EIN BÜCHLEIN VON DEN ENGELN

DIE BIBEL IN BILDERN Julius Schnorr von Carolsfeld

Nach den Mitteilungen von Ancilla Domini. Herausgegeben von Friedrich Ritter von Lama. (Badenia Verlag Karlsruhe)
Imprimatur: Olomucii, die 16. Decembris 1935, Nr. 20 826, Fr. Joannes Artinu, Vicarius generalis
[Aus dem Besitz von Engelbert Knipprath, Merzenich/Düren (Broschüre 64 Seiten), geschenkt an Paul Schenker, Immaculata-Verlag, 6015 Reußbühl/LU — 9050 Appenzell]

»Magdalena vom Kreuze«

Lebensskizze

Mechtilde Sch., aus deren mystischen Erlebnissen heraus das vorliegende Büchlein entstanden ist, hat der Gebetsvereinigung des seligen Grignion von Monfort angehört und bei ihrer Aufnahme den Namen Magdalena vom Kreuze erhalten. Mit diesem nennt sie sich in ihren Schriften selbst oft, oder sie unterzeichnet einfach als „Ancilla“, seit ihr ihr Seelenführer Pfarrer Fischer diesen Namen gegeben hat, um ihr vorzustellen, daß sie sich in allem als eine Magd des Herrn betrachten solle. Der Schauplatz ihrer Jugend- und Mädchenjahre war München, genauer gesprochen, die Pfarrei St. Ludwig. Von frühester Jugend an ist sie von Gott zu ihrem Berufe als Opferseele großen Stiles erzogen worden, und obwohl sie beständig in der Welt lebte, war sie nur einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Mitmenschen ihrem religiösen und mystischen Leben nach bekannt. Von ihren auf Gottes Anordnung nur dem Beichtvater sichtbaren Wundmalen hatte nicht einmal ihr eigener Mann eine Ahnung. In frühester Jugend hatte Gott also ein Erziehungswerk begonnen, denn sie, die ein weiches, liebebedürftiges Kinderherz besaß, wurde von ihrer Mutter gehaßt. Diese, eine Weltdame, ließ es ihr Leben lang das unschuldige Kind fühlen, daß seine Geburt der Mutter beinahe das Leben kostete. Mechtilde mußte sehen, wie alle ihre sieben Geschwister ihr bei jeder Gelegenheit vorgezogen wurden, und als Begründung dieser Zurücksetzung wurde ihr gesagt: „Du hast mir beinahe das Leben gekostet, mach, daß du mir aus den Augen kommst!“ Der Vater dagegen war ein Mann von hoher Bildung und tiefer Religiosität; er wenigstens liebte auch dieses Kind, in dessen Andenken er als Heiliger `fortlebte. Durch seine Gattin war er nahe mit dem seligen Bischof Wittmannn von Regensburg verwandt gewesen.

Die dem Kind von der Mutter zuteilgewordene Behandlung verhärtete zum Glück dessen Herzchen nicht. Als Vierjährige schon empfand sie großes Mitleid mit der weinenden Gottesmutter, deren Bild sie oft betrachtete. Als eines Tages die Mutter ausgegangen war, schleppte sie sich einen Stuhl herbei und wischte dem weinenden Bilde mit einem Spitzentüchlein die Tränen ab. Und siehe da, sie verschwanden. Da sie aber immer wieder erschienen, wischte die kleine Mechtilde sie immer wieder ab, so wehe tat es ihr, die Tränen der Muttergottes sehen zu müssen. Um dieser Tränen willen bat sie einmal den Heiland, er möge einem blinden Bettelkinde doch das Augenlicht wiedergeben, und als sie mit ihrem Tränentüchlein über dessen Augen fuhr, wurden sie sehend. Mit fünf Jahren verzichtete Mechtilde mit einem Akt vollkommener Hingabe an Gott auf jede menschliche Liebe, und von da ab sah sie »ihren Archangelus“, den ihr als besonderen Führer beigegebenen Erzengel. Mechtilde erhielt eine gediegene Ausbildung, sie war wirklich hochgebildet, und wenn sie ihre prachtvolle Altstimme ertönen ließ, blieben die Leute auf der Straße buchstäblich vor dem offenen Fenster stehen, um zu lauschen. Für ihr religiöses Leben dürfte von größter Bedeutung die Wahl ihres Beichtvaters gewesen sein, eines Pater Sch. aus der Redemptoristen-Kongregation. Er muß ein in jeder Hinsicht außerordentlicher und von Gott erleuchteter Seelenführer gewesen sein. Er war streng, und als er erfuhr, daß sein Beichtkind bereits auf außerordentlichen Gnadenwegen wandelte und von seinem Engel geführt wurde, verstand er es, jeden Keim von Stolz und Eigenliebe auszurotten und das Beichtkind in jener Demut zu befestigen, die von der eigenen Armseligkeit ganz durchdrungen ist und an der jede Versuchung zum Hochmut scheitert. Diese außerordentliche demütige Geisteshaltung bricht immer wieder durch, und je größer die Gnaden waren, die Gott über sie ausgoß, desto überzeugter war sie, derselben unwürdig zu sein. Mechtilde war nun bereits „Magdalena vom Kreuze“. Ihre Tagebuchaufzeichnungen beweisen, daß Pater Sch. ihre Leidensmission schon genau kannte, so daß er ihr oft und oft das zunächst Kommende ankünden konnte. Magdalena fühlte sich begreiflicherweise zum Ordensleben hingedrängt, zumal eine ihrer Schwestern bereits den Habit der Dienerinnen Mariens (Servitinnen) trug. Diese Schwester des Herzogspital-Klosters in München galt wegen gewisser mystischer Gnaden als jenes Kind, von dem der heilige Pfarrer von Ars einst den Eltern gesagt hatte, es werde eine Heilige sein. Zweifellos ist aber damit Magdalena vom Kreuze gemeint. Um dies behaupten zu können, ist freilich der volle Einblick in alles erhaltene schriftliche Material, in Tagebücher, Briefe und in die Berichte ihrer späteren geistlichen Kinder notwendig.

Pater Sch. war es, der ihr eines Tages versicherte, daß sie von Gott für den ehelichen Stand bestimmt sei. Daher schloß sie am 7. Mai 1895 die Ehe mit einem Manne, dem sie ihre volle Liebe schenkte, der sich aber nur zu bald unter fremdem Einfluß wandelte und zu einem Charakter entwickelte, für den es schwer ist, den angemessenen Ausdruck zu finden. Er war wirklich ein Tyrann im schlimmsten Sinne des Wortes, der ein diabolisches Vergnügen daran fand, seine Frau bei Tag und Nacht leiblich, moralisch und seelisch zu martern. Seine Rücksichtslosigkeit und Launenhaftigkeit kannte jahrelang keine Grenzen, auch dann nicht, wenn »Magdalena“ als eine Sterbende, versehen — wiederholt! — mit der Letzten Ölung, vor ihm lag. Und dennoch findet sich nach all dem im Jahre 1907 im Tagebuch zum Beispiel das Geständnis gegenüber dem Archangelus: „Meinen Mann liebe ich am meisten auf der Welt.“ In ihrem sechzehnten Lebensjahr war „Magdalena“ mit ihren Eltern nach Regensburg übergesiedelt, und hat dort auch später ihr erstes Ehejahr verlebt. „Einmal, es war im ersten Jahre meiner Ehe“, schreibt sie später, »da war ich in einen Abgrund von Trauer versenkt. Ich kniete mich nieder vor dem Kruzifix und sagte weinend: ,O süßeste Liebe! Der, dem ich mein Herz geschenkt habe nach deinem Willen, hat mich ins Gesicht geschlagen, und ich bin zu Tode betrübt. Ich ertrage es schweigend zu Ehren des dir versetzten Backenstreiches. Aber, liebster Herr, was gibst du mir dafür?‘ Da wurde das Kruzifix lebendig, und eine rührende, ergreifende Stimme sagte mit unendlicher Liebe: ,Meine geliebte Tochter!‘ Da wurde mir das enge Zimmer zur Kapelle, und ich fand keine anderen Worte als: ,O meine gekreuzigte Liebe!‘ Von dieser Stunde an konnte ich alle Beleidigungen und moralischen Mißhandlungen, die mir die Jahre brachten, mit Geduld ertragen und ohne Vorbehalt verzeihen.“ Pater Sch. aber, der kluge Beichtvater, bemerkte, als sie ihm das erzählte: „Kind, wie klein ist dein Glaube und wie schwach deine Liebe, daß der Herr sich solcher Mittel bedienen muß!“

Im Jahre 1898 übernahm ihr Mann einen hohen Verwaltungsposten in Württemberg, mit dem die Übersiedelung nach O. verbunden war. Es war im August. Die seelsorgerischen Verhältnisse in jenem „gottverlassenen Nest“, wie sie es nennt, waren außerordentlich schlimme und „Magdalena“ klagt, daß sich ihr neuer Beichtvater in der Beichte um alles bekümmere,,nur nicht um ihre Seele. Wenn schon Pater Sch., der sonst gewiß keine Gelegenheit unbenützt ließ, „Magdalena“ durch beständige Übung der Abtötung für ihren Kreuzesberuf zu erziehen, ihr geradezu den Befehl erteilte, sich einen anderen Beichtvater zu suchen, dann ist dies mehr als bezeichnend.

