MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (14)

dav

Fortsetzung zu Folge 13

1949

 

Januar. Wunderbar sind Deine Wege, o Gott mein Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit! Mein Herz ist erfüllt von Liebe und Dank gegen Gott, unserem besten Vater und grössten Wohltäter. Denn Er hat mich und meine Familie in bester Gesundheit erhalten und so oft zu Seinen Gnadenmitteln gerufen.

O könnte ich im neuen Jahr so leben, dass ich meinen Herrn und Gott nie mehr beleidigen würde! Wer wird mich führen und leiten auf dem Weg der Vollkommenheit? Ich bitte Gott um die Gnade, doch oft und immer wieder mich in Seiner hl. Gegenwart zu fühlen. Dann wird meine Seele in heilsamer Furcht sich vor der Sünde hüten, in die Versuchungen einzuwilligen.

Gott hat schon vor mehr als zwei Jahren mein Flehen in meiner Bedrängnis erhört und mich befreit vom Stachel des Fleisches, dass ich ungestört mit Leib und Seele Ihm allein diene. Mein Gott und mein Alles, sei und bleibe stets bei mir! O dass ich doch öfter Deinem hl. Opfer beiwohnen und Dein hl. Fleisch und Blut geniessen könnte! O stärke mich, dass ich nicht schwach werde! O mein Gott, stärke und führe mich ganz nach Deinem hl. Willen!

Das Muttergottesbild, Mutter der Schmerzen, ist wieder von seinem Ehrenplatz in unserer Kapelle genommen und ohne mein Wissen der Renovation übergeben worden. Es geschehe alles, was geschieht, Gott zur Ehre und Verherrlichung!

Am 16. Januar habe ich wie gewohnt des Nachts mit ausgespannten Armen mich ganz meinem gekreuzigten Heiland übergeben. Und in Seine heiligen Wunden übergab ich Ihm alle, die Er mir gegeben (dadurch, dass ich erkannte durch Ihn, dass sie durch geheime Wasser vom bösen Feind bedrängt wurden und Jesus sie befreit hat), dass sie ewig gerettet werden und Sein hl. Blut an ihnen nicht verloren gehe. Am selben Morgen habe ich mich verschlafen, dass ich so pressieren musste und erst am Herde das Morgengebet verrichten konnte.  Ich musste wieder fühlen, wie schwach und armselig doch der Mensch ist. Ein Nichts ist er, dass er sich nicht einmal beherrschen kann. Und in meiner ganzen Schwäche ging ich zu Jesus ins Hochamt, um Ihn zu bitten, doch sich meiner zu erbarmen und geistigerweise mit Seiner göttlichen Kraft in mir zu vollbringen, was Er mir hat zu verrichten gegeben. Wenn ich unser grosses Gotteshaus angefüllt sehe mit Menschen, muss ich denken: Es ist mein Volk, für das ich opfern und beten soll, ich, ein sündiges Nichts.

Doch unser lieber HH. Pfarrer tröstet mich Kleinmütige in seiner Predigt, indem er spricht vom Wohnen und Wirken Gottes in uns Menschen und von der Fürbitte Marias bei Jesus beim ersten Wunder in Kanaa. Bei der Prozession mit dem Allerheiligsten sah ich mit meinen leiblichen Augen das hl. Sakrament, aber meine Seele sah Jesus ganz gross als König über Himmel und Erde in unendlicher Liebe unter uns Sündern daherkommen und ich bat Jesus: „Mein Gott und mein Alles, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir! Gib alles mir, was mich fördert zu Dir! O nimm ich mir und gib mich ganz zu eigen Dir! O Jesus erbarme Dich unser und tu das grösste Wunder! Bekehre die armen Sünder, erwecke die geistig Toten auf zum ewigen Leben um der Verdienste Deiner heiligen Wunden willen!“

Am andern Morgen muss ich bekennen, dass ich in der Nacht nicht einmal fertig gebetet habe, sondern aus Bequemlichkeit wieder eingeschlafen bin, während Jesus aus vielen Wunden blutet an seinem Mystischen Leibe. Seine Braut, die heilige Kirche, wird vom Feinde geschmäht und misshandelt, und ich Elende, der Gott geboten hat, zu opfern und zu beten, diene der Bequemlichkeit!

Nachdem ich die notwendigsten Pflichten getan, kniete ich wie jeden Tag vor dem Kreuz in meiner Kammer und wollte beten für das Reich Christi auf Erden, mich Gott aufopfern, wie Gott mich gelehrt hatte. Aber ergriffen von tiefer Reue über meine Schwächen und Fehler nahm ich das Kreuz in die Arme und benetzte das heilige Antlitz meines Erlösers mit Tränen der Reue. Dann betete ich: „Mein Gott und Alles, unendlich ist Deine Liebe und Dein Erbarmen. Wie lange noch lässest Du den Feind wüten unter Deinen Schafen? Erbarme Dich Deines auserwählten Dieners, des Kardinals in Ungarn, der unschuldig leidet aus Liebe zu Dir! O Gott, erbarme Dich der grössten Sünder und sage, wie am Kreuze, zu Deinen Feinden: Sie wissen nicht was sie tun!“ Mir war, als erkenne ich auch Stalin. Der grösste Feind der heiligen Kirche weiss nicht, was er tut. Er ist gefangen und dem Satan ausgeliefert. „Du kannst ihn retten!“

Ich betete: „Vater im Himmel, erbarme Dich meiner und sende mir den Heiligen Geist, dass Er mich erleuchte, in mir wohne und aus mir mache, was Du, mein Vater, aus mir haben willst! So komm, o Heiliger Geist komm, Du unermessliche Liebe und wohne in mir, erleuchte mich, dass ich Gottes Willen erkenne! Bitte Du in mir mit unaussprechlichen Seufzern!“ Erschauernd nahm ich den Rosenkranz, den ich beim Beten um die Hand geschlungen, und flehte noch schnell zur himmlischen Mutter, dass sie für mich bitte möge. Und dann in tiefem Erbarmen mit den Menschen, der dem Satan ausgeliefert scheint, sagte ich zu Jesus: „O mein Gott, Du Herr und Gebieter über Himmel und Erde, über Wasser und Meere, wenn’s Dir zur Ehre und Verherrlichung gereicht, sag mir: bedient sich der Satan dieses Menschen (Stalin) und der geheimen Wasser, um ihm und Deinen Erlösten an den Seelen zu schaden? Ich bitte Dich um der Verdienste Deiner heiligen Wunden willen. Du, heiliges Herz Jesu, hast ja gesagt: durch meine heiligen Wunden kannst Du alles erlangen“ und schon während ich die letzten Worte sagte, fing der Rosenkranz an zu reagieren und schwenkte so fest, dass ich den Arm strecken und zurückstehen musste. Und er gab eine Kreuzung von Wassern an in festem grossen Umfang.

Vor meinem Herrn und Gott kniend bat ich Jesus: „wenn’s Dir, o Gott, zur Ehre und Verherrlichung gereicht, gebiete dem Wasser zu weichen von diesem Orte, dass der Satan nicht länger dessen sich bedienen kann, um dadurch dem Menschen und Deiner heiligen Kirche zu schaden! Ich bitte Dich um der Verdienste Deiner heiligen Wunden willen. Aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe, o Gott! Alles gereiche nur Dir zur Ehre und Verherrlichung! Ich bitte Dich, gib mir schwachem Menschen einen Beweis, indem Du bewirkst, dass der Kardinal von Ungarn freigelassen wird.“

Ich ging in die Küche an die Arbeit und nach einer Viertelstunde ging ich betend in Gottes Gegenwart, aber doch erschauernd und von dem, was ich erwartete, in die Kammer auf die Stelle, wo Gott zu mir gesprochen, und bat Jesus: „Gib mir um der Verdienste Deiner heiligen Wunden willen zu erkennen, ob der Satan sich durch die Wasser dieses Menschen noch bedient, um der heiligen Kirche zu schaden. Aber der Rosenkranz blieb still. Das war am 19. Januar 1949 um 10:30 Uhr. Wunderbar sind Deine Wege, o Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit! Für diesen unglücklichen Menschen bete ich den Rosenkranz, dass die himmlische Mutter auch diese Seele zu Jesus führe.

Als ich den Rosenkranz neun Tage am späten Abend, wenn andere schliefen, in tiefster Andacht und Betrachtung des Leidens Jesu gebetet hatte, empfand meine Seele eine so tiefe Liebe zu diesen Ärmsten, vom Satan Betrogenen Seelen. Und in tiefem Erbarmen versprach ich meiner himmlischen Mutter, für sie täglich den Rosenkranz zu beten, für die Feinde der Kirche, dass ihre reinsten Mutter Tränen, ihr tiefstes Mutterleid und das kostbare Blut Jesu an ihnen nicht verloren geht. Dann habe ich mich bei der heiligen Kommunion meinem Herrn und Heiland ganz restlos, so ganz mit Leib und Seele hingegeben für die Bekehrung der Feinde seiner Kirche, die Ihn an Seinem mystischen Leibe kreuzigten. Die Liebe, mit Jesus noch ganz umgeben, hab ich ihm geschenkt und bat ihn, mir keine Tröstungen mehr zu geben. Er soll sie in seiner grenzenlosen Liebe denen geben, an denen sonst sein heiliges Blut verloren gehe.

Da vereinigte sich Gott mit mir dem Werkzeug seiner Liebe, in unaussprechlicher Liebe. Ein Magnificat, ein Jubel war es, das ich nie in Worte fassen kann. Eine Glut der Gottes Liebe erfüllt mein Herz, sodass ich glaube, es nicht in die Länge ertragen zu können. O Gott, mein Alles, ist es möglich, dass Deine unermessliche Liebe so weit geht und mich ganz einschliesst in Deine göttliche Liebe! O kann es im Himmel noch schöner sein!

Nun will ich ganz mit Leib und Seele für meinen lieben Gott und Heiland leben und alle meine Kräfte nur Gott zur Verfügung stellen für die Bekehrung der Feinde der heiligen Kirche und die Rettung meines Volkes.

Ich habe aber wieder Stickereiware und damit Nebenverdienst angenommen. Und jetzt erkenne ich, dass wenn ich diese Arbeit tun muss, es mir nicht möglich ist, neben den häuslichen Pflichten und dieser Arbeit noch zu schreiben. Und das Interesse, für das Reich Gottes zu sorgen, ginge verloren. Aber kaum habe ich zwei Tage die Zeit zu diesem Nebenverdienst verbracht, bekomme ich Magenschmerzen, die sich in einigen Tagen auf die ganze Bauchgegend verbreiten, dass es mir unmöglich wird, länger an Stickrahmen zu sitzen. Ich suche das und jenes Mittel gegen den Schmerz, auch finde ich keine Ursache davon. Nun kommt mir in den Sinn, dass es mir letzten Frühling auch ähnlich ergangen ist, sodass ich befürchtete, ich sei magenkrank. Dann war mir, als ich erkrankte, dass durch diese Mehrarbeit das geistige Leben darunter leide. Jesus sagte: „habe ich nicht gesagt, die Deinen sind meine Sorge.“ Ja Jesus will, dass ich meine Pflichten in meinem Stande erfülle aus Liebe zu ihm und meine Kräfte und meine Zeit ganz zum Heile, zur Rettung der armen Sünder verwende.

In Reue über meine Unkenntnis und Schwäche betete ich in meinem Heiligtum. Und als ich in Gebete des Kardinals von Ungarn, der mit anderen Glaubensbrüdern unschuldig verurteilt wurde, gedachte, gab Gott mir zu erkennen, dass jene vom Übergewicht, die das letzte Wort zur Verurteilung geben, vom Teufel beeinflusst werden. Und in Gottes Gegenwart Gebot ich mit Jesu Kraft ihm zu weichen und er ist von Ihnen gewichen am 11. Februar 1949. Es gereiche alles, was ich tue und lasse, Gott zur Ehre und den Seelen zum Heile!

Am Abend des 12. Februar hatte ich im ganzen Leibe Schmerzen und ich fürchtete, ich könne nicht einmal in die Sonntagsmesse gehen. Nachdem ich im Bette noch frierend den Rosenkranz gebetet für die Feinde der heiligen Kirche, konnte ich lange nicht einschlafen. Dann nach kurzem ruhigen Schlaf erwachte ich um 4:30 Uhr und dankte Gott, dass er mich gerufen, dass ich hingehen und Ihn im heiligen Sakramente empfangen könne. Frierend, obwohl es nicht sehr kalt war, machte ich mich auf den weiten Weg. Aber ich bin nicht weit gegangen, kamen die Schmerzen im Magen und im ganzen Leibe, dass ich Angst hatte, ich müsse zurück oder könne den Heimweg nicht mehr machen. Doch als ich mich tröstete, als ich die Kirche von weitem sah, Jesus werde mir helfen, er habe mich ja gerade zur rechten Zeit aus dem Schlaf gerufen, wurde es etwas besser.

Ich vergass mich und dachte nur an Jesus und bereitete mich auf die heilige Beicht vor. Noch bevor die heilige Kommunion ausgeteilt wurde, empfand ich eine so tiefe, wohltuende Wärme im Magen und nicht den geringsten Schmerz mehr. Es war, als hätte ich ein Heizkissen auf Herz und Magen und mir war ganz wohl. Das währte aber nur, bis ich wieder daheim war. Dann kamen die Beklemmungen wieder und während mehr oder weniger den ganzen Tag. O ich danke Jesus, dass er mir geholfen hat, dem heiligen Opfer beizuwohnen und ihn im heiligen Sakramente zu empfangen. Du, mein Gott und mein Alles, Du willst Dich ganz uns geben aus überströmenden Liebe. Du bist ganz mein und ich ganz Dein. Und all das Meinige ist Dein und das Deinige ist mein. Ich habe keinen Willen mehr, ich will nur, was Du willst. O gib mir keine Tröstungen mehr, sondern Deine Gnade soll mir genügen! In Dir darf ich ja leben und sein.

15. Februar. Als ich an diesem Morgen betete und dann mich ganz Gott übergeben zu Jesus sagte: „Mein Jesus, was willst Du, dass ich tun soll? Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Gib mir, dem Werkzeug Deiner Liebe, von Deiner Liebe!“, Da vernahm ich die Worte: „Faste und bete drei Tage!“ Als ich darüber nachdenkend auf den Gedanken kam, es könne Täuschung sein, vernahm ich: „Ich bins, der Dich führt und leitet.“ Gleich am Morgen habe ich trotzdem zeitweisen Magenschmerzen gefastet (nur ganz wenig zu mir genommen). Nachdem ich meine notwendigste Arbeit getan, betete ich in meiner Kammer für mein Volk und die Meinen, die Gott mir gegeben. Auch jene sind die Meinen, für die ich bete, die Gott auserwählt hat durch mich, dass sie den Rosenkranz beten für die Bekehrung der Sünder. Und wieder gab ich meinen Willen ganz dem lieben Gott und bat ihn, mir dafür seinen göttlichen Willen zu erkennen zu geben. Da vernahm ich: „durch Deine Hand will ich die Feinde schlagen und meine Auserwählten retten.“ Mein Gott, gib mir dem Werkzeug Deiner Liebe, Deine Liebe im Kreuze!

Es ist nicht zu glauben. Schon über einen Monat habe ich, so oft ich an den Stickrahmen sitze, den gleichen Schmerz im ganzen Leibe, bis ich aussetzen muss. Ich kann zweimal im Tag nach Appenzell gehen oder daheim alle Hausarbeiten verrichten und stricken. Ich fühle mich ganz gesund. Und sobald ich zum Stickrahmen sitze, um Geld zu verdienen, kommen die Schmerzen. Als ich zu Jesus betete, dass er mir helfen wolle, die Arbeit auszuführen, musste ich an die Worte denken, die Jesus damals, als er mich gerufen: „Wie einst Judith, opfere und bete für Dein Volk“, und ich mich wegen meinen Berufspflichten weigern wollte, zu mir sagte: „die Deinen sind meine Sorge.“ Ich glaubte zu erkennen, dass Jesus will, dass ich meine Freizeit nebst den Berufsarbeiten ganz für ihn und seine Seelen verwenden soll. Dann arbeitete ich wieder und konnte und wollte solches nicht glauben. Und doch, sobald ich einen Nachmittag strikte, musste ich wieder zwei Tage Schmerzen haben. Dann vergingen sie wieder. Und doch sollte ich sie fertig machen. Schon sind sechs Wochen vorbei und immer ist es das alte Lied. Wenn ich gestickt habe, kommen die Schmerzen überall und Bangigkeit, dass ich von der Arbeit musste. So auch heute am 30. März. Zwei Mittel von der Apotheke nützen gar nichts. Ich konnte heute, nachdem ich nur einen halben Tag gestickt hatte, kaum eine Stunde Hausarbeit verrichten. Dann musste ich ablegen. Doch die Arbeit am Stickrahmen sollte bald fertig sein. Dann in Gottes Gegenwart lebend sagte ich zu Jesus: „Hilf mir diese Arbeit fertig machen! Dann nehme ich keine mehr an und will alle freie Zeit Dir und Deinen Seelen zuwenden.“ Nun kann ich streng schaffen und sticken. Ich fühle mich so wohl, wie wenn ich gar nicht Schmerzen gehabt hätte.

 

Vatikan schreibt hl. Faustina in liturgischen Kalender ein

Faustina Kowalska, die Heilige des Göttlichen Barmherzigkeit

Papst Franziskus hat die polnische Heilige Faustina Kowalska in den weltweit gültigen liturgischen Kalender aufgenommen. Das gab der Vatikan an diesem Montag bekannt, dem 100. Geburtstag von Papst Johannes Paul II., der seine Landsfrau Schwester Faustina im Jahr 2000 heilig gesprochen hatte.

Das Gedenken an Schwester Faustina wird für den 5. Oktober in den römischen Generalkalender eingetragen, der den weltweit gültigen Rahmen des liturgischen Kalenders im römischen Ritus vorgibt. Franziskus habe den zahlreichen diesbezüglichen Petitionen von Priestern, Ordensleuten und Gruppen von Gläubigen stattgegeben, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Dekret der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, das die Unterschrift des Präfekten, Kardinal Robert Sarah, und des Sekretärs, Erzbischof Arthur Roche, trägt.

Den Bischofskonferenzen kommt es nun zu, die ebenfalls von der Kongregation vorgelegten liturgischen Texte zum Gedenken an die Heilige zu übersetzen, zu billigen und – nach einer Bestätigung durch die Kongregation – zu veröffentlichen.

