Präsident Trump an die Generalversammlung der Vereinten Nationen

Präsident Donald Trump spricht auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 25. September 2018. Er verteidigte Amerikas Souveränität durch und durch.


Frau Präsidentin, Herr Generalsekretär, führende Persönlichkeiten der Welt, Botschafter und angesehene Delegierte:

Vor einem Jahr stand ich zum ersten Mal in dieser großen Halle vor Ihnen. Ich sprach die Bedrohungen an, mit denen unsere Welt konfrontiert ist, und ich stellte eine Vision vor, um eine bessere Zukunft für die gesamte Menschheit zu erreichen.

Heute stehe ich vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, um den außergewöhnlichen Fortschritt zu teilen, den wir gemacht haben.

In weniger als zwei Jahren hat meine Regierung mehr als fast jede Verwaltung in der Geschichte unseres Landes erreicht.

Amerikas – so wahr. (Gelächter.) Habe diese Reaktion nicht erwartet, aber das ist okay. (Lachen und Applaus.)

Amerikas Wirtschaft boomt wie nie zuvor. Seit meiner Wahl haben wir 10 Billionen Dollar an Vermögen hinzugefügt. Der Aktienmarkt hat ein historisches Rekordhoch erreicht und die Arbeitslosenansprüche liegen auf dem 50-Jahres-Tief. Die Arbeitslosigkeit bei Afroamerikanern, Hispanoamerikanern und Asiaten hat ihren bisher niedrigsten Stand erreicht. Wir haben mehr als 4 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, darunter eine halbe Million Arbeitsplätze in der Produktion.

Wir haben die größten Steuersenkungen und Reformen in der amerikanischen Geschichte bestanden. Wir haben mit dem Bau einer größeren Grenzmauer begonnen, und wir haben die Grenzsicherheit erheblich verbessert.

Wir haben uns für dieses Jahr eine Rekordfinanzierung für unser Militär gesichert – 700 Milliarden US-Dollar und im nächsten Jahr 716 Milliarden US-Dollar. Unser Militär wird bald mächtiger sein als je zuvor.

Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten sind stärker, sicherer und ein reicheres Land als zu der Zeit, als ich vor weniger als zwei Jahren das Amt antrat.

Wir stehen für Amerika und für das amerikanische Volk ein. Und wir treten auch für die Welt ein.

Das sind großartige Neuigkeiten für unsere Bürger und für friedliebende Menschen überall. Wir glauben, dass, wenn Nationen die Rechte ihrer Nachbarn respektieren und die Interessen ihres Volkes verteidigen, sie besser zusammenarbeiten können, um die Segnungen von Sicherheit, Wohlstand und Frieden zu sichern.

Jeder von uns hier ist heute der Botschafter einer ausgeprägten Kultur, einer reichen Geschichte und eines Volkes, das durch Erinnerungen, Traditionen und Werte verbunden ist, die unsere Heimat so einzigartig machen wie nirgendwo sonst auf der Erde.

Deshalb wird Amerika immer die Unabhängigkeit und Kooperation gegenüber Global Governance, Kontrolle und Dominanz wählen.

Ich ehre das Recht jeder Nation in diesem Raum, ihre eigenen Bräuche, Überzeugungen und Traditionen zu verfolgen. Die Vereinigten Staaten werden Ihnen nicht sagen, wie man lebt oder arbeitet oder Gott anbetet.

Wir bitten nur, dass Sie unsere Souveränität ehren.

Von Warschau nach Brüssel, von Tokio nach Singapur war es meine höchste Ehre, die Vereinigten Staaten im Ausland zu vertreten. Ich habe enge Beziehungen und Freundschaften und starke Partnerschaften mit den Führern vieler Nationen in diesem Raum geknüpft, und unser Ansatz hat bereits unglaubliche Veränderungen gebracht.

Mit Unterstützung aus vielen Ländern haben wir uns mit Nordkorea zusammen getan, um das Schreckgespenst des Konflikts durch einen mutigen und neuen Friedensschub zu ersetzen.

Im Juni reiste ich nach Singapur, um den Vorsitzenden von Nordkorea, Kim Jong Un, persönlich zu treffen.

Wir hatten äußerst produktive Gespräche und Treffen, und wir waren uns einig, dass es im Interesse beider Länder lag, die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel voranzutreiben. Seit diesem Treffen haben wir bereits eine Reihe von ermutigenden Maßnahmen gesehen, die sich nur wenige vor kurzem hätten vorstellen können.

Die Raketen fliegen nicht mehr in alle Richtungen. Die Atomtests haben aufgehört. Einige militärische Einrichtungen werden bereits abgebaut. Unsere Geiseln sind freigelassen worden. Und wie versprochen, werden die Überreste unserer gefallenen Helden nach Hause gebracht, um auf amerikanischem Boden zu ruhen.

Ich möchte dem Vorsitzenden Kim für seinen Mut und seine Schritte danken, auch wenn noch viel zu tun bleibt. Die Sanktionen bleiben bis zur Entnuklearisierung bestehen.

Ich möchte auch den vielen Mitgliedstaaten danken, die uns geholfen haben, diesen Moment zu erreichen – ein Moment, der tatsächlich viel größer ist, als die Menschen verstehen würden; viel größer – aber auch für ihre Unterstützung und die kritische Unterstützung, die wir alle brauchen werden.

Ein besonderer Dank geht an Präsident Moon aus Südkorea, Premierminister Abe aus Japan und Präsident Xi aus China.

Im Nahen Osten zeigt unser neuer Ansatz ebenfalls große Fortschritte und historische Veränderungen.

Nach meiner Reise nach Saudi-Arabien im vergangenen Jahr eröffneten die Golfstaaten ein neues Zentrum für die Terrorismusfinanzierung. Sie setzen neue Sanktionen durch, arbeiten mit uns daran, terroristische Netzwerke zu identifizieren und zu verfolgen, und übernehmen mehr Verantwortung für die Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus in ihrer eigenen Region.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar haben Milliarden von Dollar zugesagt, um den Menschen in Syrien und im Jemen zu helfen. Und sie verfolgen mehrere Wege, um Jemens schrecklichen, entsetzlichen Bürgerkrieg zu beenden.

Letztendlich ist es Sache der Nationen der Region zu entscheiden, welche Zukunft sie für sich und ihre Kinder haben wollen.

Aus diesem Grund arbeiten die Vereinigten Staaten mit dem Golf-Kooperationsrat, Jordanien und Ägypten zusammen, um eine regionale strategische Allianz zu schaffen, damit die Länder des Nahen Ostens Wohlstand, Stabilität und Sicherheit in ihrer Heimatregion fördern können.

Dank des Militärs der Vereinigten Staaten und unserer Partnerschaft mit vielen eurer Nationen freue ich mich berichten zu können, dass die blutrünstigen Killer, die als ISIS bekannt sind, aus dem Gebiet vertrieben wurden, das sie einst im Irak und in Syrien hatten. Wir werden weiterhin mit Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten, um radikal-islamischen Terroristen jede Finanzierung, jedes Territorium oder jede Unterstützung oder jegliche Art der Infiltration unserer Grenzen zu verweigern.

Die andauernde Tragödie in Syrien ist herzzerreißend. Unsere gemeinsamen Ziele müssen die Deeskalation eines militärischen Konflikts sein, zusammen mit einer politischen Lösung, die den Willen des syrischen Volkes würdigt. In diesem Sinne drängen wir darauf, dass der von den Vereinten Nationen geleitete Friedensprozess wiederbelebt wird. Aber seien Sie versichert, die Vereinigten Staaten werden reagieren, wenn das Assad-Regime chemische Waffen einsetzt.

Ich empfehle den Menschen in Jordanien und anderen Nachbarländern, Flüchtlinge aus diesem sehr brutalen Bürgerkrieg aufzunehmen.

Wie wir in Jordanien sehen, besteht die mitfühlendste Politik darin, Flüchtlinge so nah wie möglich an ihre Häuser zu bringen, um ihre spätere Rückkehr zu erleichtern und Teil des Wiederaufbauprozesses zu werden. Dieser Ansatz dehnt auch begrenzte Ressourcen aus, um weit mehr Menschen zu helfen und die Auswirkungen jedes ausgegebenen Dollars zu erhöhen.

Jede Lösung der humanitären Krise in Syrien muss auch eine Strategie beinhalten, um das brutale Regime anzugehen, das es angeheizt und finanziert hat: die korrupte Diktatur im Iran.

Irans Führer säen Chaos, Tod und Zerstörung. Sie respektieren nicht ihre Nachbarn oder Grenzen oder die souveränen Rechte der Nationen. Stattdessen plündern die iranischen Führer die Ressourcen des Landes, um sich selbst zu bereichern und das Chaos im Nahen Osten und weit darüber hinaus zu verbreiten.

Das iranische Volk ist zu Recht empört, dass seine Führer Milliarden von Dollars aus der iranischen Staatskasse veruntreut, wertvolle Teile der Wirtschaft beschlagnahmt und die religiösen Stiftungen des Volkes ausgeraubt haben, um ihre eigenen Taschen zu füllen und ihre Stellvertreter zum Krieg zu schicken. Nicht gut.

Die iranischen Nachbarn haben einen hohen Tribut für die Aggression und Expansion der Region [des Regimes] gezahlt. Aus diesem Grund haben so viele Länder im Nahen Osten meine Entscheidung, die Vereinigten Staaten von dem schrecklichen nuklearen Deal von 2015 zurückzuziehen und nukleare Sanktionen zu verhängen, nachdrücklich unterstützt.

Der Iran-Deal war ein Glücksfall für die iranischen Führer. In den Jahren seit dem Abschluss des Abkommens wuchs das Militärbudget des Iran um fast 40 Prozent. Die Diktatur nutzte die Mittel, um nuklearfähige Raketen zu bauen, die interne Repression zu verstärken, den Terrorismus zu finanzieren und in Syrien und im Jemen Chaos und Schlachten zu finanzieren.

Die Vereinigten Staaten haben eine Kampagne des wirtschaftlichen Drucks gestartet, um dem Regime die Mittel zu verweigern, die es benötigt, um seine blutige Agenda voranzutreiben. Letzten Monat haben wir begonnen, die harten nuklearen Sanktionen, die im Rahmen des Iran-Abkommens aufgehoben worden waren, wieder in Kraft zu setzen. Zusätzliche Sanktionen werden am 5. November fortgesetzt und weitere werden folgen. Und wir arbeiten mit Ländern zusammen, die iranisches Rohöl importieren, um ihre Einkäufe wesentlich zu reduzieren.

Wir können nicht zulassen, dass der weltweit führende Sponsor des Terrorismus die gefährlichsten Waffen des Planeten besitzt. Wir können nicht zulassen, dass ein Regime, das „Tod dem Amerika“ singt und Israel mit Vernichtung bedroht, die Mittel besitzt, um eine Atomsprengkopf in jede Stadt auf der Erde zu bringen. Kann es einfach nicht tun.

Wir bitten alle Nationen, das iranische Regime zu isolieren, solange seine Aggression anhält. Und wir bitten alle Nationen, das iranische Volk dabei zu unterstützen, sein religiöses und rechtschaffenes Schicksal zurückzuerobern.

In diesem Jahr haben wir im Nahen Osten einen weiteren wichtigen Schritt nach vorne gemacht. In Anerkennung der Tatsache, dass jeder souveräne Staat seine eigene Hauptstadt festlegt, verlegte ich die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu einer Zukunft des Friedens und der Stabilität in der Region, einschließlich des Friedens zwischen den Israelis und den Palästinensern. Dieses Ziel wird durch die Anerkennung der offensichtlichen Tatsachen vorgebracht und nicht geschädigt.

Amerikas Politik des prinzipientreuen Realismus bedeutet, dass wir nicht als Geisel alter Dogmen, diskreditierter Ideologien und sogenannter Experten gehalten werden, die sich im Laufe der Jahre immer wieder als falsch erwiesen haben. Dies gilt nicht nur für den Frieden, sondern auch für den Wohlstand.

Wir glauben, dass der Handel fair und wechselseitig sein muss. Die Vereinigten Staaten werden nicht länger ausgenutzt werden.

Jahrzehntelang haben die USA ihre Wirtschaft – mit Abstand die größte auf der Erde – mit wenigen Bedingungen geöffnet. Wir erlaubten ausländischen Waren aus der ganzen Welt, frei über unsere Grenzen zu fließen.

Andere Länder haben uns im Gegenzug keinen fairen und gegenseitigen Zugang zu ihren Märkten gewährt. Schlimmer noch, einige Länder haben ihre Offenheit missbraucht, um ihre Produkte zu verkaufen, ihre Waren zu subventionieren, auf unsere Industrie zu zielen und ihre Währungen zu manipulieren, um einen unfairen Vorteil gegenüber unserem Land zu erlangen. Infolgedessen stieg unser Handelsdefizit auf fast 800 Milliarden Dollar pro Jahr.

Aus diesem Grund verhandeln wir systematisch gebrochene und schlechte Handelsgeschäfte neu.

Letzten Monat haben wir ein bahnbrechendes Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko bekannt gegeben. Und erst gestern habe ich mit Präsident Moon den erfolgreichen Abschluss des brandneuen Handelsabkommens zwischen den USA und Korea angekündigt. Und das ist nur der Anfang.

Viele Nationen in diesem Saal werden zustimmen, dass das Welthandelssystem dringend geändert werden muss. Zum Beispiel wurden Länder in die Welthandelsorganisation aufgenommen, die gegen jedes einzelne Prinzip verstoßen, auf dem die Organisation basiert. Während die Vereinigten Staaten und viele andere Nationen sich an die Regeln halten, verwenden diese Länder von der Regierung betriebene Industrieplanung und staatliche Unternehmen, um das System zu ihren Gunsten zu manipulieren. Sie betreiben unerbittliches Produktdumping, forcierten Technologietransfer und den Diebstahl von geistigem Eigentum.

Die Vereinigten Staaten verloren über 3 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion, fast ein Viertel aller Arbeitsplätze in der Stahlindustrie und 60.000 Fabriken, nachdem China der WTO beigetreten ist. Und wir haben in den letzten zwei Jahrzehnten Handelsbilanzdefizite von 13 Billionen Dollar erzielt.

Aber diese Zeiten sind vorbei. Wir werden einen solchen Missbrauch nicht länger tolerieren. Wir werden nicht zulassen, dass unsere Arbeiter Opfer werden, unsere Unternehmen betrogen werden und unser Reichtum geplündert und übertragen wird. Amerika wird sich niemals dafür entschuldigen, dass es seine Bürger schützt.

Die Vereinigten Staaten haben gerade Zölle auf weitere 200 Milliarden Dollar in chinesischen Waren für insgesamt 250 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Ich habe großen Respekt und Zuneigung für meinen Freund, Präsident Xi, aber ich habe deutlich gemacht, dass unser Handelsungleichgewicht einfach nicht akzeptabel ist. Chinas Marktverzerrungen und ihre Art zu handeln können nicht toleriert werden.

Wie meine Regierung gezeigt hat, wird Amerika immer in unserem nationalen Interesse handeln.

Ich habe letztes Jahr vor diesem Gremium gesprochen und davor gewarnt, dass der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eine ernsthafte Verlegenheit für diese Institution geworden ist, indem er ungeheuerliche Menschenrechtsverletzer abgeschirmt hat, während er Amerika und seine vielen Freunde verprügelt hat.

Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, legte eine klare Reformagenda fest, doch trotz gemeldeter und wiederholter Warnungen wurde nichts unternommen.

Deshalb haben die Vereinigten Staaten den einzig verantwortlichen Kurs gewählt: Wir haben uns aus dem Menschenrechtsrat zurückgezogen, und wir werden nicht zurückkehren, bis eine wirkliche Reform in Kraft tritt.

Aus ähnlichen Gründen werden die Vereinigten Staaten dem Internationalen Strafgerichtshof keine Unterstützung gewähren. Soweit es Amerika betrifft, hat der ICC keine Zuständigkeit, keine Legitimität und keine Autorität. Der IStGH beansprucht nahezu universelle Zuständigkeit für die Bürger aller Länder und verletzt alle Prinzipien von Gerechtigkeit, Fairness und ordnungsgemäßem Prozess. Wir werden die Souveränität Amerikas niemals einer nicht gewählten, nicht verantwortlichen globalen Bürokratie überlassen.

Amerika wird von Amerikanern regiert. Wir lehnen die Ideologie des Globalismus ab, und wir akzeptieren die Doktrin des Patriotismus.

Auf der ganzen Welt müssen sich verantwortliche Nationen gegen die Bedrohung der Souveränität verteidigen, nicht nur durch die globale Regierungsführung, sondern auch durch andere, neue Formen von Zwang und Herrschaft.

In Amerika glauben wir stark an die Energiesicherheit für uns selbst und für unsere Verbündeten. Wir sind der größte Energieproduzent auf der ganzen Welt.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, unser reichlich vorhandenes, erschwingliches Angebot an Öl, sauberer Kohle und Erdgas zu exportieren.

OPEC- und OPEC-Nationen zocken wie immer den Rest der Welt ab, und ich mag es nicht. Niemand sollte es mögen. Wir verteidigen viele dieser Nationen umsonst, und dann nutzen sie uns aus, indem sie uns hohe Ölpreise geben. Nicht gut.

Wir wollen, dass sie aufhören, die Preise zu erhöhen, wir wollen, dass sie anfangen, die Preise zu senken, und sie müssen von nun an wesentlich zum militärischen Schutz beitragen. Wir werden es nicht ertragen – diese schrecklichen Preise – viel länger.

Die Abhängigkeit von einem einzigen ausländischen Lieferanten kann eine Nation für Erpressung und Einschüchterung anfällig machen. Aus diesem Grund gratulieren wir europäischen Staaten wie Polen, die den Bau einer Ostsee-Pipeline geleitet haben, damit die Staaten nicht von Russland abhängig sind, um ihren Energiebedarf zu decken. Deutschland wird völlig von russischer Energie abhängig sein, wenn es nicht sofort den Kurs ändert.

Hier in der westlichen Hemisphäre sind wir verpflichtet, unsere Unabhängigkeit vom Vordringen expansiver ausländischer Mächte zu bewahren.

Seit Präsident Monroe ist es die formelle Politik unseres Landes, dass wir die Einmischung fremder Nationen in diese Hemisphäre und in unsere eigenen Angelegenheiten ablehnen. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich unsere Gesetze verschärft, um ausländische Investitionen in unserem Land für Bedrohungen der nationalen Sicherheit besser zu prüfen, und wir begrüßen die Zusammenarbeit mit Ländern in dieser Region und auf der ganzen Welt, die dasselbe tun wollen. Sie müssen es zu Ihrem eigenen Schutz tun.

Die Vereinigten Staaten arbeiten auch mit Partnern in Lateinamerika zusammen, um Bedrohungen der Souveränität durch unkontrollierte Migration entgegenzutreten. Toleranz für menschliche Kämpfe und Menschenschmuggel und -handel ist nicht menschlich. Es ist eine schreckliche Sache, die passiert, auf einer Ebene, die noch nie zuvor jemand gesehen hat. Es ist sehr, sehr grausam.

Illegale Einwanderung finanziert kriminelle Netzwerke, rücksichtslose Banden und den Strom tödlicher Drogen. Illegale Einwanderung nutzt gefährdete Bevölkerungsgruppen aus, verletzt hart arbeitende Bürger und hat einen Teufelskreis aus Kriminalität, Gewalt und Armut hervorgebracht. Nur wenn wir nationale Grenzen aufrechterhalten, kriminelle Banden zerstören, können wir diesen Kreislauf durchbrechen und eine echte Grundlage für Wohlstand schaffen.

Wir erkennen das Recht jeder Nation in diesem Raum an, ihre eigene Einwanderungspolitik im Einklang mit ihren nationalen Interessen zu gestalten, genauso wie wir andere Länder bitten, unser eigenes Recht zu respektieren, dasselbe zu tun – was wir tun. Das ist einer der Gründe, warum die Vereinigten Staaten nicht am neuen Global Compact zur Migration teilnehmen werden. Die Migration sollte nicht von einem internationalen Gremium geregelt werden, das für unsere eigenen Bürger nicht verantwortlich ist.

Letztendlich ist die einzige langfristige Lösung für die Migrationskrise, Menschen dabei zu helfen, in ihren Heimatländern eine hoffnungsvollere Zukunft aufzubauen. Macht ihre Länder wieder großartig.

Gegenwärtig erleben wir in Venezuela eine menschliche Tragödie. Mehr als 2 Millionen Menschen sind vor den Qualen des sozialistischen Maduro-Regimes und seiner kubanischen Sponsoren geflohen.

Vor nicht allzu langer Zeit war Venezuela eines der reichsten Länder der Erde. Heute hat der Sozialismus die ölreiche Nation bankrott gemacht und ihre Menschen in bittere Armut getrieben.

Praktisch überall wurde der Sozialismus oder Kommunismus versucht, er hat Leiden, Korruption und Verfall hervorgebracht. Der Machthunger des Sozialismus führt zu Expansion, Einbruch und Unterdrückung. Alle Nationen der Welt sollten dem Sozialismus und dem Elend, das er allen bringt, widerstehen.

In diesem Sinne bitten wir die hier versammelten Nationen, sich uns anzuschließen und die Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela zu fordern. Heute kündigen wir zusätzliche Sanktionen gegen das repressive Regime an, die auf Maduros engen Kreis und enge Berater abzielen.

Wir sind dankbar für die Arbeit der Vereinten Nationen auf der ganzen Welt, um Menschen dabei zu helfen, ein besseres Leben für sich und ihre Familien zu schaffen.

Die Vereinigten Staaten sind bei weitem die weltweit größten Geber von ausländischer Hilfe. Aber wenige geben uns etwas. Deshalb sehen wir uns die US-Auslandshilfe genau an. Das wird von Außenminister Mike Pompeo geleitet. Wir werden untersuchen, was funktioniert, was nicht funktioniert und ob die Länder, die unsere Dollars und unseren Schutz erhalten, auch unsere Interessen im Blick haben.

In Zukunft werden wir nur denjenigen, die uns respektieren, ausländische Hilfe zukommen lassen und, ehrlich gesagt, unsere Freunde sind. Und wir erwarten, dass andere Länder ihren gerechten Anteil für die Kosten ihrer Verteidigung übernehmen.

Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, die Vereinten Nationen effektiver und rechenschaftspflichtiger zu machen. Ich habe oft gesagt, dass die Vereinten Nationen unbegrenztes Potenzial haben. Als Teil unserer Reformbemühungen habe ich unseren Unterhändlern gesagt, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr als 25 Prozent des UN-Friedenssicherungshaushalts bezahlen werden. Dies wird andere Länder ermutigen, sich zu engagieren, und auch an dieser sehr großen Last teilzuhaben.

Und wir arbeiten daran, einen größeren Teil unserer Mittel von bewerteten Beiträgen auf freiwillige Beiträge zu verlagern, damit wir amerikanische Ressourcen auf die Programme mit den besten Erfolgen ausrichten können.

Nur wenn jeder von uns seinen Teil dazu beiträgt und seinen Beitrag leistet, können wir die höchsten Bestrebungen der Vereinten Nationen verwirklichen. Wir müssen Frieden ohne Angst, Hoffnung ohne Verzweiflung und Sicherheit ohne Entschuldigung anstreben.

In dieser Halle, in der so viel Geschichte passiert ist, denken wir an die vielen vor uns, die hierher gekommen sind, um sich den Herausforderungen ihrer Nationen und ihrer Zeit zu stellen. Und unsere Gedanken wenden sich der gleichen Frage zu, die sich in all ihren Reden und Resolutionen, durch jedes Wort und jede Hoffnung zieht. Es ist die Frage, welche Art von Welt wir unseren Kindern hinterlassen werden und welche Art von Nationen sie erben werden.

Die Träume, die diesen Saal heute füllen, sind so vielfältig wie die Menschen, die auf diesem Podium gestanden haben und so unterschiedlich wie die hier in diesem Körper vertretenen Länder sind. Es ist wirklich etwas. Es ist wirklich großartig, großartige Geschichte.

Da gibt es Indien, eine freie Gesellschaft von über einer Milliarde Menschen, die erfolgreich zahllose Millionen aus der Armut in die Mittelschicht befördert hat.

Es gibt Saudi-Arabien, wo König Salman und der Kronprinz mutige neue Reformen verfolgen.

Es gibt Israel, das stolz seinen 70. Jahrestag als blühende Demokratie im Heiligen Land feiert.

In Polen setzt sich ein großes Volk für seine Unabhängigkeit, seine Sicherheit und seine Souveränität ein.

Viele Länder verfolgen ihre eigenen einzigartigen Visionen, bauen ihre eigene hoffnungsvolle Zukunft auf und folgen ihren eigenen wunderbaren Träumen vom Schicksal, vom Vermächtnis und von einem Zuhause.

Die ganze Welt ist reicher, die Menschheit ist besser, wegen dieser schönen Konstellation von Nationen, jede sehr speziell, jede sehr einzigartig, und jede scheint hell in ihrem Teil der Welt.

In jedem von ihnen sehen wir ein großartiges Versprechen eines Volkes, das durch eine gemeinsame Vergangenheit verbunden ist und auf eine gemeinsame Zukunft hinarbeitet.

Was die Amerikaner angeht, wissen wir, welche Zukunft wir uns wünschen. Wir wissen, was für eine Nation Amerika immer sein muss.

In Amerika glauben wir an die Majestät der Freiheit und die Würde des Einzelnen. Wir glauben an die Selbstverwaltung und die Rechtsstaatlichkeit. Und wir schätzen die Kultur, die unsere Freiheit bewahrt – eine Kultur, die auf starken Familien, tiefem Glauben und starker Unabhängigkeit beruht. Wir feiern unsere Helden, wir schätzen unsere Traditionen und vor allem lieben wir unser Land.

In diesem großen Saal heute und jedem, der überall auf der Welt zuhört, ist das Herz eines Patrioten, der die gleiche mächtige Liebe für Ihre Nation empfindet, dieselbe intensive Loyalität gegenüber Ihrer Heimat.

Die Leidenschaft, die in den Herzen der Patrioten und der Seelen der Nationen brennt, hat Reform und Revolution, Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit, wissenschaftliche Durchbrüche und großartige Kunstwerke inspiriert.

Unsere Aufgabe ist es nicht zu löschen, sondern zu umarmen. Um damit zu bauen. Auf seine uralte Weisheit zurückgreifen. Und darin den Willen zu finden, unsere Nationen größer, unsere Regionen sicherer und die Welt besser zu machen.

Um dieses unglaubliche Potenzial in unserem Volk freizusetzen, müssen wir die Grundlagen verteidigen, die das alles möglich machen. Souveräne und unabhängige Nationen sind das einzige Vehikel, in dem die Freiheit jemals überlebt hat, die Demokratie jemals gedauert hat oder der Frieden jemals gediehen ist. Und so müssen wir vor allem unsere Souveränität und unsere geschätzte Unabhängigkeit schützen.

Wenn wir das tun, werden wir neue Wege für die Zusammenarbeit vor uns finden. Wir werden eine neue Leidenschaft für die Friedensstiftung in uns finden. Wir werden einen neuen Zweck, eine neue Entschlossenheit und einen neuen Geist finden, die überall um uns herum gedeihen und dies zu einer schöneren Welt machen, in der wir leben können.

Lasst uns zusammen eine Zukunft von Patriotismus, Wohlstand und Stolz wählen. Lasst uns Frieden und Freiheit über Herrschaft und Niederlage wählen. Und lasst uns hierher zu diesem Ort kommen, um für unser Volk und seine Nationen zu stehen, für immer stark, für immer souverän, für immer und ewig und dankbar für die Gnade und die Güte und die Herrlichkeit Gottes.

Vielen Dank. Gott segne Sie. Und Gott segne die Nationen der Welt.

Vielen Dank. Vielen Dank. (Beifall.)

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Jede Schädigung der Umwelt ist eine Schädigung der Menschheit

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Besuch bei den Vereinten Nationen im Hauptsitz der UNO, New York

Ansprache von Papst Franziskus am 25. September 2015

Herr Präsident,

meine Damen und Herren, guten Tag.

Einer Tradition folgend, durch die ich mich geehrt fühle, hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen wieder einmal den Papst eingeladen, vor dieser ehrenwerten Versammlung der Nationen zu sprechen. Ganz persönlich wie auch im Namen der gesamten katholischen Gemeinschaft möchte ich Ihnen, Herr Ban Ki-moon, meinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank zum Ausdruck bringen. Ich danke auch für Ihre freundlichen Worte. Zudem grüße ich die hier anwesenden Staats- und Regierungschefs, die Botschafter, die Diplomaten, die Beamten und die Fachleute, die sie begleiten, das Personal der Vereinten Nationen, das in dieser siebzigsten Sitzung der Vollversammlung beschäftigt ist, das Personal aller Programme und Einrichtungen der UNO für die Familie sowie alle, die in der einen oder anderen Weise an dieser Versammlung teilnehmen. Durch Sie grüße ich auch die Bürger aller bei dieser Begegnung vertretenen Nationen. Danke für die Bemühungen aller und jedes bzw. jeder Einzelnen für das Wohl der Menschheit.

Dies ist das fünfte Mal, dass ein Papst die Vereinten Nationen besucht. Es kamen meine Vorgänger Paul VI. im Jahr 1965, Johannes Paul II. 1979 und 1995 und mein letzter Vorgänger, der jetzt emeritierte Papst Benedikt XVI., im Jahr 2008. Sie alle sparten nicht mit Ausdrücken der Anerkennung für diese Organisation, die sie als die angemessene juristische und politische Antwort auf den historischen Moment betrachteten, der gekennzeichnet ist durch die technologische Überwindung der Entfernungen und Grenzen und – wie es scheint – jeglicher natürlicher Begrenzungen der Machtbehauptung. Eine unentbehrliche Antwort, da die technologische Macht in den Händen nationalistischer oder pseudo-universalistischer Ideologien imstande ist, schreckliche Gräueltaten hervorzubringen. So kann ich mich nur der Hochschätzung meiner Vorgänger anschließen und erneut die Bedeutung bestätigen, welche die katholische Kirche dieser Institution beimisst, sowie die Hoffnungen bekräftigen, die sie auf ihre Aktivitäten setzt.

Die Geschichte der von den Staaten organisierten und durch die Vereinten Nationen vertretenen Gemeinschaft, die in diesen Tagen ihr siebzigjähriges Bestehen feiert, ist eine Geschichte bedeutender gemeinsamer Erfolge in einer Zeit ungewöhnlicher Beschleunigung der Ereignisse. Ohne eine erschöpfende Darstellung zu beanspruchen, kann man die Kodifizierung und Entwicklung des internationalen Rechtes, die Aufstellung des internationalen Menschenrechtskatalogs, die Vervollkommnung des humanitären Rechts, die Lösung vieler Konflikte sowie Einsätze für Frieden und Versöhnung und viele andere Leistungen auf allen Gebieten internationaler Planung menschlichen Handelns erwähnen.

Alle diese Ergebnisse sind Lichter, die sich gegen das Dunkel der Unordnung abheben, die durch die Formen unkontrollierten Ehrgeizes und durch kollektiven Egoismus verursacht wird. Es stimmt, dass es noch viele ernste Probleme gibt, die nicht gelöst sind, doch es ist auch klar, dass die Menschheit, wenn all diese internationale Aktivität ausgeblieben wäre, den unkontrollierten Gebrauch der eigenen Möglichkeiten eventuell nicht überlebt hätte. Jeder dieser politischen, juristischen und technischen Fortschritte ist Teil eines Weges der Konkretisierung des Ideals der menschlichen Brüderlichkeit und ein Mittel zu seiner besseren Verwirklichung.

Daher möchte ich allen Männern und Frauen, die in diesen siebzig Jahren der ganzen Menschheit treu und opferbereit gedient haben, meine Achtung zollen. Besonders möchte ich heute die erwähnen, die für den Frieden und die Versöhnung der Völker ihr Leben hingegeben haben, von Dag Hammarskjöld bis zu den vielen Funktionären aller Ebenen, die bei den humanitären Missionen für Frieden und Versöhnung umgekommen sind.

Die Erfahrung dieser siebzig Jahre zeigt über alles Erreichte hinaus, dass die Reform und die Anpassung an die Zeiten immer notwendig ist, indem man auf das letzte Ziel zugeht, ausnahmslos allen Ländern eine Beteiligung und einen realen und gerechten Einfluss auf die Entscheidungen zu gewähren. Diese Notwendigkeit einer größeren Gerechtigkeit gilt besonders für die Exekutiv­organe wie im Fall des Sicherheitsrates, der

Finanzbehörden und der Gruppen und Mechanismen, die speziell für die Bewältigung der Wirtschaftskrisen geschaffen wurden. Das wird hilfreich sein, um alle Art von Missbrauch oder Zinswucher besonders gegenüber den Entwicklungsländern zu begrenzen. Die internationalen Finanzbehörden müssen über die nachhaltige Entwicklung der Länder wachen und diese vor einer erstickenden Unterwerfung durch Kredit­systeme schützen, die – weit davon entfernt, den Fortschritt zu fördern – die Bevölkerung unter das Joch von Mechanismen zwingen, die zu noch größerer Armut, Ausschließung und Abhängigkeit führen.

Das Werk der Vereinten Nationen kann – angefangen von den Postulaten der Präambel und der ersten Artikel ihrer Charta – als die Entwicklung und Förderung der Souveränität des Rechtes angesehen werden, da die Gerechtigkeit bekanntlich eine unerlässliche Voraussetzung ist, um das Ideal der universalen Brüderlichkeit zu erreichen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Idee von der Begrenzung der Macht implizit in der Rechtsauffassung enthalten ist. Jedem das Seine zu geben – gemäß der klassischen Definition von Gerechtigkeit – bedeutet, dass weder eine Einzelperson noch eine Menschengruppe sich als allmächtig betrachten darf, dazu berechtigt, über die Würde und die Rechte der anderen Einzelpersonen oder ihrer gesellschaftlichen Gruppierungen hinwegzugehen. Die faktische Verteilung der Macht (auf dem Gebiet von Politik, Wirtschaft, Verteidigung, Technologie u.?a.?m.) unter vielen verschiedenen Personen und die Schaffung eines rechtlichen Systems zur Regelung der Ansprüche und Interessen konkretisiert die Begrenzung der Macht. Ein weltweiter Überblick zeigt uns jedoch heute viele Scheinrechte und zugleich große schutzlose Bereiche, die vielmehr Opfer einer schlechten Ausübung der Macht sind: die natürliche Umwelt und die weite Welt der ausgeschlossenen Frauen und Männer. Zwei eng miteinander verbundene Bereiche, die durch die vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu schwachen, anfälligen Teilen der Wirklichkeit gemacht worden sind. Darum müssen ihre Rechte mit Nachdruck behauptet werden, indem man den Umweltschutz verstärkt und der Ausschließung ein Ende bereitet.

Vor allem ist zu bekräftigen, dass es ein wirkliches »Recht der Umwelt« gibt, und zwar aus zweifachem Grund. Erstens, weil wir Menschen Teil der Umwelt sind. Wir leben in Gemeinschaft mit ihr, denn die Umwelt selbst schließt ethische Grenzen mit ein, die das menschliche Handeln anerkennen und respektieren muss. Wenn auch der Mensch »völlig neue Fähigkeiten« besitzt, welche »eine Besonderheit [zeigen], die den physischen und biologischen Bereich überschreitet« (Enzyklika Laudato si’, 81), ist er doch zugleich ein Teil dieser Umwelt. Er hat einen Körper, der aus physischen, chemischen und biologischen Elementen gebildet ist, und kann nur überleben und sich entwickeln, wenn die ökologische Umgebung dafür günstig ist. Daher ist jede Schädigung der Umwelt eine Schädigung der Menschheit.

Der zweite Grund besteht darin, dass jedes Geschöpf – besonders die Lebewesen – einen Eigenwert hat, einen Wert des Daseins, des Lebens, der Schönheit und der gegenseitigen Abhängigkeit mit den anderen Geschöpfen. Gemeinsam mit den anderen monotheistischen Religionen glauben wir Christen, dass das Universum aus einer Entscheidung der Liebe des Schöpfers hervorgegangen ist (vgl. ebd., 81), der dem Menschen erlaubt, sich respektvoll der Schöpfung zu bedienen zum Wohl seiner Mitmenschen und zur Ehre des Schöpfers. Er darf sie aber nicht miss­brauchen und noch viel weniger ist er berechtigt, sie zu zerstören. Für alle religiösen Überzeugungen ist die Umwelt ein grundlegendes Gut.

Der Missbrauch und die Zerstörung der Umwelt gehen zugleich mit einem unaufhaltsamen Prozess der Ausschließung einher. Tatsächlich führt ein egoistisches und grenzenloses Streben nach Macht und materiellem Wohlstand dazu, sowohl die verfügbaren materiellen Ressourcen ungebührlich auszunutzen als auch die auszuschließen, die schwach und weniger tüchtig sind, sei es weil sie in anderen Befindlichkeiten leben (Menschen mit Behinderungen), sei es weil ihnen die geeigneten technischen Kenntnisse und Instrumente fehlen oder weil ihre politische Entscheidungsfähigkeit nicht ausreicht. Die wirtschaftliche und soziale Ausschließung ist eine völlige Verweigerung der menschlichen Brüderlichkeit und ein äußerst schwerer Angriff auf die Menschenrechte und auf die Umwelt. Die Ärmsten sind diejenigen, die am meisten unter diesen Angriffen leiden, und zwar aus dreifachem schwerem Grund: Sie sind von der Gesellschaft »weggeworfen«, sind zugleich gezwungen, von Weggeworfenem zu leben, und müssen zu Unrecht die Folgen des Missbrauchs der Umwelt erleiden. Diese Phänomene bilden die heute so verbreitete und unbewusst gefestigte »Wegwerfkultur«.

Das Dramatische dieser ganzen Situation von Ausschließung und sozialer Ungleichheit mit ihren deutlichen Folgen führt mich gemeinsam mit der gesamten Christenheit und vielen anderen dazu, mir auch meiner eigenen diesbezüglichen schweren Verantwortung bewusst zu werden. Deshalb erhebe ich zusammen mit allen, die in sehnlicher Erwartung nach schnellen und wirksamen Lösungen rufen, meine Stimme. Die Annahme der »2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung« auf dem Gipfeltreffen, das noch heute beginnen wird, ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung. Ich vertraue auch darauf, dass die UN-Klimakonferenz von Paris zu grundlegenden und wirksamen Vereinbarungen gelangt.

Es reichen jedoch nicht die feierlich übernommenen Verpflichtungen, auch wenn sie mit Sicherheit einen notwendigen Schritt auf dem Weg zu den Lösungen darstellen. Die klassische Definition der Gerechtigkeit, auf die ich vorhin anspielte, enthält als wesentliches Element einen beständigen und fortwährenden Willen: Iustitia est constans et perpetua voluntas ius suum cuique tribuendi. Die Welt verlangt von allen Regierenden einen wirklichen, praktischen, beständigen Willen zu konkreten Schritten und unverzüglichen Maßnahmen, um die natürliche Umwelt zu bewahren und zu verbessern und das Phänomen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausschließung mit seinen traurigen Folgen wie Menschenhandel, Handel von menschlichen Organen und Geweben, sexuelle Ausbeutung von Knaben und Mädchen, Sklavenarbeit einschließlich Prostitution, Drogen- und Waffenhandel, Terrorismus und internationale organisierte Kriminalität so schnell wie möglich zu überwinden. Diese Situationen und die Anzahl der unschuldigen Leben, die sie fordern, sind von solchem Ausmaß, dass wir jede Versuchung meiden müssen, einem Nominalismus zu verfallen, der sich in Deklarationen erschöpft und einen Beruhigungseffekt auf das Gewissen ausübt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind im Kampf gegen all diese Plagen.

Aufgrund der Vielfalt und der Vielschichtigkeit der Probleme muss man sich zu ihrer Erfassung technischer Mittel bedienen. Das bringt aber eine doppelte Gefahr mit sich: dass man sich auf die bürokratische Übung der Erstellung langer Auflistungen guter Vorsätze – Ziele, Zwecke und statistische Angaben – beschränkt oder dass man glaubt, eine einzige theoretische und aprioristische Lösung werde die Antwort auf alle Herausforderungen geben. Man darf in keinem Moment aus den Augen verlieren, dass die politische und wirtschaftliche Aktion nur wirksam ist, wenn sie als eine angemessene Tätigkeit begriffen wird, die von einem immerwährenden Gerechtigkeitsverständnis geleitet ist und zu keinem Zeitpunkt übersieht, dass es vor allen Plänen und Programmen und jenseits davon konkrete Frauen und Männer gibt – Menschen wie die Regierenden –, die leben, ringen und leiden und die sich oft gezwungen sehen, elend und bar aller Rechte zu leben.

Damit diese konkreten Männer und Frauen der extremen Armut entkommen können, muss man ihnen ermöglichen, ihr eigenes Schicksal in würdiger Weise selbst in die Hand zu nehmen. Die ganzheitliche menschliche Entwicklung und die volle Geltendmachung der Menschenwürde können nicht aufgezwungen werden. Sie müssen für jeden Einzelnen, für jede Familie aufgebaut und entfaltet werden, in Gemeinschaft mit den anderen Menschen und in einer richtigen Beziehung zu all den Kreisen, in denen sich die menschliche Solidarität entwickelt – Freunde, Gemeinschaften, Dörfer und Gemeinden, Schulen, Unternehmen und Gewerkschaften, Provinzen, Nationen usw. Eine unerlässliche Voraussetzung dafür ist das Recht auf Bildung – auch für Mädchen (die in einigen Teilen davon ausgeschlossen sind) –, das an erster Stelle dadurch sichergestellt wird, dass man das vorrangige Erziehungsrecht der Familie und das Recht der Kirchen und der sozialen Gruppierungen, die Familien bei der Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, respektiert und stärkt. Die so verstandene Volksbildung ist die Grundlage für die Verwirklichung der 2030-Agenda und für die Erholung der Umwelt.

Zugleich müssen die Regierenden alles tun, was möglich ist, damit alle die minimale materielle und geistige Grundlage haben, um menschenwürdig zu leben und eine Familie zu gründen und zu unterhalten; die Familie ist ja die Urzelle jeder sozialen Entwicklung. Dieses absolute Minimum hat auf materiellem Gebiet drei Namen – Wohnung, Arbeit und Land – und auf geistigem Gebiet einen: geistige Freiheit, welche die Religionsfreiheit, das Recht auf Bildung und alle anderen Bürgerrechte umfasst.

Aus allen diesen Gründen werden das Mittel und der einfachste und geeignetste Indikator für die Erfüllung der neuen Entwicklungs-Agenda der effektive, praktische und unverzügliche Zugang aller zu den unentbehrlichen materiellen und geistigen Gütern sein: eigene Wohnung, würdige und ordnungsgemäß vergütete Arbeit, geeignete Ernährung und Trinkwasser; Religionsfreiheit und allgemeiner: geistige Freiheit und Bildungsfreiheit. Diese Säulen der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung haben zugleich ein gemeinsames Fundament, nämlich das Recht auf Leben und noch allgemeiner gesagt: das, was wir als das Existenzrecht der menschlichen Natur selbst bezeichnen könnten.

Die ökologische Krise könnte zusammen mit der Zerstörung eines großen Teils der biologischen Vielfalt die Existenz der Spezies Mensch selbst in Gefahr bringen. Die unheilvollen Auswirkungen einer unverantwortlichen Zügellosigkeit der allein von Gewinn- und Machtstreben geleiteten Weltwirtschaft müssen ein Aufruf zu einer ernsten Reflexion über den Menschen sein: »Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur« (Benedikt XVI., Ansprache an den Deutschen Bundestag, 22. Sept. 2011; zitiert in Enzyklika Laudato si’, 6). Die Natur wird geschädigt, »wo wir selbst die letzten Instanzen sind […] Der Verbrauch der Schöpfung setzt dort ein, wo wir keine Instanz mehr über uns haben, sondern nur noch uns selber wollen« (Ders., Ansprache an den Klerus der Diözese Bozen-Brixen, 6. August 2008; zitiert ebd.). Darum verlangen der Umweltschutz und der Kampf gegen die Ausschließung die Anerkennung eines Sittengesetzes, das in die menschliche Natur selbst eingeschrieben ist; dieses Gesetz schließt die natürliche Unterscheidung zwischen Mann und Frau ein (vgl. Enzyklika Laudato si’, 155) sowie die uneingeschränkte Achtung vor dem Leben in allen seinen Stadien und Dimensionen (vgl. ebd., 123; 136).

Ohne die Anerkennung einiger unüberwindlicher natürlicher ethischer Grenzen und ohne ein unverzügliches Handeln im Sinne jener Grundpfeiler der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung läuft das Ideal, »künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren« (Charta der Vereinten Nationen, Präambel) und »den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern« (ebd.) Gefahr, sich in eine unerreichbare Illusion zu verwandeln oder – noch schlimmer – in leere Worte, die als Ausrede für jede Art von Übergriff und Korruption dienen oder dazu, eine ideologische Kolonialisierung zu fördern, indem man abnorme Lebensmodelle und -stile durchsetzt, die der Identität der Völker fremd und letztlich unverantwortlich sind.

Der Krieg ist die Negierung aller Rechte und ein dramatischer Angriff auf die Umwelt. Wenn man eine wirkliche ganzheitliche menschliche Entwicklung für alle anstrebt, muss man weiter unermüdlich der Aufgabe nachgehen, den Krieg zwischen den Nationen und den Völkern zu vermeiden.

Zu diesem Zweck muss die unangefochtene Herrschaft des Rechtes sichergestellt werden sowie der unermüdliche Rückgriff auf die Verhandlung, die guten Dienste und auf das Schiedsverfahren, wie es in der Charta der Vereinten Nationen, einer wirklich grundlegenden Rechtsnorm, vorgeschlagen wird. Die Erfahrung aus den siebzig Jahren des Bestehens der Vereinten Nationen ganz allgemein und im Besonderen die Erfahrung aus den ersten fünfzehn Jahren des dritten Jahrtausends zeigen ebenso die Wirksamkeit der vollen Anwendung der internationalen Normen wie auch ihre Wirkungslosigkeit, wenn sie nicht eingehalten werden. Wenn man die Charta der Vereinten Nationen mit Transparenz und Aufrichtigkeit und ohne Nebenabsichten als obligatorischen rechtlichen Bezugspunkt beachtet und anwendet und nicht als ein Mittel, um unlautere Absichten zu tarnen, erreicht man Ergebnisse des Friedens. Wenn man hingegen die Maßgabe mit einem einfachen Mittel verwechselt, das man gebraucht, wenn es sich als günstig erweist, und umgeht, wenn es das nicht ist, öffnet sich eine wahre »Büchse der Pandora« voller unkontrollierbarer Kräfte, die den wehrlosen Bevölkerungsschichten, der kulturellen Umwelt und sogar der biologischen Umwelt schweren Schaden zufügen.

Die Präambel und der erste Artikel der Charta der Vereinten Nationen weisen auf die Grundsteine des internationalen Rechtsgebäudes hin: Friede, friedliche Lösung der Kontroversen und Entwicklung von freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nationen. Zu diesen Aussagen steht die immer gegenwärtige Tendenz zur Verbreitung von Waffen – besonders solcher zur Massenvernichtung wie es die Atomwaffen sein können – in starkem Kontrast und verleugnet sie in der Praxis. Eine Ethik und ein Recht, die auf der Bedrohung gegenseitiger Zerstörung – und möglicherweise einer Zerstörung der gesamten Menschheit – beruhen, sind widersprüchlich und stellen einen Betrug am gesamten Gefüge der Vereinten Nationen dar, die zu einer »Vereinigung von Nationen aufgrund von Furcht und Misstrauen« würden. Man muss sich für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen, indem man den Nichtverbreitungsvertrag dem Buchstaben und dem Geist nach gänzlich zur Anwendung bringt bis zu einem völligen Verbot dieser Instrumente.

Die jüngste Vereinbarung über die Nuklearfrage in einer sensiblen Region Asiens und des Mittleren Ostens ist ein Beweis für die Möglichkeiten des politischen guten Willens und des Rechtes, wenn sie mit Aufrichtigkeit, Geduld und Ausdauer eingesetzt werden. Ich wünsche mir, dass diese Vereinbarung dauerhaft und wirkungsvoll sei und dass sie dank der Zusammenarbeit aller Beteiligten die ersehnten Ergebnisse erziele.

In diesem Sinn fehlt es nicht an herben Beispielen für die negativen Folgen politischer und militärischer Interventionen, die unter den Mitgliedern der Internationalen Gemeinschaft nicht abgestimmt wurden. Deshalb kann ich – auch wenn es mir lieber wäre, es nicht tun zu müssen – nicht aufhören, meine ständigen Aufrufe in Bezug auf die schmerzliche Situation des gesamten Nahen Ostens, Nordafrikas und anderer afrikanischer Länder zu wiederholen, wo die Christen gemeinsam mit anderen kulturellen und ethnischen Gruppen und sogar gemeinsam mit jenem Teil der Mitglieder der Mehrheitsreligion, die sich nicht in Hass und Wahnsinn verwickeln lassen wollen, gezwungenermaßen Zeugen der Zerstörung ihrer Kultstätten, ihres kulturellen und religiösen Erbes, ihrer Häuser und ihrer Habe geworden sind und vor die Wahl gestellt wurden, zu fliehen oder ihr Festhalten am Guten und am Frieden mit dem Leben oder der Sklaverei zu bezahlen.

Diese Realitäten müssen ein ernster Aufruf zu einer Gewissenserforschung derer sein, die für die Lenkung der internationalen Angelegenheiten zuständig sind. Nicht nur in den Fällen religiöser oder kultureller Verfolgung, sondern in jeder Konfliktsituation wie in der Ukraine, in Syrien, im Irak, in Libyen, im Südsudan und im Gebiet der großen afrikanischen Seen haben konkrete Personen den Vorrang vor Parteiinteressen, so legitim sie auch sein mögen. In den Kriegen und Konflikten gibt es den einzelnen Menschen, unseren Bruder und unsere Schwester – Männer und Frauen, Jugendliche und Alte, Knaben und Mädchen, die weinen, leiden und sterben –, Menschen, die zu Material werden, wenn man sich nur damit beschäftigt, Probleme und Strategien anzuführen und sich in Diskussionen zu ergehen – zu Material, das man wegwerfen kann.

In meinem Brief vom 9. August 2014 schrieb ich an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, dass »das elementarste Verständnis der Menschenwürde die Internationale Gemeinschaft [verpflichtet], alles zu tun, was möglich ist, um – besonders durch die Maßgaben und die Mechanismen des internationalen Rechtes – weitere systematische Gewalttaten gegen die ethnischen und religiösen Minderheiten aufzuhalten und zu verhüten« und um die unschuldige Bevölkerung zu schützen.

Auf derselben Linie möchte ich eine andere Art von Konfliktsituation erwähnen, die nicht immer so deutlich in Erscheinung tritt, die aber lautlos den Tod von Millionen von Menschen fordert. Eine andere Art von Krieg, den viele unserer Gesellschaften mit dem Phänomen des Drogenhandels erleben. Ein »in Kauf genommener« und ärmlich bekämpfter Krieg. Aufgrund seiner Eigendynamik geht der Drogenhandel einher mit Menschenhandel, Geldwäsche, Waffenhandel, Ausbeutung von Kindern und anderen Formen der Korruption. Einer Korruption, die in die verschiedenen Ebenen des gesellschaftlichen, politischen militärischen, künstlerischen und religiösen Lebens eingedrungen ist und in vielen Fällen eine Parallelstruktur hervorbringt, welche die Glaubwürdigkeit unserer Institutionen in Gefahr bringt.

Ich habe diese Ausführungen begonnen, indem ich an die Besuche meiner Vorgänger erinnerte. Nun möchte ich, dass meine Worte in besonderer Weise wie eine Fortsetzung der Schlussworte der Ansprache Pauls VI. seien – Worte, die vor fast genau fünfzig Jahren ausgesprochen wurden, aber bleibende Gültigkeit besitzen. Ich zitiere: »Die Stunde ist gekommen, in der eine Pause, ein Moment der Sammlung, der Reflexion, gleichsam des Gebetes geboten ist: wieder an unseren gemeinsamen Ursprung zu denken, an unsere Geschichte, an unsere gemeinsame Bestimmung. Nie war der Appell an das sittliche Gewissen des Menschen so notwendig wie heute […] Denn die Gefahr kommt weder vom Fortschritt, noch von der Wissenschaft; diese können, wenn sie in rechter Weise genutzt werden, viele schwere Probleme lösen, die die Menschheit bedrängen« (Ansprache an die Vertreter der Staaten, 4. Oktober 1965). Unter anderem wird die gut angewendete menschliche Genialität zweifellos dazu beitragen, die ernsten Herausforderungen der Umweltzerstörung und der Ausschließung zu lösen. Ich fahre fort mit den Worten Pauls VI.: »Die wahre Gefahr liegt im Menschen, der über immer mächtigere Mittel verfügt, die fähig sind, sowohl in den Ruin als auch zu größten Errungenschaften zu führen« (ebd.). So weit Paul VI.

Das gemeinsame Haus aller Menschen muss sich weiterhin über dem Fundament eines rechten Verständnisses der universalen Brüderlichkeit und der Achtung der Unantastbarkeit jedes menschlichen Lebens erheben – jedes Mannes und jeder Frau; der Armen, der Alten, der Kinder, der Kranken, der Ungeborenen, der Arbeitslosen, der Verlassenen und derer, die man meint »wegwerfen« zu können, weil man sie nur als Nummern der einen oder anderen Statistik betrachtet. Das gemeinsame Haus aller Menschen muss auch auf dem Verständnis einer gewissen Unantastbarkeit der erschaffenen Natur errichtet werden.

Dieses Verständnis und diese Achtung erfordern eine höhere Stufe der Weisheit, welche die Transzendenz – die eigene – akzeptiert, auf die Bildung einer allmächtigen Elite verzichtet und begreift, dass der vollkommene Sinn des einzelnen wie des kollektiven Lebens im selbstlosen Dienst an den anderen und in der klugen und respektvollen Nutzung der Schöpfung für das Gemeinwohl liegt. Um die Worte Pauls VI. zu wiederholen: »Das Gebäude der modernen Zivilisation muss auf geistigen Prinzipien errichtet werden, den einzigen, die nicht nur fähig sind, es zu stützen, sondern auch es zu erleuchten« (ebd.).

Der Gaucho Martin Fierro, ein Klassiker der Literatur meines Heimatlandes, singt: »Die Brüder sollen vereint sein, denn das ist das erste Gesetz. Sie sollen eine wahrhaftige Einheit wahren in guten wie in schwierigen Zeiten. Denn wenn sie untereinander streiten, werden die Feinde von draußen sie verschlingen.«

Die heutige Welt, die dem Augenschein nach so verbunden ist, erlebt eine zunehmende und beständige soziale Zersplitterung, welche die gesamte »Grundlage des Gesellschaftslebens« gefährdet und »uns schließlich um der Wahrung der jeweils eigenen Interessen willen gegeneinander aufbringt« (Enzyklika Laudato si’, 229).

Die gegenwärtige Zeit lädt uns ein, Handlungen zu fördern, die neue Dynamiken in der Gesellschaft erzeugen, bis sie in wichtigen und positiven historischen Ereignissen Frucht bringen (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 223). Wir können es uns nicht leisten, »einige Zeitpläne« auf die Zukunft zu verschieben. Die Zukunft verlangt von uns kritische und globale Entscheidungen im Hinblick auf die weltweiten Konflikte, die die Anzahl der Ausgeschlossenen und Bedürftigen erhöhen.

Das anerkennenswerte internationale Rechtsgebäude der Organisation der Vereinten Nationen und aller ihrer Aktivitäten, das noch verbesserungsfähig ist wie jedes menschliche Werk und das zugleich notwendig ist, kann Unterpfand einer sicheren und glücklichen Zukunft für die kommenden Generationen sein. Und das wird es sein, wenn die Vertreter der Staaten verstehen, sektorale Interessen und Ideologien auszublenden, und aufrichtig nach dem suchen, was dem Gemeinwohl dienlich ist.

Ich bitte den allmächtigen Gott, dass es so sei, und ich versichere Sie meiner Unterstützung und meines Gebetes sowie der Unterstützung und der Gebete aller Gläubigen der katholischen Kirche, damit diese Institution, alle ihre Mitgliedstaaten und jeder bzw. jede Einzelne ihrer Funktionäre einen wirkungsvollen Dienst an der Menschheit leisten mögen – einen Dienst, der die Verschiedenheit respektiert und das Beste jedes Volkes und jedes Bürgers zum Wohl aller zu stärken weiß.

Gott segne Sie alle.

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Quelle: Osservatore Romano 41/2015