Johannes Paul II.: Predigt im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit

Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes in Krakau-Lagiewniki

APOSTOLISCHE REISE NACH POLEN

WEIHE DES NEUEN HEILIGTUMS DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT

PREDIGT DES HEILIGEN VATERS JOHANNES PAUL II. 

Krakau-Łagiewniki
Samstag, 17. August 2002

 

»O unbegreifliche und unergründliche Barmherzigkeit Gottes,
wer vermag dich würdig zu ehren und zu rühmen?
Du größte Eigenschaft des Allmächtigen Gottes,
Du süße Hoffnung des sündigen Menschen
«
(Tagebuch, 951).

Liebe Brüder und Schwestern! 

1. Heute wiederhole ich diese einfachen und aufrichtigen Worte der hl. Faustyna, um gemeinsam mit ihr und mit euch allen das unbegreifliche und unergründliche Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit zu verehren. Ebenso wie sie wollen auch wir bekennen, daß es für den Menschen keine andere Quelle der Hoffnung als das Erbarmen Gottes geben kann. In tiefem Glauben wiederholen wir: Jesus, ich vertraue auf dich!

Diese Botschaft, die das Vertrauen auf die allmächtige Liebe Gottes zum Ausdruck bringt, brauchen wir vor allem in der heutigen Zeit, in der der Mensch mit Verwirrung den zahlreichen Formen des Bösen gegenübersteht. Die flehentliche Bitte um das göttliche Erbarmen muß aus der Tiefe der Herzen kommen, die voller Leid, Angst und Unsicherheit sind, gleichzeitig aber nach einer untrüglichen Quelle der Hoffnung suchen. Daher sind wir heute an diesen Ort gekommen, zum Heiligtum von Lagiewniki, um in Christus das Antlitz des Vaters wiederzuentdecken:das Antlitz dessen, der »Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes« (2 Kor1,3) ist. Mit den Augen der Seele wollen wir fest in die Augen des barmherzigen Jesus schauen, um in der Tiefe dieses Blickes den Widerschein seines Lebens sowie das Licht der Gnade zu finden, das wir schon so oft empfangen haben und das uns Gott jeden Tag und am letzten Tag erweist. Zeit und Raum gehören vollkommen Gott

2. Nun werden wir dieses neue Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes weihen. Doch zuvor möchte ich all jenen herzlich danken, die zu seiner Errichtung beigetragen haben. Insbesondere danke ich Kardinal Franciszek Macharski, der sich in treuer Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit so sehr für dieses Vorhaben eingesetzt hat. Von Herzen umarme ich die Schwestern aus der Kongregation der Muttergottes von der Barmherzigkeit und danke ihnen für ihr Wirken zur Verbreitung der von Schwester Faustyna hinterlassenen Botschaft. Ferner grüße ich die Kardinäle und Bischöfe Polens mit ihrem Oberhaupt, dem Kardinalprimas, sowie die Bischöfe aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Anwesenheit der Priester, Ordensleute und Seminaristen der Diözese erfüllt mich mit Freude.

Von Herzen grüße ich alle Teilnehmer an dieser Feier, insbesondere die Vertreter der Stiftung für das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit, die sich um die Bauarbeiten gekümmert hat, sowie das Personal der verschiedenen Unternehmen. Ich weiß, daß viele der hier Anwesenden diesen Bau in materieller Hinsicht hochherzig unterstützt haben. Gott möge ihre Großzügigkeit und ihren Einsatz mit seinem Segen belohnen!

3. Brüder und Schwestern! Während wir diese neue Kirche weihen, können wir uns jene Frage stellen, die König Salomon quälte, als er den Tempel von Jerusalem zum Haus Gottes weihte: »Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wieviel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe« (1 Kön 8, 27). Ja, auf den ersten Blick könnte es unangemessen scheinen, einen bestimmten »Raum« mit der Gegenwart Gottes in Verbindung zu bringen. Doch wir sollten uns daran erinnern, daß Zeit und Raum vollkommen Gott gehören. Auch wenn die Zeit und die ganze Welt als sein »Tempel« anzusehen sind, so gibt es dennoch Zeiten und Orte, die Gott wählt, damit die Menschen in ihnen seine Gegenwart und Gnade auf besondere Art und Weise erfahren. Und die Menschen, vom Geist des Glaubens bestärkt, kommen an diese Orte in der Gewißheit, Gott, der in ihnen gegenwärtig ist, wahrhaft gegenüberzutreten.

Mit dem gleichen Glaubensgeist sind sie nach Łagiewniki gekommen, um dieses neue Heiligtum zu weihen in der Überzeugung, daß es ein besonderer Ort ist, den Gott auserwählt hat, um die Gnade seines Erbarmens allen zuteil werden zu lassen. Möge diese Kirche stets ein Ort der Verkündigung der Botschaft von der erbarmenden Liebe Gottes sein, ein Ort der Bekehrung und der Reue, ein Ort der Feier der Eucharistie, Quelle des Erbarmens, ein Ort des Gebets, an dem inständig das Erbarmen für uns und für die ganze Welt erfleht wird. Mit den Worten Salomons bete ich: »Wende dich, Herr, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! Höre auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir verrichtet. Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast, daß dein Name hier wohnen soll. Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet. Achte auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, wenn sie an dieser Stätte beten. Höre sie im Himmel, dem Ort, wo du wohnst. Höre sie, und verzeih!« (1 Kön 8, 28–30).

4. »Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit;denn so will der Vater angebetet werden« (Joh 4, 23). Wenn wir diese Worte des Herrn Jesus im Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit lesen, wird uns in besonderer Weise bewußt, daß man hier einzig und allein im Geist und in der Wahrheit verweilen kann. Es ist der Heilige Geist, Tröster und Geist der Wahrheit, der uns auf den Wegen des göttlichen Erbarmens führt. Er, der die Welt »überführt« und aufdeckt, was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist (Joh 16, 8), offenbart gleichzeitig die Fülle des Heils in Christus. Dieses Aufdecken der Sünde steht in einem zweifachen Zusammenhang zum Kreuz Christi. Einerseits ermöglicht uns der Heilige Geist, durch das Kreuz Christi die Sünde, jede Sünde, in der ganzen Dimension des in ihr enthaltenen und verborgenen Bösen zu erkennen. Andererseits ermöglicht uns der Geist, wiederum durch das Kreuz Christi, die Sünde im Licht des »mysterium pietatis« zu sehen, d.h. im Licht der erbarmenden und nachsichtigen Liebe Gottes (vgl. Dominum et vivificantem, 32).

Und so wird das »Aufdecken der Sünde« gleichzeitig zur Überzeugung, daß die Sünden verziehen werden und der Mensch erneut der Würde des von Gott geliebten Sohnes entsprechen kann. »Im Kreuz neigt sich Gott am tiefsten zum Menschen herab … Im Kreuz werden gleichsam von einem heiligen Hauch der ewigen Liebe die schmerzlichsten Wunden der irdischen Existenz des Menschen berührt« (Dives in misericordia, 8). An diese Wahrheit wird stets der Grundstein dieses Heiligtums erinnern, der vom Kalvarienberg stammt; er wurde gewissermaßen unter jenem Kreuz hervorgeholt, auf dem Jesus Christus die Sünde und den Tod besiegt hat.

Ich glaube fest daran, daß dieses neue Heiligtum stets ein Ort sein wird, an dem die Menschen im Geist und in der Wahrheit Gott gegenübertreten. Sie werden mit jenem Vertrauen kommen, das diejenigen stärkt, die demütig ihr Herz dem barmherzigen Wirken Gottes öffnen, mit jener Liebe, die auch die schwerste Sünde nicht besiegen kann. Hier, im Feuer der göttlichen Liebe, brennen die Herzen im Verlangen nach Bekehrung, und jeder, der Hoffnung sucht, wird Trost finden.

5. »Ewiger Vater, ich opfere Dir den Leib und das Blut auf, die Seele und die Gottheit Deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, als Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt. Um Seines schmerzhaften Leidens willen habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt« (Tagebuch, 476). Mit uns und mit der ganzen Welt …Wie dringend braucht die heutige Welt das Erbarmen Gottes! Aus der Tiefe des menschlichen Leids erhebt sich auf allen Erdteilen der Ruf nach Erbarmen. Wo Haß und Rachsucht vorherrschen, wo Krieg das Leid und den Tod unschuldiger Menschen verursacht, überall dort ist die Gnade des Erbarmens notwendig, um den Geist und das Herz der Menschen zu versöhnen und Frieden herbeizuführen. Wo das Leben und die Würde des Menschen nicht geachtet werden, ist die erbarmende Liebe Gottes nötig, in deren Licht der unfaßbare Wert jedes Menschen zum Ausdruck kommt. Wir bedürfen der Barmherzigkeit, damit jede Ungerechtigkeit in der Welt im Glanz der Wahrheit ein Ende findet.

In diesem Heiligtum möchte ich daher heute die Welt feierlich der Barmherzigkeit Gottes weihen mit dem innigen Wunsch, daß die Botschaft von der erbarmenden Liebe Gottes, die hier durch Schwester Faustyna verkündet wurde, alle Menschen der Erde erreichen und ihre Herzen mit Hoffnung erfüllen möge. Jene Botschaft möge, von diesem Ort ausgehend, überall in unserer geliebten Heimat und in der Welt Verbreitung finden. Möge sich die Verheißung des Herrn Jesus Christus erfüllen: Von hier wird »ein Funke hervorgehen, der die Welt auf Mein endgültiges Kommen vorbereitet« (vgl. Tagebuch, 1732).

Diesen Funken der Gnade Gottes müssen wir entfachen und dieses Feuer des Erbarmens an die Welt weitergeben. Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden! Euch, lieben Brüdern und Schwestern, der Kirche in Krakau und Polen und allen, die die Barmherzigkeit Gottes verehren und aus Polen und der ganzen Welt diesen Ort aufsuchen, vertraue ich diese Aufgabe an. Seid Zeugen der Barmherzigkeit!

6. Gott, barmherziger Vater,
der Du Deine Liebe in Deinem Sohn Jesus Christus offenbart
und über uns ausgegossen hast im Heiligen Geist, dem Tröster,
Dir vertrauen wir heute die Geschicke der Welt und jedes Menschen an.

Neige dich zu uns Sündern herab,
heile unsere Schwäche,
besiege alles Böse,
hilf, daß alle Menschen der Erde Dein Erbarmen erfahren,
und in Dir, dem dreieinigen Gott, die Quelle der Hoffnung finden.

Ewiger Vater,
um des schmerzvollen Leidens und der Auferstehung Deines Sohnes willen,
habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt!

Amen.

* * *

Am Ende der Eucharistiefeier sagte der Papst:

Zum Abschluß dieses festlichen Gottesdienstes möchte ich anmerken, daß viele meiner persönlichen Erinnerungen mit diesem Ort in Verbindung stehen. Ich kam vor allem während der Besatzung durch die Nationalsozialisten hierher, als ich in der nahegelegenen Solvay-Fabrik arbeitete. Noch heute erinnere ich mich an den Weg von Borek Falecki nach Debniki, den ich jeden Tag mit Holzschuhen an den Füßen zurücklegen mußte, wenn ich zur Schichtarbeit ging. Wer hätte geglaubt, daß dieser Mann mit den Holzpantoffeln eines Tages die Basilika von der Göttlichen Barmherzigkeit in Lagiewniki bei Krakau weihen wird.

Ich freue mich über den Bau dieses schönen Gotteshauses, das der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht ist. Ich empfehle der Obhut von Kardinal Macharski, der ganzen Erzdiözese Krakau und den Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit das Heiligtum und vor allem dessen geistliche Dimension an. Möge diese Zusammenarbeit bei der Verbreitung der Verehrung des barmherzigen Jesus reiche Früchte des Segens in den Herzen der Gläubigen in Polen und der ganzen Welt hervorbringen.

Der barmherzige Gott segne alle Pilger, die heute und in Zukunft hierherkommen, mit seinen überreichen Gaben.

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Quelle

Papst Franziskus betet mit Pilgern zum Barmherzigkeitssonntag

Santa-Faustina-Kowalska

Die heilige Faustina Kowalska

Tausende Pilger sind seit Donnerstag in Rom, um mit dem Papst an diesem Sonntag den „Tag der Göttlichen Barmherzigkeit“ (Dies Divinae Misericordia) zu feiern. Gemäß den Organisatoren des Heiligen Jahres – dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung – handelt es sich um einen der vielen Höhepunkte im gesamten Barmherzigkeitsjahr. Bereits in Rom unterwegs sind Vereine, Bewegungen und Ordensgemeinschaften, die besonders der Spiritualität der Göttlichen Barmherzigkeit verbunden sind. Alle Pilger treffen den Papst an diesem Samstagabend um 18 Uhr zur Vigil auf dem Petersplatz und am Sonntag um 10 Uhr zum Pilgergottesdienst.

Zu den Tagen im Zeichen der Barmherzigkeit gehörte am Freitag ab 18 Uhr eine „Nacht der Versöhnung“ in den vier Kirchen Santo Spirito in Sassia, San Salvatore in Lauro, San Giovanni Battista dei Fiorentini und Santa Maria in Vallicella. Dort gab es bis 24 Uhr Gelegenheit zur Eucharistischen Anbetung, zur Beichte und zu individueller Bibelmeditation.

Was ist eigentlich der Barmherzigkeitssonntag?

Papst Johannes Paul II. hatte den Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit im Jahr 2000 für die gesamte Kirche eingeführt. Die heilige polnische Ordensschwester Faustina Kowalska hatte den Auftrag dazu in ihren Visionen von Jesus empfangen. Der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit wird eine Woche nach Ostern, in Kombination mit dem „Weißen Sonntag“, begangen. Dieses Jahr jährt sich am Vortag des Festes der Todestag von Johannes Paul II. zum elften Mal.

Das Datum ist also eng verbunden mit Papst Johannes Paul II. Der 2. April 2005 ist sein Sterbetag. Es war 21:37 Uhr am Vorabend des Weißen Sonntags, als die Totenglocke für Papst Johannes Paul II. erklang. Dieser erste Sonntag nach Ostern hatte dem Papst immer besonders am Herzen gelegen.

Barmherzigkeit im Sinne der Liebe

Bei der Heiligsprechung Faustinas im Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. diese Barmherzigkeit so beschrieben:

„Ist denn nicht diese Barmherzigkeit ein anderer Name für die Liebe? Verstanden im Hinblick auf ihre tiefste und zärtlichste Seite. Auf ihre Eigenschaft, sich um jedwede Not zu sorgen. Und insbesondere in ihrer grenzenlosen Fähigkeit zur Vergebung?“

Für ihn lag hier die zentrale Botschaft, des christlichen Glaubens: Gott schenkt uns seine Barmherzigkeit, seine unendliche Liebe. Diese Barmherzigkeit macht den Menschen erst fähig, Gott zu erkennen, auf ihn zuzugehen und selbst barmherzig zu sein gegenüber den Mitmenschen.

