Während 50 Jahren lebte sie (Marthe Robin) nur von der hl. Kommunion

Marthe Robin (1902-1981) ist eine der größten stigmatisierten Mystikerinnen des 20. Jahrhunderts. Jeden Freitag durchlebte sie das Leiden und den Tod Christi – auf ihrem Körper erschienen dann die blutenden Wunden des Erlösers. Was die Wissenschaft und öffentliche Meinung jedoch am meisten verblüffte, war die Tatsache, dass die einzige Nahrung, die Marthe Robin 50 Jahre lang zu sich nahm, der eucharistische Jesus war.

Die Kindheit

Marthe Robin kam am 13. März 1902 in Frankreich zur Welt, und zwar in Châteauneuf-de-Galaure, Département Drône. Die Taufe empfing sie in der Pfarrkirche Saint-Bonnet. Sie hatte 5 ältere Geschwister, vier Schwestern und einen Bruder. Die Eltern hatten einen Bauernhof. Marthe’s Vater war ein arbeitsamer und solider Landwirt. Die Mutter war eine fromme und fröhliche Frau.

Im Jahre 1903 wurde die ganze Region vom Typhus heimgesucht, worauf hin sehr viele Menschen starben. Auch die kleine Marthe erkrankte. Sie erholte sich zwar, aber ihre Gesundheit wurde ernsthaft angegriffen. Aus gesundheiltichen Gründen konnte sie oft nicht zur Schule gehen, sodass der Pfarrer sie zu Hause auf die Erstkommunion vorbereiten mußte. Am 15. August des Jahres 1912 fand für Marthe ein großes Ereignis statt. An diesem Tag empfing sie Christus zum ersten Mal in der Heiligen Kommunion. Nach Jahren bekannte sie: „Ich glaube, dass der Herr mich im Augenblick meiner Erstkommunion in Besitz nahm. Das Herz Jesu fing an, in meinem Herzen zu schlagen.”

Marthe hatte ein sehr gutes Gedächtnis, sie konnnte sich Dinge sehr schnell merken und das Lernen fiel ihr sehr leicht. Leider mußte sie im Alter von 14 Jahren ihre Schullaufbahn beenden, weil sie den Eltern auf dem Hof aushelfen mußte. Sie war ein heiteres und fröhliches Kind; sie liebte Blumen, arbeitete sehr gern in der Küche und im Garten; sie mochte auch die Volkslieder und Tänze bei abendlichen Zusammenkünften unter Nachbarn.

Die fortschreitende Lähmung

Im Mai 1918 begann die 16 jährige Marthe, unter schlimmen Kopfschmerzen zu leiden. Am 25. November desselben Jahres fiel sie in Anwesenheit ihrer Mutter in der Küche plötzlich um. Von diesem Augenblick an lag sie 20 Monate lang im Koma. Die Ärzte waren ratlos, denn sie konnten keine Krankheit diagnostizieren. Die Eltern befürchteten, Marthe würde in Kürze sterben. Keiner war sich dessen bewußt, dass es sich dabei um ein „mystisches Koma” handelte, währenddessen Jesus Marthe geistig darauf vorbereitete, Botschafterin Seiner Liebe und unendlichen Barmherzigkeit zu werden. Zum Erstaunen und zur Freude aller wachte das Mädchen eines Tages auf und führte das Gespräch genau an dem Punkt weiter, an dem es vor 20 Monaten unterbrochen worden war, als Marthe in den mystischen Schlaf sank. Von da an konnte Marthe sich nur noch mit Krücken vorwärtsbewegen. Mit der Zeit schritt die Krankheit weiter fort. Marthe war innerlich davon überzeugt, dass die wichtigste Mission ihres Lebens darin bestand, für andere zu leiden. Sie lernte von Maria, Jesus vollkommen zu glauben und zu vetrauen. Sie hatte nur einen Wunsch: bis zum Ende den Willen Gottes zu erfüllen.

Am 15. Oktober 1925, dem Gedächtnistag der hl. Therese von Avila, schrieb Marthe einen Akt des Vertrauens und der vollkommenen Hingabe ihres Lebens an Gott. Es war ein privater Akt der Konsekration, der Vermählung mit Christus, der Übergabe ihrer selbst  als „Liebesopfer” und zugleich ein bewegender Liebesbrief an Gott. Hier einige Fragmente daraus: „Herr, mein Gott! Du hast Deine kleine Dienerin um alles gebeten… Oh Geliebter meiner Seele! Ich sehne mich nur nach Dir und für Deine Liebe entsage ich allem… Gott der Liebe! Nimm mein Gedächtnis und alle meine Erinnerungen. Nimm meinen Verstand und bewirke, dass er nur zu Deiner größeren Ehre dient… Nimm meinen ganzen Willen… Nimm meinen Leib und alle meine Sinne, mein Gehirn und alle seine Fähigkeiten, mein Herz und alle seine Gefühle… Oh Gott meiner Seele! Oh göttliche Sonne! Ich liebe Dich… Verbirg mich in Deinem Innern… Nimm mich mit Dir mit. Ich will nur in Dir leben.” Viele Mystiker berichteten, dass sie als Zeichen ihrer Vermählung mit Christus einen goldenen „mystischen Ring” von Ihm erhielten. Marthe bekannte, dass sie diesen Ring 12 Mal auf ihrem Finger gesehen hat.

Nach diesem Akt der vollkommenen Hingabe an Jesus geschahen seltsame Dinge mit Marthe. Am 3. Oktober 1926, dem Tag zur Ehren der hl. Therese von Lisieux, fiel die 24 jährige Marthe in einen mystischen Schlafzustand, der 3 Wochen dauerte. Nach dem Erwachen gestand sie ihren Eltern, dass sie in dieser Zeit großes Leid erfahren hat, das paradoxerweise gleichzeitig eine Erfahrung der Liebe Gottes war. Sie gestand: „Wenn wir leiden, dann ist dies eine Schule der Liebe, damit wir stärker lieben.” In dieser Zeit besuchte sie die hl. Therese von Lisieux drei Mal, um ihr mitzuteilen, sie solle sich der Mission annehmen, auf der ganzen Welt „Brennpunkte der Liebe” zu entfachen.

Die Lähmung der Beine schritt bei Marthe indes so weit voran, dass sie sich nicht mehr aus eigenen Kräfte zu bewegen vermochte. Ab dem 2. Februar 1929 breitete sich die Krankheit auch auf ihr Hände, ihre Schultern und die Muskeln der Speiseröhre aus. Von diesem Moment an konnte sie nicht mehr schlucken und war deshalb nicht mehr in der Lage, etwas zu essen oder zu trinken. Man mußte sie ins Bett legen, welches sie bis zum Augenblick ihres Todes am 6. Februar 1981 nicht mehr verließ.

Das Wunder der Eucharistie

Marthe wurde von Dr. Jean Dechaume betreut, der Professor an der medizinischen Fakultät in Lyon war, sowie von Dr. André Ricard. In ihrem Bericht über den Gesundheitszustand von Marthe Robin schrieben die beiden Ärzte, dass am 2. Februar des Jahres 1929 gegen Mittag die Beine und Füße der Kranken bewegungsunfähig wurden und versteiften. Die Lähmung befiel ebenfalls die Muskeln der Speiseröhre, deshalb konnte Marthe keine Nahrungsmittel und Getränke zu sich nehmen, zudem schlief sie auch nicht mehr. Die Tatsache, dass Marthe lebte, obwohl sie überhaupt nicht aß, blieb für die Wissenschaft ein Rätsel. Die Wissenschaftler stellten überdies fest, dass weder emotionale, noch psychische oder rationale Zustände, Ursache für diese vollkommenen Bewegungsunfähigkeit bei der jungen Frau waren. Man konnte auch einen Nervenanfall, einen Gehirntumor und Epilepsie ausschließen. Die Ursache von Marthes Krankheit blieb für die Medizin ein großes Geheimnis.

Paul Ludwig Couchoud, ein atheistischer Philosoph und Arzt aus Wien, der aufgrund der Informationen über Marthe Robin neugierig geworden war, fuhr zu ihr hin, um selber beurteilen zu können, ob all das, was man über ihr mystisches Leben, ihre Stigmata und die Eucharistie als ihre einzige Nahrung erzählte, der Wahrheit entsprach. Nach vielen Schwierigkeit gelang es ihm, dank der Intervention des Bischofs selber, sich mit Marthe zu treffen. Rasch entwickelte sich zwischen den beiden eine geistige Freundschaft und der Gelehrte wurde zum häufigen Gast im Hause Robin. Dr. Couchoud stellte fest, dass Marthe Robin eine Lähmung am ganzen Körper erfahren hatte, die so stark die Muskeln der Speiseröhre blockierte, dass sie nicht einmal in der Lage war, einen Tropfen Wasser zu schlucken. In seinem medizinischen Bericht schrieb der Arzt, dass das, was ihn am meisten erstaunt hatte, die Art und Weise war, wie Marthe die Heilige Kommunion empfing. Sie schluckte die Hostie nicht, denn durch die Muskelblockade war dies nicht möglich. Die Hostie drang auf geheimnisvolle Art und Weise in ihr Inneres.

Marthe interessierte sich nicht besonders für das andauernde Hungern, welches ihr, wie sie sagte, Jesus auferlegt hatte. Sie trank und aß nichts, weil es ihr physisch nicht möglich war, da ihr Körper vollkommen gelähmt war. 50 Jahre lang kam sie ohne irdisches Essen aus, doch sie konnte nicht ohne die Eucharistie leben.

Die Eucharistie war für Marthe das wichtigste Ereignis und die einzige Nahrung, die sie am Leben erhielt. Sie empfing die Heilige Kommunion nur einmal in der Woche, am Dienstag, und in den letzten Wochen ihres irdischen Lebens am Mittwochabend. An dem Tag, an dem sie Jesus in der Kommunion empfangen sollte, betete sie vom frühen Morgen an und wiederholte ihren Akt der Liebeshingabe an Christus vom 15. Oktober des Jahres 1925. An diesem Tag empfing sie auch das Beichtsakrament. Nach dem Kommunionempfang stieß sie einen leisen Schrei des Entzückens und der Freude aus und fiel in eine Extase, die in der vollkommenen Vereinigung mit Gott bestand. In diesem Zustand strahlte Marthes Gesicht überidisches Glück und überirdische Schönheit aus. So drückte sie es im Gebet aus: „Ich bin so glücklich, oh mein Geliebter, weil ich fühle, dass mein Herz in Deinem schlägt, weil ich Dich in meinem Herzen fühle, Dich den Lebendigen und Allmächtigen. Der Herr in mir – was für ein Mysterium! Ich fühle mich wie im Paradies. Eines Tages werde ich sterben Dich fühlend, oh mein Jesus, wie Du in meinem Herzen schlägst. Oh mein Jesus, bewirke, dass man eines Tages sagt, dass Deine Liebe mich verzehrt hat, nicht aufgrund meiner eigenen Anstrengungen, sondern aufgrund Deiner Gnade… Oh mein Gott, wenn Du mir schon jetzt solch einen Frieden schenkst, mich auf dieser Erde so glücklich machst, was wird dann im Himmel sein?”

Mystiker, die sich in Extase befinden, haben einen unmittelbaren Kontakt mit Gott und verlieren die Bindung an die Welt. Marthe erklärte, dass man nicht sagen könne, dass während ihrer mystischen Zustände ihre Seele sich vom Körper lösen würde; sie werde vielmehr auf eine seltsame Art und Weise erhoben: „Gott erscheint zunächst in Bangigkeit. Es ist etwas so Neues, dass man es nicht ausdrücken kann! Dann erfahre ich Frieden, es ist ein zeitenthobener Zustand. Ich weiß nicht, wann genau es geschieht. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll… Es geschieht außerhalb von mir und zugleich in mir. Ich bin erhoben. Ich wehre mich umsonst, ich bin in Liebe erhoben. Es besteht jedoch keine Notwendigkeit darin.”

Die Extase endete erst am Tag nach dem Kommunionempfang und Marthe kehrte ins normale Leben zurück. Am wichtigsten waren für die Mystikerin das Glaubensleben, ihre persönliche Liebesbeziehung zu Jesus, und nicht die übernatürlichen Zustände und Erlebnisse. So wie der hl. Johannes vom Kreuz war sie der Meinung, dass wir nicht nach übernatürlichen geistigen Erlebnissen streben sollten, denn die geistige Wüste, die dunkle Nacht des Glaubens sind die wertvollsten Geschenke, die es uns ermöglichen, zusammen mit Jesus den Kreuzweg zu gehen und für die Liebe im Himmel zu reifen. Wir werden diesen Weg aber nur dann gehen können, wenn unsere wichtigste geistige Nahrung Jesus in der Eucharistie ist.

„Wenn ich die Heilige Kommunion empfange,” sagte Marthe Robin, „dann geschieht dies so, als ob eine lebendige Person in mich dringen würde… Sie benetzen mir die Lippen, aber ich kann nichts herunterschlucken. Die Hostie dringt in mich, aber ich selber weiß nicht, wie es geschieht. Die Eucharistie ist keine gewöhnliche Nahrung. Jedes Mal ergießt sich neues Leben in mich. Jesus ist in meinem ganzen Körper, als ob ich auferstehen würde. Die Heilige Kommunion ist viel mehr als nur eine Vereinigung: sie ist die Verschmelzung in Eins…Ich möchte es all denjenigen, die mich immer wieder fragen, ob ich tatsächlich nichts esse und nichts trinke, herausschreien, dass ich mehr als sie esse, denn ich ernähre mich mit der Eucharistie des Leibes und Blutes Jesu. Ich möchte ihnen sagen, dass sie selber die Effekte dieser Nahrung bei sich blockieren.”

Das, was alle am meisten erstaunt, insbesondere aber die Wissenschaftler, ist die Tatsache, dass Marthe vom Augenblick der vollständigen Lähmung ihres Körpers im Jahre 1929 an bis zu ihrem Tod im Februar des Jahres 1981, also mehr als 50 Jahre lang, nichts gegessen, nichts getrunken und überhaupt nicht geschlafen hat,  ihr Körper jedoch vollkommen normal fonktionierte. Ihre einzige Nahrung war die Heilige Kommunion. Christus wollte durch dieses wunderbare Zeichen, nämlich das fortwährende eucharistische Wunder, allen Menschen aufzeigen, welch ungeheure Macht die Heilige Kommunion besitzt, wenn man sie mit tiefem Glauben empfängt.

Durch das Beispiel der Marthe Robin erinnert uns Jesus daran, dass wir das wahre Leben nur dann empfangen, wenn wir Seinen Leib und Sein Blut in der Eucharistie zu uns nehmen. Durch dieses aufsehenerregende Wunder möchte uns Jesus zu einem inbrünstigen Glauben an die Eucharistie führen und uns klar machen, dass die Heilige Kommunion nichts anderes als Er selber in Seiner auferstandenen und verklärten Menschheit ist. Er gibt sich selber ganz hin, um mit uns die Fülle des Glaubens zu teilen: „(…) Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.” (Johannes 6, 53-54)

Sie litt mit Christus

Marthe hatte verstanden, dass wenn sie sich mit Christus in Liebe vereint, sie auch an Seinem Leiden zur Erlösung der Welt teilnehmen und einen geistigen Kampf mit den Mächten des Bösen führen muß. Im Oktober 1927 wurde sie erstmals durch einen Dämon angegriffen, der sich ihr in der Gestalt eines furchteinflößenden Tieres zeigte. Später kamen die bösen Geister in menschlichen Gestalten zu ihr, schüttelten sie, warfen sie im Bett herum und ohrfeigten sie.

Im Jahre 1930 erhielt Marthe von Jesus die Stigmata. Während des Gebetes sah sie etwas, was sich nur sehr schwer beschreiben ließ, eine Art „Feuerpfeil”, der wie eine „Lichtklinge” aus dem Herzen Jesu hervorging. Die Mystikerin erzählte über das geheimnisvolle Ereignis folgendes: „Jesus bat mich zunächst, ich möge Ihm meine Hände übergeben. Es kam mir so vor, als ob eine Pfeilspitze aus Seinem Herzen hervorkam, sich in zwei Strahlen teilte, von denen jeder eine meiner Hände durchbohrte. Zur selben Zeit wurden meine Hände aber auch von Innen durchbohrt. Dann ermunterte mich Jesus dazu, Ihm auch meine Füße zu übergeben, was ich sofort tat. Da sah ich eine Pfeilspitze, die sich ebenfalls in zwei Teile spaltete und meine Füße durchbohrte. All dies geschah sehr schnell. Daraufhin bat Jesus mich, Ihm meine Brust und mein Herz zu geben… Ihre Durchbohrung war noch intensiver… Jesus schenkte mir noch die Dornenkrone. Er setze sie auf meinen Kopf und drückte sie stark auf.”

Von diesem Ereignis an trug Marthe an ihrem Körper die Wunden des gekreuzigten Jesus. Und noch mehr: vor den Augen der Eltern bluteten diese Wunden reichlich. Woher kam so eine Menge Blut, da Marthe doch gar keine Nahrung zu sich nahm und jeder Flüssigkeitsverlust zu sofortigem Tod führen müßte? Die Ärzte waren ratlos, sie konnten all diese geheimnisvollen Vorgänge weder verstehen noch erklären.

Am 30. Dezember 1930 diktierte Marthe einen Brief mit folgendem Inhalt: „In diesem Jahr kam es zu einer intimen Vereinigung meiner Seele mit Gott. Ich habe eine geheimnisvolle und tiefgründige Wandlung erfahren. Trotz meiner Behinderung ist mein Glück tiefgehend und beständig, weil es göttlich ist. Was für eine Arbeit! Welch ein Aufstieg! Was für eine Agonie meines Willens war nötig, damit ich mir selber sterben konnte.”

Die behandelnden Ärzte schrieben in ihrem Bericht vom Oktober 1931, dass die Patientin anfing, jeden Freitag das Leiden Christi mitzuerleben: es erschienen auf ihrem Kopf, auf ihren Händen, Füßen und an der Seite die Wunden Christi, die reichlich bluteten.

Jeden Freitag erfuhr Marthe an ihrem Körper das Leiden und den Tod Jesu. Es war ein erschreckenden physisches und geistiges Leiden, hervorgerufen durch vollständiges Verlassensein und das Fehlen der Anwesenheit des Vaters, welches Jesus mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?” (Matthäus 27, 46) ausdrückte. Dies war die letzte Konsequenz der Sünden aller Menschen, die Jesus freiwillig auf sich nahm, um sie zu tilgen und alle Menschen aus der Sklaverei des Satans zu erlösen. Marthe erlebte das Leiden zur Erlösung der Sünder zusammen mit Jesus. Ihr Mitleiden mit Christus erreichte seinen Höhepunkt in der Erfahrung des „Todes” am Kreuz, der jeden Freitag um 15°° Uhr erfolgte. Nach dem „Tod” erfuhr Marthe das Gericht, welches alle Menschen über sich werden ergehen lassen müssen. Nachdem das Gericht beendet war, durchlebte sie den Zustand der Trennung der Seele vom Körper und das Wartens auf die Auferstehung. Am Sonntagmorgen kehrte die Mystikerin auf  Weisung des Priesters wieder ins normale Leben zurück.

Durch ihre Vereinigung mit Jesus im Geheimnis des Leidens und des Kreuzestodes für die Erlösung der Welt wurde Marthe zum wahren Genie des geistlichen Lebens. Sie war ein Genie, was Lebensweisheit, das endgültige Ziel des menschlichen Lebens und die Wege, die dahin führen, anbetrifft. Diese französische Mystikerin war sich des großen Dramas beim Kampf des Guten mit dem Bösen im Herzen der Menschen bewußt. Sie wußte, dass die größte Tragödie des Menschen in der Sünde besteht sowie in einem Leben, geführt, als ob es Gott nicht gäbe. Es war für sie ganz klar, dass man zum Sklaven des Satans wird, wenn man in der Sünde lebt, und so auf die ewige Verdammnis zusteuert. Das geistige Genie Marthes beruhte darauf, dass sie am immerwährenden Akt der Erlösung, die Christus durch Sein Leiden, Seinen Tod und Seine Auferstehung vollbrachte, teilnahm. Um die Sünder vor dem ewigen Verderben zu bewahren und sie von dem Weg zur Hölle abzubringen, vereinte sich die Kranke mit Christus in Seinem Kreuzesopfer zur Erlösung der Welt. Sie opferte ihre Leiden und Gebete für andere Menschen auf, nahm ihre Leiden auf sich, um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erlangen. Ihr Schmerz war besonders dann sehr stark, wenn sie die Anwesenheit Gottes nicht mehr spürte. Dieses Fehlen der Nähe Jesu war für sie die „Hölle”, sie erfuhr, welch großes Leiden die Sünde in Wahrheit ist. Marthe war mit Christus vereint, der für unsere Erlösung zur Sünde geworden ist, „damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.” (2 Korinther 5,21) Am Sonntagmorgen nahm die Mystikerin an der Freude über die Auferstehung Christi teil, am endgültigen Sieg über den Satan, die Sünde und den Tod. Das bedeutet, dass Marthe das ganze Drama unserer Erlösung, welches sich während jeder Heiligen Messe vergegenwärtigt, miterlebte. Auf diese Art und Weise möchte uns Jesus durch Marthe sagen: „Jedes Christenleben ist eine Heilige Messe und jede Seele auf dieser Welt ist eine Hostie. Nimm dich ganz, ohne Einschränkungen, und opfere dich zusammen mit Jesus, dem göttlichen Opferlamm, welches unaufhörlich für die Erlösung der Welt hingegeben wird, Gott auf.”

Sie führte alle zu Christus

Die Nachricht über die seltsame Krankheit Marthes und  ihre Stigmata verbreitete sich über die ganze Gegend. Immer mehr Menschen kamen, um diese ungewöhnliche Frau zu besuchen und sie um Rat und Gebet zu bitten. Insgesamt waren es mehrere tausend Menschen, die Marthe in ihrer Wohnung aufsuchten. Es waren Menschen, die hohe Ämter sowohl in der Kirche als auch im Staat inne hatten: Kardinäle, Bischöfe, Priester, Minister, Professoren, reiche Arbeitgeber, aber auch arme Arbeiter, Bauern, Menschen mit verschiedenen Süchten oder Selbstmordgedanken. Die Kranke erteilte den Hilfesuchenden sehr treffende Ratschläge, Antworten und Warnungen. Es gab für sie keine Frage ohne eine Antwort, kein Problem ohne Lösung, keine Situation ohne Ausweg. Den Verzweifelten und Leidenden, die sie aufsuchten, um Hilfe und Rat zu erbitten, sagte sie, dass sie die Last ihrer Probleme auf sich nehmen würde. Dergestalt konnte sie die Schuld dieser Menschen bei Gott abtragen. So nahm sie beispielsweise nach den Geständnissen einer Prostituierten ihr durch das sündiges Leben verursachte Leiden auf sich.

Sie führte alle zu Christus, der alle Wunden heilt, alle Schmerzen lindert und die schwierigsten Probleme löst. Manchmal änderte ein einziges Wort aus Marthes Mund das Leben der  Menschen. Sie empfing die Sünder mit dem größten Mitgefühl und liebte sie mit der Liebe Christi. Weil sie der Teufel mit den verschiedensten Versuchungen attackierte, kannte sie die Schwere der Schuld besser als der Schuldige selber. Deshalb nahm Marthe, kraft ihrer Vereinigung mit Christus im Gebet und in der Eucharistie sowie ihres freiwillig auf sich genommenen Leidens für die Sünder, den andauernden, siegreichen Kampf mit den Mächten des Bösen auf sich und entriss Tausende von Menschen aus ihrer Slaverei.

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Romano Guardini soll selig gesprochen werden

Romano Guardini, ungefähr im Jahr 1948

Im Erzbistum München und Freising werden zwei Seligsprechungsverfahren vorbereitet. Betroffen sind der Publizist Fritz Gerlich (1883-1934) und der Religionsphilosoph Romano Guardini (1885-1968). Das bestätigte ein Sprecher des Erzbistums der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag. Demnach ist bereits ein sogenannter Postulator für die beiden Verfahren ernannt. Nach Informationen der KNA stellt er derzeit Zeugenlisten zusammen und prüft Vorschläge für die Besetzung weiterer Gremien. Mit einer offiziellen Eröffnung der beiden Prozesse durch Kardinal Reinhard Marx wird noch in diesem Jahr gerechnet.Gerlich versuchte ab Sommer 1931, Adolf Hitlers Griff nach der Macht mit scharfen publizistischen Attacken zu verhindern. Dazu formte er eine bis dahin politisch harmlose Wochenzeitung zu einem Kampforgan um und gab ihr den Titel „Der gerade Weg“. Unter dem Eindruck der Begegnung mit der oberpfälzischen Mystikerin und Ekstatikerin Therese Neumann hatte der aus Stettin stammende Calvinist kurz zuvor zum katholischen Glauben gefunden. Im Kreis um die „Resl von Konnersreuth“ traf Gerlich auch die wichtigsten Mitstreiter für seinen Widerstand gegen die Nazis. Hitler ließ ihn gleich nach seiner Machtübernahme im März 1933 einsperren.

Die „Schutzhaft“ bis zu seiner Ermordung im Sommer 1934 ertrug Gerlich nach dem Zeugnis von Mitgefangenen im Gebet und die Vertiefung in theologische Lektüre. Katholische Journalistenvereine wie der Bayerische Presseclub haben sich bereits vor Jahren für ein Seligsprechungsverfahren eingesetzt. Sollte Gerlich von der Kirche als Märtyrer anerkannt werden, könnte der Prozess relativ rasch abgeschlossen werden. Der Nachweis eines Wunders infolge einer Gebetserhörung ist in solchen Fällen nicht notwendig.

Guardini gilt als einer der einflussreichsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts. Der aus Verona stammende Mainzer Diözesanpriester lehrte in Berlin, Tübingen und München Religionsphilosophie. Die Lehrstühle wurden eigens auf ihn zugeschnitten. Guardini nahm gestaltend Einfluss auf die katholische Jugend- und Liturgiebewegung und wurde so zu einem geistigen Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). In München zählte er zu den Mitbegründern der Katholischen Akademie in Bayern, die bis heute seinen Nachlass verwaltet und einen nach ihm benannten Preis verleiht.

Religionspädagogen sehen in Guardini einen neuen „Patron der Erzieher“. Vor vier Jahren formierte sich in seinem Geburtsland Italien eine Gruppe von Verehrern, die seither für seine Seligsprechung beten und inzwischen auch in Deutschland Unterstützer haben, etwa die emeritierte Dresdener Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die heute an der  Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien lehrt. Die Fürsprecher dieses Anliegens wissen Benedikt XVI. hinter sich, der Guardini in seinen Ansprachen häufig zitierte.

(kna 18.07.2016 cs)

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Der Heilige des Alltags: Wer war Josefmaría Escrivá?

San Josemaría Escrivá / Wikimedia Commons – Opus Dei Communications Office, CC BY-SA 2.0 (Cropped)

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei in Rom heilig gesprochen

Heute vor 15 Jahren wurde der Gründer des Opus Dei, Josemaría Escrivá in Rom heilig gesprochen. Zehn Jahre vorher, am 17. Mai 1992 hatte Johannes Paul II. ihn zum Seligen erhoben. In der Predigt  am 6. Oktober 2002 rief der Papst den Anwesenden zu: „Folgt seinen Spuren und verbreitet in der Gesellschaft das Bewusstsein, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind, ohne dabei Unterschiede zu machen nach Hautfarbe, Gesellschaftsschicht, Kultur oder Alter.“

Der inzwischen selber heilig geprochene Johannes Paul II. nannte Escrivá den „Heiligen des Alltags“ (Il santo dell´ordinario).

In der Tat, die Botschaft, die dieser moderne Heilige den Menschen unserer Zeit vermittelt, besteht vor allem darin: zunächst einmal zu wissen, dass alle Menschen zur Heiligkeit berufen sind, nicht nur die Priester und Ordensleute, und dann, dass dies  sich im gewöhnlichen Alltag vollzieht, man also nicht besondere oder ausgefallene Dinge tun muss, um in den „Heiligenkalender zu kommen“ – so könnte man das Wort von Josefmaria frei übersetzen: „Santos de altar“.

Josemaría Escrivá de Balaguer wurde am 9. Januar 1902 in Barbastro (Provinz Huesca, Spanien) geboren. Er hatte fünf Geschwister: Carmen, Santiago und drei jüngere Schwestern, die im Kindesalter starben. Dem Elternhaus verdankte er, wie er selber sagte, nicht nur eine christliche Erziehung, sondern auch eine ganze Reihe von menschlich-übernatürlichen Elementen, die später in den Geist des Opus Dei eingeflossen sind, wie z.B. Einfachheit und Natürlichkeit im Umgang, laikale Mentalität und Pflege der kleinen Dinge des Alltags.

Etwa seit dem Jahr 1917 begann Josemaría, seine Berufung zu ahnen. Die Fußspur, die ein unbeschuhter Karmelit im Schnee hinterlassen hatte, ließ ihn ahnen, dass Gott auch von ihm etwas Bestimmtes wollte; er konnte jedoch nicht erkennen, was es war. Er kam dann zur Überzeugung, dass er als Priester leichter Klarheit darüber erlangen würde. So bereitete er sich zuerst in Logroño und danach im Seminar von Saragossa auf das Priestertum vor.

Am 28. März 1925 empfing er in Saragossa die Priesterweihe und begann seine Arbeit als Seelsorger zunächst in einer Landpfarrei.

1927 ging er mit der Erlaubnis seines Bischofs nach Madrid, um in Rechtswissenschaft zu promovieren.

Dort ließ ihn Gott am 2. Oktober 1928 erkennen, was seine konkrete Berufung war: Er „sah“ das Opus Dei, und zwar in bzw. nach der Hl. Messe. Von da an widmete sich Escrivá mit all seinen Kräften der Verwirklichung dieser Gründung, von der er wusste, dass sie nicht sein Werk, sondern das Werk Gottes war. Zugleich übte er einen umfangreichen seelsorgerlichen Dienst aus, bei dem er täglich dem Leiden und der Armut in den Spitälern und Außenvierteln von Madrid begegnete.

Im Laufe des spanischen Bürgerkrieg musste er des öfteren vor den kommunistischen Brigaden fliehen, die jeden Priester als vogelfrei betrachteten und umbrachten. 1939 kehrte er nach Madrid zurück.

1946 verlegte er auf Wunsch des Heiligen Stuhls seinen Wohnsitz nach Rom. Er promovierte an der Lateran-Universität in Theologie.

Wichtig war ihm, nicht nur den Geist des Werkes, also die Heiligung der Arbeit und des Alltags, das Apostolat der Laien usw. deutlich werden zu lassen, sondern zugleich auch für eine dauerhafte juristische Gestalt des Opus Dei zu sorgen. Die Form der Personalprälatur, die ihm von Anfang an vorschwebte, konnte er zu seinen Lebzeiten nicht mehr verwirklicht sehen. Erst sein Nachfolger, der inzwischen selig gesprochene Bischof Alvaro del Portillo, sollte dies am 28. November 1982 erleben.

Josefmaria Escrivá starb am 26. Juni 1975. Wie alle großen Heiligen war er sehr marianisch eingestellt. Bei einer Gelegenheit hatte er in Mexiko beim Anblick eines Bildes der Muttergottes von Guadalupe gesagt: „So möchte ich einmal sterben, mit dem Blick auf die Muttergottes“. Dieser Wunsch ging in Erfüllung: er starb – plötzlich – als er gegen Mittag in Rom sein Büro betrat, wo sich ein Bild der Muttergottes von Guadalupe befand.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Märtyrer sind Blutzeugen des Glaubens und Leuchttürme der Kirche

Prälat Prof. Dr. Helmut Moll / Courtesy F. Kübler

Ein besonderer „Schatz der Kirche“

Nicht allein die ersten drei Jahrhunderte waren geprägt vom Bekennermut und der Glaubenskraft der Bekenner und Märtyrer, auch danach und besonders im 20. Jahrhundert gab es eine große Schar von Blutzeugen für Christus und seine Botschaft.

Auch Papst Franziskus weist gerne auf diesen besonderen „Schatz der Kirche“ hin, auf die jenseitige Gemeinschaft der Heiligen. Am 1. Oktober 2017 erinnerte der Pontifex beim Angelusgebets auf der Piazza Maggiore an die aktuelle Seligsprechung des Salesianerpaters und Märtyrers Titus Zeman. Der Geistliche starb 1969 nach langer Haft unter der kommunistischen Herrschaft. Sein Zeugnis möge uns helfen, so der Papst, die „Gegenwart des Herrn“ auch in den Prüfungen des Lebens zu erkennen.

Auch während der schrecklichen 12 Jahre der NS-Diktatur von 1933 bis 1945 fehlte es nicht an todesmutigen Helden unter Priestern, Ordensleuten und Laien. Darüber sprach der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Prof. Dr. Helmut Moll, am Samstag, dem 30. September, in einem aufschlußreichen Vortrag im westfälischen Marienwallfahrtsort Telgte. Der Prälat aus Köln,der zudem 12 Jahre lang für die Glaubenskongregation in Rom gewirkt hat, wurde vom Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster eingeladen; er referierte über das Thema: Die mit der Gottesmutter Maria verbundenen Glaubenszeugen in der Zeit des Nationalsozialismus – Vorbilder für unsere Gegenwart.

In Wort und Bild stellte Professor Moll glaubensstarke Priester, Ordensleute und Laien vor, die nicht „nur“ Opfer der NS-Diktatur waren, sondern bewußte Bekenner und Märtyrer für Christus und seine Botschaft.

Als weiterer Gast und Geistlicher sprach Pfarrer Hans-Karl Seeger aus Billerbeck über den seliggesprochenen Priester Karl Leisner und dessen ebenso christozentrische wie marianische Ausrichtung. Der Referent war zugleich langjähriger Vorsitzender des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Er schilderte, dass für Leisner besonders die damals weit verbreitete und durch Papst Pius XI. geförderte Christkönigs-Frömmigkeit prägend war. Aus Schönstatt holte er sich zudem gute Impulse zur Selbsterziehung und Charakterbildung.

Als Zeitzeugin berichtete Frau Irmgard Behnken in bewegenden Worten vom Leben und Sterben ihres Onkels Alfons Mersmann. Der Priester war von einer tiefen Verehrung der Gottesmutter und seiner Verbundenheit mit Fatima geprägt. In schwerer Zeit suchte er Zuflucht bei Maria und in der Heiligen Schrift, wobei ihm besonders die neutestamentliche Apokalpyse bzw. Johannes-Offenbarung Trost, Orientierung und Stärkung vermittelte.

Der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Professor Dr. Johannes Maria Verweyen aus dem Niederrhein fand durch seine Liebe zur Gottesmutter und seine Lourdes-Pilgerreisen zum katholischen Glauben zurück.

Auch Laien ließen sich durch ihre Hinwendung zur Madonna zu einer besonderen Glaubensfestigkeit inspirieren, z.B. der Regensburger Lagerarbeiter und Märtyrer Josef Zirkl.

Mit der Schönstattbewegung verbunden und zugleich Blutzeugen während der NS-Tyrannei waren beispielsweise die Palottinerpatres Franz Reinisch und Albert Eise, aber auch mutige Frauen wie Charlotte Holubars und Maria Laufenberg. Beide lebten nach dem Leitwort „Durch Maria zu Jesus“, sie wollten „marianische Frauenart“ verkörpern und liebten das Rosenkranzgebet.

Nicht zu vergessen Pater Augustin Benninghaus SJ, den die Gestapo im westfälischen Münster verhaftete und der am 20. Juli 1942 im KZ Dachau verhungerte. Für seine Seligsprechung wurden bei diesem Vortragsabend Unterschriften gesammelt. Der Jesuit war in der katholischen Jugendbewegung seelsorglich aktiv und zugleich von starker marianischer Frömmigkeit geprägt.

Die inhaltliche Grundlage des gehaltvollen Vortrags von Prälat Moll bildete sein zweibändiges Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) sowie das bereits in 7. Auflage erschienene Taschenbuch „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen“ über Märtyrer aus dem Erzbistum Köln im Dritten Reich, herausgegeben vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln.

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DIE HL. THERESIA VOM KINDE JESU IST KIRCHENLEHRERIN

Apostolisches Schreiben
von Johannes Paul II.

DIVINI AMORIS SCIENTIA 

zur Proklamation der
hl. Theresia vom Kinde Jesus
und vom Heiligen Antlitz
zur Kirchenlehrerin

 

1. Die Wissenschaft der göttlichen Liebe, die der Vater des Erbarmens durch Jesus Christus im Heiligen Geist ausgießt, ist ein Geschenk, das den Kleinen und Demütigen gewährt wird, damit sie die Geheimnisse des Gottesreiches, die den Gelehrten und Weisen verborgen sind, erkennen und verkünden. Darum frohlockte Jesus im Heiligen Geist und pries den Vater, der es so verfügt hat (vgl. Lk 10,21–22; Mt 11,25–26).

Auch die Mutter Kirche freut sich, da sie feststellt, wie der Herr sich im Lauf der Geschichte auch weiterhin den Kleinen und Demütigen offenbart und seine Auserwählten durch den Heiligen Geist, der »alles ergründet, auch die Tiefen Gottes« (1 Kor 2,10), fähig macht, von dem zu sprechen, »was uns von Gott geschenkt worden ist, . . . nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten« (1 Kor 2,12.13). Auf diese Weise führt der Heilige Geist die Kirche hin zur ganzen Wahrheit; er unterweist sie mit mannigfaltigen Gaben, zeichnet sie mit seinen Früchten aus, macht sie jugendlich mit der Kraft des Evangeliums und setzt sie instand, die Zeichen der Zeit zu erforschen, um immer besser dem Willen Gottes zu entsprechen (vgl. Lumen Gentium, 4.12; Gaudium et spes, 4).

Unter den Kleinen, denen in bevorzugter Weise die Geheimnisse des Gottesreiches erschlossen wurden, leuchtet Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz hervor, Nonne vom Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen, deren Eintritt in die himmlische Heimat sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt.

Während ihres Lebens gingen Theresia »neue Lichter« auf, »verborgene und geheimnisvolle Bedeutungen« (Ms A 83 v), und sie empfing vom göttlichen Meister jene »Wissenschaft der Liebe«, die sie dann in einer sie kennzeichnenden Weise in ihren Schriften klar darlegte (vgl. Ms B 1r). Diese Wissenschaft bringt lichtvoll ihre Kenntnis vom Geheimnis des Gottesreiches und ihre persönliche Erfahrung der Gnade zum Ausdruck. Sie kann als ein besonderes Charisma der Weisheit des Evangeliums betrachtet werden, das Theresia, wie andere Heilige und Lehrer des Glaubens, im Gebet in sich aufnahm (vgl. Ms C 36 r).

2. Das Beispiel ihres Lebens und ihrer dem Evangelium entstammenden Lehre wurde in unserer Zeit schnell, überall und stetig aufgenommen. Ihre Heiligkeit wurde, gewissermaßen in Nachahmung ihrer frühzeitigen geistlichen Reife, von der Kirche im Zeitraum von wenigen Jahren anerkannt. In der Tat unterzeichnete Pius X. am 10. Juni 1914 das Dekret zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses, am 14. August 1921 erklärte Benedikt XV. den heroischen Tugendgrad der Dienerin Gottes und hielt bei diesem Anlaß eine Ansprache über den Weg der geistlichen Kindschaft.

Pius XI. sprach sie am 29. April 1923 selig. Wenig später, am 17. Mai 1925, nahm der gleiche Papst vor einer ungeheuren Menschenmenge in der Petersbasilika die Heiligsprechung vor. Dabei betonte er vor allem den Glanz ihrer Tugenden und die besonderen ihr eigenen Wesenszüge ihrer Lehre. Zwei Jahre darauf, am 14. Dezember 1927, folgte er den Bitten vieler Missionsbischöfe und erklärte sie, zusammen mit dem hl. Franziskus Xaverius, zur Patronin der Missionen.

Nach diesen Anerkennungen durch die Kirche nahm die geistliche Ausstrahlung Theresias vom Kinde Jesus zu und breitete sich bis in die heutige Zeit über die ganze Erde aus. Viele Institute geweihten Lebens und kirchliche Bewegungen, vor allem in den jungen Kirchen, haben sie als Patronin und Lehrmeisterin erwählt und sich von ihrer geistlichen Lehre anregen lassen. Ihre Botschaft, oft als der sogenannte »kleine Weg« zusammengefaßt, der nichts anderes ist als der dem Evangelium gemäße Weg der Heiligkeit für alle, wurde von Theologen und Kundigen der Spiritualität erforscht. Kathedralen, Basiliken, Gotteshäuser und Heiligtümer in der ganzen Welt wurden unter dem Patrozinium der Heiligen von Lisieux errichtet und dem Herrn geweiht. Sie wird in der katholischen Kirche in den verschiedenen Riten des Ostens und des Westens verehrt. Viele Gläubige haben die Macht ihrer Fürsprache erfahren können. Viele, die zum priesterlichen Dienst oder zum geweihten Leben berufen wurden, besonders in den Missionen und in Klausurklöstern, schreiben die göttliche Gnade ihrer Berufung ihrer Fürbitte und ihrem Beispiel zu.

3. Die Hirten der Kirche, angefangen bei meinen Vorgängern, den Päpsten dieses Jahrhunderts, die Theresias Heiligkeit als Beispiel für alle vorgestellt haben, betonten auch, daß sie Lehrmeisterin im geistlichen Leben ist aufgrund einer Lehre, die einfach und zugleich tief ist: Unter Führung des göttlichen Meisters hat sie aus den Quellen des Evangeliums geschöpft und dann den Brüdern und Schwestern in der Kirche auf höchst wirksame Weise davon mitgeteilt (vgl. Ms B 2v–3r).

Diese geistliche Lehre wurde uns vor allem durch ihre Selbstbiographie übermittelt. Aus drei von ihr in den letzten Lebensjahren verfaßten Manuskripten entnommen und ein Jahr nach ihrem Tod unter dem Titel Histoire d’une Âme (Geschichte einer Seele), Lisieux 1898, veröffentlicht, hat sie bis in unsere Tage ein außerordentliches Interesse geweckt. Diese Autobiographie, zusammen mit ihren anderen Schriften in etwa fünfzig Sprachen übersetzt, hat Theresia in allen Gegenden der Welt bekannt gemacht, auch außerhalb der katholischen Kirche. Ein Jahrhundert nach ihrem Tod wird Theresia vom Kinde Jesus weiterhin als eine der großen Lehrmeisterinnen geistlichen Lebens unserer Zeit anerkannt.

4. Es ist daher nicht zu verwundern, daß dem Apostolischen Stuhl viele Bitten vorgelegt wurden, sie möge mit dem Titel einer Kirchenlehrerin ausgezeichnet werden.

Seit einigen Jahren, und besonders seitdem das hundertste Gedenkjahr ihres Todes näherrückte, trafen solche Bitten immer zahlreicher, auch von Bischofskonferenzen, ein. Ferner fanden Studienkongresse statt, und es wurden immer mehr Schriften veröffentlicht, die hervorheben, daß Theresia vom Kinde Jesus eine außergewöhnliche Weisheit besaß und daß sie mit ihrer Lehre vielen Männern und Frauen in allen Lebensverhältnissen Jesus Christus und sein Evangelium kennen und lieben hilft.

Durch solche Äußerungen angeregt, veranlaßte ich eine eingehende Untersuchung darüber, ob die Heilige von Lisieux die notwendigen Voraussetzungen habe, um mit dem Titel Kirchenlehrerin ausgezeichnet zu werden.

5. Es ist mir ein Anliegen, in diesem Zusammenhang kurz einiges aus dem Leben Theresias vom Kinde Jesus in Erinnerung zu rufen. Sie ist am 2. Januar 1873 in Alençon, Frankreich, geboren. Zwei Tage später wird sie in der Notre-Dame- Kirche getauft und erhält die Namen Maria Franziska Theresia. Ihre Eltern sind Louis Martin und Zélie Guérin, deren beider heroischen Tugendgrad ich vor kurzem anerkannt habe. Nach dem Tod der Mutter, die am 28. August 1877 starb, siedelt Theresia mit der ganzen Familie in die Stadt Lisieux über, wo sie, umgeben von der Liebe ihres Vaters und ihrer Schwestern, streng, zugleich aber auch voll Zärtlichkeit erzogen wird.

Gegen Ende 1879 empfängt sie zum ersten Mal das Bußsakrament. Am Pfingsttag 1883 wird ihr durch die Fürsprache »Unserer Lieben Frau von den Siegen« die einzigartige Gnade der Heilung von einer schweren Krankheit zuteil. Sie geht bei den Benediktinerinnen von Lisieux in die Schule. Am 8. Mai 1884 empfängt sie nach einer eifrigen Vorbereitung die erste hl. Kommunion. Einen einzigartigen Höhepunkt bildet die Gnade, daß sie die tiefinnere Verbundenheit mit Christus empfindet. Wenige Wochen später, am 14. Juni des gleichen Jahres, empfängt sie das Sakrament der Firmung und ist sich dabei total bewußt, daß ihr damit die persönliche Anteilnahme an der Gnade des Pfingstfestes zuteil wird. Weihnachten 1886 macht sie eine sehr tiefe geistliche Erfahrung, die sie als »vollständige Bekehrung« bezeichnet. Dadurch überwindet sie die emotionelle Schwäche, die auf den Tod der Mutter gefolgt war, und beginnt »den Lauf eines Riesen« auf dem Weg ?zur Vollkommenheit (vgl. Ms A 44v –45v).

Theresia hatte Verlangen nach dem kontemplativen Leben, wie ihre Schwestern Pauline und Maria es im Karmel von Lisieux führten, aber ihr jugendliches Alter hinderte sie noch daran. Anläßlich einer Pilgerfahrt nach Italien, wobei sie auch das Heilige Haus in Loreto und die heiligen Stätten der Ewigen Stadt besucht, wird den Gläubigen der Diözese Lisieux von Papst Leo XIII. am 20. November 1887 eine Audienz gewährt. Dabei erbittet und erhält Theresia von Leo XIII. die Erlaubnis, schon mit 15 Jahren in den Karmel einzutreten.

Am 9. April 1888 tritt sie in den Karmel von Lisieux ein, wo sie am 10. Januar des folgenden Jahres das Gewand des Ordens der heiligsten Jungfrau empfängt und am 8. September 1890, dem Fest Mariä Geburt, ihre Ordensprofeß ablegt. Im Karmel geht sie voll Eifer und Treue den von der Mutter Gründerin, Theresia von Jesus, vorgezeichneten Weg der Vollkommenheit in der Erfüllung der verschiedenen ihr in der Gemeinschaft übertragenen Aufgaben. Vom Wort Gottes erleuchtet, geprüft durch den Schmerz, den die Krankheit ihres so sehr geliebten Vaters ihr bereitet, der am 29. Juli 1894 stirbt, geht Theresia voran auf dem Weg zur Heiligkeit. Dabei gibt sie stets der Liebe den Vorzug. Sie entdeckt den kleinen Weg der geistlichen Kindschaft und unterweist die ihrer Sorge anvertrauten Novizinnen darin. Auf diesem Weg fortschreitend, dringt sie immer tiefer in das Geheimnis der Kirche ein, und von der Liebe Christi angezogen, fühlt sie, wie die apostolische und missionarische Berufung in ihr stärker wird und sie dazu drängt, alle mit sich zu ziehen, hin zum göttlichen Bräutigam.

Am 9. Juni 1895, dem Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit, weiht sie sich als Ganzopfer der barmherzigen Liebe Gottes. Am 3. April des folgenden Jahres werden in der Nacht vom Gründonnerstag zum Karfreitag zum ersten Mal die Anzeichen der Krankheit erkennbar, die sie zum Tod führen wird. Theresia nimmt sie an als geheimnisvollen Besuch des göttlichen Bräutigams. Gleichzeitig beginnt für sie eine innere Anfechtung des Glaubens, eine Prüfung, die bis zu ihrem Tod andauern wird. Da ihre Krankheit sich verschlimmert, wird sie am 8. Juli 1897 ins Krankenzimmer verlegt. Ihre Mitschwestern und andere Ordensfrauen zeichnen ihre Äußerungen auf. Ihre Schmerzen und Prüfungen, die sie geduldig erträgt, nehmen zu, bis sie am Nachmittag des 30. September stirbt. »Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein«, hatte sie an einen ihrer geistlichen Brüder, Don Bellière, geschrieben (LT 244). Ihre letzten Worte »Mein Gott, ich liebe dich« sind das Siegel ihres Lebens.

6. Theresia vom Kinde Jesus hat uns Schriften hinterlassen, durch die sie mit Recht den Titel einer Lehrerin des geistlichen Lebens verdient. Ihr Hauptwerk bleibt der Bericht über ihr Leben in den drei autobiographischen Manuskripten (Manuscrits autobiographiques A, B, C,), erstmals veröffentlicht unter dem bald berühmt gewordenen Titel Histoire d’une Âme (Geschichte einer Seele).

Im Manuskript A – auf die Bitte der Schwester Agnes von Jesus, damals Priorin des Klosters, geschrieben und ihr am 21. Januar 1896 übergeben – beschreibt Theresia die Wegstrecken ihrer religiösen Erfahrung: die ersten Jahre der Kindheit, vor allem das Ereignis ihrer ersten Kommunion und das der Firmung und die Jugendzeit bis zum Eintritt in den Karmel und zu ihrer ersten Profeß.

Das Manuskript B, auf die Bitte ihrer Schwester Maria vom göttlichen Herzen verfaßt während der geistlichen Einkehrtage des gleichen Jahres, enthält einige der schönsten, der bekanntesten und der am meist zitierten Seiten der Heiligen von Lisieux. In ihnen offenbart sich die volle Reife der Heiligen, die von ihrer Berufung in der Kirche als Braut Christi und Mutter der Seelen spricht.

Das Manuskript C – wenige Monate vor ihrem Tod im Monat Juni und in den ersten Julitagen 1897 niedergeschrieben, und der Priorin Maria de Gonzaga gewidmet, die sie darum gebeten hatte – vervollständigt die im Manuskript A wiedergegebenen Erinnerungen über das Leben im Karmel. Diese Seiten offenbaren die übernatürliche Weisheit der Verfasserin. Aus diesem letzten Abschnitt ihres Lebens berichtet Theresia einige sehr tiefe Erfahrungen. Bewegende Seiten widmet sie der Prüfung des Glaubens: Es ist die Rede von der Gnade der Läuterung, die sie in eine lange und schmerzvolle dunkle Nacht taucht, die aber erhellt ist durch ihr Vertrauen in die erbarmungsvolle und väterliche Liebe Gottes. Von neuem und ohne sich zu wiederholen läßt Theresia das strahlende Licht des Evangeliums aufleuchten. Wir finden hier die schönsten Seiten, die sie dem vertrauensvollen Sich-den-Händen- Gottes-Überlassen, dem Verbundensein von Gottes- und-Nächstenliebe und ihrer missionarischen Berufung in der Kirche gewidmet hat.

In diesen drei verschiedenen Manuskripten, die in der Thematik und in einer fortschreitenden Beschreibung ihres Lebens und ihres geistlichen Weges übereinstimmen, hat Theresia uns eine echte Autobiographie dargeboten, die die Geschichte ihrer Seele darstellt. Aus ihr geht deutlich hervor, daß Gott durch ihr Leben der Welt eine bestimmte Botschaft gegeben hat. Er hat einen Weg nach dem Evangelium gewiesen, nämlich den »kleinen Weg«, den alle gehen können, da ja alle zur Heiligkeit berufen sind.

In den uns erhaltenen 266 Briefen, die an ihre Angehörigen, an Ordensfrauen und an ihre »Brüder«, die Missionare, gerichtet sind, offenbart Theresia ihre Weisheit und entfaltet eine Unterweisung, die in der Tat eine tiefschürfende Praxis geistlicher Seelenführung darstellt.

Zu ihren Schriften gehören auch 54 Gedichte, darunter einige von großer theologischer und geistlicher Dichte, von der Heiligen Schrift inspiriert. Besonders verdienen erwähnt zu werden: Vivre d’Amour (P 17) und Pourquoi je t’aime, o Marie! (P 54), eine schöne Zusammenfassung des Weges der Jungfrau Maria nach dem Evangelium. Zu diesen Schriften kommen noch 8 »Récréations pieuses«: poetische Texte und Bühnenstücke, von der Heiligen für ihre Klostergemeinschaft erdacht und vorgeführt zu gewissen, in der Tradition des Karmels gebräuchlichen Festen. Unter anderen Schriften ist noch an eine Reihe von 21 Gebeten zu erinnern. Und es darf die Sammlung ihrer Worte, die sie in den letzten Monaten ihres Lebens gesprochen hat, nicht vergessen werden. Sie sind in verschiedenen Versionen erhalten, bekannt als Novissima verba (Letzte Worte) und unter dem Titel Derniers Entretiens (Letzte Gespräche).

7. Aus der genauen Untersuchung der Schriften der hl. Theresia vom Kinde Jesus und aus dem Echo, das sie in der Kirche fanden, lassen sich die besonders herausragenden Aspekte der »hervorragenden Lehre« entnehmen, d.h. des grundlegenden Elementes, auf das sich die Verleihung des Titels »Kirchenlehrerin« stützt.

Es ist vor allem ein besonderes Charisma der Weisheit festzustellen. Diese junge Karmelitin ohne besondere theologische Vorbildung, aber vom Licht des Evangeliums erleuchtet, sieht sich vom göttlichen Meister belehrt, der, wie sie sagt, »der Lehrmeister der Lehrmeister« (Doctor doctorum) ist (vgl. Ms A 83 v), von dem sie die »göttlichen Unterweisungen« (Ms B 1r) empfängt. Sie erkennt, daß sich in ihr die Worte der Schrift verwirklicht haben: »Wenn jemand klein ist, so komme er zu mir…; den Geringen wird Barmherzigkeit erwiesen« (Ms B 1v; vgl. Spr 9,4; Weish 6, 6), und sie weiß, daß sie zur Weisheit der Liebe angeleitet wurde, die den Weisen und Klugen verborgen ist, die aber der göttliche Meister geruhte, ihr, wie allen Kleinen, zu erschließen (Ms A49r; vgl. Lk 10,21–22).

Papst Pius XI., der Theresia von Lisieux als »Stern seines Pontifikats« betrachtete, zögerte nicht, in der Predigt am Tag ihrer Heiligsprechung, dem 17. Mai 1925, zu behaupten: »…der Geist der Wahrheit enthüllte ihr und lehrte sie, was er gewöhnlich den Weisen und Klugen verbirgt und den Unmündigen offenbart (Mt 11,25). Tatsächlich erwarb sie – nach dem Zeugnis Unseres unmittelbaren Vorgängers – eine solche Einsicht in die übernatürlichen Dinge, daß sie den andern einen sicheren Weg des Heiles vorzeichnen konnte» (AAS 17 [1925] S. 213; zitiert in O.R. dt. 43, 24.10.97, S. 12).

Ihre Lehre stimmt nicht nur mit der Heiligen Schrift und mit dem katholischen Glauben überein, sondern sie ragt hervor (eminet) durch ihre Tiefe und die in ihr zustande gekommene Synthese der Weisheit. Ihre Lehre ist zur gleichen Zeit ein Bekenntnis des Glaubens der Kirche, ein Erleben des christlichen Mysteriums und ein Weg zur Heiligkeit. Theresia bietet eine reife Synthese der christlichen Spiritualität; sie verbindet die Theologie und das geistliche Leben, ihr Ausdruck ist kraftvoll und sicher, voll großer Überzeugungs- und Kommunikationsfähigkeit, wie die Aufnahme und Verbreitung ihrer Botschaft im Gottesvolk zeigt.

Die Lehre Theresias drückt die Dogmen des christlichen Glaubens konsequent aus und vereint sie harmonisch als Lehre der Wahrheit und Lebenserfahrung. Diesbezüglich darf nicht vergessen werden, daß, wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, das Verständnis für den von den Aposteln überkommenen Glaubensschatz in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes voranschreitet: »…es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19 u. 51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben« (Dei Verbum, 8).

In den Schriften Theresias von Lisieux finden wir vielleicht nicht, wie bei anderen Kirchenlehrern, eine wissenschaftlich ausgearbeitete Darstellung der göttlichen Dinge, aber wir können ihnen ein erleuchtetes Zeugnis des Glaubens entnehmen, das, während es mit vertrauender Liebe die achtungsvolle Barmherzigkeit Gottes und das Heil in Christus aufnimmt, das Geheimnis und die Heiligkeit der Kirche offenbart.

Mit Recht also kann man in der Heiligen von Lisieux das Charisma des Kirchenlehrers erkennen, sowohl wegen der Gabe des Heiligen Geistes, die sie empfangen hat, um ihre Glaubenserfahrung zu leben und zum Ausdruck zu bringen, als auch wegen des besonderen Verstehens des Geheimnisses Christi. In ihr konzentrieren sich die Gaben des neuen Gesetzes, das heißt die Gnade des Heiligen Geistes, der sich offenbart im lebendigen Glauben, der durch die Liebe wirksam ist (vgl. hl. Thomas v. Aquin, Summa Theol. I–II, q. 106, art. 1; q. 108, art. 1).

Wir können auf Theresia von Lisieux anwenden, was mein Vorgänger Paul VI. von einer anderen jungen Heiligen, der Kirchenlehrerin Katharina von Siena, sagte: »Was uns bei dieser Heiligen am meisten erschüttert, ist die eingegossene Weisheit, d.h. die klare, tiefe und begeisterte Aufnahme der göttlichen Wahrheiten und der Geheimnisse des Glaubens […]: ein Aufnehmen, das sicherlich von einzigartigen natürlichen Gaben begünstigt, aber offensichtlich wunderbar einem Charisma der Weisheit des Heiligen Geistes zu verdanken war« (AAS 62 [1970] S. 675).

8. Mit ihrer einzigartigen Lehre und ihrem unverkennbaren Stil erscheint Theresia als echte Lehrmeisterin des Glaubens und des christlichen Lebens. Durch ihre Schriften strömt belebend, wie durch die Aussagen der Heiligen Väter, die katholische Tradition, deren Reichtümer sich, wie wiederum das II. Vatikanische Konzil bestätigt, »in Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießen« (Dei Verbum, 8).

Wenn die Lehre Theresias von Lisieux in ihrer literarischen Gattung und ihrer Erziehung und Kultur sowie den besonderen Verhältnissen ihrer Zeit entsprechend aufgenommen wird, erscheint sie in einer providentiellen Einheit mit der ureigensten Tradition der Kirche, sowohl hinsichtlich des Bekenntnisses des katholischen Glaubens als auch der Förderung des durchaus echten geistlichen Lebens, das allen Gläubigen in einer lebendigen und zugänglichen Sprache vorgelegt wird.

Sie hat in unserer Zeit die Schönheit des Evangeliums aufleuchten lassen; sie hatte die Sendung, die Kirche, den mystischen Leib Christi, kennen und lieben zu lehren, und hat dazu beigetragen, die Seelen von den Härten und Ängsten der jansenistischen Lehre zu heilen, die mehr dazu neigte, die Gerechtigkeit Gottes als sein göttliches Erbarmen zu betonen. In der Barmherzigkeit Gottes hat Theresia alle göttlichen Vollkommenheiten betrachtet und angebetet, denn »selbst die Gerechtigkeit Gottes scheint mir (mehr vielleicht als jede andere Vollkommenheit) in Liebe gekleidet zu sein« (Ms A 83 v). So ist sie zu einem lebendigen Abbild jenes Gottes geworden, der, wie die Kirche es im Tagesgebet am 26. Sonntag im Jahreskreis formuliert, »omnipotentiam suam parcendo maxime et miserendo manifestat« (seine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen offenbart) (vgl. Missale Romanum).

Wenn Theresia auch keine ganze und eigentliche Sammlung von Lehren vorzulegen hat, so leuchten doch aus ihren Schriften außergewöhnliche Lichtblitze der Lehre auf, die, gleichsam durch die Gnade des Heiligen Geistes, die Offenbarung in ihrem innersten Mark in einzigartiger und neuer Sicht erfassen und die Unterweisung auf hervorragende Art darbieten.

Der Kern ihrer Botschaft ist das Geheimnis Gottes selbst, der die Liebe ist, des dreieinigen, in sich unendlich vollkommenen Gottes. Wenn die echte, christliche, geistliche Erfahrung im Einklang sein muß mit den offenbarten Wahrheiten, in denen Gott sich selbst und das Geheimnis seines Willens mitteilt (vgl. Dei Verbum, 2), dann muß man bestätigen, daß Theresia die göttliche Offenbarung fortschreitend erfahren hat bis hin zur Kontemplation der erhabensten Wahrheiten unseres Glaubens und deren Fülle im Geheimnis des dreifaltigen Lebens. Den Gipfelpunkt bildet als Quelle und Ziel die erbarmende Liebe der drei göttlichen Personen, wie die Heilige es hauptsächlich in ihrem »Akt der Weihe an die barmherzige Liebe« zum Ausdruck bringt. An der Basis steht, auf seiten des Menschen, die Erfahrung, in Jesus Adoptivkind des Vaters zu sein. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der geistlichen Kindschaft: in der vom Heiligen Geist bewirkten Erfahrung, Kind Gottes zu sein. Ferner befindet sich an der Basis, uns gegenüber, der Nächste, alle anderen, an deren Heil wir mitarbeiten müssen mit und in Jesus, mit dieser seiner barmherzigen Liebe.

Durch diese geistliche Kindschaft macht man die Erfahrung, daß alles von Gott kommt, zu Ihm zurückkehrt und in Ihm bleibt, zum Heil aller Menschen, im Geheimnis der barmherzigen Liebe. Das ist die Botschaft der Lehre, die die Heilige hinterließ und die sie selbst gelebt hat.

Wie zu allen Zeiten bei den Heiligen der Kirche, so war auch in Theresias geistlicher Erfahrung Christus die Mitte und die Fülle der Offenbarung. Theresia hat Jesus gekannt, sie hat ihn mit der Leidenschaft einer Braut geliebt und sich dafür eingesetzt, daß auch andere ihn liebten. Sie ist in die Geheimnisse seiner Kindheit eingedrungen und in die Worte seines Evangeliums, in die Passion des leidenden Gottesknechtes, die sie in die Züge seines heiligen Antlitzes eingeprägt fand, in den Glanz seines Lebens in der Herrlichkeit und in seine eucharistische Gegenwart. Sie hat die Liebe Christi besungen, wie sie das Evangelium in vielfacher Weise darstellt (vgl. Gedichte, 24, »Jésus, mon Bien-Âimé, rappelle-toi!«).

Theresia hat in besonderer Weise Licht empfangen über die Wirklichkeit des mystischen Leibes Christi, über die Vielfalt seiner Charismen, über die Gaben des Heiligen Geistes und die überragende Kraft der Liebe, die gleichsam das Herz der Kirche ist, wo sie ihre Berufung als Kontemplative und Missionarin entdeckte (vgl. Ms B 2r–3v).

Schließlich muß unter den besonders ihr ureigenen Kapiteln ihrer geistlichen Wissenschaft noch die weise Untersuchung erwähnt werden, die Theresia über das Geheimnis und den Weg der Jungfrau Maria unternahm, wobei sie zu Ergebnissen kam, die der Lehre des II. Vatikanischen Konzils im 8. Kapitel der Konstitution Lumen Gentium und dem, was ich selbst in meiner Enzyklika Redemptoris Mater vom 25. März 1987 schrieb, sehr nahe stehen.

9. Die Hauptquelle ihrer geistlichen Erfahrung und ihrer Lehre ist das Wort Gottes im Alten und Neuen Testament. Das bekennt sie selbst und hebt dabei besonders ihre leidenschaftliche Liebe zum Evangelium hervor (vgl. Ms A 83v). In ihren Schriften zählt man mehr als tausend Bibelzitate, über vierhundert aus dem Alten und über sechshundert aus dem Neuen Testament.

Obgleich sie nur unzulänglich vorbereitet war und keine geeigneten Hilfsmittel für das Studium und die Auslegung der heiligen Bücher zur Hand hatte, widmete Theresia sich voll Glauben und einzigartigem Eifer der Betrachtung des Wortes Gottes. Unter dem Einfluß des Heiligen Geistes gewann sie zu ihrem eigenen und anderer Nutzen eine tiefschürfende Kenntnis der Offenbarung. Durch die Liebe, mit der sie sich in die Heilige Schrift versenkte – gern hätte sie sich Kenntnisse in Hebräisch und Griechisch angeeignet, um Geist und Buchstaben der heiligen Bücher besser zu erfassen –, hat sie erkennen lassen, wie wichtig die biblischen Quellen für das geistliche Leben sind. Sie hat die Ursprünglichkeit und Frische des Evangeliums bekanntgemacht und eine kluge geistliche Auslegung des Gotteswortes im Alten und Neuen Testament gepflegt. So entdeckte sie verborgene Schätze und machte sich Worte und Episoden zu eigen, manchmal nicht ohne übernatürliche Kühnheit, so, wenn sie z.B. beim Lesen der Schriften des hl. Paulus (vgl. 1 Kor 12–13) ihre Berufung zur Liebe daraus entnahm (vgl. Ms B 3r–3v). Erleuchtet durch das Wort der Offenbarung hat Theresia geniale Seiten über die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe geschrieben (vgl. Ms C 11v–19r) und sich hineinversetzt in das Gebet Jesu beim Letzten Abendmahl als Ausdruck seiner Bitte um das Heil aller (vgl. Ms C 34r–35r).

Ihre Lehre stimmt, wie ich bereits sagte, mit der Lehre der Kirche überein. Von Kindheit an wurde sie von ihrer Familie zum Gebet und zur Teilnahme an der kirchlichen Liturgie erzogen. Bei der Vorbereitung auf ihre erste Beichte, auf die Erstkommunion und auf das Sakrament der Firmung zeigte sie eine außerordentliche Liebe zu den Glaubenswahrheiten und lernte den Katechismus fast Wort für Wort auswendig (vgl. Ms A 37r–37v). Am Ende ihres Lebens schrieb sie mit ihrem eigenen Blut das Apostolische Glaubensbekenntnis als Ausdruck ihrer vorbehaltlosen Treue zum Glauben nieder.

Außer den Worten der Schrift und der Lehre der Kirche waren Theresias geistliche Nahrung von Jugend an auch die Unterweisungen der Nachfolge Christi, die sie, wie sie selbst sagt, fast auswendig kannte (vgl. Ms A 47r). Entscheidend für die Verwirklichung ihrer Berufung als Karmelitin waren die geistlichen Schriften der Gründerin, Mutter Theresia von Jesus, besonders jene, die die kontemplative und kirchliche Bedeutung des Charismas des theresianischen Karmels darlegten (vgl. Ms C 33v). Doch in ganz besonderer Weise zog Theresia ihre geistliche Nahrung aus der mystischen Lehre des hl. Johannes vom Kreuz, der ihr wahrer geistlicher Lehrer war (vgl. Ms A 83r). Es ist also nicht zu verwundern, daß auch sie, eine ausgezeichnete Schülerin in der Schule dieser beiden Heiligen, die später zu Kirchenlehrern erklärt wurden, schließlich eine Lehrerin des geistlichen Lebens wurde.

10. Die geistliche Lehre Theresias von Lisieux hat zur Ausbreitung des Reiches Gottes beigetragen. Mit ihrem Beispiel der Heiligkeit, der vollkommenen Treue zur Mutter Kirche, der vollen Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri wie auch mit den besonderen Gnaden, die sie für viele Missionare und Missionarinnen erlangte, hat sie einen außerordentlichen Dienst für die erneuerte Verkündigung und Praxis des Evangeliums Christi und für die Ausbreitung des katholischen Glaubens unter allen Völkern der Erde geleistet.

Es ist nicht notwendig, daß wir uns weiter verbreiten über die Universalität der theresianischen Lehre und über die umfassende Aufnahme ihrer Botschaft während des Jahrhunderts, das seit ihrem Tod vergangen ist: Diese Dinge wurden gut dokumentiert in den Studien, die der Verleihung des Titels »Kirchenlehrerin« an die Heilige vorausgingen.

In dieser Hinsicht ist die Tatsache von besonderer Bedeutung, daß das Lehramt der Kirche nicht nur die Heiligkeit Theresias anerkannt, sondern auch ihre Weisheit und ihre Lehre klar herausgehoben hat. Schon Pius X. sagte von ihr, daß sie »die größte Heilige der modernen Zeit« war. Als er mit Freude die erste italienische Ausgabe der »Geschichte einer Seele« in Empfang nahm, lobte er die Früchte, die sich aus der theresianischen Spiritualität entnehmen ließen. Benedikt XV. erläuterte bei der Verkündigung des heroischen Tugendgrades der Dienerin Gottes den Weg der geistlichen Kindschaft und pries die Wissenschaft von den göttlichen Wahrheiten, die Gott Theresia verliehen hatte, um andere die Wege des Heils zu lehren (vgl. AAS 13 [1921] 449–452). Pius XI. legte sowohl bei der Selig- wie bei der Heiligsprechung die Lehre der Heiligen dar und empfahl sie, wobei er die besondere göttliche Erleuchtung unterstrich (Discorsi di Pio XI, Bd.I, Turin 1959, S. 91). Er nannte Theresia Lehrmeisterin des Lebens (vgl. AAS 17 [1925] SS. 211–214). Pius XII. sagte bei der Weihe der Basilika von Lisieux 1954 unter anderem, Theresia sei mit ihrer Lehre bis in das Herz des Evangeliums eingedrungen (vgl. AAS 46 [1954] SS. 404–408). Kardinal Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., besuchte einige Male Lisieux, vor allem als er Nuntius in Paris war. Während seines Pontifikats ließ er bei verschiedenen Gelegenheiten seine Verehrung für die Heilige erkennen und erläuterte die Beziehungen zwischen der Lehre der Heiligen von Avila und derjenigen ihrer Tochter, Theresia von Lisieux (Discorsi, Messaggi, Colloqui, Bd. 2 [1959–1960] SS. 771–772). Während des II. Vatikanischen Konzils kamen die Väter mehrmals auf ihr Beispiel und ihre Lehre zu sprechen. Bei der Jahrhundertfeier ihrer Geburt richtete Paul VI. am 2. Januar 1973 einen Brief an den Bischof von Bayeux und Lisieux, worin er das Beispiel Theresias in ihrer Gottsuche pries und sie als Meisterin des Gebetes und der theologischen Tugend der Hoffnung und als Vorbild der Verbundenheit mit der Kirche vorstellte; den Lehrern, Erziehern, Priestern und auch den Theologen empfahl er das Studium ihrer Lehre (vgl. AAS 65 [1973] SS. 12–15). Ich selbst hatte bei verschiedenen Gelegenheiten die Freude, Bezug zu nehmen auf die Gestalt und die Lehre der Heiligen anläßlich meines unvergeßlichen Besuchs in Lisieux am 2. Juni 1980, als ich allen in Erinnerung rief: »Von Theresia von Lisieux kann man mit Überzeugung sagen, daß der Geist Gottes ihrem Herzen möglich gemacht hat, den Menschen unserer Zeit das grundlegende Geheimnis, die Wirklichkeit des Evangeliums direkt zu offenbaren: … Der kleine Weg ist der Weg der heiligen Kindheit. Auf diesem Weg gibt es etwas Einzigartiges, den Genius der hl. Theresia von Lisieux. Gleichzeitig sehen wir eine sehr grundlegende und allgemein gültige Wahrheit bekräftigt und neu herausgestellt. Welche Wahrheit aus der Botschaft des Evangeliums ist denn wohl grundlegender und allgemeiner gültig als jene: Gott ist unser Vater, und wir sind seine Kinder?« (Insegnamenti di Giovanni Paolo II, Bd. III/1 [1980] S. 1659; s. O.R.dt., 25, 20.6.1980, S. 12).

Diese einfachen Hinweise auf eine ununterbrochene Reihe von Zeugnissen der Päpste dieses Jahrhunderts über die Heiligkeit und die Lehre der hl. Theresia vom Kinde Jesus und auf die universale Ausbreitung ihrer Botschaft bringen klar zum Ausdruck, wie sehr die Kirche in ihren Hirten und ihren Gläubigen die geistliche Lehre dieser jungen Heiligen aufgenommen hat.

Zeichen für die Aufnahme der Unterweisung der Heiligen seitens der Kirche ist auch der Rückgriff auf ihre Lehre in vielen Dokumenten des ordentlichen Lehramts der Kirche, vor allem wenn von der kontemplativen und missionarischen Berufung, von Vertrauen auf den gerechten und barmherzigen Gott, von der christlichen Freude und von der Berufung zur Heiligkeit die Rede ist. Auch im Katechismus der Katholischen Kirche ist ihre Lehre zu finden (Nrn. 127, 826, 956, 1011, 2011, 2558). Sie, die aus dem Katechismus so gern die Wahrheiten des Glaubens lernte, hat es verdient, unter die maßgeblichen Zeugen der katholischen Lehre gezählt zu werden.

Theresia besitzt eine einzigartige Universalität. Ihre Person, ihre evangelische Botschaft vom »kleinen Weg« des Vertrauens und der geistlichen Kindschaft haben eine überraschende, alle Grenzen überschreitende Aufnahme gefunden und finden sie auch weiterhin.

Der Einfluß ihrer Botschaft umfaßt vor allem Männer und Frauen, deren Heiligkeit oder heroischen Tugendgrad die Kirche selbst anerkannt hat, Hirten der Kirche, solche, die sich der Theologie widmen und die Spiritualität pflegen, Priester und Seminaristen, Ordensmänner und Ordensfrauen, kirchliche Bewegungen und neue Gemeinschaften, Männer und Frauen jeder Herkunft und von allen Kontinenten. Allen gibt Theresia ihre persönliche Bestätigung, daß das christliche Mysterium, für das sie Zeugin und Apostolin geworden ist – da sie sich, wie sie kühn sagt, im Gebet zur »Apostolin der Apostel« (Ms A 56r) gemacht hat –, wörtlich genommen werden muß mit möglich großem Realismus, da es zeitlich wie räumlich von universaler Bedeutung ist. Die Kraft ihrer Botschaft liegt darin, daß sie konkret zeigt, wie alle Verheißungen Jesu sich erfüllen in dem Gläubigen, der die rettende Gegenwart des Erlösers mit Vertrauen in sein Leben aufzunehmen weiß.

11. Alle diese Erwägungen bezeugen sehr klar die Aktualität der Lehre der Heiligen von Lisieux und die starke Auswirkung ihrer Lehre auf die Männer und Frauen unseres Jahrhunderts. Dazu kommen verschiedene Umstände, aus denen ihre Bestimmung zur Lehrerin der Kirche unserer Zeit noch deutlicher hervorgeht.

Vor allem ist Theresia eine Frau, die, wenn sie sich mit dem Evangelium befaßte, ihm seine verborgenen Reichtümer zu entnehmen verstand, so konkret und mit so tiefer Resonanz im Leben und Denken, wie es dem weiblichen Genius im allgemeinen eigen ist. Aus der Schar der heiligen Frauen, in denen die Weisheit des Evangeliums hell aufleuchtet, ragt Theresia wegen ihrer Universalität hervor.

Ferner ist sie eine kontemplative Frau. In der Verborgenheit ihres Karmels lebte sie so das große Abenteuer christlicher Erfahrung, daß sie die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe der Liebe Christi kennenlernte (vgl. Eph 3,18–19). Gott hat nicht gewollt, daß ihre Geheimnisse verborgen blieben, darum würdigte er Theresia, das Geheimnis des Königs zu offenbaren (vgl. Ms C 2v). Durch ihr Leben bietet Theresia ein Zeugnis und eine theologische Erläuterung der Schönheit des kontemplativen Lebens als Ganzhingabe an Christus, den Bräutigam der Kirche, und als lebendige Bestätigung des Primates Gottes in allem. Ihr verborgenes Leben hat eine geheimnisvolle Fruchtbarkeit für die Ausbreitung des Glaubens und erfüllt die Kirche und die Welt mit dem Wohlgeruch Christi (vgl. Briefe 169, 2v).

Theresia von Lisieux ist eine Jugendliche. Sie ist in ihrer blühenden Jugend zur Reife der Heiligkeit gelangt (vgl. Ms C 4r). Sie stellt sich daher als eine Lehrerin des Lebens nach dem Evangelium dar, die überaus geeignet ist, die Wege der Jugendlichen zu erleuchten, deren Aufgabe es sein wird, unter den kommenden Generationen das Evangelium zu leben und zu bezeugen.

Theresia vom Kinde Jesus ist nicht nur ihrem Alter nach die jüngste Kirchenlehrerin, sondern sie steht uns auch zeitlich am nächsten und unterstreicht damit sozusagen die Kontinuität, mit der der Geist des Herrn der Kirche seine Boten, Männer und Frauen, als Lehrer und Zeugen des Glaubens sendet. Denn bei all ihrer Verschiedenartigkeit, die sich im Lauf der Geschichte feststellen läßt, und bei deren mannigfaltigen Auswirkungen im Leben und Denken der Menschen in den einzelnen Epochen dürfen wir nicht das fortlaufende Band unbeachtet lassen, das die Kirchenlehrer miteinander verbindet: In jedem geschichtlichen Kontext bleiben sie Zeugen jenes Evangeliums, das niemals verändert wird, und mit dem Licht und der Kraft, die ihnen der Heilige Geist gewährt, werden sie seine Boten und verkünden den Menschen ihrer Zeit dieses Evangelium in seiner ganzen Reinheit. Theresia ist Lehrmeisterin für unsere Zeit, die nach lebendigen und wesentlichen Worten, nach heroischen und glaubhaften Zeugnissen dürstet. Darum ist sie auch von Brüdern und Schwestern anderer christlicher Gemeinschaften geliebt und angenommen.

12. In diesem Jahr, in dem die Hundertjahrfeier des glorreichen Todes Theresias vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz begangen wird, während wir uns weiter auf das Große Jubiläum des Jahres 2000 vorbereiten und nachdem ich zahlreiche und maßgebliche Bitten, vor allem von vielen Bischofskonferenzen der ganzen Welt, erhalten hatte sowie das offizielle Gesuch, den Supplex Libellus, datiert vom 8. März 1997, vom Bischof von Bayeux und Lisieux, dann auch die Gesuche des Generalobern des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten der Heiligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel und des Generalpostulators dieses Ordens, beschloß ich, der für diesen Bereich zuständigen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse »praehabito voto Congregationis pro Doctrina Fidei ad eminentem doctrinam quod attinet« (Pastor bonus, 73) die gebührende Untersuchung zu übergeben für den Prozeß zur Verleihung des Titels einer Kirchenlehrerin an diese Heilige.

Nachdem die notwendige Dokumentation erbracht war, haben die oben erwähnten beiden Kongregationen die Frage in ihren jeweiligen Beratungen behandelt: in der »Consulta« der Kongregation für die Glaubenslehre am 5. Mai 1997 das, was die »hervorragende Lehre« (eminens doctrina) betrifft, und in der »Consulta« der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse am 29. Mai des gleichen Jahres zur Prüfung der entsprechenden »Positio«. Am darauffolgenden 17. Juni kamen die diesen Kongregationen als Mitglieder angehörenden Kardinäle und Bischöfe, einem von mir für diese Gelegenheit approbierten Verfahren entsprechend, zu einer interdikasterialen Vollversammlung zusammen und diskutierten die Angelegenheit. Einmütig brachten sie ihre Zustimmung zur Verleihung des Titels »Ecclesiae universalis doctor« an die hl. Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz zum Ausdruck. Dieses Gutachten wurde mir von Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, und vom Pro-Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Msgr. Alberto Bovone, Titular-Erzbischof von Cäsarea in Numidien, persönlich mitgeteilt.

In Anbetracht dessen habe ich am vergangenen 24. August beim Angelusgebet in Gegenwart Hunderter von Bischöfen und vor einer endlosen Menge von Jugendlichen aus aller Welt, die zum 12. Weltjugendtag in Paris versammelt waren, persönlich die Absicht kundtun wollen, Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz in Rom anläßlich des Weltmissionstages zur Kirchenlehrerin zu proklamieren.

Heute, am 19. Oktober 1997, habe ich vor einer den Petersplatz dicht füllenden Menge von Gläubigen aus aller Welt in Gegenwart zahlreicher Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe in der festlichen Eucharistiefeier Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz mit folgenden Worten zur Kirchenlehrerin proklamiert:

»Den Wünschen einer großen Zahl meiner Brüder im Bischofsamt und zahlreicher Gläubigen aus aller Welt entgegenkommend, nach Anhören des Gutachtens der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und nach Erhalt des Votums der Kongregation für die Glaubenslehre hinsichtlich der »hervorragenden Lehre« erklären wir aus sicherer Kenntnis und nach reiflicher Überlegung kraft der vollen apostolischen Autorität die hl. Jungfrau Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz zur Kirchenlehrerin. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.«

Nachdem dies in gebührender Weise vollzogen ist, bestimmen wir, daß dieses Apostolische Schreiben ehrfürchtig aufbewahrt werde und jetzt und in Zukunft voll wirksam sei. Außerdem wird entschieden und festgelegt, daß es vergeblich und zwecklos ist, hieran bewußt oder unbewußt etwas zu ändern, gleich von welcher Seite es ausgehen mag und mit welcher Autorität auch immer.

Gegeben in Rom bei Sankt Peter unter dem Fischerring am 19. Tag des Monats Oktober im Jahre 1997, dem zwanzigsten des Pontifikats.

IOANNES PAULUS PP. II

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Quelle

Bischof Voderholzer: „Bonifatius war ein echter Bote des Evangeliums“

Msgr. Rudolf Voderholzer / Quelle: Copyright: Pressestelle Bistum Regensburg

Predigt vom Regensburger Bischof
in der Schlussvesper am 28. September 2017
in Fulda — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden die Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer in der Schlussvesper mit Bonifatiussegen am 28. September 2017 anlässlich der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda

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Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
ehrwürdige Schwestern,
liebe Vertreter der kirchlichen Vereine und Verbände,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Seit 150 Jahren kommen die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda zusammen. Die Lage ziemlich in der Mitte Deutschlands ist verkehrstechnisch sehr praktisch. Aber der wahre Grund liegt tiefer. Wir treffen uns in Fulda, weil wir hier das Grab des hl. Bonifatius verehren, des „Apostels der Deutschen“. Die Verlautbarungen der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe, früher bisweilen einfach „Fuldaer Bischofskonferenz“ genannt, wurden stets mit der Wendung eingeleitet bzw. lokalisiert: „Am Grab des hl. Bonifatius versammelt, … tun die deutschen Bischöfe kund …“

Zur Verehrung des hl. Bonifatius gehört nicht zuletzt die Bitte um Gottes Segen auf seine Fürsprache hin, die zeichenhaft durch die Auflegung der Bonifatius-Reliquie ihren Ausdruck findet. Auch wir werden uns nachher mit dem Reliquiar segnen lassen und somit gleichsam hautnah in Berührung bringen mit dem Mann, der für seinen Glauben sein Leben hingegeben hat. Der damit durch die Gnade Gottes sein außergewöhnliches Lebenswerk der vertieften Einpflanzung des Christentums in unserem Heimatland krönen konnte.

Als Bischof von Regensburg darf ich einem Bistum vorstehen, das im Jahr 739 vom hl. Bonifatius kanonisch errichtet wurde und so treiben auch mich besonders Fragen um wie diese: Was gibt uns das Vorbild des hl. Bonifatius heute mit? Was können wir von ihm lernen, wo fordert er uns heraus?

Wenn wir sein Leben und Wirken betrachten, dann begegnet uns ein Organisationsgenie und ein Kommunikationsgenie; jemand, der die Kirche in Deutschland geordnet und fest mit Rom verbunden hat und damit ein wesentliches Fundament des Abendlandes gelegt hat. Aber diese sozusagen politischen Fähigkeiten allein begründen noch nicht seine Bedeutung. Bonifatius war ein echter Bote des Evangeliums. Davon zeugen seine Briefe. In ihnen begegnet uns manch Zeitbedingtes, aber auch viel zeitlos Gültiges für uns.

Im ältesten uns erhaltenen Bonifatius-Brief an einen gewissen Sigeberht erläutert der Heilige die Bedeutung des sogenannten Kreuzgedichtes. Das ist ein kunstvolles Figurengedicht in Ellipsenform, dessen Mitte das zweimal mit der Inschrift „Jesus Christus“ versehene Kreuz bildet: „Du sollst wissen, dass Du die einzelnen Bestimmungen des Alten und Neuen Testamentes dann in der den Kirchensatzungen entsprechenden Weise verstanden hast, wenn Du in der Mitte mit geistigen Augen betrachtend den Christus am Kreuz erblicken kannst, der das Bauwerk der bösen Begierden zerstört und den Tempel der gütigen Liebe erbaut“ (Briefe des hl. Bonifatius, hg. von Reinhold Rau, Darmstadt 1969, 365; vgl. Lutz E. von Padberg, Bonifatius. Missionar und Reformer, München 2003, 24).

Bonifatius, der sich selbst auf seinen missionarischen Dienst mit einem intensiven Studium der Heiligen Schrift vorbereitet hat – vermutlich konnte er die Bibel über weite Strecken auswendig – verpflichtet uns auf die Urkunde unseres Glaubens. Bemerkenswert sein Hinweis auf die Einheit der Heiligen Schrift. Altes und Neues Testament als Offenbarungszeugnis sind eine Einheit, die christologisch, letztlich durch das Kreuzesgeschehen, vermittelt ist; Einsichten, die von höchster Aktualität sind und von der Bibelhermeneutik unserer Tage wieder eingeholt werden.

Angesichts einer immer mehr schwindenden Bibelkenntnis selbst in kirchlichen Kreisen und eines Relevanz-Verlustes der biblischen Botschaft erinnert uns Bonifatius durch sein Vorbild und seine Predigt an die Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils: die Kenntnis der Heiligen Schrift zu fördern, die Liebe zur Heiligen Schrift zu entfachen und das Schriftstudium als „Seele der Theologie“ hochzuhalten (vgl. Vat. II, Dei verbum, 6. Kapitel, v. a. DV 24).

Mit der Heiligen Schrift im Herzen hat der hl. Bonifatius unsere Heimat evangelisiert. Ich bin froh, dass er die Donar-Eiche – Symbol und Kultstätte des germanischen Heidentums – gefällt, aus ihrem Holz eine Peterskirche gebaut und an ihre Stelle das Kreuz gesetzt hat. Die Propagandisten einer Re-Germanisierung haben ihm das immer übel genommen und die vermeintliche „Verweichlichung“ der hehren germanischen Natur durch die jüdisch-christliche Ethik der Schwachen und Zu-kurz-Gekommenen vorgeworfen. Erst aus der Perspektive der Umkehr und der Kreuzesnachfolge freilich ist der wahre und wahrhaftig humane Mehrwert der Botschaft des Evangeliums zu erfassen. Das Kreuz ist das Zeichen gewaltloser Toleranz, das uns zeigt, dass der Glaube in höchstem Maße eine Sache der Freiheit ist. Das Kreuz zeigt, dass Gott uns leiden mochte und leiden mag bis zur letzten Konsequenz und ist deshalb der Inbegriff der froh und selig machenden Botschaft. Woher, so frage ich, woher schließlich sollte Hoffnung kommen auf Frieden und Versöhnung unter den Völkern, wenn nicht vom Kreuz her, an dem der Herr gewalt- und wehrlos den Hass der Welt an sich hat austoben lassen und so dem unseligen Kreislauf von Tun und Vergeltung in die Speichen gefahren ist; vom Kreuz her, unter dem sich gerade auch noch einmal Opfer und Täter versöhnen können?

Dank des überlieferten Brief-Corpus haben wir auch ganz konkrete Aussagen und Ermahnungen des hl. Bonifatius an Bischöfe. Ich erinnere nur an eines der berühmtesten Worte, gerichtet an Bischof Cuthberht: „Wir wollen nicht stumme Hunde sein, nicht schweigende Späher, nicht Mietlinge, die vor dem Wolf fliehen, sondern besorgte Hirten, die über die Herde Christi wachen, die dem Großen und dem Kleinen, dem Reichen und dem Armen, jedem Stand und Alter, ob gelegen oder ungelegen, jeden Rat Gottes verkünden“ (Brief 78, ed. Rau, 251 und 253; zitiert nach Padberg, 31).

Es ist beachtlich, mit welchem Nachdruck Bonifatius die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen betont (vgl. Hubertus Lutterbach, Mit Axt und Evangelium. Eine Biographie in Briefen, Freiburg 2. Auflage 2005, 273). Lutterbach spricht davon, Bonifatius habe das Christentum als „Gewissensreligion“ gelehrt und verkündet! Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken. Kirchliches Leben braucht mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder sind gefragt. Menschen die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können.

Deshalb scheint mir, dass uns Bonifatius, der Glaubenszeuge, ermutigt, im Voraus zu einer Theologie der Gemeinschaft und der Kollegialität – so wichtig und notwendig sie ist –, noch deutlicher eine Theologie der Personalität und der personalen Verantwortung in den Blick zu nehmen. Eine solche Theologie der Personalität entspricht ganz dem biblischen Gottes- und Menschenbild. „Zur Struktur der Bibel gehört nicht nur die Gemeinschaftlichkeit der von Gott geschaffenen Geschichte“, sagt Joseph Ratzinger, „sondern ebenso die persönliche Haftbarkeit, die Verantwortung der Person. Das Wir ist nicht Auflösung von Ich und Du, sondern deren Bestätigung und Stärkung ins Endgültige hinein.“ Ein sprechender Beleg dafür ist die Bedeutung, die schon im Alten und erst recht im Neuen Testament, der Name hat – der Name Gottes und der Name des Menschen. Der Name, der Gott und mich und dich ansprechbar, identifizierbar und unterscheidbar macht, bezeichnet in der Sprache der Bibel dasselbe, was dann die philosophische Reflexion mit dem Wort „Person“ bezeichnen wird. „Dem Gott, der einen Namen hat, d. h. ansprechen und angesprochen werden kann, korrespondiert der Mensch, der namentlich und in namentlicher Verantwortung in der Offenbarungsgeschichte steht.“ (Joseph Ratzinger, Der Primat des Papstes und die Einheit des Gottesvolkes, JRGS 8, 660–675, hier: 663) Deshalb ist es auch wichtig, dass im eucharistischen Hochgebet, wenn die Einheit des Gottesvolkes mit der Hierarchie der Kirche aufgerufen wird, der Papst und der Ortsbischof mit ihren Namen genannt werden. Das hat nichts mit Personenkult zu tun, sondern erinnert an die Tatsache, dass der formale Kern des Glaubens die „persönlich verantwortete Zeugenschaft“ ist. Es kann in der Kirche keine anonyme Leitung geben. Die personale Inpflichtnahme darf nicht durch Gremien oder Synoden aufgehoben werden, durch letztlich anonyme Größen, hinter der die persönliche Zeugenschaft und auch die persönliche Verantwortlichkeit zu verschwinden droht. Bonifatius erinnert uns durch sein Wirken und sein Beispiel an die „martyrologische“, das heißt auf das persönliche Bekenntnis und die Zeugnis verpflichtende Sendung des apostolischen Dienstes. Die Kollegialität der Bischöfe hebt die Personalität und persönliche Verantwortung des einzelnen nicht auf, sondern setzt sie voraus.

Noch einmal mit Joseph Ratzinger gesprochen:

Dem Zeugen Jesus Christus entsprechen die Zeugen, die, eben weil sie Zeugen sind, mit Namen für ihn einstehen. Das Martyrium als Antwort auf das Kreuz Jesu Christi ist nichts anderes als die letzte Bekräftigung dieses Prinzips der unabtretbaren Namentlichkeit, der namentlich haftenden Person.“

Hl. Bonifatius, Apostel der Deutschen und Blut-Zeuge für das Evangelium, bitte für uns! Amen.

(Quelle: DBK)

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Quelle

Gebete und Lieder zur hl. Mutter Anna

Rom, Piazza del Gesù, Il Gesù, hl. Anna unterrichtet Maria

Auszug aus dem „Marienstatter Pilgerbuch“

60  Die hl. Anna in Marienstatt

Die Marienstatter Annenskulptur ist um 1480 entstanden und stand früher in der barocken Annakapelle. Sie zeigt die Mutter Anna, die ihre Tochter Maria das Lesen lehrt: Anna docens – Maria legen. Das aufgeschlagene Buch auf dem Schoß der Mutter Anna ist die Heilige Schrift und steht damit für Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort Gottes, den Logos, auf den die Schrift hinweist. Deshalb gehört auch diese Skulptur in ganz eigener Weise zu den „Anna-Selbdritt“-Darstellungen, die Anna „zu dritt“ darstellen – eben mit Maria und Jesus.

Diese so gestaltete Figurengruppe passt nicht nur gut zu einem klösterlichen Ort wie Marienstatt, sondern in die verschiedenen Lebensumfelder jedes Menschen. Denn jeder muss das „Lesen“ immer wieder neu lernen: genau hinschauen und hinhören, hinter die Buchstaben schauen, die Zeichen der Zeit erkennen, tiefer sehen lernen und sich vertiefen.

Was in unserem Denken, Reden und Tun macht tatsächlich lebendig? Der Apostel Paulus schreibt: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ Wenn wir also immer neu lesen lernen müssen, was die Alltage für uns bereit halten, dann geht es um genau diesen Geist, der in und hinter den vordergründigen Buchstaben steckt. Paulus spricht vom Geist Gottes, den Jesus uns Menschen als die Kraft und Weisheit Gottes schenkt, die uns in Bewegung bringt. Und so wird die Marienstatter Anna-Selbdritt-Darstellung erst vollständig im

dritten, unscheinbarsten Element, das richtig gelesen werden will: Anna docens – Maria legen – Christus movens!Der hebräische Name Anna bedeutet „die Begnadete, die Beschenkte“. Wie Anna sind wir alle von Gott Beschenkte. Das größte Geschenk ist, dass wir in diesem Geist Christi, der lebendig macht und uns bewegen will, immer neu anfangen können. Im Prolog der Regel des hl. Benedikt, die auch für die Marienstatter Klostergemeinschaft der Leitfaden ist, schreibt der Mönchsvater: „Wenn du etwas Gutes anfängst, bestürme IHN – Gott – beharrlich im Gebet, ER möge es vollenden.“

So können wir zu Gott beten:

Du, Gott der Anfänge, auf die Fürsprache der heiligen Mutter Anna begleite immer neu all unser Bemühen und vollende, was darin Stückwerk bleibt.

Du, Gott der Anfänge, lass in unserem Leben gute Früchte wachsen, die Nahrung für uns und für andere sein können.

Du, Gott der Anfänge, lehre uns tiefer lesen, hinschauen, hinhören und sei uns Geistes-gegenwärtig.

Du, Gott der Anfänge, treibe uns an, immer neu das Gute zu suchen und uns dabei von deinem Sohn Jesus Christus bewegen zu lassen.

Du, Gott der Anfänge, erhalte uns besonders in dem, was schwierig ist, den Blick dafür, dass wir reich begabt und beschenkt sind und dass wir allen Grund haben, dir dankbar zu sein.

Du, Gott der Anfänge, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Lege dein Angesicht auf uns und schenke uns deinen Frieden. Amen.

 

Gebete am Wallfahrtstag der hl. Mutter Anna

61  Bittgebet der Frauen an die hl. Mutter Anna

Heilige Mutter Anna, seit vielen Jahrhunderten kommen Frauen an deinem Festtag nach Marienstatt, um dich zu verehren und dir ihre mütterlichen Sorgen anzuvertrauen.

Mit allen Schwestern im Glauben legen wir dir unsere Bitten ans Herz.

Segne unsere Ehen und Familien, unsere Partner und Kinder und alle Menschen, für die wir Verantwortung tragen. In den Gefährdungen, denen sie ausgesetzt sind, halte deine schützenden Hände über sie.

Steh uns bei in allen Lebenslagen, in denen wir verzweifelt sind und keinen Ausweg sehen.

Schenke uns deinen mütterlichen Rat, wenn wir voller Ungeduld sind und unfähig, das Gute und Wahre zu erkennen. Lehre uns, an Gottes Liebe zu glauben und alles von ihm zu erwarten.

In Krankheit und Alter, in Trauer und jeglicher Not schauen wir auf zu dir und bitten um deine Fürsprache bei Christus, dem guten Hirten und Arzt unserer Seelen.

Wir weihen dir unser Leben als Frau und Mutter, dass es mehr und mehr geformt wird nach deinem Bild. Dann werden wir Frauen des Friedens sein und dem Reich Gottes Bahn brechen.

Du große mütterliche Frau, bitte für uns, damit wir würdig werden der Verheißungen Christi. Amen.

62  Selig sind die Frauen

V: Gott unser Vater, du bist verherrlicht in deinen Heiligen. Die heilige Mutter Anna steht in der Reihe der großen Frauen, denen du an den Knotenpunkten der Heilsgeschichte eine besondere Rolle zugedacht hat.

Sie ist das Vorbild für alle Frauen, die die Seligpreisungen ernst nehmen und sie in die Tat umsetzen.

A: Selig sind alle Frauen, die wie Anna arm sind vor Gott. Sie tragen oft ein schweres Los, aber sie lassen sich nicht entmutigen. In allen Lebenslagen halten sie dir die Treue und werden so zum Lobpreis deines Namens. Ihnen gehört das Himmelreich.

V: Selig sind die Frauen, die wie Anna den Trauernden zur Seite stehen. Sie sehen die Not, eilen zu Hilfe, nehmen sich zurück und geben sich restlos hin.

A: Selig sind die Frauen, die wie Anna keine Gewalt anwenden. In allen Anforderungen des Lebens bleiben sie gelassen, sie wirken ausgleichend, zeigen Verständnis und lassen sich nicht zu Zorn oder Unrecht reizen. Sie werden einst im Land deines göttlichen Friedens wohnen.

V: Selig sind alle Frauen, die mit der heiligen Anna hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Sie streben beständig danach, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, um so der Welt eine Ahnung von deiner Wahrheit und Gerechtigkeit zu schenken. Du allein kannst ihren Hunger stillen.

A: Selig sind die Frauen, die sich wie die heilige Anna in Barmherzigkeit üben. Das Leid der Welt geht ihnen durch Mark und Bein, sie öffnen den Menschen ihr Herz und zeigen Erbarmen allen, die ihrer Hilfe besonders bedürfen. Sie leben aus dem Glauben an einen barmherzigen und alles verzeihenden Gott.

V: Selig sind die Frauen, die wie die heilige Mutter Anna ein reines Herz haben. Sie sind ehrlich und gütig, sie bemühen sich um Wahrhaftigkeit und Lauterkeit. Sie suchen, dir in allem zu gefallen, um dich nach diesem Leben für immer schauen zu dürfen.

A: Selig sind alle Frauen, die sich mit der heiligen Anna um den Frieden bemühen. Sie reden den Mächtigen ins Gewissen, schlichten Streit, bewegen die Friedlosen; sie weinen mit allen, die in den Wirren der Kriege leben und leiden. Sie sind deine geliebten Töchter.

V: Selig sind alle Frauen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Sie treten unbeugsam für die Wahrheit und das Gute ein; sie lassen sich nicht verführen von falschen Versprechungen, sondern bleiben dir und sich selber treu. Mit der treuen Mutter Anna werden sie das Himmelreich erben.

A: Selig sind alle Frauen, die wegen ihres Glaubens leiden und verfolgt werden. Mit der heiligen Anna, die viele Jahre eine Geächtete war, tragen sie ein schweres Los. Aber sie wissen: Aus dem Leid erwächst neue Freude, und das neue Leben wird kommen. Ihr Lohn im Himmel wird groß sein.

V: Guter Gott, du hast uns die heilige Mutter Anna vor Augen gestellt als eine Frau, deren Leben und Handeln vorbildhaft und nachahmenswert ist. Hilf uns, mit ihr und allen großen Frauen der Kirche treu zu bleiben, unerschütterlich am Glauben festzuhalten und die Seligpreisungen in die Tat umzusetzen, damit auch wir einst den Lohn des Himmels empfangen. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen.

63  Fürbittrufe zur heiligen Mutter Anna

V: Heilige Mutter Anna, du hast dein ganzes Leben lang darauf gewartet und gehofft, Mutter zu werden.

Bitte für alle kinderlosen Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen: dass Gott ihre Gebete erhört.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir. (Melodie der Grüssauer Marienrufe)
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Im hohen Alter hast du Maria, die Mutter Jesu, geboren. Dadurch wurdest du zur Mitarbeiterin am Erlösungswerk des Gottessohnes.

Bitte für uns, dass wir alles von Gott erhoffen und bereit sind zu tun, was er von uns erwartet.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Mit Joachim hast du ein Leben des Gottvertrauens und der Zuversicht geführt. Ihr habt euch nicht beirren lassen durch Anfeindung und Spott wegen des ausbleibenden Kindersegens. Sei für alle Frauen da, die sich in schwierigen Lebensumständen für ein Kind entscheiden und oft einem großen Druck ihrer Umwelt ausgesetzt sind.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Du hast deine Tochter Maria eingeführt in den Glauben und in die Heilige Schrift.

Hilf den Eltern und Großeltern, ihren Glauben weiterzugeben an die jüngere Generation, und stärke ihr Vertrauen, wenn die Kinder und Enkelkinder sich abwenden von einem Leben mit Gott.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Du hast Maria Gott dargebracht und sie in jungen Jahren losgelassen für einen großen Dienst.

Segne die Männer und Frauen, denen Gott eine besondere Berufung zugedacht hat, dass sie den Mut finden zu einem freudigen Ja.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Wir beten für alle vernachlässigten, gequälten, miss­handelten und missbrauchten Kinder.

Nimm sie in deinen mütterlichen Schutz, dass ihr junges Leben nicht zerstört wird und sie von ihrem schweren Schicksal befreit werden.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Wir beten für die Kinder, die zugeworfen werden mit dem Müll einer Wohlstandgesellschaft, die aber keine echte Liebe erfahren.

Bitte für sie bei Gott, dass ihnen wahre Liebe und Zuneigung geschenkt wird.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Heilige Mutter Anna, wir bitten für alle kranken und an Leib und Seele verwundeten Kinder, für die Kinder auf den Kriegsschauplätzen und in den Katastrophengebieten der Erde, für die Kinder, die an todbringenden Seuchen leiden, für alle Kinder, die keine Zukunft haben und deren Leben bald zu Ende geht.

Tritt für sie ein beim barmherzigen Vater, dass er ihnen gebe, was sie auf Erden nicht empfangen konnten.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Unsere Kinder und Jugendlichen schauen in eine konfliktgeladene Zukunft. Bitte für sie bei Gott, dass sie zu verantwortungsbewussten und lebensbejahenden Menschen heranwachsen, und dass sie ihr Glück nicht verlieren in Fanatismus und Rausch, in Alkohol und Drogen.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

64  Zur heiligen Mutter Anna, der Schutzpatronin in vielen Lebenslagen

V: Heilige Mutter Anna, du bist hochverehrt in der ganzen Kirche. Seit Jahrhunderten rufen die Christen dich an in vielen Nöten und Sorgen. Frauen sehen in dir ein Vorbild, du wirst angerufen als Helferin der Schwangeren und bei schwierigen Geburten, zahlreiche Berufsstände, Städte und Länder haben dich zu ihrer Schutzpatronin erkoren, viele Kirchen sind dir geweiht.

Wir beten mit dir für alle Frauen und Mütter:
A: Dass sie die Wege ihrer Kinder mit Liebe begleiten, auch wenn sie diese oft nicht verstehen.

V: Wir beten mit dir für alle Ehepaare:
A: Dass sie in guten und schweren Zeiten einander die Treue halten.

V: Wir beten mit dir für die schwangeren Frauen und alle jungen Eltern:
A: Um eine gute Geburt und um die Freude, an Gottes Schöpfung mitwirken zu dürfen durch die Weitergabe des Lebens.

V: Wir beten mit dir für alle Frauen der Erde, die durch harte Arbeit den Lebensunterhalt ihrer Familien verdienen:
A: Dass sie durch die Liebe und Dankbarkeit ihrer Angehörigen entlohnt werden.

V: Wir beten mit dir für die Witwen:
A: Das sie in ihrer Trauer Trost finden und mit der neuen Lebenssituation gut zurechtkommen.

V: Wir beten mit dir für die Städte und Länder, die deinem Schutz in besonderer Weis anvertraut wurden:
A: Dass der Glaube an den Dreieinigen Gott dort erhalten bleibt und die Menschen im Frieden miteinander leben.

V: Wir beten mit dir für alle Kirchengemeinden und Gotteshäuser, die deinen Namen tragen:
A: Dass die Christen an deinem Lebensbeispiel Maß nehmen, eine lebendige Gemeinde bilden und sich der Gemeinschaft nicht verweigern.

V: Wir beten mit dir für alle Berufsstände, deren Schutzpatronin du bist: Die Hausangestellten, Bergleute, Schneider, Weber, Dienstboten, Müller, Schiffer, Seiler, Tischler, Drechsler und Goldschmiede.
A: Dass sie ihren Beruf mit Freude ausüben, darin Erfüllung finden und ihr täglich Brot verdienen können.

V: Wir beten mit dir für alle Wallfahrtsorte, an denen du besonders verehrt wirst:
A: Dass die Pilger im Glauben gestärkt werden und das Licht der Liebe Christi in die Welt tragen.

V: Wir beten mit dir für alle Menschen, die dich in bestimmten Krankheiten anrufen:
A: Dass sie Erhörung finden und gesund werden an Leib und Seele. Amen.

65  Mit Anna und Maria die Psalmen beten

V: Die heilige Anna war eine Tochter des Hauses Israel. Mit dem ganzen jüdischen Volk stimmte sie täglich ein in den Lobpreis Jahwes, des einzigen Gottes. Das Gnadenbild der hl. Anna von Marienstatt zeigt die Mutter Mariens, wie sie ihre Tochter in die Heiligen Schriften des Alten Bundes einführt. Lasst uns mit diesen treuen Frauen, den Urbildern des Wartens und Vertrauens, den lebendigen Gott anbeten:
Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?

A: Der makellos lebt und das Rechte tut; der von Herzen die Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht verleumdet;

V: der seinem Freund nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht;

A: der sein Versprechen nicht ändert, das er seinem Nächsten geschworen hat.

V: Behüte mich Gott, denn ich vertraue dir. / Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.“ A: Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.

66.  Litanei zur heiligen Anna

V: Herr, erbarme dich.
A: Herr, erbarme dich.
V: Christus erbarme dich.
A: Christus erbarme dich.
V: Herr, erbarme dich.
A: Herr, erbarme dich.
V: Heilige Mutter Anna  A: bitte für uns.
V: Du Tochter des Volkes Israel  A: bitte für uns.
V: Du Auserwählte Gottes  A: bitte für uns.
V: Du Dienerin des Alten Bundes  A: bitte für uns.
V: Du Vorbotin des Neuen Bundes  A: bitte für uns.
V: Du Lehrerin der Heiligen Schriften  A: bitte für uns.
V: Du treue Ehefrau des heiligen Joachim  A: bitte für uns.
V: Du Frau, geduldig im Warten auf Gottes Verheißungen  A: bitte für uns.
V: Du fürsorgliche Mutter Mariens  A: bitte für uns.
V: Du unermüdliche Beterin  A: bitte für uns.
V: Du Frau, tief verwurzelt im Glauben  A: bitte für uns.
V: Du Frau, unerschütterlich in der Hoffnung  A: bitte für uns.
V: Du Frau, rein in der Liebe  A: bitte für uns.
V: Du gütige Mutter aller, die dich verehren  A: bitte für uns.
V: Du Helferin der Christenheit  A: bitte für uns.
V: Du Trösterin der Kranken  A: bitte für uns.
V: Du Schutzpatronin vieler Stände, Kirchen und Orte  A: bitte für uns.
V: Du Vorbild aller Ehepaare, Frauen und Mütter  A: bitte für uns.
V: Du Jüngerin Jesu  A: bitte für uns.
V: Du kostbares Geschenk für alle Glaubenden  A: bitte für uns.
V: Du Gesegnete des Dreifaltiges Gottes  A: bitte für uns.

V: Gott unserer Väter und Mütter, schenke deinen Pilgern die Fülle des Heiligen Geistes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Lass alle Menschen erfahren, wie köstlich es ist, vor dir zu stehen und dir zu dienen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Segne deine heilige Kirche, unseren Papst, die Bischöfe und alle Hirten deines Volkes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Gewähre unserem Volk und Land Einheit und Frieden, und lass den christlichen Glauben neu erblühen.
A: Wir bitten dich, erhöröe uns.
V: Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes,
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Christus, höre uns.
A: Christus, erhöre uns.

 

67  Heil’ge Anna, du entsprossen

1.  Heil’ge Anna, du entsprossen / Davids edlem Königshaus, Freude hast du ausgegossen / in die Welt voll Nacht und Graus; Morgenröte bessrer Zeiten, / die der Menschen Glück bereiten: Hoffnungsstern im Tränental, / sein gegrüßt viel tausendmal.

2.  Liebreich trägst du auf den Händen / das gebenedeite Kind, lehrst es Herz und Augen wenden /zu dem Himmel fromm gesinnt; lehrst es früh die Händlein falten,/dankend preisen Gottes Walten, der voll Huld herniederschaut / auf die auserwählte Braut.

3.  Aller Mütter schönster Spiegel, / o gewähr uns deine Huld! / Drück uns auf der Tugend Siegel, / lehr uns Frömmigkeit, Geduld, Führ“ die vielbedrohte Jugend / zu Gehorsam, Weisheit, Tugend; halte fern des Bösen Lug, / fern der Erden schlechten Trug.

4.  Heil’ge Mutter Anna, rufe / deine liebe Tochter an, dass sie uns zur Himmelsstufe / führe auf der Pilgerbahn, dass sie uns bei ihrem Sohne / helfe zu der Himmelskrone. Mutter, ach, verlass uns nicht, / wenn das Auge sterbend bricht.

(Melodie: Was der Herr im Kreis der Jünger)

68  Mutter Anna, dir sei Preis (1. Melodie)

1. Mutter Anna dir sei Preis, Davids Sprosse edles Reis,
heilge Mutter Anna!
Du bist aller Frauen Zier, alle schauen auf zu dir,
heilge Mutter Anna!

2. Wer ist doch die Tochter dein? / O, es ist Maria rein, /
heilge Mutter Anna /
die uns schenkt den Gottessohn, / Jesum Christ vom Himmelsthron, /
heilge Mutter Anna!

3. O du Mutter, treu und gut, / halt uns all in deiner Hut, /
heilge Mutter Anna!
Deine Tochter hilf so gern / bitten ihren Sohn, den Herrn, /
heilge Mutter Anna!

4. Bitte, daß auf unser Haus / Gottes Gnad sich gieße aus, /
heilge Mutter Anna! /
Dass der Liebe treues Band / sei des Segens Unterpfand, /
heilge Mutter Anna!

5. Bitte, daß uns Gottes Gnad / leite auf der Tugend Pfad, /
heilge Mutter Anna! /
Bringe Trost in Traurigkeit, / hilf uns tragen Kreuz und Leid, /
heilge Mutter Anna!

6. Steh uns bei im letzten Streit / auf dem Weg zur Ewigkeit, /
heilge Mutter Anna! /
Bitte, daß Mariens Sohn / dann uns schenk die Siegeskron, /
heilge Mutter Anna!

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Quelle: Marienstatter Pilgerbuch – Lieder, Texte und Gebete am Gnadenort der Schmerzhaften Muttergottes von Marienstatt – Herausgegeben von den Mönchen der Zisterzienserabtei Marienstatt – 1. Auflage 2013