DIE STELLUNG MARIÄ IM WERKE UNSERER HEILIGUNG (Teil 2)

(Fortsetzung vom 2. Kapitel)
(Warum Maria uns notwendig ist zum Werke unserer Heiligung)

Weil Maria die lebendige Form Gottes und der Heiligen ist.

16. Maria wird vom heiligen Augustin genannt, und sie ist es in der Tat, die lebendige Form Gottes, forma Dei. Das will heißen, dass in ihr allein Gott als Mensch so naturgetreu gebildet worden ist, dass ihm auch nicht ein Zug der Gottheit fehlt. Und darum kann auch in ihr allein der Mensch durch die Gnade Jesu Christi naturgetreu in Gott umgestaltet werden, soweit die menschliche Natur dessen fähig ist.

Ein Bildhauer kann eine Figur oder Statue auf zwei Arten naturgetreu herstellen, erstens, indem er seinen Fleiß, seine Kraft und Fachkenntnis aufwendet und gute Werkzeuge gebraucht, um die Statue aus einem harten und ungestalten Material zu verfertigen; er kann sie zweitens modeln. Die erste Art ist lang und beschwerlich und vielen Zufälligkeiten und Gefahren unterworfen; es braucht manchmal nur einen ungeschickten Meißel- und Hammerschlag, um das ganze Werk zu verderben. Die zweite Art ist rasch, leicht und angenehm, fast mühe- und kostenlos, vorausgesetzt, dass die Form vollkommen und naturgetreu ist; vorausgesetzt auch, dass die Materie, deren sich der Künstler bedient, recht gefügig und bildsam ist und in seiner Hand keinerlei Widerstand entgegensetzt.

17. Maria ist die große Form Gottes, die der Heilige Geist gebildet hat, damit in ihr durch die hypostatische (persönliche) Vereinigung Gott Mensch und durch die Gnade der Mensch Gott werde. Auch nicht einen Zug der Gottheit vermisst man an dieser göttlichen Form. Wer in dieselbe gegossen wird und sich darin auch ganz gefügig bearbeiten lässt, der bekommt alle Züge Jesu Christi, des wahren Gottes; er bekommt sie auf sanfte, der menschlichen Schwachheit angepasste Weise ohne schweren Todeskampf und große Mühe, auf sichere Weise, ohne Furcht vor Täuschung; denn Satan hat in Maria, der Heiligsten und Unbefleckten, die frei ist von jedem Schatten auch nur der geringsten Sündenmakel, niemals Zutritt gehabt und wird zu ihr niemals Zutritt haben.

18. O treue Seele, wie groß ist der Unterschied zwischen einer Seele, die durch jene, die sich, wie Bildhauer, auf ihre eigene Kunst und ihren eigenen Fleiß verlassen, auf den gewöhnlichen Wegen in Jesus Christus umgewandelt wird, und einer recht bildsamen, losgeschälten und geschmolzenen Seele, die sich auf keine Weise auf sich selbst verlässt, sondern sich in Maria ergießt und sich in ihr ganz gefügig dem Wirken des Heiligen Geistes überlässt. O wie viele Flecken und Mängel, wieviel Finsternis und Täuschung, wieviel Natürliches und Menschliches findet sich in der ersten Seele, und wie ist die zweite rein, göttlich und Jesus Christus ähnlich!

Weil Maria das Paradies und die Welt Gottes ist.

19. Wenn wir absehen von der Größe Gottes in seiner eigenen Wesenheit, so gab es niemals ein Geschöpf und wird es niemals eines geben, in welchem Gott größer wäre, als in Maria, selbst die Seligen, die Cherubim und höchsten Seraphim im Himmel nicht ausgenommen.

Maria ist das Paradies Gottes, seine unaussprechliche Welt, das Paradies, in welches der Sohn Gottes eintrat, um darin Wunderwerke zu vollbringen, um es zu bewachen und daselbst seine Freude und Wonne zu finden.

Gott schuf eine Welt für den Menschen im Zustand des Erdenwandels, es ist diese sichtbare Welt; er schuf eine Welt für den Menschen im Zustande der Seligkeit, es ist der Himmel; aber er schuf auch noch eine andere Welt für sich, und er nannte sie Maria, eine Welt, die fast allen Sterblichen hienieden unbekannt und allen Engeln und Seligen im Himmel droben unbegreiflich ist. Voll Staunen darüber, Gott so hoch und erhaben über sie alle, so abgesondert und verborgen in seiner Welt, Maria, zu sehen, rufen sie Tag und Nacht: Heilig, Heilig, Heilig!

20. Glücklich, tausendmal glücklich die Seele hienieden, welcher der Heilige Geist das Geheimnis Mariä offenbart, damit sie es erkenne, welcher er diesen verschlossenen Garten erschließt, diesen versiegelten Quell, damit sie daraus schöpfe und in langen Zügen die lebendigen Wasser der Gnade trinke! Eine solche Seele wird in diesem liebenswürdigen Geschöpfe Gott finden, Gott allein ohne irgend ein Geschöpf, aber Gott, wie er zugleich unendlich heilig und erhaben, unendlich herablassend und ihrer Schwachheit angepasst ist.

Da Gott allgegenwärtig ist, so kann man ihn überall finden, sogar in der Hölle. An keinem Ort aber könnte das Geschöpf Gott näher und der eigenen Schwäche mehr angepasst finden, als in Maria, weil er gerade zu diesem Zwecke in Maria hinabgestiegen ist. An jedem andern Orte ist er das Brot der Starken und der Engel, in Maria aber ist er das Brot der Kinder.

Weil Maria kein Hindernis, sondern das vollkommenste Mittel ist, zur Vereinigung mit Gott zu gelangen.

21. Man bilde sich also nicht ein, wie einige falsche Mystiker es tun, dass Maria als Geschöpf ein Hindernis sei für die Vereinigung mit dem Schöpfer. Nicht mehr Maria ist es, die lebt, sondern Jesus Christus allein, Gott allein lebt in ihr. Ihre Umwandlung in Gott übertrifft die des heiligen Paulus und der übrigen Heiligen mehr als der Himmel die Erde an Erhabenheit überragt. Maria ist nur für Gott geschaffen, und weit entfernt, eine Seele bei sich aufzuhalten, versenkt sie dieselbe vielmehr in Gott und vereinigt sie mit desto größerer Vollkommenheit mit ihm, je mehr sich die Seele mit ihr vereinigt.

Maria ist das wunderbare Echo Gottes, das nichts antwortet als „Gott“, wenn man „Maria“ ruft, das nur Gott verherrlicht, wenn man sie mit der heiligen Elisabeth selig preist.

Wenn die falschen Mystiker, die sogar in Betrachtung und Gebet vom Satan so erbärmlich getäuscht wurden, es verstanden hätten, Maria zu finden und durch Maria Jesus und durch Jesus Gott, so wären sie nicht so schrecklich gefallen. Wenn man einmal Maria gefunden hat und durch Maria Jesus und durch Jesus Gott den Vater, so hat man jegliches Gut gefunden, sagen die heiligen Seelen. Inventa Maria, invenitur omne bonum. Wer sagt „alles“, nimmt nichts aus, also alle Gnade und alle Freundschaft bei Gott, alle Sicherheit gegen die Feinde Gottes, alle Wahrheit gegen die Lüge, alle Leichtigkeit und allen Sieg gegenüber den Hindernissen unseres Heiles, alle Süßigkeit und Freude in den Bitterkeiten des Lebens.

