Papst bei Gebetsvigil: Beten und zuhören – aber dann handeln!

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Franziskus mit dem Gnadenbild von Guadalupe

„Der Rosenkranz ist das Gebet, das mein Leben begleitet… das Gebet meines Herzens.“ Das hat der Papst an diesem Freitag in einer Twitter-Botschaft geschrieben. An diesem Samstagabend nun betete Franziskus mit mehreren tausend Menschen auf dem Petersplatz die glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes – und brachte das alte Gebet mit seinem derzeitigen Lieblingsthema, der göttlichen Barmherzigkeit, in Zusammenhang. Der Anlass dazu war eine Gebetvigil vor dem Marien-Jubiläum des Heiligen Jahres, das am Sonntag auf dem Petersplatz gefeiert wird.

„Das Rosenkranzgebet ist in vieler Hinsicht die Zusammenfassung der Geschichte der Barmherzigkeit Gottes“, so der Papst am Samstagabend. „Die Geheimnisse, die an uns vorbeiziehen, sind konkrete Gesten, in denen sich das Handeln Gottes uns gegenüber entfaltet. Durch das betende Betrachten des Lebens Jesu Christi sehen wir wieder sein barmherziges Antlitz, das allen in den verschiedenen Nöten des Lebens entgegenkommt. Maria begleitet uns auf diesem Weg und zeigt uns dabei den Sohn, der die Barmherzigkeit Gottes selbst ausstrahlt.“

Allerdings war der Papst weit davon entfernt, dem passiven Betrachten alter Heilsgeheimnisse das Wort zu reden. Für ihn lenkt das Beten direkt hin zum Handeln: „Das Rosenkranzgebet führt uns nicht von den Sorgen des Lebens weg; im Gegenteil, es verlangt von uns, uns in die Geschichte aller Tage hineinzubegeben, um die Zeichen der Gegenwart Christi in unserer Mitte erkennen zu können. Sooft wir einen Moment ein Geheimnis des Lebens Christi betrachten, sind wir eingeladen zu erfassen, auf welche Weise Gott in unser Leben eintritt, um ihn dann aufzunehmen und ihm zu folgen.“ Christen dürfen, so Franziskus, „das Geschenk seiner Gegenwart nicht in uns einschließen“: „Wir sind Jünger, aber auch Missionare und Überbringer Christi dort, wo er uns bittet, präsent zu sein!“

Maria lehre uns zu verstehen, „was es bedeutet, Jünger Christi zu sein“. Sie habe zunächst einmal auf Gottes Botschaft, die ihr der Engel brachte, gehört. Doch dann sei sie in Aktion getreten, und das belege das Evangelium: „Daher begab sich Maria sofort zu Elisabeth, um ihr in ihrer Schwangerschaft zu helfen (vgl. Lk 1,39-56); in Bethlehem brachte sie den Sohn Gottes zur Welt (vgl. Lk 2,1-7); in Kana sorgte sie sich für die jungen Brautleute (vgl. Joh 2,1-11); auf Golgota wich sie nicht vor dem Schmerz zurück, sondern blieb unter dem Kreuz Jesu und wurde nach seinem Willen zur Mutter der Kirche (vgl. Joh 19,25-27)… In jedem dieser Momente bringt Maria den Reichtum der göttlichen Barmherzigkeit zum Ausdruck, die jedem in den täglichen Nöten entgegenkommt.“

(rv 08.10.2016 sk)

JOHANNES PAUL II. IN DER WALLFAHRTSKIRCHE VON GUADALUPE

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Sei gegrüßt, Mutter Lateinamerikas!

Homilie beim Gottesdienst in der Wallfahrtskirche von
Guadalupe am 27.1. 1979

1. Gruß dir, Maria!
Meine Freude ist groß, verehrte Brüder im Bischofsamt und geliebte Söhne und Töchter, daß die ersten Schritte meiner Wallfahrt als Nachfolger Pauls VI. und Johannes Pauls I. mich gerade hierher führen. Sie führen mich zu dir, Maria, in dieses Heiligtum des Volkes von Mexiko und von ganz La­teinamerika, in dem du dich seit so vielen Jahrhunderten als Mutter kund­getan hast.

