Italien erschüttert über Mord an Priester

Roberto Malgesini (ANSA)

In Italien hat dieser Mord Erschütterung ausgelöst: Der katholische Priester Roberto Malgesini ist im norditalienischen Como offenbar hinterrücks erstochen worden. Ein obdachloser Tunesier soll den 51-Jährigen plötzlich mit einem Küchenmesser angegriffen haben, als dieser auf einer Piazza im Zentrum Nahrungsmittel an Arme verteilte.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Offenbar kannte der Angreifer, der sich ohne Aufenthaltserlaubnis in Italien aufhält und wohl unter psychischen Problemen leidet, den Priester. Malgesini war als Seelsorger der Armen bekannt. Weit über Como hinaus sorgt der Mord vom Dienstag für Entsetzen – und für politische Debatten. Der populistische Rechtspolitiker Matteo Salvini („Lega“) kritisierte aus diesem Anlass einmal mehr die Migrationspolitik der Regierung.

„Er war ein glücklicher Mensch und Priester“, sagt Ortsbischof Oscar Cantoni zu Radio Vatikan über den getöteten Priester. „Er hatte die Art und Weise entdeckt, wie man Jesus begegnen kann – nämlich in den Armen. Für die Armen hat er alles gegeben, sogar sein Blut.“

Trauer am Tatort

„Ein Märtyrer der Nächstenlieben“

Der Bischof lud am Dienstagabend die Gläubigen von Como in die Kathedrale ein – dort wurde für den Ermordeten und für seinen Mörder gebetet. Cantoni ist auch privat betroffen; er war mit Malgesini eng befreundet. „Ich erinnere mich an ihn mit großer Verehrung. Ich glaube, man kann ihn einen Märtyrer der Nächstenliebe nennen. Er hat sich ganz für die anderen hingegeben, hat auch denen vergeben, die ihm Böses angetan haben.“

Für Pfarrer Malgesini gehörte es zum Alltag, den Bedürftigen in seiner Pfarrei zu essen zu geben. Jeden Morgen drehte er eine Runde, damit sie etwas zum Frühstück hatten – auch während der Corona-Einschränkungen.

Abendliches Gebet in der Kathedrale

Auch während des Lockdown täglich eine Runde

„Er machte sich um sich selbst keine Gedanken. Darum hat er auch während des Lockdown regelmäßig den Bedürftigen etwas zu essen gebracht. Und das, obwohl er dabei für sich einiges riskiert hat. Dieser Priester war wirklich ein Vater der Armen.“

Auch die italienische Bischofskonferenz würdigte den ermordeten Priester. Er sei eine Art „Heiliger von nebenan“ gewesen, so eine Erklärung vom Dienstag. Cantoni: „Er war für mich ein Sohn. Wir haben uns oft getroffen und sprachen auch über persönliche Dinge… Er erzählte mir von seinem Dienst, betonte dabei aber das Schöne. Denn er machte das alles voller Freude, das war seine Berufung.“

Bischof Cantoni segnet den Leichnam des ermordeten Priesters

Erst Bankangestellter, dann Priester

Malgesini war 1969 in Sondrio in der Lombardei geboren worden und hatte, bevor er Priester wurde, zunächst in einer Bank gearbeitet. Seit 2008 war er Pfarrer in der Pfarrei San Rocco in Como.

Zum Nachhören

(vatican news)

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ITALIEN – ERNEUTE WEIHE AN DIE MUTTERGOTTES (1. Mai 2020)

Italien: Bischöfe protestieren gegen Gottesdienstverbot

Der italienische Ministerpräsident bei seiner TV-Ansprache am Sonntagabend (ANSA)

Ministerpräsident Giuseppe Conte hat für die Phase 2 der Corona-Krise für viele Aktivitäten Lockerungen angekündigt – doch das Gottesdienstverbot soll bestehen bleiben. Die italienische Bischofskonferenz will dies nicht hinnehmen. „Die Ausübung der Religionsfreiheit darf nicht beeinträchtigt werden,“ protestieren die Bischöfe in einem Statement, das gleich nach Bekanntwerden des neuen Dekrets der Regierung veröffentlicht wurde.