Weil Maria die Gnade verleiht, die Kreuze geduldig und freudig zu tragen.

22. Das will nicht heißen, dass derjenige, der Maria durch eine wahre Andacht gefunden hat, frei sei von Kreuz und Leiden; ganz im Gegenteil; mehr als jeder andere wird er damit überhäuft. Weil nämlich Maria die Mutter der Lebendigen ist, so gibt sie allen ihren Kindern Stücke vom Baume des Lebens. Der Baum des Lebens aber ist das Kreuz Jesu Christi. Jedoch, indem sie ihnen gehörige Kreuze herrichtet, gibt sie ihnen auch die Gnade, dieselben geduldig, ja freudig zu tragen, so dass die Kreuze, die sie denjenigen gibt, die ihr angehören, eher in Zucker eingemachte, als bittere Kreuze sind; oder aber, wenn ihre Kinder eine Zeitlang die Bitterkeit des Kelches verkosten, den man notwendigerweise trinken muss, um ein Freund Gottes zu sein, so werden sie von dem Trost und der Freude, welche die gute Mutter auf die Bitterkeit folgen lässt, so sehr ermutigt, dass sie nach Kreuzen verlangen, die noch schwerer und bitterer sind.

 

Schlussfolgerung.

Um heilig zu werden, muss man Maria, die Mittlerin aller Gnaden, finden,
und zwar durch eine wahre Andacht zu ihr.

23. Die Schwierigkeit liegt also nur darin, Maria wahrhaft zu finden, damit man jede Gnade überreichlich finde.

Da Gott der unumschränkte Herr und Meister ist, kann er unmittelbar mitteilen, was er gewöhnlich nur durch Maria mitteilt, und ohne Vermessenheit ließe sich nicht leugnen, dass er es auch manchmal tut. Nach der Ordnung jedoch, welche die göttliche festgesetzt hat, teilt er sich den Menschen in der Ordnung der Gnade gewöhnlich nur durch Maria mit, wie der heilige Thomas sagt. Um zu ihm emporzusteigen und uns mit ihm zu vereinigen, müssen wir uns des gleichen Mittels bedienen, dessen er sich bedient hat, um zu uns herabzusteigen, um Mensch zu werden und uns seine Gnaden mitzuteilen; und dieses Mittel ist ein wahre Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria.

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Fortsetzung folgt!
Quelle: Ludwig Maria Grignion von Montfort – Gesammelte Werke – Kleinere Schriften (4. Band)

DIE STELLUNG MARIÄ IM WERKE UNSERER HEILIGUNG

 

Erstes Kapitel

Notwendigkeit unserer Heiligung

Unsere Heiligung ist der Wille Gottes

3. O Seele, du lebendiges Ebenbild Gottes, erlöst durch das kostbarste Blut Jesu Christi, Gott will und verlangt von dir, dass du in diesem Leben heilig werdest, wie er, und glorreich, wie er, im andern Leben.

Die Heiligkeit Gottes zu erwerben, ist dein sicherer Beruf. Dahin müssen alle deine Gedanken, Worte und Werke, alle deine Leiden und alle Regungen deines Lebens zielen, oder du widerstehst Gott, indem du nicht tust, wozu er dich erschaffen hat und dich jetzt am Leben erhält.

O welch ein staunenswertes Werk! Der Staub soll in Licht, der Unrat in Reinheit, die Sünde in Heiligkeit, das Geschöpf in den Schöpfer, der Mensch in Gott verwandelt werden! O wie wunderbar ist ein solches Werk, ich wiederhole es, aber wie schwer ist dessen Ausführung; es ist sogar unmöglich für die Natur allein. Nur Gott kann es durch seine Gnade, und zwar eine überreiche und außerordentliche Gnade zustande bringen; und die Schöpfung des ganzen Weltalles ist kein so großes Meisterwerk, wie dieses.

Um heilig zu werden, müssen wir die Tugend üben.

4. O Seele, was willst du nun tun? Welche Mittel willst du wählen, um zu jener Höhe emporzusteigen, wohin Gott dich ruft?

Die Mittel unseres Heiles und unserer Heiligung sind allen bekannt: sie sind niedergeschrieben im Evangelium, erklärt und erläutert von den Lehrern des geistlichen Lebens, sie werden von den Heiligen geübt und sind allen notwendig, die ihre Seele retten und zur Vollkommenheit gelangen wollen. Solche Mittel sind: die Demut des Herzens, das beständige Gebet, die allgemeine Abtötung, die Hingabe an die göttliche Vorsehung, die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes.

Um die Tugend zu üben, brauchen wir notwendig die Gnade Gottes

5. Um all diese Mittel des Heiles und der Heiligung anzuwenden, ist die Gnade und Hilfe Gottes durchaus notwendig. Und die Gnade wird in größerem oder kleinerem Maße allen verliehen; darüber besteht kein Zweifel. Ich sage: in größerem oder kleinerem Maße; denn obgleich Gott unendlich gut ist, so verleiht er doch nicht allen eine gleich kräftige Gnade, allen jedoch eine genügende. Eine Seele, die einer großen Gnade treu entspricht, verrichtet eine große Handlung; entspricht sie einer schwachen Gnade, so vollbringt sie eine kleine Handlung. Der Wert und die Vortrefflichkeit der Gnade, die von Gott verliehen und von der Seele angenommen wird, macht den Wert und die Vortrefflicheit unserer Handlungen aus. Diese Grundsätze sind unanfechtbar.

Um die Gnade Gottes zu finden, müssen wir Maria finden.

6. Es kommt also zu guter Letzt alles darauf an, ein leichtes Mittel zu finden, um von Gott die Gnde zu erlangen, deren wir bedürfen, um heilig zu werden. Und dieses Mittel will ich dich lehren und sage deshalb: um die Gnade Gottes zu finden, muss man Maria finden.

 

Zweites Kapitel

Warum Maria uns notwendig ist zum Werke unserer Heiligung.

Weil Maria allein Gnade gefunden hat bei Gott.

7. Maria allein hat Gnade gefunden bei Gott, sowohl für sich selbst, als für jeden Menschen insbesondere. Die Patriarchen und Propheten, ja alle Heiligen des Alten Bundes haben die Gnade nicht finden können.

Weil Maria allein die Mutter der Gnade ist.

8. Maria ist es, die dem Urheber der Gnade Sein und Leben gab; und darum heißt sie die Mutter der Gnade, Mater gratiae.

Weil sie allein, nach Jesus, die Fülle der Gnade besitzt.

9. Gott, der Vater, von dem alle vollkommene Gabe und jede Gnade als aus ihrer wesenhaften Quelle herabkommt, hat ihr alle seine Gnaden übergeben, indem er ihr seinen Sohn schenkte, so dass ihr, wie der heilige Bernhard sagt, der Wille Gottes übergeben wurde in und mit dem Sohne Gottes.

10. Gott hat sie zur Schatzmeisterin, Verwalterin und Ausspenderin aller seiner Gnaden erwählt, so dass alle seine Gnaden und Gaben durch ihre Hände gehen. Und der heilige Bernhardin lehrt, dass Maria gemäß der ihr von Gott verliehenen Gewalt die Gnaden des Ewigen Vaters, die Tugenden Jesu Christi und die Gaben des Heiligen Geistes ausspendet, wem sie will, wie sie will, wann sie will und soviel sie will.

Weil man Gott nicht zum Vater haben kann, ohne Maria zur Mutter zu haben.

11. Wie in der Ordnung der Natur das Kind einen Vater und eine Mutter haben muss, so muss in der Ordnung der Gnade ein wahres Kind der Kirche Gott zum Vater und Maria zur Mutter haben. Und wenn einer sich rühmt Gott zum Vater zu haben und er hegt nicht Maria gegenüber die Zärtlichkeit eines wahren Kindes, so ist er ein Betrüger und hat nur Satan zum Vater.

Weil die Glieder Jesu nur von der Mutter Jesu gebildet werden können.

12. Da Maria das Haupt der Vorherbestimmten, nämlich Jesus Christus, gebildet hat, so ist es auch an ihr, die Glieder dieses Hauptes, nämlich die wahren Christen zu bilden; denn eine Mutter bildet niemals das Haupt ohne die Glieder, noch die Glieder ohne das Haupt. Wer also ein Glied Jesu Christi sein will, der ist „voll der Gnade und Wahrheit“, der muss in Maria gebildet werden vermittelst der Gnade Jesu Christi, welche in Fülle in Maria wohnt, um den wahren Gliedern Jesu Christi und wahren Kindern Mariä in Fülle mitgeteilt zu werden.

Weil der Heilige Geist die Vorherbestimmten nur durch Maria hervorbringt.

13. Der Heilige Geist hat sich mit Maria vermählt und hat in ihr und durch sie und aus ihr das große Meisterwerk, Jesus Christus, das menschgewordene Wort, hervorgebracht; und da er seine Braut niemals verstoßen hat, fährt er fort, täglich in ihr und durch sie auf geheimnisvolle, aber wirkliche Weise die Vorherbestimmten hervorzubringen.

Weil die Kinder Gottes ihre Nahrung und ihr Wachstum aus Maria ziehen.

14. Maria hat von Gott eine besondere Herrschaft und Gewalt über die Seelen empfangen, damit sie dieselben nähre und ihnen Wachstum in Gott verleihe. Der heilige Augustin sagt sogar, dass die Vorherbestimmten auf dieser Erde alle im Mutterschoße Mariä eingeschlossen sind und dass sie erst dann zur Welt kommen, wenn diese gute Mutter sie zum ewigen Leben gebiert. Gleichwie also das Kind seine ganze Nahrung von der Mutter empfängt, welche hinwieder die Nahrung der Schwäche des Kindes anpasst, so ziehen die Vorherbestimmten ihre ganze geistigen Nahrung und alle ihre Kraft aus Maria.

Weil Maria in den Vorherbestimmten ihre Wohnung aufschlagen muss.

15. Zu Maria hat Gott der Vater gesprochen: In Jacob inhabita. Meine Tochter, nimm Wohnung in Jakob, d.h. in meinen Vorherbestimmten, die in Jakob vorgebildet waren.

Zu Maria hat Gott der Sohn gesprochen: In Israel hereditare. Meine liebe Mutter, in Israel sei dein Erbteil, d.h. in den Vorherbestimmten.

Zu Maria endlich hat der Heilige Geist gesprochen: In electi meis mitte radices. Meine getreue Braut, schlage Wurzeln in meinen Auserwählten.

Wer also auserwählt und vorherbestimmt ist, in dem wohnt Maria, d.h. in dessen Seele, und er lässt sie darin Wurzel schlagen, die Wurzeln tiefer Demut, brennender Liebe und aller Tugenden.

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Fortsetzung folgt!
Quelle: Ludwig Maria Grignion von Montfort – Gesammelte Werke – Kleinere Schriften (4. Band)

Papst bei Heiligsprechung: Danken ist eine Frage des Glaubens

Christen sollen ein „liebes Licht“ inmitten der Finsternisse der Welt sein. Das hob Papst Franziskus an diesem Sonntag beim Gottesdienst zur Heiligsprechung von John Henry Newman, Marguerite Bays und drei Ordensfrauen auf dem Petersplatz hervor. Der Papst ging auf drei Glaubensschritten ein – rufen, gehen und danken – die zum Weg der Christen gehören.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Feier auf dem Petersplatz – unter strahlender Sonne und mit tausenden Gläubigen – war den fünf neuen Heiligen gewidmet. Unter den Gästen waren Delegationen aus der Schweiz, Großbritannien mit dem Prinzen von Wales, Charles, sowie der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella anwesend. Aus Brasilien war Vizepräsident Hamilton Mourao dabei. Das südamerikanische Land hat ihre erste Heilige, die Ordensschwester Irma Dulce.

Zum Nachhören

Die fünf neuen Heiligen sind: Kardinal John Henry Newman (1801–1890), die Schweizer Schneiderin Marguerite Bays (1815–1879), die brasilianische Ordensschwester Dulce Lopes Pontes (1914-1992), die Ordensgründerinnen Maria Teresa Chiramel Mankidiyan (1876-1926) aus Indien und die Italienerin Giuseppina Vannini (1859-1911).

„Heute danken wir dem Herrn für die neuen Heiligen, die den Weg des Glaubens gegangen sind und die wir nun als Fürsprecher anrufen“, so der Papst. Er betonte, dass drei von ihnen Ordensschwestern gewesen seien. Sie zeigten den heutigen Gläubigen, „dass das Ordensleben ein Weg der Liebe an den existentiellen Rändern der Welt ist“. Über die Schweizerin Marguerite Bays erinnerte der Papst, dass sie eine Schneiderin gewesen war. „Sie legt uns offen, wie mächtig das schlichte Gebet, das geduldige Ertragen, die stille Hingabe sind: Hierdurch hat der Herr in ihrem Leben den Glanz von Ostern neu aufstrahlen lassen“, so der Papst.

Heiligkeit des Alltags

Der wohl bekannteste unter den neuen Heiligen ist Kardinal John Henry Newman, der von Benedikt XVI. in Großbritannien seliggesprochen wurde und nun in das Buch der Heiligen eingetragen wurde. „Es ist die Heiligkeit des Alltags, von der der heilige Kardinal Newman spricht“, sagte Franziskus über den von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus konvertierten „großen Theologen des 19. Jahrhunderts“. Franziskus zitierte aus den Schriften Newmans: „Der Christ besitzt einen tiefen, stillen, verborgenen Frieden, den die Welt nicht sieht […] Der Christ ist heiter, zugänglich, freundlich, sanft, zuvorkommend, lauter, anspruchslos; er kennt keine Verstellung, […] er ist […] dabei aber so wenig ungewöhnlich oder auffallend in seinem Benehmen, dass er auf den ersten Blick leicht als ein gewöhnlicher Mensch angesehen werden mag“ (Parochial and Plain Sermons, V,5). Bitten wir darum, so zu sein, „liebes Licht“ inmitten der Finsternisse der Welt. Jesus, „bleibe bei mir! Dann werde ich selber auch leuchten, wie du geleuchtet hast, werde andern ein Licht sein“ (Meditations on Christian Doctrine, VII,3).“

Über die drei Stichwörter, die der rote Faden seiner Predigt darstellten, sagte der Papst:

„Zuallererst rufen. Die Aussätzigen befinden sich in einer schrecklichen Lage, nicht nur aufgrund der Krankheit, die auch heute noch verbreitet ist und mit allen Kräften bekämpft werden muss, sondern auch aufgrund des sozialen Ausschlusses. …Wie diese Aussätzigen bedürfen auch wir der Heilung, wir alle. Es ist notwendig, dass wir vom Misstrauen gegenüber uns selbst, gegenüber dem Leben, der Zukunft geheilt werden; von vielen Ängsten; von den Lastern, die uns versklaven; von vielen Abschottungen, von Abhängigkeit und Anhänglichkeit: an das Spielen, das Geld, das Fernsehen, das Handy, das Urteil der anderen.“

Papst Franziskus bei der Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz
Papst Franziskus bei der Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz

Beim Gehen geheilt worden

Der Herr befreie und heile das Herz, „wenn wir zu ihm rufen“, so der Papst weiter.