Diese Eigenschaft Gottes hervorzuheben war das große Anliegen des polnischen Papstes.

„Daher ist es wichtig, dass wir am zweiten Sonntag in der Osterzeit, der von nun an in der ganzen Kirche den Namen Barmherzigkeitssonntag haben wird, die Botschaft des Gotteswortes zu erfassen.“

(rv/kap/pm 02.04.2016 mg)

DAS REICH DES GÖTTLICHEN WILLENS

Luisa Piccarreta, Corato

Luisa Piccarreta, Corato (Italien)

 

AUFRUF

des Königs der Könige an sein Volk
zum Eintritt in das Reich seines göttlichen Willens

An meine Kinder!

Ich komme zu euch mit einem Herzen, das sich überwältigt sieht von den Flammen der Liebe. Komme als Vater zu seinen vielgeliebten Kindern, bei ihnen zu verbleiben und mit ihnen ein gemeinschaftliches Leben zu führen, in dem nur ein Wille und eine Liebe wirksam sind. Komme mit der Gefolgschaft meiner Leiden, meines Blutes, meiner Werke und sogar meines Todes. Nun achtet auf meine Worte!

Jeder Tropfen meines Blutes, jedes Leid, jede meiner Handlungen, jeder meiner Schritte wetteifern miteinander, euch meinen göttlichen Willen darzubieten, selbst mein Tod will euch die Auferstehung zum Leben in meinem Willen geben. Durch meine Menschheit habe ich alles vorbereitet, Gnaden, Beistand, Licht und Stärke für euch erlangt, um ein so großes Gut in Empfang zu nehmen. Von meiner Seite ist alles getan, nun erwarte ich, daß auch ihr euren Teil tut. Wer wird so undankbar sein, mich und das Gut, das ich mitbringe, nicht annehmen zu wollen? Wisset, meine Liebe ist so groß, daß ich über euer vergangenes Leben keine Rechenschaft fordere. Alle eure Verschuldungen, alles Böse, das ihr getan, will ich im Meere meiner Liebe begraben, im Feuer meiner Liebe verzehren lassen. So beginnen wir gemeinsam ein neues Leben, ganz in meinem Willen. Wer könnte so hartherzig sein, mir Widerstand zu leisten und meinen so väterlichen Besuch abzuweisen? Nehmet ihr mich auf, dann werde ich bei euch bleiben wie ein Vater inmitten seiner Kinder, für immer mit euch in einem Willen leben. 0 wie verlange, wie sehne ich mich danach, daß meine Kinder immer mit mir seien und von meinem Willen leben möchten!

Seit beinahe zweitausend Jahren rufe ich nach meinen Kindern, möchte sie um mich haben, sie glücklich und heilig machen. Meine Liebe hat einen solchen Grad erreicht, daß sie mich übermannt und Qualen ausstehen, unter Seufzern und Leiden mich immer wieder ausrufen läßt: Kinder, meine Kinder, warum kommt ihr nicht zu eurem Vater? Warum geht ihr weg von ihm, um in Armut und Elend zu darben? Eure Übel sind Wunden für mein Herz und ich bin es müde, auf euch zu warten. Da ich nun meine Liebe, die in mir wie Feuer brennt, nicht mehr meistern kann, suche ich euch auf und bringe euch das erhabene Geschenk meines Willens. O ich bitte, ich beschwöre euch, ich flehe zu euch: höret auf mich und laßt euch durch meine Tränen und die Seufzer einer glühenden Sehnsucht zum Mitleid bewegen.

Seht, mit diesem Büchlein komme ich nicht allein als Vater, sondern auch als Lehrer inmitten der Schüler. Wofern ihr mir Gehör schenkt, will ich euch überraschende Dinge lehren, himmlische Unterweisungen geben, die Licht spenden, das nie erlischt, Liebe, die stets zündet, göttliche Kraft, die nie erlahmt, unerschütterlichen Mut, der vor keinem Hindernis und keinem Opfer zurückschreckt und eine Heiligkeit, die stets zunimmt. Diese Güter werden auf Schritt und Tritt euch den Weg bahnen, der sicher zum himmlischen Vaterland führt.

Beachtet überdies: Ich komme als König zu meinem Volke, nicht um Steuern und Abgaben zu fordern, nein, vielmehr, daß ihr mir euren Eigenwillen, euer Elend, eure Schwächen, alle eure Übel abtretet. Meine Hoheit beansprucht nur das, was euch quält, unglücklich und ruhelos macht, um alles in den Feuerofen meiner Liebe zu werfen und dort in Flammen aufgehen zu lassen. Ich meinerseits werde euch wie ein wohltätiger, friedliebender und großmütiger König als Gegengabe meinen Willen, die Zärtlichkeit meiner Liebe, meine Reichtümer, meine Glückseligkeit mit ihrem Frieden und die reinsten Freuden schenken. Gebt ihr mir euren Willen hin, dann werdet ihr vollauf glücklich sein und auch ich. Darum habe ich kein anderes Sehnen als daß mein Wille unter euch das Szepter führe.

Himmel und Erde lächeln euch zu, meine gebenedeite Mutter wird auch euch Mutter und Königin sein. Da sie wohl das hohe Gut kennt, das euch das Reich meines göttlichen Willens gewährt, und euch als ihre wahren Kinder liebt, so ist sie, um meine glühende Sehnsucht zu stillen und euch glücklich zu machen, ganz Eifer, die Völker und Nationen vorzubereiten und zu befähigen, die Herrschaft des Reiches meines göttlichen Willens willkommmen zu heißen. Ihr, welche die Völker vorbereitete1, daß deren Erwartung und Sehnsucht mich vom Himmel auf die Erde herabsteigen ließ, ist von mir auch jetzt die hohe und heilige Aufgabe beschieden, kraft ihrer mütterlichen Liebe die Völker in Bereitschaft zu setzen, ein so erhabenes Gut entgegenzunehmen.2

So hört mich an, meine Kinder! Leset aufmerksam und mit voller Hingabe Seite für Seite dieses Büchleins3, und ihr werdet das Bedürfnis empfinden, in meinem Willen zu leben. Ich stelle mich an eure Seite, wenn ihr leset, werde euren Geist erleuchten, euer Herz rühren, damit ihr die Kostbarkeit der Gabe, die euch meine glühende Liebe anbietet, begreifet, den heldenmütigen und feierlichen Entschluß fasset, zu mir zu kommen und mit mir zu leben in der Heiligkeit meines göttlichen Willens.

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1 Mit der Erwartung des verheißenen Erlösers ging die Erwartung seiner Mutter, jenes Weibes, das der höllischen Schlange den Kopf zertreten sollte, Hand in Hand. Erst mußte die Mutter erscheinen, bevor ihr göttlicher Sohn kam. Flehten die Gerechten des Alten Bundes um die Ankunft der einen wie des anderen, so hat Maria indirekt die Völker auf die Ankunft des Messias vorbereitet, die Erwartung und Sehnsucht nach ihm gesteigert. Sie war die Morgenröte, welche die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit ankündigte.

2 Das Reich des göttlichen Willens

3 Derselbe Bescheid gilt auch für die anderen Büchlein, die nachfolgen werden.

 

1.

Wer den Willen Gottes tut, handelt auf göttliche Weise. Die lebendigen und die toten Hostien.

Es spricht Jesus zur Seele:

„Mein Wille ist die Heiligkeit jeglicher Heiligkeit. Die Seele, die meinen Willen tut, mag sie noch so gering erscheinen, ungenannt und unbekannt sein, kommt allen anderen Heiligen gleich, auch wenn diese Großtaten verrichtet, staunenswerte Bekehrungen vollbracht, Wunder gewirkt haben. Noch mehr. Seelen, die vollkommmen meinen Willen erfüllen, sind wie Königinnen. Die es aber daran fehlen lassen, gleichen jenen, die in deren Diensten stehen.

Es scheint zwar, als ob die Seelen, die meinen Willen erfüllen, nichts tun, aber in Wirklichkeit tun sie alles. Indem sie feststehen in meinem Willen, handeln sie auf staunenswürdige, ja göttliche Weise, wenn sie auch ganz verborgen wirken. Sie sind wie ein Licht, das leuchtet, ein Wind, der reinigt, ein Feuer, das brennt, eine Großmacht, die wundertätig ist. Die Heiligen sind zuweilen nur Kanäle. In jenen Seelen hingegen, die vollkommen meinen Willen tun, hat die Wunderkaft selbst ihren Thron aufgeschlagen. Sie sind der Fuß des Missionärs, die Zunge des Predigers, die Stärke der Schwachen, die Geduld der Kranken, das Regiment der Oberen, der Gehorsam der Untergebenen, die Duldsamkeit der Verleumdeten, die Beständigkeit der Gefährdeten, der Heroismus der Helden, der Stakmut der Martyrer, die Heiligkeit der Heiligen.

Sie werden meine wahren Hostien, aber lebendige, nicht tote Hostien. Die Akzidenzien der sakramentalen Hostien sind leblos und haben keinen Einfluß auf mein Leben. Die Seele jedoch ist eine lebensvolle Substanz. Indem sie meinen Willen tut, hat, sie Einfluß auf alles und wirkt bei allem mit, was ich tue. Das ist der Grund, weshalb mir jene durch meinen Willen konsekrierten Hostien teurer sind als selbst die sakramentalen Hostien, und wenn ich in diesen existiere, geschieht es nur, um mir jene Hostien, zu bilden, die von meinem Willen konsekriert sind.

Meine Tochter! Das Wohlgefallen, das ich an meinem Willen finde, ist so groß, daß, wenn man nur von ihm spricht, ich aufjuble vor Freude und den ganzen Himmel berufe zur Festfeier. Mache dir nun selbst eine Vorstellung davon, welche Bedeutung jene Seelen haben, die meinen Willen tun. Ich finde jede Befriedigung in ihnen und gewähre auch ihnen jede Befriedigung. Ihr Leben ist das Leben der Seligen. Nur zwei Dinge liegen ihnen am Herzen, sind der Gegenstand ihrer Sehnsucht, ihres Verlanges: mein Wille und meine Liebe. Scheinbar tun sie wenig, in Wirklichkeit alles, wie schon bemerkt. Auch ihre Tugenden sind in meinen Willen und in meine Liebe übergegangen. So habe ich ihnen nichts mehr hinzuzufügen. Denn mein Wille enthält alles, besitzt alles, nimmt alles in sich auf, aber in göttlicher, unermeßlicher, unendlicher Weise. Das ist das Leben der Seligen im Himmel.“

 

4.

Es gibt kein Gut weder im Himmel noch auf Erden, das nicht jener im Sterben mit sich nimmt, der den Willen Gottes erfüllt.

„Meine Tochter! Wer in meinem Willen lebt, macht sich alles zu eigen, was ich tue. Ist einmal der Wille der Seele eins geworden mit dem meinigen, tut auch sie all das, was mein Wille tut. Stirbt nun jemand so in meinem Willen, dann gibt es kein Gut, das er nicht mit sich nimmt, da es kein Gut gibt, das mein Wille nicht enthält. Er allein ist ja jeden Gutes Ursprung und Leben. Wer also in meinem Willen stirbt, nimmt mit sich die Verdienste der Messen, die gelesen, der Gebete, die verrichtet, der guten Werke, die vollbracht werden, weil sie alle die Frucht meines Willens sind. Ein einziger Akt mit meinem Willen gewirkt, übertrifft unendlich das Wirken aller Geschöpfe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Stirbt jemand in meinem Willen, dann gibt es keine Schönheit, keine Hoheit, keine Heiligkeit, keine Weisheit, keine Liebe, nichts, gar nichts, das jener Seele gleichkommen könnte. Ihr öffnen sich beim Eintritt ins himmlische Vaterland die Pforten, ihr Ehre zu erweisen für all das, was sie mit meinem Willen vollbracht hat. Wie dir die Festlichkeit schildern, wie das Erstaunen, das sich der Seligen bemächtigt, wenn sie diese Seele schauen, deren Wirken ganz das Siegel des göttlichen Willens trägt? Wenn sie sehen, daß alles, was sie in meinem Willen getan: jeder ihrer Gedanken, jedes ihrer Worte und ihrer Werke in ebensoviele Sonnen verwandelt sind, die ihren Schmuck bilden? Sonnen, von denen jede einzelne an Glanz und Schönheit von der anderen verschieden ist? Sie werden auch ebensoviele göttliche Bächlein sein, die alle Seligen mit Wonne überfluten. Und als ob die Himmelsbewohner deren Fülle nicht zu fassen vermöchten, fluten sie abwärts, um auch jene zu beglücken, die noch auf der irdischen Pilgerschaft begriffen sind.“

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Quelle: Separatdruck Immaculata-Zentrum, 22.11.1997

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Siehe auch:

AUS DEM „ORATORIUM DER MUTTER DER GÖTTLICHEN LIEBE“ IN MAILAND (2)

Fortsetzung zum ersten Teil

„DIE LÄSTIGEN PERSONEN GEDULDIG ERTRAGEN“
30. Juni 1968

Liebe Tochter, Ich werde mit Meinen Unterweisungen fortfahren, indem Ich mit dir von jenem Werke der Barmherzig­keit spreche, welches zu praktizieren viele sich weigern, dafür aber andere es üben lassen, nämlich:

„Die lästigen Personen ertragen.“

Vergiß nicht, daß ihr alle unvollkom­men seid, und daß die Unvollkommenhei­ten in euerm Leben an den Tag kommen durch eure Art und Weise zu sprechen, durch euer Benehmen, durch die Art und Weise, die Dinge zu sehen und die eigenen Meinungen zu äußern.

Was fehlerhaft ist, mißfällt nicht nur Gott, der unendlichen Vollkommenheit, sondern auch den Menschen, die, obwohl sie die Vollkommenheit nicht besitzen, diese bei den andern erwarten.

Wenn ihr alle vollkommen wäret, wäre das Zusammenleben leicht, wie das Leben im Himmel wonnevoll sein wird, da nichts dorthin gelangt, was unvollkommen ist.

Solange ihr auf dieser Erde seid, wird es für euch ein Kreuz bedeuten, einen andersgearteten Charakter zu ertragen; mit Andersdenkenden Zusammenstöße in Kauf zu nehmen; sich damit abzufinden, in Augenblicken des persönlichen Schmerzes sich zu freuen mit dem, der glücklich ist; den Mißerfolg der eigenen Angelegenheiten konstatieren zu müssen, während andere von ihren fabelhaften Erfolgen erzählen.

All das würde das Leben unerträglich gestalten, wenn nicht jenes obgenannte, gesegnete Werk der Barmherzigkeit, das die Nächstenliebe als Basis hat, das Ertragen des andern erleichterte.

Dieses gute Werk hat als Basis, wie gesagt, die Nächstenliebe; aber bei dessen Ausübung müssen notwendigerweise mit­wirken: Geduld, Demut, Gehorsam, Ver­ständnis, Großmut und grenzenlose Güte. Wenn du alle diese Tugenden übst, kon­statierst du bald, daß es neben dir keine lästigen Personen mehr gibt, sondern liebenswürdige Menschen, mit denen du im Umgang und im Gespräch viel Freude erlebst.

Denke daran, daß du dich noch so sehr anstrengen magst, deine Fehler abzulegen, irgendeiner wird immer bleiben, der dich bei den andern unangenehm macht. Den­ke oft an dies, damit auch du mit den Unvollkommenheiten oder den wirkli­

chen Fehlern deines Nächsten Nachsicht übst und suche ihn nicht nur zu ertragen, sondern auch zu lieben, so wie er ist, mit seinem Charakter, seiner Persönlichkeit und seinen Schwächen.

All dies tue immer aus Liebe zu Gott, denn der himmlische Vater wünscht, daß ihr einander liebt; und wenn ihr euch liebt, euch erträgt und miteinander Nach­sicht habt aus Liebe zu Ihm, gebt ihr einer menschlichen Handlung einen gött­lichen Wert, ihr macht sie deshalb würdig einer ewigen Belohnung.

Ahme Mein Beispiel nach, Meine Toch­ter, der Ich, obwohl Ich als Gott alle Tugenden und Fähigkeiten in einem un­endlichen Grade besaß, Mich doch allen angepaßt habe. Ich ertrug den Geiz und den Verrat des Judas, die Untreue und die Menschenfurcht des Petrus, die Schein­heiligkeit der Pharisäer, den Hochmut, die Schlechtigkeit, die Bosheit, die Undank­barkeit eines ganzen Volkes, das Mir während drei Jahren gefolgt war.

Es hatte Meine Wunder gesehen, es hatte Meine Macht, Meine Weisheit, Mei­ne barmherzige Güte handgreiflich erfah­ren, ohne davon etwas zu verstehen.

Sei allen alles, um alle für Gott zu gewinnen. Dies ist deine Mission und die jedes wahren Christen.

„ZU GOTT BETEN FÜR DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN“
1. Juli 1968

Meine Tochter, Ich bin hier, um die Belehrungen über die Werke der Güte und der Barmherzigkeit abzuschließen, die du vollbringen kannst und mußt, um die werktätige Liebe, königliche Tugend und unentbehrlich im Leben eines Christen, in die Tat umzusetzen.

Ich werde dir nun sagen, wie du allen Lebenden und Verstorbenen, die darauf warten, die selige Heimat zu erreichen, helfen kannst: „Beten für die Lebenden und die Toten.“

Vorerst sollst du wissen: ihr könnt Lebende sein, obwohl schon gestorben, und ihr könnt Tote sein, obschon noch am Leben. Habe acht auf Meine Erklä­rung.

Du beweinst jene als tot, die die Welt verlassen; aber, wenn das Leben der Gnade in ihnen ist, beginnen sie in Wirklichkeit erst jetzt das wahre Leben, jenes, das nie enden wird.

Im Gegensatz dazu siehst du auf den Straßen viele Leute spazieren, die du als lebende Wesen taxierst, aber wenn du ihre Seele sehen könntest, würdest du dich

entsetzen. Es sind wandelnde Leichname. So beschränkt sich das Werk der Barm­herzigkeit nicht nur auf das Gute, das du jenen Personen, die um dich leben und jenen, die du auf den Friedhof begleitest, tun kannst, sondern umfaßt alle Leben­den der Erde.

Bete für alle, Ich bitte dich, wie es die Kirche tut.

Denke in deinem Gebet an alle Men­schen, und mögen alle in deiner Hilfe die Glut deiner Liebe spüren und den Herrn preisen. Mögen die Irrenden zum Schaf­stall zurückkehren. Mögen die dem Leben der Gnade Erstorbenen neu geboren wer­den. Mögen die Guten im Glauben wach­sen und möge sich ihr Herz immer mehr der Gnade öffnen. Mögen die Leidenden an ihrer Seite einen guten Simon von Cyrene spüren, der ihnen das Kreuz tragen hilft.

Mögen alle die Gnade wie frischen göttlichen Tau verspüren, der sie berieselt. Seht was ihr mit euerm Gebet erreichen könnt, liebe Kinder.

Ich habe euch gesagt, wenn ihr Glau­ben haben und zu einem Berg sagen würdet: „Stürze dich ins Meer“, er sich hineinstürzen würde. Nun sage Ich euch: habt Glauben und betet. Euer Glaube sei der Beweggrund eurer Gebete, und Ich verspreche euch, daß ihr mit euerm Gebet die Welt umwandeln werdet.

Das Gebet entwaffnet Mich. Vom Menschen, der betet, läßt sich der Vater rühren, Er verzeiht, Er gewährt, Er zieht Seine Hand zurück, die auf der Welt lastet. Er hat Erbarmen.

Meine Tochter, erinnere dich an die Vision des Jakob: an die Leiter, welche von der Erde zum Himmel reichte, und wie die Engel daran auf- und abstiegen! Die Engel trugen die Gebete der Men­schen unaufhörlich zu Gott und brachten Jakob Gottes Gnaden zurück.

Und so ist es immer in der Welt. Wehe euch, wenn das Gebet fehlt. Es ist eure Kraft.

Heutzutage betet man wenig in der Welt, zu wenig, und deswegen gehen die Dinge schief. Man gedenkt umzuformen, bessere Systeme zu finden als jene, die Ich gelehrt habe, und man hört auf zu beten. Man will die Formeln abschaffen, die gleichen, die Ich gelehrt und derer Ich Mich bedient habe.

Man will nicht hören auf das, was Meine Mutter gelehrt hat und was Sie bei allen Ihren Erscheinungen auf der Erde heute noch lehrt. Der Rosenkranz ist langweilig, sagt man. Er ist monoton; das paßt nicht mehr für die Jungen.

Nachdem man so das von Uns Gelehrte ausgeschieden hat, beginnt man das Gebet mit einem Akte des Hochmutes. Was wird man dadurch erreichen?

Es ist wahr, daß jede Gebetsformel vom Geiste und vom Herzen inspiriert sein muß; aber Ich versichere euch, daß sie euch eine große Hilfe sein wird. Sie wird wie das Geleise sein, auf dem ihr den Geist und das Herz gleiten läßt.

Benützt selbst die Kirche im liturgi­schen Gebet nicht auch immer die glei­chen Formeln und wiederholt sie?

Fürchtet nicht, euch zu irren, wenn ihr Meinen Belehrungen folgt. Betet und erhebt euer ganzes Sein zu Gott. Auch euer Körper, ebenfalls ein Werk Gottes, sei zu Ihm hingewendet.

Wenn es nicht möglich ist, daß ihr das Leben mit gefalteten Händen durchwan­delt — o, gesegnet die gefalteten Hände, die auf der Welt am Verschwinden sind ­wenn es also den Menschen, die von tausend Dingen des Lebens in Anspruch genommen werden, nicht möglich ist, die Tage im Gebete zu verbringen, gibt es doch bestimmte Augenblicke, wo Gott Anspruch hat auf Anbetung, Anrufung, Danksagung und das Flehen Seiner Kin­der.

Gesegnet seien jene Familien, in denen man sich morgens und abends zu einem gemeinsamen Gebet zusammenfindet, wo man Mich mit dem Tischgebet einlädt, am Mahle teilzunehmen. Ich versichere euch, daß Ich diese Einladung vergelten werde, wenn Ich euch am ewigen Mahl teilneh­men lassen werde.

Und jetzt gebe Ich dir einen Rat. Bete an erster Stelle für jene Personen, die dir wehe tun, für jene, gegen die du Antipa­thie empfmdest, für jene, die dir nicht gefallen. Dein Verdienst wird so verdop­pelt, und dein Herz wird zu verzeihen und zu lieben geneigt sein.

Vereinige deine Gebete immer mit den Meinigen, die Ich fortwährend vom Ta­bernakel aus zum Vater erhebe, mit jenen Meiner Mutter und der ganzen Kirche.

Kraft der Gemeinschaft der Heiligen wirst du deinem Gebete einen unendli­chen Wert geben und jede deiner geist­lichen Übungen wird zu einem wirklichen Werk der Barmherzigkeit werden.

DIE VERLEUMDUNG
4. August 1968

Meine Tochter, Ich will mit dir von zwei sehr schweren Sünden sprechen, die man in der Welt begeht, und die Mein Herz so sehr betrüben: die Verleumdung und das Ärgernis.

Beide sind dem Morde gleich. Die Verleumdung tötet die Ehre, das Ärgernis mordet die Unschuld, die Seele einer Person, indem sie sie zur Sünde und zum Bösen verführt.

Nun möchte Ich wirklich allen Meinen Kindern die Schwere der Verleumdung erklären, die sich so leicht verbreitet, und die so viel Schaden anrichtet in den

Familien, bei den Einzelnen und in der Gesellschaft.

Sie ist wie ein Gift, das ohne jemandes Wissen eindringt und die Masse vergiftet. Sie ist wie ein giftiges Serum, das der Feind einer lebenden Person während des Schlafes einspritzt. Sie ist ein Schuß in den Rücken, ein Verrat.

Manchmal glaubst du, dieser oder jener befreundeten Person vertrauen zu kön­nen; aber sie profitiert von deinen Ver­traulichkeiten, fügt vielleicht ihre eigenen, wenig wohlwollenden Überlegungen hin­zu und verbreitet so unwahre Nachrich­ten. Nicht, daß sie sie auf öffentlichem Marktplatze verkündet, aber doch gehen die Neuigkeiten von Mund zu Mund als Vertraulichkeit und Geheimnis.

Die so gesammelten und verbreiteten Neuigkeiten wechseln immer Form und Substanz; wenn sie etwas Schlechtes betreffen, verbreiten sie sich wie ein ins Wasser gegossener Topfen Öl. Ich erinnere euch daran, liebe Kinder, daß, wer das Böse verbreitet, sich dessen schuldig macht. Aus diesem Grunde habe Ich andere Male darauf bestanden, daß man unter Christen das Böse nicht einmal nennen sollte, da es niemandem nützt.

Wer verleumdet, freut sich über das Böse und verbreitet es mit satanischer Lust unter dem Anschein, sich darüber zu betrüben und damit aufzuräumen. Es ist dies eine Sünde, die man mit viel Leicht­sinn und Sorglosigkeit begeht, und über die ihr euch in den Beichten mit wenig Aufrichtigkeit anklagt, weshalb sie in den meisten Fällen gar nicht verziehen wird.

Es ist eine Sünde, die nur schwer verziehen wird, denn wer stiehlt, erlangt erst dann Verzeihung, wenn er das Ge­stohlene zurückgegeben hat. Wer dem Nächsten den guten Ruf stiehlt, dem kann nicht verziehen werden, wenn er den Weg der Verleumdung im umgekehr­ten Sinn nicht noch einmal zurücklegt, indem er jener Person, jenem Priester, jener Freundin oder jener Unbekannten die geschädigte Ehre wieder herstellt.

Du selbst siehst, wie schwierig eine solche Wiedergutmachung ist und infolge­dessen wie schwierig es ist, Verzeihung zu erlangen.

Ich will euch nicht erschrecken mit dem Gedanken an die ewigen Strafen, aber Ich versichere euch, daß eine schreckliche Strafe die Zunge der Ver­leumder treffen wird, auch im Fegfeuer. Wenn Meine Kinder in diesem Leben jene Strafe auch nur von weitem sehen wür­den, wären sie so entsetzt davon, daß sie eher auf die Gabe der Sprache verzichten würden, als weiter ihre Zunge schlecht zu gebrauchen.

Ich möchte wirklich, Meine lieben Kinder, daß eine heilige Furcht vor dieser Sünde euch wachsam erhalte, damit ihr nicht später etwas bitter zu bereuen habt.

Wer Kenntnis hat von Bösem oder etwas Bösem, darf die in Frage stehende Person warnen, aber er muß sich verge­wissern, ob es sich wirklich um Böses

handelt, da dies manchmal, auch wenn es den Anschein hat, in Wirklichkeit nicht der Fall ist, da die Absicht der ausführen­den Person nicht böse war. Es ist für euch schwierig, in der Seele zu lesen und unmöglich, über die Absichten zu urtei­len. Wer Böses verbreitet, das andere begangen haben, begeht eine Sünde, mehr oder weniger schwer, je nach der Schwere des Fehlers, den er verbreitet, auch wenn das, was er sagt, wahr ist.

Liebt die Aufrichtigkeit und die Klug­heit! Dann wird es für euch nicht so leicht sein, in die Sünde der Verleumdung zu fallen. Wie viele wunderbare Werke sind zusammengestürzt durch böse Zungen. Wie viele Familien ruiniert! Wie viele eifrige und gut gesinnte Seelen entmutigt!

Die Verleumdung ist noch viel schlim­mer, wenn sie vom Herzen und von den Lippen Meiner bevorzugten Kinder aus­geht. Jene, die Mich oft empfangen, die die Kirche besuchen, gehen mit großer Leichtigkeit von der üblen Nachrede zur Verleumdung über.

Manchmal rührt sie vom Neid her, manchmal vom Hochmut. Manchmal sind es kleine Rivalitäten, auch im Guten, die euch satanisch stimmen. Es ist der Neid über die Gnade, die andere erhalten haben, die euch fähig macht, auch Dinge zu entdecken, die nicht bestehen und Böses zu verbreiten, das gar nicht exi­stiert.

Liebe Kinder, weint über diese so schwere Sünde, die todbringend ist für die Ehre von Personen, die euch nahe stehen, ohne daß sie es wissen und macht ein feierliches Versprechen, daß ihr euch nie mehr mit dieser so schwer wiedergutzu­machenden Sünde befleckt!

Wenn ihr nichts Gutes sagen könnt von euerem Nächsten, schweigt. Viel besser wäre es für euch, stumm zu bleiben, als die Zunge schlecht zu gebrauchen!

Ihr alle bildet mit Mir einen einzigen Leib, Meinen Mystischen Leib. Wer ver­leumdet, zerfleischt Meinen Leib, reißt Mir Glieder aus, macht Mich leiden; es ist ein Übel, das sich auf die ganze Kirche auswirkt.

Meine Kinder, fürchtet und zittert!

DAS ÄRGERNIS
5. August 1968

Nehmen wir die Unterweisung von ge­stern wieder auf, und Ich werde mit dir über das Ärgernis sprechen, von dem Ich dir gesagt habe, daß es ein wirklicher Mord sei, wenn auch unsichtbar für die Augen des Leibes.

Im Evangelium (Mt. 18,6-7) habe Ich euch gesagt: „Wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis kommt. Es wäre besser, wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ Und Ich sage dir: wer sich ins Meer stürzt, schadet nur sich selber, wer aber Ärgernis gibt, verursacht überdies den Ruin anderer, und du kannst nicht einmal sagen, wie viele es sein werden.

Beobachte was geschieht, wenn du einen Stein ins Wasser wirfst: es bilden sich eine Vielzahl von konzentrischen Kreisen, die sich immer mehr entfernen. So verhält es sich mit jeder Sünde. Sie hat eine Auswirkung auf die ganze Welt und besonders auf Meinen Mystischen Leib, die Kirche, so daß ihr mit Recht sagen könnt, wer sündigt, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den Brüdern, auch wenn diesen die Sünde unbekannt ist.

Dies geschieht bei jeder Sünde, aber in besonderer Weise bei der Sünde des Ärgernisses.

Du verstehst sofort, wie die Belohnung im Himmel sich auf die geübte Nächsten­liebe gründen wird. So wird strenge Strafe jenen treffen, der dem Nächsten Schaden zufügt und besonders, wenn dieser Scha­den nicht nur den Leib, sondern die Seele betrifft.

Ich kam in die Welt, lebte und starb am Kreuze, um die Seelen zu retten. Der Ärgernisgeber arbeitet gegen Mich und macht die Frucht Meiner Erlösung zu­nichte. Daran kannst du die Schwere dieser Sünde erkennen.

Ich würde auch für eine einzige Seele Meine Passion und Meinen Tod wieder­holen, und der Ärgernisgeber verdirbt Mir die Seelen, die Mir gehören und für deren Glückseligkeit Ich das Leben gegeben habe. Scheint es dir nicht, daß es keine größere Bosheit geben kann?

Ich werde dir jetzt sagen, wie man Ärgernis gibt.

Alles was in der Welt geschieht, das die andern zum Bösen verführen kann, ist Ärgernis: verderbliche Worte und Hand­lungen, die im Geist und im Herzen des andern eine schädigende Spur hinterlassen und ihn verleiten, dem bösen Beispiel zu folgen.

Das Werk des Ärgernisgebers ist schlimmer als jenes des Teufels, durch welchen es unterstützt und organisiert wird. Jetzt aber will Ich dir nicht die großen Ärgernisse in Erinnerung rufen, die in der Welt geschehen, vielmehr will ich dich einen Augenblick in dich selbst einkehren und dich nachdenken lassen über dein Betragen, um zu versuchen, alles wegzunehmen, was nicht erbaulich ist für deinen Nächsten.

Gedanken, Worte, Handlungen und Unterlassungen werden bei Meinem Ge­richt Gegenstand des Urteils sein, und das alles wird auch in Verbindung mit dem Nächsten beurteilt werden.

Darum beginne gleich jetzt, alles weg­zuschaffen aus deinem Leben, was nicht erbaulich ist. Wache über deine Worte, über deine Handlungen, über dein Betra­gen. Mache, daß alles in dir Licht sei, daß alles zum Guten führe.

Ich habe dir andere Male gesagt, daß eine Seele nie allein in den Himmel kommt, sondern jene Seelen mit sich bringt — natürlich jede zu ihrer Zeit — die sie gerettet hat.

Das Beispiel reißt mit. Bekämpfe auf diese Art das Ärgernis, das viele geben; reiße das Unkraut aus, das sie säen, indem du das gute Beispiel gibst. Sei Werkzeug der Rettung und des Lebens, wo man den Tod sät.

ENTWURF ZU EINER LEBENSORDNUNG
6. August 1968

Meine Tochter, rufe unaufhörlich die Hilfe Gottes an, wenn du alle Schwierig­keiten besiegen und überwinden willst, denen du begegnest und die sich zwischen dich und Gott stellen.

Richte deine Handlungen, deine Ge­danken, deine Worte immer nach Gott aus, damit alles Seinem Willen gemäß geschehe.

Wache über dich selbst: über den Verstand, über das Herz, über die Zunge, damit nichts in dir vorkomme, das Gott nicht wohlgefällig ist.

Heilige dein Leben, indem du es ganz zur Ehre Gottes verbringst und zum Wohle des Nächsten; verschwende auch nicht einen Augenblick der Zeit, jener kostbaren Münze, mit der du dir das ewige Leben erkaufen kannst.

Habe Ehrfurcht vor allen. Urteile über niemanden, denn niemand von euch hat das Recht, andere zu richten, wenn du willst, daß Jener, der dich am letzten Tag richten wird, nachsichtig mit dir sei.

Sei allen gegenüber gerecht, indem du jedem das gibst, was ihm zukommt. Ich liebe die Rechtschaffenheit und die Ge­rechtigkeit, Eigenschaften, die euch bei Gott und den Menschen beliebt machen.

Sei großmütig im Opferbringen, so­wohl im Alltag — das Opfer begleitet jeden Menschen — wie auch in den großen Gelegenheiten des Lebens, wenn der Herr an die Türe deines Hauses klopft, um dich zur Mitarbeit mit Ihm aufzurufen durch dein Kreuz und durch dein Leiden.

Vertraue auf den Herrn, deinen Gott, denn Er wacht über dich, Er liebt dich und will dein Glück. Du hast nichts anderes zu tun, als dich in Seine Arme zu werfen wie ein Kind und dich von Ihm führen zu lassen.

Erfülle deine tägliche Pflicht mit Freu­de, mit Treue, mit Genauigkeit und mit Liebe, indem du dich mit Mir vereinigst, der Ich immer in dir lebe.

Hier hast du in Kürze eine Lebensregel, die du bei deinen Gewissenserforschungen benutzen sollst.

Wenn du vorgehen wirst, wie Ich dir gesagt habe, wirst du deine Probleme vereinfachen, dein Leben wird durchsich­tig und für alle ein gutes Beispiel sein; du wirst die von Gott so sehr gewünschte und angeordnete Heiligkeit erreichen.

Erinnere dich des Befehls, den Ich an alle Meine Jünger richtete und durch sie an alle, die Mich lieben und Mir folgen würden:

„Seid heilig, wie euer Vater im Him­mel heilig ist.“

(FIDELITAS, Schaffhausen)

 

Dies sind Auszüge aus dem Heft 7 der Schriftenreihe „GEDANKEN UND ÜBERLEGUNGEN“ der deutschen Übersetzung des Werkes von „Mamma Carmela Carabelli, „Zöna­kel der göttlichen Liebe und Barmherzig­keit“, Mailand.

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Zönakel der Göttlichen Liebe und Barmherzigkeit

DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT … (Das Tagebuch von Gaby) – Folge 09 (Schluss)

«Ich habe es euch gesagt: ‹Wer sein Leben retten will, wird es verlieren›, und ihr könnt auch nicht vor­geben, Mich zu lieben und Mir zu dienen, und (gleichzeitig) die Welt lieben und leben wie die Welt. Ihr müßt wählen: entweder ihr seid für Mich, und dann seid ihr gegen die Welt, oder ihr entscheidet euch für die Welt, und dann bekämpft ihr Mich.»

(Und weinend spricht Jesus weiter:)

«Wann endlich werdet ihr die unermeßliche Pein Meines Herzens verstehen? Warum lebt ihr stur wei­ter fern von Mir? Niemand indessen kann euch mehr lieben als Ich. Ich will euer Heil und nicht euern Un­tergang.»

[B 671] «Unsinnige Menschen, eure Verblendung und eure Taubheit werden euch in den Untergang führen. Schlaget also Gewinn aus Meiner Barmher­zigkeit, da euch heute die Chance gegeben ist; mor­gen wird es, Ich sage es euch, zu spät sein für euch.»

«Mögen sich all diese gleichgültigen, sorglosen und nachlässigen Hirten, die ihre Herde verlassen oder sich selbst überlassen, um hierhin und dorthin zu lau­fen, ohne daß das erforderlich oder zweckdienlich ist, in acht nehmen. Sie können ihre Verantwortung auf die Schultern des Nachbarn laden, aber sie mögen nicht vergessen, daß sie es sind, die Rechenschaft ab­zulegen haben werden über den Verlust der Herde, und nicht der Nachbar. Sie ziehen es vor, nach Lust und Laune zu handeln und ihre Begierden zu befrie­digen, anstatt allen Vergnügen zu entsagen, um, wie sie es tun sollten, die Pflichten zu erfüllen, die ihnen zufallen, und die Verantwortung zu tragen, [B 672] die Ich ihnen Selbst übertragen habe, indem Ich sie an die Spitze einer Herde gestellt habe.»

«All diese schlechten Hirten werden äußerst streng bestraft werden für ihre Nachlässigkeit und ihre Gleichgültigkeit. Es ist nicht verwunderlich, daß sich die Schafe verirren und sich manchmal tödlich ver­wunden, wenn der Hirte selbst es vorzieht, auf Aben­teuer aus zu sein, statt seine Schafe zu bewachen und zu lieben, die sich ihm völlig anvertrauen, um in den Schafstall zu gelangen.

«Mögen alle Priester auf der vollständigen Entsa­gung bestehen als dem alleinigen und einzigen Weg, der zu Mir führt. Vor allem sollen sich diese Priester, die sich weigern, diese Lehre zu praktizieren, beeilen, sie wieder aufzugreifen und danach zu leben; denn ihr müßt sie nicht nur predigen, sondern der Welt das Beispiel dafür geben, um dieser unbekümmerten und ichbezogenen Welt die furchtbaren Katastrophen zu ersparen, die sie zermalmen werden, wenn sie ihr Le­ben nicht ändert.»

[B 673] «Mögen alle jene, die durch den Mißbrauch ihrer Autorität auf irgendeine Art und Weise der Ausbreitung dieser Lehre von der Entsagung scha­den, indem sie der kleinen Zahl der treuen Diener das Schweigen aufzwingen, die trotz des Modernismus und der Evolution der Sitten dieses Jahrhunderts sich nicht fürchten, die Enthaltsamkeit zu verkünden, mögen alle jene, die ihre Autorität zum Schaden Meiner Lehre mißbrauchen, sich in acht nehmen, ihre Herzen erforschen und ihre Verantwortung wohl abwägen; denn Mein Strafgericht wird fürchterlich sein.»

«Wenn ihr Meine Lehre den Ideen und der Mentali­tät der Welt anzupassen sucht, seid ihr schlechte Die­ner.»

«Die Welt dieses Jahrhunderts, die nur daran denkt, zu genießen, sich zu befriedigen, indem sie alle Opfer und alle Abtötung meidet, möge sich nicht in trügeri­scher Hoffnung wiegen; [B 674] denn Ich werde in nichts Meine Lehre ändern, und selbst wenn dies den Ideen dieser modernen Welt entgegensteht, sage Ich euch doch, daß der Welt nichts anderes übrigbleibt, als sich anzupassen und sich der Lehre von der Ent­sagung, vom Gebet und der Buße zu unterwerfen, oder sie wird für immer, fern von Mir, untergehen.»

«Beeilt euch also alle, den Weg wieder unter die Füße zu nehmen, der euch zu mir führt; denn täuscht euch nicht darüber: man spottet Gottes nicht unge­straft; da Ich ja von aller Ewigkeit her eure verbor­gensten Gedanken kenne und die liebenden und auf­richtigen Diener, die sich nicht fürchten, für Mich alles zu ertragen, zu erkennen weiß und zu unterschei­den verstehe vom egoistischen Diener und Feigling, der nur sein Vergnügen sucht und der alles tut, um sich das geringste Opfer zu ersparen, während er be­hauptet, Mich zu lieben. Von dieser Paradeliebe be­darf Ich nichts; Ich will eine aufrichtige Liebe, die be­reit ist, für Mich alles zu opfern. Ich will alles oder gar nichts. Schreibt es gar gut auf den Grund eures Her­zens, [B 675] um es ja nie zu vergessen …»

* 161 *

[B 677] Ich sah Ihn am Rande meines Bettes sitzen, die Augen voller Tränen. Ich hatte meinen Tag mit schwe­rem Herzen verbracht, wegen eines Schmerzes, der mir von ich weiß nicht woher kam, seit ich Ihn beim Gottes­dienst hatte weinen sehen. Da konnte ich nicht anders als auch weinen. Ich sagte Ihm: «Herr, verzeih mir. Ich bin wirklich ungeschickt; statt Dich zu trösten, weine ich mit Dir.» Lächelnd hat Er gesagt:

«Deine Tränen sind Balsam für Mein Herz. Beun­ruhige dich also nicht wegen nichts. Liebe Mich; das ist alles, was Ich will.»

Ich habe Ihm gesagt: «Wenn Du viel von mir erwar­test, wirst Du besser tun, Dich vorzubereiten, mir die Kraft und den Mut zu geben; denn ganz allein wird es mir niemals gelingen; ich werde nichts tun können.»

«Was tut’s! Ich kann alles.»

Dann habe ich mich umgewandt, und ich habe ver­sucht, die Gedanken zu wechseln; da habe ich gehört:

[B 678] «Warum schaust du Mich nicht an?»

Wider Willen habe ich Ihn angeblickt. Sein von Trau­er erfülltes Antlitz dreht mir das Herz ganz um. Ich kann nicht sagen, was ich fühle. Man würde meinen, daß mir etwas das Herz zusammenpreßt. «0 Herr!», habe ich gesagt, «ich möchte wirklich aufhören, an all das zu denken. Das hat keinen Sinn. Das muß meine Einbildung sein.» Je mehr ich daran denke, desto weniger hat es einen vernünftigen Sinn, daß Er sich bei mir aufhält, die ich so viele Torheiten begangen habe, die ich nicht ein­mal die Geduld aufbringe, irgend etwas zu ertragen. Das ist gut für die Heiligen, dies, nicht für mich. Ich bin weit davon entfernt, eine Heilige zu sein. Ich habe Lust, mich mit all dem nicht mehr zu beschäftigen, indem ich (trotzdem) mein Möglichstes tue, um ein so heiligmäßi­ges Leben zu führen, wie es eben geht. Ich will nicht an­ders sein als die anderen, indem ich ungewöhnliche Din­ge vollbringe; denn das ist doch keineswegs normal!

«Ach, Herr! wie bin ich müde! Was wartest Du, um mich davon zu befreien?» Ich sage Ihm immer: «Wenn es ein Wahn ist, Herr, und wenn es Dir mißfällt, befreie mich davon, laß nicht zu, daß dies mich entferne von Dir.»

«Warum handelst du so mit Mir? Warum versuchst du, Mich aus deinen Gedanken und aus deinem Her­zen zu vertreiben? Ist das deine Art, Mich zu lieben? Ich verwandle dein Leben, Ich weiß es; aber du mußt selbst das akzeptieren. Ich wiederhole dir: warum versuchst du zu verstehen? Es wird dir nie gelingen. Laß dich führen und vergiß alles, was nicht Ich bin. Du schadest dir, wenn du zu wissen versuchst, was du nicht wissen sollst. Du fügst Mir großes Leid zu, Klei­ne, wenn du an Mir zweifelst.»

«Ich zweifle nicht an Dir, Herr; aber all dies hat keinen vernünftigen Sinn, es sind zweifellos Einbil­dungen.»

«Wenn du Mir mit deiner Einbildung Seelen zufüh­ren würdest, wäre es nicht der Mühe wert, daß du (damit) fortführest, aus Liebe zu Mir? Da ja das, was du schreibst, nicht gegen Mich ist, so ist es also für Mich, und wenn es für Mich ist, darfst du nichts tun, was der Ausbreitung von all dem schadet; denn sonst wärest du gegen Mich. Erleide Ich nicht genug Qua­len, ohne daß du, kleines Mädchen, Mir deren auch noch zufügst? Du willst Mir also nicht gehören und nicht Mich allein nur lieben?»

