FATIMA: „DIE WORTE MARIENS ERFÜLLEN SICH“ *)

Collegial-Consecration

Johannes Paul II. erneuert die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens am 25. März 1984

Der Weiheakt von Johannes Paul II.


Ich [POS] veröffentliche nachfolgend den 2-teiligen Artikel des „Schweizer Fatima-Bote“ [Nrn. 67 und 68, Januar und Februar 2016 – ohne persönlich Stellung zu nehmen dazu:

 


*) Pfr. Dr. A. Fugel, ehemaliger Geisticher Leiter des Fatima-Weltapostolats der Deutsch-Schweiz

Bemerkung der Redaktion.- Die offizielle Haltung der Kirche ist, dass Russland durch die Weihe am 25. März 1984 geweiht worden ist. Als öffentlicher Verein von Gläubigen päpstlichen Rechts müssen wir diese Ansicht hochhalten. Das schliesst aber nicht aus, hier auch andere Meinungen zu veröffentlichen. 

[1. Teil – Schweizer Fatima-Bote Nr. 67:] 

Drei Etappen zum Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und es wird der Welt eine Zeit des Friedens geschenkt werden“. So die Gottesmutter am 13. Juli 1917 in Fatima. Wir nähern uns der Jahrhundertfeier des Geschehens von Fatima im Jahre 1917. Da Fatima ein zentrales Ereignis im Leben der Kirche ist und eine Kirche Christi ohne Fatima nicht mehr vorstellbar noch möglich ist, stellt sich die Frage, wie dieses Jubiläum würdig begangen werden kann.

Droht das Fatima-Jahr 2017 global zu scheitern?

Die Unkenntnis viel zu vieler Katholiken und noch mehr Nichtkatholiken über Marias Wirken im Heilsplan Gottes ist gross. Maria ist die Mutter Jesu und somit gelten ihre Worte allen, die an Jesus glauben! Allen! Nicht nur Katholiken. Die Irreführung durch ihre eigene Kirche bezüglich Maria muss aufhören!

Es sind bei den Feierlichkeiten in Fatima jedes Mal mehrere Bischöfe zugegen, doch im Prozentsatz aller Bischöfe der Welt ist das eine kaum relevante Grösse; Kardinäle sind eher selten anzutreffen. Umso mehr sind alle marianischen Apostolate bereit, ohne Furcht in die Worte der Gottesmutter von 1917 tief einzudrin­gen, zu verstehen und weiter zu geben. 2017 ist ein Jahr, das feierlich begangen wird, entweder feiern wir den Frieden, den die Gottesmutter versprochen hat oder den Beginn der seither vielhundertfachen Zersplit­terung der Kirche Jesu Christi durch den von der Kirche abgefallenen Priester Martin Luther.

In Fatima geht es um viel, viel mehr als um Erscheinungen, Visionen etc. und schon gar nicht um Sensatio­nen. Fatima ist der Blitzschlag Gottes mitten in den Lauf der Menschheitsgeschichte hinein, dessen Donnergrollen die Menschheit bis zu ihrem Ende vernehmen wird (müssen).

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“ steht als absolute Aussage, die sich ohne Wenn und Aber erfüllen wird. Dies ist daher eher keine Prophetie, sondern schlicht die Feststellung einer Tatsache. Mit anderen Worten könnte man sagen: Über den ersten Teil, über die Worte, welche vor dieser Feststellung stehen: „Wenn ihr tut, was ich euch sage, wird Friede sein“, dürft ihr Menschen selber entschei­den. Entscheidet ihr euch jedoch gegen mein Friedensangebot, dann wird sich das Böse weltweit verbreiten und unendliches Leid über die Menschheit bringen. Ja, selbst wenn sich alle Menschen gegen mich ent­scheiden würden, bleibt doch noch die Tatsache bestehen: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz trium­phieren!“

Betrachten wir den Glaubenszerfall seit 1917, muss wohl der Teil der Aussage Mariens: „Wenn nicht, dann…“ als Entscheidung der Menschheit gelten.

Damit nähern wir uns der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens.

Wie wir noch sehen werden, geht es der Gottesmutter weder um ein triumphalistisches Auftreten eines Papstes mit allen Bischöfen der Welt, noch um eine Weihe, die alles Mögliche zitiert, nur Russland nicht. Ein kurzes Gebet von ein paar Zeilen, durch den Papst in Einheit mit dem Weltepiskopat gesprochen, in welchem Russland innig in das Herz Mariä gelegt wird, hätte genügt! Betrachten wir die Worte der Gottes­mutter vom 13. Juli 1917 genau, so schließt sich der Triumph des Unbefleckten Herzen Mariens nicht sofort einer ersten Weihe an, da Russland Zeit haben muss, seine Bekehrung, ja seine Abkehr vom Atheismus zu beweisen und den Rest der Welt davon zu überzeugen, ja diese vom Atheismus zu bekehren. Maria nennt die Weihe Russlands als einen Moment, der das Ende satanischer Irreführung und Herrschaft über den Menschen markiert, und der sich VOR IHREM Triumph vollziehen muss.

Die Hierarchie des Triumphes Mariens

  • Zuerst muss es einen Triumph der Sühne an ihr Unbeflecktes Herz geben. Dieser wird herbeigeführt durch den gehorsamen und demütigen Vollzug der fünf Herz-Maria-Sühnesamstage, der wiederum sei­nerseits die Bekehrung Russlands erwirken wird. Noch vor den spektakulären „Weltweihen“ Seiner Heilig­keit Papst Johannes Paul II. in Fatima (1982) und Rom (1984), hätte der Andacht der Sühnesamstage ein gebührender Platz in der Liturgie der Kirche eingeräumt werden müssen, ähnlich dem Herz-Jesu Freitag.

Das ist nicht geschehen. Seit über 90 Jahren fordert Jesus die Einfüh­rung der Sühnesamstage und kein einziger Papst hat sich die Mühe gegeben, diese weltweit zu verbreiten. Eine „Weihe“ jedoch ohne die Einführung der fünf Sühnesamstage kann nicht der richtige Weg sein. So hat die Kirche selbst den ersten Triumph der Gottesmutter vereitelt.

  • Der zweite Triumph der Gottesmutter ist die nach Erreichung des Zieles des ersten Triumphes folgende Weihe und Bekehrung Russ­lands. Ist der Triumph der Sühne erreicht, wird der Himmel diesen Tri­umph der Sühne in der Weihe Russlands durch den HI. Vater an Ihr Unbeflecktes Herz in Einheit mit ALLEN Bischöfen der Welt in der völli­gen Abkehr „Russlands“ — und somit der ganzen Welt – vom Atheismus krönen. Der tiefe Sinn der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens liegt darin, dass der HI. Vater als Krönung der ersten Stufe (Sühnestufe) „Russland“, d.h. alle Irrtümer und satanische Verirrungen, die in diesem Lande entstanden, tief ins Herz Mariens versenkt, damit wenn „Russland“ neu ersteht, es aus dem Herzen Mariens neu gebo­ren werde. Es ist anzunehmen, dass dies auch einen grossen Schub zur Einheit der beiden Schwesterkirchen, der katholischen und der or­thodoxen, geführt hätte. Von einer politischen diplomatischen Kompli­kation hätte sich kein Papst fürchten müssen. Denn in der Zeit, in der die Weihe Russlands hätte stattfinden sollen, gab es kein Land mit die­sem Namen. Im Oktober 1917 hörten die Visionen in Fatima auf und es hörte auch auf, ein Land mit dem Namen Russland zu existieren, da es sich den Namen Sowjetunion gegeben hat. Erst 1990 gab es wie­der ein Land namens Russland! Das wusste die Gottesmutter und rief uns auf, IHR „Russland“ zu weihen! Von hier aus gesehen kann die ab­solute Notwendigkeit der deutlichen Aussage des Wortes Russland in der Weihe nicht kleingeredet werden!
  • Dann erst folgt der letzte Triumph, DER TRIUMPH DES UNBE­FLECKTEN HERZENS MARIENS in der völligen Vernichtung Satans und satanischer Macht über den Menschen, in der Ankunft und Ver­wirklichung des Reiches Mariens, das der endgültigen Herrschaft Christi vorauszugehen hat, da Maria IMMER Wegbereiterin für Jesus Christus ist, Wegbereiterin auch seiner Wiederkunft in Herrlichkeit.

Was ist „Fatima“?

Zunächst ein Wallfahrtsort. Wer dorthin pilgert ist bereit, die Grundaus­sagen der Botschaft von Fatima in sich aufzunehmen. Dann aber ist Fatima nicht mehr nur ein Ort! Sondern mehr! Fatima ist eine Pro­phetie! „So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt all das, wozu ich es ausgesandt habe.“(Jes 55,11)

Diese Worte des Propheten umschreiben Echtheit und Wirkung einer Prophetie, die von Gott kommt! Die „Prophetie Fatima“ hat 1917 ihren Weg für Menschheit und Kirche begonnen und strebt unbeirrt ihrem Gott gewollten Ziel entgegen! Kein Mensch, kein Ereignis kann ihren Lauf aufhalten bis zu ihrer Vollendung! Das ist Fatima!

Worte von Papst Johannes Paul II. in Fatima:

„Der Ruf des Evangeliums zur Busse und Bekehrung, geäussert in der Fatima-Botschaft der Mutter, ist noch immer von Bedeutung. Sie bleibt nach wie vor wichtig, ja sie ist heute noch dringlicher“.

Joseph Kardinal Ratzinger zur Veröffentlichung des dritten Teils des Geheimnisses von Fatima in Rom am 26. Juni 2000:

„In ihrer Botschaft und Segnung bedeutet Fatima die Bekehrung zu Gott. Hier können wir das Zeugnis der Erlösung der Menschheit fühlen, durch ihre Fürsprache, sie, die mit ihrem Fuss den Kopf der alten Schlange zerdrückte und im­mer zerdrücken wird. Das ist auch die Botschaft von Fati­ma, die mit ihrem bekümmer­ten Ruf zu Umkehr und Busse tatsächlich zum Herzen des Menschen vordringt. Fatima ist unter den modernen Er­scheinungen zweifellos die prophetischste. Die drei Hir­tenkinder von Fatima schauen, hören und bewahren es im Ge­dächtnis auf, und Lucia, die Zeugin, die überlebt hat, schreibt es nieder in dem Au­genblick, als sie vom Bischof von Leiria den Auftrag und von Unserer Lieben Frau die Erlaubnis erhält…“

„Von dem Augenblick an, da wir dem Ruf der Botschaft nicht Rechnung trugen, stellen wir fest, dass die Botschaft sich bewahrheitet hat, dass Russland die Welt mit sei­nen Irrlehren eingenommen hat. Und wenn wir die voll­ständige Erfüllung des En­des dieser Prophezeiung noch nicht feststellen, dann sehen wir, dass wir allmäh­lich mit weiten Schritten da­rauf zusteuern“…

„Wenn wir nicht den Weg der Sünde, des Hasses, der Ra­che, der Ungerechtigkeit, der Verletzung der menschlichen Person, des unmoralischen Verhaltens und der Gewalt usw. verlassen. Und sagen wir nicht, dass Gott es ist, der uns so straft; im Gegenteil: Es sind die Menschen, die sich selbst die Strafe berei­ten. Gott gibt uns das in sei­ner Fürsorge kund und ruft auf den guten Weg. Dabei achtet er die Freiheit, die er uns ge­geben hat. Deshalb sind die Menschen verantwortlich.“ So weit Papst Benedikt XVI.

3. Die Endzeit

Die Zeit bzw. die Vorbereitung auf das Zweite Kommen Jesu, diesmal nicht mehr in Knechts­gestalt, sondern in „Macht und Herrlichkeit“ (vgl. Mt. 25,31) nennt christlicher Glaube DIE ENDZEIT.

Und in der Endzeit wird wiederhergestellt und nicht vernichtet! Die Welt wird nicht in Schutt und Asche gelegt, sondern wieder her­gestellt nach dem anfänglichen Schöpfungsplan Gottes.

Christus fordert uns auf, wenn wir die Zeichen der Ankunft dieser Zeit sehen, das Haupt zu erheben:

Lk 21,7: Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und an wel­chem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?

Lk 21,8: Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!

Lk 21,9: Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.

Lk 21,10: Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.

Lk, 21,11: Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

Lk 21,12: Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.

Lk 21,13: Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.

Lk 21,14: Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;

Lk 21,15: denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.

Lk, 21,16: Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten.

Lk 21,17: Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.

Lk 21,18: Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.

Und diese Zeit wurde weder „von solchen noch von anderen“ Bot­schaften, sondern mit den Erscheinungen der Gottesmutter Maria in Fatima eingeleitet.

Wie die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu im Abendmahlssaal mit Maria um die Herabkunft des Heiligen Geistes beteten, so ist es auch heute an Maria, sich Beter zu berufen, die das Kommen Jesu Christi in seiner göttlichen Herrlichkeit betend erflehen.

Das ist die Zeit der Vorbereitung auf das Wiederkommen Christi oder die Endzeit! Fatima lässt die Endzeit erahnen. Schwester Lucia von Fatima gibt uns einen visionären Einblick in den Ablauf bzw. in die Etappen des Herannahens der Endzeit. In einem Interview spricht sie in eindeutigen Worten über sieben Etappen, die auf Fatima folgen werden. Es gibt ganz klare Anzei­chen, dass die Menschheit heute am „Donnerstag der Woche von Fatima“, und zwar am Ende des Tages, angekommen ist.

 

[2. Teil – Schweizer Fatima-Bote Nr. 68:] 

4. Schwester Luzia über die Russlandweihe

In einem Interview von 1998 antwortet Sr. Lucia auf Fra­gen zweier Kardinäle zwei Jahre vor der Veröffentlichung des dritten Teils des Fatima-Geheimnisses durch Papst Johannes Paul II. in Fatima und Rom und nach der Welt­weihe durch den Papst von 1984.

In der spanischen Ausgabe vom Mai/Juni 1998 der Zeit­schrift „Sol de Fatima“ (Sonne von Fatima) erschien eine Zusammenfassung der Antworten, die mit Genehmigung der portugiesischen Zeitschrift „Christus“ abgedruckt wur­de. Es handelt sich um wichtige Erklärungen von Sr. Lucia an zwei Kardinäle, Anthony Padiyara von Erna­culan (Indien) und Ricardo Vidal von Cebu, Philippinen, während ihrer zahlreichen Besuchen im Karmel von Coimbra. Wir bringen einen Auszug daraus.

FRAGE: Wurde die Weihe Russlands wie von Unserer Lieben Frau (ULF) am 13.6.1929 gewünscht, von Papst Johannes Paul II. am 25.3.1984 vollzogen?

ANTWORT: Ja. Die Weihe war teilweise bereits vollzo­gen worden. Papst Pius XII. vollzog sie am 31.10.1942, doch es fehlte noch die Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt, was Papst Johannes Paul II. schliesslich 1984 erreichte. Papst Paul VI. fragte mich auch, ob die Weihe von 1942 dem Wunsch ULF entsprochen habe. Ich ver­neinte und erklärte ihm, dass jeder Bischof in seiner eigenen Diözese anwesend (und mit dem Papst verbun­den) sein solle und nicht an einem einzigen Ort, denn die Weihe sei ein Ruf zur Vereinigung mit dem Volk Gottes gewesen.1982 vollzog Papst (Johannes Paul II.) die Weihe in Fatima. [1]

FRAGE: Und die Schwester war anwesend?

ANTWORT: Ja, aber an dieser Weihe war die Verei­nigung mit allen Bischöfen nicht vollständig. Später, 1984, lud Papst Johannes Paul II. sämtliche Bischöfe ein, sich mit ihm an der Weihe zu vereinigen, was sich am 25. März 1984 verwirklichte. Der Papst verfügte, dass sich alle Bischöfe [2] während des Weiheaktes mit dem HI. Vater vor dem Bild Unserer Frau von Fati­ma, das sich im Heiligtum von Fatima befindet, vereini­gen sollten.

FRAGE: Was ist mit den Bischöfen, welche die Ein­ladung zu spät erhielten, sie nicht beachteten und entschieden, am Akt nicht teilzunehmen?

ANTWORT: Wir können nicht sagen, dass jene Bischö­fe, die nicht teilnahmen, eine Sünde oder einen Fehler begangen haben. Die meisten Bischöfe waren mit dem Papst in diesem Weiheakt vereint. Die Ortschaften der ganzen Welt und jede Diözese waren mit den Bischöfen und die Bischöfe ihrerseits mit dem Papst vereint. Da­mals war diese Weihe die grosse Vereinigung des Vol­kes Gottes. All dies trug dazu bei, dass die Weihe durch Unsere Frau angenommen wurde. [3]

FRAGE: Musste jedoch Russland nicht spezifisch erwähnt werden und hatte dies ULF nicht gesagt?

ANTWORT: Es war schon Russland gemeint, als der Papst im Text der Weihe von 1984 sagte: „Jene Völker“.

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[1] Lucia spricht hier naturgemäss sehr vorsichtig. Auch ihre Antwort auf die Weihe vom 25. März 1984 durch den HI. Vater in Rom ist kein eindeutiges „Ja“, was sich nur auf den Vollzug der Weihe, nicht aber auf die Annahme durch die Gottesmutter bezieht. Das unterstreicht die Schwester noch einmal mit dem Hinweis auf die andere Weihe von 1982 in Fatima und der klaren Verneinung der Frage von Papst Paul VI. Interessant wirkt auch die Aussage der Seherin, dass es nicht darum ginge, viele Bischöfe an einer Stelle zu haben – also nicht um eine prachtvolle Schau, sondern vielmehr um eine schlichte und ehrliche Verbindung aller Bischöfe der Welt mit dem Papst und dies auch dann, wenn jeder bei seinem Volk und in seiner Diözese diese Weihe Russlands vollzöge. Mit dieser Weihe hätte eine Welle der Bereitschaft zur Sühne ausgelöst werden können; die Bischöfe hätten den Sühnesamstag einführen können und die erste Etappe der „Weihe Russlands“ wäre weltweit vollzogen worden. Mit grossformatigem Auflauf in Rom oder Fatima einschliess­lich ein paar tausend Bischöfen wurde wohl der ersten Etappe des Triumphes des Unbefleckten Herzens Mariens der Weg nicht berei­tet. Ein weiterer Hinweis von Sr Lucia, „1982 vollzog der gegenwärtige Papst (Johannes Paul II.) die Weihe in Fatima“, lässt natürlich aufhorchen, denkt man daran, dass derselbe Papst 1984 die Weihe von sich aus wiederholte; warum das, wenn sie schon 1982 vollzo­gen wurde? Es ist der vorsichtigen Redensart von Sr Lucia zuzuschreiben, dass sie beide Weihen, 1982 in Fatima und 1984 in Rom, mit dieser Aussage auf die gleiche Stufe stellt.

[2] Aber schätzungsweise kaum 20% der „westlichen Bischöfe“ sind diesem Aufruf gefolgt. Über die Bischöfe des damaligen „Ostblocks“ ist verständlicherweise nichts bekannt, da „Fatima“ mehr als nur „ein rotes Tuch“ in den Augen der kommunistischen Machthaber und eine „Propaganda“ darüber strafbar war. ALLE Bischöfe…? Und selbst wenn nur die des Ostblocks fehlten…. Die „im Westen“ lebenden Bischöfe haben sich inzwischen in grosser Zahl die vom „Geiste des Konzils“ herrührende Selbstbestimmung (früher nannte man das „Ungehorsam“) zu eigen gemacht, insbesondere wenn es um die Marienverehrung (wohl wegen der unsinni­gen „Ökumene“ gegenüber den Protestanten) oder Gehorsam dem Papst gegenüber ging.

[3] Man beachte die Wortwahl der Schwester: Nicht von Seiten des Papstes war die WEIHE GÜLTIG VOLLZOGEN worden (weil viele Bi­schöfe schon in grossem Ungehorsam gegenüber dem Papst standen), sondern Maria hat IHREREITS die Weihe ANGENOMMEN!

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Diejenigen, die vom Wunsch der Weihe Russlands Kenntnis hatten, wussten, worauf er sich bezog und der allwissende Gott wusste ebenfalls, dass die Absicht des Papstes Russland war und er sich bei der Weihe auf Russland bezog. Wichtig ist die Absicht.

FRAGE: Aber wollte ULF nicht, dass Russland explizit erwähnt werde?

ANTWORT: Unsere Frau verlangte nie, dass Russland explizit beim Namen genannt werde. Zu jener Zeit wuss­te ich nicht einmal, was Russland sei. Wir dachten, es handle sich um eine böse Frau. Was zählt, ist die Ab­sicht des Papstes, und die Bischöfe wussten, dass der Papst Russland weihen wollte. Russland muss nicht von neuem geweiht werden, aber jeder Bischof kann seine eigene Diözese dem Unbefleckten Herzen Mariens wei­hen, sofern er dies wünscht. [5] (…)

5. Frieden heisst Besserung der begangenen Fehler

FRAGE: Handelt es sich beim Frieden in der Bot­schaft von Fatima um einen Weltfrieden und tritt er plötzlich ein?

ANTWORT: Der Bezug auf den Frieden muss als Frie­den oder als Besserung der begangenen Fehler verstan­den werden, ein Friede, der in einem bestimmten Mo­ment vom atheistischen Kommunismus behindert wurde. Es stand geschrieben, dass Russland seine Irrtümer auf der Welt verbreiten werde, Kriege und Kirchenverfolgun­gen verursachend… viele würden gemartert werden. Dann, endlich, nach all diesem, wird mir der HI. Vater Russland weihen, [8] sagte die Jungfrau. Sie sagte aber nicht wie! In welcher Form. Der Friede, von dem die Jungfrau in der Prophezeiung sprach, bezieht sich auf die Kriege und Verfolgungen, welche die Irrtümer des atheistischen Kommunismus in der ganzen Welt verursachten. Der Friede ist nicht ein wunderbarer Weltfriede, sondern ein Friede nur be­züglich des Krieges der Irrtümer, welche Russland in der ganzen Welt verbreitete. Der Atheismus ist im­mer noch das Instrument des Teufels in der heutigen Zeit. Es ist eine grosse Sünde gegen Gott, wer Seine Existenz leugnet und dadurch vielfältige, teuflische Wer­ke, wie z.B. die Abtreibung, begünstigt. Der Atheismus ist am meisten zu verurteilen. Und die grösste Häre­sie, die es gibt, ist der atheistische Kommunismus. [9]

FRAGE: Warum gibt es in Russland trotz der Weihe keinen Frieden?

ANTWORT: Weil die jetzigen Kriege praktisch nicht vom Atheismus stammen, sondern Bürgerkriege sind. Die Leute kämpfen um die Macht. Die heutigen Kriege sind keine Weltkriege, sondern Bürgerkriege. Obschon der Atheismus immer noch existiert, glaube ich nicht, dass es dieser ist, der die Hoffnung, die Kirche Gottes und alles was übernatürlich ist, zerstören möchte. Die Jungfrau sagt jedoch, Kriege könnten durch Gebet und Opfer verhindert werden.

Aus diesem Grunde verlangte Unsere Liebe Frau die Sühne-Kommunion durch die Weihe an Sie. [10]

Die Menschen erwarten, dass die Dinge in einer persön­lichen und sofortigen Zeitepoche eintreten. Fatima befindet sich immer noch am dritten Tag. (Aus Sicht von 1998; heute dürfte dies eher das Ende des vierten oder An­fang des fünften Tages sein – die Red.) Der Triumph ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir befinden uns in der Situation „nach der Weihe“. Der erste Tag war die Zeit der Erscheinungen; der zweite jener der „nachträglichen“ Erscheinungen vor der Weihe von 1984. Die Woche von Fatima ist noch nicht vorüber: „Fatima“ hat erst an­gefangen, wie soll alles so schnell fertig sein! (Wiederum aus Sicht von 1998 die Red.)

FRAGE: Warum wurde nur Russland geweiht? Auch China ist kommunistisch…

ANTWORT: Die Jungfrau sprach nicht speziell über Chi­na. Aber China ist heute die grosse kommunistische Weltmacht. Die Jungfrau sprach von der ganzen Welt und China ist damit enthalten. China ist jetzt wichtig, vor allem nach den letzten Vorkommnissen. Wie auch im­mer, die Jungfrau hat China nicht spezifisch erwähnt.

FRAGE: Haben wir durch die Weihe Russlands 1984 einen Atomkrieg verhindert?

ANTWORT: Wir standen unmittelbar davor, wenn man die Konfrontationen zwischen den USA und Russland betrachtete. Die ganze Welt hielt den Atem an. Doch als der Heilige Vater die Weihe Russlands vollzog, wurden

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[4] Sr. Lucia weist natürlich in der Antwort auf diese und die nächste Frage ausweichend aber sehr höflich auf das Fehlen der WEIHE bzw. AUSDRÜCKLICHE NENNUNG RUSSLANDS hin, was ja wesentlicher Bestandteil der längst fälligen Weihe war.

[5] Eine Liste dieser Bischöfe, die dies gemacht hätten, ist nicht bekannt.

[8] „Dann, endlich, nach all diesem, wird mir der HI. Vater Russland weihen“. Es geht hier scheinbar nicht um jene „erste“ Weihe Russ­lands, die zum Zusammenbruch der dort entwickelten atheistischen Ideologie führt, sondern um eine Weihe Russlands durch den Papst, „nachdem“ dieses seine Irrlehren verbreitet, Kriege und weltweite Kirchenverfolgungen hervorgerufen hat usw. Ein Hinweis auf die drei Phasen, die dem TRIUMPH DES UNBEFLECKTEN HERZENS MARIENS vorausgehen.

[9] Und genau dieser hat seine Schleusen zur Verbreitung auf der ganzen Welt 1989 geöffnet! Seit 1989 läuft somit der zweite Teil des Dramas „Russland“. Der erste Teil war der scheinbare Zusammenbruch, der zweite Teil ist ein eher „theatralischer“ Frieden, dem der dritte Teil folgt: Kriege und Verfolgungen der Kirche. Die folgende Antwort bestätigen diese Annahme: Nicht der schon immer beste­hende Atheismus, sondern der in der „Friedensphase“ neu erstarkte kommunistische Atheismus wird diese Entwicklung in Gang set­zen.

[10] Sr. Lucia weist eindeutig auf die ausgebliebene weltweite Einführeng des Sühnesamstags hin! Es wird sich bald zeigen, inwiefern dies ein schwerwiegendes Versäumnis war, um dem neuen Atheismus zuvorzukommen.

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von einem Moment auf den andern die kriegerischen Pläne zu Friedensplänen. Das ist nicht normal! Die Waf­fen, die produziert wurden, wurden eingestellt und Zer­störungspläne wandelten sich in Friedenspläne um. [11]

Die Weihe von 1984 verhinderte einen Atomkrieg, der 1985 stattgefunden hätte. Aber es muss für Gott gear­beitet werden, weil sich jetzt – wo diese Gefahr nicht mehr existiert – der Teufel aufrichtet und von seinem Traum erwacht und gegen Gott und alle seine Werke arbeitet.

FRAGE: Fällt der Materialismus in die ganze Welt ein?

ANTWORT: Seit den Anfängen dieser ehrgeizigen Welt existiert die Idee, dass der Wohlstand mehr und besser ist als alles andere. Jeder kämpft darum, besser als der andere zu sein. Bruder gegen Bruder. Deshalb ist dies seit den Anfängen der Welt ein Übel.

FRAGE: Da jetzt der Kommunismus nicht mehr da ist, folgt nun der Materialismus.

ANTWORT: Früher konnten die Leute nichts kaufen. Der Materialismus ist viel schlimmer. Die Menschen soll­ten zuerst mehr Dinge von Gott wollen, bevor sie nach materiellen Gütern streben. Dieser Kampf existiert seit eh und je. Es ging so weit, dass sich der Kommunismus vom Materialismus trennte und so die Menschheit mit Unterstützung der Wissenschaft hätte zerstören können. Mit der modernen Technik schlugen sie diesen Weg der Zerstörung ein, um die Menschheit bis in einen atoma­ren Krieg zu stürzen. Aus diesem Grund verlangte Gott vom Papst, dass er die Weihe vollziehe und genau des­halb haben sich die Worte der Jungfrau erfüllt. [12]

FRAGE; Welchen Ratschlag geben Sie uns?

ANTWORT: Beten, beten, beten. Das ist mein Rat­schlag für die ganze Welt. [13]

Und seit Bekanntgabe des dritten Teils des Ge­heimnisses (26.6.2000) ist die Warnung des Engels mit dem auf die Erde gerichteten Flam­menschwert zu beachten mit den Worten: „Busse, Busse, Busse“! (Die Redaktion).

6. Taten und Fakten, die zur Endzeit führen

Fatima hat die Endzeit eingeleitet! Das wegzudiskutie­ren gleicht einem Blinden, der die Existenz der Sonne leugnet! Darum kann Fatima weder nachgeahmt noch wiederholt und schon gar nicht „fortgeführt“ werden. Fati­ma steht in sich als ein beispielloses Entgegenkommen Gottes einer Menschheit gegenüber, die sich in jahrhun­dertelanger Vorbereitung reif dazu fühlt, Gott von sich abzuschütteln und geschaffene Dinge als neues „goldenes Kalb“ in ihre Mitte zu stellen, sich einen eige­nen Tanz um das goldene Kalb zurechtzurücken und zu sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyp­ten heraufgeführt haben. (Vgl. Exodus 32.3-6).

Was im Atheismus heranreifte, hat Jahrhunderte benö­tigt, um einen vermeintlichen Sieg des Menschen über das, was Glaube und Religion „Gott“ nennen, zu erlan­gen. Doch ist es bisher noch keiner einzigen Gesell­schaftsordnung gelungen, den Frieden und das Glück der Menschen ohne Gott zu sichern. Träume gab es viele ­in der Realität aber entpuppten sich diese als Albträume, Diktaturen, Intoleranz und Machtmissbrauch.

Unter die drei grössten „Reifestufen“, die für den heutigen Atheismus und die Gottlosigkeit stehen, könnten gezählt werden:

1517:     Luther spaltet die Kirche: Weg vom Papst!

1717:    Die Freimaurerlogen werden gegründet. Weg von der Kirche!

1917:     In Russland entsteht die Sowjetunion im sel­ben Monat, als die Erscheinungen in Fatima aufhören. Millionen Menschen werden ihres Glaubens wegen gemartert. Weg von Gott!

2017:  Atheismus pur oder totaler Zusammen­bruch aller menschlichen Werte und Kulturen?

War die Sowjetunion eine Strafe Gottes?

Kaum! Denn das russische Volk ist tiefgläubig und in höchstem Masse marianisch! Im Rückblick ist eines si­cher: Die geballte mörderische Macht Stalins, mit der er jede religiöse Regung und Gedanken vernichten wollte, hat sich in einen Segen verwandelt. Es ist ja so, dass die Feinde der Kirche uns zuerst total vernichten wollen und sich ihrer Morde und unbeschränkter Macht rühmen, ohne zu bedenken, dass das Christentum auf das Erlö­serblut Christi aufgebaut ist. Und jeder Märtyrer [14] ist ein neuer, schöner, glänzender Stern am christlichen Himmel, ist eine neue Perle, die man im Acker der Kirche gefunden hat. Danke! Liebe radikale Gegner! Danke! Ihr beschenkt uns jedes Mal seit 2000 Jahren mit den

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[11] Wenn schon die „angenommene Weihe“ ein so mächtiges Weltgeschehen völlig ins Gegenteil wendete, dann ist nur zu erahnen, was heute wäre, wenn „Russland“ – jenseits von politischem Komplikationsdenken – namentlich in das Unbefleckte Herz Mariens ge­legt worden wäre! Es geht in diesem Text eindeutig um die Bezeichnung „Russland“. Ab 30. Okt. 1917 heisst es Sowjetunion (bis 8. Dezember 1989) – dann wieder Russland. 1984 hätte „Russland“ problemlos in der Weihe namentlich genannt werden können!

[12] ,,…erfüllt“. In der Tat arbeiten Atheismus, Materialismus und Wohlstand auf ein gemeinsames Ziel hin, wenn auch oft getrennt und auf verschiedenen Wegen: Die Menschheit von Gott weg zu führen. Das aber KANN NUR IN EINE KATASTROPHE münden, denn ohne Gott kann es keinen Frieden geben. So „begehrenswert“ wie er heute den Menschen erscheint („Meine Kinder mögen es besser ha­ben.-..“), so katastrophal wirkt er sich im Zusammenhang mit den anderen beiden Komponenten aus. Nochmals: Weihe „RUSSLANDS“ und das „letzte Heilmittel“, DIE HERZ-MARIÄ SÜHNESAMSTAGE offiziell einführen und von jedem Bischof, Priester und Gläubigen sehr ernst genommen – das ist das unbedingte Gebot der Stunde, bevor eintritt, was die Gottesmutter in Fatima sagt: „… wenn ihr nicht tut, was ich euch sage…“

[13] Ende der Übersetzung aus dem Spanischen von A Martin/G. Inglin

[14] WER ist MÄRTYRER? Das Wort beinhaltet drei Begriffe: „Marter“, das heisst von jemand anderem mit Werkzeugen oder Gegenstän­den zugefügte „Schmerzen“ und „Martyrium“ als absolut sichere Bezeichnung dessen, dass die „ANDEREN“ zugefügten Schmerzen bzw. Qualen, Torturen etc. zum Tode geführt haben. Sich selbst zugefügtes Leid oder Tod ganz gleich in welcher Art und Weise, kann nie­mals ein Martyrium sein, sondern freiwilliges Ausscheiden aus dem Leben oder kurz: Selbstmord. Diese beiden Elemente reichen jedoch noch nicht, um ein Märtyrer im Sinne des Verhältnisses Gott-Mensch zu sein. Es muss unbedingt beim Märtyrer a) die freie und freiwil­lige Hingabe des Lebens aus Liebe zu Gott und der Erlösung der Menschen vorhanden sein und b) die „freiwillige Hingabe“ heisst kei­neswegs Widerstandslosigkeit und schon lange nicht, dass man keine Angst haben darf, sondern vielmehr die Einsicht, dass der Punkt erreicht ist, wo die Hingabe meines Lebens die einzige Lösung ist und daher in Gottergebenheit auch angenommen wird.
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schönsten Perlen unsere Kirche, um dann still im Dun­kel der Geschichte zu verschwinden.

Gott ist Liebe und Liebe kann nicht strafen! (vgl. 1 Joh 4,16)

Liebe duldet, Liebe leidet! Wenn sich der Mensch von der Gott geschuldeten Liebe abwendet und dadurch Schuld und Irrungen auf sich lädt, ja, in Gefahr ist, ewig verloren zu gehen, beweist die Liebe ihre Macht darin, Leiden nicht zu beseitigen. Wenn heute viele Menschen meinen, selbst aufer­legte Busse und Sühne sei Gott angeblich nicht wohlgefällig, da Gott uns liebe und Leiden nicht zu­lasse, so sei der Verweis auf Jesu Christi erlösen­des Leiden erlaubt. Leiden ist eben der Beweis der Liebe. Das mag wohl auch der Hintergrund des Ver­langens Gottes sein nach Sühneleiden bzw. nach Einhaltung der Sühnesamstage von Fatima.

Satan hat zur alles entscheidenden Schlacht gegen Maria ausgeholt

Noch lange, sehr lange vor dem Interview mit den beiden Kardinälen von 1998 antwortete Schwester Lucia auf Fragen eines vom Bischof zu ihr gesand­ten Priesters. Dieses Gespräch entstand schon 1957 und zeigt in erschütternden Worten auf, wie sehr Satan um die Endzeit weiß, und da ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, hat er die Hölle in eine kämpfe­rische Stimmung versetzt.

Hier stellt sich die Frage, wen bekämpft Satan mit seinem Anhang?

Zum ersten gilt die geballte Macht der Hölle der Be­kämpfung der Gottesmutter Maria. Die Reinheit und völlige Sündenlosigkeit dieses einen wahren Men­schen, an dem er absolut keinen Anteil hatte, stört ihn, ja, er hasst sie.

Man sagt im Allgemeinen: Das Gefühl der Hölle ist der absolute Hass aller gegen alles (im Himmel ist es die unendliche Liebe) und ihre Sprache sei das Fluchen (im Himmel ist es der Lobpreis Gottes). Doch wird der Hass Satans gegen Maria auch aus einer weiteren Quelle gespeist. Nur zu gut klingt ihm in den Ohren die über ihn und seine Vernichtung ausgesprochene Verheissung im Paradies:

Gen 3,15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, / zwischen deinen Nachkom­men und ihren Nachkommen. / Sie wird dir den Kopf zertreten, du aber wirst ih­rer Ferse nachstellen“.

Die ganze „Pforte der Hölle“ steht scheinbar in einem fürchterlichen Kampf gegen die Unbefleckte, die Immacu­lata. Nichts beweist mehr die Tatsache der Endzeit als Satans vermehrter Kampf gegen alles Marianische; gegen Marienverehrung, marianische Spiritualität und nicht zu­letzt auch gegen den Rosenkranz. Wenn wir zur Kenntnis nehmen, was alles an „Marianischem“ seit Fatima (1917) und ganz besonders seit einigen Jahrzehnten in unserer Kirche völlig verloren ging, dann erhalten wir eine leise Ahnung von dem Endkampf, von jener letzten Schlacht zwischen Maria und Satan, der über unseren Köpfen um die Menschenseele tobt. Denn die ganze Hölle ist unfähig und es steht ihr gar nicht zu, gegen Gott selbst zu kämp­fen. Gott ist der allmächtige Schöpfer — Satan ist ein Ge­schöpf. Daher richtet sich sein Kampf unmittelbar gegen die Geschöpfe, deren ewiges Seelenheil in Gott er zunich­te machen will. In erster Linie aber richtet sich seine Macht gegen die Immaculata, wohlwissend, dass sie es ist, die ihm im Endkampf die Tür zur Hölle verschliessen wird. Indem er den Menschen glaubhaft macht, dass es ihn gar nicht gibt, was nicht selten durch irreführende Lehren ka­tholischer Wissenschaftler, sogenannter „Theologen“ auch verkündet wird, hat er ein leichtes Spiel in diesem Kampf. Und wenn Satan sein Wesen verschleiert, dann bleibt er sich selbst treu in dem, was er ist:

Joh 8,44 Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von An­fang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge“.

Satans Lüge macht Sinn: Denn wenn es ihn nicht gibt, dann gibt es auch keine Sünde, dann ist keine Beichte vonnöten; es gibt keine Ewigkeit, keinen Himmel, keinen Gott, keine Hölle. Was für eine gewaltige und verhängnisvolle Täuschung!

„Die Menschen erwarten, dass die Dinge in einer persönlichen und sofortigen Zeitepoche eintreten. „Fatima“ befindet sich immer noch im Ablauf der sogenannten „Woche von Fatima“. Der Triumph ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir befinden uns in der Situation „nach der Weihe“. Der „erste Tag“ war die Zeit der Erscheinungen; der „zweite“ jener der „nachträglichen“ Erscheinungen und vor der Weihe von 1984

Die Woche von Fatima ist noch nicht vorüber.

Ja, in diesen Tagen, wo der Teufel so aktiv ist, müs­sen wir täglich den Rosenkranz beten.“

Mit diesen Worten weist Schwester Lucia eindeutig da­rauf hin, dass die Zeit nach Fatima als Endzeit betrachtet werden muss; sie ist die Zeit der klaren Trennung und Entscheidung, von der Jesus sagt:

Mt 5,37: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

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Tragt das Braune Skapulier! Betet den Rosenkranz jeden Tag für den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens!“

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7. Eine Zeitanalyse der „Tageswoche von Fatima

Schwester Lucia macht also einen klaren Trennstrich zwi­schen Weltende und Endzeit und benennt als den Anfang der Endzeit die Erscheinungen von Fatima; ein Weg durch die kommende Zeit, auf dem sieben voneinander verschiedene Etappen zu beobachten sein werden und die jeweils als Folge der vorherigen ihre Fortsetzung fin­det.

  • Alles hat mit dem Geschenk Gottes an die Menschen begonnen: Die Zeit der Erscheinungen: „Der erste Tag“. („Sonntag“)
  • Nach dieser kurzen Zeitspanne folgt eine längere Pe­riode und zwar die Zeit der nicht offiziellen Erscheinungen der Gottesmutter den beiden mit 10 und 11 Jahren ver­storbenen Seherkindern Francisco und Jacinta, [16] und Schwester Lucia wohl ihr Leben lang, wie aus dem Inter­view herauszuhören ist. Dieser „Tag“ überspannt somit die Zeit bis zur Weihe Russlands durch Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 in Rom = der „zweite Tag“ („Montag“).

Dieses Ereignis und die darauf folgenden Umwälzungen in der Sowjetunion und insbesondere im Osten Europas, bilden die nächste Etappe, die möglicherweise am Tag der Auflösung der Sowjetunion am 8. Dezember 1991 und der Gründung einer Reihe von unabhängigen Staa­ten endet. An diesem „Tag“ erstand nämlich „Russland“ neu, wie es bei der Erscheinung der Gottesmutter in Fatima am 13. Juli 1917 erwähnt wird. [17]. Der „dritte“ Tag. (Dienstag“).

Es folgt eine kurze Zeitspanne des Friedens und der Neuorientierung der Grenzen Europas in scheinbar völli­ger Freiheit, die auch Russland garantiert,

Jedoch wird das neu erstandene Russland nicht von de­mokratischen UND religiös geprägten Führern gelenkt, sondern bis zum heutigen Tag möglicherweise von den­selben Kadern, die im vormaligen kommunistischen Zu­stand für tausendfache Morde verantwortlich waren, wenn auch nicht direkt, so doch in höheren politisch verantwort­lichen Positionen.

Am Ende dieser Epoche stirbt Schwester Lucia: der vier­te Tag. „(Mittwoch“).

Dieser Logik folgend leben wir heute im „fünften Tag“ der Woche von Fatima. „Donnerstag“.

Die Weihe von 1984 markiert somit das Ende des „dritten Tages“, worauf die Zeit, eine kurze Zeit des Friedens ­auch mit Russland — als der „vierte Tag“ (der Mittwoch) galt und möglicherweise mit dem Tod von Schwester Lucia endete. Worauf der fünfte Tag, der Donnerstag, folgte. Es scheint, an den Ereignissen in und um die Kirche ablesbar, dass wir die letzten Stunden des „Donnerstags nach Fatima“ (also des 5. Tages) erleben.

Dieser „Tag“ kann an seinem Ende zwei mögliche Rich­tungen einschlagen und die eingeschlagene Richtung zu Ende führen:

Die vollkommene Abwendung der Machthaber Russlands von den atheistischen wie von den kommunistischen Idea­len für den Fall, dass „Russland sich bekehrt“ hat und vo­rausgesetzt, dass es schon am „vierten“ Tag langsam zur christlichen Reife heranwuchs, oder für den Fall, dass der noch vorhandene Frieden nur ein zeitlich bedingtes Theater ist, in dem die satanischen Mächte des Kommu‑

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[16] Francisco Marto 11.6.1908 – 4.4.1919 = nicht ganz elf Jahre alt; Jacinta Marto 11.3.1910 – 20.2.1920 = nicht ganz 10 Jahre alt.

[17] Die Beachtung der richtigen Beurteilung der Prophetie Marias bezüglich Russlands, seiner Bekehrung oder aber, für den Fall, „wenn ihr nicht tut, was ich euch sage…“, seiner erneuten und verstärkten Hinwendung zum atheisti­schen und militanten Kommunismus, der dann Kriege und Verfolgungen hervorrufen wird, ist von grosser Bedeutung.

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nismus und Handlanger der Hölle unter den Menschen neue Kraft sammeln, Menschen verführbar machen, deologien der dümmsten Art unter den Menschen verbreiten und Ähnliches — um dann, wie Phönix aus der Asche, mit erneuter Kraft auf der Weltbühne der Macht aufzutreten.

Und das ist nicht einmal so abwegig wenn man be­lenkt, mit welch grossen Schritten das christliche Abendland, Europa, sich nicht nur vom Christentum loslöst, sondern ausgesprochen atheistisch-diktatorische, ja dem christlichen Glauben gegenüber intolerante Züge anzunehmen anschickt. Ich kann nur für mich persönlich bekennen, dass ich an eine Bekehrung Russlands weniger glaube, vielmehr, dass die gottlosen Machthaber daselbst, durch diese Verschnaufpause“ im Kommunismus erstarken und zum Kampf gegen den Glauben gerüstet, erneut ihr Haupt erheben. (…)

Maria nennt in einem einzigen Satz beide Momente, die das Ende satanischer Irreführung und Herrschaft über den Menschen markieren und die sich VOR IHREM Triumph vollziehen müssen:

  • Zuerst muss es einen Triumph der Sühne an Ihr Unbeflecktes Herz geben. Dieser wird herbeige­führt durch den gehorsamen und demütigen Vollzug der fünf Herz-Mariä-Sühnesamstage, der wiederum seinerseits die Bekehrung Russ­lands erwirken wird.
  • Der Himmel wird diesen Triumph durch den Hl. Vater an Ihr Unbeflecktes Herz in Einheit mit ALLEN Bischöfen der Welt durch die völlige Ab­kehr „Russlands“ – und somit der ganzen Welt vom Atheismus krönen.
  • Dann erst folgt der letzte Triumph, DER TRI­UMPH DES UNBEFLECKTEN HERZENS MA­RIENS in der völligen Vernichtung Satans und satanischer Macht über den Menschen, in der Ankunft und Verwirklichung des Reiches Mari­ens, das der endgültigen Herrschaft Christi vo­rauszugehen hat, da Maria IMMER Wegbereite­rin für Jesus Christus ist – auch für seine Wie­derkunft in Herrlichkeit.

 

Kommentar der Redaktion: Wie bereits im Vorspann dieser beiden Artikel erwähnt, (erster Artikel erschien in Nr. 67), stehen wir als Fatima-Weltapostolat der Deutsch-Schweiz voll und ganz zur offiziellen Version unserer Kirche, dass nämlich Sr. Lucia eindeutig festhielt, der Himmel habe die Weihe vom 25. März 1984 durch Papst Johannes Paul II. angenommen Das zeigt sich – wie schon wiederholt dargelegt ­an den wunderbaren Ereignissen, die sich unmittelbar an diese Weihe mit der raschen Auflösung der Sowjet­union und der wiedergewonnenen Freiheit der Osteuropäischen Staaten eingestellt haben. Alle in ver­schiedensten Kreisen gerührten Diskussionen über vollzogene oder nicht vollzogene Weihe Russlands wie auch über die angeblich nicht vollständige Veröffentlichung des sogenannten dritten Geheimnisses lenken nur von den anderen wichtigen Teilen der Botschaften von Fatima ab, namentlich von den Aufrufen des tägli­chen Rosenkranzgebetes, der Sühneandachten der ersten Samstage, der Opferbereitschaft zur Rettung der Sünder, die der Barmherzigkeit Gottes am meisten bedürfen, aber auch von den so aufrüttelnden Warnungen bei Nichtbeachtung dieser ernsten Mahnungen! (Siehe z.B. Nr. 66, Seite 13 bezüglich der Erdachse!)

50 JAHRE FATIMA – CHRONIK UND DOKUMENTATION (von 1967) – Teil 1

Children of Fatima

Die 3 Seherkinder von Fatima (Portugal)

Autor: Pater Hermann Netter SVD

13. Juni 1912. Das Heilige Offizium (die heutige Kongregation für die Glaubenslehre) erklärt folgendes: „Den Gläubigen, die am ersten Samstag eines Monats besondere Andachtsübungen zu Ehren der un­befleckt empfangenen Jungfrau Maria (in Fatima wird dann ferner erbeten: zu Ehren des Unbefleckten Herzens Mariens) verrichten zur Sühne für die Schmähungen Ihres Namens und Ihrer Vorzüge, wird unter den gewöhnlichen Bedingungen ein vollkommener Ablaß ver­liehen.“

28. September 1915. Benedikt XV. gewährt einen Ablaß von 100 Tagen für jedes Rezitieren des Gebetes: „Schmerzensreiches und Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns!“

1915. Zwischen April und Oktober sehen Lucia de Jesus Santos und drei Gefährtinnen (von Casa Velha, das auch zur Pfarre Fatima gehört) auf dem Cabeço während des Rosenkranzbetens drei undeutliche Engelserscheinungen. Sie sahen „etwas wie eine Wolke, weißer als der Schnee, etwas Durchscheinendes mit menschlicher Gestalt“ über dem Tal schweben. Lucia hätte mit der Zeit die Eindrücke dieser Erscheinungen ganz vergessen, wenn 1916 nicht andere gefolgt wären (1, S. 288). Sie hatte daheim zuerst nichts davon erzählt, die anderen Mädchen aber schon, und so kam es ihrer Mutter zu Gehör, was auch sie gesehen hatte (1, S. 295).

Frühling 1916. Erste deutliche Erscheinung des Engels — den Lucia schon 1915 in unklarer Weise geschaut hatte — an die drei Hirten­kinder Lucia, Francisco und Jacinta auf dem Cabeço, etwas weiter als die dritte klare Erscheinung, wo heute das Denkmal steht, den Abhang hinunter. Je mehr sich der Engel den Kindern näherte, desto klarer konnten sie erkennen, wie er aussah: „Ein Jüngling zwischen vierzehn und fünfzehn Jahren, weißer als der Schnee, den die Sonne durchscheinend machte, gleichsam als wäre er aus Kristall gewesen, und von großer Schönheit.“ Er sagte: „Fürchtet euch nicht! Ich bin der Engel des Friedens. Betet mit mir!“ Dann warf er sich mit dem An­gesicht bis auf den Boden; die Kinder ahmten ihn nach und wieder­holten die Worte, die sie ihn sprechen hörten (außer Francisco; Er­klärung dazu: Anhang 1).

„Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.“ Nachdem der Engel dreimal dieses Gebet wiederholt hatte, erhob er sich und sagte: „Betet so! Die Herzen Jesu und Mariens sind aufmerk­sam auf die Stimme eurer Bitten.“

Lucia erklärt zu dieser Erscheinung: „Die Atmosphäre des Übernatür­lichen, die uns umgab, war so dicht, daß wir uns lange Zeit hindurch fast nicht Rechenschaft unserer eigenen Existenz gaben, indem wir in der Haltung verblieben, in der er uns verlassen hatte, und immer das gleiche Gebet wiederholten. Die Gegenwart Gottes fühlte sich so dicht und tief, daß wir nicht einmal miteinander zu sprechen wagten. Am nächsten Tag fühlten wir unseren Geist noch in diese Atmosphäre eingehüllt, die sich nur sehr langsam verminderte. Bei dieser Erschei­nung dachte keiner ans Sprechen noch daran, die Verschwiegenheit anzuempfehlen. Die Erscheinung legte sie durch sich selber auf. Sie war so zuinnerst, daß es nicht leicht war, über sie das geringste Wort aus­zusagen. Sie machte auf uns vielleicht auch größeren Eindruck, weil sie die erste so klare war“ (1, S. 291).

Hochsommer 1916. Zweite Erscheinung desselben Engels, der sich diesmal „Schutzengel von Portugal“ nennt. Diese Erscheinung erfolgte unter den Bäumen beim Brunnen im Garten der Eltern Lucias. Die drei Kin­der verbrachten die heißen Mittagsstunden im Schatten der Bäume. Plötzlich sehen sie den Engel neben sich: „Was macht ihr? Betet! Betet viel! Die Herzen Jesu und Mariens haben über euch Absichten der Barmherzigkeit. Bringt dem Allerhöchsten unablässig Gebete und Opfer dar!“ — „Wie sollen wir Opfer bringen?“, fragte Lucia. — „Aus allem, was ihr könnt, macht ein Opfer als Sühneakt für die Sünden, durch die Er beleidigt wird, und als Bitte für die Bekehrung der Sünder. Zieht so den Frieden auf euer Vaterland herab. Ich bin sein Schutzengel, der Engel Portugals. Vor allem nehmt die Leiden an, die der Herr euch senden wird, und ertragt sie mit Unterwürfigkeit.“

Lucia berichtet weiter: „Diese Worte des Engels prägten sich unserem Geist wie ein Licht ein, das uns erkennen ließ, wer Gott war; wie Er uns liebte und geliebt sein wollte; den Wert des Opfers, und wie ange­nehm es Ihm war; wie Er seinetwegen die Sünder bekehrte“ (1, S. 291 und 292).

Herbst 1916. Dritte Erscheinung desselben Engels, die zweite klare auf dem Cabeço, dort, wo heute sein Denkmal steht. Als die drei Kinder dort beteten, erschien er ihnen »in der Hand einen Kelch haltend, über diesem eine Hostie, von der einige Blutstropfen in den Kelch fielen. Er ließ Kelch und Hostie in der Luft schweben, warf sich zur Erde und wiederholte dreimal das folgende Gebet:

„Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich bete Dich in tiefster Ehrfurcht an und opfere Dir auf den kostbaren Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, der in allen Tabernakeln der Welt gegenwärtig ist, zur Genugtuung für die Schmähungen, Entwei­hungen und Gleichgültigkeit, durch die Er selbst beleidigt wird. Und durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.“

Hernach erhob er sich, nahm erneut den Kelch und die Hostie, und gab mir die Hostie; und das, was der Kelch enthielt, gab er Jacinta und Francisco zu trinken, indem er gleichzeitig sagte: ,Nehmt und trinkt den Leib und das Blut Jesu Christi, der von den undankbaren Menschen furchtbar beleidigt wird. Sühnt für ihre Sünden und tröstet euren Gott!‘ Erneut warf er sich zur Erde und wiederholte mit uns noch dreimal dasselbe Gebet“, so schreibt Lucia (1, S. 292).

Diese Seherin erklärte noch dazu: „Getragen durch die Macht des Über­natürlichen, das uns umhüllte, ahmten wir den Engel in allem nach, das heißt, wir warfen uns wie er auf die Erde und wiederholten die Gebete, die er sagte. Die Macht der Gegenwart Gottes war so stark, daß sie uns fast zur Gänze aufsaugte und vernichtete. Sie schien uns durch geraume Zeitspanne hindurch sogar des Gebrauchs unserer Körpersinne zu be­rauben. In diesen Tagen vollzogen wir die körperlichen Handlungen wie getragen durch dieses Übernatürliche, das uns dazu antrieb. Der Friede und die Glückseligkeit, die wir empfanden, war groß, aber nur innerlich, die Seele vollkommen in Gott gesammelt. Die physische Niedergeschlagenheit, die uns entkräftete, war auch groß.

Ich weiß nicht, warum die Erscheinungen Unserer Lieben Frau (1917) in uns ganz verschiedene Wirkungen hervorbrachten. Dieselbe innerste Freude, Glückseligkeit und denselben Frieden. Aber anstatt dieser phy­sischen Niedergeschlagenheit eine gewisse Gewandtheit sich mitzuteilen; anstatt dieser Vernichtung in der göttlichen Gegenwart ein Frohlocken der Freude; anstatt dieser Schwierigkeit im Sprechen ein gewisser Drang sich mitzuteilen.“ (1, S. 292; vgl. Anhang 1).

5. Mai 1917. Benedikt XV. fordert zum Gebet auf, um vom Herzen Jesu, dem Thron der Gnade, durch Maria den Frieden zu erlangen, und führt in die Lauretanische Litanei die Anrufung „Königin des Frie­dens — bitte für uns!“ ein (A. A. S. 9, 1. Juni 1917, 265 bis 267).