Wieder häufiger

Die Aufnahme neuer Heiliger in den allgemeinen römischen Kalender kommt in den vergangenen Jahren wieder häufiger vor. Papst Franziskus ließ unter anderem die Päpste Johannes XXIII., Paul VI. und Johannes Paul II. sowie Maria Loreto und Maria Mutter der Kirche in den Generalkalender eintragen.

Am Sonntag der Barmherzigkeit hatte Franziskus in der römischen Kirche Santo Spirito in Sassia, die dem Gedenken der heiligen Faustina gilt, die Heilige Messe gefeiert. Dabei erinnerte er an die Einführung des kirchlichen Festes vor 20 Jahren durch Johannes Paul II.

Die Heilige Faustina wurde 1905 im Dorf Głogowiec in der Nähe von Łódź in Polen geboren und starb 1938, im Alter von 33 Jahren, in Krakau. Sie verbrachte ihr Leben großteils unter den Schwestern der Seligen Jungfrau Maria von der Barmherzigkeit, „indem sie großzügig der von Gott empfangenen Berufung nachkam und ein intensives geistliches Leben heranreifen ließ, das reich an mystischen Gaben” war, so das Dekret. Ihre mystischen Begegnungen hielt Schwester Faustina in einem geistlichen Tagebuch fest, in dem die göttliche Barmherzigkeit eine zentrale Stellung hat. Die polnische Schwester wurde, heißt es in dem Dekret, „zur Inspiration für eine Bewegung, die darauf abzielte, die göttliche Barmherzigkeit für die ganze Welt zu verkünden und zu erflehen”.

(vatican news – gs)

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Die Medaille und die Verehrung des heiligen Antlitzes Jesu Christi

Giuseppina De Micheli erhielt am 16. Mai 1914 mit dem geistlichen Kleid der »Töchter der Unbefleckt Empfangenen« den Namen: Schwester Maria Pierina.

In Liebe zu Jesus und den Seelen schenkte sie sich ihm bedingungslos, und er erwählte sie zum Gegenstand seines Wohlgefallens. Von Kindheit an im Geiste der Sühne — wuchs sie in den Jahren zum Ganzopfer.

Mit zwölf Jahren, am Karfreitag, hörte sie in der Pfarrkirche »San Pietro in Sala« zu Mailand mit deutlicher Stimme sagen: »Nie­mand gibt mir einen Liebeskuß ins Antlitz, um den Judaskuß zu sühnen!«

(Wie in unseren Landen, wird auch dort am Karfreitag ein am Boden liegendes Kruzifix geküßt, d. h. die Wundmale des Heilands.) Erst glaubte Giuseppina, daß diese Stimme von allen Anwesenden gehört wurde; doch war sie betrübt, als sie sah, daß man weiter die Wunden und nicht das Antlitz Jesu küßte. Als sie an die Reihe kam, folgte sie dem An­ruf des Herm.

Diese Begebenheit in ihrer Jugend war der Beginn noch größerer Gnadenerweise in ihrem Ordensleben. lm Noviziat wurde ihr die nächtliche Anbetung gestattet. In einer Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag, als sie vor dem Gekreuzigten betete, erhielt sie wiederum eine Aufforderung und ihr Herz fühlte das Leid des Heilands. Darauf faßte sie den Vorsatz, die Verunehrung seines heiligen Antlitzes und die des heiligsten Altarssakramentes wieder gutzumachen. lm Jahre 1919 wurde Schwester M. Pierina nach Buenos Aires in Südamerika geschickt. Als sie am 12. April 1920 eines ihrer Leiden Je­sus klagte, zeigte er sich ihr mit einem schmerzerfüllten, blutenden und zugleich lie­benden Ausdruck, indem er sprach: »Und ich, – was habe ich getan?« Schwester M. Pierina wußte um die Bedeutung dieser Ant­wort, und das heilige Antlitz wurde darauf ihre ständige Betrachtung.

1921 nach Mailand zurückgekehrt, würdigte sie der Herr besonderer Gnaden. Später wurde sie Oberin des Mailänder Klosters und dann der ganzen italienischen Provinz. Sie war ihren Töchtern nicht nur eine wahre Mutter, sondern auch ein Apostel des heili­gen Antlitzes für sie und alle, mit denen sie in Berührung kam. Frau Oberin M. Pierina verbarg ihre Auserwählung, doch die Schwe­stergemeinschaft wurde Zeuge mancher er­greifender Geschehnisse. Sie hatte Jesus ge­beten, verborgen bleiben zu dürfen; er er­füllte ihren Wunsch.

lm Verlauf der Jahre zeigte sich ihr Jesus, manchmal traurig, manchmal blutend — um Genugtuung flehend —, und dadurch wuchs in ihr immer mehr das Verlangen, zu leiden und sich hinzuopfern für ihn, für die Rettung der Seelen.

In der nächtlichen Anbetung am ersten Frei­tag der Fastenzeit 1936 ließ sie der Herr teil­nehmen an seinem seelischen Schmerz und der Todesangst in Gethsemani und sagte ihr mit blutendem Angesicht und tiefer Traurig­keit: »Ich möchte, daß Mein Antlitz, das die innersten Leiden meiner Seele, den Schmerz und die Liebe meines Herzens offenbart, mehr verehrt werde. Wer mich betrachtet, tröstet mich!«

Am folgenden Dienstag, nachdem er sie die Andacht zu seinem heiligen Antlitz gelehrt hatte, sprach er: »Es könnte sein, daß man­che Seelen fürchten, die Verehrung meines heiligen Antlitzes verringere die meines Herzens. Sage ihnen, daß sie im Gegenteil größer und vollkommener wird. Wenn die Seelen mein Antlitz schauen, nehmen sie Anteil an meinem Leiden und fühlen das Be­dürfnis zu lieben und wieder gutzumachen. Ist das nicht vielleicht die echte Verehrung meines Herzens?«

Diese Offenbarungen wurden immer ein­dringlicher. So erschien ihr auch die seligste Jungfrau im Mai 1938 auf einer Altarstufe in einem Lichtkreis, während Mutter M. Pierina sich im Gebet befand. Die Gottesmutter zeigte ihr ein Skapulier. Auf einer Seite war das Bild des heiligen Antlitzes Jesu mit der Inschrift: »Lasse, o Herr, dein Antlitz über uns leuchten!« Auf der anderen Seite sah sie eine Hostie im Strahlenkranz mit der Um­schrift: »Bleibe bei uns, o Herr!« Langsam näherte sich die Gottesmutter der Seherin und sprach: »Höre gut zu und teile es dem Beichtvater mit: Dieses Skapulier ist eine Schutzwaffe, ein Schild, ein Pfand der Erbar­mung, das Jesus der Welt in diesen sinnli­chen und haßerfüllten Zeiten gegen Gott und die Kirche geben will. Der echten Apostel sind es wenige. Alle diejenigen, welche sich mit einem Skapulier gleich diesem bekleiden und, wenn es ihnen möglich ist, am Dienstag dem hochheiligsten Sakrament einen Besuch machen — als Genugtuung für die Schmähungen, die das heilige Antlitz mei­nes Sohnes während seiner Passion erlitt und die es jeden Tag im Eucharistischen Sakrament erleidet —, werden, im Glauben ge­stärkt, bereit sein, ihn auch zu verteidigen und alle inneren und äußeren Schwierigkei­ten überwinden. Zudem werden sie einen ruhigen Tod unter dem liebevollen Blick meines göttlichen Sohnes haben.«

Den Wunsch der Gottesmutter bekräftigend, erschien ihr Jesus noch im selben Jahre und sagte: »Siehst du, wie ich leide? – Doch nur von wenigen werde ich verstanden. Wieviel Undankbarkeit erfahre ich von denjenigen, die vorgeben, mich zu lieben. Ich habe Mein Herz als ausdrucksvollsten Gegenstand meiner großen Liebe den Menschen gegeben und gebe nun Mein Antlitz als ausdrucksvollen Gegenstand meines Schmerzes über die Sün­den der Menschen. Ich will, daß es mit einem besonderen Fest, am Dienstag nach Quinqua­gesima (Fastnachtsdienstag) gefeiert werde und zwar mit vorausgehender Novene, in welcher die Gläubigen mir Genugtuung lei­sten, indem sie gemeinsam an meinen Schmerzen teilnehmen sollen!« lm Jahre 1939 sagte Jesus neuerdings eindringlich zu ihr: »Ich möchte, daß Mein heiliges Antlitz auf besondere Weise am Dienstag gefeiert werde!«

Nachdem Mutter M. Pierina vom Seelenfüh­rer und am 9. August 1940 auch von der Hochw. Kurie in Mailand die Erlaubnis zur öffentlichen Bekanntgabe erhielt, ging sie freudig ohne Mittel ans Werk.

Ihr Vertrauen wurde belohnt. Eines Morgens lagen auf ihrem Tischchen 11 200 Lire in einem Briefumschlag, genau der Betrag der Kosten. Die Mutter Gottes hatte vorgesorgt. Beunruhigt, daß sie anstatt des Skapuliers eine Medaille prägen ließ, wandte sie sich an die Gottesmutter. Am 7. April 1943 sagte dieselbe zu ihr: »Meine Tochter, sei beru­higt. Die Medaille ist ein gültiger Ersatz mit denselben Vergünstigungen und Gnaden, sie muß nur noch mehr verbreitet werden. Jetzt liegt mir das Fest des heiligen Antlitzes meines Sohnes am Herzen. Sage es dem Papst, daß mir viel daran liegt.« Sie segnete sie und verschwand.

M. Pierina ging am 26. Juli 1945, in Cento­nara d’Artò, Novara, in die ewige Heimat.

Auszug aus dem Buch: Sendbotin des heiligen Antlitzes – Schwester Maria Pierina de Micheli.

Heute findet die Medaille große Verbreitung. Au­ßergewöhnliche Gnadenerweise, wie Bekehrungen, Genesung von Kranken und andere Wohltaten wurden durch dieselbe erwirkt.

Mit dem Psalmisten beten wir: Herr, laß leuchten dein Antlitz über uns, rette uns durch dein Erbarmen. (Ps. 30, 17)

Imprimatur: Friburgi Helv., 8. V. 1968. Th. Perroud. vic. gen.


Gebet der hl. Theresia vom Kinde Jesu

zu Ehren des HI. Antlitzes.

O Jesus ! Du bist in Deinem grausamen Leiden der Leute Spott und der Mann der Schmerzen geworden. Siehe, ich verehre Dein göttliches Antlitz, auf dem einst die Schönheit und Milde der Gottheit erglänzten und das jetzt für mich das Angesicht eines Aussätzigen geworden ist. Unter diesen entstellten Zügen jedoch erkenne ich Deine unendliche Liebe und ich brenne vor Verlangen, Dich zu lieben und dazu beizutragen, daß Du von allen Mensehen geliebt werdest. Die Tränen, die Deinen Augen so überreichlich entströmen, erscheinen mir wie kostbare Perlen, die ich sammeln will, um mit ihrem unendlichen Werte die Seelen der armen Sünder zu erkaufen.

O Jesus! Dein Antlitz ist die einzige Schönheit, die mein Herz entzückt. Ich flehe zu Dir: Drücke Dein göttliches Bild in mein Herz ein und entflamme mich mit Deiner Liebe, damit sie mich schnell verzehre und ich bald dazu gelangen möge, Dein glorreiches Antlitz im Himmel zu schauen! Amen.

 

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (13)

Fortsetzung zu Folge 12

Dezember. Wunderbar sind Deine Wege, o Gott mein Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit! O Gott mein Gott, unermesslich ist Deine Liebe dem Geringsten zeigst Du Deine Macht und erweisest Schwachen Dein Erbarmen! In unendlicher Güte ziehst Du alle an Dich, die mühselig und in Bedrängnis sind. An Deinem hl. Herzen dürfen ruhen alle, die auf Dich vertrauen.

Tief traurig, weil ich auf das Glück verzichten musste, den ersten Roratemessen beizuwohnen, empfahl ich mich und alle, die sich in mein Gebet empfohlen hatten, und alle, für die ich opfern und beten soll nach dem Willen Gottes, in die heiligen Wunden Jesu. Ich lege mich wie jeden Morgen mit meinem Erlöser geistigerweise aufs Kreuz und mit ausgespannten Armen opfere ich mich Jesus auf für alle armen Sünder, dass Sein hl. Blut an ihnen nicht verloren geht. Meiner Sündhaftigkeit und Schwäche gedenkend bat ich Jesus, Er solle mir doch den Führer meiner Seele zu erkennen geben. Jesus aber sagte zu mir: „ich bins, der dich führt und leitet. Hab nur Vertrauen!“ Nun weiss ich: nicht nur mein Beichtvater, sondern jeder Priester steht als Engel von Gott gesandt zwischen Gott und den Seelen. Und an jeden Priester soll der Wunsch des göttlichen Heilandes ergehen: als tröstender Engel das heilige Sakrament der Busse zu spenden und die Seelen durch die Gottesmutter zu Jesus zu führen, indem er sie beten lehrt: „Maria, Zuflucht der Sünder, führe mich zu Jesus!“ Diejenigen Priester, die ihre Beichtkinder durch Maria zu Jesus führen und den Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder beten, werden ihre besondere Fürbitte erfahren. Sie wird ihnen bei Jesus große Gnaden erflehen zur Rettung der Seelen.

Am 2. Tag konnte ich in die Roratemessen gehen und vorher kam Jesus im hl. Sakramente zu mir unwürdigem Menschen. Ich verschenkte mich restlos und ganz nach Seinem hl. Willen Seinem heiligsten Erlösungsherzen als Werkzeug seiner Liebe. Denn ich weiß, Er hat in unfassbaren Liebe zu uns, Seinen Erlösten, mich, ein Nichts, das Geringste seiner Geschöpfe, auserwählt, um Zeugnis zu geben von Ihm, dem König und Herrscher über Himmel und Erde, den ärmsten Bedrängten und Leidenden Zeugnis zu geben von Seiner göttlichen Liebe, Seinem alles umfassenden Erbarmen; ihm, dem stolzen Menschen, der seine Knie vor seinem Gott und Herrn nicht mehr beugen will, zu zeigen, dass Gott alle erschaffenen Dinge über und unter der Erde gemacht hat, auf dass er durch sie verherrlicht werde.

Mit dem Priester, meinem Beichtvater, opferte ich das heiligste Opfer und das kostbaren Blut dem himmlischen Vater auf zu seiner Ehre und Verherrlichung, zum Danke für alle empfangenen Gnaden und Wohltaten, zur Sühne für meine und der ganzen Welt Sünden, für die Bekehrung aller Sünder, für alle meine Mitbrüder und Schwestern, die sich in mein Gebet empfohlen haben und für die ich zu beten schuldig bin, für alle, die heute aus diesem Leben scheiden müssen, für die armen Seelen im Fegefeuer und für die meinen, die ja die Seinen sind. Bei der hl. Kommunion des Priesters bat ich Jesus aus tiefster Seele, Er wolle diesen seinen Auserwählten ganz in Sein heiliges Herz einschließen, Er solle ihm den Heiligen Geist senden, dass er mich nach Seinem hl. Willen führe und leite und ihm alle Gnaden gebe, deren er bedarf, um seine anvertrauten Seelen zu Ihm zu führen. Nach diesem Beten war mir, Jesus komme zu mir. Ich fühlte mich ganz eins mit Jesus und dessen Stellvertreter. Und ich wusste, er hat auch für mich gebetet. Von jetzt an werde ich ihm als dem, der steht zwischen mir und Jesus, mein ganzes Vertrauen schenken.

Betet für mich um die Gnade und wahre Demut, eins zu sein und zu bleiben mit Gottes hl. Willen!

Wer wird mich erretten aus all der Bedrängnis, aus all dem Zweifeln mich befreien, an wen soll ich mich wenden? Denn der, von dem Jesus sagte, er steht zwischen mir und Dir, ist weg von mir und schweigt. Und der, den ich erwählt habe, sagt, er kenne meinen Seelenzustand nicht.

Wie oft und innig habe ich in letzter Zeit gebetet, dass Gott mir einen Führer gebe, der mich nach Gottes Willen führt und leitet. Wenn ich zu meiner himmlischen Mutter flehe, die mich ja zu ihnen geführt hat, ist mir nur, als lächle sie mir zu. Dann kam die Angst, ich könnte mich in allem, was ich meinte, erfahren zu haben, getäuscht haben.

Fast jeden Morgen habe ich das Glück, in die Rorate zu gehen, mich mit meinem Herrn und Heiland zu vereinigen. Das war ein sich-ganz-Verschenken an den, der sich zuvor für mich dahingegeben hat, ein Ausruhen an Seinem hl. Herzen. Und ich dummes Ding meinte, es solle so bleiben. Aber mitten in meiner vielen lieben Arbeit musste ich immer wieder an das Unfassbare denken. Ja, wenn ich des Morgens in der Frühe zur Kirche ging und über mir der nächtliche Himmel mit der Sternenpracht sich wölbte, da musste ich denken: Nein, es ist doch nicht möglich, dass der Herr über Himmel und Erde mich, ein armseliges Weib, erwählt als Sein Werkzeug für die Bekehrung der Sünder und gar auf mein Wort hin in die Ordnung der Welt eingreift. Nein es kann nicht sein! Du täuschest Dich, wie kein Mensch je sich getäuscht hat.

Dann opferte ich im hl. Messopfer mich ganz ohne Vorbehalt durch meine himmlische Mutter dem himmlischen Vater auf, vereinigt mit dem hl. Opfer am Kreuze. Und wieder bat ich um einen Führer, um Erleuchtung und Hilfe. Dann als ich drei Tage nacheinander nicht mehr gehen konnte, erinnerte ich mich im Verlangen nach Jesus, dass Er damals, als ich auf Seine Worte: „wie einst Judith, so opfere und bete du für dein Volk“ sagte: „Mein Beten hat doch keinen Erfolg“, hat Jesus gesagt: „Dann komme in meine hl. Wunden“. Ich übergab mich ganz in Seine hl. Wunden und alle, die sich in mein Gebet empfohlen haben. Da hörte ich in meinem Herzen die Worte: „Ich bins, der Dich führt und leitet. Hab nur Vertrauen!“ Ich erkannte erst jetzt meine Sünde, meinen Undank gegen Gott. Wie hätte eine andere Seele in allem auf Gott vertraut, wenn sie erfahren hätte Seine unendliche Liebe wie ich! O ich bereute mein undankbares sündiges Leben.

Die Frau, welche vor Jahren das Schreien der anderen Kinder hörte und das Rauschen der Wasser vernahm, wollte mich sprechen. Und sie sagte, seit der Mütterpredigt im Oktober, als unser HH. Pfarrer sagte, der Rosenkranz müsse wieder Familiengebet werden, fühle sie, dass es wahr sei, dass die Gottesmutter gekommen ist und will, dass der Rosenkranz gebetet werden muss für die Bekehrung der Sünder. Sie sagt, es sei ihr, als höre sie noch das Rauschen vieler Wasser und das plötzliche Stillstehen. In einer hl. Begeisterung sagte sie mir da in der Stube, vor dem Herz-Maria-Bild bete sie seit jenem Sonntag kniend täglich den Rosenkranz. Auf den Knien müsse man wieder beten. Sie sagte, mein Gebet habe mehr Kraft als das Beten anderer Menschen, und empfahl mir eine Frau, die schon bald ein Jahr in Schmerzen liegt und ganz abgezehrt ist, und hat Hoffnung, durch mein Beten werde sie wieder gesund. Bald empfahl sie mir wieder eine Mutter, die leidet um einen glaubenslosen Gatten uns zwei solcher Söhne, und der dritte habe sich kürzlich das Leben genommen. Da wusste ich, warum Jesus sagte: „Deine Stunde ist gekommen. Gib Zeugnis von mir!“ Ich besuchte jene kranke Frau und sagte, sie soll ihr Leiden Gott aufopfern für die Bekehrung der Sünder. Und ich betete den Rosenkranz für Sie und opferte meine tägliche Arbeit und jeden Morgen die hl. Messe für Sie Gott auf und bat Jesus immer wieder, Er soll sie doch gesund machen, dass sie Zeugnis von Seiner Güte gebe. Die andern erwarteten Besserung, aber sie kommt nicht.

Letzten Sonntag griff ich zu Fede und Papier und wollte dieser Frau schreiben, dass ich für sie gebetet und alles getan habe, was in meinen Kräften liegt. Da sagte so deutlich eine Stimme in mir: „Du hast noch nicht alles getan, was Du hättest tun können.“ Da wusste ich, dass Jesus verlangt, dass ich des Nachts den Schlaf opfern und beten soll für jene, die sich in mein Gebet empfehlen. Ich meinte, dem hl. Messopfer beiwohnen und die hl. Kommunion empfangen sei weit und unendlich mehr wert als mein nächtliches Gebet. Aber 1 Stunde weitgehend in der Morgenfrühe ist mir kein Opfer, ist Freude, weil ich zu Jesus gehen kann. In der kalten Kammer vom süßen Schlaf aufstehen und für andere beten, ist mir oft so schwer. Aber jetzt erkenne ich: Gott will Opfer.

Wie zur Bestätigung, dass Jesus das von mir will, vernahm ich gestern, dass jene Elisabeth, die neben mir im Bette lag, als ich vor drei Jahren im Krankenhaus war, und von der sie sagten, sie sei vom Balgrist in Zürich als unheilbar hierher geschickt worden und beständig im Gibsbettt liegen musste, sei jetzt gesund und arbeite im Geschäft in hier.

Einer Eingebung folgend hab ich für sie nächtelang den Rosenkranz gebetet, dass Gott sie gesund mache. Und am neunten Tag hat mir geträumt, sie sei gesund zu mir gekommen. Damals wagte ich nicht, daran zu glauben. Nun ist es in Erfüllung gegangen.

Jetzt weiß ich: Gott hat in Seiner unendlichen Liebe das Schwächste erwählt, um Ihn zu verherrlichen. Erschauernd, bebend vor der unendlichen Größe, Allmacht und Liebe Gottes muss sich bekennen: Er hat mich auserwählt zum Werkzeug Seiner Liebe.

Bei meiner Erinnerung an die erste Erscheinung der Gottesmutter und beim plötzlichen aufhören des Wasserrauschens sagte der Herr in meinem Herzen: „Das ist nicht das Wasserrauschen, es ist der Einfluss des Bösen. Das Wasser ist nur Sinnbild.“

Nun soll ich des Nachts aufstehen, jetzt, wo ich so viel Schlaf habe, weil ich tagelang um 1/2 5 Uhr aufgestanden bin und in die Rorate messen gegangen. Den ganzen Tag hat man jetzt so viel liebe Arbeit, die Vorbereitungen für Weihnachten, dass man am Abend nicht früh sich reden kann.

Wieder dachte ich: Jesus verlangt viel von mir, vielleicht hast Du Dich doch getäuscht. Und nein, und abermals Nein, ich hab ja Beweise an der Elisabeth. Aber noch warten, bis Weihnachten vorüber ist. Jesus sagt: „Und die Kranke in den Schmerzen liegen lassen? Dieses Opfer, dass ich von Dir will, ist der Gratsmesser Deiner Liebe zu mir und den Seelen.“

Soll ich jubeln über Gottes unendliche Liebe und Barmherzigkeit, oder Weinen über mein Nichts und meine Schwäche?

 

(Fortsetzung folgt!)

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (12)

 

Fortsetzung zu Folge 11

27. Mai. Fronleichnam. Am Vorabend Gewitter und Regen, sodass niemand erwarten durfte, dass die Prozession im Freien gehalten werden könne. Aber ich vertraute auf die Hilfe und Macht dessen, der gesagt: „Bin nicht ich es, der Wasser und Flüssen die Wege weist.“ Ich betete: „O mein liebster Jesus, wenn’s Dir zur Ehre und Verherrlichung gereicht, gebiete Du den Wolken zu fliehen und dem Regen aufzuhören, dass Du im Triumphe von allen geehrt und verherrlicht werdest. Erbarme Dich unser, o Gott, nach Deiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit und schaue nicht auf unsere Sünden, sondern komme Deinen Dienern zu Hilfe und erhöre uns! Komme und segne all Deine Erlösten, ihre Wohnungen, dass sie Stätten des Friedens werden, all die Fluren und Felder, dass sie weiter Dich verherrlichen in ihrer Pracht! Dir soll huldigen jedes Geschöpf und alles was grünt und blüht!“

„Mein liebster Heiland Jesus Christus, ich bitte Dich, komme heraus aus der Enge des Tabernakels und gib mir die Gnade, Dich mit Liebe und Andacht begleiten zu dürfen durch all Dein Eigentum! Segne alle, die mit Dir gehen, und alle die gleichgültig am Wege stehen! Rüttle diese auf vom Schlaf der Gleichgültigkeit und Weichlichkeit und gib ihnen den wahren Glauben, die feste Hoffnung und die brennende Liebe zu Dir!

Ich durfte Ihn begleiten, meinen Herrn und Gott, verborgen im heiligsten Sakramente. O welch unergründliche Gottesliebe ist es, die Jesus bewogen, ja gedrängt hat, sich so zu erniedrigen, dass Er verborgen in der hl. Hostie als Herr des Himmels und der Erde Seinen Auserwählten, Seinen Geschöpfen sich ganz überlässt, um immer unter uns zu sein! Niemand kann diese Liebe ermessen. Aber wer kann einer solchen Liebe noch gleichgültig gegenüberstehen? O es sind derer so viele, die während der Prozession so unandächtig und zerstreut sich benehmen, so viele, die überhaupt gar nicht an diese grenzenlose Liebe denken! Mein liebster Jesus, erbarme Dich ihrer, sie wissen nicht, was sie tun! O heiligstes Herz Jesu, Du leidende Liebe im heiligsten Sakramente, ich bete Dich an, o könnte ich Dich anbeten überall, wo Du verlassen bist, besonders von Deinen Freunden!

1. Juli. Fest des Kostbaren Blutes Jesu Christi. Und morgen ist Herz-Jesu-Freitag. Mein Gott, heute vor sieben Jahren hast Du selber mein Herz zutiefst erschüttert. Gleichgültig und müde vom Beten und in der Angst, es sei alles vorher Erlebte nur Täuschung, blieb ich daheim, anstatt am Herz-Jesu-Fest zu den hl. Sakramenten zu gehen. Aber ich dachte doch: könnte ich leben wie andere! Was soll das alles, das Erlebte, bedeuten, wenn es nicht Täuschung ist? Da stand so plötzlich Jesus vor mir, ganz natürlich und lebensgroß. Mit der rechten Hand zeigte Er auf Sein aufgerissenes Herz und bei jedem Herzschlag sah ich deutlich Sein hl. Blut in vielen Tropfen aus der offenen Wunde spritzen. Seine Augen hat Er in unsäglichem Weh und doch in so unendliche Liebe auf mich gerichtet. Und Er sagt: „Meine Wunden sind neu. An so vielen Seelen geht mein kostbares Blut verloren.“ O Er meinte, an so vielen Seelen, als Tropfen aus Seinem hl. Herzen fließen, geht es verloren.

Juli. Nun soll ich mich mit einem HH. Visitator vom hochw. Gnädigen Herrn Bischof aussprechen. Wie lange noch muss ich warten, bis ich einstehen darf für Jesus? Mein Herr und Heiland, ich übergebe mich immer Dir und Du bist stets bei mir. Was soll ich fürchten, wenn mein Gott bei mir ist?

Wenn ich mein Leben an meiner Seele lasse vorüberziehen, muss sich immer wieder denken: warum habe ich so Geheimnisvolles erfahren müssen, während andere ganz in der Welt versunken dahinleben? Warum verlangt Gott von mir mehr als von meinen Mitmenschen? Und nun verlangt die Kirche, dass ich tiefste Geheimnisse aussprechen soll. Noch weiss ich nicht wie ich alles in Worten sagen soll. Doch ich bete ja täglich: „Zu Dir, lieber himmlischer Vater, erhebe ich Herz und Hände und bitte Dich sende mir doch den Geist, dass Er Wohnung in mir nehme, dass Er in mir bleibe und aus mir mache, was Du, himmlischer Vater, aus mir haben willst! So komm denn, Hl. Geist, nimm Wohnung in meinem Herzen, erleuchte mich, dass ich Gottes Willen allzeit recht erkenne! Stärke und führe und leite mich, dass ich nur in Gott und für Gott und zum Heile der armen Sünder arbeite und leide! Und bete Du selbst in mir mit unaussprechlichen Seufzern, dass Gott Sein Werkzeug allzeit erhöre! Komm zu mir mit Deinen sieben Gaben und heilige mich, so wie Du mich haben willst!“

August. Nun ist mir erlaubt, den Bedrängten zu helfen und den Rosenkranz zu verbreiten. Aber, mein Gott, wer wird einer armen Sünderin solches glauben, dass die geheimen Wasser, durch die der Satan so viel Unheil und Sünde anrichtet, auf mein nächtliches Beten und das Rosenkranzgebet für die Bekehrung der Sünder, fliehen oder stillstehen? Die himmlische Gottesmutter erbarmt sich unser, ihrer Kinder, die Jesus sterbend am Kreuze ihr anvertraut hat. Sie will uns zu Jesus führen, will uns zu jenem Frieden verhelfen, den die Welt nicht geben kann. Den Menschen fehlt der echte Glaube an Gott. Sie glauben an die Fortschritte und Errungenschaften der Menschen, an die Technik, die den Menschen zum Wohle, aber auch zum Verderben gereichen kann. Sie glauben an den Menschen, als habe er die Macht, zu retten oder zu verderben. Den Glauben an den himmlischen Vater, der alles lenkt und leitet und in Seiner unaussprechlichen Liebe alles uns zum Besten lenken will, denken sie nicht mehr. Gott hat uns zuerst die Gottesmutter und dann den Erlöser gesandt. Und Er will, dass wir durch die Mutter, die unsere Mutter geworden ist, den Weg zu Gott zurückfinden. Dazu bietet sie uns den Rosenkranz, der uns die Geheimnisse des Glaubens und der Erlösung vor Augen führt. Kein Gebet ist geeigneter, den Glauben zu erneuern und das Leben und Leiden unseres Erlösers zu betrachten, als die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes. Am Rosenkranzgebet erkennt man den wahren Christen.

14. August. Heute an meinem Geburtstage habe ich allen Grund, dem lieben Gott zu danken für alles Gute, das Er, seit Er mich erschaffen, mir erwiesen hat. Meine Seele jubelt: „Wunderbar sind Deine Wege, o Gott, mein Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit!“ Gott hat mich ins Dasein gerufen, um Sein Werkzeug zu sein im Walten Seiner göttlichen Vorsehung. Und ich verlange gar nichts als Seine Gnade, Seinen Willen zu erkennen, und Seine Liebe, die mich drängt, Seinen heiligen Willen allzeit zu erfüllen. Ich habe das Kreuz meines Erlösers umfangen und betete vor Ihm kniend für die Rettung meines Volkes aus dem Sumpf der Sünde zum wahren Glauben und Leben in Gott. Als ich betete: „Lieber Heiland und Erlöser, erbarme Dich Deiner Erlösten, die aus Sünde und Not den Weg zu Dir nicht mehr finden! In unendlicher Liebe zu uns hast Du sterbend Deine reinste Mutter uns zur Mutter gegeben, damit wir durch sie den Weg zu Deinem heiligsten Erlöserherzen finden. Ihr hast Du mein Gott, die Macht gegeben, dem Satan das Haupt zu zertreten. O sage Du Deiner gebenedeiten Mutter, dass sie auch heute wieder einstehen für Dich, die Seelen zu Dir führe und ihm das Haupt zertrete, dass er nicht länger die hl. Kirche schlage und peinige!“. „Das kannst auch du durch den Exorzismus“, so hörte ich mitten im Beten. Mein Jesus will, dass ich den Exorzismus bete für mein armes Volk, dass der böse Feind aus der hl. Kirche und den erlösten Seelen fliehen möge. Ich dachte über das Vernommene nach und erinnerte mich, dass ich, als mein liebes Kind in der Nacht immer im Schlaf aufschrie, dass ich nicht schlafen und nicht beten konnte, den großen Exorzismus betete, den ich vor Jahren von einem Priester erhielt; und das Kind war von da an ruhig. Mir aber träumte in jener Nacht: ich sah hinter und über mir einen blutroten großen Drachen. Er hielt mich mit seinen fordern Krallen umfangen und hat mich hin und her geschüttelt. Ich fühlte den Schmerz der Krallen im Fleisch und schrie laut auf. Er konnte nicht recht reden, er zischte nur: „Du brauchst mir nicht ins Handwerk zu pfuschen.“ Mein Gatte erschrak auch ob meinem Schrei und ich sagte es ihm. Ich glaube, ich sagte nur „Jesus, Maria“, und er war fort. Dann aber überkam mich eine so große Freude und Sicherheit wie noch nie; denn ich wusste, dass dieses alles Erleben von Gott ist, wenn es dem Teufel zuwider ist. All meine Zweifel, es sei alles Täuschung, ich sei nicht bei Sinnen, alles war einer frohen Zuversicht gewichen. Nun wusste ich, dass Gott etwas besonderes von mir will, dass Er mir da eine große Aufgabe gegeben hat. Seither fürchte ich den Teufel nicht mehr. Denn ich weiß, er kann mir nur antun, was Gott zulässt. Maria will die Seelen zu Jesus führen und Jesus will uns die Gnade der Bekehrung schenken durch Maria. Die heiligsten Herzen Jesu und Maria sind eins in der Liebe zu uns.

So will Jesus in Seiner alles übersteigenden Erlöserliebe seine Erlösten durch seine Mutter, durch die Er zu uns gekommen, wieder durch seine Mutter an sich ziehen und sein Volk retten aus Sünde und Tod.

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir! Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, das mich fördert zu Dir! Mein Herr und mein Gott, nimm ich mir und gib mich ganz zu eigen Dir!

Heute vernahm ich das Evangelium, wo Jesus der weinenden Witwe ihren toten Sohn zum Leben erweckte und ihr zurückgab. Zuversicht auf die Liebe Gottes muss einem erfüllen. Aber ich bin In tiefer Bedrängnis und zutiefst im Herzen ist mir bange. Was will denn Jesus von einem so armseligen Menschen, wie ich bin? Warum hast Du, mein Gott, mir, Deiner armseligen geringsten Magd, so Großes anvertraut? Ich bin zu schwach, ich soll zu demjenigen gehen, von dem Du, mein Gott gesagt: „Er steht zwischen mir und Dir“, mit der tiefsten Angst im Herzen? Er wird mir nicht glauben. Doch ich weiß, wenn der Priester Dein Rettungsmittel gebraucht und die Seelen so zur heiligen Mutter führt, wird mein Opfern und Beten fruchtbringend sein. Doch ich finde den Mut nicht, solches dem Beichtvater zu sagen. Und solange ich es nicht sage, werde ich sicher diese Bedrängnis nicht los.

Ich suche Hilfe bei meinem lieben Herrn und Meister. Ganz inständig bete ich aus tiefstem Herzen zu Jesus. Er ist ja durch den Empfang der heiligen Kommunion bei mir und wird mich erhören. Er sieht meinen Willen, Ihm zu folgen, meine ach so große Schwäche, die mir immer wieder Furcht eingibt, der Beichtvater zweifle an mir und glaube nicht an das so Große und Wichtige; das ich ihm sagen muss. Er wird für mich einstehen.

Doch nichts geschieht. In Angst und Bangen gehe ich heim und denke: ich will dies alles ertragen aus Liebe zu Jesus, der noch Schrecklicheres für mich ertragen hat. Ich will leiden, wie Jesus es will und solange Er will, und sie ihm aufopfern für jene, an denen Sein heiligstes Leiden verloren geht.

Herz-Jesu-Freitag. O ewige unermessliche Gottesliebe! In Dir vereinigt, glückselig in Dir, mein Gott, ganz ein Herz und ein Wille mit Dir! Es ist der Himmel auf Erden. Ich darf ruhen am Herzen Gottes, meines Jesus. Mich ganz hingeben, in Ihm Leben ist höchste Wonne, heiliges Geschehen. Gott will, dass ich mich ganz dem anvertraue, der mich gerufen. Opfern und beten für jene, an denen Sein hl. Blut sonst verloren geht.

Gott, mein Alles! Will das aufrichtig sagen. So muss ich mich geistigerweise von allem trennen, was mir lieb und teuer ist. O ich sehe das Walten der göttlichen Vorsehung, wie Er für die Meinen sorgt, die ja die Seinen sind.

Ich bin nicht fähig, das zu beschreiben, was mich zutiefst in der Seele erschüttert.

1. Oktober. Gott der Herr über Himmel und Erde, der Gebieter über Wasser und Meere, nimmt mich als Sein Werkzeug an. Er hört auf mein Rufen und gibt mir zu erkennen, welche Menschen durch unterirdisches Wasser unter dem Einfluss Satans zu leiden haben. Diese sind von Seiner heiligen Mutter auserwählt, zu beten für jene die nicht mehr beten, an denen Sein heiliges Blut sonst verloren geht. Gott wird ihnen auf die Fürbitte Marias den Frieden geben und sie von der Drangsal befreien. Du, mein Gott, bist allein meine Liebe, mein Glück und Alles!

Wohin soll ich mich wenden und wem meine Seele übergeben? Wenn ich zurückdenke an alle meine seelischen Nöte, Bedrängnisse und Schwierigkeiten, all die geistigen Freuden und die Erfahrungen, die ich unter der Führung jenes Beichtvaters erfahren habe, den die himmlische Mutter mir gegeben und von dem Jesus gesagt hat: „Er steht zwischen mir und dir“, kann ich die Sehnsucht nicht zurückdrängen, diesem Priester mich ganz zu überlassen. Auf ihn allein kann ich vertrauen, denn er hat mich geführt wie ein Engel zu Gott.

Oktober. Mein Verlangen ist, Gott über alles zu lieben. Ich kann aber nicht lieben ohne das Verlangen, allen Seelen seine Liebe und sein Erbarmen mitzuteilen. Und ich möchte mich  ganz veräußern und aufopfern, dass sie gerettet werden. O mein Herr und Gott, Du kennst mein Verlangen. Ich darf eins sein mit Dir in Deinem Willen, Deiner Liebe zu uns Menschen.

November. Warum hat Gott wieder einmal dem geringsten und sündhaftesten aller Seiner Geschöpfe so unendlich viel Liebe und Gnade erwiesen? O ich Elende falle immer wieder in Lauheit und Gleichgültigkeit dieser unendlichen Gottesliebe gegenüber. Ach so oft und lange vergesse ich Seine heilige Gegenwart in mir. Und diese unermessliche Liebe hat schon so lange zu mir gesagt: „Ich habe Dich gerufen, ich bin ja bei dir.“ O ich muss denken, andere Menschen würden bei solcher Heimsuchung Jesu entbrennen in Liebe zu Ihm, und ich Ärmste bin ach so lau und kalt und träge im Opferbringen aus Liebe zu Jesus und seinen erlösten Seelen. Wann werde ich endlich anfangen, Gott, die unendliche Liebe, recht zu lieben? Alles an mir und in mir ist Schwachheit und Sünde.

Als ich in der heutigen frühen Morgenstunde mit ausgespannten Armen Jesu hl. Wunden betrachtete und mich und alle, die sich in mein Gebet empfohlen hatten, und alle, für die ich zu beten Gott schuldig bin, mein ganzes Volk, Sein Volk, für das Er Sein Leben hingegeben hat, da war mir, als sehe ich, wie Jesus sich dem himmlischen Vater aufopfert, so oft ein Priester im hl. Opfer den hl. Leib und das Blut Jesu Gott zum Opfer bringt.

Jesus blickt in unendlicher Liebe zu Seinem Vater auf, zeigt Ihm Seine, wie am Kreuz, ausgespannten Armen und Seine hl. Wunden, besonders Sein hl. Blutendes Herz und sagt: „Vater, in Deiner unendlichen Liebe habe ich mich für sie hingegeben, für jene, die Du mir gegeben hast. Schau, Vater, auf meine Wunden! Es fliesst durch Deine unendliche Liebe mein Blut. Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!“ Und der Hl. Geist, die im Vater und Sohne vereinigte unermessliche Liebe, giesst durch die Wunden Jesu Ströme der Gnaden wieder heraus, Ströme Seines hl. Blutes am Kreuze überall jene, die diesem hl. Opfer beiwohnen in Andacht und die sich in das heilige Messopfer einschliessen und eingeschlossen werden.

„Deine Stunde ist gekommen, gib Zeugnis von mir!“ Diese Worte, die Jesus während dem Hauptgottesdienst nach der hl. Wandlung am Mauritiustage zu mir gesagt, als ich mich so ganz unwürdig fühlte, Seine Liebe und Seine göttliche Allmacht zu erfahren, lassen mir keine rechte Ruhe.

O ich weiss, ich soll Jesus bekennen vor den Menschen, soll Zeugnis von Ihm geben, dass Er es ist, der herrscht über Himmel und Erde, über Wasser und Meere; dass Er es ist, der in unendlicher Liebe für uns Sein hl. Blut vergossen und sterbend für uns Seine göttliche Mutter uns als Mutter gegeben, dass sie, die fürbittende Allmacht, bei Ihm alles vermag und in ihrer alles übersteigenden Mutterliebe uns zu Hilfe kommt, dass wir aus dem Sumpfe der Sünde gerettet werden, dass sie uns durch das Rosenkranzgebet zu Jesus führen will, damit Sein hl. Blut an keiner Seele verloren gehe. Dazu hat Jesus mich, Sein schwaches sündiges Weib, auserwählt. Ich kann es nicht verstehen. Ich bin ein Nichts und Sünde, zu schwach und zu unbeständig. Wenn das Erfahrene doch nichts anderes wäre als Täuschung, das Auffinden der Wasser Magnetismus mit Gedankenübertragung?

Noch einmal versuche ich, meine Gedanken an den Ort gerichtet wo ich weiss, dass Wasser hier ist. Aber bloß auf meine Gedanken gerichtet, steht der Rosenkranz still, reagiert auch kein Magnet. Wenn ich in Jesu Gegenwart zu Ihm sage: „Wenn Dir zur Ehre und Verherrlichung gereicht, gib mir zu erkennen, ob dieser Person geheime Wasser schaden an Leib oder Seele“, sofort reagiert der Rosenkranz und zeigt mir die Gattung der Wasser. Mein Gott, warum muss ich das erfahren? Und ich habe es so viel schon erfahren. Ich weiss so viele, denen der böse Feind schadet und durch die geheimen Wasser. Denn alles Gute kommt von Gott und alles Bösen letzte Ursache ist der Feind Gottes, der Teufel. Und das Böse, Unglück und Leid kommt durch die Sünde vom Teufel mit der Zulassung Gottes, er in seiner unfassbaren Liebe alles wieder zu unserem Besten lenken will. Und zuletzt ist alles Geschaffene, auch die geheimen Wasser unter der Erde, von Gott erschaffen, um Ihn zu verherrlichen.

Nun kommt das Schwerste, das Unfassbare. Wird der Herr über Himmel und Erde, der unendliche ewige Gott, auf die Worte einer einzigen Sünderin hören und in seine erschaffene Ordnung eingreifen? Ich kann es nicht verstehen. Je tiefer ich eindringe in dieses Geschehen, desto größer erscheint es mir. O müsste ich doch nichts solches erfahren! Wie glücklich sind jene, die nur dem Seelenführer gehorchen müssen, um zur Vollkommenheit zu gelangen!

In dieser Situation wollte ich mich an den Priester wenden, der die Liebe zu seinem göttlichen Meister mir gezeigt hat, als er den weiten Weg nicht scheute und mir, krank an Leib und Seele, so oft das Brot des Lebens gereicht, der mich wie ein Engel vom Himmel immer wieder den rechten Weg zu Gott geführt und von dem Jesus gesagt hat, als ich so innig ihn um einen Führer bat: „Er steht zwischen mir und Dir.“ Von ihm habe ich Rat und Beistand erwartet.

Mitten in dieses Gedenken hinein sagte unsere kleine Maria letzten Samstag: „Mutter ich will zur Muttergottes gehen, zur Kapelle.“ Ich sagte: „Ich habe jetzt keine Zeit, wir gehen dann morgen.“ Nach einer Weile sagte sie in tiefem Ernst: „Muttergottes wird weinen, wenn Mammi nicht mehr zu ihr geht.“

Diese Worte meines Lieblings waren mir wie ein Vorwurf, eine Mahnung. Und ich nahm sie mit und ging die Kirchenwäsche holen um sie der Verwaltung zu übergeben. Ganz aus tiefsten Herzen flehte ich die Schmerzensmutter um Hilfe und Fürbitte an: „O heilige Mutter, um Deiner reinsten Muttertränen, Deiner tiefsten Mutterleiden willen bitte Du für mich bei Jesus! Er soll mir zu erkennen geben, wann Dein tiefstes Mutterleid und das kostbare Blut Jesu an den Seelen verloren gehen. Sage mir, wie soll ich denn Zeugnis von Ihm geben! Übergib Du mich in Seine hl. Wunden!“

Nachher öffnete ich den Kasten, um die Albe herauszunehmen. Und ein so starker feuchter Geruch kam mir entgegen, dass ich dachte: Hier hat’s Wasser. Zudem hat der HH. Kaplan, der im Sommer die hl. Messe gelesen, gesehen, wie der Altartisch so nass war, dass das Wasser herunterrann. In Jesu Gegenwart fand ich links eine Kreuzung und rechts beim Kasten eine Quelle.

Ein elendes Nichts steht vor Gott dem Allmächtigen und sagt: „Jesus, Du hast gesagt, durch Deine hl. Wunden könne ich alles erlangen. Wenn’s Dir zur Ehre und Verherrlichung gereicht, gebiete Du den Wassern, zu weichen von dieser Stelle und nicht länger im Heiligtum der heiligen Mutter zu schaden! Jesus, gib mir Zeugnis von Dir und ich will mich ganz Dir schenken und Zeugnis von Dir geben!“

Dann ging ich wieder an die Arbeit und nachdem ich den Boden gereinigt hatte, nahm ich einer Anregung folgend den Rosenkranz, zeigte auf die Stellen, wo es Wasser angezeigt hat, und bat Jesus: „Sage mir, schadet hier das Wasser noch?“ Aber es reagierte nichts mehr. Zutiefst erschrocken kniete ich vor dem Gnadenbild nieder und betete: „Mein Herr und mein Gott, ich schenke mich Dir. Nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir! Gib alles mir, was mich fördert zu Dir! Nimm ich mir und gib mich ganz zueigen Dir! O Jesus, mein Alles, mach mich zum Werkzeug Deiner Liebe ganz nach Deinem hl. WiIlen!“ Aber ich stehe vor einer ach so großen Aufgabe. Doch was soll ich so furchtsam sein? Jesus ist ja bei mir und Seine Gnade genügt mir. Er macht alles gut.

(Fortsetzung folgt!)

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (11)

Altar in der Sonnenhalb-Kapelle „Sieben Schmerzen Mariens“ (Nahaufnahme POS)

Fortsetzung zu Folge 10

Bald wird in unserer Kapelle wieder das hl. Messopfer gefeiert und ich muss wieder in der Morgenfrühe und am Abend der Umgebung den Englischen Gruß verkünden mit dem hellen Glöcklein.

Nun wird es mir doch zu viel, wenn ich am Morgen so früh aufstehen muss, noch in der Nacht den Schlaf brechen. Ich nehme mir vor, nicht mehr aufzustehen, sondern am Morgen auf dem Weg zur Kapelle zu beten für mein Volk. Da am Donnerstagmorgen, als ich drei Nächte durchgeschlafen, sah ich ganz nahe bei mir Jesus am Kreuze hangen. Mein Gott, lass nicht zu, dass mein Volk Dich kreuzige! Jesus verlangt viel von mir! Doch ich will mich ganz Ihm schenken. Er soll mit mir grad machen, wie Er will! Wenn nur mein Volk nicht verloren geht und Sein hl. Blut an keiner Seele würde verloren gehen!

Wieder ganz eins mit Ihm, ganz ein Wille und ein Herz, sagte Jesus in der hl. Kommunion in meinem Herzen die Worte, die ich nie mehr vergesse: „Wenn ihr wüsstet, wie sehr ich euch liebe!“ Den ganzen Tag, ja tagelang, hörte ich diese Worte und fühlte in meinem Innersten tiefste Gegenliebe. Gottes Gebote halten ist mir nicht genug. Jeden Wunsch dieses heiligsten aus Liebe verwundeten Herzens möchte und will ich erfüllen, Seinem leisesten Winke folgen. Zum ersten Mal hat Jesus nicht mich allein angesprochen, sondern Er sagte: „wenn ihr wüsstet, wie sehr ich euch liebe!“ Er lebt mit gleicher Liebe jede Seele meines Volkes, so wie Er mich liebt. O dass sie doch hörten und verständen, wie sehr Jesus verlangt, in jeder Seele zu leben und sie ewig glückselig zu machen. „Mein Gott und mein Alles!“

April. Ich habe ein so großes Verlangen, könnte ich doch andere Seelen für Jesus gewinnen! Es schmerzt mich, wenn ich sehen muss, wie mein Volk so lau, so gleichgültig sich benimmt, das hl. Opfer so wenig besucht wird. So selten empfangen sie ihren Herrn und Gott in der hl. Kommunion. Die fromm-sein-Wollenden, die am hl. Messopfer teilnehmen, wollen nicht zur hl. Kommunion gehen, trotzdem Jesus es so sehr verlangt. Mein Gott, hilf mir das Werk vollbringen, das Du mir zu verrichten gegeben!

14. April.  Wieder haben wir in unserer Kapelle dem hl. Messopfer beiwohnen dürfen. Und Jesus kam vom Himmel auf diesen Altar in dem kleinen Heiligtum, um sich für uns dem himmlischen Vater für uns arme Sünder aufzuopfern. Er liegt auf dem Altar, um sich uns ganz zu schenken, um uns in sich umzuwandeln, um uns glücklich zu machen für Zeit und Ewigkeit. Aber, mein Gott, wie muss es Deinem heiligsten Erlöserherzen wehe tun, weil keiner kommen will, Dich zu empfangen, keiner Dir die Ehre gibt und Dich vor den Menschen bekennt! Du wolltest in Deiner unendlichen Liebe sie noch segnen, bevor sie an ihr Tagewerk gehen, aber sie sind Dir davongelaufen wie damals, als Du ihnen das Himmelsbrot verheißen hast, als Du noch auf Erden unter Ihnen wandeltest. Und das ist mein Volk!

Als ich, mit Jesus leidend, weinte über mein Volk und betete, sagte der Hl. Geist in meiner Seele: „mit Tränen musst du sähen, mit Freuden wirst du ernten.“

Es jubelt meine Seele, denn unendlich ist Deine Liebe und Barmherzigkeit, o Gott, mein Gott als ich meinte, es Nachts nicht mehr aufstehen und beten zu wollen, sah ich erwachend Jesus am Kreuze. O ich wusste, ich hab Ihn beleidigt. Am anderen Tage (Herz-Jesu-Freitag) vernahm ich von Jesus: „O wenn ihr wüsstet, wie sehr ich euch liebe!“ Jesus meint mein armes Volk, auch jene, die Ihn täglich so sehr beleidigen. Ich weiß, ich muss beten und Schlaf opfern, und tat es für den Mann, der den Rosenkranz nicht gebetet hat und dem die unterirdischen Wasser darum nicht weggegangen sind, trotzdem ich betete.

Am letzten Samstag sind die neun Tage vorbei, wo ich jede Nacht für die Bekehrung dieser Seele betete. Am Abend, als ich in meiner Kapelle Ave läutete, hörte ich einen so lauten Knall, dass ich recht erschrak. Und in dem Moment musste ich an diese Seele denken, machte mir aber nichts daraus.

15. April. Heute kommt mir in den Sinn, ich soll sehen, ob der Betreffende noch auf dem Wasser liege. Aber ich erschrak; denn der Ring blieb still. Mein Gott, das ist der Beweis, dass er sich bekehrte und auch den Rosenkranz gebetet hat, und das Wasser ist geflohen. Weinend vor Freude kniete ich auf dem Boden, Gott dankend für das größte Wunder, dass Er, der unendlich gütige und barmherzige Gott, auf mein nächtliches Opfern und Beten hin gewährt.

22. April. Nun da ich sicher bin, dass, wenn der Ring nach neun Tagen Beten nicht stillsteht, ich für den Betreffenden opfern und beten muss und mein Herr und Gott ihm verzeiht und er sich bekehrt, muss ich doch auch meinen Beichtvater fragen, ob er mir erlaube, auf diese Art Gott zu dienen. Ich fragte und zu meinem Erstaunen hat er mir geboten, meine magnetische Kraft anzuwenden, aber leider verboten, von den Leuten zu verlangen, den Rosenkranz zu beten. Es gibt nichts anderes, als sich seinem Urteil fügen und gehorchen. Doch als ich am Abend nachdachte über meine seelischen Erlebnisse und denken musste: nun kann ich den Armen und Leidgeprüften nicht mehr helfen, überkam mich tiefes Leid und ich konnte die Forderung meines Seelenführers nicht verstehen. Weinend betete ich zu dem, der von ihm sagte: „er steht zwischen mir und dir.“ Und das Gebet gab mir Kraft, alles dem hl. Willen Gottes zu überlassen, in allem auf Ihn zu vertrauen.

Aber, mein Gott, bei einem Besuch bei meinen Eltern und Geschwistern fand ich, dass auch sie von dem unterirdischen Wasser gequält wurden. Ich kann und darf nicht Gottes Gebot übertragen und ungehorsam sein gegen meinen Seelenführer. O wie schwer wird es mir! Ich könnte helfen mit Gottes Hilfe und darf nicht. Bei meinem Bruder konnte ich nicht anders als helfen; denn das Wasser schadet seiner Gesundheit und seinem Vieh. Er wollte nicht recht glauben, dass das Wasser fliehe, wenn er den Rosenkranz bete für die Bekehrung unseres Volkes. Doch seine brave Frau bat ihn, mit ihr zu beten.

Nach neun Tagen fragte ich meinen Heiland in meinem Heiligtum, den Ehering in der Hand haltend, ob mein Bruder noch auf Wasser liege, und sein Vieh. Aber überall stand der Ring still.

Mein Gott, Du hörst mein Flehen und sendest denen Rettung, die auf Dich vertrauen und der reinsten Gottesmutter sich schenken und beten für das Volk. Und ach, ich darf nicht helfen! Dein Stellvertreter meiner Seele verbietet es mir, ich kann es nicht verstehen. O so schwer wird es mir, seinen Worten zu folgen. Darf ich denn nicht all die Unglücklichen, so wie Gott es mir eingegeben hat, retten und beitragen, dass mein Volk gerettet wird? Mein Gott verlangt doch das von mir. Zerrissen ist mein Herz beim Anblick des Elendes unter meinem Volke. Wie lange noch muss ich warten, bis ich helfen und retten darf? Ich kann nicht zusehen, ich suche zu vergessen, mich mit weltlichen Sachen zu zerstreuen. Ich stürze mich in die Arbeit, will den Altar in unserer Kapelle für die Maiandacht herrichten. Aber weil die Statue der Schmerzensmutter in Reparatur abwesend ist, grüßt das Bild des hl. Josef vom Altar.