Am 1. Januar 1899 schrieb sie an Pater Sch.: „Im Namen Jesu fange ich dieses Jahr an, das mir nach Ihrer Voraussage so schwere zahlreiche Leiden bringen wird.“ Es begann mit der Untreue ihres Mannes, der seine feingebildete Frau einem Weibe unterordnete, dem jede gute Eigenschaft zu mangeln schien. Dazu kam, daß „Magdalenas“ Körperkräfte von ihrem Manne durch Arbeit über alle Maßen ausgenützt wurden, so daß ihr mitunter nur zwei bis drei Stunden Nachtruhe verblieben. Es kam zum vollen körperlichen Zusammenbruch. Sie rang mit dem Tod, den der Arzt nur noch mit letzten Mitteln hinauszuschieben vermochte, und der Ortsseelsorger bekümmerte sich nicht um sie. Monatelang entbehrte sie des Kommunionempfanges; jede Möglichkeit, zu beichten, fehlte. Wohl wurde die gesundheitliche Krise überwunden, aber gesund ist Magdalena nie mehr geworden. Es zeigte sich, daß für sie die Ehe der Weg nach Golgotha sein sollte. Bald nach jener Krise kündigte ihr ein Brief Pater Sch.’s an, die Entschädigung für das Erlittene werde sie „in Gestalt eines guten Beichtvaters erhalten, wenn sie auch anfangs Gottes Gabe nicht erkennen würde. Er werde Johannes heißen“. Der Briefschreiber gibt wiederholt zu erkennen, daß ihm dieser Confessarius im Geiste gezeigt wurde, so daß er seine besonderen Eigenschaften beschreiben konnte. Die Ankündigung erfüllte sich. Pfarrer Fischer erschien unserer Magdalena, von ihrem Archangelus als die „Gabe Gottes“ bezeichnet, als „Deus dedit“ (Gott gab ihn). Später hat dieser einen Mitbruder zu Rate gezogen, um diese große Opferseele ja mit sicherer Hand führen zu können und zugleich in der eigenen Heiligung Fortschritte zu machen. Auch der Name dieses heute noch lebenden Priesters (Prälat R.) ist uns bekannt.

Ich zwinge mich, die Hunderte von Tagebuchseiten zu überschlagen mit ihrer Überfülle von Einzelheiten über Kreuze und Leiden, aber auch über außerordentliche Gnaden und himmlische Tröstungen. Ein besonders schweres Kreuz war für Magdalena ihre Kinderlosigkeit. Dafür schenkte ihr der Herr aber eine große, große Familie geistlicher Kinder, Männer und Frauen, Priester, Laien, Ordenspersonen, die sich ihrer Führung unterstellten und von ihr vorzugsweise auf schriftlichem Weg geführt wurden. Aber auch außerordentliche Mittel, die ihr Gottes Allmacht zur Verfügung stellte, dienten diesem Zweck, zum Beispiel die Gabe der Bilokation. Während ihr Körper im Bette ruhte, holte der Schutzengel sie ab, warf ihr den grauen Mantel über, und dann trat sie ihre Wanderung an. So pflegte sie in langen „Nachtwachen“ während des Krieges in Lazaretten Verwundete an der Westfront, die sie nach ihrer Heimkehr wieder als ihre einstige Pflegerin erkannten. Eines ihrer geistlichen Kinder ist in höchster Gefahr, in eine Todsünde zu willigen; Magdalena kommt zu ihm und macht ihm Vorstellungen, und er — stößt sie zurück und fällt. Doch ich will in dieser Lebensskizze der unerhörten Fülle des Außerordentlichen nicht noch mehr Zugeständnisse machen und in der Diesseitszone bleiben. Hatte Magdalena doch strengen Auftrag von ihrem Archangelus, solange sie lebte, alles Außerordentliche zu verbergen, auch ihre Stigmatisation; denn „wenn Gott ein Geheimnis verschleiere, so solle es auch verschleiert bleiben“. Es ist unglaublich, bis zu welchem Grade ihre Leidensfähigkeit sich mit der Zeit steigerte, und was sie stellvertretend zum Beispiel auch für bestimmte Arme Seelen litt. Und dennoch gesteht sie immer wieder, sie habe noch nicht den Schatten eines Verdienstes vor Gott, sie sei noch immer der personifizierte Hochmut. Nie, schreibt sie, sei sie erhört worden, wenn sie den Herrn um Erleichterung ihrer Leiden gebeten habe; aber ihre Bitten für andere seien immer erhört worden. Immer wieder, wenn ich in diesen Tagebuchblättern lese, wenn ich verfolge, wie der Ehemann mit einer unerhörten Findigkeit immer neue Quälereien für seine Frau, die beständig um seine Bekehrung betete, bereitet hatte, möchte mich der Wunsch packen, daß ich sein Leben beschreibe, um ihn anzuprangern, anstatt mich mit seinem unschuldigen Opfer zu befassen. Aber sie hat ihm die Gnade erwirkt, daß er — nach ihrem Ableben — wenigstens reumütig gestorben ist, und auch jenes Weib, durch das diese Ehe vergiftet wurde, hat sich bekehrt. Es war Ancillas Werk.

Pater Sch. war am 24. März 1906 gestorben; aber der Verkehr mit ihm dauerte ununterbrochen fort. Am 27. Februar 1907 frägt sie „ihren teuren, verewigten geistlichen Vater, Pater Sch., wann sie endlich sterben dürfe. Da sprach er: ,Sobald du noch kleiner, noch mehr Kind geworden bist.“ Jahre vergingen. Am 18. September 1919 schrieb sie an ihre geistliche Tochter M. Hedwig Schnabel im Institut der Englischen Fräulein in Augsburg: „Ich muß Dir gestehen, daß ich so übermüdet bin …“ Am 7. November: „Ich bin sterbenskrank …“ Am 15. November: „Heute nachmittag schlief ich einige Augenblicke ein. Da träumte mir von‘ Pater Sch. Er stand vor mir; mit liebevollem Ausdruck sagte er: ,Bald, geliebte Tochter, bald!‘ ‚Wie soll ich das verstehen?‘ erwiderte ich. Da legte er den Finger auf den Mund und sagte nochmals: ,Bald, geliebte Tochter!‘, und damit war er verschwunden.“ Am 21. November wurde „Magdalena“ (wieder einmal) mit den heiligen Sterbesakramenten versehen, und als Pfarrer Fischer sie bat, eventuell den Tod aus der Hand Gottes ergeben anzunehmen, lächelte sie nur, denn auf diesen Augenblick hatte sie sich längst gefreut. Im Krankenzimmer hing das Kruzifix, das so oft zu ihr gesprochen. Sie gestand nach dem Versehen, daß ihr Inneres von Tröstungen überströme. Es kam der 30. November, ein Sonntag. „Magdalena“ schickte die Pflegeschwester in die Frühmesse und dann noch in Predigt und Hochamt, und während des letzteren starb sie. Ihr Mann war zugegen, und sie konnte noch sagen: „Ich muß sterben“, dann noch einige Atemzüge, und ihre Seele war hinübergegangen; der heilige Andreas, den sie mit so viel Liebe als Kreuzesapostel verehrt hatte, hatte sie heimgeholt. Das Antlitz der Hingeschiedenen nahm den Ausdruck des Glückes und des Friedens an. Majestätische Hoheit umgab die Leiche; mildernst, wie in Betrachtung versunken, lag sie da mit demselben Ausdruck, mit dem man sie stets an der Kommunionbank knien sah. Wenige Tage später wurde die Leiche nach München übergeführt und dort im Waldfriedhof beigesetzt.

Umfangreiche, Jahre umfassende Tagebücher, persönliche Mitteilungen an eine befreundete Seele und viele Briefe, die mir meist im Original vorlagen, sind die Fundgrube, aus der ich die hier gesammelten Perlen zusammengelesen habe. Wer jene war, die sie dort niedergelegt hatte, darüber gab die vorstehende Lebensskizze einige Auskunft. Wenn einstweilen aus bestimmten Gründen noch die Anonymität aufrechterhalten werden muß, so bedauert dies niemand mehr als ich, der Herausgeber. Aber die Rücksicht auf gewisse lebende Personen gebietet es. „Ancilla Domini“ war vor Jahren als junge Frau meiner verstorbenen lieben Mutter nahegetreten; diese war es, welche ihr bei der ersten Begegnung in Regensburg ihre Stigmatisierung vorausgesagt hat. Heute wirkt „Ancilla“ bereits vom Himmel aus manches Gute unter uns, und es wird Zeit, sie allmählich bekanntzumachen. Sie ist ja auch die Verfasserin dieses Büchleins, dessen gesamter Inhalt aus eigenem Erleben geschöpft ist. Nur die Auswahl der einzelnen Teile und ihre Zusammenstellung ist mein Werk.

Gauting, 7. November 1935

Friedrich Ritter von Lama

[Fortsetzung folgt]

DER MENSCH AUF SEINEM WEG ZU GOTT

ZWISCHEN ENGEL UND TEUFEL

Der Mensch, mit seinem sterblichen Leib und seiner unsterbli­chen Seele – mit seiner Sehnsucht nach GOTT und seinen Trieben nach unten, ist auf seinem Weg zu GOTT mitten in den Kampf der Geister gestellt, heute mehr denn je. Sowohl das natürliche wie das übernatürliche Leben ist Kampf vom ersten bis zum letzten Augenblick; wir können uns ihm nicht entziehen. Wir müssen ler­nen, mit klaren Augen rings um uns zu schauen und uns jene Waf­fen zu sichern, deren wir zum Siege über den Bösen bedürfen – in uns und um uns. Das Leben ist nun einmal der große Prüfungs­tag für uns, der die Entscheidung für die ganze Ewigkeit bringt, für – oder gegen GOTT!

„ICH BIN DER HERR DEIN GOTT“ Dieses Sigel erhält jeder Mensch bei der hl. Taufe, welche ihn zum Kind GOTTES und zum Er­ben des Himmels macht. Würde man sich dies im Leben immer wieder vor Augen halten, viel Leid und Schuld, viel Angst und Not blie­ben uns erspart.

Der Kampf der Geister, durch den wir hindurchgehen müssen auf unserm Weg zu GOTT, ist unerbittlich bis in seine letzten Konse­quenzen. Hier spielt das Zeitliche nur in Bezug auf menschliche Fähigkeiten und Hilfsmittel, auf Angriffs- und Abwehrmöglichkeiten eine Rolle. Das Wesentliche, um das es geht, das ist die Beute, sowohl für den Engel als für den Teufel und diese Beute ist immer der Mensch, ist das ewige Sein des Men­schen in GOTT, wenn er Beute des Engels wird, – oder das ewige Nichtssein im Abgrund der Hölle, wenn er Beute des Teufels wird. Denn darum geht der Kampf der Geister: es kann ja kein Engel einen Teufel töten, es wird auch niemals aus einem Teufel ein Engel oder umgekehrt. Seit der Stunde, da Luzifer mit seinem An­hang aus der Anschauung GOTTES geworfen wurde, haben die Mächte der Finsternis das unstillbare Verlangen, alles und besonders die ganze Menschheit in ihren Abgrund, in ihre Nacht hineinzu­reißen. CHRISTI Blut, das über die Menschen erlösend geflossen ist, das ist eine unbezahlbare Siegesbeute für sie, Der Mensch ist Kämpfer, solange er selbst mit seinem freien Willen freie Entscheidungen trifft für oder gegen GOTT. Er wird Kampfplatz und Beute, sobald er seinen freien Willen preisgibt oder im Tod preisgeben muss, Beute GOTTES oder Beute Satans.