Gruß dir, Maria!
Mit großer Liebe und Ehrfurcht spreche ich diese so schlichten und gleich­zeitig so wundervollen Worte aus. Niemand wird dich je in einer wunderba­ren Weise grüßen können, als es damals der Engel bei der Verkündigung getan hat! Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Diese Worte wiederhole ich, die so viele Herzen in aller Welt in sich tragen und so viele Lippen bekennen. Wir alle, die wir hier anwesend sind, wieder­holen sie zusammen im Bewußtsein, daß dies die Worte sind, mit denen Gott selbst durch seinen Boten dich begrüßt hat, dich, die Frau, im Garten Eden uns versprochen und von Ewigkeit her erwählt als Mutter des Wortes, Mutter der göttlichen Weisheit, Mutter des Gottessohnes.

2. Dein Sohn Jesus Christus ist unser Erlöser und Herr. Er ist unser Meister. Wir alle, die wir hier vereint sind, sind seine Jünger. Wir sind die Nachfolger der Apostel, denen der Herr gesagt hat: „Geht also zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen ‚Jüngern‘ und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles befolgen, was ich euch geboten habe. Und seht, ich bin bei euch alle Tage bis zur Voll­endung der Welt“ (Mt 28, 19-20).

Wir, der Nachfolger Petri und die Nachfolger der Apostel, die wir hier ver­sammelt sind, legen Zeugnis davon ab, daß sich diese Worte hier in diesem Land auf wunderbare Weise erfüllt haben.

Seitdem im Jahre 1492 die Verkündigung der Frohen Botschaft in der Neuen Welt begonnen hat, gelangt der Glaube schon gut 20 Jahre später nach Mexiko. Nur wenig später entsteht das erst Erzbistum unter der Lei­tung von Juan de Zumärraga, auf den andere große Gestalten von Verkün­dern der Frohen Botschaft folgen, die das Christentum bis in weit entfernte Gegenden verbreiten.

Andere nicht weniger glorreiche Lobgesänge werden in diesem Erdteil auf Männer angestimmt, wie auf den hl. Toribio von Mogroviejo und noch viele andere, die es verdienten, hier genannt zu werden. Die Verbreitung des Glaubens schreitet dann ohne Unterbrechung voran, und nach einem Jahr­hundert der Verkündigung der Frohbotschaft gibt es auf dem neuen Konti­nent mehr als 70 Bischofssitze mit 4 Millionen Christen. Ein einmaliger Vorgang, der sich über lange Zeit fortsetzt und bis zum heutigen Tag, nach fünf Jahrhunderten der Evangelisation, fast die Hälfte der ganzen katholi­schen Kirche umfaßt, die in der Kultur des lateinamerikanischen Volkes verwurzelt und Bestandteil seiner eigenen Identität ist.

Und in dem Maß, in dem sich in diesen Ländern der Auftrag Christi erfüllte, in dem Maß, in dem durch die Taufgnade überall die Zahl der Gotteskinder zunahm, erscheint auch die Mutter. In der Tat, dir, Maria, zeigte der Sohn Gottes und gleichzeitig dein Sohn von der Höhe des Kreuzes herab einen Mann und sagte: „Frau, da ist dein Sohn“ (Joh 19, 26). In diesem Mann hat er dir jeden Menschen anvertraut, hat er dir uns alle anvertraut. Und du, die du im Augenblick der Verkündigung mit diesen einfachen Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, was du gesagt hast“ (Lk 1, 38), das ganze Programm ihres Lebens zusammengefaßt hast, umarmst alle, näherst dich allen und suchst alle wie eine Mutter. Auf diese Weise er­füllt sich, was das letzte Konzil über deine Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche erklärt hat. Auf immer gehörst du in wunderbarer Weise zum Geheimnis Christi, deines eingeborenen Sohnes, weil du immer dort stehst, wo die Menschen, seine Brüder, stehen, wo die Kirche steht.