1.-Mai. Maiandacht ohne das Bild der Gottesmutter. Mein Gott, ich will Dir ganz geopfert sein für die Rettung meines Volkes. Ich werfe mich auf die Knie und aus leidgequältem Herzen bete ich zum hl. Josef: „O heiliger Josef, du reinster Bräutigam der Gottesmutter, wenn mich alles verlässt, sieh meine Not, es geht um Seelen, an denen das heilige Blut deines göttlichen Pflegesohnes verloren geht. Komm du uns zu Hilfe! Wenn du sichtbar den Sterbenden in ihrem letzten Kampfe dem Priester sendest, kannst Du uns das Bild Deiner reinsten Braut senden. Du willst doch nicht an ihrer Statt den Maialtar mit Deinem Bilde schmücken. Wenn Du mir das Bild meiner himmlischen Mutter sendest, will ich zeitlebens dich verehren und dich bitten, dass du meinem Volke Vater bist und Führer zu Maria und Jesus.“

So betete ich auch am Samstag, bevor ich das Ave Maria läutete. Und nachher ging ich in tiefem Seelenschmerz zum lieben Heiland und empfing das hl. Bußsakrament. Dort fand ich Trost beim Seelenführer, aber nicht die erwartete Erlaubnis, den Rosenkranz zu verbreiten. O ich stand mit der Schmerzensmutter auf Kalvaria unter dem Kreuze, sah Ihn leiden und sterben für mein Volk. Doch in unendlicher Liebe kam Er in der hl. Kommunion in mein Herz. Wir waren eins in Liebe, eins im Leiden. „Ich will Dir ganz geopfert sein. O verlass mich nie mehr!“ Und ich vernahm: „Es ist nur Prüfung. Mit Tränen musst du sähen, mit Freuden wirst du ernten.“ O die unendliche Liebe verlässt keinen, der sich Ihm naht.

Am Abend ging ich in unsere Kapelle, um die Ergebung im Gottes Willen vor dem St. Josef Maiandacht zu halten. Doch o seliges Erschrecken! Groß und schneeweiß thronte die Unbefleckte auf dem Altar, eine wunderschöne Statue der Immakulata von Lourdes. Der hl. Josef war ganz demütig an seinem früheren Platz.

Ich finde keine Worte, aber mein Schweigen spricht laut zu Dir, mein Gott. Denn wunderbar sind Deine Wege und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit! O glorreicher hl. Josef, tausendfachen Dank für deine Hilfe! Du hilfst mir retten mein Volk!

Jesus im hl. Sakrament! Ganz vereinigt darf ich sein in Dir, mein Gott. Du hast in Deiner unendlichen Liebe mir diesen Weg gezeigt. Ich leide mit Dir, mein Jesus, weil ich zusehen muss, wie Dein hl. Blut an so vielen Seelen verloren geht. Warum, mein Gott, lässt Du es zu, dass mein Seelenführer mir verboten hat, den Rosenkranz zu verbreiten und so mein Volk zur himmlischen Mutter zu führen? Dadurch, dass ich den Familien das Wasser auffinde, weiß ich, dass diejenigen, die von den Schäden des unterirdischen Wassers geprüft werden, mein Jesus auserwählt hat, zu beten für mein Volk. Und Jesus gibt mir dadurch jene Seelen zu erkennen, die Er will retten aus Sünde und Not, auf dass sie durch ihre Bekehrung Ihn verherrlichen auf Erden. Wann darf ich für Jesus einstehen?

O Schmerzensmutter, komm in dein Heiligtum, und Mutter, hilf Deinen Kindern aufstehen aus Sünde und Not! O heiligste Mutter, lass nicht zu, dass Dein hl. Gnadenbild von Menschenhänden renoviert und behandelt wird! Gib, oh heiliger Josef, du Bräutigam deiner hl. Gottesmutter, gib diesem Künstler, der unser Gnadenbild malen soll, alle Hände voll Arbeit, dass er es nicht renovieren kann, dass es recht bald wieder an seinen Gnadenort komme! So habe ich gebetet. Und am dritten Tag kam Bericht, dass wir es holen sollen, der Künstler habe in Einsiedeln auf Monate Arbeit bekommen.

Nun ist es wieder an seinen Gnadenort.

18.-Mai. Meine Schwester besucht mich und erzählt, dass sie den Rosenkranz beten für die Bekehrung meines Volkes. Und sie haben auch keine Wasseradern mehr. Mein Gott, es ist zu groß, um es fassen zu können. Gib mir nur eines, Deinen Willen allzeit zu erkennen, und die Gnade, für Dich zu leben und zu sterben!

19.-Mai. Heute Morgen durfte ich beim Allerheiligsten Sakramente bleiben in unserer Kapelle, während der Priester ins nahe Haus ging, um zu benedizieren. Ich kann gar nicht sagen, welche große Freude mein Innerstes empfindet, so allein bei Ihm, meinem Herrn und Gott, dem gleichen Jesus, der auf Erden umherging, überall heilend und segnend, Jesus, der aus Liebe zu uns am heiligen Kreuze Seinen letzten Tropfen des kostbaren Blutes vergossen hat, sein zu dürfen. Ich durfte bei Jesus sein, den die grenzenlose Liebe am Abend vor Seinem bitteren Leiden und Sterben antrieb, dieses heilige Sakrament einzusetzen, um immer unter uns zu bleiben, dass wir das Leben haben, Sein Leben. Er will durch dieses Sakrament in uns leben und uns zum ewigen Leben einführen bei Ihm. O unbegreifliche Liebe und Güte, Du erniedrigst Dich so sehr, dass Du, o ewige Liebe, mich ärmste schwache Sünderin einladest, bei Dir zu sein. O selige Augenblicke, bei Dir, meinem Herrn und Gott, sein zu dürfen! Mein Jesus, Du bist mein Gott und Alles. Es ist furchtbar einer gottliebenden Seele, der Gedanke, ohne Gott leben zu müssen. O mein Gott, ich kann nicht sagen als: Ich liebe Dich über alles. Von heute Abend gibt’s für mich kein Müssen mehr, immer: ich darf Jesus lieben, ich darf für Seine Liebe leiden, ich darf für jene, die Ihn beleidigen, opfern und beten. O was sind meine Leiden und Prüfungen im Vergleich mit den Leiden, die die Feinde Deinem Mystischen Leibe bereiten! Mein Gott, hilf mir helfen und retten für Dich oder dann leiden und sterben! Ich kann nicht länger zusehen, wie Dein bitteres qualvolles Leiden und Sterben an so vielen Seelen verloren geht. Mein Gott, heiss durchströmt Deine Liebe mein Herz, o gib mir diese Liebe in Leiden und Schmerz! Entzünde mit dieser Liebe ein jedes Herz. Ich übergebe alle, alle Dir in Deine heiligen Wunden. Nichts in der Welt nähme ich in Tausch für dieses Bei-Jesus-sein. Ich bin der Welt gekreuzigt, um nur noch für Jesus da zu sein, solange Er will und wie Er will. Wunderbar sind Deine Wege, Gott, mein Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit!

22.-Mai. Ich kann nicht stille sein, ich muss es niederschreiben, muss in meinem Herzen Platz machen, es ist so übervoll von Liebe. Mein Gott, Du hast meine Bitten erhört und mich am Mittwoch Morgen in unserer Kapelle eine Nikodemusstunde erleben lassen. Mein Herr und mein Gott! Jesus, Jesus, Jesus! Mehr kann ich nicht sagen. Mein Herz ist hineingetaucht ins Meer seiner unendlichen Liebe.

(Fortsetzung folgt!)

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (10)

Foto von mir [POS] persönlich vom 21. März 2020

(Fortsetzung zu Folge 09)

Mein Gott und Heiland, wie weh muss es Deinem von Liebe überströmenden Erlöserherzen tun, wenn die Menschen so achtlos an Deinem Gotteshaus vorübergehen! Wie ein Magnet zieht’s mich an in der Nähe einer Kirche zu dem, den meine Seele geliebt von Jugend auf, weil Er in Seiner allen Begriff übersteigenden Liebe mich gerufen hat. O mein Erlöser, in Deiner Dich ganz hingebenden Liebe wartest Du im heiligsten Sakramente auf uns arme Sünder.

Herz-Jesu-Freitag im Februar. Wenn ich zurück denke an mein vergangenes Leben, finde ich an mir nichts als Schwäche und Sünde. Aber wunderbar sind Deine Wege, o Gott, und ohne Grenzen ist Deine Liebe und Barmherzigkeit!

Wieder hatten wir eine kranke Kuh, die der Arzt nicht mehr heilen konnte. Da sagte ich kurz dem Gatten, was ich erfahren hab, dass hier in unserem Haus und Stall der Teufel sich unterirdischer Strömungen und Wasserläufe bediene, um den Geschöpfen Gottes schaden zu können; dass die Gottesmutter hier einstehen wolle, wenn ihre Bitte erfüllt werde durch den täglichen Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder. Er konnte nicht begreifen. Ich nahm den Rosenkranz in die Hand und betete still, wie Gott mir befohlen: „Wenn’s Dir zur Ehre und Verherrlichung und den Seelen zum Heile gereicht, gib mir den Fluch der Sünde zu erkennen, ich bitte Dich um Deiner heiligen Wunden willen.“ Und ich erkannte sogar die Art und den Weg der Strömungen. Mein Mann sagte, das glaube er erst, wenn bei 20 Grad Kälte der Stall trocken und warm sei. Denn es war den ganzen Winter feucht und kalt im Stall und auch in unserer Kammer, sodass bei großer Kälte das Wasser an den Wänden lief. Wir beteten jeden Tag den Rosenkranz. Nach kurzer Zeit wurde es wieder sehr kalt. Es war Ende Februar. Der Stall wurde so trocken, dass man an der früher nassen Wand die Zündhölzer anzünden konnte. In Haus und Keller, überall war es trocken und das Vieh fühlte sich warm und gesund.

Auch mein Mann verlor den immerwährenden Katarrh-Husten und bei der geringsten Erkältung seine ziehenden Schmerzen auf der Lungengegend. Ich sagte zu ihm, er dürfe zu niemandem etwas sagen von dem Vorgefallenen. Einerseits wurde ich gedrängt, diese Erlebnisse einem Priester zu sagen. Aber ich hatte Angst, es werde niemand mir solches Zeug glauben. Oft sagte ich zu Jesus: „Warum musste ich dies alles erfahren?“ O wie gern hätte ich alles jemand anderem übergeben. Aber oberstes Gebot war mir immer, wie schwer ich auch litt, zuerst meine Pflichten treu erfüllen.

Mein Gott, ich kanns fast nicht fassen, nicht verstehen, was Du Großes an uns getan hast. Weil Du, mein Gott, mich gerufen, habe ich, in Deiner heiligen Gegenwart mich wissend, Dich gebeten, den unterirdischen Wassern zu gebieten, dass es weiche und nicht länger uns schade. Und es ist so geschehen. Ich muss es täglich sehen, wie in unserer Kammer die Wände trocken, im Stall das Vieh sich wohl fühlt im trockenen Stall, wo sonst alles feucht gewesen.

Aber es ist so schwer, solches zu erfahren. Es macht mir bange und ich bekenne es meinem Beichtvater. Der sagte, Gott könne auch einmal außerordentlich eingreifen, dass es ähnlich sei einem Wunder. Aber ich soll Gott danken.

März. Erst recht bedrängt wurde meine Seele, denn ich hatte einfach Angst vor Außergewöhnlichem. Wenn ich es fast nicht fassen kann, wie werden dann jene glauben, denen ich helfen soll und die nichts solches erfahren haben? Wohin will ich mich wenden? Ich habe Angst, der Priester würde es fast für ein Wunder ansehen. Und ich eilte zu dem, der mir solches aufgetragen. „Mein Herr und Gott, was willst Du von mir armen Sünderin? Du weisest den Deinen ihre Pfade und leitest sie Deine Wege. Gib mir doch Deinen Willen zu erkennen und Deine Liebe, dass ich alles, auch das Schwere, für Dich ertrage und Deinen göttlichen Willen allzeit erfüllen kann! Ich bin ja Dein Werkzeug.“ Also betete ich vor dem ausgesetzten heiligsten Sakramente im Frauenkloster. Ich sagte zu meinem Erlöser: „wie kann ich Dir danken, O mein Jesus, für das alles, was Du mir Gutes getan, wie Du mich erhört hast? Das, was ich erfahren, Deine Allmacht und Liebe, ist zu groß, dass ich es fassen kann, und zu schwer. Siehe, mein Gott, ich finde keine Worte und sollte Dir danken, weil der Beichtvater, der zwischen mir und Dir steht, es mir befohlen hat. Jesus, um der Verdienste Deiner hl. Wunden willen erbarme Dich meiner! Mein Gott, ich bin nicht würdig, aus Deiner Hand dieses Unfassbare zu erfahren.“ Da vernahm ich die Worte: „Klein ist dieses Geschehen. Das größte Wunder geschieht, wenn ein Sünder sich bekehrt und den Weg zu mir findet.“ Ganz glücklich und getröstet übergab ich mich ganz Gottes Willen und Führung.

Am Fasnachtsdienstag Morgen hatte ich Gelegenheit, dem hl. Messopfer beizuwohnen und die hl. Kommunion zu empfangen. Ich konnte den Drang nicht loswerden, zu jener Frau zu gehen, die schon jahrelang leidend ist und von einer schweren Nervenkrankheit sich nicht erholen kann, weil sie auf solch unterirdischen Wasseradern liegt. Ich meine, so sicher zu sein, dass ich ihr helfen muss, dass diese Wasser ihr nicht länger schaden. Eine Abneigung im Herzen gegen dieses Tun ging ich doch dem Drang folgend zu ihr. Und ich fand auch Grad unter ihrem Bett die Wasserader. In tiefem Bangen, weil ich fürchtete, sie werde mir nicht glauben, sagte ich ihr, dass sie den Rosenkranz beten soll für die Rettung und Bekehrung meines Volkes. Sie glaubte mir und versprach mir mit Freuden zu beten.

Einige Tage nachher, als ich des Nachts betete für mein Volk, träumte mir nachher: ich befand mich in der Kirche, neben mir war ein offenes Grab, darin eine Gestalt sich hin und her bewegte. Dann kam sie heraus, ging langsam nach der Sakristei. Sie war gekleidet wie ein Priester und kam dann mit dem Kelch, wie ein anderer Priester, an den Altar und zelebrierte dreimal nacheinander die heilige Messe. Dann als er fertig war, ging er wieder nach der Sakristei. Beim Herauskommen begegnete er dem HH. Pfarrer. Diesem standen die Haare zu Berge und ganz weiß im Gesicht ging er rückwärts zurück, weil er so sehr erschrocken ist. Er ging wieder an mir vorbei und legte sich ins Grab. Ich erschrak gar nicht; denn mir war, als wisse ich, dass er bei Lebzeiten den armen Seelen drei heilige Messen nicht gelesen hat und, wenn sie gelesen seien, habe er Ruhe. Es sei der letzte verstorbene Pfarrer.

Mit verwundetem Herzen kniee ich in meinem Heiligtum, in meiner Kammer, wo mein Herr und Gott mich gerufen hat. Ich musste vernehmen, wie der Teufel der Unzucht in meinem Volke seelischen und körperlichen Schaden anrichtet. Es ist die himmelschreiende Sünde, die die Unschuld mit Füßen tritt und die Tempel des Heiligen Geistes zu Stätten des Grauens und des Todes macht. Ich umfange das Kreuz meines Erlösers, der auch für diese Seelen gestorben ist. Vor meiner Seele stand so deutlich das Furchtbare, das ich am Sonntag nach dem Tage Maria von der Erlösung der Gefangenen im September 1942 in der Morgenfrühe auf dem Wege zur hl. Messe geschaut habe. Als ich um den Rechböhlrank kam, sah ich von unserem Dorfe bis fast nach Weißbad alles mit einem gelben schmutzigen Wasser zugedeckt. In diesem Wasser waren so viele Menschen am Ertrinken. Viele waren bis zur Brust, andere bis zum Hals in der schmutzigen Flut; andere sanken grad unter, hoben noch die Arme aus dem Wasser, als rufen sie um Rettung; andere aber sanken unter, ohne sich retten zu wollen. Mir war, als sagte eine Stimme, für diese sollen wir beten.

Ich sah dieses Bild, das ich fast vergessen hatte, und musste denken: so sieht es aus unter meinem Volke! Es steht vor dem sittlichen Untergang und dieses Volk hat Gott mir übergeben. „Wie einst Judith, opfere und bete für Dein Volk!“ Ich umfing das Kreuz meines Erlösers und flehte um Rettung. Ich bete: „O mein Herr und Gott, habe Erbarmen mit uns nach Deiner unermesslichen Liebe und Barmherzigkeit! Schaue nicht auf unsere Sünden und Missetaten, sondern auf den Glauben Deiner Kirche und verschone uns! Mein Herr und Gott, wie Du der Stadt Ninive Dich erbarmtest, so erbarme Dich meines Volkes! Du hast das Gebet der Judith erhört. Erhören mein Flehen um der Verdienste Deiner hl. Wunden willen! Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern ihre ewige Seligkeit in Dir. Mein Gott und Alles, nimm mich als das Werkzeug und mache mit mir, was Du willst, aber rette mein Volk!“

„Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Das muss auch ich erfahren, wenn ich des Nachts vom Schlaf mich erheben und beten soll, während andere ruhen. Trotzdem ich immer wieder den Vorsatz fasste, Jesus treu zu bleiben, und besonders jetzt in der Fastenzeit mir ein Opfer auferlegen wollte, übernahm mich der Schlaf. Und den ganzen Winter habe ich mit seltener Ausnahme, während andere schliefen, mit Jesus eine Stunde gewacht und gebetet und so viele Gnaden empfangen. Ich habe sechs Familien, die unter den Ausstrahlungen der unterirdischen Wasser gelitten haben, von diesem Übel durch das Gebet, das Jesus selbst mir gegeben, befreien dürfen. Und nun beten diese durch Prüfungen von der Gottesmutter Auserwählten täglich den Rosenkranz oder wenigstens einen Teil desselben für die Rettung meines Volkes.

Einmal kam mein Mann heim und sagte zu mir, eine befreundete Familie von uns habe auch Unglück im Stall und sie glauben, der Böse sei im Spiel, ich soll hingehen und ihnen sagen, was wir erfahren haben. Ich musste an die Verantwortung denken. Denn sicher hat Gott mir dieses nicht nur für uns anvertraut. So ging ich zu diesen Leuten; denn die Frau war meine Freundin. Sie erzählte mir, dass sie einem alten Fräuli begegnet sei und dieses hab so spassig geredet, darauf mussten sie schlachten. Nun das Fräuli sei eine Hexe und habe ihr geleidwerkt. Sie hab im Zorn dies Fräuli in die Hölle gewünscht. Sie hatten aber schon früher Unglück im Stall. Mir gab Gott zu erkennen, dass hier der Teufel nicht dieser Frau, sondern der geheimen Strahlungen sich bediene, um diesen Leuten zu schaden und zwar an der Seele, indem er sie zu Hass und Feindschaft führen wollte. Ich sagte ihr, was wir erfahren haben und dass auch hier dieses Fräuli unschuldig sei. Sie sollen auch den Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder beten, dann werde die Muttergottes einstehen. Nach einigen Monaten sagten die Nachbarn von obigen Leuten, hier hab es gekehrt, nun haben sie Glück im Stall und schöne Schweine im Freien.

Es ließ mir nun keine Ruhe mehr, ich musste es dem Beichtvater sagen; denn ich wollte wissen, was die hl. Kirche davon hält. Ich will nichts tun, was gegen sie ist, lieber die Verdemütigung auf mich nehmen, wenn es Täuschung sein sollte. Ja, es war mir manchmal alles so zuwider, dass ich gewünscht hab, es wäre Täuschung, dann könnte ich alles hinlegen. So aber steht immer die große Verantwortung vor mir.

Es kommt die hl. Karwoche und ich nahm mir vor, aus Liebe zu Jesus jede Nacht zu wachen und zu beten für mein Volk. Aber trotz der größten Überwindung schlief ich ein. „Meister, was soll ich tun?“ Aber ich bekam keine Antwort. Jesus, der von Seinen Jüngern und Aposteln gegangen ist, ist auch von mir weggegangen. Soll ich noch länger des Nachts mich quälen, um für dieses Volk zu beten und den Schlaf zu opfern, da ich doch keine Beweise habe, dass sie sich bekehren? Oder hat nicht Gott mir Beweise gegeben, als ich in meinem Heiligtum, in meiner Kammer, wo Er, der Erlöser, zu seinem Geschöpf geredet und ich in Seiner Gegenwart erkannte, dass ein Christ, wenn er den Rosenkranz betet, innert neun Tagen von dem geheimen Schaden des Wassers befreit ist? Und von dem lauen Menschen, der lange keine Kirche mehr besuchte und mir nicht glaubte und auf den Rosenkranz nicht betete, hat Gott dieses Übel nicht weggenommen, trotzdem ich für ihn betete.

Kann es für eine Seele, die Gott in unendlicher Liebe an sich gezogen, noch Schmerzlicheres geben, als sich von Ihm so ganz verlassen zu fühlen? Es kam über mich wie Ölbergstunden, die Schuld so groß, so tief das Leid, bis ich zu Gott mich eingefunden. In Tränen der Reue suchte ich mich am hohen Donnerstag Seinem Stellvertreter, von dem Jesus sagte: „er steht zwischen mir und Dir“. Von ihm hoffte ich Rat und fand ihn nicht. Doch erlöst von Schuld und Not fand ich durch ihn den Weg zu Gott. „Wenn Du, mein Volk, mich verlässt, gehe ich hin, ein zweites Mal mich kreuzigen zu lassen!“ O unbegreifliche Gottesliebe!

Es sind Karfreitagsstunden, die ich nicht beschreiben kann. Ich stand bei meiner himmlischen Mutter unter dem Kreuze und hab mit ihr alles geopfert, um allen Mutter zu werden. Auch ich durfte am Ostermorgen Jesus, dem Auferstandenen, entgegengehen, um in der hl. Kommunion ganz eins mit Ihm zu werden. Jesus lebt in mir und ich in Ihm. Jesus ist Sieger über Sünde und Tod. Auch mein Volk wird vom geistigen Tode auferstehen. Darum hat Jesus am Kreuze Seine Mutter geheißen, uns, Seinen Erlösten, Mutter zu werden, dass sie mit einer alles übersteigenden Mutterliebe uns, ihre von Ihrem liebsten göttlichen Sohne anvertrauten Kinder, zu Ihm führen soll. Darum ist sie wiederholt vom Himmel auf dieses Tränental gekommen, um ihre Kinder zu warnen und zu führen. O dass sie doch auf die Stimme der Mutter hören und folgen würden.

(Fortsetzung folgt!)

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (09)

1948

Das Datum weiß ich nicht mehr. Aber einmal sah ich beim hl. Messopfer Jesus lebensgroß blutend am Kreuze hängen und um das Kreuz standen die Missetäter, die Ihn kreuzigten. Aber es waren Leute aus meinem Volke. Und es wurde mir klar, wie notwendig es ist, für die Bekehrung der Sünder zu opfern und zu beten.

„Mein Volk, mein Volk, wenn doch Du es erkenntest, was dir zum Frieden dient!“ Diese Worte meines Heilandes nahm ich als Betrachtung am Abend vor dem Herz-Jesu-Freitag. Wie ich Jesus im Geiste weinen sah über die Stadt Jerusalem und sicher auch über mein Volk, so weinte ich gleich Jesus über mein Volk, das in Sünde und Lauheit dahinlebt. Viele davon gehen dem sittlichen Untergang entgegen. O wie kann ich Dich, mein Volk, erretten aus Sünde und Not? Ich höre die Worte meines Erlösers an mich gerichtet: „Wie einst Judith, so opfere und bete für dein Volk!“ Und als ich nicht verstehen und meinem Beruf treu bleiben, nicht annehmen wollte, sagte die Gottesmutter: „Opfere auch Du alles, um diesem Volke Mutter zu werden!“ O ich darf nicht müßig gehen und zusehen, ich kann nicht mehr länger zusehen, wie das heiligste Erlöserblut an so vielen Seelen verloren geht.

Mein Gott, was kann ich tun für Dich? Ich habe gebetet. Während andere schliefen, habe ich Dir zuliebe den Schlaf geopfert für die Bekehrung der Sünder und ich sehe keinen Erfolg. Warum, mein Gott und Heiland? Du willst doch nicht den Tod des Sünders, sondern dass alle gerettet werden. O mein Heiland, Deine heiligen Wunden zeigtest Du mir mit der Bitte: „Gib mir Seelen! Durch meine heiligen Wunden kannst Du alles erlangen.“ Ich bitte Dich, mein Gott, um der Verdienste Deiner hl. Wunden willen, rette mein Volk! Lass doch Dein heiligstes Blut an keiner Seele verloren gehen! Mein liebster Jesus, ich opfere mich ganz Dir auf ohne Vorbehalt. Wie eine brennende Kerze möchte ich mich verzehren für Dich, dass mein Volk gerettet werde und Dich verherrliche auf Erden. Es sind die Deinen, für die Du am hl. Kreuze gestorben bist. Mein Gott und Heiland, nimm mich hin, so wie ich bin, als Dein Werkzeug für die Bekehrung meines Volkes! O dass doch Dein hl. Blut und Deine grausamen Schmerzen und Leiden an keiner Seele würden verloren gehen!

Ich war glücklich mit meinen Mutterpflichten und die Hände voll Arbeit. Und so ging die Zeit dahin. Aber wir hatten doch ein schweres Kreuz zu tragen. Mein Gatte wollte das Heim verkaufen, das er vom Vater erstanden hatte. Denn wir hatten sehr viel Unglück im Stall und zwar schon jahrelang. Immer wieder mussten wir kranke Tiere abtun und haben schon viel Geld ausgegeben an Magnetopathen und Tierärzte. Es wurde uns gesagt, unser Vieh werde verhext, und es sah oft so aus. Wir hatten dann einen Pater gerufen, aber wir kamen nicht davon los. So meinte mein Mann, an einem anderen Ort wäre ihm mehr Glück beschert, und ging oft aus, ein anderes Gut zu kaufen. Denn wir brachten nicht mehr das Notwendigste ein um die Familie zu ernähren. Wir mussten in 6 Monaten 7 Stück Vieh dem Metzger geben. Interessant war, dass im Sommer das Vieh ordentlich gesund war und im Winter, wenn es im Stall bleiben musste, war im Nachwinter das meiste krank. Wir haben das Futter nach Örlikon zum Untersuch geschickt und auch das Wasser vom Brunnen untersuchen lassen; aber es wurde nichts Schädigendes festgestellt.

Ich betete, wenn ich in die Kapelle ging, zur lieben Gottesmutter, dass sie alles so leite, wie es Gottes hl. Wille ist. Ich hing so an unserer Heimat, dass es mir sehr schwer gefallen wäre, von der mir so lieb gewordenen Heimat und Kapelle wegzugehen. Doch wollte ich nichts anderes, als dass Gottes hl. Wille geschehe. Einmal nach Empfang der hl. Kommunion sagte Jesus zu mir ganz klar: „Ich bins, der Dich führt und leitet, hab nur Vertrauen!“ So überließ ich mich täglich Gott und unserer himmlischen Mutter, und ich betete jeden Tag im Verborgenen in meiner Kammer das Gebet, das der liebe Gott an jenem Herz-Jesu-Freitag im Februar 1941 mir gegeben hat. Am Abend beteten wir mit den Kindern gemeinsam das Abendgebet und 2-3 Gesetzlein vom Rosenkranz und dann beteten wir den Rosenkranz allein fertig. Oft war mein Mann missmutig und meinte, das Beten nütze ja auch nichts, so viel Unglück müsse man tragen trotz dem Beten. Er wollte einfach fort von hier, und zwar ging er nach St. Gallen, um sich ein anderes Heim anzusehen.

Ich war von der täglichen Arbeit und Sorge so sehr in Anspruch genommen, dass ich oft lange Zeit kaum mehr an meine früheren Erlebnisse dachte. Ich fand des Tages kaum Zeit, um zu beten. Die sechs Kinder gaben viel Arbeit und ich nähte und strickte alle Kleider selber. Vor einer schweren Nähearbeit bat ich einfach die Gottesmutter: „Sei du meine Lehrmeisterin!“ Und alles ist recht geraten, sogar die Sonntagskleider. Ich erkannte immer wieder, dass wir nur bereit sein müssen, in allem Gottes hl. Willen zu erfüllen, dann kommt Er mit Seiner Hilfe unserem Unvermögen entgegen.

Schon im Dezember letzten Jahres wurde ich durch meine Schwester darauf aufmerksam gemacht, dass auch bei uns, wie bei ihr und meinem Bruder, nach Aussagen eines Naturarztes unterirdische Wasseradern die Ursache von vielen Krankheiten bei Menschen und Vieh seien. Auch sei mein Bruder so magnetisch, dass er mit der Kapsel des Arztes sowie mit dem Ehering die Wasseradern ausfindig machen kann. Ein teures Mittel, nämlich Metallkerzen oder elektrische Apparate sollen das Wasser oder dessen Ausstrahlungen entfernen.

Ich dachte, wenn mein Bruder so magnetisch sei, habe ich vielleicht die gleiche Kraft, nahm den Ehering und er zeigte jede unterirdische Quelle und Wasserader an. Im Stall und in der Kammer hatten wir solche. Doch was tun? Weil wir die finanziellen Mittel nicht aufbringen können, um dem Übel durch diese Metallkerzen abhelfen zu können, lieh ein Freund meines Mannes uns solche. Schon sind fast drei Monate verflossen und wir sehen keinen Erfolg. Nun kam ich zu einer Bekannten, die mir klagte, dass sie immer Unglück habe im Stall, und sie wisse, dass eine gewisse Frau ihnen den Schaden zufüge durch Zauberei oder Hexerei.

Februar. Mein Gott, was soll ich tun? Hat nicht der liebe Gott mir diese Kraft gegeben, dass mein Ring das Wasser anzieht und ich es sagen kann, wo die schädlichen Adern sich befinden? Hat nicht mein Bruder so oft auch Argwohn auf böse Menschen, wenn er Unglück hatte im Stall? Und Gott sei’s geklagt, auch wir selber wurden zur selben Vermutung versucht. Ich sah auf einmal, wie oft so viele Menschen bei Unglück und Krankheiten von anderen Böses vermuten und dadurch dem Nächsten an Ehre und guten Namen schaden. Wie daraus Hass und Feindschaft entstehen. Wie gegen den Nächsten und damit gegen Gott gesündigt wird und durch Aberglauben zu unerlaubten Mitteln Zuflucht genommen wird. Und solche Feindschaften bestehen oft jahrelang und solche Sünden werden übersehen und nicht gebeichtet und noch weniger bereut. So wird das heiligste Herz Jesus oft beleidigt.

Eben sagte mein Mann, es sei ihm gleich, wohin ziehen, wenn er nur fortgehen könne von hier, wo nichts recht tue und man immer Unglück habe. Er war sehr angegriffen in der Gesundheit, so dass der Arzt Tuberkulose vermutete. Es war nicht mehr leicht, ihn zu trösten. Ich allein weiß, wie oft ich den Gatten wieder trösten und aufrichten musste, weil er so sehr litt, dass die Haustiere mit dem Kränkeln uns wieder abgehen und er immer zu Schaden kam. O wie oft musste ich meinen lieben Gatten trösten und ihn auf das Walten der göttlichen Vorsehung hinweisen!

Ich betete, während in unserer Pfarrkirche das hl. Opfer Gott dargebracht wurde, in der Kammer, wo Jesus mir Sein blutendes Herz gezeigt hat. Ich stand auf und wollte an meine Arbeit gehen. Da wurde ich angerufen. Diese Worte drangen mir durch Mark und Bein, ich kann es nicht erklären, wie es war. Mir war, als durchdringe mich die Stimme des allmächtigen Gottes, und ich hörte die Worte: „Bin nicht ich es, der Flüssen und Meeren die Wege weist? In meiner Macht liegt alles. Zu was habe ich gesagt: Durch meine hl. Wunden kannst Du alles erlangen? Bete und faste drei Tage!“ Ich fühlte mich so sicher in Seiner hl. Gegenwart, so dass ich meine Hand anschaute und meinte, Seine heiligen Wunden zu sehen. Mir kam der Gedanke, ich soll beten, dass Gott dieses Wasser andere Wege leite und sie nicht mehr seinen Geschöpfen schaden. Aber eine unheimliche Angst hat mich befallen. Ich kann nicht und will nicht etwas Au?ergewöhnliches tun noch darum beten. Ich kann nicht sagen, wie groß meine Angst und Bedrängnis war. O ich weiß, Gott kann in seiner Allmacht alles, auch dieses machen.

Zugleich aber sah ich oder erkannte ich, es wurde mir einfach gegeben. Ich wusste, dass es unterirdische Strömungen gab, und erkannte, dass Gott auf diese Schöpfung ihre Wege weist. Ich erkannte, dass aber der Teufel sich ihrer bedienen kann, um den Menschen und Tieren zu schaden, sie zu verderben. Ich erkannte so klar, dass der Teufel sich dieser unsichtbaren Schöpfung bedient. Schon seit Gott im Paradies den Fluch über die Erde gesprochen hat, wo er sagte: „Verflucht sei die Erde um deinetwegen“, hat der Teufel diese Schöpfung an sich gerissen und bedient sich ihrer, um die Menschen zu plagen, zu verfolgen, um Hass und Feindschaft zu sähen, um die Menschen auf diese Art vom Glauben an eine göttlichen Vorsehung abzubringen und zu verderben auf ewig. Ich erkannte, dass viele Krankheiten, besonders die schleichenden, die schweren Krankheiten hieraus ihren Ursprung haben, und dass aber diese Menschen, die eigentlich ohne ihr Wissen, ohne persönliche Schuld, unter diesem Fluch der Sünde leiden, die Auserwählten Gottes sind. Ich weiß nun, dass die Gottesmutter die Sendung hat, den Satan zu besiegen und hier ihre Sendung beginnt. Darum haben auch die Kinder das furchtbare Getöse gehört, und gehört, wie es so plötzlich aufgehört hat. Sie sagten, es toste und rauschte, als ob der Bach Hochwasser und Steine bringe, und als es plötzlich stille war, gingen sie hin nachzusehen. Aber das Bächlein war still und ruhig. Dies alles war einfach so über mich gekommen.

Seine grenzenlose Liebe zu Seinen Erlösten drängt Ihn, Liebe zu schenken, zu helfen. Vor meiner Seele erstehen all die Erlebnisse mit Jesus seit meiner Jugendzeit. Ich sah mich im Walten der göttlichen Vorsehung als Werkzeug für die Bekehrung der Sünder meines Volkes. Die Leute werden mir nicht glauben. Ich möchte fliehen vor diesem Tun. Nein, es kann nicht sein, dass ich da solches tun muss! Ich habe meinen Beruf und meine Arbeit und nie Zeit, zu den Menschen zu gehen, diese Wasser zu suchen. Und doch dieses Erleben! Mein Gott, ist es Täuschung? O lass diesen Kelch an mir vorüber gehen! Doch Dein Wille geschehe!

Wieder sah meine Seele den Heiland mit dem Kreuze beladen bei mir vorübergehen, blutige Spuren hinterlassend, und mit einem so wehmutsvollen Blick sagend: „Komm, trete in meine Fußstapfen und folge mir nach!“, wie damals, als ich krank war. Ich sagte: „Jesus, Dir zulieb, aber rette mein Volk“.

Doch mein ganzes Wesen wehrte sich gegen solches Tun. Es kann nicht sein, dass ich als Weib solches erfahren muss. Ich wollte in meiner Bedrängnis zu meinem Beichtvater gehen und Rat holen. Doch es ist sicher Täuschung und ich will alles fahren lassen und nicht mehr dran denken.

