Kolumbusritter: Carl Anderson überreicht dem Papst die Spendenaktion 2016

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Papst Franziskus & Carl Anderson, 16. Februar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

US-amerikanische Laienorganisation
sammelte 1,6 Millionen Dollar zugunsten des Heiligen Stuhls

Der ‪„Oberste Ritter“ oder Haupt der US-amerikanischen katholischen Laienorganisation „Knights of Columbus“ hat Papst Franziskus am Donnerstag, dem 16. Februar, im Laufe einer Privataudienz im Vatikan den Ertrag der jährlichen Spendenaktion zugunsten des Heiligen Stuhls überreicht.

Wie die Internetseite der Kolumbusritter meldet, hat die Kollekte 2016 für das „Vicarius Christi Fund“ 1,6 Millionen Dollar (rund 1,5 Millionen Euro) eingebracht. Seit seiner Errichtung im Jahr 1981 sind für das Fonds für die persönlichen karitativen Initiativen des Heiligen Vaters insgesamt bereits 57 Millionen Dollar eingesammelt worden.

Im Laufe der Audienz besprach Carl Anderson mit dem Papst auch verschiedene Hilfsprojekte der Laienorganisation, insbesondere jene zugunsten der verfolgten Christen im Nahen Osten.

Aus Anlaß des von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen und von Papst Franziskus am 24. November 2013 abgeschlossenen Jahres des Glaubens spendeten die Kolumbusritter auch die Restaurierung des Gnadenbildes der ‪„‪Madonna del Soccorso“ in der vatikanischen Basilika.

Es war, wie die Internetseite betont, die erste Restaurierung dieser Art im aktuellen Pontifikat. Während der Audienz am Donnerstag blätterte Franziskus mit Carl Anderson ein ihm gewidmetes Kunstbuch über die Restaurationsarbeiten durch.

Die Kolumbusritter ist die größte männliche Laienorganisation in den Vereinigten Staaten und in der Welt. Die 1882 von einem Priester irischer Abstammung, Michael J. McGivney, gegründete Organisation zählt heute über 1,7 Millionen Mitglieder. Die diözesane Phase seines Seligsprechungsverfahrens wurde 1997 geöffnet.

[Übersetzt von Paul De Maeyer]

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Quelle

PAPST FRANZISKUS: JAHR DES GLAUBENS: DIE AUFERSTEHUNG JESU

Papa Francesco durante l'udienza generale del mercoledi' in Piazza San Pietro, Citta' del Vaticano, 3 aprile 2013. Pope Francis speaks during his weekly general audience in St. Peter's square at the Vatican, 3 April 2013. UPDATE IMAGES PRESS/Riccardo De Luca STRICTLY ONLY FOR EDITORIAL USE

Papst Franziskus während der Generalaudienz am Mittwoch, 3. April 2013

GENERALAUDIENZ

Petersplatz
Mittwoch, 3. April 2013

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute nehmen wir die Katechesen zum Jahr des Glaubens wieder auf. Im Glaubensbekenntnis sagen wir immer wieder dieses Wort: Er »ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift«. Eben dieses Ereignis feiern wir: die Auferstehung Jesu, das Zentrum der christlichen Botschaft, die von Anfang an zu hören war und weitergegeben wurde, um bis zu uns zu gelangen. Der hl. Paulus schreibt an die Christen von Korinth: »Vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf« (1 Kor 15,3–5).

Dieses kurze Glaubensbekenntnis verkündigt das Ostergeheimnis, mit den ersten Erscheinungen des Auferstandenen vor Petrus und dann vor den Zwölf: Der Tod und die Auferstehung Jesu sind der Kern unserer Hoffnung. Ohne diesen Glauben an den Tod und die Auferstehung Jesu wäre unsere Hoffnung schwach, wäre sie nicht einmal Hoffnung, und gerade der Tod und die Auferstehung Jesu sind der Kern unserer Hoffnung. Der Apostel sagt: »Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden« (V. 17).

Leider hat man oft versucht, den Glauben an die Auferstehung Jesu zu verdunkeln, und auch bei den Gläubigen selbst haben sich Zweifel eingeschlichen. Ein bisschen »Rosenwasser«-Glaube, wie wir sagen, ein verwässerter Glaube: Das ist kein starker Glaube. Und das aus Oberflächlichkeit, manchmal aus Gleichgültigkeit, beschäftigt mit tausend Dingen, die man für wichtiger hält als den Glauben, oder aus einer nur horizontalen Sichtweise des Lebens heraus.

Aber gerade die Auferstehung öffnet uns auf die größere Hoffnung hin, weil sie unser Leben und das Leben der Welt auf die ewige Zukunft Gottes hin öffnet, auf die vollkommene Glückseligkeit, auf die Gewissheit, dass das Böse, die Sünde, der Tod überwunden werden können. Und das führt dazu, die täglichen Wirklichkeiten mit mehr Vertrauen zu leben, ihnen mit Mut und Einsatz zu begegnen. Die Auferstehung Christi erleuchtet diese täglichen Wirklichkeiten mit einem neuen Licht. Die Auferstehung Christi ist unsere Kraft!

Aber wie ist uns die Glaubenswahrheit der Auferstehung Christi weitergegeben worden? Im Neuen Testament gibt es zwei Arten von Zeugnissen: einige in der Form eines Glaubensbekenntnisses, also kurze Formeln, die auf den Kern des Glaubens verweisen; andere wiederum haben die Form eines Berichts über das Ereignis der Auferstehung und der damit verbundenen Tatsachen. Die erste, die Form des Glaubensbekenntnisses, ist zum Beispiel die, die wir gerade vernommen haben, oder die im Brief an die Römer, wo der hl. Paulus schreibt: »Wenn du mit deinem Mund bekennst: ›Jesus ist der Herr‹ und in deinem Herzen glaubst: ›Gott hat ihn von den Toten auferweckt‹, so wirst du gerettet werden« (10,9).

Von den ersten Schritten der Kirche an ist der Glaube an das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu felsenfest und ganz deutlich. Heute möchte ich jedoch bei der zweiten Form verweilen, die wir in den Evangelien finden, beim Zeugnis in Form eines Berichts. Vor allem sehen wir, dass die ersten Zeuginnen dieses Ereignisses die Frauen waren. Als eben die Sonne aufgeht, kommen sie zum Grab, um den Leib Jesu zu salben, und finden das erste Zeichen: das leere Grab (vgl. Mk 16,1). Dann folgt die Begegnung mit einem Boten Gottes, der verkündigt: Jesus von Nazaret, der Gekreuzigte, ist nicht hier; er ist auferstanden (vgl. V. 5–6). Die Frauen sind von der Liebe getrieben und können diese Verkündigung mit Freude annehmen: Sie glauben und geben es sofort weiter. Sie behalten es nicht für sich, sie geben es weiter. Die Freude zu wissen, dass Jesus lebt, die Hoffnung, die das Herz erfüllt, lässt sich nicht im Zaum halten. Das sollte auch in unserem Leben geschehen. Wir müssen die Freude spüren, Christen zu sein! Wir glauben an einen Auferstandenen, der das Böse und den Tod überwunden hat! Wir müssen den Mut haben »hinauszugehen«, um diese Freude und dieses Licht an alle Orte unseres Lebens zu bringen! Die Auferstehung Christi ist unsere größte Gewissheit; sie ist der kostbarste Schatz! Wie sollten wir diesen Schatz, diese Gewissheit nicht mit den anderen teilen? Sie ist nicht nur für uns da, sie ist da, um weitergegeben zu werden, um sie den anderen zu schenken, um sie mit den anderen zu teilen. Gerade das ist unser Zeugnis.

Ein weiteres Element: In den Glaubensbekenntnissen des Neuen Testaments werden als Zeugen der Auferstehung nur Männer erwähnt, die Apostel, aber nicht die Frauen. Das liegt daran, dass nach dem jüdischen Gesetz jener Zeit Frauen und Kinder kein verlässliches, glaubwürdiges Zeugnis geben konnten. In den Evangelien dagegen haben die Frauen eine erstrangige, grundlegende Rolle. Hier können wir ein Element erblicken, das für die Geschichtlichkeit der Auferstehung spricht: Wenn sie eine erfundene Tatsache wäre, dann wäre sie im Kontext jener Zeit nicht mit dem Zeugnis von Frauen verbunden worden. Die Evangelisten berichten jedoch einfach das, was geschehen ist: Die Frauen sind die ersten Zeuginnen. Das heißt, dass Gott nicht nach menschlichen Maßstäben auserwählt: Die ersten Zeugen der Geburt Jesu sind die Hirten, einfache und bescheidene Menschen; die ersten Zeuginnen der Auferstehung sind die Frauen.

Und das ist schön. Und das ist ein bisschen die Sendung der Frauen: der Mütter, der Frauen! Den Kindern, den Enkeln Zeugnis geben, dass Jesus lebt, dass er der Lebendige ist, dass er auferstanden ist! Mütter und Frauen, gebt weiter dieses Zeugnis! Für Gott zählt das Herz, es zählt, wie offen wir für ihn sind, ob wir wie Kinder sind, die Vertrauen haben. Das bringt uns jedoch auch zum Nachdenken darüber, dass die Frauen in der Kirche und auf dem Glaubensweg eine besondere Rolle gehabt haben und auch heute haben, um dem Herrn die Türen zu öffnen, ihm nachzufolgen und sein Antlitz zu vermitteln, denn der Blick des Glaubens bedarf immer des schlichten und tiefen Blicks der Liebe. Die Apostel und die Jünger tun sich schwerer zu glauben. Die Frauen nicht. Petrus läuft zum Grab, bleibt aber beim leeren Grab stehen; Thomas muss mit seinen Händen die Wunden des Leibes Jesu berühren. Auch auf unserem Glaubensweg ist es wichtig zu wissen und zu spüren, dass Gott uns liebt, und keine Angst zu haben, ihn zu lieben: Den Glauben bekennt man mit Mund und Herz, mit Worten und mit Liebe.

Nach den Erscheinungen vor den Frauen folgen weitere. Jesus wird auf neue Weise gegenwärtig: Er ist der Gekreuzigte, aber sein Leib ist verherrlicht; er ist nicht zum irdischen Leben zurückgekehrt, sondern in einem neuen Zustand. Anfangs erkennen sie ihn nicht wieder, und nur durch seine Worte und seine Gesten werden die Augen geöffnet: Die Begegnung mit dem Auferstandenen verwandelt, gibt dem Glauben eine neue Kraft, eine unerschütterliche Grundlage. Auch für uns gibt es viele Zeichen, in denen der Auferstandene sich zu erkennen gibt: die Heilige Schrift, die Eucharistie, die anderen Sakramente, die Nächstenliebe, jene Gesten der Liebe, die einen Strahl des Auferstandenen bringen. Lassen wir uns erleuchten von der Auferstehung Christi, lassen wir uns von seiner Kraft verwandeln, damit auch durch uns in der Welt die Zeichen des Todes den Zeichen des Lebens weichen.

Ich habe gesehen, dass auf dem Platz viele junge Menschen sind. Da sind sie! Zu euch sage ich: Tragt diese Gewissheit voran: Der Herr lebt und geht an eurer Seite im Leben. Das ist eure Sendung! Tragt diese Hoffnung voran. Bleibt in dieser Hoffnung verankert: mit diesem Anker, der im Himmel ist. Haltet das Seil fest, bleibt in dieser Hoffnung verankert und tragt sie weiter. Ihr, die Zeugen Jesu, tragt das Zeugnis voran, dass Jesus lebt, und das wird uns Hoffnung schenken, es wird dieser Welt Hoffnung schenken, die ein bisschen gealtert ist durch die Kriege, durch das Böse, durch die Sünde. Voran, ihr jungen Menschen!

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BENEDIKT XVI.: JAHR DES GLAUBENS — Die Jungfrau Maria: Bild des gehorsamen Glaubens

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GENERALAUDIENZ

Aula Paolo VI
Mittwoch, 19. Dezember 2012

Liebe Brüder und Schwestern!

Auf dem Weg des Advents nimmt die Jungfrau Maria einen besonderen Platz ein als jene, die auf einzigartige Weise die Erfüllung der Verheißungen Gottes erwartet und Jesus, den Sohn Gottes, im Glauben und in ihrem Leib angenommen hat, in völligem Gehorsam gegenüber dem göttlichen Willen. Heute möchte ich vom großen Geheimnis der Verkündigung her kurz mit euch über den Glauben Marias nachdenken.

»Chaîre kecharitomene, ho Kyrios meta sou«, »Freue dich, du Gnadenvolle. Der Herr ist mir dir« (Lk 1,28). Dies sind die Worte – vom Evangelisten Lukas wiedergegeben –, mit denen der Erzengel Gabriel sich an Maria wendet. Auf den ersten Blick scheint der Begriff »chaîre«, »freue dich«, ein normaler Gruß zu sein, der im griechischen Sprachraum üblich ist. Auf dem Hintergrund der biblischen Überlieferung erhält dieses Wort jedoch eine viel tiefere Bedeutung. Derselbe Begriff erscheint viermal im griechischen Text des Alten Testaments, und zwar immer als freudige Verkündigung der Ankunft des Messias (vgl. Zef 3,14; Joël 2,21; Sach 9,9; Klgl 4,21). Der Gruß des Engels an Maria ist also eine Einladung zur Freude, zu einer tiefen Freude. Er verkündet das Ende der Traurigkeit, die in der Welt ist angesichts der Begrenztheit des Lebens, angesichts des Leidens, des Todes, der Bosheit, der Finsternis des Bösen, die das Licht der göttlichen Güte zu verdunkeln scheint. Es ist ein Gruß, der den Beginn des Evangeliums, der Frohen Botschaft, anzeigt.

Warum aber wird Maria eingeladen, sich auf diese Weise zu freuen? Die Antwort findet sich in der zweiten Hälfte des Grußes: »Der Herr ist mit dir«. Auch hier müssen wir uns, um den Sinn des Gesagten richtig zu verstehen, dem Alten Testament zuwenden. Im Buch Zefanja finden wir dieses Wort: »Juble, Tochter Zion … Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte … Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt« (3,14–17). In diesen Worten liegt eine zweifache Verheißung, die an Israel, die Tochter Zion, ergeht: Gott wird als Retter kommen und in der Mitte seines Volkes Wohnung nehmen, im Schoß der Tochter Zion. Im Zwiegespräch zwischen dem Engel und Maria erfüllt sich genau diese Verheißung: Maria wird gleichgesetzt mit dem Volk, mit dem Gott den Bund geschlossen hat, sie ist wirklich die Tochter Zion in Person; in ihr erfüllt sich die Erwartung der endgültigen Ankunft Gottes, in ihr nimmt der lebendige Gott Wohnung.

Im Gruß des Engels wird Maria »Gnadenvolle« genannt; im Griechischen hat der Begriff »Gnade«, »charis«, dieselbe sprachliche Wurzel wie das Wort »Freude«. Auch in diesem Ausdruck wird die Quelle der Freude Marias noch besser erläutert: Die Freude kommt aus der Gnade, sie kommt also aus der Gemeinschaft mit Gott, aus der Tatsache, in so enger Verbindung mit ihm zu stehen, die Wohnung des Heiligen Geistes zu sein, völlig vom Wirken Gottes geprägt. Maria ist das Geschöpf, das auf einzigartige Weise ihrem Schöpfer die Tür weit geöffnet hat, sich ohne Einschränkung in seine Hände gegeben hat. Sie lebt ganz und gar »von« und »in« der Beziehung mit dem Herrn; sie ist in hörender Haltung, achtet darauf, die Zeichen Gottes auf dem Weg seines Volkes zu erfassen; sie ist eingebunden in eine Geschichte des Glaubens und der Hoffnung auf die Verheißungen Gottes, die das Gefüge ihres Daseins darstellt. Und sie unterwirft sich im Glaubensgehorsam freiwillig dem empfangenen Wort, dem göttlichen Willen. Der Evangelist Lukas erzählt die Geschichte Marias durch einen subtilen Parallelismus zur Geschichte Abrahams. Wie der große Erzvater der Vater der Glaubenden ist, der auf den Ruf Gottes geantwortet hat, das Land, in dem er lebte, seine Sicherheiten zu verlassen, um in ein unbekanntes Land aufzubrechen, dessen Besitz ihm von Gott verheißen ist, so vertraut sich Maria mit völligem Vertrauen dem Wort an, das ihr der Bote Gottes verkündigt, und wird zum Vorbild und zur Mutter aller Gläubigen.

Ich möchte einen weiteren wichtigen Aspekt hervorheben: Die Öffnung der Seele für Gott und sein Wirken im Glauben schließt auch das Element der Dunkelheit ein. Die Beziehung des Menschen zu Gott löscht die Entfernung zwischen Schöpfer und Geschöpf nicht aus, beseitigt nicht das, was der Apostel Paulus angesichts der Tiefe der Weisheit Gottes sagt: »Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!« (Röm 11,33). Aber gerade wer – wie Maria – vollkommen offen ist für Gott, gelangt zur Annahme des göttlichen Willens, auch wenn er geheimnisvoll ist, auch wenn er oft nicht dem eigenen Willen entspricht und ein Schwert ist, das durch die Seele dringt, wie der alte Simeon auf prophetische Weise zu Maria sagen wird, als Jesus später im Tempel dargebracht wird (vgl. Lk 2,35). Zum Glaubensweg Abrahams gehört der Augenblick der Freude über das Geschenk seines Sohnes Isaak ebenso wie der Augenblick der Dunkelheit, als er auf den Berg Morija steigen muß, um eine paradoxe Geste zu vollbringen: Gott fordert ihn auf, den Sohn zu opfern, den er ihm gerade geschenkt hat. Auf dem Berg gebietet ihm der Engel: »Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, daß du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten « (Gen 22,12). Das volle Vertrauen Abrahams in einen Gott, der den Verheißungen treu ist, schwindet auch dann nicht, wenn sein Wort geheimnisvoll und schwierig, fast unmöglich anzunehmen ist. Ebenso ist es für Maria: Ihr Glaube lebt die Freude der Verkündigung, aber er geht auch durch die Dunkelheit der Kreuzigung ihres Sohnes, um zum Licht der Auferstehung gelangen zu können.

Auch für den Glaubensweg eines jeden von uns ist es nicht anders: Wir erleben Augenblicke des Lichts, aber wir erleben auch Zeiten, in denen Gott abwesend zu sein scheint, sein Schweigen auf unserem Herzen lastet und sein Wille nicht dem unseren entspricht – dem, was wir möchten. Aber je mehr wir uns Gott öffnen, das Geschenk des Glaubens annehmen, unser Vertrauen ganz auf ihn setzen – wie Abraham und wie Maria –, desto mehr befähigt er uns, mit seiner Gegenwart jede Situation des Lebens im Frieden und in der Gewißheit seiner Treue und seiner Liebe zu leben. Das bedeutet jedoch, aus sich selbst und aus den eigenen Plänen herauszugehen, damit das Wort Gottes das Licht sei, das unser Denken und unser Handeln leitet.

Ich möchte noch einen anderen Aspekt erwähnen, der in den Berichten des hl. Lukas über die Kindheit Jesu zum Vorschein kommt. Maria und Josef bringen ihren Sohn nach Jerusalem, zum Tempel, um ihn dem Herrn darzubringen und zu weihen, wie das Gesetz des Mose es vorschreibt: »Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein« (vgl. Lk 2,22–24). Diese Geste der Heiligen Familie bekommt einen noch tieferen Sinn, wenn wir sie im Licht der im Evangelium berichteten Episode des zwölfjährigen Jesus betrachten, der nach dreitägiger Suche im Tempel wiedergefunden wird, wo er mit den Schriftgelehrten diskutiert. Auf die sorgenvollen Worte von Maria und Josef: »Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht«, erfolgt die geheimnisvolle Antwort Jesu: »Warum habt ihr mich gesucht? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört?« (Lk 2,48–49) – also im Eigentum des Vaters, im Haus des Vaters, wie ein Sohn. Maria muß den tiefen Glauben erneuern, mit dem sie bei der Verkündigung »ja« gesagt hat; sie muß akzeptieren, daß der eigentliche Vater Jesu den Vorrang hat, sie muß den Sohn loslassen können, den sie zur Welt gebracht hat, damit er seiner Sendung folgt. Und das »Ja« Marias zum Willen Gottes, im Glaubensgehorsam, wiederholt sich ihr ganzes Leben lang, bis hin zum schwierigsten Augenblick, dem des Kreuzes.

Angesichts all dessen können wir uns fragen: Wie konnte Maria diesen Weg an der Seite ihres Sohnes mit einem so festen Glauben leben, auch in der Dunkelheit, ohne das volle Vertrauen in das Wirken Gottes zu verlieren? Es gibt eine Grundhaltung, die Maria angesichts dessen, was in ihrem Leben geschieht, annimmt. Bei der Verkündigung erschrickt sie, als sie die Worte des Engels hört – es ist die Furcht, die der Mensch verspürt, wenn er von der Nähe Gottes berührt wird –, aber es ist nicht die Haltung dessen, der Angst vor dem hat, was Gott erbitten könnte. Maria denkt nach, sie überlegt, was dieser Gruß zu bedeuten habe (vgl. Lk 1,29). Der griechische Begriff, der im Evangelium gebraucht wird, um dieses »Nachdenken« zum Ausdruck zu bringen, »dielogizeto«, verweist auf die Wurzel des Wortes »Dialog«. Das bedeutet, daß Maria in einen vertrauten Dialog eintritt mit dem Wort Gottes, das ihr verkündigt wurde. Sie betrachtet es nicht oberflächlich, sondern sie verweilt dabei, läßt es in ihren Verstand und in ihr Herz eindringen, um zu verstehen, was der Herr von ihr will, den Sinn der Verkündigung. Einen weiteren Hinweis auf die innere Haltung Marias gegenüber dem Wirken Gottes finden wir – ebenfalls im Evangelium des hl. Lukas – bei der Geburt Jesu, nach der Anbetung der Hirten. Es heißt, Maria »bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach« (Lk 2,19). Der griechische Begriff ist »symballon«: Wir könnten sagen, daß sie all das, was ihr geschah, in ihrem Herzen »zusammenhielt«, »zusammenstellte «; sie stellte jedes einzelne Element, jedes Wort, jede Tatsache in das Ganze hinein und verarbeitete es, bewahrte es und erkannte, daß alles aus dem Willen Gottes kommt. Maria macht nicht halt bei einem oberflächlichen Verständnis dessen, was in ihrem Leben geschieht, sondern sie blickt in die Tiefe, läßt sich von den Ereignissen ansprechen, verarbeitet sie, erkennt sie und erlangt jenes Verständnis, das nur der Glaube gewährleisten kann. Es ist die tiefe Demut des gehorsamen Glaubens Marias, der auch das in sich aufnimmt, was sie am Wirken Gottes nicht versteht, indem sie zuläßt, daß Gott ihren Verstand und ihr Herz öffnet. »Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (Lk 1,45), ruft ihre Verwandte Elisabet aus. Eben aufgrund ihres Glaubens werden alle Geschlechter sie seligpreisen.

Liebe Freunde, das Hochfest der Geburt des Herrn, das wir in einigen Tagen feiern werden, lädt uns ein, dieselbe Demut und denselben Glaubensgehorsam zu leben. Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich nicht im Triumph und in der Macht eines Königs, sie erstrahlt nicht in einer berühmten Stadt, in einem prächtigen Palast, sondern sie nimmt Wohnung im Schoß einer Jungfrau, sie offenbart sich in der Armut eines Kindes. Auch in unserem Leben wirkt die Allmacht Gottes mit der oft stillen Kraft der Wahrheit und der Liebe. Der Glaube sagt uns also, daß die wehrlose Macht jenes Kindes am Ende den Lärm der Mächte der Welt besiegt.

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BENEDIKT XVI.: JAHR DES GLAUBENS: GOTTES HANDELN IN DER GESCHICHTE

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GENERALAUDIENZ

Aula Paolo VI
Mittwoch, 12. Dezember 2012

 

Jahr des Glaubens. Gottes Handeln in der Geschichte

Liebe Brüder und Schwestern!

In der letzten Katechese habe ich über die Offenbarung Gottes gesprochen, als Mitteilung, die Gott von sich selbst und von seinem Plan der Güte und der Liebe macht. Diese Offenbarung Gottes ist in die Zeit und in die Geschichte der Menschen eingefügt: »Die Geschichte wird daher zu dem Ort, an dem wir Gottes Handeln für die Menschheit feststellen können. Er erreicht uns in dem, was für uns am vertrautesten und leicht zu überprüfen ist, weil es sich um unsere tägliche Umgebung handelt, ohne die wir uns nicht zu begreifen vermöchten« (Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio, 12).

Wie wir gehört haben, gibt der heilige Evangelist Markus die Anfänge der Verkündigung Jesu in deutlichen und kurzen Worten wieder: »Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe« (Mk 1,15). Was die Geschichte der Welt und des Menschen erleuchtet und ihr Sinn und Fülle gibt, beginnt in der Grotte von Betlehem aufzustrahlen. Es ist das Geheimnis, das wir in Kürze an Weihnachten betrachten werden: das Heil, das in Jesus Christus verwirklicht wird. In Jesus von Nazaret offenbart Gott sein Antlitz und ruft den Menschen auf, ihn zu erkennen und ihm zu folgen. Die Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte, um in ein liebevolles Zwiegespräch mit dem Menschen einzutreten, schenkt dem ganzen menschlichen Weg einen neuen Sinn. Die Geschichte ist nicht einfach nur eine Abfolge von Jahrhunderten, von Jahren, von Tagen, sondern die Zeit einer Gegenwart, die ihr Bedeutung und Fülle verleiht und sie auf eine feste Hoffnung hin öffnet.

Wo können wir die Stufen dieser Offenbarung Gottes erkennen? Die Heilige Schrift ist der bevorzugte Ort, um die Ereignisse dieses Weges zu entdecken, und ich möchte – noch einmal – alle einladen, jetzt im Jahr des Glaubens öfter die Bibel zur Hand zu nehmen, um sie zu lesen und darüber nachzudenken, und den Lesungen in der Sonntagsmesse größere Aufmerksamkeit zu schenken; all das bietet unserem Glauben wertvolle Nahrung.

Wenn wir das Alte Testament lesen, können wir sehen, daß Gottes Eingreifen in die Geschichte des Volkes, das er sich erwählt hat und mit dem er einen Bund schließt, nicht etwas ist, das vorübergeht und in Vergessenheit gerät, sondern daß es zum »Gedächtnis« wird, in seiner Gesamtheit die »Heilsgeschichte« darstellt, die im Bewußtsein des Volkes Israel durch die Feier des Heilsgeschehens lebendig erhalten wird. So gebietet der Herr im Buch Exodus mit folgenden Worten dem Mose, den großen Augenblick der Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten, das jüdische Pascha, zu feiern: »Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest zur Ehre des Herrn! Für die kommenden Generationen macht euch diese Feier zur festen Regel!« (12,14). Für das ganze Volk Israel wird die Erinnerung an das, was Gott gewirkt hat, zu einer Art bleibendem Imperativ, damit die Zeit, die vergeht, von der lebendigen Erinnerung an die vergangenen Ereignisse gezeichnet ist, die so Tag für Tag aufs neue die Geschichte prägen und gegenwärtig bleiben. Im Buch Deuteronomium wendet Mose sich an das Volk und sagt: »Jedoch, nimm dich in acht, achte gut auf dich! Vergiß nicht die Ereignisse, die du mit eigenen Augen gesehen, und die Worte, die du gehört hast. Laß sie dein ganzes Leben lang nicht aus dem Sinn! Präge sie deinen Kindern und Kindeskindern ein!« (4,9).

Und so sagt er auch zu uns: »Nimm dich in acht, achte gut auf dich! Vergiß nicht, was Gott an uns getan hat.« Der Glaube wird genährt von der Entdeckung und vom Gedächtnis, daß Gott stets treu ist, die Geschichte lenkt und den festen Grund bildet, auf dem man das eigene Leben bauen kann. Auch der Gesang des »Magnifikat«, den die Jungfrau Maria zu Gott erhebt, ist ein hohes Beispiel für diese Heilsgeschichte, für dieses Gedächtnis, die das Wirken Gottes gegenwärtig macht und uns vor Augen hält. Maria preist das barmherzige Wirken Gottes auf dem konkreten Weg seines Volkes, die Treue zu den Verheißungen des Bundes, die Abraham und seine Nachkommen empfangen haben; und all das ist lebendiges Gedächtnis der göttlichen Gegenwart, die niemals aufhört (vgl. Lk 1,46–55).

Für Israel ist der Exodus das zentrale historische Ereignis, in dem Gott sein mächtiges Wirken offenbart. Gott befreit die Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten, damit sie in das Gelobte Land zurückkehren und ihn als den einzigen und wahren Herrn verehren können. Israel macht sich nicht auf den Weg, um ein Volk wie alle anderen zu sein – um auch eine nationale Unabhängigkeit zu haben –, sondern um Gott im Gottesdienst und im Leben zu dienen, um für Gott einen Ort zu schaffen, an dem der Mensch ihm gehorsam ist, wo Gott in der Welt gegenwärtig ist und angebetet wird, natürlich nicht nur für Israel selbst, sondern um ihn unter den anderen Völkern zu bezeugen. Die Feier dieses Ereignisses bedeutet, es gegenwärtig und aktuell zu machen, denn das Wirken Gottes hört nicht auf. Er ist seinem Plan der Befreiung treu und verfolgt ihn auch weiterhin, damit der Mensch seinen Herrn erkennen und ihm dienen und mit Glauben und Liebe auf sein Wirken antworten kann.

Gott offenbart sich also nicht nur im ursprünglichen Schöpfungsakt, sondern indem er in unsere Geschichte hereintritt, in die Geschichte eines kleinen Volkes, das weder das zahlenmäßig größte noch das stärkste war. Und diese Offenbarung Gottes, die in der Geschichte weitergeht, gipfelt in Jesus Christus: Gott, der »Logos«, das Schöpferwort, das am Ursprung der Welt steht, ist in Jesus Mensch geworden und hat das wahre Antlitz Gottes gezeigt. In Jesus werden alle Verheißungen erfüllt, in ihm gipfelt die Geschichte Gottes mit der Menschheit. Wenn wir den Bericht über die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus lesen, den der hl. Lukas uns mitteilt, sehen wir, wie daraus deutlich hervorgeht, daß die Person Christi das Alte Testament, die gesamte Heilsgeschichte erleuchtet und den großen einheitlichen Plan der beiden Testamente aufzeigt, den Weg ihrer Einheit aufzeigt. Denn Jesus legt den beiden verwirrten und enttäuschten Weggefährten dar, daß er die Erfüllung aller Verheißungen ist: »Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht« (24,27). Und der Evangelist berichtet, was die beiden Jünger sagen, nachdem sie erkennt haben, daß dieser Weggefährte der Herr war: »Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß?« (V. 32).

Der Katechismus der Katholischen Kirche faßt die Stufen der göttlichen Offenbarung zusammen und zeigt kurz die Entwicklung auf (vgl. Nr. 54– 64): Gott hat den Menschen von Anfang an zu einer innigen Gemeinschaft mit sich berufen, und auch als der Mensch im Ungehorsam seine Freundschaft verlor, hat Gott ihn nicht verlassen und der Macht des Todes preisgegeben, sondern hat den Menschen immer wieder seinen Bund angeboten (vgl. Römisches Meßbuch, Eucharistisches Hochgebet IV). Der Katechismus zeichnet den Weg Gottes mit dem Menschen nach, vom Bund mit Noach nach der Sintflut bis zum Ruf, der an Abraham ergeht, aus seinem Land auszuziehen, um zum Stammvater einer Menge von Völkern zu werden. Gott formt Israel als sein Volk durch das Ereignis des Exodus, den Bundesschluß am Sinai und die Gabe des Gesetzes durch Mose, damit er als der einzige lebendige und wahre Gott erkannt und ihm gedient wird.

Durch die Propheten führt Gott sein Volk in der Hoffnung auf Rettung und Heil. Durch Jesaja kennen wir den »zweiten Exodus«, die Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft in das eigene Land, die Wiedererrichtung des Volkes; gleichzeitig bleiben jedoch viele in der Zerstreuung, und so beginnt die Universalität des Glaubens. Am Ende wird nicht mehr nur ein König – David, ein Sohn Davids – erwartet, sondern ein »Menschensohn«, das Heil aller Völker. Es kommt zu Begegnungen zwischen den Kulturen, zunächst mit Babylonien und Syrien, dann auch mit der Menge der Griechen. So sehen wir, daß der Weg Gottes sich erweitert, sich immer mehr auf das Geheimnis Christi, des Königs des Universums, hin öffnet. In Christus wird schließlich die Offenbarung in ganzer Fülle verwirklicht, der barmherzige Plan Gottes: Er selbst wird einer von uns. Ich habe das Wirken Gottes in der Geschichte des Menschen in Erinnerung gerufen, um die Etappen des großen Liebesplans aufzuzeigen, der im Alten und im Neuen Testament bezeugt wird: ein einziger Heilsplan für die gesamte Menschheit, von Gottes Macht Schritt für Schritt offenbart und verwirklicht, wo Gott stets auf die Antworten des Menschen reagiert und Neuanfänge für den Bund findet, wenn der Mensch in die Irre geht. Das ist wesentlich auf dem Glaubensweg.

Wir befinden uns in der liturgischen Zeit des Advent, die uns auf das heilige Weihnachtsfest vorbereitet. Wie wir alle wissen, bedeutet der Begriff »Advent« »Ankunft«, »Gegenwart«, und in alter Zeit bezeichnete er die Ankunft des Königs oder des Kaisers in einer bestimmten Provinz. Für uns Christen verweist das Wort auf eine wunderbare und erschütternde Wirklichkeit: Gott selbst ist von seinem Himmel herabgestiegen und hat sich dem Menschen zugeneigt; er hat einen Bund mit ihm geschlossen und ist in die Geschichte eines Volkes hereingetreten; er ist der König, der in diese arme Provinz, auf die Erde, herabgekommen ist, uns mit seinem Besuch beschenkt und unser Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist wie wir. Der Advent lädt uns ein, den Weg dieser Gegenwart nachzuvollziehen, und er erinnert uns immer wieder daran, daß Gott sich nicht aus der Welt zurückgezogen hat, daß er nicht abwesend ist, uns nicht uns selbst überlassen hat, sondern uns in verschiedenen Weisen entgegenkommt, die zu erkennen wir lernen müssen. Und auch wir sind mit unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer Liebe jeden Tag aufgerufen, diese Gegenwart in der oft oberflächlichen und zerstreuten Welt zu entdecken und zu bezeugen und in unserem Leben das Licht erstrahlen zu lassen, das die Grotte von Betlehem erleuchtet hat. Danke.

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BENEDIKT XVI.: JAHR DES GLAUBENS: DIE ANTWORT DES MENSCHEN AUF DIE OFFENBARUNG GOTTES

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GENERALAUDIENZ

Aula Paolo VI
Mittwoch, 5. Dezember 2012

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Zu Beginn seines Briefes an die Christen von Ephesus (vgl. 1,3–14) erhebt der Apostel Paulus ein Lobgebet zu Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, das uns einführt, die Adventszeit im Jahr des Glaubens zu leben. Thema dieses Lobpreises ist der Plan Gottes für den Menschen, der mit Worten voll Freude, Staunen und Dankbarkeit als ein »gnädiger Ratschluß« (vgl. V. 9) der Barmherzigkeit und der Liebe dargelegt wird. Warum erhebt der Apostel aus tiefstem Herzen diesen Lobpreis zu Gott? Weil er auf sein Wirken in der Heilsgeschichte schaut, das in der Menschwerdung, im Tod und in der Auferstehung Jesu seinen Höhepunkt gefunden hat, und darüber nachdenkt, daß der himmlische Vater uns noch vor der Erschaffung der Welt erwählt hat, seine Söhne zu werden durch seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus (vgl. Röm 8,14–15; Gal 4,4–5). Wir existieren von Ewigkeit her im Geist Gottes, in einem großen Plan, den Gott in sich selbst bewahrt hat. Er hat beschlossen, ihn in der »Fülle der Zeiten« umzusetzen und zu offenbaren (vgl. Eph 1,10). Der hl. Paulus gibt uns also zu verstehen, daß die ganze Schöpfung und insbesondere der Mann und die Frau keine Frucht des Zufalls sind, sondern einem gnädigen Ratschluß der ewigen Vernunft Gottes entsprechen, der durch die schöpferische und erlösende Kraft seines Wortes die Welt ins Dasein ruft.

Diese erste Aussage erinnert uns daran, daß unsere Berufung nicht einfach darin besteht, in der Welt zu existieren, in eine Geschichte eingebunden zu sein, und auch nicht nur darin, Geschöpfe Gottes zu sein. Sie ist etwas Größeres: Sie ist das Erwähltsein von Gott, noch vor der Erschaffung der Welt, im Sohn, Jesus Christus. In ihm existieren wir also sozusagen schon immer. Gott betrachtet uns in Christus als Söhne. Der »gnädige Ratschluß« Gottes, den der Apostel auch als »Liebesplan« umschreibt (vgl. Eph1,5), wird als das »Geheimnis« des göttlichen Willens bezeichnet (V. 9), das verborgen war und jetzt in der Person und im Wirken Christi offenbar geworden ist. Die göttliche Initiative geht jeder menschlichen Antwort voraus: Sie ist ein unentgeltliches Geschenk seiner Liebe, die uns umgibt und uns verwandelt.

Was aber ist das Ziel dieses geheimnisvollen Plans? Was ist der Kern des Willens Gottes? Es ist, wie uns der hl. Paulus sagt, »in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist« (V. 10). In diesem Wort finden wir eine der zentralen Formulierungen des Neuen Testaments, die uns den Plan Gottes verstehen lassen, seinen Liebesplan für die ganze Menschheit, eine Formulierung, die der hl. Irenäus von Lyon im 2. Jahrhundert zum Kernpunkt seiner Christologie machte: die ganze Wirklichkeit in Christus zu »vereinen«. Vielleicht erinnern sich einige von euch an die Formulierung, die der heilige Papst Pius X. für die Weihe der Welt an das Heiligste Herz Jesu gebrauchte: »Instaurare omnia in Christo «, eine Formulierung, die an dieses paulinische Wort angelehnt ist und die auch das Motto jenes heiligen Papstes war. Der Apostel spricht jedoch genauer von der Vereinigung des Universums in Christus, und das bedeutet, daß Christus sich im großen Plan der Schöpfung und der Geschichte als der Mittelpunkt des gesamten Weges erhebt, als die Hauptachse von allem. Er zieht die gesamte Wirklichkeit an sich, um die Zerstreuung und die Begrenzung zu überwinden und alle zu der von Gott gewollten Fülle zurückzuführen (vgl. Eph 1,23).

Dieser »gnädige Ratschluß« ist sozusagen nicht in der Stille Gottes, in der Höhe seines Himmels geblieben, sondern er hat ihn kundgetan, indem er in Beziehung getreten ist zum Menschen, dem er nicht nur etwas, sondern sich selbst offenbart hat. Er hat nicht einfach eine Gesamtheit von Wahrheiten mitgeteilt, sondern er hat sich uns selbst mitgeteilt, bis dahin, daß er einer von uns geworden ist, bis hin zur Menschwerdung. Das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil sagt in der Dogmatischen Konstitution Dei Verbum: »Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun: daß die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur« (Nr. 2). Gott sagt nicht nur etwas, sondern er teilt sich selbst mit, er zieht uns in die göttliche Natur hinein, damit wir in sie eingebunden, vergöttlicht sind. Gott offenbart seinen großen Liebesplan, indem er in Beziehung zum Menschen tritt, sich ihm annähert, so weit, daß er sogar selbst Mensch wird. Das Konzil sagt weiter: »In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14–15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen« (ebd.). Allein durch die Intelligenz und seine Fähigkeiten hätte der Mensch diese so leuchtende Offenbarung der Liebe Gottes nicht erlangen können; Gott selbst hat seinen Himmel geöffnet und ist herabgestiegen, um den Menschen in die Tiefe seiner Liebe zu führen. Wiederum ist es der hl. Paulus, der an die Christen von Korinth schreibt: »Wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes« (1 Kor 2,9–10). Und der hl. Johannes Chrysostomos lädt in einem berühmten Abschnitt aus seinem Kommentar zum Brief an die Epheser mit folgenden Worten ein, die Schönheit dieses in Christus offenbarten »gnädigen Ratschlusses« Gottes zu genießen: »Was mangelt dir denn noch? Du bist unsterblich geworden, du bist frei geworden, du bist Sohn geworden, du bist gerecht geworden, du bist Bruder geworden, du bist Miterbe geworden, du herrschest mit ihm, du wirst mit ihm verherrlicht; alles hat er dir geschenkt. ›Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?‹, sagt der Apostel (Röm 8,32). Der Erstling deiner Natur (vgl. 1 Kor 15,20.23) wird von den Engeln angebetet … Was sollte noch mangeln?« (PG 62,11).

Diese Gemeinschaft in Christus durch das Wirken des Heiligen Geistes, die Gott durch das Licht der Offenbarung allen Menschen anbietet, ist nicht etwas, das unser Menschsein von außen überlagert. Vielmehr ist es die Erfüllung der tiefsten Bestrebungen, jenes Wunsches nach Unendlichkeit und Fülle, der im Innersten des Menschen wohnt und ihn offen macht für eine Glückseligkeit, die nicht vorübergehend und begrenzt, sondern ewig ist. Der hl. Bonaventura von Bagnoregio sagt in bezug auf Gott, der sich offenbart und durch die Schrift zu uns spricht, um uns zu sich zu führen: »Die Heilige Schrift ist das Buch, in dem Worte des ewigen Lebens geschrieben stehen, damit wir nicht nur glauben, sondern auch das ewige Leben besitzen, in dem wir sehen und lieben werden und in dem all unsere Wünsche erfüllt werden« (Breviloquium, Prol.; Opera omnia V, 201f.). Schließlich ruft der selige Papst Johannes Paul II. in Erinnerung: »Die Offenbarung führt in die Geschichte einen Bezugspunkt ein, von dem der Mensch nicht absehen kann, wenn er dahin gelangen will, das Geheimnis seines Daseins zu verstehen; andererseits verweist diese Erkenntnis ständig auf das Geheimnis Gottes, das der Verstand nicht auszuschöpfen vermag, sondern nur im Glauben empfangen und annehmen kann« (Enzyklika Fides et ratio, 14).

Was also ist in dieser Hinsicht der Glaubensakt? Er ist die Antwort des Menschen auf die Offenbarung Gottes, der sich zu erkennen gibt, der seinen gnädigen Ratschluß kundtut; es bedeutet, um ein Wort des hl. Augustinus zu gebrauchen, sich von der Wahrheit, die Gott ist, einer Wahrheit, die Liebe ist, ergreifen zu lassen. Daher betont der hl. Paulus, daß man Gott, der sein Geheimnis offenbart, den »Gehorsam des Glaubens« schuldet (Röm 16,26; vgl. 1,5; 2 Kor 10,5–6), denn »darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich ›dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft‹ und seiner Offenbarung willig zustimmt« (Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 5). All das führt zu einer grundlegenden Veränderung der Beziehung zur gesamten Wirklichkeit. Alles erscheint in einem neuen Licht, es handelt sich also um eine wahre »Bekehrung«. Glaube ist ein »Umdenken«, denn der Gott, der sich in Christus offenbart und seinen Liebesplan zu erkennen gegeben hat, ergreift uns, zieht uns zu sich, wird zum Sinn, der das Leben trägt, zum Fels, auf dem dieses Stabilität finden kann. Im Alten Testament finden wir einen dichten Ausdruck des Glaubens, den Gott dem Propheten Jesaja anvertraut, damit er ihn dem König von Juda, Ahas, mitteilt. Gott sagt: »Glaubt ihr nicht«, das heißt, wenn ihr Gott nicht die Treue haltet, »so bleibt ihr nicht« (Jes 7,9b). Es gibt also eine Verbindung zwischen dem »Bleiben« und dem »Verstehen«, die gut zum Ausdruck bringt, daß der Glaube darin besteht, im Leben die Sicht Gottes auf die Welt anzunehmen, uns von Gott durch sein Wort und seine Sakramente zum Verständnis dessen führen zu lassen, was wir tun sollen, welchen Weg wir beschreiten sollen, wie wir leben sollen. Gleichzeitig ist es jedoch eben das Verstehen auf Gottes Weise, das Sehen mit seinen Augen, was das Leben festigt, was uns gestattet, »standfest zu sein«, nicht zu fallen.

Liebe Freunde, der Advent, die liturgische Zeit, die wir soeben begonnen haben und die uns auf das Weihnachtsfest vorbereitet, stellt uns dem leuchtenden Geheimnis der Ankunft des Gottessohnes gegenüber, dem großen »gnädigen Ratschluß«, mit dem er uns zu sich ziehen will, um uns in voller Gemeinschaft der Freude und des Friedens mit ihm leben zu lassen. Der Advent lädt uns noch einmal ein, inmitten vieler Schwierigkeiten die Gewißheit zu erneuern, daß Gott gegenwärtig ist: Er ist in die Welt gekommen und ist Mensch geworden wie wir, um seinen Liebesplan zur Erfüllung zu bringen. Und Gott bittet darum, daß auch wir zum Zeichen seines Wirkens in der Welt werden. Durch unseren Glauben, unsere Hoffnung, unsere Liebe will er stets aufs neue in die Welt eintreten und will stets aufs neue sein Licht in unserer Nacht erstrahlen lassen.

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BENEDIKT XVI.: DAS JAHR DES GLAUBENS: WIE KÖNNEN WIR VON GOTT SPRECHEN?

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GENERALAUDIENZ

Aula Paolo VI
Mittwoch, 28. November 2012

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Die zentrale Frage, die wir uns heute stellen, ist folgende: Wie können wir in unserer Zeit von Gott sprechen? Wie können wir das Evangelium verkündigen, um in den oft verschlossenen Herzen unserer Zeitgenossen und in ihrem Verstand, der oft von vielen Blendungen der Gesellschaft abgelenkt ist, Wege zu seiner Heilswahrheit zu öffnen? Jesus selbst hat sich das, wie die Evangelisten uns sagen, bei der Verkündigung des Reiches Gottes gefragt: »Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?« (Mk 4,30). Wie können wir heute von Gott sprechen? Die erste Antwort ist, daß wir von Gott sprechen können, weil er mit uns gesprochen hat. Die erste Voraussetzung für das Sprechen von Gott ist also das Hören dessen, was Gott selbst gesagt hat. Gott hat mit uns gesprochen!

Gott ist also keine ferne Hypothese über den Ursprung der Welt; er ist keine weit von uns entfernte mathematische Intelligenz. Gott kümmert sich um uns, er liebt uns, er ist persönlich in die Wirklichkeit unserer Geschichte eingetreten, er hat sich selbst mitgeteilt und ist sogar Mensch geworden. Gott ist also eine Wirklichkeit in unserem Leben, er ist so groß, daß er auch Zeit für uns hat, für uns sorgt. In Jesus von Nazaret begegnen wir dem Antlitz Gottes, der vom Himmel herabgekommen ist, um sich in die Welt der Menschen, in unsere Welt hineinzubegeben und die »Kunst des Lebens«, den Weg zum Glück zu lehren; um uns von der Sünde zu befreien und uns zu Söhnen Gottes zu machen (vgl. Eph 1,5; Röm 8,14). Jesus ist gekommen, um uns zu retten und uns das gute Leben des Evangeliums zu zeigen.

Von Gott sprechen heißt zunächst, sich darüber im klaren sein, was wir den Männern und Frauen unserer Zeit bringen sollen: keinen abstrakten Gott, keine Hypothese, sondern einen konkreten Gott, einen Gott, der existiert, der in die Geschichte eingetreten und in der Geschichte gegenwärtig ist; den Gott Jesu Christi als Antwort auf die grundsätzliche Frage des Warum und Wie unseres Lebens. Von Gott sprechen verlangt daher einen vertrauten Umgang mit Jesus und seinem Evangelium, es setzt unsere persönliche, wirkliche Erkenntnis Gottes voraus und eine große Leidenschaft für seinen Heilsplan, ohne der Versuchung des Erfolgs nachzugeben, sondern der Methode Gottes folgend. Gottes Methode ist die der Demut – Gott wird einer von uns –, es ist die Methode, die in der Menschwerdung im einfachen Haus von Nazaret und in der Grotte von Betlehem verwirklicht wurde, die Methode aus dem Gleichnis vom Senfkorn. Man darf die Demut der kleinen Schritte nicht fürchten und muß auf den Sauerteig vertrauen, der den Teig durchdringt und ihn langsam wachsen läßt (vgl. Mt 13,33). Beim Sprechen von Gott, bei der Evangelisierungstätigkeit unter der Führung des Heiligen Geistes, bedarf es einer Wiedererlangung der Einfachheit, einer Rückkehr zum Wesentlichen der Verkündigung: zur Frohen Botschaft von einem Gott, der wirklich und konkret ist, einem Gott, der sich um uns kümmert, einem Gott, der die Liebe ist und uns in Jesus Christus nahekommt bis zum Kreuz und der uns in der Auferstehung die Hoffnung schenkt und uns öffnet zu einem Leben, das kein Ende hat, zum ewigen Leben, zum wahren Leben. Der hl. Paulus, der ein hervorragender Kommunikator war, erteilt uns eine Lehre, die das Verständnis des Problems, wie man mit großer Einfachheit »von Gott sprechen« kann, mitten ins Herz trifft. Im Ersten Brief an die Korinther schreibt er: »Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten « (2,1–2). Die erste Wirklichkeit ist also die, daß Paulus nicht über eine Philosophie spricht, die er selbst entwickelt hat, daß er nicht über Ideen spricht, die er irgendwo gefunden oder erfunden hat, sondern daß er von einer Wirklichkeit seines Lebens spricht, von dem Gott spricht, der in sein Leben eingetreten ist, daß er von einem wirklichen Gott spricht, der lebt, der mit ihm gesprochen hat und der mit uns sprechen wird, daß er vom gekreuzigten und auferstandenen Christus spricht.

Die zweite Wirklichkeit ist die, daß Paulus nicht sich selbst sucht, keine Bewunderer um sich scharen will, nicht in die Geschichte eingehen will als Oberhaupt einer Schule großer Erkenntnisse. Der hl. Paulus sucht nicht sich selbst, sondern verkündigt Christus und will die Menschen für den wahren und wirklichen Gott gewinnen. Paulus spricht nur mit dem Wunsch, das verkündigen zu wollen, was in sein Leben eingetreten und das wahre Leben ist, das ihn auf dem Weg nach Damaskus erobert hat. Von Gott sprechen heißt also, demjenigen Raum zu geben, der uns ihn kennenlernen läßt, der uns sein liebevolles Antlitz offenbart; es heißt, das eigene Ich zu entäußern und es Christus darzubringen, im Bewußtsein, daß nicht wir die anderen für Gott gewinnen können, sondern daß wir sie vielmehr von Gott selbst erwarten, von ihm erbitten müssen. Das Sprechen von Gott entsteht also aus dem Hören, aus unserer Erkenntnis Gottes, die im vertrauten Umgang mit ihm verwirklicht wird, im Leben des Gebets und nach den Geboten.

Den Glauben mitteilen bedeutet für den hl. Paulus nicht, sich selbst zu bringen, sondern offen und öffentlich zu sagen, was er bei der Begegnung mit Christus gesehen und gehört hat, was er in seinem nunmehr von jener Begegnung veränderten Leben erfahren hat: Es bedeutet, jenen Jesus zu bringen, den er in sich gegenwärtig spürt und der zur wahren Orientierung seines Lebens geworden ist, um allen zu verstehen zu geben, daß er notwendig für die Welt und entscheidend für die Freiheit eines jeden Menschen ist. Der Apostel begnügt sich nicht damit, Worte zu verkündigen, sondern bindet sein ganzes Leben in das große Werk des Glaubens ein. Um von Gott zu sprechen, muß man ihm Raum schaffen, im Vertrauen darauf, daß er in unserer Schwachheit wirkt: ihm Raum schaffen ohne Furcht, mit Einfachheit und Freude, in der tiefen Überzeugung, daß unsere Verkündigung umso fruchtbarer sein wird, je mehr wir ihn und nicht uns selbst in den Mittelpunkt stellen. Und das gilt auch für die christlichen Gemeinschaften: Sie sind aufgerufen, das verwandelnde Wirken der Gnade Gottes aufzuzeigen, indem sie Individualismen, Verschlossenheit, Egoismen, Gleichgültigkeit überwinden und die Liebe Gottes in den täglichen Beziehungen leben. Fragen wir uns, ob unsere Gemeinschaften wirklich so sind. Wir müssen uns in Bewegung setzen, um immer und wirklich so zu werden, Verkünder Christi und nicht unserer selbst.

An diesem Punkt müssen wir uns fragen, wie Jesus selbst seine Verkündigung mitgeteilt hat. Jesus in seiner Einzigartigkeit spricht von seinem Vater – »Abba« – und vom Reich Gottes, mit dem Blick voll Barmherzigkeit für die Mühen und Schwierigkeiten des menschlichen Lebens. Er spricht mit großem Realismus. Ich würde sagen, das Wesentliche der Verkündigung Jesu ist, daß sie die Welt transparent macht und daß unser Leben für Gott wertvoll ist. Jesus zeigt, daß in der Welt und in der Schöpfung das Antlitz Gottes durchscheint, und er zeigt uns, daß Gott im täglichen Geschehen unseres Lebens gegenwärtig ist, er zeigt uns dies sowohl in Gleichnissen der Natur – das Senfkorn, der Acker mit den verschiedenen Samen –, als auch in unserem Leben: Denken wir an das Gleichnis vom verlorenen Sohn, an Lazarus und an andere Gleichnisse Jesu. Aus den Evangelien sehen wir, daß Jesus sich für jede menschliche Situation interessiert, die ihm begegnet, daß er eintaucht in die Wirklichkeit der Männer und Frauen seiner Zeit, mit vollem Vertrauen auf den Beistand des Vaters, und daß Gott in dieser Geschichte wirklich im Verborgenen gegenwärtig ist: Wenn wir aufmerksam sind, können wir ihm begegnen. Und die Jünger, die bei Jesus leben, die Menge, die ihm begegnet, sehen seine Reaktion auf die verschiedensten Probleme. Sie sehen, wie er spricht, wie er sich verhält; sie sehen in ihm das Wirken des Heiligen Geistes, das Wirken Gottes. In ihm sind Verkündigung und Leben miteinander verwoben: Jesus handelt und lehrt immer von einer engen Beziehung zu Gott, dem Vater, ausgehend.

Dieser Stil wird zu einem wichtigen Hinweis für uns Christen: Unser Leben im Glauben und in der Liebe wird zu einem Sprechen von Gott im Heute, weil es durch ein in Christus gelebtes Dasein die Glaubwürdigkeit, den Realismus dessen aufzeigt, was wir mit Worten sagen, die nicht nur Worte sind, sondern die Wirklichkeit aufzeigen, die wahre Wirklichkeit. Und dabei müssen wir darauf achten, die Zeichen der Zeit in unserer Epoche zu begreifen, das heißt die Möglichkeiten, die Wünsche, die Hindernisse, denen man in der gegenwärtigen Kultur begegnet, erkennen, insbesondere den Wunsch nach Wahrhaftigkeit, das Verlangen nach Transzendenz, die Sensibilität für die Wahrung der Schöpfung, und wir müssen furchtlos die Antwort weitergeben, die der Glaube an Gott schenkt. Das Jahr des Glaubens gibt uns Gelegenheit, mit vom Heiligen Geist beseelter Phantasie neue Wege auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene zu entdecken, damit die Kraft des Evangeliums überall Lebensweisheit und Orientierung der Daseins sein möge.

Auch in unserer Zeit ist der vorrangige Ort, um von Gott zu sprechen, die Familie, die erste Schule der Weitergabe des Glaubens an die jungen Generationen. Das Zweite Vatikanische Konzil spricht von den Eltern als ersten Glaubensboten (vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 11; Dekret Apostolicam actuositatem, 11), die berufen sind, diese ihre Sendung wiederzuentdecken und die Erziehungsverantwortung wahrzunehmen, das Gewissen der Kinder für die Liebe Gottes zu öffnen, als grundlegender Dienst für ihr Leben, die ersten Katecheten und Glaubenslehrer für ihre Kinder zu sein. Und bei dieser Aufgabe ist vor allem die Wachsamkeit wichtig. Das bedeutet, günstige Gelegenheiten zu ergreifen, um in der Familie das Glaubensgespräch einzuführen und eine kritische Reflexion über die zahlreichen Einflüsse, denen die Kinder ausgesetzt sind, heranreifen zu lassen. Diese Aufmerksamkeit der Eltern besteht auch in der Sensibilität, religiöse Fragen, die im Herzen der Kinder – manchmal deutlich sichtbar und manchmal verborgen – vorhanden sein mögen, aufzugreifen.

Dann die Freude: Die Weitergabe des Glaubens muß immer einen freudigen Ton haben. Es ist die österliche Freude, die die Wirklichkeit des Schmerzes, des Leidens, der Mühe, der Schwierigkeit, des Unverständnisses und auch des Todes nicht verschweigt oder verbirgt, sondern die Kriterien anzubieten weiß, um alles in der Perspektive der christlichen Hoffnung auszulegen. Das gute und rechte Leben des Evangeliums ist gerade dieser neue Blick, diese Fähigkeit, jede Situation mit den Augen Gottes zu betrachten. Es ist wichtig, allen Mitgliedern der Familie verstehen zu helfen, daß der Glaube keine Last ist, sondern eine Quelle tiefer Freude, daß er die Wahrnehmung des Wirkens Gottes ist, die Erkenntnis der Gegenwart des Guten, das keinen Lärm macht; und daß er wertvolle Orientierungen bietet, um das eigene Dasein recht zu leben. Schließlich die Fähigkeit zum Zuhören und zum Dialog: Die Familie muß ein Umfeld sein, in dem man lernt, zusammenzusein; Gegensätze im gemeinsamen Dialog zu überwinden, der aus Zuhören und Worten besteht; einander zu verstehen und zu lieben, um füreinander Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes zu sein.

Von Gott sprechen heißt also, mit dem Wort und mit dem Leben zu vermitteln, daß Gott nicht der Konkurrent unseres Lebens ist, sondern vielmehr sein wahrer Garant, der Garant der Größe der menschlichen Person. So kehren wir zum Anfang zurück: Von Gott sprechen bedeutet, mit Nachdruck und Einfachheit, mit dem Wort und mit dem Leben das Wesentliche mitzuteilen: den Gott Jesu Christi, jenen Gott, der uns eine so große Liebe gezeigt hat, daß er Mensch geworden, für uns gestorben und auferstanden ist; jenen Gott, der darum bittet, ihm nachzufolgen und sich von seiner unermeßlichen Liebe verwandeln zu lassen, um unser Leben und unsere Beziehungen zu erneuern; jenen Gott, der uns die Kirche geschenkt hat, um den Weg gemeinsam zu gehen und durch das Wort und die Sakramente die ganze Stadt der Menschen zu erneuern, damit sie zur Stadt Gottes werden kann.

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BENEDIKT XVI.: DAS JAHR DES GLAUBENS – DIE WEGE, DIE ZUR ERKENNTNIS GOTTES FÜHREN

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GENERALAUDIENZ

Aula Paolo VI
Mittwoch, 14. November 2012

Liebe Brüder und Schwestern!

Am vergangenen Mittwoch haben wir über das Verlangen nach Gott nachgedacht, das der Mensch tief in seinem Innern trägt. Heute möchte ich diesen Aspekt weiter vertiefen, indem ich kurz mit euch über einige Wege nachdenke, um zur Erkenntnis Gottes zu gelangen. Ich möchte jedoch daran erinnern, daß die Initiative Gottes stets jeder Initiative des Menschen vorausgeht; und auch auf dem Weg zu ihm ist zunächst er es, der uns erleuchtet, uns Orientierung schenkt und uns leitet, wobei er stets unsere Freiheit achtet. Er läßt uns auch in die Vertrautheit mit ihm eintreten, indem er sich offenbart und uns die Gnade schenkt, diese Offenbarung im Glauben anzunehmen. Wir sollten nie die Erfahrung des hl. Augustinus vergessen: Nicht wir besitzen die Wahrheit, nachdem wir sie gesucht haben, sondern die Wahrheit sucht uns und besitzt uns.

Dennoch gibt es Wege, die das Herz des Menschen zur Erkenntnis Gottes hin öffnen können, gibt es Zeichen, die zu Gott führen. Gewiß laufen wir oft Gefahr, vom glänzenden Schein des Weltlichen geblendet zu werden, der uns daran hindert, diese Wege zu beschreiten oder diese Zeichen zu interpretieren. Gott wird jedoch nicht müde, uns zu suchen; er ist dem Menschen, den er geschaffen und erlöst hat, treu, und er bleibt unserem Leben nahe, weil er uns liebt. Diese Gewißheit muß uns jeden Tag begleiten, auch wenn gewisse weit verbreitete Auffassungen es der Kirche und dem Christen schwerer machen, jedem Geschöpf die Freude des Evangeliums mitzuteilen und alle zur Begegnung mit Jesus, dem einzigen Retter der Welt, zu führen. Das ist jedoch unsere Sendung, es ist die Sendung der Kirche, und jeder Gläubige muß sie freudig leben, sie als sein eigen empfinden, durch ein wirklich vom Glauben beseeltes Dasein, das von der Liebe, vom Dienst an Gott und an den anderen geprägt und in der Lage ist, Hoffnung auszustrahlen. Diese Sendung erstrahlt vor allem in der Heiligkeit, zu der wir alle berufen sind.

Heute – das wissen wir – mangelt es nicht an Schwierigkeiten und Prüfungen für den Glauben, der oft wenig verstanden, bestritten, abgelehnt wird. Der hl. Petrus sagte zu den Christen: »Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig« (1Petr 3,15–16). Im Westen war in der Vergangenheit, in einer als christlich betrachteten Gesellschaft, der Glaube das Umfeld, in dem sie sich bewegte; der Bezug auf Gott und die Treue zu ihm gehörten für die meisten Menschen zum täglichen Leben. Vielmehr mußte derjenige, der nicht glaubte, seine Ungläubigkeit rechtfertigen. In unserer Welt hat sich die Lage geändert, und der Gläubige muß immer mehr in der Lage sein, seinen Glauben zu begründen. Der sel. Johannes Paul II. hob in der Enzyklika Fides et ratio hervor, daß der Glaube auch in der gegenwärtigen Zeit, die von subtilen und verfänglichen Formen eines theoretischen und praktischen Atheismus durchzogen ist, auf die Probe gestellt wird (vgl. Nr. 46–47).

Seit der Aufklärung hat die Religionskritik zugenommen; die Geschichte wurde auch durch die Anwesenheit atheistischer Systeme geprägt, in denen Gott als reine Projektion des menschlichen Geistes betrachtet wurde, als Illusion und Produkt einer bereits durch viele Entfremdungen verfälschten Gesellschaft. Das letzte Jahrhundert hat außerdem einen starken Säkularisierungsprozeß erlebt, im Zeichen der absoluten Unabhängigkeit des Menschen, der als Maß und Baumeister der Wirklichkeit betrachtet wird, aber in bezug auf seine Geschöpflichkeit »nach Gottes Bild, ihm ähnlich« verkümmert ist. In unserer Zeit hat sich ein Phänomen herausgebildet, das für den Glauben besonders gefährlich ist: Es gibt nämlich eine Form des sogenannten »praktischen Atheismus«, in dem die Glaubenswahrheiten oder die religiösen Riten nicht abgelehnt, sondern einfach nur als bedeutungslos für das tägliche Leben, als dem Leben fernstehend, als nutzlos betrachtet werden. Oft glaubt man also auf oberflächliche Weise an Gott und lebt, »als ob es Gott nicht gäbe« (»etsi Deus non daretur«).

Letztendlich ist diese Lebensweise jedoch noch zerstörerischer, weil sie zur Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben und der Frage nach Gott führt. In Wirklichkeit ist der von Gott getrennte Mensch auf eine einzige Dimension – die horizontale – reduziert, und eben dieser Reduktionismus ist eine der wesentlichen Ursachen für die Totalitarismen, die im letzten Jahrhundert tragische Folgen hatten, ebenso wie für die Wertekrise, die wir in der gegenwärtigen Wirklichkeit erfahren. Durch die Verdunkelung des Gottesbezuges hat sich auch der ethische Horizont verdunkelt, um dem Relativismus und einem zweifelhaften Freiheitsverständnis Raum zu geben, das nicht befreiend ist, sondern den Menschen am Ende vielmehr an Götzen bindet. Die Versuchungen, denen Jesus in der Wüste vor seinem öffentlichen Wirken ausgesetzt war, zeigen jene »Götzen« auf, die den Menschen anziehen, wenn er nicht über sich selbst hinausgeht. Wenn Gott die zentrale Stellung verliert, dann verliert der Mensch den ihm zukommenden Ort, findet er nicht mehr seinen Platz in der Schöpfung, in den Beziehungen zu den anderen. Was die antike Weisheit im Mythos des Prometheus beschreibt, hat seine Gültigkeit nicht verloren: Der Mensch denkt, er könne selbst zum »Gott« werden, zum Herrn über Leben und Tod.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen hört die Kirche, dem Gebot Christi treu, niemals auf, die Wahrheit über den Menschen und seine Bestimmung zu verkündigen. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt zusammenfassend: »Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur Gemeinschaft mit Gott. Zum Dialog mit Gott ist der Mensch schon von seinem Ursprung her aufgerufen: er existiert nämlich nur, weil er, von Gott aus Liebe geschaffen, immer aus Liebe erhalten wird; und er lebt nicht voll gemäß der Wahrheit, wenn er diese Liebe nicht frei anerkennt und sich seinem Schöpfer anheimgibt« (Konstitution Gaudium et spes, 19).

Welche Antworten soll der Glaube also »bescheiden und ehrfürchtig« auf den Atheismus, den Skeptizismus, die Gleichgültigkeit gegenüber der vertikalen Dimension geben, damit der Mensch unserer Zeit auch weiterhin nach der Existenz Gottes fragt und die Wege beschreitet, die zu ihm führen? Ich möchte einige Wege erwähnen, die sowohl aus der natürlichen Überlegung als auch der Kraft des Glaubens hervorgehen. Ich möchte sie ganz kurz in drei Worten zusammenfassen: die Welt, der Mensch, der Glaube.

Das erste: die Welt. Beim hl. Augustinus, der in seinem Leben lange Zeit nach der Wahrheit gesucht hat und von der Wahrheit ergriffen wurde, gibt es einen berühmten Abschnitt, in dem er sagt: »Frage die Schönheit der Erde, frage die Schönheit des Meeres, frage die Schönheit der Luft, die sich ausdehnt und sich verbreitet, frage die Schönheit des Himmels frage alle diese Dinge. Alle antworten dir: Schau…, wie schön wir sind! Ihre Schönheit ist ein Bekenntnis. Wer hat diese der Veränderung unterliegenden Dinge gemacht, wenn nicht der Schöne, der der Veränderung nicht unterliegt?« (Sermo 241,2; PL 38,1134). Ich denke, wir müssen die Fähigkeit zur Betrachtung der Schöpfung, ihrer Schönheit, ihrer Struktur zurückgewinnen und sie den heutigen Menschen zurückgewinnen lassen. Die Welt ist keine unförmige Masse, sondern je mehr wir sie kennenlernen und je mehr wir ihre wunderbaren Zusammenhänge entdecken, desto mehr erkennen wir einen Plan, sehen wir, daß es eine schöpferische Intelligenz gibt. Albert Einstein sagte, daß sich in der Naturgesetzlichkeit »eine so überlegene Vernunft offenbart, daß alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist« (Mein Weltbild, Frankfurt/M.-Berlin 1965). Ein erster Weg, der zur Entdeckung Gottes führt, ist also die Betrachtung der Schöpfung mit aufmerksamen Augen.

Das zweite Wort: der Mensch. Der hl. Augustinus hat auch ein berühmtes Wort, in dem er sagt, daß Gott selbst mir innerlicher ist als ich selbst für mich es bin (vgl. Bekenntnisse 3,6,11). Daher formuliert er die Einladung: »Gehe nicht aus dir heraus, sondern gehe in dich hinein: Im inneren Menschen wohnt die Wahrheit« (De vera religione, 39,72). Das ist ein weiterer Aspekt, der uns in der lauten Welt mit all ihren Zerstreuungen, in der wir leben, verlorenzugehen droht: die Fähigkeit innezuhalten und tief in uns selbst hineinzublicken und jenes Verlangen nach der Unendlichkeit zu erkennen, das wir in uns tragen, das uns drängt, über uns selbst hinauszugehen, und auf denjenigen verweist, der es stillen kann. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es: »Mit seiner Offenheit für die Wahrheit und Schönheit, mit seinem Sinn für das sittlich Gute, mit seiner Freiheit und der Stimme seines Gewissens, mit seinem Verlangen nach Unendlichkeit und Glück fragt der Mensch nach dem Dasein Gottes« (Nr. 33).

Das dritte Wort: der Glaube. Vor allem in der Wirklichkeit unserer Zeit dürfen wir nicht vergessen, daß ein Weg, der zur Erkenntnis Gottes und zur Begegnung mit ihm führt, das Glaubensleben ist. Wer glaubt, ist mit Gott vereint, ist offen für seine Gnade, für die Kraft der Liebe. So bezeugt er durch sein Dasein nicht sich selbst, sondern den Auferstandenen, und sein Glaube hat keine Furcht, sich im täglichen Leben zu zeigen, ist offen für den Dialog, der tiefe Freundschaft für den Weg eines jeden Menschen zum Ausdruck bringt und dem Bedürfnis nach Erlösung, nach Glückseligkeit, nach Zukunft Lichter der Hoffnung aufscheinen lassen kann. Denn der Glaube ist Begegnung mit Gott, der in der Geschichte spricht und wirkt, unser tägliches Leben bekehrt, indem er unser Denken, unsere Werturteile, unsere Entscheidungen und unser konkretes Handeln verwandelt. Er ist keine Illusion, Wirklichkeitsflucht, bequemer Rückzug, Sentimentalität, sondern er bezieht das ganze Leben ein und ist Verkündigung des Evangeliums, Frohbotschaft, die den ganzen Menschen befreien kann. Ein Christ, eine Gemeinschaft, die sich tatkräftig einsetzen und treu sind gegenüber dem Plan Gottes, der uns zuerst geliebt hat, stellen einen Königsweg für jene dar, die seiner Existenz und seinem Wirken gleichgültig gegenüberstehen oder daran zweifeln.

Das erfordert jedoch von jedem, das eigene Glaubenszeugnis immer mehr durchscheinen zu lassen und das eigene Leben zu reinigen, um Christus gleichgestaltet zu werden. Heute haben viele ein begrenztes Verständnis vom christlichen Glauben, weil sie ihn mit einem reinen System von Glaubenssätzen und Werten gleichsetzen und nicht so sehr mit der Wahrheit eines Gottes, der sich in der Geschichte offenbart hat und danach verlangt, mit dem Menschen persönlich zu kommunizieren, in einer Liebesbeziehung zu ihm. In Wirklichkeit liegt jeder Lehre und jedem Wert das Ereignis der Begegnung zwischen dem Menschen und Gott in Christus Jesus zugrunde. Das Christentum ist nicht in erster Linie eine Moral oder eine Ethik, sondern ein Ereignis der Liebe, die Annahme der Person Jesu. Daher muß der Christ und müssen die christlichen Gemeinden vor allem auf Christus schauen und schauen lassen: auf den wahren Weg, der zu Gott führt.

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