Vatikan: Bald eine neue Selige – heroischer Tugendgrad für vier Diener Gottes anerkannt

Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation (Vatican Media)

Der Vatikan hat den Weg zur Seligsprechung einer italienischen Gläubigen freigemacht sowie den heroischen Tugendgrad von vier weiteren Glaubensvorbildern anerkannt. Der Papst habe dazu am Freitag bei einer Audienz für den Präfekten der Selig- und Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Becciu, seine Zustimmung erteilt, gab der Vatikan an diesem Samstag bekannt. Es handelt sich um zwei Frauen und drei Männer, darunter ein Tiroler Jesuit

Unter den Gläubigen, deren heroischer Tugendgrad anerkannt wurde, befindet sich auch Eusebio Francisco Kino, eigentlich Eusebio Francesco Chini oder Eusebius Franz Kühn. Er war ein Tiroler Jesuit, der 1645 im Trentino geboren wurde und als Missionar in Mexiko tätig war. Dort war er auch – wie viele Jesuiten seiner Zeit – als Wissenschaftler aktiv und arbeitete als Astronom und Karthograph. Die freundliche Haltung Kinos zu den nordamerikanischen Indigenen war bei manchen seiner Ordensbrüder nicht gern gesehen. Die Indianer nannten ihn wegen seiner Kutte den „Schwarzen Bauern“.

Mariantonia Samà wurde am 2. März 1875 in Sant’Andrea Jonio in der süditalienischen Provinz Catanzaro geboren und erkrankte als junges Mädchen an einer Infektion, die sie sich beim Trinken von Sumpfwasser zuzog. Sie wurde auf die Fürsprache des Heiligen Bruno von Köln geheilt, nachdem sie nach Serra San Bruno gebracht wurde, wo der Gründer der Kartäuser starb und verehrt wurde. Zwei Jahre später wurde sie von einer weiteren neurologischen oder arthrosebedingten Krankheit befallen: Diese führte zu ihrer Lähmung, so dass sie fortan in Rückenlage und mit angehobenen Knien leben musste. Betreut von ihrer Mutter, dem Pfarrer ihres Dorfes und einigen Ordensfrauen, lud Mariantonia jeden, der sich ihr näherte, zum Vertrauen auf Gott ein. Im Jahr 1915 legte sie in privater Form ihre religiösen Gelübde ab. Nun wurde ein Wunder anerkannt, das sich auf ihre eigene Fürsprache ereignet hatte; ihrer Seligsprechung steht damit nichts mehr im Weg.

Darüber hinaus wurde der heroische Tugendgrad dreier weiterer Gläubiger anerkannt.

Mariano Giuseppe de Ibargüengoitia y Zuloaga wurde am 8. September 1815 in der spanischen Stadt Bilbao als Sohn einer adeligen christlichen Familie geboren, die sich dem Handel verschrieben hatte. Sobald er zum Priester geweiht wurde, erlitt er zusammen mit anderen Gefährten das erste Exil in Valladolid (1843), weil er die Einmischung der Regierung in einen Fall ablehnte, der nach seinem Verständnis gegen die Freiheit der Kirche verstieß. Zu allen Zeiten erwies er sich als ein Mann, der sich zwar seines Standes bewusst war, sein Leben aber komplett Gott widmete. Er gründete das Haus der Zuflucht für die „Befreiung“ von Prostituierten.

Maria Félix wurde am 25. August 1907 im Dorf Albelda (Huesca, Spanien) geboren. Ihre Eltern waren gegen ihre religiöse Berufung und so begann sie 1930 ein Hochschulstudium und erwarb ein Lizentiat in Chemie an der Universität von Saragossa. Sie wusste, dass der Herr sie für sich selbst wollte, aber sie wusste nicht, wo und wie sie ihre Berufung erfüllen konnte. Am 15. August 1934 legte sie zusammen mit ihrer ersten Gefährtin, Carmen Aige, das private Gelübde ab, ihr Leben um der Seelen willen hinzugeben und dem Dienst an der Kirche zu widmen. Der Seligsprechungsprozess der Dienerin Gottes wurde 2009 in Madrid aufgenommen.

Angiolino Bonetta wurde am 18. September 1948 in Cigole (Brescia) geboren. Er war ein lebhafter Junge, extrovertiert, mit einer ausgeprägten Neigung, Gleichaltrige in seine starke religiöse Sensibilität einzubeziehen. Im Alter von zwölf Jahren begann sein Leiden: ein Tumor an seinem rechten Knie prägte fortan sein irdisches Leben. Die Amputation seines Beines hat ihm nicht geholfen. Bereits am 22. Januar 1963 verstarb er. Im Jahr 1960 hatte er in einem Krankenhaus in Brescia das CVS (Centro Volontari della Sofferenza – Freiwilligenzentrum für Leidende) kennen gelernt. Er schloss sich dem Zentrum mit Enthusiasmus an und wurde ein wahrer Apostel, überzeugt und hartnäckig, indem er den Zweck und die Spiritualität des Zentrums denjenigen vorstellte, denen er besonders im Krankenhaus begegnete. Viele Bekehrungen sind auf ihn zurückzuführen.

(vatican news – mg)

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Vatikan: Ein 15-Jähriger wird selig

Carlo Acutis

Viele haben die Ankündigung der Seligsprechung von Carlo Acutis, dem Computergenie, das die Eucharistie zutiefst liebte, schon lange erwartet. Wegen der Pandemie wurde das Datum auf Oktober verschoben, wie Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Sein braves, junges Gesicht, sein fröhliches Lächeln, sein zum Himmel gerichteter Blick und sein von der Liebe zu Jesus entflammtes Herz, das ihn dazu drängte, anderen Kindern den Katechismus zu erklären – und nicht zu vergessen seine Hilfe für die Armen, die er in Mailand so traf: In nur 15 Lebensjahren hat Carlo Acutis (1991-2006) den Himmel auf Erden gekostet, wie die Befürworter seiner Selig- und Heiligsprechung sagen.

Carlo war vor allem ein „normaler Junge, der sich sehr gut mit dem Computer auskannte“, erinnert Kardinal Becciu im Gespräch mit uns.

„Dieser Junge lebte seinen Glauben in vollen Zügen“

„Es beeindruckt uns alle die Reife dieses Jungen. Er starb im Alter von 15 Jahren und hatte ein wunderbares, beispielhaftes Wissen über den Glauben entwickelt. Er war ein kleiner Junge, als er sich in die Eucharistie verliebte, dann wandte er seine Verehrung auch der Muttergottes zu. Er war Katechet, er konnte den Kindern den Glauben vermitteln, nicht nur in der klassischen Form bei Versammlungen, sondern er nutzte auch den Computer. So schuf er ein Computerprojekt zu den Themen des Glaubens; er hatte eine Website zu eucharistischen Wundern. Dieser Junge lebte also seinen Glauben in vollen Zügen.“

Carlo Acutis Seligsprechung findet in Assisi, dem Ort seiner Beerdigung, am Samstag, dem 10. Oktober, um 16 Uhr in der Päpstlichen Basilika San Francesco statt.

„Auffallend sind auch die Worte, die er in seinen letzten Tagen geäußert hatte. Er sagte, er wolle alle seine Leiden für den Herrn, den Papst und die Kirche aufopfern. Er wolle nicht ins Fegefeuer, sondern direkt in den Himmel kommen. Das sagte er im Alter von 15 Jahren! Ein Junge, der so spricht, fällt uns auf, und ich denke, es regt jeden an, nicht mit unserem Glauben zu scherzen, sondern ihn ernst zu nehmen.“

(vatican news)

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Freude über baldige Seligsprechung von Pauline Marie Jaricot

11 Juni 2020

Große Freude über die näher rückende Seligsprechung von Pauline Marie Jaricot (1799-1862) herrscht bei den Päpstlichen Missionswerken (Missio): Die Französin sei eine »große Laienmissionarin«, und man danke dem »Missionspapst Franziskus« für die Anerkennung eines Wunders auf ihre Fürsprache, hieß es am 28. Mai auf der Facebook-Seite von »Missio Österreich«. Jaricot habe »durch Gebet und Spende die Weltmission neu erfunden«. Papst Franziskus hatte zuvor ein auf Fürbitte Jaricots gewirktes Wunder per Dekret anerkannt und damit den Weg für die Seligsprechung geebnet.

Die Lebensgeschichte von Pauline Marie Jaricots ist eng mit jener der Päpstlichen Missionswerke verbunden: Als 23-Jährige gründete sie in Frankreich 1822 das »Werk der Glaubensverbreitung«, das Papst Pius XI. (1922-39) 100 Jahre später zu »seinen« Missionswerken gemacht habe. Die Initiative »Lebendiger Rosenkranz«, die von Missio Österreich derzeit unter dem Motto »Gott kann« (www.gott-kann.at) wieder aufgegriffen wird, ist ebenfalls eine »Erfindung« Jaricots: 2,4 Millionen Franzosen wurden von ihr ab 1826 zum Gebet für die Weltmission motiviert. Sie teilte dazu Gebetsgruppen jeden Monat nach einer Eucharistiefeier ein Rosenkranzgeheimnis zu, um für die Missionen zu beten.

Auch die Päpstlichen Missionswerke auf Weltebene sprachen von einem »Moment großer Freude« und einem »sehr wichtigen Schritt«: »Es bedeutet, dass ihr Engagement für die Mission, das aus Gebet und Nächstenliebe besteht, für die Weltkirche spricht und auch heute noch von Bedeutung ist«, erklärte der weltweite Missio-Präsident Kurienerzbischof Giampietro Dal Toso.

Grundlage für die baldige Seligsprechung ist die nun von der Kirche als Wunder anerkannte Heilung eines damals dreijährigen Mädchens namens Mayline Tran im Jahr 2012, das nach einem 20-minütigen Stillstand des Herz-Kreislaufssystems kaum Überlebenschancen hatte. Als die Familie eine Novene zu Pauline Marie Jaricot betete, sei das Mädchen wieder zu Bewusstsein gekommen und danach wider Erwarten völlig genesen.

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Quelle: Osservatore Romano 11.6.2020

PATER PIO — DAS JAHR 1913

DAS JAHR 1913

«Durch wiederholte heilsame Meisselschläge und durch sorgfältiges Nachglätten pflege ich die Steine vorzubereiten, die eingefügt werden sollen in die Gesamtgestaltung des ewigen Bauwerks.» Diese Worte wiederholt mir Jesus immer wieder, so oft er mich mit neuen Kreuzen beschenkt» schreibt Pater Pio am 18. Januar 1913. Und er meint die leiblichen Schmerzen, die er fast jede Nacht erduldet und die Jesus ihm angekündigt hat, seien hervorgerufen durch ‚das Ringen mit der Hölle.

«Hören Sie doch, was ich vor einigen Nächten von diesen unreinen Abtrünnigen zu erdulden hatte, schreibt er. Die Nacht war schon vorgerückt, da eröffneten sie ihren Angriff mit einem verteufelten Lärm und obwohl ich anfangs nichts geschaut hatte, begriff ich jedoch von wem dieser so befremdliche Lärm hervorgerufen war. Und weit entfernt mich zu fürchten, machte ich mich mit einem ihnen zugewandten, spöttischen Lächeln auf den Lippen zum Kampf bereit. Da zeigten sie sich mir nun unter den abscheulichsten Gestalten und um mich zur Untreue zu verleiten, fingen sie an, mich mit vornehmen Handschuhen zu behandeln. Aber dank dem Himmel habe ich sie gründlich gestriegelt und so behandelt, wie sie es verdienen. Als sie sahen, dass sich ihre Anstrengungen in Rauch auflösten, rückten sie mir näher zu Leibe, warfen mich zu Boden und prügelten mich ganz stark. Sie warfen Kopfkissen, Bücher, Stühle in die Luft, stiessen zugleich verzweifelte Schreie aus und sprachen äusserst schmuzzige Worte aus.

Zum Glück sind die Nachbarzimmer und auch das Zimmer unter mir unbewohnt. Ich habe keine Beschwerde an meinen kleinen Engel gerichtet und nachdem er eine kleine Predigt an mich gerichtet hatte, fügte er hinzu: «Danke Jesus, der dich als solchen behandelt, den er dazu erwählt hat, ihm ganz nahe auf dem steilen Weg zum Kalvarienberg zu folgen. Du von Jesus meiner Fürsorge anvertraute Seele, ich sehe mit Freude und innerer Bewegung dieses Verhalten Jesu dir gegenüber. Meinst du vielleicht ich wäre so zufrieden, wenn ich dich nicht so angefochten sähe? Ich, der ich in der heiligen Liebe gar sehr deinen Vorteil wünsche, freue mich immer mehr, da ich dich in diesem Zustand sehe. Jesus erlaubt dem Dämon diese Angriffe, weil SEIN Mitleid dich für ihn kostbar macht und so will er, dass du ihm ähnlich werdest in den Ängsten der Wüste, des Ölbergs und des Kreuzes. Du aber verteidige dich, weise immer von dir und verachte die arglistigen Einflüsterungen, und wo deine Kräfte nicht ausreichen können, betrübe dich nicht, du Geliebter meines Herzens, ich bin ganz nahe bei dir» (1,112).

