Vom Wert und Wesen der Heiligen Messe

Wenn das Priestertum des Neuen Bundes in den Augen Gottes die höchste Würde auf Erden ist, so besteht die erhabenste Betätigung und Ausübung dieses Priestertums in der Darbringung des immerwährenden Opfers des Neuen Bundes im Namen und in der Vollmacht des einen und ewigen Hohenpriesters Jesus Christus. Bei diesem Opfer wird besonders deutlich, wie sehr der Priester die Stelle Jesu Christi vertritt, an dessen ewigem Priestertum er Anteil hat und somit in einem wahren Sinne ein »zweiter Christus« ist. Zusammen mit Christus und in Einheit mit ihm, als sein lebendiges und bewußtes Werkzeug, bringt er dem himmlischen Vater die höchste Anbetung, Ehre und Liebe dar.

Daraus folgt aber, daß der Priester beim heiligen Opfer die gleiche Geisteshaltung und Gesinnung haben soll wie Christus selbst, als er sich am Kreuzaltar Gott dem Vater als makellose Opfergabe darbrachte. Was den Priester in Wahrheit erst ganz zum Priester macht, ist seine Opfergesinnung. — Alles dies wurde dem P. Reus durch Gottes Gnade immer wieder veranschaulicht, damit dieses sein Erleben auch andere nachdrücklich hinweise auf die Größe und den Wert des zentralen Geheimnisses der christlichen Religion. Er schaute ungezählte Male, wie die Engel anbetend um den Altar sind und in Ehrfurcht warten, bis der Priester wieder die Stufen des Altares hinansteigt. Er durfte es geheimnisvoll innerlich miterleben, wie die himmlische Mutter der Erlösten darüber erfreut ist, daß durch den Priester die Opfergabe erneuert wird, die sie einstens auf Kalvaria mitdargebracht hat. Er erlebte jene erhabene, geheimnisvolle Liebesbewegung, durch die im Heiligen Geiste das Herz des ewigen Gottessohnes im Einklang mit dem des Vaters schlägt; jene Liebesbewegung, in der das Opfer begründet ist, das einmal auf Golgotha dargebracht wurde und das in jeder heiligen Messe auf den Altären erneuert wird. Darum hatten für ihn eine ganz besondere, ja einmalige Bedeutung die Worte, die er der »Philothea« des heiligen Franz von Sales entlehnte und in seinem Gebetbuch »Orate« (Betet!) anführt: Die heilige Messe sei der Mittelpunkt der Religion, die Sonne unter den Betätigungen der Frömmigkeit und gleichsam deren Seele, das Herzstück der Gottesverehrung und das unaussprechliche Geheimnis der göttlichen Liebe, worin Gott freigebig seine Gnaden und Gaben ausspende.

In vielen Schauungen und Bildern wurde dem P. Reus die Größe und der Wert dieses Geheimnisses mystisch erläutert. So schilderte er am 16. Juli 1939, was er am Altar erlebte: »In der heiligen Messe sah ich gleich von Anfang an den lieben Heiland, ans Kreuz geheftet, in Lebensgröße vor mir. Er sprach mit mir die Worte der heiligen Messe, soweit ich dies beobachten konnte. Ich sah ganz deutlich, wie seine heiligen Lippen sich bewegten und wie er seine heiligen Augen (wenigstens einmal) im Gebet nach oben richtete. Dies ging die ganze heilige Messe hindurch, obwohl ich nicht ständig darauf achten konnte … Es ist diese Vision die anschauliche Darstellung davon, daß die heilige Messe die wunderbare Erneuerung des Kreuzesopfers ist (und dies vom Anfang bis zum Ende) und daß der liebe Heiland die Worte, die der Priester spricht, zu seinen eigenen macht« (T 116). — Am 17. April 1943 schaute er vor sich den Heiland am Kreuz und inmitten von Liebesflammen, als Brandopfer zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit; er sah aber auch sich selbst eingeschlossen in dieses Feuermeer und zugelassen zum Opfer und zum persönlichen Mitopfern, während ringsum heilige Engel die Majestät Gottes anbeteten, »der ein Gott-Mensch als Opfer geschlachtet wird und der nur ein Gott-Mensch als Priester zu dienen würdig und genügend ist. Glücklicher menschlicher Priester, der an diesen göttlichen Altar treten darf« (T 329). — Am 17. September 1944 sah P. Reus schon bei Beginn der heiligen Messe auf dem Altare den Heiland mit der Dornenkrone und mit gefesselten Händen. So blieb es, mit Unterbrechungen, die ganze Messe hindurch. — Nach der Überzeugung des Paters war diese Vision nur »der Ausdruck der Wahrheit, daß Gottes Sohn, gebunden in den heiligen Gestalten, sich hinopfert für uns und unsere Gegenliebe erwartet« (T 405). — Wenn der Pater dann am Fest des Kostbaren Blutes die Allerheiligste Dreifaltigkeit schaute und aus dem Herzen Christi einen wahren »Strom von Blut« auf sich herniederfließen sah, Blut, das sich in ihm in Liebesglut verwandelte, die aus seinem Herzen emporschlug zum Thron der Hochheiligsten Dreifaltigkeit, so deutete er dies als Darstellung der »Wirkung des heiligen Blutes Jesu in der Menschenseele und insbesondere in der Seele des Priesters, der im Kelche unmittelbar aus dem heiligsten Herzen Jesu trinken darf« (T 492). — Verschiedene Sinnbilder waren für P. Reus in einer einzigen mystischen Schau vereinigt am 11. Februar 1943: »Beim Offertorium sah ich über mir ein horizontal liegendes Kreuz, zuerst von heiligen Engeln umgeben, dann von Lilien umstanden. — Ich wußte nicht, was damit anfangen, und suchte mich nicht zerstreuen zu lassen. — Bei der Wandlung der heiligen Hostie sah ich plötzlich auf dem vorher leeren Kreuz den lieben Heiland gekreuzigt, und bei der Wandlung des Weines floß das heilige Blut in den Kelch. So blieb es bis zur Kommunion. Da war das Kreuz wieder leer. — Beim letzten Evangelium sah ich das Kreuz aufrecht, verklärt.« — Seine Erklärung der Vision lautet: »Sie ist leicht zu verstehen. Bei der Opferung wird sozusagen das Kreuz geheimnisvoll zurechtgezimmert, durch die Wandlung der liebe Heiland gekreuzigt, bei der heiligen Kommunion vom Kreuze abgenommen. — Heilige Engel umgeben das Kreuz, weil der Herr der Engel seinen blutigen Thron darauf aufschlagen will; Lilien, weil der Priester eine lebendige Lilie sein muß, um gleichsam des Heilands Leiden zu versüßen. Man staunt, wie das heiligste Herz Jesu mit so einfachen Mitteln die ganze, geheimnisvolle Erhabenheit der heiligen Messe zur Anschauung bringt« (T 319). Weiter ausholend ist die folgende Schau und Erklärung aus dem letzten Lebensjahr des Paters, als er täglich am Altare das Jesuskind sichtbar vor sich hatte: »Als ich in der Präfation vom heiligen Kreuz betete: ,daß das Leben wiedererstehe von dort, woher der Tod kam‘, sah ich das Kreuz und gleich danach das Jesuskind an demselben, umgeben von einem Engelkranz, in Gegenwart der Hochheiligsten Dreifaltigkeit und vieler heiliger Engel. So blieb die Vision auch während der folgenden Ekstasen bis zum Schluß … Die Bedeutung ist klar: Das Jesuskindchen auf dem Kreuz umschließt das irdische Leben von der Geburt bis zum Kreuz, ferner das Gnadenleben, dessen Sorge dem Priester zur Pflicht gemacht ist, und das ewige Leben, insbesondere das sakramentale Leben; denn das Kreuz bedeutet den Altar, auf dem sich das Jesuskindchen in der unscheinbaren Gestalt der heiligen Hostie unaufhörlich durch die Hand des Priesters seinem himmlischen Vater für uns opfert« (T 48o). — Eine Vision ganz anderer Art sollte die Wirkkraft des heiligen Meßopfers anschaulich machen: »Schon während der Betrachtung sah ich sehr lebhaft die Hölle offen und viele Seelen unter entsetzlichem Aufschrei in ihr versinken. Dies begleitete mich auch bis in die heilige Messe hinein und verließ mich nicht. Ich muß wohl eingesehen haben, daß dies kein Spiel der Phantasie war, sondern eine Vision, denn ich fragte mich selbst: was soll das Höllenfeuer hier? Doch bei den Gebeten vor der heiligen Kommunion wurde es mir plötzlich klar: Ich sah, wie die heilige Hostie sozusagen einen Damm bildete gegen die offene Hölle, gleichsam eine Platte, welche die schreckliche Höllenöffnung zudeckte. Jetzt war die ganze Vision klar: Die heilige Messe und Kommunion bewahrt vor der schweren Sünde und verschließt die Hölle« (T 182). Unter die beigefügte kleine Zeichnung schrieb P. Reus die Worte aus dem letzten Gebet vor der heiligen Kommunion: Non mihi proveniat in condemnationem. — Eine dem Höllenfeuer ganz entgegengesetzte Flamme sollte ein anderes, wunderbares Geheimnis des heiligen Opfers am Altare veranschaulichen: »Ich sah eine große Flamme vom Himmel herabzüngeln, die mit ihrer Spitze geradewegs mein Herz traf und entflammte. Es soll dies wohl in sichtbarer Weise die herrliche Wirkung der heiligen Messe und Kommunion darstellen: Die heilige Messe das für unseren Menschenverstand unausdenkbare Geheimnis der Liebe; die heilige Kommunion das Sakrament der Liebe: Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben« (T 202). —

Ähnlicher Art ist das letzte Beispiel über die Wirkung des heiligen Meßopfers, das wir hier anführen wollen: »Als ich die Wandlung der heiligen Hostie vornahm, schien mir Licht aus ihr hervorzubrechen, das dann in eine Sonne überging, welche die heilige Hostie umgab. Gleich darauf sah ich den Altar und mich selbst in einer Sonne. — Wer Augen hätte, um den Glanz zu sehen, der aus dem heiligsten Sakrament hervorbricht und die heiligen Engel mit Ehrfurcht erfüllt! Welche Ehrfurcht sollte der Priester haben! — Beim Trinken des Kelches nahm ich Licht wahr, und es schien mir, als trinke ich dieses Licht. Es ist erhabene Wahrheit: Jesus ist Licht, wahres Licht, insbesondere für den Priester. Ich muß dies schreiben und zeichnen« (T 212). — Am 25. März 1938, also am Fest Mariä Verkündigung, sah P. Reus nach der Konsekration plötzlich das Jesuskind in fast natürlicher Größe vor sich auf dem Altar, und gleich darauf inmitten einer strahlenden Sonne, die zuerst rund abgegrenzt war, aber dann ihre Strahlen ausbreitete in die weite Ferne. Daraus schloß der Pater, daß der geschaute Vorgang nicht allein ihm selbst galt, sondern versinnbilden sollte, wie die Gnaden dieser »neuen Menschwerdung in der heiligen Messe« auch den ferner Stehenden zukommen (T 23).

Deutlich und vielfältig wurde der Wert und die Größe des heiligen Meßopfers gezeigt auch in seinen Beziehungen zu den göttlichen Personen der Hochheiligsten Dreifaltigkeit. Fast alltäglich schaute P. Reus, wie der Allerheiligsten Dreifaltigkeit als dem »Quell der unendlichen Liebe« (T 515) das heilige Opfer dargebracht wird. Als er am 21. November 1946 die Allerheiligste Dreifaltigkeit schaute und, wie öfters, vor ihrem Thron die Mutter Gottes, von Glanz umgeben, und zu ihrer Seite den heiligen Josef und den heiligen Ignatius (von Loyola), da schrieb er die Deutung nieder: »Die Glut, die aus dem liebenden Herzen des himmlischen Vaters, des lieben Heilandes und des Heiligen Geistes sprüht, wird durch die allerseligste Mutter dem Priester und den Gläubigen mitgeteilt .. . Dank der lieben Mutter für ihre Vermittlung bei der Allerheiligsten Dreifaltigkeit!« (T 515) — Nicht selten schaute der Pater auch nur den himmlischen Vater deutlich, die beiden anderen Personen der Hochheiligsten Dreifaltigkeit »nur andeutungsweise«. So schrieb er z. B. am 16. Dezember 194o: »Gleich zu Anfang der heiligen Messe war der liebe himmlische Vater gegenwärtig, breitete mit großer Liebe seine Arme aus und nahm meine Gebete liebevoll entgegen. Er war mir ganz nahe, näher als ich es auf der Zeichnung sichtbar machen konnte .. . Nach der heiligen Wandlung sah ich ihn von Engeln umgeben, hinter ihm ein helles Licht und, weit oben und hinten, liebe Heilige. Der himmlische Vater blieb bis zum Schluß der heiligen Messe.« Ähnlich an anderen Tagen, wobei P. Reus einmal bemerkt: »Dem himmlischen Vater (besonders) wird das Opfer dargebracht. Ihm allein omnis honor et gloria« (T 381).

Selbstverständlich wird dabei der Heilige Geist, die dritte Person des dreieinigen Gottes, nicht ausgeschlossen; im Gegenteil, auffallend oft — wenn auch weniger oft wie den himmlischen Vater und wie die drei göttlichen Personen zusammen — schaute P. Reus auch den Heiligen Geist das Opfer entgegennehmen, zumal er auch, wenn immer möglich, jeden Monat einmal wenigstens die heilige Messe zu Ehren des Heiligen Geistes zelebrierte. So zeichnete er z. B. am 13. April 1942 auf: »Als ich bei der Opferung das Suscipe S. Pater betete, sah ich über der Patene mit der Hostie den Heiligen Geist schweben, zu dessen Ehre ich die heilige Messe las. Bei der Wandlung der heiligen Hostie sah ich über dieser wieder den Heiligen Geist. Das hat eine sehr schöne Bedeutung; denn Er ist es, dem dies große Wunder der heiligen Wandlung zugeeignet wird, als dem Geist der unendlichen Liebe. Beim Genuß des heiligen Blutes sah ich Ihn im Kelch und trank Ihn mit dem heiligen Blut, lauter reine Wahrheit. Ich fühle mich angetrieben, dies zu schreiben.« — Auch am 13. Februar 1941 sah er während der heiligen Messe (zu Ehren der dritten göttlichen Person) den Heiligen Geist in der gewöhnlichen Gestalt der Taube in großem Glanze über sich schweben. Dies gab ihm Anlaß zu der Erwägung: »Die priesterliche Würde ist ein besonderes Wunderwerk des Heiligen Geistes. Der Schöpfer selbst, seinem Geschöpfe gehorsam, steigt von seinem Throne hernieder auf den Altar. Herr, brenne rein unser Herz mit dem Feuer des Heiligen Geistes! Ich muß die Zeichnung machen und dies schreiben.« Am 12. November 1942 stellt er fest: »Ich sah (beim Pater noster) unmittelbar über mir den Heiligen Geist schweben, zu dessen Ehre ich das heilige Opfer darbrachte. Er war umgeben von einem Kranz heiliger Engel. Die beiden anderen Personen der Hochheiligsten Dreifaltigkeit nahmen ihren Thron ein, ebenfalls umgeben von heiligen Engeln. Ohne Zweifel wollte der Heilige Geist mir zu erkennen geben, wie wohlgefällig Ihm dieses heilige Opfer sei. Als ich daran war, die heilige Hostie zu genießen, sah ich den Heiligen Geist in der Gestalt der Taube auf der heiligen Hostie, von der Größe der heiligen Gestalt (der Hostie), so daß ich in wahrnehmbarer Weise mit dem heiligsten Sakrament auch den Heiligen Geist in mich aufzunehmen das Glück hatte. Das heiligste Herz Jesu will Zeichnung und Bericht. Möge es sich meiner erbarmen! ,Hoffe auf Ihn und Er wird sorgen‘, wiederhole ich immer.« — Ähnliches mußte er am 10. Juli 1943, an seinem 75. Geburtstag, gestehen: »Gleich vom Anfang (der heiligen Messe) an sah ich den Heiligen Geist über mir schweben, wie er die mir bestimmte Lilie trug. Die beiden anderen heiligsten Personen schaute ich in der Höhe; etwas später kamen heilige Engel dazu, alle mit Lilien. — Der Heilige Geist ist der Geist der Reinheit und verlangt gerade diese auch vom Priester. Er hat die liebe Gottesmutter besonders geheiligt für den nämlichen göttlichen Sohn, der auch dem Priester in die Arme gelegt wird. — Das heilige Opfer ist ein reines, heiliges Opfer und verlangt lilienreine Priester, wie es Jesus selbst ist« (T 342).

P. Reus hat nicht bloß die Liebe der ganzen Hochheiligsten Dreifaltigkeit, die er durch das heilige Opfer ehrte, in staunenswerter Weise erlebt, sondern auch die persönliche Liebe einer jeden der göttlichen drei Personen oft und oft in beinahe unsagbarer Weise erfahren. Immer wieder aber betonte er, daß diese Liebe, wenn auch nicht gefühlt, doch jedem guten Priester gilt, der sich dieser großen Liebe nicht unwürdig macht. — Wir müssen uns hier auf wenige Beispiele beschränken: »Ich sah die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Von den Schultern der hochheiligsten Personen floß ein weiter Mantel herab zu mir und schloß mich ganz ein. So wollten also der liebe himmlische Vater und der liebe Heiland mir zu gleicher Zeit ihre Liebe erweisen, zur Bestätigung der Worte des Herrn: Pater amat vos, quia vos me amastis (Der Vater liebt euch, weil ihr in meiner Liebe steht). Dies gilt ganz besonders dem Priester, dem der himmlische Vater seinen eingeborenen Sohn im heiligen Opfer übergibt« (T 215, 19. Februar 1941). — Zwei Tage später schaute er wiederum die Hochheiligste Dreifaltigkeit und mußte dazu die folgende Besonderheit berichten: »Der liebe himmlische Vater beugte sich in unbegreiflicher Liebe zu mir hernieder, da ich vor ihm kniete, schloß mich in seine Arme und drückte mir den Kuß der Liebe auf die Stirne. Dieser Kuß dauerte, mit Unterbrechungen, fort bis ungefähr zur Kommunion. Welche Beschämung für mich, daß ich noch so wenig dieser Liebe entspreche! Aber ich glaube, dieser Kuß gilt jedem Priester; denn ihm übergibt der liebe himmlische Vater sein eins und alles, seinen eingeborenen Sohn. Ich muß dies zeichnen und schreiben. Noch spät am Abend, als ich über diese große Güte und Gnade nachdachte, fühlte ich eine Beschämung, die mich aufs tiefste ergriff und zwar bis zum Weinen: vor Schmerz und inniger Liebe« (T 215). — Im gleichen Jahre mußte er auch von der dritten göttlichen Person bekennen: »Ich sah die Allerheiligste Dreifaltigkeit; der Heilige Geist ließ sich in unendlicher Liebe hernieder und küßte, diesmal nicht den Mund, sondern mein Herz, in dem glücklicherweise eben der liebe Heiland Wohnung genommen hatte. So wird Ihm an erster Stelle der Kuß gegolten haben. Ich muß dies schreiben und zeichnen. Dank sei der liebenden Herablassung des lieben Heiligen Geistes!« (T 208) Am 16. November 1942 schaute P. Reus, wie von jeder einzelnen der hochheiligsten Personen ein Feuerstrom ausging und auf ihn herniederkam. In den Mittelstrom, der unmittelbar vom Heiligen Geiste ausging, mündeten unterhalb des Thrones der Heiligsten Dreifaltigkeit die zwei Feuerströme von den beiden anderen hochheiligen Personen ein, alle gleich stark. Aus dem Herzen des Priesters am Altare (des P. Reus) erhob sich eine Feuersäule und mündete in den Feuerstrom ein. — Dazu mußte der Pater die Erklärung schreiben: »Es ist die Gleichheit der Liebe der drei göttlichen Personen zum Priester und zu den Gläubigen im allgemeinen angedeutet, ebenso die Verpflichtung, alle drei hochheiligen Personen in gleicher Weise zu lieben und hochzuschätzen. Die gleiche zärtliche Liebe, die das heiligste Herz Jesu zu uns hat, besitzt auch der himmlische Vater« (T 307). Drei Tage später erlebte der Pater sein eigenes Herz als den Mittelpunkt einer Riesenflamme, deren Glut sich ausdehnte und zu einem »Weltall von Feuer und Glut wurde zur Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Ich stöhnte vor Glut (so schreibt er) und schlug auf mein glühendes Herz, um das Feuer erträglich zu machen. über mir in wunderbarer Ruhe die Hochheiligste Dreifaltigkeit, die mit Wohlgefallen auf dieses Riesenfeuer herabblickte. Insbesondere der himmlische Vater schien seine Freude daran zu haben und lächelte milde über die Liebe, die er selbst entfacht hatte. Auch heilige Engel waren rings um den Thron der Allerheiligsten Dreifaltigkeit« (T 307).

Schien nicht der göttliche Heiland an seinem treuen und demütigen Diener und priesterlichen Freunde, Pater Johann Baptist Reus, in ganz besonderer Weise seine Worte wahrgemacht zu haben, daß er nämlich gekommen sei, um etwas vom Feuer der göttlichen Liebe auf die Erde zu bringen und es aufflammen zu lassen zu lodernder Glut? (Vgl. Lk. 12, 49) — Diese »innige Liebesgemeinschaft« (T 32) zwischen Christus Jesus und seinem Priester und auch zwischen diesem und der Allerheiligsten Dreifaltigkeit erneuerte sich täglich in der heiligen Messe des P. Reus und kam in den einzelnen Gebeten und Zeremonien zum Ausdruck.

 Pater Johann Baptist Reus SJ

(Auszug aus dem Buch: P. Ferdinand Baumann S.J.: Ein Apostel des heiligsten Herzens Jesu – Der Diener Gottes P. Johann Baptist Reus S.J. (1868 – 1947) – Kanisius-Verlag, 1959/1960)