Jede freie Entscheidung für oder gegen GOTT bedingt Kampf: Kampf gegen den Versucher bei einer Entscheidung für GOTT, Kampf gegen das mahnende Gewissen bei einer Entscheidung ge­gen GOTT. Das Gewissen ist wie der Zellkern der Seele, – ist das Gewissen abgestorben, dann ist auch das Leben der Seele tot und unfruchtbar, ein solcher Mensch, der steril geworden ist gegen GOTT und gegen alle Gnaden GOTTES, wird eben gnadenlos und dadurch wertlos.

Während sich die Mächte des Lichtes, die heiligen Engel, dem Willen GOTTES gemäß jeden Zwanges auf den freien Willen des Men­schen enthalten und ihre Führung erst dann sichtbar wird, wenn der Mensch seinen freien Willen GOTT völlig unterordnet und sich IHM ganz anheimstellt, – bekümmert dieser freie Wille des Menschen den Bösen wenig. Die Mächte der Finsternis bedrängen den Menschen schmeichelnd und drohend, sie kreisen ihn ein, sie betrügen ihn und stacheln ihn auf, es gibt keine Stelle an Körper oder Seele oder Geist, die davon unberührt bliebe als Folge der Erbsünde. Der Kampf, der sich innerhalb der Schöpfung erhebt aus allen Machtbe­reichen des Bösen, von den unauffälligen oder triebhaften, fast gewohnheitsmäßig den Menschen überfallenden Versuchungen angefan­gen bis zu jenen den Kern des Menschen sterilmachenden, wird von uns vielfach gar nicht begriffen oder zumindest weit unterschätzt. Im Zeitalter der Aufklärung wurde die „Kirche Satans“ offiziell zur Macht auf Erden zugelassen. Die erste Bresche war geschlagen.

Was Wunder, wenn aus der „altmodischen“ Furcht vor dem Bö­sen nur mehr eine prickelnde Neugierde wurde (mit diesem „Teu­felchen“ einmal ins Gespräch zu kommen, es auszufragen, es an der Nase herum zu führen). Kein Mensch schützte sich mehr vor der an­geblichen Macht dieser Lächerlichkeit, dazu war man viel zu aufge­klärt. So war diese erste Bresche für das Eindringen meist ver­schleierter satanischer Einflüsse sowohl in die Kirche im Großen wie in jedem Menschen im Kleinen schon offen. Wir kennen diese Re­densarten, die hierüber kursieren: „Mir kann doch nichts passieren! –Man kann aus allem etwas lernen! – Wer wird sich denn vor sowas fürchten! – Man kann nie genug Wissen sammeln –“ ( tut man dies auch vom Wissen über GOTT und Sein Reich und Seine Forderungen und Seine Gnaden?)

Durch diese grundlose Selbstüberschätzung hat der Böse die zweite Bresche in die Reihen der GOTTESkämpfer, – denn für diese in­teressiert er sich am meisten –, aufreißen können: die Schlange kam mit einem ganzen Sack voller interessanter neuer Erkenntnisse (ihr werdet alles wissen, werdet sein wie Götter!) neuen Wissens, neuer, vorteilhafter Auswertungsmöglichkeiten. Die alte Lockung aus dem Paradies „euch werden die Augen aufgehen“.. die heute noch ganz gleich geblieben ist, weckt bei uns keine Erinnerung mehr an das erste Unheil und sehr bald ist die klare Sicht vernebelt, was GOTT und die hl. Kirche erlaubt und was nicht erlaubt wird. Alles ist als Freiheit des Geistes erlaubt! Da ist nun die dritte Bresche: Die Festung Satans ist sturmreif geworden für den höllischen Angriff auf breiter Front, wie wir es aus den Nachrichten über die Vorgänge im Osten genugsam wissen.

Dieser Kampf ist nicht erst von gestern, aber er ist heute ebenso stark wie ehedem und wird morgen noch ärger sein. Jeder Mensch muss durch diesen Kampf. Jeder Mensch hat aber auch durch die Weisheit und die Barmherzigkeit GOTTES einen guten Engel an seiner Seite, eben für diesen Kampf. Er ist also nicht allein, sie sind immer zu Zweit. Mensch, vergiss das nie! Um diese Beiden, Engel und Mensch, irrlichtert der Böse, immerfort lauernd, ob der Mensch ihm nicht freiwillig irgendwo ein Türchen öffnet, durch eine Gewohnheits­schwäche, durch eine Fahrlässigkeit, o, es geht auch über die Vor­spiegelung falscher Tatsachen, über freundschaftlichen Druck oder Drohung oder Überrumpelung. Wir wissen gar nicht, wie viel unser guter Engel von uns abhält, wir merken erst das förmlich lawinenar­tige Abrutschen, wenn wir unsern guten Engel beiseite geschoben und der Sünde wissentlich die Türe geöffnet haben, ja wir merken erst dann, wie schnell das Gute vergessen und die Moral der Welt ange­nommen ist. Wer aber nicht durch sein gut beendetes Leben bei sei­nem Gericht seinen guten Engel als Verteidiger neben sich stehen hat, der wird voll Schrecken einst seinen bösen Dämon hohnlachend auf ihn warten sehen und statt der Verteidigung seines guten Engels hat er dessen Anklage zu erwarten.

Der Mensch aus sich allein ist nicht fähig, den Kampf mit den Mächten der Finsternis siegreich zu bestehen, er braucht den guten Engel dazu. Dieser Engel wendet sein Angesicht nie vom An­gesicht GOTTES ab und steht auf diese Weise beständig in der vi­sio beatifica, im strahlenden Licht der Anschauung des DREIEINIGEN GOTTES. Mit diesem Licht kann er jede Dunkelheit der heran-drängenden Mächte der Hölle zurückweisen, er kann wirksam ein­greifen und helfen, so der Mensch will! Durch dieses Licht prägt er seinem Schützling den Begriff ein „Wer ist wie GOTT?“ und hält in ihm die GOTTESerkenntnis und die GOTTESfurcht wach. Das Licht des Bösen aber, dieses funkelnde, irrlichternde, bunt lockende Licht heißt „komm nur, du wirst sein wie GOTT!“ Freiheit verheißt dieses Licht und beleuchtet den Thron des eige­nen Ichs, die Vorratskammer der eigenen Wünsche, aber von GOTT weiß dieses Licht nichts, bloß von einem Götzen, der das eigene Antlitz trägt, dem Götzen: ICH.

So ist Kampf in und um den Menschen. Auch ohne Christ zu sein, hat jeder Mensch die Verpflichtung, das Gute zu tun und das Böse zu meiden nach dem Maß seiner Erkenntnis. Doppelt groß sind Verpflichtung und Kampf, wenn der Mensch durch die Taufgna­de das Sigel der Kinder GOTTES erhalten hat und in die heilige Kirche aufgenommen ist. Je mehr der Christ in das Reich GOTTES hineinwächst, desto leichter wird aus dem Kämpfer für GOTT ein Kampfplatz für die Kämpfer GOTTES, denn desto deutlicher und wuchtiger kämpfen die Engel GOTTES für ihn und er steht zwi­schen den Engeln so fest eingeknotet, wie Kette und Perle in einem Rosenkranz zusammenhängen. Das ist die GOTTgewollte Stel­lung des Menschen in dieser apokalyptischen Zeit, eingebaut zu werden und zu sein zwischen die hilfreichen, mächtigen heiligen Engel, die Herolde des Zeitalters MARIENS, des CHRISTkönigsrei­ches. Es lässt sich darum denken, dass Kämpfer und Kampffeld „Mensch“ von einer Vielzahl satanischer Kräfte bedrängt, be­worfen oder gar besetzt werden, so dass die heiligen Engel, bild­haft gesehen, oft aus diesem geistigen Getümmel herausragen wie Bäume aus einem Ameisenhaufen.

Der Fürst der Welt beschickt erst sein menschliches Opfer mit einer Unzahl Versucher, um es einzunebeln, gefügig zu machen durch Versprechungen, um es in eine Lauheit, Gleich­gültigkeit, Unzufriedenheit zu bringen. Dann kommen die Dämo­nen, welche den „Selbsterhaltungstrieb“ anstacheln, „Freu­de am Erfolg“ über unlautere Wege schüren, zu Trotz, Empfind­lichkeit und Rachsucht, zu Argwohn und Misstrauen reizen und so allmählich die Schlinge um den Hals des Menschen zuziehen. Der Mensch verlässt sich nunmehr auf diese „geistigen Freunde“, diese Ratgeber, steigt meist erst sprunghaft in die Höhe und kommt zu Geld, zu Erfolg, zu Ruhm und Ehren, begibt sich auf schiefe Bahn in völliger Selbstsicherheit und stürzt plötzlich in die Tiefe. „Das Glück hat sich von ihm gewendet“, sagen achselzuckend jene, die sich noch kurz vorher vor ihm bückten, und verachten ihn. Er verkommt im Elend , wenn er nicht noch im letzten Moment die ihm hilfreich entgegengestreckte Hand des guten Schutzengels ergreifen will.

Der Mensch kommt am sichersten zum Ziel, wenn er sein ganzes Vertrauen auf GOTT wirft, sich vollkommen in GOTT ein­ordnet, wenn er sich von aller triebhaften Anhänglichkeit löst und zur herrlichen, einfachen, frohen und gesunden Armut im Geist durchstößt. Diese Armut heißt: an nichts hängen, aber durch die Liebe GOTTES alles besitzen, alles lassen können, damit uns GOTT alles schenken kann, nichts wissen als GOTT, aber in GOTT alles wissen. Damit ist die erste der acht Seligkeiten erreicht.

