Volltext: Präsident Trump’s außergewöhnliche Weihnachts-Rede

WASHINGTON, D.C., 1. Dezember 2017 (LifeSiteNews) — Präsident Trump hielt die folgende Rede beim Lichteranzünden des Nationalen Christbaums am Donnerstag, 30. November 2017:

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Heute ist der Tag, auf den ich das ganze Jahr sehr gespannt gewartet habe. Es ist einer, von dem wir gehört haben und von dem wir sprechen und von dem wir träumen, und jetzt, als Präsident der Vereinigten Staaten, ist es mir eine große Ehre, endlich Amerika und der Welt ein fröhliches Weihnachtsfest zu wünschen.

Ich möchte allen danken, die hier vor dem Weißen Haus, dem schönen, schönen Weißen Haus, zusammengekommen sind, und allen, die von zu Hause aus zuschauen und die Beleuchtung dieses unglaublichen nationalen Weihnachtsbaums sehen.

Seit fast einem Jahrhundert, in guten wie in schlechten Zeiten, hat jeder Präsident an dieser wundervollen Tradition teilgenommen, die zuerst von Präsident Coolidge begonnen wurde. Aber ich wurde heute Abend informiert, dass das Wetter, das wir haben, das beste seit 25 Jahren ist. Tatsächlich sagte ich: „Ist es immer so?“ Und die Sekretärin sagte: „Das war lange nicht mehr so.“ Wir sind also sehr glücklich.

Schließlich unterzeichnete Präsident Ulysses S. Grant 1870 eine Gesetzgebung, die Weihnachten zu einem Bundesfeiertag machte. Und ich fühle irgendwie, dass wir das wieder tun. Das geschieht jetzt.

Seit den frühesten Tagen unserer Staaten haben die Amerikaner Weihnachten als eine Zeit des Gebetes und der Anbetung, der Dankbarkeit und des guten Willen, für Frieden und Erneuerung gekannt.

Melanie und ich sind am Beginn dieser sehr gesegneten Saison voller Freude. Wir sind begeistert, wenn wir an die Menschen in der ganzen Nation und auf dem ganzen Kontinent denken, deren Geist vom Weihnachtswunder erhoben wird.

Für Christen ist dies eine heilige Jahreszeit – die Feier der Geburt unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus. Die Weihnachtsgeschichte beginnt vor 2000 Jahren mit einer Mutter, einem Vater, ihrem kleinen Sohn und dem außergewöhnlichsten Geschenk unter allen, dem Geschenk der Liebe Gottes für die gesamte Menschheit.

Was auch immer unser Glaube ist, wir wissen, dass die Geburt Jesu Christi und die Geschichte dieses unglaublichen Lebens für immer den Lauf der menschlichen Geschichte verändert haben. Es gibt kaum einen Aspekt unseres Lebens heute, den sein Leben nicht berührt hat: Kunst, Musik, Kultur, Recht und unser Respekt für die heilige Würde jedes Menschen überall auf der Welt.

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit erkennen wir, dass der wahre Geist von Weihnachten nicht das ist, was wir haben, sondern dass es darum geht, wer wir sind – ein jedes von uns ist ein Kind Gottes.

Das ist die wahre Quelle der Freude zu dieser Jahreszeit.

Das ist es, was jede Weihnacht ‚fröhlich‘ macht.

Und das ist es, woran wir uns bei der heutigen schönen Zeremonie erinnern, dass wir dazu berufen sind, einander zu dienen, einander zu lieben und nach Frieden in unseren Herzen und überall auf der Welt zu streben.

Und so danke ich heute Abend den Millionen von Amerikanern, die unser Leben erleuchten und unsere wunderbaren Gemeinschaften erhellen. Ich danke denen, die während dieser Zeit und während des ganzen Jahres den Bedürftigen dienen. Ich danke unseren Militärs und den Frauen, die auf der ganzen Welt stationiert sind und uns in Sicherheit beschützen.

Ich danke unseren Ordnungskräften, die unsere Straßen schützen und unsere Heimat sichern. Ich danke Amerikas Lehrern, Pastoren und all jenen, die uns so viel gelehrt haben, für ihre Führung in unseren Gemeinschaften und in unserer Gesellschaft.

Und besonders heute Abend danke ich Amerikas Familien. Zu Weihnachten werden wir mehr denn je daran erinnert, dass die Familie das Fundament des amerikanischen Lebens ist.

Und so bitten wir dieses Jahr zu Weihnachten um Gottes Segen für unsere Familien, für unsere Nation. Und wir beten, dass unser Land ein Ort sein möge, an dem jedes Kind ein Haus voller Liebe, eine Gemeinschaft voller Hoffnung und eine Nation voller Glauben kennt.

Im Namen von Melanie, Barron, all meinen Kindern, all meinen Enkeln – sie sind heute Abend bei uns – möchte ich Ihnen danken.

Gott segne Sie und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika. Vielen Dank.

Frohe Weihnachten allen. Fröhliche Weihnachten. Ein glückliches neues Jahr. Vielen Dank.

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Epiphanie: Das zweite Weihnachten

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Anbetung des Kindes durch die Weisen: Epiphanie – RV

Am Tag der Epiphanie wird verschiedener Ereignisse im Leben Jesu gedacht, die ihn „epiphan“, also offenbar haben werden lassen: der Besuch der Weisen aus dem Osten und Erscheinung des Herrn, so die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes „Epipháneia“.Während an Weihnachten die Menschwerdung des Gottessohnes zu Bethlehem gefeiert wird, so ist Epiphanie das Sichtbar-Werden desselben für die Welt. Doch können diese beiden Feste nicht getrennt voneinander gesehen werden. Immerhin ist Epiphanie auch das Fest, an dem die orthodoxen Kirchen den Heiligabend feiern. Weil auch in der Westkirche an diesem Tag liturgisch noch immer die Heilige Nacht gefeiert wird, ist es eigentlich noch ein zweites Mal das Weihnachtsfest.

Doch dieses „zweite Weihnachtsfest“ will sagen: Nicht nur Gott ist zu den Menschen gekommen, sondern durch seine Tat sind die Menschen selbst in Bewegung geraten und gehen zu dem, der zu ihnen gekommen ist. Auf diese Bedeutung weist der volkstümliche Name des Fests, „Dreikönig“, hin: Die Sterndeuter aus dem Morgenland suchten sich durch alle Gefahren hindurch den Weg zum Kind.

Vom 3. Jahrhundert an wurde von der Dreizahl ihrer Gaben (Weihrauch, Myrrhe und Gold) auf drei Weise geschlossen, denen vom 6. Jahrhundert an Namen beigelegt wurden. Gleichzeitig wurden sie aufgrund alttestamentlicher Weissagung zu Königen gemacht. Der Legende zufolge, die ins 12. Jahrhundert zu datieren ist, sollen ihre Gebeine durch die Heilige Helena nach Konstantinopel gebracht worden sein. Von dort kamen sie nach Mailand. Später wurden sie nach Köln übertragen, wo sie im berühmten Dreikönigsschrein beigesetzt wurden.

Das Fest fordert dazu auf, sich dem unbegreiflichen Geheimnis der Liebe Gottes zu nähern, vor ihm auf die Knie zu fallen und anzubeten. Es lädt dazu ein, sich die eigene Sendung und die Verantwortung gegenüber der Welt noch mehr bewusst zu machen.

 

(rv 05.01.2017 jg)

Jahresschluss-Vesper: „Wir diskriminieren die Jugend“

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Verehrung der Krippe: Papst Franziskus bei der Feier der Vesper

Sich die göttliche Logik zu Eigen machen: So lautete die Einladung von Papst Franziskus zum Ende des Jahres 2016. Er feierte im Petersdom die erste Vesper zum Hochfest der Gottesmutter, das gleichzeitig auch das Jahresende markiert und deswegen mit dem großen Gottesdank, dem Te Deum, begangen wird.

Die göttliche Logik, auf die Papst Franziskus immer wieder zu sprechen kommt, bestehe darin, dass Gott in der Kleinheit und Zerbrechlichkeit des Neugeborenen Menschen zu uns gekommen sei. „In Christus hat Gott sich nicht als Mensch ‚verkleidet’, sondern ist Mensch geworden und unsere Befindlichkeit in allem geteilt“, so der Papst. Weit davon entfernt, eine Idee oder etwas Abstraktes zu sein, „wollte er all denen nahe sein, die sich verloren, gedemütigt, verletzt, entmutigt, trostlos und eingeschüchtert fühlen.“ Trostlosigkeit, Verletzung, Scham und Ausschließung sollten nicht das letzte Wort haben im Leben der Kinder Gottes.

Die Kette der Privilegien durchbrechen

Die Einladung, sich diese Logik zu Eigen zu machen, würde durch die Krippe ausgesprochen, die bildliche Betrachtung der Menschwerdung. „Es ist ein Denken, das nicht auf Privilegien, Zugeständnisse und Begünstigungen ausgerichtet ist; es geht um die Logik der Begegnung, der Nähe, der unmittelbaren Nachbarschaft.“ Gott wolle die „Kette des Privilegs, das immer Ausschließung erzeugt“, sprengen. Aber dann auch eine Warnung des Papstes: „Wir können es uns nicht leisten, blauäugig zu sein.“ Die Versuchung, selber in der Logik des Privilegs zu leben, sei stark, es brauche die Erleuchtung und Hilfe durch Gott. „Heute, vor dem Kind von Bethlehem, wollen wir zugeben, dass wir es nötig haben, vom Herrn erleuchtet zu werden. Denn nicht selten erscheinen wir kurzsichtig oder bleiben in dem ausgeprägten Mainstream-Verhalten dessen verhaftet, der die anderen mit Gewalt in die eigenen Schemen pressen will.“

Jetzt, zum Ende des Jahres, wolle er ausdrücklich vor der Krippe inne halten, um für Gottes Großherzigkeit zu danken, „wir halten vor der Krippe inne, um uns darauf zu besinnen, wie Gott während dieses ganzen Jahres gegenwärtig wurde.“

Moralische Pflicht gegenüber der Jugend

Wenn man auf diese Krippe schaue, dann sehe man in den Gesichtern von Josef und Maria Hoffnung und Bestrebungen von jungen Menschen, so der Papst. Damit griff er in seiner Predigt ein Anliegen auf, das ihn während seines Pontifikates ständig begleitet. „Wir haben eine Kultur geschaffen, die einerseits die Jugend vergöttert und versucht, diese Phase ewig hinauszuziehen, paradoxerweise aber haben wir andererseits unsere Jugendlichen dazu verurteilt, keinen Platz für eine wirkliche Eingliederung zu finden.“ Der Papst sprach von der Ausgrenzung von jungen Menschen aus dem öffentlichen Leben und von der Arbeits- und Perspektivlosigkeit, „wir diskriminieren sie und ‚verurteilen’ sie dazu, an Türen zu klopfen, die meist verschlossen bleiben.“

Man könne nicht von Zukunft oder dem neuen Jahr sprechen, ohne von der Verantwortung und der moralischen Pflicht gegenüber den jungen Menschen zu sprechen. Es folgte eine deutliche Aufforderung den jungen Menschen zu helfen, „hier in ihrem Land, in ihrer Heimat wieder konkrete Horizonte für eine Zukunft zu finden“. Italien ist wie andere Länder auch von einer sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit betroffen. „Auf die Krippe zu schauen fordert uns auf, unseren Jugendlichen zu helfen, damit sie fähig sind zu träumen und für ihre Träume zu kämpfen.“

Das Gotteskind in der Krippe zu betrachten tue angesichts des scheidenden Jahres gut, so der Papst. „Es ist eine Einladung, an die Quellen und an die Wurzeln unseres Glaubens zurückzukehren.“

 

Nach der Vesper besuchte der Papst wie in den vergangenen Jahren auch schon die Krippe auf dem Petersplatz.

