Die Frau als „Weg“ — I. Christus, der Weg zum Vater

(Fortsetzung)

Als Gottmensch steht Jesus Christus ganz auf Seiten Gottes und ganz auf Seiten des Menschen. Er ist Gott und Mensch zugleich ohne jeden Abstrich. „Denn wir haben keinen Hohenpriester, der mit unserer Schwachheit nicht mitempfinden könnte, sondern einen, der in allem ebenso versucht worden ist, die Sünde ausgenommen“ (Hebr. 4, 15). Als Gott-Mensch ist Jesus Christus die lebendige Brücke zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde, zwischen Schöpfer und Geschöpf. Er ist der Pontifex schlechthin. In seiner Gottmenschlichkeit gründet der Titel als Mittler. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. „Es gibt nur einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus“ (1. Tim. 2, 5).

Will der Herr seine mittlerische Tätigkeit durch die Sprache der Bilder und Gleichnisse wiedergeben, bezeichnet er sich als den Weg. Er ist der einzige Weg zum Vater, weil er der einzige Mittler ist. Die Exklusivität des Mittlertums Christi betont die Schrift mit aller Deutlichkeit und ist kirchliche Lehre. „Niemand kommt zum Vater als durch mich“, sagt der Herr selbst (Joh. 14, 6). Niemand. Da bleibt kein Zweifel mehr, da gibt es keine Ausnahme. Wie alles vom Vater durch den Sohn ausgeht, so muss auch alles durch den Sohn zum Vater heimfinden. Der Weg der Hinkunft zu Gott ist der gleiche, wie der seiner Herkunft von Gott.

Das christologische Prinzip „niemand kommt zum Vater außer durch mich“ lautet, übertragen auf die Kirche als den in der Geschichte weiterlebenden und weiterwirkenden Christus, „außer der Kirche kein Heil“. Diese Formel „darf … nicht als Antwort auf die Frage <Wer wird gerettet?> betrachtet werden, sondern man muss in ihr die Antwort auf die Frage sehen: <Wer ist beauftragt, den Heilsdienst auszuüben>“.

Maria als Weg zu Christus

Der Offenbarungsweg, den der Vater gegangen ist, heißt: Gott, Christus, Kirche. Gott offenbart sich durch Christus in seiner Kirche. Dieser Weg kennzeichnet das „descendere“, den „Abstieg“ Gottes zu uns. Will der Mensch zu Gott „aufsteigen“, muss er genau den umgekehrten Weg gehen: Kirche, Christus, Gott. Wir gelangen zum Vater durch Christus in seiner Kirche. Wie Christus vor dem Vater steht, steht die Kirche vor Christus. „Ich bin die Straße aller Straßen: auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott“, lässt Le Fort die Kirche sprechen. Nun ist aber Maria Typus der Kirche.

Mariologie und Ekklesiologie interpretieren sich gegenseitig. Das Bild der Kirche erhält das Bild Mariens, aber umgekehrt wird auch die Wirklichkeit der Kirche am konkretesten dargestellt und am schönsten il-lustriert im Bilde Mariens. „Die Kirche ist ja nicht eine Substanz; sie geschieht und ereignet sich immer aufs neue im konkreten Menschen. Man muss also auf diese schauen, will man wissen, was Kirche ist. Nun gibt es aber niemand, der als erlöster Mensch, als Frucht der Erlösung (und in dieser Dimension bewegt sich die Kirche) deutlicher das christliche Dasein repräsentieren könnte, als die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes“.

Das Verhältnis Christus–Maria impliziert auch das Verhältnis Kirche–Maria. Kirche und Maria sind die Möglichkeiten der Christusbegegnung. Maria ist die Frau, die uns das Heil gebracht, den Erlöser geboren, alle seine Worte in ihrem Herzen bewahrt hat und deswegen uns die Gestalt Christi am deutlichsten „zeigen“ kann. Die Bitte des „Salve Regina“, „Zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes“, hat nicht nur einen eschatologischen Sinn.

Weil wir nur durch die Kirche zu Christus gelangen, gilt auch das Wort „per Mariam ad Christum“, durch Maria zu Christus. Maria steht, wie die Kirche, „vor“ Christus. In der praktischen Frömmigkeit finden wir diese marianische „Vorgegebenheit“ immer bestätigt. Die Verehrung Mariens ist für viele die letzte Verbindung mit Christus und seiner Kirche.

Maria und die Kirche stehen „vor“ Christus, insofern sie uns Christus vermitteln. Die Mittlerschaft Mariens ist also in der Mittlerschaft der Kirche begründet. Das gilt auch umgekehrt. Die Mittlerrolle Mariens hat mehrere Aspekte. „Maria vermittelt zunächst dadurch, dass sie unter dem Kreuze im Namen aller das Ja der Zustimmung gesprochen hat und in den Tod Christi als Repräsentantin der Menschheit selbst eingetreten ist. Infolgedessen ist der Glaube, in dem sich ein Mensch dem Herrn zuwendet, Mitvollzug des von Maria vorausgenommenen Ja zum Tode Jesu Christi. Sie ist jedoch noch in einer zweiten, dem einzelnen noch näherkommenden Weise Mittlerin zu Christus.  Denn sie wünscht … jedem einzelnen die Auswirkung des Werkes Christi. Ihre Sehnsucht geht dahin, dass der Herr, ihr Sohn, der am Kreuz starb, in jedem einzelnen Menschen mächtig wird, so dass der Mensch <in Christus Jesus> lebt und darin des Heils teilhaftig wird. Die Zuwendung Christi zu dem einzelnen Menschen und des Menschen zu Christus ist daher getragen und umfangen von der Liebe Marias. Es gibt tatsächlich keine Begegnung mit Jesus Christus, welche nicht von ihrer Liebe zum Herrn begleitet wäre“.

Jede Mutter zeigt gern ihr Kind. Wir bekunden unseren Glauben an die Mittlerschaft Mariens auf mannigfache Art. Wir bitten sie im Lied „Meestern ich dich grüße“: „Gib ein reines Leben, mach den Weg uns eben, dass in Himmelshöhen froh wir Jesum sehen“. Wir bekennen: „Durch das Kind auf deinen Armen wirkst du Wunder ohne Zahl.“ Wir rufen Sie an als die „Mittlerin“, als die „Fürsprecherin“. Es gibt im Himmel und auf Erden keinen Menschen, der bei Jesus Christus ein geneigteres und bereitwilligeres Ohr für alle Anliegen fände als seine Mutter Maria. Es gibt aber auch keinen Menschen im Himmel und auf Erden, der als Mutter Christi so um das Christusleben der einzelnen Seele besorgt wäre wie Maria. Weil sie Mutter Christi und unsere Mutter ist, ist sie gleichzeitig unsere Mittlerin. Es sind mütterliche Funktionen und Aufgaben, die Maria mit Christus und uns verbinden. Gerade wegen dieser doppelten Mutterschaft ist Maria der „kürzeste und sicherste Weg zu Christus“.

(Fortsetzung folgt!)

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

Der frauliche Vorrang der Liebe — GOTT IST DIE LIEBE

„Gott ist die Liebe.“ Dieses Gotteswort sollte auf der Fahne stehen, die über unserem Leben weht, das uns auch bald dieses bald jenes „Wetter“ beschert. Weil alle Offenbarung Gottes in Jesus Christus ihren Höhepunkt erreicht und damit auch ihren Abschluss gefunden hat, muss Jesus Christus auch die höchstmögliche Offenbarung göttlicher Liebe sein. Er ist die fleischgewordene, Mensch gewordene Liebe Gottes (1. Joh. 4, 7 ff.).

Mit Berufung auf die Hl. Schrift sagt Thomas von Aquin in seiner Summe „Die Liebe Gottes ist seine Wesenheit“ (s. Th. I. 20, 3). Sie ist also mehr als eine Eigenschaft. Sie ist der geheime Quellgrund göttlichen Seins und göttlichen Tuns. Alle Offenbarungen Gottes kommen aus dieser abgrundtiefen Liebesquelle. Weil Gottes Wesen die Liebe ist, kann er keine einsame Monade sein, die sich selbst genügt. Hinter dem Geheimnis der Trinität leuchtet das Geheimnis der Liebe auf. Weil Gott die Liebe ist, erschafft er die Welt. Viele Spuren Gottes lässt die Schöpfung erkennen, aber am strahlenden leuchtet die Spur seiner Liebe.

Weil Gott die Liebe ist, erschafft er den Menschen und erlöst ihn nach dem Sündenfall. Gott braucht die Schöpfung nicht. Gott braucht nicht den Menschen. Er ist als der dreifaltige Gott in sich unendlich vollkommen und glücklich! In seinem Selbstbesitz erfährt er seine eigene Glückseligkeit, die seine Vollkommenheit ist. In Gott gibt es keine Möglichkeiten, keine Wünsche, kein Streben, keine Ziele. Er ist vollendete Wirklichkeit, das Sein selbst. Irgendein Seinsmangel stände im schärfsten Widerspruch zum Wesen Gottes. Wenn der Mensch schafft, dann steht dahinter vielfach die Pflicht, die Notwendigkeit. Der Mensch braucht die Dinge. Wenn Gott erschafft, kann dahinter nur die Liebe stehen. „Alles wirkt Gott wegen seiner Güte“ (s. th. I. 105, 2).

Diese Güte Gottes ist in seiner Schöpfung abgestuft. Nichts Geschaffenes entbehrt gänzlich der Güte Gottes (s. Th. I. 19, 4). Denn jedes Sein ist ein Gut. Mit dem Seinsreichtum tritt auch der Reichtum der Güte Gottes zutage. Darum tut sich die Liebe und Güte Gottes in der natürlichen Offenbarung am meisten im personalen Sein, im Menschen kund. Wenn der Mensch Bild und Gleichnis Gottes ist, muss sein Wesen in der Fähigkeit zur Liebe gesehen werden. Ein Liebender kann er nur sein, weil er ein von Gott geliebter ist. Mensch sein heißt: Von Gott geliebt werden. In dieser Passivität gründet alle Aktivität menschlicher Liebe. „Darin zeigt sich die Liebe Gottes. Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns geliebt und seinen Sohn als Sühneopfer für unsere Sünden gesandt“ (1. Joh. 4,10).

Menschliche Liebe ist immer Antwort auf das Wort der Liebe, das in der Erlösung ungleich froher und lauter erklingt als in der Erschaffung. Das Wesen menschlicher Liebe besteht in der möglichst getreuen Wiedergabe der Gabe göttlicher Liebe. Diese Wiedergabe ist gleichzeitig auch eine Weitergabe. Insofern der Frau in der Liebe der Vorrang zufällt und sie im Verhältnis zum Manne mit einer reicheren Liebesfülle und einer stärkeren Liebeskraft ausgestattet ist, soll sie selber auch der hellere Widerstrahl dieser Liebe sein.