Gerade in dieser heiligen Armut im Geist soll jeder Mensch, dem es ernst ist in seinem Ringen um GOTT, alle seine Kräfte in den Dienst GOTTES stellen. Er muss aber achten, falls ihm GOTT über­sinnliche Fähigkeiten geschenkt hat, dass er diese nur im Dienst GOTTES, nur unter den Augen der heiligen Kirche und des führen­den Priesters, nur an der Hand der heiligen Engel, nur in Ver­bindung mit viel Gebet, viel Opfer, viel Sühne, viel Schweigen be­nützt. Wer sich aktiv in den Kampf der Geister einmischen will, der muss von GOTT gerufen sein. Wen GOTT ruft, dem gibt ER auch die Kraft. Niemals soll ein Mensch sich auf seine Fähigkeiten allein stützen, er unterschätzt die geistigen Machtmittel und ein solcher Bau stürzt unweigerlich früher oder später um, weil er nicht auf dem Fundament des Rufes GOTTES steht, das allein trägt. Auch wer Licht in geistige Dunkelheiten der Zeit bringen will, muss sich dieses Licht von GOTT leihen. Jedes andre Licht bloßer For­schung gleicht einem Glühwürmchen, wie wir sie deren genug haben in den Sekten, im Spiritismus, Okkultismus u.s.w.

Wer einmal eine Ahnung von der erschreckenden Macht des Fürsten der Welt und seiner Helfershelfer erhalten hat, der weiß, dass es in diesem Kampf auf unsrer Seite keine andere wirksame Waffe gibt als die Hilfe GOTTES allein. Wir müssen GOTTESträger werden, wir müssen so sehr von GOTT beseelt, ja besessen sein, dass ER unser Ein und Alles ist und alles andre als nebensächlich versinkt, ­dann siegen wir. Denn GOTT allein genügt.

Sind wir so weit, dass GOTT von uns Besitz ergriffen hat, dann wird der Sieg greifbar. Wir sollen aber noch einen Schritt weiter gehen: wir müssen im Ringen um die Rettung der Seelen GOTT Selbst in den Arm fallen, wir müssen Sein Herz bezwingen, ER will von unserer Liebe bezwungen werden, Seine Größe von unserer Klein­heit, o Mysterium Göttlicher Liebe! Diese Kleinheit, diese Armut ist unsere Waffe, vor GOTT, genau wie die Torheit des Kreuzes zu­gleich die höchste Weisheit ist, wie die Ohnmacht des HEILIGSTEN BROTES die Macht der Endzeit ist, wie die Schwäche der heili­gen Mutter Kirche zugleich Unüberwindlichkeit ist. Nichts sind wir, aber GOTT ist alles in uns und in diesem Zeichen siegen wir.

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(Fortsetzung folgt!)

JEDER MENSCH LEBT EWIG — (02)

Jeder Mensch lebt ewig (1)

Auch die ENGEL leben ewig.

Sie sind die Ersterschaffenen Gottes. Sie sind reine Geistwesen. Sie sind wie wir Personen mit Namen.

Beginnend mit dem Sturz des Höchsten der Engelsheerscharen [Luzifer] in die Gegnerschaft zum Schöpfer-Gott haben sich die Engel insgesamt zweigeteilt: in Treue und Verteidiger Gottes [angeführt vom Erzengel Michael] und Untreue und Bekämpfer [Widersacher] Gottes [angeführt von Luzifer].

Und JEDER MENSCH hat von seinem Lebensanfang an und sicher für die Dauer seiner irdischen Existenz, bis zur Stunde seines Todes seinen persönlichen SCHUTZENGEL.

 

PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS „DOMUS SANCTAE MARTHAE“

  

Wir alle haben einen Schutzengel

 Donnerstag, 2. Oktober 2014

aus: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 42, 17. Oktober 2014

Wir alle haben einen Engel, der uns stets zur Seite steht, der uns nie allein lässt und uns dabei hilft, nicht vom rechten Weg abzukommen. Und wenn wir es verstehen, so zu sein wie die Kinder, dann gelingt es uns, der Versuchung zu entgehen, uns selbst zu genügen, einer Versuchung, die im Hochmut und auch in einem übertriebenen Karrieredenken gipfelt. Im Rahmen der Messe, die er am Donnerstag, 2. Oktober, in Santa Marta feierte, erinnerte Papst Franziskus am liturgischen Gedenktag der Schutzengel an deren entscheidende Rolle im Leben der Christen.

Es seien zwei Bilder – der Engel und das Kind –, die »uns die Kirche in der heutigen Liturgie zeigt«, so bemerkte Franziskus gleich zu Beginn. Vor allem das Buch Exodus (23,20-23) präsentiere uns »das Bild des Engels«, den »der Herr seinem Volk schickt, um ihm auf seinem Weg beizustehen.« In der Tat lese man: »Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe.« Also, so kommentierte der Papst, »ist das Leben ein Weg, der an jenem Ort endet, den der Herr uns bestimmt hat.« Aber, so präzisierte er, »niemand geht allein: niemand!« Denn »niemand kann allein gehen.« Und »wenn einer von uns der Ansicht sein sollte, allein gehen zu können, dann würde er sich schwer irren« und »er würde in jenen sehr schwerwiegenden Irrtum verfallen, der im Hochmut besteht: zu meinen, groß zu sein.« Schließlich würde man dann auch in dieses Verhaltensmuster der »Überheblichkeit« verfallen, die einen dazu bringe, zu sich selbst zu sagen: »ich kann es, ich schaffe es selbst«.

Der Herr hingegen gebe seinem Volk einen ganz klaren Hinweis: »Geh, tu das, was ich dir sagen werde. Du gehst den Weg deines Lebens, aber ich werde dir eine Hilfe schicken, die dich unentwegt daran erinnern wird, was du tun sollst.« Und so »sagt er zu seinem Volk, wie es sich seinem Engel gegenüber verhalten soll.« Die erste Empfehlung laute: »Achte auf ihn.« Und weiter: »hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht!« Deshalb müsse man es verstehen, ihn nicht nur zu »achten«, sondern zu verstehen, »zuzuhören« und »sich nicht zu widersetzen«. Im Grunde, so erläuterte der Papst, sei es jene fügsame Grundhaltung des Gehorsams, die dem Vater geschuldet werde, die zum Gehorsam des Kindes gehöre. Im Grunde handle es sich um »jenen Gehorsam der Weisheit, jenen Gehorsam, Ratschläge anzuhören und sich für den besten unter diesen zu entscheiden.« Und man müsse, so fügte er hinzu, »ein Herz haben, dass dafür offen ist, Rat einzuholen und anzuhören.«

Die Lesung aus dem Matthäusevangelium hingegen (18,1-5.10) präsentiere das zweite Bild, das des Kindes. »Die Jünger«, so sagte der Bischof von Rom über diesen Abschnitt, »stritten darüber, wer von ihnen der Größte sei. Es gab innere Kämpfe: das Karrieredenken. Diese Männer, die die ersten Bischöfe sind, waren durch das Karrieredenken versucht« und sagten untereinander: »Ich will größer sein als du!« Franziskus bemerkte hierzu: »Es ist kein gutes Vorbild, dass die ersten Bischöfe das getan haben, aber das ist die Wirklichkeit.«

Seinerseits »lehrt Jesus sie, wie man sich richtig verhalten« solle: er rufe ein Kind zu sich, stelle es mitten unter sie – so berichte Matthäus –, und verweise dadurch ausdrücklich auf die »Fügsamkeit, das Bedürfnis nach Rat, die Hilfsbedürftigkeit, weil das Kind gerade ein Zeichen für die Hilfsbedürftigkeit, die Fügsamkeit ist, um weiterzugehen.«

»Das ist der Weg«, so versicherte der Papst, und nicht jener, darüber zu befinden, »wer der Größte ist«. In Wirklichkeit, so bemerkte er, indem er die Worte Jesu wiederholte, »wird der der Größte sein«, der so werde wie die Kinder. Und an diesem Punkt stelle der Herr »diese geheimnisvolle Verbindung her, die man nicht erklären kann, die aber wahr ist.« In der Tat sage er: »Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.«

Franziskus merkte des weiteren an, dass es praktisch »so ist, als sage man: wenn ihr diese Fügsamkeit an den Tag legt, dieses Verhalten, den Lebensweg nicht alleine gehen zu wollen, dann nähert ihr euch dem Verhalten eines Kindes eher an und kommt dann der Betrachtung des Vaters näher.« »Gemäß der Tradition der Kirche haben wir alle«, so führte der Papst weiter aus , »einen Engel an unserer Seite, der uns beschützt, der uns die Dinge spüren lässt.« Im Übrigen, so gestand er, »wie oft haben wir sagen hören: ›Aber, das … ich sollte es so machen … das ist nicht in Ordnung … pass auf!‹ Gerade das sei »die Stimme dieses unseres Weggefährten.« Und wir könnten uns »sicher sein, dass er uns bis ans Ende unseres Lebens mit seinen Ratschlägen begleiten wird.« Deshalb müsse man »auf seine Stimme hören, uns nicht auflehnen.« »Die Auflehnung« hingegen, »den Wunsch nach Unabhängigkeit verspüren wir alle: es ist dieselbe Überheblichkeit, die unserem Vater Adam im himmlischen Paradies zu eigen war.« Daher lautete die Aufforderung des Papstes an alle: »Widersetze dich nicht, folge seinen Ratschlägen!«

In Wirklichkeit, so bestätigte der Papst, »geht niemand allein, und keiner von uns kann meinen, er sei allein: dieser Gefährte ist immer dabei. « Sicher, es geschehe, dass »wir dann, wenn wir nicht auf seinen Rat hören wollen, zu ihm sagen: ›Geh doch weg!‹« Aber »den Weggefährten wegzujagen ist gefährlich, weil kein Mann, keine Frau sich selbst Rat erteilen kann: Ich kann einem anderen Ratschläge erteilen, aber ich kann mir selbst keinen Rat erteilen.« Tatsächlich, so erinnerte Franziskus, »ist da der Heilige Geist, der mich berät, da ist der Schutzengel, der mich berät«, und deshalb »brauchen wir sie.«

Der Papst forderte dazu auf, »diese Lehre über die Engel« nicht etwa »bloße Phantasie« zu betrachten. Es handle sich vielmehr um »eine Realität «. Es sei »Jesus selbst, Gott selbst, der gesagt hat:  ›Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht! Er soll dich auf dem Weg schützen, damit du keine Fehler machst.‹« Abschließend regte Franziskus eine Reihe von Fragen an, damit sich jeder einer Gewissensprüfung unterziehen könne: ›Wie steht es um die Beziehung zu meinem Schutzengel? Höre ich ihn an? Sage ich morgens zu ihm: Guten Morgen?