„Die italienischen Bischöfe können nicht hinnehmen, dass die Ausübung der Religionsfreiheit beeinträchtigt wird,“ heißt es in dem Statement. „Es sollte allen klar sein, dass die Verpflichtung zum Dienst an den Armen, die in dieser Notlage so wichtig ist, einem Glauben erwächst, der sich an seiner Quelle nähren können muss, besonders aus dem sakramentalen Leben.“ Die Reaktion der Bischöfe folgte unmittelbar auf die Fernsehrede, in der Ministerpräsident Giuseppe Conte das neue Dekret vorstellte.

Bischöfe sprechen von staatlicher Willkür

Nach „wochenlangen Verhandlungen, in denen die Bischofskonferenz Richtlinien und Protokolle dazu vorgelegt hat, wie man die Übergangsphase in voller Übereinstimmung mit allen Gesundheitsvorschriften angehen könne, schließt das nun verabschiedete Dekret des Kabinetts willkürlich die Möglichkeit aus, die Messe mit dem Volk zu feiern,“ zürnen die Bischöfe.

Hinter den Kulissen wird offenbar verhandelt

Das Kabinett in Rom hat den Brandbrief der Bischöfe zur Kenntnis genommen, den Inhalt des neuen Dekrets aber bestätigt. Schon in den kommenden Tagen wolle man allerdings ein Protokoll prüfen, das eine baldige Teilnahme von Gläubigen an liturgischen Feiern möglich machen soll. Gegenüber Vatican News wollten sich Bischöfe nicht zum Zwist mit der Regierung Conte äußern; hinter den Kulissen sind offenbar Verhandlungen im Gang.

(vatican news – skr)

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Corona: Bischöfe stellen Italien unter den Schutz Mariens

Zu Beginn des Marienmonats wird Italien der Muttergottes geweiht

Im Rahmen eines feierlichen Gebets wird die Italienische Bischofskonferenz das von der Corona-Krise besonders schwer getroffene Land am 1. Mai der Fürsprache der Muttergottes anvertrauen. Damit komme man der Bitte vieler Katholiken des Landes nach.

Das Gebet wird am 1. Mai um 21 Uhr in der Basilika „Santa Maria del Fonte“ in der Nähe von Caravaggio in der Diözese Cremona (Provinz Bergamo) stattfinden.

Marienmonat Mai

Wie die Italienische Bischofskonferenz in ihrer diesbezüglichen Mitteilung betont, ist der Mai der Monat, „der traditionell der Verehrung der Muttergottes gewidmet ist: eine Zeit, in der die Gläubigen beim Rosenkranzgebet und mit Wallfahrten zu Marienheiligtümern um die Fürsprache der Jungfrau und Gottesmutter Maria bitten.“ Dass dieser Monat nun mit der Weihe Italiens an Maria beginnen werde, habe in der gegenwärtigen Situation für ganz Italien eine besondere Bedeutung. Der Ort Caravaggio in der Diözese Cremona und der Provinz Bergamo seien ein Sinnbild für das Leid eines Landes, das von der Covid-19-Epidemie auf besonders dramatische Weise betroffen sei.

Die Zukunftssorgen der Arbeiter…

Der Mutter Gottes vertraue man die Kranken, das Gesundheitspersonal, die Ärzte, Familien und Verstorbenen an, heißt es in der Mitteilung der italienischen Bischöfe weiter. In einer Zeit, in der viele Menschen Zukunftssorgen haben, vertraue die Kirche, „am Fest des heiligen Josef, des Arbeiters, Ehemann der Jungfrau Maria, der Gottesmutter, besonders auch die Arbeiter an – im Bewusstsein der Sorgen und Ängste, mit denen viele von ihnen in die Zukunft blicken.“

(fides/vatican news – skr)

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Italiens Caritas: Die Menschen über der Armutsgrenze halten

Menschenleer: Der Vorplatz des Mailänder Doms (ANSA)

Eine der besorgniserregensten Konsequenzen der Krise, die die Weltgemeinschaft aufgrund der Verbreitung des Coronavirus derzeit lebt, ist die Tatsache, dass viele Menschen ihre Arbeit verlieren und Mühe haben, sich und ihre Familien mit dem Notwendigsten zu versorgen. Daran erinnerte auch Papst Franziskus in seiner Frühmesse an diesem Samstag. Gleichzeitig rief er die kirchlichen Einrichtungen auf, mit Großzügigkeit und Entschiedenheit auf diese Krise in der Krise zu reagieren.

Sieht man sich die Situation in Italien an, so gibt es derzeit kaum einen Unterschied zwischen dem traditionell reicheren Norden und dem Süden, wo generell mehr Menschen in sozialen Schwierigkeiten leben. Wie der Leiter der Mailänder Caritas, Luciano Gualzetti, im Interview mit Radio Vatikan berichtet, sei in den diözesanen karitativen Verteilstationen die Nachfrage nach Lebensmitteln sprunghaft angestiegen, auch Menschen, die bisher nicht bei der Caritas vorstellig wurden…

„Gleich nachdem die Gesundheitsbehörden die ersten Anweisungen erteilt haben, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, haben wir versucht, den absolut unantastbaren Bedürfnissen der Menschen entgegenzukommen. Das bedeutet, den verletzlicheren Menschen nahe zu sein, die gleichzeitig diejenigen sind, die das größte Risiko einer Ansteckung eingegangen wären, wenn wir sie nicht mit einem Obdach und Nahrung versorgt hätten. Doch außerdem sind dies auch die Menschen, die am stärksten von den sozialen Folgen dieser Krise und Isolation betroffen sind, auch im Hinblick auf Verarmung.“

Dienste der Caritas wurden sofort ausgeweitet

Deshalb habe man sich in der Caritas sofort aktiviert, um eine Schließung zu verhindern und vielmehr die angebotenen Dienste auszuweiten, „um die Menschen zu unterstützen, die sofort ihre Arbeit verloren haben“, so Gualzetti. Viele der Menschen, die nun an die Tür der Caritas klopften, hätte man im Vorfeld dabei unterstützt, eine Arbeit zu finden und sich damit eine fragile Existenz aufzubauen. „Wir denken an diejenigen, die sofort nach Ausbruch der Krise ohne Arbeit dastanden, vielleicht, weil sie einen befristeten Vertrag hatten, der nicht verlängert wurde, oder an diejenigen, die alte Menschen betreuten, ihnen die Einkäufe in die Wohnung brachten und ähnliches. All das ist auf fatale Weise unterbrochen worden.“

Lebensmittelanfragen um 30 Prozent gestiegen

Dadurch würden nun viel mehr Lebensmittel als bisher in die Wohnungen der Bedürftigen verteilt, die nicht mehr in die Pfarrzentren kommen könnten, berichtet der Caritas-Leiter weiter. „Vor zwei Wochen haben wir in den diözesanen Verteilstellen eine um 30 Prozent erhöhte Nachfrage nach Lebensmitteln festgestellt, weil zum Beispiel jetzt die Kinder zu Hause sind, die bisher in der Schule gegessen haben. Und auch die Anzahl der Menschen, die beantragt haben, kostenlos in unseren wohltätigen Supermärkten einkaufen zu können, weil sie es sich in den normalen Supermärkten nicht mehr leisten können, ist um 25 Prozent angestiegen.“

Ein millionenschwerer Fonds zur Direkthilfe

Doch die Hilfe der Erzdiözese Mailand geht weit darüber hinaus. Wie Luciano Gualzetti berichtet, hatte der Erzbischof von Mailand, Mario Delpini, in der vergangenen Woche in Abstimmung mit der Stadtgemeinde einen Fonds für die Menschen aufgelegt, die auf dem Gebiet der Erzdiözese aufgrund der Krise seit dem 1. März ihre Arbeit verloren haben. Jeweils 2 Millionen Euro kommen von der Kirche und der Stadt Mailand. „Wir sammeln gerade die Anfragen dafür ein, und ab der kommenden Woche werden wir damit beginnen, denjenigen, die kein Einkommen mehr haben, ein kleines Gehalt auszuzahlen.“ Man versuche, so unterstreicht der Caritasverantwortliche, die Menschen „über der Armutsgrenze zu halten, denn wenn sie erst einmal darunter fallen, wird es umso schwieriger, sie wieder herauszuholen.“

„Wir hören wirklich einen Aufschrei: ,Wir haben Hunger’“

Dabei hat die Caritas viele verschiedene Kategorien von Menschen im Blick. Diejenigen, die sich in dieser Situation erstmals an die Caritas wenden, aber auch das fahrende Volk, das durch die Krise besonders hart getroffen ist. Denn, so erinnert Gualzetti, diese hätten nicht nur die Artisten, sondern auch ihre Tiere weiterhin zu versorgen, auch wenn Auftritte derzeit nicht möglich seien: „Wir hören wirklich einen Aufschrei: ,Wir haben Hunger’“, unterstreicht der Caritas-Leiter.

Unter den Hilfesuchenden, die sich an die Caritas wenden, sind neuerdings auch religiöse Gemeinschaften und Klöster, die sich normalerweise mit dem Verkauf ihrer Produkte über Wasser halten. „Wir versuchen, auch ihnen zu helfen, so wie den zahlreichen Familien, die ihren Pfarrer angerufen und um Hilfe dabei gebeten haben, Lebensmittel zu besorgen, wie Nudeln, Reis, Öl, Obst und Gemüse, aber auch Medikamente.“ Doch der Mensch lebt nicht vom Brot allein: auch die abrupte Unterbrechung aller sozialen Kontakte schlägt vor allem den älteren Menschen aufs Gemüt. „Deshalb haben wir unseren Jugendpastoraldienst aktiviert, und viele junge Menschen haben geantwortet und sich bereit erklärt, Lebensmittel und Medikamente zu den alten Leuten zu bringen, und an der Türschwelle ein paar Worte mit ihnen zu wechseln.“

Supermärkte im Visier der verzweifelten Menschen

Die Verzweiflung der Menschen beginnt an einigen Orten jedoch auch in Aggressivität umzuschlagen: es wird vor allem im Süden Italiens über Gruppen berichtet, die zu gezielten Raubzügen auf Supermärkte aufrufen, beispielsweise in Palermo, wo die Polizeipräsenz spürbar verstärkt wurde.

In dieser Situation täten die staatlichen und karitativen Institutionen ihr Bestes, um die Not zu lindern. Dazu sei jedoch die Solidarität aller nötig, erinnert Gualzetti. „Wir bringen alle Ressourcen auf, die wir zu Verfügung haben und versuchen, die freiwilligen Helfer zu orientieren, deren Einrichtungen vielleicht geschlossen haben, um ihnen eine andere Aufgabe zu geben. Aber das sind natürlich erhöhte Kosten, die wir aufbringen müssen. Außerdem müssen wir individuelles Schutzmaterial wie Gesichtsmasken kaufen – all das sind Kosten, die wir tragen müssen, um weiter arbeiten zu können.“

(vatican news – cs)

Besuch von Papst Franziskus in Bari — Angelus

BESUCH VON PAPST FRANZISKUS IN BARI
AUS ANLASS DER KONFERENZ
“FRIEDENSGRENZE MITTELMEER”

ANGELUS

Corso Vittorio Emanuele II (Bari)
Sonntag, 23. Februar 2020

[Multimedia]


Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Während wir hier versammelt sind, um zu beten und über den Frieden und das Schicksal der Anrainervölker des Mittelmeers nachzudenken, spielt sich auf der gegenüberliegenden Seite dieses Meeres, insbesondere im Nordwesten Syriens, eine große Tragödie ab. Aus unseren Hirtenherzen ergeht ein starker Appell an die beteiligten Akteure und an die internationale Gemeinschaft, den Lärm der Waffen zum Schweigen zu bringen und dem Weinen der Kleinen und Wehrlosen Gehör zu schenken; auf dass auf das Kalkulieren und die Interessen verzichtet werde, um das Leben der Zivilisten und der vielen unschuldigen Kinder, die den Preis dafür zahlen, zu schützen.

Lasst uns zum Herrn beten, dass er die Herzen bewege und dass alle die Logik der Konfrontation, des Hasses und der Rache überwinden mögen, um sich selbst als Brüder und Schwestern wiederzuentdecken, als Kinder eines einzigen Vaters, der die Sonne über Guten und Bösen aufgehen lässt (vgl. Mt 5,45). Lasst uns den Heiligen Geist anrufen, damit jeder von uns, ausgehend von unseren alltäglichen Gesten der Liebe, dazu beitrage, neue Beziehungen aufzubauen, die von Verständnis, Aufnahme und Geduld inspiriert sind und so die Voraussetzungen dafür schafft, die Freude des Evangeliums zu erfahren und sie in jedem Bereich des Lebens zu verbreiten. Möge die Jungfrau Maria, der »Stern des Meeres« [Heilige Mutter Gottes], zu der wir als höchstes Vorbild der Treue zu Jesus und seinem Wort aufblicken, uns helfen, diesen Weg zu gehen.

Bevor wir gemeinsam den Angelus beten, danke ich herzlich allen Bischöfen und all jenen, die an diesem Treffen über die Friedensgrenze Mittelmeer teilgenommen haben; sowie jenen – und das sind viele! –, die sich auf unterschiedliche Art und Weise für dessen Erfolg eingesetzt haben. Ich danke euch allen! Ihr habt dazu beigetragen, die Kultur der Begegnung und des Dialogs in dieser für den Weltfrieden so wichtigen Region zu stärken.

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Quelle

Papst Franziskus spricht Anti-Mafia-Journalist Mut zu

Papst Franziskus ermutigt den Journalisten Paolo Borrometi (ANSA)

Nach wie vor ist die Mafia ein großes Problem in Italien. Papst Franziskus hat nun den Journalisten Paolo Borrometi getroffen, der investigativ gegen die Mafia ermittelt und der deswegen in Lebensgefahr schwebt. Der Papst ermutigte ihn, mit seiner Arbeit fortzufahren.

Während einer Privataudienz ermutigte Papst Franziskus den von der Mafia mit dem Tod bedrohten Journalisten Paolo Borrometi, seine Ermittlungsarbeit fortzusetzen, teilte die italienische Nachrichtenagentur Agi am Montag mit. Der Papst empfing ihn in der Residenz Santa-Marta für fast eine halbe Stunde.

Der Papst bezog sich auf das unterbundene Attentat der sizilianischen Mafia Pachino gegen den Journalisten. Kürzlich hat die italienische Polizei einen Telefonanruf abgefangen, bei dem ein Mafiaboss einen Bombenanschlag gegen den Enthüllungsjournalisten plante.

„Mafiosi, die sich Christen nennen“, sagte der Papst laut Paolo Borrometi, „haben eigentlich nichts Christliches an sich“. Laut dem Journalisten und Direktor der Informationswebseite La Spia, hat der Papst auch versichert, dass er sich ihm im Gebet verbunden fühle.

Papst Franziskus hatte am 21. September 2017 ermutigt, nicht nur der Mafia den Kampf anzusagen, sondern auch „ein neues bürgerliches Gewissen“ hervorzubringen, um sich von ihr zu befreien. Am 6. Februar veröffentlichte der Vatikan eine Briefmarke mit dem Bildnis von Pater Giuseppe Puglisi. Der sizilianische Priester war von der Mafiosi wegen seiner Predigten erschossen worden.

Nach wie vor ist die Mafia ein großes Problem in Italien, gegen das die Behörden zwar vorgehen, dass sie aber immer noch nicht in den Griff bekommen konnten. Korruption, Bestechung und Einschüchterung erschweren die Arbeit der Polizei und des Kriminalamts zur Bekämpfung der Mafia, der Direzione Investigativa Antimafia.

(cath.ch – nv)

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Quelle

Neapel: Blutwunder pünktlich eingetreten

Das Blutwunder zieht stets viele Gläubige an

In Neapel ist das sogenannte Blutwunder des heiligen Januarius wieder pünktlich eingetreten. Wie italienische Medien berichteten, verflüssigte sich das in einer gläsernen Ampulle aufbewahrte verklumpte Blut des Stadtpatrons Samstagmittag.

Der 16. Dezember ist einer von drei Terminen im Lauf eines Jahres, an dem sich das Ereignis üblicherweise vollzieht. Das Datum erinnert an die Warnung vor einem größeren Vesuvausbruch im Jahr 1631.

Die beiden anderen Termine sind am Samstag vor dem ersten Mai – dem Fest der Übertragung der Reliquien nach Neapel – und der Festtag des Heiligen am 19. September. An diesem Tag im Jahr 305 soll „San Gennaro“ laut Überlieferung unter dem römischen Kaiser Diokletian in Pozzuoli bei Neapel enthauptet worden sein.

Erstmals bezeugt wurde das Blutwunder im Jahr 1389. Seither entwickelte sich eine volkstümlich geprägte Frömmigkeit um den Heiligen. Unregelmäßigkeiten wie im Dezember 2016, als das Wunder erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten auf sich warten ließ, gelten den Neapolitanern als schlechtes Omen.

(kap)_______Quelle

Papst: „Auf wen sehe ich? Und wen übersehe ich?“

Franziskus bei einer Begegnung mit jungen Mitgliedern der Katholischen Aktion Italien 2016 im Vatikan

Papst Franziskus hat Kinder und Jugendliche dazu aufgerufen, offene Augen und Herzen für Bedürftige zu haben. „Seid gute Fotografen sowohl dessen, was Jesus gemacht hat, als auch der Wirklichkeit, die euch umgibt“, riet der Papst etlichen Dutzend jungen Angehörigen der italienischen „katholischen Aktion“, die ihn am Samstag im Vatikan besuchten; das Bild des Fotografen entnahm Franziskus dem Titel einer christlichen Fortbildung, die seine jungen Besucher durchlaufen.

„So oft gibt es vergessene Menschen: keiner schaut sie an, keiner will sie sehen. Das sind die Ärmsten, die Schwächsten, jene, die an die Ränder der Gesellschaft verwiesen sind, weil man sie als Problem betrachtet.“ Franziskus empfahl einen weihnachtlichen Leseschlüssel für solche Szenen: „In Wirklichkeit sind diese Menschen das Bild von Jesus, dem zurückgewiesenen Kind, das in der Stadt Betlehem keine Aufnahme fand; sie sind das lebende Fleisch des leidenden und gekreuzigten Jesus.“

Und Franziskus erteilte den Kindern und Jugendlichen einen Alltagstipp: „Fragt euch immer: wem gebe denn eigentlich ich mehr Aufmerksamkeit? Nur den Stärkeren, die gut in der Schule sind oder beim Sport? Und wen beachte ich weniger? Wen habe ich absichtlich übersehen? Dieses Zur-Seite-Schauen… Genau das sind eure Peripherien“, sagte der Papst und kehrte zum Bild des Fotografen zurück: „Probiert einmal, das Objektiv auf die Kameraden und überhaupt die Menschen zu richten, die keiner jemals sieht, und traut euch, den ersten Schritt zu tun, auf sie zuzugehen, ihnen ein bisschen von eurer Zeit zu schenken, ein Lächeln, eine Geste der Zärtlichkeit.“

Die Weihnachtsaudienz für Italiens „Katholische Aktion“ ist im Vatikan schon lange Tradition. In diesem Jahr feiert der Verband seinen 150. Gründungstag.

(rv 16.12.2017 gs)

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Italien: Verhaltenskodex darf Rettungsarbeit nicht gefährden

Die Iuventa bei einer Rettungsorganisation

Am Montagabend sollte er eigentlich unterzeichnet werden: der Verhaltenskodex, mit dem die italienische Regierung Regeln für Rettungseinsätze von Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer aufstellen wollte. Doch dann kam der Eklat – fünf der Organisationen unterschrieben nicht. „Die  humaitäre Hilfe gerät durch diese Richtlinien ins Hintertreffen“, erklärte die Generaldirektorin von Ärzte ohne Grenzen Italien, Gabriele Eminente, zur Begründung. Nur die maltesische „Migrant Offshore Aid Station“ (MOAS) und die spanische „Proactiva Open Arms“ stimmten dem Regelwerk zu.

Die Liste der Nicht-Unterzeichner ist prominent: SeaWatch, Sea-Eye und SOS Méditerranée und schließlich Ärzte ohne Grenzen. Auch die NGO „Jugend rettet“ hat sich geweigert, den vorgeschlagenen „Code of Conduct“ zu unterschreiben. „Jugend rettet“ ist 2015 aus einer Idee junger Berliner entstanden. Sie kauften das Schiff Iuventa und haben damit seitdem mehr als 15.000 Menschen aus Seenot gerettet.

Der Verhaltenskodex, den Italien vorschlägt, widerspricht dem  Selbstverständnis der NGO und würde die Arbeit  mit der Iuventa extrem erschweren, erklärt der Sprecher des Verbands, Julian Pahlke, im Gespräch mit Radio Vatikan. „Jugend rettet“ wehrt sich unter anderem gegen die Verpflichtung, Polizeibeamte an Bord zu lassen, um Ermittlungen zu Schleusern durchzuführen:

Bewaffnete an Bord? Das ist ein Problem

„Die Polizei an Bord ist tatsächlich das größte Problem für uns in diesem Code of Conduct. Wir möchten vermeiden, dass die Geretteten direkt, nachdem sie bei uns an Bord gekommen sind, quasi schon von der Polizei befragt werden. Wir als humanitäre Organisation sind der Unabhängigkeit verpflichtet undmöchten deshalb keine Polizei in internationalen Gewässern bei uns an Bord haben. In nationalen Gewässern, wie zum Beispiel in italienischen, gehört das aber natürlich zur Souveränität Italiens mit dazu.“

Zudem sieht der neue Kodex vor, dass die Schiffe Flüchtlinge direkt in einen europäischen Hafen transportieren sollen, sie also nicht an andere Schiffe übergeben dürfen. Die Iuventa könne das nicht leisten, erklärt Pahlke.

„Wir haben eines der kleinsten Schiffe im Einsatzgebiet dort, und wenn wir die Menschen nach Italien bringen, dann können wir immer nur eine sehr geringe Zahl dort hochfahren. Das dauert etwa 30 Stunden hoch und 30 Stunden wieder herunter. Das hat dann aber eben auch zur Folge, das über 60, 70 Stunden unsere Präsenz im Einsatzgebiet fehlt, und unsere große Befürchtung ist natürlich, dass in dieser Zeit Menschen ankommen, die dann nicht versorgt werden können und infolgedessen ertrinken.“

Kommt jetzt eine Vermittlung zustande?

Das italienische Innenministerium drohte den Verweigerern „Konsequenzen“ an; doch was damit gemeint ist, bleibt noch offen. Grundsätzlich, sagt Pahlke, ist „Jugend rettet“ bereit, einen Kodex zu unterzeichnen, weil dieser das gegenseitige Vertrauen stärke. Damit die Regelung nicht zulasten der flüchtenden Menschen gehe, müsse sie in Zusammenarbeit mit den NGOs erarbeitet werden. Außerdem brauche es einen unabhängigen Vermittler. „Jugend rettet“ schlägt dafür die „International Maritime Organisation“ vor, den UNO-Dachverbund der internationalen Seeschifffahrt.

„Mit so einem unabhängigen Partner, der über allen steht, würden wir eben gerne weiter am Tisch sitzen, zusammen mit den Italienern. Das haben wir dem Innenministerium in Rom auch so signalisiert, und dann können wir gerne auch weiter über einen solchen Code of Conduct reden. Wir werden aber natürlich mit dem Schiff trotzdem weiter im Einsatzgebiet sein. In die Rettung vor Ort darf aber durch den Code of Conduct nicht eingegriffen werden, und er muss mit internationalem Seerecht vereinbar sein.“

Nichtregierungsorganisationen übernehmen  momentan nach Angaben von „ProAsyl“ circa 40% der Rettungen auf See. Auch jetzt ist die Iuventa im Einsatz. Am Dienstag, dem Tag unseres Interviews mit Pahlke, erreichte sie von der Seenotleitung in Rom ein Notruf – ein Boot treibe irgendwo vor der libyschen Küste.

„Wir sind nicht der Pull-Faktor“

„Jetzt gerade befindet sich das Schiff im Einsatzgebiet. Wir haben heute am späten Vormittag einen Anruf von der Seenotleitung aus Rom bekommen. Wir beteiligen uns  da an der Suche und haben im Moment ein Suchgebiet, das ungefähr 700 nautische Quadratmeilen groß ist. Ich habe vorhin nochmal mit dem Schiff telefoniert, und wir warten jetzt auf mögliche Unterstützung aus der Luft; entweder in Form eines Flugzeugs, das von Malta aus startet, oder ein italienischer Helikopter, der uns eventuell bei der Suche unterstützt. Die Rede ist momentan von 50 Personen, die dort vermisst werden; über den Zustand des Bootes und der Personen können wir aber noch nichts sagen, denn noch ist das Schiff nicht gefunden.“

Das Wetter vor der libyschen Küste sei schlecht und daher in den nächsten Tagen nicht mit vielen Booten zu rechnen – sicher sein könne man sich aber nie, so Pahlke. Nichtregierungsorganisationen wie „Jugend rettet“ bieten momentan eine der wenigen Chancen für Flüchtende, Europa lebend zu erreichen. Vorwürfe, die Rettungsaktionen würden noch mehr Menschen zur Flucht bewegen, weist Julian Pahlke entschieden zurück:

„Es ist völlig absurd, dass wir der Pull-Faktor wären. Der Druck in Libyen ist unfassbar groß. Den Menschen geht es da unbeschreiblich schlecht, die Situation ist zudem ganz, ganz unübersichtlich; Zuständigkeiten sind nicht geklärt, und der einzige Ausweg ist eben die Flucht.“

Verbindungen zu libyschen Schleppern, derer mehrere Organisationen beschuldigt wurden, hat es nie gegeben, versichert Julian Pahlke. Anstatt die Arbeit der NGOs zu kriminalisieren, solle die EU lieber Bedingungen schaffen, die die Risiken der Flucht mindern:

„Wir sind nichts weiter als die Lückenfüller“

„Das, was wir seit dem ersten Tag sagen und fordern ist: es braucht ein staatliches Seenotrettungsprogramm. Wir sind eine Gruppe junger Leute, die es irgendwie geschafft hat, dieses Schiff zu kaufen, und damit mittlerweile über 15.000 Menschen gerettet hat, aber es ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind nichts weiter als die Lückenfüller. Genau das haben wir auch am Code of conduct kritisert: Der greift uns an, also die, die dort helfen. Anstatt uns Unterstützung zu schicken, will man uns die Arbeit erschweren! Es ist unserer Meinung nach die Aufgabe der Europäischen Union, dieses Problem vor der Tür zu lösen, das sie eben auch teilweise selber mit ausgelöst und sehr, sehr lange ignoriert hat.“

Um auf die politische Dimension hinzuweisen, benennt „Jugend rettet“ ihre Missionen seit diesem Jahr „nach den Menschen, die etwas tun könnten, um die Situation zu verändern, es aber nicht tun“. So gab es beispielsweise die Mission „Thomas  de Maizière“, nachdem dieser geäußert hatte, man solle doch Flüchtlinge nach Libyen zurückbringen.

(rv 01.08.2017 jm)