Wir unterscheiden zwei Grundfähigkeiten des menschlichen Geistes: Erkennen und lieben. Die diesen beiden Fähigkeiten entsprechenden Akte sind der Akt der reflexio und der devotio. Beide Fähigkeiten muss der Mensch aktuieren, wenn er sich selber verwirklichen soll. Aber beide Akte haben nicht den gleichen Akzent. Der Mensch verwirklicht und erfüllt sich mehr im Akt der Liebe, im Devotio-Akt, als im Akt des Erkennens, im Reflexio-Akt. Peter Wust grenzt das Verhältnis beider Akte mit folgenden Worten gegeneinander ab:

„Denn so notwendig auch der <reflexio>-Akt des Geistes für die wahrhafte Menschwerdung sein mag, so muss doch mit allem Nachdruck betont werden, dass Reflexion und philosophische Spekulation ein reiner und entbehrlicher Luxus sind im Hinblick auf die letzten Aufgaben des Menschen, weil schließlich nicht das Wissen den Menschen als Menschen vollendet sondern nur die Liebe.

Wenn man also die beiden Grundakte des Geistes im Hinblick auf ihre letzte Mission an der Menschheit miteinander vergleicht, dann schrumpft die Bedeutung des Wissensaktes der <reflexio> auf ein Minimum zusammen, und der Hingabe-Akt der <devotio> gewinnt eine geradezu alles überragende Bedeutung. Denn ein Mensch kann als Mensch niemals nach dem gewertet und niemals an dem gemessen werden, was er und wie viel er weiß, sondern nur nach dem was er liebt und in welchem Maße er zu letzter Liebe fähig und bereit ist“.

Was Wust hier sagt, gilt zumal für die Frau. Gerade sie verwirklicht ihr innerstes Wesen im Akt der Devotio.

Der Fortschritt der göttlichen Offenbarung ist eine fortschreitende Enthüllung göttlicher Liebe, bis in Jesus Christus „die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes sichtbar erschienen“ ist. Alle Spuren der Liebe und Güte Gottes in der natürlichen und positiven Offenbarung weisen auf die personale Güte und Liebe Gottes, auf Jesus Christus, hin.

Ist das Sein des Menschen ein Sein in Liebe, dann muss die Liebe zu einem „Sollen“ werden. Alles Handeln folgt dem Sein. Indem die Schrift mit aller Schärfe die Liebe als das Hauptgebot, als das erste Gebot als das königliche Gebot, als das Kennzeichen der Jünger Christi, in Form eines „Sollens“ fordert, weist sie indirekt auf das Sein des Menschen hin. Das menschliche Sollen, dem wir in der Schrift begegnen, ist damit gleichzeitig auch die Interpretation menschlichen Seins. Das Seinshafte der Person wird durch die Liebe ins Akthafte überführt. Die Liebe ist die dem Sein des Menschenwesens eigene Verhaltensweise. Mangel an Liebe ist Mangel an Menschlichkeit. Hass ist widergöttlich und darum auch widermenschlich.

Alle Offenbarungen Gottes tendieren auf die Offenbarung seines Wesens, auf die Offenbarung seiner Liebe. Im Wesen Gottes wird das Wesen des Menschen aufgehellt. Darum muss sich parallel mit der Offenbarung auch das Gebot der Liebe entfalten. Die Liebe ist im Neuen Testament das Formprinzip aller anderen Gebote. In der Liebe sind alle anderen Gebote „aufgehoben“.

Die differenzierte Vielfalt der Gebote des A. T. wird auf das eine Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurückgeführt. Die Liebe ist die Einheit in der Vielheit aller anderen Gebote. Sie ist das Konzentrationsprinzip der gesamten Sittlichkeit. „Wer den nächsten liebt, erfüllt das ganze Gesetz. Denn die <Gebote>: du sollst nicht brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis ablegen, du sollst nicht begehren, sowie alle anderen Gebote sind in dem einen Wort zusammengefasst: <du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.> Die Liebe fügt dem Nächsten nichts Böses zu. darum ist in der Liebe das ganze Gesetz erfüllt“ (Römer 13.8). – Dem Täufling, der von der Kirche „das ewige Leben“ begehrt, antwortet die Kirche in der Taufliturgie: „willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote.“ Aufgezählt werden dann aber nicht etwa die Gebote; sondern es wird nur hingewiesen auf das Gebot: „du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deinem ganzen Gemüte und mit allen deinen Kräften, und dem Nächsten wie dich selbst.“

Erfüllt der Mensch dieses Gebot der Liebe, offenbart er darin sein gottebenbildliches Sein und wird zu einer mittelbaren Offenbarung Gottes selbst. Je mehr der Mensch sich ausspricht durch seine „benignitas et humanitas“, desto mehr bleibt er sich treu, desto mehr kommt er zu sich selbst. Weil die Gnade nirgendwo die Natur zerstört, sondern sie erhöht, vollendet sich die Menschlichkeit in der Christlichkeit, die natürliche in der übernatürlichen Liebe, wobei die übernatürliche Liebe auch die „Taufe“ aller Formen irdischer Liebe ist. Wenn vom „Primat“ der Liebe gesprochen wird, darf dabei nicht das Gebot der Liebe den anderen Geboten, etwa dem sechsten Gebot entgegengesetzt werden. Das Gebot der Liebe schließt das erste nicht aus, sondern ein. Ist doch die leibseelische Hingabe des Mannes und die seelisch-leibliche Hingabe der Frau in der sakramentalen Ehe die Hochform der Liebe. Da Jesus Christus die Liebe selbst ist, ist er allein auch ihre absolute Form und Norm.

Menschliche und frauliche Liebe haben nur soweit Gültigkeit, als sie die analoge Widerspiegelung und der ähnlich-unähnlichen Widerschein seiner Liebe sind.

(Fortsetzung folgt!)

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbilder dazu von mir [POS] ausgewählt)

G-O-T-T– I-S-T– K-A-T-H-O-L-I-S-C-H–!

JESUS CHRISTUS ist nicht jüdisch; Er ist nicht islamisch; Er ist christlich, und zwar katholisch, römisch-katholisch. Er ist also auch nicht „orthodox“ (nicht griechisch-orthodox und nicht russisch-orthodox, nicht byzantinisch-orthodox, nicht koptisch-orthodox) soweit sich „orthodox“ von römisch-katholisch abgrenzt. Er ist nicht Waldenser, nicht Hussit; Er ist nicht „evangelisch“, nicht „anglikanisch“, also nicht lutheranisch, nicht zwinglianisch, nicht calvinistisch, nicht methodistisch, nicht bresbyteranisch; Er ist nicht Quäker und nicht Mormon und nicht Zeuge Jehovas; Er ist KATHOLISCH; Er ist der ALLE WAHRHEIT UMFASSENDE UND ALLEN IRRTUM AUSSCHLIESSENDE.

JESUS CHRISTUS ist der Begründer, der Stifter der EINEN, HEILIGEN, KATHOLISCHEN UND APOSTOLISCHEN Kirche. Der von IHM gesandte HEILIGE GEIST ist der Baumeister, der Vollender und Bewahrer dieser mit der Fülle der Heilsmittel ausgestatteten heiligen Kirche und Kirche der Heiligen. CHRISTUS identifiziert sich ganz nur mit ihr. Jede andere Vereinigung hat bedeutende, „ans Lebendige gehende“ Mängel. Nur die (römisch-)katholische Kirche als „streitende Kirche“ auf Erden ist organisch verbunden mit der „triumphierenden Kirche“ im Himmel und der „leidenden Kirche“ der noch nicht vollends geläuterten Verstorbenen des Purgatoriums. Nur sie, die Kirche, die seit Jesus Christus immer (fort-)bestand, mit ihrer vom göttlichen Gründer eingesetzten Hierarchie, den geweihten Amtsträgern: dem Papst, den Bischöfen, den Priestern, und mit ihren vollzähligen Sakramenten: Taufe, Bußsakrament, Eucharistie, Firmung, Ehe, Sakrament der Weihe, Krankensalbung, mit ihren Werken, den Orden und Formen des geweihten Lebens, nur sie bildet das Reich Gottes auf Erden und im Himmel.

Ja, auch in der Ewigkeit, im Himmel, ist die Gemeinschaft der Heiligen römisch-katholisch und apostolisch CHRISTLICH. Denn „ALLES, was Du (Petrus – Papst) auf Erden binden/lösen wirst, wird auch IM HIMMEL gebunden/gelöst sein.“ Nur die katholische Kirche hat alles und tut alles, was GOTT will. Sie allein hat die volle, unverkürzte, unverfälschte LEHRE des HERRN. Sie allein hat die vor GOTT gültige und damit heilswirksame Form und Materie der Sakramente. Sie allein hat die von GOTT gewollte vollkommene Sittenlehre. Sie allein hat die echte Heiligenverehrung und damit die besondere Verehrung der Heiligsten Jungfrau und Mutter des GOTT-MENSCHEN MARIA. Sie allein ehrt und sorgt auch für die Verstorbenen, die noch nicht vollendet sind. In ihr allein wohnt der Himmel mit der göttlichen Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. JESUS CHRISTUS, der GOTT-MENSCH, ist das ZENTRUM, das HERZ, das ALLERHEILIGSTE der KIRCHE und des HIMMELS.

Darum: wer gerettet werden will, trete ein in die katholische Kirche, lasse sich taufen im Namen des VATERS und des SOHNES und des HEILIGEN GEISTES, lasse sich unterrichten in ihrer himmlischen Lehre und richte sein Leben gemäß derselben ein; denn JESUS CHRISTUS, der KATHOLISCHE, ist der WEG, die WAHRHEIT und das (EWIGE) LEBEN!

UND WEIL JESUS CHRISTUS KATHOLISCH IST FÜR ALLE EWIGKEIT, UND WEIL CHRISTUS GOTT IST, IST GOTT, – IST DIE 3-PERSÖNLICHE GOTTHEIT – KATHOLISCH!

Paul Otto Schenker

Die grundlegendste Gottes-Lehre des Christentums ist, dass GOTT MENSCH geworden ist in JESUS CHRISTUS

Das „Fundamentaltheologische“ (oder: die grundlegendste Gottes-Lehre) des Christentums ist: dass GOTT MENSCH geworden ist im (von Anfang an) verheißenen Messias, in JESUS CHRISTUS, dem WORT Gottes (Logos), dem SOHNE Gottes, aus MARIA, der JUNGFRAU, durch das (Ein-)Wirken des HEILIGEN GEISTES. Und dies ist dann auch die Offenbarung über die Dreipersönlichkeit GOTTES. Wir Gläubigen wissen von der Dreifaltigkeit Gottes durch den göttlichen Gesandten (Messias), im GLAUBEN an IHN!

Die recht verstandene christliche Dreifaltigkeitslehre kann dem islamischen und jüdischen Monotheismus nur dann und nur dazu einen Dienst leisten, wenn und dass sich die Anhänger dieser Irrlehren, diese Anti-Christen zu CHRISTUS bekehren.