So wurde sich Pater Pio seiner Sendung allmählich bewusst und ent­deckte sie, aber unter welchen Schmerzen! Wir müssen uns jedoch genau merken, wenn es sein Schutzengel für notwendig hielt, sich die Mühe zu machen, diese aufhellende Erklärung zu erteilen und seinen Schützling zu beruhigen, dass dann die Nacht der Seele wirklich dunkel und die Schwie­rigkeiten äusserst fühlbar gewesen sein dürften. « Wird es jemals wahr sein, dass ich mich in den Armen Jesu befinde und er mein ist und ich ganz sein bin?» frägt sich Pater Pio, und fügt hinzu: «Dies ist jedoch gar oft die Frage, die spontan über meine Lippen kommt» (1,114), denn ohne Unter­lass ist Satan da und quält ihn mit seinen Häschern … Der arme Pater Pio hat keine Minute mehr Ruhe. Die Dämonen wissen sehr wohl, mit wem sie es da zu tun haben! Sie fürchten die Briefe geistlicher Leitung von Pater Agostino, denn sie wissen sehr genau, dass diese Pater Pio den einzigen Halt und die einzige Stärkung bieten und dass er alle Ratschläge, die ihm erteilt werden im Gehorsam befolgt.

«Kürzlich, als ich Ihren Brief erhielt, schreibt Pater Pio, sagten mir diese Kosaken, noch ehe ich ihn geöffnet hatte, ich solle ihn zerreissen oder ins Feuer werfen. Wenn ich dies täte, so würden sie sich für immer zurückziehen und mich nicht mehr peinigen. Ich verhielt mich still ohne ihnen eine Antwort zu geben; ich verachtete sie jedoch in meinem Herzen. Da fügten sie hinzu: «Wir wollen dies einfach als eine Bedingung für unsern Rückzug. Wenn du dies tust, geschieht es niemandem zum Hohn». Ich antwortete ihnen, dass nichts dazu tauge, mich von meinem Ent­schluss abzubringen.

Sie rückten mir wie viele ausgehungerte Tiger zu Leibe, dabei verfluch­ten sie mich und drohten mir, sie würden es mir heimzahlen. Mein Pater, sie haben Wort gehalten! Von diesem Tage an haben sie mich täglich zusammengeschlagen. Aber ich erschrecke nicht. Habe ich nicht in Jesus einen Vater? Ist es nicht wahr, dass ich immer sein Sohn sein werde? Ich darf mit Gewissheit sagen, dass Jesus mich nie vergessen hat, auch wenn ich weit weg von ihm war. Er mit seiner Liebe ist mir überallhin gefolgt.»

Warum war vielleicht an jenem Tage die Hölle rücksichtsloser gegen Pater Pio entfesselt? Weil im vorhergehenden Brief, den Pater Agostino auf Französisch geschrieben hatte, ein von einem vom Teufel besessenen elfjährigen Kinde verfasstes Sonett wiedergegeben wurde. Das Kind wohnte in Ariano cti Puglia. Und das Gedicht mit den Wörtern «Sohn» oder «Mutter» in verschränktem Reim war ein Lobpreis auf die Unbefleckte Empfängnis. Pater Agostino hatte dazu geschrieben: «Jetzt will ich Ihnen ein Gedicht zusenden, um Ihnen Freude zu machen und unsern höllischen Feinden soll es zur Schande gereichen!» Wer hätte das gedacht, dass die Dämonen so empfindlich sind? …

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Pater Pio vertraut seinem Beichtvater noch folgendes an: «Jesus sagt mir, in der Liebe sei ER es, der liebt, in den Schmerzen hingegen, sei ich es, der IHN liebe. Nun aber die Gesundheit zu ersehen, das wäre ein auf die Suche Gehen nach Freuden für mich und nicht eine Erleichterung für Jesus zu suchen. Ja, ich liebe das Kreuz, und nur das Kreuz. Ich liebe es, weil ich es immer auf den Schultern Jesu sehe. Von nun an sieht Jesus sehr deutlich, dass mein ganzes Leben, mein ganzes Herz ganz und gar IHM und seinen Leiden geweiht ist.»

Und diese so eindrückliche Aussage: «Ach, Mein Pater, beklagen Sie mich doch wenn ich so rede. Jesus allein kann verstehen, wie sehr es mich schmerzt, wenn die Schmerzensszene vom Kalvarienberg sich so vor mir vorbereitet. Es ist ebenso unbegreiflich, welchen Trost man Jesus gibt, nicht nur indem man an seinen Schmerzen mitleidet, sondern wenn er eine Seele findet, die aus Liebe zu ihm ihn nicht um Tröstungen bittet, sondern vielmehr sie an seinen eigenen Schmerzen teilnehmen zu lassen.»

Lesen wir weiter in diesem so herzergreifenden Brief: « Wenn Jesus mir zu erkennen geben will, dass er mich liebt, dann gibt er mir von seinem Leiden die Wunden, die Dornen, die Ängste zu verkosten … Wenn er mich Freuden geniessen lassen will, dann erfüllt er mein Herz mit diesem Geist, der ganz Feuer ist, dann spricht er zu mir von seinen Wonnen. Aber wenn er selber geliebt sein will, dann spricht er zu mir von seinen Schmerzen, lädt mich ein mit einer Stimme, die zugleich bittet und befiehlt, meinen Leib danebenzulegen, um ihm die Leiden zu erleichtern… Jesus, der Schmerzensmann, möchte, dass alle Christen ihm nachstrebten!»

Aber angesichts so vieler Gnaden, angesichts dieser so grossen Liebe Jesu, der ihn einlädt, sein Kreuz mit IHM zu teilen, was sagt da Pater Pio? «Ach mein Pater, meine Undankbarkeit gegenüber der Majestät Gottes, ich fühle, dass sie zu gross ist in mir» (1,114).

Demut …

Und immer dieses selbe Leiden: «Jesus hört nicht auf, mich gern zu haben, schreibt Pater Pio am 13. Februar 1913 … , weil er nicht aufhört, mich noch mehr von diesen widerlichen Dreckschnauzen plagen zu lassen. Nun sind es volle zweiundzwanzig Tage ohne Unterbruch, dass Jesus diesen da erlaubt, ihren Zorn an mir auszutoben. Mein Leib, lieber Pater, ist ganz zerquetscht durch die vielen Schläge, die er bis jetzt durch die Hand unsrer Feinde abbekommen hat.»

Die Dämonen gingen so weit, dass sie ihm das Hemd herunterrissen und ihn entblösst, zerschlagen und bewegungsunfähig liegen Hessen,‘ während eine Hundekälte herrschte. Aber bald ist ihm Jesus zu Hilfe gekommen und unaufhörlich wiederholt er ihm: «Hab keine Angst, ich werde dich leiden lassen, aber ich werde dir auch die Kraft dazu geben!»

Und um ihn bei dieser Prüfung in der Demut zu erhalten, erklärt ihm Jesus: «Wie oft hättest du mich im Stich gelassen, mein Sohn wenn ich dich nicht gekreuzigt hätte? Unter dem Kreuz lernt man zu lieben und ich gebe es nicht allen, sondern nur den Seelen, die mir am teuersten sind!»
(1,116).

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Quelle: Pater Derobert – Pater Pio durchsichtig auf Gott hin – Geistliches Bildnis aus den Briefen Pater Pios gewonnen. Hovine Verlag, Belgien und Frankreich, 1990, 814 Seiten.

Frankreich: „Laienmissionarin“ Jaricot bald seliggesprochen

Pauline Marie Jaricot (1799-1862): Die Französin gilt als „Erfinderin“ der Weltmission

Die Päpstlichen Missionswerke (Missio) freuen sich über die näher rückende Seligsprechung von Pauline Marie Jaricot (1799-1862). Papst Franziskus hat in dieser Woche ein auf ihre Fürbitte gewirktes Wunder per Dekret anerkannt und damit den Weg für die Seligsprechung geebnet.

Eine Seligsprechung  der französischen Laienmissionarin könne nun unmittelbar vor der für 2022 anstehenden 200-Jahr-Feier stattfinden, heißt es in der Stellungnahme auf der Facebook-Seite von „Missio Österreich“ an diesem Donnerstag. Die Lebensgeschichte der baldigen Seligen sei eng mit jener der Päpstlichen Missionswerke verbunden: Als 23-Jährige habe sie in Frankreich 1822 das „Werk der Glaubensverbreitung“ gegründet, das Papst Pius XI. (1922-39) 100 Jahre später zu „seinen“ Missionswerken gemacht habe.

Kurienkardinal: Bleibende Aktualität

Auch die Päpstlichen Missionswerke auf Weltebene sprachen nach dem vom Vatikan veröffentlichten Wunderdekret von einem „Moment großer Freude“ und „sehr wichtigen Schritt“: „Es bedeutet, dass ihr Engagement für die Mission, das aus Gebet und Nächstenliebe besteht, für die Weltkirche spricht und auch heute noch von Bedeutung ist“, erklärte der weltweite Missio-Präsident Kurienerzbischof Giampietro Dal Toso.

Ein Leben für die Armen

Pauline Marie Jaricot wurde am 22. Juli 1799 in Lyon als Tochter eines reichen Seidenfabrikanten geboren. Nach einem Bekehrungserlebnis als 17-Jährige begann sie, ihr Vermögen an Notleidende und für religiöse Zwecke zu verschenken. Zur Unterstützung der Mission warb sie ab 1819 für einen nationalen Missionsverein, deren Mitglieder sich verpflichteten, täglich ein Gebet zu verrichten und wöchentlich ein Geldstück zu spenden. Am 3. Mai 1822 wurde der rasch angewachsene und in Frankreich als „Lyoner Missionsverein“ bekannte Zusammenschluss offiziell als international ausgerichtetes Werk der Glaubensverbreitung errichtet.

Auch eine religiöse Vereinigung der Arbeiterinnen und Dienstmädchen, das „Herz-Jesu-Sühnewerk“, geht auf Jaricot zurück, der 1826 gegründete „Lebendige Rosenkranz“sowie ein „Kindheit-Jesu-Verein“. Aus Sorge um das schwere Los der Arbeiterschaft kaufte sie 1845 eine Erzhütte bei Apt, die sie selbst nach menschenwürdigen Grundsätzen führen wollte. Die Fabriksverwalter unterschlugen jedoch das Geld, worauf das Unternehmen 1852 zusammenbrach und ihr gesamtes Vermögen verloren ging. Ihre letzten Lebensjahre bis zu ihrem Tod am 9. Jänner 1862 verbrachte sie in absoluter Armut.

1922 wurde Jaricots Missionsverein zum „Päpstlichen Werk der Glaubensverbreitung“ mit Sitz in Rom umgewandelt. 1935 wurde sie in der Kirche Saint-Nizier in Lyon bestattet. Johannes XXIII. erklärte sie 1963 zur „Dienerin Gottes“, was eine Vorstufe für die Selig- und Heiligsprechung ist.

Das Wunder, das der Seligsprechung den Weg geebnet hat

Grundlage für die baldige Seligsprechung ist die nun von der katholischen Kirche als „Wunder“ anerkannte Heilung eines damals dreijährigen Mädchens namens Mayline Tran im Jahr 2012. Das Kleinkind war nach einem 20-minütigen Stillstand des Herz-Kreislaufssystems ins Spital eingeliefert wurde. Die Ärzte hätten bei der kleinen Französin kaum noch Überlebenschancen gesehen und mit Ausnahme der künstlichen Ernährung die Behandlung eingestellt, berichteten die Päpstlichen Missionswerke Spaniens am Mittwoch. Nachdem die Familie eine Novene zu Jaricot betete, deren 150. Todestag damals gerade anstand, sei das Mädchen wieder zu Bewusstsein gekommen und danach wider Erwarten völlig genesen.

(kap – skr)

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Vatikan schreibt hl. Faustina in liturgischen Kalender ein

Faustina Kowalska, die Heilige des Göttlichen Barmherzigkeit

Papst Franziskus hat die polnische Heilige Faustina Kowalska in den weltweit gültigen liturgischen Kalender aufgenommen. Das gab der Vatikan an diesem Montag bekannt, dem 100. Geburtstag von Papst Johannes Paul II., der seine Landsfrau Schwester Faustina im Jahr 2000 heilig gesprochen hatte.

Das Gedenken an Schwester Faustina wird für den 5. Oktober in den römischen Generalkalender eingetragen, der den weltweit gültigen Rahmen des liturgischen Kalenders im römischen Ritus vorgibt. Franziskus habe den zahlreichen diesbezüglichen Petitionen von Priestern, Ordensleuten und Gruppen von Gläubigen stattgegeben, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Dekret der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, das die Unterschrift des Präfekten, Kardinal Robert Sarah, und des Sekretärs, Erzbischof Arthur Roche, trägt.

Den Bischofskonferenzen kommt es nun zu, die ebenfalls von der Kongregation vorgelegten liturgischen Texte zum Gedenken an die Heilige zu übersetzen, zu billigen und – nach einer Bestätigung durch die Kongregation – zu veröffentlichen.

Wieder häufiger

Die Aufnahme neuer Heiliger in den allgemeinen römischen Kalender kommt in den vergangenen Jahren wieder häufiger vor. Papst Franziskus ließ unter anderem die Päpste Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. sowie Maria Loreto und Maria Mutter der Kirche in den Generalkalender eintragen.

Am Sonntag der Barmherzigkeit hatte Franziskus in der römischen Kirche Santo Spirito in Sassia, die dem Gedenken der heiligen Faustina gilt, die Heilige Messe gefeiert. Dabei erinnerte er an die Einführung des kirchlichen Festes vor 20 Jahren durch Johannes Paul II.