 

(rv 31.12.2016 ord)

Homilie von Bischof Vitus Huonder am Hochfest von Weihnachten

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Brüder und Schwestern im Herrn,

es ist tatsächlich so: Märchen können erbauen und ergötzen. Als Kind hörte ich fürs Leben gerne Märchen. Es ist auch so: Märchen vermitteln Lehren und enthalten viele Wahrheiten. Aber – und dies ist letztendlich entscheidend – nicht jede Wahrheit ist ein Märchen.

Auch die Wahrheit der geistgewirkten Empfängnis und Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus ist kein Märchen. Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria ist kein Märchen. Die Kirche unterstreicht diese Wahrheit, indem sie in ihrer Lehre festhält: Maria war Jungfrau vor, in und nach der Geburt. Die Kirche spricht daher von der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Das ist fester, verbindlicher Inhalt des katholischen Glaubens.
Im Mittelpunkt der heutigen Feier steht der dritte Artikel des Glaubensbekenntnisses. Er lautet, wie wir dies anschließend im Credo zum Ausdruck bringen: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab)gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ (Qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis, et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine et homo factus est). Auf diese Weise bekennen wir, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria – die Empfängnis ohne Zutun eines Mannes – Wirklichkeit ist; dass dies geschehen ist. Es ist nicht die Wahrheit eines Märchens. Es ist die Wahrheit der Geschichte. Es ist die Wahrheit eines Ereignisses. Es ist die Wahrheit des göttlichen Wirkens, der göttlichen Allmacht. „Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Lk 1,37), hält Lukas bei der Schilderung der Empfängnis des Sohnes Gottes fest. Damit aber sagt uns der Evangelist, dass er uns kein Märchen erzählen will. Nichts Erfundenes! Nichts Erdichtetes! Vielmehr will er das wunderbare Walten Gottes vor Augen führen. Er will uns das erschließen, was für uns Menschen nicht ohne weiteres einsichtig und nachvollziehbar ist, und uns im Glauben stärken.

Der Evangelist will uns auch darlegen, wie dieses wunderbare Walten Gottes zu erklären ist: Durch das Wirken des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist – die dritte göttliche Person – wirkt so in die Schöpfung, in die Natur hinein, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria – die Empfängnis ohne Zutun eines Mannes – eine geschichtliche Wirklichkeit wird. Das ist der Inhalt des heutigen Festgeheimnisses. Das ist der Inhalt von Weihnachten. Nicht der Weihnachtsmann, nicht die Lichterdekoration, nicht der Weihnachtsmarkt, nicht die vielen Weihnachtsessen! Ja, ohne das heutige Festgeheimnis gäbe es dies alles gar nicht.

Der Evangelist Johannes – wir haben ihn eben gehört – fasst dieses Geheimnis in die gedrängten Worte: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). So ist die Menschwerdung des Sohnes Gottes die Wahrheit eines Geschehens. Das Märchen hingegen ist die Erfindung einer Geschichte. Erfindung und Geschehen sind darin verschieden, dass das eine die Vorstellung des menschlichen Geistes ist – Phantasie; das andere der Gegenstand eines Ereignisses – Wirklichkeit. Deshalb bekennt die Kirche als Wirklichkeit und nicht als Ausdruck eines Märchens im Credo: Er „hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ (Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine et homo factus est).

Wir haben in der Heiligen Nacht den ersten Teil des Bekenntnisses der Menschwerdung unseres Herrn betrachtet: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“ (qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis). Wir haben dabei festgehalten: Was in dieser „Nacht geschehen ist – die Geburt Jesu – ist zu unserem Heil geschehen. Es ist geschehen, damit wir aus unserer menschlichen Not befreit werden. Es ist geschehen, damit das Böse, damit Verletzungen, Hass, Unfriede, Unglück, Elend, ja der Tod ein Ende nehmen. Es ist geschehen, damit wir erlöst werden und uns die Tür zum Himmel offen stehe“. Meine Lieben, wäre das alles nur ein Märchen, würden wir heute nicht die Geburt des Sohnes Gottes feiern und – was ganz schlimm wäre – wir wären gar nicht erlöst. Dank sei Gott, dass er uns seinen einzigen Sohn, das Wort vom Wort, das von Ewigkeit her ist, durch das Ja der Jungfrau geschenkt hat, so dass Erlösung Wirklichkeit ist – und kein Märchen. Amen.

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Quelle

Homilie von Bischof Vitus Huonder in der Heiligen Nacht von Weihnachten

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Brüder und Schwestern im Herrn,
„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde“, berichtet der Evangelist Lukas (Lk 2,8). Dieser Hinweis ist der Grund, weshalb auch wir Nachtwache halten. Die Nachtwache der Hirten ist der Grund, weshalb wir in dieser Nacht zum Gottesdienst aufgebrochen sind. Wir in Erinnerung, sie, die Hirten, in Erwartung. Gleich den Hirten vernehmen auch wir die frohe Kunde: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist Christus, der Herr“ (Lk 2,11). Wir vernehmen die Kunde im Bewusstsein, dass wir gerettet, erlöst sind; sie vernahmen die Kunde in der Hoffnung, gerettet, erlöst zu werden. Sie schauen nach vorn, wir schauen zurück.
Im Mittelpunkt unserer Feier steht die Botschaft der Erlösung. Wäre irgend ein Kind geboren worden, hätten wir uns nicht versammelt, obwohl die Geburt eines jeden Kindes für die Welt eine Freude sein muss. Weil aber dieses Kind der Retter ist, unser Retter, unser Heiland, unserer Erlöser, deshalb sind wir hier. Von ihm nämlich hängt unser Leben ab, dieses Leben und das künftige Leben.

Daher hat auch das Glaubensbekenntnis, die Sammlung der Grundwahrheiten unseres Glaubens, dieses Ereignis aufgenommen, und wir werden anschließend bekennen: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“ (qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis). Was in der Heiligen Nacht geschehen ist – die Geburt Jesu – ist zu unserem Heil geschehen. Es ist geschehen, damit wir aus unserer menschlichen Not befreit werden. Es ist geschehen, damit das Böse, damit Verletzungen, Hass, Unfriede, Unglück, Elend, ja der Tod ein Ende nehmen. Es ist geschehen, damit wir erlöst werden und uns die Tür zum Himmel offen stehe.

„Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“. Wir haben eben den Akzent auf den Ausdruck Heil gelegt. Nun gibt es kein Heil ohne Gott. Wir Menschen müssen uns dessen von neuem bewusst werden, wir, die wir ja an den Menschen glauben. Wir müssen uns bewusst werden: Es gibt kein Heil ohne Gott. Ohne Gottesglauben gibt es kein Heil. Ohne Gottesglauben führt der Glaube an den Menschen zum Unheil, zur Katastrophe. Deshalb hält das Glaubensbekenntnis fest: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“. Der Retter, von welchem der Engel spricht, ist nicht nur ein Mensch. Er ist vom Himmel gekommen. Der Retter ist Gott selber. Da Gott selber der dreifaltige Gott ist, Vater, Sohn und Heiliger Geist, verdeutlicht unser Bekenntnis: Der Retter ist Gottes Sohn. Der Sohn, der in ewiger Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt, ist zu uns gekommen. Er ist aus der Lebensgemeinschaft Gottes in die Lebensgemeinschaft der Menschheit eingetreten. So konnte und wollte er unser Retter sein, wie es uns der Apostel Paulus im Brief an Titus sagt: „Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe („… uns für sich als … Volk reinige“, sagt der Text wörtlich), das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun“ (Tit 2,14).

„Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12). Das Kind in der Krippe ist das Zeichen dafür, dass der Retter geboren ist. Es ist das Zeichen unseres Heils. So gibt es für uns zwei Zeichen der Erlösung: das Kreuz und die Krippe. Die Erlösung geht vom Kind in der Krippe aus. Deshalb fallen wir vor der Krippe nieder und beten an. Amen.

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Quelle

Papstpredigt: „Es ist eine Nacht der Herrlichkeit“

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Papst Franziskus predigt

Predigt von Papst Franziskus
bei der Christmette am Hochfest der Geburt des Herrn

» Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten « (Tit 2,11). Die Worte des Apostels Paulus offenbaren das Geheimnis dieser heiligen Nacht: Die Gnade Gottes, seine unentgeltliche Gabe ist erschienen; in dem Kind, das uns geschenkt ist, wird die Liebe Gottes zu uns konkret.

Es ist eine Nacht der Herrlichkeit – jener Herrlichkeit, die von den Engeln in Bethlehem und auch von uns heute in aller Welt verkündet wird. Es ist eine Nacht der Freude, denn von heute an und für immer ist Gott, der Ewige, der Unendliche, der Gott mit uns: Er ist nicht fern, wir müssen ihn nicht in den Himmelsbahnen suchen oder in irgendwelchen mystischen Vorstellungen. Er ist nahe, ist Mensch geworden und wird sich nie von unserem Menschsein lösen, das er sich zu Eigen gemacht hat. Es ist eine Nacht des Lichtes: Jenes von Jesaja geweissagte Licht, (vgl. 9,1) das die erleuchten sollte, die im Dunkeln lebten, ist erschienen und hat die Hirten von Bethlehem umstrahlt (vgl. Lk 2,9).

Die Hirten entdecken einfach: » Uns ist ein Kind geboren « (Jes 9,5), und verstehen, dass all diese Herrlichkeit, all diese Freude und all dieses Licht sich auf einen einzigen Punkt konzentrieren, auf jenes Zeichen, das der Engel ihnen angegeben hat: » Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt « (Lk 2,12). Das ist das immerwährende Zeichen, um Jesus zu finden. Nicht nur damals, sondern auch heute. Wenn wir das wahre Weihnachten feiern wollen, lasst uns dieses Zeichen betrachten: die zerbrechliche Einfachheit eines kleinen Neugeborenen; die Sanftheit, mit der er daliegt; die zarte Liebe, welche die Windeln ausdrücken, die ihn umhüllen. Dort ist Gott.

Mit diesem Zeichen offenbart uns das Evangelium ein Paradox: Es spricht vom Kaiser, vom Statthalter, von den Großen jener Zeit, aber dort taucht Gott nicht auf; er erscheint nicht im Nobelsaal eines königlichen Palastes, sondern in der Armut eines Stalls; nicht im Prunk der äußeren Erscheinung, sondern in der Einfachheit des Lebens; nicht in der Macht, sondern in einer Kleinheit, die überrascht. Und um ihm zu begegnen, muss man dorthin gehen, wo er ist: Man muss sich niederbeugen, sich erniedrigen, klein werden. Der Knabe, der uns geboren wird, fragt uns an: Er ruft uns, die Trugbilder des Vergänglichen loszulassen, um zum Wesentlichen zu gehen, auf unsere unersättlichen Ansprüche zu verzichten, die ständige Unzufriedenheit und die Traurigkeit um irgendetwas, das uns immer fehlen wird, hinter uns zu lassen. Es wird uns gut tun, diese Dinge loszulassen, um in der Einfachheit des Gotteskindes den Frieden, die Freude und den Sinn des Lebens wiederzufinden.

Lassen wir uns anfragen vom Kind in der Krippe, aber lassen wir uns auch anfragen von den Kindern, die heute nicht in einer Wiege liegen und von der Liebe einer Mutter und eines Vaters umhegt sind, sondern in den elenden „Futterkrippen der Würde“: im unterirdischen Bunker, um den Bombardierungen zu entkommen; auf dem Bürgersteig einer großen Stadt, auf dem Boden eines mit Migranten überladenen Schleppkahns. Lassen wir uns anfragen von den Kindern, die man nicht zur Welt kommen lässt; von denen, die weinen, weil niemand ihren Hunger stillt; von denen, die nicht Spielzeug, sondern Waffen in den Händen halten.

Das Geheimnis, das Licht und Freude ist, fragt an und rüttelt auf, weil es zugleich ein Geheimnis der Hoffnung und der Traurigkeit ist. Es hat einen Beigeschmack der Traurigkeit, weil die Liebe nicht aufgenommen und das Leben ausgesondert wird. So geschah es Josef und Maria, die auf verschlossene Türen stießen und Jesus in eine Krippe legten, » weil in der Herberge kein Platz für sie war « (Lk 2,7). Jesus wurde geboren – abgelehnt von einigen und unter der Gleichgültigkeit der meisten. Auch heute kann es dieselbe Gleichgültigkeit geben, wenn Weihnachten zu einem Fest wird, bei dem die Hauptfiguren wir sind und nicht Er; wenn die Lichter des Gewerbes das Licht Gottes in den Schatten stellen; wenn wir uns abmühen für die Geschenke und den Ausgegrenzten gegenüber gefühllos bleiben. Diese Weltlichkeit hat Weihnachten zur Geisel genommen, wir müssen es befreien.

Doch Weihnachten hat vor allem den Geschmack der Hoffnung, weil trotz unserer Finsternis das Licht Gottes leuchtet. Sein freundliches Licht macht keine Angst; Gott, der in uns verliebt ist, zieht uns an mit seiner Zärtlichkeit, indem er arm und zerbrechlich in unserer Mitte zur Welt kommt, als einer von uns. Er wird geboren in Bethlehem, was bedeutet „Haus des Brotes“. Er scheint uns auf diese Weise sagen zu wollen, dass er als Brot für uns geboren wird; er kommt zum Leben, um uns sein Leben zu geben; er kommt in unsere Welt, um uns seine Liebe zu bringen. Er kommt nicht, um zu verschlingen und zu befehlen, sondern um zu ernähren und zu dienen. So gibt es eine unmittelbare Verbindung von der Futterkrippe zum Kreuz, wo Jesus gebrochenes Brot sein wird: Es ist die unmittelbare Verbindung der Liebe, die sich hingibt und uns rettet, die unserem Leben Licht und unseren Herzen Frieden schenkt.

Das haben in jener Nacht die Hirten begriffen, die zu den Ausgegrenzten von damals gehörten. Aber in den Augen Gottes ist niemand ausgegrenzt, und gerade sie waren die Eingeladenen zur Weihnacht. Die Selbstsicheren, Selbstzufriedenen waren zu Hause bei ihren Angelegenheiten; die Hirten hingegen » eilten hin « (vgl. Lk 2,16). Lassen auch wir uns in dieser Nacht von Jesus anfragen und zusammenrufen, gehen wir vertrauensvoll zu ihm, von dem Punkt aus, in dem wir uns ausgegrenzt fühlen, von unseren eigenen Grenzen aus. Lassen wir uns von der Zärtlichkeit berühren, die rettet. Nähern wir uns Gott, der uns nahe kommt, halten wir inne, um die Krippe anzuschauen, stellen wir uns die Geburt Jesu vor: das Licht und den Frieden, die extreme Armut und die Ablehnung. Treten wir mit den Hirten in die wahre Weihnacht ein, bringen wir das zu Jesus, was wir sind, unsere Ausgrenzungen, unsere nicht ausgeheilten Wunden. So werden wir in Jesus den wahren Geist von Weihnachten kosten: die Schönheit, von Gott geliebt zu werden. Stehen wir mit Maria und Josef vor der Krippe, vor Jesus, der geboren wird als Brot für mein Leben. Und indem wir seine demütige und grenzenlose Liebe betrachten, sagen wir ihm Dank: Danke, weil du all das für mich getan hast.

(rv 24.12.2016 ord)