Tatsächlich lehrten die ersten Missionare, die in Amerika ankamen und aus Ländern mit einer hervorragenden marianischen Tradition stammten, mit den Grundlagen des christlichen Glaubens auch die Liebe zu dir, der Mutter Jesu und aller Menschen. Seitdem der Indio Juan Diego von der Lieben Frau von Tepeyac kündete, trittst du, Mutter von Guadalupe, in entschei­dender Weise in das christliche Leben des Volkes von Mexiko ein. Ebenso bedeutend ist deine Gegenwart an anderen Orten geworden, wo die Gläu­bigen dich unter verschiedenen Namen liebevoll verehren, wie Unsere Liebe Frau von der Hohen Gnade, von der Erscheinung, von Lujän und an­deren ebenso innigen Namen, um nicht eine endlose Reihe nennen zu müs­sen, mit denen in jeder Nation und sogar in jeder Gegend die Völker Latein­amerikas dir ihre tiefste Verehrung bekunden und wo du sie beschützt auf ihrer gläubigen Pilgerschaft.

Der Papst — der aus einem Land kommt, in dem deine Bilder, besonders je­nes von Jasna Góra, auch ein Zeichen deiner Gegenwart im Leben der Na­tion mit ihrer gefahrvollen Geschichte sind — hat ein besonderes Empfinden für dieses Zeichen deiner Gegenwart hier im Leben des Gottesvolkes von Mexiko, in seiner Geschichte, die auch nicht leicht und manchmal sogar dramatisch war. Aber du bist in gleicher Weise gegenwärtig im Leben so vieler anderer Völker und Nationen Lateinamerikas dadurch, daß du nicht nur seine fernere oder nähere Vergangenheit prägst und bestimmst, son­dern auch die Gegenwart mit ihren Unsicherheiten und Schatten. Dieser Papst nimmt im Innersten seines Herzens die besonderen Bindungen wahr, die dich mit diesem Volk einen und dieses Volk mit dir. Dieses Volk, das dich begeistert „La Morenita“ nennt. Dieses Volk — und mit ihm dieser ganze riesige Kontinent — lebt in einer geistlichen Einheit dank der Tatsa­che, daß du die Mutter bist. Eine Mutter, die mit ihrer Liebe wirkt, bewahrt und ihren Söhnen und Töchtern immer wieder Gelegenheit gibt, sich nä­hern zu können.

3. Wir treffen uns in einer außergewöhnlichen und eindrucksvollen Stunde der Weltgeschichte. Wir kommen zu diesem Ort im Bewußtsein, daß wir uns an einem entscheidenden Punkt der Entwicklung befinden. Mit dieser Bischofsversammlung wollen wir an die vorhergegangene Vollversamm­lung der lateinamerikanischen Bischöfe anknüpfen, die vor zehn Jahren in Medellin stattgefunden hat, in zeitlichem Zusammenhang mit dem Eucha­ristischen Weltkongreß von Bogotá, und an der der unvergessene Papst Paul VI. teilgenommen hat. Wir sind nicht so sehr deswegen hierherge­kommen, um nach Ablauf von zehn Jahren das gleiche Problem noch ein­mal zu behandeln, sondern eher, um es auf eine neue Weise, an einem neuen Ort und in einem neuen historischen Augenblick zu überprüfen. Wir wollen dabei das als Ausgangspunkt nehmen, was in den Dokumenten und Beschlüssen jener Konferenz enthalten ist. Gleichzeitig versuchen wir, auf der Basis der Erfahrung dieser zehn Jahre und der Entwicklung des Denkens sowie im Licht der Erfahrungen der ganzen Kirche einen richtigen und notwendigen Schritt nach vorne zu tun.

Die Konferenz von Medellin fand kurze Zeit nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils statt, des Konzils unseres Jahrhunderts, und hatte zum Gegenstand, die dadurch entstandenen neuen Fragestellungen und wesentlichen Inhalte des Konzils aufzugreifen, um sie auf die konkrete Si­tuation der lateinamerikanischen Kirche anzuwenden oder sie zur Orientie­rung zu nehmen.