Sage ich zu ihm: Behütest du mich im Schlaf? Spreche ich mit ihm? Bitte ich ihn um seinen Rat? Ist er an meiner Seite?« Auf diese Fragen, so sagte er, »können wir heute antworten«: Jeder von uns kann das tun, um zu überprüfen, »wie das Verhältnis zu diesem Engel ist, den der Herr geschickt hat, um mich zu beschützen und auf meinem Weg zu begleiten, und der immer das Antlitz des Vaters sieht, der im Himmel ist«.

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Das „Wunder des Abendlandes“ – MONT ST. MICHEL

 Von Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Um es vorwegzunehmen: Wunder ist eigentlich kein offizieller Titel, UNESCO-Weltkulturerbestätte schon. Aber bei dem Klosterberg, um den es hier gehen soll, darf man wohl gleichzeitig „Wunder“ und „Welterbe“ gebrauchen, auch wenn er noch nicht einmal ganz klar in die Bretagne gehört. Diese Unsicherheit – gehört er in die Normandie oder in die Bretagne? – verdankt er einer Laune der Natur: der Mont St. Michel, von dem die Rede ist, liegt auf einer von Ebbe und Flut mit starkem Strom und gewaltigem Tidenhub umspülten Gezeiteninsel innerhalb einer nach ihm benannten Bucht, genau im Mündungsgebiet des Flüsschens Cuesnon. Und da dieses knapp hundert Kilometer lange Gewässer der historische Grenzfluss zwischen Normandie und Bretagne ist, der seinen Verlauf in den letzten Jahrhunderten schon mehrfach geändert hat, wurde der Mont Sant Michel mal zur einen und mal zur anderen Region gezählt.

Kaum ein Bauwerk in Europa, das Menschenhand errichtet hat, ist so oft als „Wunder“, „heilig“ oder „Gottes wohlgefälliges Werk“ bezeichnet worden wie der in über 1000-jähriger Bauzeit seit dem 8. Jahrhundert errichtete und immer wieder veränderte Klosterberg Mont St. Michel, seit 1979 in der Liste der UNESCO als Stätte des Weltkulturerbes geführt.

War er schon seit dem Mittelalter ein überaus bedeutsames Pilgerziel, so zeugen nunmehr über 3,5 Millionen Besucher jährlich von seiner ungebrochenen Beliebtheit – diesmal als Touristendestination. 157 m über den Meeresspiegel ragt seine mit einer Figur des Erzengels Michael gekrönte Spitze auf und der gewaltige, vom gewachsenen Felsen ab wie eine mehrstufige Pyramide aufstrebende Baukörper ist schon aus sehr großer Entfernung auszumachen – wenn nicht der häufig über der Bucht sich bildende Nebel die Sicht behindert. Der ist übrigens zusammen mit dem tückischen, in zahlreichen Legenden mit dem für Bucht und Berg namengebenden Erzengel Michael in Verbindung gebrachten Sand der Bucht und mit der mitunter fast urplötzlich und mit ungeahnter Geschwindigkeit hereinbrechenden Flut verantwortlich für tausende Opfer, die in Unkenntnis der Gegebenheiten den Berg durch die Bucht watend erreichen wollten…

Eine Legende rankt sich auch um die Entstehung des Klosters: Als sich um 700 n. Chr. Aubert, Bischof von Avranches, oft auf die von Gezeiten umtoste Felseninsel zurückzog, auf der es mehrere Einsiedeleien gab, erschien ihm hier im Traum der Erzengel Michael mit der Aufforderung, eine Kirche für ihn zu erbauen. Der Bischof zögerte, und um die Ernsthaftigkeit des Ansinnens und seine göttliche Macht zu betonen, drückte ihm der Erzengel ein Loch in die Schädeldecke, ohne des Bischofs Haut zu verletzen. Der Schädel wird heute noch in der Kirche von Avranches in der Normandie gezeigt und der Bischof beeilte sich, die Kapelle zu errichten. Die Bedeutung als herausragendes Pilgerziel erhielt das Kirchlein, als Bischof Aubert Reliquien vom Erzengel aus dessen heiligem Ort Monte Sant Angelo in Apulien beschaffen und in diesem Gotteshaus unterbringen ließ.

Nachdem im 11. Jahrhundert eine normannische Kirche auf dem Gipfel des Felsens errichtet worden war, wandelte man die ursprüngliche Kapelle aus der Zeit des Frankenreiches in eine Krypta um, die zusammen mit weiteren Bauten die Plattform für die späteren Kirchen bildete. Vorzugsweise in der Gotik entstanden dann die herrlichen aufstrebenden Bauten der Kirche, der Abtei und der Gästeunterkünfte für illustre Pilger und gekrönte Häupter. Verschiedene Bauperioden und auch Verwendungszwecke folgten bis Ende des 19. Jahrhunderts. Stilelemente zumindest aus Romanik, Gotik, Renaissance und Klassizismus finden sich in dieser mit einer starken Befestigung umgebenen Klosteranlage, deren unbeschreiblicher Gesamteindruck niemals unter den Umbauten gelitten hat und sie bis heute zu einem der bedeutendsten Gebäudekomplexe Europas macht.

Das vielleicht aufregendste Detail ist der Kreuzgang, der trotz seiner umfassenden Restaurierung im 19. Jahrhundert die Besonderheiten eines einzigartigen Stils bewahrt hat, den die damals über das Gebiet des Mont St. Michel herrschenden Normannen aus der sizilianisch-normannischen Architektur, beeinflusst von islamischen Details, übernahmen. Der von schlanken, optisch versetzt gestellten Säulen getragene Kreuzgang heißt nicht umsonst „der Schwebende“ – in seiner dreidimensional wirkenden Erscheinung behindern ihn, da frei genau auf der Bergkuppe bzw. auf dem Dach der von dieser aufstrebenden Unterbauten stehend – keinerlei umliegende Bezugspunkte bis hin zum Horizont, was ihn in unwirklich scheinender Anmut und Leichtigkeit tatsächlich gleichsam zwischen Himmel und Erde schweben lässt …

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Die vier Erscheinungen des Hl. Erzengels Michael auf dem Monte Gargano, Italien

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Einleitung

„Quis ut Deus!“ – „Wer ist wie Gott!“

Keiner Zeit ist das Erleben der Revolutionen so vorbehalten gewesen, wie gerade der unsern. Die Unordnung soll auf den Thron gesetzt werden, die Ordnung muß in Fesseln und in den Tod gehen. Jedes Abweichen von der Ordnung ist Sünde. Das Stürzen der Ordnung, Wahrheit und Gerechtigkeit, ohne die es keine Liebe gibt, müssen der Lüge und Ungerechtigkeit weichen. Der Fürst der Unordnung, Satan soll auf dem Throne regieren. Sind denn alle Gutgesinnten machtlos diesem Revolutionsgeiste preisgegeben? Gibt es keine Mittel mehr, um der Ordnung den Thron frei zu geben? Wir alle sind vom Zeitgeist des radikalen Egoismus angesteckt. Gerade daraus erklärt sich unsere Hoffnungslosigkeit. Der Egoismus ist ein Kind des Stolzes, dessen Vater Satan ist. So erklärt sich die Glaubensschwachheit. Aller Glaube setzt Demut voraus. Unsere Aufgabe besteht darin, all unsern Egoismus abzulegen, und in Demut Gott den Herrn als einzigen Vater der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe glaubend anzuerkennen. „Haec est victoria“ schreibt St. Johannes der Lieblingsjünger, „Das ist der Sieg, unser Glaube.“ Stellen wir uns daher glaubensvoll auf die Seite St. Michaels. Folgen wir ihm in unerschütterlichem Vertrauen. Stimmen wir ein in den Schlachtuf „Wer ist wie Gott.“ Kampf muß sein. Schlußendlich kommt es auf den Sieger an. Dieser allein ist und bleibt Gott, unser Herr, die ewige Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe.

Kurze Zusammenfassung der vier Erscheinungen des heiligen Erzengels Michael auf dem „Monte Gargano“ (Süd-Italien)!

Erste Erscheinung

Am Ende des V. Jahrhundert war’s, (nach alter Zeitrechnung im Jahre 493) als sich der hl. Erzengel Michael auf dem „Monte Gargano“ eine Grotte auslas, um durch seine wunderbare Erscheinung eine Felsenhöhle zu heiligen. Das Vorkommnis ist durch etliche, glaubwürdige Schriftsteller der Nachwelt bestätigt worden. So berichtet eine langobardische Handschrift, aus dem 8. Jahrhundert wie folgt:

In Siponto lebte ein sehr reicher Mann namens Gargano. Er war Besitzer einer großen Viehherde, die er in den Tobeln des Berges weiden ließ. Ein Stier entfernte sich eines Tages heimlich von der weidenden Herde. Am Abend kam er ebenfalls nicht zurück. Erbost, rief er seine Knechte und zog mit ihnen auf die Suche. Der ganze Berg mit seinen Klüften und Tobeln wurde eifrig abgesucht. Endlich gelang es ihnen, den Standort des Tieres zu entdecken. Der Stier stand wie gebannt vor einer Höhle. Der Besitzer entbrannte vor Wut, setzte seinen Bogen an, und schoß einen Pfeil auf das störrische Tier ab. Doch siehe da! Der Pfeil, statt den Stier zu treffen, kehrte in der Luft, als ob er von einem Windstoße abgedreht worden wäre, traf und verwundete den Schützen.

Die Knechte erstaunt und verwirrt, konnten solch ein Ereignis nicht erklären, und getrauten sich keinen Schritt gegen die Höhle zu tun. Sie eilten zum Bischof, um seine Ansicht zu hören. Der Bischof ordnete daraufhin ein dreitägiges Fasten an und befahl, während dieser Zeit in verharrendem Gebet sich an Gott zu wenden. Nach Ablauf der Fasttage erschien dem Bischof in einer Vision der hl. Erzengel Michael und sagte zu ihm: Du tatest gut daran, Gott zu befragen betreffs des Wunders, das die Menschen nicht zu denken verstehen. Es geschah durch meinen Willen. Ich bin der Erzengel Michael, der unablässig am Throne Gottes steht. Ich wünsche, daß dieser Platz auf Erden geehrt und bevorzugt werde. Das wollte ich durch dieses Ereignis kund tun. Über alles, was man hier an diesem Platze vollbringt, bin ich der Hüter und Wächter.