«Aber doch, Herr.»

«Warum widersetzest du dich dann? Ich habe es dir gesagt: ‹Überlaß dich gänzlich Mir.› Liebe Mich mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele [B 681] und allen deinen Kräften, und kümmere dich nicht um das Weitere.»

«Was kümmert es dich, was mit dir geschehen wird, was man von dir denken wird, solange du sicher bist, Mir zu gefallen; das ist alles, was zählen muß für dich, Mir wohlgefällig sein und für Mich allein leben, ist das so schwer? Ich, habe Ich dir nicht gezeigt, bis zu welchem Grad Ich dich liebe? Du bist die Unwürdig­ste, und dennoch bist du die am reichsten Beschenk­te. Ich weiß, daß du Meine Handlungsweise nicht ver­stehst. Du gibst nicht zu, daß Ich dich bis zur Torheit lieben kann und dich zu leiden bitte. Du wirst Mich nie verstehen können, da ihr nie mit Mir der gleichen Ansicht sein werdet.»

«Es gibt keine größere Torheit als die des Kreuzes; habe Ich Mich nicht dazu erniedrigt aus Liebe zu euch? Habe Ich euch nicht das Beispiel des Leidens und der totalen Entsagung in Meinem irdischen Le­ben gegeben? Wenn Ich, [B 682] der Herr, Mich die­sem Gesetz des Leidens unterziehen mußte, warum sollte es sich anders verhalten bei euch, die ihr nicht einmal würdig seid, für Mich zu leiden? Der Diener steht nicht über dem Meister, vergeßt das nicht.»

«Wenn ihr in all euern Leiden und euern Schmer­zen innehalten würdet, um mit allen Fasern eures Herzens an all das zu denken, was Ich für euch ertra­gen habe, um wieviel leichter würden euch eure Lei­den und weniger mühsam eure Schmerzen erschei­nen. Seid also nicht egoistisch und kleinlich mit Mir. Gebt Mir, ohne zu zählen. Ich werde es euch hundert­fältig zurückerstatten.»

«Bedauerst du deine Gedanken von vorhin, Klei­ne?»

«Ja, Herr, du weißt wohl, daß ich es nicht getan haben würde.»

[B 683] «Daß du es nur schon gedacht hast, hat Mir einen gar großen Schmerz zugefügt. Beraube Mich niemals, ohne triftigen Grund, des Glücks, das mir dein Beiwohnen der Messe am Morgen gibt, und vor allem des Glückes, das Ich empfinde, wenn Ich in dein Herz hinabsteige. Wohin würde Ich gehen, wenn Ich nicht mehr in deinem Herzen Zuflucht nehmen könnte? Diejenigen sind so rar, die Mich aufrichtig zu lieben begehren. Die Menge der Gleichgültigen nimmt je­den Tag zu. Man liebt Mich nicht; man verachtet Mich, man verschmäht Mich, und man flieht Mich.»

«Entartete Menschen und Feiglinge! Habe Ich euch nicht überreich beschenkt? Ihr verdankt Mir al­les, und was gebt ihr Mir dafür? Gleichgültigkeit und Verachtung.»

«Wie groß ist Mein Schmerz angesichts der Kälte der Menschen. Mein Herz ist überdrüssig und müde. Selbst die Meinen verstoßen Mich und finden Mich zu anspruchsvoll. Ich bin allein und von allen verlas­sen. Es gibt auf der Erde keine größere Einsamkeit als die Meinige.»

«In dieser großen Stadt voll von Leuten, die vorge­ben, Mich zu lieben, habe Ich Mühe, Seelen zu finden, die einwilligen, Mich aufrichtig zu lieben und zu lei­den, [B 684] um ihre Schuld zu sühnen und die Schuld derer, die sich weigern, dies zu tun, vor allem die Schuld Meiner Priester.»

«Indes, seht die sittlichkeitsgefährdenden Theater und die Vergnügungslokale, die sich zum Bersten fül­len, wegen Darbietungen, die Stunden dauern, wäh­rend man den Sonntagsgottesdienst ermüdend und zu lang findet.»

«Ich sage euch: nehmt euch in acht, eure Freuden und eure Vergnügen gehen zur Neige, und bald wer­det ihr weinen und stöhnen; doch es wird vielleicht zu spät sein. Entsagt also all diesen Vergnügen, die euch von Mir entfernen. Kehrt aufrichtig um zu Mir, er­weckt Reue, und Ich werde alles vergessen. Ich werde euch mit Mir nehmen, und ihr werdet dann die ganze Nichtigkeit (Gehaltlosigkeit) dieser Freuden einse­hen, die ihr heute vorzieht, wenn ihr die kleinste jener (Freuden) gekostet habt, die ihr bei Mir finden wer­det.»

«Macht Mein Opfer nicht unnütz [B 685] durch eure Weigerung, Mich zu hören. Profitiert von dieser Barmherzigkeit, die Ich euch anbiete; wartet nicht, bis es zu spät ist.»

«Beeilt euch; denn morgen wird es vielleicht zu spät sein. Meine Geduld erschöpft sich, und wenn ihr euch nicht ändert, werde Ich euch alle strafen. Nehmt euch in acht. Meine Rache wird schrecklich und er­barmungslos sein. Wartet nicht, bis sich Mein Herz für immer verschließt; denn dann wird es euch nichts nützen zu versuchen, Mich zu erweichen. Ich werde taub bleiben gegenüber euren Flehrufen und euren Tränen. Meine kleinen Kinder, zwingt Mich nicht, streng zu verfahren mit euch. Ich sage es euch, dies wird dann zu eurem ewigen Unglück sein, vergeßt es nicht.»

«Ich will euer Heil und nicht euer Verderben; nehmt also die erforderlichen Mittel, um zu Mir zu kommen. Nur die Buße, die Abtötung, die vollständi­ge Entsagung werden euch zu Mir führen. Die ande­ren Mittel sind eitel und unnütz.»

«Täuscht euch nicht darüber: ihr müßt dem glei­chen Weg folgen, dem Ich Selbst gefolgt bin.»

* 162 *

[B 686] Bezüglich eines Mädchens, das Mutter gewor­den ist und dem ich begegnet bin, hat Er mir gesagt:

«Selbst um den Preis eines unglücklichen Lebens habt ihr nicht das Recht, um das Gerede der anderen und die Demütigungen zu meiden, euch eurer Pflicht und eurer Verantwortung zu entziehen. Die Seele die­ses Kindes, das bald das Licht der Welt erblicken wird, ist kostbarer als alles andere; vergeßt es nicht. Wenn es das Licht erblickt, so wegen des menschli­chen Egoismus; treibt also diesen Egoismus nicht so weit, daß ihr diese Seele in fremde Hände gebt, unter dem Vorwand, euch ein unglückliches Leben zu er­sparen. Ihr habt die Schwäche gehabt, eine Dumm­heit zu begehen; habt also wenigstens den Mut, die­sen Fehler wiedergutzumachen, indem ihr euch be­müht, aus der Frucht eurer Schwäche ein Wesen zu bilden, das würdig ist, Kind Gottes genannt zu wer­den.»

«Mögen sich alle, die ihr Kind verlassen, wie wenn es ein Luxusobjekt wäre, vorsehen. Sie werden Mir gegenüber gestrenge Rechenschaft ablegen müssen. Wenn Mein Lohn für diejenigen unermeßlich groß ist, die sich damit belasten, diese verlassenen und versto­ßenen Kinder in Obhut zu nehmen, wird Meine Strafe schrecklich sein für die, die sie aus falscher Scham verlassen haben, [B 687] ohne sich um sie zu küm­mern.»

* 163 *

[19. Mai 1955] «Willst du Meine Herrlichkeit nicht tei­len?»

«Doch, Herr.»

«Warum versuchst du dann, das Leiden zu fliehen? Eines Tages werde Ich dich unter Meinen Mantel nehmen, und Ich werde dich mit Mir fortnehmen, da­hin, wo du nie mehr zu leiden haben wirst, und Ich werde alle deine Wünsche überreichlich erfüllen; doch dafür mußt du dich all dem unterziehen, was Ich von dir fordere. Suche also nicht, Mich zu fliehen; du könntest sonst nicht dorthin gelangen. Nichts und niemand wird dich je von Mir trennen können; denn jeden Tag ziehe Ich die Glieder der Kette, die dich mit Mir vereint, enger an.»

«Es ist zu spät, zurückzuweichen. Ich habe dir die Freiheit gelassen zu wählen; Ich habe dich nicht ge­fragt: [B 688] «Nimmst du dies an oder das, willst du auf dies oder das verzichten?»

«Nein, Ich habe dir gesagt: ‹Willst du alles anneh­men, was Ich dir schicken werde, und für Mich allem entsagen?› Du hast freiwillig angenommen; versuche nicht, dich zurückzuziehen, Kleine.»

«Ich verspreche dir kein rosiges Leben, Mein klei­nes Kind; du wirst viel leiden. Du leidest schon; Ich weiß es. Du wirst mehr zu leiden haben als die ande­ren, weil Ich dich mit einer besonderen und grenzen­losen Liebe liebe. Ich habe dir mehr gegeben; Ich ver­lange (darum) mehr von dir; ist das nicht mein Recht?»

«Laß dich also nicht einnehmen oder einschüch­tern von der List desjenigen, der versucht, dich damit zu Fall zu bringen, womit er sich selbst ins Verderben gestürzt hat – mit dem Stolz. [B 689] Was tut’s, wenn man über dich lacht, wenn sie dich als verrückt be­zeichnen. Was wirst du erst tun, wenn du das von dei­ner Umgebung erleiden mußt, wenn es dich jetzt schon plagt? Selbst wenn du von Sinnen wärst, warum dich ängstigen, welche Bedeutung hätte das für dich, da Ich dich doch so liebe, wie du bist?»

«Die Welt hält diejenigen für verrückt, die ihren Ideen und ihren Gesetzen zuwiderhandeln. Sind nicht diejenigen die Verrücktesten, die sich den Ge­setzen und den Ansprüchen der Welt unterwerfen, die schließlich nichts ist, da Ich sie in Meinen Händen halte und da Ich sie in einem Augenblick vernichten und zu Staub verwandeln könnte?»

«Unsinnige Menschen, wie groß ist eure Verblen­dung! Ihr könnt ja nicht einmal mehr den Wert der Schätze erkennen, die Ich euch anbiete, und zieht all dem «Schätze» vor, die der Zeit nicht werden stand­halten können.»

«Alles, worauf ihr euer Herz und eure Hoffnung setzt, wird euch eines Tages entrissen werden, an je­nem Tag, [B 690] da ihr sie wider Willen werdet verlas­sen müssen, da für euch die Stunde schlagen wird, in der ihr Rechenschaft geben müßt. Von welchem Nut­zen werden euch dann alle diese Nichtigkeiten sein, die ihr Mir in grober Beleidigung heute vorzieht, die die Ursache eures ewigen Unheils sein werden? Der Luxus, der Komfort, die Befriedigung aller eurer Begierden sind der Hauptgrund dafür, daß alle diese Seelen verlorengehen, und die Welt weigert sich, das zuzugeben.»

«Wie ist Mein Schmerz groß angesichts des Be­nehmens der Menschen! Schlimmer als alle Leiden ist jenes, das Mir das Betragen Meiner Priester verur­sacht; sie sogar verstoßen Mich. Der größte Teil Meiner Priester läßt sich mitreißen von diesem Sturm der Torheit, den Satan entfesselt in der Welt. Wenn die Priester es verstanden hätten, diesem Milieu des Vergnügens und der sinnlichen Befriedigung zu widerstehen, die das Gesetz und der Geist der Welt dieses Jahrhunderts ist, wären ihnen viele Unglücke erspart geblieben. [B 691] Ja, wenn Meine Priester den rauhen Weg der Vollkommenheit vorgezogen und diese Lehre, die die Meine ist, unterstützt hätten, wäre die Welt nicht so tief gesunken, und der Zerfall der Menschheit wäre nicht so groß. Ich hatte Mein Vertrauen in diese auserwählten Seelen gesetzt. Ich hatte sie in die Welt gestellt, um sie zu Mir zu führen. Statt dessen verlieren Meine Priester ihr Herz an Un­wichtiges, zögern sie, die Abtötung zu verkünden, aus Furcht, die Protestrufe der Welt zu hören und sich dagegenstellen zu müssen oder verlacht zu werden in diesem 20. Jahrhundert, in welchem die Genußsucht als Meisterin herrscht.»

«Gemäß der Welt muß man verrückt sein, wenn man die Entsagung predigt. Ich jedoch, Ich sage euch: so seid denn verrückt; denn bin Ich, Ich der Herr des Himmels und der Erde, nicht der erste, den die Welt zum Narren verurteilt hat, als Ich es annahm, Mich der Schande des Kreuzes zu unterziehen? Doch die Schande des Kreuzes ist zur größten Ehre und Verherrlichung aller Zeiten geworden, da Ich die Welt überwunden und da Ich ihr bewiesen habe, daß Mir selbst der Tod unterworfen war; denn Ich habe aus eigener Kraft über ihn triumphiert.»

«Ihr alle, ihr Priester, die ihr euch bis zu diesem Tag dieser Lehre von der gänzlichen Entsagung und Ent­haltung widersetzt habt, indem ihr sie selbst nicht ausgeübt oder indem ihr sie nicht verkündet habt, wie ihr es tun müßt, nehmt euch in acht. Schrecklich sind Meine Strafgerichte, und Ich sage euch: ihr werdet zermalmt werden von all diesen Seelen, die verloren­gegangen sein werden durch eure Weigerung, euch dem zu unterziehen, was Ich euch Selbst gelehrt habe.»

«Hört auf, Kompromisse zu machen und um eure kleinliche materielle Sicherheit und euer Wohl­ergehen zu bangen; entsagt allem, was nicht zu Mir führen kann. Verkündet es den anderen, indem ihr je­den Tag eures Lebens das Beispiel einer vollkomme­nen Losschälung von allen Gütern der Erde und vor allem auch von den erlaubten Vergnügen gebt. Beeilt euch, das Übel und das Unrecht wiedergutzumachen, das ihr Mir zugefügt habt.»

«Was euch angeht, die ihr beauftragt seid, die Prie­ster zu führen, welches auch euer Rang sei: wenn ihr nicht den notwendigen Mut aufbringt, alles zu prakti­zieren, was Ich euch gelehrt habe, nehmt euch dann in acht und hütet euch, die anderen davon abzuhalten und den treuen und aufrichtigen Herzen Meiner bei­spielhaften, aber leider so wenig zahlreichen Priester, die euren beißenden Spott nicht fürchten, wenn sie trotz allem die vollkommene Entsagung predigen und sie selbst vorleben, in irgendeiner Weise zu schaden.»