Ohne das Konzil wäre die Versammlung von Medellin nicht möglich gewe­sen; diese wollte ein Impuls sein für die pastorale Erneuerung, ein neuer „Geist“, um der Zukunft ein neues Antlitz zu geben, und dies in voller kirchlicher Treue und in Auslegung der Zeichen der Zeit in Lateinamerika. Die Absicht der Evangelisation war sehr klar und trat in den behandelten 16 Themen offen zu Tage, die sich auf drei große, sich gegenseitig ergän­zende Themenkreise verteilten: menschlicher Fortschritt, Evangelisation und Wachstum im Glauben, die konkrete Kirche und ihre Strukturen. Mit einer Option für den Menschen Lateinamerikas, betrachtet in all seinen Lebensbereichen, mit seiner vorzugsweisen, aber nicht ausschließlichen Liebe für die Armen, mit seinem mutigen Einsatz für die vollständige Be­freiung der Menschen und Völker war Medellin — und die dort gegenwär­tige Kirche — ein Ruf der Hoffnung auf christlichere und menschlichere Ziele hin.

Aber es sind seitdem mehr als zehn Jahre vergangen. Und es entstanden In­terpretationen von zuweilen gegensätzlicher, nicht immer richtiger und für die Kirche brauchbarer Art. Deswegen sucht die Kirche nach Wegen, die es ihr ermöglichen, die von Jesus Christus erhaltene Sendung tiefer zu verste­hen und mit größerem Einsatz durchzuführen.

Eine große Bedeutung hatten in diesem Zusammenhang die Versammlun­gen der Bischofssynode, die in diesen Jahren stattfanden, vor allem die von 1974 über die Evangelisation, deren Ergebnisse dann in lebendiger und ermutigender Weise im Apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi Pauls VI. zusammengefaßt wurden.

Das ist das Thema, das wir heute über unserem Arbeitstisch anbringen, das wir uns zum Studium vornehmen: „Die Evangelisation in der Gegenwart und für die Zukunft Lateinamerikas.“

Wenn wir uns an diesem heiligen Ort versammeln, um unsere Arbeit zu be­ginnen, tritt uns der Abendmahlssaal in Jerusalem vor Augen, der Ort der Einsetzung der hl. Eucharistie. Im gleichen Abendmahlssaal versammelten sich die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn, damit sie, mit Maria, der Mutter des Herrn, im Gebet vereint, ihr Herz bereiten konnten, um den Heiligen Geist zu empfangen im Augenblick der Geburtsstunde der Kirche. Wir kommen auch deshalb hierher; auch wir hoffen auf die Herabkunft des Heiligen Geistes, der uns die Wege der Evangelisierung erkennen läßt, auf denen die Kirche in unserem Kontinent wirken und sich erneuern muß. Auch wir wollen heute und in den nächsten Tagen im Gebet mit Maria, der Mutter unseres Herrn und Meisters, verweilen: mit dir, Mutter der Hoff­nung, Mutter von Guadalupe.

4. Gestatte also, daß wir, ich, Johannes Paul II., Bischof von Rom und Papst, zusammen mit meinen Brüdern im Bischofsamt, die die Kirche von Mexiko und von ganz Lateinamerika vertreten, in diesem feierlichen Au­genblick dir, der Magd des Herrn, das kostbare Erbe des Evangeliums, des Kreuzes, der Auferstehung, wofür wir alle Zeugen, Apostel, Lehrer und Bi­schöfe sind, anvertrauen und darbringen.

Du, unsere Mutter! Hilf uns, treue Ausspender der großen Geheimnisse Gottes zu sein. Hilf uns, die Wahrheit zu lehren, die dein Sohn verkündet hat, und die Liebe zu verbreiten, die das wichtigste Gebot und die erste Frucht des Heiligen Geistes ist. Hilf uns, unsere Brüder im Glauben zu be­stärken. Hilf uns, die Hoffnung auf das ewige Leben zu wecken. Hilf uns, die großen Schätze zu behüten, die in den Seelen des uns anvertrauten Vol­kes Gottes enthalten sind.

Dir bringen wir das ganze Gottesvolk hier dar. Dir weihen wir die Kirche von Mexiko und des ganzen Kontinents. Wir bieten sie dir an als dein Eigentum. Du, die du in den Herzen der Menschen Eingang gefunden hast durch das Zeichen deiner Gegenwart, dein Gnadenbild im Heiligtum von Guadalupe, mache diese Herzen zu deiner bleibenden Wohnstätte, jetzt und auch in Zukunft. Sei stets gegenwärtig in unseren Familien, in unseren Pfarreien, in unseren Missionen und Diözesen und in allen Völkern.

