PREDIGT ZUM SCHUTZENGELFEST von Kaplan A. Betschart

Der Heilige Erzengel Gabriel, Byzantinisch

Die Schutzengel beschirmen den einzelnen Menschen, die Schutzengel der Völker, die es nach der Meinung großer Gottesgelehrter gibt, ganze Völker. Zum heutigen Schutzengelsonntag möchte ich Ihnen einen der größten und bedeutendsten Engel der himmlischen Hierarchie vorstellen. Es ist der Erzengel Gabriel, der von Gott einen alles überragenden Auftrag an die ganze Menschheit erhalten hatte.

Nach den Berichten des Alten und Neuen Testaments hat Gabriel dreimal den Menschen den großen Ratschluss des Herrn zu verkünden gehabt: die Heilsbotschaft vom gottmenschlichen Erlöser. In der Genauigkeit der Vorhersage ist eine dreimalige Steigerung zu erkennen: das erste Mal wird der Zeitpunkt im allgemeinen vorhergesagt: Zum Propheten Daniel spricht Gabriel, dass von der Wiederaufrichtung Jerusalems nach der Babylonischen Gefangenschaft bis zum Tod des Erlösers 490 Jahre vergehen werden. Beim zweiten Mal wird der unmittelbare Vorgänger des Messias vorhergesagt: Gabriel verheißt Zacharias, dem Vater Johannes des Täufers, die Geburt eines Sohnes, der vor dem Messias hergehen und ihm ein heiliges Volk bereiten soll.

Danach sang Gabriel wieder sechs Monate lang im Chore der Cherubim, die von den Geheimnissen Gottes das tiefste Wissen haben, das Dreimal-Heilig, bis er sich – göttlichem Geheiße gehorchend –, abermals auf den Weg machte und über Milchstraßen und Lilienfelder zu einer Jungfrau eilte, die leuchtender war als die Strassen des Lichtes am Himmel und reiner als alle blühenden Felder der Erde.

Gabriel hatte bereits mit dem Propheten und mit dem Priester gesprochen. Jetzt sollte er das Geheimnis auch dieser schlichten Jungfrau verkünden. Gott hält auch Maria gegenüber den erhabenen Instanzenweg durch die Engel ein, die uns die göttlichen Aufträge vermitteln. Und für die Engel selber war die Stunde der Verkündigung wie eine Wiedergutmachung am Geschlecht der Frau. Hatte doch einmal ein Engel, ein gefallener zwar, eine Frau ins Verderben geführt. Nun sollte auch die Rettung der Menschheit mit einer Unterredung zwischen einem Engel und einer Frau anfangen. Der Name dieser Jungfrau ist Maria.

Gabriel stand im Himmel auf goldenem Parkett. Vor sechs Monaten hatte er den geheiligten Boden des Tempels betreten. Mit gleicher Ehrfurcht setzte er den Fuß in das ärmliche Gemach dieser unbekannten Jungfrau in Nazareth, die bald das Heiligste, ja den Himmel selber in sich tragen wird.

Die Sprache, die der große Engel mit Maria führt, hat nicht jene freundschaftliche Vertrautheit, womit er zum jungen Daniel geredet hatte: “O Daniel, geliebter Mann”, noch die wuchtige Majestät, womit er sich Zacharias vorgestellt hatte: “Ich bin Gabriel, der vor Gott steht und gesandt bin, zu dir zu reden.” Vor dieser bescheidenen Jungfrau verschweigt der Engel seine Würde und redet mit ihr scheu, wie mit einer Königin, ja seiner Königin:

“Sei gegrüsst, Du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir!”

Dieser gewaltige Erzengel Gabriel ist diesem Mädchen aus dem unbedeutenden Nazareth an strahlenden Gaben der Natur unermesslich überlegen. An Gnade aber überragt sie ihn, den hohen Engel, himmelweit. Sie ist einfach jene, die voll der Gnade ist.

Ihr bringt er die unfassbar hehre und zugleich schwere Botschaft, dass sie einen Sohn vom Heiligen Geist empfangen werde, welcher der Sohn des Allerhöchsten genannt und dessen Reich ohne Ende sein werde. In der gläubigen Unterwerfung Marias macht die Menschheit die ungläubige Auflehnung Evas wieder gut.
Ruhig hörte die Jungfrau der Rede des Engels zu. Dann lösten sich von ihren Lippen die folgenschweren Worte:

“Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort!”

Gabriel hob diese wenigen Worte auf wie unendlich kostbare Diamanten. Er hatte die Botschaft des Himmels auf die Erde gebracht. Nun bringt er die Botschaft der Erde heim zum Himmel. Auch für den Himmel wird Gabriel zum Engel der Verkündigung. Es wurde eine große Stille im Himmel, als er zurückkehrte. Gabriel rief den harrenden Heeren der himmlischen Geister zu, was Maria ihm gesagt hatte: “Es geschehe.”

Es ist dies wahrhaft die bedeutendste Stunde der Weltgeschichte, als sich einer der höchsten aller Geister des Himmels und die Edelste aller Menschen gegenüberstanden, es ist die Stunde, da Gott Mensch wurde im Schosse der allerseligsten Jungfrau Maria.

Es ist derjenige der Erzengel, der sich als Gabriel, der vor Gott steht, bei Zacharias einführt und dessen Name “Vertrauter Gottes” bedeutet – und Maria, deren Lob schon bei den Propheten und auch sonst mehrfach im Alten Testament voraus klingt. Wie unendlich erhaben ist doch diese Heilsbotschaft über alle jene sich so wichtig gebenden Heilsbotschaften der Menschen, die ein Unmaß von Heil und Fortschritt versprachen und statt dessen nur allzu oft ein Unmaß von Unheil und Niedergang einleiteten!

Die Szene der Verkündigung in Nazareth ist so rein und so erhaben und so schön, dass die grössten Künstler aller Zeiten sich an ihr zu den erlesensten Schöpfungen begeistern ließen. Ebenso hoch aber wie diese Heilsbotschaft über alle weltlichen Heilsbotschaften steht, so ragt ihr Verkünder – Gabriel – über das verweltlichte und verniedlichte Bild vom Engel hinaus, dem man leider auch bei Gläubigen viel zu häufig begegnet: das süßliche Bild von den Engeln, das ihre gewaltige Geistesmacht vergisst, und ebenso das Bild von den kleinen putzigen Englein, das dem ungeheuren Ernst des Seins und Wirkens eines Engels nicht gerecht wird. Das eine so wenig wie das andere kann uns in den Abgründen des Lebens, die sich heute vor uns aufgetan haben, eine Hilfe sein.

Die Botschaft des “Vertrauten Gottes”, des Erzengels Gabriel, von der Erlösung durch den Gottmenschen hat nichts von ihrer Würde und Wichtigkeit eingebüßt, ja sie wird nur umso aktueller, je unerlöster die Menschheit unter dem Joch ihrer Schuld schmachtet. Und so ist es nur angemessen, wenn die Christenheit des ganzen Erdenrunds dreimal Tag für Tag sich im Gebet den “Engel des Herrn” vergegenwärtigt, der Maria die Botschaft brachte, durch dieses wunderschöne Gebet, durch das wir der Muttergottes eine große Freude bereiten können, wie der Heiland selbst in einer Vision der hl. Gertrud der Großen anvertraut hat, und sicher auch ihrem Boten, dem heiligen Erzengel Gabriel.

Steht er doch freundlich und gütig neben dem zürnenden und kämpfenden Erzengel Michael, der so recht dem Kampf gegen Luzifer und der Urschuld des Alten Testaments zugeordnet scheint. Gabriel steht da mit seinen Verheißungen des Erbarmens wie ein Vertreter des Neuen Bundes, er, der hehre Gottgesandte, der dreimal in unsere Zeitlichkeit eintrat, um die schwachen Menschen in ihrer selbstverschuldeten Not zu trösten.

Quellenhinweis:

▸ Schaezler K., Engel Gabriel, Neulandverlag München o. J.

▸ Hophan O., Die Engel, Luzern 1956.

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Quelle

JEDER MENSCH LEBT EWIG — (02)

Jeder Mensch lebt ewig (1)

Auch die ENGEL leben ewig.

Sie sind die Ersterschaffenen Gottes. Sie sind reine Geistwesen. Sie sind wie wir Personen mit Namen.

Beginnend mit dem Sturz des Höchsten der Engelsheerscharen [Luzifer] in die Gegnerschaft zum Schöpfer-Gott haben sich die Engel insgesamt zweigeteilt: in Treue und Verteidiger Gottes [angeführt vom Erzengel Michael] und Untreue und Bekämpfer [Widersacher] Gottes [angeführt von Luzifer].

Und JEDER MENSCH hat von seinem Lebensanfang an und sicher für die Dauer seiner irdischen Existenz, bis zur Stunde seines Todes seinen persönlichen SCHUTZENGEL.

 

PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS „DOMUS SANCTAE MARTHAE“

  

Wir alle haben einen Schutzengel

 Donnerstag, 2. Oktober 2014

aus: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 42, 17. Oktober 2014

Wir alle haben einen Engel, der uns stets zur Seite steht, der uns nie allein lässt und uns dabei hilft, nicht vom rechten Weg abzukommen. Und wenn wir es verstehen, so zu sein wie die Kinder, dann gelingt es uns, der Versuchung zu entgehen, uns selbst zu genügen, einer Versuchung, die im Hochmut und auch in einem übertriebenen Karrieredenken gipfelt. Im Rahmen der Messe, die er am Donnerstag, 2. Oktober, in Santa Marta feierte, erinnerte Papst Franziskus am liturgischen Gedenktag der Schutzengel an deren entscheidende Rolle im Leben der Christen.

Es seien zwei Bilder – der Engel und das Kind –, die »uns die Kirche in der heutigen Liturgie zeigt«, so bemerkte Franziskus gleich zu Beginn. Vor allem das Buch Exodus (23,20-23) präsentiere uns »das Bild des Engels«, den »der Herr seinem Volk schickt, um ihm auf seinem Weg beizustehen.« In der Tat lese man: »Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe.« Also, so kommentierte der Papst, »ist das Leben ein Weg, der an jenem Ort endet, den der Herr uns bestimmt hat.« Aber, so präzisierte er, »niemand geht allein: niemand!« Denn »niemand kann allein gehen.« Und »wenn einer von uns der Ansicht sein sollte, allein gehen zu können, dann würde er sich schwer irren« und »er würde in jenen sehr schwerwiegenden Irrtum verfallen, der im Hochmut besteht: zu meinen, groß zu sein.« Schließlich würde man dann auch in dieses Verhaltensmuster der »Überheblichkeit« verfallen, die einen dazu bringe, zu sich selbst zu sagen: »ich kann es, ich schaffe es selbst«.

Der Herr hingegen gebe seinem Volk einen ganz klaren Hinweis: »Geh, tu das, was ich dir sagen werde. Du gehst den Weg deines Lebens, aber ich werde dir eine Hilfe schicken, die dich unentwegt daran erinnern wird, was du tun sollst.« Und so »sagt er zu seinem Volk, wie es sich seinem Engel gegenüber verhalten soll.« Die erste Empfehlung laute: »Achte auf ihn.« Und weiter: »hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht!« Deshalb müsse man es verstehen, ihn nicht nur zu »achten«, sondern zu verstehen, »zuzuhören« und »sich nicht zu widersetzen«. Im Grunde, so erläuterte der Papst, sei es jene fügsame Grundhaltung des Gehorsams, die dem Vater geschuldet werde, die zum Gehorsam des Kindes gehöre. Im Grunde handle es sich um »jenen Gehorsam der Weisheit, jenen Gehorsam, Ratschläge anzuhören und sich für den besten unter diesen zu entscheiden.« Und man müsse, so fügte er hinzu, »ein Herz haben, dass dafür offen ist, Rat einzuholen und anzuhören.«

Die Lesung aus dem Matthäusevangelium hingegen (18,1-5.10) präsentiere das zweite Bild, das des Kindes. »Die Jünger«, so sagte der Bischof von Rom über diesen Abschnitt, »stritten darüber, wer von ihnen der Größte sei. Es gab innere Kämpfe: das Karrieredenken. Diese Männer, die die ersten Bischöfe sind, waren durch das Karrieredenken versucht« und sagten untereinander: »Ich will größer sein als du!« Franziskus bemerkte hierzu: »Es ist kein gutes Vorbild, dass die ersten Bischöfe das getan haben, aber das ist die Wirklichkeit.«

Seinerseits »lehrt Jesus sie, wie man sich richtig verhalten« solle: er rufe ein Kind zu sich, stelle es mitten unter sie – so berichte Matthäus –, und verweise dadurch ausdrücklich auf die »Fügsamkeit, das Bedürfnis nach Rat, die Hilfsbedürftigkeit, weil das Kind gerade ein Zeichen für die Hilfsbedürftigkeit, die Fügsamkeit ist, um weiterzugehen.«

»Das ist der Weg«, so versicherte der Papst, und nicht jener, darüber zu befinden, »wer der Größte ist«. In Wirklichkeit, so bemerkte er, indem er die Worte Jesu wiederholte, »wird der der Größte sein«, der so werde wie die Kinder. Und an diesem Punkt stelle der Herr »diese geheimnisvolle Verbindung her, die man nicht erklären kann, die aber wahr ist.« In der Tat sage er: »Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.«

Franziskus merkte des weiteren an, dass es praktisch »so ist, als sage man: wenn ihr diese Fügsamkeit an den Tag legt, dieses Verhalten, den Lebensweg nicht alleine gehen zu wollen, dann nähert ihr euch dem Verhalten eines Kindes eher an und kommt dann der Betrachtung des Vaters näher.« »Gemäß der Tradition der Kirche haben wir alle«, so führte der Papst weiter aus , »einen Engel an unserer Seite, der uns beschützt, der uns die Dinge spüren lässt.« Im Übrigen, so gestand er, »wie oft haben wir sagen hören: ›Aber, das … ich sollte es so machen … das ist nicht in Ordnung … pass auf!‹ Gerade das sei »die Stimme dieses unseres Weggefährten.« Und wir könnten uns »sicher sein, dass er uns bis ans Ende unseres Lebens mit seinen Ratschlägen begleiten wird.« Deshalb müsse man »auf seine Stimme hören, uns nicht auflehnen.« »Die Auflehnung« hingegen, »den Wunsch nach Unabhängigkeit verspüren wir alle: es ist dieselbe Überheblichkeit, die unserem Vater Adam im himmlischen Paradies zu eigen war.« Daher lautete die Aufforderung des Papstes an alle: »Widersetze dich nicht, folge seinen Ratschlägen!«

In Wirklichkeit, so bestätigte der Papst, »geht niemand allein, und keiner von uns kann meinen, er sei allein: dieser Gefährte ist immer dabei. « Sicher, es geschehe, dass »wir dann, wenn wir nicht auf seinen Rat hören wollen, zu ihm sagen: ›Geh doch weg!‹« Aber »den Weggefährten wegzujagen ist gefährlich, weil kein Mann, keine Frau sich selbst Rat erteilen kann: Ich kann einem anderen Ratschläge erteilen, aber ich kann mir selbst keinen Rat erteilen.« Tatsächlich, so erinnerte Franziskus, »ist da der Heilige Geist, der mich berät, da ist der Schutzengel, der mich berät«, und deshalb »brauchen wir sie.«

Der Papst forderte dazu auf, »diese Lehre über die Engel« nicht etwa »bloße Phantasie« zu betrachten. Es handle sich vielmehr um »eine Realität «. Es sei »Jesus selbst, Gott selbst, der gesagt hat:  ›Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht! Er soll dich auf dem Weg schützen, damit du keine Fehler machst.‹« Abschließend regte Franziskus eine Reihe von Fragen an, damit sich jeder einer Gewissensprüfung unterziehen könne: ›Wie steht es um die Beziehung zu meinem Schutzengel? Höre ich ihn an? Sage ich morgens zu ihm: Guten Morgen?

Sage ich zu ihm: Behütest du mich im Schlaf? Spreche ich mit ihm? Bitte ich ihn um seinen Rat? Ist er an meiner Seite?« Auf diese Fragen, so sagte er, »können wir heute antworten«: Jeder von uns kann das tun, um zu überprüfen, »wie das Verhältnis zu diesem Engel ist, den der Herr geschickt hat, um mich zu beschützen und auf meinem Weg zu begleiten, und der immer das Antlitz des Vaters sieht, der im Himmel ist«.

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Engel vs. Teufel – und wo stehe ich?

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Reims, Lachender Engel / Wikimedia Commons – Vassil, Public Domain

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis C — 3. Juli 2016

“Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen” (Lk 10,17). Ein wenig rätselhaft ist es schon, dass Jesus im Zusammenhang mit der Aussendung der Jünger den Teufel erwähnt. Er möchte offensichtlich, dass wir uns bei der Verkündigung des Reiches Gottes, also bei der Katechese, beim persönlichen Apostolat, darüber im klaren sind, dass es dabei auch gilt, “die ganze Macht des Feindes zu überwinden” (Lk 10,18). Er will, dass die Christen – alle Getauften betrifft ja der Missionsbefehl des Herrn – sich keinen Illusionen hingeben: die Wahrheit Jesu Christi wird durchaus nicht immer mit offenem Herzen aufgenommen. Und da ist tatsächlich eine reale Person, genauer gesagt ganz viele, die jede Katechese torpedieren wollen.

Viele haben sich darüber gewundert, dass Papst Franziskus des öfteren den Teufel erwähnt. Auch diese Verwunderung hat sicher mit einer verengten exegetischen Perspektive, von der Professor Klaus Berger spricht, zu tun. Dass es den Teufel gibt, kann man beim “besten” Willen nicht aus dem Neuen Testament herausinterpretieren (wenn man denn an die göttliche Herkunft der Heiligen Schrift glaubt).

Auch im heutigen Evangelium des hl. Lukas wird dies deutlich, wo Jesus ganz kurz, aber sehr dramatisch beschreibt, welche persönliche Erfahrung er selbst mit dem Widersacher gemacht hat. Nicht von der Begegnung in der Wüste spricht er, wo er zu Beginn seines öffentlichen Auftretens jene drei exemplarischen Versuchungen zu bestehen hatte, die uns zeigen sollten, dass man Versuchungen bestehen kann.

Das Wort von dem vom Himmel stürzenden Satan reicht in ferne Urzeiten zurück, als der Teufel, damals noch ein Engel, selber eine Versuchung präsentiert bekam, der er aber nicht widerstand.

Unsere von der Aufklärung so nachhaltig geprägte Zeit tut sich schwer mit den Engeln und erst recht mit den gefallenen Engeln. Viele Christen genieren sich, wenn Andersgläubige bei der Erwähnung der Engel oder der Teufel ein ironisches Lächeln aufsetzen. Also besser nicht davon sprechen. Vielleicht gibt es sie ja auch gar nicht.

Aber ein verkürztes Evangelium nützt niemandem. Vielleicht rächt es sich jetzt, dass viele Pfarrer über die Engel nie predigen, weder über die guten, noch über die bösen. Viele Christen sind daraufhin in den letzten Jahrzehnten zu den Esoterikern hinüber gewandert, weil sie dort von den Engeln hören. Und nicht immer nur Falsches.

Der Sturz des Satans muss eine gewaltige Tragödie gewesen sein. Luzifer war der schönste aller Engel, der Lichtträger, aber seine Größe stieg ihm zu Kopf. Er erlag der Versuchung der schlimmsten Sünde, nämlich des Hochmuts, und rief: “Non serviam!” Ich diene nicht.

Sein Sturz war ein plötzlicher. Er verlor mit einem Mal alle ihm von Gott verliehenen guten und schönen Eigenschaften (denn gut und schön war im Anfang das gleiche): seine lichtvolle Schönheit, sein majestätisches Auftreten, seine Anmut, und übrig blieben nur Hass und Hässlichkeit, Neid und Bosheit.

Mit ihm stürzten unbeschreiblich viele, die sich von ihm hatten verführen lassen. Sein Gegenspieler war der hl. Michael, sein Name bedeutet “Wer ist wie Gott?” Seine Demut hat den Stolz überwunden.

So steht am Anfang der Geschichte – noch bevor es Menschen gab – der Sturz der Engel. Die in der Treue zu Gott verbliebenen Engel wurden in der Gnade befestigt und in die beseligende Anschauung Gottes geführt. Und wer Gott schaut, kann nicht mehr sündigen.

Da die guten Engel Christus, den Logos, lieben, ist es ihnen ein Anliegen, seinem Wunsch entsprechend, uns Menschen zur Erlösung und damit zu den Freuden des Himmels zu begleiten. Genau wie Gott selber es tut, respektieren sie unseren freien Willen. Deshalb ist ihre Hilfe immer nur eine sozusagen beratende. Entscheiden müssen wir uns in jedem Augenblick selber.

Die gefallenen Engel, nunmehr Teufel, haben ein böses Interesse daran, die Menschen, von denen sie wissen, dass Gott sie liebt und sich für sie geopfert hat, von Gott abzubringen. Da in ihnen, den gefallenen Engeln, nichts Gutes mehr ist, gehen sie ganz in diesem vom Neid motivierten Bestreben auf. Verständlich, dass der Teufel die Verkündigung der Frohen Botschaft unbedingt verhindern will.

Das ist seit fast zweitausend Jahren so, und auch heute sind es nicht nur die schlechten Menschen und die falschen Ideen, die gegen das Reich Gottes kämpfen. Hinter ihnen stehen diese Gesellen, die mit ihrem seit so langer Zeit bewährten Arsenal von Versuchungen alles Böse kräftig fördern.

Das ist gut zu wissen. Dennoch möchte der Herr auch nicht, dass wir dem bösen Feind zuviel Aufmerksamkeit widmen. Deshalb erwähnt er ihn nur kurz. Beachten wir umso mehr die guten Engel, die uns viel mehr helfen könnten, wenn wir sie mehr darum bäten. Auch das hat mit der menschlichen Freiheit zu tun, dass die Himmlischen gewissermaßen nicht helfen können, wenn wir sie nicht bitten, denn wie sollen sie wissen, dass wir ihre Hilfe überhaupt wollen?

Aber dadurch, dass wir von den Aktivitäten der bösen Engel wissen und auch das Gegenmittel kennen, nämlich das Vertrauen auf die Hilfe Gottes, kommen wir besser damit zurecht und brauchen nichts zu fürchten. Das Wort “Gott mit uns” hilft uns unbedingt, uns den Menschen zu widmen, um dann festzustellen, dass sie so schlecht gar nicht sind. Es hilft uns, falsche Ideen zu entlarven und zu widerlegen.

Der Teufel ist der Vater der Lüge. Aber seine Macht hört da auf, wo die Menschen das Wort Jesu beherzigen: “Die Wahrheit wird euch frei machen”.

Bei alledem ist immer die Unbefleckte Jungfrau Maria die große Helferin. Für uns ist sie die liebevolle Mutter, für die Dämonen ein furchtbares Heer in Schachtordnung. Mit ihr kann uns nicht nur nichts passieren, mit ihr wird die Kirche auch heute auf die Menschen zugehen und ihnen die Freude Christi bringen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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DAS OPUS SANCTORUM ANGELORUM*

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Mit Datum vom 2. Oktober 2010 hat die Kongregation für die Glaubenslehre den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen einen Rundbrief gesandt über die Vereinigung „Opus Angelorum“ (Engelwerk). Dieser wurde dann in L’Osservatore Romano vom 12. November 2010, S. 16, veröffentlicht. In diesem Brief informiert die Kongregation insbesondere über die Approbation des „Statuts des Opus Sanctorum Angelorum“ von Seiten der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens und über die Approbation der „Formel einer Weihe an die heiligen Engel“ für das Opus Angelorum von Seiten der Kongregation für die Glaubenslehre. Es scheint daher angebracht zu sein, die Spiritualität dieses Werkes der heiligen Engel kurz zu erklären. Es ist, so wie es sich heute darstellt, „ein öffentlicher Verein der Kirche in Übereinstimmung mit der überlieferten Lehre und den Weisungen der höchsten Autorität. Es verbreitet die Verehrung der heiligen Engel unter den Gläubigen, ruft zum Gebet für die Priester auf, fördert die Liebe zu Christus in seinem Leiden und die Verbundenheit mit ihm“ (Brief  der Kongregation für die Glaubenslehre).

Welche Spiritualität hat also diese Vereinigung? Und welchen Weg ist sie gegangen bis zum gegenwärtigen Status, auf den sich die Kongregation für die Glaubenslehre bezieht? Das Opus Sanctorum Angelorum ist in Innsbruck, Österreich, im Jahr 1949 entstanden. Frau Gabriele Bitterlich, Ehefrau und Mutter von drei Kindern, stand am Ursprung dieser Bewegung. Ab dem Jahr 1949 entwickelte sich in ihr immer klarer ein persönliches Bewusstsein, dass der Herr Jesus Christus will, dass die Gläubigen mehr die heiligen Engel verehren und anrufen und sich ihrer machtvollen Hilfe öffnen. Als authentische Christin hat sie jedoch immer erklärt, dass sie sich in allem der Autorität der Kirche unterwirft. In jenen Jahren war diese Autorität der Bischof von Innsbruck, Dr. Paulus Rusch, mit dem sie immer in Kontakt blieb. Ab dem Jahr 1961 hat sich das Opus Angelorum in verschiedene Länder der Welt ausgebreitet. Somit war es seit dem Jahr 1977 die höchste Autorität der Kirche, welche die besonderen Lehren und Praktiken des Opus Angelorum untersucht hat.

Mit der Approbation der Bewegung hat die Kirche die grundlegende Gültigkeit der Gründerintuition von Frau Bitterlich anerkannt, wobei sie jedoch andererseits im Gesamten ihres beträchtlichen Schrifttums auch verschiedene Lehren, und zwar insbesondere „Theorien … über die Welt der Engel, ihre persönlichen Namen, ihre Gruppen und Aufgaben“, die „der Hl. Schrift und der Überlieferung fremd sind und daher nicht als Grundlage für die Spiritualität und Aktivität von kirchlich anerkannten Vereinigungen dienen können“[1], festgestellt hat. Da das Opus Angelorum der Kirche gehorcht und diese Lehren und ihre praktischen Konsequenzen aufgegeben hat, stellt es sich heute ganz zu Recht dar als eine kirchliche Bewegung, die gerufen ist, mit dem ihr eigenen Charisma an der Verkündigungs- und Heilssendung der Kirche mitzuwirken.

Die Grundlage seiner Spiritualität ist also das Wort Gottes, das sich in der Hl. Schrift und in der lebendigen Überlieferung der Kirche befindet, welche vom Lehramt authentisch ausgelegt werden. Eine Zusammenfassung der Lehre des Lehramts über die Welt der Engel befindet sich im Katechismus der Katholischen Kirche (s. KKK 328-336, 350-352).

Dort liest man in erster Linie: „Daß es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich ‚Engel’ genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit“ (KKK 328). „Ihrem ganzen Sein nach sind die Engel Diener und Boten Gottes. Weil sie ‚beständig das Antlitz meines Vaters sehen, der im Himmel ist’ (Mt 18,10), sind sie ‚Vollstrecker seiner Befehle, seinen Worten gehorsam’ (Ps 103,20)“ (KKK 329). Sie „sind personale und unsterbliche Wesen“ (KKK 330).

Jesus Christus ist nicht nur die Mitte der Menschen, sondern auch der Engel: „Christus ist das Zentrum der Engelwelt. Es sind seine Engel … Sie sind sein, weil sie durch ihn und auf ihn hin erschaffen sind … Sie sind erst recht deshalb sein, weil er sie zu Boten seines Heilsplanes gemacht hat“ (KKK 331). „Sie sind da, seit der Welterschaffung und im Laufe der ganzen Heilsgeschichte; sie künden von ferne oder von nahe das Heil an und dienen dem göttlichen Plan, es zu verwirklichen“ (KKK 332). Deshalb bezieht sich dieser Dienst auf das menschgewordene Wort selbst und auf seinen Leib auf Erden, die Kirche. „Von der Menschwerdung bis zur Himmelfahrt ist das Leben des fleischgewordenen Wortes von der Anbetung und dem Dienst der Engel umgeben. … Sie beschützen Jesus im Kindesalter, dienen ihm in der Wüste, stärken ihn in der Todesangst, und sie hätten ihn auch – wie einst Israel – aus der Hand der Feinde retten können. Die Engel sind es auch, die „evangelisieren“ (Lk 2, 10), indem sie die frohe Botschaft der Menschwerdung und der Auferstehung Christi verkünden. Bei der Wiederkunft Christi, die sie ankündigen, werden sie ihn begleiten und ihm bei seinem Gericht dienen“ (KKK 333).

„Bis zur Wiederkunft Christi kommt die geheimnisvolle, mächtige Hilfe der Engel dem ganzen Leben der Kirche zugute“ (KKK 334). „In ihrer Liturgie vereint sich die Kirche mit den Engeln, um den dreimal heiligen Gott anzubeten; sie bittet um deren Beistand und feiert insbesondere das Gedächtnis gewisser Engel (der heiligen Michael, Gabriel und Raphael und der heiligen Schutzengel)“ (KKK 335).

„Von seinem Beginn bis zum Tod umgeben die Engel mit ihrer Hut und Fürbitte das Leben des Menschen. ‚Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen’ (Basilius, Eun. 3,1). Schon auf dieser Erde hat das christliche Leben im Glauben an der glückseligen Gemeinschaft der in Gott vereinten Engel und Menschen teil“ (KKK 336). Zu Recht gilt demnach: „Die Kirche verehrt die Engel, die der Kirche auf ihrem irdischen Pilgerweg beistehen und jeden Menschen beschützen“ (KKK 352).

Die Besonderheit der Vereinigung Opus Sanctorum Angelorum besteht darin, dass ihre Mitglieder die Verehrung der heiligen Engel zu der vollen Entfaltung führen, die sich in einer „Weihe an die heiligen Engel“ bekundet und konkretisiert, so ähnlich wie sich dies in der Kirchengeschichte gezeigt hat bei der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariens (Weihe an das Herz Jesu und das Herz seiner Mutter).

Durch die Weihe an den Schutzengel tritt man in das Werk der heiligen Engel ein. Die Weihe an die heiligen Engel wird von denjenigen Mitgliedern abgelegt, die sich mehr für die geistlichen Ziele der Bewegung einsetzen wollen. Diese Weihe wird als ein Bündnis des Gläubigen mit den heiligen Engeln verstanden, als ein bewusster und ausdrücklicher Akt des Anerkennens und Ernstnehmens ihrer Sendung und Stellung in der Heilsökonomie. Wie viele Spiritualitäten ihre kennzeichnenden Ausdrücke haben, zum Beispiel das „Totus tuus“von Papst Johannes Paul II., so könnte man die Spiritualität der Weihe an die heiligen Engel im Opus Angelorum kennzeichnen mit den Worten „cum sanctis angelis“, das heißt, „mit den heiligen Engeln“ oder  „in Gemeinschaft mit den heiligen Engeln“.

Tatsächlich besteht im Glauben und in der göttlichen Liebe die Möglichkeit eines „Zusammenlebens“ der Gläubigen mit den heiligen Engeln als wahren Freunden[2] und somit auch einer innigen geistigen Zusammenarbeit mit ihnen im Hinblick auf die Ziele des Heilsratschlusses Gottes in Bezug auf alle Geschöpfe[3], zumal die Mitwirkung der heiligen Engel bei allen unseren guten Werken garantiert ist[4].

Dieses geistige Zusammenleben und Zusammenarbeiten der Gläubigen mit den heiligen Engeln, was gerade – gemäß dem oben erwähnten Statut – die „Natur“ (Wesen) des Opus Angelorum ausmacht, erfordert natürlich nicht nur den Glauben und die Liebe zu den heiligen Engeln – in erster Linie zum eigenen Schutzengel –, sondern auch die kluge Anwendung der Kriterien zur „Unterscheidung der Geister“. Hierzu ist die folgende Erklärung angebracht, die im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche zu finden ist[5]: „Wie in der Vision von der Jakobstreppe – ‚auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder’ (Gen 28,12) – sind die Engel unermüdlich tätige Boten, die Himmel und Erde miteinander verbinden. Zwischen Gott und den Menschen gibt es nicht Schweigen oder Sprachunfähigkeit, sondern ständigen Dialog, unaufhörliche Mitteilung. Als Empfänger dieser Mitteilung müssen die Menschen ihr geistiges Ohr schärfen, um die Stimme der Engel zu hören und ihre Sprache zu verstehen. So werden sie zu guten Worten, heiligen Gesinnungen, Taten der Barmherzigkeit, liebevollem Verhalten und aufbauenden Beziehungen angeregt.“

Das Opus Angelorum baut auf der vorbehaltlosen Bereitschaft auf, Gott mit der Hilfe der heiligen Engel zu dienen, und hat zum Ziel die Erneuerung des geistlichen Lebens in der Kirche mit ihrer Hilfe in den Grundrichtungen der Anbetung, Betrachtung, Sühne undSendung (Apostolat).

Die Hilfe der Engel und das Einssein der Menschen mit ihnen ermöglichen diesen, den Glauben besser zu leben und ihn auch kraftvoller und überzeugter zu bezeugen. Die heiligen Engel schauen nämlich immerfort das Angesicht Gottes (vgl. Mt 18,10) und leben in beständiger Anbetung. Demnach können sie auf besonders wirksame Weise die Gläubigen erleuchten, die sich bewusst ihrem Wirken öffnen. Diesen helfen sie, im Glauben die göttlichen Geheimnisse zu betrachten, nämlich Gott selbst und seine Werke (theologia undoikonomia[6]), so in der Erkenntnis und Liebe Gottes zu wachsen, in der Gegenwart Gottes zu verbleiben und eine besonders ehrfürchtige und liebende Anbetung zu verwirklichen, womit sie sich der größeren Verherrlichung Gottes hingeben.  Die Anbetung, besonders die eucharistische Anbetung, nimmt daher im Opus Angelorum den ersten Platz ein.

Wie der Herr Jesus Christus selbst vom himmlischen Vater durch einen Engel gestärkt wurde, um das Erlöserleiden auszuhalten (s. Lk 22,43), so vertrauen die Mitglieder des Opus Angelorum auf die Hilfe der heiligen Engel, um Christus nachzufolgen mit der sühnenden Liebe für die Heiligung und Rettung der Seelen, und besonders für die Priester. Deshalb gibt es im Opus Angelorum auch die fromme Übung der „Passio Domini“, das heißt, eine wöchentliche Gebetszeit (Donnerstagabend und Freitagnachmittag), in der die Mitglieder sich geistig mit dem Erlöser im Geheimnis seiner rettenden Passion vereinen. Der gekreuzigte und auferstandene Christus ist in der Tat die Mitte sowohl der Menschen als auch der heiligen Engel.

Mit der Approbation des Opus Angelorum hat die Kirche einer Bewegung den Segen gegeben, die zwar sicherlich durch eine besondere Verehrung der heiligen Engel gekennzeichnet ist, aber auch und wesentlich – den charakteristischen Eigenschaften der Engel entsprechend – durch eine unbedingte Ausrichtung auf Gott und seinen Dienst, auf Christus den Erlöser, auf das Kreuz, die Eucharistie, zur Ehre Gottes und für die Heiligung und Rettung der Seelen. Das lebendige Bewusstsein der Gegenwart und geheimnisvollen, mächtigen Hilfe der heiligen Engel, Gottes Diener und Boten, ist wahrhaftig geeignet die Gläubigen anzuspornen, sich vertrauensvoll der ersten und wesentlichen Sendung der Kirche zu widmen: das Heil der Seelen zur Ehre Gottes.

 

* L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nummer 15, 15. April 2011, S. 9.

 


[1] Siehe Dekret Litteris diei der Kongregation für die Glaubenslehre, vom 6. Juni 1992.

[2] Siehe Thomas von Aquin, Summa Theologiae II-II, q. 25, a. 10; q. 23, a. 1, ad 1.

[3] Siehe Eph 1,9-10; Kol 1,15-20; Joh 12,32; 17,21-23; Offb 10,7; 19,6-9.

[4] Siehe KKK 350: „“Bei allen unseren guten Werken wirken die Engel mit“ (Thomas v. A., s. th. 1,114, 3 ad 3).“

[5] S. 212: Kommentar zu einem auf der vorausgehenden Seite abgebildeten Bild von Jan Van Eyck.

[6] Siehe KKK 236.

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Quelle

Heute, 24. Oktober, ist das Fest des Heiligen Erzengels RAPHAEL (gem. Liturgischem Kalender 1962)

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Lesen Sie dazu (nochmals) den Bericht:
DAS SCHUTZENGEL-WUNDER VON CUSCO (Peru)!

GOTT,
Du hast den heiligen Erzengel Raphael
Deinem Diener Tobias als Wegbegleiter gegeben;
lass auch uns, Deine Diener, durch seine Hand und Hilfe
allzeit geborgen und sicher sein,
durch unsern Herrn
JESUS CHRISTUS,
Deinen Sohn, Der mit Dir lebt und herrscht
in der Einheit des Heiligen Geistes,
GOTT,
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Das Schutzengelwunder von Cusco (Peru)

Schutzengelwunder Cusco

Das Schutzengelwunder von Cusco (Peru)

Dies hat Pater Ernst Fischer, geboren am 23.7.1914 in München, der den «Söhnen» Don Boscos, dem Salesianerorden angehörte, selber erlebt. Er wurde am 2.12.1945 in Chile zum Priester geweiht und wirkte 30 Jahre lang in Südamerika. Er berichtet: Es war am 24. Okto­ber 1941, am Vorabend des Festes des grossen Liebesengels und Reisebegleiters, des heiligen Erzengels Raphael. Damals war ich in Lima in unserem Oratorium Präfekt der Knabenschu­le. Wir hatten eine 40 Mann starke Blasmusik­gruppe, die am Eucharistischen Kongress in Cuero in den Anden teilnehmen sollte.

Von Jokai aus mussten wir den Gebirgspass zum Inkatal nach Cusco überqueren. Mit den 40 India­nerbuben hatten wir uns vorbereitet und sassen mit dem Dirigenten und seiner Frau im grossen Bus. Diese hatte noch ein drei Monate altes Baby bei sich. Es brauchte natürlich eine entsprechende Ausbildung für unsere Musikanten, um mit dem grossen Bassinstrument bis zur Trompete und Trommel umgehen zu können. Doch sie waren flink und begabt. Alle diese Musikinstrumente hatte man auf dem Dach des grossen Busses ver­staut. Ein Bub wollte sich von seiner Flöte nicht trennen und nahm sie mit in den Bus.

Vor der Abfahrt hatten wir alle zusammen zum Heiligen Erzengel Raphael gebetet. Es war, wie erwähnt, am Vorabend seines Festes am 24. Ok­tober. Er ist ja der Schützer für eine gute Reise. Dann sind wir eingestiegen und losgefahren. Ohne dass wir es vorher wussten, wurde unse­rem Bus ein waghalsiger Fahrer zugeteilt. Den nannten sie den «Teufel der Anden». Denn er schaffte die Strecke in der Abfahrt vom Pass in nicht viel mehr als 15 Minuten, während alle an­deren Fahrer dafür 45 Minuten brauchten. Auf der genügend breiten Strasse verschaffte er sich die Überholung der vor ihm fahrenden Autos mit ständigem Hupen. Der Höhenunterschied beträgt gegen 900 Meter mit sehr vielen Kurven. Bei der Abfahrt von der Hochebene war bei der Polizeikontrolle eben sein Kollege vor uns ab­gefertigt worden. Der Beamte hatte ihn schon mehrmals durchgelassen. Als wir von der Polizei­station entferntwaren, fing unser Chauffeur wie­der an zu hupen. Sein Kollege vor ihm wollte ihm zuerst das Überholen verwehren, weil er die Entfernung falsch einschätzte. Bei dem Tempo unseres Wagens jedoch war kein Anhalten mehr möglich, und unser Bus überschlug sich sieben­mal die steile Böschung hinunter, wie hinter uns Fahrende bezeugten. Wir waren mit 80 km/h ge­fahren. Der Absturz unseres Busses vollzog sich vor den Augen der zahlreichen hinter uns Fah­renden. Auch die Polizei folgte gleich nach.

Bei dem Sturz war ich auf der Seite des Chauf­feurs gesessen. Sechs Sitze hinter mir sass die Frau mit dem Säugling und ihrem Gatten, dem Kapellmeister. Der Wagen landete auf dem alten Weg, nur weiter unten. Dann hörte ich nur die Polizei rufen: «Holt die Toten heraus!» Die Schüler hatten bereits die Scheiben eingeschla­gen, um ins Freie zu kommen. Es war zuvor to­tenstill, als die Frau einen Schrei ausstiess: «Wo ist mein Kind, das ich zuvor in meinen Armen hielt? Mein Kind!!!» Und siehe da, das Kind be­fand sich geschützt in meinem Mantel. Weder ihm noch irgendeinem der Buben, noch dem Ehepaar ist das Geringste passiert.

Einzig die zum Ausstieg zerschlagenen Fenster und die zerbeulte Flöte des ängstlichen Buben waren beschädigt, während sämtliche Instru­mente auf dem Dach ohne jeden Schaden blieben. Der Bus wurde wieder auf die Räder gestellt und das ausgelaufene Dieselöl nachge­füllt, so konnte der gleiche Bus allerdings mit einem anderen Fahrer und einigen defekten Scheiben die Fahrt fortsetzen.

Als der Reporter Bonaventura Meyer aus Trim­bach einwendete, dass diese Erzählung nie­mand glauben würde, erklärte Pater Fischer: «Wir konnten alle unversehrt weiterfahren. Die Kunde davon hatte sich schon vor unse­rer Ankunft in Cusco verbreitet. Mit unglaub­licher Freude zogen wir winkend in die von jubelnden Menschen umsäumte Kirche. Mit einem Lobgesang der Priester wurden wir vom Bischof empfangen. Die Leute riefen: «Schaut das Wunderauto, schaut das Wunderauto!» Die Presse verbreitete das Geschehene im gan­zen Land und auch im Ausland. Der Bischof von Kasch sagte mir folgendes: «Wenn man das nicht als Wunder annimmt, würde man vom Herrgott verlangen, dass ihr alle getötet und gleich wieder auferstanden wäret!» Das hat sich so abgespielt. Der heilige Erzengel Rapha­el, dem wir unserer Reise empfohlen hatten, hat uns auf wunderbare Weise gerettet. In grösster Dankbarkeit gegen Gott konnte Bischof Alvares zusammen mit unseren Musikanten den Eucha­ristischen Kongress durchführen.

So hat sich an uns das Wort aus dem 90 (91). Psalm, 11-12, buchstäblich verwirklicht: «Gott hat seinen Engeln deinetwegen befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuss nicht an einen Stein stösst.»

Pater Fischer starb am 16.6.1989 in Gossau, im Schweizer Kanton St. Gallen.

Aus: «Gott wirkt Wunder ohne jemanden zu fragen», Guido Becker, SJM Verlag, 0049 821 34 32 25 11, post@sjm-verlag.de

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Quelle: Katholische Wochenzeitung, 11. September 2015 Nr. 37

Siehe auch:

Papst-Predigt: „Hört auf Eure Schutzengel und achtet sie“

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Feier des Schutzengelgedenkens während der Messe in der Casa Santa Marta

Rom, 2. Oktober 2015 (ZENIT.org) Junno Arocho Esteves

Papst Franziskus hat am Freitagmorgen das Schutzengelgedenken gefeiert und dabei über deren Rolle im Leben der Gläubigen nachgedacht. Gott stelle jedem Menschen einen Engel als Begleiter zur Seite, der als Gottes Botschafter diene.

„Wenn wir zum Beispiel etwas Schlechtes tun und denken, dass wir allein sind, ist er da“, sagte der Papst. „Habt Achtung vor seiner Anwesenheit. Hört auf seine Stimme, weil er uns berät. Wenn wir die Eingebung spüren: „Tu dies… das ist besser… das solltest du nicht tun… Hört auf ihn! Rebelliert nicht gegen ihn.“

Der Papst fuhr fort zu sagen, Schutzengel seien dafür gedacht, uns als Freund gerade in schwierigen Zeiten der Prüfung oder der Sünde zu beraten.

„Ein Freund, den wir nicht sehen, aber spüren“, sagte er. „Ein Freund, der eines Tages mit uns im Himmel, in der ewigen Freude sein wird.“

„Er bittet uns nur, auf ihn zu hören, ihn zu respektieren. Nur so viel: Respekt und Gehör. Und das Respektieren und Hören auf diesen Begleiter für unterwegs bedeutet Fügsamkeit.“ Ein Christ solle fügsam gegenüber dem Heiligen Geist sein. Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist beginne mit der Fügsamkeit gegenüber dem Rat dieses Begleiters.

Zum Abschluss seiner Predigt forderte Franziskus die Anwesenden auf, Gott um die Gnade der Folgsamkeit zu bitten, um in der Lage zu sein, auf den Rat unserer Engelbegleiter zu hören. Durch sie lasse Christus die Menschen nicht allein, lasse sie nicht im Stich, betonte er. (mk)

( 2. Oktober 2015) © Innovative Media Inc.