CORDULA PEREGRINA – KRIPPE UND ALTAR

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Oberhalb des Marktes Schwaz in Tirol liegt auf einem Bergvorsprung das alte Schloß Freundsberg. Noch steht wohlbehalten und bedacht der hohe, starke Turm und ein Teil der Ritterburg, in welchem ein kleines Wohnhaus sich befindet. An dieses angebaut ist auch eine gar liebe Kapelle, wo das heiligste Sakrament aufbewahrt wird. Hierher hatte nun vor wenigen Jahren die „Misericordia Domini“, die Barmherzigkeit Gottes, ein Menschenkind hoch vom nördlichen Deutschland herabgeführt, nachdem sie es aus dem Dunkel und Dämmerscheine der Irrlehre an das helle Tageslicht katholischer Wahrheit gezogen.
Dort auf Freundsberg, inmitten einer braven Handwerkerfamilie, hatte das Menschenkind Herberge genommen in unmittelbarer Nähe unter einem Dache mit dem Herrn des Himmels und der Erde, der ebenfalls dort im Kirchlein seine Wohnung aufgeschlagen. Und dort nun ist dieses Büchlein entstanden. Was der betrachtenden Seele in stiller Stunde das ewige Licht von dem Herrn im heiligen Tabernakel erzählt hat, hat sie hier aufgeschrieben sich selbst und anderen Menschen zu einem Behelfe und gutem Troste! Es erzählt von der Liebe des ewigen Wortes, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat und noch immer wohnt.
Es ist eine bekannte Thatsache, daß Konvertiten, zumal in der ersten Zeit nach ihrer Rückkehr zur katholischen Kirche, unter allen Geheimnissen das des hochheiligsten Altarssakramentes am lieblichsten finden, und ihm ihre wärmste Aufmerksamkeit schenken. Kein Wunder! Die armen Protestanten haben ja von Christo nichts als sein gedrucktes Wort. Je gläubiger sie indes dies Wort aufnehmen, desto mehr werden sie sich sehnen nach ihm, der „umherging und Gutes that“, und desto mehr müssen sie sich verlassen fühlen, weil sie ihn, der in der Geschichte der heiligen Evangelien leibt und lebt, nicht mehr auf Erden finden.
Sie sind und fühlen sich verwaist trotz des treuen Wortes, das sie von ihm in der Bibel lesen. „Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen.“ So müssen sie nach ihm dürsten, nach seiner heiligen Nähe schmachten, ihn suchen mit dem Herzen. Aber ihr armer Glaube zeigt ihn nirgends auf Erden.
Allein von dem Augenblicke an, wo sie zur Wahrheit der katholischen Kirche zurückgekehrt sind, wo sie, von ihr geführt, zum Altare kommen, wo sie das erste Mal mit vollem Glauben hören und verstehen. „Sieh‘ da das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt!“ da wird ihr Sehnen gestillt, da fühlen sie sich daheim, da empfinden sie die Nähe des erbarmungsvollen Herzens, das alle Mühseligen und Beladenen zu sich ruft zu freundlicher Erquickung; da kann Herz zu Herz und Mund zu Mund sich aussprechen und das Auge sich in Dank und Liebe ausweinen vor ihm, der sie von Ewigkeit geliebt und erbarmend an sich gezogen.
Da ist nicht mehr bloß toter Buchstabe, der vom Herrn erzählt, ist nicht mehr bloß ein stummes Bild, das den abwesenden Heiland bedeutet; da, in dem „Gezelt Gottes unter den Menschen“, ist er selbst, Jesus Christus, ist er ganz und wahr und wesenhaft im vollsten Leben zugegen. Noch mehr, hier im heiligsten Sakramente finden sich alle die einzelnen Geheimnisse seines Lebens nicht etwa nur im Bilde, sondern sie erneuern sich, setzen sich fort wirklich und wesenhaft und in voller Wahrheit, und es fügt dies heilige Sakrament denselben neue Züge voll Anmut, Liebreiz, Mannifaltigkeit und Menschenfreundlichkeit hinzu.
Hier erneuert sich seine Menschwerdung. In seiner ersten Herabkunft wurde er das Geschenk für die ganze Welt; hier auf dem Altare wird er das Geschenk für jede einzelne Seele. Dort wie hier ist er ein verborgener Gott, aber während in der Menschwerdung nur die Gottheit sich verbarg, ist hier in noch größerer Entäußerung sogar die Menschheit verschleiert. Wollten wir endlich alle die Wunder berücksichtigen, welche in der unbegreiflichen Vereinigung der zweiten göttlichen Person mit der menschlichen Natur stattgefunden, so würden wir ähnliche in der geheimnisvollen Wandlung des Brotes in den Leib des Herrn entdecken.
Hier erneuert sich sodann die Geburt des Herrn in geheimnisvoller Weise: „Das Kind“, sagt Peter Faber, „wird in Bethlehem geboren, dem Hause des Brotes, und zwar geboren in einer Krippe, wie um anzudeuten, daß es die Nahrung des Menschen sein sollte. Der Altar und die Krippe bieten zu viele Vergleichungspunkte dar, als daß es nötig wäre, sie besonders hervorzuheben. Die Windeln von Bethlehm sind die Gestalten der Hostie. Die Wandlung in der Messe entspricht dem Geheimnis der Geburt, und die verschiedenen Dienstleistungen seiner Priester, die seinen anbetungswürdigen Leib vertraulich berühren, sind eben nur so viele Erinnerungen der mannigfaltigen Dienste, die er aus den Händen seines Nährvaters, des heiligen Joseph zu empfangen sich herabließ, so daß wir, wenn wir zuerst über das eine und dann über das andere dieser Geheimnisse nachdenken, denselben Gedankengang in unserem Geiste und dieselben Gebete auf unseren Lippen finden.“
Hier setzt sich ferner das Leben des Gottmenschen im stillen Häuschen zu Nazareth fort. Zwei Dinge kennzeichnen das Jugendleben des Heilandes, insoweit es nach außen getreten: Verborgenheit in armer Hütte, und Gehorsam gegen seine Eltern. Und derselbe Heiland, wie tief verschleiert, wie still gehorsam ruht er nicht im heiligsten Sakramente! Aber das innere Leben, das Leben seines Herzens, die Anbetung seines Vates, und die Liebe zu den Menschen, ist hier gleichsam vertausendfacht, nach der Zahl der Altäre, auf welchen er in heiliger Hostie zugegen ist.
Hier setzt er auch die Lehren, die Wunder, die Beispiele seines öffentlichen Lebens fort, mit dem Unterschiede, daß sie hier nur dem Glauben wahrnehmbar sind, dort aber auch den Blicken und dem Gehöre des Leibes zugänglich waren. Er ist ja im heiligsten Sakramente noch ganz derselbe, von dem ein Augenzeuge berichtet hat: „Er zog herum und that Gutes.“ Jawohl – Gutes thun im verborgenen, das ist das ganze Geschäft des Herrn in der Hostie. Hier heilt er Kranke, tröstet er Betrübte, erleuchtet er Blinde, nährt er die gläubige Volksmenge mit dem Wunderbrote; hier verzeiht er den Reuigen, belehrt er die Unwissenden, ermutigt er die Zagenden, hier leuchtet das Beispiel seines Seeleneifers, seiner Sanftmut, seiner Demut, wenn möglich, in noch helleren, gewiß aber in noch rührenderen Zügen als selbst in seinem sichtbaren Wandel auf Erden.
Hier setzt er vor allem das Geheimnis seines Leidens und Sterbens fort. Hier ist dasselbe heilige Mahl, das er am Vorabende seines Todes den Jüngern bereitet und ausgeteilt, hier ist derselbe Priester, dasselbe Opfer, wie auf Golgatha. Auch das Sterben geht hier vor, und zwar mehr als im bloßen Bilde, in tiefverborgener geheimnisvoller Weise, wenn der Priester durch das Schwert des Wortes in unblutiger Trennung den Leib und das Blut des Herrn sondert. (Gregor v. Naz.)
Endlich führt der Herr im heiligsten Sakrament auch ein verherrlichtes Leben im Himmel. Es ist ja der verklärte Leib, den wir gegenwärtig anbeten auf unseren Altären. Und wenn der Apostel von dem Heilande im Himmel sagt: er lebe dort, „um immerdar fürzubitten für uns“, gilt dies nicht ganz genau von seiner stillen Thätigkeit auf dem Altare? Ist es nicht ein ununterbrochenes Gebetsleben, das er hier führt? Und läßt er nicht auch hier seine Auserwählten schon im vorhinein trinken von dem Strome himmlischer Wonne, beseligender Entzückung?
So hat sich denn der Herr in der That seiner Kirche im Altarssakrament hingegeben mit der ganzen Fülle seines Seins, seiner Gnaden, seiner Liebe. Wie die sieben Grundfarben sich zu dem einen weißen Sonnenstrahl vereinen, in ihm sich verschmelzen, umwandeln, verbergen, so haben sich die sieben großen Geheimnisse des Gottmenschen, die Menschwerdung, die Geburt, das verborgene Leben in Nazareth, das öffentliche Leben, Leiden und Tod, die Auferstehung und die Verherrlichung im Himmel in dem einen größten Geheimnisse, im Sakrament der Liebe, im Denkmale seiner Wunder, vereint, verschmolzen und verborgen.
Und wie nun die Sonne am Himmel hinzieht durch den Kreis und Umlauf des Erdenjahres, so wandelt und wandert die Geistessonne, das hochheiligste Sakrament mit seiner Glut, mit seinem Leuchten, hindurch im Festkreise des Kirchenjahres. Wie von ihm aus bis in die äußersten Kreise des Lebens der Strom der Gnaden geht, so kehrt auch das kirchliche Leben von seinen äußersten Verzweigungen wieder zu ihm zurück. In der heiligen Messe konzentriert sich dies ganze gottesdienstliche Leben der Kirche. Wem gelten denn nun die Gebete, die Gesänge, die hohen Gedanken und Empfindungen mit ihren eigentümlichen Färbungen, welche die Kirche in den Tagen der heiligen Weihnacht, der Karwoche, der Ostern und der Pfingstfeste zur Zeit der Meßfeier darbringt? Wem denn anders als ihm allein, der in der heiligen Hostie bleibt und lebt, Christo, gestern und heute derselbe! So wird in der That der „Festkreis des Kirchenjahres von dem Sehnen in dunkler Adventsnacht bis zum hellen Osterjubel, bis zum sonnendurchleuchteten Pfingstmorgen nichts anderes, als diese ewige Gegenwart, ewige Menschwerdung, das stete Lehren, Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen des Herrn in seiner Kirche, den gesamten Gottesdienst durchdringend, in welchem so die große That der Welterlösung immer aufs neue lebendig und wahrhaftig vor den Augen der christlichen Gemeinde sich vollzieht.“ (Hettinger, Apologie.)
Es wäre gewiß ein vedienstvolles Unternehmen, alle diese wundervollen Beziehungen, die Erinnerung und Fortsetzung der sieben großen Abschnittte des Lebens Jesu im heiligsten Altarssakramente durch eine gediegene Schrift darzuthun; es würde ein solches Buch gleichsam ein fünftes Evengelium, das Evangelium des Altarssakramentes werden. – Soviel ich weiß, ist ein solches Werk noch nicht verfaßt worden, wenigstens kenne ich keines in einer auch dem gläubigen Volke faßlichen Darstellungs- und Sprachweise.
In dem vorliegenden Buche von C. Wöhler ist damit aber ein Anfang gemacht. Es ist darin Eines der sieben Geheimnisse, wohl das lieblichste und zarteste von allen, das Geheimnis der Geburt mit Berührung zweier anderer, nahe liegender Geheimnisse in seiner Beziehung zum heiligsten Sakramente dargetahn; es erzählt uns, wie das Kindlein von Bethlehem sein Leben und Wirken erneuert und fortsetzt im heiligsten Geheimnisse des Altares. Indem sich diese Betrachtungen eng an die kirchliche Reihenfolge der Feste vom ersten Adventssonntage bis zum Feste der Lichmesse anschließen, stehen sie auf dem festen, fruchtbarsten Boden des kirchlichen Gottsdienstes. Indem sie aber ausgehen von der Teilnahme und dem Mitleben, welches das gläubige Volk in Tirol zu diesen gottesdienstlichen Festlichkeiten mitbringt, beruhen sie auf dem interessanten, lebendigen, beweglichen Boden des Volkslebens, werden dadurch dem Volke selbst verständlich, wirken anregend, zum Nachdenken auffordernd, und dienen zur Weckung jener Seelenstimmung, welche das gläubige Gemüt dem Festkreise der Weihnachten entgegenbringen soll, um innerlich gehoben, erfreut, beseligt zu werden durch die Geburt des Herrn. Beides aber, Kirchenleben und Volksleben in heiliger Advents- und Weihnachtszeit führen auf den Einen Gegenstand katholischer Liebe, auf das Kindlein in der Hostie hin, sowie sie beide von ihm ihr schönstes Licht, ihre süßeste Verklärung und ihre gottgefällige Heiligung finden. –
Darum wünsche ich dem Buch Glück auf seiner Reise, freundliche Aufnahme bei zahlreichen gläubigen Herzen, den Lesern des Buches aber gelte der apostolische Wunsch, daß sie wachsen in Gnade und in Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, dem Ehre sei jetzt und in den Tagen der Ewigkeit. Amen. (II. Petr. 3,18.)Am Feste des seligen Petrus Canisius 1880, P. Fr. Hattler S.J.
VORREDE zum Buch: „Krippe und Altar oder Weihnachten in der Eucharistie“ – Betrachtungen von C. Wöhler. Sechste, verbesserte und vermehrte Auflage. Mit oberhirtlicher Druckgenehmigung. Regensburg 1902. Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz Buch- u. Kunstdruckerei, A.-G. München-Regensburg.
Archivexemplar des Immaculata-Verlags, Appenzell, Schweiz. Transkription von mir [POS]
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Quelle


LEBENSLAUF VON CORDULA WÖHLER (WIKI):

Cordula Wöhler später Cordula Schmid, Pseudonym Cordula Peregrina (* 17. Juni 1845 in Malchin; † 6. Februar 1916 in Schwaz, Tirol), war eine religiöse Schriftstellerin und Dichterin, von der auch der Text des im gesamten deutschen Sprachraum verbreiteten Kirchenliedes „Segne Du Maria“ stammt.

Cordula Wöhler war die Tochter des Theologen Dr. Wilhelm Wöhler (1814-1884), zur Zeit ihrer Geburt Schulrektor in der mecklenburgischen Landtagsstadt Malchin, später evangelisch-lutherischer Pastor von Lichtenhagen bei Rostock. Ihre erste Begegnung mit dem katholischen Glauben hatte die junge Frau über die Bücher der geistlichen Schriftsteller Christoph von Schmid und Alban Stolz.

Im August 1864 bereiste Cordula mit ihrer Familie Thüringen, Bayern, Tirol und die Schweiz. Hier erlebte das Mädchen erstmals selbst den katholischen Gottesdienst, der nach eigenem Bekunden wegen seiner Pracht und Sakralität „großen Eindruck“ auf sie machte. Sie trat daraufhin in einen langen Briefwechsel mit Professor Alban Stolz ein.

Nach einem erneuten Urlaubsaufenthalt mit den Eltern 1868 in Süddeutschland entschloss sich die junge Frau zum katholischen Glauben zu konvertieren. Im März 1869 wurden die Eltern darauf aufmerksam und es kam zu heftigen Kontroversen mit ihnen. Mit 25 Jahren erklärte Cordula Wöhler 1870 ihre Großjährigkeit und teilte den Eltern den definitiven Entschluss zum Glaubenswechsel mit. Diese warfen sie daraufhin aus dem Haus, da sie als Katholikin nicht länger in einem evangelischen Pfarrhaus wohnen könne.

Unter dem Eindruck dieser tragischen, persönlichen Ereignisse reimte Cordula Wöhler damals eine selbstverfasste Gebetshymne an Maria, zu der sie vertrauensvoll ihre Zuflucht nahm. So entstand am letzten Tag des Monats Mai 1870 ihr berühmtestes Gedicht „Segne Du Maria, segne mich, Dein Kind“, das der niederbayerische Kirchenkomponist Karl Kindsmüller (1876 – 1955) später vertonte.

Heute zählt es zu den volkstümlichsten Marienliedern im deutschen Sprachraum, vor allem in Bayern, Österreich und Tirol; dort ist es zum Gemeingut geworden und kann von den meisten Gläubigen auswendig gesungen werden. Vor 1975 war es in fast allen süddeutschen Diözesangesangbüchern enthalten und wurde auch in diverse Regionalteile des seither eingeführten katholischen Einheitsgesangbuches „Gotteslob“ übernommen.

Am 10. Juli 1870 trat Cordula Wöhler zu Freiburg im Breisgau in die katholische Kirche ein. Das Glaubensbekenntnis legte sie vor dem Erzbistumsverweser und Weihbischof Lothar von Kübel ab. Drei Tage später wurde sie gefirmt und am 16. Juli empfing sie erstmals die heilige Kommunion.

Ab März 1871 lebte die Konvertitin in Tirol. Lukas Tolpeit, der Pfarrkurat von Eben am Achensee, hatte ihr eine Stelle im dortigen Pfarr-Widum angeboten. Nebenher schrieb sie Gedichte und verfasste religiöse Schriften. Dann zog sie nach Schwaz und kam schließlich bei einem jungen Paar auf dem Freundsberg bei Schwaz unter.

Hier überarbeitete sie ihr später weit verbreitetes Buch „Was das Ewige Licht erzählt“, das in 25 Auflagen erschien und sie weiter bekannt machte. In dieser Zeit war der Franziskanerpater Arsenius Niedrist ihr Seelenführer. Andere Publikationen folgten, sowohl in Prosa, als auch Werke religiöser Lyrik. Teilweise erschienen sie unter dem Pseudonym „Cordula Peregrina“.

Eine Lebenszäsur trat 1876 ein. Josef Anton Schmid aus Oberstaufen im Allgäu wandte sich an die Dichterin und bat sie um ein „frommes Gedicht“ für eine Gedenktafel, die er dem im Rufe der Heiligkeit stehenden Jesuiten Pater Jakob Rem an seinem Geburtshaus in Bregenz widmen wollte.

Zwischen Josef Anton Schmid und Cordula Wöhler entstand ein intensiver Briefwechsel, der auf Grund ihrer beider Seelenverwandtschaft in eine Verlobung mündete, noch ehe sie sich persönlich kannten. Das Paar heiratete schließlich zu Riezlern im Kleinwalsertal und zog nach Bregenz. Cordula Wöhler hieß amtlicherseits nun Cordula Schmid, blieb aber unter ihrem Geburtsnamen allgemein bekannt. 1881 übersiedelte das Ehepaar nach Schwaz, wo es ein Haus in der Innsbrucker Straße erwarb und später zwei Waisenkinder adoptierte.

Hier lebte und wirkte Cordula Wöhler weiter als religiöse Dichterin bzw. Schriftstellerin und zusammen mit ihrem Mann als Aktivistin in der katholischen Pfarrgemeinde. Sie starb dort am 6. Februar 1916; ihr Mann folgte ihr schon am 25. Mai des gleichen Jahres nach. Beide liegen an der Südwand der Pfarrkirche von Schwaz begraben.

Das Verhältnis zur Familie hatte sich nach und nach verbessert. Schließlich stand sie mit den Eltern und ihrer Schwester wieder in brieflichem Kontakt und wurde auch gelegentlich von ihnen in Schwaz besucht. In ihrer norddeutschen Heimat ist Cordula Wöhler jedoch nie mehr gewesen.