Die Heilige Faustina wurde 1905 im Dorf Głogowiec in der Nähe von Łódź in Polen geboren und starb 1938, im Alter von 33 Jahren, in Krakau. Sie verbrachte ihr Leben großteils unter den Schwestern der Seligen Jungfrau Maria von der Barmherzigkeit, „indem sie großzügig der von Gott empfangenen Berufung nachkam und ein intensives geistliches Leben heranreifen ließ, das reich an mystischen Gaben” war, so das Dekret. Ihre mystischen Begegnungen hielt Schwester Faustina in einem geistlichen Tagebuch fest, in dem die göttliche Barmherzigkeit eine zentrale Stellung hat. Die polnische Schwester wurde, heißt es in dem Dekret, „zur Inspiration für eine Bewegung, die darauf abzielte, die göttliche Barmherzigkeit für die ganze Welt zu verkünden und zu erflehen”.

(vatican news – gs)

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Die Medaille und die Verehrung des heiligen Antlitzes Jesu Christi

Giuseppina De Micheli erhielt am 16. Mai 1914 mit dem geistlichen Kleid der »Töchter der Unbefleckt Empfangenen« den Namen: Schwester Maria Pierina.

In Liebe zu Jesus und den Seelen schenkte sie sich ihm bedingungslos, und er erwählte sie zum Gegenstand seines Wohlgefallens. Von Kindheit an im Geiste der Sühne — wuchs sie in den Jahren zum Ganzopfer.

Mit zwölf Jahren, am Karfreitag, hörte sie in der Pfarrkirche »San Pietro in Sala« zu Mailand mit deutlicher Stimme sagen: »Nie­mand gibt mir einen Liebeskuß ins Antlitz, um den Judaskuß zu sühnen!«

(Wie in unseren Landen, wird auch dort am Karfreitag ein am Boden liegendes Kruzifix geküßt, d. h. die Wundmale des Heilands.) Erst glaubte Giuseppina, daß diese Stimme von allen Anwesenden gehört wurde; doch war sie betrübt, als sie sah, daß man weiter die Wunden und nicht das Antlitz Jesu küßte. Als sie an die Reihe kam, folgte sie dem An­ruf des Herm.

Diese Begebenheit in ihrer Jugend war der Beginn noch größerer Gnadenerweise in ihrem Ordensleben. lm Noviziat wurde ihr die nächtliche Anbetung gestattet. In einer Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag, als sie vor dem Gekreuzigten betete, erhielt sie wiederum eine Aufforderung und ihr Herz fühlte das Leid des Heilands. Darauf faßte sie den Vorsatz, die Verunehrung seines heiligen Antlitzes und die des heiligsten Altarssakramentes wieder gutzumachen. lm Jahre 1919 wurde Schwester M. Pierina nach Buenos Aires in Südamerika geschickt. Als sie am 12. April 1920 eines ihrer Leiden Je­sus klagte, zeigte er sich ihr mit einem schmerzerfüllten, blutenden und zugleich lie­benden Ausdruck, indem er sprach: »Und ich, – was habe ich getan?« Schwester M. Pierina wußte um die Bedeutung dieser Ant­wort, und das heilige Antlitz wurde darauf ihre ständige Betrachtung.

1921 nach Mailand zurückgekehrt, würdigte sie der Herr besonderer Gnaden. Später wurde sie Oberin des Mailänder Klosters und dann der ganzen italienischen Provinz. Sie war ihren Töchtern nicht nur eine wahre Mutter, sondern auch ein Apostel des heili­gen Antlitzes für sie und alle, mit denen sie in Berührung kam. Frau Oberin M. Pierina verbarg ihre Auserwählung, doch die Schwe­stergemeinschaft wurde Zeuge mancher er­greifender Geschehnisse. Sie hatte Jesus ge­beten, verborgen bleiben zu dürfen; er er­füllte ihren Wunsch.

lm Verlauf der Jahre zeigte sich ihr Jesus, manchmal traurig, manchmal blutend — um Genugtuung flehend —, und dadurch wuchs in ihr immer mehr das Verlangen, zu leiden und sich hinzuopfern für ihn, für die Rettung der Seelen.

In der nächtlichen Anbetung am ersten Frei­tag der Fastenzeit 1936 ließ sie der Herr teil­nehmen an seinem seelischen Schmerz und der Todesangst in Gethsemani und sagte ihr mit blutendem Angesicht und tiefer Traurig­keit: »Ich möchte, daß Mein Antlitz, das die innersten Leiden meiner Seele, den Schmerz und die Liebe meines Herzens offenbart, mehr verehrt werde. Wer mich betrachtet, tröstet mich!«

Am folgenden Dienstag, nachdem er sie die Andacht zu seinem heiligen Antlitz gelehrt hatte, sprach er: »Es könnte sein, daß man­che Seelen fürchten, die Verehrung meines heiligen Antlitzes verringere die meines Herzens. Sage ihnen, daß sie im Gegenteil größer und vollkommener wird. Wenn die Seelen mein Antlitz schauen, nehmen sie Anteil an meinem Leiden und fühlen das Be­dürfnis zu lieben und wieder gutzumachen. Ist das nicht vielleicht die echte Verehrung meines Herzens?«

Diese Offenbarungen wurden immer ein­dringlicher. So erschien ihr auch die seligste Jungfrau im Mai 1938 auf einer Altarstufe in einem Lichtkreis, während Mutter M. Pierina sich im Gebet befand. Die Gottesmutter zeigte ihr ein Skapulier. Auf einer Seite war das Bild des heiligen Antlitzes Jesu mit der Inschrift: »Lasse, o Herr, dein Antlitz über uns leuchten!« Auf der anderen Seite sah sie eine Hostie im Strahlenkranz mit der Um­schrift: »Bleibe bei uns, o Herr!« Langsam näherte sich die Gottesmutter der Seherin und sprach: »Höre gut zu und teile es dem Beichtvater mit: Dieses Skapulier ist eine Schutzwaffe, ein Schild, ein Pfand der Erbar­mung, das Jesus der Welt in diesen sinnli­chen und haßerfüllten Zeiten gegen Gott und die Kirche geben will. Der echten Apostel sind es wenige. Alle diejenigen, welche sich mit einem Skapulier gleich diesem bekleiden und, wenn es ihnen möglich ist, am Dienstag dem hochheiligsten Sakrament einen Besuch machen — als Genugtuung für die Schmähungen, die das heilige Antlitz mei­nes Sohnes während seiner Passion erlitt und die es jeden Tag im Eucharistischen Sakrament erleidet —, werden, im Glauben ge­stärkt, bereit sein, ihn auch zu verteidigen und alle inneren und äußeren Schwierigkei­ten überwinden. Zudem werden sie einen ruhigen Tod unter dem liebevollen Blick meines göttlichen Sohnes haben.«

Den Wunsch der Gottesmutter bekräftigend, erschien ihr Jesus noch im selben Jahre und sagte: »Siehst du, wie ich leide? – Doch nur von wenigen werde ich verstanden. Wieviel Undankbarkeit erfahre ich von denjenigen, die vorgeben, mich zu lieben. Ich habe Mein Herz als ausdrucksvollsten Gegenstand meiner großen Liebe den Menschen gegeben und gebe nun Mein Antlitz als ausdrucksvollen Gegenstand meines Schmerzes über die Sün­den der Menschen. Ich will, daß es mit einem besonderen Fest, am Dienstag nach Quinqua­gesima (Fastnachtsdienstag) gefeiert werde und zwar mit vorausgehender Novene, in welcher die Gläubigen mir Genugtuung lei­sten, indem sie gemeinsam an meinen Schmerzen teilnehmen sollen!« lm Jahre 1939 sagte Jesus neuerdings eindringlich zu ihr: »Ich möchte, daß Mein heiliges Antlitz auf besondere Weise am Dienstag gefeiert werde!«

Nachdem Mutter M. Pierina vom Seelenfüh­rer und am 9. August 1940 auch von der Hochw. Kurie in Mailand die Erlaubnis zur öffentlichen Bekanntgabe erhielt, ging sie freudig ohne Mittel ans Werk.

Ihr Vertrauen wurde belohnt. Eines Morgens lagen auf ihrem Tischchen 11 200 Lire in einem Briefumschlag, genau der Betrag der Kosten. Die Mutter Gottes hatte vorgesorgt. Beunruhigt, daß sie anstatt des Skapuliers eine Medaille prägen ließ, wandte sie sich an die Gottesmutter. Am 7. April 1943 sagte dieselbe zu ihr: »Meine Tochter, sei beru­higt. Die Medaille ist ein gültiger Ersatz mit denselben Vergünstigungen und Gnaden, sie muß nur noch mehr verbreitet werden. Jetzt liegt mir das Fest des heiligen Antlitzes meines Sohnes am Herzen. Sage es dem Papst, daß mir viel daran liegt.« Sie segnete sie und verschwand.

M. Pierina ging am 26. Juli 1945, in Cento­nara d’Artò, Novara, in die ewige Heimat.

Auszug aus dem Buch: Sendbotin des heiligen Antlitzes – Schwester Maria Pierina de Micheli.

Heute findet die Medaille große Verbreitung. Au­ßergewöhnliche Gnadenerweise, wie Bekehrungen, Genesung von Kranken und andere Wohltaten wurden durch dieselbe erwirkt.

Mit dem Psalmisten beten wir: Herr, laß leuchten dein Antlitz über uns, rette uns durch dein Erbarmen. (Ps. 30, 17)

Imprimatur: Friburgi Helv., 8. V. 1968. Th. Perroud. vic. gen.


Gebet der hl. Theresia vom Kinde Jesu

zu Ehren des HI. Antlitzes.

O Jesus ! Du bist in Deinem grausamen Leiden der Leute Spott und der Mann der Schmerzen geworden. Siehe, ich verehre Dein göttliches Antlitz, auf dem einst die Schönheit und Milde der Gottheit erglänzten und das jetzt für mich das Angesicht eines Aussätzigen geworden ist. Unter diesen entstellten Zügen jedoch erkenne ich Deine unendliche Liebe und ich brenne vor Verlangen, Dich zu lieben und dazu beizutragen, daß Du von allen Mensehen geliebt werdest. Die Tränen, die Deinen Augen so überreichlich entströmen, erscheinen mir wie kostbare Perlen, die ich sammeln will, um mit ihrem unendlichen Werte die Seelen der armen Sünder zu erkaufen.

O Jesus! Dein Antlitz ist die einzige Schönheit, die mein Herz entzückt. Ich flehe zu Dir: Drücke Dein göttliches Bild in mein Herz ein und entflamme mich mit Deiner Liebe, damit sie mich schnell verzehre und ich bald dazu gelangen möge, Dein glorreiches Antlitz im Himmel zu schauen! Amen.

 

PATER PIO — DAS JAHR 1912

Aber da kam noch eine andere Prüfung hinzu. Einige Wochen später, befürchtete Pater Pio er verliere das Augenlicht. «Gesundheitlich fühle ich mich besser, aber es gibt mir zu denken, dass die Sehkraft nicht wiederkommen will, doch will ich hoffen, dass der Herr mich wenigstens vor dem Erblinden der Seele bewahrt.»

«Blaubart» macht weiter …

Am 13. Januar schreibt er: «In leiblicher Hinsicht geht es mir ziemlich gut, so weit ich die Sehkraft ausnehme, die nicht zurückkommen will. In moralischer Hinsicht, sage ich Ihnen nur, dass Blaubart mich durchaus nicht loslassen will. Er macht mir immer von neuem zu schaffen, aber es ist wahr, auch Jesus ist bei mir. Und gestatten Sie mir den Ausdruck: Er stopft mich dauernd mit Tröstungen voll, so dass ich sie schon fast nicht mehr verdauen kann.»

Doch sein Leben dürfte nicht leicht gewesen sein, nein, bei weitem nicht! «Blaubart will sich nicht geschlagen geben, schreibt er an Pater Agostino am 18. Januar 1912. Er hat nahezu alle Gestalten angenommen. Seit mehreren Tagen kommt er mich besuchen mit andern von seinen Satelliten, bewaffnet mit Stecken und Eisengerät und, was noch schlimmer ist, unter Ihrer eigenen Gestalt. Wer weiss, wie oft er mich aus dem Bett geworfen hat, wobei er mich durch das Zimmer schleifte. Aber Geduld! Jesus, die liebe Muttergottes, der kleine Engel, der heilige Joseph und der heilige Vater Franziskus sind nahezu immer bei mir» (1,58).

Tröstungen …

Wie oft wurde Pater Pio von da an, und das während seines ganzen Lebens, vom Dämon und seinen Schergen misshandelt!. .. Denn Blaubart wusste sehr wohl, dass Pater Pio seinem Jesus nie etwas abschlug und so weit ging, bereit zu sein, IHN auf dem Weg der Erlösung, der bis zum Golgota hinaufführt, zu begleiten. Und das durfte der Böse selbstverständlich nicht zulassen. «Blaubart mit mehreren seinesgleichen hört nicht auf, mich zu schlagen, fast muss ich sagen, mich zu Tode zu prügeln, ausgenommen am Mittwoch. Aber der Monsieur (diese Bezeichnung verwendet Pater Pio, wenn er vom HERRN redet) und die übrigen edlen, himmlischen Persönlichkeiten ermutigen mich gänzlich mit ihren häufigen Besuchen … Vom Donnerstag bis zum Samstag wird gelitten und man leidet sehr. Das ganze Schauspiel seines Leidens bietet sich mir dar. Und stellen Sie sich vor, ob es da mitten drin noch einen Trost geben kann! In diesen Tagen, mehr denn je, verstärkt unser gemeinsamer Feind all seine Anstrengungen, um mich zu verderben und zu vertilgen, wie er es mir immer wieder zu verstehen gibt» (an Pater Agostino im Januar 1912 ohne nähere Zeitangabe 1,60).