Dies geschehe durch die heilige Kirche, die, indem sie dich, die Mutter, nachahmt, selbst eine gute Mutter zu sein wünscht. Sie möchte den Gläubi­gen in allen ihren Nöten beistehen, dadurch, daß sie das Evangelium ver­kündet, die Sakramente spendet, das Leben der Familien durch das Sakra­ment der Ehe schützt, alle durch das Sakrament des Altares in der euchari­stischen Gemeinschaft vereint und sie von der Wiege bis zum Eintritt in die Ewigkeit in Liebe begleitet.

Du, unsere Mutter! Wecke in den jungen Generationen die Bereitschaft zum vorbehaltlosen Dienst für Gott. Erflehe uns auch in diesem Land ge­nügend Berufungen zum Priestertum und Ordensleben.

Unsere Mutter! Stärke den Glauben aller unserer Brüder und Schwestern im Laienstand, auf daß sie in allen Bereichen des sozialen, beruflichen, kul­turellen und politischen Lebens nach der Wahrheit und dem Gesetz han­deln, das dein Sohn der Menschheit verkündet hat, um alle zum ewigen Heil zu führen und gleichzeitig auch das Leben auf der Erde menschlicher und menschenwürdiger zu machen.

Die Kirche, die in den amerikanischen Nationen wirkt, die Kirche in Me­xiko will mit all ihren Kräften dieser erhabenen Sendung dienen mit einem erneuerten missionarischen Geist. Du, unsere Mutter! Mach, daß wir dir in Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen vermögen. Mach, daß wir selbst die­sem Weg folgen und andere darauf führen, ohne uns jemals auf Abwege zu verirren und die anderen mitzureißen.

Wir bringen sie dir dar und empfehlen dir alle und alles, was immer Gegen­stand unserer pastoralen Verantwortung ist, indem wir darauf vertrauen, daß du immer bei uns bist und uns verwirklichen hilfst, was dein Sohn uns aufgetragen hat (vgl. Joh 2, 5). Mit diesem grenzenlosen Vertrauen, das wir zu dir haben, wollen wir, ich, Johannes Paul II., zusammen mit allen meinen Brüdern im Bischofsamt von Mexiko und Lateinamerika, dich noch enger mit unserem Amt, mit der Kirche und dem Leben dieser unserer Nationen verbinden. Wir möchten unsere ganze Zukunft, die Zukunft der Evangeli­sierung in Lateinamerika in deine Hände legen.

Königin der Apostel! Nimm an unsere Bereitschaft, der Sache deines Soh­nes, der Sache des Evangeliums und des Friedens, die auf der Gerechtigkeit und der Liebe zwischen den Menschen und den Völkern gegründet ist, vor­behaltlos zu dienen.

Königin des Friedens! Bewahre die Nationen und Völker des ganzen Kon­tinents, die so sehr auf dich vertrauen, vor Kriegen, Haß und Gewalt. Mach, daß alle, Regierende und Staatsbürger, lernen, in Frieden zu leben, sich zum Frieden zu erziehen und zu tun, was die Gerechtigkeit und die Achtung der Rechte eines jeden Menschen fordern, damit sich der Friede festigt.

Nimm an diese unsere vertrauensvolle Hingabe, du Magd des Herrn. Möge deine mütterliche Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche sich in eine Quelle der Freude und der Freiheit für jeden einzelnen und für alle verwandeln; Quelle jener Freiheit, zu der „Christus uns geführt hat“ (Gal 5, 1), und jenes Friedens, den die Welt nicht geben kann, den nur einer gibt, Christus (vgl. Joh 14, 27).

Schließlich erwähnen und bestätigen wir, o Mutter, den Akt meiner Vor­gänger, Benedikts XIV. und Pius‘ X., die dich zur Patronin Mexikos und ganz Lateinamerikas ausgerufen haben. Ich biete dir im Namen aller deiner mexikanischen und lateinamerikanischen Kinder ein Diadem an, damit du sie unter deinem Schutz bewahrst und ihre Eintracht im Glauben und ihre Treue zu Christus, deinem Sohn, behütest. Amen.

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Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls – 5 – Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner Reise in die Dominikanische Republik und nach Mexiko – 26. Jan. bis 4. Febr. 1979

(Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz)

Siehe ferner: