Maria Valtorta — Das wahre Leben von Jesus Christus auf dieser Welt, im Einklang mit der Bibel

Zu Beginn des Jahres 1943 war die seit neun Jahren bettlägerige Maria Valtorta von ihrem Seelenführer Pater Migliorini aufgefordert worden, ihre Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Nach anfäng­lichem Zögern hatte sie zugestimmt. Im Bett sitzend, das Schreibheft auf ihren Knien (ihr ganzer Unterkörper war gelähmt), hatte sie in weniger als zwei Monaten in einem Zuge 761 Seiten gefüllt, auf denen sie ein beachtliches literarisches Talent bezeugte und zugleich ihre Seele in schrankenlosem Vertrauen öffnete.

Sie hatte sich gleichsam von ihrer Vergangenheit freigeschrieben, als sie die sieben handgeschriebenen Hefte ihrem Beichtvater anvertraute; in demselben Augenblick begann eine ihr schon bekannte Stimme ihrem Geist eine Seite göttlicher Weisheit zu diktieren; es war das Signal einer unvermuteten Wende. Das war am Karfreitag, dem 23. April 1943.

Maria (Valtorta) hatte daraufhin die getreue Marta ins Vertrauen gezogen und sie zu Pater Migliorini gesandt, der unverzüglich zu ihr kam und sie über den übernatürlichen Ursprung des „Diktats“ beru­higte. Durch diese Billigung hatte er sie auf den Weg zu der erstaun­lichen Aktivität einer mystischen Schriftstellerin gewiesen.

Von da an schrieb sie jahrelang tagtäglich und füllte 122 Hefte, die sich den sieben der Autobiografie anschlossen.

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Außer der Autobiografie, die in einem eigenen Band herausgegeben wurde, sind die Schriften des ersten Jahres in einem Band mit dem Titel DIE HEFTE DES JAHRES 1943 zusammengefasst. Es handelt sich vor allem um Unterweisungen und Lektionen für unsere Zeiten im Blick auf die Endzeiten; sie verweisen auf die göttlichen Gebote, die als der Ausdruck der göttlichen Liebe und der göttlichen Gerech­tigkeit erläutert werden. Weitgehend aus den Heiligen Schriften schöpfend (besonders aus den Propheten- und Weisheitsbüchern des Alten Testamentes und dem Buch der Apokalypse), entwickeln sie Themen der Lehre, feiern die Gestalt der Jungfrau Maria, bezeugen die Mission der „Opferseelen“ und verdeutlichen die tägliche asketi­sche Erfahrung der Schriftstellerin, die auch himmlischer Erscheinun­gen gewürdigt wird.

Im Jahr darauf – 1944 – begann Maria Valtorta das große Werk über das Evangelium niederzuschreiben und musste zwei schmerzliche Erfahrungen durchlaufen: die vierzig Tage der Gottesverlassenheit sowie die acht Monate ihrer Evakuierung aus ihrem Hause wegen der Kriegsereignisse. Die Niederschriften dieses Jahres, mit Ausnahme der Kapitel des Hauptwerkes (Der Gottmensch) bilden den Inhalt des zwei­ten Bandes mit dem Titel DIE HEFTE DES JAHRES 1944. Außer Lektionen über Lehre und Spiritualität enthält er Episoden aus den Evangelien, Szenen über das Martyrium der ersten Christen, Fakten aus dem Leben heiliger Mystiker, Tagebuchseiten über das geistliche Leben und eine autobiografische Chronik sowie persönliche Instruk­tionen und Anweisungen.

Ab dem Jahr 1945 fuhr Maria Valtorta nicht nur fort, das Hauptwerk niederzuschreiben, das sie zu Ende brachte, und das in zehn Bänden unter dem Titel „L’Evangelo come mi è stato rivelato“ (Titel der deutschen Übersetzung: „Der Gottmensch‘), herausgegeben wurde, sondern ver­fasste auch noch zwei weitere Werke: „Das Buch von Asarja“ und die „Lektionen über den Brief des hl. Paulus an die Römer“. Sie unterbrach jedoch während dessen nicht die übrigen Schriften, die zwar andere Themen behandelten, aber auf derselben geistlichen oder biblischen Matrix standen. Es sind weitere Lektionen zur Glaubenslehre, die zur Lebensführung oder zum Trost gewährt werden, und es sind auch per­sönliche Aufzeichnungen, die mitunter als Zeitgeschehen festgehalten werden (wie beispielsweise die Erscheinung der Jungfrau Maria in Tre Fontane in Rom). Mit der asketischen Erfahrung sind die Widerfahr­nisse der ersten als Schreibmaschinenkopien verbreiteten Auszüge des Hauptwerkes über das Evangelium verknüpft, für die unter dem Titel „Randnotizen“ umfassende und tiefgründige Erklärungen als Antwort auf verschiedene Kritiken und Einwände gegeben werden. Aus dem Jahre 1950 datiert schließlich ein Kommentar zu Teilen der Apokalypse. Alle diese übrigen Schriften sind in der chronologischen Reihenfolge ihrer Abfassung in dem letzten Band mit dem Titel DIE HEFTE DER JAHRE 1945-1950 zusammengefasst.

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Am 14. März 1897 von lombardischen Eltern in Caserta geboren, verstarb Maria Valtorta am 12. Oktober 1961 nach 27 und ein halb­jähriger Krankheit in Viareggio. Ihre Werke sind in viele Sprachen übersetzt und verbreiten sich in ununterbrochener Folge.

Die drei Bände der „HEFTE“ enthalten die Schriften mit den tägli­chen Daten ihrer Abfassung und registrieren ab dem Jahr 1944 auch die zugleich erfolgte Abfassung der Kapitel des Hauptwerkes „Das Evangelium, wie es mir geoffenbart wurde“ (deutsch: „Der Gottmensch‘), des „Buches von Asarja“ (*)  und der „Lektionen über den Brief des Apostels Paulus an die Römer“. Sie dokumentieren somit das vollständige schrift­stellerische Schaffen der Valtorta im Anschluss an ihre Autobiografie.
Der Herausgeber

(*) Bemerkung zum „Buch von Asarja“ vom Ersteller dieser Homepage: Der Engel Asarja komentierte Maria Valtorta die Sonntags-Lesungen der Heiligen Messen vom 24. Februar 1946 bis 2. Februar 1947. Diese können im italienisch verfassten Buch „Libro di Azaria“ nachgelesen werden.

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Quelle

MARIA VALTORTA, UN DON DE DIEU VALIDÉ PAR LA SCIENCE

 

Les extraordinaires visions de Maria Valtorta (15.000 pages écrites à la main, d’une traite, sans ratures) proposent notamment plusieurs centaines de visions de l’Évangile avec une multitude de détails (70 groupes ethniques, 750 personnages, 220 villages, 110 sites géographiques, 150 plantes, 200 espèces animales, 50 espèces minérales, etc.) qui ont pu être validés par la science (10.000 cas sans erreur et sans aucun anachronisme, étudiés par Jean-François Lavère). On a aussi pu reconstituer à partir de 5.000 indications spatio-temporelles contenues dans ces visions un „calendrier de Jésus au jour le jour“ (Jean Aulagnier) qui précise la date de chaque scène de l’Évangile dans notre calendrier actuel et ce calendrier est parfaitement cohérent avec le calendrier des phases lunaires (indépendant) sur plus d’une centaine de visions qui décrivent la position et les phases de la lune. Nous avons là parmi bien d’autres faits sidérants, „une preuve à la Saint Thomas“ du caractère surnaturel de cette oeuvre unique au monde qui mérite d’être bien plus largement connue ! …

Johannes Paul II.: Predigt im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit

Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes in Krakau-Lagiewniki

APOSTOLISCHE REISE NACH POLEN

WEIHE DES NEUEN HEILIGTUMS DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS JOHANNES PAUL II. 

Krakau-Łagiewniki
Samstag, 17. August 2002

 

»O unbegreifliche und unergründliche Barmherzigkeit Gottes,
wer vermag dich würdig zu ehren und zu rühmen?
Du größte Eigenschaft des Allmächtigen Gottes,
Du süße Hoffnung des sündigen Menschen
«
(Tagebuch, 951).

Liebe Brüder und Schwestern! 

1. Heute wiederhole ich diese einfachen und aufrichtigen Worte der hl. Faustyna, um gemeinsam mit ihr und mit euch allen das unbegreifliche und unergründliche Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit zu verehren. Ebenso wie sie wollen auch wir bekennen, daß es für den Menschen keine andere Quelle der Hoffnung als das Erbarmen Gottes geben kann. In tiefem Glauben wiederholen wir: Jesus, ich vertraue auf dich!

Diese Botschaft, die das Vertrauen auf die allmächtige Liebe Gottes zum Ausdruck bringt, brauchen wir vor allem in der heutigen Zeit, in der der Mensch mit Verwirrung den zahlreichen Formen des Bösen gegenübersteht. Die flehentliche Bitte um das göttliche Erbarmen muß aus der Tiefe der Herzen kommen, die voller Leid, Angst und Unsicherheit sind, gleichzeitig aber nach einer untrüglichen Quelle der Hoffnung suchen. Daher sind wir heute an diesen Ort gekommen, zum Heiligtum von Lagiewniki, um in Christus das Antlitz des Vaters wiederzuentdecken:das Antlitz dessen, der »Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes« (2 Kor1,3) ist. Mit den Augen der Seele wollen wir fest in die Augen des barmherzigen Jesus schauen, um in der Tiefe dieses Blickes den Widerschein seines Lebens sowie das Licht der Gnade zu finden, das wir schon so oft empfangen haben und das uns Gott jeden Tag und am letzten Tag erweist. Zeit und Raum gehören vollkommen Gott

2. Nun werden wir dieses neue Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes weihen. Doch zuvor möchte ich all jenen herzlich danken, die zu seiner Errichtung beigetragen haben. Insbesondere danke ich Kardinal Franciszek Macharski, der sich in treuer Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit so sehr für dieses Vorhaben eingesetzt hat. Von Herzen umarme ich die Schwestern aus der Kongregation der Muttergottes von der Barmherzigkeit und danke ihnen für ihr Wirken zur Verbreitung der von Schwester Faustyna hinterlassenen Botschaft. Ferner grüße ich die Kardinäle und Bischöfe Polens mit ihrem Oberhaupt, dem Kardinalprimas, sowie die Bischöfe aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Anwesenheit der Priester, Ordensleute und Seminaristen der Diözese erfüllt mich mit Freude.

Von Herzen grüße ich alle Teilnehmer an dieser Feier, insbesondere die Vertreter der Stiftung für das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit, die sich um die Bauarbeiten gekümmert hat, sowie das Personal der verschiedenen Unternehmen. Ich weiß, daß viele der hier Anwesenden diesen Bau in materieller Hinsicht hochherzig unterstützt haben. Gott möge ihre Großzügigkeit und ihren Einsatz mit seinem Segen belohnen!

3. Brüder und Schwestern! Während wir diese neue Kirche weihen, können wir uns jene Frage stellen, die König Salomon quälte, als er den Tempel von Jerusalem zum Haus Gottes weihte: »Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wieviel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe« (1 Kön 8, 27). Ja, auf den ersten Blick könnte es unangemessen scheinen, einen bestimmten »Raum« mit der Gegenwart Gottes in Verbindung zu bringen. Doch wir sollten uns daran erinnern, daß Zeit und Raum vollkommen Gott gehören. Auch wenn die Zeit und die ganze Welt als sein »Tempel« anzusehen sind, so gibt es dennoch Zeiten und Orte, die Gott wählt, damit die Menschen in ihnen seine Gegenwart und Gnade auf besondere Art und Weise erfahren. Und die Menschen, vom Geist des Glaubens bestärkt, kommen an diese Orte in der Gewißheit, Gott, der in ihnen gegenwärtig ist, wahrhaft gegenüberzutreten.

Mit dem gleichen Glaubensgeist sind sie nach Łagiewniki gekommen, um dieses neue Heiligtum zu weihen in der Überzeugung, daß es ein besonderer Ort ist, den Gott auserwählt hat, um die Gnade seines Erbarmens allen zuteil werden zu lassen. Möge diese Kirche stets ein Ort der Verkündigung der Botschaft von der erbarmenden Liebe Gottes sein, ein Ort der Bekehrung und der Reue, ein Ort der Feier der Eucharistie, Quelle des Erbarmens, ein Ort des Gebets, an dem inständig das Erbarmen für uns und für die ganze Welt erfleht wird. Mit den Worten Salomons bete ich: »Wende dich, Herr, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! Höre auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir verrichtet. Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast, daß dein Name hier wohnen soll. Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet. Achte auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, wenn sie an dieser Stätte beten. Höre sie im Himmel, dem Ort, wo du wohnst. Höre sie, und verzeih!« (1 Kön 8, 28–30).

4. »Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit;denn so will der Vater angebetet werden« (Joh 4, 23). Wenn wir diese Worte des Herrn Jesus im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit lesen, wird uns in besonderer Weise bewußt, daß man hier einzig und allein im Geist und in der Wahrheit verweilen kann. Es ist der Heilige Geist, Tröster und Geist der Wahrheit, der uns auf den Wegen des göttlichen Erbarmens führt. Er, der die Welt »überführt« und aufdeckt, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist (Joh 16, 8), offenbart gleichzeitig die Fülle des Heils in Christus. Dieses Aufdecken der Sünde steht in einem zweifachen Zusammenhang zum Kreuz Christi. Einerseits ermöglicht uns der Heilige Geist, durch das Kreuz Christi die Sünde, jede Sünde, in der ganzen Dimension des in ihr enthaltenen und verborgenen Bösen zu erkennen. Andererseits ermöglicht uns der Geist, wiederum durch das Kreuz Christi, die Sünde im Licht des »mysterium pietatis« zu sehen, d.h. im Licht der erbarmenden und nachsichtigen Liebe Gottes (vgl. Dominum et vivificantem, 32).

Und so wird das »Aufdecken der Sünde« gleichzeitig zur Überzeugung, daß die Sünden verziehen werden und der Mensch erneut der Würde des von Gott geliebten Sohnes entsprechen kann. »Im Kreuz neigt sich Gott am tiefsten zum Menschen herab … Im Kreuz werden gleichsam von einem heiligen Hauch der ewigen Liebe die schmerzlichsten Wunden der irdischen Existenz des Menschen berührt« (Dives in misericordia, 8). An diese Wahrheit wird stets der Grundstein dieses Heiligtums erinnern, der vom Kalvarienberg stammt; er wurde gewissermaßen unter jenem Kreuz hervorgeholt, auf dem Jesus Christus die Sünde und den Tod besiegt hat.

Ich glaube fest daran, daß dieses neue Heiligtum stets ein Ort sein wird, an dem die Menschen im Geist und in der Wahrheit Gott gegenübertreten. Sie werden mit jenem Vertrauen kommen, das diejenigen stärkt, die demütig ihr Herz dem barmherzigen Wirken Gottes öffnen, mit jener Liebe, die auch die schwerste Sünde nicht besiegen kann. Hier, im Feuer der göttlichen Liebe, brennen die Herzen im Verlangen nach Bekehrung, und jeder, der Hoffnung sucht, wird Trost finden.

5. »Ewiger Vater, ich opfere Dir den Leib und das Blut auf, die Seele und die Gottheit Deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, als Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt. Um Seines schmerzhaften Leidens willen habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt« (Tagebuch, 476). Mit uns und mit der ganzen Welt …Wie dringend braucht die heutige Welt das Erbarmen Gottes! Aus der Tiefe des menschlichen Leids erhebt sich auf allen Erdteilen der Ruf nach Erbarmen. Wo Haß und Rachsucht vorherrschen, wo Krieg das Leid und den Tod unschuldiger Menschen verursacht, überall dort ist die Gnade des Erbarmens notwendig, um den Geist und das Herz der Menschen zu versöhnen und Frieden herbeizuführen. Wo das Leben und die Würde des Menschen nicht geachtet werden, ist die erbarmende Liebe Gottes nötig, in deren Licht der unfaßbare Wert jedes Menschen zum Ausdruck kommt. Wir bedürfen der Barmherzigkeit, damit jede Ungerechtigkeit in der Welt im Glanz der Wahrheit ein Ende findet.

In diesem Heiligtum möchte ich daher heute die Welt feierlich der Barmherzigkeit Gottes weihen mit dem innigen Wunsch, daß die Botschaft von der erbarmenden Liebe Gottes, die hier durch Schwester Faustyna verkündet wurde, alle Menschen der Erde erreichen und ihre Herzen mit Hoffnung erfüllen möge. Jene Botschaft möge, von diesem Ort ausgehend, überall in unserer geliebten Heimat und in der Welt Verbreitung finden. Möge sich die Verheißung des Herrn Jesus Christus erfüllen: Von hier wird »ein Funke hervorgehen, der die Welt auf Mein endgültiges Kommen vorbereitet« (vgl. Tagebuch, 1732).

Diesen Funken der Gnade Gottes müssen wir entfachen und dieses Feuer des Erbarmens an die Welt weitergeben. Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden! Euch, lieben Brüdern und Schwestern, der Kirche in Krakau und Polen und allen, die die Barmherzigkeit Gottes verehren und aus Polen und der ganzen Welt diesen Ort aufsuchen, vertraue ich diese Aufgabe an. Seid Zeugen der Barmherzigkeit!

6. Gott, barmherziger Vater,
der Du Deine Liebe in Deinem Sohn Jesus Christus offenbart
und über uns ausgegossen hast im Heiligen Geist, dem Tröster,
Dir vertrauen wir heute die Geschicke der Welt und jedes Menschen an.

Neige dich zu uns Sündern herab,
heile unsere Schwäche,
besiege alles Böse,
hilf, daß alle Menschen der Erde Dein Erbarmen erfahren,
und in Dir, dem dreieinigen Gott, die Quelle der Hoffnung finden.

Ewiger Vater,
um des schmerzvollen Leidens und der Auferstehung Deines Sohnes willen,
habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt!

Amen.

* * *

Am Ende der Eucharistiefeier sagte der Papst:

Zum Abschluß dieses festlichen Gottesdienstes möchte ich anmerken, daß viele meiner persönlichen Erinnerungen mit diesem Ort in Verbindung stehen. Ich kam vor allem während der Besatzung durch die Nationalsozialisten hierher, als ich in der nahegelegenen Solvay-Fabrik arbeitete. Noch heute erinnere ich mich an den Weg von Borek Falecki nach Debniki, den ich jeden Tag mit Holzschuhen an den Füßen zurücklegen mußte, wenn ich zur Schichtarbeit ging. Wer hätte geglaubt, daß dieser Mann mit den Holzpantoffeln eines Tages die Basilika von der Göttlichen Barmherzigkeit in Lagiewniki bei Krakau weihen wird.

Ich freue mich über den Bau dieses schönen Gotteshauses, das der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht ist. Ich empfehle der Obhut von Kardinal Macharski, der ganzen Erzdiözese Krakau und den Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit das Heiligtum und vor allem dessen geistliche Dimension an. Möge diese Zusammenarbeit bei der Verbreitung der Verehrung des barmherzigen Jesus reiche Früchte des Segens in den Herzen der Gläubigen in Polen und der ganzen Welt hervorbringen.

Der barmherzige Gott segne alle Pilger, die heute und in Zukunft hierherkommen, mit seinen überreichen Gaben.

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Quelle

Papst Franziskus betet mit Pilgern zum Barmherzigkeitssonntag

Santa-Faustina-Kowalska

Die heilige Faustina Kowalska

Tausende Pilger sind seit Donnerstag in Rom, um mit dem Papst an diesem Sonntag den „Tag der Göttlichen Barmherzigkeit“ (Dies Divinae Misericordia) zu feiern. Gemäß den Organisatoren des Heiligen Jahres – dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung – handelt es sich um einen der vielen Höhepunkte im gesamten Barmherzigkeitsjahr. Bereits in Rom unterwegs sind Vereine, Bewegungen und Ordensgemeinschaften, die besonders der Spiritualität der Göttlichen Barmherzigkeit verbunden sind. Alle Pilger treffen den Papst an diesem Samstagabend um 18 Uhr zur Vigil auf dem Petersplatz und am Sonntag um 10 Uhr zum Pilgergottesdienst.

Zu den Tagen im Zeichen der Barmherzigkeit gehörte am Freitag ab 18 Uhr eine „Nacht der Versöhnung“ in den vier Kirchen Santo Spirito in Sassia, San Salvatore in Lauro, San Giovanni Battista dei Fiorentini und Santa Maria in Vallicella. Dort gab es bis 24 Uhr Gelegenheit zur Eucharistischen Anbetung, zur Beichte und zu individueller Bibelmeditation.

Was ist eigentlich der Barmherzigkeitssonntag?

Papst Johannes Paul II. hatte den Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit im Jahr 2000 für die gesamte Kirche eingeführt. Die heilige polnische Ordensschwester Faustina Kowalska hatte den Auftrag dazu in ihren Visionen von Jesus empfangen. Der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit wird eine Woche nach Ostern, in Kombination mit dem „Weißen Sonntag“, begangen. Dieses Jahr jährt sich am Vortag des Festes der Todestag von Johannes Paul II. zum elften Mal.

Das Datum ist also eng verbunden mit Papst Johannes Paul II. Der 2. April 2005 ist sein Sterbetag. Es war 21:37 Uhr am Vorabend des Weißen Sonntags, als die Totenglocke für Papst Johannes Paul II. erklang. Dieser erste Sonntag nach Ostern hatte dem Papst immer besonders am Herzen gelegen.

Barmherzigkeit im Sinne der Liebe

Bei der Heiligsprechung Faustinas im Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. diese Barmherzigkeit so beschrieben:

„Ist denn nicht diese Barmherzigkeit ein anderer Name für die Liebe? Verstanden im Hinblick auf ihre tiefste und zärtlichste Seite. Auf ihre Eigenschaft, sich um jedwede Not zu sorgen. Und insbesondere in ihrer grenzenlosen Fähigkeit zur Vergebung?“

Für ihn lag hier die zentrale Botschaft, des christlichen Glaubens: Gott schenkt uns seine Barmherzigkeit, seine unendliche Liebe. Diese Barmherzigkeit macht den Menschen erst fähig, Gott zu erkennen, auf ihn zuzugehen und selbst barmherzig zu sein gegenüber den Mitmenschen.

Diese Eigenschaft Gottes hervorzuheben war das große Anliegen des polnischen Papstes.

„Daher ist es wichtig, dass wir am zweiten Sonntag in der Osterzeit, der von nun an in der ganzen Kirche den Namen Barmherzigkeitssonntag haben wird, die Botschaft des Gotteswortes zu erfassen.“

(rv/kap/pm 02.04.2016 mg)

DAS REICH DES GÖTTLICHEN WILLENS

Luisa Piccarreta, Corato

Luisa Piccarreta, Corato (Italien)

 

AUFRUF

des Königs der Könige an sein Volk
zum Eintritt in das Reich seines göttlichen Willens

An meine Kinder!

Ich komme zu euch mit einem Herzen, das sich überwältigt sieht von den Flammen der Liebe. Komme als Vater zu seinen vielgeliebten Kindern, bei ihnen zu verbleiben und mit ihnen ein gemeinschaftliches Leben zu führen, in dem nur ein Wille und eine Liebe wirksam sind. Komme mit der Gefolgschaft meiner Leiden, meines Blutes, meiner Werke und sogar meines Todes. Nun achtet auf meine Worte!

Jeder Tropfen meines Blutes, jedes Leid, jede meiner Handlungen, jeder meiner Schritte wetteifern miteinander, euch meinen göttlichen Willen darzubieten, selbst mein Tod will euch die Auferstehung zum Leben in meinem Willen geben. Durch meine Menschheit habe ich alles vorbereitet, Gnaden, Beistand, Licht und Stärke für euch erlangt, um ein so großes Gut in Empfang zu nehmen. Von meiner Seite ist alles getan, nun erwarte ich, daß auch ihr euren Teil tut. Wer wird so undankbar sein, mich und das Gut, das ich mitbringe, nicht annehmen zu wollen? Wisset, meine Liebe ist so groß, daß ich über euer vergangenes Leben keine Rechenschaft fordere. Alle eure Verschuldungen, alles Böse, das ihr getan, will ich im Meere meiner Liebe begraben, im Feuer meiner Liebe verzehren lassen. So beginnen wir gemeinsam ein neues Leben, ganz in meinem Willen. Wer könnte so hartherzig sein, mir Widerstand zu leisten und meinen so väterlichen Besuch abzuweisen? Nehmet ihr mich auf, dann werde ich bei euch bleiben wie ein Vater inmitten seiner Kinder, für immer mit euch in einem Willen leben. 0 wie verlange, wie sehne ich mich danach, daß meine Kinder immer mit mir seien und von meinem Willen leben möchten!

Seit beinahe zweitausend Jahren rufe ich nach meinen Kindern, möchte sie um mich haben, sie glücklich und heilig machen. Meine Liebe hat einen solchen Grad erreicht, daß sie mich übermannt und Qualen ausstehen, unter Seufzern und Leiden mich immer wieder ausrufen läßt: Kinder, meine Kinder, warum kommt ihr nicht zu eurem Vater? Warum geht ihr weg von ihm, um in Armut und Elend zu darben? Eure Übel sind Wunden für mein Herz und ich bin es müde, auf euch zu warten. Da ich nun meine Liebe, die in mir wie Feuer brennt, nicht mehr meistern kann, suche ich euch auf und bringe euch das erhabene Geschenk meines Willens. O ich bitte, ich beschwöre euch, ich flehe zu euch: höret auf mich und laßt euch durch meine Tränen und die Seufzer einer glühenden Sehnsucht zum Mitleid bewegen.

Seht, mit diesem Büchlein komme ich nicht allein als Vater, sondern auch als Lehrer inmitten der Schüler. Wofern ihr mir Gehör schenkt, will ich euch überraschende Dinge lehren, himmlische Unterweisungen geben, die Licht spenden, das nie erlischt, Liebe, die stets zündet, göttliche Kraft, die nie erlahmt, unerschütterlichen Mut, der vor keinem Hindernis und keinem Opfer zurückschreckt und eine Heiligkeit, die stets zunimmt. Diese Güter werden auf Schritt und Tritt euch den Weg bahnen, der sicher zum himmlischen Vaterland führt.

Beachtet überdies: Ich komme als König zu meinem Volke, nicht um Steuern und Abgaben zu fordern, nein, vielmehr, daß ihr mir euren Eigenwillen, euer Elend, eure Schwächen, alle eure Übel abtretet. Meine Hoheit beansprucht nur das, was euch quält, unglücklich und ruhelos macht, um alles in den Feuerofen meiner Liebe zu werfen und dort in Flammen aufgehen zu lassen. Ich meinerseits werde euch wie ein wohltätiger, friedliebender und großmütiger König als Gegengabe meinen Willen, die Zärtlichkeit meiner Liebe, meine Reichtümer, meine Glückseligkeit mit ihrem Frieden und die reinsten Freuden schenken. Gebt ihr mir euren Willen hin, dann werdet ihr vollauf glücklich sein und auch ich. Darum habe ich kein anderes Sehnen als daß mein Wille unter euch das Szepter führe.

Himmel und Erde lächeln euch zu, meine gebenedeite Mutter wird auch euch Mutter und Königin sein. Da sie wohl das hohe Gut kennt, das euch das Reich meines göttlichen Willens gewährt, und euch als ihre wahren Kinder liebt, so ist sie, um meine glühende Sehnsucht zu stillen und euch glücklich zu machen, ganz Eifer, die Völker und Nationen vorzubereiten und zu befähigen, die Herrschaft des Reiches meines göttlichen Willens willkommmen zu heißen. Ihr, welche die Völker vorbereitete1, daß deren Erwartung und Sehnsucht mich vom Himmel auf die Erde herabsteigen ließ, ist von mir auch jetzt die hohe und heilige Aufgabe beschieden, kraft ihrer mütterlichen Liebe die Völker in Bereitschaft zu setzen, ein so erhabenes Gut entgegenzunehmen.2

So hört mich an, meine Kinder! Leset aufmerksam und mit voller Hingabe Seite für Seite dieses Büchleins3, und ihr werdet das Bedürfnis empfinden, in meinem Willen zu leben. Ich stelle mich an eure Seite, wenn ihr leset, werde euren Geist erleuchten, euer Herz rühren, damit ihr die Kostbarkeit der Gabe, die euch meine glühende Liebe anbietet, begreifet, den heldenmütigen und feierlichen Entschluß fasset, zu mir zu kommen und mit mir zu leben in der Heiligkeit meines göttlichen Willens.

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1 Mit der Erwartung des verheißenen Erlösers ging die Erwartung seiner Mutter, jenes Weibes, das der höllischen Schlange den Kopf zertreten sollte, Hand in Hand. Erst mußte die Mutter erscheinen, bevor ihr göttlicher Sohn kam. Flehten die Gerechten des Alten Bundes um die Ankunft der einen wie des anderen, so hat Maria indirekt die Völker auf die Ankunft des Messias vorbereitet, die Erwartung und Sehnsucht nach ihm gesteigert. Sie war die Morgenröte, welche die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit ankündigte.

2 Das Reich des göttlichen Willens

3 Derselbe Bescheid gilt auch für die anderen Büchlein, die nachfolgen werden.

 

1.

Wer den Willen Gottes tut, handelt auf göttliche Weise. Die lebendigen und die toten Hostien.

Es spricht Jesus zur Seele:

„Mein Wille ist die Heiligkeit jeglicher Heiligkeit. Die Seele, die meinen Willen tut, mag sie noch so gering erscheinen, ungenannt und unbekannt sein, kommt allen anderen Heiligen gleich, auch wenn diese Großtaten verrichtet, staunenswerte Bekehrungen vollbracht, Wunder gewirkt haben. Noch mehr. Seelen, die vollkommmen meinen Willen erfüllen, sind wie Königinnen. Die es aber daran fehlen lassen, gleichen jenen, die in deren Diensten stehen.

Es scheint zwar, als ob die Seelen, die meinen Willen erfüllen, nichts tun, aber in Wirklichkeit tun sie alles. Indem sie feststehen in meinem Willen, handeln sie auf staunenswürdige, ja göttliche Weise, wenn sie auch ganz verborgen wirken. Sie sind wie ein Licht, das leuchtet, ein Wind, der reinigt, ein Feuer, das brennt, eine Großmacht, die wundertätig ist. Die Heiligen sind zuweilen nur Kanäle. In jenen Seelen hingegen, die vollkommen meinen Willen tun, hat die Wunderkaft selbst ihren Thron aufgeschlagen. Sie sind der Fuß des Missionärs, die Zunge des Predigers, die Stärke der Schwachen, die Geduld der Kranken, das Regiment der Oberen, der Gehorsam der Untergebenen, die Duldsamkeit der Verleumdeten, die Beständigkeit der Gefährdeten, der Heroismus der Helden, der Stakmut der Martyrer, die Heiligkeit der Heiligen.

Sie werden meine wahren Hostien, aber lebendige, nicht tote Hostien. Die Akzidenzien der sakramentalen Hostien sind leblos und haben keinen Einfluß auf mein Leben. Die Seele jedoch ist eine lebensvolle Substanz. Indem sie meinen Willen tut, hat, sie Einfluß auf alles und wirkt bei allem mit, was ich tue. Das ist der Grund, weshalb mir jene durch meinen Willen konsekrierten Hostien teurer sind als selbst die sakramentalen Hostien, und wenn ich in diesen existiere, geschieht es nur, um mir jene Hostien, zu bilden, die von meinem Willen konsekriert sind.

Meine Tochter! Das Wohlgefallen, das ich an meinem Willen finde, ist so groß, daß, wenn man nur von ihm spricht, ich aufjuble vor Freude und den ganzen Himmel berufe zur Festfeier. Mache dir nun selbst eine Vorstellung davon, welche Bedeutung jene Seelen haben, die meinen Willen tun. Ich finde jede Befriedigung in ihnen und gewähre auch ihnen jede Befriedigung. Ihr Leben ist das Leben der Seligen. Nur zwei Dinge liegen ihnen am Herzen, sind der Gegenstand ihrer Sehnsucht, ihres Verlanges: mein Wille und meine Liebe. Scheinbar tun sie wenig, in Wirklichkeit alles, wie schon bemerkt. Auch ihre Tugenden sind in meinen Willen und in meine Liebe übergegangen. So habe ich ihnen nichts mehr hinzuzufügen. Denn mein Wille enthält alles, besitzt alles, nimmt alles in sich auf, aber in göttlicher, unermeßlicher, unendlicher Weise. Das ist das Leben der Seligen im Himmel.“

 

4.

Es gibt kein Gut weder im Himmel noch auf Erden, das nicht jener im Sterben mit sich nimmt, der den Willen Gottes erfüllt.

„Meine Tochter! Wer in meinem Willen lebt, macht sich alles zu eigen, was ich tue. Ist einmal der Wille der Seele eins geworden mit dem meinigen, tut auch sie all das, was mein Wille tut. Stirbt nun jemand so in meinem Willen, dann gibt es kein Gut, das er nicht mit sich nimmt, da es kein Gut gibt, das mein Wille nicht enthält. Er allein ist ja jeden Gutes Ursprung und Leben. Wer also in meinem Willen stirbt, nimmt mit sich die Verdienste der Messen, die gelesen, der Gebete, die verrichtet, der guten Werke, die vollbracht werden, weil sie alle die Frucht meines Willens sind. Ein einziger Akt mit meinem Willen gewirkt, übertrifft unendlich das Wirken aller Geschöpfe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Stirbt jemand in meinem Willen, dann gibt es keine Schönheit, keine Hoheit, keine Heiligkeit, keine Weisheit, keine Liebe, nichts, gar nichts, das jener Seele gleichkommen könnte. Ihr öffnen sich beim Eintritt ins himmlische Vaterland die Pforten, ihr Ehre zu erweisen für all das, was sie mit meinem Willen vollbracht hat. Wie dir die Festlichkeit schildern, wie das Erstaunen, das sich der Seligen bemächtigt, wenn sie diese Seele schauen, deren Wirken ganz das Siegel des göttlichen Willens trägt? Wenn sie sehen, daß alles, was sie in meinem Willen getan: jeder ihrer Gedanken, jedes ihrer Worte und ihrer Werke in ebensoviele Sonnen verwandelt sind, die ihren Schmuck bilden? Sonnen, von denen jede einzelne an Glanz und Schönheit von der anderen verschieden ist? Sie werden auch ebensoviele göttliche Bächlein sein, die alle Seligen mit Wonne überfluten. Und als ob die Himmelsbewohner deren Fülle nicht zu fassen vermöchten, fluten sie abwärts, um auch jene zu beglücken, die noch auf der irdischen Pilgerschaft begriffen sind.“

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Quelle: Separatdruck Immaculata-Zentrum, 22.11.1997

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Siehe auch:

AUS DEM „ORATORIUM DER MUTTER DER GÖTTLICHEN LIEBE“ IN MAILAND (2)

Fortsetzung zum ersten Teil

„DIE LÄSTIGEN PERSONEN GEDULDIG ERTRAGEN“
30. Juni 1968

Liebe Tochter, Ich werde mit Meinen Unterweisungen fortfahren, indem Ich mit dir von jenem Werke der Barmherzig­keit spreche, welches zu praktizieren viele sich weigern, dafür aber andere es üben lassen, nämlich:

„Die lästigen Personen ertragen.“

Vergiß nicht, daß ihr alle unvollkom­men seid, und daß die Unvollkommenhei­ten in euerm Leben an den Tag kommen durch eure Art und Weise zu sprechen, durch euer Benehmen, durch die Art und Weise, die Dinge zu sehen und die eigenen Meinungen zu äußern.

Was fehlerhaft ist, mißfällt nicht nur Gott, der unendlichen Vollkommenheit, sondern auch den Menschen, die, obwohl sie die Vollkommenheit nicht besitzen, diese bei den andern erwarten.

Wenn ihr alle vollkommen wäret, wäre das Zusammenleben leicht, wie das Leben im Himmel wonnevoll sein wird, da nichts dorthin gelangt, was unvollkommen ist.

Solange ihr auf dieser Erde seid, wird es für euch ein Kreuz bedeuten, einen andersgearteten Charakter zu ertragen; mit Andersdenkenden Zusammenstöße in Kauf zu nehmen; sich damit abzufinden, in Augenblicken des persönlichen Schmerzes sich zu freuen mit dem, der glücklich ist; den Mißerfolg der eigenen Angelegenheiten konstatieren zu müssen, während andere von ihren fabelhaften Erfolgen erzählen.

All das würde das Leben unerträglich gestalten, wenn nicht jenes obgenannte, gesegnete Werk der Barmherzigkeit, das die Nächstenliebe als Basis hat, das Ertragen des andern erleichterte.

Dieses gute Werk hat als Basis, wie gesagt, die Nächstenliebe; aber bei dessen Ausübung müssen notwendigerweise mit­wirken: Geduld, Demut, Gehorsam, Ver­ständnis, Großmut und grenzenlose Güte. Wenn du alle diese Tugenden übst, kon­statierst du bald, daß es neben dir keine lästigen Personen mehr gibt, sondern liebenswürdige Menschen, mit denen du im Umgang und im Gespräch viel Freude erlebst.

Denke daran, daß du dich noch so sehr anstrengen magst, deine Fehler abzulegen, irgendeiner wird immer bleiben, der dich bei den andern unangenehm macht. Den­ke oft an dies, damit auch du mit den Unvollkommenheiten oder den wirkli­

chen Fehlern deines Nächsten Nachsicht übst und suche ihn nicht nur zu ertragen, sondern auch zu lieben, so wie er ist, mit seinem Charakter, seiner Persönlichkeit und seinen Schwächen.

All dies tue immer aus Liebe zu Gott, denn der himmlische Vater wünscht, daß ihr einander liebt; und wenn ihr euch liebt, euch erträgt und miteinander Nach­sicht habt aus Liebe zu Ihm, gebt ihr einer menschlichen Handlung einen gött­lichen Wert, ihr macht sie deshalb würdig einer ewigen Belohnung.

Ahme Mein Beispiel nach, Meine Toch­ter, der Ich, obwohl Ich als Gott alle Tugenden und Fähigkeiten in einem un­endlichen Grade besaß, Mich doch allen angepaßt habe. Ich ertrug den Geiz und den Verrat des Judas, die Untreue und die Menschenfurcht des Petrus, die Schein­heiligkeit der Pharisäer, den Hochmut, die Schlechtigkeit, die Bosheit, die Undank­barkeit eines ganzen Volkes, das Mir während drei Jahren gefolgt war.

Es hatte Meine Wunder gesehen, es hatte Meine Macht, Meine Weisheit, Mei­ne barmherzige Güte handgreiflich erfah­ren, ohne davon etwas zu verstehen.

Sei allen alles, um alle für Gott zu gewinnen. Dies ist deine Mission und die jedes wahren Christen.

„ZU GOTT BETEN FÜR DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN“
1. Juli 1968

Meine Tochter, Ich bin hier, um die Belehrungen über die Werke der Güte und der Barmherzigkeit abzuschließen, die du vollbringen kannst und mußt, um die werktätige Liebe, königliche Tugend und unentbehrlich im Leben eines Christen, in die Tat umzusetzen.

Ich werde dir nun sagen, wie du allen Lebenden und Verstorbenen, die darauf warten, die selige Heimat zu erreichen, helfen kannst: „Beten für die Lebenden und die Toten.“

Vorerst sollst du wissen: ihr könnt Lebende sein, obwohl schon gestorben, und ihr könnt Tote sein, obschon noch am Leben. Habe acht auf Meine Erklä­rung.

Du beweinst jene als tot, die die Welt verlassen; aber, wenn das Leben der Gnade in ihnen ist, beginnen sie in Wirklichkeit erst jetzt das wahre Leben, jenes, das nie enden wird.

Im Gegensatz dazu siehst du auf den Straßen viele Leute spazieren, die du als lebende Wesen taxierst, aber wenn du ihre Seele sehen könntest, würdest du dich

entsetzen. Es sind wandelnde Leichname. So beschränkt sich das Werk der Barm­herzigkeit nicht nur auf das Gute, das du jenen Personen, die um dich leben und jenen, die du auf den Friedhof begleitest, tun kannst, sondern umfaßt alle Leben­den der Erde.

Bete für alle, Ich bitte dich, wie es die Kirche tut.

Denke in deinem Gebet an alle Men­schen, und mögen alle in deiner Hilfe die Glut deiner Liebe spüren und den Herrn preisen. Mögen die Irrenden zum Schaf­stall zurückkehren. Mögen die dem Leben der Gnade Erstorbenen neu geboren wer­den. Mögen die Guten im Glauben wach­sen und möge sich ihr Herz immer mehr der Gnade öffnen. Mögen die Leidenden an ihrer Seite einen guten Simon von Cyrene spüren, der ihnen das Kreuz tragen hilft.

Mögen alle die Gnade wie frischen göttlichen Tau verspüren, der sie berieselt. Seht was ihr mit euerm Gebet erreichen könnt, liebe Kinder.

Ich habe euch gesagt, wenn ihr Glau­ben haben und zu einem Berg sagen würdet: „Stürze dich ins Meer“, er sich hineinstürzen würde. Nun sage Ich euch: habt Glauben und betet. Euer Glaube sei der Beweggrund eurer Gebete, und Ich verspreche euch, daß ihr mit euerm Gebet die Welt umwandeln werdet.

Das Gebet entwaffnet Mich. Vom Menschen, der betet, läßt sich der Vater rühren, Er verzeiht, Er gewährt, Er zieht Seine Hand zurück, die auf der Welt lastet. Er hat Erbarmen.

Meine Tochter, erinnere dich an die Vision des Jakob: an die Leiter, welche von der Erde zum Himmel reichte, und wie die Engel daran auf- und abstiegen! Die Engel trugen die Gebete der Men­schen unaufhörlich zu Gott und brachten Jakob Gottes Gnaden zurück.

Und so ist es immer in der Welt. Wehe euch, wenn das Gebet fehlt. Es ist eure Kraft.

Heutzutage betet man wenig in der Welt, zu wenig, und deswegen gehen die Dinge schief. Man gedenkt umzuformen, bessere Systeme zu finden als jene, die Ich gelehrt habe, und man hört auf zu beten. Man will die Formeln abschaffen, die gleichen, die Ich gelehrt und derer Ich Mich bedient habe.

Man will nicht hören auf das, was Meine Mutter gelehrt hat und was Sie bei allen Ihren Erscheinungen auf der Erde heute noch lehrt. Der Rosenkranz ist langweilig, sagt man. Er ist monoton; das paßt nicht mehr für die Jungen.

Nachdem man so das von Uns Gelehrte ausgeschieden hat, beginnt man das Gebet mit einem Akte des Hochmutes. Was wird man dadurch erreichen?

Es ist wahr, daß jede Gebetsformel vom Geiste und vom Herzen inspiriert sein muß; aber Ich versichere euch, daß sie euch eine große Hilfe sein wird. Sie wird wie das Geleise sein, auf dem ihr den Geist und das Herz gleiten läßt.

Benützt selbst die Kirche im liturgi­schen Gebet nicht auch immer die glei­chen Formeln und wiederholt sie?

Fürchtet nicht, euch zu irren, wenn ihr Meinen Belehrungen folgt. Betet und erhebt euer ganzes Sein zu Gott. Auch euer Körper, ebenfalls ein Werk Gottes, sei zu Ihm hingewendet.

Wenn es nicht möglich ist, daß ihr das Leben mit gefalteten Händen durchwan­delt — o, gesegnet die gefalteten Hände, die auf der Welt am Verschwinden sind ­wenn es also den Menschen, die von tausend Dingen des Lebens in Anspruch genommen werden, nicht möglich ist, die Tage im Gebete zu verbringen, gibt es doch bestimmte Augenblicke, wo Gott Anspruch hat auf Anbetung, Anrufung, Danksagung und das Flehen Seiner Kin­der.

Gesegnet seien jene Familien, in denen man sich morgens und abends zu einem gemeinsamen Gebet zusammenfindet, wo man Mich mit dem Tischgebet einlädt, am Mahle teilzunehmen. Ich versichere euch, daß Ich diese Einladung vergelten werde, wenn Ich euch am ewigen Mahl teilneh­men lassen werde.

Und jetzt gebe Ich dir einen Rat. Bete an erster Stelle für jene Personen, die dir wehe tun, für jene, gegen die du Antipa­thie empfmdest, für jene, die dir nicht gefallen. Dein Verdienst wird so verdop­pelt, und dein Herz wird zu verzeihen und zu lieben geneigt sein.

Vereinige deine Gebete immer mit den Meinigen, die Ich fortwährend vom Ta­bernakel aus zum Vater erhebe, mit jenen Meiner Mutter und der ganzen Kirche.

Kraft der Gemeinschaft der Heiligen wirst du deinem Gebete einen unendli­chen Wert geben und jede deiner geist­lichen Übungen wird zu einem wirklichen Werk der Barmherzigkeit werden.

DIE VERLEUMDUNG
4. August 1968

Meine Tochter, Ich will mit dir von zwei sehr schweren Sünden sprechen, die man in der Welt begeht, und die Mein Herz so sehr betrüben: die Verleumdung und das Ärgernis.

Beide sind dem Morde gleich. Die Verleumdung tötet die Ehre, das Ärgernis mordet die Unschuld, die Seele einer Person, indem sie sie zur Sünde und zum Bösen verführt.

Nun möchte Ich wirklich allen Meinen Kindern die Schwere der Verleumdung erklären, die sich so leicht verbreitet, und die so viel Schaden anrichtet in den

Familien, bei den Einzelnen und in der Gesellschaft.

Sie ist wie ein Gift, das ohne jemandes Wissen eindringt und die Masse vergiftet. Sie ist wie ein giftiges Serum, das der Feind einer lebenden Person während des Schlafes einspritzt. Sie ist ein Schuß in den Rücken, ein Verrat.

Manchmal glaubst du, dieser oder jener befreundeten Person vertrauen zu kön­nen; aber sie profitiert von deinen Ver­traulichkeiten, fügt vielleicht ihre eigenen, wenig wohlwollenden Überlegungen hin­zu und verbreitet so unwahre Nachrich­ten. Nicht, daß sie sie auf öffentlichem Marktplatze verkündet, aber doch gehen die Neuigkeiten von Mund zu Mund als Vertraulichkeit und Geheimnis.

Die so gesammelten und verbreiteten Neuigkeiten wechseln immer Form und Substanz; wenn sie etwas Schlechtes betreffen, verbreiten sie sich wie ein ins Wasser gegossener Topfen Öl. Ich erinnere euch daran, liebe Kinder, daß, wer das Böse verbreitet, sich dessen schuldig macht. Aus diesem Grunde habe Ich andere Male darauf bestanden, daß man unter Christen das Böse nicht einmal nennen sollte, da es niemandem nützt.

Wer verleumdet, freut sich über das Böse und verbreitet es mit satanischer Lust unter dem Anschein, sich darüber zu betrüben und damit aufzuräumen. Es ist dies eine Sünde, die man mit viel Leicht­sinn und Sorglosigkeit begeht, und über die ihr euch in den Beichten mit wenig Aufrichtigkeit anklagt, weshalb sie in den meisten Fällen gar nicht verziehen wird.

Es ist eine Sünde, die nur schwer verziehen wird, denn wer stiehlt, erlangt erst dann Verzeihung, wenn er das Ge­stohlene zurückgegeben hat. Wer dem Nächsten den guten Ruf stiehlt, dem kann nicht verziehen werden, wenn er den Weg der Verleumdung im umgekehr­ten Sinn nicht noch einmal zurücklegt, indem er jener Person, jenem Priester, jener Freundin oder jener Unbekannten die geschädigte Ehre wieder herstellt.

Du selbst siehst, wie schwierig eine solche Wiedergutmachung ist und infolge­dessen wie schwierig es ist, Verzeihung zu erlangen.

Ich will euch nicht erschrecken mit dem Gedanken an die ewigen Strafen, aber Ich versichere euch, daß eine schreckliche Strafe die Zunge der Ver­leumder treffen wird, auch im Fegfeuer. Wenn Meine Kinder in diesem Leben jene Strafe auch nur von weitem sehen wür­den, wären sie so entsetzt davon, daß sie eher auf die Gabe der Sprache verzichten würden, als weiter ihre Zunge schlecht zu gebrauchen.

Ich möchte wirklich, Meine lieben Kinder, daß eine heilige Furcht vor dieser Sünde euch wachsam erhalte, damit ihr nicht später etwas bitter zu bereuen habt.

Wer Kenntnis hat von Bösem oder etwas Bösem, darf die in Frage stehende Person warnen, aber er muß sich verge­wissern, ob es sich wirklich um Böses

handelt, da dies manchmal, auch wenn es den Anschein hat, in Wirklichkeit nicht der Fall ist, da die Absicht der ausführen­den Person nicht böse war. Es ist für euch schwierig, in der Seele zu lesen und unmöglich, über die Absichten zu urtei­len. Wer Böses verbreitet, das andere begangen haben, begeht eine Sünde, mehr oder weniger schwer, je nach der Schwere des Fehlers, den er verbreitet, auch wenn das, was er sagt, wahr ist.

Liebt die Aufrichtigkeit und die Klug­heit! Dann wird es für euch nicht so leicht sein, in die Sünde der Verleumdung zu fallen. Wie viele wunderbare Werke sind zusammengestürzt durch böse Zungen. Wie viele Familien ruiniert! Wie viele eifrige und gut gesinnte Seelen entmutigt!

Die Verleumdung ist noch viel schlim­mer, wenn sie vom Herzen und von den Lippen Meiner bevorzugten Kinder aus­geht. Jene, die Mich oft empfangen, die die Kirche besuchen, gehen mit großer Leichtigkeit von der üblen Nachrede zur Verleumdung über.

Manchmal rührt sie vom Neid her, manchmal vom Hochmut. Manchmal sind es kleine Rivalitäten, auch im Guten, die euch satanisch stimmen. Es ist der Neid über die Gnade, die andere erhalten haben, die euch fähig macht, auch Dinge zu entdecken, die nicht bestehen und Böses zu verbreiten, das gar nicht exi­stiert.

Liebe Kinder, weint über diese so schwere Sünde, die todbringend ist für die Ehre von Personen, die euch nahe stehen, ohne daß sie es wissen und macht ein feierliches Versprechen, daß ihr euch nie mehr mit dieser so schwer wiedergutzu­machenden Sünde befleckt!

Wenn ihr nichts Gutes sagen könnt von euerem Nächsten, schweigt. Viel besser wäre es für euch, stumm zu bleiben, als die Zunge schlecht zu gebrauchen!

Ihr alle bildet mit Mir einen einzigen Leib, Meinen Mystischen Leib. Wer ver­leumdet, zerfleischt Meinen Leib, reißt Mir Glieder aus, macht Mich leiden; es ist ein Übel, das sich auf die ganze Kirche auswirkt.

Meine Kinder, fürchtet und zittert!

DAS ÄRGERNIS
5. August 1968

Nehmen wir die Unterweisung von ge­stern wieder auf, und Ich werde mit dir über das Ärgernis sprechen, von dem Ich dir gesagt habe, daß es ein wirklicher Mord sei, wenn auch unsichtbar für die Augen des Leibes.

Im Evangelium (Mt. 18,6-7) habe Ich euch gesagt: „Wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt. Es wäre besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Und Ich sage dir: wer sich ins Meer stürzt, schadet nur sich selber, wer aber Ärgernis gibt, verursacht überdies den Ruin anderer, und du kannst nicht einmal sagen, wie viele es sein werden.

Beobachte was geschieht, wenn du einen Stein ins Wasser wirfst: es bilden sich eine Vielzahl von konzentrischen Kreisen, die sich immer mehr entfernen. So verhält es sich mit jeder Sünde. Sie hat eine Auswirkung auf die ganze Welt und besonders auf Meinen Mystischen Leib, die Kirche, so daß ihr mit Recht sagen könnt, wer sündigt, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den Brüdern, auch wenn diesen die Sünde unbekannt ist.

Dies geschieht bei jeder Sünde, aber in besonderer Weise bei der Sünde des Ärgernisses.

Du verstehst sofort, wie die Belohnung im Himmel sich auf die geübte Nächsten­liebe gründen wird. So wird strenge Strafe jenen treffen, der dem Nächsten Schaden zufügt und besonders, wenn dieser Scha­den nicht nur den Leib, sondern die Seele betrifft.

Ich kam in die Welt, lebte und starb am Kreuze, um die Seelen zu retten. Der Ärgernisgeber arbeitet gegen Mich und macht die Frucht Meiner Erlösung zu­nichte. Daran kannst du die Schwere dieser Sünde erkennen.

Ich würde auch für eine einzige Seele Meine Passion und Meinen Tod wieder­holen, und der Ärgernisgeber verdirbt Mir die Seelen, die Mir gehören und für deren Glückseligkeit Ich das Leben gegeben habe. Scheint es dir nicht, daß es keine größere Bosheit geben kann?

Ich werde dir jetzt sagen, wie man Ärgernis gibt.

Alles was in der Welt geschieht, das die andern zum Bösen verführen kann, ist Ärgernis: verderbliche Worte und Hand­lungen, die im Geist und im Herzen des andern eine schädigende Spur hinterlassen und ihn verleiten, dem bösen Beispiel zu folgen.

Das Werk des Ärgernisgebers ist schlimmer als jenes des Teufels, durch welchen es unterstützt und organisiert wird. Jetzt aber will Ich dir nicht die großen Ärgernisse in Erinnerung rufen, die in der Welt geschehen, vielmehr will ich dich einen Augenblick in dich selbst einkehren und dich nachdenken lassen über dein Betragen, um zu versuchen, alles wegzunehmen, was nicht erbaulich ist für deinen Nächsten.

Gedanken, Worte, Handlungen und Unterlassungen werden bei Meinem Ge­richt Gegenstand des Urteils sein, und das alles wird auch in Verbindung mit dem Nächsten beurteilt werden.

Darum beginne gleich jetzt, alles weg­zuschaffen aus deinem Leben, was nicht erbaulich ist. Wache über deine Worte, über deine Handlungen, über dein Betra­gen. Mache, daß alles in dir Licht sei, daß alles zum Guten führe.

Ich habe dir andere Male gesagt, daß eine Seele nie allein in den Himmel kommt, sondern jene Seelen mit sich bringt — natürlich jede zu ihrer Zeit — die sie gerettet hat.

Das Beispiel reißt mit. Bekämpfe auf diese Art das Ärgernis, das viele geben; reiße das Unkraut aus, das sie säen, indem du das gute Beispiel gibst. Sei Werkzeug der Rettung und des Lebens, wo man den Tod sät.

ENTWURF ZU EINER LEBENSORDNUNG
6. August 1968

Meine Tochter, rufe unaufhörlich die Hilfe Gottes an, wenn du alle Schwierig­keiten besiegen und überwinden willst, denen du begegnest und die sich zwischen dich und Gott stellen.

Richte deine Handlungen, deine Ge­danken, deine Worte immer nach Gott aus, damit alles Seinem Willen gemäß geschehe.

Wache über dich selbst: über den Verstand, über das Herz, über die Zunge, damit nichts in dir vorkomme, das Gott nicht wohlgefällig ist.

Heilige dein Leben, indem du es ganz zur Ehre Gottes verbringst und zum Wohle des Nächsten; verschwende auch nicht einen Augenblick der Zeit, jener kostbaren Münze, mit der du dir das ewige Leben erkaufen kannst.

Habe Ehrfurcht vor allen. Urteile über niemanden, denn niemand von euch hat das Recht, andere zu richten, wenn du willst, daß Jener, der dich am letzten Tag richten wird, nachsichtig mit dir sei.

Sei allen gegenüber gerecht, indem du jedem das gibst, was ihm zukommt. Ich liebe die Rechtschaffenheit und die Ge­rechtigkeit, Eigenschaften, die euch bei Gott und den Menschen beliebt machen.

Sei großmütig im Opferbringen, so­wohl im Alltag — das Opfer begleitet jeden Menschen — wie auch in den großen Gelegenheiten des Lebens, wenn der Herr an die Türe deines Hauses klopft, um dich zur Mitarbeit mit Ihm aufzurufen durch dein Kreuz und durch dein Leiden.

Vertraue auf den Herrn, deinen Gott, denn Er wacht über dich, Er liebt dich und will dein Glück. Du hast nichts anderes zu tun, als dich in Seine Arme zu werfen wie ein Kind und dich von Ihm führen zu lassen.

Erfülle deine tägliche Pflicht mit Freu­de, mit Treue, mit Genauigkeit und mit Liebe, indem du dich mit Mir vereinigst, der Ich immer in dir lebe.

Hier hast du in Kürze eine Lebensregel, die du bei deinen Gewissenserforschungen benutzen sollst.

Wenn du vorgehen wirst, wie Ich dir gesagt habe, wirst du deine Probleme vereinfachen, dein Leben wird durchsich­tig und für alle ein gutes Beispiel sein; du wirst die von Gott so sehr gewünschte und angeordnete Heiligkeit erreichen.

Erinnere dich des Befehls, den Ich an alle Meine Jünger richtete und durch sie an alle, die Mich lieben und Mir folgen würden:

„Seid heilig, wie euer Vater im Him­mel heilig ist.“

(FIDELITAS, Schaffhausen)

 

Dies sind Auszüge aus dem Heft 7 der Schriftenreihe „GEDANKEN UND ÜBERLEGUNGEN“ der deutschen Übersetzung des Werkes von „Mamma Carmela Carabelli, „Zöna­kel der göttlichen Liebe und Barmherzig­keit“, Mailand.

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Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit