Worum geht es bei der Wiederherstellung der Einheit aller Christen?

93347722-brother-roger-the-founder-of-the-ecumenical-gettyimages

[…] Wir alle wissen, es gibt viele Modelle von Einheit. Sie wissen auch, daß die katholische Kirche das Erreichen der vollen sichtbaren Einheit der Jünger Jesu Christi will, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil in verschiedenen Dokumenten definiert hat (vgl. Lumen gentium, 8; 13; Unitatis redintegratio 2; 4 u.a.). Diese Einheit besteht zum einen nach unserer Überzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche (vgl. Unitatis redintegratio, 4); die Kirche ist ja nicht überhaupt verschwunden aus der Welt. Andererseits aber bedeutet diese Einheit dann doch auch nicht das, was man sozusagen »Rückkehr-Ökumenismus« nennen könnte: die eigene Glaubensgeschichte leugnen und ablegen zu müssen. Keineswegs! Sie bedeutet nicht Uniformität in allen Ausdrucksformen der Theologie und der Spiritualität, in den liturgischen Formen und in der Disziplin. Einheit in der Vielfalt und Vielfalt in der Einheit: In der Predigt am Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus am vergangenen 29. Juni habe ich hervorgehoben, daß volle Einheit und wahre Katholizität im ursprünglichsten Sinn des Wortes zusammengehen. Die notwendige Bedingung, damit dieses Miteinander sich verwirklichen kann, ist, daß der Einsatz für die Einheit ständig geläutert und erneuert wird, daß er beständig wächst und reift. Dazu kann der Dialog beitragen. Er ist mehr als ein Gedankenaustausch, ein akademisches Unterfangen: Er ist ein Austausch von Gaben (vgl. Ut unum sint, 28), in dem die Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften die ihnen eigenen Reichtümer einbringen können (vgl. Lumen gentium, 8; 15; Unitatis redintegratio, 3; 14f.; Ut unum sint 10–14).

Dank diesem Einsatz kann der Weg Schritt für Schritt fortgesetzt werden bis zu dem Augenblick, wenn schließlich, wie der Epheserbrief sagt, »wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen« (Eph 4,13).

Es ist ganz offenkundig, daß ein solcher Dialog sich nur in einer Atmosphäre wahrhaftiger und angemessener Spiritualität entfalten kann. Allein mit unseren eigenen Kräften können wir die Einheit nicht »machen«. Wir können sie nur empfangen als Geschenk des Heiligen Geistes. Darum bildet der geistliche Ökumenismus, das heißt das Gebet, die Umkehr und die Heiligung des Lebens das Herz der ökumenischen Begegnung und Bewegung (vgl. Unitatis redintegratio, 8; Ut unum sint, 15f.; 21 u.a.). Man könnte auch sagen: Die beste Form des Ökumenismus besteht darin, nach dem Evangelium zu leben.

Ich möchte an dieser Stelle auch meinerseits des großen Wegbereiters der Einheit, Frère Roger Schutz, gedenken, der auf so tragische Weise aus dem Leben gerissen wurde. Ich habe ihn seit langer Zeit persönlich in herzlicher Freundschaft gekannt. Er hat mich oft besucht, und – wie ich schon in Rom sagen konnte – am Tag seiner Ermordung habe ich einen Brief von ihm erhalten, der mir zu Herzen gegangen ist, weil er seine Weggemeinschaft mit mir betont und mir ankündigt, daß er bald zu Besuch kommen will. Nun besucht er uns von oben her und redet uns zu. Ich denke, wir sollten ihm, seinem geistlich gelebten Ökumenismus von innen her zuhören und uns jetzt erst recht von diesem Zuspruch zu einem wahrhaft verinnerlichten und vergeistigten Ökumenismus führen lassen.

Ich sehe einen tröstlichen Grund zu Optimismus in der Tatsache, daß sich gegenwärtig eine Art geistliches »Netzwerk« bildet zwischen Katholiken und Christen der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften: Jeder einzelne setzt sich ein durch Gebet, Überprüfung des eigenen Lebens, Reinigung des Gedächtnisses und Öffnung in der Nächstenliebe. Der Vater des geistlichen Ökumenismus, Paul Couturier, hat in diesem Zusammenhang von einem »unsichtbaren Kloster« gesprochen, das in seinen Mauern diese für Christus und seine Kirche begeisterten Menschen versammelt.

Ich bin überzeugt: Wenn sich eine wachsende Anzahl von Menschen von innen her zutiefst dem Gebet des Herrn, »daß alle eins seien« (Joh 17,21), anschließt, dann wird ein solches Gebet in Jesu Namen nicht ins Leere gehen (vgl. Joh 14,13; 15,7.16 u.a.).

Mit der Hilfe von oben werden wir in den verschiedenen noch offenen Fragen durchführbare Lösungen finden, und die Sehnsucht nach Einheit wird schließlich ihre Erfüllung finden, wann und wie Er will. Jetzt gehen wir gemeinsam diesen Weg und wissen, daß gerade das gemeinsame Auf-dem-Weg-Sein eine Weise der Einheit ist. Wir danken dem Herrn dafür, und wir bitten ihn, daß er uns alle weiter führen möge.

_______

Quelle [ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI., Köln, Erzbischöfliches Palais, Freitag, 19. August 2005]

Siehe auch:

Wertvolle Texte, die (u.a.) den katholischen christlichen Ökumenismus erklären (02)

Einladung_Jugendtreffen_Rom-1

Der Heilige Stuhl

TAIZÉ: EUROPÄISCHES JUGENDTREFFEN

ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.

Petersplatz Samstag, 29. Dezember 2012

 

Danke, lieber Frère Alois, für Ihre herzlichen und liebevollen Worte.

Liebe Jugendliche, liebe Pilger des Vertrauens, herzlich willkommen in Rom!

Ihr seid äußerst zahlreich aus ganz Europa und auch aus anderen Kontinenten hierher gekommen, um an den Gräbern der heiligen Apostel Petrus und Paulus zu beten. In der Tat haben beide ihr Blut in dieser Stadt für Christus vergossen. Der Glaube, der diese beiden großen Apostel Jesu beseelte, ist derselbe, der auch euch in Bewegung gesetzt hat. Ihr habt euch vorgenommen, im Verlauf des nun bald beginnenden Jahres die Quellen des Gottvertrauens freizulegen, um im Alltag aus ihnen zu leben. Ich freue mich, daß ihr dadurch genau das Ziel des Jahres des Glaubens trefft, das im Oktober begonnen hat.

Es ist bereits das vierte Mal, daß ihr ein Europäisches Jugendtreffen in Rom abhaltet. Ich möchte aus diesem Anlaß die Worte wiederholen, die mein Vorgänger, der selige Johannes Paul II., im Verlauf eures dritten Jugendtreffens in Rom zu den Jugendlichen gesagt hatte: »Der Papst fühlt sich aufs tiefste verbunden mit euch bei dieser eurer Pilgerfahrt des Vertrauens auf der Erde … Auch ich bin dazu aufgerufen, ein Pilger des Vertrauens im Namen Christi zu sein« (30. Dezember 1987).

… auf englisch: Vor wenig mehr als 70 Jahren hat Frère Roger die Gemeinschaft von Taizé ins Leben gerufen. Tausende junger Menschen aus aller Welt strömen nach wie vor dorthin, um nach einem Sinn für ihr Leben zu suchen. Die Brüder nehmen sie auf, sie lassen sie an ihrem Gebet teilnehmen und bieten ihnen die Möglichkeit, die Erfahrung einer persönlichen Beziehung zu Gott zu machen. Eben um diese jungen Menschen bei ihrer Reise hin zu Christus zu unterstützen, hatte Frère Roger die Idee, einen »Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde« ins Leben zu rufen.

Als unermüdlicher Zeuge für das Evangelium des Friedens und der Versöhnung, der von der Glut einer Ökumene der Heiligkeit beseelt war, ermutigte Frère Roger all jene, die nach Taizé kamen, dazu, nach Einheit zu streben. In unseren Herzen sollten wir auf seinen geistlich gelebten Ökumenismus hören und uns von seinem Zeugnis zu einem wahrhaft verinnerlichten und vergeistigten Ökumenismus führen lassen. Mögt ihr alle, seinem Beispiel folgend, Träger dieser Botschaft der Einheit sein. Ich versichere euch, daß sich die katholische Kirche unwiderruflich dazu verpflichtet, auch in Zukunft nach Wegen der Versöhnung zu suchen, die zu einer sichtbaren Einheit unter den Christen führen. Deshalb begrüße ich heute abend diejenigen unter euch, die orthodox oder evangelisch sind, mit besonderer Zuneigung.

… auf französisch: Christus stellt euch heute die Frage, die er an seine Jünger gerichtet hat: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« Auf diese Frage antwortete Petrus, an dessen Grab wir uns in diesem Augenblick befinden: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16,15–16). Und sein gesamtes Leben wurde eine konkrete Antwort auf diese Frage. Christus möchte auch von einem jeden von euch eine Antwort erhalten, die weder erzwungen noch aus Angst gegeben wird, sondern die ihr in vollkommener Freiheit gebt. Dadurch, daß ihr auf diese Frage antwortet, wird euer Leben seinen tiefsten Sinn finden. Der Text des Johannesbriefes, den wir soeben gehört haben, hilft uns einfach und knapp zu verstehen, wie wir antworten können:

»Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht« (1 Joh 3,23). Wir sollen glauben und Gott und einander lieben! Was könnte begeisternder sein? Was gibt es Schöneres? Mögt ihr in diesen Tagen in Rom in euren Herzen dieses »Ja« zu Christus heranreifen lassen, indem ihr vor allem von den langen Zeiten der Stille profitiert, die bei eurem gemeinschaftlichen Gebet eine zentrale Stellung im Anschluß an die Lesung aus dem Wort Gottes einnehmen. Dieses Wort ist dem Zweiten Petrusbrief zufolge »ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint«, und ihr tut gut daran, es zu beachten, »bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen« (1,19). Ihr habt dies verstanden: wenn der Morgenstern in euerem Herzen aufgehen soll, dann deshalb, weil er nicht immer dort ist.

Bisweilen rufen das Böse und das Leiden Unschuldiger in euch Zweifel und Unruhe hervor. Und das »Ja« zu Christus kann schwierig werden. Aber dieser Zweifel macht aus euch noch keine Ungläubigen! Jesus hat den Mann im Evangelium nicht zurückgewiesen, der rief: »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« (Mk 9,24).

… auf deutsch: Gott läßt euch nicht allein noch auf euch selbst gestellt, damit ihr in diesem Ringen um Vertrauen in ihn durchhaltet. Er schenkt uns allen die Freude und die Stärkung der Gemeinschaft der Kirche. Während eures Aufenthalts in Rom macht ihr vor allem dank der großherzigen Gastfreundschaft vieler Pfarreien und Ordensgemeinschaften eine neue Erfahrung von Kirche. Wenn ihr wieder nach Hause in eure Länder zurückgekehrt seid, werdet ihr die Entdeckung machen, daß Gott euch durch all die verschiedenen Berufungen Mitverantwortung gibt für seine Kirche. Diese Gemeinschaft, die den Leib Christi bildet, braucht euch, und ihr habt darin euren Platz. Von euren Begabungen her, von dem, was jeder als besondere Gabe besitzt, formt der Heilige Geist das Geheimnis der Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Kirche, und gibt ihr Leben, um der Welt von heute die gute Nachricht des Evangeliums zu bringen.

… auf polnisch: Zusammen mit dem Schweigen nimmt auch der Gesang einen bedeutenden Platz in eurem gemeinschaftlichen Gebet ein. Die Gesänge von Taizé erfüllen dieser Tage die römischen Basiliken. Der Gesang ist Unterstützung und unvergleichlicher Ausdruck des Gebets.

Indem ihr Christus besingt, öffnet ihr euch auch für das Mysterium seiner Hoffnung. Fürchtet euch nicht davor, der Morgenröte zuvorzukommen, um Gott zu loben. Ihr werdet nicht enttäuscht werden.

Liebe junge Freunde, Christus nimmt euch nicht aus dieser Welt. Er sendet euch dahin, wo es an Licht fehlt, damit ihr es den anderen bringen könnt. Ja, ihr alle seid dazu aufgerufen, kleine Lichter für all jene zu sein, die euch umgeben. Ihr helft mit eurer Sorge um eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Erde, mit eurem Einsatz für die Gerechtigkeit und für eine neue Solidarität unter den Menschen denen, die euch umgeben, besser zu verstehen, wie uns das Evangelium zugleich näher zu Gott und zu den Mitmenschen bringt. So tragt ihr durch euren Glauben dazu bei, auf der Erde das Vertrauen wachsen zu lassen.

…auf französisch: Seid also voller Hoffnung. Möge Gott euch, eure Familien und Freunde segnen!

_______

Quelle

 

Frère Roger: Eine Stimme für die Ökumene

0,,18445353_303,00

Er wollte die Konfessionen versöhnen und die Armen stärken. Frère Roger, der Gründer der Bruderschaft von Taizé, wurde vor 100 Jahren geboren. Er überwand viele Grenzen, eckte aber auch an und sorgte für Aufsehen.

 

So findet sich der Name von Frère Roger auch in Unterlagen der Stasi. Im Sommer 1981 formulierte das Ministerium für Staatssicherheit einen dreiseitigen Auskunftsbericht. Der Text, der der Deutschen Welle mit anderen Stasi-Archivalien zu Schutz vorliegt, listet detailliert die Kontakte in den Vatikan, seine größeren Reisen und seine beiden Besuche in der DDR 1980 und 1981 auf. Am Ende heißt es zusammenfassend: „Roger Schutz wird als eine Persönlichkeit eingeschätzt, die eine starke gruppenbildende Anziehungskraft ausübt, er sei ruhig und könne den Menschen – besonders den jungen Menschen – lange zuhören.“

Noch kritischer wurde Schutz in der damaligen Tschechoslowakei gesehen, die mit ihren Vorbehalten in Ostberlin vorstellig wurden. „Auf Grund seiner feindlichen Tätigkeit besteht gegen SCHÜTZ Einreisesperre in der CSSR“, heißt es, mit falsch geschriebenem Namen, in einem Stasi-Vermerk vom Juni 1981. Die DDR-Sicherheitskräfte beäugten deshalb jene jungen Katholiken sorgfältig, die damals zu Begegnungen mit Schutz in die DDR reisten. So steht in den Akten: „Nach dem Gottesdienst wurden einzelne Leute in individuelle Gespräche durch Schutz verwickelt.“

Offenheit für die Jugend der Welt

Offenheit für junge Menschen, die Überwindung von nationalen oder religiösen Grenzen, innere Ruhe – diese Aspekte zeichneten Roger Schutz in der Tat aus. „Bis ins hohe Alter“, schreibt Klaus Hamburger in einer zum Jubiläum neu erschienenen Biographie, „verging kein Tag ohne Gespräche mit unterschiedlichsten jungen Frauen und Männern aus allen Himmelsrichtungen.“ All das ist bis heute für Taizé kennzeichnend, für jene ökumenische Brüderschaft im südlichen Burgund.

0,,17736171_404,00

Tausende versammeln sich bei Jugendtreffen

In diesem vergessenen Flecken unweit von Cluny hatte der junge Roger Schutz nach seinem Theologiestudium in Lausanne und Straßburg im August 1940 ein Haus gekauft. Während des zweiten Weltkriegs bot er dort Kriegsflüchtlingen Zuflucht und half auch jüdischen Flüchtlingen. Mit protestantischen Weggefährten wollte er eine Glaubensgemeinschaft gründen. Schon 1948 hatte der damalige Botschafter des Papstes in Frankreich, Erzbischof Angelo Giuseppe Roncalli, den protestantischen Brüdern die Nutzung der kleinen romanischen Dorfkirche gestattet. Jener Roncalli, der ein gutes Jahrzehnt später zum Papst gewählt wurde und als Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) einberief. Für ihn blieb Taizé, wie er einmal sagte, „der kleine Frühling“.

Über Konfessionsgrenzen hinweg

Längst hat die Kommunität – seit 1962 – ihre eigene große Kirche. Und sie bleibt dabei bewusst den verschiedenen christlichen Traditionen verbunden, vereint Brüder mit katholischer oder protestantischer Herkunft. In der Unterkirche feiern Katholiken die Eucharistie, jüngere Erweiterungen des Gotteshauses nahmen jeweils orthodoxe Elemente auf. Taizé gehört im engeren Sinne nicht einer Konfession. Es will im Sinne seines Gründers und ersten Priors offen sein für die Jugend Europas, die Jugend der Welt. Dazu hatte Frère Roger 1974 ein „Konzil der Jugend“ mit zigtausend jungen Leuten einberufen. Seitdem leben Brüder aus Taize in vielen Teilen der Welt. In den Slums Lateinamerikas wie in den Brennpunkten afrikanischer oder asiatischer Metropolen. Und seit einigen Monaten auch in Kiew. Da sind manche Parallelen zum Werben des heutigen Papstes Franziskus für Barmherzigkeit, sein tiefes Mit-Leiden mit Flüchtlingen und Marginalisierten.

„Die Aussagen … bezogen sich ausschließlich auf religiöse Probleme. Zu Vorkommnissen kam es nicht“, heißt es in einer vertraulichen Information der Stasi über einen Besuch Frère Rogers in Dresden 1984. Das zeigt, dass der Theologe, der in den 1970er und 1980er Jahren für viele junge Christen in Mitteleuropa zum Hoffnungsträger jenseits bürgerlicher Kirchenmauern wurde, nicht auf direkte politische Appelle setzte. Aber er wollte stets politische, soziale und konfessionelle Grenzen überwinden. Auch mit „Europäischen Jugendtreffen“, die Taize seit 1978 jeweils zum Jahreswechsel initiiert und mit seinem globalen „Pilgerweg des Vertrauens“ seit 1982. Immer wieder warb Frère Roger dabei für Gewaltlosigkeit und die Versöhnung der Völker, der Religionen und Konfessionen. Er ermutigte junge Leute zu ihrem eigenen Weg und redete Staatsmännern und politisch Verantwortlichen ins Gewissen.

Roger und Ratzinger

Zu jedem der römisch-katholischen Päpste hatte Schutz einen guten Draht. Und als er, bereits im Rollstuhl, auf dem Petersplatz an der Trauerfeier für Johannes Paul II. teilnahm, reichte der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., dem reformierten Theologen die Eucharistie1. Ein bleibendes, ein großes Bild.

Monate später, am 16. August 2005, fällt Frère Roger einem Gewaltverbrechen zum Opfer. In der großen Versöhnungskirche von Taize verletzt ihn eine offenbar geistig verwirrte Frau mit Messerstichen tödlich. Während des Abendgebet, mitten in der voll besetzten Kirche.

0,,18159563_404,00

Prior Frère Alois leitet heute die Bruderschaft von Taizé

Frère Roger war einer der großen europäischen Christen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Botschaft der Versöhnung und der Offenheit prägt bis heute die Brüderschaft von Taizé, die seitdem von dem deutschen Prior Frère Alois geleitet wird. Jahr für Jahr kommen viele hunderttausend Menschen auf den Hügel, auffallend viele junge Leute aus Mittel- und Osteuropa. Und viele halten inne an einem schlichten Grab vor der alten kleinen Kirche des Dorfes. Seines Dorfes Taizé. „F. Roger“ steht auf dem schlichten Holzkreuz.

_______

Quelle

1 Siehe dazu auch: