Kommentar: Das große Jubiläum von Le Puy (Frankreich)

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Eine Kopie der in der Französischen Revolution zerstörten Madonna in der Kathedrale von Le Puy. – Foto: Simon via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

 

Von Monsignore Florian Kolfhaus

Es ist ein Jahrhundertereignis, das erst wieder im Jahr 2157 begangen werden wird: Das Jubiläum von Le Puy. Immer dann, wenn der Karfreitag auf den 25. März, also das Fest Mariä Verkündigung fällt, feiert der große französische Wallfahrtsort ein besonderes Jubiläum, in dem der Mutter und Gefährtin des Erlösers gedacht wird.

Wenn auch die antikirchlichen Horden der Französischen Revolution das alte Gnadenbild verbrannt haben, blieb die Wallfahrt seit dem 10. Jahrhundert lebendig. Die Besonderheit dieser Wallfahrt ist der Blick auf Maria nicht nur als Mutter Jesu, sondern auch als seine Begleiterin in der Passion.

Nach einer jüdischen Tradition ist die Welt am 25. März von Gott erschaffen worden. Die Genesis berichtet uns, wie Gott durch sein Wort – immer wieder spricht er „Fiat! – Es werde“ – das Universum erschafft. Maria spricht eben dieses Wort „Fiat“ als der Engel Gabriel sie in Nazareth bittet, die Mutter Gottes zu werden. Durch ihr Wort wird Gottes Sohn Mensch, beginnt die Neuerschaffung der Welt, d. h. das Werk der Erlösung, das am Karfreitag seinen Höhepunkt findet. Dann stirbt Christus am Kreuz, und seine Mutter steht bei ihm. Er nennt sie „Frau“, um anzudeuten, dass sie mit ihm, dem neuen Adam, die neue Eva ist, die als Feindin der Schlange noch im Paradies verheißen wurde (Gen 3, 15).

Mutter und Gefährtin

Auf Golgotha macht Christus alles neu, und Maria wiederholt stumm ihr „Fiat“. Nazareth und Kalvaria gehören zusammen. Jesus wird Mensch, um sich als Opfer darzubringen. Seine Ermordung ist nicht das tragische Ende eines revolutionären Wanderpredigers, sondern die ersehnte Stunde des Messias, von der gerade das Johannesevangelium immer wieder spricht, an dem der Herr für die Seinen sein Leben hingibt.

Auf Golgotha ist er der Hohepriester, der in der hebräischen Kultsprache des Tempels betet: „Eli, Eli, lema sabachtani – Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“ Er „zelebriert“ die blutige Messe, die im eucharistischen Opfer der Kirche durch die Jahrhunderte gegenwärtig wird. Als Mensch – nicht als Gott – ist Christus, der Sohn Gottes und Mariens, Priester. Seine „Priesterweihe“ hat er sozusagen bei seiner Empfängnis im Schoß der Mutter empfangen, deren Leib der Tempel war, in dem Christus vom Heiligen Geist empfangen und zugleich zum Priester eingesetzt wurde.

Jesus war wirklich Priester – ja er ist der einzige Priester des Neuen Bundes, den die vielen Priester seiner Kirche, sind nur seine Werkzeuge, durch die er handelt. Und die Gabe, die dieser Priester opfert, sind nicht Böcke und Stiere, sondern eben jener Leib, der neun Monate unter dem Herzen Mariens herangewachsen ist, um endlich ohne Schmerzen von ihr geboren zu werden. Dann aber, als am Karfreitag die Kirche aus der Seite Jesu zur Welt kommt, wie einst Eva aus Adam, leidet sie unsagbare Geburtschmerzen (vgl. Offb 12, 1ff.), um so zur Mutter aller zu werden, die sich Christen nennen.

In Nazareth wurde sie Mutter des einen Christus, auf Golgotha die der vielen Christen, die aus Wasser und Geist geboren und so auch zu ihren Kindern geworden sind. Nazareth und Kalvaria sind untrennbar verbunden. Das Geheimnis der Mutterschaft Mariens und ihrer Mitwirkung an der Erlösung ist eins, das in all seinen Facetten das Heilswirken Christi durch und mit seiner Mutter zeigt.

Das Jubliläum von Le Puy, mehr noch, das Zusammenfallen der beiden Festtage der Empfängnis Christi und seines Opfers – ein Datum, das wir alle nicht mehr erleben werden – ist einmalige Gelegenheit für uns, über die Bedeutung Mariens nachzusinnen und mit ihr nicht nur in der frohen Stunde von Nazareth, sondern auch im Dunkel von Golgotha bei Christus zu sein. Liturgisch wird das Hochfest der Verkündigung Mariens nach der Osteroktav, also bereits im hellen Licht der Auferstehung, nachgefeiert.

Mehr Maria, mehr Jesus!

Es ist ein schöner Zufall, dass sich in diesem Jahr der Todestag des heiligen Ludwig Maria Grignon de Montfort zum 300sten Mal jährt. Er hat, wie kaum ein anderer, die Weihe an Maria propagiert. Jeder Katholik sollte das „Goldene Buch“, sein Hauptwerk, das der hl. Johannes Paul II. immer wieder zur Lektüre empfohlen hat, einmal zur Hand nehmen und durchbeten. Ihm zufolge ist Christus selbst Vorbild der Marienweihe, denn in Nazareth wird der Sohn Gottes ganz und gar „Eigentum“ Mariens – abhängig von ihrer Sorge und Liebe.

Auf Golgotha, 33 Jahre später, gibt er sie uns zur Mutter, damit wir wie er es getan hat, ihre Hand ergreifen und uns von ihr führen lassen mögen. Sie ist Mutter und Begleiterin. Der hl. Ludwig empfiehlt 33 Tage zur Vorbereitung auf die Weihe an Maria. Aber auch ohne diese vielleicht sehr lange Zeit der Einstimmung, kann der Karfreitag 2016, an dem ja auch die Barmherzigkeitsnovene beginnt, die in diesem Heiligen Jahr besondere Bedeutung hat, eine hervorragende Gelegenheit sein, Maria als Mutter, als Testament und „letzten Willen“ Jesu, anzunehmen und mit ihr dem Ostersonntag entgegenzugehen. Der hl. Ignatius sagt, dass sie die erste war die den Auferstandenen getroffen hat. Bleiben wir nah bei ihr, dann erleben auch wir umso leichter die Freude seines Sieges über Leid und Tod.

ROM , 25 March, 2016 / 10:15 AM (CNA Deutsch).-

Lesempfehlung: Florian Kolfhaus: Ganz Dein, Maria. Dominus-Verlag. Augsburg.

Veröffentlicht unter Le Puy.