 

Die erste Erscheinung

13. Mai 1917. Erste Erscheinung Unserer Lieben Frau von Fatima in der Cova da Iria am Sonntag vor Christi Himmelfahrt. Die drei Kinder sahen zur Mittagszeit einen „Blitz“. (Später erklärte Lucia in ihrem vier­ten Manuskript, daß diese Blitze nicht solche im eigentlichen Sinn des Wortes waren, sondern der Widerschein eines Lichtes, das sich näherte; „in unserer Unkenntnis wußten wir noch nicht den Widerschein eines Lichtes von einem Blitz zu unterscheiden“.) Im Glauben, es käme ein Gewitter, wollten sie ihre Schafe heimtreiben. Nach einem zweiten „Blitz“ sehen sie aber „über einer Steineiche eine ganz in weiß geklei­dete Frau, die glänzender als die Sonne ist und die ein helleres und intensiveres Licht als ein Kristallglas ausstrahlt, das voll kristallenem Wasser ist, wenn es von den heißen Strahlen der Sonne durchdrungen wird (1, S. 307).

Lucia schrieb später über das Aussehen Unserer Lieben Frau: „Auf den Bildern, die ich gesehen habe, scheint Unsere Liebe Frau zwei Mäntel zu haben. Es scheint mir, daß, wenn ich malen könnte — wenn ich auch nicht fähig sein würde, Sie zu malen wie Sie ist, denn ich weiß, daß das unmöglich ist, genauso wie es mir unmöglich ist, es zu sagen oder zu beschreiben —, … ich nur ein Kleid (Tunika) zeichnen würde, ein mög­lichst weißes und einfaches, und einen Mantel, der vom Haupt bis zum Saum des Kleides reicht. Und da ich das Licht und die Schönheit, mit der Sie geschmückt war, nicht malen könnte, würde ich allen Schmuck weglassen, außer einem zarten Goldrand rings um den Mantel. Dieser (Goldrand) würde sich abheben, gleichsam als wäre er ein Sonnenstrahl, der stärker leuchtet. Dieser Vergleich ist weit von der Wirklichkeit ent­fernt, aber ich weiß es nicht besser zu erklären“ (Brief vom 5. Dezember 1937 an den Bischof von Leiria).

Nach ergänzenden Erklärungen der Seherin „sah man weder eine Binde noch einen Gürtel, eine leichte Falte am Kleid deutete jedoch in un­auffälliger Weise die Taille an. Ein Rollkragen schloß das Kleid am Hals ab. Der Mantel (Oberwurf) verdeckte die Haare, ließ aber die Stirne gut sehen; er fiel leicht, senkrecht und ohne Wellen und Falten herab und berührte wie das Kleid fast die Füße. Die Hände hielt die Erscheinung senkrecht vor der Brust gefaltet, so daß Sie über sie hinweg die Seher und das Volk schaute. Das Haupt war aufrecht, die ganze Gestalt ein Ausdruck der Heiterkeit (Ruhe) und des Friedens der ewi­gen Seligkeit. — Die Neigung, die die Bildhauer der Statue geben, mag wohl künstlerische Freiheit sein, entspricht aber nicht der Wirklichkeit“ (1, S. 307).

Die Dokumente (zum Beispiel Aussagen Lucias in der kanonischen Untersuchung am 8. Juli 1924) mit Ausnahme der Aufzeichnungen des Dr. Formigão sprechen von einer goldenen Kugel, die an einer vergol­deten Halskette über dem Herzen der Gottesmutter hing. „Kugel“ heißt auf portugiesisch „bola“; da wahrscheinlich Dr. Formigão mit diesem Ausdruck nicht viel anzufangen wußte, änderte er ihn auf eigene Ver­antwortung in „borla“, was „Quaste“ bedeutet. (Eine andere Wortän­derung auf eigene Faust machte dieser sonst eifrige und kluge Priester auch mit dem Gebet Mariens am Ende jedes Rosenkranzgeheimnisses; vgl. Anhang 2.) Jedoch kann man die Kugel sehr gut erklären: Keiner trägt wie Maria die Welt, deren Symbol die Kugel ist, an Ihrem königli­chen Mutterherzen, was Sie auch durch Ihre Botschaft in Fatima beweist.

Es spielte sich nun an diesem 13. Mai 1917 folgendes Zwiegespräch zwischen dieser Frau (sie schien 15 bis 18 Jahre alt zu sein) und Lucia ab:

„Habt keine Angst, ich tue euch nichts zuleide.“ — „Woher seid Ihr?“ „Ich bin vom Himmel.“ — „Und was wollt Ihr von mir?“ — „Ich bin gekommen, euch zu bitten, daß ihr sechsmal nacheinander zur gleichen Stunde wie heute am Dreizehnten jeden Monats hierherkommt. Her­nach werde Ich euch sagen, wer Ich bin und was Ich will. Ich werde dann noch ein siebtes Mal hierher zurückkommen“ (vgl. 17. Mai 1921). ­„Werde ich auch in den Himmel kommen?“ — » Ja, du wirst dorthin kommen.“ — „Und Jacinta?“.»Sie auch.“ — „Und Francisco?“ ­„Er auch, aber er muß viele Rosenkränze beten.“ — „Ist Maria das Ne­ves schon im Himmel?“ — „Ja, sie ist dort.“ — „Und Amelia?“ — „Sie wird sich im Fegfeuer bis ans Ende der Welt befinden.“ (In 2, S. 23, Anm. 7, heißt es dazu: „Das Mädchen hatte eine ähnliche Versuchung wie die heilige Maria Goretti zu bestehen, hatte aber nicht die Kraft der Heiligen. Bald darauf starb sie und hatte kaum noch die Zeit, in Eile beichten.“ Ebenso in 4, S. 63 und 64, Anm.

Auch in Portugal erhob sich selbst unter Personen, die sich zur Echtheit Fatimas bekennen, eine Kontroverse über diese Worte, die Lucia der Gottesmutter zu­schreibt, und die dieses Seherkind selber zum Weinen brachten (2, S. 23):

Das Zwiegespräch fährt fort: „Wollt ihr euch Gott zum Opfer bringen, um alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken will, als Sühneakt für die Sünden, durch die Er beleidigt wird, und als Bitte für die Bekehrung der Sünder?“ — „Ja, das wollen wir.“ — „Ihr werdet also viel zu lei­den haben, aber die Gnade Gottes wird eure Stärkung sein.“

Bei den Worten „die Gnade Gottes …“ öffnete Maria Ihre gefalteten Hände und teilte den Kindern ein ganz innerliches Licht mit, „gleichsam einen Widerschein, den Sie von Ihren Händen ausstrahlen ließ, der in unsere Brust und in das Innerste unserer Seele drang und der bewirkte, daß wir uns selber in Gott sahen, der dieses Licht war, klarer als wir uns im besten aller Spiegel sehen. Durch einen auch mitgeteilten inner­lichen Antrieb fielen wir hierauf auf die Knie und wiederholten aus innerstem Herzen:

Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an! Mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im Heiligsten Sakrament!“

(In dem Untersuchungsschreiben, das der Pfarrer von Fatima, Manuel Marques Ferreira, am 6. August 1918 an seinen Vorgesetzten, den Erz­bischof von Mitilene, sandte, steht die Behauptung der Lucia, nach der Unsere Liebe Frau die Hände gefaltet hatte und von denen ein weißer Rosenkranz herabhing. Jedes Mal, wenn Sie sprach, öffnete Sie die Hände, etwas mehr oder weniger als in Schulternbreite.

Bei diesem Öffnen der Hände ließ Sie dreimal, und zwar in Ihren ersten drei Erscheinungen, eine Lichtflut über die Kinder ausstrahlen, und ein­mal, am Ende Ihrer letzten Erscheinung in der Cova da Iria, schien sich von Ihren geöffneten Händen aus ein Lichtstrahl über die Sonne zu ergießen.

Lucia schreibt in ihrem vierten Manuskript: „Das, was ihn [Francisco] am meisten beeindruckte und ganz in Anspruch nahm, war Gott, die Heiligste Dreifaltigkeit in diesem unermeßlichen Licht, das uns in das Innerste der Seele eindrang. Hernach sagte er: ,Wir waren am Brennen in jenem Licht, das Gott ist, und das uns [trotzdem] nicht verbrannte. Wie ist Gott? Man kann es nicht sagen. Das wohl, daß man es nicht sagen kann. Wie schade jedoch, daß Er so traurig ist! Könnte ich Ihn doch trösten …`“

Lucia berichtet ferner in ihrem vierten Manuskript: „Einmal sagte er [Francisco] mir: »Ich liebte es sehr, den Engel zu sehen, ich liebte es jedoch noch mehr, Unsere Liebe Frau zu sehen. Was ich am meisten liebte, war, Unseren Herrn in jenem Licht zu sehen, das Unsere Liebe Frau uns in die Brust strahlen ließ. Ich habe eine so große Freude an Gott! Aber Er ist wegen so vieler Sünden so traurig! Nie dürfen wir eine begehen!“)

Zum Schluß dieser ersten Erscheinung sagte Maria: „Die Leute sollen täglich den Rosenkranz beten, um den Frieden für die Welt und das Ende des Krieges zu erlangen.“

Lucia war damals zehn Jahre alt, Francisco neun und Jacinta sieben. Obwohl sie sich nach dieser Erscheinung vereinbart hatten, nichts davon zu erzählen, plauderte Jacinta daheim doch aus.

An diesem 13. Mai 1917 wurde auch der spätere Papst Pius XII. in Rom zum Bischof geweiht (vgl. 4. Juni 1951).

 

Die zweite Erscheinung

13. Juni 1917, ein Mittwoch. Zweite Erscheinung Mariens in der Cova. Fest des heiligen Antonius, groß gefeiert in Fatima. Folgendes Zwie­gespräch zwischen Unserer Lieben Frau und Lucia:

„Was wollt Ihr von mir?“ — „Ich will, daß ihr am Dreizehnten des folgenden Monats hierherkommt; daß ihr täglich den Rosenkranz betet und daß ihr lesen lernt. Hernach werde Ich sagen, was Ich wünsche.“ Lucia bittet um die Heilung eines Kranken: »Wenn er sich bekehrt, wird er innerhalb eines Jahres gesund.“ — »Ich möchte Sie bitten, uns in den Himmel zu führen.“ — „Ja, bald werde Ich Jacinta und Fran­cisco (dorthin) führen, du (Lucia) jedoch bleibst hier einige Zeit länger. Jesus will sich deiner bedienen, damit die Menschen Mich kennen- und liebenlernen. Er will die Verehrung Meines Unbefleckten Herzens in der Welt festen Fuß fassen lassen.“

(In einigen Fatimabüchern — zum Beispiel 4, S. 75, António de Almeida Fazenda, Meditações dos Primeiros Sábados, Braga — 1944, S. IX bis XI — stehen noch folgende Worte der Gottesmutter: „Wer sie [die Ver­ehrung des Unbefleckten Herzens Mariens] übt, dem verspreche Ich das Heil, und diese Seelen werden von Gott geliebt sein wie Blumen, die von Mir hingestellt sind, um Seinen Thron zu schmücken.“)

Lucia fragte dann traurig die Erscheinung: „Ich bleibe hier allein?“ ­„Nein, Tochter. Und leidest du viel? Verzage nicht, Ich werde dich nie verlassen. Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird.“

Während Unsere Liebe Frau diese Worte aussprach, „öffnete Sie die Hände und teilte uns zum zweiten Mal den Widerschein dieses uner­meßlichen Lichtes mit: In ihm sahen wir uns wie in Gott versunken. Jacinta und Francisco schienen in dem Teil dieses Lichtes zu sein, der sich zum Himmel erhob; und ich in dem, der sich über die Erde ergoß. Vor der rechten Handfläche Unserer Lieben Frau befand sich ein mit Dornen umwundenes Herz, die darin hineingetrieben zu sein schienen. Wir verstanden, daß es das Unbefleckte Herz Mariens war — durch die Sünden der Menschheit beleidigt —, das Sühne wollte“ (1, S. 308 und 311).

Besonders vor der nächsten Erscheinung mußte Lucia viel leiden: von seiten ihrer Familie, besonders aber durch ein Wort des Pfarrers von Fatima, der ihr sagte: „Das (die Erscheinung) kann auch eine Täuschung des Teufels sein …“ Lucia sagte sich, daß Gott ein Gott des Friedens sei. Die Visionen hatten aber schon so viel Unfrieden und Widerspruch allein in ihrer Familie ausgelöst, so daß nach ihrer Meinung diese Er­scheinungen nicht von Gott kommen konnten. Selbst die beiden anderen Seherkinder konnten sie kaum trösten. Dazu kam noch ein furchtbarer Traum, der die Finsternis ihres Geistes noch vermehrte: Sie sah den Teufel, wie er sich freute, sie betrogen zu haben, und wie er sich an­strengte, um sie in die Hölle hinabzuzerren. Als sie sich in seinen Krallen sah, begann sie nach der Gottesmutter zu schreien, so sehr, daß sie ihre Mutter aufweckte, die nicht glauben konnte, daß Maria einem ihrer Kinder erscheinen könnte; denn sonst müßten sie und ihr Mann täglich in die heilige Messe gehen und öfters zu den Sakramenten. — So war Lucia am 12. Juli 1917 entschlossen, nicht mehr zur Cova da Iria, zur Erscheinungsstätte, zu gehen. Sie sagte zu Jacinta: „Schau, wenn die Frau dich nach mir fragen sollte, sage Ihr, daß ich nicht komme, weil ich Angst habe, es sei der Teufel“ (4, S. 79 bis 85).

 

Die dritte Erscheinung

13. Juli 1917, ein Freitag. Dritte Erscheinung Mariens in der Cova. Eine unerklärbare Kraft, der Lucia nicht leicht widerstehen konnte, trieb sie plötzlich an, die beiden anderen Seherkinder zur Cova da Iria zu be­gleiten. 3000 bis 4000 Personen warteten dort auf die Erscheinung. Auch die Eltern von Francisco und Jacinta waren — zum ersten Male ­gekommen. Nach dem Widerschein sahen die drei Kinder Unsere Liebe Frau:
»Was wollt Ihr von mir?“ — „Ich wünsche, daß man am Dreizehnten des folgenden Monats hierherkomme, daß man fortfahre, täglich den Rosenkranz zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz zu beten, um den Weltfrieden und das Kriegsende zu erlangen, denn Sie allein kann ihnen (den Menschen) helfen.“ — Ich wollte Sie bitten, uns zu sagen, wer Sie sind; ein Wunder zu wirken, wodurch alle zum Glauben gelangen mögen, daß Sie uns erscheinen.“ — Die Leute sollen fortfah­ren, alle Monate hierherzukommen. Im Oktober werde Ich sagen, wer Ich bin und was Ich wünsche, und Ich werde ein Wunder wirken, daß alle sehen werden, um zum Glauben zu gelangen.“

Lucia stellte dann einige Bitten; Maria antwortete, daß die Leute den Rosenkranz beten müßten, um die Gnaden während des Jahres zu er­halten. Dann fuhr Sie fort: „Opfert euch für die Sünder, und sagt häu­fig, besonders immer, wenn ihr ein Opfer bringt:

„O Jesus, aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder und zur Genugtuung für die Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden.“

(Die Seherkinder fügten später oft noch hinzu: „ … und für den Heili­gen Vater“.)

Während Maria die letzten Worte aussprach, öffnete Sie erneut die Hände. „Der Widerschein schien in die Erde zu dringen — und wir sahen etwas wie ein Feuermeer: Versunken in diesem Feuer die Dämonen und die Seelen gleichsam als wären sie durchsichtige und schwarze oder bronzefarbene Kohlenglut gewesen, in menschlicher Gestalt, die im Feuer hin- und herwogten, die von den Flammen, die aus ihnen selber herauskamen, zusammen mit Rauchwolken emporgehoben wur­den und die nach allen Seiten hin herabfielen, gleich dem Funkenregen bei großen Feuerbrünsten — ohne Gewicht und Gleichgewicht —, unter Schreien und Stöhnen aus Schmerz und Verzweiflung, die (uns) mit Entsetzen erfüllten und vor Furcht erzittern machten … Die Dämonen unterschieden sich durch entsetzliche und widerliche Gestalten von schrecklichen und unbekannten Tieren, die jedoch wie schwarze Kohlen im glühenden Zustand durchscheinend waren. Erschreckt und wie um Hilfe zu erflehen richteten wir unsern Blick auf Unsere Liebe Frau, die uns mit Güte und Traurigkeit sagte:

„Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder gelan­gen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu Meinem Unbefleckten Herzen festen Fuß fassen lassen. Wenn man das tut, was Ich euch sagen werde, werden viele Seelen gerettet werden, und man wird Frieden haben. Der Krieg (1914 bis 1918) geht seinem Ende zu; wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter der Regie­rung Pius XI. ein anderer, noch schlimmerer Krieg beginnen. (Der Kriegsplan Hitlers begann sich mit dem „Anschluß“ Österreichs zu ver­wirklichen; vgl. P. Baumann SJ, Fatima und die Kritik, in »Bote von Fatima“, v. 13. August 1962, S. 61. — Vgl. über die Voraussage des Krie­ges: 6. Februar 1939, 29. Juni 1956, 24. Februar 1960). Wenn ihr einmal die Nacht durch ein unbekanntes Licht erhellt sehen werdet, so wißt, daß es das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, daß Er daran ist, die Welt wegen ihrer Verbrechen zu züchtigen, durch Krieg, Hungersnot und Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters. (Dieses „unbe­kannte Licht“ war nach der Überzeugung Lucias das Licht in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1938; vgl. 2, S. 46, Anm. 19.) Um das zu ver­hindern, werde Ich die Weihe Rußlands an Mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen fordern. Wenn man Meine Forderungen beachtet, wird Rußland sich bekehren, und man wird Frieden haben. Wenn man das aber nicht tut, dann wird es seine Irrtümer in der Welt verbreiten und Kriege und Verfolgungen der Kir­che hervorrufen. Die Guten werden gemartert werden. Der Heilige Vater wird viel zu leiden haben. Verschiedene Nationen werden ver­nichtet werden. Zuletzt wird Mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird Mir Rußland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird einige Zeit des Friedens gewährt werden. In Portu­gal wird sich immer der wahre Glaube (wörtlich: das Dogma des Glau­bens) erhalten usw… (hier wahrscheinlich folgt der sogenannte dritte Teil des Geheimnisses: vgl. 18. August 1964, 13. September 1964, 25. Juli 1966, 11. Februar 1967; ferner „Die Geheimnisse von Fatima“ in „Pilgerbuch von Fatima“). Erzählt das niemand. Wohl könnt ihr es Francisco sagen (er hörte ja die Gottesmutter — wie auch den Engel nicht sprechen).

Wenn ihr den Rosenkranz betet, sagt nach jedem Geheimnis:

O mein Jesus, verzeih uns, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders die, welche es am meisten bedürfen.“

(Mit letzteren Seelen sind die Todsünder gemeint, die jetzt oder zumin­destens bald sterben müssen. Gerade sie bedürfen jetzt besonderer Gna­den, um noch gerettet werden zu können. Den Himmel brauchen wir alle, aber die Art der Hilfe, um dorthin zu gelangen, ist natürlich für einen Menschen im Stande der Freundschaft Gottes von der für einen Todsünder verschieden (vgl. dazu 5, S. 158 bis 177; Anhang 2; 4. Fe­bruar 1956).

Wollt Ihr von mir nichts mehr?“ — »Nein, heute will Ich von dir nichts mehr.“

Zwischen dem 13. Juli und 13. August 1917 ließ der freimaurerische Ver­walter Artur de Oliveira Santos vom Bezirk Vila Nova de Ourém die drei Kinder mit ihren Vätern zu sich rufen. Doch der Vater von Fran­cisco und Jacinta nahm diese seine beiden Kinder nicht mit, wofür er eine starke Verwarnung bekäm. Lucia hätte das Geheimnis des Juli preisgeben und versprechen sollen, nicht mehr die Cova da Iria aufzu­suchen. Trotz Versprechungen und Drohungen erreichte der Verwalter nichts; er gab sich aber noch nicht geschlagen; er würde schon zu seinem Ziele kommen, selbst wenn es Lucia das Leben kosten sollte (4, S. 98 bis 100).

 

Die vierte Erscheinung

13. August 1917, ein Montag. Die drei Seherkinder werden vormittags zum Pfarrhaus gerufen, wo sie in Anwesenheit des Verwalters von Vila Nova de Ourém von ihrem Pfarrer verhört werden. Hernach heißt sie der Verwalter in seinen Karren einsteigen, weil sie so schneller zur Cova da Iria gelangen könnten. Bald aber schlägt er Richtung nach Vila Nova de Ourém ein; er beruhigt die drei Kinder damit, daß er sie zum Pfarrhaus von Vila Nova führen wolle und hernach mit einem Auto zur Cova da Iria bringen lasse, wo sie noch rechtzeitig ankommen wür­den. Er behält sie jedoch bis zum 15. August zurück, läßt sie in den Kerker einsperren, er droht ihnen sogar, sie in siedendem Olivenöl bra­ten zu lassen, falls sie das Geheimnis des Juli nicht offenbaren wollten; die Kinder jedoch wollen lieber sterben als den Worten Unserer Lieben Frau nicht gehorchen. So bleibt dem Verwalter nichts anderes übrig, als sie wieder die rund 15 km nach Fatima zurückzubringen. Als der Vater von Francisco und Jacinta nach der hl. Messe (Fest Mariens Aufnahme in den Himmel) aus der Pfarrkirche herauskommt, wird er auf seine Kinder aufmerksam gemacht, die sich gerade auf der Veranda des Herrn Pfarrers befänden. Er trägt seine Jacinta auf dem rechten Arm heim, die Frauen tragen ihre Kinder immer auf dem linken Arm, um mit dem rechten arbeiten, „streiten“ zu können. An diesem Tag gingen — nach einer Aussage einer Schwester der Lucia, namens Teresa — die drei Kinder nirgends mehr wohin (vgl. die Monatszeitschrift „Stella“, Okto­ber 1942, S. 14 und 19).

Am 13. August 1917 hatten sich ungefär 15000 bis 18000 Personen in der Cova da Iria eingefunden. Als man dort von der Entführung der drei Kinder erfuhr, begaben sich sofort einige Leute zum Pfarrhaus von Fatima, wo sie forderten, der Pfarrer sei zu lynchen, weil er an diesem Raub der Seherkinder mitschuldig sei. Dieser konnte aber seine Un­schuld beweisen und bekundete sogar seinen Unmut über diese Entfüh­rung, und so konnte er die Leute von dem geplanten Mord abhalten (4, S. 105). Die Entrüstung über den Raub wurde bei den Leuten, die in der Cova da Iria verblieben, durch ein wunderbares Ereignis besänf­tigt. Sie versicherten, „einen Donnerschlag gehört und einen Blitz gese­hen zu haben, darauf habe sich um die Steineiche eine wunderschöne Wolke gebildet, nach etwa zehn Minuten hätte sich die Wolke erhoben und sei verschwunden …“ (2, S. 52). Jedoch noch am 15. August mußte der Vater Jacintas, als er sie vom Pfarrhaus abholte, den Pfarrer gegen die Leute verteidigen (4, S. 114).

(Über den Verwalter von Vila Nova de Ourém siehe: 27. Juli 1955.)

19. August 1917, ein Sonntag (vgl. Anhang 3): Vierte Erscheinung der Gottesmutter, die einzige, die auf den Valinhos, einem Grundstück, das der Familie Lucias gehörte, erfolgte. Lucia, Francisco und sein Bruder Johannes näherten sich gegen vier Uhr nachmittags diesem Ort, um die Schafe zu weiden. In einem bestimmten Augenblick bemerkten sie die atmosphärischen Veränderungen, die gewöhnlich das Kommen Mariens anzeigten. Auf Bitten Lucias lief Johannes heim, um seine Schwester Jacinta zu holen. Währenddessen sahen Lucia und Francisco den Wi­derschein des Lichtes und kurz nach der Ankunft Jacintas Unsere Liebe Frau auf einer Steineiche.

Was wollt Ihr von mir?“ — „Ich wünsche, daß ihr fortfahrt, am Drei­zehnten zur Cova da Iria zu kommen und täglich den Rosenkranz zu beten. Im letzten Monat werde Ich das Wunder wirken, damit alle glauben mögen.“

(In der Niederschrift des Pfarrers stehen noch folgende Worte der Gottesmutter an Lucia: „Wenn man mit dir nicht zum Dorf [Vila Nova de Ourém] geflohen wäre, würde das Wunder [im Oktober] mehr be­kannt sein.“ Vgl. Costa Brochado, „Fatima à Luz da História“, S. 225 bis 296.)

Lucia fragt: „Was wollt Ihr, daß man mit dem Geld mache, das das Volk in der Cova da Iria zurückläßt?“ — „Man möge damit zwei Trag­gestelle machen. Eines trägst du mit Jacinta und zwei weiteren Mädchen, alle in weiß gekleidet. Das andere trägt Francisco und drei andere Kna­ben. Das Geld der Traggestelle dient für das Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz (und was übrigbleibt, dient als Hilfe für die Erbauung einer Kapelle, die angeordnet werden möge). Diese eingeklammerten Worte sagte Maria wahrscheinlich erst im September, wie es auch der Bericht des Pfarrers von 1917 hat. Lucia dürfte sich also 1941 in ihrem vierten Manuskript geirrt haben (vgl. über den Irrtum Lucias: Anhang 4; 5, S. 86 bis 88).

Lucia bittet: „Ich wollte Sie um die Heilung einiger Kranker bitten.“ — „ Ja, einige werde Ich im Verlauf des Jahres heilen. Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder; denn es kommen viele Seelen in die Hölle, weil sie niemand haben, der für sie Opfer bringt und betet.“ Und wie gewöhnlich begann sich Maria gegen Osten hin zu erheben.

 

Die fünfte Erscheinung

13. September 1917. Fünfte Erscheinung der Gottesmutter, die vierte in der Cova da Iria. An diesem Donnerstag versammelten sich ungefähr 25000 bis 30000 Menschen in der Cova. Nach Beginn des Rosenkranz­gebetes sahen die drei Kinder den Widerschein des Lichtes und hernach Unsere Liebe Frau: „Man möge fortfahren, den Rosenkranz zu beten, um das Kriegsende zu erlangen. Im Oktober wird auch unser Herr kom­men, Unsere Liebe Frau von den Schmerzen und vom Berge Karmel, der heilige Josef mit dem Jesus-Knaben, um die Welt zu segnen. Gott ist mit euren Opfern zufrieden; Er will jedoch nicht, daß ihr mit dem Strick (um die Hüften gebunden) schlaft. Tragt ihn nur tagsüber.“ ­„Man ersuchte mich, Sie um viele Dinge zu bitten: die Heilung einiger Kranker, eines Taubstummen .. .“ „Ja, einige werde Ich heilen, andere nicht.“ (Hier dürfte sich wohl die beim 19. August 1917 schon erwähnte Bitte um die Erbauung einer Kapelle nach dem Bericht des Pfarrers von Fatima vom Jahre 1917 einfügen: Lucia frägt: „Das Volk hätte hier gerne eine Kapelle!“ Die Antwort Mariens: „ …Die andere Hälfte des Geldes möge zur Unterstützung der Kapelle sein“; vgl. 5, S. 63; 2, S. 70). Lucia sagte weiter: „Ich bat erneut, daß Sie ein Wunder wirken möge, damit das Volk zum Glauben gelange; denn man sagte, daß ich eine Schwindlerin wäre, die man erhängen und verbrennen müsse“ (Lucia in der offiziellen Befragung am 8. Juli 1924; 4, S. 126). Und die Allerseligste Jungfrau antwortete: „Im Oktober werde Ich das Wunder wirken, damit alle zum Glauben gelangen mögen.“

 

Die sechste und letzte Erscheinung

13. Oktober 1917. Sechste Erscheinung Mariens, die fünfte in der Cova da Iria. An diesem regnerischen Samstag kamen über 50000 Menschen zur Cova, zum ersten Male auch die Eltern Lucias, weil man von einem Bombenattentat auf die Seherkinder im Augenblick der Erscheinung sprach. Bei der Steineiche angelangt, bat Lucia durch einen inneren An­stoß das Volk, die Regenschirme zu schließen, um den Rosenkranz zu beten. Bald hernach sahen die drei Kinder die Allerseligste Jungfrau.

(Die Mutter Lucias nahm beim Kommen Mariens den wunderbaren Duft wahr, den sie schon am 19. August nach der Erscheinung auf den Valinhos gespürt hatte, als ihr Jacinta zwei Zweige der Steineiche zeigte, auf der sich Maria niedergelassen hatte; damals war diese Mutter zum Zweifeln gekommen, ob die drei Kinder vielleicht doch die Wahrheit sagen würden. 4, S. 119 und 135.)

Lucia fragte: „Was wollt Ihr von mir?“ — „Ich möchte dir sagen, daß man hier eine Kapelle zu Meiner Ehre errichten möge, daß Ich Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz bin, daß man immer fortfahren möge, täglich den Rosenkranz zu beten. Der Krieg ist im Begriffe, zu Ende zu gehen, und die Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren“ (vgl. Anhang 4).

Lucia sagte: „Ich hätte Sie um viele Dinge zu bitten: Ob Sie einige Kranke heilen könnten, ob Sie einige Sünder bekehren könnten usw …“ Maria antwortete: „Einige ja, andere nicht. Die Leute müssen sich bes­sern und um Verzeihung ihrer Sünden bitten.“ Und, indem Sie einen traurigeren Gesichtsausdruck annahm, sagte Sie: „Die Leute sollen Gott, unsern Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wurde!“ Hernach „öffnete Sie die Hände und ließ sie in der Sonne widerspiegeln; und während Sie sich erhob, fuhr der Widerschein Ihres eigenen Lichtes fort, sich auf die Sonne zu erstrecken. Das war auch der Grund, warum ich rief, die Leute sollten zur Sonne schauen. Meine Absicht war nicht, dorthin die Aufmerksamkeit des Volkes zu lenken, weil ich mir nicht einmal Rechenschaft seiner Anwesenheit gab; ich machte das nur, durch einen inneren Antrieb dazu bewogen …

Nachdem Unsere Liebe Frau in der unermeßlichen Weite des Firma­mentes verschwunden war, sahen wir (die drei Seherkinder) neben der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau, die mit einem weißen Gewand und einem blauen Mantel bekleidet war. Der heilige Josef und das Jesuskind schienen die Welt mit Handbewe­gungen in Kreuzesform zu segnen.

Ein wenig hernach, nachdem diese Erscheinung verschwunden war, sah ich Unsern Herrn und Unsere Liebe Frau, die mir Unsere Liebe Frau von den Schmerzen zu sein schien. Unser Herr schien die Welt in der gleichen Weise wie der heilige Josef zu segnen. Nach dieser Erscheinung glaubte ich noch Unsere Liebe Frau in einer Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel ähnlichen Form zu sehen“. So berichtet Lucia in ihrem vierten Manuskript (1, S. 319, vgl. Anhang 5).

 

Das Sonnenwunder

Während die drei Seherkinder die Erscheinung der Heiligen Familie hatten, begann für die rund 50000 Menschen in der Cova da Iria ein anderes Schauspiel: das Sonnenwunder. (Nach den Angaben der drei Hirtenkinder an Dr. Formigão sahen sie auch das Sonnenwunder. Wahr­scheinlich sahen sie gleichzeitig beide Visionen, die der Heiligen Familie und des Sonnenwunders.) Viele der Augenzeugen dieses Wunders — unter ihnen befanden sich auch Ungläubige und Sensationslustige (zum Beispiel: Avelino de Almeida, der in der liberalen Zeitung „O Século“ vom 15. Oktober 1917 den Artikel schrieb: „Coisas espantosas! Como o sol bailou ao meio dia em Fátima“ [„Tolle Dinge! Wie die Sonne zu Mittag in Fatima tanzte“] und in der Wochenillustrierten „Ilustração Portugueza“ [„Portugiesische Illustrierung“] vom 29. Oktober 1917 den Artikel „O Milagre de Fátima“ [„Das Wunder von Fatima“] mit zehn Photographien von den Leuten am 13. Oktober 1917 in der Cova da Iria, von denen sechs während des Sonnenwunders gemacht wur­den) — gaben ihre Aussagen darüber ab, die in folgenden, wesentlichen Punkten übereinstimmen:

Nachdem Lucia gerufen hatte, die Leute sollten zur Sonne schauen, sahen diese Menschen, die sich in der Cova da Iria, dem vorausgesagten Ort des Wunders, zur dafür vorausgesagten Zeit eingefunden hatten, folgendes:

Zu Mittag (Sonnenzeit) öffnete sich der wolkenbedeckte Himmel, der die erwartungsvollen Menschen in der Cova durchnäßt hatte, und es wird die Sonne sichtbar, die man mit freiem Auge ohne Schmerz fixieren kann. (Wohlgemerkt, es gibt weder Wolken vor der Sonne noch Sonnen­finsternis!)

Dieser Gegenstand, der die Sonne zu sein scheint, beginnt sich um seine eigene Achse zu drehen und schimmernde Farbenbündel — wie ein Feuerwerk — über den ganzen Himmel hin auszustrahlen und alles auf der Erde in dieses Lichtspiel zu tauchen.

Nach verschiedenen Aussagen wurde dieses „Feuerwerk zweimal nach Unterbrechungen, in denen das Sonnenlicht abnahm, wiederholt.

Ob sich auch die folgende Phase des Wunders dreimal wiederholte, ist nicht sicher:

Die Sonnenscheibe scheint sich zu vergrößern und auf die Erde zu stür­zen; viele Leute nehmen eine Hitzezunahme wahr und glauben, das Ende der Welt sei gekommen. Hernach bewegt sich der Sonnenball in großer Geschwindigkeit am Firmament. Schließlich nimmt er wieder seinen gewöhnlichen Standort ein: Das versprochene Zeichen ist erfüllt. Nach diesem etwa zehn Minuten dauernden Schauspiel sind die Kleider der Leute wieder trocken (sie hatten vor dem Wunder noch während des Regens auf Anordnung Lucias ihre Schirme geschlossen!) — mit ganz geringen Ausnahmen.

Viele der Zeugen erklärten, daß sie nicht wußten, wie und wo (zum Beispiel am Himmel oder auf der Erde) sich dieses Wunder ereignen würde. Sie schauten deshalb nicht zur Sonne. Andere aber behaupteten, daß es sich an der Sonne verwirklichen werde. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang folgendes: Dem offiziellen Verhör vom 8. Juli 1924 nach erklärte Lucia bezüglich des 19. August 1917: „Ich bat Sie (Unsere Liebe Frau) auch um ein Wunder, damit das Volk glaube, und Sie sagte, daß Sie im letzten Monat ein Zeichen an der Sonne machen würde, daß alle zum Glauben gelangen sollten.“

Die Zuschauer glaubten, daß es die Sonne selber war, die sich ihnen in diesen wunderbaren Formen zeigte. Nur eine Zeugin führt an, daß es „eine weiße Form aus Schnee war, die sich von ihr (der Sonne) löste und erneut zu ihr zurückkehrte“. Nur zwei oder drei Personen dürften es gewesen sein, die in der Cova da Iria zu dieser Zeit weilten und und nichts Außergewöhnliches an der Sonne bemerkten.

Dafür sahen aber Personen, die ,sich mehrere Kilometer von der Cova entfernt damals aufhielten, dieses Sonnenwunder, wenn auch einige von ihnen es nur in etwas gekürzter Form erlebten:

In Alburitel (13 km von Fatima entfernt) erwartete man das verspro­chene Wunder »an den Sternen“, wie das einfache Volk sich ausdrückte. Eine Gruppe von rund zwanzig Personen begab sich trotz des schlechten Wetters auf eine Anhöhe in der Nähe dieser Ortschaft, um auf das Wunder zu warten: sie erlebten dort wie in der Cova da Iria das „Feuer­werk“ der Sonne und ein dreimaliges Stürzen derselben auf sie, so daß sie sich zu Boden warfen und das Ende ihres Lebens erwarteten. Die Bewohner dieses Ortes Alburitel liefen zur Kirche und baten um Barm­herzigkeit.

Auch in Leiria (25 km von Fatima entfernt) sahen einige Leute das Sonnenwunder, auch in Torres Novas (38 km von Fatima entfernt) „zeigte sich an der Sonne etwas …“.

In São Pedro de Muel, rund 40 km von der Cova da Iria entfernt, sah der Dichter Afonso Lopes Vieira das blendende Schauspiel am Himmel, ohne sich an die Voraussage der Seherkinder zu erinnern.

Selbst in Praia de Granja (in der Nähe von Porto, rund 160 km Luft­linie von Fatima entfernt!) gab es — nach den Aussagen der Gemahlin des Herrn Almeida Garrett, Universitätsprofessors in Coimbra — Per­sonen, die die Kreisbewegung der Sonne sahen (vgl. Anhang 6).