Das war am Samstag und am selben Abend kam mir ein Stück Papier in die Hand mit der Schrift „Eine Seele flieht vor ihrem Kreuz“. Und darin stand, wie Jesus dem fliehenden Petrus erschien und sagte: „Wenn Du mein Volk verlässt, so gehe ich hin, ein zweites Mal mich kreuzigen zu lassen.“ Zutiefst erschrocken sagte ich: „Mein Gott, es darf nicht geschehen. Eher lass ich mich auf dem Scheiterhaufen verbrennen, als dass mein Volk Dich kreuzige. Am Sonntagmorgen bat ich meinen Beichtvater um sein heiliges Gebet und ging zu Jesus.“ In der hl. Kommunion kam Er zu mir und ich bat Ihn um Kraft in meinen Ölbergstunden und um Erleuchtung. Ich bat Jesus: „Sag mir um Deiner hl. Wunden willen, was Du von mir willst!“, und erwartete von Jesus seelische Ruhe in Ihm. Aber ich hörte die Worte: „Bete: Wenn’s Dir zur Ehre und Verherrlichung gereicht, gebiete diesem Wasser zu weichen von dieser Stelle und nicht länger Deinen Geschöpfen zu schaden! Ich bitte Dich, o Jesus, um der Verdienste Deiner hl. Wunden willen.“

Mein Gott und mein Alles! Dein Wille geschehe! Ich durfte ausruhen am heiligsten Herzen Jesu. Ich fastete und betete drei Tage. Am vierten Tag ließ es mir keine Ruhe. Ich musste den Ehering nehmen und wieder prüfen, ob das Wasser sich angebe. Aber, mein Gott, ich erschrak, denn der Ring blieb still, wo er vorher Quellen und Kreuzung von unterirdischen Wassern angegeben hatte. Laut drang es aus meinem Herzen: „Mein Gott, muss ich so Deine Magd sein?“ Wieder bangte ich vor dem Kommenden.

O könnte ich, wie in jeder Not, zur Schmerzensmutter gehen und ihr all das Unfassbare sagen! Sie würde mich trösten. Ich wollte mich, wie im Sommer, als ich auch in seelischen Nöten und Zweifeln zu ihr ging, wieder trösten und aufrichten. Aber jetzt im Winter würde es auffallen, wenn ich zur Kapelle ginge. Und ich kann nicht gehen, ich will nichts Auffallendes tun, auch vor Gatte und Kinder nicht. Ich kann mich auch in meiner Kammer ganz ihr hingeben.

Doch am selben Nachmittag kam eine Pilgerin und verlangte den Schlüssel zur Kapelle, was in dieser Winterzeit sonst nicht vorkommt. Alles ist das Walten der göttlichen Vorsehung. Jetzt habe ich Gelegenheit, zur himmlischen Mutter zu gehen, weil ich die Kapelle wieder schließen musste. Vor dem Bilde kniend übergab ich mich ganz ihr und erhoffte von ihr Ruhe von all dem Erlebten. Aber ich erkannte, dass ich den Menschen helfen muss und verlangen, dass jene, welche durch diese Wasser bedrängt werden, alle Tage den Rosenkranz beten müssen und täglich wenigstens ein Gesetzchen vom Rosenkranz zum Dank für Hilfe. Alles für die Bekehrung meines Volkes! So werde der Rosenkranz verbreitet und die Sünder bekehrt werden.

 

Fortsetzung folgt!

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (08)

 

 

Juli 1947. Je mehr ich über das soeben Erlebte nachdachte, desto größer wurde in meinem Herzen die Angst, es könnte, ja es müsse Täuschung sein. Ich habe ja meinen Mutterberuf von Gott erhalten und meine Pflichten. Wie soll ich armseliger Mensch dazu beitragen, ein Volk zu retten? Ich hab gebetet und das Volk sündigt weiter. Ich muss hören, wie mein Volk in Unzucht und ehelicher Untreue dahin lebt. Und Jesus sehe ich leiden, mein Herz blutet, es sind Ölbergstunden. Ich möchte am liebsten fliehen vor den Geheimen, Erfahrenen.

Einer Primiz beiwohnend hörte ich durch den Prediger die Stimme Jesu, wie einst, als Er mir nach dem Empfange der hl. Kommunion am Herz-Jesu-Freitag Seine hl. Wunden zeigend sagte: „Gib mir Seelen! Durch meine hl. Wunden kannst Du alles erlangen.“ Ja, Herr ich will opfern und beten für Priester und Volk.

Aber ich kann es nicht verstehen, dass ich für mein Volk mich immer und ganz mit allen opfern muss. Ist nicht das meine erste Pflicht, für die Meinen zu opfern und zu beten? Gott hat sie mir anvertraut. Und das Erste ist immer, die Berufspflichten erfüllen. Soll ich dieses sündige Volk den Meinen vorziehen? Nein, so was verlangt Gott sicher nicht. Es muss Täuschung sein. Warum muss sich solches Schweres erfahren, wodurch andere Mütter ganz ihrem Beruf leben können? Ich kann es nicht verstehen. Könnte ich alles vergessen und begraben und leben wie andere! Die Zweifel und Bedrängnisse sind so groß. Ich muss leiden, so viel ich zu tragen vermag.

Ich gehe zur Schmerzensmutter mit meinem verborgenen Weh und Leid und bat sie unter Tränen um Erleuchtung. Ich kann fast nicht meinen Mutterberuf aufgeben und opfern wegen meinem Volk, den Beruf, Mutter zu sein an den hilflosen Kleinen. Ich flehte: „Himmlische Mutter, um Deiner reinsten Muttertränen willen, um Deiner größten Mutterleiden willen, um Deiner tiefsten Mutterliebe willen, erleuchte mich und hilf mir, deinem Kinde!“ Da war mir, als sagte sie mir: „Ich habe unter dem Kreuze alles geopfert, um allen Mutter zu werden. Opfere auch Du, um Mutter Deinem Volke zu sein!“ Tiefer Friede und Ergebung erfüllten meine Seele. Ich sagte mit Freuden: „Ja, ich opfere und bete für jene, die den Weg zu Dir nicht finden.“

Herz-Jesu-Freitag Juli.
O wie armselig ist doch der Leib, der mich nicht schnell genug dorthin bringen kann, wo meiner Seele Wonne ist, dorthin, wo die unendliche Liebe thront, verborgen im heiligsten Sakramente! O wie weit ist der Weg doch! Meine Seele weilt schon bei Ihm, der mein Herz erfüllt, meinen Hunger stillt und meine Ruhe ist nach all meinen Kämpfen und Zweifeln. Mir ist, als sei ich Jesus noch nie so nahe gewesen wie jetzt, wo ich berufen bin, für jene Seelen, die Er wie mich so teuer erkauft hat, die in Sünde und Laster dahin leben und den Weg zu Ihm nicht finden, zu opfern und zu beten. Er hat mich schon vor 24 Jahren, als ich Jungfrau war, an einem Primiztage während der heiligen Wandlung berufen, Mutter zu werden, die Seelen, die Er mir in meinen Kindern anvertraut hat, Ihm zuzuführen. Nun verlangt Jesus von mir, Ihm alles zu übergeben, um den Ärmsten, die von irdischem Schein sich blenden lassen, Mutter zu werden.

„O mein Jesus, wo sind die Meinen besser aufgehoben als in Deinem heiligsten Herzen. So nimm Du sie in Deine hl. Wunden! Du hast ja gesagt: „Sie sind meine Sorge.“ Verfüge über sie, wie Du willst, nur bewahre sie in Deiner Liebe, stelle sie dorthin, wo sie Dir am liebsten sind, gib ihnen alles, was sie notwendig haben, um Dir treu dienen zu können, und halte fern von uns, was uns an Leib und Seele schaden oder gar von Dir trennen könnte! O mein Jesus, Du willst, dass ich opfere und bete für mein Volk, für jene Seelen, an denen sonst Dein heiligstes Blut verloren geht. Bekehre sie zu Dir! Erzeige allen Deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit! Für sie hast Du Dein heiligstes Blut vergossen. O lass nicht zu, dass Dein bitterstes Leiden und Sterben verloren geht! Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern dass alle gerettet werden. Du, mein Gott und Erlöser, hast ja gesagt, durch Deine heiligen Wunden könne ich alles erlangen. O mein Jesus, was kann ich anderes verlangen, als dass alle sich bekehren, dass Du von allen angebetet, gelobt und verherrlicht werdest? Siehe, mein Jesus, mit mir bittet Deine und meine Mutter, die Reinste, Unbefleckte. Ihr hast Du sterbend sie anvertraut. Sie leidet um ihre Kinder, die auf dem Wege sind, ewig verloren zu gehen. Ich bin nicht wert, erhört zu werden, aber Deine Mutter wirst Du, musst Du erhören. Meinen geistlichen Vater und alle ihm anvertrauten Kinder, unsere Seelsorger und alle ihnen anvertrauten Seelen, mein Volk übergebe ich Dir in Deine heiligen Wunden. Amen.“

August. Als Gattin und Mutter musste ich mit meinem Gatten an einer Unterhaltung teilnehmen, als wir unser Kind auf der Alp besuchten. Ich sah, wie die Menschen sich freuen an dieser Musik und am Tanz, wie ausgelassen sie sich zeigen, wie der Alkohol die Gemüter und so das edelste Geschöpf, das Gott für den Himmel bestimmt hat, sich zum Tiere herabwürdigen kann. Ist es möglich, dass man an solchen irdischen Dingen sich maßlos freuen kann? Doch diese Menschen scheinen um keine größere Freude zu wissen, als was die Welt Ihnen bietet. Vergessen ist derjenige, der sie erschaffen, der aus unendlicher Liebe Sein Leben für sie hingegeben, um ihnen die ewigen Freuden zu erkaufen. Vergessen ist die reinste immerwährende Liebe und Wonne, die auf den Altären auf uns wartet. O diese vergänglichen Freuden, an denen auch ich mich gefreut!

Ich weiß, es ist unendliche Erlöserliebe, die mich in Seine Nähe gerufen. „Wie einst Judith, so opfere und bete für Dein Volk!“ Mitten in Musik und Vergnügen hörte ich den Ruf meines Gottes. Meine Seele sieht meinen Heiland leiden für diese Seine Erlösten; sieht Seine geöffnete Seitenwunde. Seinen heiligsten Blick in unendlichem Weh und Leid und doch wie ein Meer von Liebe auf mich gerichtet sagte Er: „Meine Wunden sind neu.“ Aus Seiner Wunde spritzt bei jedem Herzschlag Sein heiligstes Blut in so vielen Tropfen. „An so vielen Seelen geht mein heiliges Blut verloren“, ist Seine Klage. In meiner Seele steigt ein tiefes Erbarmen auf gegenüber den Seelen, die so blindlings im Rausch der weltlichen Freuden dahin leben und so großen seelischen Gefahren ausgesetzt sind. Ich weiß, ich muss opfern und beten für mein Volk, darf es tun aus Liebe zu Jesus. Eine tiefe unsägliche Freude durchströmt meine Seele beim Anblick der erhabenen Bergwelt. Ich fühle mich zu Dir, mein Gott, emporgehoben. Du hast meine Bedrängnis und Not in Freude, mein Flehen in Jubel verwandelt. Eine tiefe Freude durchströmt meine Seele: „Hochpreiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heile. Ich weiß nicht, wie mir geschieht. Eine nie gekannte Freude und Ruhe in Gott erfüllt meine Seele den ganzen Tag. Aus lauter Freude finde ich keinen Schlaf in der Nacht. Ich kann sie nicht aussprechen. Wer solche Freude erlebt, kann sich niemals den irdischen Freuden und Genüssen hingeben. Eine unvorstellbare Sehnsucht bleibt in meiner Seele zurück nach Tagen nach Demjenigen, der unsere Freude, unser Lohn sein will.

August. Unruhig ist meine Seele, bis sie ruhen darf in Gott. Ich habe Gott beleidigt, habe gesündigt vor Ihm, fast mit Neid schaute ich auf jene Mütter, die ihren Mutterfreuden sich so ganz hingeben können. Warum soll ich das letzte Kind an meiner Brust gehabt haben, warum verlangt denn Gott so Großes von mir, Seinem sündigen Weibe? Ich soll opfern und beten für die Sünder, nicht für meine Lieben, die mir doch am nächsten sind?

Und wie kann denn der liebe Gott mein armseliges Stammeln erhören? Mein Beten geht mir so mühsam und meine Seele ist wie ausgetrocknetes Erdreich. Ich fühle mich so ferne von Ihm, weil ich in meiner Schwäche und Gleichgültigkeit Ihn beleidigt habe. Ist es denn möglich, dass man solch innige Gottesliebe erfahren kann und dann Ihn doch wieder beleidigt? Dürr und trocken ist meine Seele. In Gottes Ferne scheint’s mir unmöglich, recht zu beten. Wie soll ich durch solches Beten noch Sünder bekehren, selber eine schwache sündige Seele? Doch wenn Gott schweigt, kann ich noch zur Mutter gehen. Hier bei der Schmerzensmutter findet jedes Menschenherz Trost und Hilfe. Ich Klage ihr meine Schwäche, mein Leid, meine Versuchungen. Mir ist, als würde ich wieder die Worte: „Siehe, mein Kind, ich habe alles geopfert, um allen Mutter zu werden. Opfere auch Du Dich und alles Deinem Erlöser auf!“

Als mein liebes Töchterchen im Fieber lag, betete ich zur himmlischen Mutter und dessen Gesundheit und meinte, ich hab keine Zeit, für die Seelen meines Volkes zu beten. Da vernahm ich in meinem Innern: „Ist eine Seele nicht mehr wert als die Gesundheit Deines Kindes?“ Ich fragte den Beichtvater, ob solches Erfahren Einsprechungen sind. Er sagte, ich dürfe Einsprechungen nicht verwechseln mit eigenen Gedanken, sonst könnte es sein, dass ich eines Tages erkennen müsse, dass alles Täuschung sei. Zutiefst in meiner Seele erschrocken flehte ich zu Jesus um Rettung aus diesen Zweifeln und Bedrängnis. Ich besann mich über mein bisheriges Erleben und musste denken: es ist doch unmöglich. Da vorn im Tabernakel weilt derjenige, der mir so deutlich gesagt: „Gib mir Seelen. Durch meine heiligen Wunden kannst Du alles erlangen.“ Ich hörte: „Ich bin die Wahrheit und mein Wort ist Wahrheit.“ Und meine Seele antwortete: „Ich glaube, ich hoffe, ich liebe Dich. Du, mein Gott, kannst nicht irren und nicht in Irrtum führen. O mein Jesus, nur Jammer und Schmerz ist ein Leben ohne Dich, mein Gott. Dein will ich sein und all das Meinige ist Dein, Dir opfere ich alles, verfüge über mich und die meinen, wie Du willst, aber bewahre uns in Deiner Liebe! Hier ist mein Herz, nimm es an zum Werkzeug für die Rettung der Seelen, an denen sonst Dein kostbares Blut verloren geht! Mache mit mir, was Du willst! Und sollte ich in meiner Schwäche meinen Willen zurückverlangen, so gib ihn mir nicht! Führe und leite mich ganz nach Deinem Willen!“

Innigste Vereinigung mit Gott gibt es nur, wenn der Wille mit dem Willen Gottes eins ist.

September. Wir sind schon fast drei Monate ohne Regen. Felder und Fluren sind ausgetrocknet und das Land gleicht auf den Sonnenseiten einer Wüste. Ich denke, warum man nicht Wallfahrten unternimmt und um Regen betet. Mir selber ist, ich müsse warten und erst beten um Regen, wenn ich innerlich dazu angerufen werde.

Nun nach zwei Wochen hält unsere Pfarrei die Bittprozession nach Maria Hilf in Haslen. Und mir ist es, als soll ich neun Tage lang jede Nacht aufstehen und beim gekreuzigten Jesus und seiner Schmerzensmutter einen Rosenkranz beten um baldigen Regen. Ich fürchtete meine Schwäche, ich werde nicht erwachen. Aber meine liebe Gottesmutter weckte mich jede Nacht zur gleichen Stunde. Am 7. Tage meiner Andacht fiel der Regen und erquickte Menschen und Natur. Doch nur drei Tage regnete es und wieder brennt die Sonne unbarmherzig heiß.

Ich vernahm durch eine Bekannte, dass mein Taufpate in seinem hohen Alter an Leib und Seele krank ist. Er wollte sogar, weil er schon lange Jahre lang keine Sakramente mehr empfangen hatte, seinem Leben schon zweimal ein Ende machen. Sie müssen ihn hüten, dass er sich kein Leid antut. Meine Aufgabe ist es, für ihn zu opfern und zu beten, dass seine Seele gerettet werde. Und ich stand weiter jede Nacht auf (Oktober), um für diese verlorene Seele zu beten.

Wir haben so trocken und die Quellen versiegen, sodass viele Bauern das Wasser für Haus und Vieh weit her tragen müssen. Wird Gott sich unser Erbarmen und uns noch vor der Volksmission den ersehnten Regen spenden? Sonst werden viele sagen, sie haben keine Zeit, weil sie den ganzen Tag Wasser zu den Weiden tragen müssen, und würden, wegen der Arbeit müde, nicht an der Mission teilnehmen. Doch Gott erbarmt sich unser und sendet uns genug Regen, mehr als eine Woche regnete es. Während unserer Missionswoche haben wir schlechte Witterung. Nun habe ich das Opfer gebracht und bin jede Nacht aufgestanden, um für mein Volk zu beten, bald um Regen und dann um die Gnade, dass die heilige Mission allen Pfarrkindern zum Segen gereiche. Jeden Tag machte ich zweimal den weiten Weg nach Appenzell, um jede Predigt zu hören.

November. Es fällt mir so schwer, jede Nacht aufzustehen, um den Rosenkranz zu beten. Es kam der Herz-Jesu-Freitag. Wie gewohnt erwachte ich um Mitternacht und betete Jesus im hl. Sakrament aus der Ferne an, erweckte die geistige Kommunion, weil ich wusste, dass es mir nicht möglich ist, zur hl. Kommunion zu gehen. Aber aus Müdigkeit wollte ich einschlafen und meinte, ich wolle jetzt wieder aufhören. Da hörte ich eine innere Stimme, ganz traurig sagte sie: „Nicht eine Stunde kannst Du mit mir wachen!“ Und ich wusste, dass Er im hl. Sakrament auch für uns litt und betete und wachte.

Oh mein Gott und Heiland, was hast Du gelitten, um mich zu erlösen aus ewiger Verdammnis? Und ich will aufhören, Dein hl. Leiden zu betrachten? Was soll ich sündiger Mensch sagen, da Du aus lauter Liebe mich gerufen? Ich bin aufgestanden, umfing wie einst Magdalena das Kreuz meines Erlösers und Jesus gab mir wie ihr Tränen der Reue über meine Sünden. Ja, ich will aus Liebe zu Seinem heiligsten leidenden Erlöserherzen und jede Nacht das Opfer bringen und mit Jesus wachen und beten für die Bekehrung meines Volkes. Ich will in Seine Fußstapfen treten und Ihm nachfolgen. Nun blieb ich Ihm treu. Jede Nacht erwachte ich, stand auf und betete den Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder, besonders für mein Volk. Auch in dem kalten Winter machte es mir gar nichts, im sehr kalten Zimmer aufzustehen und zu beten.

Aber jetzt wird es mir doch ganz unmöglich, jede Nacht aufzustehen; denn unsere Kleine schreit oft und oft in jeder Nacht vom Schlafe auf, so dass ich fast nicht schlafen und auch nicht ungestört beten kann. Ja fast jede Viertelstunde tut sie einen Schrei, dass es mir unmöglich wird zu schlafen. Ich bin so müde und stehe nicht mehr auf. Und unsere Maria schläft die ganze Nacht durch. In der folgenden Nacht stehe ich auf, um zu beten. Und von da an schreit sie erschreckt auf bis zum Morgen. Mir ist es ein Rätsel. Mir kommt der Gedanke, der böse Feind will dich vom Gebete abhalten. Ich nehme meinen geweihten Rosenkranz und mit dem Kreuz desselben segne ich mein Kind. Jesus ist ja bei mir. Von nun an schläft mein Kind. Ich umfange das Kreuz meines Erlösers und mache wieder den Vorsatz, zu opfern und zu beten für mein Volk.

Weil mein Beichtvater während der Volksmission nicht beichthörte, ging ich zum Missionär zur hl. Beichte. Habe mich über meine ersten seelischen Erfahrungen mit ihm besprochen und sagte, dass Gott mir sagte: „Wie einst Judith, so opfere und bete du für dein Volk!“ Er hat gesagt, ich soll es so machen, er persönlich urteile, dass das Erfahrene echt sei und von Gott komme, ich soll mir die hl. Theresia zum Vorbild nehmen, ich dürfe aber nicht annehmen, dass ich wegen diesen Erfahrungen heiliger sei. Und er gab mir den hl. Segen.

O es ist eine so große Missiongnade, wenn man einsieht, dass der liebe Gott in Seiner unendlichen Barmherzigkeit mir alles, Gutes und Böses, Freude und Leiden, hat zu meinem Besten gereichen lassen! Mein Gott, von meiner Jugend an bist Du mit Deiner Gnade mir Ärmsten zuvorgekommen. Hast mich so oft zu Deinem heiligen Tische eingeladen. O wunderbares Walten Deiner göttlichen Vorsehung! Könnte ich undankbare Seele genug Dir danken, mein ganzes Leben Dich loben und preisen und so leben, dass wenigstens ich Dich, mein Alles, nie mehr beleidigen würde!

So schön und erhaben die Eucharistiefeier und die Weihe an die Gottesmutter an der hl. Mission waren, so kommt doch nichts der heiligsten Feier gleich, wo Jesus sich im heiligsten Messopfer für uns, seine Erlösten, dem himmlischen Vater darbringt.

Dezember. Am dritten Tage konnte ich in die hl. Roratemessen gehen. Kann ich einen Schatten zeichnen von dem heiligen Erleben? Ich weiß nicht, habe ich gebetet. Es war ein Schauen und Staunen ob der unermesslichen Gottesliebe, die sich so ganz hingibt im hl. Messopfer. Mir ist, als fühle mein Herz das Verlangen des göttlichen Heilandes, sich den armen sündigen Menschen zu schenken. O diese unendliche Liebe verlangt, im heiligsten Sakramente allen seinen Erlösten sich mitzuteilen, dass sie das Leben haben von Seinem Leben, dass keines ewig verloren gehe.

Aber nur wenige aus der großen Schar wollen Sein Rufen hören, sind bereit, sich Ihm zu schenken, Ihm sich ganz ohne Vorbehalt zu übergeben. Sein heiligstes Erlöserherz verlangt mit der gleichen Liebe, sich ganz uns zu schenken, wie Er sich am Kreuze für uns hingegeben hat. O meine Seele fühlt Sein Verlangen, bei Seinen Erlösten zu sein. Er hat sich in der hl. Wandlung wieder für uns geopfert dem himmlischen Vater als Sühnopfer für unsere Sünden und hält bei Seinem Stellvertreter in der heiligen Kommunion Einkehr. Wer kann gleichgültig diesen heiligen Geschehen gegenüberstehen? Es ist das größte Wunder Seiner Allmacht und Liebe. O Herz Jesu, mein Verlangen, ich sehe jene vielen armen Sünder, deren Herz voll ist von irdischer Liebe und Eitelkeit und die doch, so liebeleer, nie glücklich sind, weil sie Deine Liebe nicht suchen, nicht kennen wollen, die Dich, o höchstes Gut, beleidigen und vergessen.

Herz Jesu, nimm mein tiefes Verlangen, das daheim jeden Morgen mein Herz erfüllt, Dir im hl. Opfer nahezu sein und Dich im heiligsten Sakramente zu empfangen, wenn ich daheim meine Berufspflichten erfüllen muss, und gib es jenen Ärmsten, die Dein heiligstes Erlöserherz am meisten beleidigen! Mir ist, als vernehme ich in meinem Innern die Worte: „Sei Wegbereiter und führe die Seelen mir zu!“

Und in der folgenden Nacht vernahm ich bei dem Betrachten Seines Leidens und Sterbens und betend für mein Volk wieder wie vor der Mission vom sterbenden Heiland: „Sie wissen nicht, was sie tun.“

Täglich strömt Gottes Liebe im hl. Opfer auf uns sündigen Menschen, wie am hl, Kreuze, Sein hl. Blut aus seinen Wunden geflossen ist. Und ich muss daheim meine Pflichten tun. Mir ist im hl. Advent, als weile ich in der Verbannung. O wenn doch du, mein Volk, erkänntest in dieser Gnadenzeit, was dir zum Frieden dient!

Auch wir dürfen wie die Hirten auf Bethlehems Fluren in dieser hl. Christnacht dem göttlichen Kind entgegengehen. Die Hirten waren die Auserwählten, die durch die Botschaft der Engel das göttliche Kind sehen und anbeten durften. Wir sind jene Auserwählten, die dem göttlichen Jesuskind ihr Herz als Krippe anbieten dürfen. Staune, o Seele, wie hoch hat Gott Vater dich erhoben! Maria, die Reinste, die Makellose, durfte als ein lebendiger Tabernakel Ihren Herrn und Gott am Herzen tragen. Und wir arme Sünder dürfen auch uns Ihm nahen. Ja, Er ruft uns zu: „Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken!“ Gott hat in Seiner unendlichen Liebe uns als Seine Wohnung ausersehen, auf dass wir immer bei Ihm bleiben dürfen. Er hat uns ja befohlen, Sein heiligstes Fleisch und Blut zu genießen, dass wir in Ihm das ewige Leben haben. O dass Dein heiligstes Erlöserblut an keiner Seele verloren ginge!

MARIA GRAF-SUTTER — Beschreibungen über mein inneres Leben (07)

1946

Doch nach sieben Monaten reinsten tiefsten Glückes kommt schon die erste Trennung des Kindes von mir. Es ist die Zeit der Entwöhnung, der ich bei jedem Kinde mit Bangen entgegensah. Denn wie mehr können Mutter und Kind so eng vereinigt sein als in der Zeit, da sie dem Kind die Brust zur Nahrung reicht. O wenn doch jede Mutter mit der rechten Liebe zum Kinde ihren Pflichten nachkäme und die nährende Liebe so lange als möglich schenken würde! Es müsste mehr glückliche Kinder und dann mehr glückliche Eltern geben. Die durch Gott geheiligte Liebe würde wachsen und ein glückliches, zufriedenes Geschlecht heranbilden.

Es ist Mai 1946. Wieder soll ich mein Mesmeramt in der Kapelle versehen. Doch wie kann ich denn jeden Abend vom kleinen Kind weg, das ich noch stille, und selber die Maiandacht halten? Es geht nicht und ich bin willens, die Maiandacht nur am Sonntag zu halten. Zuerst kommen doch die Pflichten als Mutter. Ich will das Amt in andere Hände übergeben. Doch die Verwaltung sagt, lieber nur am Sonntag Mai-Andacht halten, sie wisse niemand, dem sie das Mesmer-Amt übergeben könne. Ich betete zur himmlischen Mutter um Rat. Ich will nur, was Gott will. Ich sagte zum Gatten, er solle in die Kapelle. Aber er sagte ich solle es abgeben, es sei einfach der Arbeit zu viel.

In dieser Nacht träumte ich, wie ich den Altar schmücke mit Blumen. Nun zuletzt wollte ich eine Vase mit so großen schneeweißen Blumen wie Lilien zur Muttergottesstatue empor heben. Weil ich es nicht erlangen konnte, gab ich die Vase meinem Gatten, der neben mir stand. Und in dem Momente, als er die Vase mit den Blumen erhob, hatte die Gottesmutter nicht mehr den toten Heiland, sondern das holdeste Gotteskind auf dem Schoß. Es neigte sich zu uns, um die Vase in Empfang zu nehmen. Plötzlich erwachte ich und wusste: Meine himmlische Mutter will, dass ich weiter ihr im Heiligtum diene. Ich erzählte dies dem Gatten. Und von diesem Tage an nahm er mir willig diese Arbeit ab und ging fast jeden Morgen in die Kapelle, Ave Maria zu läuten.

Aber immer wenn ich in der Kapelle zu tun hatte, am Morgen und Abend, hat unsere liebe Maria geschlafen. Es war, als habe die Gottesmutter und ihre Engel sie in den Schlaf gewiegt.

Es kam der Herbst 1946.

Von den größten Freuden, die Gott mir schenkte, habe ich schreiben können. Doch nie kann ich in Worte kleiden, was meine Seele in tiefster Bedrängnis erlebt hatte. Diese Stunden und Zeiten sind nur Gott bekannt. Auch als glückliche Mutter habe ich jeden Tag vor dem Bilde des Gekreuzigten das Gebet verrichtet, welches Jesus mir im blendenden Lichte am Herz-Jesu-Freitag zu beten gab. Die Zeit meiner Mutterschaft war seelisch eine Zeit tiefsten Friedens und ich hoffte, es werde so bleiben. Doch es kamen mir tiefste Zweifel, ob das alles, was ich in diesen 6 Jahren erfahren musste, echt oder Täuschung sei. Warum hatte ich während meiner Mutterschaft so tiefe Ruhe? Und wenn ich versucht wurde, dieses Beten zu unterlassen, wusste ich ganz sicher: Jesus will, dass ich betete; Er hat es mir befohlen.

Und jetzt diese Bedrängnis, diesen Ringen und Kämpfen: beten hat keinen Erfolg? Und wenn ich’s bleiben lasse, kann ich doch nicht vergessen, was in tiefster Seele erlebt ist. Dazu kommen noch äußere Schwierigkeiten, Schaden und Unglück im Stall, dass mein Gatte in Schulden geraten muss. Und doch würde ich lieber selber hungern, als dem Nebenmenschen nicht geben können, was ihm gehört. Doch lieber würde ich äußeres Unglück und Widerwertigkeiten ertragen als all das Geheimnisvolle, von dem ich mit keinem Menschen sprechen kann, weil ich annehmen muss, ich sei allein, dass ich solches erfahre. Könnte ich doch wie andere Frauen und Mütter fühlen und erleben. Lieber wieder Mutterwürde und -bürde ertragen. Doch, mein Gott, verzeih mir! Ich habe ja Dir versprochen, allzeit Deinen heiligen Willen zu erfüllen. Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten, auch das Schwere und Schwerste.

Aber von meinen seelischen Erlebnissen kann ich nie sprechen. Mein Herz verschließt sich wie mit sieben Siegeln. Ich betete und flehte zu meiner himmlischen Mutter und zu Jesus, dass Er alles zum Besten wende und meinen Beichtvater erleuchte. Trotzdem meine himmlische Mutter mir dreimal zu erkennen gab, welchen Priester ich zu meinem Seelenführer wählen soll, kamen mir in Zeiten der seelischen Bedrängnis Zweifel, ob denn dieser Priester mich führen und leiten soll und könne, wenn ich mich doch nicht aussprechen könne.

 

1947

April 1947. In meiner Bedrängnis flehte ich zur himmlischen Mutter, die mir noch in jeder Lebenslage beigestanden ist, sie soll mir doch meinem Beichtvater und Seelenführer zu erkennen geben, dass ich ihm gehorche und mich von ihm leiten lassen kann. Ich bat sie, sie soll mich in der Nacht wecken. Und ich erwachte und betete, die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes betrachtend, mit Tränen der Reue über meine Sünden. In tiefem Verlangen nach der hl. Kommunion fühlte ich mich ganz mit Jesus vereinigt und hörte die Worte: „Sag deinem Beichtvater: er steht zwischen Mir und dir. Er soll seine Beichtkinder fragen, ob es ihr Ernst sei, ihr Leben zu bessern. Und wenn ja, soll er ihnen Nacharbeit geben. Sie sollen jeden Tag ein Ave Maria beten mit der Bitte: Maria, führe mich zu Jesus. Solange sie beten, werden sie die Sünden meiden. Sie werden wieder kommen. Die Sünder werden sich bekehren. Sein Beichtstuhl aber wird belagert werden.“ Eine unbeschreibliche Liebe zum göttlichen Heiland durchdrang mir Herz und Seele. Ich kannte keine größere Sehnsucht, als Ihm durch Gebet und Opfer viele Seelen zu gewinnen. O unermessliche Gottesliebe, wie kann ich es ertragen? Ich hab so unzählige Male in meinem Leben Dich erzürnt und beleidigt. O könnte ich doch alles wieder gut machen!

Dabei erkannte ich, dass dies besonders dort soll verbreitet und angewandt werden, wo der Kommunismus herrscht; denn es werden falsche Propheten predigen und falsche Priester in den Beichtstühlen sitzen und dann die Gläubigen dem Verräter übergeben. Dies muss bekannt gemacht werden.

Doch nach diesen Freuden kamen die schwersten Bedrängnisse über meine Seele. Wie ein innerer Zwang wurde ich gedrängt, dieses Erlebnis niederzuschreiben und meinem Beichtvater zu übergeben. Ich weiß ja jetzt: dieser Priester steht zwischen Gott und meiner Seele. Doch ich war so voll Angst, er werde mich nicht verstehen, werde mir nicht glauben, es sei alles Täuschung, oder er halte es dafür. Unter den furchtbarsten Kämpfen (ich litt, soviel ich ertragen konnte) schrieb ich und übergab es dem Beichtvater. Aber noch nie habe ich solches ausstehen müssen. Ich fühlte, dass der Teufel an meiner Seite ging und mir einflüsterte: „Gehe nicht zu ihm, er hält dich für verrückt, verbrenne den Brief!“ Als ich bei der Kirche vorbeiging, sagte er an meiner Seite: „Schau nach der Uhr, es ist zu spät, gehe nicht!“ Und eine andere Stimme: „Tue, was jetzt getan werden muss! Er steht zwischen dir und mir.“ Unter der Anrufung der heiligsten Namen Jesus und Maria kam ich ans Ziel.

Juni 1947. Es wird mir so schwer, daheim meine Pflichten zu tun, wenn meine Seele so sehr nach ihrem Herrn und Gott verlangt, und ach, ich bin ja Seiner so unwürdig. So groß ist meine Schuld und Nachlässigkeit! O wie oft schon habe ich Sein heiligstes Herz beleidigt! Wie die Büßerin Magdalena umfange ich das Kreuz meines Erlösers, bitte Ihn um Gnade und Erbarmen.

Herz-Jesu-Fest. Ich ging zur hl. Beichte und vernahm von meinem Beichtvater die Warnung, ich soll aufpassen, dass nicht am Ende alles Täuschung sei. Mir wurde so bange und ich musste denken, wäre es möglich, sollte ich dies alles, was zwischen Gott und meiner Seele ist, vergessen können. In innigster Vereinigung mit Jesus in der hl. Kommunion bat ich Jesus unter Tränen, Er soll sich meiner erbarmen und mir zu erkennen geben, ob alles Wahrheit oder Täuschung sei, wenn Er gesagt habe, durch Seine hl. Wunden könne ich alles erlangen.

Sieh, mein Jesus, hier bin ich und übergebe mich Dir ganz mit Leib und Seele und allem, was ich bin und habe. Nimm mich an, so wie ich bin, als Dein Werkzeug für jene Sünder, an denen Dein heiliges Blut sonst verloren geht! Und all die Meinen gebe ich Dir, stelle sie dorthin, wo sie Dir am liebsten sind, nur gib mir Deinen heiligen Willen zu erkennen!

Da vernahm ich so deutlich: „Wie einst Judith, so opfere und bete für Dein Volk!“ Ich fühlte, wie eine Schwere mich drückte, und sagte: „Ich sehe jedoch keinen Erfolg.“ So unendlich lieb vernahm ich die Worte: „Dann komm zu meinen hl. Wunden!“ Mir war, als stehe ich zwischen Ihm und den unglücklichen Seelen, die aus Sünde und Not den Weg zu Ihm nicht finden.

O mein Gott, mein Erlöser, Dir übergebe ich mich ganz, wie Du willst, so geschehe alles zu Deiner Ehre! Ich hab Dich, mein Gott, so oft verlassen durch meine Gleichgültigkeit und hab durch meine Sünden Dein hl. Erlöserherz betrübt. Verzeihe mir meine Sünden! Lieber Heiland, ich kehre zu Dir zurück und will Dir treu bleiben, mag kommen, was will. Ich bin hineingestellt in Dein hl. Walten. Jesus, Dein heiligstes Blut geht an so vielen Seelen verloren. O mein bester, liebster Heiland, Deine grenzenlose Liebe zu uns, Deinen Erlösten, bewog Dich, Dein verwundetes Herz mir zu zeigen. Ich sah Deine neuaufgerissene Herzenswunde, Dein heiligstes Blut spritzte daraus bei jedem Schlag in unzähligen Tropfen. Und Du, mein Gott, sagst, an so vielen Seelen geht es verloren. Zutiefst in meine Seele drang Dein Blick, so abgrundtief, so voll Leid, und doch so unendlich lieb, so voll Erbarmen. Mein Gott, mein Alles!

 

(Fortsetzung folgt!)