«Ich sage euch: nur sie leben in der Wahrheit und gefallen Meinem Herzen. Ihre Treue wird ihnen un­endliche Wonnen einbringen; ihr aber, [B 694] die ihr euch Vorgesetzte dieser Priester nennt, aufgrund eurer Intelligenz und eurer Kenntnisse, und die ihr eure Autorität dazu benutzt, um ihrer Lehre zu scha­den, euch sage Ich, euer Herr und euer Meister: nehmt euch in acht. Überprüft eure Entscheidungen, und sorgt dafür, daß Meine Lehre in Meinem Sinn verkündet wird und nicht entsprechend dem Ge­schmack der Welt und dem eurigen, sonst wehe euch.»

«Meine Rache wird fürchterlich sein, wenn ihr ih­nen den Mund verschließt; vergeßt nicht, daß ihr dann gegen Mich seid. Treibt die Verwegenheit nicht so weit, daß ihr gegen Mich kämpft; denn Ich werde euch in ein Nichts verwandeln. Die Zeit der Vergnü­gen ist zu Ende; die Stunde der Sühne hat geschlagen, und wenn die Welt dem Abgrund entkommen will, der auf sie lauert, muß sie sich allem unterwerfen, was Ich fordere, und diesen schauerlichen Marsch zu den Vergnügen stoppen, bei denen Meine Gesetze, Meine Liebe und Mein Herz mit Füßen getreten werden.»

[B 695] «Ich werde nicht noch mehr ertragen. Mei­ne Geduld hat die Grenzen erreicht; die Welt muß sich ändern, vor allem die Priester; denn Ich wieder­hole: die Welt wird sich nicht bessern, wenn ihr Prie­ster, die ihr damit beauftragt seid, sie zu führen, nicht das praktiziert, was ihr zu verkünden beauftragt seid.»

«Beeilt euch also, ihr Priester, nutzt all die Warnun­gen, die Ich euch zu eurem Vorteil gebe, und laßt Mir durch euer Verhalten und durch das Beispiel, das ihr der Welt durch euern vollständigen Verzicht auf alles, was nicht Ich bin, die Ehre zuteil werden, die Mir auf Erden zukommt.»

«Überlegt gut, Wort für Wort, alles, was Ich euch gesagt habe, und schlagt euren Gewinn daraus; denn wenn ihr diese Warnungen achtlos übergeht, werdet ihr auf immer verlorengehen …»

* 164 *

[B 698, 20. Mai 1955] Ich hatte meine Heilige Stunde von ein bis zwei Uhr (nachts) gehalten. Ich hatte alle Not der Welt, die Augen offen zu halten. Um halb zwei Uhr hat Er gesagt:

«Knie dich hin.»

Das habe ich dann gemacht. Von diesem Augenblick an, sage ich Ihnen, hatte ich keine Mühe mehr, wach zu bleiben. 0 Herr! Ich sah Ihn mit vor Sich gebundenen Händen, und es waren auch viele Priester da. Diese Leu­te lachten, [B 699] schwatzten und diskutierten. Man spuckte Ihm ins Angesicht; man schlug Ihn, und manchmal stieß man Ihn sogar so heftig, daß Er fast auf den Boden gefallen wäre. Er sagte nicht ein Wort, und Er hatte ein trauriges Gesicht; doch in Seinen Augen konnte man den Zorn sehen. Da habe ich in mir gehört:

«Sieh diese Masse von Gleichgültigen, die sich wie Entfesselte auf Mich stürzen. Was habe Ich ihnen ge­tan? Das einzige Verbrechen, das sie Mir anlasten können, ist, sie zu sehr geliebt zu haben, geliebt zu haben bis zur Torheit des Kreuzes. All die Leiden, die Ich ertrage, werden Mir zugefügt durch das, was ihr mit allzu großer Unverschämtheit ‹kleine Beleidi­gungen› nennt, und vor allem durch die Gleichgültig­keit, die Sorglosigkeit und die Nachlässigkeit der Welt, vor allem der Priester. Ich müßte Mich auf Meine Priester stützen und die Gewißheit haben können, wenigstens von diesen Seelen geliebt zu werden, [B 700] die Ich Selbst auserwählt habe; doch Ich kann nicht einmal auf die Treue und die Liebe Meiner Prie­ster zählen; denn heute unterscheidet sich ihr Wandel in nichts von jenem des Weltmenschen.»

«Ich mag noch so weinen, flehen, drohen; niemand hält inne. Ich finde nirgends Mitleid. Man denkt nur daran, sich zu befriedigen. Man verschmäht Mich; man verachtet Mich; Ich empfange von niemandem Mitgefühl; aber Ich sage euch: nicht umsonst werdet ihr Mein Herz gebrochen und gemartert und Meine Liebe verachtet haben. Ich werde Mich für euer ver­ächtliches Benehmen rächen, ihr Natterngezücht, und Ich werde euch in so gräßliche und bittere Leiden eintauchen, daß ihr bis in eure tiefsten Eingeweide hinein darunter leiden werdet. Ihr werdet weinen, ihr werdet schreien, und ihr werdet stöhnen; doch es wird zu spät sein. Ich werde euch nicht mehr hören kön­nen, weil ihr von Mir getrennt sein werdet durch die Mauer, die eure Gleichgültigkeit zwischen uns aufge­richtet haben wird.»

«Ich sage es euch: hört Mich. Ich verlange von euch einzig, Mich zu lieben; ist das so schwierig? Entsagt euch selbst, und tut alles aus Liebe zu Mir.»

Als er sagte:

«Du, du warst eine von diesen, es ist noch nicht so lange her!»

Da konnte ich die Tränen nicht zurückhalten, die ich im Herzen behielt, seit ich Ihn so gesehen hatte. Ich habe Ihm gesagt: «Verzeihung, Herr, für alle die Sünden meines Lebens. Verzeihung für die Sünden der Priester, Verzeihung für die Sünden der ganzen Welt.»

Ich wußte nicht mehr, was ich sagen sollte, und ich weinte immerzu; da hat Er gesagt:

«Weine nicht mehr, Kleine. Leg dich zu Bett. Du mußt dich nun ausruhen; denn die Stunde der großen Leiden hat noch nicht geschlagen für dich.»

Ich habe mich zu Bett gelegt; doch kaum lag ich, da hat Er gesprochen:

«Du, Mein kleines Kind, willst du den Schmerz Meines Herzens teilen?»

Ich habe gesagt: «Ja.» Und dann – was ich während ungefähr einer Minute empfand, das kann ich nicht sagen. Ich glaube, daß ich, wenn dies länger angedauert hätte, gestorben wäre. Es war, wie wenn man mir ein Messer in das Herz gepflanzt hätte. Es tat mir weh bis zum Rücken. Ich hatte den Eindruck, daß mein Herz nicht mehr schlage. Da habe ich gesagt: «Ich habe Angst, Herr!» Er sagte:

«Ducke dich in Meine Armhöhle, und denke an nichts anderes mehr als an die große Liebe, die Ich für dich hege; denn Ich liebe dich unendlich.»

Im selben Moment hat der Schmerz abgenommen und ist vollständig verschwunden. Und in meinem Her­zen war ein Friede und eine Freude, die ich nicht be­schreiben kann, und ich bin eingeschlafen [B 703] mit dem ganz klaren Empfinden, daß ich wirklich in Seinen Armen war. Wenn das nicht Verrücktheit ist, was ist es dann?

* 165 *

Auf dem Kreuzweg, am Freitag, bei der ersten Station, habe ich gehört:

«Vergiß nicht einen einzigen Augenblick die Lei­den, die Ich in Meiner Passion erduldet habe; es sind deine Sünden, die die Ursache davon sind.»

Es brauchte nicht mehr, um mir das Herz umzudre­hen. Ich mußte mich die ganze Zeit angestrengt zurück­halten, um nicht zu weinen, so sehr hatte ich ein wundes Herz; manchmal kamen mir so viele Tränen, [B 704] daß mir die Augen überliefen. Eines schönen Tages werde ich mich nicht mehr zurückhalten können, dann werde ich wohl hübsch aussehen. Was werde ich tun? Ich, die ich vorher nie geweint habe, überwältigt, so daß ich un­unterbrochen Tränen in den Augen habe.

* 166 *

[22. Mai 1955] Heute morgen, als ich von der Messe heimkehrte, schmerzte es mich überall, und ich fühlte mich müde, so daß ich zu mir sagte: «Mein Gott, wie bin ich müde!»

«Und Ich, glaubst du, daß Ich nicht müde bin, in Meinem Herzen diesen Überdruß mitzuschleppen, diese Pein und diesen Ekel, die Mir der Wandel der Menschen verursachen? Kannst du Mir nicht helfen und diese Müdigkeit mit Mir teilen?»

«Du wirst viel leiden, Mein kleines Kind, so viel, daß dein Körper, dein Herz und dein Geist zu einem Abgrund der Leiden werden; doch du darfst keine [B 705] Angst haben und nicht versuchen, dir vorzu­stellen, welches deine Leiden sein werden. Ich will, daß du dich völlig Mir anheimgibst, ohne Furcht, was es auch sei, was du zu ertragen haben wirst. Ich werde immer bei dir sein; du hast nichts zu befürchten.»

«Wenn alle diese Worte, die Ich dir anvertraut habe, sich zu verbreiten begonnen haben werden, werde Ich ein wenig warten, um die Haltung der Welt und vor allem der Priester angesichts dessen, was Ich ihnen gesagt habe, zu sehen. Wenn die Priester und die Welt sich nicht ändern, werde Ich strenger verfah­ren müssen mit der Welt dieses Jahrhunderts, und zwar ohne jede weitere Warnung; denn Meine Lang­mut hat jetzt ein Ende, und Mein Herz kann nicht noch mehr ertragen.»

[B 706] «Aber, Herr, wenn man sich weigern würde, diese Worte weitergeben zu lassen ?»

«Wehe jenen, die es wagen werden, gegen Mich zu kämpfen. Ich werde sie schon hier unten bestrafen mit schrecklichen Strafgerichten; denn es ist von le­benswichtiger Bedeutung, daß diese Schriften in der ganzen Welt verbreitet werden.»

«Ich wiederhole: es ist nötig, daß sich zuerst die Priester ändern und ihre Vergnügen beiseite lassen und gewisse (gar) ihre Laster. Man muß der Welt ent­sagen und allem, was dies einbegreifen mag. Denn wenn die Priester nicht erneut ein Leben des Opfers und des Verzichts führen, das sie eigentlich immer hätten führen müssen, ist es nutzlos, die Welt ändern zu wollen; es wird verlorene Zeit sein. Die Welt braucht das Beispiel, damit sie dazu gebracht werden kann, das zu tun, was sie tun muß.»

«Mögen alle Priester und jene, die damit beauftragt sind, sie zu leiten, die notwendigen Maßnahmen er­greifen, damit sich so rasch wie möglich radikale Veränderungen im Wandel der Priester einstellen. Ich will keine [B 707] Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit mehr und vor allem kein Sichgehenlassen in der Er­füllung ihres Dienstes.»

«Ich will Priester, die erfüllt sind von Eifer und Glut für das Heil der Seelen. Ich will, daß das Leben der Priester ein Leben des ständigen Verzichts und Op­fers sei, losgelöst von allen Gütern der Erde, und vor allem von allen Vergnügen, selbst von denjenigen, die euch am zulässigsten erscheinen.»

«Ihr seid Meine Stellvertreter auf Erden; vergeßt es nicht. Nicht dadurch, daß ihr zu den Gelagen, den Vorstellungen lauft und allen Arten von weltlichen Festen beiwohnt, könnt ihr Mich vertreten und Mir die Seelen zuführen. Im Gegenteil: indem ihr die Ver­gnügen der Welt flieht, und indem ihr der Welt zeigt, daß ihr nur eine einzige Liebe habt und nur ein einzi­ges Ziel im Leben kennt, Mich, euern Herrn und euern Meister, nur damit werdet ihr die Seelen für Mich gewinnen.»

[B 708] «Ich wiederhole: es ist dringend erforder­lich, daß die Welt sich ändert; denn die Zeit drängt, und ihr werdet Mir Rechenschaft abzulegen haben über euer ganzes Leben. Noch einmal: es ist Meine große Liebe zu euch Menschen, die Mich drängt, euch vor den Gefahren zu bewahren, von denen die Welt bedroht ist. Selbst wenn Ich euch streng und hart erscheine, wisset, daß es zum Wohle von euch allen und eines jeden ist, wenn Ich Mich unter diesem Zei­chen zeigen muß.»

«Die Welt ist verhärtet im Laster, in den Leiden­schaften und den Vergnügen aller Art. Es ist notwen­dig, daß sie von diesem Schlaf aufwacht; denn jeden Tag rückt sie weiter vor auf den Abgrund zu, der sich bald unter ihren Schritten auftun wird und der sie im ewigen Feuer verschlingen wird. Wachet also auf aus diesem todbringenden Schlaf. Fangt euch wieder und beeilt euch, Mir gegenüber aufrichtige Reue zu zei­gen und den ehrlichen Wunsch, Mich zu lieben und eure Verirrung durch das Opfer, die Buße und den Verzicht auf alles aus Liebe zu Mir wiedergutzuma­chen.»

[B 709] «Ich bin streng, aber unendlich gerecht; prüft eure Herzen, ihr alle, ihr herzlosen, ehebreche­rischen und betrügerischen Menschen, und seht, wel­che Ungerechtigkeit ihr Mir gegenüber begeht mit euerm schändlichen Wandel.»

«Ich habe euch aus dem Nichts hervorgeholt. Ich habe euch mit allem erfüllt. Wäre es nicht gerecht, daß ihr Mich liebt wegen allem was Ich für euch getan habe? Ihr verschmäht Mich; ihr verlacht Mich; ihr verachtet Mich; ihr hängt euer Herz an flüchtige Nichtigkeiten, und ihr habt die Stirn, Mir die Ge­schöpfe vorzuziehen.»

«Daß ihr ungerecht seid gegenüber Euresgleichen, ist ein großes Unrecht; daß ihr es Mir gegenüber seid, indem ihr Mich verachtet oder indem ihr mit einer beißenden Gleichgültigkeit mit Mir umgeht, ist ein Verbrechen, welches Ich nun lange genug ertragen habe. Ich kann nicht mehr länger schweigen; daher sage Ich euch: «Es ist genug. [B 710] Haltet einen Augenblick lang ein und überlegt alles wohl, was Ich euch in diesen Schriften gesagt habe; es ist zu euerm Besten und zu Meiner größeren Ehre.»

«Gebt Mir, was Mir gehört. Beeilt euch. Wartet nicht, bis es zu spät ist; denn morgen, vielleicht, wird es zu spät sein. Erinnert euch, daß Mein Werk ein Liebeswerk ist. Zeigt Mir ein bißchen Glaube und Liebe, und Ich werde euch alles geben. Vergeßt je­doch nicht, daß Ich jeden, selbst den geheimsten Ge­danken von euch kenne.»

«Versucht nicht, Mich zu täuschen, indem ihr Mir sagt, daß ihr Mich liebt, wenn doch eure Taten dem widersprechen, was ihr beteuert; denn dann wärt ihr Heuchler.»

[B 711] «Ich will die alle Tage eures Lebens gelebte Liebe. Ich will, daß ihr euch jeden Tag bemüht, Mich ein wenig mehr zu lieben als am Vortag. Erinnert euch stets, daß ihr, um Mich aufrichtig zu lieben, al­lem entsagen müßt. Ich liebe keine Halbheiten. Ich will alles oder gar nichts. Prägt es euch im Tiefsten eures Herzens gut ein, und tut nichts, was ihr nicht aus Liebe zu Mir tun könnt. Ihr werdet, wenn ihr so handelt, immer die Gewißheit haben, Mir wohlgefäl­lig und in Meiner Liebe zu sein.»

* 167 *

[24. Mai 1955] «Du sprichst nicht zu mir, Herr; hast Du mir nichts mehr zu sagen ?»

«Ich habe euch das Wesentliche gesagt. Alles, was Ich hinzufügen könnte, wären Ergänzungen, [B 714] die nicht (unbedingt) notwendig sind, um zu verste­hen, was Ich von euch allen fordere. Überdenkt alles gut, was Ich euch gesagt habe, und richtet euer Leben dementsprechend ein; wenn ihr dies tut, werdet ihr die Gewißheit haben, euch auf dem Weg zu befinden, der zu Mir führt.»

«Wirst du also nicht mehr zu mir sprechen? Wirst du mich ganz allein lassen ?»

«Warum beunruhigst und quälst du dich? Ich will sagen, daß ihr durch die Schriften, die Ich dir gegeben habe, leicht im Bilde sein könnt über Meine Gedan­ken hinsichtlich der Welt und der Priester dieses Jahrhunderts. Das will nicht heißen, daß Ich nicht mehr zu deinem Herzen sprechen werde, sondern daß Ich dir das Wichtigste und alles gesagt habe, was die Welt und die Priester absolut wissen mußten, um allen und jedem die Chance zu geben, sich wieder aufzufan­gen und [B 715] das Leben zu ändern, ehe es zu spät ist.»

«Wenn Ich Mich deiner bedient habe, der Unwür­digsten, so gerade, um der Welt die Größe Meiner Barmherzigkeit und Meiner Liebe zu euch allen zu zeigen, und daß Ich jenen, die aufrichtig im Tiefsten ihres Herzens den wahren Wunsch hegen, Mich zu lieben und Mir zu gefallen, nichts verweigern kann und daß Ich sie über ihre Wünsche hinaus mit Wohl­taten überhäufe; du, Kleine, du weißt etwas davon.»

«Es ist sehr wichtig und notwendig, daß man sich nach dem richte, was folgt: Ohne zu sagen, wer du bist, will Ich, daß die Welt weiß, was du bist und was du gewesen bist, bevor Ich Mich zu dir hinabgeneigt habe, und ehe Ich Mich von der Aufrichtigkeit und Offenheit deines Kinderherzens anziehen lassen habe, damit die verhärtetsten Sünder von Meiner großen Barmherzigkeit gerührt und befreit werden von der Furcht, die viele von ihnen daran hindert, sich Mir zu nahen.»

[B 716] «Ich will, daß sie sehr wohl und endgültig die große Liebe Meines Herzens für die Sünder verste­hen, ungeachtet des Abgrundes, in den sie sich hin­eingleiten ließen. Welches auch die Menge und die Größe eurer Sünden ist, fürchtet euch nicht; Ich wer­de euch verzeihen, und Ich werde sie alle vergessen, wenn Ich in euerm Herzen, in eurer Reue Aufrichtig­keit und den wahren Wunsch sehe, Mich zu lieben und durch die Buße, die Abtötung und den Verzicht auf alles, was nicht Ich bin, für die Verirrungen eures vergangenen Lebens Genugtuung zu leisten.»

«Doch vergeßt es nicht, daß Ich eure geringfügig­sten Gedanken kenne und daß Ich euer Herz durch­forsche bis in die kleinsten Winkel hinein. Versucht also nicht, Mich zu hintergehen und Meiner zu spot­ten; nichts ist Mir ein größerer Greuel als die Heuch­ler, die unter einer glänzenden Fassade in ihrem In­nern nur Fäulnis haben [B 717]. Ihr könnt die Men­schen betrügen, nicht aber Mich; ihr werdet Mich niemals irreführen.»

«Du sagst, daß du nicht mehr zu mir sprechen wirst, und Du sprichst doch. Ich werde das nie annehmen kön­nen, Herr. Das hat keinen vernünftigen Sinn. Warum verlangst Du so viel von mir?»

«Kleine Tochter, sage nicht: ‹Ich werde nicht kön­nen›; es wäre richtiger zu sagen, daß dein Stolz und deine hochmütige Natur nicht können; doch dein Herz, wird es Mir irgend etwas verweigern können? Ich kenne es so gut, und Ich liebe es so sehr, dieses Kinderherz, das Mir trotz des Widerstandes deiner schlechten Natur ganz gehört.»

«Nein, nein, ich werde nicht können. Du verlangst zuviel von mir; nimm Dir eine andere. Es gibt viele, die nach nichts anderem verlangen.»

«Wo könnte Ich ein größeres Nichts finden als dich? Dich habe Ich erwählt; dich will Ich. [B 718] Warum willst du Widerstand leisten und eigensinnig sein? Ich will, daß du deinen Stolz, deinen Hochmut und deinen Eigenwillen mit Füßen trittst und daß du dich ganz Meinem Willen und Meiner Liebe zu dir unterwirfst.»

«Als du (stets) dieselben Dummheiten wiederhol­test, als du Mein Herz mit Füßen tratst, um deine Ge­lüste und die der Männer zu befriedigen, habe Ich dir da gesagt: ‹Du fügst Mir zuviel Leid zu, Ich werde Mich nicht mehr mit dir befassen?› Wenn Ich es ge­tan haben würde, wärst du heute in den tiefsten Re­gionen des Abgrundes, fern von Mir für immer verlo­ren. Statt dessen, was habe Ich getan? Ich habe alles erduldet. Ich habe geweint. Ich habe unter den Schlä­gen ausgeharrt, ohne etwas zu sagen. Fern davon, dich zu verlassen und dich zu verstoßen, habe Ich Mich zu deiner großen Schwäche herabgeneigt. Ich habe Mitleid gehabt mit diesem kleinen Kind, das ver­loren war unter den Wölfen. Ich habe dich in Meine Arme geschlossen. Ich habe dich mit einer besonde­ren und unendlichen Liebe geliebt.»

[B 719] «Heute möchtest du, um deinen Stolz zu be­friedigen, dich Meinen Armen entwinden, um in die Mitte der reißenden, wilden Tiere zurückzukehren? Kleine Tochter! Ich habe es dir gesagt: Ich habe dich wieder zurückerobert, und nichts und niemand wird dich von Mir trennen können, weil Ich weiß, daß du trotz deines Widerstrebens und deines Stolzes nur einen Wunsch hast: Mir anzugehören und Mich zu lieben. Fürchte dich nicht, Kleine. Du wirst viel lei­den, aber Ich werde da sein, um dir zu helfen, alles zu ertragen. Du wirst in deinem Herzen schlimmere Lei­den ertragen als all die körperlichen Leiden; aber alle deine Leiden werden niemals die Leiden Meines Her­zens angesichts der Schandtaten und der Gleichgül­tigkeit der Menschen, vor allem Meiner Priester, er­reichen.»

[B 720] «Überlege wohl, und denke an nichts ande­res als an die große Liebe, die Ich für dich hege. Du mußt verstehen und begreifen, was Ich für dich getan habe, obschon du die Unwürdigste gewesen bist. Wenn du es ein wenig verstehen und begreifen wirst, wird dies deine Kraft sein, und es wird dir helfen, von Mir alles anzunehmen. Vergiß nicht, Mein kleines Kind: Ich verlange mehr von dir, weil Ich dir mehr ge­geben habe.»

«Warum dieser Schmerz deines Herzens, bei dem Gedanken, den Demütigungen und dem beißenden Spott der Menschen ausgesetzt zu sein?»

«Bald vielleicht wirst du glauben, Ich würde dich verlassen, weil du Mich nicht mehr bei dir fühlen wirst. Selbst wenn dich das verdrießt und dir weh tut, wirst du sehen, bis zu welchem Grade dir daran lag, ohne es zu wissen. Du wirst glauben, Ich sei fern; dein Herz wird dann Leiden und Ängste kennen, die schlimmer sind als [B 721] all die körperlichen Leiden, und niemand wird sie lindern oder dir wegnehmen können.»

«Das einzige, was dir helfen wird, das alles zu ertra­gen, ist die Gewißheit, daß Ich da sein werde, obwohl du Mich nicht mehr hören und Meine Gegenwart nicht mehr fühlen wirst. Du wirst von demjenigen ge­tröstet werden, dem Ich dich anvertraut habe; doch das Leid deines Herzens wird so groß sein, daß selbst er nicht in der Lage sein wird, dich von deinem Leid zu befreien; denn nichts und niemand wird Mich in einem Herzen ersetzen können, das ganz Mir gehört. Und nichts und niemand wird den Schmerz deines Herzens verringern können, angesichts Meiner Ab­wesenheit und Meines Schweigens. Du wirst dieses Leiden annehmen müssen, wie du alles von Mir an­nehmen mußt, zur Sühne für deine Sünden und die der Priester.»

«Selbst eingehüllt in Finsternisse, und selbst wenn du eingetaucht sein wirst in die Dunkelheit, so daß du nirgend den geringsten Schimmer wahrnimmst, will Ich, daß du den Zweifeln aller Art widerstehst, die dein Herz beschleichen werden und die Ursache großer Leiden für dich sein werden. Indem du Mir ein Vertrauen ohne Grenzen bewahrst und indem du die Versicherung hast, daß selbst, wenn Ich fern zu sein scheine, Ich doch immer ganz nah bei dir bin; verlaß dich nie auf dich selbst, sondern unterwirf dich Mir in allem. Vergiß nicht, daß du nichts bist und daß du nichts kannst, daß Ich aber alles vermag und daß Ich alles bin …»

* 168 *

[B 723] Selbst wenn ich nie zu Gott gelangen sollte, will ich Ihn dennoch auf Erden lieben und alles tun, was ich nur kann, um zu bewirken, daß die anderen Ihn lieben …

* 169 *

[B 724, 25. Mai 1955] Er war in der Bank und weinte. Ich habe Ihm gesagt: «Was hast Du, daß Du weinst, Herr? Habe ich Dir weh getan?»

«Wegen wem denkst du, weine Ich, wenn nicht we­gen dir?»

[B 725] «Was habe ich Dir denn getan ?»

«Dein Eigensinn und dein Widerstreben gegen Meinen Willen verursachen Mir einen Schmerz, den du nie wirst ermessen können. Je mehr Liebe Ich zu einer Seele habe, desto leichter ist es dieser Seele, Mich zu verwunden und Mir Leid zuzufügen. Teile diese Pein, die du Mir verursacht hast.»

«Nicht hier; ich kann nicht.» Ich fühlte, wie sich mein Herz zusammenschnürte, und ich sagte bei mir: «Ich will nicht weinen; ich werde nicht weinen, nein, nein.»

«Wann endlich wirst du dich dieser Furcht vor der Lächerlichkeit entledigen, die dich hindert, dich mit Mir zu vereinigen, wie Ich es will? An dir ist es, dich Meinem Willen zu unterwerfen, und nicht an Mir, den deinen zu tun. Ich habe es dir gesagt und oft wieder­holt: «Du wirst die Motive dessen, was Ich von dir ver­lange, nie verstehen können, weil deine Sicht nie die Meinige sein wird. Erinnere dich daran, und suche nicht zu verstehen; es ist dennoch leicht; laß dich führen von Mir. Was hast du zu befürchten? Du wirst vielleicht [B 726] von den Menschen verlacht werden; Ich aber, Ich liebe dich; was willst du mehr?»

«Ich verstehe sie nicht, Deine Weisen zu lieben, und ich liebe sie nicht sehr.»

«Du brauchst nicht zu verstehen oder zu schätzen, was Ich von dir verlange; du hast es nur zu tun aus Liebe zu Mir.»

«Bist Du erbost, Herr?»

«Kann man böse sein mit einem kleinen Kind, das nicht weiß, was es tut? Was wirst du tun, um diesen Schmerz, den du Mir gestern und heute morgen zuge­fügt hast, wiedergutzumachen und um Mich ihn ver­gessen zu lassen?»

«Was soll ich tun? Ich weiß nicht, was ich machen soll; Du bist so launisch.»

«Selbst wenn dem so wäre; habe Ich nicht das Recht, es zu sein? [B 727] Liebe Mich mehr. Ich will deine Liebe; das ist alles, was Ich will. Zeige Mir, daß du Mich liebst.»

«Indem ich was tue?»

«Indem du dich Mir ohne Rückhalt hingibst.»

«Wenn ich allein wäre, wäre es leichter.»

«Zweifellos leichter, aber weniger verdienstlich, bei weitem. Ich habe es dir gesagt: du wirst viel leiden, weil du in der Welt sein mußt, während es der Wunsch deines Herzens wäre, fern der Welt zu sein, um Mich leichter lieben zu können. Ich will indessen, daß du Mich in jedem Augenblick des Tages liebst, wie du es tun würdest, wenn du in einem Kloster wärest, und dies, obwohl du in der Welt bleibst und indem du dei­ne Pflicht erfüllst. Was deine Umgebung denken wird, [B 728] ist nicht von Belang; du brauchst im Hinblick auf deine Seele niemandem Rechenschaft zu geben, außer Mir und jenem, den Ich an deine Seite gestellt habe, damit er über dich wache.»

«Die anderen mögen dich lächerlich machen, dei­ner spotten, dich verhöhnen, weil sie dich nicht ver­stehen werden; nie jedoch, hörst du, darfst du dich weigern, das zu tun, was Ich will, aus Furcht davor, das Gerede der Welt zu werden. Niemand kann Mich lieben, wie Ich geliebt werden will von dir, ohne daß die anderen die Veränderung merken, die in dir vor­gehen wird, was deine Haltung gegenüber der Welt und den Dingen der Welt betrifft

Ich dachte bei mir: «Ach Herr! Wenn dies keine Ver­rücktheit ist, all dies, was ist es dann?» Da hat Er gesagt: «Liebe.»

* 170 *

(B 729] Als ich zu uns nach Hause zurückkehrte, hatte an der Straßenecke ein Auto angehalten, in welchem ein Priester und eine Frau waren. Sie ist ausgestiegen und zur Straßenbahn gegangen; er lief in der anderen Rich­tung weg. In mir habe ich dann gehört:

«Glaubst du, daß Ich deiner nicht bedarf zu Meiner Hilfe, um all das zu ertragen? Wirst du kein Mitleid haben mit Mir? Wirst du Mir dieses Joch nicht er­leichtern, das auf Meine Schultern drückt und Mein Herz erstickt, indem du alle Meine Leiden und Schmerzen teilst? Warum widerstehst du Mir, kleine Tochter? Was wirst du tun können ohne Mich? Ich will alles oder gar nichts.»

«Warum verlangst Du nicht etwas anderes von mir; ich will nicht weinen.»

«Du mußt auf alle deine Wünsche verzichten. Wa­rum willst du eigensinnig sein und (nur) das tun, was du willst? Es ist Mein Wille, den du tun mußt, und nicht der deine.»

Ich werde wohl bald gezwungen sein, mit «Maria Magdalena» zu unterschreiben, [B 730] wenn ich mich gehen lasse und weine

[359] Als ich den ganzen Ernst dieser Sache erwog und mit Verspätung für meine 6.30-Uhr-Messe aufstand, hat Er zu mir gesagt, als ich mich ankleidete:

«Notiere dir dies auf, um es nicht zu vergessen.»

«Höre, ich habe mich verspätet; ich habe (jetzt) keine Zeit.»

«Tue, was Ich dir sage.»

«Gut, dann zuerst.» Ich nahm Papier und versuchte gleichwohl, mich weiter anzukleiden. Ich war unfähig dazu. Ich dachte daran, daß es ernst war, und ich begann, es zu glauben. Da sprach Er:

[360] «Ja, dies ist sehr ernst und sehr wertvoll. Gunsterweise wie diese werden euch nie mehr ge­währt werden.»

«Selbst wenn Ich von neuem auf die Erde gekom­men wäre, hätte Ich euch nichts anderes sagen kön­nen. Ihr habt hier alle Meine Gedanken. Betrachtet das als aus dem Munde Gottes selbst kommend, und handelt dementsprechend.»

«Ihr alle des 20. Jahrhunderts, die ihr euch den an­deren, die euch vorausgegangen sind, überlegen wähnt mit eueren Kenntnissen und eurer Intelligenz, welches wird euer Urteilsspruch sein? Werdet ihr so handeln wie die Juden von damals ? Werdet ihr alles dies verneinen, und werdet ihr Mich von neuem kreu­zigen, oder werdet ihr glauben und euch Meinem Wil­len unterwerfen, der immer der gleiche war und sein wird, den jedoch euer Modernismus verfälscht hat, indem ihr ihn derart auslegt, daß er mit eurer Narren­liebe für alles das, was nicht Ich bin, übereinstimmt?»

«Überlegt es euch alle sehr wohl, vom Kleinsten bis zum Größten; denn die Stunde ist ernst und die Zeit ist kurz.»

Ende des 1. Bandes

(Weitere Bände sind vorgesehen.)

 

ANHANG

Lieber Leser,

Wenn Sie dieses Buch ganz gelesen haben, werden Sie sich zweifellos manche Frage stellen, und vielleicht auch die folgenden:

Vorerst: Ist es möglich, so viel in so kurzer Zeit (von nur ungefähr 90 Tagen) zu schreiben, und was mehr ist, ohne vorher überlegt und lange über den Gegenstand nachgedacht zu haben, da der ganze Text ohne No­tizen und Entwürfe, von der Feder weg geschrieben wurde? Auf diese Frage lautet die Antwort: Ja.

Dann: Ist es möglich, auf so einfache, klare und präzise Weise zu schreiben, wenn man nur Grundschulbildung hat und wenn man aus Ar­beiterkreisen kommt? Ich antworte: Ja, und die Echtheit (der Schriften) ist nachweisbar.

Schließlich: Wie ist es möglich, so ernsthafte Dinge in einem wahrhaft evangelischen Stil zu schreiben über eine Lehre, die gegenwärtig in der Welt keine gute Presse findet, die man praktisch seit Jahren nicht mehr vernimmt, die aber in einer Linie bleibt mit den Meistern der Mystik, den Kirchenlehrern, ohne (irgendwelche) theologische Irrtümer? Man kann die Antwort in den folgenden Worten finden, die «Gaby» hörte, als sie sich vorzustellen versuchte, wie es ihr habe gelingen können, alles dies zu schreiben:

«Warum versuchst du, ein (Phänomen) zu verstehen? Die größten Weisen werden nie dazu gelangen. Ich habe deinem Geist Fähigkeiten verliehen, die er normalerweise nicht besitzt. Es wäre leichter, das My­sterium der Heiligsten Dreifaltigkeit zu begreifen, als zu verstehen, was du bist»

Man wird vielleicht die Auffassung vertreten, daß zu viele Wiederho­lungen vorkommen. Darauf kann man die Antwort geben, die einer Per­son erteilt wurde, welche bereits die gleiche Bemerkung gemacht hatte:

«Es scheint, daß Ich in diesen Schriften die gleichen Dinge (zu oft) wiederhole. Ich glaube dennoch, daß Ich sie noch nicht genug wieder­holt habe, da man ja, wenn man die Zahl derjenigen sieht, die Meine Lehre befolgen, nie wird sagen können, daß genau das seit Jahrhunder­ten gelehrt wird.»

Und jenen, die glauben, daß dies, selbst wenn es wahr wäre, heutzuta­ge überholt ist, könnte man die Aufforderung entgegenhalten, erneut das zu lesen und darüber nachzudenken, was bereits gelesen wurde:

«Selbst für die Leute des 20. Jahrhunderts, denen das Ganze in alten Teilen widerstrebt, bleibt es bestehen: Ihr müßt danach trachten und streben, euch zu heiligen, und zwar jeden Tag mehr.»

Zweifellos werden auch viele Psychologen, Psychiater oder Psycho­analytiker versucht sein, dieses «Phänomen» auf natürliche Weise zu er­klären; aber es wird immer wahr bleiben, daß es Erlebtes, daß es reine Wahrheit, daß es echt ist.

Und wenn Sie diese Schrift so sehr zu fesseln vermochte, daß Sie sie bis zu Ende gelesen haben, so ist das schon ganz gut. Und wenn Sie in ihr Stoff zum Nachsinnen gefunden haben, so ist es noch viel besser. Schließlich aber, wenn die Schrift Sie dermaßen zu interessieren ver­mochte, daß sie Ihr Leben beeinflußt hat, und zwar in dem in ihr ange­zeigten Sinn, dann kann ich Ihnen versichern, daß Sie zu jenen gehören, die «den Weg» gefunden haben, «der zum (ewigen) Leben führt».

Haben Sie dieses Buch geschätzt? Nun denn, lesen Sie es noch einmal, diesmal aber, indem sie es betrachten. Und wenn Sie aus ihm Ihren per­sönlichen Gewinn gezogen haben, warum sollten Sie es nicht verbreiten, da ja die wahre Nächstenliebe darin besteht, den anderen Gutes zu tun, vor allem geistigerweise.

A. L., Priester

«Es hat Gott gefallen, die Gläubigen durch die Torheit Seiner Botschaft zu retten.» (1. Kor. 1,21)


 Einige Gebete von „G-A-B-Y“:


GEBET ZUM HEILIGSTEN HERZEN JESU

O mildes und erbarmungsreiches Herz Jesu, göttlicher König des Himmels und der Erde, der Du dennoch vom Menschen, Deinem eigenen Geschöpf, so verkannt wirst, ich werfe mich zu Deinen Füßen nieder, ich bete Dich an, ich preise Dich, ich sage Dir Dank für alle Menschen der Erde. Niedergedrückt unter der Last meiner Sünden und meiner Unwürdigkeit, flehe ich Dich an, Herz Jesu, Liebe meines Lebens, mir zu vergeben und Erbarmen zu haben mit diesem Nichts, das ich bin. Verzeihung, Herz Jesu, Verzeihung für meine Sünden und jene der ganzen Welt. Anbe­tungswürdiges Herz meines Jesus, Du, der Du das Licht meines Lebens bist, Du, dessen Milde und Liebe grenzenlos ist, ich bitte Dich, nicht auf meine Niedrigkeit und mein Nichts zu achten, sondern einzig auf die glühende Begierde, die ich habe, Dich zu lieben und Dir zu gefallen; und ich wage es, dich demütig zu bit­ten, mir Dein Herz zu öffnen und mich darin zu verbergen, um mich vor allen Wechselfällen der Welt zu bewahren. So verbor­gen im Tiefsten Deines göttlichen Herzens, werde ich vor allen Gefahren in Sicherheit sein, die mich von Dir entfernen könnten. O göttliches und majestätisches Herz Jesu, ich beschwöre Dich, mich vor dem Unglück zu bewahren, je von Dir getrennt zu werden; und um sicher zu gehen, daß Du mich niemals Deinem Herzen entweichen lassen wirst, bitte ich Dich, es hinter mir zu verschließen und mich Dir näher sein zu lassen im Himmel, da­mit ich Dich die ganze Ewigkeit lang in Vereinigung mit Maria und allen Heiligen anbeten und Deine Herrlichkeit besingen kann. AMEN.

AUFOPFERUNG

Mein Gott, ich opfere Dir mein Leben; mache damit, was Du willst. Nimm es, wann Du willst, wie Du willst. Ich nehme im vor­aus alles an, was Du mir schicken wirst: die Leiden, die Schmer­zen, die Entsagungen, die Du zur Genugtuung und Sühnung meiner unzähligen Sünden und der Sünden der Seelen, die Dir besonders geweiht sind, von mir fordern wirst, und dies als eine Wirkung Deiner großen und unermeßlichen Barmherzigkeit gegenüber dem Nichts, das ich bin. Ich opfere Dir alles auf in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi, meines Erlösers. AMEN.

APOSTOLISCHES GEBET

Ich bekenne vor Dir, Herr, daß ich nichts bin und daß ich ohne Dich nichts vermag. Ich danke Dir dafür, daß Du in Deiner gren­zenlosen Barmherzigkeit geruht hast, Deinen Blick auf dieses Nichts zu werfen, das ich bin. Mach, Herr, daß ich mir dieses Nichtsseins stets bewußt bleibe, damit Du, wenn Du Dich mei­ner bedienst, um Deine Absichten auszuführen, daraus alle Ehre und Verherrlichung erhältst. AMEN.

Nihil obstat: Saint-Hyacinthe, 15.7.1969, Armand Bail, ptre. Imprimatur: †Albert Sanchagrin, o.m.i., Bischof von Saint­-Hyacinthe, Kanada, 21.7.1969

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Quelle: „DER WEG, DER ZUM LEBEN FÜHRT – Das Tagebuch von Gaby, Band I – Offenbarungen JESU aus dem Jahre 1955 an eine kanadische Mutter und Hausfrau. Ein dramatischer Appell Gottes an die ganze Welt zur Umkehr, zur Buße und Sühne, ehe es zu spät ist … Eine erschütternde Warnung vor dem Schrecklichen, das unser harrt, wenn wir uns nicht alle endlich bekehren. – Für die kanadischen Herausgeber übersetzt von Paul O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

CHARISMEN, PRIVATOFFENBARUNGEN, WAS NÜTZEN SIE?

„Es gibt Christen, die keinen Geschmack an Mystischem, an Privat­offenbarunge haben. „Das Wort Gottes, das kirchliche Lehramt, diese zuverlässigen Quellen genügen mir!“ Hut aber vor denen, die das Wort Gottes hören und befolgen! Um es aber zu verstehen, wird es vom Prediger auf der Kanzel und in der Bibel erklärt. Privatof­fenbarungen wollen nicht das Wort Gottes ersetzen, sondern haben die Aufgabe, es zu beleuchten und zu seiner Befolgung anzuregen. P. Alois Mager, O.S.B., der doch auch etwas von Mystik verstanden hat, sagte bei Exerzitien: „Unser Glaube gründet nicht auf Privatof­fenbarungen, jedoch sind solche geeignet, das religiöse Leben neu zu befruchten, uns neue Antriebe zu geben, uns zu innigerer Liebe, zu größerer Treue und vor allem zu tieferer Demut anzuspornen. Und in dem Sinne hat auch der HL. Vater die Offenbarungen von Fatima übernommen“. Und er erzählte ein Beispiel vom heilsamen Einfluß begnadeter Seelen. Er sagte: „Die liturgische Bewegung wurde von Dom Guéranger (Solesmes) eingeleitet. Von da kam sie nach Beuron durch Abt Maurus und Abt Placidus Wolter. Und da ist es nun interessant, zu erfahren, daß Dom Guéranger zum liturgi­schen Beten nicht gebracht wurde durch die Pracht der Liturgie, die sich vor ihm entfaltete, auch nicht durch Studium, sondern durch seine Besuche bei den beiden Stigmatisierten: Palma d’Oria in Italien und Louise Lateau in Belgien*). Wenn er bei ihnen war und dort betete, so reagierten sie, die den Sinnen ganz entrückt waren, sofort darauf. Sie falteten die Hände, begannen zu leuchten, zu strahlen, und ähnliches mehr. Besonders stark geschah dies bei Louise. Und dies war immer besonders auffallend dann, wenn er liturgische Gebete sprach. Das hat ihn nachdenklich gemacht. Wenn das so ist, so sagte er sich, dann müssen die liturgischen Gebete einen ganz besonderen Wert haben. Und da hat er nun fleißig nachgeforscht und studiert und so kam er zu der liturgischen Erneuerung. Auch unser Vater Erzabt Placidus war bei Louise gewe­sen und hatte die gleichen Erfahrungen gemacht, wie er uns selbst noch erzählte. Auch auf ihn hatte das großen Eindruck gemacht, und er wurde dadurch in der Erkenntnis bestärkt, daß das eine große Mission sei, das liturgische Beten wieder ins Volk hineinzutragen.“

Ja, es ist schon so: Charismen, Privatoffenbarungen wirken sich auch heute noch sehr heilsam aus. Es ist darum unverantwortlich, ihren segensreichen Einfluß durch hochmütiges Verächtlichmachen und Ablehnen zu hemmen.

Wenn die Muttergottes sich nicht begnügt mit ihrer Erscheinung in ihrem Erdenwandel, sondern auch noch im 20. [und 21.] Jahrhundert er­scheint, so hat sie, welche der Sitz der Weisheit ist, dafür ihre guten Gründe, über die sie uns keine Rechenschaft ablegen muß. Ihr erbarmungsreiches, von Liebe erfülltes Mutterherz nimmt eben Rücksicht auf jene, denen ihre neuen Erscheinungen von Nutzen sind. Sie weiß, wie viel Bekehrungen dadurch erfolgen, wie viel Freude ihre lieben Kinder auf Erden daran haben…“

Univ.-Prof. Dr. Josef Dillersberger

*) Über diese beiden Stigmatisierten (Louise Lateau und Palma d’Oria) hat übrigens Dr. A. lmbert-Gourbeyre, Professor an der Schule für Medizin, Clermont-Ferrant, je einen detaillierten Zeugnis-Band geschrieben, die bei Victor Palme, Paris, 1873, erschienen sind.