«Die Besuche der gewohnten Persönlichkeiten setzen sich fort und werden immer häufiger; die Kämpfe jedoch lassen nicht nach. Diese Kosaken, wie mir scheint, haben es mehr mit diesen Personen zu tun, die mich lieben, als mit mir» (an Pater Agostino, am 28. Februar 1912 1,63).

«Gestern, am Fest des heiligen Joseph, schreibt Pater Pio am 21. März (der Brief wurde wahrscheinlich am Vortag geschrieben oder angefangen) habe ich, Gott allein weiss, wie viele Zärtlichkeiten zu verspüren bekommen, am meisten nach der Messe, so dass ich sie jetzt noch empfinde. Es brannten mir der Kopf und das Herz; aber es war ein Feuer, das mir gut tat. Der Mund verkostete die ganze Süsse dieses makellosen Fleisches des Sohnes Gottes. Oh, wenn es mir doch in diesem Augenblick gelänge, für immer in meinem Herzen diese Tröstungen zu begraben, wie ich sie noch als Ganzes verspüre, so wäre ich gewiss in einem Paradiese! Wie sehr mich doch Jesus froh macht! Wie süss ist sein Geist! Ich bin ganz beschämt und ich vermag nichts anderes zu tun, als zu weinen und zu wiederholen: Jesus meine Speise! …

Was mich am meisten betrübt, ist dass ich eine so grosse Liebe Jesu mit so viel Undank vergelte … Er hat mich immer gern und zieht mich näher an sich. Er hat meine Sünden vergessen und man möchte sagen, dass er sich nur an seine Barmherzigkeit erinnert … Jeden Morgen kommt er zu mir herein und lässt in mein armes Herz all seine Güte hinüberströmen. Ich möchte, wenn es mir möglich wäre, mit meinem Blute die Orte abwaschen, wo ich so viele Sünden begangen, wo ich so vielen Seelen Ärgernis gegeben habe!»

Es handelt sich da selbstverständlich um fromme Übertreibungen, wie sein Beichtvater es beurteilt.

«Vom Donnerstagabend bis Samstag, berichtet Pater Pio weiter in diesem Brief an Pater Agostino, wie auch am Dienstag ist es ein schmerzliches Trauerspiel für mich. Es scheint mir dann, das Herz, die Hände und die Füsse seien von einem Schwert durchbohrt; so gross ist der Schmerz, den ich fühle. Unterdessen hört der Dämon nicht auf, mir unter all seinen schrecklichen Gestalten zu erscheinen und mich auf eine wirklich grausige Art zu schlagen. Aber es lebe die Liebe Jesu, der mich mit seinen Besuchen für alles belohnt!» (1,68).

Da sieht man es, nur eins gilt in seinen Augen: Jesu Liebe.

Jesus nachfolgen bis ans Ende

Man versteht, dass Pater Pio eines Tages einem seiner geistlichen Söhne erklärte: «Um Jesus wirklich zu lieben, muss man ein zweiter Jesus seinl» Er begehrt zu leiden, aber aus Liebe. Er schaut das Kreuz auf den Schultern dessen an, den er liebt, er begreift dessen unendlichen Wert. Es ist das Pfand der Liebe, es ist die Quelle der Liebe. Immer mehr will Pater Pio das Leben Christi inkarnieren, er will Jesus in seiner Todesangst und in seinem Leiden begleiten und mit IHM aus Liebe gekreuzigt werden. Die schmerzliche Wonne dieses mystischen Leidens wird immer von den entsetzlichen Grausamkeiten Satans begleitet. Wild stürzt sich der Dämon auf Pater Pio, wie er sich auch auf den Verurteilten am Karfreitag gestürzt haben wird … Am 31. März 1912, einem Palmsonntag, gesteht er Pater Benedetto: «In diesen Kartagen werde ich mehr als je masslos niedergebeugt von diesem Blaubart. Ich bitte Sie daher, mich lebhaft dem Herrn zu empfehlen, damit er mich nicht diesem gemeinsamen Feind als Beute überlasse» (1,71). Aber das gehört zu den Leiden, die Jesus zulässt, er weiss es wohl: «Im Leiden ist Jesus noch näher; schreibt er an Pater Agostino am 2. April, ER schaut her, er ist es, der um Mühen, um Tränen bettelt … ; er braucht sie für die Seelen … » (1, 72).

Andauernder Kampf

Ohne Unterbruch muss er die teuflischen Angriffe erdulden … «Ich war noch im Bett, bekennt er am 18. April 1912 dem Pater Agostino, da wurde ich von diesen Kosaken heimgesucht. Sie verprügelten mich auf eine so barbarische Weise, dass ich es als eine gar grosse Gnade erachte, dass ich es ertragen konnte, ohne daran zu sterben. Es war eine Prüfung, lieber Vater, die weit über meine Kräfte hinaus ging. Aber der gütige Jesus, der dem Blaubart gestattete, mich so zu misshandeln, unterliess es nicht, mich nachher zu trösten und zu stärken im Geiste. Mit knapper Not konnte ich mich zum göttlichen Gefangenen begeben, um zu zelebrieren. Nach beendigter Messfeier unterhielt ich mich mit Jesus, um ihm Dank zu sagen. Oh wie lieblich war das mit dem Paradies gehaltene Zwiegespräch an diesem Morgen! Es war derart, dass, selbst wenn ich es wollte, ich es nicht vermöchte, es in menschliche Sprache zu übersetzen, ohne dass es seinen tiefen, himmlischen Sinn verlöre. Jesu Herz und das meine, gestatten Sie mir den Ausdruck, haben sich in eins verschmolzen. Es waren nicht mehr zwei Herzen, die schlugen, sondern eins. Mein Herz hatte sich verloren, wie ein Wassertropfen, der sich in einem Meer verliert … Der Mensch kann es nicht fassen, dass wenn das Paradies in ein Herz sich ergiesst, dieses betrübte, verbannte, schwache, sterbliche Herz es nicht ertragen kann, ohne zu weinen … » (1,74).

Maria …

Von Zeit zu Zeit findet man in den Briefen Pater Pios einige Worte auf Französisch. Sein Briefpartner, Pater Agostino, antwortete ihm auch gelegentlich in dieser Sprache: «J’ai recu tes livres, tres bien! Je salue la famille entiere, tous les amis! – Deine Bücher habe ich bekommen, das ist sehr gut! Ich grüsse deine Familie und alle Freunde!» Das ist zu lesen in einem Brief vom 20. April 1912.

Am ersten Mai antwortet ihm Pater Pio: «Oh, was für ein schöner Monat, dieser Maimonat! Oh le joli mois que le mois de mai! C’est le plus beau de l’annee! Es ist der schönste im Jahr!» aber humorvoll schliesst er dann auf Italienisch: «Ihre Anfrage das Französisch betreffend (wer hat es ihn gelehrt?) muss ich mit Jeremia beantworten: «A a a nescio loqui! Ich kann doch nicht reden» (Jer 1,6).

Aber in diesem Brief vom ersten Mai lässt Pater Pio seine glühende, zarte Liebe, die er zur Jungfrau Maria hegt, durchblicken:
« Wie doch dieser Monat treffend die Freundlichkeiten und die Schönheit Mariens verkündet! … Wie oft habe ich dieser Mutter die mühseligen Ängste meines aufgewühlten Herzens anvertraut! Und wie oft hat sie mich getröstet! … Das arme Mütterchen, wie gross ist doch ihre Liebe zu mir. Ich habe es von neuem erfahren dürfen beim Aufblühen dieses herrlichen Monats. Wie sehr war sie doch besorgt um mich, als sie mich heute Morgen an den Altar begleitete. Es schien mir, als hätte sie an nichts zu denken, als nur an mich, indem sie mir das Herz ganz mit heiligen Empfindungen erfüllte … Hätte ich doch nur eine so laute Stimme, um alle Sünder der ganzen Welt einzuladen, die Madonna zu lieben. Aber da dies nicht in meiner Macht liegt, so habe ich meinen kleinen Schutzengel gebeten und ich werde ihn noch bitten, an meiner Statt dieses Amt zu übernehmen. Der Teufel fährt fort, mich zu terrorisieren … » (1, 76)

Auf diesen Brief antwortet Pater Agostino am 5. Mai 1912 auf Französisch: «Oh ja, der Maimonat ist wirklich hübsch, weil er besonders ein Marienmonat ist! Es ist der Monat der Liebe zu dieser vielgeliebten Mutter. Du kannst Dir die grosse Freude vorstellen, die ich empfand, als ich Deinen letzten Brief las. Es schien mir, der Schutzengel habe mir geschrieben. Mögest Du gesegnet sein, mein Sohn! Mögen Jesus und Maria allzeit verherrlicht werden in allen Geschöpfen … Höre nicht auf die Lügen des Seelenfeindes! Liebe zu Jesus, Vertrauen auf Maria und nichts ist zu befürchten! Dein kleiner Engel möge Dir diesen Brief auslegen!» (1, 79).

« Wie froh ich bin! Wir wollen uns freuen, mein lieber Vater, es lebe die Freude!» So beginnt Pater Pio sein Antwortschreiben vom 20. Mai an Pater Agostino und er fügt hinzu: «Jesus und Maria fahren fort, mir Eltern zu sein. 0 Pater, wer kann Ihnen die Tröstungen beschreiben, die mich das liebe Himmelsmütterchen in diesem Monat verkosten lässt. In diesem zugefrorenen Leib fahle ic:h beständig, dass sich da ein Herz einschliesst, das mich brennt … » (1,82).

Neue innere Zerrissenheit

Aber der Teufel lässt sein armes Opferlamm auch nicht eine Minute in Ruhe. Pater Pio sehnt sich nach dem Tode, er behauptet, sich klar bewusst zu sein, dass er der unermesslichen Liebe Gottes nicht entspricht. Am 17. Juni 1912 schreibt er an Pater Agostino: «Ich spüre, dass, wenn Jesus mir weiterhin am Morgen, bevor er sich mit mir vereint, das Herz und die Eingeweide verbrennt, werde ich ihm nicht mehr widerstehen können und werde aufbrechen … Oh könnte ich doch wirklich dahingehen und zwar bald … » Auch das noch eine fromme Übertreibung. Es stimmt zwar, je näher wir zu Gott kommen, um so grösser wird die Erfahrung unsrer Unwürdigkeit und einer noch fehlenden Seelenreinheit (1,87).

So schreibt ihm denn sein Trostbote, Pater Agostino, am 19. Juni 1912 wieder auf Französisch: «Denken Sie nicht mehr an die Sünden, denken Sie an die unendliche Güte Jesu; denken Sie an die ewige Liebe, denn eines Tages wird die Seele nach dieser Liebe beurteilt werden … » (1,88).

Und immer kommen diese schrecklichen Teufelsangriffe wieder. Pater Pio erklärte am 28. Juni 1912, welch fürchterliche Nacht er verbracht hatte: «Die letzte Nacht habe ich sehr schlecht verbracht. Ungefähr von zehn Uhr an, wo ich mich zu Bett begeben habe, bis um fünf Uhr morgens hat dieser Kosake nichts anderes getan, als mich beständig zu verprügeln. Zahlreich waren die teuflischen Eingebungen, die er mir in den Sinn kommen liess; Gedanken der Verzweiflung, des Misstrauens Gott gegenüber.

Aber es lebe Jesus! Denn ich habe mich abgeschirmt, indem ich Jesus wiederholte: Deine Wunden sind mein Verdienst.

Ich glaubte wirklich, es wäre die letzte Nacht meines Daseins oder ich würde den Verstand verlieren, wenn ich nicht stürbe. Doch gepriesen sei Jesus, dass nichts von all dem geschehen ist. Morgens um fünf Uhr, als der Kosak wegging, nahm eine solche Kälte mich ganz in Besitz, dass es mich vom Kopfe bis zum Fuss wie Espenlaub erschaudern liess, nein wie ein dem heftigsten Sturm ausgesetztes Schilfrohr hab ich gezittert. Das dauerte ein paar Stunden. Es lief mir Blut aus dem Mund.

Schliesslich kam das Jesuskindlein, dem ich sagte, ich wolle nur seinen Willen tun. Es tröstete mich und befreite mich von den Leiden der Nacht. O Gott, wie mein Herzchen da klopfte, wie meine Wangen bei diesem göttlichen Kindelein glühten! Die nun darauf folgende Nacht habe ich ganz mit dem leidenden Heiland verbracht. Auch ich habe recht viel gelitten; aber auf eine ganz andere Art als in der Nacht zuvor. Das war ein Schmerz, der mir gar kein Übel zugefügt hat. Er vermehrte in mir immer mehr das Vertrauen auf Gott; ich fühlte mich immer mehr zu Jesus hingezogen. Ohne irgend ein Feuer in meiner Nähe fühlte ich mich innerlich ganz verbrennen. Ohne irgend eine Schlinge am Leib, fühlte ich mich eng mit Jesus verschlungen. Von tausend Flammen fühlte ich mich entbrennen, die mich aufleben und ersterben liessen. Infolgedessen litt ich, lebte
und starb ich fortwährend … » (1,89).

So also verbrachte Pater Pio die Nacht! Der Dämon der ihn praktisch nie verliess, hinderte ihn manchmal sogar am Schreiben. In einern Brief vom 9. August 1912 gesteht er Pater Agostino: «Es ist eigentlich schon lange her, dass ich Ihnen zu schreiben wünschte, aber Blaubart hat mich
daran gehindert. Ich sagte, er habe mich daran gehindert, denn jedes Mal wenn ich mich Ihnen zu schreiben entschloss, da überfielen mich sehr heftige Kopfschmerzen, so dass es schien, er würde auf der Stelle platzen und hinzu kam ein gar stechender Schmerz im rechten Arm, was es mir verunmöglichte, die Feder in der Hand zu halten» (1,93).

Der «Feuerpfeil»

Aber da geht es noch einen Schritt weiter in der Nachfolge des göttlichen Gekreuzigten. Am 26. August 1912 schreibt Pater Pio all Pater Agostino: « … Hören Sie also, was mir am vergangenen Freitag zugestossen ist (es war also am 23. August). Ich befand mich in der Kirche, um Dank zu sagen für die Messe, als ich schlagartig mich am Herzm mit einem so lebendigen und glühenden Feuerpfeil verletzt fühlte, dass ich meinte daran zu sterben. Es fehlen mir die passenden Worte, um Sie die Eindringlichkeit und die Wirkkraft dieser Flamme verstehen zu lassen; ich bin in der Tat unfähig, Ihnen das ausdrücken zu können. Glauben Sie mir das? Die Seele, die das Opfer solcher Tröstungen wird, verstummt. Es schien mir, als würde ich von einer unsichtbaren Kraft gänzlich ins Feuer hineingetaucht … Mein Gott, welches Feuer! Welche Wonne!

Von diesen Liebesverzückungen habe ich viele erlebt und es dauerte unterschiedlich lange, dass ich wie ausserhalb dieser Welt geblieben bin. Zu andern Malen war dieses Feuer weniger eindringlich; diesmal hingegen, hätte es nur einen Augenblick, eine Sekunde, länger gedauert, hätte sich meine Seele vom Leibe getrennt… und sie wäre mit Jesus auf und davon. Oh wie schön ist es doch ein Opferlamm der Liebe zu werden. Aber wie geht es zur Zeit meiner Seele?»

Und Pater Pio hat den nun folgenden Satz auf Französisch geschrieben:
«Mein lieber Pater, gegenwärtig hat Jesus seinen Feuerspeer hinausgezogen, doch die Wunde ist tödlich … (Mon cher Père, à présent, Jésus a retiré son javelot de feu, mais la blessure est mortelle … )» Und dann setzt er auf Italienisch fort: «Doch sollen Sie nicht meinen, dass Blaubart mich in Ruhe lässt … » (1,95).
Nun das kann man sich ohne Mühe vorstellen!

Dritte Teufelstaktik: Briefe verschwinden lassen

Satan hört nicht auf zornig zu sein! Er wird eine neue Kriegslist erfinden, um Pater Pio zu ermüden, er wird ihm Briefe verschwinden lassen!…
«Ich habe die Briefe sorgfältig gesucht, aber ich habe sie nicht gefunden…» schreibt er auf Französisch an Pater Agostino am 4. oder 5. September 1912 (1,96). Auf dieser Postkarte, die der Teufel überallhin befördern liess, finden wir Poststempel von Pietrelcina, Rom, San Marco in Lamis.
Diese ganze Briefmarkensammlung wird in einem Nachwort zu einem Brief, den Pater Agostino am 7. September an Pater Pio geschrieben hatte, in einem auf Griechisch verfassten Satz erklärt. Am Ende dieses Briefes schrieb der Pfarrer von Pietrelcina die folgende eidesstattliche Erklärung: «Pietrelcina, den 25. August 1919. Ich, Unterzeichneter, bezeuge an Eides statt, dass Pater Pio, nachdem er diesen Brief bekommen hat, mir wörtlich den Inhalt desselben erklärt hat. Von mir befragt, wie er ihn denn habe lesen und erklären können, da er nicht einmal das griechische Alphabet kenne, hat er mir geantwortet: «Sie sollen es wissen, der Schutzengel hat mir alles erklärt!» An Stelle des Siegels: der Erzpriester Salvatore Pannullo» (1,97).

Die Engel

Die Schutzengel beherrschen nämlich das Griechisch! Pater Pio selber gesteht es am 20. September 1912: « … Die himmlischen Persönlichkeiten hören nicht auf, mich zu besuchen und mich im voraus das berauschende Glück der Seligen verkosten zu lassen. Und wenn die Sendung unsres Schutzengels gross ist, so ist die des meinigen sicher noch grösser, da er mir ja auch als Lehrer dienen muss, um mir die andern Sprachen auszulegen» (1,98). Das ist eben Engelshumor! …

Humor braucht nun Pater Pio auch, um sogar Satan zu beschämen: «Wissen Sie, an was sich der Teufel neuestens heranmacht? schreibt er am 14. Oktober an Pater Agostino. Er wollte nicht, dass Sie durch den letzten Ihnen zugesandten Brief benachrichtigt würden, über den Krieg, den er
gegen mich führt. Und da ich, wie üblich, nicht auf ihn hören wollte, begann er sogleich mir einzuflüstern: « Wie sehr würdest du doch Jesus besser gefallen, wenn du jede Beziehung zu Deinem geistlichen Vater abbrechen würdest. Er ist für Dich ein ziemlich gefährliches Wesen, ein
Anlass zu grosser Zerstreuung für Dich. Die Zeit ist sehr kostbar. Vergeude sie nicht mit diesem gefährlichen Briefwechsel mit Deinem. Vater. Verwende diese kostbare Zeit, um für Deine Gesundheit zu beten, die in grosser Gefahr ist. Wenn du in diesem Zustand weiter machst, wisse, dass die Hölle immer offen steht für Dich.» Auf einen solchen Teufelsvorschlag antwortete ich ganz offensichtlich mit beissendem Spott: «Ich muss Ihnen mein Unrecht eingestehen. Bisher ging ich von einer falschen Voraussetzung aus. Ich hielt Sie für nicht so geeignet zur geistlichen Leitung. Es tut mir indessen sehr leid, Sie nicht zu meinem Leiter annehmen zu können, da mein Vater dieses Amt schon seit langem ausübt und unsere Beziehungen haben einen solchen Stand erreicht, dass es mir nicht gelingt, sie einfach so abzuwürgen. Aber reisen Sie herum, lassen Sie sich was einfallen, um Seelen zu finden, die werden Sie vielleicht zum Seelenführer nehmen, da Sie ja auf diesem Gebiet tüchtig sind.»

Man kann verstehen, dass die Kosaken diese Antwort nicht besonders hoch geschätzt haben, denn wie Pater Pio genauer angibt: «Es war da mehr als nur einer, auch wenn nur einer gesprochen hatte. Sie stürzten sich also auf mich, verfluchten mich und verprügelten mich arg, drohten mir, mich zu vertilgen, wenn ich mich nicht entschliesse, meinen Sinn im Hinblick auf unsere Beziehungen zu ändern … Sie dürfen mir jedoch glauben, mein Pater, dass die Leiden mich beglücken. Jesus selber will ja meine Leiden, er braucht sie für die Seelen. Aber ich frage mich, welche Erleichterung ich ihm durch meine Leiden schenken kann?! Was für ein Los! Oh, zu welcher Höhe hat doch der gütigste Jesus meine See Je erhoben? Nachts beim Schliessen der Augen sehe ich den Schleier versinken und das Paradies sich vor mir öffnen. Und erfreut durch diese Schau,
schlafe ich mit einem Lächeln süsser Seligkeit auf den Lippen und dem Ausdruck vollkommener Gelassenheit auf der Stirn ein. Dabei verlasse ich mich auf meinen kleinen Begleiter seit meiner Kindheit, dass er mich wecken kommt und wir so zusammen dem Geliebten unsrer Herzen das Morgenlob anstimmen» (1,100).

Zweispännige geistliche Führung

Im Oktober dieses Jahres 1912 beklagt sich Pater Benedetto da San Marco in Lamis, dass er nichts mehr von Pater Pio zu lesen bekomme. Dieser antwortete ihm am 21. Oktober, dass er keineswegs ihm missfallen, oder ein zweideutiges Spiel mit ihm spielen möchte. Er bittet ihn deshalb, er möge sich doch alle Briefe, die er Pater Agostino geschrieben habe, zusenden lassen, denn dieser war immer sein Beichtvater gewesen und er allein ist auf dem laufenden über das, was in seinem Innern vorgeht.

So schrieb denn am 20. Oktober Pater Benedetto vom Kloster San Marco la Catola aus an Pater Agostino: «Möge Eure Paternität im heiligen Gehorsam den ganzen Briefwechsel mit Pater Pio und dies mit seiner Zustimmung und gemäss dem in folgende Worte gefassten Willen Jesu
selber mir zusenden: «Wenn mein Zustand bei Ihnen Anteilnahme und Mitleid erweckt, bitte ich Sie, mir eine Gunst zu erweisen, immer innerhalb der Grenzen einer möglichen Nachsicht, die stets die Tochter der Gerechtigkeit selber ist, nämlich Ihnen den ganzen Briefwechsel übergeben zu lassen, den ich dem Pater Lektor zugesandt habe, und das mit der Auflage, alles geheim zu halten, da dies der Auftrag Jesu ist.» Sie wissen also dass dies nicht eine Willkür von meiner Seite, etwa der Wunsch ist solche Dokumente zu besitzen, die zur Verherrlichung Gottes und zur‘ Ehre unsres gemeinsamen und liebsten Paters Pio dienen werden.»

Von dieser Epoche an steht man also vor einer kollegialen geistlichen Führung für die Seele Pater Pios, wie man das benennen könnte. Alles, was Pater Pio an Pater Agostino schreibt, gilt auch für Pater Benedetto und umgekehrt. Pater Pio wird also dem einen oder dem andern schreiben, oder gar beiden in übereinstimmendem Wortlaut. Andere Male Wird er sie bitten, sich gegenseitig seine Briefe zukommen zu lassen. Was übrigens meistens ziemlich einfach war, da die Patres Agostino und Benedetto im gleichen Kloster lebten.

Was den Teufel betrifft, so scheint er auf die Verlegenheit Pater Pios Wert zu legen, wenn es ihm gelingt, ihm Briefe seines geistlichen Vaters zu entwenden. «Da jene (Dämonen) nicht im Stande sind, meine Beständigkeit zu besiegen: Ihnen über ihre Nachstellungen zu berichten, haben sie
sich an dieses andere Extrem herangemacht, sie möchten mich der Ratschläge berauben, die Sie mir mittels Ihrer Briefe, als meiner einzigen Ermutigung, nahegelegt haben, und ich werde es zur Ehre Gottes und zu ihrer Beschämung ertragen» (An Pater Agostino vom 5. November 1912
1,102).

Pater Pio weiss sehr wohl, warum er so vielen Schwierigkeiten ausgesetzt ist. In diesem selben Brief schreibt er: «Hat mich nicht vielleichtJesus angefordert und erwählt als eins seiner Opferlämmer? Und der süsseste Jesus hat mich leider die ganze Bedeutung eines Opferlammes verstehen lassen. Es ist also notwendig, liebes Väterchen, bis zum «Es ist vollbracht» und «In deine Hände» hinzugelangen … »
Mit andern Worten, Pater Pio hat so eben begriffen, dass es nur eins zu tun gilt, sich Gott aufzuopfern und sich von IHM zusammen mit Jesus ans Kreuz nageln zu lassen, um nach dem je eigenen Mass am Werk der Erlösung teilzunehmen. Was für eine furchtbar anspruchsvolle Berufung ist doch das!

Immer noch im selben Brief erzählt Pater Pio von einem seiner schwierigen Kämpfe, den er gegen diese unseligen Entgnadeten auszutragen hatte. Seinen Schutzengel hatte er lange umsonst zu Hilfe gerufen, ohne Erfolg. Als dieser sich endlich einstellte, «da schnauzte ich ihn hart an, weil er so lange auf sich hatte warten lassen, während ich es nicht hatte fehlen lassen, ihn mir zu Hilfe zu rufen. Um ihn zu bestrafen, wollte ich ihm nicht ins Gesicht blicken, ich wollte mich entfernen, ich wollte mich ihm entziehen. Aber er, der arme Kleine holte mich fast weinend ein, fasste mich beim Schopf, bis ich den Blick erhob, ihm ins Gesicht starrte und sein tiefstes Bedauern feststellte. Und dann … : «Dir bin ich immer nahe, mein geliebter junger Mensch, sagte er, ich bewege mich immer um dich herum mit dieser Zuneigung, die deine Dankbarkeit zum Geliebten deines Herzens in mir hervorrief. Diese meine Zuneigung wird auch mit deinem Erdenleben nicht erlöschen. Ich weiss ja dass dein grossmütiges Herz für unsern gemeinsamen Geliebten schlägt. Du würdest alle Gebirge
überwinden und alle Wüsten durchqueren, um IHN zu suchen, IHN wiederzusehen, um IHN in diesen äussersten Augenblicken wieder zu umarmen und um IHM zu sagen, er möge doch bald diese Kette zerreissen, die dich mit dem Leib vereint hält … aber du musst noch eine kleine Weile
warten … » Und der Engel erklärte ihm, Gott möchte ihn ja gern zu sich nehmen, aber die Vorsehung wolle, dass er noch hienieden bleibe. So sind eben die Engel!. ..

Vierte Teufelstaktik: die Tintenflecken

Pater Agostinos Antwort vom 6. November 1912 ist auf französisch verfasst. Der Teufel hatte einen riesigen Tintenfleck darauf gemacht, wodurch er vollständig unlesbar wurde. Der Pfarrer von Pietrelcina, Don Salvatore Pannullo, bezeugt, dass er «ein Kruzifix darauf gelegt, ihn mit
Weihwasser besprengt und die heiligen Exorzismen gebetet habe». Und dann konnte man ihn lesen, der Klecks war verschwunden.

Noch ein anderer Angriff! Am 18. November 1912 erklärt Pater Pio:
«Mein Gott, was für ein Martyrium ist doch diese Versuchung zur Eitelkeit. Sie scheint ganz unbedeutend, aber dann muss man sich vom Gegenteil überzeugen lassen. Man muss durch dieses Feuer hindurchgegangen sein, um deren äusserste Aufdringlichkeit zu begreifen … »

Wie wird Pater Pio diese Versuchung überwinden?

«Um zu siegen, ist es notwendig den Blick auf die Menschheit Jesu geheftet zu halten. Jesus, seine geliebte Mutter und das Engelchen zusammen mit den Übrigen ermutigen mich fortwährend, indem sie nicht aufhören mir zu wiederholen: wer ein Opferlamm genannt werden wolle, der
müsse all sein Blut hingeben. Zu kämpfen, wenn man einen so zärtlichen Vater zur Seite hat, ist süss und tröstlich» (1,104).

Aber Pater Pio ist sich der ausserordentlichen Gunsterweise, die er von Gott empfangen hat, gar wohl bewusst. «Ich möchte Ihnen, und wäre es auch nur für einen Augenblick, meine Brust aufdecken, um sie das Wundmal sehen zu lassen, das der gütigste Jesus liebevoll in diesem meinem Herzen geöffnet hat, schreibt er am 3. Dezember 1912 an Pater Agostino, … Er fordert von mir als Belohnung nur Liebe; aber bin ich ihm diese etwa nicht schuldig aus Dankbarkeit? … Er hat sich so in mein Herz verliebt, dass er mich gänzlich von seinem göttlichen Feuer entbrennen
lässt, von seinem Feuer der Liebe… wenn Jesus uns so glücklich macht auf Erden, wie wird es erst im Himmel sein?!»

Und nun vielleicht etwas, das uns aus unsrer Lauheit und unsrem Mangel an Glauben wachrütteln wird. Pater Pio fährt fort: «Manchmal frage ich mich, ob es denn Seelen gibt, die ihr Herz nicht vom Feuer der göttlichen Liebe entbrennen fühlen, besonders wenn sie sich vor IHM im Sakrament befinden. Mir scheint das unmöglich, hauptsächlich aber wenn dies einen Priester oder einen Ordensmann betrifft… So grosses Vertrauen setze ich auf Jesus: sogar wenn ich die Hölle vor mir offen sähe und mich am Rande des Abgrunds befände, so hätte ich kein Misstrauen, würde nicht verzweifeln, würde auf ihn vertrauen… Wer weiss, wie oft, wenn nicht ER mir seine Hand hingestreckt hätte, mein Glauben gewankt hätte, meine Hoffnung, meine Nächstenliebe sich vermindert hätten, mein Verstand sich verdunkelt hätte, wenn nicht Jesus, die ewige Sonne ihn
erleuchtet hättel … » Und dann noch im selben Brief redet Pater Pio von einer tiefen Freude: «Am 27. des vergangenen Monats (November 1912) sind mein Vater und mein Bruder aus Amerika zurückgekehrt und sie sind bei guter Gesundheit … » (l, 105).

Antwort auf die Teufelstaktik

Aber mit dem Kosaken lernt Pater Pio immer neue, überraschende Abenteuer kennen. «Mein kleiner Engel hatte mir nahe gelegt, ich solle beim Eintreffen eines Briefes von Ihnen, ihn mit Weihwasser besprengen, ehe ich ihn öffne, so schreibt er am 13. Dezember 1912 an Pater Agostino. Und so habe ich es denn auch mit Ihrem letzten Brief gemacht. Aber wer kann die Wut beschreiben, die Blaubart empfand! Er möchte mich um jeden Preis erledigen … In der letzten Nacht hat er sich mir vorgestellt unter den Gesichtszügen eines unsrer Patres und er übermittelte mir einen strengen Befehl vom Pater Provinzial, Ihnen nicht mehr zu schreiben. Denn es verstosse gegen die Armut und sei ein schweres Hindernis für die Vollkommenheit … Ich bekenne Ihnen meine Schwäche, mein Väterchen, ich habe bitterlich geweint, weil ich meinte, dies sei Wirklichkeit. Nie hätte ich auch nur im geringsten vermuten können, dies sei jedoch eine List Blaubarts, wenn nicht der kleine Engel mir die Täuschung enthüllt hätte … »

Aber das Postskriptum zu diesem Brief ist voller Humor: «Blaubart gerät noch mehr in Wut, wenn Sie französisch schreiben. Er hat es mir kundgetan. Zu seinem Verdruss schreiben Sie mir doch öfter in dieser Sprache» (1,107).

Er sehnt sich nach dem Himmel, das kann man verstehen, denn der Ringkampf, den er bestehen muss, ist schrecklich und andauernd. «Hienieden zu leben, mein Pater, langweilt mich. Es ist eine so bittere Qual für mich das Leben der Verbannung zu leben, dass ich fast, fast nicht mehr kann. Der Gedanke, dass ich jeden Augenblick meinen Jesus verlieren kann, macht mir solchen Kummer, dass ich ihn nicht beschreiben kann. Nur die Seele, die Jesus aufrichtig liebt, wird dies verstehen können … Doch Jesus hat mich viel mehr seine Stimme in meinem Herzen vernehmen lassen: «Mein Sohn, die Liebe lässt sich im Leiden erkennen. Du wirst es in deinem Geist sehr hart erfahren, aber noch härter wirst du es an Deinem Leib erleben.» Diese Worte bleiben für mich, lieber Pater, dunkel» (1,111).

Auf diese Weise schmiedet sich Gott allmählich sein Werkzeug. Pater Pio hatte bereits die vollständige Losschälung durch die Beherrschung seiner ganzen leiblichen Wirklichkeit erreicht: durch Krankheit und Leiden; aber auch die seiner seelischen und geistigen Wirklichkeit durch seine unaufhörlichen Kämpfe mit der gegen ihn entfesselten Hölle. Er war eingetreten in die vollumfängliche Nacht der Sinne, wie Johannes vom Kreuz sie beschrieben hat. Dann hatte sich seine Seele in der Seligkeit und in den Wonnen des Lichtes, der Schönheit, der Liebe, der Freude, der Reinheit dieses Gottbesitzens entfaltet.

In der Folge war dann Pater Pio in jene schmerzliche Nacht des Geistes eingetreten. Er fühlt, dass seine Seele vom unwiderstehlichen Hauch der Liebe zu Gott hingerissen wird, er schaut sich immer tief er in diesen Ozean der umwandelnden Vereinigung hineingezogen. Aber er spürt auch, dass, wenn sein Geist, seine menschliche Natur sich selber überlassen bleiben, sie eine absinkende Bewegung vollziehen. Sehr schmerzlich empfindet er; dass sein Geist, im eigentlichen Sinn des Wortes, ein Gefangener seines Leibes ist und deshalb sehnt er sich danach zu sterben.

In dieser entsetzlichen Prüfung weiss die Seele zeitweilig nicht, ob sie sich auf dem richtigen Weg befindet oder nicht. Sie meint, sie wäre durch Untreue völlig von Gott entfernt. Das Gefühl ihrer Sündhaftigkeit wächst ins Masslose hinan. Sie hat die schmerzende Empfindung, nicht vollkommen den Willen Gottes zu erfüllen. Die Prüfungen, wie die Versuchungen, das Ringen mit dem Teufel, das Pater Pio auf sich nehmen muss, lassen ihn manchmal vermuten, er sei vollständig von Gott abgeschnitten. So leidet nun der arme Pater Pio. Er ist, wie alle von Gott gezeichneten Seelen, in die entsetzliche Qual der Nacht des Geistes versenkt. So enthüllt ihm übrigens Gott selber seinen Zustand und offenbart ihm seine Pläne.

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Quelle: Pater Derobert – Pater Pio durchsichtig auf Gott hin – Geistliches Bildnis aus den Briefen Pater Pios gewonnen. Hovine Verlag, Belgien und Frankreich, 1990, 814 Seiten.

Ein Glaubens- und Taufbekenntnis in den Drangsalen der heiligen Kirche

Die von Vater Niklaus Wolf von Rippertschwand verfaßte Litanei

  • Kyrie eleison!
  • Christe eleison!
  • Kyrie eleison!

… erbarme Dich unser!

  • Gott Vater vom Himmel!
  • Gott Sohn, Erlöser der Welt!
  • Gott Heiliger Geist!
  • Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott,
  • Der Du als die ewige Wahrheit nicht betrügen kannst,
  • Der Du als die unfehlbare Weisheit nicht kannst betrogen werden,
  • Der Du Deine Kirche auf einen unüberwindlichen Felsen gebaut hast, (Matth. 28,30)
  • Der Du Deiner heiligen Kirche den beständigen Beistand versprochen hast, (Matth. 28,30)
  • Der Du Deine Kirche in den größten Gefahren erhalten hast,
  • Der Du Deine heilige Kirche zwar oft hast bestreiten, aber nie besiegen lassen,
  • Der Du aus den Drangsalen der heiligen Kirche allzeit den größten Gewinn gezogen hast,
  • Der Du ungeachtet allen Bestrebens der Hölle gewiß Dein heiliges und verborgenes Ziel erreicht hast,
  • Der Du sicher über die Pforten der Hölle siegen wirst,
  • Dessen Macht weder ein Staub der Erde, weder ein Verdammter der Hölle, noch ein Cherubim des Himmels sich entzieht,
  • Dessen Auge kein Gerechter und kein Sünder entgeht,
  • Dessen Herz so väterlich über die Seinen wachet,
  • Dessen Engel ganze Kriegsheere in einer Nacht erschlägt, (2. Mach. 8-9)
  • Dessen Ehre beim Gewinn der Hölle nichts verliert,
  • Dem alle Legionen der Engel zu Diensten stehen,
  • Der wie Samson einst seine verlachte Stärke wieder gewinnt und seine Feinde zu Boden schlägt,
  • Der der Schlange das Haupt zertritt, (Gen. 3)
  • Ohne dessen Willen kein Haar von unserem Haupte und kein Spatz vom Dache fällt,
  • Der Du die Welt in Deinen Händen trägst und allein richten wirst,

… glaube ich fest, o Gott!

  • Daß Du unser Gott und Vater bist,
  • Daß Du Deinen Dienern helfen kannst, helfen willst und helfen wirst,
  • Alles geschriebene und ungeschriebene Wort Gottes,
  • Alle Lehren der Apostel,
  • Alle Aussprüche der heiligen römisch-katholischen Kirche,
  • Ohne allen Anstand und Zweifel,
  • Mit gänzlicher Unterwerfung meines Verstandes,
  • Mit vollkommenstem Beifall des Willens,
  • Mit ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften, (Luk. 11,27)
  • Mit innerlichem und äußerlichem Bekenntnis,
  • Mit allen öffentlichen Siegeszeichen der Fahnen und Miliz Jesu Christi,
  • Vor allen Richterstühlen,
  • Vor der Welt, dem Himmel und der Hölle,
  • Ganz freimütig und unerschrocken,
  • Wegen Deiner Wahrheit und Weisheit,
  • Wegen Deines göttlichen Wortes,
  • Wegen meiner ewigen Liebe zu Dir,
  • Wegen meines Glaubensbekenntnisses,
  • Wegen der erschrecklichen Zeit der Versuchung,
  • Wegen meines ewigen Heiles,
  • Sollte ich auch verfolgt werden,
  • Sollten sie mich auch für einen Sonderling halten, aus ihren Synagogen stoßen, um des Namens Christi willen mich alle Menschen hassen,
  • Sollte ich auch Hab und Gut verlieren,
  • Sollte ich auch Leib und Leben lassen,
  • Sollten auch ganze Schulen und Weltweise anders lehren,
  • Sollten Fleisch und Satan mir alle Reiche der Welt bieten, (Luk. 4,7)
  • In allen Versuchungen,
  • In allen Kämpfen,
  • In allen Ärgernissen,
  • In den verzweifeltsten Umständen,
  • Im Leben und im Tode,
  • In Vereinigung mit jenem lebhaften Glauben aller Gerechten,
  • In Vereinigung mit jenem standhaften Glauben aller heiligen Märtyrer,
  • In Vereinigung mit jenem vollkommensten Glauben der jungfräulichen Mutter Maria,

… widersage ich von ganzem Herzen!

  • Allen falschen Engeln des Lichtes, (Kor.)
  • Allen Wölfen im Schafspelze, (Matth. 7,15)
  • Allen falschen Propheten,
  • Allen Lehrern, die den Ohren kitzeln, (2. Tim. 4,4)
  • Allem Sauerteig der Heuchler,
  • Allen blinden Führern, (Matth. 19,19)
  • Allen eingedrungenen Mördern und Dieben im Schafstall Christi, (Joh. 10,10)
  • Allen lichtscheuen Verführern,
  • Allen gefährlichen Neuerern,
  • Allen Finsternissen der Aufklärer,
  • Allen Winkelversammlungen der Verräter,
  • Allen offenbaren uind heuchlerischen Feinden Gottes und der Kirche,
  • Allen Feinden des öffentlichen Bekenntnisses der hl. Religion,
  • Aller Herrschaft des Teufels,
  • Allen Anhängern Luzifers und seiner gestürzten Rebellen,
  • Allen Feinden der Heiligen, ihrer Bildnisse und ihrer feierlichen Verehrung,
  • Allen Feinden der glänzenden Verehrung Mariä, ihrer Bildnisse und besonders des heiligen Rosenkranzes,
  • Allen Feinden des römisch-apostolischen Stuhles und der Hierarchie,
  • Allen Feinden der Kirchengewalt und Freiheit,
  • Allen Feinden des königlichen Priestertums und der heiligen Ordensstände,
  • Allen Tempel- und Sabbatschändungen,
  • Allem Raub des fremden Gutes,
  • Allen Gesandten des Teufels,
  • Allen Vorläufern des Antichrists,
  • Ihren verdammten Grundsätzen,
  • Ihrer unseligen Politik,
  • Ihren gottes- und menschenfeindlichen Plänen,
  • Ihrer Gesetzlosigkeit und Untreue,
  • Ihrem geträumten Weltglück und Haß des Kreuzes,
  • Ihren Heucheleien und Bosheiten,
  • Ihren verdeckten und offenbaren Fallstricken,
  • Ihrer tränenwerten Blindheit,
  • Ihren teuflischen Schriften,
  • Ihren zweideutigen Worten,
  • Ihren kindischen Schätzen,
  • Ihrer erbärmlichen Hoheit,
  • Ihrer schändlichen Gemeinschaft und Teilnahme zuwider evangelischen Grundsätzen,

… halte ich es, o Gott!

  • Mit Deinen Heiligen im Himmel und auf Erden,
  • Mit der Heiligen Schrift und römischen Kirche,
  • Mit den hl. Vätern und Kirchenlehrern,
  • Mit dem Statthalter Christi und seinen Schafen,
  • Mit dem Altertum und frommen Gewohnheiten,
  • Mit den Gesetzen meines beschworenen Berufes,
  • Mit den Grundsätzen einer gottesfürchtigen Erziehung,
  • Mit den Regeln eines reinen Gewissens,
  • Mit den Verfolgten und um Christi willen Getöteten, (Apostelgeschichte 6,9)
  • Mit den Weinenden und Leidenden, (Matth. 5,5)
  • Mit den Kleinen, denen das Reich des Himmels ist,
  • Mit den Kleinen, denen es, wie Christus sagt, der himmlische Vater offenbart, was er den Weisen verborgen, (Matth. 11,25)
  • Mit der kleinen Herde, die zu einem Reiche werden soll,
  • Mit den Kleinen und Schwachen, wodurch Gott allzeit das Starke zuschanden macht, (1. Kor. 1,28)
  • Mit denen, die jene nicht fürchten, so den Leib töten, sondern Den, der Leib und Seele verdammen kann, (Luk. 12)
  • Mit denen, so ihr Leben verlieren, damit sie es behalten, (Luk. 4,32)
  • Mit den Wenigen, die aus allen Berufenen auserwählt sind, (Matth. 22,14)
  • Mit allen wahren Christen, die es mit Gott und seinen Dienern halten und zur Zeit der Versuchung nicht abfallen, (Luk. 8)
  • Die mit dem Apostel für Christus zu sterben für einen Gewinn halten, (Phil. 1,2)
  • Die, wie der Apostel, weder Hunger, weder Durst, weder Kälte, weder Blöße, weder Gefahr, noch Schmerz von der Liebe Jesu trennen, (Röm. 8,35)
  • Mit den Christen, die sich des Namens Jesus nicht schämen, (Luk. 3,26)
  • Mit den Christen, die Christus bekennen vor den Menschen und darum von ihm vor dem himmlischen Vater bekennet werden, (Matth. 10,32)
  • Mit den Christen, die Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester, Kinder oder Acker weniger als Jesus lieben und darum seiner würdig sind, (Matth. 10,37)
  • Mit den Christen, die dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, (Luk. 2,28)
  • Mit den Christen, die Gott mit Mund und Herzen loben,
  • Mit den Christen, die es mit den Aposteln für eine Würde halten, für Jesus Unbilden zu leiden,
  • Mit den Christen, die nicht durch die unrechte Türe einsteigen, (Joh. 10,1)
  • Mit den Christen, so die Kirche hören und darum noch nicht Heiden und öffentliche Sünder geworden, (Matth. 18)
  • Mit den Christen, die Ehre geben, wem Ehre, und Zoll, wem Zoll gebührt, (Röm. 3,19)
  • Mit den Christen, die der Welt Weisheit für Narrheiten halten, (Kor. 3,19)
  • Mit den Christen, die das Kunststück nicht zu verstehen glauben, zwei Herren zugleich dienen zu können (Matth. 6,24)
  • Mit den Christen, die nicht halb kalt und halb warm sind und darum aus dem Munde gespien werden, (Apostelgeschichte 3,18)
  • Mit den Christen, die einen wahren Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit haben, (Matth. 5,6)
  • Mit den Christen, die mit Christus sammeln, damit sie nicht zerstreuen, (Luk. 11,23)
  • Mit den Christen, die mit Christus und darum nicht wider ihn sind,
  • Mit den Christen, die bei der Versuchung der Henkersrotte des Judas nicht schlafen, (Mark. 13,27)
  • Mit den Christen, die, wenn sie Jesus verleugneten nicht mit Judas verzweifeln, sondern mit Petrus büßen und das fremde Gut in den Tempel zurückwerfen, (Matth. 27,5)
  • Mit jenen standhaften Christen, die Jesus bis unter das Kreuz folgen und mit ihm gern sterben, (Maltth. 28)
  • Mit jenen verherrlichten Christen, die einst mit Christus auferstehen, die Welt richten und zum ewigen Feuer verdammen werden, (Matth. 19,28)

… sei uns gnädig

  • Darum, o Gott!
  • Wenn die Verführer aus unserer Mitte wachsen werden,
  • Wenn das Schifflein Petri mit Wellen bedeckt wird,
  • Wenn der Drache von der Kette losgebunden sein wird,
  • Wenn die große Spaltung sein wird, (Thess. 2)
  • Wenn Seuchen, Erdstöße und Himmelsschrecken hin und wieder vernommen werden, (Luk. 21,11)
  • Wenn sie rufen: Sieh, hier ist Christus, sieh, dort ist er! (Matth. 24,23)
  • Wenn Krieg und Aufruhr sein wird, (Luk. 21,9)
  • Wenn unsere Feinde spotten werden: Wo ist euer Gott, wo die versprochene Zukunft? (2. Petri)
  • Wenn der Menschensohn keinen Glauben mehr auf Erden antreffen wird, (Luk. 18,8)
  • Wenn der abgerissene Stein die irdenen Füße des letzten Reiches trifft, (Dan. 2,24)
  • Wenn der Greuel der Verwüstung am heiligen Orte sein wird, (Matth. 24,18)
  • Wenn der Sohn des Verderbens im Tempel zur Anbetung stehen wird, (Dan. 11)
  • Wenn viele das Zeichen der Bestie tragen müssen, (Apostelgeschichte 61)
  • Wenn die Hirten geschlagen und die Schafe zerstreut werden, (Matth. 26,31)
  • Wenn der Sohn des Verderbens seine Arme weit ausstrecken wird, (Dan. 11)
  • Wenn er die Erdstriche umsonst austeilen wird,
  • Wenn es ihm gegeben ist, die Heiligen zu bekriegen und sie zu überwinden, (Apostelgeschichte 13)
  • Wenn er über Gold- und Silberschätze gebieten wird, (Dan. 11)
  • Wenn er das Heiligtum beflecken und das ewige Opfer abstellen wird, (Dan. 11)
  • Wenn alles rufen wird: Friede, Friede! wir haben nichts zu fürchten, – und darum der Untergang schnell ist, (!. Thess. 5,5)
  • Wenn ihre Häuser ruhig und sie bei Orgeln und Trommeln singen werden, (Joh. 21)
  • Wenn, wie in den Tagen des Noe und Loth, sie heiraten, essen und trinken werden, (Matth. 24,38)
  • Wenn, wie ein Blitz, der vom Auf- und Niedergang scheint, der Menschensohn kommen wird, (Matth.)
  • Wenn die ungeheure Stadt, dieWeltsünderin, die vom Blute der Heiligen trunken, in Purpur und Nessel sich kleidet, in einem Augenblicke stürzen wird, (Apostelgeschichte 18)
  • Am Tage des Gerichts,

… wir Sünder bitten Dich, erhöre uns!

  • Daß Du uns verschonest,
  • Daß Du unsere Sünden verzeihest,
  • Daß Du uns zur wahren Buße bekehren wollest,
  • Daß Du allen verirrten Menschen die Augen zum wahren Lichte öffnest,
  • Daß Du den apostolischen Hirten und alle geistlichen Stände der heiligen Religion erhalten wollest,
  • Daß Du alle gerechte Treue gegen Dich und von Dir verordnete Obere in uns befestigen wollest,
  • Daß Du allen Obern die Rechte der heiligen Lehre und des guten Beispiels verleihen wollest,
  • Daß Du allen Leidenden christliche, unerschrockene Geduld und Sanftmut schenken wollest,
  • Daß Du alle Anschläge und Grundsätze des Teufels und seiner Diener vernichten wollest,
  • Daß Du uns vor den Versuchungen der letzten Zeiten bewahren oder wider solche stärken wollest,
  • Daß Du uns mit Stärke und Rat alles für unsere evangelischen Grundsätze tun und leiden zu können begnadigen wollest,
  • Daß Du alle Ketzerei und allen Unglauben von unseren Grenzen und Deiner Erde verbannen wollest,
  • Daß Du einen Hirten und einen Schafstall machen wollest,
  • Daß Du die Rettung Deiner Ehre und des Heiles so vieler tausend Seelen beschleunigen wollest,
  • Daß Du unsern Feinden vergeben wollest,
  • Daß Du uns vor der gewaltigen Versuchung des Satans in der Person der Menge weiser Scheinheiliger behüten wollest,
  • Daß Du allen Haß außer dem der Sünde und des Teufels aus unseren Herzen verbannen wollest,
  • Daß Du die Feinde der heiligen Kirche erniedrigen wollest,
  • Daß Du jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, verleihen wollest,
  • Daß Du allen christgläubigen Seelen, besonders denen, die durch Gelegenheit dieses Krieges von Freunden und Feinden im Herrn starben, die ewige Ruhe verleihen wollest,
  • Durch die Fürbitte aller Heiligen im Himmel und Gerechten auf Erden,
  • Durch die Fürbitte aller heiligen Mäyrtyrer,
  • Durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria,
  • Durch Jesum Christum, unsern Herrn,
  • O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, o Herr!
  • O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erhöre uns, o Herr!
  • O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Erbarme Dich unser, o Herr!

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PATER PIO — Indem wir die Briefe befragen – 1910, 1911

Indem wir die Briefe befragen …

Pater Pio wollte nie ein Tagebuch führen. Das ist ganz offenkundig. Es verstieße letztlich gegen den Geist seines Armutsgelübdes. Aber, wie wir gesehen haben, gaben die während seiner Erkrankungen außerhalb der üblichen Grenzen eines Kapuzinerklosters verbrachten Jahre den von Gott gewollten Anlass zu den Briefen, die er an seinen geistlichen Vater zu schreiben begann. Ohne diese geheime Fügung der Vorsehung hätte niemals jemand seine innere Welt und die Geheimnisse seiner Seele wahrgenommen. Sein Geist dürstete nach Licht und sein größter Wunsch war, dem geheimnisvollen Willen Gottes zu entsprechen, der sich an ihm auf eine für die gewöhnlichen Sterblichen verwirrende Weise offenbarte. Er empfand ein dringendes Bedürfnis nach den erleuchteten Ratschlägen seines geistlichen Vaters, und dem verdanken wir die reiche Briefsammlung.

 

DAS JAHR 1910

So schrieb er am ersten Oktober 1910 an Pater Benedetto: „Sagen Sie auch noch Jesus, lieber Pater, er solle mich baldigst von den Fesseln dieses sterblichen Leibes befreien. Schreiben Sie mir doch, denn Ihre Ratschläge tun mir so gut. Und sagen Sie mir auch noch, was Gott von diesem undankbaren Geschöpfe will …“ Und am 22. Oktober 1910 wiederholt er seine Bitte: „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, schreiben Sie mir, weil Ihre Briefe mir so gut tun!“

Denn der junge Priester, Pater Pio, der vor kaum drei Monaten die Weihe empfangen hatte, schlug sich bereits mit großen Schwierigkeiten herum: „Die Versuchungen sind mehr als je im höchsten Maße gegen mich entfesselt. Sie drücken mich gar sehr nieder, nicht wegen der anhaltenden Gewalt, die ich gegen mich anwenden muss, vielmehr wegen ihrer Hässlichkeit, ihrer fortgesetzten Feindschaft und wegen der großen Furcht, von einem Augenblick zum anderen, Gott zu beleidigen. Es gibt da tatsächlich Augenblicke, die mich praktisch an den Rand des Abgrunds bringen, und ich im Begriffe bin zu stürzen. Auch während der Stunden der Erholung hört der Dämon nicht auf, mir die Seele auf verschiedene Weisen niederzudrücken“ (1,21).

Innere Schwierigkeiten

Pater Pio dient wirklich als Zielscheibe für die unaufhörlichen Angriffe des Feindes. Er bedarf so sehr der Leitung des geistlichen Vaters durch dessen Briefe, aus denen er solche Tröstung und Stärkung erfährt, dass er nicht zögern wird, ihm am 21. April 1915 im fünften Jahr seines Priesteramtes zu schreiben: „Ich bitte Sie, wenn Sie schon die Güte haben mir zu schreiben, dann fügen Sie doch bitte noch eine zweite hinzu, mir ziemlich ausführlich zu schreiben …“ (1,249)

„Die geistlichen Kämpfe hören schließlich doch nicht auf, schreibt er am 29. November 1910, sie werden so nur noch härter. Kurz, der Feind unseres Heiles ist so wütend, dass er mich gleichsam nicht einen einzigen Augenblick los lässt … Ich leide, das ist wahr, aber ich freue mich sehr darüber, denn Sie haben mir die Gewissheit gegeben, dass es keine Gottverlassenheit ist, vielmehr ist es eine Auszeichnung seiner vornehmsten Liebe …“ (1,23).

Zum Opferlamm berufen

Er begehrt also diese Leiden zu verwerten. So schreibt er denn einige Zeilen weiter an Pater Benedetto: „… Ich gehe nun dazu über, Sie um eine Erlaubnis zu bitten. Schon ziemlich lange fühle ich in mir einen Wunsch, nämlich mich dem Herrn als Opferlamm für die armen Sünder und für die Seelen im Fegefeuer anbieten zu dürfen. Dieser Wunsch hat sich immer mehr in meinem Herzen entfaltet, derart dass es nun, wenn ich so sagen darf, eine gewaltige Leidenschaft geworden ist. Es ist wahr, dieses Angebot habe ich dem Herrn schon mehrmals gemacht, indem ich ihn beschwor, er möge doch die Strafen, die für die Sünder und die Seelen des Fegefeuer bereitet wurden, über mich ausgießen. Er solle sie über mir sogar verhundertfachen, sofern er nur die Sünder bekehrt und rettet und die Seelen des Fegefeuer gar bald ins Paradies aufnimmt. Jetzt aber möchte ich IHM dieses Angebot mit Ihrer Erlaubnis machen“ (1,23).

Die unsichtbaren Wundmale

Woran leidet denn der Pater Pio? … Am 20. September, also zwei Monate früher, hatte er die unsichtbaren Wundmale in Pietrelcina bekommen. Sie waren noch nicht durchgehend da. Seine Hände, seine Füße, seine Seite sind schon verwundet. Er empfindet sehr heftige Schmerzen an den Stellen, wo ab Donnerstag bis Samstag rote Flecken auftreten. In einer kleinen strohüberdeckten Einsiedelei auf dem Familiengrundstück in Piana Romana hatte Pater Pio sich eingerichtet. Dort pflegte er dem, was Gottes ist, zu obliegen. Am 20. September von seiner Mutter herbeigerufen, war Pater Pio dahergekommen, indem er lebhaft seine Hände schüttelte. Von Natur aus recht fröhlich fragte ihn die Bäuerin: „Was hast Du denn, Pater Pio? Man könnte meinen, du spielst Gitarre!“ – „Nichts, antwortete er, kleine Stiche ohne Bedeutung!“ In Wirklichkeit war er gerade etwas vollkommener, wenn auch auf unsichtbare Weise, dem gekreuzigten Herrn nachgestaltet worden.

In seiner Antwort vom 1. Dezember 1910 wird ihm Pater Benedetto sagen: „in den größten Ängsten erinnere Dich immer an meine Zusicherungen, und eh du entmutigt niederfällst, tröste Dich damit, dass du als würdig erachtet worden bist, etwas zu erdulden, das Dich Jesus ähnlich macht, im Einklang mit seinem gütigsten Herzen …“

 

DAS JAHR 1911

„Wer wird mich denn, lieber Pater, von so großen Versuchungen und Ängsten befreien, schreibt Pater Pio wiederum am 10. Januar 1911, wer wird mich trösten? … Die geistlichen Kämpfe sind im Vergleich zu dem, was ich an meinem Leib erdulde, weit größer, obwohl auch die leiblichen Schmerzen beständig zunehmen! … Ich wünschte mir, lieber Pater, fügt er hinzu, ich sage nicht viel, doch wenigstens eine Stunde Ruhe im Tag!“ Denn er kann nicht mehr und seine Natur sträubt sich manchmal dagegen.

Erste Taktik des Teufels: die Entmutigung

„Der Teufel fährt fort, gegen mich Krieg zu führen und unglücklicherweise macht er keine Andeutung, dass er sich für geschlagen erklärt! … Während ich zu Jesu Füßen bete, scheint mir, ich spüre die Last der Müdigkeit durchaus nicht mehr, wie während ich versucht werde und mich um den Sieg bemühe. Und auch das Bittere der Wiederwertigkeiten spüre ich dann nicht mehr …“ Doch nun wird er von Skrupeln geplagt, wenn er an sein vergangenes Leben denkt, als er noch in der Welt war: „In solchen Augenblicken, schreibt er, bleiben mir nur die Augen, um zu weinen … Auch wenn ich zum Altar hinaufsteige, mein Gott! empfinde ich solche Angriffe, aber ich habe ja Jesus bei mir und vor wem sollte ich mich fürchten?“ (1,30).

Er gibt sich sehr wohl Rechenschaft über die Taktik des Teufels ihn in die Entmutigung hineinzutreiben „Die hässlichen Vorstellungen, die der Dämon mir aufdrängt, verschwinden alle, wenn ich mich vertrauensvoll in Jesu Arme begebe. Infolgedessen, wenn ich beim gekreuzigten Jesus bin, das heißt, wenn ich seine Todesängste betrachte, leide ich zwar maßlos, aber es ist ein Schmerz, der mir sehr gut tut. Ich erfreue mich eines Friedens und einer Ruhe, die man nicht erklären kann“ (1,31).

Und in diesem selben Brief vom 29. März 1911 wird Pater Pio seinem geistlichen Vater vertraulich mitteilen: „Aber was mich am meisten schmerzt, lieber Pater, das ist, wenn ich an den zum Sakrament gewordenen Jesus denke. Das Herz fühlt sich wie von einer höheren Kraft hingerissen, bevor es sich mit ihm am Morgen im Sakrament vereint. Ich empfinde einen solchen Hunger und einen solchen Durst, bevor ich ihn empfange, dass nur wenig fehlt, dass ich nicht vor Atemnot sterbe. Eben weil ich nicht mehr kann vor der Tatsache, dass ich noch nicht mit IHM vereint bin. Manchmal bin ich mit Fieber im Leib gezwungen, hinzugehen, um mich mit seinem Fleisch zu ernähren“ (1,31). Denn wenn er zu krank war, um die Messe feiern zu können, musste er mit aller Gewalt kommunizieren …

„Dieser Hunger und dieser Durst, weit entfernt sich stillen zu lassen, nachdem ich ihn im Sakrament empfangen habe, wird immer noch größer. Wenn ich dann schon im Besitz dieses höchsten Gutes bin, ist die Fülle der Wonne so groß, dass nur wenig fehlt und ich zu Jesus sage: „Es genügt, ich kann es eigentlich beinahe nicht mehr aushalten! …“

Zweite Teufelstaktik: die Versuchungen der Einbildungskraft

Daneben hört der Teufel nicht auf, ihn nach unten zu ziehen: „… Selbst an diesen heiligen Tagen unternimmt der Feind alles, um meine Zustimmung zu seinen gottlosen Plänen zu erreichen. Besonders sucht dieser böse Geist durch alle Arten von Bildern mir ins Herz Gedanken der Unzucht und der Verzweiflung einzuschmuggeln“ (1,33), schreibt er während der Karwoche am 9. April 1911. Er fühlt sich zermalmt, als Beute der schlimmsten Angriffe. Aber er verharrt im Gehorsam gegen seinen geistlichen Vater, dem er vorwirft, es gelinge ihm nicht, das große Verlangen zu verstehen, das ich nach Ihnen habe“ (1,33). Dieser wird ihm antworten, um ihm wieder Mut einzuflößen: „Die Furcht wegen vergangener Sünden ist eine Illusion und eine Qual, die der Dämon Dir eingibt. Lass sie doch endlich fahren. Und glaube mir fest, Jesus ist nicht jener grausame Steuereintreiber, den er dir vormalt, vielmehr ist er das Lamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt, indem es mit unaussprechlichen Seufzern Fürbitte für unser Heil einlegt“ (1,34).

Das Geheimnis des Königs

Im Hinblick auf die leiblichen Schmerzen, die ihn niederdrückten, wird ihm Pater Benedetto am 27. Juni 1911 sagen: „Ich meine, es ist nutzlos, die Ärzte zu befragen. Ich bin überzeugt, dass Deine Leiden unmittelbar und ausdrücklich von Gott gewollt sind und dass es kein Heilmittel dagegen gibt …“ – „Wann werde ich Dich im Kloster wiedersehen, schreibt er ihm noch am 5. September 1911, wenn Dein Aufenthalt daheim dich nicht gesund macht, so werde ich dich unter den Schutz des heiligen Franz zurückrufen. Und auch wenn der Herr dich zur Herrlichkeit abberufen will, so ist es besser für Dich, im Kloster zu sterben, wohin er Dich gerufen hat. Gib mir bald Antwort!“ (1,43).

Und da entschließt sich nun Pater Pio, ihm das Geheimnis des Königs zu enthüllen, das er seit einem Jahr schon in seinem Herzensgrund verborgen hält. In dem Brief vom 8. September 1911 enthüllt er das unaussprechliche Geheimnis seiner Kreuzigung und seine unermessliche Liebe zu Jesus, der ihn sich gleichgestaltet hat. „Gestern Abend, schreibt er, ist mir ein Ereignis zugestoßen, das ich weder erklären, noch verstehen kann. Inmitten des Handtellers ist etwas Rötliches in Erscheinung getreten, etwa von der Größe und Gestalt eines Pfennigs, begleitet auch von einem starken, stechenden Schmerz in der Mitte dieser roten Stelle. Dieser Schmerz trat verstärkt in der Mitte der linken Hand auf, und zwar so sehr, dass er jetzt noch andauert. Auch unter den Füßen nehme ich ein wenig Schmerzen wahr. Dieses Phänomen wiederholt sich nun schon seit fast einem Jahr; aber jetzt ist es schon eine Weile her, seit es sich nicht mehr wiederholt hat. Doch beunruhigen Sie Sich nicht, wenn ich Ihnen das jetzt zum ersten Mal sage. Ich habe mich nämlich immer von dieser verflixten Schüchternheit besiegen lassen. Auch jetzt noch, wenn Sie wüssten welche Gewalt ich gegen mich habe anwenden müssen, um es Ihnen zu sagen! Ich hätte Ihnen viele Dinge zu sagen, aber ich finde nur schwer die (richtigen) Worte dafür. Ich sage Ihnen nur noch, dass das Herz sehr stark zu klopfen beginnt, wenn ich beim Sakrament gewordenen Jesus verweile. Es scheint mir manchmal, als wolle es (mir) geradezu aus der Brust springen.

Am Altar verspüre ich manchmal so sehr ein Entflammtwerden meiner ganzen Person, dass ich es Ihnen nicht beschreiben kann. Es scheint mir dann, dass mir das Antlitz im höchsten Grade ganz in Flammen aufgehen will. Was für Zeichen das sind, das weiß ich nicht …“ (1,44). Er hat also ein Jahr zu gewartet, ehe er dies enthüllte …

Diese Schmerzen nun aber und diese seelischen Verzückungen veranlassten Pater Pio besonders von Donnerstag bis Samstag das Leiden Jesu zu betrachten. Einige seiner Verleumder haben sich gefragt, ob die Wundmale nicht eine Folge der tiefgreifenden Betrachtungen Pater Pios über das Leiden Christi sind, wärend diese Wunden doch vielmehr die Ursache dafür geworden sind. Jesus in seinem Leiden einholen, das half ihm die Seinen zu ertragen.

Da hat nun Padre Benedetto sehr weise in einem Antwortschreiben vom 29. September 1911 zu ihm gesagt: „Danke der Güte Gottes, mein liebster Sohn, für die Gunst, auf die Du im letzten Brief angespielt hast. Die einzige Empfehlung, die ich Dir in dieser Hinsicht geben muss, ist, niemandem etwas davon kundzutun, denn es ist gut, das Geheimnis des Königs zu bewahren (Tob 12,7).

Aufenthalt in Venafro

Im Laufe des folgenden Oktobermonats berief Pater Benedetto mit Billigung des Generalsobern des Ordens und der Ärzte den Pater Pio von Pietrelcina weg, da er dachte, der Gesundheitszustand desselben würde sich durch die Entfernung von seiner Heimatluft nicht verschlechtern und schickte ihn ins Kloster zu Venafro. Pater Agostino, sein geistlicher Vater, führte dort die jungen Patres in die Redekunst ein. Damals nahm nun Pater Agostino gewisse Dinge wahr … „Der Pater Guardian, so schreibt er, es war Pater Evangelista da San Marco in Lamis, begleitete ihn (Pater Pio) zu einer ärztlichen Untersuchung nach Neapel …“ Da der Pater immer mehr erkrankte, wurde er zum Professor Cardarelli gebracht, der ihm höchstens noch einen Monat zu leben verhieß. „Die Ärzte verstanden nicht viel davon, fährt Pater Agostino weiter. In Venafro im November 1911 haben wir, nämlich ich und Pater Evangelista die ersten übernatürlichen Phänomene wahrgenommen. Ich wohnte mehreren Ekstasen bei und zahlreichen teuflischen Anfechtungen. Ich schrieb damals alles auf, was ich aus seinem Munde vernehmen konnte, während seiner Ekstasen und wie die satanischen Anfechtungen verliefen … Solange er in Venafro weilte, ernährte er sich ausschließlich von der Eucharistie, sowohl wenn er zelebrieren konnte, wie wenn er nur kommunizierte, weil er die Messe nicht feiern konnte.“

Als nun aber am 7. Dezember 1911 sich die Krankheit plötzlich verschlimmerte, brachte man Pater Pio nach Pietrelcina zurück. Am folgenden Tag, dem 8. Dezember, konnte er das Hochamt zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis feiern, als wäre er nie krank gewesen!

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Quelle: Pater Derobert – Pater Pio durchsichtig auf Gott hin – Geistliches Bildnis aus den Briefen Pater Pios gewonnen. Hovine Verlag, Belgien und Frankreich, 1990, 814 Seiten.