Papst betet in Santa Maria Maggiore nach seiner Rückkehr aus Malmö

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Papst, Santa Maria Maggiore / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Jorge Bergoglio hatte die Basilika bereits am 29. Oktober
vor seiner Schweden-Reise besucht

Gleich nach der Landung der Sondermaschine der Alitalia auf dem zweiten Flughafen Roms, Ciampino, begab sich Papst Franziskus am Dienstagnachmittag zur Basilika Santa Maria Maggiore, um der Gottesmutter für den guten Ausgang seiner kurzen, aber für die Ökumene sehr wichtigen Schweden-Reise anlässlich des gemeinsamen evangelisch-katholischen Reformationsgedenkens in Lund zu danken.

Bereits vor seiner Abreise am Montagmorgen, dem 31. Oktober, hatte Jorge Bergoglio am Samstagabend, dem 29. Oktober, kurz die Basilika auf dem Esquilin-Hügel besucht, um vor der berühmten Marien-Ikone ‪„Salus Populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“) zu beten.

Die ‪„Salus Populi Romani“ ist das beliebteste Marienbild der Ewigen Stadt. Anläßlich der Eröffnung des ersten marianischen Jahres der gesamten Kirchengeschichte wurde sie 1953 durch die Straßen Roms getragen. Dies hatte Papst Gregor der Große bereits im Jahr 593 getan, um um das Ende der Pest-Seuche zu bitten. Eine Kopie der Ikone begleitet immer das Weltjugendkreuz. (pdm)

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Quelle

Papst in Malmö: „Heilige sind wirklich glücklich“

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Papstmesse in Malmö: Viele katholische Pilger sind angereist, hier eine Ordensschwester aus Dänemark

An Allerheiligen erinnerte der Papst in Schweden daran, was Heilige eigentlich sind: Jene, die „wirklich glücklich sind“. Das sagte er in seiner Predigt bei der Heiligen Messe am Dienstag im Swedbank Stadion von Malmö. Der zweite Reisetag in dem skandinavischen Land hat pastoralen Charakter: Er war der katholischen Minderheit Schwedens gewidmet.Tausende Gläubige waren in das Stadion gekommen, das dennoch lange nicht ganz gefüllt war: Katholiken sind in Schweden eine Minderheit – wie im Übrigen in ganz Skandinavien. Dennoch wächst die katholische Gemeinschaft – vor allem dank der vielen Gastarbeiter, die aus katholischen Ländern des Südens in den Norden gehen. Das bemerkte man an diesem Dienstag auch im Stadion von Malmö, wo etliche Gläubige Fähnchen ihrer Ursprungsländer schwenkten. Der Gast aus Rom, der auf einem Papamobil in das Stadion einfuhr und die Gläubigen am Rande des Spielfelds grüßte, wurde so also herzlich empfangen.

In seiner Predigt ging der Papst auf das Hochfest Allerheiligen ein. Er sprach nicht über die „offiziellen“ Heiligen, die von der Kirche schon zur Ehre der Altäre erhoben worden waren, sondern über jene, die ein „einfaches und verborgenes Dasein“ geführt hätten. Diese stillen Zeugen hätten „aus Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen“ ein heiliges Leben geführt. Grundelement dieser Heiligkeit sei ihre „Selbstvergessenheit“ und die „völlige Hingabe“ an den Nächsten. Franziskus nannte hier Mütter und Väter, „die sich für ihre Familien aufopfern und bereitwillig auf viele Dinge, viele Vorhaben oder persönliche Pläne verzichten“. Ihm sei bewusst, dass dies nicht immer leicht sei.

Was die Heiligen kennzeichne, sei, „dass sie wirklich glücklich sind“, so der Papst weiter. „Sie haben das Geheimnis dieses echten Glücks entdeckt, das auf dem Grund der Seele wohnt und dessen Quelle die Gottesliebe ist. Darum werden die Heiligen seliggepriesen.“ Bei den Seligpreisungen handele sich um den „Weg des Lebens, den der Herr uns lehrt, damit wir seinen Spuren folgen“, erläuterte Franziskus.

Ausgehend vom Tagesevangelium aus dem Matthäusevangelium, in dem es um Jesus auf dem Berg am See von Galiläa geht, wo er vor einer großen Menschenmenge die Seligpreisungen verkündete, erläuterte der Papst: „Die Seligpreisungen sind das Profil Jesu, und darum sind sie das Profil des Christen.“ Insbesondere die Sanftmut sei eine Seins- und Lebensweise, „die uns Jesus näher bringt und uns miteinander vereint sein lässt“, so der Papst. Er erinnerte an das Beispiel der vor Kurzem heiliggesprochenen Maria Elisabeth Hesselblad und an die heilige Birgitta von Schweden, die Mitpatronin Europas. „Sie beteten und arbeiteten, um Bande der Einheit und Gemeinschaft unter den Christen zu knüpfen“, so der Papst – dies könne auch heute Vorbild sein, fuhr er mit Blick auf das Reformationsgedenken fort. Die Seligpreisungen seien „in gewisser Weise der Personalausweis des Christen“ , der den Gläubigen als Anhänger Jesu ausweise. Dazu gehörten die Werke der Barmherzigkeit, wie etwa die Nähe zu ausgegrenzten und an den Rand gedrängten Menschen.

(rv 01.11.2016 mg)

Papst gibt Interview zum Thema Reformation

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Papst Franziskus, einladende Geste

„Reform“ und „Schrift“ seien die zwei wichtigsten Elemente, die die Katholiken mit Blick auf die lutheranische Tradition vertiefen können, sagte der Papst in dem Interview des schwedischen Jesuiten Ulf Jonsson. Luthers Umgang mit der Heiligen Schrift findet die ausdrückliche Wertschätzung von Papst Franziskus. Der Reformator habe „einen großen Schritt getan, als er das Wort Gottes in die Hände des Volkes legte“.

Zum Thema der historischen Abspaltung der Reformierten sagte Franziskus, Luther habe eine Geste der Reform in einer für die Kirche schwierigen Zeit gesetzt, er habe „in einer komplexen Situation einen Ausweg“ gesucht. Diese Abhilfe sei dann aber gleichsam erstarrt, erklärte der Papst. Luthers Geste der Reform „ist ein ,Status´ der Trennung geworden und nicht ein ,Prozess´ der Reform der ganzen Kirche, der hingegen grundlegend ist, denn die Kirche reformiert sich immer“. Franziskus verwies an diesem Punkt auf die Versammlung der Kardinäle vor der letzten Papstwahl, in der „die Forderung nach Reform lebendig und präsent in unseren Diskussionen“ gewesen sei.

Um die Ökumene heute voranzutragen, müssen die Christen nach Ansicht von Papst Franziskus „ihren Enthusiasmus verlegen“. Der theologische Dialog sei zwar bedeutsam, wichtiger aber sei es, gemeinsam zu beten und gemeinsam Werke der Barmherzigkeit zu tun. „Etwas gemeinsam zu tun, ist eine hohe und wirksame Form des Dialogs.“ Über diese Ökumene der Tat hinaus gebe es auch eine Ökumene des Blutes. Franziskus verwies hier auf das Beispiel der Lübecker Märtyrer, die selig gesprochen wurden mit einem besonderen Gedenken an den evangelischen Pastor, der mit ihnen am Schafott der Nationalsozialisten starb. Der Pfarrer von Sankt Joseph in Hamburg-Wandsbek, so erzählte der Papst, habe ihm beschrieben, wie sich unter der Guillotine das Blut der Hingerichteten vermischte, sodass es ihm nicht mehr möglich gewesen sei, das Seligsprechungsverfahren weiter zu betreiben, ohne nicht auch den Pastor zu berücksichtigen.

In Lund und in Malmö wolle er sich den evangelischen Christen „nähern“. „Die Nähe tut uns allen gut. Die Distanz hingegen macht uns krank“, so der Papst. Der Besuch nach Schweden betreffe ein Land, das von der Säkularisierung geprägt sei. Wer an Gott nicht mehr glaube, verliere aber die Fähigkeit zum Transzendenten. „Für mich besteht dann die Schwierigkeit darin, dass man sich zurückzieht und dann das eigene Leben in sich als perfekt betrachtet“, so der Papst. Wer im Wohlstand lebe, habe jedoch Schwierigkeiten dieses Problem nachzuvollziehen. Gegen Atheismus und der Verschließung gegenüber dem Transzendenten helfe nur das Gebet und das Zeugnis der Gläubigen.

Zur Lage der Katholiken in Schweden, die eine kleine Minderheit bilden, sagte der Papst, es sei entscheidend, im Dialog mit der Gesellschaft zu bleiben und nicht als „Sekte“ aufzutreten. Gerade die Jesuiten, die in dem skandinavischen Land seit 1879 aktiv sind, könnten und sollten dabei helfen, den Dialog zu stärken.

Ein großes Lob en passant äußerte Papst Franziskus für die lutherische Kirche in Rom, ihren Pfarrer und für die Fragen, die er bei seinem Besuch dort gestellt bekam. Diese Fragen hätten ihn „sehr berührt“, besonders jene des Jungen sowie jene einer evangelischen Frau, die ihn nach der Mahlgemeinschaft gefragt habe. „Schöne und tiefe Fragen“, erinnerte sich Franziskus. „Und auch der Pastor dieser Kirche ist wirklich gut!“

(pm/rv 28.10.2016 mg)

Näheres zum Programm der Schwedenreise

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Dom zu Lund, Schweden / Wikimedia Commons – Väsk, CC BY-SA 3.0

Papst Franziskus bleibt nun zwei Tage

Der bevorstehende Papstbesuch in Schweden wird nun voraussichtlich zwei Tage dauern. Am 31. Oktober ist in Lund, wie bereits bekannt wurde, eine gemeinsame lutherisch-katholische  Gedenkfeier aus Anlass des 500. Jahrestags der Reformation geplant. Nach der Liturgie in der Kathedrale wird eine öffentliche Veranstaltung im Stadion von Malmö stattfinden, das derzeit restauriert wird. Am Allerheiligenfest wird Franziskus die katholische Gemeinschaft treffen und mit ihr die Eucharistie feiern. Dies kündigte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an. Das ausführliche Programm werde noch vorbereitet. Eine gemeinsame Erklärung des Lutherischen Weltbundes (LWB) und des Vatikans liste einige Details der Ereignisse auf.

In der Kathedrale von Lund wird ein gemeinsames Gebet stattfinden, das wiederum auf dem Dokument mit dem Titel „Vom Konflikt zu Gemeinschaft“ basiert. Im Malmö-Stadion wird es um das gemeinsame Zeugnis und den gemeinsamen Dienst von Katholiken und Lutheranern in der Welt gehen. Bei dieser Gelegenheit werden sie die wichtigsten Aspekte der gemeinsamen Arbeit von LWB (Lutherischen Weltbund) und Caritas Internationalis betrachten, wie die Betreuung der Flüchtlinge, den Friedensdienst und die Verteidigung der Klimagerechtigkeit. Franziskus wird mit dem Präsidenten des Weltbundes, Bischof Munib A. Younan, sowie Pfarrer Martin Junge, dem Generalsekretär, die Zeremonie des gemeinsamen Gebetes begehen. Mit dabei sind auch die Leiter der Kirche von Schweden und der katholischen Diözese von Stockholm.

Die beiden Veranstaltungen sollen den seit 50 Jahren laufenden ökumenischen Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern aufzeigen sowie die Gaben, die aus dieser Zusammenarbeit erwachsen sind, betonen. Es soll dabei auch wegen der Trennung der Christen um Vergebung gebeten werden. Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, unterstrich, dass sich beide Seiten im Christus-zentrierten Ansatz treffen. Die Begegnung finde nicht aus rein pragmatischen Gründen statt, jedoch im tiefen Sinn des Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus.

„Wir freuen uns auf diese Veranstaltung, an der 10.000 Menschen teilnehmen werden“, antwortete die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche Antje Jackelen. „Die Idee hinter der Veranstaltung Malmö Arena ist, die Entwicklung vom Konflikt zur Gemeinschaft in der Hoffnung auf die Zukunft und konzentriert auf den gemeinsamen Dienst in der Welt zu beschreiben.“ Und Bischof Anders Arborelius der katholischen Diözese von Stockholm fügte hinzu: „Es wird wirklich eine neue  in der Geschichte geschrieben, wenn Papst Franziskus und die Führer des Lutherischen Weltbundes  Lund und Malmö besuchen und uns alle dazu ermutigen, den Weg zur Einheit der Christen fortzusetzen.“ (mk)

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