstimmung mit den Prinzipien hinzuweisen, an die sich jede theologische Arbeit halten muß. Was das Verhältnis von Offenbarung und Erfahrung (mit seinen Konsequenzen für die normative Rolle der formellen Lehraussagen der Bibel und der Dokumente des Lehramtes) betrifft, so macht sie Sie vor allem auf das aufmerksam, was in der Erklärung Mysterium Ecclesiae, Nr. 5 (AAS LXV, 1973, S. 402-404), ausgeführt ist.

Ich wäre Ihnen dankbar, hochw. Herr Pater, wenn Sie mich wissen lassen wollten, welcher Weg Ihnen als der wirksamste erscheint, um die von mir hier zum Ausdruck gebrachten Ansuchen zu erfüllen. Die Kongregation ihrerseits dächte an einen Artikel, den Sie im Einvernehmen mit ihr vorbereiten, wobei Sie die diesem Brief beigefügte Dokumentation als Leitfaden benutzen. Sie ist ferner bereit, jeden anderen Weg, den Sie vorschlagen können, in Erwägung zu ziehen.

Eine Abschrift dieses Briefes senden wir an S. Em. Kardinal J. Willebrands, der diese Angelegenheit in seiner Eigenschaft als Großkanzler der Universität Nijmegen verfolgt, und eine weitere Abschrift an den hochw. Generalmeister des Dominikanerordens, Ihren Ordinarius.

In Erwartung einer günstigen Antwort Ihrerseits bitte ich Sie, hochw. Herr Pater, den Ausdruck meiner ergebenen Hochachtung entgegenzunehmen.

 

FRANJO Kardinal ŠEPER
Präfekt

 

Anlage zum Brief an Prof. P. E. Schillebeeckx

Die vorliegende Anlage soll die allgemeine Mitteilung der Kongregation, die im Begleitbrief zum Ausdruck gebracht ist, verdeutlichen. Die in ihr enthaltenen Bemerkungen gründen sich im wesentlichen auf den Bericht über das Gespräch vom 13. bis 15. Dezember 1979 (=Gespräch) und auf die schriftliche Antwort von Prof. Schillebeeckx vom 13. April 1977 auf die Fragen, welche ihm, gleichfalls schriftlich, die Kongregation vorgelegt hatte (= Brief).

I. Von Prof. Schillebeeckx erbrachte
Klärung, Präzisierungen und Richtigstellungen

A. Klärung dogmatischer Natur

Vorbemerkung

Der Verfasser beabsichtigt nicht, eine vollständige Christologie vorzulegen, sondern möchte mit Hilfe der Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese die Menschen, die sich am Rande der Kirche und des Glaubens befinden, an die Person Jesu heranführen. Seine Arbeit will eine apologetische „Handreichung“ im Sinn der Fundamentaltheologie sein (Gespräch, 4).

1) Prof. Schillebeeckx hat „zugegeben“, daß „der Theologe, wenn er sich mit einer exegetischen oder historischen Forschung beschäftigt, sich nicht ernsthaft mit dem Gedanken tragen kann, die Glaubenssätze der katholischen Kirche aufgeben zu müssen“, besonders „das, was von den ökumenischen Konzilien und den unfehlbaren Erklärungen der Päpste definiert wurde“, und daß „der dogmatische Theologe bei seinen tatsächlichen Urteilen über die Realität der Dinge als oberste Richtschnur für sein Denken nicht seine eigene Auffassung vom geschichtlichen Jesus, sondern das Denken der Kirche über Jesus annehmen muß“ (Gespräch, 4-5). Die gesamte Interpretation muß sich demzufolge darum bemühen, eine getreue und homogene Wiedergabe der Glaubensformeln zu sein, die „für immer wahr bleiben“ (Gespräch, 3).

2) Anders als in seinen Büchern und besonders im Epilog von Tussentijds verhaal over twee Jezus boeken ist er der ausdrücklichen Anerkennung der Gottheit Jesu in den Begriffen der Kirche nicht mehr ausgewichen (Gespräch, 5 Ende, 6 Ende). Er hat die Präexistenz der göttlichen Person des Sohnes anerkannt (Gespräch, 6; Brief, 5, 2. Abschn., Z. 4) sowie eine „hypostatische Identifikation“ des Sohnes Gottes mit „der Art des personalen Menschseins“ Jesu.

3) Er hat erklärt, daß in der Beziehung Jesu zum Vater für ihn das Bewußtsein, der eingeborene Sohn zu sein, impliziert ist, und das auch, obwohl Jesus selbst den Ausdruck „der Sohn“ nicht gebraucht hat (Gespräch, 10), und daß die ausdrückliche Gleichsetzung des Reiches Gottes und Jesu eine legitime Erläuterung des Bewußtseins ist, das Jesus von sich selbst hatte und das in der alten Überlieferung Q nachzuweisen ist (Brief, 16).

4) Er hat erklärt, daß er „auf Grund des Lehramtes der Kirche, das sich zu diesem Punkt geäußert hat“, an die Geburt Jesu aus der Jungfrau „glaube“ (Gespräch, 14).

5) Er hat anerkannt, daß „das Opfer Jesu Sühneopfer für unsere Sünden ist“ (Gespräch, 8).

6) Er hat erklärt, daß es „für ihn klar ist, daß Jesus die Kirche gründen wollte“ (Auserwählung der Zwölf als Vertreter der zwölf Stämme Israels – Gespräch, 11).

B. Präzisierung über die Tragweite mancher Formulierungen und Gedankengänge

1) Was das Geheimnis der Inkarnation betrifft:

– der Ausdruck „hypostatische Identifikation“ des Wortes und der Menschheit Jesu, ein Ausdruck, den der Verfasser, wie er erklärt, dem Begriff von der hypostatischen Union vorzieht (Jezus…, S. 543, Z. 7), schließt für ihn die Tatsache der hypostatischen Union nicht aus (Gespräch, S. 7, Z. 11: „ich erkenne die hypostatische Union an“); der Verfasser sagte, er sei überzeugt, deren Sinn wirklich zu treffen (Brief, S, 14, Z. 8: „meines Erachtens ist da die hypostatische Union in ihrer reinen Form vorhanden“) und mit dem Konzil von Chalkedon übereinzustimmen, wenn es von „unus et idem“ spricht, der zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

– der Ausdruck „Art des personalen Menschseins“ oder „personalistische menschliche Natur“ oder auch: „Jesus ist ,menschlich Person“ bedeutet für ihn nicht, daß der Mensch Jesus eine menschliche Person hat (Gespräch, 7, Z. 6-9), er will lediglich Jesus im Vollbesitz seines Menschseins als „verus homo“, als wahrer Mensch, hervorheben (Gespräch, 7, Z. 14 und 16). Als dogmatischer Theologe behauptet er niemals, daß Jesus eine menschliche Person sei (Gespräch, S. 6, die zwei letzten Zeilen – besser gesagt im Brief, S. 13, Z. 11, 30-31, usw.).

2) Was die Einsetzung der Eucharistie betrifft, hat er präzisiert, daß „die Texte der Einsetzung (der Eucharistie), wie wir sie in den liturgischen Formeln lesen, eine historische Anamnese dessen“ sind, „was sich beim letzten Abendmahl ereignet hat“, daß „der Ursprung dieser (sakramentalen) Worte und der ganzen Eucharistie im letzten Abendmahl und in dem liegt, was Jesus beim letzten Abendmahl gesagt und getan hat“ (Gespräch, 12).

C. Richtigstellungen und Berichtigungen des Verfassers.

Der Verfasser hat erklärt, daß die folgenden Richtigstellungen sich ihm zum Teil durch die Vertiefung seiner Forschung, zum Teil durch das Bewußtwerden der Tatsache aufgedrängt haben, daß manche seiner Begriffe nicht „glücklich“ waren und zu Mißverständnissen Anlaß gaben.

Diese Richtigstellungen betreffen folgende Aussagen:

1) „Die Ehrentitel ,Sohn Gottes und ,der Sohn … sind … christliche Identifikationen des Jesus von Nazaret (formuliert) nach seinem Tod. Jesus selbst hat sich niemals als ,der Sohn oder ,der Sohn Gottes bezeichnet; kein synoptischer Text (verstanden, wohlgemerkt, im Sinne der Kritik) geht in diese Richtung“ (Jezus…, S. 211).

– Richtigstellung: „ein etwas zu apodiktischer Satz; gemildert in Gerechtigheid…“ (Gespräch, 10).

2) In Markus 14, 25 (Einsetzungsbericht) „erkennt man eine nach-österliche, durch die Kirche erfolgte Prägung, und zwar in der zweiten Hälfte des Verses: bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes“ (Jezus…, S. 253).

– Richtigstellung: „die Formulierung ist unglücklich; dasjenige, welches sekundär ist, das ist die Verbindung der beiden Teile des Herrenwortes; ich betrachte beide Teile als ,ipsissima verba, als tatsächliche Worte des Herrn; vgl. Tussentijds…“ (Gespräch, 12-13).

3) „In Jezus…“ (S. 284) „stellte ich nicht genügend den Zusammenhang her zwischen dem leeren Grab und der Auferstehung. Ich habe in der Folge erkannt, daß dieser Zusammenhang für die Autoren des Neuen Testaments enger war, als ich ursprünglich angenommen hatte. So verstanden, kann die Entdeckung des leeren Grabes ein vermittelndes Zeichen für den Glauben sein. (In diesem Punkt gibt es eine Entwicklung meines Denkens von Jezus … zu Tussentijds)“ (Gespräch, 15).

4) „Die ‚Gemeinde Q kennt keine Erscheinungen.“

– Richtigstellung: „Dieser Teil ist übrigens der hypothetischste meines Buches. Obgleich ich ihn als ernst betrachte, weiß ich durchaus um die Zweifel, die hinsichtlich dieser ‚Gemeinde Q bestehen. Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen, daß der Auferstehungsglaube der Gemeinde nicht einzig und allein auf dem Zeichen des leeren Grabes und der Erscheinungen beruht“ (Gespräch, 16).

5) Auch wenn das, was der Verfasser in dem Gespräch zum Thema Erscheinungen sagt, nicht ganz zufriedenstellend ist (vgl. unten II, 3), findet man doch im Brief (S. 17) eine Präzisierung und zugleich eine Berichtigung von einiger Bedeutung. Bei der Deutung des Ursprungs der Aussagen über die Erscheinungen gebraucht P. Schillebeeckx den Begriff der „metanoia“ (Umkehr). Diese Art des Vorgehens bringt die Gefahr mit sich, den qualitativen Unterschied zwischen den Erscheinungen, die Jesus seinen Jüngern zuteil werden ließ, und einer „Erfahrung der Umkehr“ als solcher, nicht ausreichend genug zu beachten. In diesem Zusammenhang ist die folgende Feststellung von Bedeutung: „Vielleicht gibt meine Verwendung des Wortes „Umkehr“ in einem sowohl moralischen wie vor allem christologischen Sinn Anlaß zur Doppeldeutigkeit. Für mich ist jedenfalls in dieser Terminologie von der „Umkehr“ die Christuserscheinung ebenso wesentlich, wie sie es im Begriff der Erscheinung ist: mit Augen geschaut (oophtè). Es ist der lebendige Christus, der Auferstandene, der die Augen öffnet.“

II. Grenzen der erzielten Ergebnisse und
Mehrdeutigkeiten, die bestehen bleiben

1) Die Antwort auf die Frage über die jungfräuliche Empfängnis Jesu Christi ist formal gesehen korrekt, erweist sich aber in ihrem Wert und ihrer Bedeutung als sehr begrenzt, wenn der Verfasser erklärt: „Ich glaube das auf Grund des Lehramtes“ (Gespräch, 14).

2) Zu einigen wichtigen Punkten (vgl. weiter oben, S. 1) räumt der Verfasser ein, dass der Glaube der Kirche für ihn als dogmatischen Theologen oder auch für die dogmatische Theologie verpflichtende Kraft besitzt. Aber sehr oft klingen die Behauptungen, die seine Werke enthalten, so, als beschränke sich diese Gültigkeit auf den dogmatischen Theologen im strikten Sinne. Eine solche Begründung des Glaubens gilt hingegen für alle Disziplinen der katholischen Theologie, auch wenn sie mit zum Teil verschiedenen Methoden arbeiten.

3) Die im Gespräch gemachten Aussagen zum Thema der bestehenden Beziehung zwischen Auferstehung und Erscheinungen sind nicht ganz zufriedenstellend (Gespräch, 16-18). Das gilt nicht nur für einige Hypothesen, die in der Erklärung des historischen Ursprungs des Osterglaubens gebraucht wurden (Gespräch, 16), sondern auch – und darauf bezieht sich vor allem das Urteil der Glaubenskongregation – für einige zentrale Äußerungen zu diesem Thema, wie z.B: „Doch die Erscheinungen als solche sind nicht der formale Grund unseres Glaubens an die Auferstehung“ (Gespräch, 16). Eine solche Behauptung ist keine Antwort auf die Schwierigkeit, die in dem Gespräch aufgetaucht war, und somit bleibt die Doppeldeutigkeit bestehen (vgl. jedoch das oben angeführte Zitat aus dem Brief).

4) Die systematische und wiederholte Ablehnung des Wortes Anhypostasie (vgl. Jezus… 534, Z. 31 ff.; 538, Z. 5; 540, Z. 3; 545, Z. 8; Gespräch 7, Z. 11: „Ich ziehe es vor, die im Neochalkedonismus enthaltene Anhypostasis zu vermeiden“) wird ständige Quelle von Doppeldeutigkeiten sein. Man weiß, daß der Verfasser „(dadurch) nur in Abrede stellen will, daß die Menschlichkeit Jesu eine menschliche Lücke aufweise (Brief, S. 13, letzte Zeile)“, aber das Wort „Hypostase“ ist nicht das Wort „Person“, es hat für uns heute nicht den Sinn von geistlicher Natur, sondern den von verschiedener und unabhängiger Realität in der Existenz. Ablehnung der Anhypostasie beschränkt sich infolgedessen nicht darauf, jede Lücke des Menschseins Jesu zu bestreiten, sondern hat die Tendenz, in ihr eine deutlich unterschiedene und unabhängige Wirklichkeit in der Existenz sichtbar zu machen und zu der Vorstellung von dem „undenkbaren Gegenüber“ zwischen dem Menschen Jesus und dem Sohn Gottes“ zu führen, das Schillebeeckx selbst beseitigen will (Jezus, S. 543, Z. 13). Der Leser wird hin- und hergeworfen von dem zweifachen Sinn: menschliche Person – nicht menschliche Person.

FRANJO Kardinal ŠEPER
Präfekt

 

* L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 28, 10. Juli 1981, Seite 4 (AAS 77 [1985], 994-997).

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Kardinal Müller: „Mit Gottes Wort schließt man keine Kompromisse“

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Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat sein gutes Verhältnis zum Papst betont. Vorwürfe, er leiste Widerstand gegen Franziskus, bezeichnete er im „Kölner Stadt-Anzeiger“ in der Montagsausgabe als „dummes Gerede“ und ein „Märchen“. Anders als er selbst, so Müller weiter, sei der Papst „kein Berufstheologe“, sondern in erster Linie Seelsorger. Dies in die Ausübung des Papstamtes einzubringen, sei indes völlig legitim. Franziskus‘ Reformprogramm sei nichts revolutionär Neues, sondern bewege sich auf der Linie seiner Vorgänger, so Müller weiter.

Gegen ein Lehramt der Theologen auf der gleichen Ebene des Lehramts der Bischöfe spricht sich Gerhard Ludwig Kardinal Müller aus. Der Präfekt der Glaubenskongregation reagiert damit auf einen Streit zwischen Theologieprofessoren und dem Regensburger Bischof Voderholzer. Dieser hatte eine engere Anbindung der akademischen Theologie an das Lehramt angemahnt. Die Theologen hingegen sprachen von einem „wissenschaftlichen Lehramt“ neben dem Lehramt der Bischöfe.

„Ein Lehramt der Theologen auf der gleichen Ebene wie das Lehramt der Bischöfe kann es nicht geben“,.Kardinal Müller war am Wochenende zu einem Vortrag in Köln und sprach dort mit unseren Kollegen vom Domradio: „Das Lehramt der Bischöfe und des Papstes ist unmittelbar von Christus eingesetzt“. In der akademischen Theologie sei die menschliche Vernunft Urheberin einer Lehre. Dies könne man nicht auf die gleiche Ebene stellen wie das Wort Gottes, das von der menschlichen Vernunft ergründet werden wolle, so der Präfekt der Glaubenskongregation. „Es gibt eine Freiheit, indem die wissenschaftlichen Methoden exakt angewendet werden, aber die Theologie schafft sich nicht selber ihren Gegenstand und ihren Inhalt. Das ist ja keine neutral betrachtende Sichtweise auf die Betrachtung, sondern die Theologie setzt im Unterschied zur Religionswissenschaft den Glauben an das Wort Gottes voraus.“ Die erste Verantwortung für die theologische Lehre und die Lehranstalten läge beim Ortsbischof, dann bei der universalen Kirche und dem Lehramt des Papstes. Kardinal Müller sieht seine Kongregation in Rom nicht als Zentrale, die in die Provinzen eingreift, sondern die nach dem Subsidiaritätsprinzip das weltweite Päpstliche Lehramt vertritt.

 

Debatten bei der Synode

Unbeeindruckt zeigte sich Kardinal Müller von einigen Interpretationen über seinen scheinbaren Wandel im Laufe der Familiensynode, in welcher er in der Sprachgruppe u.a. mit den Kardinälen Kasper und Schönborn einen vielbeachteten Vermittlungsvorschlag erarbeitet hatte. „Die Lehre der Kirche ist nicht mein Eigentum, sondern sie ist uns vorgegeben. Und es ist unsere Aufgabe, die feste Erkenntnis dessen, was Gott uns offenbart hat, auch in diesen Diskussionen klar zur Sprache zu bringen“, sagt der Präfekt dazu. Daran könne niemand rütteln, dass die gültig geschlossene Ehe unauflöslich ist. „Wir können nicht gegenüber dem Wort Gottes Kompromisse einfordern.“

 

(domradio 29.02.2016 ord)