GOTT wird erkannt durch den Glauben an diesen JESUS CHRISTUS. Und die Kriterien für Gottes Offenbarung sind keine anderen als diejenigen, die dieser JESUS CHRISTUS uns Menschen gegeben hat. Er ist die (unerschöpfliche, reine) QUELLE der Gottes-Offenbarung.

Die einzige Weise, überhaupt von GOTT zu wissen, besteht NICHT in der Anerkennung unseres Geschaffenseins, sondern in der Annahme des Zeugnisses des geschichtlich ausführlichst beschriebenen und bestverbürgten JESUS von Nazareth; denn nur ER vermittelt überhaupt wahre, unverfälschte Kenntnis von GOTT, weil ER höchstpersönlich GOTT ist! Viele Menschen anerkennen durchaus, dass sie „geschaffen“ (also nicht aus sich selbst oder per Zufall) sind und wissen damit dennoch noch nichts von GOTT.

Das Grundanliegen des Korans in allen seinen Aussagen ist NICHT, die Absolutheit Gottes zu wahren und dass um keinen Preis irgendetwas in der Welt vergöttert werde und auch Gott als den Barmherzigen zu preisen, sondern die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit, bzw. Dreipersönlichkeit GOTTES als Gotteslästerung und die Gottheit Christi als „Vergötterung“ zu verurteilen und Gott nur insofern als Barmherzigen zu heißen, als er für die „Gläubigen“ „barmherzig“ ist, und das heißt nun einmal nur für diejenigen, die objektiv UN-gläubig sind, die den wahren dreifaltigen Gott und insbesondere GOTT JESUS CHRISTUS leugnen. Die eigentliche Offenbarung (des Korans) ist somit nicht die der Barmherzigkeit Gottes, sondern die als „Barmherzigkeit“ falschmünzerisch bezeichnete teuflische Un-Barmherzigkeit des vom Widersacher konstruierten Gegen-Gottes „Allah“.

Kriterium für Offenbarung ist NICHT, dass sie sich als das umfassende Licht über alles verstehen lässt und unüberbietbar ist. (Übernatürliche, religiöse) Offenbarung ist das Kundmachen von Wahrheiten, die den Menschen natürlicherweise unzugänglich sind. Und solche Offenbarungen können nicht „umfassendes Licht über alles“ sein, sondern „nur“ Licht über Einzelnes und Mehreres. Und jede solche Offenbarung ist überbietbar, aber nie so, dass das neu Gebotene dem bisher Gebotenen widersprechen könnte.

Ein Glaubensgeheimnis hat nichts mit Unverständlichkeit zu tun, sondern meint einen Sachverhalt, den man nicht an der Welt ablesen kann, der einem deshalb nur durch das Wort (Gottes) offenbar werden kann und dessen Wahrheit nur im (wahren) Glauben selbst erkannt wird.

Die „Gemeinschaft der (wahrhaft) an Christus Glaubenden“, also der „mystische Leib Christi, die Kirche“ kann sich NICHT als das über sie selbst hinausweisende „Sakrament“ der Einheit ALLER Menschen erweisen, weil eine Einheit ALLER Menschen im Heiligen und Heiligenden, also im „Sakra(menta)len“ in dieser Welt und Zeit nicht möglich ist. Und überdies würde, selbst wenn diese umfassende Einheit möglich wäre, die dann bestehende Einheit der „Vielen“ (oder aller Menschen) nichts anderes sein als die Einheit der „Wenigen“ (oder nicht aller Menschen). Die Kirche war immer schon die EINE und EINIGE, und nichts weist über sie hinaus, als wiederum nur sie selbst; denn sie ist das vollkommene REICH GOTTES in jedem Entwicklungsstadium.

Paul Otto Schenker

Kann man mit Recht sagen: „die Muslime, Juden und Christen haben alle den gleichen einzigen Gott“?

Drei Religionen unter einem Dach: Das „House of One“ in Berlin

In einer Hinsicht können wir sagen: wir haben ALLE den GLEICHEN Gott, weil es ja (objektiv) nur EINEN Gott gibt. Und insofern Menschen an einen EINZIGEN Gott AUFRICHTIG glauben, WOLLEN sie zu diesem alleinigen Gott beten.

Aber da sich dieser eine GOTT den Menschen in einer ganz konkreten Weise geoffenbart, zu erkennen gegeben hat, mit genauen Anweisungen, was von IHM zu glauben ist und was zu TUN ist, um IHM zu gefallen, kann derjenige sich nicht zu den WAHREN Gläubigen zählen, der DIESE göttliche Offenbarung ablehnt, bzw. DIESE nicht als GANZES annimmt. Juden, Muslime und Christen (als „Monotheisten“, um jetzt einmal nur von diesen zu reden) glauben alle an „den EINEN“ Gott. Aber sie haben nicht nur ein völlig unterschiedliches Gottes-BILD, sondern absolut gegensätzliche, widersprüchliche Glaubens-LEHREN und daraus abgeleitete Glaubens-PRAKTIKEN. Es ist doch klar, dass NUR EINE von diesen drei Religionen DIE Wahrheit besitzen, bzw. „verkörpern“ kann. Und nach unserer Überzeugung ist es die CHRISTLICHE. Das impliziert, dass die oppositionellen Lehren falsch und unwahr und damit ungöttlich, ja wider-göttlich sind. GOTT kann nicht mit Sich Selber im Widerspruch sein; Er kann sich nicht auf GEGEN-SÄTZLICHE Weise kundtun; Er kann nicht wollen, dass Er auf gegensätzliche Weise er-kannt und be-kannt wird. Sonst hätte Er Sich nicht zu offenbaren brauchen. Wenn wir also abstrahieren von allem, was der wahre Gott über Sich Selbst ausgesagt hat, dann können wir sagen, wir hätten alle den gleichen „Gott“. Aber nur dann.

Für uns CHRISTEN ist das ZENTRALE der ganzen Gottes-Offenbarung aber, dass GOTT MENSCH GEWORDEN IST IN JESUS CHRISTUS, dass Jesus Christus GOTT ist, ja dass Jesus Christus DIE GANZE GOTTHEIT IST. („Ich und der Vater sind EINS.“ „Wer Mich sieht, sieht den Vater“.) Für die Anhänger der islamischen Religion ist dieser Glaube eine Gotteslästerung. Folglich können, dürfen wir nicht sagen und glauben, wir hätten den selben Gott, wenn wir von unserem Verhältnis zu Gott, von unserem Verständnis von Gott als Gläubige sprechen.

Das richtige, wahre Judentum oder der jüdische Glaube VOR Christus war der von Gott durch die Altväter und Propheten geoffenbarte und angeordnete Glaube (auf Christus, den Gott-Menschen, hin), aber natürlich nicht in allem, wie er (zeitweise und von Einzelnen oder Vielen) praktiziert wurde. Das Volk Gottes wich ja immer wieder vom rechten Weg ab und wurde dem Bunde mit Gott gegenüber untreu. So musste Gott immer wieder eingreifen. Er tat dies u.a. durch die Propheten. Aber NACH Christus war der jüdische Glaube, der ja CHRISTUS, den MESSIAS, verwarf, ANTI-christlich. Die Synagoge wurde zur „Synagoge Satans“. Selbstverständlich gab und gibt es im Judentum nach Christus wie auch im Islam gute, gerechte Menschen, die aufrichtig nach Gott streben. Aber die beiden Religions-SYSTEME sind Systeme die WIDER Christus und Sein Reich, das GOTTES-Reich streiten.

Polygamie muss man kritisieren und als unmoralisch und wider Gottes Gebot ablehnen ALS CHRIST, auch wenn sie im Alten Bund unter gegebenen Umständen praktiziert wurde. Ein Christ richtet sich nach der Lehre Christi, des GOTT-Menschen und derjenigen, die Er mit der Leitung Seiner Kirche beauftragt hat. Eines Christen Vorbilder sind nicht die alt-testamentlichen Menschen, sondern die HEILIGEN. Der Islam kann sich nicht vergleichen mit dem Alten Bund, weil er ja zu einer Zeit auftritt, da der Neue Bund (längst) Gültigkeit hat.

Es mag auch noch so viele echte oder unechte, dauerhafte oder nur vorübergehende Konversionen zum Islam geben, das ist KEIN Beweis seiner Göttlichkeit, wie die Muslime meinen und behaupten! Ein großer Glaubens-Abfall ist ja auch in der Heiligen Schrift für das Ende der Zeiten vorausgesagt. Und vom Christentum zum Islam konvertieren, ist eben nichts anderes als ein Glaubens-ABFALL, vom einzig wahren Glauben zu einem TEUFLISCHEN Machwerk GEGEN GOTT DEN ALLMÄCHTIGEN, der JESUS CHRISTUS als unseren EINZIGEN ERLÖSER und ALLHERRSCHER (Pantokrator) in die Welt gesandt hat, und der seither ZUR RECHTEN DES EWIGEN VATERS THRONT und gleichzeitig bei den Seinen ist auf Erden, vor allem im hochheiligsten Sakrament (des Altars) und mit Seinen Gläubigen das REICH DER HEILIGEN, das REICH GOTTES auferbaut, lenkt und leitet und beschützt.

Selbstverständlich, oder besser gesagt: traurigerweise gibt es jede Art von Vergehen auch im Christenvolk. Aber Christ ist nicht gleich Christ, das sollte man nicht vergessen. Unter den sich Christen nennenden Menschen gibt es größte Glaubens-, bzw. Bekenntnis- und Praxis-Unterschiede. WIR sind KATHOLISCHE Christen. Und zugegeben, auch unter denjenigen, die sich zu den „katholischen Christen“ zählen, gibt es viele, sehr viele (immer schon und auch und besonders heutzutage), die Sündhaftes, Verwerfliches tun. Aber: in einem Disput zwischen Christen und Moslems kann es nicht um Gegenüberstellung und Aufrechnung dessen gehen, was die ANHÄNGER unserer jeweiligen Religion TUN oder SIND, sondern um eine Gegenüberstellung, um einen Vergleich dessen, was wir als des EINEN, WAHREN GOTTES WILLEN, als Seine KUNDGABEN, als Seine GEBOTE, als Seine OFFENBARUNG betrachten und dementsprechend und demzufolge tun und sein MÜSSTEN. Und innerhalb dieses Kernbereichs geht es vor allem um einen Vergleich der beiden „Religionsstifter“: JESUS CHRISTUS und MUHAMMAD. Und wenn die Mohammedaner von christlicher Seite Angriffe auf das Integritätsbild ihres „Gesandten Gottes“ und sein „Herabgesandtes“, auf seinen Koran abwehren, dann sollten sie sich nicht damit begnügen, unsere fundierten Vorwürfe mutwillig mit altbekannten, stereotypen islamischen Abstreitungen und Leugnungen aus ihrem Gesichtsfeld zu schaffen und sich einzuigeln und nur noch ihre Stacheln nach allen Seiten auszustrecken, und wenn sie könnten, als tötliche Pfeile abzuschießen! Wir nehmen es den Durchschnitts-Adepten des Islams im übrigen gerne ab, dass sie persönlich nicht mit allem einverstanden sind, was im Namen des Islams rund um den Globus geschieht, also auch nicht mit Selbstmordattentaten oder anderen Unmenschlichkeiten. Und man beachte unbedingt: wir greifen ja nicht sie als Personen, nicht die Menschen an, die sich als Muslime bezeichnen, sondern wir wollen klar und verständlich aufzeigen, was ANTI-CHRISTLICH und damit ANTI-GÖTTLICH ist am Islam. Nun streiten wir aber unter einer (vor allem für die katholische Christen gestellten) thematischen Frage: „Kann man mit Recht sagen: „die Muslime beten den alleinigen, in sich seienden … Gott an“? Und es zeigt sich, übrigens nicht zuletzt auch aus ihren Reaktionen und Antworten, klar, dass wir ein völlig unterschiedliches, gegensätzliches, sich widerstreitendes Gottes-Bild und -Verständnis haben, dass unser Gott nicht ihr Allah ist, dass unsere Religionen unversöhnlich sind und deshalb unser Dialog gar keiner ist und sein kann.

Die echten, die überzeugten Christen, ja, die wollen mit einem Dialog mit Andersgläubigen letztlich MISSIONIEREN, also die (noch) Andersgläubigen für CHRISTUS und Sein Heil, DAS EWIGE HEIL gewinnen. Das tun sie aber nicht mit böser, verwerflicher Absicht, nicht mit Eigennutz, es sei denn des seelischen, vielmehr unter meist vielen Opfer, in rühmenswerter Großherzigkeit und Tapferkeit und Selbstverleugnung. Was haben die christlichen Missionare nicht schon in aller Welt an Großartigem geschaffen, sowohl auf sozialem, karitativem wie auch erzieherischem, schulischem, kulturellem Gebiet. Da kann der Islam in keiner Weise mithalten, abgesehen davon dass selbst das Gute, Beste, das er im übrigen bewirken, aufbauen würde, durch seine falsche Lebens- und Jenseitsanschauung, durch sein Widerstreben gegen den wahren Gott und Sein Wirken, wieder zerstören würde. „Wer nicht nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ „Ohne Mich könnt ihr NICHTS tun.“

Paul Otto Schenker

APPELL AN ALLE NICHT-CHRISTEN

Jeder einzelne Mensch, der in dieses irdische Dasein tritt, hat die Bestimmung und die Berufung, seinen Schöpfer zu erkennen, Ihm und Seinen fürsorglichen, liebenden Weisungen zu gehorchen, Ihn anzunehmen und zu lieben, und dann, so gereift, nach seinem Leibes-Tod, in die ewige Glückseligkeit bei Ihm einzugehen.

Die erste Stufe zur Erkenntnis Gottes ist die (nachdenkliche, unvoreingenommene, kindliche) Betrachtung der sichtbaren Welt: der Natur, der Tiere, der Menschen. Dem vernünftigen Beschauer ist spontan klar: das ist das (harmonische) Werk eines Wesens, das über allem ist. Das kann unmöglich von alleine entstanden sein. Das hat eine höchste Macht geschaffen, die mit Plan, Weisheit und Liebe wirkte. Bis ins kleinste Detail trägt alles die Eigenschaft des Gutseins, der Vollkommenheit. („Seht die Lilien des Feldes… und doch… war Salomon nicht gekleidet wie eine von ihnen!“) Unmöglich, etwas (nach seiner Anlage) Missratenes, etwas „von Grund auf falsch Programmiertes“ zu entdecken. („Und Er sah, dass es (alles) GUT war.“)

Die zweite Stufe, die zur Erkenntnis Gottes führt, ist die Entdeckung der geistigen Seele des Menschen. Ungleich dem Tier hat der Mensch, „Intelligenz“, „Vernunft“. Er kann denken. Er kann lernen, sich erinnern, er kann frei entscheiden. Er kann tun oder lassen. Er kann selber schöpferisch tätig sein.

Die dritte Stufe ist sein natürliches Empfinden, Reagieren. Er hat „Emotionen“. Er stellt fest, dass er – kongruent mit Seinesgleichen – unterscheidet zwischen schön und unschön, angenehm und unangenehm, gut und böse, wahr und unwahr. Er weiß spontan, intuitiv, was Liebe ist und was Hass, und erfährt beides bis in sein Innerstes. Er vernimmt eine „Stimme in seinem Herzen“. Er hat ein Gewissen. Er fühlt seine Sehnsucht nach Erfüllung, nach Vollkommenheit, nach Glück, nach einer nie endenden Seligkeit.

Diese drei Stufen oder Erkenntnisschritte genügen, um den Menschen, jeden Menschen, der nicht Widerstand leistet gegen seine eigenen natürlichen, ihm „in die Wiege gelegten“ Fähigkeiten, um sich überzeugt zu geben: ja, es gibt einen Gott, ein höchstes Wesen, das mich erschaffen hat, damit ich Anteil habe an Seinem Sein. Und diese Überzeugung muss ihn nun suchen lassen nach diesem Gott, nach dem wahren Gott. Er darf sich nicht zufriedengeben mit irgendeiner eigenen, menschlichen „Vorstellung“ und „Einbildung“. Was Gott ist und wie Er ist, kann er nur finden, wenn er dem nachgeht, was dieser (für ihn) noch zu entdeckende Gott über Sich Selber offenbart hat. Er muss unter all den existierenden angeblichen „(mono)theistischen Offenbarungen“ die echte herausfinden. Und dazu hat er natürlicherweise alle Voraussetzungen. Diese behaupteten Offenbarungen sind ihm in unserer Zeit leicht zugänglich. Es gibt deren eigentlich nur zwei: die jüdisch-christliche und die mohammedanische, (wobei sich die letztere auch weitgehend auf die erstere stützt, sie aber total verfälscht). Er kann sie leicht vergleichen. Sie sind widersprüchlich, gegensätzlich. Sie schließen sich gegenseitig aus. In einem Ausscheidungsverfahren kann er aufgrund seines ihm innewohnenden Naturgesetzes zur einzig richtigen religiösen „Weltanschauung“, zur wahren Religion gelangen, zur biblischen.

Die Bibel (das Buch der Bücher) erzählt ihm vom Sein und Wirken dieses Gottes, von Seinen Weisungen und Geboten, von Seinen Belohnungen und Bestrafungen, von Seinen Verheißungen und von Seinem Umgang mit den Menschen und der Menschen mit Ihm von allem Uranfang an, von der Auserwählung und Führung Seines Volkes. Es gibt keine andere „Religion“ auf der ganzen Welt, in der ganzen Menschheitsgeschichte, die zurecht und bewiesen eine Selbstoffenbarung Gottes zu besitzen vorgeben kann.

Die Heiligen Schriften des „Volkes Gottes“, des Volkes, mit dem Gott einen besonderen Bund geschlossen hat, enthalten nun aber viele Aussagen, die auf den kommenden Messias, den künftigen Erlöser hinweisen.

„Es ist Gottes Geist, der das Bild Seines Sohnes, der da kommen soll als Menschensohn, mit deutlichen Zügen, in Wort und Symbol (Typus), hineingeschrieben hat in die Geschichte der Jahrtausende vor Ihm, damit bei Seinem Kommen Israel und alle Völker in Ihm den seit langem Erwarteten und klar Verkündeten mit Bestimmtheit erkennen konnten; es ist die hehre Gestalt Jesu Christi, die ihren Schatten vorauswirft, ehe sie in diese Zeitlichkeit hineintritt.“ (Hettinger Apol. 2,348)

(Wenn ein einzelner Mensch ein Buch voll Weissagungen auf Jesus Christus geschrieben hätte, und Jesus wäre wirklich in der Zeit und in der Weise, wie es vorausgesagt ward, erschienen, so wäre das ein Beweis unendlicher Geisteskraft. Aber hier (bei der Prophezeiung vieler Propheten) erscheint noch viel mehr. Es ist eine Folge von Männern durch viertausend Jahre hindurch, die gleichmäßig und ohne Unterschied einer nach dem andern dieses Ereignis verkünden. – Blaise Pascal)

Das Finden der biblischen Offenbarung führt nun ganz logisch zu diesem Messias. Der Verheißene ist tatsächlich gekommen, „in der Fülle der Zeit“, und hat unter uns Menschen gelebt, gewirkt. Es gibt keinen einzigen Menschen in der bisherigen Menschheitsgeschichte, der wie Er mit solcher Übernatürlichkeit, mit solcher geistiger Kraft und Autorität, mit solcher Macht, ja Allmacht, aber auch mit solcher Sanftmut und Liebe aufgetreten ist. Jesus Christus ist – selbstbezeugt und bezeugt durch seine zuverläßigen Zeitgenossen – die Schlüsselfigur für die Annahme oder Ablehnung des wahren Gottesglaubens. Er erst ist es, der uns GOTT erschließt. ER ist die Gottesoffenbarung in Person. „Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoße des Vaters ist, der hat es uns erzählt.“ (Johannes 1, 18) Erst und nur Jesus Christus vermittelt die richtige, vollständige, vollgültige Interpretation des geschriebenen Wortes Gottes, das vor Seinem Kommen von den Juden festgehalten wurde. Und Jesu Christi „Auslegung“ ist niedergeschrieben in den Heiligen Schriften des Neuen Testament, in den Evangelien und Briefen der Apostel und in der Apokalypse des hl. Johannes. Und sie ist präzisiert und vertieft durch das Wirken des Heiligen Geistes in der Lehre der Kirche Christi. („Ich habe euch noch vieles zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, der wird euch alle Wahrheit lehren; denn er wird nicht von sich selbst reden, sondern, was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, euch verkünden. Derselbe wird mich verherrlichen; denn er wird von dem Meinigen nehmen, und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er wird von dem Meinigen nehmen, und es euch verkündigen“ Johannes 16, 12-15) Die Kirche Christi aber ist die ununterbrochen seit Jesus Christus nun schon mehr als 2000 Jahre bestehende apostolische, römisch-katholische Kirche mit ihrem Lehr- und Hirtenamt, mit ihren Päpsten, Bischöfen und Priestern und Gläubigen, mit ihren Lehren und Sakramenten! Alle anderen christlichen, re-definierten und re-formierten „Kirchen“ haben nicht die Fülle der Wahrheit und der Gnadenmittel; sie haben nur Reste davon. Sie sind „Ausbrüche“, Abspaltungen und Neugründungen verursacht von einzelnen Menschen, die ihre „Erleuchtungen“ über jene der vielhundertjährigen Kirche setzten. Christ im Vollsinn des Wortes ist nur derjenige, der kein einziges Stück der Pflanzung des Gottessohnes verwirft. Zum „Senfkorn“, das er in die Erde gesenkt hat, damit es aufgehe und wachse, gehört nicht nur das Wurzelwerk und der Stamm, sondern auch die Krone des Baumes mit ihren Blüten und Früchten. Zum Wort der Heiligen Schrift gehört unverzichtbar die vom Heiligen Geist gewollte, inspirierte, mit aller erforderlichen Autorität ausgerüstete Auslegung und Anwendung des geschriebenen Wortes. Das reformatorische Prinzip oder Dogma: „Sola Scriptura“ ist grundfalsch und un-biblisch und deshalb unheil-voll.