Das Ereignis überraschte dermaßen, daß der Ruf des erstandenen Heiligtums die Andacht in ganz Europa weckte. Jeden Tag zogen gruppen- und scharenweise die Gläubigen pilgernd nach dem Heiligtume auf den Monte Gargano.

Päpste, Bischöfe, Kaiser, Prinzen und Volk wallfahrteten aus allen Teilen Europas herbei, um in Andacht die Gnadengrotte zu besuchen. Ein unversieglicher, aufsehenerregender Gnadenquell wurde der „Monte Gargano“ für die ganze Christenheit. So lautet der Bericht des Baronio.

Noch heute kann sich derjenige Pilger glücklich schätzen, der sich dem liebevollen Schutze des hl. Erzengels Michael anvertraut. Selig, wer sich des besondern Schutzes des hl. Erzengels sicher weiß.

Eine fromme Überlieferung berichtet, daß der hl. Erzengel Michael den Erscheinungsort durch Engelsweihe besonders kennzeichnete und als Beweis soll er im Felsgestein seinen Fußabdruck hinterlassen haben. Aus diesem Grunde wurde die Erzengelkirche schon in frühester Zeit „Apodanea“ genannt. Dem Hauptaltar wurde kein Altarstein mit Reliquien von großen Heiligen eingesetzt, was sonst Vorschrift ist, da der Stein der Höhle selbst als Denkmal und Reliquie der ganzen Welt zu dienen beehrt wurde.

 

Zweite Erscheinung

Etwas mehr als zwei Jahre nach der ersten Erscheinung erschien St. Michael das zweite Mal. Dieses zweite Vorkommnis am „Monte Gargano“ setzte die damalige Welt in größte Verwunderung. Die politischen Verhältnisse lagen damals wie folgt. Während des Pontifikates des Papstes Gelasius I., war der heilige Laurentius Maiorano Bischof von Siponto. Im Orient regierte Kaiser Zenone. König der Eruli war Odoaker. Odoaker beabsichtigte die Stadt Siponto zu zerstören und führte seine Truppen gegen diese. Sein Lager schlug er auf dem benachbarten Hügel „Sankt Restituta“ auf. Die Sipontiner befragten den hl. Laurentius um Rat, was betreffs der überhebenden Drohung Odoakers zu unternehmen sei. Der hl. Laurentius pilgerte auf den „Monte Gargano“ und flehte unter inständigem Gebete zum hl. Erzengel Michael.

Die Kriegserklärung der Goten an die Sipontiner erfolgte im September durch Boten. Der Prälat, Laurentius, stieg vom „Monte Gargano“ herunter und riet den Seinen, sie mögen um einen dreitägigen Waffenstillstand bitten. Er wurde gewährt. In dieser Zeit drang das Volk der Sipontiner in stürmischem Gebete unter Seufzer und Tränen an den Thron des Herrn der Heerscharen. Der Fürst der Heerscharen erschien nach Ablauf der drei Tage dem hl. Bischof Laurentius, während dieser in der Kirche „Santa Maria“ zu Gott flehte. Über diese zweite Erscheinung entnehmen wir den Akten des „Codice Vaticano“ Folgendes: St. Michael erschien am 20. September, verhieß dem Bischof den Sieg der Sipontiner über die Goten. Er riet ihm aber, die Feinde erst in der vierten Tagesstunde anzugreifen. Welch ein Wunder! In der dritten Stunde hüllte eine riesige Wolke den „Monte Gargano“ ein. Dies galt als offenkundiges Zeichen der Siegesgewißheit. Der Himmel mit schweren Wolken behangen, drohte den Feinden mit der Entfesselung von Blitzen. Krachende Donnerschläge rollten. Der Himmel verfinsterte sich zusehends. Fürchterliche Erdstöße ließen die Erde erbeben. Ein unheimlicher Sturm peitschte das Meer und wirbelte die Wogen tief auf. Des Himmels Feldmarschall schoß todbringende Blitze in die Reihen der Goten. Tod und Niederlage der Goten waren das Ende der Schlacht. Wenige konnten der Geißel des Himmels entkommen, fielen jedoch in die Hände der Sipontiner, wurden verfolgt und niedergeschlagen.

Nach diesem offensichtlichen Eingreifen St. Michaels ordnete der Bischof eine feierliche Prozession auf den „Monte Gargano“ an. Er erstieg mit den Seinen den Berg, um dem Herrn des Himmels und der Erde, sowie dem Kriegsminister St. Michael, unter dessen liebevollen Schutz die Welt gestellt ist, eine innige Danksagung darzubringen. An der Grotte angekommen, wagte niemand den geheiligten Ort zu betreten. Von außen betrachteten sie mit Ehrfurcht den hehren Sitz der Engel. Innige Dankgebete und Opfergaben brachten sie Gott dem Herrn dar, und gedachten in Verehrung des himmlischen Seraphin St. Michael.

Da Odoaker besiegt war, wählten die wenigen Überlebenden den Arier Totila zu ihrem Haupte. Durch besondere Hilfe des hl. Erzengls Michael wurde auch er gedemütigt und besiegt. Immer wieder zogen die Sipontiner unter der Führung des hl. Bischofs Laurentius auf den „Monte Gargano“, um an geheiligter Stätte seinen heiligen Schutz zu erflehen.

Totila erkor Betrug und Hintergehung zu seinen Trabanten, um sein Vorhaben zu verwirklichen. Er wollte sich des Bischofs entledigen. Er sandte in listiger Absicht sein unzähmbares Pferd an den Bischof und ließ ihn zu sich rufen, mit dem Hintergedanken, so der Bischof sein Pferd reite, werde es ihn abwerfen, sollte aber Laurentius des Tieres Herr werden und mit ihm in sein Lager gelangen, so werde er den Bischof gefangen nehmen. Doch das Ansinnen schlug fehl. Der Heilige betete in der Kirche „Santa Maria“ und erhielt himmlische Weisung, daß er dem Rufe Totilas ruhig folgen solle. Die Reise werde ihm eine ganz besondere Freude werden. Ausgerüstet mit dem hl. Kreuze bestieg der Bischof das Pferd. Kein Zeichen von Wildheit war bemerkbar, und gefügig trabte es davon. Heute noch liest man im Brevier von Siponto: „Laurentius ita mitem reddidit equum, ut nullum in eo feritatis signum remaneret.“ Das heißt: „So kehrte Laurentius mit dem zahmen Pferde zurück, und keinerlei Zeichen von Wildheit blieb in ihm.“

Totila erblickte in diesem wunderbaren Fingerzeig Gottes eine Einmischung des heiligen Michaels. Er hatte in der Folge nicht nur eine hohe Achtung für den ehrwürdigen Bischof, sondern er versprach ihm, die Belagerung der Sipontiner aufzuheben und in Zukunft denselben keinen Schaden mehr zuzufügen. Der Bischof kehrte auf diese Weise wieder froh und unversehrt an seinen Sitz zurück.

 

Dritte Erscheinung

Der heilige Laurentius begab sich mit den Seinen auf den „Monte Gargano“, um den dritten Jahrestag der Erscheinung zu feiern. Auch diesmal getraute sich die gläubige Schar aus Ehrerbietigkeit nicht, die Höhle zu betreten. „Orationi prae foribus insistunt“ (Sie brachten Ihre Gebete vor der Höhle dar). Das genannte Volk konnte sich aber nicht zufrieden geben und forderte in seiner Frömmigkeit, es möge die göttliche Opferhandlung im Innern der Höhle gefeiert werden. Aus diesem Grunde erflehte es, die Höhle möge dem kirchlichen Brauche gemäß geweiht werden. Der Oberhirte beschloß, den Papst in Rom darum zu befragen. Papst Sankt Gelasio, der sich zu jener Zeit auf dem Hügel St. Silvester aufhielt, gab den Bescheid: „Wären wir bestimmt, darüber zu beschließen, so sollte zum Weihetag der 29. September, der Tag des Sieges über die Barbaren bestimmt werden; es ist aber geraten, den Befehl des himmlischen Fürsten abzuwarten. In einem Triduum, zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit werdet Ihr, geliebter Bruder Laurentius, mit den geliebten Bischöfen von Canosa, Austerio von Venosa, Riccardo von Andria, Eutichio von Trani, Giovanni von Ruvo, Ruggero von Canne und Polladio von Salpi, ebenso werden alle Bürger und Diözesanen von Siponto, gleichzeitig nochmals ein Fastentriduum abhalten.“ Sobald der hl. Bischof Laurentius diese Antwort erhielt, lud er die angeführten Bischöfe ein, sie mögen am 23. September in Siponto eintreffen, zum Gebete, Fasten und zur vorgesehenen Weihe. Welch ein Wunder! Die Bischöfe begannen am 26. September das Fasten, Beten und Opfern, und siehe da, in der Nacht des dritten Tages erhörte Gott der Herr die Gebete seiner Diener. Dem hl. Laurentius wurde der Vorzug zuteil, die dritte Erscheinung zu erleben. Der glorreiche Erzengel Michael strahlend im hellsten Lichte sprach also zu ihm: Diese Kirche muß nicht mehr geweiht werden, da ich sie zu meinem Sitze erwählt habe, habe ich sie selbst geweiht. Tretet ein und eifert unter meinem Beistande im Gebete und feiert die hl. Opferhandlung, damit das Volk kommunizieren kann. Ich behalte mir vor, bekannt zu geben, wie ich diesen Ort geweiht habe. Laurentius wartete den folgenden Tag, den Freitag, nicht ab, sondern teilte sogleich seinen Mitbrüdern, den Bischöfen, und dem Volke die Offenbarung St. Michaels mit.

Und siehe da. Mit entblößten Füßen brachen Bischöfe und Volk prozessionweise auf und pilgerten zur geweihten Höhle.

Die Überlieferung berichtet: In den ersten Morgenstunden wurde die Pilgerfahrt durch die Kühle und angenehme Luft erleichtert. Mit dem Höhersteigen der Sonne, deren Strahlen alsdann auf den Berg herniederbrannten, wurde aber der Aufstieg auf den Berg umso mühsamer. Mit liebevoller Macht soll St. Michael eingegriffen haben.

Am Himmel erschienen vier riesig große Adler, von denen zwei mit ihren ausgebreiteten Schwingen die Bischöfe vor der sengenden Sonnenglut schützten. Die beiden andern schlugen fächerartig ihre Flügel und fächelten dem Volke kühlende Lüftchen.

So gelangte die fromme Pilgerschar an den Höhleneingang, den sie ehrfürchtig überschritt. Und siehe da! Ein neues Wunder wurde ihnen offenbar. Im Felsgestein fanden sie den Fußabdruck des hl. Erzengels Michael, und einen von ihm eigens errichteten Altar mit einem purpurnen Baldachin bedeckt. In der Mitte lag ein Kreuz aus Metall. Dies bezeugte die Echtheit der Weihe.

Der heilige Bischof brachte alsdann das erste hl. Opfer dar. Bei dieser denkwürdigen Gelegenheit sollen laut Bericht von Balzo zwei weitere Altäre vom Erzengel Michael errichtet worden sein. Zur Rechten des Erscheinungsortes einer zur Ehren der seligen Jungfrau, und zur Linken ein Altar zu Ehren der hl. Apostelfürsten Peter und Paul.

Dies der Bericht über die himmlische Weihe der Basilika des hl. Erzengel Michael auf dem „Monte Gargano“, dessen Andenken am 29. September jeden Jahres die hl. Kirche feiert.

 

Vierte Erscheinung

Im Jahre 1656 herrschte in ganz Italien der schwarze Tod, die Pest, und wütete ganz besonders stark in Neapel, daselbst hat sie rund 400’000 Menschen dahingerafft. Die Stadt Foggia wurde ebenfalls angesteckt und wurde sozusagen entvölkert. Die Stadt Manfredonia sah den Tod an ihrer Schwelle und ordnete alle Vorsichtsmaßregeln an. Wachen wurden um die Wohnstätten aufgestellt, zweckmäßige Befehle und Edikte erlassen. Zu Siponto war damals Monsignor Giovanni Alfonso Puccinelli Erzbischof. Die unmittelbare Züchtigung erschreckte ihn. Ganz besonders aber der Umstand, daß ihr menschlich nicht beizukommen war. Deshalb suchte er durch geistige Mittel die Gefahr zu bannen. Voll vertraute er dem besonderen Beistande des hl. Erzengels Michael. In Asche und Büßerhemd hielt er öffentliche Buß-Prozessionen ab und begab sich mit Klerus und Volk zum hl. Grottentempel. Im Gotteshause warf er sich auf sein Angesicht und rang unter Tränen und Seufzer lange Zeit um himmlischen Schutz. Alsdann ordnete er ein Fastentriduum an. Inzwischen nahte mit Riesenschritten die Pest, der Tod. Der gute Prälat war überzeugt, daß der hl. Erzengel Michael seine Hilfe nicht versagen werde, spornte das Volk an, umso inniger den Beistand des himmlischen Fürsten zu erflehen, und ja nicht zu ermüden. Ein zweites Fastentriduum wurde angeordnet und alle ermahnt, ja in Buße zu verharren. Soviel Seeleneifer wurde belohnt. Plötzlich sagte ihm eine innere Stimme, er möge im Namen der ganzen Stadt ein Bittschreiben auf den Altar des hl. Erzengels niederlegen, damit St. Michael für das Volk beim Throne Gottes vermittle. Sogleich vollbrachte er dies. Die wunderbare Wirkung blieb nicht aus.

Die Nacht des 22. September ging zur Neige. Fünf Uhr morgens weilte der Erzbischof in seinem Zimmer im Gebet, in Betrachtung vertieft. Da plötzlich hörte er vom Sonnenaufgange her einen bebenden Lärm, als ob er die Erde erschüttere. In einem Strahlenkleide, das funkelte wie ein Diamant, sah er den hl. Erzengel Michael vor sich. Er sprach ihn wie folgt an: Wisse, Hüter dieser Schäfchen, ich bin der Erzengel St. Michael, von der hl. Dreifaltigkeit habe ich erlangt, jeder, der mit Andacht die Steine meiner Basilika gebraucht, wird von Häusern, Städten und jedem Orte die Pest entfernen. Predigt und erzählt allen das göttliche Wunder. Ihr werdet die Steine segnen, auf ihnen ein Kreuz und meinen Namen eintragen.

Tränen der Rührung weinte der Bischof und konnte nur immer eines aussprechen: Es lebe Sankt Michael. Zur Stunde kündigte er dem Volke das große Wunder. In der Zwischenzeit hieß er von der Höhle kleine Felssteine abbrechen und bezeichnete diese dem Willen des hl. Erzengels Michael gemäß (S+M), darauf weihte er sie nach eigenem Ritus.

Die Wirkung zeigte sich bald durch die Flucht der Pest. Die unheilbare Seuche floh aus der Stadt Gargano und aus der Provinz, sowie aus allen Städten, die diese Steine verlangten, die zahlreich abgegeben wurden.

Zum immerwährenden Andenken an dies große Wunder und zur ewigen Dankbarkeit an den hl. Erzengel Michael, ließen Erzbischof Puccinelli und die Bürger auf dem alten Platze der Stadt einen Obelisken aufstellen, der heute noch als Denkmal dieser historischen Tat zeugt. Er trägt die Inschrift:

Dem Fürsten der Erzengel, Besieger der Pest, Patron und Beschützer, ein Denkmal von ewiger Dankbarkeit. Alfonso Puccinelli 1656.

Seither wird je am 15. Sonntag nach Pfingsten in der geweihten Grotte ein feierliches Hochamt und Te Deum gesungen. Dieser Brauch wird immer währen. Die frommen Könige wünschten, daß das Heiligtum königliche palatinische Basilika genannt werde. An diesem Tage wird zum Andenken die Prozession des hl. Steins abgehalten.

Dieser Brauch ist wohl der liebste Ritus für das Volk der Engelsstadt.

 

Schlußwort

In unserem Jahrhundert ist dieser Fürst des Himmels etwas vergessen worden, sonst ständen wir nicht da, wo wir heute stehen. Die Verehrung des hl. Erzengels Michael neu zu beleben, der den Siegesruf erschallen ließ: „Wer ist wie Gott“! ist ein dringendes Gebot der Stunde. Sankt Michael wird sich heute noch bewähren als der sieghafte Gottesstreiter. Wegen seines Mutes ist er ja auch der Patron der Soldaten und wir alle, als Soldaten Christi, wollen ihn aber auch zu unserm Schutze anrufen. Bekanntlich ist die Erzengel Michael-Wallfahrtskiche auf dem Monte Gargano das einzige Gotteshaus auf Erden, das von ihm persönlich geweiht worden ist. Die Geschichte beweist uns, daß diese sehr sehenswerte Wallfahrtskirche schon von solchen, die im Rufe der Heiligkeit standen, sowie von Päpsten, unzähligen Kardinälen und gelehrten Priestern früherer Zeiten, Archäologen, Künstlern, Dichtern usw. besucht wurde. Unter jenen Heiligen sei genannt: der hl. Thomas von Aquin, der hl. Franziskus von Assisi, der hl. Anselmo, der hl. Brunone, der hl. Vincenz Ferrer, der hl. Franz von Paola, der hl. Bernardin, der hl. Camillus von Lellis, der hl. Nikolaus, Bischof, der hl. Antonius der Abt, der hl. Gerard Majella, die hl. Ortolana, die hl. Katharina von Siena, die hl. Brigitta von Schweden usw. usw. Noch heute ist diese Wallfahrtskirche das Ziel von Massen von Besuchern. Im Innern ist die von St. Michael bewohnte Grotte noch zu sehen, sowie der von ihm selbst geweihte Altar. Beachtenswert sind hier ferner die Überreste des Normannen-Kastells, mit dem „Turm der Riesen“, das Grab des Rotaris, die uralten Kirchen St. Pietro, Santa Maria Maggiore und St. Franziskus, mit dem alten Kloster. Reizvoll sind die Spaziergänge hier oben durch die Überreste denkwürdiger Bauten dieser Umgebung, mit dem herrlichen Blick über den Golf von Manfredonia. Zu gewissen Zeiten im Jahre sieht man hier oben Leute von der ganzen Welt zusammenströmen, und die auffallenden Straßenbilder erinnern ganz deutlich an die Nähe des Orients…

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Mit kirchlicher Druckerlaubnis vom Ordinariat Basel in Solothurn, 14. April 1939
Aus dem Italienischen übersetzt und eingeleitet von Josef Kaufmann, Basel


Transkription: P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell

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Siehe ebenfalls:

Engel vs. Teufel – und wo stehe ich?

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Reims, Lachender Engel / Wikimedia Commons – Vassil, Public Domain

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis C — 3. Juli 2016

“Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen” (Lk 10,17). Ein wenig rätselhaft ist es schon, dass Jesus im Zusammenhang mit der Aussendung der Jünger den Teufel erwähnt. Er möchte offensichtlich, dass wir uns bei der Verkündigung des Reiches Gottes, also bei der Katechese, beim persönlichen Apostolat, darüber im klaren sind, dass es dabei auch gilt, “die ganze Macht des Feindes zu überwinden” (Lk 10,18). Er will, dass die Christen – alle Getauften betrifft ja der Missionsbefehl des Herrn – sich keinen Illusionen hingeben: die Wahrheit Jesu Christi wird durchaus nicht immer mit offenem Herzen aufgenommen. Und da ist tatsächlich eine reale Person, genauer gesagt ganz viele, die jede Katechese torpedieren wollen.

Viele haben sich darüber gewundert, dass Papst Franziskus des öfteren den Teufel erwähnt. Auch diese Verwunderung hat sicher mit einer verengten exegetischen Perspektive, von der Professor Klaus Berger spricht, zu tun. Dass es den Teufel gibt, kann man beim “besten” Willen nicht aus dem Neuen Testament herausinterpretieren (wenn man denn an die göttliche Herkunft der Heiligen Schrift glaubt).

Auch im heutigen Evangelium des hl. Lukas wird dies deutlich, wo Jesus ganz kurz, aber sehr dramatisch beschreibt, welche persönliche Erfahrung er selbst mit dem Widersacher gemacht hat. Nicht von der Begegnung in der Wüste spricht er, wo er zu Beginn seines öffentlichen Auftretens jene drei exemplarischen Versuchungen zu bestehen hatte, die uns zeigen sollten, dass man Versuchungen bestehen kann.

Das Wort von dem vom Himmel stürzenden Satan reicht in ferne Urzeiten zurück, als der Teufel, damals noch ein Engel, selber eine Versuchung präsentiert bekam, der er aber nicht widerstand.

Unsere von der Aufklärung so nachhaltig geprägte Zeit tut sich schwer mit den Engeln und erst recht mit den gefallenen Engeln. Viele Christen genieren sich, wenn Andersgläubige bei der Erwähnung der Engel oder der Teufel ein ironisches Lächeln aufsetzen. Also besser nicht davon sprechen. Vielleicht gibt es sie ja auch gar nicht.

Aber ein verkürztes Evangelium nützt niemandem. Vielleicht rächt es sich jetzt, dass viele Pfarrer über die Engel nie predigen, weder über die guten, noch über die bösen. Viele Christen sind daraufhin in den letzten Jahrzehnten zu den Esoterikern hinüber gewandert, weil sie dort von den Engeln hören. Und nicht immer nur Falsches.

Der Sturz des Satans muss eine gewaltige Tragödie gewesen sein. Luzifer war der schönste aller Engel, der Lichtträger, aber seine Größe stieg ihm zu Kopf. Er erlag der Versuchung der schlimmsten Sünde, nämlich des Hochmuts, und rief: “Non serviam!” Ich diene nicht.

Sein Sturz war ein plötzlicher. Er verlor mit einem Mal alle ihm von Gott verliehenen guten und schönen Eigenschaften (denn gut und schön war im Anfang das gleiche): seine lichtvolle Schönheit, sein majestätisches Auftreten, seine Anmut, und übrig blieben nur Hass und Hässlichkeit, Neid und Bosheit.

Mit ihm stürzten unbeschreiblich viele, die sich von ihm hatten verführen lassen. Sein Gegenspieler war der hl. Michael, sein Name bedeutet “Wer ist wie Gott?” Seine Demut hat den Stolz überwunden.

So steht am Anfang der Geschichte – noch bevor es Menschen gab – der Sturz der Engel. Die in der Treue zu Gott verbliebenen Engel wurden in der Gnade befestigt und in die beseligende Anschauung Gottes geführt. Und wer Gott schaut, kann nicht mehr sündigen.

Da die guten Engel Christus, den Logos, lieben, ist es ihnen ein Anliegen, seinem Wunsch entsprechend, uns Menschen zur Erlösung und damit zu den Freuden des Himmels zu begleiten. Genau wie Gott selber es tut, respektieren sie unseren freien Willen. Deshalb ist ihre Hilfe immer nur eine sozusagen beratende. Entscheiden müssen wir uns in jedem Augenblick selber.

Die gefallenen Engel, nunmehr Teufel, haben ein böses Interesse daran, die Menschen, von denen sie wissen, dass Gott sie liebt und sich für sie geopfert hat, von Gott abzubringen. Da in ihnen, den gefallenen Engeln, nichts Gutes mehr ist, gehen sie ganz in diesem vom Neid motivierten Bestreben auf. Verständlich, dass der Teufel die Verkündigung der Frohen Botschaft unbedingt verhindern will.

Das ist seit fast zweitausend Jahren so, und auch heute sind es nicht nur die schlechten Menschen und die falschen Ideen, die gegen das Reich Gottes kämpfen. Hinter ihnen stehen diese Gesellen, die mit ihrem seit so langer Zeit bewährten Arsenal von Versuchungen alles Böse kräftig fördern.

Das ist gut zu wissen. Dennoch möchte der Herr auch nicht, dass wir dem bösen Feind zuviel Aufmerksamkeit widmen. Deshalb erwähnt er ihn nur kurz. Beachten wir umso mehr die guten Engel, die uns viel mehr helfen könnten, wenn wir sie mehr darum bäten. Auch das hat mit der menschlichen Freiheit zu tun, dass die Himmlischen gewissermaßen nicht helfen können, wenn wir sie nicht bitten, denn wie sollen sie wissen, dass wir ihre Hilfe überhaupt wollen?

Aber dadurch, dass wir von den Aktivitäten der bösen Engel wissen und auch das Gegenmittel kennen, nämlich das Vertrauen auf die Hilfe Gottes, kommen wir besser damit zurecht und brauchen nichts zu fürchten. Das Wort “Gott mit uns” hilft uns unbedingt, uns den Menschen zu widmen, um dann festzustellen, dass sie so schlecht gar nicht sind. Es hilft uns, falsche Ideen zu entlarven und zu widerlegen.

Der Teufel ist der Vater der Lüge. Aber seine Macht hört da auf, wo die Menschen das Wort Jesu beherzigen: “Die Wahrheit wird euch frei machen”.

Bei alledem ist immer die Unbefleckte Jungfrau Maria die große Helferin. Für uns ist sie die liebevolle Mutter, für die Dämonen ein furchtbares Heer in Schachtordnung. Mit ihr kann uns nicht nur nichts passieren, mit ihr wird die Kirche auch heute auf die Menschen zugehen und ihnen die Freude Christi bringen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Italien: Die Michaelsgrotte auf dem Monte Gargano

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Erzengel Michael

Das Grab des heiligen Franziskus in Assisi, die Ganzkörperreliquie von Pater Pio in San Giovanni Rotondo oder die Heiligen Berge im Piemont und in der Lombardei – Italien bietet unzählige Pilgerorte. Weniger bekannt ist allerdings die Michaelsgrotte auf dem Monte Gargano in Apulien. Der Legende nach soll gegen Ende des 5. Jahrhunderts hier der Erzengel Michael erschienen sein. Doch was macht diese unterirdische Kirche so besonders? Radio Vatikan hat mit dem Direktor des Heiligtums, Pater Ladislao Suchy, gesprochen:

„Das ist die einzige Kirche, die nicht durch menschliche Hand gesegnet worden ist, sondern durch einen Gesandten Gottes, durch den heiligen Michael. Wir wissen alle, dass der heilige Michael nur ein Erzengel, ein Geist ist. Er hat keinen Körper wie wir Menschen. Doch so wie der heilige Erzengel Gabriel Maria erschienen ist und ihr die Empfängnis des Erlösers, Jesus Christus, verkündete, so hat auch der heilige Michael stets Fleisch angenommen, wenn er den Menschen erschien. Im Alten Testament finden wir das oft. Man denke nur an die Erscheinung von Josua oder an die Patriarchen. Sie alle begegneten dem heiligen Michael, der sich ihnen stets als Fürst der Himmelsscharen vorstellte.“

Zahlreiche Päpste und Heilige haben das Michaelsheiligtum auf dem Gargano schon besucht, darunter Thomas von Aquin, Franz von Assisi, Katharina von Siena und zuletzt der heilige Johannes Paul II. Gemeinsam ist allen, dass sie neben dem Erzengel Michael vor allem die Gottesmutter verehrten. Viele dem Erzengel geweihten Kirchen wurden im Mittelalter zu Marienkirchen. Der Erzengel Michael und Maria – das passt, findet Pater Ladislao:

„Denn in beiden Fällen wird die Dienstbarkeit des Menschen und aller Geschöpfe gegenüber Gott zum Ausdruck gebracht: dass Gott stets im Zentrum ist und das wir Seine Geschöpfe sind, die von Ihm alles erhalten. Und der Mensch darf sich, wie schon Maria durch ihr Fiat, ganz dem Willen Gottes unterstellen. Durch ihre Worte „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast“ ist sie sozusagen  Mit-Erlöserin der Welt geworden. Ähnlich ist es mit dem heiligen Michael: Stets hilft er den Menschen bei der eigenen Erlösung wie auch der Erlösung aller Menschen – mit der Demut der Engel, die bei Gott sind, ihn anbeten und sich freuen, weil sie bei Ihm die ganze Fülle des Glücks gefunden haben.“

Dennoch: Einen richtigen Pilgeransturm kann man auf dem Monte Gargano nicht unbedingt verzeichnen. Woran liegt das?

„Das Michaelsheiligtum ist in den letzten Jahrhunderten etwas in Vergessenheit geraten, vor allem nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, als einige theologische Kreise oder bestimmte Bibelwissenschaftler die Existenz der Engel zu leugnen begannen. Das war eine sehr schmerzhafte Phase in der Geschichte der Kirche. Obwohl es auch heute einige Stimmen gibt, die Engel als poetische Figuren oder höchstens als Teil der biblischen Literatur erkennen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Und das ist nicht wahr. Und die heutige Theologie ist da zum Glück auch anders gesinnt. Das haben wir vor allem den zahlreichen Katechesen des heiligen Johannes Paul II. zu verdanken, der uns damit eine wundervolle Ausarbeitung über die Lehre von Engeln und von Gott hinterließ; Gott, der sowohl die sichtbare als auch die unsichtbare Welt geschaffen hat. Hier spielen die Engel eine sehr wichtige Rolle und unter ihnen besonders Erzengel Michael. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament tritt er als Beschützer des auserwählten Volkes und der Kirche auf.“

Der Besuch in dem Michaelsheiligtum sei etwas Besonderes, weil „sein Wesen greifbar“ werde und zwar geistig.

„Und das ist nicht einfach nur eine emotionale Erfahrung. Wenn jemand diesen Ort oft aufsucht, wird er innerlich berührt. Der heilige Michael macht also sein Versprechen wahr, dass alle, die hierher pilgern, im Geist und Herzen geheilt werden. Deswegen vollbringt der heilige Michael hier auch öfter innere als äußere Wunder. Viele Wandlungen des Herzens sind hier schon geschehen. Deshalb hat auch der heilige Pater Pio die Menschen ermutigt, erst die Michaelsgrotte aufzusuchen, ehe sie bei ihm die Beichte ablagen. Um eben mit der Hilfe des heiligen Michael die eigene Lebenssituation reflektieren zu können. Das Pilgern heute ist eine Fortsetzung des Pilgerns im 5., 6., 7. Jahrhundert. Ganze Menschenmassen kommen hierher. Darunter sind auch oft Menschen, die der Kirche fern sind und an nichts glauben. Hier widerfahren ihnen Wunder. Eine „innere Erleuchtung“ sozusagen. Ab hier beginnt für viele oft ein neues Leben: ein Leben auf der Suche nach Gott, der Wahrheit und Seiner Liebe.“

(rv 14.06.2016 mk)

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