 

Andere besondere Begleitzeichen

Bei den Erscheinungen Unserer Lieben Frau stellten sich nach den Aus­sagen von Augenzeugen noch folgende Zeichen ein (vgl. 3, S. 74 bis 76):

a) Blitze, die den Erscheinungen immer vorangingen. Donner, genau im Augenblick der Erscheinung oder am Ende derselben, dessen Ursprung von der Steineiche herzukommen schien.

b) Krümmung der Steineiche, gleichsam als wäre sie von einem Mantel bedeckt worden, mit allen in dieselbe Richtung geneigten Blättern (so am 13. Juni 1917).

c) Duft, neuer und unbekannter Art, der sich vom Zweig der Steineiche verbreitete, auf dem die Füße der Gottesmutter während Ihrer vierten Erscheinung in denValinhos geruht hatten. Dieser Duft wurde von der Mutter Lucias und den Umstehenden, ebenso vom Vater Franciscos und Jacintas, wahrgenommen. Die Mutter Lucias erlebte dieses Aroma noch einmal, nämlich am 13. Oktober 1917, dem Tag des Sonnenwunders, in der Cova da Iria. (Sie ging nur zu dieser Erscheinung und auch nur, weil sie für das Leben ihres Kindes bangte, nicht aber, weil sie an die Echtheit der Visionen geglaubt hätte).

d) Ein leuchtender Wolkenball, von Osten nach Westen majestätisch durch den Himmelsraum gleitend, bis er die Steineiche berührte (am 13. September 1917).

e) Eine weiße oder bunte Wolke von sehr angenehmem Anblick, die sich verschiedene Male um die Seherkinder bildete, bis zu fünf oder sechs Metern Höhe. Und das dreimal gut unterscheidbar bei ein und dersel­ben Erscheinung.

f) Rosenregen: weiße Röschen, von der Ferne gesehen schienen sie größer zu sein, langsam wurden sie kleiner, während sie sich dem Boden näher­ten, bis sie ganz verschwanden (am 13. September 1917).

g) Verminderung des Sonnenlichtes bei voller Mittagszeit, ohne daß es Wolken oder Sonnenfinsternis gegeben hätte. Einige Leute konnten den Mond und die Sterne sehen. Dieses Phänomen wiederholte sich bei allen Erscheinungen mit Ausnahme der letzten. (An diesem 13. Oktober 1917 regnete es nämlich vor dem Sonnenwunder.) Bezüglich der ersten Er­scheinung weiß man nichts.

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Quelle: P. Hermann Netter SVD – 50 Jahre Fatima, S. 017-037

Digitalisierung von mir [POS]

(Fortsetzung folgt!)

FATIMA: Der gemeinsame Hirtenbrief der portugiesischen Bischöfe von 1966

09-12-05128

Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen der Gottesmutter von Fatima

(1917-1967)

Gemeinsamer Hirtenbrief des portugiesischen Episkopates
vom 29. Juni 1966

1.

Drei Hirtenkinder vom Gebirge Aire („Serra de Aire“), Lucia, Francisco und Jacinta, behaupteten, Unsere Liebe Frau in der Cova da Iria an den Dreizehnten von Mai bis Oktober 1917 gesehen zu haben (außer dem 13. August; dafür er­schien ihnen Maria am 19. August in den Valinhos). Und sie erklärten, daß die Erscheinung zu ihnen gesprochen hätte, indem sie sie aufforderte, den Rosen­kranz zu beten und Buße zu tun, um das Ende des Krieges zu erlangen und die Seelen vom Weg des Verderbens abzuwenden. Sie bestätigten diese Behauptungen mit der Voraussage von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich zu gegebener Zeit erfüllten, insbesondere ein Sonnenwunder, das am Tag der letzten Erscheinung von Tausenden von Personen gesehen wurde.

Die Nachricht erweckte eine ungewöhnliche Pilgerbewegung, die allen Schwie­rigkeiten zum Trotz dauernd die Wege nach Fatima erfüllen. Die Hirtenkinder, die am 13. Mai alleine waren, wurden am 13. Oktober schon von mehr als 50 000 Personen begleitet. Und hernach sollten die Wallfahrten 500 000, 800 000 Perso­nen und selbst eine Million erreichen, die von allen Kontinenten kamen.

Schnell sollte man zur Einsicht gelangen, daß die Geschehnisse in der Cova da Iria die am meisten hervorstechende Tatsache der ganzen religiösen Geschichte Portugals waren.

Inzwischen studierte die Kirche ohne Überstürzung diese Geschehnisse und setzte einen genauen kanonischen Prozeß ein, der sich acht Jahre lang erstreckte und gestattete, alle möglichen Zeugenaussagen zu sammeln und besonders den entscheidenden Beweis der Zeit festzustellen.

Am 13. Oktober 1930, dreizehn Jahre nach der letzten Erscheinung, als es allen schien, daß man den Anforderungen der Klugheit der Kirche schon zuviel gerecht geworden war, formulierte der Prälat von Leiria sein Urteil folgendermaßen:

„Aufgrund der dargelegten Erwägungen und anderer, die wir der Kürze wegen unterlassen, indem wir demütig den Göttlichen Heiligen Geist anrufen und auf den Schutz der Allerseligsten Jungfrau Maria vertrauen, und nachdem wir die hochwürdigsten Konsultoren dieser unserer Diözese gehört haben, halten wir es für gut, die Visionen der Kinder in der Cova da Iria, die zur Pfarre Fatima in dieser Diözese gehört, an den Dreizehnten von Mai bis Oktober als glaubwürdig zu erklären.“ (Dom José Alves Correia da Silva — Hirtenbrief „Die göttliche Vorsehung“ vom 13. Oktober 1930.)

Seither vervielfältigten sich bis heute die klarsten Zeugnisse des Denkens der Kirche über die Realität der Erscheinungen Unserer Lieben Frau in Fatima.

Es waren nicht nur die Bischöfe Portugals, die einzeln oder zusammen den Wallfahrten vorstanden; es kamen Bischöfe von überallher und Kardinäle der heiligen Kirche.

Der Papst selber hat viele Gelegenheiten benützt, um seine Einstellung zu bekunden.

Pius XII. vollzog die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens am 31. Oktober 1942 in der Radiobotschaft, in der er sich den Feierlichkeiten des 25. Jahrestages der Erscheinungen anschloß. Zum 13. Mai 1946 sandte derselbe Papst einen Legaten nach Fatima, um das Bildnis Unserer Lieben Frau zu krönen. Und weiterhin erwählte im Jahre 1951 Pius XII. das Heiligtum von Fatima, damit man in ihm den feierlichen Abschluß des Heiligen Jahres vollziehe.

Johannes XXIII. erwählte Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz zu Fatima zur Hauptpatronin der Diözese Leiria und setzte das diesbezügliche liturgische Fest, mit eigenem Offizium und Meßformular, auf den 13. Mai eines jeden Jahres fest; und wir wissen, daß er sich immer mit Zartgefühl an sein Kommen zum Heiligtum als Pilgerkardinal am 13. Mai 1956 erinnerte.

Gleich bei seinem ersten Zusammentreffen mit portugiesischen Prälaten emp­fahl sich Paul VI. den Gebeten des Heiligtums Fatima; und in der Schlußfeier der dritten Periode des Konzils, nachdem er Unsere Liebe Frau zur Mutter der Kirche proklamiert hatte, verkündete er: Wir haben Uns entschieden, die Goldene Rose an das Heiligtum von Fatima zu senden, das nicht nur gar sehr beliebt ist beim Volk der edlen portugiesischen Nation — das Wir immer und besonders heute sehr lieben —, sondern das auch schon alle Gläubigen der katholischen Familie kennen und hochschätzen.“ (Paul VI. — Ansprache beim Abschluß der dritten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils, 21. November 1964, AAS 56 [1964], Seite 1017.)

Die Geschichte registiert viele andere Beweise des Wohlwollens, die die Päpste gaben; jedoch diese genügen, um aufzuzeigen, wie die Hierarchie der Kirche wäh­rend dieser fünfzig Jahre die Ereignisse in der Cova da Iria im Jahre 1917 auf­nimmt.

Und jetzt beim Vorübergang eines halben Jahrhunderts über diese Gescheh­nisse achten es die Bischöfe, die der Herr zu Hirten der portugiesischen Herde bestellte, als ihre Pflicht, die Gläubigen, die ihnen anvertraut sind, anzueifern und zu helfen, dieses große Datum würdig zu feiern und die Lehre zu ziehen, die die Vorsehung uns anbietet.

2.

Gestützt auf das Zeugnis der Kirche nehmen wir die Botschaft auf, die die Hirtenkinder uns von seiten Unserer Lieben Frau überbrachten. Diese Botschaft pflegt man in zwei Worte zusammenzufassen, die ein ganzes Programm des christlichen Lebens umschließen: Gebet und Buße. Damit wir sie gut verstehen, müssen wir uns ihren historischen und theologischen Kontext vergegenwärtigen.

Unsere Liebe Frau empfahl Gebet und Buße als die großen Wege zu jenem Frieden, nach dem sich die Menschheit 1917 sehnte.

Drei Jahre des Kampfes machten einen enormen Materialverlust aus, eine Kollektivverarmung und besonders einen Verlust an Leben, wie er bis dahin niemals stattgefunden hatte. Die Welt war es schon überdrüssig; alle wollten, daß der Krieg aufhöre und die Soldaten zu ihren Familien zurückkehren.

Unsere Liebe Frau beschränkt sich nicht darauf, Gebet und Buße zu empfehlen, damit der Krieg aufhöre; Sie weist auf die tiefe Verbindung hin, die zwischen der Strafe des Krieges und der Sünde besteht: „Die Leute sollen Gott, unsern Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon soviel beleidigt wurde!“ Und ferner erklärt Sie: „Der Krieg geht seinem Ende zu; wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidi­gen, wird .. . ein anderer, noch schlimmerer Krieg beginnen.“

Die Kriege sind nicht nur die Frucht des Sich-nicht-Verstehens der Menschen unter sich; sie sind vor allem Folge der Sünde, das heißt, des Sich-nicht-Verstehens der Menschen mit Gott.

Und deshalb erscheint neben der Drohung eines neuen Krieges in der Botschaft Unserer Lieben Frau die Warnung vor der Gefahr der Hölle, in die die Seelen stürzen können, wenn sie ihr Leben nicht bessern. In der dritten Erscheinung nimmt diese Warnung die ganz konkrete und sinnlich wahrnehmbare Form einer Schau dieses furchtbaren Ortes von ewigen Qualen an. Gleichzeitig appelliert Unsere Liebe Frau an die Großmütigkeit der Kinder zugunsten der armen Sünder, damit diese sich bekehren und nicht in die Hölle stürzen.

Auf diese Weise macht die Botschaft Fatimas ein Ganzes aus, das in vollkom­mener Harmonie mit der Botschaft des Evangeliums und mit der Lehre der Kirche steht. Es dreht sich dabei nicht nur um ein zufälliges und zweitrangiges Zusam­mentreffen; es ist eine vollkommene Entsprechung mit den tiefsten Wirklichkeiten der christlichen Offenbarung. Die Sünde, die tiefste Ursache aller Strafgerichte, die Gott uns schickt, ist auch die Ursache des letzten Ruins des Menschen, seiner Verdammung zur Hölle.

Um uns von der Sünde und ihren Folgen zu befreien, kam Christus zur Welt, predigte uns die Notwendigkeit der Buße oder der Lebensbesserung und starb für uns. Unsere Liebe Frau machte sich zum Echo der Botschaft Christi im Evange­lium: „Die Leute sollen unsern Herrn nicht mehr beleidigen . . .«

Da sie auf diese Weise so vollkommen mit der Botschaft des Evangeliums zu­sammenfällt, erscheint uns die von Fatima von einer wahrhaft universalen Gültig­keit. Das, was Unsere Liebe Frau zu den Hirtenkindern 1917 sagte, gilt für alle Zeiten und für alle Menschen. Das ist zweifelsohne die beste Erklärung für das Kommen nach Fatima von Pilgern von allen Enden der Erde.

3.

Das Gebet ist die erste Seite der Botschaft Fatimas; und dieses Gebet konkretisiert sich im Rosenkranz.

In allen Erscheinungen hörten die Hirtenkinder dieselbe Empfehlung: die Leute sollen den Rosenkranz beten, damit der Krieg aufhöre, die Leute sollen den Rosenkranz beten, damit die Seelen nicht in die Hölle stürzen, die Leute sollen den Rosenkranz beten, um den Frieden zu erlangen. Und unter allen Namen, die Ihr eigen sind, erwählt Unsere Liebe Frau in Fatima den Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz („Senhora do Rosârio“ = „Herrin vom Rosenkranz“), um sich auszuweisen. Das Gebet ist der Umgang mit Gott und kann die verschiedensten Formen annehmen.

Als unsere ersten Eltern im irdischen Paradies sich vertraulich mit dem Herrn unterhielten, der sie geschaffen hatte und sich um sie wie um wirkliche Kinder sorgte, war all dieser Umgang, der sich keiner gemachten Formel bediente, son­dern die Herzen vollends öffnete, ein wirkliches Gebet.

Die Sünde war es, die kam, um diese intimsten Verbindungen des Menschen mit Gott zu zerschneiden durch den Urungehorsam und die Strafgerichte, die dieser mit sich riß. Der sündige Mensch jedoch fuhr noch fort, sich an Gott wenden zu können, in gewisser Weise aber immer auf Entfernung und fast nur, um Ihn für die eigenen Untreuen um Verzeihung zu bitten.

Zwischen dem Gebet und dem Leben in der Gnade besteht ein sehr tiefes Ver­hältnis, das die Beharrlichkeit erklärt, mit der Unsere Liebe Frau uns das Gebet empfiehlt. Die Seele, die betet, wenn sie noch nicht im Stande der Gnade ist, be­findet sich sicher auf dem Weg zur Gnade. Die Patriarchen und die Propheten des Alten Testamentes waren große Vorbilder im Gebet, weil sie es verstanden haben, in ihrem Leben immer die Vereinigung mit Gott aufrechtzuerhalten.

Und eine der nachdrücklichsten Forderungen unseres Herrn im Evangelium ist die um das Gebet.

4.

Der Rosenkranz war das Gebet, das Unsere Liebe Frau in Fatima empfahl.

Wir können es nicht unterlassen, daran zu erinnern, daß der Rosenkranz das große Gebet des christlichen Volkes war, das oft nicht ein anderes Gebet zu ver­richten weiß. Der Rosenkranz war so tief in den Gebräuchen unseres Volkes ver­wurzelt, daß ihn die Hirtenkinder vor ihren Spielen beteten, wenn sie es auch sehr unvollkommen machten.

Nur die Routine kann verursachen, daß man den Reichtum dieses Gebetes aus dem Auge verliert. Weder hört das „Vaterunser“ auf, weil wir es alle Tage beten, uns das vollkommenste inspirierte Gebet zu scheinen, jenes, in dem unser Herr das Beste ausdrückte, um das wir Gott bitten können. Noch hört auch das „Ge­grüßet seist Du, Maria“ auf, weil wir es öfters wiederholen, den Zauber der Ver­kündigung der Fleischwerdung zu besitzen.

Die Betrachtung der Geheimnisse unserer Erlösung, harmonisch mit dem münd­lichen Gebet verbunden, kann aus dem Rosenkranz eine der vollkommensten und vollständigsten Zusammenstellungen von Einzel- oder Gemeinschaftsgebeten des christlichen Volkes machen.

Das Konzil fordert im achten Kapitel der Konstitution „Lumen Gentium“ die Kinder der Kirche auf, „die Gebräuche und die Übungen der Andacht hochzu­schätzen, die zu Ehren der Seligen Jungfrau das Lehramt der Kirche im Laufe der Jahrhunderte empfahl“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“, N. 67). Nun, der Rosenkranz zählt in seiner Geschichte wenigstens 44 (vierundvierzig) Päpste, die ihn lobten und empfahlen in mehr als 200 (zweihundert) Dokumenten. Noch vor kurzem sagte der Heilige Vater Paul VI. in einem Rundschreiben an die Bischöfe der ganzen Welt folgendermaßen: „Weil sich gerade eine gute Gelegenheit bietet, unterlaßt es nicht, mit aller Liebe zum Rosenkranzgebet aufzufordern, zu dem Gebet, das der Gottesmutter so teuer ist und das von den Päpsten so empfohlen wurde. Dieses Gebet läßt die Gläubigen sehr leicht und wirksam das Gebot des göttlichen Meisters befolgen: ‚Bittet, und es wird euch gegeben werden, sucht, und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan‘ (Mt 7, 7).“ (Paul VI., Enzyklika „Mense Maio“ vom 30. April 1965, AAS 57 [1965], Seite 357.)

Dieser Ausspruch des Papstes gehört zu den schönsten Lobpreisungen, die man über den Rosenkranz machen kann, weil er ihn das »sehr leichte und wirksame“ Gebet nennt; dieses Wort ist echtes Zeugnis des Denkens der Kirche über den Rosenkranz Unserer Lieben Frau und auch klarer Beweis der Gegenwartsbedeu­tung der Botschaft Fatimas.

5.

Die Botschaft Unserer Lieben Frau ist jedoch mehr als eine Botschaft des Ge­betes, eine Botschaft der Buße in dem ganz konkreten Sinn von Reue und Besse­rung unseres Lebens.

Am Nachmittag eben dieses 13. Oktobers (1917) antwortete Lucia auf die Frage, die man ihr stellte, folgendermaßen: „Und was sagte Unsere Liebe Frau?“ „Sie sagte, daß wir uns bessern sollten, daß wir den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollten . . . Sie sagte, daß wir den Rosenkranz beten und uns bessern sollten.“ (Befragung, ausgeführt durch den hochwürdigsten Domherrn Manuel Nunes Formigão [„As Grandes Maravilhas de Fátima“ „Die großen Wunder Fatimas“, Seite 99].)

Die Sünde ist Mißbrauch der Freiheit des Menschen, ist Aufruhr gegen den Willen Gottes, wie jüngst das Konzil erinnerte (Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“, N.13); deshalb wird das echte Heilmittel für die Sünde und ihre Folgen die Besserung sein, das heißt die Rückkehr zu Gott, die durch die treue Pflichterfüllung eines jeden Tages zum Ausdruck gebracht wer­den muß: „Die Leute sollen nicht mehr unsern Herrn beleidigen!“

Die Botschaft Unserer Lieben Frau stimmt mit der christlichen Offenbarung überein. Johannes der Täufer forderte am Jordan von seinen Zuhörern, daß sie ihr Leben besserten, weil sich das Reich Gottes näherte (Mt 3, 2). Unser Herr be­gann Sein Predigtwerk, indem Er dieselbe Sache verkündete (Mt 4, 17).

Die Buße der Botschaft Fatimas, genauso wie die der Predigt Johannes‘ des Täufers und von Christus selber, ist die Lebensänderung, ist das Aufgeben unserer irrigen Denkungsart und unserer Haltung, die dem Willen Gottes entgegengesetzt ist. Das ausdrucksvollste Wort, um diese Wirklichkeit zu bezeichnen, ist noch jenes, das die Seherkinder selbst uns berichten: Besserung. „Sie sagte, daß wir uns bes­sern sollten.“

Unsere Liebe Frau erbat auch körperliche Bußübungen als Sühne für die Sün­den der anderen, jedoch Ihr größtes Drängen verlegte Sie auf die Lebensbesserung, auf die echte und wirksamste Buße, die wir vollziehen können und müssen.

Und auch in diesem Punkt freut es uns, die Eintracht der Botschaft Fatimas mit der Lehre der Kirche hervorzuheben. Als Paul VI. ein Konzilsjubiläum ver­kündete, sagte er: „Wir erhoffen von allen Gläubigen jene Umwandlung der Seelen, die man nur im Innersten eines jeden Menschen erlangen kann.“ (Paul VI., Apostolische Konstitution „Mirificus eventus“ vom 7. Dezember 1965, AAS 57 [1965], Seite 945.)

In diesem Sinne müssen wir auch jene Erneuerung oder jenes aggiornamento verstehen, das die Kirche als Frucht des Konzils erstrebt. Es genügen nicht die Änderungen in den äußeren Ausdrucksformen des christlichen Lebens, was mehr wiegt, ist ohne Zweifel die Erneuerung des Menschen im Innern seiner Seele, die vollkommene Übereinstimmung seines Denkens und Fühlens mit dem Willen Gottes und der Lehre der Kirche.

6.

Die Wallfahrten nach Fatima sind ein großartiges Zeugnis von Gebet und Buße, sie sind vor allem ein stürmischer Appell zur Sühne für die Bekehrung der Sünder. Die Pilger lenken ihre Schritte zu den Beichtstühlen während des ganzen Tages und der ganzen Nacht, vertiefen sich in der Anbetung des euchari­stischen Herrn und empfangen in großer Zahl das Brot des Lebens in der Messe der „Allgemeinen Kommunion“. Und das Gebet, das während aller dieser religiö­sen Handlungen am meisten im ganzen Heiligtum zu hören ist, lautet: „Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich; ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht an­beten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.“

Das ist einer der großen Reichtümer der Botschaft Fatimas. Unsere Liebe Frau zeigte ihn noch besser, als Sie die Andacht zu Ihrem Unbefleckten Herzen durch die Sühnekommunion empfahl.

Die Hirtenkinder verstanden so ausgezeichnet diesen Aspekt der Botschaft, daß sie sich mit außergewöhnlicher Großmut der Ausübung der Buße für die Bekehrung der Sünder hingaben. Es ist dies eine der eindrucksvollsten Seiten ihres Lebens nach den Erscheinungen. Ihr Beispiel riß viele Seelen mit sich, schuf eine echte Sühnebewegung, die sich sehr fein in das christliche Geistesleben einordnet.

7.

Seine Eminenz Kardinal Arcadio Larraona, Präfekt der heiligen Ritenkongre­gation, erklärte in der Homilie, die er in Fatima am 13. Mai 1963 hielt, folgendes: »Nie gab es eine übernatürliche Offenbarung Unserer Lieben Frau von so reichem geistigem Inhalt wie die von Fatima, noch überbrachte uns irgendeine (von der Kirche) anerkannte Erscheinung eine so klare, so mütterliche und so tiefe Botschaft wie diese (von Fatima)“ („Novidades“ vom 14. Mai 1963).

Wenn wir daran denken, daß nach Fatima die Menschenmengen zusammen­strömen, nicht nur von Portugal, sondern auch von der ganzen Welt, wenn wir daran denken, daß sich dort wahrhaftig ein Altar der Welt erhob, dann können wir es nicht unterlassen, die Pläne des Herrn zu bestaunen, der Seine Mutter zur portugiesischen Erde sandte, um uns zu helfen und zu retten.

Jene Vermittlung oder jener mütterliche Einfluß Mariens, den die christliche Überlieferung immer anerkannte und den das Konzil so lichtvoll darlegte (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“, N. 62), übt sich dort in handgreiflicher Weise aus.

Wenn es auch Wahrheit ist, daß einige nach Fatima kommen, weil sie dazu von einem oberflächlichen Sentimentalismus angetrieben werden, und nicht dahin gelangen, sich von der Botschaft der Herrin durchtränken zu lassen, so finden dort viele andere die Gnade, die ihnen die menschliche Rücksicht bricht, die in ihnen den Widerstand der Sünde besiegt, das geistliche Leben erneuert und sie oftmals in wahre Apostel umwandelt.

Die Geschichte von Fatima ist nicht nur mit den sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen gemacht, die im Verlauf der Erscheinungen festgestellt wurden, oder mit den Wundern, die sich während der Wallfahrten ereigneten; die Geschichte Fatimas ist hauptsächlich mit diesen geheimnisvollen Wundern auferbaut, die sich im Innersten der Seelen vollzogen, in den geistlichen Übungen, in der euchari­stischen Anbetung, im Empfang des Bußsakramentes. Man fühlt da die Anwesenheit Mariens in Ihrer tätigen Vermittlung, um ohne Unterlaß für die Seelen die Gaben des ewigen Heiles zu erlangen.

Und es ist nicht nur in Fatima, daß Sie wirkt. Ihr Bildnis durchpilgert alle Teile Portugals und viele der ganzen Welt. Überall, wo Sie vorbeizieht, ist Ihre Anwesenheit wahrnehmbar. Es beglückt uns, hier die denkwürdigen Worte Papst Pius‘ XII. bezüglich dieser einzigartigen Wallfahrt zu zitieren: „Auf ihrer (der Pilgerstatue) Reise durch Amerika wie durch Europa, durch Afrika, durch Indien, durch Indonesien und Australien regnete es Segen vom Himmel, vervielfältigten sich Ihre Gnadenwunder in einem solchen Maße, daß Wir kaum glauben können, was Unsere Augen wahrnehmen. Nicht nur die guten und gehorsamen Kinder der Kirche verdoppeln ihren Eifer, auch die verlorenen Kinder werden vom Heim­weh zur Mutterliebe übermannt und kehren heim zum Vaterhaus. Selbst in den Ländern, wo das Licht des Evangeliums kaum zu leuchten begann, erwarten— wie konnte einem der Gedanke daran kommen? — viele Menschen, noch umfangen vom Schatten des Irrtums, mit der gleichen Inbrunst wie die Gläubigen Ihren Besuch, jubeln Ihr in stürmischer Freude zu, verehren Sie, rufen Sie an und empfangen erlesene Gnaden. Unter dem mütterlichen Blick der himmlischen Pilgerin gibt es keinen Widerstreit der Nationen und Rassen, der spaltet; keine Grenzen, die trennen; keine Interessengegensätze, die verfeinden. Alle schätzen sich in diesem Augenblick glücklich, sich als Brüder zu erkennen. Ein einzigartiges Schauspiel, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.“ (Pius XII., Radioansprache über Fatima beim Abschluß des Heiligen Jahres am 13. Oktober 1951, AAS 43 [1951], Seite 801.)

Maria zieht die Seelen nach sich, wie kein anderer es zu machen imstande ist. Sie ist die große Missionarin, die das Evangelium vielen bringt, die es noch nie hörten, und die die Sünder in die Arme der Barmherzigkeit des Herrn fallen macht.

8.

Wir sind daran, die Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau in der Cova da Iria zu begehen.

Dieses Datum bietet uns eine außergewöhnliche Gelegenheit, eine tiefe Er­neuerung des christlichen Lebens in den Seelen im Lichte des Ökumenischen Kon­zils und der Botschaft Unserer Lieben Frau zu unternehmen.

Es werden feierliche Handlungen von äußerem Kult, Wallfahrten, Kongresse usw. veranstaltet werden, die vor den Augen der Welt den echten Sinn der Bot­schaft Fatimas herausstellen werden.

Diese Feierlichkeiten werden jedoch sicherlich nicht jenes Gesamtziel erreichen können, das man erwarten darf. Die Kongresse müssen glänzende Ausgangspunkte sein, Augenblicke tiefschürfenden Studiums des wertvollen Inhaltes der Botschaft Unserer Lieben Frau. Die Wallfahrten werden Gipfelpunkte sein, in denen sich öffentlich und gemeinsam die christlichen Gesinnungen unseres Volkes ausdrücken. Das Konzil zeigte in seinem Dekret über das Apostolat der Laien mit außer­gewöhnlichem Reichtum des Ausdrucks, wie „allen Christen also die herrliche Last auferlegt wird, daran mitzuwirken, daß die göttliche Heilsbotschafl von allen Menschen überall auf Erden erkannt und angenommen wird“. (Zweites Vatikani­sches Konzil, Dekret „Apostolicam actuositatem“, N. 3.)

Diese Arbeit kann nur in einer gänzlichen Vereinigung aller Kräfte geleistet werden, die alle Seelen guten Willens verpflichten möge, die Priester, die Ordens-

Leute und die Laien, alle Werke, Organismen und Bewegungen des Apostolates, besonders die Katholische Aktion, die bei uns als Schutzherrin Unsere Liebe Frau von Fatima besitzt. Es wird eine echte allgemeine Mission sein müssen, die ver­schiedene konkrete Formen der Verwirklichung entsprechend den Umständen und den Möglichkeiten des jeweiligen Milieus annehmen können wird, die jedoch immer ein gemeinsames Ziel verfolgen wird, das wir gern in drei Punkten zum Ausdruck bringen wollen, die wir nun anschließend angeben.

9.

Das Leben in der Gnade muß das höchste Ziel unserer apostolischen Arbeit bilden. Der Herr faßte das Werk der Erlösung so zusammen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben“ (Jo 10, 10).

Die äußere Organisation der Kirche, das Priestertum, die Sakramente, die Werke des Apostolates, all das sind Mittel, die sich ausrichten müssen auf dieses Ziel hin, auf das Leben in der Gnade. Wenn wir dabei zum Stillstand kommen würden, bevor wir es erreichten, wären unsere Anstrengungen nutzlos.

Die Botschaft Unserer Lieben Frau an die Hirtenkinder in der Cova da Iria wirft entschlossen und aus voller Kraft dieses Problem auf: „Die Leute sollen unsern Herrn nicht mehr beleidigen!“ Der Krieg ist Strafe für die Sünde in dieser Welt und, falls es keine Besserung gäbe, wird das endgültige Strafgericht die nicht wieder gutzumachende ewige Verdammnis der Hölle sein. Wenn Unsere Liebe Frau bittet, daß man den Rosenkranz bete, damit der Krieg aufhöre, dann löst Sie eine große Offensive des Friedens aus, der nicht nur der Friede der Waffen ist, sondern hauptsächlich der Friede der Seelen mit Gott.

„Nie wieder Krieg!“ proklamierte der Heilige Vater Paul VI. in seiner Bot­schaft an die Welt in der größten Versammlung der Nationen (Paul VI., An­sprache in den Vereinten Nationen am 4. Oktober 1965, AAS [1965], Seite 881). „Nie wieder Krieg!“ ist in Wahrheit das Bestreben aller Menschen guten Willens.

„Nie wieder Sünder : das muß das höchste Ziel aller Anstrengungen nach Er­neuerung des christlichen Lebens im Lichte des Konzils und der Botschaft Fatimas sein, um den vollen Frieden der Menschen untereinander und mit Gott zu erlangen. Jede Todsünde, die wir vermeiden können, jede Seele, die wir zur Versöhnung mit Gott bringen können, ist ein gewaltiger Schritt auf dem Weg zum Frieden.

10.

Nach diesem höchsten Ziel, und in gewisser Weise als Mittel, um es zu er­reichen, wollen wir die Heilighaltung des Tages des Herrn angeben.

Wenn wir gut achtgeben würden auf die Lesung der Heiligen Schrift, dann würden wir erkennen, daß die ganze biblische Beschreibung des Schöpfungswerkes sich auf die abschließende Erklärung hin ausrichtet, daß der Herr am siebten Tag ausruhte und daß Er uns das grundlegende Gebot gab, daß auch wir nach Seinem Bild und Gleichnis ausruhen sollten.

Das war eines der Gebote des Alten Testamentes, auf dem der heilige Gesetz­geber am meisten bestand, so sehr, daß Er furchtbare Strafen über den verhängte, der es verletzten sollte.

Im Neuen Testament besitzt die Heilighaltung des Sonntags neben dem all­gemeinen Zweck der physischen Ruhe und der Gottesverehrung den besonderen Charakter der Feier der Auferstehung Christi. Jeder Sonntag ist so die Erneue­rung des Ostergeheimnisses. „An diesem Tag müssen die Christgläubigen zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und so des Leidens, der Auferstehung und der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu gedenken und Gott Dank zu sagen, der sie ,wiedergeboren hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten‘ (1 Petr 1, 3). Des­halb ist der Herrentag der Ur-Feiertag, den man der Frömmigkeit der Gläubigen eindringlich vor Augen stellen soll.“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution „Sacrosanctum Concilium“, N. 106.)

Wir sagen Gott Dank für die christliche Art, wie man im allgemeinen unter uns noch den Sonntag feiert, wir wollen aber unsere Anstrengungen verdoppeln, damit der Tag des Herrn immer mehr der gemeinschaftsfördernde Tag des Volkes Gottes sei, an dem man außer den Kulthandlungen reichlich die Werke der Liebe und des Apostolates durchführt.

11.

Und wir wollen es nicht unterlassen, auch als Ziel unserer apostolischen An­strengungen in der gegenwärtigen Stunde das große Werk der Heiligung der Familie vorzubringen.

Der einzigartige Umstand, daß in den letzten Erscheinungen am 13. Oktober (1917) nach dem Dialog der Herrin mit den Hirtenkindern sich am Himmel von Fatima die Heilige Familie offenbarte, scheint von der christlichen Familie zu sprechen.

Wir wollen hier an all das erinnern, was wir in unserem Hirtenbrief vom 11. Oktober 1964 sagten. In der Tat, die Familie ist die Zelle der zivilen Gemein­schaft und auch die natürliche Zelle sogar der christlichen Gemeinschaft.

Die Gnade zerstört nicht die Natur, sondern vervollkommnet sie. Die Ehe wurde durch Christus zur Würde eines Sakramentes erhoben, das Zeichen und Mittel der heiligmachenden Gnade für die Brautleute ist, die es sich gegenseitig spenden, und für die Kinder, die deren Frucht sind.

Das Konzil richtet sich wiederholt an die christliche Familie, um sie an ihre Würde zu erinnern und die Hoffnung zu bekunden, die es in sie als mächtiges Werkzeug der gesellschaftlichen Erneuerung niederlegt. Die Würde der christlichen Familie wird in den Konzilsdokumenten mit der wahrhaft liebevollen Bezeichnung „Hauskirche“ sogar zum Ausdruck gebracht. (Zweites Vatikanisches Konzil, Dog­matische Konstitution „Lumen Gentium“, N. 11.)

Die Organisationen des Apostolates haben sich in letzter Zeit in intensiverer Weise in die Probleme der Heiligung der christlichen Familie vertieft. Wir be­nutzen gerne diese Gelegenheit, um die verwirklichten Anstrengungen in der großen Familienkampagne zu loben, und gleichzeitig ermuntern wir die verdienst­vollen Mitarbeiter an unserer apostolischen Mission, ihre Arbeiten fortzusetzen, weil das eine der Kampagnen ist, die man nie als beendet betrachten kann.

12.

Und nachdem wir auf diese Weise drei Punkte aufgezeigt haben, die das End­ziel von allem bilden müssen, was wir unternehmen werden, um die Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau zu begehen, fühlen wir noch die Notwendigkeit, einige Mittel einzeln aufzuzählen, die uns sehr nützlich scheinen, um dieses Ziel zu erreichen.

Mögen die Feste und Wallfahrten zu Ehren Unserer Lieben Frau immer mehr in ihrem geistlichen Gehalt in Übereinstimmung mit der Botschaft Fatimas erneuert werden. Wenn man auch bei bestimmten Umständen Elemente zulassen kann, die die äußere Freude fördern, so mögen doch ganz und gar diese Feste und Wallfahrten dazu benutzt werden, um die Seelen zur Gnade der Sakramente zu rufen. Man möge sogar in dem Maße, als es die christliche Klugheit angibt, ge­meinsame Sühnehandlungen für die Sünden, die begangen werden, fördern. In den christlichen Familien werde immer mehr die Gewohnheit des Gebetes in der Gemeinschaft erweckt. Ein lebendiges, bewußtes Beten, in dem sich die Gefühle aller aufrichtig ausdrücken, ist eine wunderbare Schule der christlichen Formung. Der Rosenkranz, der so sehr von Unserer Lieben Frau den Hirtenkindern emp­fohlen worden war und so sehr noch vor kurzem vom Papst herausgestrichen wurde, wenn er in den konkreten Anliegen der Familiennöte und in der Anwen­dung der Geheimnisse gelebt wird, die man betrachtet unter den Umständen eines jeden einzelnen, kann die beste Form sein, das Familiengebet zu verrichten. Man möge in den Seelen die Freude an der heiligen Kommunion wachrufen. Der häufige Empfang der Sakramente wird viel zur Erneuerung des christlichen Lebens bei­tragen, wenn er von den richtigen Dispositionen begleitet sein wird, vor allem von der Gebetspraxis. Man möge besonders beim Kommunizieren auf der Absicht, Sühne zu leisten, bestehen, um in den Seelen das Verlangen zu erwecken, dem Herrn einen Ersatz für jene anzubieten, die nicht glauben, nicht anbeten, nicht hoffen und nicht lieben.

13.

Die Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau auf portugie­sischer Erde ist eine äußerst günstige Gelegenheit, die wir ausnutzen wollen, um dem Herrn für den Gnadenregen zu danken, den Er auf uns durch die mitleidigen Hände Seiner und unserer Mutter herabsteigen ließ.

Wir sind uns der hervorragenden Auszeichnung bewußt, deren Ziel wir waren, und auch der Verantwortung, die sie darstellt. Darum danken wir und erflehen gleichzeitig die Gnade, den Plänen, die der Herr über Sein portugiesisches Volk hat, auf die treueste Weise, die uns möglich ist, zu entsprechen.

Indem wir Ihr unser Kinderherz öffnen, bitten wir die himmlische Mutter, daß Sie für uns zu Jesus sprechen möge.

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz von Fatima, wir lobpreisen und benedeien Dich wegen der Gnaden, mit denen Dich der Herr bereicherte. Durch das Privileg Deiner Unbefleckten Empfängnis und durch die Gnade Deiner göttlichen Mutter­schaft bist Du gebenedeit unter allen Frauen.

Wir lobpreisen und benedeien Dich, weil Du die Mutter der Kirche bist, und mit der Seele voll Jubel nennen wir Dich unsere Mutter.

Wir danken Dir für den besonderen Schutz, den Du immer unserer portugie­sischen Erde geweiht hast, und wir anerkennen, daß Du uns in den schwierigen Stunden unserer Geschichte immer beschirmt hast. Wir wollen, daß unser Vater­land immer Dein Land sei.

Wir danken Dir ganz besonders dafür, daß Du Fatima zu Deinem Altar und die drei Hirtenkinder unseres Volkes zu Deinen Botschaftern erwählt hast.

Hilf uns, wir bitten Dich, Deiner Botschaft von Gebet und Buße treu zu sein. Wir wollen die christlichen Traditionen aufrechterhalten, die unsere Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte ansammelten, die Reinheit der Sitten, die Heiligkeit der Familie, die Andacht zu Deinem Unbefleckten Herzen und zu Deinem Sohn im heiligsten, Sakrament der Eucharistie und die Treue zur Kirche.

Wir wollen fortfahren, Missionare des Evangeliums zu sein, und wollen jetzt lebendige Zeugen der Botschaft sein, die Du den Hirtenkindern unserer Erde an­vertraut hast.

Hilf uns, heiligste Mutter, die Pläne Gottes über uns zu verwirklichen. Erlange uns von Deinem göttlichen Sohn viele und heilige Priester-, Ordens- und Missions­berufe, Apostelseelen, selbst Laien, die sich hochherzig dem Dienst der Kirche weihen. Und unterstütze mit Deinem mütterlichen Schutz diese Berufe, damit sie stark und froh in ihrer Schenkung an den Herrn ausharren.

Verteidige den Heiligen Vater, den sichtbaren Stellvertreter Deines Sohnes bei uns, und erlange für die Gesamtkirche die Gnade der Einheit.

Schließlich bitten wir Dich um die Gnade des Friedens. In der Welt gibt es Krieg; verschiedene Nationen, und unter ihnen unser Vaterland, haben ihre Ge­biete im Zustand des Zerrissenseins und ihre Söhne im Ausgeliefertsein an den gewaltsamen Tod durch die Waffen. Mögen der Haß und die Kämpfe zwischen den Menschen aufhören. Lieben wir uns alle als Brüder und Kinder Gottes!

Mittlerin aller Gnaden, Königin des Friedens, bitte für uns!

Im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Fatima, am 29. Juni (1966), Festtag der heiligen Apostel Petrus und Paulus.

(Hier folgen die Unterschriften aller Bischöfe Portugals.)

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Quelle: P. Hermann Netter SVD – 50 Jahre Fatima, Seiten 138-148

BISCHOF DR. RUDOLF GRABER: AM VORABEND DES KONZILS (01)

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1917

DAS ENTSCHEIDUNGSJAHR
IN DER ERSTEN HÄLFTE DES 20. JAHRHUNDERTS

Anläßlich des 40. Jahrestages der Erscheinungen von Fatima lohnt es sich, einen Blick in dieses sturmbewegte Jahr auf der Scheitelhöhe des Ersten Weltkrieges zu werfen. In der historischen Zeitschrift „Saeculum“ ist nämlich ein bedeutsamer Artikel erschienen von Erwin Hölzle unter dem Titel „Formverwandlung der Geschichte – das Jahr 1917″ (Bd. VI [1955] 329-444). Hier wird dieses entscheidende Jahr rein unter dem welt- bzw. geistesgeschicht­lichen Gesichtspunkt gewertet und als der Anfang eines „Zeitalters der Weltideologien“ (S. 336) betrachtet. Denn in diesem Jahr schalten sich von Westen her die Vereinigten Staaten von Amerika durch ihre Kriegserklärung an Deutschland vom 6. April in die Geschichte Europas ein, während im Osten der Ausbruch der bolschewistischen Revolution in Rußland (7. Novem­ber 1917) jene zweite ideologische Macht auf den Plan ruft, die seitdem nicht bloß unseren Kontinent, sondern die ganze Welt in ständige Unruhe versetzt. Zwischen diesen beiden die weitere Geschichte wesentlich bestimmenden Ereignissen liegen nun die Erscheinungen Mariens in Fatima vom 13. Mai bis 13. Oktober, die sich – rein historisch gesehen – zunächst einmal auf diesem rein natürlichen Hintergrund als eine Art „dritte Kraft“ präsentieren gegen­über der westlichen freimaurerischen Ideologie und dem russischen Bolsche­wismus. Gott will durch die Erscheinungen Mariens uns zeigen, daß er auch jetzt und gerade jetzt der Herr der Geschichte ist und daß wir in dem nun anhebenden Zeitalter der „Glaubenskämpfe“ (Hölzle a. a. 0. S. 337) nicht verlassen sind, sondern uns des stärksten Schutzes erfreuen dürfen, derer nämlich, die von jeher die Hilfe der Christen ist – wenn wir das Unsere tun.

Die westliche Gefahr

Es ist soeben das Wort „freimaurerisch“ gefallen. Vielleicht wendet jemand ein, daß die Botschaft von Fatima doch nichts mit diesem Freimaurertum zu tun hat. Man sollte indessen nicht übersehen, daß das ganze Ereignis von Fatima sich zunächst sogar gerade gegen diesen kirchenfeindlichen Geist der portugiesischen Regierung richtete und daß die Bezugnahme auf Rußland erst einer späteren Zeit vorbehalten blieb. Die Loge jedoch hat frühzeitig Fatima den Kampf angesagt, und es ist ja hinlänglich bekannt, wie der frei­maurerische Bezirksvorsteher Arturo Santos im August 1917 gegen die Seher­kinder vorging, um die für den 13. dieses Monats vorgesehene Erscheinung unmöglich zu machen. Und schließlich ist die Wiederverchristlichung Portu­gals und die Zurückdämmung des Logeneinflusses auf das öffentliche Leben des Landes sicherlich nicht das geringste Wunder, das die Erscheinungen von Fatima auslösten.

Die bolschewistische Gefahr

Trotzdem ist und bleibt Fatima eine Kampfansage vor allem gegen den Bolschewismus. Es berührt uns ganz seltsam, wenn man heute z.B. in den früheren Jahrgängen der „Augsburger Postzeitung“ blättert und dort am 5. April 1917 liest: „Eine Meldung aus Zürich besagt, daß der in der Schweiz ansässige Sozialistenführer Linin (!) heftig Kerenski angreift, und daß Rußland am Vorabend einer zweiten Revolution stehe“, oder wenn am 16. April aus Berlin gemeldet wird, daß „fünf Führer der Leninschen Sozialistengruppe mit diesem an der Spitze laut Vossischer Zeitung in Stockholm eingetroffen seien und nach Petersburg weiterreisen“. Fürwahr eine Reise von welt­geschichtlichem Ausmaß. Um die gleiche Zeit, als die Bolschewiki in Rußland immer mehr die Macht an sich reißen, spricht Maria in Fatima am 13. Juli von diesem fernen Rußland, von seinen Irrtümern und Kriegen, die es entfesseln wird, von dem Martyrium vieler Guter und den Leiden des Heiligen Vaters, schließlich auch von der Vernichtung mehrerer Nationen und freilich auch von der Bekehrung Rußlands, wenn man ihre Wünsche erfüllt. Schon allein dieses seltsame Zusammentreffen der Ereignisse, wie überhaupt die Tatsache, daß ungebildete Hirtenkinder hier den Namen eines Landes vernehmen, das ihnen völlig unbekannt ist, spricht für die Wahrheit und den Wundercharakter dieser ganzen Geschehnisse. Aber ist es nicht im höchsten Grade seltsam, daß, wie oben bemerkt, ein nüchterner Historiker ausgerechnet mit dem Jahr 1917 das Zeitalter der Weltideologien beginnen läßt, wobei er nicht im mindesten an Fatima dachte? Und wenn dieser Historiker von „Glaubenskämpfen“ spricht, so gewinnt dieses Wort im Lichte von Fatima erst seine tiefste Be­deutung; denn tatsächlich sind wir mit dem Jahr 1917, mit dem Jahr der bolschewistischen Revolution, in eine Ära der Glaubenskriege eingetreten. War doch auch der Zweite Weltkrieg schon ein solcher Kampf, in dem es nicht bloß um den Führungsanspruch in Europa ging, sondern um den Austrag von Weltanschauungen, so würde ein dritter Weltkrieg – was Gott verhüten wolle – noch mehr den Charakter eines Glaubenskrieges an sich tragen.

Die Botschaft des Friedens

Die Gottesmutter ist indessen zu Fatima nicht erschienen, um zu einem Kreuzzug aufzurufen, sondern gerade um der Menschheit den Frieden zu schenken. Und hier stehen wir wieder vor einer Reihe von seltsamen Ent­sprechungen auf der politischen Weltbühne, die den Wundercharakter Fatimas noch mehr unterstreichen. Bedenken wir doch folgendes: Während die Mutter Gottes vom nahen Kriegsende spricht und zugleich die Bedingungen angibt, unter denen ein dauernder Friede möglich ist, überschneiden sich die ver­schiedensten Friedensaktionen der Kabinette.

Am 29. Januar 1917 hatte Kaiser Karl von Österreich einen Friedensfühler ausgestreckt über die Person des Prinzen Sixtus von Bourbon-Parma; die Verhandlungen, die sich dann zerschlugen, zogen sich bis in den Sommer dieses Jahres hin. Bedeutsam aber war eine Note der päpstlichen Kurie vom 13. (!) Juni, in der die Kurie an die Reichsregierung das Ersuchen stellte, die deutschen Friedenswünsche mitzuteilen. Auf Grund der dadurch aus­gelösten Verhandlungen erließ dann Papst Benedikt XV. seine Friedensnote vom 1. August, in der er alle Völker und Regierungen zur Herbeiführung eines gerechten und dauerhaften Friedens aufforderte. Über das geschäftige Hin und Her, das daraufhin in allen Hauptstädten einsetzte, und über das unehr­liche Spiel, das da gespielt wurde, kann man sich überall in den einschlägigen historischen Werken orientieren. Als England, das bis zuletzt auf eine günstige Antwort der deutschen Reichsregierung betreffs seiner Kriegsziele gewartet hatte, seine Akten über dieser tragischen Episode schloß, geschah dies am 13. Oktober (!) 1917. Es war dies der Tag der letzten Erscheinung Mariens in Fatima. Wieder einmal hatte sich das Wort bewahrheitet: „Wenn du doch gerade an diesem deinem Tage erkannt hättest, was dir zum Frieden dient. Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen“ (Lk 19, 42). Am 5. Mai 1917 hatte der Stellvertreter Jesu Christi auf jene hingewiesen, von deren Ver­mittlung er den Frieden erwartete, auf die Gottesmutter, und hatte verfügt, daß von nun an die Anrufung „Königin des Friedens – bitte für uns“ für immer in der Lauretanischen Litanei eingefügt bleibe.

Papst Pius XII. und Fatima

Im höchsten Grade auffallend ist es jedoch, daß derjenige, der diesen Friedens­schritt des Papstes verwirklichen sollte, am 13. Mai 1917, also am ersten Erscheinungstage Mariens, in der Sixtinischen Kapelle in Rom zum Bischof geweiht wurde. Es war der damals schon zum Nuntius in München bestimmte Msgr. Pacelli, unser heutiger Heiliger Vater. Nur mit tiefer Bewegung liest man in der „Augsburger Postzeitung“ vom 15. Mai 1917 die folgende Meldung, die natürlich nicht im mindesten die Bedeutung dieses Ereignisses und erst recht nicht die dieses Tages erkennen läßt: „Basel, 14. Mai. Die Agenzia Stefani berichtet unter dem 13. Mai aus Rom: Heute morgen erteilte der Papst dem zum Apostolischen Nuntius in Bayern ernannten Monsignore Pacelli die Bischofsweihe.“ So feiern wir heuer nicht bloß die Vierzigjahrfeier der Erscheinungen von Fatima, sondern auch die 40. Wiederkehr der Bischofsweihe unseres Heiligen Vaters, und zwar einer Bischofsweihe, die ganz im Dienste stand einer Friedensmission, die von München aus ihren Ausgang nehmen und dann später dem ganzen Pontifikat des späteren Papstes ihre besondere Note geben sollte.

Die Rettung des Abendlandes

So bedeutet denn der 13. Mai dieses weltgeschichtlich entscheidenden Jahres 1917 einen deutlich vernehmbaren Ruf Gottes. Was an diesem Tag in Fatima geschieht, erfährt am gleichen Tag in Rom gleichsam seine sakramentale Besiegelung in der Bischofsweihe unseres Heiligen Vaters mit dem Ziel einer Befriedung der Welt durch die Bekämpfung und Überwindung der christen­tumsfeindlichen Ideologien in Ost und West. Wie so oft in der Geschichte verschmelzen die Gottesmutter und das Papsttum zu einer Einheit; das liegt unausgesprochen, aber doch zum Greifen nahe in diesen beiden Ereignissen von Fatima und Rom. Daß diese beiden Orte, durch die Zeit geeint, im Abend­land liegen, gibt uns die frohe Hoffnung, daß wir noch nicht den Untergang des Abendlandes zu fürchten brauchen. Und um zum Schluß nochmals die Bedeutung dieses Schicksalsjahres der Geschichte voll und ganz abzurunden: Oswald Spengler, der Philosoph des Unterganges, hatte sein epochemachendes Werk „Der Untergang des Abendlandes“ im Frühjahr 1917 vollendet und mit dem Vorwort vom Dezember 1917 abgeschlossen. Er konnte nicht wissen, daß in den Monaten, in denen er die letzte Hand an sein Werk legte, vom Ufer des Jenseits her jene Macht sich geoffenbart hatte, die nicht bloß das Leben des Einzelmenschen gewährleistet, sondern auch das Leben der Völker, wenn sie nur auf den hören wollen, der allein „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist. In den Lesungen der Kirche spricht Maria das Wort: „Wer mich findet, findet das Leben und schöpft das Heil vom Herrn.“ Wird das Abend­land ihren Mahnruf beherzigen? Das ist die große, bange Frage gerade heute nach 40 Jahren. Oder gilt von diesen 40 Jahren, was Gott im Psalm 94 täglich durch den Mund der Kirche uns sagen läßt, indem er auf die 40 Jahre der Wüstenwanderung Israels Bezug nimmt: „Vierzig Jahre hatte ich Verdruß mit diesem Geschlecht und sprach: Sie sind ein Volk mit irrem Geist. Sie achten nicht auf meine Wege. So schwur ich denn in meinem Zorn: Sie sollen nie zu meiner Ruhstatt kommen.“ Aber noch ist es nicht zu spät. Noch können wir die große Umkehr vollziehen, zu der uns Maria aufforderte und zu der uns der Völkerhirt am Tiberstrand mit eindringlichen, ja beschwörenden Worten beinahe täglich ermahnt. Mögen heute, 40 Jahre nach Fatima und seiner Bischofsweihe, vom Papst Unserer Lieben Frau von Fatima jene Worte gelten, die er selber am Heiligen Abend 1945 dem großen Kirchenlehrer Augustinus gewidmet hat: „Da er den anhebenden Untergang einer Welt sah, die er so liebte, stärkte ihn jenes Licht, und in seinem Aufdämmern begrüßte er wie in einer seherischen Schau das junge Morgenrot eines schöneren Tages.“

40 JAHRE
„KÖNIGIN DES FRIEDENS,
BITTE FÜR UNS !“

Das entscheidungsreiche Jahr 1917, das weltpolitisch den Ausbruch des Bolschewismus brachte und innerkirchlich durch die Erscheinungen Mariens zu Fatima gekennzeichnet ist, weist noch ein anderes marianisches Ereignis auf. Am 5. Mai 1917 verfügte Papst Benedikt XV. in einem Schreiben an den Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri, daß von nun in die Lauretanische Litanei die Anrufung eingefügt werde: „Königin des Friedens, bitte für uns“. Seitdem sind vierzig Jahre vergangen, und wenn auch nach außen hin die Waffen schweigen, so wissen wir doch alle, wie sehr der Frieden bedroht ist. Es ist darum angebracht, daß wir dieses geschichtliche Datum von damals zum Gegenstand einer eingehenden Betrachtung machen.

Wenn man das Kalendarium der Marienfeste in aller Welt durchblättert, findet man viele Feste zu Ehren „Maria vom Frieden“. Aber auch der Titel „Königin des Friedens“ ist schon älteren Ursprungs. P. Franziskus Maria Stratmann O.P. erwähnt in seinem Buch „Regina Pacis“ (Berlin 1927), daß zwar in einer alt-irischen Marienlitanei Maria als „Vorbotin des Friedens“ gefeiert wird, er zitiert auch ein Gebet aus dem Dreißigjährigen Krieg, in dem Maria „als erlauchteste Königin des Friedens“ gegrüßt wird, er gibt aber zu, daß es ihm bis jetzt nicht gelungen ist, den Ursprung des Titels „Friedens­königin“ klarzustellen. Weiterhin spricht er von einem Fest „Regina Pacis“ vom 9. Juli, das „mancherorts gefeiert wird oder gefeiert worden ist“. Dieses Fest bestand nun tatsächlich und wurde am 7. September 1658 für die vom hl. Johannes Eudes gegründete Kongregation der heiligsten Herzen Jesu und Maria approbiert. Über andere Feste zu Ehren der Königin des Friedens orientiert das von F. G. Holweck herausgegebene Kalendarium Liturgicum Festorum Dei et Dei Matris Mariae (Philadelphia 1925).

Wichtiger als diese geschichtlichen Notizen ist für uns die Tatsache, daß schon bald nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine Reihe von Bischöfen den Apostolischen Stuhl ersuchte, es möge in der Lauretanischen Litanei nach der Anrufung der Rosenkranzkönigin angefügt werden: „Königin des Friedens, bitte für uns“. Daraufhin gab der Papst am 16. November 1915 den Bischöfen dazu die Erlaubnis, aber nur für die Dauer des damaligen Krieges. Eineinhalb Jahre später machte er aber dann diese Einfügung für immer verpflichtend.

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Quelle: Bischof Dr. Rudolf Graber: Am Vorabend des Konzils (S. 014-018), 1973