„Gehen ist die zweite Etappe. Im kurzen Evangelium von heute kommen ungefähr zehn Verben der Bewegung vor. Was aber vor allem beeindruckt, ist die Tatsache, dass die Aussätzigen nicht geheilt werden, als sie still vor Jesus stehen, sondern nachher beim Gehen“, unterstrich der Papst.

Der Glaube schreite voran, wenn man „mit Gottvertrauen ausgerüstet“ weitergehe. Der Glaube bedeute aber auch, gemeinsam gehen, niemals allein, fügte Franziskus an. Und dann noch das dritte Stichwort: danken.

„Es stimmt, es ist unsere Aufgabe – die wir hier sind, um „Eucharistie zu feiern“, also zu danken –, uns um den zu kümmern, der aufgehört hat zu gehen, der vom Weg abgekommen ist: Wir sind Hüter der Brüder und Schwestern, die fernstehen. Wir sind für sie Fürsprecher, wir sind für sie verantwortlich, das heißt gerufen, uns für sie zu verantworten, sie uns zu Herzen zu nehmen. Willst du im Glauben wachsen? Nimm dich eines fernstehenden Bruders, einer fernstehenden Schwester an.“

Zur Quelle gehen statt Glas Wasser trinken

Das Heil bedeute nicht, ein Glas Wasser zu trinken, um in Form zu bleiben, es bedeute, zur Quelle zu gehen, die Jesus sei. Danken sei im Übrigen auch nicht eine Frage der Höflichkeit, der Etikette, es sei eine Frage des Glaubens.

„Ein Herz, das dankt, bleibt jung. Beim Erwachen, während des Tages, vor dem Schlafengehen zu sagen: „Danke, Herr!“ ist das Gegenmittel gegen das Altern des Herzens. Das gilt auch in der Familie, unter Eheleuten: sich daran erinnern, danke zu sagen. Danke ist das einfachste und wohltuendste Wort.“

(vatican news)

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D: Richard Henkes selig gesprochen

Deutschland hat einen neuen Seligen: Es ist der Pallottinerpater und Nazigegner Richard Henkes (1900-1945), der 1945 im KZ Dachau gestorben ist. Kurienkardinal Kurt Koch hat ihn am Sonntag im Limburger Dom selig gesprochen.

An dem feierlichen Gottesdienst in der romanischen Basilika nahmen etwa tausend Menschen teil, darunter viele aus Polen und der Tschechischen Republik. Henkes hat sich in Dachau freiwillig um Typhuskranke gekümmert und ist am 22. Februar 1945 selbst an der Krankheit gestorben.

Kardinal Koch erklärte in seiner Predigt, Henkes habe sich im KZ mutig und selbstlos für Menschen eingesetzt, die keine Hoffnung auf Überleben hatten. Mit seinem Gottvertrauen und seiner Opferbereitschaft habe er das christliche Menschenbild gegen die Ideologie der Nationalsozialisten verteidigt: „Auch an dem menschenverachtenden Ort hat er seine Glaubensüberzeugung bewahrt und seinen christlichen Dienst an den an Typhus erkrankten Menschen ausgeübt“, so der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates. Der 21. Februar ist künftig der Gedenktag für Henkes.

Märtyrer aufgrund von „Hass auf den Glauben“

Henkes wurde in Ruppach im Westerwald geboren und 1925 in Limburg zum Priester geweiht. Ab 1931 arbeitete er als Prediger und Exerzitienleiter in Oberschlesien. Mehrmals wurde er wegen regimekritischer Predigten bei der Gestapo angezeigt. Im April 1943 positionierte er sich gegen den Abtransport von Kranken aus der örtlichen Heilanstalt und nannte das Vorgehen Mord. Er wurde wegen „Aufwiegelung des Volkes von der Kanzel“ verhaftet und schließlich ins KZ Dachau gebracht. Das Verfahren zur Seligsprechung wurde 2003 vom damaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus eröffnet. Im Dezember 2018 folgte Papst Franziskus der Empfehlung und erkannte Henkes als Märtyrer aufgrund von „Hass auf den Glauben“ an.

(vatican news – sk)

Kardinal Koch hat uns seine Predigt bei der Seligsprechung zur Verfügung gestellt. Hier finden Sie den vollen Wortlaut.

„Die Seligen und Heiligen sind die Antworten Gottes auf die Fragen von uns Menschen. Und sie sind die besten Exegeten des Evangeliums. Denn sie haben das Wort Gottes nicht nur gelesen und interpretiert; sie haben es vor allem mit ihrem eigenen Leben bezeugt. Dies gilt in besonderer Weise vom seligen Pallottinerpater Richard Henkes, der sich während der Typhusepidemie, die im Konzentrationslager Dachau im Übergang zwischen den Jahren 1944 und 1945 ausgebrochen war, in den Quarantäneblock 17 freiwillig einschliessen liess, um die von dieser schweren Krankheit betroffenen Häftlinge zu pflegen, der sich dabei infiziert hat und am 22. Februar 1945 in Dachau gestorben ist. Die Lebenshingabe von Pater Henkes bis zum Tod für andere Menschen hat Papst Franziskus als Martyrium anerkannt; und der Heilige Vater hat entschieden, dass Pater Henkes seliggesprochen wird. Pater Henkes steht vor uns als Märtyrer der Nächstenliebe, der sein Leben als Opfer für Christus hingegeben und damit Anteil am Kreuz Jesu Christi erhalten hat.

Das Kreuz Jesu als Liebesbeweis Gottes

Es ist von daher ein ebenso schönes wie sinnvolles Zusammentreffen, dass die Seligsprechung von Pater Henkes am Fest der Kreuzerhöhung, das in der Diözese Limburg als besonderes Bistumsfest begangen wird, gefeiert werden kann. Denn Pater Henkes ist ein besonders glaubwürdiger Exeget der Verkündigungstexte des heutigen Festes, das uns das Kreuz Jesu als Zeichen der grenzenlosen Liebe Gottes zu uns Menschen nahebringt. Der Evangelist Johannes verdichtet das Geheimnis des Kreuzes Jesu Christi in dem wunderbaren Spitzensatz: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3, 16). Das Kreuz ist die Erscheinung der grössten Liebe Gottes zu uns Menschen. Und es ist das deutlichste Zeichen dafür, dass Jesus sich nicht bloss mit verbalen Liebeserklärungen an uns Menschen begnügt, dass er vielmehr einen sehr hohen Preis für seine Liebe bezahlt hat, indem er am Kreuz in Liebe sein Herzblut für uns Menschen investiert und uns das kostbarste Geschenk, das ewige Leben, gegeben hat.

Das Kreuz Jesu ist keineswegs, wie heute selbst nicht wenige Christen meinen, ein Gegensatz zur Liebe Gottes und kein Widerspruch zur Würde des Gottessohnes, sondern die glaubwürdige Darstellung seiner Liebe zu uns Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung. Der Evangelist Johannes nimmt die in der alttestamentlichen Lesung berichtete Geschichte vom Aufhängen der Schlange aus Kupfer an einer Fahnenstange durch Mose als Vorausbild dafür, dass auch die Erniedrigung Jesu in seinem Leiden und Sterben bereits Erhöhung ist: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3, 14-15). Das Kreuz Jesu schenkt uns die wunderschöne Botschaft: Wer bis in den Tod hinein von Jesus Christus geliebt ist, der darf sich wirklich geliebt wissen und über dieses Geschenk der Erlösung froh werden. Denn in der Liebe Jesu am Kreuz sind wir erlöst von unseren Sünden; und seine Liebe ist der Wärmestrom der Erlösung, nämlich des Geschenks des ewigen Lebens.

Das heutige Kreuzfest lädt uns ein, im Geheimnis der Kreuzesliebe Jesu noch tiefer zu bohren. Aus eigener Erfahrung wissen wir alle, dass es Liebe nicht ohne Opfer und nicht ohne Leiden geben kann. Dies gilt zumal im Licht des christlichen Glaubens, in dem das Opfer seinem tiefsten Wesen nach nicht mit dem Bösen und der Sünde verbunden ist, sondern mit der Liebe. Denn Liebe gibt es nicht ohne Opfer; Liebe als Hingabe des eigenen Lebens für Andere ist Opfer. Dieses Liebesopfer hat Jesus am Kreuz für uns Menschen dargebracht, indem er die an ihm geübte Gewalt in Liebe für uns Menschen umgewandelt hat. Die Passion Jesu ist das Ur-Martyrium und zugleich das Urbild des Martyriums der ihm Nachfolgenden, die Anteilhabe am Kreuzesgeheimnis Jesu erhalten haben.

Martyrium als höchster Akt der Liebe

Dieser Zusammenhang ist im Martyrium von Pater Henkes sichtbar geworden. Wie Jesus Leiden und Kreuz nicht gesucht, sondern sich am Willen Gottes für das Leben der Menschen orientiert hat und wegen seiner Liebe zu uns Menschen getötet worden ist, so hat auch Pater Henkes das Martyrium keineswegs gesucht, sondern er hat es als Konsequenz seiner Treue zu seinem katholischen Glauben frei und freiwillig auf sich genommen. Darin besteht die Authentizität seines Glaubenszeugnisses. Denn die christliche Tradition hat die Sehnsucht eines potenziellen Märtyrers nach seinem Getötetwerden geradezu als Infragestellung des Martyriums betrachtet. Das christliche Martyrium ist keineswegs von Todessehnsucht und Lebensverachtung geprägt; sein entscheidendes Merkmal ist vielmehr die Liebe. Das christliche Martyrium ist nur echt, wenn es als höchster Akt der Liebe zu Gott und zu den Brüdern und Schwestern verwirklicht wird, wie das Zweite Vatikanische Konzil hervorgehoben hat: „Das Martyrium, das den Jünger dem Meister in der freien Annahme des Todes für das Heil der Welt ähnlich macht und im Vergiessen des Blutes gleichgestaltet, wertet die Kirche als hervorragendes Geschenk und als höchsten Erweis der Liebe.“ (Lumen Gentium)

Wie Jesus hat auch Pater Henkes in seinem Glauben darum gewusst, dass es Liebe nicht ohne Opfer geben kann. Von dieser Überzeugung ist seine Spiritualität als Priester geprägt gewesen. Bereits vor seiner Priesterweihe hat er die Worte niedergeschrieben: „Ich will in der Hauptsache Opferpriester werden, Kreuzträger für andere.“ Diese Überzeugung, die er kurz vor seiner Weihe zum Ausdruck gebracht hat, ist im Konzentrationslager Dachau harte Realität geworden. Denn auch an diesem menschenverachtenden Ort hat er seine Glaubensüberzeugung bewährt und seinen christlichen und priesterlichen Dienst an den an Typhus erkrankten Menschen ausgeübt. Sein Leben in Dachau, zunächst auf der Plantage, dann im Postdienst, anschliessend beim Desinfektionskommando und schliesslich beim Krankendienst im Block 17 ist ein glaubwürdiges Zeugnis seiner Lebenshingabe bis zum Tod, indem er vor allem ein Beispiel der Liebe bis zur Ganzhingabe seiner selbst für die Kranken ohne Hoffnung auf Überleben gegeben hat.

Das Martyrium von Pater Henkes ist freilich nicht zu verstehen ohne seine tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben. Im beschwerlichen Leben im Konzentrationslager Dachau hat er sich stets bestärken lassen im persönlichen Gebet und vor allem in der regelmäßigen Teilnahme an der Heiligen Messe. In der Eucharistie, in der wir die sakramentale Vergegenwärtigung des Liebesopfers Jesu am Kreuz feiern und Gott bitten, dass auch wir „eine Opfergabe in Christus“ werden, ist ihm die Glaubensverpflichtung bewusstgeworden, selbst eucharistische Hingabe für andere zu werden und sich als lebendige Hostie für die Menschen hinzugeben, die seine Liebe nötig haben.

Martyrium als Konsequenz gelebten Glaubens

Sein Zeugnis des Glaubens und seiner Lebenshingabe bis zum Tod wird erst voll verständlich auf dem Hintergrund seines ganzen Lebens. Pater Henkes hat mit seinen Augen des Glaubens sehr früh und klar wahrgenommen, dass die nationalsozialistische Ideologie mit dem christlichen Menschenbild schlicht nicht zu vereinbaren ist, weil sie keine menschlichen und christlichen Werte vertritt, sondern neuheidnische Ideen propagiert. Pater Henkes hat sensibel verspürt, was der Propagandaminister Goebbels in seinem Tagebuch hemmungslos notiert hat: „Der Führer ist tief religiös, aber ganz antichristlich. Er sehe im Christentum ein Verfallssymptom, eine Abzweigung der jüdischen Rasse, eine Absurdität, der er allmählich auf allen Gebieten das Wasser abgraben werde. Er hasst das Christentum, das den freien, hellen, antiken Tempel in einen düsteren Dom, mit einem schmerzverzerrten. Gekreuzigten Christus verwandelt habe.“ Angesichts dieser neuheidnischen Ideologie hat Pater Henkes geahnt, dass überall dort, wo Gott klein gemacht und aus der Öffentlichkeit verdrängt wird, auch der Mensch klein gemacht wird, wie wir dies im vergangenen Jahrhundert in den antichristlichen Diktaturen des Nationalsozialismus und des sowjetischen Kommunismus zur Genüge erfahren mussten. In seinem christlichen Glauben ist Pater Henkes überzeugt gewesen, dass nur dort, wo Gott durch uns Menschen gross gemacht wird, wie Maria dies im „Magnifikat“ exemplarisch vorgelebt hat, dass nur dort der Mensch gerade nicht kein gemacht wird, sondern an der Grösse der Liebe Gottes Anteil erhält.

Bei seinen verschiedenen Aufgaben als Lehrer und Seelsorger, als Exerzitienbegleiter und Wallfahrtsprediger in Vallendar-Schönstatt und in Oberschlesien ist Pater Henkes immer wieder in Konflikt mit den Repräsentanten des Nazi-Regimes geraten und wurde zweimal von der Gestapo verhört. Als er sich in Branitz in einer Predigt gegen das eugenische Programm der Nazis und konkret gegen den Abtransport von kranken Menschen aus den dortigen Heilanstalten gewandt hatte, wurde er von der Gestapo verhaftet, während sieben Wochen in Ratibor in Isolationshaft gehalten und zum Abtransport nach Dachau verurteilt. Im dortigen Konzentrationslager hat er die neuheidnische Ideologie der Nazis am eigenen Leib erfahren. Da seine Gefangennahme und seine Verurteilung zum Lager in Dachau von seinem Glaubenszeugnis und seinem priesterlichen Handeln motiviert gewesen ist, steht der Sachverhalt seines Martyriums aus Hass auf den Glauben („in odium fidei“) fest.

Seligsprechung als Christusverehrung

Die Fama seines Martyriums hat bereits beim Tod von Pater Henkes begonnen. Auf dem Weg der Bestechung des Krematoriumswärters durch priesterliche Mitbrüder konnte erreicht werden, dass der Leichnam von Pater Henkes einzeln verbrannt und seine Asche so geborgen werden konnte. Später wurde sie nach Limburg gebracht, wo sie im Friedhof der Pallottiner aufbewahrt ist. Wenn heute seine Reliquien im Gottesdienst erhoben worden sind, drücken wir damit unseren Glauben aus, dass Gott in seiner Liebe so treu zu uns Menschen steht, dass er sich zu unserem ganzen Menschsein und damit auch zu unserer Leiblichkeit bekennt.

Die heutige Feier der Seligsprechung ist gewiss ein Tag der Freude zunächst für die Gemeinschaft der Pallottiner und das Bistum Limburg, besonders für die Heimatpfarrei Ruppach im Westerwald, und für die Katholiken in Tschechien, wo Pater Henkes auch gewirkt hat. Es ist ein Tag der Freude für die ganze Kirche in Deutschland, indem die heutige Feier uns nahelegen will, dass die eigentlichen Reformer der Kirche die Seligen und Heiligen sind. Denn wir können in struktureller Hinsicht nur das Äusserste tun, wenn wir auch bereit sind, im Glauben das Innerste zu tun, wie Papst Franziskus in seinem Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ in Erinnerung gerufen hat. Und es ist ein Tag der Freude für die weltweite Kirche. Denn in Pater Richard Henkes steht ein authentischer Zeuge des Glaubens vor uns, der in seinem Gottvertrauen und in seiner Opferbereitschaft das christliche Menschenbild gegen die menschenverachtende Ideologie der Nazis verteidigt und sich für die Würde des Menschen mit jenem großem Mut eingesetzt hat, der ihm das Leben gekostet hat.

Pater Henkes ist ein Märtyrer der Nächstenliebe in tiefer Verbundenheit mit Christus. In seinem Geist begehen wir das heutige Fest nur, wenn wir seine Seligsprechung als Verehrung Jesu Christi begehen. Denn der christliche Märtyrer stirbt nicht einfach für eine Idee, und sei es auch die höchste Idee der Menschenwürde. Er wird vielmehr „mit Christus gekreuzigt“ und stirbt „mit jemandem, der schon vorweg für ihn gestorben ist“ (Hans-Urs von Balthasar). In dieser Verbindung zwischen dem Kreuzestod Jesu und dem Glaubenszeugnis des Martyriums leuchtet der tiefe Sinn auf, dass wir die Seligsprechung von Pater Richard Henkes am Kreuzfest feiern dürfen, über dem der Eröffnungsvers steht: „Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit.“ Amen.

(vatican news – sk)

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UND DAS ZUR BESCHÄMUNG DES PAPSTES FRANZISKUS, DER MATTEO SALVINI TROTZ ERSUCHEN UM EINE AUDIENZ AUSDRÜCKLICH NICHT EMPFANGEN WOLLTE SOLANGE ER SEINE POLITIK NICHT ÄNDERN WÜRDE. (Siehe diesen Artikel!)

Matteo Salvini am Mikrophon vor der Menge:

«Wir unterstellen uns den 6 Schutzpatronen dieses Europa: dem heiligen Benedikt von Nursia, der heiligen Birgitta von Schweden, der heiligen Katharina von Siena, den heiligen Kyrill und Method, der heiligen Teresia Benedicta vom Kreuz (Edit Stein), wir anempfehlen ihnen unser Schicksal, unsere Zukunft, den Frieden und den Wohlstand unserer Völker, und ich persönlich empfehle Italien und mein und Euer Leben dem Unbefleckten Herzen Mariens, weil ich sicher bin, dass SIE uns und Italien zum Siege führen wird, weil dieser Platz, dieses Italien, dieses Europa das Symbol ist der Mütter, der Väter, Männer und Frauen, die mit Lächeln, mit Mut, mit Entschlossenheit die Erfüllung ihrer Anliegen wollen, mit Respekt, aber auch bei einem Respekt der Gegenseite; und ich danke Euch, meine Freunde, Brüder und Schwestern, aus tiefem Herzen, weil wir im Begriffe sind, Geschichte zu schreiben. Zuerst haben sie uns ignoriert, dann haben sie uns ausgelacht, dann haben sie uns bekämpft, und am 26. Mai werden WIR siegen. Es lebe Italien, es lebe die Freiheit, es lebe das Europa der Völker, der Jugend und der Nationen; Danke!»


JOHANNES PAUL II.
ZU IMMERWÄHRENDEM GEDENKEN:

APOSTOLISCHES SCHREIBEN IN FORM EINES »MOTU PROPRIO«
ZUR ERKLÄRUNG DER HL. BIRGITTA VON SCHWEDEN,  DER HL. KATHARINA VON SIENA UND DER HL. TERESIA BENEDICTA A CRUCE  ZU MITPATRONINNEN EUROPAS


Und mehr noch:

NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN
ECCLESIA IN EUROPA
VON PAPST JOHANNES PAUL II.
AN DIE BISCHÖFE UND PRIESTER, AN DIE PERSONEN GOTTGEWEIHTEN LEBENS
UND AN ALLE GLÄUBIGEN
ZUM THEMA


»JESUS CHRISTUS,
DER IN SEINER KIRCHE LEBT –
QUELLE DER HOFFNUNG FÜR EUROPA«


Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau — 30. April

 

Wie ist doch Gott so wunderbar in seinen Heiligen! In besonders hellem Lichte sehen wir diese Wahrheit in dem Leben der heiligen Katharina von Siena. – Am 25. März 1347 erblickte sie das Licht der Welt als das fünfundzwanzigste Kind des Wollenfärbers Jakob Benincasa. Eben fünf Jahre alt, ward sie vom Himmel auserkoren, ein Gefäß kostbarer Gnaden zu werden; mit sieben Jahren legte sie in die Hände Mariens das Gelübde stetiger Jungfräulichkeit. Dass dieses Gelübde nicht eine fromme Anwandlung des Herzens gewesen, zeigte sich klar, als die Eltern im Laufe der Zeit mit dem Gedanken umgingen, die Zukunft ihrer Tochter durch eine passende Verheiratung sicherzustellen. Alles boten die Eltern auf, um sie von ihrem Vorsatz abzubringen, und als Bitten nichts vermochten, suchte man mit Gewalt zum Ziele zu gelangen: das Dienstmädchen wurde entlassen und ihr die Dienste einer Magd übertragen; ein hartes Leben begann für die unschuldige Seele, mit Gewalt sollte sie zerstreut werden, ihre Gedanken der Welt zugewandt werden. Ohne missmutig und ungeduldig zu werden, ertrug sie alle Bitterkeiten. Besiegt von der engelgleichen Ruhe ihres Kindes, gaben die Eltern sich endlich gefangen und gestatteten, dass Katharina das Bußkleid der Klosterfrauen vom dritten Orden des heiligen Dominikus annahm. Nun entfaltete sie ein wundersames Leben innigster Liebe zu Gott und dem Nächsten und der auffallendsten Abtötung; wenig Nahrung nahm sie zu sich; zuletzt lebte sie nur von der heiligen Kommunion, die bloße Erde war ihr Lager für ihren kurzen Schlaf, einen eisernen Bußgürtel trug sie unter ihrem Gewand, drei Jahre redete sie nur mit dem Beichtvater und ihrer Oberin. In der Schule mancher Leiden läuterte der Herr seine Braut immer mehr. Er ließ zu, dass der Teufel sie quälte mit den abscheulichsten Versuchungen; dabei fühlte sie sich ohne Hilfe und Trost. Einst klagte sie dem Heilande ihr Leid und fragte: «Aber, Herr, wo warst Du, als diese unreinen Versuchungen mich quälten?» «Ich war in deinem Herzen», antwortete Jesus. «Aber wie konntest Du in meinem Herzen sein», erwiderte Katharina, «da es doch voll des abscheulichen Schmutzes war?» Da gab der Heiland ihr zur Antwort: «Die Versuchungen haben dich nicht verunreinigt, weil du sie verabscheutest, ich freute mich über diese Kämpfe und über deinen Widerstand, wäre ich nicht in deinem Herzen gewesen, dann würden diese Gedanken dir geschadet haben.» Im Jahre 1374 brach die Pest aus, und da bot sich der Heiligen Gelegenheit, als ein Engel des Trostes reichsten Segen überall, zumal in den Hütten der Armen, zu verbreiten. Einst pflegte sie eine arme Frau, welche vom Krebs schrecklich ergriffen war; die Pflege wurde noch sehr erschwert durch das rohe Benehmen der Kranken; dieselbe ging sogar so weit, dass sie die niedrigsten Verdächtigungen gegen Katharina aussprach. Sie aber blieb ruhig, verteidigte sich nicht, sondern überließ alles ihrem himmlischen Bräutigam; vor wie nach besuchte und pflegte sie jene Verleumderin. Diese ward nun endlich durch die Sanftmut und Liebe der Heiligen derart ergriffen, dass sie öffentlich ihre Verleumdungen widerrief. Bald darauf erschien ihr der Heiland und hielt ihr zwei Kronen vor, die eine von köstlichem Golde, die andere von spitzigen Dornen, und sagte: «Wähle, welche du haben und tragen willst!» Da antwortete sie: «Gib her, o Herr, die Dornenkrone, damit ich Dir ähnlicher werde! Von da ab fühlte sie stets einen stechenden Schmerz in ihrem Kopfe.

Mehr jedoch, als die leibliche Not ihrer Mitmenschen, ging der Heiligen das Seelenheil anderer zu Herzen. Durch ihren Zuspruch schlichtete sie langjährige Feindschaften; Sünder wusste sie zur Reue zu bringen; verstockte Verbrecher, die schon auf dem Wege zur Richtstätte sich befanden, wandelte sie um zu reuigsten Büßern. Nach Gottes Anordnung sollte sie gar eingreifen in die Geschicke der Kirche. Ihr unsterbliches Verdienst ist, dass sie den Papst Gregor XI. zur Rückkehr von Avignon nach Rom veranlasste.

In der meist täglichen Kommunion fand sie die Kraft zu ihrem tatenreichen Leben. Die Wundmale, welche der Herr ihr gegeben, blieben während ihres Lebens auf ihr inständiges Gebet hin unsichtbar, erst nach ihrem Tode traten sie sichtbar hervor.

Nach achtwöchentlichem Leiden eilte sie hinüber zu ihrem himmlischen Bräutigam am 29. April 1280, eine der wunderbarsten Erscheinungen der Weltgeschichte. In der heiligen Kirche lebte sie fort durch die Macht ihres Tugendbeispieles, durch die Kraft ihrer Fürbitte und den Segen ihrer Schriften.

Die Quelle des Opfermutes. Das Leben der heiligen Katharina war vollständig dem Wohl und Wehe der Mitmenschen geweiht. Sie schöpfte diesen Opfersinn aus der häufigen Vereinigung mit der Quelle aller Stärke, aus der heiligen Kommunion. Dies finden wir tausendfach bestätigt in dem Leben der heiligen Kirche.

Wenn ich recht würdig die heilige Kommunion empfange, muss ich mir sagen: «Jetzt besitze ich meinen Gott selbst mit allem, was er ist und was er hat; wie soll ich entgelten diese Liebe? Er selbst bedarf meiner und meiner Geschenke nicht; allein, was ich dem Geringsten seiner Brüder tue, sieht er an, als tue ich es ihm.» Also weiß ich, wie ich ihm meine Dankbarkeit bekunden kann; in den Unglücklichen dieser Erde, den Armen und Kranken habe ich meinen Heiland; ja, selbst in den Sündern sehe ich sein Bild, wenn auch unter dem Wust der Sünden entstellt. Diese also will ich lieben, für sie arbeiten, für sie mich abmühen und sollte es nötig sein, will ich für sie mein Leben hingeben. Dies allein erklärt den Opfermut unserer Priester, unserer Missionäre, unserer Ordensleute. Untersage ihnen die heilige Kommunion, und du unterbindest die Lebensader, zerstörst das Fundament auf welche alle selbstlose, hingebende Liebe beruht.

Gebet. Lass, o Herr, etwas von der Glut Deiner Liebe in der heiligen Kommunion überströmen in mein Herz, damit ich, von Deiner Liebe erfüllt wie die heilige Katharina, Deine heilige Braut, in jedem Armen, in jedem Kranken, in jedem Mitmenschen Dich sehe, Dich liebe, Dir diene. Amen.

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Quelle:

Leben der Heiligen – nebst praktischen Lehren für das katholische Volk – mit besonderer Berücksichtigung der deutschen und neueren Heiligen“ von Herm. Jos. Kamp, Dechant. Dritte Auflage. Mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit. Verlag der A. Laumann’schen Buchhandlung, Dülmen i.W., Verleger des heiligen Apostolischen Stuhles. 737 Seiten.

(Zuletzt Eigentum von Ingeborg Anna Studer-Schärer, † 14.7.2017 auf St. Pelagiberg)

Papst Franziskus: Die Vaterschaft des heiligen Josef

Bartolomé Esteban Murillo: Heilige Trinität mit Maria (links) und Joseph, 1675 – 1682 in der National Gallery in London

PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS „DOMUS SANCTAE MARTHAE“

Die Vaterschaft des heiligen Josef

Montag, 18. Dezember 2017

 

(aus: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 3, 19. Januar 2018)

 

An den heiligen Josef – »den Schatten des Vaters«, der Gott geglaubt und ihm gehorcht hat, »ohne ein Wort zu sagen« und ohne sich vom »Klatsch« entmutigen zu lassen, und »sich der Vaterschaft und des Geheimnisses annahm« – soll man sich wenden, so der Rat von Papst Franziskus, wenn »wir vieles nicht verstehen, viele Probleme, viele Ängste haben und vieles für uns dunkel ist«. Und er schlug dieses Gebet vor: Josef, »hilf du uns, der du weißt, was es heißt, im Finstern zu gehen; du, der du weißt, wie man die Stimme Gottes hört; du, der du weißt, wie man in Stille vorangeht«.

Das große Zeugnis Josefs in all seiner Kraft und Aktualität stellte der Papst am 18. Dezember den Gläubigen in Santa Marta vor Augen. Franziskus wiederholte den Anfang des Abschnitts aus dem Evangelium vom Tag nach Matthäus (1,18-24) – »Mit der Geburt Jesu Christi war es so« – und ging davon für seine Betrachtungen aus. »Als Maria aus Ain-Karim vom Haus Elisabets zurückkehrte, begannen die Zeichen der Mutterschaft sichtbar zu werden«, rief er in Erinnerung. Und »Josef merkte es, und er verstand nicht: Denken wir an diesen Mann mit seinen Zweifeln, seinem Schmerz. Er suchte nach Erklärungen. Doch da er Maria so sehr liebte und wusste, dass sie eine Frau Gottes war, fand er keinen Ausweg aus seinen Gedanken.« Eine Haltung, die gewiss »ganz anders war, als das, was die Klatschbasen des Dorfes auf dem Markt machten«, die vielleicht kommentierten: »Da schaut euch die da an, in welchem Zustand sie zurückgekehrt ist!«

Gerade auf den »Schmerz Josefs« konzentrierte der Papst seine Aufmerksamkeit. »In diesem Schmerz, diesem Zweifel, diesen Leiden«, so der Papst, »will Josef Maria jedoch nicht wegschicken, und er beschließt, sie in aller Stille zu entlassen«. Kurz, er entscheide sich dafür, »sie nicht öffentlich anzuklagen, da er wusste. Er kannte sie: ›Dieses Mädchen, ich kenne sie, ich liebe sie, sie ist rein. Ich verstehe das nicht.‹« Doch gerade »mitten in seinem Zweifel, mitten in seinem Schmerz griff der Herr in einem Traum ein«, fuhr Franziskus fort, der hervorhob, dass »ihm in jenem Traum erklärt wird, was geschehen ist. Und Josef gehorchte: er glaubte und gehorchte.« Die Worte des Engels des Herrn, wie sie Matthäus in seinem Evangelium wiedergibt, sind eindeutig: »Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.«

Während Josef diese starke Erfahrung durchmachte, so der Papst, »wurde auf dem Markt geklatscht: jener Klatsch, der dann weitergegangen ist, weiter und weiter bis hin zu jener Gotteslästerung, für mich die hässlichste, die stärkste gegen den Herrn, aus dem Mund der Pharisäer, die Johannes im 6. Kapitel wiedergibt«.

»Josef dagegen kämpfte in seinem Inneren«, erklärte Franziskus. Und »in diesem Kampf« sei da »die Stimme Gottes, die ihm sagt: ›Steh auf!‹« Die Aufforderung »›Steh auf‹ kehrt viele Male in der Bibel zu Beginn einer Sendung wieder«. So sage die Stimme Gottes zu Josef: »Steh auf, nimm Maria, bring sie zu dir nach Hause. Nimm dich dieser Situation an, nimm diese Situation in die Hand und geh weiter.«

»Josef«, so der Papst, »ist nicht zu Freunden gegangen, um Trost zu suchen, er ist nicht zum Psychiater gegangen, damit ihm dieser den Traum interpretiere: nein, er glaubte.« Und «er ist weitergegangen, er hat die Situation in die Hand genommen«. Josef also »musste sich zweier Dinge annehmen, der Vaterschaft und des Geheimnisses«.

Vor allem, so erklärte der Papst, »musste Josef die Vaterschaft annehmen«. »Dieser Abschnitt aus dem Evangelium kommt sofort nach der Genealogie Jesu, mit der das Matthäusevangelium  beginnt: sie beginnt mit dem Vater Abraham und endet beim Vater Josef.« Und »es gibt einen Satz in der Genealogie, den Lukas schreibt: ›Jesus war, als er zum ersten Mal öffentlich auftrat, etwa dreißig Jahre alt. Er galt als Sohn Josefs.‹« Lukas sage also »nicht: er war der Sohn Josefs‹«; sondern er schreibe praktisch, dass alle gedacht hätten, »er sei der Sohn Josefs«. Das bedeute, dass Josef »die Vaterschaft übernahm, die nicht seine war: sie kam vom Vater«. Und »er hat die Vaterschaft mit dem übernommen, was das bedeutet: nicht nur Maria und dem Kind beizustehen, sondern das Kind auch aufwachsen zu lassen, es einen Beruf zu lehren, es zur Reife des Mannes zu führen«. Josef also »hat die Vaterschaft – die nicht die seine ist, sie kommt Gott zu – übernommen, ohne ein Wort zu verlieren: Im Evangelium gibt es kein Wort, das Josef gesagt hat, der Mann der Stille, des stillen Gehorsams.«

Das Zweite, dessen sich Josef angenommen habe, sei »das Geheimnis: er nimmt die Vaterschaft und das Geheimnis in die Hand«. Es ist dies »das Geheimnis, von dem wir in der ersten Lesung aus dem Buch Jeremia (23,5-8) gehört haben«. »Das große Geheimnis, das dort seinen Anfang nimmt, besteht darin, das Volk zu Gott zurückzuführen«, erklärte Franziskus. In Wirklichkeit »war es nicht das Geheimnis des Auszugs aus der Knechtschaft Ägyptens: das war ein Zurückführen, sondern es ist das Geheimnis der Neu-Schöpfung, die, wie die Liturgie sagt, wunderbarer ist als die Schöpfung«. Und »Josef nimmt dieses Geheimnis in die Hand und hilft durch sein Schweigen, durch seine Arbeit bis zu dem Moment, da Gott ihn zu sich ruft«.

»Von diesem Mann, der sich der Vaterschaft und des Geheimnisses angenommen hat«, so rief der Papst in Erinnerung, »wird gesagt, dass er der Schatten des Vaters war, der Schatten Gottes, des Vaters.« Und »wenn Jesus als Mensch gelernt hat, zu seinem Vater, den er als Gott kannte, ›Papa‹, ›Vater‹, zu sagen, dann hat er das vom Leben gelernt, vom Zeugnis Josefs: von dem Mann, der behütet, von dem Mann, der ihn aufzieht, von dem Mann, der jede Vaterschaft und jedes Geheimnis voranbringt, doch nichts für sich selbst nimmt, gar nichts«.

Josef »ist dort, er schweigt«, unterstrich Franziskus erneut. »Das«, so fügte er hinzu, »ist der große Josef, den Gott braucht, um das Geheimnis der Rück-Führung des Volkes hin zur neuen Schöpfung voranzubringen«. Gerade sein »Beispiel «, so der Papst abschließend, »möge uns viele Dinge lehren, die wir in unseren Reflexionen aufgreifen können. Vor allem aber schenke es uns den Mut, uns an ihn zu werden, wenn wir vieles nicht begreifen, wenn wir viele Probleme haben, viele Ängste, viele dunkle Augenblicke, und ihm einfach zu sagen: ›Hilf du uns, der du weißt, was es heißt, im Finstern zu gehen, du, der du weißt, wie man die Stimme Gottes hört, du, der du weißt, wie man schweigend weitergeht.‹«

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Quelle