Ach, wenn doch auch du erkannt hättest, was dir zum Heile dient… (vgl. Lukas 19, 41-44)

Paul O. Schenker

Pater Dr. Karl Wallner: GOTT DER VATER

Gott der Vater

(30. November 1998)

Karl Josef Wallner

Hinweis/Quelle: Vortrag in der Reihe „Maria im Advent“ im Bischöflichen Sommerrefektorium St. Pölten (30. Nov. 1998). Der Autor dieses Beitrages, Pater Dr. Karl Wallner, ist Professor für Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Stift Heiligenkreuz.

1. Das Jahr des Vaters

Papst Johannes Paul II. hat am 1. Adventsonntag, 29. November 1998, das letzte der drei Vorbereitungsjahre hin zum Jahr 2000 eröffnet. In diesem neuen Jahr betrachten wir die erste göttliche Person, die wir im Glaubensbekenntnis den „Vater den allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“ nennen. Gott war und ist für die Menschen aller Zeiten ein großes Geheimnis, ein Rätsel. Deshalb trägt Gott in den Religionen und Vorstellungen der Menschen viele Namen. Sie nennen ihn Zeus oder Juppiter, Allah oder Jehova; die Philosophen bezeichnen ihn als „den letzten Grund“ oder als „das höchste Gut“; für Platon ist dieser geheimnisvolle Gott ein ewiger „Nous“, Geist; für Plotin ist er „to hen“, das „schlechthin Eine“, für Aristoteles die reine materielose „Form“. Für die Österreicher ist Gott: „irgendetwas wird’s scho geben!“

Alle Religionen und Philosophien suchen ja, ob sie nicht etwas von dem geheimnisvollen Letzten, das allgemein Gott genannt wird, „ertasten und finden könnten“ (Apg 17,27). Wir Christen genießen nun das Privileg, im Glauben zu wissen, daß jener geheimnisvolle Gott „unser Vater“ ist. Täglich rufen wir Gott unter dem Namen „Vater“ an, wenn wir dasjenige Gebet beten, das Christus uns zu beten gelehrt hat. Das Vater-Unser ist mit Recht das Hauptgebet der Christenheit. Keine andere Religion wagt es, Gott mit einem so vertrauten und liebevollen Namen anzureden: „Unser Vater im Himmel.“

Aber woher wissen wir, daß Gott unser Vater ist? Die Antwort lautet: Allein durch die Offenbarung Jesu Christi. Er sagt: „Wer mich sieht, hat den Vater gesehen!“ (Joh 14,9; 12,45) In Jesus Christus allein wird das Wesen Gottes sichtbar, das sonst für menschliches Erkennen verborgen ist: Er allein ist „das Ebenbild – die Ikone – des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,14). Der menschgewordene Sohn ist der „Abglanz seiner [göttlichen] Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1,3). Weil er der Einzige ist, der „am Schoß des Vaters ruht“, hat er vom Vater Kunde gebracht (Joh 1,18). Ohne Jesus Christus wüßten wir nicht, daß Gott unser Vater ist.

Wenn wir also über den Vater nachdenken, dann sind wir nicht auf luftleere Spekulationen, philosophische Grübeleien und Tüfteleien angewiesen. Wir Christen brauchen Gott nicht mehr krampfhaft zu suchen und zu ermeditieren, denn er hat uns von sich aus in seinem Sohn sein liebendes Antlitz zugewendet. „Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und wollten hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört“, sagt Jesus (Lk 10,24). Mose im Alten Testament durfte Gott nicht von Angesicht zu Angesicht sprechen, er mußte seine Augen mit einer Binde verhüllen, wenn er Gott auf dem Sinai gegenübertrat (Ex 34,33.35; 2 Kor 3,13) Am leeren Grab finden die Jünger das Schweißtuch, das das Antlitz Jesu verdeckte zusammengefaltet liegen. Das soll besagen, daß jetzt das Antlitz Gottes endgültig enthüllt ist (Joh 20,7; vgl. Lk 24,12); ebenso wie der Tempelvorhang beim Tod Jesu entzweireißt, um den Blick auf das Allerheiligste für alle Menschen freizugeben, den Blick auf das innerste Wesen Gottes (Mk 15,38; Mt 27,51; Lk 23,45; Hebr 10,20).

Der Kern der Offenbarung Jesu Christi liegt also darin, daß er uns den unsichtbaren Gott, seinen Vater, als unseren Vater enthüllt. Ich behaupte, daß wir Christen auf diese Tatsache oft vergessen. Es gibt eine „Vatervergessenheit“ unter uns Christen. Das dritte und letzte Vorbereitungsjahr auf 2000 ist eine Chance, das Geheimnis der göttlichen Vaterschaft neu zu entdecken.

Die „Theologisch-Historische Kommission für das Heilige Jahr 2000“ hat dazu ein ausgezeichnetes Dokument herausgegeben, in dem wir an vieles erinnert werden, was wir vergessen haben. Das Anliegen dieses Dokumentes möchte ich heute aufgreifen. Ich werde Ihnen weder theologische Sensationen noch brandneue Spekulationen bringen, sondern nur normale Kost. Sie werden aber (hoffentlich merken), daß dieses Normale aufregend genug schmeckt, weil wir eben sosehr auf die Vaterschaft Gottes vergessen haben.

Warum aber vergessen wir sosehr auf die Vaterschaft Gottes, was sind die Gründe für dieses Verdrängen und Vergessen? Ich möchte dazu einige Punkte nennen.

2. Gründe für das Vergessen auf Gott den Vater

2.1. Das Vergessen auf die liturgische Gebetsrichtung

Unsere Vater-Vergessenheit rührt einmal daher, daß wir in unserem Denken und beten oft nicht „liturgisch“ sind. Die Liturgie mit ihren uralten Formeln und Riten ist ja ein Lehrmeisterin des rechten Glaubens. „Lex credendi, lex orandi“. Wem aber ist bewußt, daß sich alle Gebete der Heiligen Messe (mit wenigen Ausnahmen) an den Vater, den allmächtigen Gott richten. Dasselbe gilt für das Stundengebet der Kirche, das erfreulicherweise auch immer mehr Laien beten. Der Vater wird nicht nur immer an erster Stelle genannt, er ist auch das Ziel aller unserer Gebete, zu ihm steigen unsere Bitten durch den gottmenschlichen Mittler Jesus Christus im Heiligen Geist auf.

Natürlich dürfen und sollen wir direkt zu Jesus Christus oder direkt zum Heiligen Geist beten; natürlich dürfen und sollen wir die Hilfe und Fürsprache der Gottesmutter, der Engel und Heiligen anrufen. Aber wir müssen uns fragen: Sind wir uns bewußt, daß alle unsere Gebete von diesen nur gleichsam „nach oben“ getragen werden und ihren letzten Ort der Erhörung in Gott, dem Vater dem allmächtigen haben?

Gerade bei der Heiligen Messe wird deutlich, daß der Vater das letzte Ziel der Anbetung und Verherrlichung ist. Alle Gebete gehen an ihn. Christus wird als Sühneopfer auf dem Altar gegenwärtig. Am Schluß des Hochgebetes betet der Priester: „Durch ihn und mit ihm und in ihm ist Dir, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre.“

In der Liturgie stehen wir also immer vor dem allmächtigen Gott, und das ist uns oft zu wenig bewußt. Hans Urs von Balthasar hat gesagt, daß unser Geist unmittelbar an den göttlichen Geist grenzt, so müssen wir ihm unsere Herzen entgegenerheben. Im Heiligen Geist und durch den Sohn Jesus Christus erklingen unsere Gebete. Und wir Priester sollten bedenken, daß wir wie Mose niemand geringerem als dem allmächtigen Gott unsere Arme entgegenbreiten, wenn wir die Gläubigen auffordern: „Lasset uns beten!“

2.2. Die Irreführung durch bildliche Darstellungen

Unser Vergessen auf Gott den Vater hat vielleicht auch seinen Grund in der Naivität, mit der man die erste göttliche Person in früheren Zeiten in der Kunst dargestellt hat: der uralte Mann mit schlohweißem Haar, von Wolken und Engeln um geben. Es handelt sich bei dieser Darstellung um ein Bild, eine Metapher, ein Symbol, das sich eigentlich auf die Ewigkeit und Zeitlosigkeit Gottes bezieht. In der Spätgotik und Barockzeit wollte man durch Bart und Alter die Unendlichkeit Gottes symbolisieren. Doch auch wenn man die Motive versteht, die zu solchen künstlerischen Ausdrucksformen geführt haben, bleibt ein schlechtes Gefühl.

Im Alten Testament heißt es ja in Dtn 4,16: „Macht euch kein Gottesbildnis, das irgend etwas darstellt, keine Statue, kein Abbild eines männlichen oder weiblichen Wesens“. Dieses Bildverbot gilt im Neuen Testament freilich nicht mehr, weil ja in Jesus Christus Gott selbst uns das „Abbild“ seines unsichtbaren Wesens (Kol 1,14; Hebr 1,3) geschenkt hat. Aber: Eben nur der Sohn ist das Abbild, sonst nichts. Man kann an Jesus zwar ablesen, wie der Vater wirklich ist, wir müssen uns aber hüten, uns den Vater in irgendeiner Weise vorzustellen. Die Theologie muß hier die Kunst kritisch korrigieren, denn Gott der Vater ist weder alt, noch ist er ein begrenztes Einzelindividuum, noch ist er geschlechtsspezifisch männlich oder ähnliches, wie die genannten Darstellungen es nahelegen konnten.

Wo solche Bilder allzu ernst genommen wurden – Gott als ergrauter Weltenherrscher – da drohen große Mißverständnisse. Es ist noch relativ harmlos, wenn Antoine de Saint-Exupery im „Kleinen Prinzen“ Gott auftreten läßt als lieben Opa, der auf einem Stern sitzend Weisheiten von sich gebend die Welt regiert. Schlimm wird es dann, wenn das Bild vom grauen Weltenvater psychologisch mißdeutet wird. Es gibt in unserem Jahrhundert das traurige Beispiel des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung, der im New Age als Vater von Neugnosis und Esoterik gehandelt wird. Im Unterschied zu Sigmund Freud war Jung Christ und bekam als Kind eine völlig falsche Vorstellung von Gott dem Vater. Er schreibt in seinen Memoiren, daß er sich Gott wirklich oben droben auf einem Thron sitzend vorstellte. Das war für ihn schon insofern beängstigend und bedrängend, da er Angst hatte, von den „Exkrementen“ dieses übergroßen unsichtbaren Weltenvaters getroffen zu werden. Diese – freilich völlig absurde – Kindheitsangst hat wesentlich zur Abkehr Jungs vom christlichen Glauben geführt.

Wir müssen uns deshalb im „Jahr des Vaters“ auch selbst fragen, welche psychologischen Vorbedingungen wir mitbringen, also, welche Vater- bzw. Elternerfahrungen bei uns mitschwingen, wenn wir von Gott dem „Vater“ sprechen. Wenn jemand seinen Vater etwa nur als betrunkenen Randallierer und Familienzerstörer erlebt hat, dann kann seine Vatervorstellung verbogen sein, und er wird sich schwer tun, in Gott als den liebenden, sorgenden, barmherzigen Vater anzubeten.

2. 3. Die feministische Kritik am Vatergott

Ein dritter Grund, warum wir heute das Thema „Gott Vater“ ein bißchen verdrängen, ist natürlich die feministische Theologie. Die macht uns Christen den Vorwurf, aus dem unfaßbaren Gott einen Mann gemacht zu haben, eben den Vater-Gott, um so die Vormachtsstellung des Mannes zu begründen und abzusichern. Der Feminismus hat viele Schattierungen, das gemeinsame Feindbild aller exstremen Feministinnen ist aber schon der Name „Vater“ an sich. Man möchte sich Gott lieber als Frau vorstellen.

Nun ist ein Körnchen Wahrheit an dieser Kritik, denn tatsächlich ist für die hohe Theologie immer klar gewesen, daß Gott-Vater keine Geschlechtsbezeichnung aussagen kann. Der Vater ist weder männlich noch weiblich! Wir nennen die erste göttliche Person so, weil Jesus sie so genannt hat. Tatsache ist auch, daß die Phantasie dort, wo man Gott nach dem Bild des Weiblichen dachte, sehr bald in die Mythologie abgeglitten ist.

Den extremen Anhängern des Feminismus muß gesagt werden: Gerade der Bibel geht es nicht um eine geschlechtliche Bestimmung Gottes. Alle anderen Götter des Altertum sind geschlechtlich bestimmt. In der Götterwelt Homers aber auch der Assyrer, Babylonier usw. verhalten sich die Götter menschlich sexuell, ja manchmal unmenschlich sexuell. Der Gott-Vater der biblischen Offenbarung aber gerade nicht. Er ist in identischer Weise weder Mann noch Frau, er ist Gott der Urgrund von allem und sonst nichts.

2.4. Das Vergessen auf Gott den Schöpfer

Schließlich möchte ich noch einen Grund dafür nennen, warum wir nicht gerne oder zuwenig über Gott den Vater nachdenken: der Grund liegt darin, daß für uns die Natur entmythologisiert ist, entzaubert. Als neuzeitliche naturwissenschaftliche Menschen sind unsere Augen vielfach erblindet und wir sehen in den Werken der Natur nicht mehr das Wirken dessen, der dies alles gemacht hat. Konkret: Wir vergessen, daß hinter alledem ein allmächtiger Schöpfergott steht. So bekennen wir im Glaubensbekenntnis als erstes, daß der Vater „allmächtiger Schöpfer“ ist, er ist „allesvermögender Pantokrator“, wie es im griechischen Text heißt, denn er hat den Himmel und die Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt erschaffen.

Menschen früherer Zeiten haben sich da leichter getan, sie waren unmittelbar den Gewalten und Gefahren des Lebens ausgesetzt, hinter dem Zyklus der Gestirne und der Willkür des Wetters, hinter der Bedrohung durch Krankheit und dem Rhythmus von Geburt und Tod sahen sie ziemlich deutlich die Hand Gottes. Uns neuzeitlichen ist diese Hand Gottes ziemlich unsichtbar geworden, je mehr Phänomene wir erklären können, desto weniger denken wir über den allerletzten Grund nach. Und das ist schade, denn der Glaube, daß die Naturwissenschaft alles erklären kann oder können wird, ist widervernünftig und abergläubisch.

Heute spricht man viel von „Natur“ und „Schöpfung“, typisch ist, daß man die beiden Begriffe in sich absolutiert, so als wären „Natur“ und „Schöpfung“ etwas ewiges in sich vorgegebenes. „Natur“ kommt aber von „nasci“, geboren werden. Die Natur ist von jemandem geboren, nämlich von Gott. Dasselbe gilt für das Wort „Schöpfung“. Es gibt keine „Schöpfung“, wenn es keinen „Schöpfer“ gibt. Die großen, wirklich denkenden Physiker und Naturwissenschaftler der Neuzeit waren alle gläubig, weil sie gerade durch ihr Forschen zum „Staunen“ gekommen sind: Von selbst kann das alles nicht geworden sein – „von nix kommt nix“, es muß einen letzten allweisen Grund, eine letzte Ursache geben. Das sooft gehörte Argument vom Urknall erklärt gar nichts, denn es beantwortet die Frage nicht, wer denn da eigentlich „geknallt“ hat.

Es gibt keine Schöpfung ohne Schöpfer! Wir sehen ja, welch zwiespältige und widersprüchliche Folgen es hat, wenn man den Schöpfergott wegläßt, in den ökologischen Bewegungen: Ja zum Bruder Baum, und nein zum ungeborenen Menschen?

2.5. Das Verdrängen der Gottesfurcht

Der moderne Mensch fürchtet sich nicht mehr vor Gott. Dabei ist die Gottesfurcht eine Grundhaltung, die der Mensch gegenüber Gott einnehmen soll. Die Bibel spricht von der Furcht Gottes und meint damit nicht die „Angst“ vor einem dunklen und bösartigen Gott, sondern vielmehr den ehr-fürchtigen Respekt vor einem liebenden und sorgenden Gott. Wer Gott fürchtet, achtet ihn in Ehrfurcht. An etlichen Stellen der Schrift heißt es, daß die Gottesfurcht „der Anfang der Weisheit“ ist (Ps 111,10; Spr 1,7; 9,10; Ijob 28,28).

Hier geht auch ein Vorwurf an die christliche Verkündigung und Theologie, die zu fragen ist, ob sie den biblischen Gott nicht zu sehr verharmlost hat. Es ist zwar eine große und positive Errungenschaft der letzten Jahrzehnte, daß man soviel über die Liebe Gottes gesprochen hat. Aber die Rede von der „Liebe“ wird oft nicht biblisch verstanden: Liebe ist das belanglose Tun, was einem gefällt, Lust und Spaß macht, ein unernstes Tun. Die Liebe, die Gott uns aber erweist, ist nicht eine unernste Liebelei, sondern kommt in der blutigen Gestalt des Gekreuzigten auf Golgotha daher: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16)

Der allmächtige Vater liebt uns nicht harmlos, sondern radikal. Er bietet uns in seinem Sohn Rettung an, aber wir müssen sie auch noch frei und ganz annehmen, sonst wehe uns! Das Angebot der Barmherzigkeit gilt, der barmherzige Vater hat das Kreuz seines Sohnes mitten in der Weltgeschichte aufgerichtet. Wir bleiben weiter frei, und der liebende Gott bleibt weiter gerecht.

Der Mensch der Moderne wollte keine transzendente Autorität anerkennen, er wollte selbst mit dem Leben, mit den Weltproblemen, mit der Sinnfrage fertigwerden. Dazu meinte er, Gott abschaffen zu müssen, um frei und furchtlos zu sein. Seit Voltaire wird die Kirche bekämpft „Écrasez l’infame!“ (Löscht die infame Kirche aus!), um nicht daran erinnert zu werden, daß es einen Gott gibt, dem man einmal Rechenschaft ablegen muß. Diese aufklärerische Autonomie hat sich als gefährliche Täuschung erwiesen. Wir erleben ja gerade, wie die Menschen, die den liebenden Gott des Christentums nicht mehr kennen oder kennen wollen, neuen Ängsten anheimfallen: die Angst vor der Sinnlosigkeit treibt sie in postmodernen Aberglauben, esoterische Irrtümer, okkulte Praktiken oder hedonistische Beschwichtigungsrituale.

Wer sich vor Gott nicht mehr fürchtet und keine anderen Wirklichkeiten als die des Diesseits anerkennt, fällt er viel schrecklicheren Ängsten anheim. der Angst vor dem Nichts. Vielleicht reden und denken wir deshalb nicht gerne über die erste göttliche Person, weil wir die biblische Wahrheit verdrängen wollen, daß Gott der allmächtige Herr ist und es uns geboten ist, ihn zu fürchten. Natürlich nicht sklavisch, sondern aus freier Liebe, weil er die Liebe ist. (Dtn 10,12.20; Mt10,28; Röm11,20f). Im Magnificat betet Maria, daß Gott sich über alle erbarmt, „die ihn fürchten“ (Lk 1,50).

3. Die christliche Botschaft von Gott dem Vater

3.1. Der Name Gottes

Jesus offenbart einen neuen Namen Gottes: Dieser Name lautet: Gott ist „Vater“. Dazu müssen wir einiges darüber wissen, was „Name“ im jüdischen bzw. orientalischen Denken bedeutet. „Name“ ist nämlich etwas überaus Wichtiges für den Juden. Sie können das leicht anhand der liturgischen Formeln nachprüfen, die ja aus der Bibel stammen, und in denen so oft vom „Namen“ Gottes die Rede ist: So machen wir etwa das Kreuzzeichen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Wir beten: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn“. Übrigens hatte Papst Paul VI. den Wahlspruch „In nomine Domini“. In den Psalmen wird unzählige Male „der Name“ des Herrn gepriesen usw.

Schon diese Beispiele sind uns ein Hinweis darauf, daß der „Name“ in biblischer Zeit – wie überhaupt im Orient – mehr ist als nur ein „Rufmittel“. Kurz: „Name“ steht für Identität, steht für Wesen. Deshalb ist es auch so aufregend, daß Gott bei der Schöpfung dem Menschen das Recht einräumt, die Tiere zu benennen; hier darf der Mensch mitwirken am Schöpfungswerk Gottes (Gen 2,19f.). Wir sehen das aber auch daran, daß im AT die Namen, welche man Personen gibt, immer eine Eigenschaft ausdrücken sollen. Oft steckt in diesen Personennamen auch der Gottesname. Die Anfangssilbe „J“ etwa ist die Kurzform für „Jahwe“, sie steckt etwa in Joschua, Jesaja, Jeremia, Johannes, Jesus usw. Der Name Jesus will etwa schon in sich ein Programm besagen: „Gott/Jahwe schafft Heil“. Dasselbe gilt für die Kurzform „El“ des Gottesnamens „Elohim“: Eljakim, Elischa, Samuel. Die Bedeutung des Namens zeigt sich aber auch darin, daß ein Wechsel des Namens auch immer eine Änderung des Wesens aussagt: Aus Abrahm wird Abraham (Gen 17,5), aus Jakob wird Israel (Gen 35,10), aus Sarai wird Sara (Herrin: Gen 17,5); und im Neuen Testament geht das weiter: aus Simon wird Petrus, aus Saulus wird Paulus.

Wenn der Name also das Wesen bezeichnet, dann verstehen wir auch, warum die Selbstoffenbarung Gottes auf dem Sinai vor allem in der Offenbarung des Namens Gottes besteht: Gott gibt sich vom brennenden Dornbusch weg den Namen: „Ich bin der ich bin da!“ (Ex 3,14) Eine Art Kurzformel dieser Selbstbeschreibung ist der Gottesname Jahwe. Dieser besteht, da die hebräische Schrift keine Zeichen für die Vokale a-e-i-o-u kannte, nur aus den 4 Konsonanten JHWH. Niemand durfte den erhabenen Gottesnamen aussprechen, weshalb man ihn absichtlich falsch vokalisiert hat, indem man zwei „a“ einfügte. Nach jüdischem Sprachgebrauch wurde dann aber nicht Jahwah ausgesprochen, sondern Jehova.

Das Aufregende ist eigentlich die Ehrfurcht vor dem Gottesnamen. Wenn Gott seinen Namen nennt, so gibt er gleichsam sein Wesen preis. Er lüftet sein innerstes Geheimnis: Jahwe ist der Gott, der schlechthin ist. Gott ist der gleichbleibende. Als die hebräische Bibel dann um 150 vor Christus von angeblich 70 Weisen ins Griechische übersetzt wird (LXX), da gibt man Ex 3,14 wieder mit: „Ego eimi ho oon“. „Ich bin der Seiende.“ In der Apokalypse nennt er sich „der da ist und der da war und der da kommt.“ (Offb 1,8) Jedesmal, wenn wir das „Ehre sei dem Vater“ beten sagen wir: „wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit“. Eigentlich ist das eine Umschreibung für das Jahwe-Sein Gottes, für sein ewiges: „Ich bin der ich bin.“ Für die Juden war dieser ewig-seiende Gott, der nun mit seinem Volk einen Bund einging, der „Herrliche“ und „Heilige“, dem man Ehrfurcht, Anbetung und Furcht schuldete.

Wir müssen festhalten, daß das Alte Testament darauf abzielt, Gott als den einzigen zu offenbaren und den Israeliten Ehrfurcht vor dem Namen Gottes einflößt. Die Kirchenväter haben das AT die Zeit der Pädagogik Gottes genannt: Gott erzieht die Menschen, daß sie ihn so annehmen, wie er wirklich ist. Der Name, unter dem Gott sich im AT offenbart, ist noch nicht der „Vatername“. Sehr wohl aber offenbart er sich bereits in seinem Verhalten „wie ein Vater“.

3.2. Das Vater-Sein Gottes im AT

Wie gesagt: Der Gott des AT trägt den erhabenen Namen „Jahwe“, vor ihm neigt sich der ganze Erdkreis. Er ist der Schöpfer, der allmächtige Herrscher. Alle Hilfe, die Israel hat, liegt im „Namen des Herrn“, der „Himmel und Erde erschaffen hat.“ (Ps 124,8). Aber im Alten Testament wird nur das väterliche Leiten und Sorgen Gottes geoffenbart, nicht aber, daß „Vater“ die innerste Bezeichnung des Schöpfergottes selbst ist.

Gott selbst wird nur an seltenen Stellen mit dem Vaternamen bezeichnet. Das Wort „ab“ kommt etwa 1200mal im hebräischen Alten Testament vor. Aber davon sind nur 15 Stellen, wo Gott „Vater“ genannt wird. (Dtn 32,6; 2 Sam 7,14; 1 Chr 17,13; 22,10; 28,6; Jes 63,16; 64,7; Jer 3,4.9; 31,9; Mal 1,6; 2,10; Ps 89,27; Sir 23; l.4; 51,10; Weish 2,16; 14,3; Tob 13,4). Es geht in diesen Stellen auch nicht um den Namen Vater, sondern um ein Bild für Gott, um einen Vergleich: Gott handelt sorgend wie ein Vater. Es soll dadurch ausgesagt werden: Jahwe handelt väterlich. Er will deshalb auch wie ein Vater geehrt werden: „Der Sohn ehrt den Vater, und der Unrecht fürchtet seinen Herrn. Wenn ich nun Vater bin, wo ist meine Ehre? Und wenn ich der Herr bin, wo ist die Furcht vor mir?, spricht Jahwe Sebaot.“ (Mal 1,6) Mose muß sich etwa vor das abtrünnige Volk hinstellen und es daran erinnern, daß Gott doch bisher wie ein Vater für sie gesorgt hat: „Ist Gott nicht dein Vater, dein Schöpfer?“ (Dtn 32,6)

Wir können sagen: Der Vatername ist im Alten Testament eine Eigenschaftsbezeichnung Jahwes, also ein Bild, ein Vergleich: Gott sorgt „wie ein Vater“. Deshalb ist es dem AT auch egal, ob man den Vater oder die Mutter als Vergleichspunkt heranzieht. Es gibt etlich Stellen, in den die Sorge Gottes auch durch Vergleiche mit weiblich-mütterlichen Eigenschaften beschrieben. Durch einen Satz wie: „Kann denn eine Frau ihr Kind vergessen, eine Mutter ihren eigenen Sohn? Und selbst wenn sie ihr Kind vergessen würde, ich vergesse dich nicht!“ (Jes 49,15; vgl. Hos 11,1–4; Jes 66,9.13) soll das Fürsorge-Verhältnis Gottes zu Israel beschrieben werden. Wenn aber die Bezeichnung „Vater“ auf Gott angewandt wird, handelt es sich um ein „Beziehungswort“. [1]

Doch wir verlassen jetzt das Alte Testament und kommen ins Neue Testament, zu Jesus Christus.

3.3. Jesus offenbart Gott als seinen Vater

Durch Jesus Christus kommt nicht bloß eine Vertiefung, sondern etwas völlig Neues. Daß Gott „väterlich“, wie ein Vater, für die Menschen sorgt, das war vom Alten Testament her erkennbar. Aber daß er von Ewigkeit einen Sohn hat und diesen im Heiligen Geist uns hinschenken will, diese Offenbarung erfolgt erst im Neuen Testament. Und erst hier wird auch erkennbar, daß „Vater“ nicht irgendeine Eigenschaft von vielen ist, die man Gott zuerkennen kann, sondern hier wird seine intimste und innerste Seite angesprochen. Und ich bitte Sie wirklich zu beachten, daß hierin eine Besonderheit der christlichen Offenbarung liegt.

Doch zunächst einmal müssen wir feststellen, daß Jesus die Linie des Alten Testamentes fortsetzt. Auch er verkündigt, daß Gott „wie ein Vater“ ist, daß er „väterlich sorgt“. In seinen Gleichnissen vergleicht Jesus das Verhalten Gottes ja zigmal mit dem eines gütigen Vaters! Denn „Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet“ (Mt 6,7). 174mal nennt Jesus in den Evangelien Gott „Vater“: Jesus möchte sagen: Gott sorgt sich um euch, wie ein Vater um seinen verlorenen Sohn (Lk 15,11–32); er gibt euch, seinen bettelnden Kindern, nur Gutes wie ein Vater, wenn er durch Bitten bedrängt wird (Mt 7,11; Lk 11,13) usw. Sie kennen alle diese Gleichsnisse.

Dabei fällt aber schon etwas auf, und dem stimmen alle Bibelwissenschaftler zu: Daß Jesus nämlich immer einen Unterschied macht zwischen „mein Vater“ und „euer Vater“. Offensichtlich meint Jesus etwas Tieferes, wenn er den Gott Israels als seinen Vater anredet. Jedenfalls unterscheidet er eindeutig zwischen „mein Vater“ (Mt 11,27par; Lk 22,29) und „euer Vater“ (Lk 6,36 par; 12,30par; Mk 11,25 par; vgl. Mt 23,9; Joh 20,17). Sehr eindrucksvoll etwa in Joh 20,17, wo Jesus am Ostermorgen zu Maria von Magdala sagt: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17)

Warum macht Jesus eine solche Unterscheidung? Weil er sein Verhältnis zu Gott dem Vater als etwas einzigartiges weiß: es ist das Verhältnis des eingeborenes Sohnes Gottes zu seinem Vater, der ihn in die Welt gesandt hat, um allen Menschen zu retten. Jesus ist der ewige Sohn des ewigen Vaters, von Ewigkeit ist er aus der Wesenheit Gottes des Vaters hervorgangen und hat Menschengestalt angenommen in der Zeit. So bekennt es die Kirche feierlich gegen die Irrlehre des Arianismus.

Doch diese Häresie aus dem 4. Jahrhundert ist seit Jahrzehnten wieder sehr populär. Der Arianismus wird benannt von Arius; dieser war Priester und Leiter der Katechetenschule von Alexandrien in Ägypten. Seinen Beruf kann man mit dem eines heutigen Theologieprofessors vergleichen. Arius lehrte damals, und er fand viele Anhänger, daß der Sohn nicht wahrhaft Gott sei; nur der Vater ist wahrer Gott, der Sohn aber ist ein Geschöpf. Jesus Christus ist folglich nur ein Prophet, es gibt kein besonderes Verhältnis zwischen ihm und Gott dem Vater. Jesus hat sich nur in einem allgemeinen Sinn als „Sohn Gottes“ bezeichnet, wie sich jeder von uns als „Sohn Gottes“ bezeichnen kann.

Heute vertreten die Zeugen Jehovas diese Lehre mit großem Nachdruck: Jesus Christus ist nicht Gott von Gott, Licht vom Licht, eines Wesens mit dem Vater, wie der katholische Glaube lehrt. Die Zeugen Jehovas sind die Arianer unserer Zeit. Aber auch die liberale Bibeltheologie kann mit einer einzigartigen Gottessohnschaft Jesu Christi nichts anfangen. All die vielen Stellen in den Evangelien, vor allem bei Johannes oder in den Paulusbriefen, wo Jesus sich „Sohn“ nennt und wo davon die Rede ist, daß er von Ewigkeit her existiert, läßt man nicht gelten. Dies seien Erfindungen der frühen Kirche, fromme Wunschphantasien, die man da im Neuen Testament zusammengeschrieben habe. Kurz gesagt: Falls Jesus überhaupt gelebt hat, dann war er halt irgendein besonders frommer oder radikaler Wanderrabbi, aber nicht der ewige Sohn des ewigen Vaters, der Mensch geworden ist, um uns die barmherzige Liebe des Vaters zu schenken.

Gegen die neoarianischen Irrlehren läßt sich nun von der Heiligen Schrift her ein wichtiges Argument anführen.

Es gibt im Evangelium eine Stelle, die sicher nicht Erfindung der Evangelisten ist, sondern aus dem Munde Jesu stammt. Und dort läßt uns Jesus gleichsam in die intimsten Abgründe seiner Beziehung zu Gott schauen. Es ist dies die Stelle im ältesten Evangelium, also bei Markus, und zwar in der Passionserzählung vom Ölberg: Markus überliefert, daß Jesus in der Not von Getsemani mit folgenden Worten betet: „Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).“ (Mk 14,36)

Warum ist diese Stelle so bedeutungsvoll? Die Evangelien des NT sind in griechischer Sprache verfaßt worden. Jesus aber hat aramäisch gesprochen. Nur ganz wenige aramäische Worte sind uns überliefert: Z. B. „Amen“, „Kephas“, „Talita kum“ oder „Maranatha“ (1 Kor 16,22; Offb 22,20). Hier nun findet sich auch ein hebräisches Wort, mit dem Jesus Gott anredet: „Abba, Vater“.

Es fällt dabei auf, daß der griechischschreibende Markus dieses aramäische Fremdwort dort gerade in der extrem zugespitzten Todessituation am Ölberg bringt. Sonst übersetzt er immer mit „pater“ und bringt überhaupt wenig Aramäisches. Warum gerade hier „abba“? Offensichtlich sagt Jesus auch und gerade in dieser Situation äußerster Bedrängnis noch „abba“, weil das seine Grundrelation auf Gott hin ist: Gott ist sein „abba“.

Was bedeutet „abba“? Lange Zeit hat man mit dem evangelischen Exegeten Joachim Jeremias [2] gemeint, daß es sich bei dem Ausdruck „abbah“ um eine völlig außergewöhnliche, diminutive und affektive Form von „ab“ handelt. Sie sei etwa im Sinn von „Papi“, „Papilein“, „Papsch“ oder „Daddy“ zu verstehen. Joachim Jeremias später etwas zurückgezogen: Abbah sei eine kindliche aber nicht kindische Anrede des Kindes an den Vater gewesen, etwa vergleichbar unserem „Papa“. Wie auch immer: eindeutig schwingt in „abba“ ein aufregender Hauch von Intimität mit. Und eine solche ist Anrede an Gott ist für Juden unerhört: Gott ist transzendent, Gott ist herrlich, Gott ist erhaben und heilig, – so heilig, daß man nicht einmal seinen Namen aussprechen darf. Und da kommt Jesus, und spricht Gott als „Papa“ an, noch dazu in der Situation, wo er sich von Gott eigentlich verraten und verlassen fühlen müßte.

Wir wissen heute, daß es für Juden zur Zeit Jesu unvorstellbar gewesen wäre, Gott als „Vater“ anzureden [3] (als würde man den Bundespräsidenten mit „Schatzimausi“ begrüßen). Ein solcher vertrauter, umgangssprachlicher Ton – und es handelt sich hier unbestreitbar um ein originales Jesuswort – bezeugt, wie vertraut der göttliche Vater Jesus war. Das ist mehr als die Vertrautheit zwischen einem menschlichen Propheten und einem göttlichen Meister. Das ist die vielmehr die Vertrautheit dessen, der von sich sagen kann: „Der Vater und ich sind eins“. „Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.“ „Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ (Mt 11,27 vgl. 28,18; Joh 3,35; 13,3; 10,15)

Halten wir also fest: Jesu Beziehung zu seinem Vater ist also einzigartig. Und mehr noch: Er offenbart uns etwas Neues, Tieferes, als es je vom Alten Testament her erahnbar gewesen wäre: Er offenbart uns, daß der innerste Name Gottes, des Schöpfers und Herrschers über Himmel und Erde, daß dieser Name „Vater“ ist: Und zwar nicht nur SEIN Vater, sondern sogar UNSER Vater. Jesus will diese Beziehung nicht für sich behalten. Sondern er will, daß wir alle an ihr teilnehmen. Er will, daß auch wir die Liebe Gottes erkennen, damit auch wir zu Gott „Vater, Abba“ sagen können.

4. Wir sind Kinder Gottes

Wir sind am Anfang des Advent, am Anfang des Jahres des Vaters nach. Und damit es keine luftleeren Spekulationen bleiben, kommen wir jetzt am Schluß zum eigentlichen und entscheidenden: zu dem, was das Vatersein Gottes „für uns“ bedeutet:

Es geht darum, daß wir erkennen, daß wir Kinder Gottes sind. Jesus hat Gott, seinen „Vater“ unendlich geliebt. Er wollte offenbaren, daß dieser Vater kein grausamer Tyrann, verborgen hinter Blitzen und Donner ist, wie die Römer und Griechen das dachten; er wollte offenbaren, daß Gott nicht bloß eine abstrakte mitleidslose Schicksalsmacht ist, wie die Gnosis damals und New Age heute das lehren; er wollte offenbaren, daß Gott den Sünder nicht verwirft, sondern ihn retten will, daß er wie ein barmherziger Vater Ausschau hält nach der Rückkehr des verlorenen Sohnes. – Daher geschah es, als die Jünger Jesus baten: „Herr, lehre uns beten!“, da antwortete er: So sollt ihr beten: Und er lehrte die Jünger, Gott als „unseren Vater“ (Mt 6,9; Lk 11,2) anzureden. Er will, daß wir erkennen, daß sein Vater auch unser Vater sein will. Anders gesagt: Er will, daß wir Kinder Gottes werden.

Wie wird man zum Kind des Vaters? Indem man Christus wird, indem man in die Gestalt Christi eintritt; das geschieht durch die Taufe. In der Taufe ziehen wir Christus wie ein Gewand an (Taufkleid), er wird zu unserem inneren Licht (Taufkerze), wir werden gesalbt (Chrisam), weil Christus ja Gesalbter heißt, und düfen fortan den Namen Christ tragen, was ja soviel heißt wie „Gesalbter“. Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes, genauer: wir sind Söhn im Sohn. Und weil der Sohn den Heiligen Geist ausgießt, schreibt Paulus: „ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15; vgl. Gal 4,6)

Das ist eigentlich aufregend: Wir sterblichen Menschen haben durch den Sohn Gottes eine solche Salbung durch den Geist empfangen, daß wir in genau derselben Zutraulichkeit zu Gott beten dürfen, wie Jesus selbst. Wir dürfen zu Gott auch sagen: „Abba“, „Papa“. Unser guter lieber Vater.

Und keine Angst: Dadurch verharmlosen wir Gott nicht, weil er ja weiterhin der allmächtige bleibt, der Schöpfer, der erhabene Herrscher aller Mächte und Gewalten. Wir haben als Christen das Privileg, diesen Gott, den alle Religionen suchen, als unseren guten Vater zu kennen und anzubeten. Wir können mit dem Epheserbrief beten: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“ (Eph 1,3; vgl. 1 Petr 1,3; 2 Kor 1,3)

5. Geistliche Anregungen

Wir befinden uns am Anfang des Adventes und am Anfang des „Jahres des Vaters, des allmächtigen, des Schöpfers des Himmels und der Erde.“ Ich erlaube mir, uns noch einige geistliche Anregungen zu geben:

1. Erwecken wir in uns das Gefühl für die Größe und Erhabenheit Gottes. Das zweite Gebot ist weiterhin aktuell: Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren. In einer Zeit, in der die Blasphemie in Kunst und Literatur schon allgemein geworden ist, müssen wir dieses Gefühl für die Größe Gottes in uns neu erwecken. Maria betet: „Magnificat anima mea Dominum!“ Das heißt eigentlich: „Meine Seele macht Gott groß!, läßt Gott groß sein, erschaudert vor der Größe Gottes!“ Denken wir einmal nach, wie es mit der Gottesfurcht bei uns steht. – Wie leicht und oberflächlich plappern wir oft das Vater unser! Maria betet auch: „Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig!“ Der Name Gottes ist wahrhaft heilig!

2. Die liturgischen Gebete richten sich an Gott den Vater, an die Quelle der dreifaltigen Lebens. Beten wir diese Gebete bewußt mit dem Herzen mit. Denken wir tiefer über das Heilswerk nach, daß der ewige Gott durch seinen Sohn im Heiligen Geist an uns getan hat. Er, der Gott aller Menschen, hat uns die Fülle seines Heiles geschenkt. Durch die Sakramente der Kirche kommt er uns ganz nahe. Er, der Vater, ist es, der in der Kirche an uns handelt. Am Ende der Schöpfung wird Christus dem Vater alles zu Füßen legen, und Gott wird alles in allem sein, wie Paulus schreibt.

3. Die Ehrfurcht vor der Schöpfung ergibt sich von selbst, wenn wir den Schöpfer ehren. Aber es ist nicht nur eine Ehrfurcht vor Hunden und Katzen, Bäumen und Wiesen, sondern es ist eine Ehrfurcht auch vor jenen Gesetzen, die der Schöpfer in seine Schöpfung gelegt hat. Es gibt gut und böse, das Böse widerspricht der Natur, dem Plan, den der Schöpfer mit dem Menschen hat. Wir werden in den nächsten Vorträgen über die Barmherzigkeit des Vaters hören, mit der er uns zu Hilfe kommt, wenn wir gegen seine Gebote verstoßen.

4. Jesus, der ewige Sohn des ewigen Vaters, ist deshalb Mensch geworden, damit wir die Sohnschaft erlangen, damit wir Kinder Gottes werden. Er sagt zu seinem Vater „Abba, lieber Vater, Papa!“ und das in der Stunde seiner Todesangst. Bedenken wir also, daß wir nie in den Abgrund des Nichts fallen können, weil Jesus uns geschenkt hat, Kinder Gottes zu sein. Wir dürfen „durch ihn und mit ihm und in ihm“ Gott unseren Vater, ja unseren Papa nennen nennen.

Ich schließe mit einem Gebet von Charles de Foucauld:

Mein Vater, ich überlasse mich Dir, mit Deinem Sohne, ganz und gar, für alle, damit sie den Weg finden zu Dir. Mach mit mir, was Dir gefällt. Was immer Du mit mir tust, ich danke Dir. Ich bin zu allem bereit, ich nehme alles an. Wenn nur Dein Wille an mir geschehe und an allen Deinen Geschöpfen, so wünsche ich nichts anderes, mein Gott. Ich lege mich in Deine Hände. Ich schenke mich Dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens. Weil ich Dich liebe und es mich aus Liebe danach verlangt, mich zu geben, mich in Deine Hände zu geben, ohne Maßen, mit unendlichem Vertrauen. Denn Du bist mein Vater. Amen.


[1] R. HAMERTON KELLY, Gott als Vater in der Bibel und in der Erfahrung Jesu. Eine Bestandsaufnahme, in: Conc (D) 17 (1981) 247–256, hier: 249.

[2]J. Jeremias, Abba. Studien zur neutestamentlichen Theologie. Göttingen 1966.

[3] Erst in jüngster Zeit wurde in Qumran ein Text entdeckt, wo ein palästinensischer Jude von Gott als „abba“ spricht. Es handelt sich um das einzige Zeugnis. Zu beach-ten ist, daß es sich hier nicht um eine Anrede Gottes handelt.